Pandemie: Der Rückhalt in der Bevölkerung schwindet

Ja, es ist immer noch Pandemie. Nein, die Zahlen der Neuinfizierten und die Inzidenz sinken nicht. Ja, es gibt weniger Tote, und die Intensivstationen wurden zwar an ihre Belastungsgrenze geführt, aber zum Glück nicht überlastet; der Dezember-Lockdown kam gerade noch rechtzeitig. Nein, es gibt keinen Grund anzunehmen, dass wir demnächst wieder das führen könnte, was wir früher mal als unser normales Leben angesehen haben. Das Coronavirus Sars-CoV-2 und seine Mutanten haben unsere Lebenswelt gründlich auf den Kopf gestellt. Immerhin sind inzwischen fünf bis sechs Prozent der Deutschen geimpft, die vorwiegend zu den Vulnerablen gehören. Das erklärt wenigstens mal die sinkenden Opferzahlen. Vielleicht ist es derzeit also tatsächlich angemessen, dem Virus mehr Freiraum zu geben und die Anti-Corona-Maßnahmen zu lockern, um näher an die „Herdenimmunität“ ranzukommen, während gleichzeitig weiter kräftig geimpft wird. Und es muss auch getestet werden. Beides, Impfen und Testen, passiert bisher nicht in wünschenswertem Ausmaß.

Balken 4Wir öffnen jetzt, denn es ist Wahlkampf!

Ach wie gut, dass das Virus weiß, dass jetzt der Wahlkampf losgeht! Wenn ich lese, dass aus wahlkampftaktischen Gründen Lockerungen gefordert werden, sehe ich mich in den November 2020 versetzt. Jede/n Wähler/in würde ich deshalb gerne die Frage beantworten lassen: „Wird es bei Lockerungen eher mehr oder eher weniger Infizierte geben?“ Derzeit stagniert die Inzidenz nicht, sie steigt schon wieder leicht; und das auf hohem Niveau.
Ja, die Pandemie zehrt an allen unseren Gemütern. Und ja, wir alle sehnen uns zurück nach dem Leben vor der Pandemie. Aber wir haben weiterhin fast nichts in der Hand: Die schleppend vorangehenden Impfungen wirken zwar ganz gut gegen schwere Krankheitsverläufe, unterbinden aber offenbar die Weitergabe des Virus nicht. Die Wirksamkeit gegen die Mutanten sei dahingestellt. PCR-Tests dauern lange, Schnelltests sind eher ungenau: Beides ist also ungeeignet für ein unbeschwertes Leben. Was bleibt? Denn der Rückhalt für die Maßnahmen in der Bevölkerung schwindet …
Wie Trump zum Ende seiner Amtszeit mal daran gedacht hat, sich selbst zu begnadigen, sollte Merkel vielleicht mal darüber nachdenken, die Auswüchse des Föderalismus zu beschränken und sich per Dekret eine lebenslange Amtszeit zu sichern …, ehe das Land im Wahlkampf im Corona-Chaos versinkt! Denn es ist logischer Sach- und gesunder Menschenverstand gefordert, statt im Wahlkampf die Wähler durch die genauso üblichen wie dummen Versprechungen und Geschenke zu blenden.

Hans Dietmar Jäger, Frankfurt

fr-debatteEinfacher Dreisatz aus der fünften Klasse

Simulation – eine recht neue wissenschaftliche Methode? Diese hat also die Kassenärztliche Vereinigung angewandt, um festzustellen, dass die Arztpraxen die Impfungen bis September/Oktober vornehmen können. Liebe Leute, das ist einfacher Dreisatz: eine Praxis macht 20 Impfungen am Tag, wie viel Tage brauchen 50000 Praxen um 60 Millionen Impfwillige zweimal zu impfen? Lehrplan spätestens 5 oder 6 Klasse! Das ist eine einfache Kopfrechnung, dafür braucht man kein Expertenteam. Ein Paradebeispiel dafür, weshalb die Organisation der Bürokratie so schlecht klappt.

Rainer Eisert, Frankfurt

fr-debatteSchweden hat gelernt, der Rest Europas nicht

Um Sinn oder Unsinn von Corona-Maßnahmen zu beurteilen, reicht der Blick auf einen einzigen Zahlenwert. Schweden hatte als einziges Land in Europa nie einen Lockdown. Während Schweden Anfang 2020 die höchsten Opferraten in Europa hatte, hat Schweden heute annähernd die geringsten. Schweden hat heute insgesamt seit Beginn der Pandemie etwa dieselben Opferzahlen wie der Rest Europas (Schweden: 116 Tote/100000 Einwohner, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland zusammen: 114 Tote/100000 Einwohner, Datenstand Februar 2021, RKI) – Die Quintessenz daraus: Schweden hat aus seinen Fehlern gelernt, der Rest Europas nicht.
Es ist extrem traurig, dass sich niemand traut ein derartiges Faktum zu veröffentlichen, denn damit müsste man zugeben, dass man sich irren kann, und das scheint in der Politik und auch den Medien leider unmöglich zu sein.

Gerhard Schöttke, Uhingen

fr-debatteIst dieser zerstörerische Lebensstil wirklich tragbar?

Die auch hier geäußerte Vermutung, dass Corona das Verhalten der Menschen dauerhaft verändern würde, halte ich bestenfalls für naiv. Auch Corona wird die im Menschen verankerte Gier nach dem höher, schneller, weiter nicht umkehren können.
Es ist egal wie lange sie eine Herde Schafe einsprerren. Sobald jemand das Gatter öffnet, wird es vielleicht einen Moment dauern, bis die Schafe das kappiert haben, aber spätestens, wenn das erste Schaf den Zwinger verlässt, rennt die gesamte Herde hinterher. Die Menschen werden da nicht anders handeln. Es wird nicht lange dauern bis wieder endlos geflogen, gefahren, gefeiert und komsumiert wird. Die Hetze wird wieder kommen, vermutlich sogar schlimmer als vorher, weil man ja so lange hat verzichten müssen.
Schön wäre es trotzdem, würden die Menschen endlich einmal hinterfragen, ob unser zerstörerischer Lebensstil noch tragbar ist. Passieren wird es aber wohl nicht.

Stefan Plock, Ober-Ramstadt

fr-debattePlädoyer für die Vernunft

Da redet die Politik seit Monaten voller Sorge, wie sehr die Familien und insbesondere die Kinder unter dem Lockdown leiden und wie wichtig die sozialen Kontakte und der Präsenzunterricht sind. Da wird schon von einem verlorenen Jahr oder gar einer verlorenen Generation geredet. Jetzt wird öffentlich, dass es Schnelltests in Massen gibt. – Und die Schulen werden geöffnet, ohne dass getestet wird. Hatte man bisher noch Nachsicht beim „Impfversagen“, dies versteht niemand mehr. Weshalb haben Bund und Länder nicht schon lange gemeinsam dafür gesorgt, dass so viele Tests produziert, gekauft und an alle Schulen und Kitas verteilt werden, um alle Schülerinnen und Schüler und das Lehrpersonal jeden Morgen im Zuge eines gestaffelten Beginns testen zu können? Offensichtlich wäre es schon lange möglich gewesen, den Präsenzunterricht unter solchen Bedingungen für alle wieder beginnen zu lassen.
Jetzt werden nach den Abiturjahrgängen zunächst die unteren Klassen wieder in die Schulen gelassen, ohne Tests aber mit „Hygieneregeln“ und Maskenpflicht im Unterricht, Doppelstunden, 28 Kinder in einem Raum. Was für ein Versagen in einem der reichsten Länder der Welt. Wahrnehmung von Fürsorgeverantwortung gegenüber Schülerinnen und Schülern und den vielfach überalterten Kollegien? Fehlanzeige.
Seit einem Jahr sitzen die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin und Gesundheitsminister zusammen und sind noch nicht einmal in der Lage, eine praktikable Öffnungsstrategie für die Schulen zu entwickeln. Bundesgesundheitsminister Spahn fragt sogar: „Warum soll ich jetzt Tests beschaffen?“ Er verstehe „sowieso nicht“, wieso sich „Bundesminister mit so was beschäftigen sollen.“ Ja, vielleicht weil er der Gesundheitsminister ist und über ein ganzes Ministerium verfügt? Zumindest wäre es seine Aufgabe gewesen, dies mit den Ländern zu koordinieren. „Diese drücken sich vor ihrer Verantwortung,“ sagt Span, „Corona-Tests für Schulen und Kitas zu besorgen. Das ist ureigene Aufgabe der Länder. Doch statt diese wahrzunehmen, zeigen sie auf den Bund.“ – Was für ein erbärmliches Trauerspiel. Währenddessen warten die Corona-Mutanten darauf, loszulegen.
Heidger Brandt,  Emkendorf

fr-debatteCorona-Schnelltests Corona für Bürger bereitstellen !

