Hitze: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

Deutschland schwitzt, Europa brennt. Doch die Bundesregierung will neue Gaskraftwerke bauen, hat das Verbrenner-Aus ausgeknockt, ein Heizungsgesetz auf den Weg gebracht, das nichts verbessert, und zeigt in jeder Hinsicht, dass sie sich nicht fürs Klima interessiert.

Klima-Versagen auf ganzer Linie: Unsere Bundesregierung kann mit einem Zukunftsthema wie Klimaschutz offenbar fast nichts anfangen. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) tut mir leid. Er kommt gegen die neoliberalen Beharrungskräfte der Merz-CDU anscheinend nicht an, obwohl er es versucht. Eine Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat deutlich mehr Gewicht. Denn wichtig ist einzig, dass die Wirtschaft brummt. Was sie nicht tut.

Es wäre am Kanzler Friedrich Merz, diese Gewichte zu verschieben, doch daran zeigt er keinerlei erkennbares Interesse. Seine wirtschaftspolitischen Konzepte entstammen der Mottenkiste der Schule von Milton Friedman und der 80er Jahre. Dass der Öko-Sektor – angefangen bei Solarmodulen – riesige Wachstums-Chancen, haben allerdings auch andere vor ihm schon nicht erkannt, etwa ein Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), der ab 2011 die deutsche Solarindustrie plattgemacht hat. Ergebnis: China ist heute Marktführer. Tolle Wirtschaftspolitik!

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Rollback: „Mit Klimaschutz verliert man Wahlen“

Anscheinend geht es in diesem Duktus weiter. Dem Kanzler, unempathisch wie immer, kommt kein einziges Wort zu den bisherigen Hitzetoten in Deutschland über die Lippen. Damit signalisiert er: Interessiert mich nicht. Vielleicht hat er den Zusammenhang mit dem Klimawandel wirklich nicht verstanden. Dabei sagen die Zahlen, dass es bisher eine Übersterblichkeit – also eine ungewöhnliche, erklärungsbedürftige Mehrzahl von Toten – von rund 10.000 Menschen in Deutschland gegeben hat. Und der Sommer ist noch nicht zu Ende.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Heute ist ein relativ verträglicher Tag. Es werden wieder heißere kommen. Die Prognosen sind deutlich. Im Lauf der vergangenen Wochen habe ich mich an die hohen Temperaturen gewöhnt und schwitze auch bei 27 Grad im Wohnzimmer kaum noch. Ich trinke allerdings auch wesentlich mehr zur Erfrischung und nehme zwischendurch „Bäder“. In meine Badewanne – ich bin glücklich, dass ich eine habe! – lasse ich alle zwei Tage etwa 20 Liter Wasser einlaufen (Wassermangel!), setze mich dann da rein und benetze mich. Außerdem bin ich in der privilegierten Situation, Besitzer einer Klimaanlage zu sein.

Doch damit fängt der Unsinn an. Eine Klimaanlage kostet nicht nur Geld für Anschaffung und Einbau, sondern auch der Betrieb ist nicht billig. Zudem werden für diesen Betrieb Chemikalien benötigt, die dem Treibhaus einheizen. Klimaanlagen verschaffen Linderung und könnten gewiss in vielen Fällen sogar lebensrettend sein, wenn man sie z.B. in Krankenhäusern und Senior:innenheimen zur Verfügung hätte, aber wenn es sie in jedem Haus gäbe, wäre die nächste Frage: Woher kommt die nötige Energie? Zugleich wollen wir nämlich auch noch Elektromobilität, riesige KI-Rechenzentren und Streamingdienste. Nichts davon gibt es zum Nulltarif. Nicht für die eigene Tasche und ebenso wenig für die Umwelt und das Klima.

Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig der aktuellen Politik zu Thema Klima einfällt. Nicht dass ich von einem Kanzler Merz in dieser Hinsicht mehr erwartet hätte, aber mal unterstellt, dass Friedrich Merz manchmal nachdenkt, nachdem er sich die Dinge angeschaut hat – könnte ja sein — müsste selbst einer wie er nicht angesichts der Situation auf den Gedanken kommen, dass etwas mit dem nicht stimmt, was bisher gelaufen ist? Dass man sich etwas anderes einfallen lassen müsste?

Vielleicht kümmert es ihn einfach nicht, weil er selbst vermutlich nicht mehr unter den Lebenden weilen wird, wenn diese Dinge, die er sich angeschaut hat (?), tatsächlich katastrophal werden. Nach mir die Sintflut. So verhält sich allerdings nicht nur Friedrich Merz.


Als hätten wir nichts mit unserer Umwelt zu tun

Am 30. Juli war der sog. Erdüberlastungstag. D.h. wir haben die uns zu Verfügung stehenden Ressourcen für das gesamte Jahr bereits jetzt, nach sieben Monaten, vollständig aufgebraucht. Zumindest rechnerisch. In Deutschland war dieser Tag übrigens schon am 10. Mai. Wäre es wirklich so, hätten wir jetzt eine weltweite Krise unvorstellbaren Ausmaßes. Womöglich wird es in nicht allzu ferner Zukunft so kommen.

Gerade erleben wir in Deutschland die dritte oder vierte Hitzewelle in diesem Sommer, es hat kaum geregnet, die Böden sind ausgetrocknet, die Flüsse erreichen einen neuen Niedrigstand. Nicht weit entfernt in den Urlaubs-Paradiesen Frankreich, Spanien, Griechenland wüten verheerende Waldbrände von apokalyptischen Ausmaßen.

Nun sei es an der Politik, daraus konkretes Handeln zu machen. So liest es sich in einem großen FR-Artikel zu diesem Thema. Wie kann es aber sein, dass Politiker und Parteien genau wissen, dass man sich schnell sehr unbeliebt macht, wenn man mit diesem Thema Ernst macht? Die „Grünen“ können davon ein Lied singen. Wenn doch den Menschen der Klimaschutz scheinbar derart wichtig ist, warum reißen sich dann nicht alle Mandatsträger darum? Der Schlüssel liegt in dem Wort „scheinbar“.

Die Energiewende wollen viele so schnell wie möglich organisiert sehen, aber nur, solange man vom eigenen Vorgarten aus kein Windrad sieht. Können wir ernsthaft glauben, Klimaschutz sei ausschließlich Sache der Politik und man solle uns gefälligst damit in Ruhe lassen, wir hätten schließlich andere Sorgen? Diese kurzsichtige und fatale Haltung kann man hier überall in allen Schichten antreffen. Man braucht nur einmal über eine deutsche Autobahn zu fahren oder sich in einem städtischen Parkhaus umzuschauen, um einen Eindruck zu bekommen, was den meisten offenbar wichtig(er) ist. Wie kann die Politik unter solchen Voraussetzungen wirklich etwas erreichen?

Klimaschutz geht nur, wenn alle oder zumindest eine Mehrheit begreift, dass es jeden einzelnen angeht. Genau hier liegt das Problem, was schon vor Jahren Al Gore (ein Politiker!) sinngemäß zu der erstaunlichen Aussage verleitete: „Je tiefer ich nach den Wurzeln der Klimakrise schaue, desto mehr erscheint sie mir als Ausdruck einer spirituellen Krise.“

Wir erleben uns zunehmend als getrennt von unserer Umwelt, der Natur, unseren Mitmenschen und sogar von uns selbst. Diese allgegenwärtige Separation ist ganz offensichtlich das grundlegende Problem. Spürten wir noch, wie sehr wir eigentlich mit der Natur und anderen Lebewesen verbunden sind, würden wir niemals so handeln, wie wir das gerade mehrheitlich tun. Jeder kann und muss da bei sich selbst anfangen. Darauf zu warten, dass die Politik das tut, was wir eigentlich selbst nicht zu tun bereit sind, führt nur weiter in den Abgrund.

