Russland hört nicht auf mit seinen Aggressionen

Der Ukraine steht ein harter Kriegswinter bevor – der fünfte seit Beginn der russischen Invasion. Nur mit Hilfe des Westens kann sie ihn überstehen. Doch im Westen schwindet die Bereitschaft, die Ukraine zu unterstützen. Dabei gibt es Anzeichen dafür, wie sehr der Krieg auch Russland schadet.

Also muss die Ukraine weiter unterstützt werden. Wir dürfen uns allerdings nichts vormachen: Die russische Zermürbungstaktik wirkt, auch bei uns im Westen. Der russische Präsident zeigt sich zwar grundsätzlich gesprächsbereit, allerdings nur zu russischen Bedingungen. Andererseits sendet er andauernd Signale, dass er Gespräche oder gar Verhandlungen nicht nötig hat. Zugleich wächst überall die Friedenssehnsucht und spielt ihm in die Karten. Doch Putins Position ist nicht so stark, wie er glauben machen will (siehe dazu u.a. den Artikel zur Situation in der russischen Wirtschaft).

Links zur Berichterstattung:
Friedensfragen: Ist an Frieden zu denken?
Russland verliert den Krieg an der Wirtschaftsfront
Kommentar: Keine Schönfärberei mehr

Eine realistische Herangehensweise, die zu Gesprächen, Verhandlungen und zum Frieden führen könnte, wären Geheimgespräche. Während Putin weiterhin seine Stärke für die Weltöffentlichkeit zelebriert, könnte hinter der Kulissen ausgelotet werden, zu welchen realistischen Bedingungen er dennoch dazu bereit wäre, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Wer weiß, vielleicht laufen solche Bemühungen bereits?

Eine Friedensregelung müsste für Putin gesichtswahrend sein. Also müsste die Ukraine wahrscheinlich Gebiete abtreten und auch auf die Krim endgültig verzichten, die von Russland annektiert wurde. Ein Nato-Beitritt der Ukraine müsste ausgeschlossen werden. Parallel dazu würden jedoch mit der Ukraine Abkommen zum Wiederaufbau des Landes geschlossen werden, die dazu führen könnte, dass die jetzige Trümmerlandschaft in 20 Jahren nicht mehr wiederzuerkennen ist. Denn die Welt rüstet auf, und die Ukraine hat sich in der harten Schule des Krieges in Sachen Militärtechnik (Drohnen) ein Standbein erarbeitet, das ihr wirtschaftlich nützlich sein kann. Besser wäre es natürlich, wenn solches Knowhow nicht gebraucht würde.

Zugleich steht eines fest: Wenn der Ukrainekrieg uns eines lehren kann, dann dies: Autokraten kann man nicht trauen. Niemand wird einem Russland, das von einem Putin geführt wird, jemals wieder abnehmen, dass es sich an Abkommen und Verträge hält. Auch wenn es Frieden in der Ukraine geben würde – mit „Friedensfürsten“ wie Putin und auch US-Präsident Trump gilt das Recht des Stärkeren. Und daraus folgt: Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. Leider. Das würde sich nur ändern, wenn die Menschen die Autokraten ihrer Länder davonjagen.


Christliche Positionen stehen gegeneinander

Das sog. christliche Abendland ist gespaltener denn je! Der Patriarch von Moskau unterstützt Putins Krieg, indem er ihn als Kampf gegen den gottlosen Westen sieht, der die heilige orthodoxe Religion und Kirche der Rus bedroht durch den liberalen und antiautoritären Geist der Freiheit, der alle moralischen Prinzipien gefährde und zerstöre. Dieser Geist ist gut erkennbar etwa an der Toleranz gegenüber Homosexualität, Abtreibung, Ehescheidung und Genderbewegung. All diese „westlichen“ Verderbnisse abzuwehren, auch mit militärischer Gewalt, gesteht der Patriarch der Staatsgewalt, also Putin, zu. Damit erhält Putin von der russisch-orthodoxen Kirche den Segen für seinen brutalen Krieg, denn er ist ein Kampf gegen das Böse. Wieder einmal sitzen Religion und Staatsmacht in einem Boot und verstärken wechselseitig ihre Autorität. Und die braven, blinden, autoritätsliebenden „kleinen Leute“ fallen millionenfach darauf herein.