Vorab als „Europäer“: mein herzliches Beileid zu der Situation in der sich das Volk befindet, „regiert“ von einem Haufen, zum Teil wohl desinteressierten „Futtertrogpolitikern“, denen es mehr um deren Diätenerhöhungen und Altersvorsorge zu gehen scheint, als um das Wohle diesem anvertrautem Volkes.
Nebenbei der Lacher schlechthin: Aldi war schneller als die Bundesregierung……! Aber natürlich ist Aldi mit den Testkits schneller als es die Bundesrepublik je sein wird. Aldi kennt sich nämlich aus mit Markt, Druck, Konkurrenz, Sättigung, Beschaffung und Distribution, welches alle sat der Dinge sind von denen die Bundesregierung nicht den Funken einer Ahnung hat. Diese hat aber “ spitzen “ Berater die Millionen Steuergelder Kosten.
Würde man bei Aldi agieren wie es die Bundesregierung bei Coronatestkits tut, würde bei Aldi sogar das Bier schlecht werden, bevor es beim Verbraucher ankommt.
Diesen Vergleich habe ich bewusst gewählt, da Bier ein Artikel, mit einem doch schon „ziemlich weit in die Zukunft“ angesetztem Verfallsdatum ist.

Gisbert Bastek, Weil a.R.

fr-debatteStrenge Maskenpflicht

Am 22.02.2021 startete mein Tochter (1. Klasse, sieben Jahre alt) an ihrer Schule in den Wechselunterricht. Neben Klassenhalbierung, ständigem Abstand von eineinhalb Metern, keinem Hallensport und keinem gemeinsamen Musizieren trägt sie seitdem Maske. Morgens ab 7:45 Uhr bis mindestens zwölf Uhr. Kinder, die die Nachmittagsbetreuung besuchen, müssen dies bis in den Nachmittag hinein tun. Selbst in den Pausen, an frischer Luft, dürfen sie nicht abgenommen werden.
An unserer Grundschule arbeitet eine sehr engagierte, sich für das Wohl der Kinder einsetzende Direktorin, die sich bereits vor dem Inkrafttreten durch Elternabfrage für eine Lockerung der Maskenpflicht einsetzte. Hierbei ging es darum, dass die Kinder ausschließlich an ihrem Platz in der Arbeitsphase die Masken abnehmen dürften. Eine deutliche Mehrheit der Eltern befürwortete das. Auch die tagende Schulkonferenz stimmte dafür.
Die Direktorin nahm Kontakt zum Gesundheitsamt auf, um dies transparent zu gestalten und natürlich um sich rechtlich (?) abzusichern. Dies geschah am Freitag, den 19.2.2021. Bis zum 26.2. erhielt die Schule darauf keine Antwort. Jeden Tag fragt meine Tochter: „Mama, warum antwortet der Mann vom Gesundheitsamt nicht?“
Was soll ich darauf sagen? Ich sehe sie, meine begeisterte Erstklässlerin, wie ihr der Spaß an der Schule verloren geht. Jeder Tag wird schwerer. Das Lachen ihrer tollen Lehrerinnen, das sie nicht sehen darf, bleibt ihr ebenso verborgen wie die Mimik ihrer Mitschüler, die doch so wichtig sind im Umgang miteinander. Und ich? Ich fühle mich unglaublich machtlos.

Katharina Kellermann, Bad Homburg

fr-debatte

Lockerungen in der Pandemie: „Fünf Stufen und eine Notbremse“, FR-Politik vom 4. März

Zu: „Wieder an die Schule gewöhnen“, FR-Regional vom 1. März

38 Kommentare

  1. Wolfgang Nordmann sagt:

    Der treffende Leserbrief (Schöttke) von gestern9.3.21 verdient vielleicht einen gründlichen Bericht der FR im Rückblick auf die bisherige Entwicklung des schwedischen Umgangs mit der Pandemie .
    Was können wir für unsere Gesellschaft und Mentalität und Bürokratie von den Schweden lernen?!
    Es wird nach 1 Jahr doch Zeit, solche Fragen zu beantworten.

  2. hans sagt:

    zu @ Wolfgang Nordmann
    Falsche Spur die wirkliche Spur führt nach Süd – Ost- Asien./ z.B. Süd Korea

  3. hans sagt:

    Jetzt gibt es auch bei uns in der Nähe ein Testzentrum. Purer Aktionismus, sie mein oben stehenden Link, der dazu führt das die Schnelltests in ihrer Wirkung verpuffen. Sie müssten in Schulen, Kitas und Firmen eingesetzt werden zur Clusterfindung. Massenhaft Einzeltests bringen nicht viel. Das ganze bekommen wir seit Monaten von verschiedenen Ländern vorgeführt aber die Regierung will nach dem man das Impfen wohl nicht hinbekommt zeigen das sie was macht.

  4. Jürgen Malyssek sagt:

    Hallo! Von Schweden lernen?

    Da läuft aber wirklich einiges schief in der objektiven Berichterstattung, wenn Schweden immer noch zum Vorbild für Coronakrisen-Bewältigung gemacht wird.

    Das ist totale Überschätzung des schwedischen Weges, als eine menschliche und medizinische Erfolgsgeschichte.
    Das ist naiv! Schweden ist nicht mehr die sozialdemokratische Vorbildnation (Konsens) und im Gesundheitssystem sind die Mängel gravierend (Tod alter Menschen). Die Gesellschaft dort ist sehr gespalten und das Vertrauen beschädigt.

    Das Ansehen der Schweden mag ja im Ausland recht positiv sein, aber das hält der gesellschaftlichen Wirklichkeit nicht stand.
    Das Vertrauen der Menschen in ihre Institutionen ist mehr als brüchig geworden.
    Vieles lebt noch weiter als Ideologie, etwa das Gefühl der moralischen Überlegenheit. Der Plan der Herdenimmunität ist daneben gegangen.

    Der große Pandemie-Krisenmanager Anders Tegnell hat längst seine Strahlkraft verloren und auch die Regierung reagiert darauf. Der König ist frustriert.
    Schweden: Sicherheit und Freiheit – schöne Worte, aber das ist oberflächlich betrachtet.

    Das Virus hat, wie bei uns die Probleme an die Obefläche gespült und die sind nicht minder als in Deutschland.
    Unsere Mängel hier im Lande sind sehr deutlich geworden: Bürokratie, fehlender Pragmatismus, föderalistische Hürden usw. Aber man sollte die Vergleiche mit anderen Ländern nicht weiter überstrapazieren – und schon mal gar nicht Großbritannien und die USA (die letztlich nur an sich selbst denken). Auch Israel passt nicht. Dieser Staat, sein politisches System und das unsrige, der Vergleich funktioniert nicht!

    Das Nachbarland von Schweden, Norwegen, macht alles viel konsequenter. Ja, auch Mentalitätsunterschiede spielen dabei eine Rolle.
    In Deutschland sind viele Probleme in puncto Impfstoffherstellung und -lieferung (-verteilung), keine Frage. Der europäische Weg ist immer noch ein richtiger, aber die EU ist halt keine Staatengemeinschaft, die so einfach auf Knopfdruck funktioniert.

    Es ist Zeit, diese immer unversöhnlicheren Töne in der ganzen Krisendebatte zu bremsen, mehr Respekt für das Geleistete, mehr Sachlichkeit, Fairness und auch bißchen Vertrauen in die Akteure aufzubringen. Nicht ein blindes Vertrauen, aber doch tragfähiges.

    Ansonstes rutschen wir immer mehr in eine gesellschaftliche Dauer-Krise, die, „so Gnade uns Gott“, dann irreparable Schäden hinterlässt.

    Jetzt ist auch ein souveräner Journalismus gefragt und nicht das Niveau einer „Bild“.Zeitung (siehe auch Kolumne Michael Herl vom 9. März). Leider sind auch Teile der Printpresse und der TV-Sendungen auf Agitation gepolt (die Attacken auf Karl Lauterbach sind ein trauriges Beispiel).

