FR-Forum vom 2. bis 7. November

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden normalerweise die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht. Aktuell konnte dieser Service wegen Krankheit leider nicht geboten werden. Bronski bittet um Verständnis und Nachsicht!

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Forum vom 2. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Jutta-Maria Roth, Thomas Wenske und Horst Coujad zum Corona-Dialog der FR (veröffentlicht hier), Hermann Wilhelm zur Frage von Glauben und Wissen (veröffentlicht hier), außerdem Gerhard Bruckmann zur neuen Verfasung für Chile, Rainer Wild zur Klimapolitik und Rolf Walze zu Friedrich Merz (alle drei gleich hier, siehe unten).

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Zuschriften zu regionalen Themen von Karl Höhn, Frauke Nahrgang, Ursula Samman und Susanne Roether zum Bau der A49 und der Rodung des Dannenröder Forsts (veröffentlicht ab hier), von Hans Schinke zum Jobabbau bei Fraport, Rüdiger Nowag zu den Plänen, das Frankfurter Schauspielhaus von 1902 zu rekonstruieren, und von Klaus Hönerbach zum AWO-Skandal (alle drei gleich hier, siehe unten).

Chile, der wahre Markt

Zu: „Neoliberalismus als Lebensform“, FR-Feuilleton vom 27. Oktober

Für mich ergänzen sich die beiden Veröffentlichungen in der FR, denn in Chile wird nicht nur versucht, die wirkmächtigen Reste einer Diktatur zu beseitigen, sondern ebensolche des chilenischen Neoliberalismus. Dieser wurde maßgeblich durch die sogenannten „Chicago Boys“ unter Pinochets Regime in Szene gesetzt. Diese Ökonomen standen nachweislich in engen Kontakt zu den Säulenheiligen des Neoliberalismus, Milton Friedman und August von Hayek.
Zu letzterem ist bei Wikipedia zu lesen, er habe in einem Interview mit dem El Mercurio die Etablierung einer Diktatur rechtfertigt, wenn diese vorübergehend zur Durchsetzung wirtschaftlicher Freiheit als Grundlage des Liberalismus nötig sei. Gerechtfertigt sei unter Umständen auch das Opfer individuellen Lebens, um das Überleben der Mehrheit zu sichern. Die einzig gültigen moralischen Maßstäbe für die „Kalkulation des Lebens“ könnten nur das Privateigentum und der Vertrag sein.
Wie zu erkennen ist, eignet sich eine solche Position auch für einen „Kehraus der Demokratie“ und ich meine, zugegebenermaßen etwas überspitzt, in der Position Martin Hartmanns eine Warnung davor herauszulesen. So gesehen sind nicht nur Neoliberalismus und Konservatismus kompatibel, wie Hartmann schreibt. Milton Friedman hat das weiter gefasst, als er ausführte: „Das wahre Wunder von Chile besteht darin, dass eine Militärregierung gewillt war, gegen ihre Prinzipien zu handeln und eine Ordnung freier Marktwirtschaft zu unterstützen, die von Menschen entworfen wurde, die prinzipientreu an den freien Markt glauben.“ Da hat man die ganze Wahrheit des Neoliberalismus. Er braucht keine Demokratie. Offensichtlich kann er sich, so man nur intensiv an Wunder und freien Markt glaubt, auch in einer Militärdiktatur bestens entfalten. (Die Worte von Friedmann und von Hayek sind dem Wikipedia-Artikel „Chicago Boys“ entnommen.)

Gerhard Bruckmann, Darmstadt

fr-debatteMehr Militär, mehr CO2

Zu: „Gerechtigkeit für die Sahelzone“, FR-Meinung vom 19. Oktober

20 Millionen Klimaflüchtlinge stellte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) bereits 2019 fest. Schmilzt demnächst der letzte Schnee am Kilimandscharo, folgt eine große Dürre in Zentralafrika, weit über die Sahelzone hinaus.
Nicht nur mit der zivilen Nutzung fossiler Energieträger heizen wir Industrienationen dem Klima ein, sondern zunehmend auch militärisch. Ständig fliegen immer mehr Großdrohnen (Spannweiten mehr als 20 Meter) über uns – unter anderem betankt und gestartet in Deutschland –, die vor allem Menschen des Nahen Ostens, aber auch alle anderen überwachen und mittels ihrer Hellfire-Raketen pulverisieren können. Spektakulär war z.B. die Tötung des iranischen Generals Soleimani im Irak zu Jahresbeginn.
Mit höheren Militärausgaben steigen die CO2-Emissionen. Allein damit führen wir Krieg gegen die nächsten Generationen. Unser kurzsichtiger Wirtschafts- und Wohlstandssteigerungsdrang ist ebenso nachkommenschädigend. Durch das Mercosur-Freihandelsabkommen fackelt die EU bereits vor Vertragsschluss indirekt Regenwälder ab. Konzerne und Geldgeber machen dies zudem zur Palmöl- und Rohstoffgewinnung. Welchen Sinn machen da propagierte EU-Klimaschutzausgaben?
Das Umweltzerstörungspotenzial des modernen Menschen führt zu progressiven Temperatur- und Meeresspiegelanstiegen und dazu, dass sich die 740 Millionen Menschen Europas absehbar mit einer Milliarde Klimaflüchtlingen aus Afrika konfrontiert sehen könnten.