Harald Reinemer, Bad Vilbel


Unser Wohlstand beruht auf Wasser

Endlich sagt mal ein Wasserwerker (die Wetterauer Ovag, FR v. 1.8., Anm. d. Red)  die Wahrheit darüber, wie es um unsere Grundwasserreserven bestellt ist: dass nämlich die Wasserstände immer weiter sinken, sodass das Trinkwasser inzwischen knapp ist, und dass wir bis Jahresende Wasser sparen müssen. Das hätte bereits vor 40 Jahren passieren müssen, aber Ministerien, Regierungspräsidien und Naturschutzbehörden halten es nach wie vor mit Beschwichtigungen: alles nicht so schlimm, ist nur vorübergehend, Deutschland ist ein wasserreiches Land. Aber Warnungen sind besser spät als nie. Ja, wir müssen dringend Wasser sparen und zwar das ganze Jahr über, damit das kostbare Grundwasser im Berg und im Boden bleibt und damit sich die Grundwasserstände wirklich erholen können und zwar weit über die Mindest-Grundwasserstände hinaus möglichst auf ihre vor der Wasserentnahme gelegenen Grundwasserhöhen.

Wassersparen gilt für jeden einzelnen Bürger aber auch für die vielen Industrie- und Wirtschaftszweige, die Genehmigungen für eigene Grundwasser-Entnahmen haben. Jede einzelne Genehmigung gehört auf den Prüfstand. Und jeder und jedes Unternehmen muss zu mehr Wassersparen, zum Einsatz von mehr Wasserspartechniken und zu Arbeitsabläufen mit keinem oder nur äußerst geringen Wassereinsatz aufgefordert werden. Es gilt langfristig und nachhaltig Wasser zur Verfügung zu haben. Bäche und Flüsse kommunizieren mit dem Grundwasser. Ist im Grundwasser wenig Wasser, gelangt über den Uferrand und über den Gewässerboden das Bachwasser in das Grundwasser. Gehen Wasservorräte im Bach und Fluss zur Neige, fließt Wasser aus dem Grundwasser hinein. Sind die Grundwasserstände niedrig, kann kein Wasser mehr in den Bach/Fluss fließen. Dauerhafte Schifffahrt ist nur erreichbar, wenn Grundwasserstände auch im Sommer hoch sind.

Alle Lebewesen Tiere wie Pflanzen in der Natur benötigen ausreichend sauberes Wasser: Ein Reh ohne Zugang zu einer Quelle oder zu einem Bach stirbt genauso wie ein Vogel, ein Insekt, ein Molch und alle anderen. Pflanzen, deren Wurzeln das Grundwasser nicht mehr erreichen und nur noch auf Regen angewiesen sind, sterben wenn dieser zu wenig ist oder völlig ausbleibt. Unsere Gesellschaft muss mehr über die Wasserkreisläufe informiert werden. Und es muss in die Köpfe, dass Wohlstand nur über genügend Wasser erreicht wird. Und: Bei sommerlichen Temperaturen von inzwischen weit über 35 Grad Celsius kann nur Wasser unseren schnellen Tod verhindern.