  5. Hans-Werner Müller-Jording sagt:

    Das Impfpokerspiel
    Sie haben sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass uns das Corona Virus noch eine Zeit lang begleiten wird und sich darauf eingestellt, zu Ihrem eigenen Schutz sogar etwas mehr zu tun, als nur die AHA Regeln einzuhalten. Sie, Ihre Familie und Ihr Freundeskreis versichern sich über die medialen Möglichkeiten, Vertrauen und Freundschaft nicht über Gebühr darunter leiden zu lassen und finden, dass Sie das ganz gut meistern.
    Sie hören von den weltweiten Verwerfungen, die das Virus ausgelöst hat und schütteln den Kopf über die Leugner und Ignoranten von der Straße und manche Verhaltensweise von politischen Staatenlenkern.
    Sie haben das weltweite Bemühen um die Entwicklung eines Impfstoffs gedanklich begleitet und sich sogar gefreut, dass die Welt sich einig war, dass dies eine Pandemie sei, die ungeahnte negative Auswirkungen haben könnte, wenn man ihr nicht beikäme.
    Der Impfstoff kam und schon bei der Bewertung der Studienergebnisse über den Wirkungsgrad begannen alle alten Verhaltensmuster sich wieder voll zu entfalten. Wie viel wertvoller ist ein Wirkungsgrad von 95 % gegenüber 90 % und wie viel schlechter und damit gefährlicher ist einer von 80 %. Die Zulassungsverfahren entkoppelten sich von den wissenschaftlichen Aussagen. Sie wurden zum vorgeschalteten Kalkül, welche Staaten und Staatenbünde welchen Impfstoff in welcher Menge bei welchem Produzenten quasi just in time ordern dürften und welche Verfahren der Bezahlung, des Transports, der Lagerung und Verimpfungslogistik national und regional unter Berücksichtigung des Datenschutzes, des Alters der Probanden, deren Gesundheitszustandes anzuwenden seien.
    Die Ausdifferenzierung gebar jeden Tag neue Gedankenspiele. Die technische Ausgestaltung der Priorisierung machte schon deutlich, welche Daten unter Berücksichtigung des Datenschutzes erst „erzeugt“ werden müssten, um die in jedem Land spezifische Form der Erfassung von Grunddaten ihrer Bewohner zu ermöglichen, die Anzahl der Impfdosen bestimmen zu können, die man für jede „bezifferte“ Gruppe ordern müsste.
    Die Digitalisierung bekam in diesem Zusammenhang den Status eines Weltrettungsinstruments und sollte gleichermaßen die Vorteilsnahmen bei der Bestellung von Impfdosen weltweit verhindern und alle durch das Corona-Virus versäumten Lehrinhalte in allen Schulformen weltweit mindestens auffangen und in der Euphorie der Entdeckung der Digitalisierung gleich überkompensieren.
    Die Vertreter des Neoliberalismus eröffnen das Pokerspiel, vertreten massiv die Notwendigkeit, dass der Staat die Unternehmen für alle monetären Einbußen durch die Folgen der Corona Pandemie zu entschädigen habe. Der Staat habe ein Klima zu schaffen, in welchem durch steuerliche Vergünstigungen und investive Anreize, den Unternehmen die Möglichkeit eröffnet wird, mindestens das Niveau von vor der Krise zu erreichen und mit mehr finanzieller Nachhaltigkeit zukunftsfähiger zu werden.

    Dieser Tenor beinhaltet auch, dass die freie Marktwirtschaft Zugang auf alle Komponenten des Impfstoffs braucht, die Produktion und der Vertrieb der teilweise staatlichen Lenkung schnell entzogen werden muss, weil die Mechanismen des Marktes erfahrungsgemäß alle Bedarfe schneller erkennen und befriedigen, als das Staaten je leisten können. Ungesagt steht dahinter, dass man Unternehmen ermöglichen muss, den lukrativen Markt des Corona Impfstoffs, staatlich monetär unterstützt, nach Angebot und Nachfrage preislich so zu gestalten, dass Erträge nicht in einem Staatshaushalt versickern, sondern Unternehmen und deren Geldgeber als Ausschüttung oder Investition zur Verfügung stehen.
    Die Staaten der Welt melden jeweils ein eigenes Interesse an, warum gerade sie ihrem Volk den versprochenen Impfstoff beschaffen müssen. Sie pokern um Impfdosen bestimmter Anbieter, Preise und Lieferchargen und scheuen sich nicht, auf die Produzenten im eigenen Land so viel Druck auszuüben, dass diese sich genötigt sehen, für „ihr“ Land bevorzugt zu produzieren, haben sie doch zum Teil erhebliche Fördermittel erhalten.
    Viele Vereinbarungen von Staaten oder Staatenbünden mit Produzenten und Lieferanten basierten auf der Vorstellung, dass es ein „gemeinsames“ Interesse zur Beendigung der Pandemie geben müsse. Das war blauäugig! Die Entwicklung des Impfstoffes ist nun mal in allen Laboren mit staatlicher Unterstützung vorangetrieben worden. Welchen Stellenwert die Staatsräson hat, wenn ein Produktionsstandort im eigenen Land liegt, muss man an dieser Stelle nicht weiter thematisieren.
    Der Royal Flash ist im Spiel, wenn im „wohlverdienten“ Eigeninteresse viele Nationen im Verteilerzirkus fast nicht und ein ganzer Kontinent gar nicht vorkommt, weil die Logistik nicht leistbar, die Lagerung nicht möglich, qualifiziertes Personal nicht vorhanden und die Verbreitung des Virus zu wenig lokalisierbar ist. Man könnte auch sagen, dass man als Pokerspieler vorher wissen lassen muss, als Spieler mit am Tisch sitzen zu dürfen.
    Die Tür zum Pokerspiel wird geschlossen, nur noch geladene Spieler, die bereit sind, ohne Limit um ein Gut zu spielen, das sich auf mutierte Varianten des Corona Virus ebenso vorbereitet, wie auf eine Menge, deren Sättigungsgrad mit bloßen Zahlen für eine Urbanisation nicht ansatzweise zu beziffern ist und damit auf hohe Gewinne hoffen lässt. Mit diesem Verhalten möchten alle zurück zu dem Leben, das sie einmal hatten. Mit einem Pärchen im Pokerspiel ist die Wahrscheinlichkeit leider eher gering.

  6. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Eigentlich würde ich ihnen gerne recht geben aber die Fehler sind zu gravierend um sie einfach als unvermeidlich stehen zu lassen. Herr Lauterbach hat die Entscheidungen der MK als „unglücklich um es vorsichtig zu sagen“ bezeichnet. Man öffnet aus wahltaktischen Gründen und hat dafür weder genug Impfstoff noch eine vernünftige Teststrategie, dafür aber die englische Mutante. Wie eine Teststrategie aussehen müsste hat Herr Lauterbach in dem Link den ich oben eingestellt habe beschrieben. In MP hat man jetzt offiziell die Luca App eingeführt und geht wohl auch beim Testen so wie von Herr Lauterbach gefordert vor. Das bedeutet digitale Kontaktnachverfolgung oder anders gesagt man beginnt jetzt nachzumachen was Japan und Süd Korea schon seit Sommer machen. Ich denke das am Anfang der dritten Welle zu machen ist zwar sehr spät aber vielleicht hilft es das Schlimmste zu verhindern. Wenn sich die zu erwartenden Erfolge einstellen werden die anderen Bundesländer dann nachziehen aber das kann man doch nicht kritiklos hinnehmen. Ob irgendwann genug Impfstoff kommt muss man ja immer mehr in Frage stellen. Wobei es klar richtig ist das man das nicht hinter dem Rücken der anderen EU Länder macht, aber das rechtfertigt doch nicht das Ergebnis.

  7. hans sagt:

    zu @ Hans-Werner Müller-Jording
    die Verbreitung des Virus zu wenig lokalisierbar ist.
    Das ist kein Naturgesetz. Wenn man sich halt ein Jahr weigert Daten zu erfassen darf man sich nicht wundern wenn man dann auch keine Daten auswerten kann. Das ist der Grund warum man nicht weiß wo die Infektionen her kommen. Hätte man Funktionen wie sie in der Luca App vorgesehen sind in der Corona Warnapp vorgesehen wüsste man jetzt was man auf oder zu machen muss.

  8. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Hans-Werner Müller-Jording

    DasImpf-Pokerspiel:

    Das haben Sie sehr treffend zum Ausdruck gebracht!