Rainer Wild, Wunsiedel

fr-debatteGuter Schüler von Donald Trump

Zu: „Merz wirft CDU-Spitze Intrige vor“, FR-Politik vom 28. Oktober

Friedrich Merz setzt sich mit seinen Beschuldigungen an die Spitze der Verschwörungstheoretiker. Alle haben sich gegen den Ex-Blackrock-Manager verschworen. Mit seinen Angriffen erweist er sich als guter Schüler von Donald Trump.

Rolf Walze, Mömbris

fr-debatteFraport muss sich gesundschrumpfen

Zu: „1600 Fraport-Beschäftigte wollen gehen“, FR-Regional vom 19. Oktober

Wer hätte das im Frühjahr 2020 gedacht? Der Mythos vom Jobmotor Flughafen, der Arbeitsplätze in Hülle und Fülle produziert, wird innerhalb weniger Monate von einem nur 100 Millionstel Millimeter großen Virus völlig pulverisiert. Während Vorstand und Aufsichtsrat unverdrossen an ihrem vier Milliarden Euro teuren Terminal-3-Projekt weiterbasteln, werden jetzt Tausende von Beschäftigten auf die Straße gesetzt.
Das Terminal 3 wird das Geschäftsergebnis mit geschätzt mindestens 310 Millionen Euro durch Zinsen, Abschreibungen und laufende Betriebskosten belasten. Aus welchem operativen Geschäft sollen die eigentlich erwirtschaftet werden?
Zusätzlich will der Flughafenbetreiber dem Steuerzahler am liebsten noch bis zum Sommer 2022 auf der Tasche liegen. Die Kurzarbeitergeldregelung läuft aber am 31. Dezember 2021 aus, so dass Fraport in den dann folgenden Monaten etwa 270 bis 360 Millionen Euro aus eigener Tasche bezahlen muss.
Eine Finanzspritze des Landes Hessen, dem Haupteigentümer, aus dem zwölf Milliarden Euro schweren Corona-Hilfsfonds darf es auf keinen Fall geben, weil nicht einzusehen ist, dass mal wieder der Steuerzahler die Managementfehler des Fraportvorstands ausbügeln soll.
Schonungslos hat Corona die immanenten Kernrisiken des Fraport-Geschäftsmodells aufgedeckt:
1. Der Vorstand hat den Risikobericht 2012 der Bundesregierung „Pandemie durch Virus Modi-SARS“ völlig ignoriert und ist total unvorbereitet ohne einen Plan B in die Corona-Pandemie hineingestolpert.
2. Auf Urlaubs- und Freizeitreisen kann man verzichten.
3. Für Geschäftsreisen gibt es zunehmend digitale Ersatzlösungen.
4. Internationale Drehkreuze können überall auf der Welt entstehen.
Die Frage heißt daher am Ende des Tages nicht: „Fliegen nach Corona?“ Sondern: „Fliegen mit Corona?“ Die Antwort kann eigentlich nur lauten: Fraport muss sich gesundschrumpfen, um wieder als ein in der Region verankertes Unternehmen leistungsfähig und profitabel zu werden.

Hans Schinke, Offenbach

fr-debatteÄsthetische Gründe

Städtische Bühnen: „Reaktionäres Traumbild“, FR-Regional vom 21.10.

Was heißt genau reaktionär? Laut Wikipedia besitzt es als Kampfbegriff einen abwertenden Charakter. In binnenideologischen Auseinandersetzungen, beispielsweise zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten oder Trotzkisten und Stalinisten wurde die Bezeichnung auf den politischen Gegner übertragen, um ihn als Feind zu markieren.
Ich befürworte – aus ästhetischen Gründen, da ich auch für den Wiederaufbau der Alten Oper war – die Wiederherstellung des alten Schauspielhauses am Willy-Brandt-Platz. Aus meiner Sicht ist es ein reine Frage des Architekturgeschmackes.
Sie machen daraus eine politische Frage – wer für die Vorkriegsarchitektur ist, ist politisch gesehen fortschrittsfeindlich. Wo bleibt hier die Vielfalt aller Meinungen, wo bleibt der demokratische Meinungsbildungsprozess (alle Bürger als Entscheidungsträger werden informiert, dann entscheidet die Mehrheit)? Sollten Sie nicht als Redakteur einer demokratischen Zeitung einen solchen demokratischen Meinungsbildungsprozess, wie ihn die Initiative für den Wiederaufbau des Schauspielhauses initiiert hat, unterstützen? Nicht immer wurden Entscheidungen in Deutschland oder Europa mit demokratischen Mehrheitsentscheidungen entschieden.
Wie sagte Willy Brandt: Reformen wagen. Nicht immer stimmt das, was Politiker (hier das Frankfurter Stadtparlament) im Hinterzimmer entscheiden. Vielfalt heißt für Linke anscheinend nur, dass allein ihre Meinungen gilt – Opposition ist reaktionär.

Rüdiger Nowag, Dielheim

fr-debatteDas höchste Gebot

AWO: „Leichtfertiger Umgang mit Steuergeld“, FR-Regional vom 26. Oktober

Es ist nicht zu verstehen, dass jeder fünfte Stadtverordnete mit der AWO verbunden ist. Es ist in einer Demokratie unerlässlich, dass Transperenz das höchste Gebot sein sollte. Unverständlich, dass die Innenrevision sowohl bei der Stadt noch bei der AWO intakt sein kann. Wer muss bei einem Arbeiterwohlfahrtsverband 150 000 bis 300 000 Euro jährlich verdienen? Das sind Sozialverbände und keine Bereicherungsverbände. Gesetzliche Regelung ist dringend erforderlich. Ich betone: bei einem gemeinnützigen Verband! Bei der letzten Pressekonferenz muss doch auf Nachfrage bekannt gegeben werden, was Vorstände verdienen.

Klaus Hönerbach, Remagen

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Forum vom 3. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Manfred Kramer, Jürgen Pfeil, Merve Hölter, Hans-Hermann Büchsel, Ralph Wohlfahrt und Otfried Schrot im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahl (veröffentlicht ab hier), von Jörg Kramer zum Thema SPD-Bashing (veröffentlicht hier), außerdem von Armin Leib zu den Plänen, einen Autobahntunnel unter dem Fehmarnsund zu treiben (gleich hier, siehe unten).

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Zuschriften von Rolf Weckeck zum Atomwaffenverbots-Vertrag und Rüdiger Erdmann zu den Unterschieden von Ärger, Wut und Zorn (gleich hier, siehe unten).

Der Bau des Tunnels wird ein Desaster

Zu: „Schutz für Schweinswale“, FR-Panorama vom 24. Oktober

Mit großem Interesse habe ich in dem Artikel „Schutz für Schweinswale“ von Rebecca Lessmann gelesen, dass die Bundeswehr bei der Beseitigung von Weltkriegsmunition in der Ostsee künftig mehr Rücksicht auf die Wale nehmen will und eine entsprechende Arbeitsgruppe unter Leitung des Bundesamtes für Naturschutz eingerichtet wurde. Dann habe ich mich daran erinnert, dass durch den Fehmarnbelt der längste Absenktunnel der Welt gebaut werden soll. Die Frage ist, wie dieser 18 km lange Koloss, für dessen Bau sehr tief und bis zu 200 m breit ausgebaggert werden muss, entstehen soll, ohne dass man auf Teile der noch 300000 Tonnen in der Ostsee verbliebenen Munition stoßen wird. Mit erneuter Sprengung und dem Tod weiterer Wale und anderer Meerestiere ist zu rechnen, außerdem mit Verzögerung der Bauarbeiten und mit steigenden Kosten. Zu befürchten ist natürlich auch ein Unfall, der nicht nur Wale, sondern auch Menschenleben gefährdet.
Artikel 22 des Staatsvertrages zur festen Fehmarnbeltquerung sieht vor: „Sollten die Voraussetzungen für das Projekt oder Teile des Projekts sich deutlich anders entwickeln als angenommen und anders, als es zum Zeitpunkt des Abschlusses des Vertrags bekannt ist, werden die Vertragsstaaten die Lage aufs Neue erörtern.“ Meiner Meinung nach ist dieser Fall eingetreten.
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet am 3. November über das Inkrafttreten der Baugenehmigung. Wer möchte, kann sich noch über change.org weiter informieren und eine entsprechende Petition unterzeichnen, die dieses Bauvorhaben noch verhindern helfen kann.
Für Deutschland droht der Bau des Fehmarnbelttunnels zu einem ökologischen und auch ökonomischen Desaster zu werden. Aus Stuttgart 21 oder Flughafen Berlin sollten wir doch gelernt haben.

Armin Leib, Otzberg

fr-debatteÄrger kann konstruktiv sein

Verzeihen: „Zum Steinerweichen“, FR7 vom 24. Oktober

Mit Interesse habe ich den Artikel gelesen, weil es in der psychotherapeutischen Praxis oftmals um Vergebung oder Verzeihen geht. Wenngleich es nicht die Aufgabe einer Tageszeitung ist, hoch differenziert über psychische Probleme zu berichten, so bin ich doch darüber entsetzt, wie undifferenziert von völlig unterschiedlichen Gefühlen gesprochen wird.
Robert Enright wird dahin zitiert, dass „nachsichtige Menschen weniger Zorn empfänden“ und dass es „gelte, die Wut über die Verletzung und Kränkung aufzudecken…“. Die Philosophin Svenja Flaßpöhler verweist auf den Buddhismus und darauf, dass man „nicht an Ärger festhalten“ solle.
Die Philosophin Boshammer schränkt ein, dass Verzeihen nicht immer angezeigt sei, dass es nicht nur darum gehe, „seine Wut hinter sich zu lassen“. Die Gefühle Ärger, Zorn und Wut werden oftmals synonym benutzt, was sie aber nicht sind, was man daran erkennen kann, wenn man die Intensität dieser Gefühle betrachtet, ihre Dauer oder ihre Auslöser.
Im eingangs beschriebenen Fall Hanna/ Andrea geht es um Verletzung/ Kränkung verbunden immer mit Wut, diese ist destruktiv, macht blind. Die Rede ist von zehn Jahren (!) Schweigen. Die Wiederannäherung wurde möglich, weil klargestellt wurde, dass es nicht verletzend gemeint war. Der von Enright benutzte Zorn ist etwas ganz anderes.
Hierbei geht es mehr um Prinzipielles, d.h. ich empfinde Zorn, wenn ein Prinzip verletzt wurde, dass ich vertrete, welches aber nicht von mir geschaffen wurde. Z.B. der Widerstand gegen Stuttgart 21. Das sind keine Wut-Bürger. Dass sind zornige Bürger, weil es bei dem Ganzen nicht so mit rechten Dingen zuging.
Hat der Zorn seine Aufgabe erfüllt, verschwindet er. Zorn ist kognitiver, sagt Peter Sloterdijk. Zorn macht nicht blind. Ärger ist an ein Problem gebunden. Etwas ärgert mich, z. B. ein Zeitungsartikel. Also schreibt man einen Leserbrief und der Ärger ist schon weniger geworden. Ändert er das Problem oder schafft er es ab, dann ist auch der Ärger weg, d. h. eigentlich ist er konstruktiv. Betrachtet man seine eigene Biographie, so stellt man fest, dass man vieles, was ärgerlich war, schlicht vergessen hat.
Was man nicht vergisst, was man „nachträgt“, dass sind Verletzungen verbunden mit Wut und ob man das verzeihen kann, wage ich zu bezweifeln, was nicht heißt, dass man nicht lernen kann, damit umzugehen.

