Trumps nächster Schlag gegen die Weltordnung

Die USA und Israel haben den Iran angegriffen. Diese Aggression war lange erwartet worden. Den Angreifern geht es darum, die ebenfalls aggressive Regierung im Iran wegzubomben. Dafür setzt sich US-Präsident Trump nicht nur über Völkerrecht, sondern auch über US-Recht hinweg-

Denn eigentlich kann nach der amerikanischen Verfassung nur der Kongress einen Krieg erklären. Trump hat den Kongress jedoch nicht gefragt. Er wird wohl wieder juristische Winkelzüge zur Geltung zu bringen versuchen, um seine Entscheidung im Nachhinein zu rechtfertigen. Seine Achtung vor jeglicher Rechtsordnung ist bekanntlich nicht besonders ausgeprägt. Man könnte verkürzt sagen: Recht ist das, was ihm nützt.

Links zur FR-Berichterstattung
Chamenei tot, Iran-Regime überlebt? / Straße von Hormus wird zur Sperrzone
Leitartikel: Merz liefert Autokraten Vorlagen

Mit einem gezielten, rabiaten Enthauptungsschlag haben die Angreifer die iranische Staatsführung ausgeschaltet. Die Hoffnung auf einen Regimewechsel wird sich wohl dennoch nicht erfüllen, denn das Mullah-Regime gilt als ziemlich widerstandsfähig. Es hat den Iran 50 Jahre Jahre lang gewaltsam und autoritär beherrscht und Menschen unterdrückt, gefoltert und ermordet. Die Zahl der Menschenrechtsverbrechen, die es begangen hat, ist gewaltig. Unter dieser Führung hat der Iran in mehreren anderen Ländern Terrorstrukturen finanziert und Israel bedroht. Niemand würde diesem Regime auch nur eine Träne nachweinen, angesehen natürlich von den Profiteuren des System, etwa den Revolutionsgarden. Und trotzdem ist die Aggression der beiden Angreiferstaaten nicht akzeptabel.

Vom Völkerrecht will ich an dieser Stelle nicht reden, sondern von der Kopflosigkeit solcher Unternehmungen, die offenbar durchgezogen werden, ohne dass es dahinter eine Strategie gäbe. Einfach die Führung wegzubomben in der Hoffnung, dass die Menschen im Iran sich daraufhin erheben und den Rest des Regimes wegdemonstrieren werden, so dass anschließend alle miteinander in Trumps goldenes Zeitalter aufbrechen – sowas zu glauben ist naiv und gefährlich. Der Iran hat das Potenzial, den gesamten Nahen Osten in einen großen Krieg versinken zu lassen. Die Destabilisierung hat bereits begonnen, indem Ziele in Saudi-Arabien, Katar und den Emiraten beschossen wurden – und zwar nicht nur militärische Ziele. Die Golfstaaten waren gegen den Angriff auf den Iran. Der größte Befürworter ist seit langem der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu.

Vielleicht dachte Trump, ihm könne ein ähnlicher Deal gelingen wie in Venezuela, aber Iran und Venezuela sind aus vielen Gründen nicht vergleichbar. Der Iran war angeblich dicht dran, sich Zugang zur Atombombentechnologie zu verschaffen. Die dafür nötige Infrastruktur ist enorm, das Knowhow ebenfalls. Nichts von alledem gibt es im maroden Venezuela.

Jetzt soll also das Schah-Regime erneuert werden? Der Sohn des einstigen Tyrannen schart in den Startlöchern schon mit den Hufen. Dass die Angreifer einen Regimewechsel hin zur Demokratie wollen, wird ihnen niemand abnehmen. Trump geht es um Deals, nichts weiter. Das Recht muss vor der Macht stehen, heißt es im FR-Leitartikel (Linke siehen). Also muss das Recht verteidigt werden. So ist es. Und damit ist nicht das Recht des Stärkeren gemeint.