Heidrun Berressem, Schlüchtern


Tausende Klimatote werden ignoriert

Die Erde brennt, nicht nur im wörtlichen Sinn! Die gesamte Menschheit leidet unter dem Klimawandel, auch die, die ihn noch immer leugnen und auch langfristig die, die von ihm profitieren, wie Energiekonzerne. Die alte Rechnung, dass jeder Euro in den Klimaschutz 6 Euro an Folgekosten erspart ist längst überholt. Viele Tausende an Klimatoten, riesige Schäden in der gesamten Wirtschaft werden ignoriert und lieber das Geld in die Rüstung investiert. Selbst die Demokratie brennt, weil Despoten aller Couleur nur nach Reichtum und Macht streben. Deswegen werden wirtschaftliche und echte Kriege angezettelt, die nur zerstören, auch das Klima. Der unvorstellbare Reichtum weniger zerstört das Klima mehr als als Milliarden armer Menschen. Ihre Macht zerstört auch Demokratien, weil ihr Einfluss auf die Politik weitaus stärker ist als der der Wähler. Auch die Wähler werden durch deren Besitz an großen Medien, gerade auch der angeblich sozialen, in ihrer Wahl durch gezielte „Informationen“ gelenkt. Offen tritt dies zutage bei der Unterstützung rechtsextremer Parteien, die die Demokratie zerstören wollen, wie in Deutschland die AfD. Die von ihnen geförderte soziale Spaltung der Gesellschaft an Einkommen und Vermögen ist der Tod der Demokratie.

Schon seit langem wird auf die Wissenschaft nicht mehr gehört, demokratische Rechte wie das Informationsfreiheitsgesetz werden faktisch abgebaut. Kritischen Organisationen wird die Gemeinnützigkeit entzogen oder auch die Fördergelder zur Stärkung der Demokratie gekürzt oder gestrichen. Die Überwachung der Bürger wird stärker und eine gerechtere Gesellschaft verhindert.

Wolfgang Jeensch, Büdingen


Für den Kanzler kann nicht sein, was nicht sein darf

Weder der Bundeskanzler noch die zuständigen Minister haben bis heute die Hitzewellen und ihre Folgen für insbesondere ältere Menschen zum Thema gemacht. Eine Übersterblichkeit von 30 Prozent wird nicht erwähnt. 

Hitzepläne sind kommunale Aufgaben. Für den Kanzler und die Union kann aus ideologischen Gründen nicht sein, was nicht sein darf. Deshalb sind sie nicht in der Lage zu erkennen, dass mehr Klimaschutz die Wirtschaft stärkt und nicht schwächt und dass nachfolgende Generationen entlastet werden. 

Rosemarie Mika, Frankfurt


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7 Kommentare zu “Hitze: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass

  1. Wie hoch der Grad an Ignoranz und Arroganz gegenüber der Hitzekatastrophe bei diesem Kanzler ist, zeigt sich exemplarisch an seinem Verhalten bei der zu diesem Thema stattgefundenen
    Parlamentsdebatte. Als dort die Vertreterin der Bündnisgrünen nämlich die hohe Anzahl der
    Hitzetoten beklagte, waandte sich Friedrich Merz demonstrativ ab und vertiefte sich in einen Dialog mit einem Kabinettskollegen.Deutlicher konnte er nicht zeigen, dass ihn die hohe Anzahl von Todespfern Ende Juni offensichtlich nicht interessierte.