Rüdiger Erdmann, Pattensen

fr-debatteVertrag tritt in Kraft

Atomwaffenverbot: „Ächtung per Unterschrift“, FR-Politik vom 26. Oktober

Wann endlich realisiert die Bundesregierung, dass Atomwaffen keine Verteidigungswaffen sind? Während eine große Mehrheit der Bevölkerung die Unterzeichnung des Vertrages zum Verbot von Atomwaffen fordert, lehnt die Regierung dieses weiter ab. Dabei tritt dieser UN-Vertrag bald in Kraft, gilt allerdings nur für die unterzeichnenden Staaten.
Dagegen übten Tornado-Piloten der Bundeswehr Mitte Oktober im Rahmen der „Nuklearen Teilhabe“ den Abwurf von Atombomben. Die „Nukleare Teilhabe“ ist mit den in Büchel/Eifel gelagerten US-Atombomben verbunden. Damit begründet die Regierung auch den milliardenschweren Kauf von Atombombern für die Bundeswehr. So soll das zweifelhafte Mitspracherecht gegenüber den USA gefestigt werden.
Vor zehn Jahren war der Bundestag weiter. Dieser fasste damals fraktionsübergreifend den Beschluss, dass sich die Bundesregierung für den Abzug der in Deutschland gelagerten Atomwaffen einsetzen solle. Leider wurde dieser nicht umgesetzt.
Die großen Atommächte haben etliche Abrüstungsverträge gekündigt. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland sich dieser bedrohlichen Entwicklung entgegenstellt und den Abzug der Atombomben verlangt und den Atomwaffenverbotsvertrag unterzeichnet.

Rolf Weckeck, Kassel

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Forum vom 4. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Axel Schneider und Siegfried Kowallek zum Thema Meinunsgfreiheit und religiöse Gefühle (veröffentlicht ab hier), Christian Czerwonka zur US-Wahl (veröffentlicht hier), Imam Imtiaz Shaheen zum Terror in Frankreich (veröffentlich hier), Sebastian Steiner zur Situation von Künstlerinnen und Künstlern in Zeiten der Pandemie (veröffentlicht hier), Jeffrey Myers zu Weihnachten in Zeiten der Pandemie (veröffentlicht hier), außerdem Joachim Bohndorf zum neuen Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (gleich hier, siehe unten).

Ab in die Mülltonne

Schwarzbuch: „Wasser für 20 Euro die Flasche“, FR-Wirtschaft vom 28.10.

Jedes Jahr die gleiche Leier von den „Privat-vor-Staat“-Ideologen vom Bund der reichen Steuerzahler. Die Aufdeckung mutmaßlicher Fehler und die Rügen im Hinblick auf die Verwendung von Steuermitteln fallen ausschließlich in die Kompetenz der Rechnungshöfe als die dafür zuständigen Kontrollorgane. Diese sogenannten Schwarzbücher der neoliberalen Steuerbekämpfer dienen hauptsächlich der Diskreditierung des Gemeinwesens als Steuerverschwender, sind lediglich einschlägiges Propagandamaterial und gehören am besten in die Mülltonne.

Joachim Bohndorf, Bensheim

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Forum vom 5. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Samuel Pacheco und Hermann Hofer zu den Auswirkungen des Lockdown (veröffentlicht ab hier), von Alfons Müller als Erwiderung auf einen Leserinbreif zur Klimakrise (veröffentlicht hier), außerdem Zuschriften von Thomas Friedrichsmeier, Artur Borst und Elmar Pfannerstill zu steigenden Strompreisen, von Fritz Brehm zum steigenden Mindestlohn und Andreas Ruppert zum 100. Geburtstag von Fritz Walter (alle fünf gleich hier, siehe unten).

Stromverbrauch muss seinen Preis haben

Zu:„Stromwird immerteurer“, FR-Wirtschaft vom23.Oktober

Seit Monaten wirbt die FR auf ihren Wirtschaftsseiten kräftig für einen niedrigeren Strompreis, vorzugsweise unter Berufung auf die Forderungen der „Agora Energiewende“. Zweifelsohne ist richtig, dass die Preise der verfügbaren Energieträger Schritt für Schritt an die damit verbundenen Umweltfolgen angepasst werden müssen. Das bedeutet in der Folge, dass sich das Preisverhältnis zugunsten des Stroms und zuungunsten anderer, derzeit vorwiegend (!) fossil gewonnener Energieträger ändern muss.
Dass angeblich Klimaschützer  fordern, Strom  deutlich billiger zu machen, erscheint mir jedoch arg selektiv wahrgenommen. Solange unser Strombedarf – geschweige denn unser Primärenergiebedarf – noch auf Jahrzehnte nicht aus regenerativen Quellen gedeckt ist, lautet aus Sicht des Klimaschutzes das oberste Gebot nach wie vor und ganz eindeutig: Energiesparen. Ein spürbarer Strompreis ist dabei auch in Zukunft ein wichtiges Signal, dass etwa der Stadt-Geländewagen auch in Elektrovariante nie und nimmer umweltfreundlich ist oder dass der alte große Kühlschrank am sinnvollsten durch einen kleinen sparsamen zu ersetzen ist.
Gewiss sind Energiepreise immer auch eine soziale Frage, die auch nicht in wenigen Sätzen zufriedenstellend zu lösen ist. Hier gilt aber zumindest erstens zu bedenken, dass sich die erwiesenermaßen größten privaten Einsparpotenziale (und damit Einsparnotwendigkeiten) bei den Haushalten mit den höchsten Einkommen finden. Zweitens wäre der direkteste Ansatz zur Linderung sozialer Problemlagen noch immer auf der Einkommensseite zu suchen.

Thomas Friedrichsmeier, Bochum

Dezentrale Versorgung bedarf weniger Leitungen

Nächstes Jahr steigen die Stromnetzgebühren auf ein Rekordniveau. Über die Ursache schweigt sich der Artikel aus. Diese liegt im großen Netzbedarf der zentralen Stromversorgung. Eine dezentrale erneuerbare Stromversorgung bedarf weniger Netzleitungen, ist schneller zu installieren und ist preisgünstiger. Doch leider erweist sich die Politik gegenüber den Energiekonzernen als zu schwach, um eine dezentrale erneuerbare Stromversorgung durchzusetzen.

Artur Borst, Tübingen

Solche Werbung würden sich Firmen wünschen

Auch die ansonsten kritische Frankfurter Rundschau gehört zu den Medien, welches die Mitteilungen des sogenannten „Vergleichsportals“ Verivox immer wieder dankbar aufgreift – im vorliegenden Fall in einem ganzseitigen Artikel, in dem der Name des Unternehmens fünf Mal genannt wird. Solch kostenlose Werbung würden sich andere Firmen wünschen! Der Zweck des privatwirtschaftlichen Unternehmens besteht in der Vermittlung von (Strom-) Verträgen. Ich bin einmal den Empfehlungen von Verivox gefolgt und an einen Stromanbieter geraten, der bald darauf pleiteging. Da deutlich wurde, dass es sich um ein windiges Unternehmen handelte, habe ich zum Glück noch rechtzeitig vorher gekündigt. Seitdem gehöre ich, dank Verivox, zu dem Personenkreis, „der beim Wechsel des Stromanbieters eher vorsichtig“ ist.

Elmar Pfannerstill, Erfurt

fr-debatteZögerliche Schrittchen

Zu: „Mindestlohn steigt schrittweise“, FR-Wirtschaft vom 29. Oktober

Der Mindestlohn wird ab Januar 2021 um 1,10 Euro erhöht und zwar in vier (!) zögerlichen Schrittchen bis Mitte 2022. Und der erste Schritt hat es in sich, gibt’s da doch gleich 15 Cent mehr. Das zweite Schrittchen ist nicht mehr so groß, nur zehn Cent obendrauf. Dann 22 und schließlich 65 Cent. Da werden keine Sektkorken knallen.
Dax-Konzerne waren nicht so zögerlich. 2019 schütteten die schon 30 Milliarden Euro an Dividenden aus. Da knallten die Champagnerkorken.

Fritz Brehm, Frankfurt

fr-debatteSchon damals ein Mythos

Zu: „Der treue Fritz“, FR-Sport vom 31. Oktober

Ich bin in Frankfurt-Hausen aufgewachsen und habe in der Volksschulzeit, wann immer es ging, die Nachmittage mit dem Kicken auf der Mühlwiese verbracht. Jeder von uns Kindern wollte „Rahn“ sein, aber diese Ehre hing vom Talent ab, und wenig Talentierte wie ich mussten den Namen „Rahn“ meist schnell weitergeben. Die Torhüter aber waren immer „Turek“ oder „Herkenrath“. Niemand von uns aber hätte gewagt, sich den Namen „Fritz Walter“ zu geben – das war unvorstellbar. Selbst für die Besten unter uns schien der Mann unerreichbar. Ein Mythos schon damals.

Andreas Ruppert, Paderborn

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Forum vom 6. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Barbara Siebert und Christa Führer-Rößmann zur Mut-Serie der FR (veröffentlicht ab hier), von Elke Fudickar zu den Grenzen des Rechts auf freie Meinungsäußerung (veröffentlicht hier), Monika Schäfer zum Lockdown (veröffentlicht hier), außerdem von Manfred Stibaner zu Frieden und Feminismus (gleich hier, siehe unten).

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Zuschriften von Günter Harmeling, Norbert Schneider und Georg Pape zum Antagonismus von Glauben und Wissen (veröffentlicht hier) und von Wilhelm Meyer vom Lockdown und seinen Folgen für den Kulturbetrieb (veröffentlicht hier).

Was eine Feministin durchsetzen müsste

Zu: „Frieden gibt es nicht ohne Feminismus“, FR-Meinung vom 29. Oktober

Der Gastbeitrag von Gabriela Heinrich  kann aus meiner Sicht nicht unkommentiert bleiben. Weder Frau von der Leyen noch Frau Kramp-Karrenbauer passen in das gezeichnete Bild friedensfördernder Politikerinnen; beide haben es als zuständige Ministerin versäumt, das Grundproblem der atomaren Verteidigung Deutschlands auch nur ansatzweise anzugehen.
In den sechziger Jahren habe ich den Wehrdienst in der Bundeswehr verweigert und stattdessen 18 Monate lang Ersatzdienst beim DRK gemacht. Als Drückeberger, der sein Vaterland nicht verteidigen will, naja.
Obwohl ich schon in meiner Lehrzeit durch andere Lehrlinge mit Waffen Bekanntschaft machen mußte, hatte ich schon immer ein distanziertes Verhältnis dazu, auch ein Ergebnis der Erziehung durch meine Eltern, die vom zweiten Weltkrieg her genug davon hatten. Selbst um Sylvesterkracher mußte ich als Kind lange betteln …
Aber etwas anderes ist mir schon früh und unabhängig davon klargeworden:
wenn wir uns, in der Mitte Europas, gegen wen auch immer verteidigen müßten, dann wären bald auch Atomwaffen im Spiel. Und was wären die primären Ziele eines potentiellen Angreifers? 1. die Großstädte, um maximalen Terror zu entfachen, 2. große Industriezentren und Flughäfen zur Zerstörung der Wirtschaft, und 3. zuallererst die Lagerstätten der US-Atomwaffen in Deutschland. Na prima – da wären wir im Rhein-Main-Gebiet doch schon gleich zu Beginn dabei.
Was da hier übriggrblieben wäre, war und bleibt leicht auszudenken – eine atomare Wüste. An dieser Einschätzung hat sich bei mir seitdem nichts geändert. Gleichwohl gab es in den sechziger Jahren noch bescheuerte Broschüren für den Ernstfall mit Ratschlägen, man solle sich bei einem atomaren Angriff in einen Straßengraben legen und die Aktentasche über den Kopf halten. Dummerweise gabs im Frankfurter Nordend nicht so viele Straßengräben.
Und in Büchel lagern weiterhin Atomwaffen, womit ich zum Ausgangspunkt meines Beitrags komme. Friedenspolitik, ob feministisch begründet oder nicht, setzt erstmal voraus, daß diese Waffen verschrotten werden. Ich warte auf eine Feministin, die das endlich durchsetzt.

Manfred Stibaner, Dreieich

 

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Forum vom 7. November
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Manfred Kirsch und Frank Diergardt zur US-Wahl (veröffentlicht ab hier), Helmut Koch, David Paenson und Winfried Beinsen zum Spannungsverhältnis von Meinungsfreiheit und religiösen Gefühlen (veröffentlicht ab hier), außerdem von Jürgen Malyssek zum 100. Gebirtstag von Fritz Walter (gleich hier, siehe unten).

Werte wie Treue, Kameradschaft, Fairness

Zu: „Der treue Fritz“ und „Nach der 90. Minute“, FR- Sport vom 31. Oktober und 3. November

„Der „Alte Fritz“ wäre 100 und der „der Bomber“ Gerd Müller ist 75 geworden! Was war das Bemerkenswerte an diesen beiden Fußball-Legenden? In der Generation Fritz Walter war natürlich der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 die Sensation. Damals lebten wir im Hunsrück/Rhld.-Pf. Es gab für uns Jungs, schon bevor man aktiv in den Vereinsfußball eintrat, das Wald- und Wiesen- oder Straßenkicken. Wer sich dazu berufen fühlte, war „Fritz Walter“, d.h., man war ein guter Kicker.
Fritz Walter war für uns das Idol, der für den technisch besten Fußball stand und der es verstand, „das Spiel zu machen“. Und es waren die Werte, die er vermittelte: Treue, Kameradschaft, Fairness, Bodenständigkeit. Darüber hinaus die „Roten Teufel“ und der „Betze“ (das Stadion, das lange die berühmte „Heimstärke“ symbolisierte). Selbst Bayern München, bis weit in die 70er Jahre, war bereit, sich die Anreise zum heimstarken FCK ersparen zu wollen!
Gerd Müller, in einer Zeit, in der Bayern München die ersten großen Schritte machte, um heute die Nummer Eins im deutschen Fußballgeschäft zu werden, war bescheiden wie Fritz Walter. Er war der klassische Mittelstürmer, wie er durch die systematische Einheitsausbildung der letzten zwei Jahrzehnte im deutschen Fußball jetzt fast ‚händeringend‘ wieder gesucht wird. Stattdessen schuf man die „falsche Neun“ oder die vereinsamte einzige Spitze. Aber der Strafraumstürmer – wo ist er geblieben? Müller konnte Tore schießen, die bekanntlich dem Spiel gut tun. Und wie es Günter Klein in der FR schreibt: „Müllers Tore waren keine logischen Treffer. Müller-Tore entstanden aus dem Nichts. Für die moderne Fußball-Mathematik (errechnete erwartete Tore) wäre Gerd Müller ein Mysterium gewesen.“
Meine Laudatio kommt aus dem Fußballer-Herzen, und zugegebener Weise der eigenen „alten Schule“. Ich wünschte mir heute im diesem leider kalten Millionengeschäft wieder solche Typen, die diesem Ballsport so viel gegeben haben und ohne große moderne Fußballschulen ihren eigenen Talenten folgen konnten – Fußball spielen, dribbeln, sauber grätschen, einfach Tore schießen! Nicht zu vergessen, alte Werte.
Wenn nicht – dann bleibt noch der Wert der Erinnerungen.“