    „… mit diesem Verhalten möchten alle zurück zu dem Leben, das sie einmal hatten. Mit einem Pärchen im Pokerspiel ist die Wahrscheinlichkeit leider gering.“

  9. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Diese Best-Practice-Ländervergleiche arten doch nur noch in einen globalen Wettkampf aus, in dem sich unsere Welt eh schon lange befindet. Dann noch: Der Markt regelt alles am besten, die Regierungen können das Geschäft nicht. Und so geht das immer weiter. Unsere komplizierte, aber doch existierende Demokratie gerät immer mehr in eine gefährliche Position, Legitimation, wenn diese Entwicklung so weiter geht. Deshalb möchte ich in der weltweiten Pandemie nicht, dass Vergleiche mit Ländern gemacht werden, die den Titel Demokratie nicht verdient haben oder die genug Probleme mit ihrer Staatsräson und Mentalität haben, sich den Krisen jetzt und in Zukunft zu stellen. Das Beispiel Schweden zeigt sowas auf. Von den anderen Beispielen ganz zu schweigen („Our country first!“).
    Ja, Karl Lauterbach hat die Teststrategie kritisiert, aber er macht das Land nicht zur Schnecke. Wir haben in Deutschland unsere ganz speziellen Probleme, die bereits bekannt sind. Aber es wäre doch wahres Wunder, wenn in diesem Prozess keine Fehler passieren. Das ist doch alles keine Routine. Das ist auch ein neues Lernfeld, das aber bei vielen Menschen so nicht in die Köpfe kommen will. Erschreckend soeben die neuen Anti-Corona-Demos! Nicht mehr nachvollziehbar, was in den Köpfen dieser Menschen vor sich geht!
    Aber wenn dann von offiziellen Seiten auch noch gnadenlos auf die Politik gedroschen wird, dann kann es allerdings nicht wundern, dass die Dummen sich legitimiert sehen, ihren abstrusen Feuertanz weiter zu veranstalten.
    Es wird genug Scherben aufzulesen geben, wenn das Gröbste der Pandemie geschafft sein sollte. Dann lasst uns doch in dieser harten Zeit etwas mehr Fairness und Respekt an den Tag legen.

  10. Jürgen H.Winter sagt:

    Vernünftigerweise hätte man bei Beginn der Pandemie EU-weit eine Zentralstelle einrichten müssen, die über alle Kompetenzen verfügt und entsprechend den Gegebenheiten Beschlüsse durchsetzt. So wie die alten Römer in Krisenzeiten einen Imperator wählten und die Senatoren Pause hatten. Dass das in EU nicht geht ist bedauerlich aber liegt auf der Hand, schließlich ist das föderale System in der EU noch ausgeprägter. In Deutschland nun gibt es ein zweites föderales System, da haben die Kreise mit ihren Gesundheitsämtern was zu sagen und wer noch alles. Bei diesem Zustand kann man nicht erwarten, dass alles ruck – zuck läuft, wie denn. Ohne die Grundordnung zu ändern wird sich also kaum etwas ändern. Die Lösung kann also nur genügend Impfstoff sein mit entsprechenden Tests. Bleibt abzuwarten, wie sich die Mutanten weiter entwickeln, möglicherweise muss jedes Jahr neu geimpft werden, nach ein paar Jahren spielt sich das ein.
    Die Länder, die toll durchgeimpft sind müssen ja sowieso die Grenzen schließen, sonst haben sie die neuen Fälle gleich wieder im Land. Wie jetzt im Falle Mallorca, da kommen genug Deutsche und Engländer und schon steigen die Inzidenzen wieder. So wie es jetzt ist, wird das ganze wohl noch bis Ende des Jahres dauern, bis alle, die wollen geimpft sind und die Zahlen dann besser werden. Es ist also Geduld gefragt und ein paar kluge Politiker, die nicht dauernd etwas ankündigen was dann nicht stimmt. Das Duo Spahn/Scheuer hat schon eine eigene Qualität, da kommt kein Kabarettist mit ! Als taskforce, wem fällt denn so etwas ein ? Matrix – Söder ?

  11. Bronski sagt:

    @ Jürgen H. Winter

    Der historische Vergleich „wie die alten Römer“ mit ihrem Imperator taugt nicht. Die Lösung unserer Probleme kann nicht darin liegen, nach autoritärer Herrschaft zu rufen. Nach einer solchen haben auch die Nazis vor 1933 gerufen, wohlwissend um die Sympathien vieler Menschen in der Weimarer Republik für eine autoritäre Herrschaft. Dass sowas in der EU nicht geht, ist keinen Moment lang bedauerlich!

  12. Detlef Bühler sagt:

    Es ist ja sicher richtig, schon drüber nachzudenken, wie man das Impfen besser organisieren kann, wenn der Impfstoff erst mal in ausreichender Menge vorhanden ist. Solange der Impfstoff allerdings noch ein so knappes Gut ist, sollte man sich davor hüten, diesen Schritt auch wirklich zu gehen. Hausärzte könnten wohl viel weniger den Impfdränglern widerstehen – mir fallen da spontan Privatpatienten ein. Die Zweiklassenmedizin darf sich nicht noch mehr vertiefen. Solange die bisherigen Stellen wegen Vakzinmangels noch nicht ausgelastet sind, sollte man es bei diesen belassen.

  13. Dr. Helge Scheibe sagt:

    Seit Monaten wird ein grandioses Staatsversagen offenbar; denn seit Dezember 2020 hören wir, daß möglichst schnell alle Bürger geimpft werden sollen, da immer mehr Mitmenschen sterben. Impfzentren werden aus dem Boden gestampft, Helfer rekrutiert, nur leider fehlt der Impfstoff. Trotzdem werden weiter Hoffnungen geweckt, Impfreihenfolgen beschlossen und wieder geändert, doch Impftermine sind schwer oder gar nicht zu bekommen, weil weiter der Impfstoff fehlt. In vielen Arztpraxen muß man schon heute für banale Behandlungen oft stundenlang warteten, und jetzt sollen in diesen ohnehin völlig überlaufenen Hausarztpraxen auch noch zusäztzlich Tausende geimpft werden? Dort herrscht doch bereits Stau! Deshalb dürfte doch wohl keiner der überlasteten vollberuflich tätigen Kollegen zusätzlich in den Impfzentren zu finden sein, oder? Ich Rentner habe mich als Impfarzt beworben, doch man braucht mich erstaunlicherweise nicht. Es steht schon genügend Personal bereit. Wir erleben völlig überforderte Parteipolitiker, die immer wieder beraten und sich beraten lassen und jetzt einem offensichtlich erfolgreichen Manöver des Hausärzteverbandes, auch an den Geldtopf zu kommen, zum Erfolg verholfen haben. Jeder möchte etwas vom Kuchen, wie wir das leider sogar bei unseren bestens bezahlten“Volksvertretern“ erleben!

  14. Bernfried Kleinsorge sagt:

    Corona belastet und fordert Alle, das ist hinlänglich bekannt und wird uns Tag für Tag vermittelt. Aber wenn man den Blick mal etwas schärft, findet man auch Positives zur Corona-Situation. Wir würden uns freuen, wenn die FR sich mal auf die Suche machen würde danach, was von Einigen oder Vielen als gut empfunden wird, wie z. B.: Muße und Zeit zu haben für Korrespondenz mit Freunden; ausgiebige Spaziergänge; intensivere Lektüre von Büchern, Zeitungen und interessanten Webseiten; Realisierung von Sachen, die man schon lange auf dem Plan hatte (Fotobücher o. ä.) oder – last burt not least – wegen Kurzarbeit mehr Zeit zu haben für die Kinder.
    Natürlich hängt das sehr ab von der persönlichen Situation, ob man rotiert zwischen Homeoffice und Betreuung der Kinder im Homeschooling usw. oder ob man das Privileg hat abgesichert zu sein und sich primär um sich selbst kümmern zu dürfen. Gleichwohl fänden wir es schön, die Leser nach dem zu fragen, was sie als positiv empfinden, um den täglichen belastenden Nachrichten mal etwas entgegenzusetzen.
    Für mich persönlich zählt dazu auch das große Maß an Kreativität, das die Situation bei Vielen freigesetzt hat und die bisherige zaghafte Ansätze massiv gepusht hat, wie u. a.: ein hochklassiges, virtuelles Tanztheater in Räumen und an Plätzen, die mit Publikum nie in Frage gekommen wären (Parkhaus etc.) u. v. m.; virtuelles Fitnesstraining; Videoconferencing; digitales Arbeiten im Homeoffice; Digitalisierung des Unterrichts; virtuelle Tanzparties mit DJ und Remote-Tanzen an verschiedenen Orten; virtuelle Arztkontakt (?) und speziell neue Softwaresysteme für diese und andere Zwecke wie Zoom, Jitsi usw. naklar.io, eine Plattform für Remote-Unterstützug von Schülern bei Bedarf Padlet (virtuelle Pinwand) usw. usf.

