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Zu: „Ungarn im Umbruch“, Reaktionen auf den Wahlsieg von Péter Magyar, FR-Tagesthema vom 14. April
Gehätschelt von Potentaten
Welch ein Lehrstück und was für ein Angebot für Nachdenkliche! Da verliert am vergangenen Sonntag in Ungarn der Putin- und Trump-Günstling Viktor Orbán krachend die Wahl, als Quittung für 16 Jahre fortschreitende soziale Verelendung und himmelschreiende Korruption. Am gleichen Wochenende in Sachsen-Anhalt verabschiedet eine Partei, die sich als „Alternative“ anpreist, ihr „Regierungsprogramm“; gehätschelt von ebendiesem Trump und von ebendiesem Putin. Nach vielen Aufwartungen und Lobpreisungen für ebendiesen ungarischen Potentaten will diese Partei deutsche Wähler glauben lassen, sie werde hierzulande echte Demokratie und durch Abschaffung von „Lügenpresse“ und „Altparteien“ ein goldenes Zeitalter herbeizaubern – ein Zeitalter, das mit Freund Donald Trump ja schon ausgebrochen sein soll.
Was lernen wir daraus? – In Deutschland wird bei anstehenden Wahlen so mancher wohl doch noch mal etwas gründlicher darüber grübeln müssen, ob unser Land sich wirklich in ein gesellschaftliches Biotop verwandeln soll, in dem außer Oligarchen, Massenverelendung und gesellschaftlichem Rückschritt nichts mehr gedeiht.
Ulrich Mohr, Hochstadt
Ein schwerer Schlag für Trumps großes Ego
Die USA sehen sich selbst als Hegemonialmacht der Weltpolitik. Sie glauben, das Recht zu haben, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen und der Europäischen Union vorzuschreiben, was sie tun darf und was nicht. Donald Trump bekundet zwar sein Bekenntnis zur Demokratie, hat in nur anderthalb Jahren jedoch so viele widersprüchliche und empörende Dinge getan, dass er kaum noch als stabiler Partner bezeichnet werden kann, mit dem eine Zusammenarbeit fortgesetzt werden sollte. Es ist jedoch an der Zeit, dem amerikanischen Präsidenten zu zeigen, dass die EU weiterhin besteht und sich nicht von ihm vorführen lassen wird. Der erste Schritt ist bereits getan. Die jüngste Wahlpleite von Viktor Orbán und der Wahlsieg von Oppositionsführer Péter Magyar sind ein Schlag für Trumps Ego und sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein – und eine Chance für die EU. Selbst die umfassende Unterstützung des US-Präsidenten und der Besuch des US-Vizepräsidenten JD Vance in Budapest am Vorabend der Wahlen konnten die Ungarn nicht davon abhalten, für denjenigen zu stimmen, der sie in den Schoß Europas zurückbringen würde. Die Ära des US-Einflusses ist zu Ende. Nun können zwischen Brüssel und Budapest neue, konstruktive Beziehungen entstehen, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruhen.
Fabian Jakob, Köln
Magyar passt besser zu Europa
Präsidentin Umlauf erinnerte an Literatur-Nobelpreisträger Imre Kertész. Orban habe die Texte des Holocaust-Überlebenden aus den Schulbüchern entfernen lassen. „Wir hoffen sehr, dass ihm jetzt – nach seinem Tode – in seinem Heimatland Gerechtigkeit widerfährt.“
Es ist schon ein starkes Stück, dass im demokratischen Europa ein Holocaust-Überlebender aus Schulbüchern entfernt wird. Das nationalpopulistisch-autokratische Denken des abgewählten ungarischen Premierministers Viktor Orbán erschreckt Menschen, für die Demokratie eine Selbstverständlichkeit ist und damit Russlandfreunde suspekt sind.
Kertész hat viel Glück gehabt, dass er Auschwitz überlebt hat. Mit 14 wurde er seiner jüdischen Abstammung wegen nach Auschwitz deportiert, wo auch seine Großeltern den Tod fanden. Aus dem Viehwaggon konnten sie noch eine Postkarte werfen, adressiert an Imres Mutter. „Man hat uns in den Zug gesteckt, wir werden irgendwohin gebracht, wissen nicht wohin.“ Ein Finder frankierte die Karte und warf sie ein. Von Auschwitz wurde Imre Kertész nach Buchenwald und ins Außenlager Wille überstellt. Er überlebte nur, weil Mithäftlinge seinen Namen mit der Nummer 64921 im Häftlingsregister als Abgang vermerkten – gestorben am 18. Februar 1945 –, damit er nicht wie alle anderen jüdischen Häftlinge vor der Befreiung noch sterben musste.
Man kann davon ausgehen, dass die Partei des Wahlsiegers, Péter Magyar, „Respekt und Freiheit (Tisza)“, einen demokratischen Kurs einschlagen wird und damit besser zu Europa passt als Orbáns nationalpopulistische Fidesz-Partei.