  2. Ich denke das es eigentlich zwei Themen sind um die es geht Klimaanpassung und Klimaschutz und nicht alles ist Schuld der Bundesregierung aber doch recht viel.
    Bei der Anpassung sind auch Länder und Kommunen gefordert. Außerdem braucht es eine klare Priorisierung der Maßnahmen. Nach meiner Meinung in der folgenden Reihenfolge
    Klimaanlagen in Pflegeheimen und Krankenhäusern
    Klimaanlagen in Schulen und Kitas
    Förderung von Klimaanlagen im Bestand sozial ausgewogen
    Begrünung der Städte und Abbau von Versiegelungen
    Umbau und Aufforstung der Wälder
    Reduzierung des Wasserverbrauchs ( Weniger thermische Kraftwerke)
    Da die finanziellen Mittel begrenzt sind sollten die zuerst genannten Themen schnellstens umgesetzt werden da ich annehme das da ein Hauptgrund für die Übersterblichkeit liegt. Eine Stadt die im Moment einen Platz begrünt aber Krankenhäuser nicht klimatisiert macht offensichtlich was falsch zumal der Strom für Klimaanlagen vor Ort leicht mit PV bereit gestellt werden kann.
    Beim Thema Klimaschutz lässt mich Frau Reiche jede Woche mehr ratlos zurück. Sie hat doch auch einen Eid geleistet und zwar nicht auf EON oder wem auch immer. Da soll ein neues EEG kommen wobei man die Einbringung im Bundesstag bewusst verzögert hat um Druck zu erzeugen da das Alte Ende des Jahres ersatzlos ausläuft und es dann gar keine Förderung mehr gibt wenn das Neue, das von der EU noch genehmigt werden muss nicht in Kraft ist. Sie setzt also Bundestag und Bundesrat unter Druck damit sie keine Zeit haben zu viel Änderungen vor zu nehmen. Die Energieminister der Ländern haben ihren ersten Entwurf einstimmig abgelehnt. Sie will dabei auch ein Netzpaket durchbringen in dem der Begriff kapazitätslimitierte Netzgebiete eingeführt werden soll. Als diese wurden in ihrem ersten Entwurf Kreise benannt bei denen mehr als 3% des im Jahr erzeugten Stroms abgeregelt worden sind aber entschädigt wurden. Umweltminister Schneider hat das im jetzigen Gesetzentwurf auf 5% ändern lassen. Die Entschädigung sollte zuerst für 10 Jahre jetzt für 6 Jahre entfallen. Damit würde wahrscheinlich keiner mehr solche Anlagen bauen. Man könnte ja darüber reden in solchen Gebieten die Entschädigung auszusetzen um Geld zu sparen aber warum 6 Jahre lang? Ab Ende 2026 -bis 2028 werden eine Hand voll Stromautobahnen endlich, Habeck sei dank, fertig. Da zu kommen noch das ca 5 GWh Speicher pro Jahr gebaut werden. Also wir werden sicher in gut 2 Jahren eine völlig andere Stromwelt haben als heute besonders was die Abregelungen angeht. Das sollte eine Energieministerin wissen. Was soll es da für eine Aussage sein wenn in einem Gebiet 2025 mehr als 5% abgeregelt worden sind und warum sollte die dann geplante Förderkürzung für 6 Jahre gelten? Das kann nur jemand einfallen der bremsen will um jeden Preis und die Kosten dafür trägt das Volk. Ich frage mich da wirklich wer bezahlt diese Frau eigentlich?

  3. Moin zusammen,

    in der heutigen Printversion der Frankfurter Rundschau steht in der Rubrik „Hitzewelle“ auch ein hier im FR-Forum nicht veröffentlichter Leserbrief von Bernhard Trautvetter, den ich kommentieren möchte. Ich habe unten stehenden Text auch selbst als Leserbrief an Herrn Büge beziehungsweise Herrn Essen/“Bronski“ geschickt.

    Bernhard Trautvetter hält in seinem Leserbrief das Militär für den Hauptklimaschädiger. Er zitiert Attac (bei dem ich übrigens Mitglied bin, wegen Attac’s Kritik am Neoliberalismus), wonach die globalen Emissionen des Militärs in 2025 etwa 8 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen ausmachen. Und schlägt als Gegenmittel Abrüstung vor.

    Ich hoffe, Wladimir Putin liest Herrn Trautvetter’s Leserbrief, kann vor geschocktem Erstaunen nicht rechnen (92 Prozent Restemissionen sind kein Pappenstiel), beendet aus Klimaschutzgründen (sic) sofort seinen brutalen Angriff auf die Ukraine, tritt als nicht demokratisch gewählter Präsident von seinem Amt zurück, macht ab jetzt ordentlich viel Peace (bin gespannt, was das e-Paper aus dem Wort peace macht, falls mein Leserbrief veröffentlicht wird) und stellt sich dem Internationalen Strafgerichtshof.