Empörung und Wut

Das ganze Wochenende über weiß ich nicht, wohin mit meiner Empörung und Wut. Die USA und Israel greifen den Iran an. Und die Reaktion der Regierung in Berlin? Merz verurteilt „die iranischen Angriffe auf Staaten in der Region aufs Schärfste“ Und Wadephul fühlt sich gebauchpinselt, weil er als Erster von Israel informiert wurde.

Dann hole ich die Montagsausgabe der FR aus dem Briefkasten. Und beim Blick  auf den Titel entspanne ich mich: „Trumps nächster Frieden“. Danke für die ausgewogene Berichterstattung.

Gregor Böckermann, Neu-Isenburg


Völkerrecht wird gebrochen

Israels Regierung nennt die Kriegshandlungen „Brüllen des Löwen“, die Trump-Regierung griff zum Motto „Epische Wut“. Schon diese Begriffe offenbaren, wie unreflektiert es ist, wenn man Völkerrecht bricht. Menschliches Handeln ist etwas anderes als ein tierisches Brüllen. Und Wut ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um Entwicklungen zwischen Krieg und Frieden – zumal im Atomzeitalter des Treibhauses Erde – geht.

Bernhard Trautvetter, Essen


Der regime change ist ungewiss

Vor wenigen Wochen ist die iranische Bevölkerung in großer Zahl auf die Straße gegangen, um einen Wechsel des politischen Systems zu fordern. Das zeigt: Der Wunsch nach Veränderung kommt aus dem Land selbst. Genau auf diese innere Dynamik setzen offenbar auch die Alliierten. Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen – aber keineswegs unrealistisch.

Ein Blick in die Geschichte kann helfen. 1999 führte Slobodan Milošević im damaligen Restjugoslawien einen nationalistischen Krieg im Sinne eines „Großserbiens“. Die Intervention der NATO im Kosovo-Krieg erfolgte ohne ausdrückliches UN-Mandat und war völkerrechtlich umstritten. Dennoch wurden Luftschläge gegen Serbien und auch gegen die Hauptstadt Belgrad geflogen. Zunächst schien das Regime stabil zu bleiben. Doch im Jahr 2000 gingen die Menschen in Serbien massenhaft auf die Straße und stürzten Milošević im Oktober 2000 schließlich.

Natürlich ist der Iran nicht Serbien. Geschichte wiederholt sich nicht eins zu eins. Ein Regime fällt selten sofort. Zwischen militärischem Eingriff und politischem Wandel können Monate oder sogar Jahre liegen, wie in Syrien. Deshalb sollte man vorsichtig sein mit vorschnellen Urteilen.

Ob die aktuellen Luftschläge Israels und der USA tatsächlich einen Wandel im Iran einleiten, weiß im Augenblick niemand.

Stefan Vollmershausen, Dreieich


Katastrophale Folgen für die Palästinenser

Mit seiner Blitzkriegsstrategie für den völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine hat sich der hierzulande aus gegensätzlichen politischen Lagern zum genialen, mit allen KGB-Wässerchen gewaschenen Großstrategen hochgejazzte Wladimir Putin gründlichst verzockt.

Mit Blick auf den völkerrechtswidrigen Angriff des selbst ernannten one and only Donald Trump und seinem dear best friend Benny Netanjahu auf den Iran steht man sich als Außenstehender vor dem Dilemma, einerseits im Interesse der Menschen im Iran, Israel und der übrigen Golfregion zu hoffen, dass die beiden schnellen Erfolg haben. Die Folgen eines Misserfolgs sind leicht vorhersagbar. Andererseits sind die weltpolitischen Folgen eines schnellen Siegs von Trump und Netanjahu alles andere als vorherzusehen. Für die Palästinenser im Gazastreifen und im West-Jordan Land jedenfalls dürfte ein Erfolg der beiden weitreichende (katastrophale?) Folgen haben.