Ganz anders sieht die polnische Bischofskonferenz den Ukrainekrieg. Sie schrieb schon am 2.3.22 an den Patriarchen u.a.: „Dem Gebet für den Frieden müssen Taten folgen.“ Sie bittet „dass Du die russischen Soldaten aufrufst, nicht an diesem ungerechten Krieg teilzunehmen“ und „die Ausführung der Befehle zu verweigern“. „Die Befehlsverweigerung in einer solchen Situation ist eine moralische Pflicht.“ Deutlicher kann man kaum den Gegensatz zwischen diesen beiden „christlichen“ Positionen beschreiben! Und wo die polnischen Bischöfe den Teufel am Werke sehen, bedarf keiner Frage. Da bleibt zumindest nur Putin, am Ende auch Patriarch Kyrill!

Wir, der Westen, lassen die wahnsinnig zerstörte Ukraine mit zahllosen Todesopfern ziemlich allein. Auch wenn wir ihr sehr zögerlich Waffen liefern, erleben wir – hilflos danebenstehend – die lebenszerstörende Übermacht der Atommacht Russland. Man könnte wahnsinnig werden ob dieser „unterlassenen Hilfeleistung“ in höchster Not. Nach meiner Überzeugung fehlt neben Waffenlieferungen nur eine einzige Tat, zu der die Klitschko-Brüder schon – bisher vergeblich – eingeladen haben: dass Papst oder Dalai Lama sich aufmachen in die Ukraine oder nach Moskau und von Putin den Stopp dieses Wahnsinnskrieges verlangen! Und dass sie nicht eher abreisen, bis sie Erfolg haben! Kaum ein Mensch dürfte in diesem Krieg weniger gefährdet sein als diese beiden. Das ist mir ein brennendes Anliegen. Ich habe erneut in diesem Sinne an den Papst geschrieben.

Karlheinz Fritz, Bad Camberg


Liebe AfD, liebes BSW – ein Blick in die Geschichte. Der Ukraine-Krieg ist eine Katastrophe für Russland und Europa, insbesondere aber für die Ukraine. Putin hat den Krieg begonnen. Er kann ihn ohne Sieg nicht beenden, wenn er seine Macht behalten will. Die Chance für eine friedliche Lösung ist daher gering. Was will man mit Putin verhandeln? Im „Budapester Vertrag“ hat Russland 1994 die Souveränität der Ukraine offiziell anerkannt.

Wenn wir der Ukraine keine Waffen mehr liefern, muss sie kapitulieren. Sie wird von der Landkarte verschwinden, und Putin wird sich grausam an den Ukrainern rächen. Ihre Offiziere werden liquidiert wie unter Stalin die polnischen Offiziere im Wald von Katyn. Den einfachen Soldaten droht ein ähnliches Schicksal wie den sowjetischen Kriegsgefangenen in Deutschland. Diese wurden nach Kriegsende nach Sibirien deportiert, nur weil sie sich in aussichtsloser Situation von der Wehrmacht gefangennehmen ließen.

Wer glaubt, mit der Kapitulation der Ukraine sei unsere Welt wieder in Ordnung, den muss man an das Münchner Abkommen erinnern. Es hat ihn ermutigt, seine aggressive Außenpolitik fortzusetzen. Die Situation ist heute ähnlich. Ein Erfolg in der Ukraine wird auch Putin motivieren, weitere Länder zu überfallen. Die aggressiven Töne aus Moskau wie „Die Moldau kommt sowieso auf die Müllhalde der Geschichte“ deuten darauf hin. Nutznießer ist in erster Linie China. Der Krieg schwächt seine globalen Konkurrenten.