    Das sollten im übrigen auch seine Unterstützer Kim Jong Un, Xi und die regierenden Mullahs im Iran machen. Und wo wir gerade dabei sind: Die Hamas, die israelischen Siedler, Netanjahu, alle noch lebenden US-Präsidenten und schlussunendlich jene Politiker:innen, die Waffenverkäufe an Diktatoren erlauben…Und Wirtschaftsministerin Reiche. Und…

    Wer wettet mit? Das wird nicht geschehen. Deshalb darf man Klimaschutz und militärische Abschreckung nicht gegeneinander ausspielen. Die letzten Wochen haben erneut gezeigt, verdammt nochmal wie schnell die Treibhausgasemissionen fallen müssen. Und die aktuellen Angriffe Putins auf Wohnhäuser in der Ukraine zeigen, daß Patriot-Raketen produziert und dorthin transportiert werden müssen. Und zeigt, wie dringend auch wir sie brauchen. Und militärische Abschreckung darf auch nicht Armutsbekämpfung ausspielen. Die Überreichen haben genug, um angemessene Abschreckung, Klimaschutz, Klimaanpassung und Armutsbekämpfung zu finanzieren. 

    Die Lösung lautet also (auch von Attac): „TAX THE RICH“. Dazu braucht es eine andere Regierung. Mit einer anderen SPD.

    Übrigens: Laut Jonathan Safran Froer sind mehr als die Hälfte der Treibhausgasäquivalente durch die Massentierhaltung bedingt. Tiere essen wäre somit der Hauptklimaschädiger. Und wir alle haben es buchstäblich in der Hand, darauf zu verzichten und stattdessen schmackhafte und gesunde Pflanzen zu essen. 

  4. „Solange es Schlachthof gibt wird es auch Schlachtfelder geben“, fällt mir als Ergänzung ein. Ganz so einfach wird’s aber wohl nicht funktionieren…

  5. @ off topic

    Hallo Herr Lübbers,
    kurze Anmerkung zu Ihrer Bemerkung, hier sei ein Leserbrief nicht veröffentlicht worden: Seit mehr als 20 Jahren versuche ich, die Menschen darauf hinzuweisen, dass sie hier im FR-Blog Ihre Meinung jederzeit ausdrücken können. Ich registriere allerdings, dass viele Menschen, mutmaßlich vor allem die älteren, auf die Print-Veröffentlichung fokussiert sind. Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch kann sich am FR-Blog beteiligen. Es gibt Regeln, aber das ist ein freies Medium.
    Viele Grüße, Bronski

  6. Moin Herr Büge/“Bronski“,

    mir war nicht klar, daß die unter der Rubrik „Schlagzeilen“ in der Printversion der Frankfurter Rundschau veröffentlichten Leserbriefe nicht komplett gleichzeitig im FR-Forum veröffentlicht werden. Jetzt weiß ich, warum ich einen vor kurzem in der Printversion von mir veröffentlichten Leserbrief nicht in der entsprechenden Schlagzeile wiederfand.

    Sorry! 🙂

    Tja, wie erfährt Herr Trautvetter nun, was ich über seinen Leserbrief denke? Und wie sich „Peace“ im E-Paper anhört? Kleiner Scherz;-)

    PS und nochmal offtopic: Ich genieße es sehr, mir die FR bei alltäglichen Routinetätigkeiten wie Kochen, Abwaschen und Zähneputzen vorlesen zu lassen und die gewonnene Zeit im Bus von und zur Arbeit zum Bücherlesen zu nutzen. Aber die Aussprache vieler englischer und französischer Begriffe ist schlicht falsch (Präsident Mitterrand beispielsweise wie „Krügerrand“ ausgesprochen) und hinter Zahlen mit einem Punkt wegen eines Satzendes wird immer „te“ gesprochen (dieses Jahr endet im Dezember zweitausendsechsundzwanzigste). Ich bin kein PC-Experte, aber meine Idee ist, daß die Autoren entsprechende Worte und Satzteile markieren und das von einem menschlichen Sprecher besprochen wird.

    Viele Grüße nach Frankfurt/Main

    Michael Lübbers

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