  15. Karl-Ludwig Kreuzburg sagt:

    Die Schwierigkeiten in der Abstimmung zwischen Ländern und Bund, die zeitweiligen Alleingänge offenbaren den überholten Reformbedarf des Förderalismus in Deutschland. Die MinisterpräsidentenInnen–Runde mit der Kanzlerin zeigt es auf. Die Pandemie hält fest, dass Parteipolitik und Länderdenken sowie Individualitäten beim methodischen Umgang der fachlichen Vorgaben kein strategischer Hemmschuh sein dürfen. Ein weltweit agierender Virus lässt sich weder an der Saar noch vor den Toren Hamburgs stoppen.
    Die Gesundheitspolitik muss stärkere bestimmende Bundesakzente setzen. Die Mängel in der Bildungspolitik werden parallel deutlich, Kinder der Pandemie sind solche, egal ob in Bayern oder in Bremen. Die Kleinstaaterei sollte auch in der Sicherheitspolitik in ein Ganzes münden, wie traurige Beispiele wie das des Umganges mit dem Attentäter von Berlin zeigen. Ein Abbau von Ministerialbürokratie und Verwaltung wäre vielleicht noch ein nützlicher Nebeneffekt.

  16. Rainer Pitsch sagt:

    Nach Monaten der politischen Corona-Stümperei ging jetzt ein geradezu hörbares Aufatmen durchs Volk, als bekannt wurde, dass eine „Taskforce Testlogistik“ eingesetzt und von Jens Spahn und Andi Scheuer geleitet wird. Das weckt große Hoffnungen auf den ersehnten Durchbruch beim Kampf gegen die Seuche. Vereinzelt gibt es zwar Zweifel an der Expertise der Hoffnungsträger, aber das ist bei der Besetzung solch verantwortungsvoller Positionen eher der Normalfall. So meinte etwa ein Spötter: Zwei Böcke übernehmen das Regiment in der Gärtnerei.
    Die Skeptiker seien darauf hingewiesen, dass es in den verschiedensten Verantwortungsbereichen etliche Beispiele dafür gibt, wie sich eine spezifische personelle Qualifikation bestimmten Aufgaben und Zuständigkeiten zuordnen lässt, auch wenn dies zunächst nicht schlüssig erscheint. So wurde kürzlich bekannt, dass der Vorsitzende der Metzgerinnung für vegetarische Ernährung wirbt. Verschiedentlich werden automobile PS-Protzer mit der Verkehrsüberwachung in Innenstädten beauftragt. Die Magersucht-Propagandistin Heidi Klum wurde Schirmherrin der Adipositas-Stiftung. Schäferhunde werden zur Bewachung von Wurstvorräten eingesetzt. Karl Lauterbach hat eine Selbsthilfegruppe für Talkshow-Teilnahmesüchtige initiiert. Die Mehrheit der „Querdenker“ ist überdurchschnittlich intelligent.
    Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. Tja, Expertentum erschließt sich zudem nicht immer auf den ersten Blick.
    Auch wenn es vereinzelt noch Skepsis hinsichtlich der Erfolgschancen des quirligen Duos geben sollte, ist eines unbestritten: Frisch im Amt haben Jens und Andi sofort dafür gesorgt, dass es Schnelltests bei Aldi gibt. So agieren wahre Heilsbringer.

  17. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Bronski,
    ich rufe nicht nach autoritärer Herrschaft, schon gar nicht nach Nazi-Strukturen. Es geht darum, etwas besseres zu finden als die föderalen Strukturen, die dazu führen, dass jeder macht, was er will. So kann man keine Pandemie bekämpfen. Mit dieser Haltung bin ich auch nicht allein. Was sieht antreibt, ausgerechnet mir Nazi – Strukturen zu unterstellen erschließt sich mir nicht. Ich habe als Kind noch den letzten Krieg erlebt und das sollte ihnen aus meinen Beiträgen auch geläufig sein. Im übrigen bezieht sich das ganze auf die Pandemie und deren Handhabung.

  18. hans sagt:

    zu @ Jürgen H.Winter
    Ich teile die Meinung nicht das die Verantwortlichkeit der Länder das große Problem ist. Nur als Beispiel Frankreich hat das Thema Corona mit Sicherheit nicht besser hin bekommen und das Thema Impfstoffbeschaffung, EU weit zentral, ist jetzt auch nicht das Erfolgsmodell. Wenn jetzt MP auch noch die Luca App einführt sieht man auch das es sinnvoll sein kann wenn Bundesländer eigene Handlungsmöglichkeiten haben. Wenn einer was richtig macht können die anderen davon lernen auch wenn das Richtige fast ein Jahr zu spät ist. In so einer neuen Situation ist es sicher sinnvoll sich anzusehen was andere möglicherweise erfolgreich machen. Mit einer Zentrale wird das nur unterdrückt. Das mag nicht immer angenehm sein für Leute wie wir das sind aber ist klar der Weg den es derzeit braucht.

  19. Heidger Brandt sagt:

    Da redet die Politik seit Monaten voller Sorge, wie sehr die Familien und insbesondere die Kinder unter dem Lockdown leiden und wie wichtig die sozialen Kontakte und der Präsenzunterricht sind. Da wird schon von einem verlorenen Jahr oder gar einer verlorenen Generation geredet. Jetzt wird öffentlich, dass es Schnelltests in Massen gibt. – Und die Schulen werden geöffnet, ohne dass getestet wird. Hatte man bisher noch Nachsicht beim „Impfversagen“, dies versteht niemand mehr. Weshalb haben Bund und Länder nicht schon lange gemeinsam dafür gesorgt, dass so viele Tests produziert, gekauft und an alle Schulen und Kitas verteilt werden, um alle Schülerinnen und Schüler und das Lehrpersonal jeden Morgen im Zuge eines gestaffelten Beginns testen zu können? Offensichtlich wäre es schon lange möglich gewesen, den Präsenzunterricht unter solchen Bedingungen für alle wieder beginnen zu lassen.
    Jetzt werden nach den Abiturjahrgängen zunächst die unteren Klassen wieder in die Schulen gelassen, ohne Tests aber mit „Hygieneregeln“ und Maskenpflicht im Unterricht, Doppelstunden, 28 Kinder in einem Raum. Was für ein Versagen in einem der reichsten Länder der Welt. Wahrnehmung von Fürsorgeverantwortung gegenüber Schülerinnen und Schülern und den vielfach überalterten Kollegien? Fehlanzeige.
    Seit einem Jahr sitzen die Ministerpräsidenten mit Kanzlerin und Gesundheitsminister zusammen und sind noch nicht einmal in der Lage, eine praktikable Öffnungsstrategie für die Schulen zu entwickeln. Bundesgesundheitsminister Spahn fragt sogar: „Warum soll ich jetzt Tests beschaffen?“ Er verstehe „sowieso nicht“, wieso sich „Bundesminister mit so was beschäftigen sollen.“ Ja, vielleicht weil er der Gesundheitsminister ist und über ein ganzes Ministerium verfügt? Zumindest wäre es seine Aufgabe gewesen, dies mit den Ländern zu koordinieren. „Diese drücken sich vor ihrer Verantwortung,“ sagt Span, „Corona-Tests für Schulen und Kitas zu besorgen. Das ist ureigene Aufgabe der Länder. Doch statt diese wahrzunehmen, zeigen sie auf den Bund.“ – Was für ein erbärmliches Trauerspiel. Währenddessen warten die Corona-Mutanten darauf, loszulegen.

  20. Gisbert Bastek sagt:

    Vorab als „Europäer“: mein herzliches Beileid zu der Situation in der sich das Volk befindet, „regiert“ von einem Haufen, zum Teil wohl desinteressierten „Futtertrogpolitikern“, denen es mehr um deren Diätenerhöhungen und Altersvorsorge zu gehen scheint, als um das Wohle diesem anvertrautem Volkes.
    Nebenbei der Lacher schlechthin: Aldi war schneller als die Bundesregierung……! Aber natürlich ist Aldi mit den Testkits schneller als es die Bundesrepublik je sein wird. Aldi kennt sich nämlich aus mit Markt, Druck, Konkurrenz, Sättigung, Beschaffung und Distribution, welches alle sat der Dinge sind von denen die Bundesregierung nicht den Funken einer Ahnung hat. Diese hat aber “ spitzen “ Berater die Millionen Steuergelder Kosten.
    Würde man bei Aldi agieren wie es die Bundesregierung bei Coronatestkits tut, würde bei Aldi sogar das Bier schlecht werden, bevor es beim Verbraucher ankommt.
    Diesen Vergleich habe ich bewusst gewählt, da Bier ein Artikel, mit einem doch schon „ziemlich weit in die Zukunft“ angesetztem Verfallsdatum ist.