Karl Hahn, Bad Salzungen


Verwandte Themen

5 Kommentare zu “Russland hört nicht auf mit seinen Aggressionen”

  1. Die deutsche Diplomatie ist im Freund/Gegner-Modus verstrickt und findet keine „diplomatischen“ Zugänge zu einem neuen Umgang mit Russland. – Immerhin gab es nach Jahren der Funkstille einen Gesprächskontakt. Nach knapp 5 Jahren Ukraine-Krieg – auch mit deutscher Unterstützung – hat sich Herumgesprochen: dieser Krieg ist nicht zu gewinnen und kostet unserem Land den „sozialen Frieden“. Darauf weisen auch die jetzigen Demonstrationen des DGB hin. Der Krieg bringt beiden Seiten nur noch Leid und ist ohne eine Perspektive. Das größte russische und ukrainische Leid fällt dabei unter den Tisch: Wieviel junge Männer mussten in diesem Krieg ihr Leben lassen? Die Ukraine bringt der Soldaten-Tot sogar an ihre demographischen Grenzen: das Land hat ein Entvölkerungsproblem. – Der Frieden muss her. Für mich wäre das auch das von Rolf Mützenich (SPD-MdB) geforderte Kriegsende durch „Einfrieren“ des Konflikts mit akzeptablen Sicherheitsgarantien für beide Seiten. – Dann muss die Zeit Wunden heilen – auf beiden Seiten!

  2. Russen und Ukrainer seien ein Volk so sagte Putin 2021 und unteilbar.
    Putin will die Ukraine seinem Machtbereich unterordnen. Teile des Landes hat Russland bereits annektiert und zu Bestandteilen der Russischen Föderation erklärt. Gleichzeitig verlangt Moskau von der Ukraine politische und militärische Bedingungen, die ihre souveräne Entscheidungsfreiheit erheblich einschränken würden. Dass Russland jedoch ukrainisches Territorium mit Gewalt seinem Staatsgebiet einverleiben will, ist keine Vermutung – es ist bereits geschehen.
    2014 annektierte Russland die Krim. Im September/Oktober 2022 erklärte Moskau außerdem Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson zu Bestandteilen der Russischen Föderation – obwohl Russland diese Gebiete nicht einmal vollständig kontrollierte. Die UN-Generalversammlung verurteilte diese versuchten Annexionen mit 143 zu 5 Stimmen und erklärte sie für mit der UN-Charta unvereinbar
    Der Krieg dauert nicht erst seit vier Jahren.
    Er begann 2014 mit der russischen Besetzung und Annexion der Krim und dem Krieg im Donbas. 2022 weitete Putin diesen Konflikt zu einer großangelegten Invasion der Ukraine aus. Seit inzwischen mehr als zwölf Jahren lebt die Ukraine mit Krieg, Besatzung und russischem militärischem Druck.
    Nach mehr als vier Jahren Krieg ist die Bilanz verheerend. Russland konnte sein ursprüngliches Ziel, die Ukraine rasch zu unterwerfen, nicht erreichen. Die Ukraine konnte umgekehrt die besetzten Gebiete bislang nicht vollständig zurückerobern. Geblieben ist ein Abnutzungskrieg mit enormen Verlusten, zerstörten Städten und Millionen Menschen, deren Leben dauerhaft verändert wurde. Doch bei aller Diskussion über Fehler, Waffenlieferungen und Friedensverhandlungen darf der Ausgangspunkt nicht verschwimmen:
    Russland begann am 24. Februar 2022 die großangelegte Invasion der Ukraine. Die Ukraine verteidigt seitdem ihre staatliche Existenz und ihr Territorium. Wie dieser Krieg beendet werden kann, ist die schwierige politische Frage – wer ihn begonnen hat, dagegen nicht.immer stärker ein Abnutzungs- und Drohnenkrieg.
    Russland hält militärischen Druck im Osten aufrecht; gleichzeitig werden Drohnen und weitreichende Waffen auf beiden Seiten immer wichtiger. Besonders schwer treffen russische Angriffe die ukrainische Energieversorgung. 2025 verzeichnet die UN die höchste Zahl getöteter ukrainischer Zivilisten seit 2022. Bis Ende 2025 beziffern Ukraine, Weltbank, EU und UN allein die direkten materiellen Schäden auf mehr als 195 Milliarden Dollar und den Wiederaufbaubedarf auf fast 588 Milliarden Dollar.