Hans Möller, Frankfurt


Kanzler Merz hätte länger nachdenken sollen

Der Iran ist eine Diktatur, er tötet seine eigenen Bürger, er versucht Atombomben zu bauen , kurz, er ist ein Unrechtsstaat !Aber darf man ihn deshalb überfallen, Menschen töten, Infrastruktur zerstören?

Man darf es nicht, denn Unrecht mit Unrecht vergelten geht nicht. Donald Trump und Herr Netanjahu haben einen Flächenbrand angezettelt und zwar nicht deshalb, weil sie so moralisch sind und dem armen Iranischen Volk helfen wollen, sondern weil sie eigene machtpolitische Interessen haben. Auch in USA werden Menschen auf Regierungsveranlassung getötet. Nicht in Massen – Gott sei Dank – aber Mord bleibt Mord. Die Kriegsverbrechen Israels darf man in Deutschland nicht als solche bezeichnen, aber man kann sie in allen Nachrichten sehen. Ich bin nicht judenfeindlich, Ich unterscheide nur zwischen Israel und den Juden!

Und deshalb sollten auch Herr Merz und seine französischen und englischen Kollegen den Bruch des Völkerrechts nicht auch noch beklatschen. Wir sind nahe einem Weltkrieg, den zwei sogenannte Politiker , die beide machtbesessen und offensichtlich nicht zurechnungsfähig sind , eventuell anzetteln, ohne über das unendliche Leid nachzudenken, das Kriege über die Menschheit bringen.

Und Deutschland steht da und klatscht! Sie hätten doch noch länger nachdenken sollen, Herr Merz!

Christa Kreß, Gelnhausen


Das iranische Volk wird mit Krieg überzogen

Die heutige Situation im Iran lässt sich ohne Vergangenheit nicht verstehen. – Der demokratisch gewählte Präsident Mossadegh, der die iranische Ölindustrie nationalisierte, wurde 1953 durch einen USA/CIA gesteuerten Putsch abgesetzt. Dann folgte eine von den USA gestützte blutig-brutale Diktatur durch Schah Reza-Pahlavi, die durch eine Volks-Revolution 1979 beseitigt wurde. Die sich dann etablierende Herrschaft soll jetzt mit den militärischen Mitteln der USA/Israel beseitigt werden. Der in den USA lebende Schah-Sohn Pahlavi soll es durch einen ‚Regime-Change’ – wie es sich auf Demonstration auch in Deutschland zeigt – im Iran „demokratisch“ richten. – Es geht aber – oh Wunder – auch heute nur um Öl und andere wichtige Ressourcen und wieder wird das iranische Volk mit einem Krieg überzogen.

Thomas Ewald, Nidderau


Kriege im 21.Jahrhundert sind das Mittel erster Wahl um das bestehende Machtgefüge zu schützen oder andere daran zu hindern ihre regionale Dominanz auszubauen. Diplomatie und Konflikte friedlich zu lösen gibt es nicht mehr- 4 Jahre Krieg in der Ukraine sind dafür ein reales Bild der Wirklichkeit.

Der Iran 40 Jahre hat die Religions-Diktatur gewütet und das eigene Volk unterdrückt. Amerika die größte Militärmacht der Welt hat viel zu lange nur zugeschaut.

Der Krieg im Nahost, trifft jetzt die ganze Welt – wir sind das Volk – friedlich mit der Wiedervereinigung in Deutschland wird es im Iran nicht geben.

Der Friedensengel Donald Trump spielt gern mit der Macht – droht auch im Zweifel mit Gewalt. Die Iraner jetzt im Bombenhagel auf die Strasse zu locken, ist unverantwortlich und zynisch. Moral und Menschenrechte werden immer wieder verraten und mit Füssen getreten.

Die regelbasierte Ordnung ist in der Weltpolitik ans Ende gekommen. Populisten und Autokraten kennen keine Grenzen mehr. Wer soll da noch Frieden schaffen- ohne Waffen?