  21. hans sagt:

    Man kann jetzt nach dem das Impfen wohl auch komplett zusammenbricht nichts anderes sagen als das die Regierung völlig ratlos vor ihrer völlig verfehlten Pandemiepolitik steht. Die dritte Welle scheint zu beginnen und es wird leider niemanden etwas einfallen als einen Look Down zu verhängen der schärfer ist als alles vorher.
    Die Impfstoffversorgung ist dabei völlig zusammenzubrechen
    Schnelltests gibt es bei Aldi aber nicht in den Schulen und Kitas
    Daten wo die Infektionen wirklich herkommen gibt es auch nach einem Jahr noch nicht weil man Daten lieber nicht erfasst hat. Datenschutz wäre nach meiner Meinung gewesen das man die Pandemiedaten vor Missbrauch schützt . Sie gar nicht zu erheben ist nicht die beste Idee gewesen.
    Die Länder und Landkreise ignorieren die Notbremse. Mal sehen wie lange sie das durchhalten.
    Die Menschen wollen nach Mallorca. Ob man sie dort auch will wenn D. ein Risikogebiet ist fragt keiner. Vielleicht will man da je Geimpfte aus GB.
    Das Ganze hat offensichtlich zu völliger Ratlosigkeit geführt. Ich denke wenn man nicht mehr weiter weiß sollte man gehen.

  22. Jürgen Malyssek sagt:

    @ all

    Vor der Pandemie wäre es mir bestimmt nicht in den Sinn gekommen, Regierungspolitik, die jetzt handelnden Politiker besonders in Schutz zu nehmen, weil eben bei den gesellschaftlichen Schieflagen eine Kritik unausweichlich ist.

    Jetzt im langen Verlauf der Pandemie und dieser komplexen Problemlagen kann ich an der weit verbreiteten Schimpfkanonade gegenüber Regierung und politischen Entscheidungstägern nicht mehr mitmachen. Das Erregungspotential ist mir zu groß und die Sündenbockauslese ist mir zu billig, zu einfach geworden.

    Ich persönlich habe keine besseren Strategien für die Coronabekämpfung als die Virologen, Epidemiologen, die anderen Fachleute und die politischen Entscheidungsträger. Ich finde, das Ganze ist eine sehr schwere Herausforderung und weder mit den gewöhnliche Bordmitteln zu lösen, noch mit aussergewöhnlichen grenzwertigen Maßnahmen, wie sie etwa permanent mit den Vergleichen der Länder postuliert werden. Dann auch noch die USA, Großbritannien und China und was weiß wer noch (die gnadenlos für sich den Markt beherrschbar machen und keine Tugenden, keine Moral mehr haben).

    Und wenn wieder etwas schief geht, weil es so komplex ist (jetzt leider mit AstraZeneka), dann geht die Kampagne weiter. Und auch der Journalismus spielt sowohl in den Zeitungen als auch in den Fernsehsendungen eine manchmal unglückliche Rolle. Manchmal nähert er sich dem Attackenstil dieses Drecksblattes von „Bild“. Mit kritischem Journalismus und Aufklärung hat das dann nichts mehr zu tun. Aber Nein! Immer wieder Angriff, bis man den letzten letztlich doch um Lösungen ringenden Politiker weichgeklopft hat! Und wiederholt: ja, sie machen auch Fehler. Möchte jemand jetzt tauschen wollen?

    Da demonstrieren am Wochenende in den verschiedenen Städten in Deutschland wieder die „Querdenker und diese abgedrifteten Mitläufer aus der Mitte der Gesellschaft jeder extremrechten Parole („Kampf zwische Finsternis und Licht“) und es fallen Schlagworte wie „Mörder“, „Gauner“, „Rechtsbrecher“ gegenüber der Staatlichkeit.

    Die Polizei kann sich verhalten, wie sie will, sie macht es dann immer falsch. Ob Deeskalation und hart Eingreifen. Nichts von beiden passt nach der Eskalation. Proteste ohne Masken und Abstand, während um das Absenken der Infektionszahlen hart gerungen wird. Der Feind ist überall auf, egal, wie man versucht in den Griff zu kriegen.

    Und dann wundert man sich, dass diese bösartigen Proteste weitergehen, wenn sie permanent von den Unruhen und Angriffen („Staatsversagen“) aus der braven (und vor allem der doch immer so „kompetenten“ und „aufgeklärten“) Gesellschaft mit den laufenden Sündenbockparolen und Politikverfehlungen regelrecht gefüttert werden???

    Das ist es, was mich umtreibt, und was ich zwar irgendwie mit menschlichen Verhaltensweisen erklären kann. Aber ich will es so nicht mehr akzeptieren.

    So lernen wir null aus dieser schweren Krise und lechzen nur nach dieser „versteinerten Normailität“, die uns – wenn überhaupt – keinen Milimeter weiterbringen wird.

    Wenn wir es jetzt nicht zu verstehen versuchen, dass wir eine große Portion Solidarität, Wertschätzung und Rücksichtsnahme benötigen, um aus der Krise halbwegs gesund herauszukommen, dann können wir als demokratische Gesellschaft das Patent abgeben. Dann eben nicht lernen, sonder weitermachen wie bislang …
    Die Götzen: Reisen in ferne Länder, AIDA, ruinöse Skisportregionen, Partys, Happiness und
    und die mimmersatte Freiheitsgefühle, die winken schon heftig. Und los geht’s!

    Ich verspreche, dass ich mich hier zu diesem Thema auf lange Zeit nicht mehr äußern werde. Es reicht. Ich bin dann mal weg.

  23. Thomas Paulsen sagt:

    In schwierigen und deprimierenden Zeiten wie diesen ist es für das psychische Wohlbefinden umso wichtiger, bisweilen herzhaft lachen zu können! Daher herzlichen Dank an Frau Thorwarth für ihre wunderbar sarkastische Kolumne, die dem traurigen Anlass zum Trotz das Lustigste ist, was ich seit langem in der FR zu lesen bekam. Ja, was mag unsere sonst meist instinktsichere Bundeskanzlerin bewogen haben, Pannen-Andy Scheuer, der in der Maut-Affäre mutmaßlich mehrere hundert Millionen an Steuergeldern ins Klo gespült hat, zuzüglich der neunstelligen Summe, die er pro Jahr für seine offenkundig nicht besonders guten Berater verpulvert, als Task-Force-Helden an die Seite von Bundesgesundheitsclown Jens Spahn zu stellen? Ich glaube, ich weiß es: Der arme, gebeutelte Ankündigungsminister, dem seit geraumer Zeit alles misslingt, soll dadurch aufgebaut werden, dass er neben sich den einzigen Minister der Bundesregierung weiß, der eine noch krassere Fehlbesetzung ist als er selbst. Aber wir wollen nicht ungerecht sein: Herr Spahn benötigt wahrscheinlich seine ganze Arbeitskraft für seine Immobiliengeschäfte und das Drangsalieren verantwortungsbewusster Journalist:innen, den Ankauf überteuerter Masken durch Vermittlung seiner CSU-Spezln, dazu für die eine oder andere Feier oder Fahrten im vollbesetzten Aufzug mit Dr. med. (!) Helge Braun. Natürlich ist Herr Spahn nicht für alles verantwortlich, aber er ist von Amts wegen nun einmal das Gesicht des Versagens der Regierenden in der Corona-Krise, dem man die Fragen entgegenrufen muss: Warum sind in den USA, die bis zum 20. Januar unter der Regierung der personifizierten Bösartigkeit und Unfähigkeit zu leiden hatten, sieben Wochen nach dem Regierungsantritt von Joe Biden bereits 19 % der Bevölkerung erstgeimpft und bei uns ganze 7 %, obwohl die ersten Zulassungen für Impfstoffe seit zweieinhalb Monaten erteilt sind? Warum kommt man jetzt erst allmählich auf den Gedanken, dass es toll wäre, wenn auch in den Arztpraxen geimpft würde und nicht nur in Impfzentren? Warum lernt Herr Spahn nichts dazu und verkündet nach seinem Rohrkrepierer mit den flächendeckenden Schnelltests ab dem 1. März völlig unrealistisch, dass ab Anfang April die Impfungen in den Arzt-Praxen beginnen sollen? Die dritte Corona-Welle rollt und eigentlich müssten wir schleunigst wieder zumindest zu den Lockdown-Bedingungen zurückkehren, die ab dem 16.12.2020 galten. Aber das kann eine Regierung, die dermaßen versagt hat, nicht mehr gut anordnen, denn wer fordert, sollte auch liefern können.

  24. hans sagt:

    zu @ Thomas Paulsen
    Das fängt doch schon viel früher an. Ich sage nur beste Corona Warnapp der Welt. Da habe ich begonnen zu denken dass kann doch nicht deren Ernst sein. Oder das immer noch nicht geprüft ist ob Sputnik V was taugt oder halt nicht. In Ungarn werden außer Sputnik V auch noch Impfstoffe aus China verimpft und auch dort von Ärzten noch vor den hier erhältlichen empfohlen. Wir verlassen uns auf 6 Impfstoffen und schauen nicht nach links oder rechts. Einer , Sanofi, ist schon ausgefallen , ein zweiter könnte ausfallen und einer ist noch nicht zugelassen. Einen Plan B gibt es nicht. Was würden wir denn machen wenn alle 6 ausgefallen wären? Warum hat noch niemand in Russland oder China Impfstoff vorbehaltlich einer EU Zulassung bestellt? Nein im Sommer hat Spahn noch mit der Kanzlerkandidatur geliebäugelt weil er so gut Corona kann. Jetzt steht er seit Herbst immer mehr vor dem Trümmerhaufen einer verfehlten Politik und fängt sich völlig berechtigt Kritik dafür ein.

  25. Zögerliches Agieren nutzt das Virus schamlos aus. Spätestens seit der 2. Welle dürfe es allen Abgeordneten und Regierenden bekannt sein. Dennoch werden die Warnungen der Epidemiologen weiterhin ignoriert oder klein geredet. Dirk Brockmann vom RKI bezeichnet es als „irrational“ wie Politiker auf die 3. Welle reagieren. Gemeint hat er „verantwortungslos“, aber er wollte nicht seinen Job riskieren.
    Im September hat man versäumt einen Doppelbeschluss zu machen: Falls der Lockdown-Light in 3 Wochen nicht die und die Wirkung zeigt, tritt automatisch ein harter Lockdown in Kraft. Stattdessen hat man wochenlang zugesehen wie die Inzidenzwerte steigen, bei den MP-Konferenzen endlos debattiert und fast einen GAU auf den Intensivstationen in der 2. Welle heraufbeschworen.
    Ende Dezember konnte man in Südengland sehen, welche dramatischen Auswirkungen die britische Mutante auf das Infektionsgeschehen hat. Statt nun alles daran zu setzten die Inzidenzzahlen in Deutschland rechtzeitig unter 35 zu bekommen bevor die neue Mutante um sich greift, wurde die Chance mit schneller Nachverfolgung die britische Mutante noch in Schach zu halten leichtfertig verspielt.
    Im Prognosemodel vom RKI für Ostern lässt sich ablesen, dass man die Kontrolle hätte behalten können, wenn man die britische Mutante ein bis zwei Wochen länger aus Deutschland weitestgehend hätte fernhalten können. Dies war problemlos möglich, durch strikte Reisekontrollen in den ersten Januarwochen einschließlich verpflichtenden Corona-Tests für die LKW-Fahrer zwischen UK und EU. Stattdessen hat man sogar zugeschaut wie Skiurlauber aus London die Mutante in die Schweizer Berge trugen und von deutschen Urlaubern als Mitbringsel in Deutschland flächenmäßig verteilt werden konnte. Selbst Abgeordnete des Bundestages haben mit der Familie ungeachtet der Mutanten Gefahr in der Schweiz noch Skiurlaub gemacht.
    Diese mangelnde Abwehr der britischen Mutante und die irrationale Lockerung zu Unzeit wird weitere 20 bis 40 Tausend Corona-Opfer in der 3. Welle kosten wofür die verantwortlichen Politiker hoffentlich bei den Bundestagswahlen ihre Quittung erhalten.

  26. Walter Unger sagt:

    in jeder Ausgabe der Frankfurter Rundschau werden sowohl im Regionalteil wie in der Deutschlandausgabe unter „Corona-Extra“ die neuesten Inzidenzwerte gegliedert nach Landkreisen, die Reproduktionszahlen, die Zahl der Neuinfektionen usw. gemeldet. Im Frühsommer, als die Werte wöchentlich sanken, wurde uns erklärt, dass es bei der Bekämpfung der Pandemie wesentlich auf die Inzidenzwerte ankomme. Denn bei Werten über fünfzig seien die Gesundheitsämter nicht mehr in der Lage, die neuen Infektionen nachzuverfolgen, also zu ermitteln, wo sich ein an Covid19 Erkrankter infiziert hat. Dieser Gedankengang ist nachzuvollziehen.

    Die Inzidenzwerte sind dann im Sommer fast überall auf unter fünfzig gesunken. Ich gehe davon aus, dass die Gesundheitsämter dies genutzt haben, um unter Mithilfe von Freiwilligen, von Studenten und Soldaten der Bundeswehr und vielleicht ein bisschen auch unter Auswertung der Corona-App die Infektionsketten zu ermitteln.

    Dann müsste man eigentlich auch Erkenntnisse darüber gesammelt haben, bei welcher Gelegenheit sich die Infizierten angesteckt hatten. Bei einem Einkaufsbummel trotz der Beschränkung der Kundenzahl pro Quadratmeter in Geschäften oder Gaststätten, in der Schule oder im Kindergarten, am Arbeitsplatz, in Museen und Freizeiteinrichtungen, bei mehr oder weniger legalen Treffen mehrerer Haushalte, bei Demonstrationen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder wo auch immer sonst. Auch wieviel Infizierte bei den Kontrollen an den deutschen Grenzen festgestellt wurden, hätte dabei wohl ermittelt werden können.

    Wenn es solche Erkenntnisse gäbe, dann müsste es angesichts der wieder steigenden Neuerkrankungen eigentlich möglich sein, auf der Grundlage der so ermittelten Daten über Infektionsketten möglichst zielgenaue Maßnahmen zu treffen, um die häufigsten Situationen von Neuansteckungen zu vermeiden. So macht z.B. eine nächtliche Ausgangssperre wenig Sinn, wenn Hauptansteckungspunkte die öffentlichen Badeseen oder Freizeitparks waren. Das Schließen von Gaststätten ist nicht unbedingt zielführend, wenn Neuinfektionen im Wesentlichen nicht nach Treffen in Gaststätten auftraten, sondern bei Feiern in privaten oder angemieteten Räumen.

    Stattdessen waren die Maßnahmen bei den steigenden Inzidenzwerten identisch wie die im Frühjahr. Hat man aus den Nachverfolgungen der Infektionsketten im Sommer nichts gelernt oder hat gar nicht erst versucht, „passgenaue“ Maßnahmen zu entwickeln? Beides spricht nicht gerade für ein gelungenes Krisenmanagement. Es ist deshalb verständlich, dass die Akzeptanz der Maßnahmen deutlich abgenommen hat.

  27. hans sagt:

    Der Bericht heute in der FR über Sputnik V lässt einem fassungslos zurück. Man könnte einen wahrscheinlich und das muss natürlich geprüft werden, sehr guten Impfstoff schon seit Monaten am Start haben. Es würden wohl mehrere tausend Menschen noch leben und es wären Milliarden Euro Schaden nicht entstanden. Es wurden Monate verschenkt weil nicht klar war wie formal die Prüfung des Impfstoffes angestoßen werden soll. Der Fehler der Firma ist das sie sich nicht Beratung bei diversen CSU Abgeordneten geholt hat. Das sollte sie schnellstens nachholen auch zum Wohle der Menschen die von einem zusätzlichen Impfstoff profitieren würden. Übrigens gute Impfstoffe aus anderen Ländern der Welt könnten auch helfen und sollten geprüft werden. Warum hat man das nicht gemacht? Nach dem was die Tage alles heraus gekommen ist vermute ich das Geld da wieder eine entscheidende Rolle spielt. Nein sie haben sich nicht redlich bemüht unsere Entscheider hauptsächlich von der Union.

  28. hans sagt:

    zu @ Walter Unger
    Sie haben zwar recht das man Daten hätte sammeln müssen um über das Virus zu lernen aber das hat man weitgehend aus Datenschutzgründen nicht getan. Deshalb ist man heute bei wichtigen Themen genau so schlau wie vor einem Jahr. Die Corona Warn App wurde mit Absicht so konstruiert das die Gesundheitsämter nichts erfahren. Als ich hier vor einigen Monaten diesen Unterschied zu Ländern wie Japan angesprochen habe habe ich nicht wirklich viel Zustimmung bekommen. Daraus könnte man schließen das war auch von der Masse des Volkes nicht gewollt. Da sind nicht nur die Politiker Schuld. Daten die man nicht erfasst kann man auch nicht auswerten.