    Am 24. Februar 2026 sind damit vier volle Jahre der russischen Vollinvasion vergangen. Der Krieg endet aber nicht: Er befindet sich inzwischen im fünften Kriegsjahr. Noch im September und Oktober 2026 finden massive russische Luftangriffe und ukrainische Angriffe auf russische Infrastruktur statt.

    Russen und Ukrainer sind ein Volk.“ Putin entwickelte diese Vorstellung immer weiter. Die Ukraine erschien in seiner Argumentation zunehmend weniger als eine vollständig eigenständige historische Nation und stärker als Teil eines gemeinsamen russisch-ukrainischen historischen Raums. Noch 2021 sagte er ausdrücklich, Russen und Ukrainer seien „ein Volk
    In der heutigen Kreml-Erzählung ist der Krieg zunehmend kein gewöhnlicher Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Putin beschreibt die Ukraine als vom Westen geschaffenen beziehungsweise benutzten „Anti-Russland“-Staat und behauptet, der Westen habe den Konflikt verursacht, um Russland einzudämmen.
    In Russland gibt es weder freie Presse noch freie Rede noch freier Wahlen. Alles ist seit fast dreissig Jahren Putin untergeordnet der als demokratischer Präsident antrat – aber in freien Wahlen – sofern es sie in Russland gäbe – schon abgewählt worden wäre.
    Dieser Krieg dient auch dem Machterhalt der Kreml Partei einiges Russland.

  3. @ Karl Hahn
    Ich weiß es zu schätzen, dass Herr Hahn an die Liquidierung polnischer Offiziere unter Stalin im Wald von Katyn erinnert. Ins Gedächtnis rufen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass die FR vor vier Jahren im Beitrag „Als erstes würden die Russen die ukrainische Intelligenz liquidieren“ (06./07.08.2022) den Schriftsteller Martin Pollack zu Wort kommen ließ, der völlig zutreffend herausstellte, gelänge die Okkupation der Ukraine, würden die Russen nach altem stalinistischen Vorbild ganz sicher als erstes die ukrainische Intelligenz liquidieren. Neben der von Stalin 1940 veranlassten Ermordung von etwa 4400 gefangenen Polen, größtenteils Offizieren, im Wald bei Katyn wurden an weiteren Orten bis zu 25000 Berufs- oder Reserveoffiziere, Polizisten und Intellektuelle, also überwiegend Angehörige der Vorkriegseliten der unabhängigen Zweiten Polnischen Republik, ermordet. „Katyn“ steht in Polen für diese Mordreihe. Das Katyn-Denkmal in Krakau ist ein fünf Meter hohes Kreuzmonument, das den Opfern dieser Massenhinrichtungen gewidmet ist. Dieses Gedenkmonument gemahnt meines Erachtens inzwischen nicht nur an die polnischen Opfer, sondern lenkt potenziell auch darauf hin, dass die Ukraine nicht von der Landkarte verschwinden darf.

  4. Was hier in allen Beiträgen falsch dargestellt wird ist das der Eindruck erweckt wird das der Konflikt auf Russland und die Ukraine begrenzt ist. Kein Wort das Russland und Putin uns fast wöchentlich massiv droht oder das ein Hybrider Krieg in D. schon im Gang ist. Außerdem hat Putin im Winter 21/22 bewusst versucht in Europa eine Gasnotlage zu erzeugen in dem er die Gasspeicher nicht gefüllt hat bis der Staat eingegriffen hat. Das die NATO sich auf die Grenzen vor der Osterweiterung zurückziehen soll ist immer noch eine gängige Forderung die im Raum steht. Putin wollte die Ukraine 2022 in 2 Wochen besetzen. Zu denken dass das dabei zu Ende gewesen wäre ist Realitätsverweigerung angesichts dessen was die letzten Jahre passiert ist. Solange die Forderungen bestehen ist an ein Kriegsende nicht zu denken leider. Das die russischen Pläne in der Ukraine gescheitert sind ist zu begrüßen hat aber nicht zu einem Umdenken bei Putin geführt. Ich sehe nicht wie der Westen unter diesen Umständen den Krieg, nochmal leider, beenden könnte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert