US-Wahl: Trumps unaufhörlich vorgetragenes Eigenlob

Heute in zwei Wochen wird in den USA der Präsident gewählt. Das sollte uns alle berühren und beschäftigen, denn der bisherige Amtsinhaber Donald Trump hat die USA bereits während seiner ersten Amtszeit so verändert, dass selbst manche USA-Fans das Land kaum mehr wiedererkennen. Er hat es gespalten bis an den Rand der gewaltsamen Auseinandersetzung, und als er während des ersten TV-Duells mit seinem Herausforderer Joe Biden von den Demokraten die rechtsextreme Gruppierung „Proud Boys“ aufforderte: „Stand back and stand by“ – frei übersetzt: Haltet euch zurück und haltet euch bereit -, da war FR-Korrespondent Karl Doemens keineswegs der einzige, der darin eine kaum verhohlene Drohung erkannte. Rechtsextreme Milizen sind in den USA im Auftrieb – nun fühlen sich die Schlägertrupps auch vom Präsidenten geadelt. Wie würde Trump erst während einer zweiten Amtszeit agieren, jetzt, wo er praktisch nur noch Jasager im Weißen Haus um sich hat? Auch seine Partei, die Republikaner, hat er weitgehend auf sich eingeschworen.

proud boysMomentan sieht es zwar nicht aus, als würde er wiedergewählt. Es gibt eine Reihe von Anzeichen, die eher für den blassen Herausforderer sprechen. Als wahlentscheidend gelten die sogenannten „Swing States“, also Bundesstaaten, die keiner der beiden Kandidaten sicher für sich verbuchen kann. In Umfragen zeigt sich, dass sie offenbar überwiegend deutlich zu Biden tendieren. Biden führt in allen diesen Umfragen mit bis zu zehn Prozent Vorsprung. Ein gutes Zeichen, aber man sollte sich nicht sicher fühlen. Interessant sind jedoch Beobachtungen, dass sich viele Rentner:innen, etwa in Florida, von Trumps Flirt mit den Milizen abgestoßen zu fühlen scheinen. Florida ist ein „Swing State“; bei allen Wahlen der letzten Zeit ist niemand Präsident geworden – 2016 hätte es auch eine Präsidentin sein können -, der/die nicht auch Florida geholt hat.

Auch Trumps Nichthandeln in der Corona-Pandemie dürfte ihn unter den Wechselwähler:innen, die wahlentscheidend sein werden, Sympathien gekostet haben. Nun schauen die Demoskop:innen interessiert auf die US-Vorstädte, in denen sich die Anzeichen dafür mehren, dass sich vor allem Frauen, die 2016 für Trump gestimmt haben, von ihm abwenden. Und wie wird sich seine Weigerung auswirken, schon jetzt klar zu bekennen, dass er das Wahlergebnis akzeptieren wird? Wird er dann einen Bürgerkrieg anzetteln? Wo er kann, bricht er Regeln. Seiner Fanbasis gefällt das, aber die reicht offenbar nicht, um ihm zur Mehrheit und damit zur Wiederwahl zu verhelfen.

Eine zweite Amtszeit für Donald Trump wäre eine Katastrophe, nicht nur für die USA. Sie würde auch bei uns die Verbreitung totalitärer Ideen unterstützen und ein weiteres Erstarken der Rechtsextremen fördern – mit weitreichenden Folgen für die politische Kultur und am Ende auch für die Demokratie. Allerdings haben wir in Europa keinen Einfluss auf die US-Wahl. Hoffen wir darauf, dass die Menschen in den USA die Vernunft wählen und nicht die Raserei.

fr-debatteTrump sieht sich als politischen Nabel der Welt

Den größeren Unterhaltungswert, den besitzt für mich mit Sicherheit nur einer, Donald Trump; Joe Biden bleibt da richtig unscheinbar und vollblass auf der Strecke zurück. Donald Trump will küssen, er will das Coronavirus einfach wegküssen, mit und ohne Maske. Donald Trump sieht sich weiterhin als den politischen Nabel der Welt, der das Virus überlebt hat. Wer sollte ihm da überhaupt noch das (politische) Waasser reichen können bzw. „können dürfen“!

Riggi Schwarz, Büchenbach

fr-debatteIn den USA sind viele Reformen nötig

Faszinierend an diesem Artikel ist, wie er die politische Kontinuität aufzeigt, die sich vom europäischen Politikempfinden stark unterscheidet. Wer aufmerksam lesen kann, wird dann auch nicht enttäuscht sein, wenn sich die zukünftige Politik der Demokraten nicht sozialdemokratisch entwickelt. Den USA ist zu wünschen, dass – wer auch die Wahl gewinnt – eine Gesellschafts- und Sozialreform eingeleitet wird, wie sie die westeuropäischen Länder mehr oder weniger hinter sich haben. Dazu gehören Bildungs- und Schulreform, Reform der Polizei und ein USA-weites Programm zur Schaffung gleichwertiger Lebensbedingungen im gesamten Staat. Damit ist sicher verbunden, dass der Staat zukunftssichere Arbeitsplätze dort schafft, wo sie gebraucht werden. Ich bin mir bewusst, dass diese Forderung die US-amerikanische Politik in ihrem derzeitigen Zustand überfordert. Ich sehe in dieser Aufgabe eine Möglichkeit, die US-amerikanische Gesellschaft wieder zu einen. Beste Voraussetzung hierfür wäre sicher eine Frau auf dem Präsidentensessel in Washington. Joe Biden ist alt genug, seiner Vizepräsidentin eine Chance zu geben. Dann meine ich: America becomes great again!

Carsten Dietrich Brink, Gauting

fr-debatteVerstehen wir die US-Seele richtig?

Wieso betreibt der Präsident eigentlich „Wahlkampf“, wenn er stets nur zu den eigenen Leuten spricht? Wo ist denn da der „Kampf“? Es kommt zwar seinem Ego entgegen, immerzu von ohnehin überzeugten Anhängern beklatscht zu werden, aber wichtiger wäre doch, Stimmen von der Gegenseite oder von noch Unentschlossenen zu gewinnen. Aber soweit scheint dort der politische Horizont nicht zu reichen. Vielleicht denken wir in Europa auch viel zu rational und verstehen die US-amerikanische Seele nicht.

Nikolaus Jöckel, Offenbach

fr-debatteDie positive Entwicklung ist Obamas Verdienst

Die haltlose Behauptung, dass Donald Trump eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik betrieben habe, wird auch von J. Adam Tooze übernommen. In Wirklichkeit setzte sich die positive Wirtschaftsentwicklung mit der Folge des Abbaus der Arbeitslosigkeit nur fort, die nach der Wirtschaftskrise 2008/2009 von Obama bewirkt wurde. Nach dem Einbruch des Bruttoinlandsproukts im Jahre 2009 (-2,54 %) stieg es im Jahre 2010 dank der ergriffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen bereits wieder um 2,56 % und erreichte – mit jährlichen Schwankungen auch unter 2 % – 2015 (vor dem Amtsantritt Trumps) 2,91 %. In den Jahren der Trumpschen Präsidentschaft stieg das BIP in der gleichen Größenordnung weiter (2017: 2,37 %; 2018: 2,93 %; 2019: 2,33 %). Die gesamtwirtschafltiche Nachfrage dafür war vorhanden und das Produktionspotenzial nach der Finanzkrise immer noch nicht voll ausgelastet. Die von Tooze gesehene Anheizung der Wirtschaft durch die „außergewöhnlich massive defizitorientierte makroökonomische Politik“ drücken die BIP-Steigerungsraten nicht aus, und es hat sie auch nicht gegeben. Die massiven Steuersenkungen für die Unternehmen und Reichen, die die Defizite im Wesentlichen verursacht haben, konnten sich auf die Wirtschaftsentwicklung auch gar nicht spürbar auswirken, weil die Reichen sie nicht zu einem zusätzlichen Konsum veranlassen konnten; sie konnten auch ohne Steuersenkungen konsumieren so viel sie wollten. Und die Investitionstätigkeit musste nicht zusätzlich gesteigert werden, weil der Erholungsprozess nach der Finanzkrise ohnehin für sie sorgte. Erreicht hat Trump mit den Steuersenkungen nur eine fragwürdige Belohnung der Reichen zu Lasten aller Steuerzahler. Es werden ihm die Lorbeeren angeheftet, die Obamas Krisenpolitik eingeleitet hat. Auch in der Wirtschaftspolitik hat Trump keine herausragenden Leistungen vorzuweisen. Seine (vermeintlichen) Erfolge leiten sich allein aus dem unaufhörlich vorgetragenen Eigenlob ab, das seine Fans ihm unkritisch abnehmen.

Ernst Niemeier, Wentorf

fr-debatteVerbrecher an der Spitze?

Zum Ende der ersten Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident wird noch einmal sehr deutlich, dass er mit dem Eid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika einen glatten Meineid geleistet hat. Wenn er die rassistischen „Proud Boys“ auffordert, sich bereit zu halten, um im Falle eines demokratischen Wahlsiegs bei der Präsidentenwahl mit Gewalt eine Art Bürgerkrieg herbei zu prügeln, und außerdem das Mordkomplott in Michigan gegen die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer mit zu verantworten hat, kann dieser Präsident in der Tat nur als Spalter und Aufrührer der schon äußerst konträren Nation bezeichnet werden. Donald Trump war und ist gefährlich und hat keinen Funken der Ideale der US-Verfassung verinnerlicht. Ein Schwerverbrecher führt derzeit die US-Administration. Deshalb brauchen die USA einen klaren Sieg der Demokraten und sollten sich darauf einstellen, dass Donald Trump ein für ihn negatives Wahlergebnis mit Gewalt zu korrigieren versuchen wird. Demokraten aller Couleur sollten sich auf die Gefahr eines Bürgerkrieges einstellen. Donald Trump ist rücksichtslos, gefährlich und unberechenbar.

Manfred Kirsch, Neuwied

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6 Kommentare

  1. Christian Czerwonka sagt:

    Ich kann mich noch gut an die Situation von vor 4 Jahren erinnern: Schon bei der Kandidatur zur Kandidatur der Republikanischen Partei gab es zwei Dutzend Mal den Moment, in dem man sich über Trump sagte „Jetzt er endgültig erledigt“. So war es aber nicht, insofern war man für die eigentliche Präsidentschaftswahl gewarnt. War auch ich. Und doch dachte ich mir, es darf einfach nicht passieren. Mit bekanntem Ausgang.
    Damals hatte ich viele Dinge nicht gewusst oder verstanden: die Zerissenheit der amerikanischen Gesellschaft, der Hass gegen das „Establishment“ in Washington (by-the-way das auch heute durch demokratische Akteure wie Biden/ Pilosi verkörpert wird) und der unerschütterliche Glaube an den Trickle-Down-Effekt („geht es den Reichen gut, sickert dies nach unten durch, so dass am Ende alle profitieren) oder kurz: der amerikanische Traum. Eine Illusion, die man nicht loszuwerden vermag. Erstaunlich, wenn man weiß, dass nur Multimillionäre Senatoren werden können und seit spätestens dem 20. Jahrhundert fast alle Präsidenten aus reichen Familiendynastien stammen.
    Auch war mir nicht klar, wie weit die Genetik aus der Ursprungszeit der USA wie Waffenbesitz, Rassismus und religiöser Fanatismus reichen. Dies ist die Klaviatur, derer sich Trump aktuell bedient. Aus rein taktischen Gründen natürlich: Ihm ist die Bibel komplett egal, eine Waffe braucht er persönlich nicht und auch Abtreibungen sind für ihn ohnehin Loser-Themen von Menschen, die er ohnehin verachtet.
    Der wachsenden Schar von Bewunderern und Relativierern, die es sichtbar auch in Deutschland gibt noch mal zur Erinnerung: Trump beleidigt Behinderte, er verachtet „Loser“, zu denen er eigentlich selbst auch gehören würde, hätte man seine Komplett-Pleite vor Jahren nicht von oberster Stelle mit der Losung, er sei „to big to fail“ abgewendet, ebenso wenig ist er ein „Self-made Man“, seine ganze Karriere umgibt er sich mit Verbrechern und Leuten, die man als „faschistisch“ einstufen muss und er ist frauenfeindlich.
    Trotzdem müssen wir uns wieder darauf gefasst machen: Es kann exakt so kommen wie vor 4 Jahren und die Demokratische Partei muss sich fragen lassen, warum es so gar nicht möglich war einen untadeligen, unverbrauchten Kandidaten bzw. Kandidatin gegen Trump zu positionieren.
    Vieles hätte sich schon erledigt.

  2. Manfred Kramer sagt:

    3. November: Trumps Sturm-Abteilung, die „Proud Boys“ stehen bereit.
    Trump eine „Knalltüte“ zu nennen, wäre ein großer Fehler. Mit aufgeblasenen Brötchentüten und Peng beim draufhauen kann man seine Kollegen erschrecken. Trump hingegen ist ein echter Knaller, dessen Sturm-Abteilung, amerikanisch lässig, die Reihen fest geschlossen, Gewehr bei Fuß steht, um gegebenenfalls ein „falsches“ Wahlergebnis am 3. November zu korrigieren. Und was dann geschieht, mag ich mir gar nicht vorstellen. Ob Putin dann die Gunst der Stunde nutzen und die Wahlergebnisse in Belarus berichtigen wird gehört in den Bereich der Phantasie und wäre eine schöne Verschwörungserzählung. Wir sollten uns vielleicht darauf einrichten, die alten Ami-Kasernen für neue Flüchtlingsströme aus West und Ost wieder herzurichten.