Thomas Bartsch Hauschild, Hamburg


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12 Kommentare zu “Trumps nächster Schlag gegen die Weltordnung

  1. Hat sich Trump von Netanjahu über den Tisch ziehen lassen? Der geforderte Aufstand der Iraner lässt auf sich warten und wenn es länger dauert, dann muss er seiner immer unruhiger werdenden Nation etwas erklären. Auch wenn ihm der Beistand seines Freundes Merz sicher ist.
    Selenskyj klagt ja auch schon darüber, dass der steigende Ölpreis für Putin wie gerufen kommt und im Iran „seine“ Raketen verpulvert werden.
    Läuft schon wieder etwas nicht wie geplant und wie wird das jetzt begründet?
    Wer ist schuld? Die Iraner?

  2. Wie ist das? Ein Land wird angegriffen, und nicht nur unsere Regierung fordern es auf, sich nicht zu verteidigen, während die Bombardements der Aggressoren weitergehen? Man will den Iran von der Fußball-WM ausschließen, weil die Israelis und die USA stündlich Zivil-Iraner töten? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Auch wenn die WM nicht boykottiert wird (was zu erwarten ist): ich werde kein Spiel ansehen! Und wenn schon der DFB einknickt, vielleicht gibt es ja Spieler, die Moral vor Kommerz stellen….

  3. „Die Angriffe sind (also) völkerrechtswidrig. Da gibt es kein Vertun.“ (…)“Die brutalen Schlächter …die ihre eigene Bevölkerung und die Welt terrorisieren und sich der Auslöschung Israels verschrieben haben …“ arbeiten seit vielen Jahren daran, Atomwaffen und dazugehörige Trägersysteme zu bekommen und führten dabei die regelgebundenen Kontrolleure mit dem Nasenring durch die Manege. Und glaubten, dieses Spiel auf Zeit selbst nach der grauenhaften Niederschlagung der jüngsten Proteste fortsetzen zu können.

    Nehmen wir einmal an, es wäre ihnen gelungen, weil jeglicher Angriff auf sie als souveräner Staat ja aus völkerrechtlichen Gründen nicht stattfinden konnte. Und da man in naher Zukunft nicht mit dem Anreicherungserfolg der Iraner hätte rechnen können. Eines Tages würden ihre Führer triumphierend verkünden, dass sie die Atombombe hätten und bereit seien, sie gegen Israel einzusetzen, sei es in einem spontanen Angriff oder nach maximalen erpresserischen Forderungen. Selbst der erwartbare nukleare Gegenschlag Israels würde viele arabische Märtyrer schaffen, ein hoher, aber aus Sicht von Fanatikern bezahlbarer Preis nach abertausend Fach wiederholten Drohungen gegen den Erzfeind. Die iranischen Anführer würden auf ewig als Helden in die moslemische Geschichte eingehen.

    Wenn Israel dann in Trümmern läge, was würde den toten, verstümmelten und verstrahlten Israelis das Völkerrecht nutzen? – Nichts! Nichts außer vielleicht einem Aufschrei befreundeter Länder, die sich aber schon um ihre Energieversorgung sorgen? Protestnoten demokratischer Regierungen? Beschlüsse des UN-Sicherheitsrats mit den stereotypen Mehrheiten? Paritätisch besetzte Talkshows in den Mainstream-Medien? Daumen hoch und runter bei Abstimmungen in den sozialen Medien? Akademische Debatten, warum das Völkerrecht diesen Schlag nicht verhindert hat? …

    Und es brächte den 10 Millionen Israelis nichts, überhaupt nichts, wenn sie sich gegen einen zu allem entschlossenen Feind auf das Völkerrecht verlassen würden.

  4. @ Karl Johé

    Sie haben offenkundig keine Ahnung vom Völkerrecht. Wenn man das Völkerrecht anwenden will, muss man natürlich dahinterstehen und daran mitwirken, es zu entwickeln und anzuwenden. Das tun weder Israel noch die USA. Dazu passt, dass beide auch die UNO nicht achten. Sie verfolgen eigene Interessen außerhalb des Völkerrechts, können sich also selbst auch nicht darauf berufen.
    Ich empfehle Ihnen das Interview mit Professor Matthias Goldmann auf n-tv.

    https://www.n-tv.de/politik/Diese-Reaktion-von-Merz-auf-den-Iran-Angriff-ist-ein-Dammbruch-id30424840.html?utm_source=firefox-newtab-de-de

  5. vielen Dank, dass Frau Deitelhoff in ihrem Feuilleton sowie auch Frau Donatsch und Frau Vates in der Dienstagausgabe klare Kante zeigen und den Bruch des Völkerrechts bei dem Angriff auf den Iran beim Namen nennen. Entgegen dem Lavieren unseres Kanzlers aufgrund der „komplexen Situation“, obwohl er es als Jurist besser weiß, lässt sich nicht diplomatisch rechtfertigen. Durch das Anbiedern an die Angreifer wird es keine Deeskalation geben. Dem grausamen iranische Regime und einer möglichen Atomwaffenbedrohung muss Einhalt geboten werden, aber nicht, indem das Land – und im Gegenzug die gesamte Region – mit Krieg überzogen wird und auch wieder zahlreiche zivile Opfer für den Konflikt der Kriegsparteien herhalten müssen.
    Es bleibt also weiterhin wichtig, die Sachverhalte bewusst zu machen und die politisch Verantwortlichen mit gemeinsamen rechtlichen Werten zu konfrontieren und zu kritisieren!

  6. Der Iran ist kein normaler politischer Staat- sondern ein fundamentaler religiöser Gewaltstaat. Das ist das Besondere: Trump und Netanjahu haben die oberste Staatselite im Iran getötet, ohne dass ein einziger Amerikaner dabei ums Leben kam. Jetzt ist die ganze Region mit den Nachbarstaaten amerikanischer Stützpunkte mit militärischen Angriffen bedroht. Nach dem Krieg in der Ukraine- beginnt in einer anderen Region der Welt, die nächste Eskalationsstufe – mit einem Flächenbrand. Jetzt kann Trump keinen Rückzieher mehr machen – wenn dieser Krieg länger als vier Wochen andauert, ist er die längste Zeit Präsident von Amerika gewesen.

  7. Spanien verbietet den USA, seine Militärbasen für den Krieg gegen den Iran zu nutzen. Im Hinblick auf die Weltmachtansprüche der USA und unter Missachtung des Völkerrechts droht Trump damit, dass die USA Spaniens Stützpunkte, wenn sie wollten, auch ohne Erlaubnis nutzen könnten. Gleichzeitig kündigt Trump ein Handelsembargo gegen Spanien an (laut „Spiegel“). Ministerpräsident Sanchez ist davon wenig beeindruckt und zeigt Rückgrat. Er erklärte dazu, dass es naiv sei zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeute. Er forderte die USA, Israel und den Iran zur sofortigen Einstellung der gegenseitigen Angriffe auf.
    Merz äußert sich bei seinem Besuch in den USA so, dass Spanien überzeugt werden müsse, dem höheren Verteidigungsausgabenziel der Nato von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zuzustimmen. Trump beschimpfte Sanchez wegen dessen Haltung zum völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran. Merz hat dazu devot geschwiegen, mit dem Hinweis, dass jetzt nicht der Moment sei, unsere Partner und Verbündeten zu belehren. Er hatte behauptet, dass die völkerrechtliche Einordnung der Militärschläge gegen Iran zweitrangig sei. Diese Position ist – freundlich ausgedrückt – scheinheilig, unerträglich und beschädigt das Völkerrecht beträchtlich.

  8. Verrennen wir uns hier gerade und sollte Deutschland endlich die Reißleine ziehen? Trumps Äußerungen und auch Handlungen werden immer mehr zu völlig unkalkulierbaren Szenarien mit Folgen welche absolut nicht wieder gut zu machen sind. Netanjahu scheint völlig besessen von Krieg und Gewalt um seine Ziele zu erreichen, was ist hier passiert? Geht es am Ende nur noch um den Machterhalt Amerikas und Israels, sowie Erdöl?
    Mit welchem Recht sollen andere Regierungen und Bevölkerungen dazu missioniert, „gezwungen“ werden, eine USA-freundliche Politik fahren zu wollen, welchen Grund haben diese Länder dazu und vor allem machen wir uns doch nichts vor, hier läuft etwas komplett schief! Der böse Russe war und ist ja nun scheinbar gar nicht so viel anders, als was wir gerade im nahen Osten von den obersten Moralaposteln erleben. Auge um Auge und am Ende werden wir alle blind sein, stoppt diese Wahnsinn, vor einem zweiten Hiroshima, womöglich in Teheran als Machtdemonstration und danach?

  9. Die Frage ist ob wir Trump stoppen könnten wenn wir das wollten. Ich denke nein. Deshalb bleibt uns nur rauszuhalten und beobachten. Was mich erstaunt bei dem was da alles in der Ukraine, Gaza , Venezuela und jetzt Iran passiert ist das Verhalten von China. Bei Markus Lanz diese Woche habe ich gelernt das auch für die USA Munition etwas endliches ist. Wenn das noch die eine oder andere Woche so weiter geht ist das eine Einladung jetzt oder nie an China Taiwan anzugreifen Ich befürchte das wir seit langen nicht mehr so am Rande des nächsten großen Krieges standen wie dieses Jahr. Trump scheint nicht mehr in der Lage zu sein zu beurteilen was er da gerade macht und ist der Meinung er könnte alles tun. Vielleicht hat er auch recht aber sicher bin ich mir wirklich nicht.

  10. Die Israelis wissen genau, was sie tun. Trump mit Sicherheit nicht. Netanjahu möchte alles platt machen, was in seiner Umgebung eine Bedrohung für den Staat Israel darstellen könnte. Er wusste genau, wo sich wann die Iranische Führung versammelt hatte und gab das Go zum Angriff. Trump folgte, weil er naiv glaubte, es wäre ähnlich wie in Venezuela nur ein kleiner operativer Eingriff. Jetzt wird noch die Hisbollah und der Libanon ähnlich dem Gaza-Streifen geregelt. Gleichzeitig werden die israelischen Siedler die letzten Palästinenser im West-Jordanland vertreiben. Deutschland wird dies mit ihrer Staatsräson (vollkommen berechtigt) durch Passivität unterstützen. Der Krieg endet erst dann, wenn Netanjahu seine Ziele erreicht hat. Ihn wird innerpolitischen niemand angreifen und selbst die Bevölkerung erträgt die Einschränkungen mit Geduld. Die Israelis gehören zu der besonderen Spezies, die einerseits auf höchsten Niveau und gleichzeitig im Bunker leben kann. Die Finanzierung des Ganzen ist dabei nach wie vor kein Thema. Hier werden die amerikanischen Quellen nicht versiegen. 

  11. Beim kürzlichen G7 – Treffen hat der deutsche Außenminister erklärt, man teile Absicht und Ziel dieses Krieges mit den USA, die militärischen Mittel des Iran zu vernichten. Pikiert war man hierzulande vor allem darüber, nicht einbezogen, nicht einmal informiert worden zu sein. Unabhängig davon läuft die US-Koordination der US-Angriffe sowieso schon immer mit deutscher Zustimmung über Ramstein und Wiesbaden. Die jetzt als Argument ins Feld geführte angebliche Bedrohung auch Europas durch den Iran bekommt übrigens überhaupt dadurch erst eine Spur von Plausibilität. Diese Komplizenschaft mit USA und Israel zeigt aufs Neue die Scheinheiligkeit jeder moralisch codierten Stellungnahme Deutschlands und der EU, wenn man von Spanien absieht.  Das Völkerrecht ist einzig und allein dazu da, es den dafür definierten Schurkenstaaten um die Ohren zu hauen. In politischen Konferenzen und in Redaktionsstuben wurde also hierzulande stattdessen hauptsächlich die Zielfrage gewälzt: Was genau wollen die USA eigentlich? Tadel gab es also nicht so sehr für den Angriffskrieg, sondern für vermutete Planlosigkeit. Die Zweifel scheinen ja nun laut Wadephul zur Zufriedenheit ausgeräumt. Wir wissen jetzt wieder, wo und vom wem die sinnvollen Gewaltorgien (leider) ausgeübt werden (müssen) und wo die böse Gewalt, das Böse an sich, herrscht.