Jürgen Malyssek, Wiesbaden

fr-debatte

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8 Kommentare

  1. Renate Pehl sagt:

    Sehr geehrter Herr Stibaner, Ihre Sorge in Bezug auf Atomwaffen und Ihr Friedensengagement weiß ich zu schätzen. Sie ist zweifellos angebracht und angemessen. Auch Ihre Zweifel bezüglich der Frauen in der Politik teile ich. Und doch – feministische Politik meint darüber hinaus etwas anderes. Sie will:: Beteiligung der Menschen an Entscheidungsprozessen; Beachtung ihres persönlichen Betroffenseins (Frauen, Migrant:innen, Arbeitslose, Jugendliche, Hautfarbe, Herkunft usw.); Wahrnehmung des Menschen als Teil des Ganzen (Natur), nicht als Verwalter:innen von Ressourcen; Gemeinschaft; uneingeschränkte Solidarität
    Diese Politik kann sich nur durchsetzen durch die Einsicht aller in ihre Notwendigkeit. Sie kann nur Realität werden, wenn jede Einzelne daran mitwirkt. So sind Frauen an Schaltstellen der Gesellschaft wichtig und ebenfalls notwendig, nicht aber als „Macherinnen“ und Handlangerinnen männlich-neoliberaler Politik.
    Feministischer Politik muss Raum gegeben werden, Fuß zu fassen und Einfluss zu nehmen. Das ist unsere Chance, Frieden zu schaffen und die Entwicklung auf diesem Planeten in eine lebenswerte Richtung zu lenken.
    Interessant in diesem Zusammenhang ist die Lektüre von: „Das Gute Leben für Alle“, Hrsg. I.L.A Kollektiv, und „Demokratie im Präsens. Eine Theorie der politischen Gegenwart“ von Isabell Lorey.

  2. Jutta-Maria Roth sagt:

    Thema beider Leserbriefe („Mehr Militär, mehr CO2“ und „Atomwaffenverbotsvertrag tritt in Kraft“, FR-Forum vom 2. und 3. November, s.o.) sind verschiedene Aspekte der weltweit zu verzeichnenden Rüstungsspirale, an der sich Deutschland ebenfalls beteiligt, u.a. mit der geplanten Beschaffung bewaffneter Drohnen wie auch mit der Weigerung, dem jetzt mit der 50. Ratifizierung in Kraft getretenen UN-Atomwaffenverbotsvertrages zuzustimmen. Dadurch verletzt unser Land sowohl Art. 1 und Art. 26 des Grundgesetztes, wie auch die UN-Charta der Menschenrechte und das „Humanitäre Völkerrecht. Rechtlich wäre ein Austritt aus der „nuklearen Teilhabe und damit Abzug der ca. 20 Atomsprengköpfe aus Büchel/Eifel durchaus möglich. (Quelle: IPPNW).
    Die Mehrausgaben des Verteidigungsministeriums steigen stetig, 2020 sind wir bei rd. €45 Milliarden angelangt, Steigerung 3,9%. Für das Bundesgesundheitsministerium stehen dagegen rd. €15,39 Milliarden zur Verfügung. Dies angesichts einer drohenden Notsituation in allen Bereichen des Gesundheitswesens. Eine kluge Haushaltspolitik würde jetzt eine Umschichtung von Geldern hin zum dringend benötigten Bedarf bei der Bekämpfung der Pandemie vornehmen. Die Krankenhäuser sollen planbare Operationen verschieben, das Verteidigungsministerium sollte diesem Beispiel bei der Beschaffung von Waffen folgen: Anschaffungen vorerst verschieben oder darauf ganz verzichten, da ohnehin volkswirtschaftlich ohne jeglichen ‚Mehrwert‘. Während die Mehrausgaben im Gesundheitswesen sich auszahlen werden jetzt und in die Zukunft hinein.
    Eine Erinnerung von absurden Ausgaben zur Zeit des ‚Kalten Krieges‘: die Bundesregierung baut für ihren Selbstschutz einen atomsicheren Bunker im Ahrtal und lässt dabei außer Acht den Schutz der Bevölkerung. – Jetzt wird nicht davor zurückgeschreckt, bei einem atomaren ‚Schlagabtausch‘ mit A-Waffen die Vernichtung weiter Teile unseres Landes in Kauf zu nehmen anstatt Prioritäten zu setzen: alle Kräfte und Mittel einzusetzen in der akuten pandemiebedingten Situation.

  3. Manfred Stibaner sagt:

    @ Renate Pehl

    Die Stellungnahme „Raum für Feminismus“ vom 12.11.20 zu meinem Leserbrief über die Frage, was Feminismus eigentlich mit Friedenspolitik zu tun hat, läßt mich eher ratlos zurück.
    Zunächst stimmt Frau Pehl mir zu, daß Frauen nicht per se friedlichere Politik machen, dann aber konstruiert sie besondere feministische Ziele friedfertiger Politik:
    – Beteiligung der Menschen an Entscheidungsprozessen
    – Beachtung persönlichen Betroffenseins
    – Wahrnehmung des Menschen als Teil des Ganzen
    – Solidarität.
    Aha – und was ist daran etwas besonders geschlechtsspezifisches? Zwei Sätze weiter wird gefordert, jeder Einzelne solle daran mitwirken. Also wie jetzt? Ich dachte bisher, solche Dinge wie Beteiligung an Entscheidungsprozessen oder Solidarität würden ohnehin schon länger für alle gelten. Was überseh ich da (bin ja bloß ein Mann, woran bekanntlich mein Vater schuld ist)?
    Was ich dagegen für wirklich schlimm halte ist der Bericht in der heutigen FR über Menschen anderer Hautfarbe, die als PoC tituliert werden als hätten sie eine ansteckende Krankheit. DAS ist menschenverachtend.
    Zum Schlußsatz von Frau Pehl eine geeignetere Lektüre: „The Nazi Officer’s Wife“ von Edith Hahn, einer Wiener Jüdin, die unter großen Mühen das Dritte Reich überlebte und beschreibt, wie viele Frauen vor achtzig Jahren ihrem über alles geliebten Führer zugejubelt haben, als er in friedlicher Absicht Europa überrollt und zerstört hat.
    Klar ist auch das nicht für Allgemeinerungen geeignet sondern eher als Warnung, simple Thesen zu verallgemeinern.

  4. Renate Pehl sagt:

    Antwort an Herrn Stibaner

    Sehr geehrter Herr Stibaner,

    danke, dass Sie geantwortet haben!
    Da ich mich nicht verstanden fühle, versuche ich noch einmal, mich zu erklären, auch wenn es in diesem Rahmen sehr schwierig ist, ausführlich auf das Thema näher einzugehen.

    Das besonders „Geschlechtsspezifische“ (nicht durch Geburt als Mann oder Frau, sondern durch eine besondere Weltsicht) an den von mir genannten Zielen ist genau das Gegenteil von der Politik, die sie an Frau Merkel u.a. kritisiert haben:
    1. Sie beteiligt eben nicht die Menschen (alle Männer und Frauen) an den Entscheidungsprozessen über Atomwaffen etc.
    2. Sie beachtet die persönliche Betroffenheit eben nur soweit es in die grundlegende Wachstumsideologie passt
    3. Sie geht davon aus, dass die Natur ausgebeutet werden darf, solange sie Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum schafft oder Kredite für die Banken hervorbringt
    4. Sie ist eben nicht solidarisch mit Arbeitslosen, Migrantinnen etc.

    Es geht also bei der Bezeichnung „Feministische Politik“ nicht darum, Männer und Frauen wieder einmal gegeneinander auszuspielen.
    Sie bedeutet nur, dass unsere Politik eine Politik ist, die schon spätestens seit der Industrialisierung von weißen, bürgerlichen Männern bestimmt wird.
    Diese haben die Bereiche „Erwerbstätigkeit“ und „Soziale Sorge“ in einen männlichen und einen weiblichen getrennt. Der weibliche wurde ins Private verdrängt und dadurch abgewertet. Das lässt sich bis heute beobachten (schlechtere Bezahlung von Frauen und Sozialberufen, keine Verankerung des Naturschutzes im Grundgesetz etc.).

    Feministische Politik ist daher als Gegensatz zur herrschenden Wachstumspolitik, der Neoliberalen Politik zu verstehen. Sie ist in diesem Sinne Friedenspolitik und sie soll, muss und kann auch von Männern gemacht werden.

    Und: Ich habe wirklich Respekt vor Menschen, die sich gegen Atomwaffen einsetzen und vor Kriegsdienstverweigerern.

    Zum Schluss noch: Es erschreckt mich sehr, wenn Frauen Diktatoren zujubeln und an die Macht helfen.
    Frauen gut – Männer böse sind keine angemessenen Kategorien …..

    In diesem Sinne
    mit frdl. Grüßen
    R. Pehl

  5. Manfred Stibaner sagt:

    Hallo Frau Pehl,
    Ihre Antwort leidet darunter, daß Sie erneut Zusammenhänge zwischen Feminismus und Friedenspolitik konstruieren, die ich nicht sehe.
    Ich greife mal Ihr viertes Beispiel heraus: Solidarität mit Arbeitslosen ist ein Grundkonzept deutscher und internationaler Gewerkschaften. Das war und ist weder geschlechtsspezifisch noch feministisch, sondern schlicht im Kern der Gewerkschaftsarbeit angelegt (die nebenbei anfangs vorwiegend männlich geprägt war).

    Es macht keinen Sinn, Eigenschaften voneinander abhängig zu machen, welche nichts miteinander zu tun haben. Ich mag gleichzeitig blauäugig sein und mißtrauisch – daß Eine ist meine Augenfarbe, das Andere ein Verhalten Fremden gegenüber. Und hat absolut nichts miteinander zu tun. Feminismus hat seine Berechtigung, ist aber nicht geeignet, die ganze Welt damit zu erklären.

    Lassen wir’s, wir kommen auf keinen gemeinsamen Nenner.

    Mit freundlichen Grüßen
    Manfred Stibaner

  6. hans sagt:

    zu @ Manfred Stibaner
    Solidarität mit Arbeitslosen ist ein Grundkonzept deutscher und internationaler Gewerkschaften.

    Können sie vielleicht mal an einem Beispiel erklären an was man erkennen kann das Gewerkschaften solidarisch mit Arbeitslosen sind. Das ist mir eigentlich neu und noch nie aufgefallen.

  7. Manfred Stibaner sagt:

    etwa durch Arbeitsverträge mit Schutz vor willkürlicher Entlassung.
    etwa durch Unterstützung bei arbeitsrechtlichen oder Versicherungsproblemen?
    Noch nie aufgefallen?

    Was hat das im Übrigen mit dem Ausgangsthema „Raum für Feminismus“ zu tun?

  8. hans sagt:

    zu @ Manfred Stibaner
    etwa durch Arbeitsverträge mit Schutz vor willkürlicher Entlassung.
    Das nutzt mit Sicherheit Arbeitslosen gar nichts. Das hilft Menschen die einen Arbeitsvertrag haben.
    Ihr zweiter Punkt ist mir zu unkonkret um das zu beurteilen. Aber sie haben recht das was ich gefragt hat hat genau so viel mit dem derzeitigem Thema zu tun wie Gewerkschaften mit dem Schutz von Arbeitslosen