  3. Jürgen Pfeil sagt:

    Nomen est omen – Sprache bildet die Gesellschaft ab. Stöbert man in alten Wörterbüchern, führt das zu durchaus erhellenden Entdeckungen. So gesehen im Langenscheidts Großes Schulwörterbuch Englisch-Deutsch von 1977:
    – to trump up – erdichten, zusammenschwindeln, sich aus den Fingern saugen.
    – trumped-up – erfunden, erlogen; trumped-up charges – falsch.
    – trump.er.y – Plunder, Ramsch, Schund, Gewäsch, Quatsch.
    Bezüge zu lebenden Personen wären rein zufällig und sind nicht beabsichtigt.

  4. Merve Hölter sagt:

    Zur US-Präsidentenwahl ertrinke ich fast, aber freiwillig, in der Medienberichterstattung als da wäre: FR, TV-Dokus, beide „Debatten“ frühmorgens live auf CNN gesehen. Ich komme auf die Kurzformel „Brüllaffe gegen Stotterer“.
    Der Stotterer braucht und nimmt sich immerhin die Zeit, nachzudenken. Bei ihm ist mir viel wohler. King George VI, Vater von „God save the Queen“ war auch ein Stotterer. „Retardiert“ mag zwar ein Fremdwort sein, meint sowas wie „zurückgeblieben“, aber warum sollen nicht mal wieder die Letzten die Ersten sein? Entschleunigung und Nachdenken braucht die Welt. Here and now.
    Leider kann man für den 3.11. nichts ausschließen – so ist das halt mit dem ziemlich undemokratischen Wahlsystem der USA, den inzwischen unvereinigten Staaten, die mal so ein großer Leitstern waren.
    Ich empfehle die Doku auf Arte: Jimmy Carter, Rock’n Roll Präsident. Die letzte integre Persönlichkeit im Weißen Haus. Von den Republikanern aus dem Amt gekippt, weil sie ihn nötigten, den exilierten, krebskranken Schah zu empfangen, einem Großkunden der Chase Manhattan Bank. Es folgte die erwartbare Reaktion aus dem frisch revolutionierten Iran, Geiselkrise in der US-Botschaft Teheran, mißglückter Befreiungsversuch. Ronald Reagan. Der Rest ist Geschichte?

  5. Hans-Hermann Büchsel sagt:

    Die Darstellung von Christian Thomas beleuchtet das Phänomen des US-Präsidenten, der sich seine Weltsicht zusammenphantasiert und -lügt, sehr präzise und analytisch. Dazu muss eigentlich nichts mehr gesagt werden, mir fiel aber beim Lesen ein besonders gutes Beispiel ein zur Art, wie Trump mit Wahrheit und Fiktion umgeht: Als er vor etwa einem halben Jahr von einem Journalisten gefragt wurde, ob er denn für seine Behauptung, aus Mexiko kämen unter den Flüchtlingen lauter Terroristen und Kriminelle, Belege habe, antwortet er erstaunlicher Weise nicht mit einer seiner Lügen (etwa: „Unsere Geheimdienste haben schon tausende entlarvt“), sondern „wahrheits“gemäß: „Nein, aber es könnte doch sein.“ Er hielt es noch nicht einmal für notwendig, seine erfundene Behauptung mit einer Lüge zu „belegen“. Zynischer und abfälliger kann man sich kaum eine Aussage zum Thema Umgang mit der Wahrheit vorstellen. Es wird Zeit, dass wir uns über solche Zumutungen nicht mehr aufregen müssen!

  6. hans sagt:

    Bei Trump liegt doch der Verdacht nahe das es ein Psychopath ist. Kurz nach seiner ersten Wahl habe ich dazu einen Kommentar gelesen und damals schon gedacht das könnte gut hin kommen. Jetzt nach 4 Jahren denke ich das noch mehr. Sollte das so sein wird er heute die Wahl aus seiner Sicht niemals verlieren können. Er wird sich sicher zum Sieger erklären weil er gar nicht anders kann. Was dann passiert kann ich nicht vorhersagen aber ich denke so wird es kommen. Ich glaube auch nicht das er in 4 Jahren einfach gehen wird. Das wird erst dadurch gelöst das er nicht mehr der Jüngste ist oder ihn jemand zwingt.