    Dennoch „dringen die Europäer auf Kriegsende“(FR). Warum? Um den anderen Krieg in der Ukraine gegen Russland erfolgreicher führen lassen zu können – und um wieder günstiger an Öl und Gas zu kommen.

    Im FR-Kommentar  weist  Schwarzkopf am Ende Pflicht schuldigst kurz darauf hin, dass da ja auch Menschen sind, die die Folgen dieses Kriegs zu tragen haben. Wer den Feldherrenstandpunkt verlässt, um zum Beispiel einen Blick auf  die wahrlich apokalyptischen Zustände für die Bewohner Teherans zu werfen, welche die systematischen Bombardements von Öldepots und Raffinerien zur Folge haben, wird diese allerdings sicher nicht mehr wie Schwarzkopf in einem Atemzug mit den von den Handelspreisen mittelbar Betroffenen nennen. Aber Gaza oder Iran sind nicht die Ukraine.
    In einer Welt dominiert von um Anteile an der Weltmacht konkurrierenden Nationalstaaten ist kein Platz für Menschen- und Völkerrecht. Nirgendwo. Auch vor Putin und Trump war das so, es ist systemgerecht. Aussichtslos? Zumindest kann man das kritisieren, statt sich – von welcher Seite auch immer – instrumentalisieren zu lassen. Könnten das auch Merz und Wadephul? Man hat eher den Eindruck, dass sie es schon garnicht wollen.

  12. Wir nehmen es einfach hin! Drei Feldherren führen Kriege. Der eine in Europa. Die anderen im Nahen Osten und – bei einem der beiden muss man sich fragen: Wer weiß wo noch demnächst? Der eine hatte womöglich einen Plan und ist damit gescheitert. Der andere hatte vermutlich keinen Plan, bombt aber weiter, weil der dritte im Bund nicht daran denkt, das Bomben aufzugeben. Alle drei gefährden die Welt. Ich will die Gegner von diesem Gefährdungsvorwurf nicht ausnehmen. Die Mullahs und ihre Verbündeten sind nun wirklich keine Chorknaben. 

    Doch kein Mächtiger – landauf, landab – sagt, vereint mit Gleichgesinnten und dann gemeinsam laut und deutlich: Basta, Schluss mit dem rechtsbrechenden Wahnsinn auf allen Seiten. 

    Im Gegenteil – sie liefern weiter Waffen und Daten und LogistikUnterstützung.
    Die betroffenen Volker müssen leiden. Der Rest der Welt gerät – zumindest wirtschaftlich – in Probleme. Muss zahlen. Nicht nur an der Zapfsäule. Der Preis ist höher, viel höher. Die Welt hat sich vom Friedenskurs abgewandt. Es gibt kaum noch Verträge, die Atomwaffen begrenzen. Ganz im Gegenteil. Die Nationen denken darüber nach, ihre Armageddon-Arsenale aufzustocken, um die Welt nicht vier-oder fünf, sondern jetzt sechs-oder sieben Mal untergehen zu lassen. Sie wollen können können, um nicht müssen zu müssen. Welch ein apokalyptischer Weltentwurf. Und die Völker schweigen, wollen die Signale nicht hören oder hören einfach weg. Warum? Vielleicht, weil eh niemand auf sie hört oder sie überhört im Donner der realen und verbalen Geschütze.

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