  29. Jürgen Brunauer sagt:

    Beim Lesen dieses Kommentars hatte ich den Eindruck, dass sich wohl der Verfasser selbst im Wege steht. Er schreibt, Deutschland stehe sich beim Impfen selber im Weg. Ein Hang zum Perfektionismus würde pragmatische Lösungen – wieder einmal – verhindern.
    Wenn man als Bürger erwartet, dass die Abfolge bei Impfen der gesamten Bevölkerung einer gewissen Systematik folgt, ist das wohl schon Perfektionismus oder einfach nur eine berechtigte Erwartung an Leute, die nicht müde werden uns zu erklären, dass es um Leben und Tod geht und sie alles Mögliche getan haben um die Bevölkerung zu schützen!?
    Es ist heutzutage sehr verbreitet, am Besten immer pragmatisch nach vorne zu sehen, in der Regel von Leuten, die es natürlich vermeiden wollen, dass dabei auch ihre eigenen Fehler oder Versäumnisse Gegenstand von Diskussionen werden.
    Auch hier empfiehlt der Verfasser diesen Schritt zu wählen. Damit schiebt er in aller erster Linie den Kritikern des vorhandenen Chaos beim Impfen die Schuld in die Schuhe.
    Er macht einen Vorschlag, jetzt „fließende“ Übergänge zu schaffen, damit keine einzige Impfdose länger als nötig im Kühlschrank bleibt.
    Es ist schon schwierig, die Impfzentren herunter zu fahren und die Praxen hoch, wenn zu wenig Impfstoffe vorhanden ist. Aber dieser Schritt soll ja „zunächst“ begrenzt sein.
    Dass sich sowohl Ärztinnen/Ärzte und Patientinnen/Patienten damit nicht zufrieden geben, nennt der Verfasser zwar gerechtfertigt, aber auch eine Vereinfachung.
    Ich würde dem Verfasser schon empfehlen, sich mal mit Leuten zu unterhalten, die schon länger erfolglos versuchen einen Impftermin zu bekommen und ihnen dann vorhalten, dass sie es sich zu einfach machen.
    Abschließend ist dieser Kommentar, wie so viele, die in den letzten 12 Monaten in allen Zeitungen zu dem Thema Corona und die Folgen standen, eher überflüssig.

  30. Brigitta König sagt:

    Ich muss mich jetzt doch einmal über die Organisation des Impfens der ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen wundern. Nach meiner Information sollten diese schnellstmöglich innerhalb der Gruppe 2 geimpft werden.
    Einige Institutionen boten Listen an, auf die dich impfwillige MitarbeiterInnen eintragen konnten, die dann gesammelt weitergegeben wurden. Aber nicht alle. Diese Impfwilligen bekamen sehr schnell einen zeitnahen Termin mitgeteilt. Das hat sehr gut geklappt.
    Diejenigen, die sich selbst gekümmert haben bzw. sich selbst kümmern mussten und sich über die Hotline oder das Internet registriert haben, warten bisher vergeblich auf einen Impftermin. Das kann doch nicht sein!
    Den Arztpraxen mit ihren MitarbeiterInnen wurden einfach zwei Wochenenden zugeteilt, an denen sie sich impfen lassen konnten. Warum wurde das bei den ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen nicht auch so gehandhabt?
    Wie lange müssen jetzt diejenigen warten, in sich registriert haben, bis sie dran kommen? War das so gewollt?

  31. Christa Kreß sagt:

    Was ist denn nur mit uns Deutschen geschehen? Mir hat man in der Schule erzählt, wir seien das Volk der Dichter und Denker. Und heute? Dichter gibt es genug. Wenn man die vielen Geschichten, die einem so von Politikern und von den Medien erzählt werden, betrachtet, dann wird eher zu viel gedichtet.
    Bei den Denkern sehe ich eher schwarz. Gedacht wird schon, aber was. Außerdem scheint es beim Denken sehr langsam und zähflüssig zuzugehen. Wieviel Impfstoff und wie teuer? Sollte man den „natürlichen Schwund“ bei der Impfstoff-Menge von vornherein abziehen oder doch nicht.
    Wer wird-wenn überhaupt – zuerst geimpft ? Wo wird geimpft, sollten wir vielleicht auf keimfreie Neubauten setzen. Muss der Bebauungsplan geändert werden? Ach so, wir haben noch keinen Impfstoff, aber wenigstens Impfzentren bauen könnten wir, da muss nicht so viel gedacht werden.
    Ich will nicht sagen, dass wir keine „Denker“ haben, aber jeder scheint an etwas anderes und in eine andere Richtung zu denken. Und das, was beim Denken herauskommt, wird dann tage-oder gar wochenlang in den Medien kommentiert und zerpflückt bis nicht mehr viel übrig bleibt. Zurzeit bieten wir eher das Bild eines Volkes von Zauderern und Chaoten – schade!

  32. Gerhard Bonse sagt:

    Laut Jens Spahn wurde in jeder Familie bereits ein Mitglied in Deutschland geimpft. Mir fallen auf Anhieb neben meiner Familie, sehr viele Familien ein, bei denen noch niemand geimpft worden ist. Ich kenne auch eine ganze Reihe von Ü80-Personen, die händeringend einen Impftermin bekommen möchten, aber immer wieder vertröstet werden, sofern sie überhaupt einen Ansprechpartner erreichen können. Die Gesundheitsämter können innerhalb von Gruppen nicht priorisieren, da sie keine Vorerkrankungen kennen. Die Hausärzte kennen ihre Patienten, können aber nicht richtig loslegen. Es gibt zu wenig Impfstoff, die Organisation der Masken war miserabel, der zeitnah versprochene Zugang zu Testsystemen war schlecht organisiert und die Warnapp war ein Desaster und kann eingestampft werden.
    Jeder Tag ist kostbar und alle Kraft sollte dem schnellen Impfen dienen und nicht für irgendwelche Zuständigkeitsdiskussionen verschwendet werden. Jede Verzögerung bedeutet wieder viele Tote und in dieser Form spielt Herr Jens Spahn das Lied vom Tod und nicht das Lied vom Leben.

  33. Norbert Gassel sagt:

    Sie stellen den Impfstopp für Astrazeneca im Kommentar „Der richtige Schritt“ vom 16. März als unausweichlich dar. Ich halte dagegen diese Entscheidung für geradezu verantwortungslos. Ich bestreite nicht, dass es mit dem Impfstoff möglicherweise ein geringes Risiko gibt. Aber, durch den Impfstopp bekommen nun hunderttausende von Menschen ihren Impfschutz deutlich später, das wird zu einigen tausend zusätzlichen Erkrankungen führen und zu einem noch stärkeren Anwachsen der Fallzahlen führen. Unter den zusätzlich Infizierten werden mit Sicherheit einige schwer erkranken oder gar sterben. Wer die Statistiken kennt, kann das Risiko berechnen. Man nimmt also wegen des geringen potentiellen Risikos von Nebenwirkungen, die ich nicht verharmlosen will, ein berechenbares größeres Risiko in Kauf. Aber im Einschätzen von Risiken ist die Mehrheit der Bürger leider ungeübt.

  34. Werner Büttner sagt:

    Ich liebe schwarzen Humor, aber die Empfindungen der beiden Personen am Rande kann ich sehr gut nachvollziehen. Offenbar gehen uns die Lockdowns jetzt tatsächlich aus. Oder wie kann man das sonst verstehen, wenn z.B. die Kölner Oberbürgermeisterin in der Tagesschau mitteilt, jetzt „erst mal abzuwarten“, obwohl die Inzidenz in Köln bereits drei Tage über 100 liegt?
    Von „stabil unter 35“ ist schon eh keine Rede mehr, aber was um alles in der Welt soll man mit stabil (= drei Tage) über 100 anfangen? Da ist man gegebenenfalls auch schnell über 200, besonders wenn es bei Impfstoff und Schnelltests knirscht. Die Entscheidungsträger:innen hatten ein Jahr Zeit, sich über exponentielles Wachstum zu informieren – vergeigt! Keine Erinnerung mehr an die Befürchtung der Kanzlerin im September von 19 200 Neuinfektionen pro Tag zu Weihnachten, die wir dann schon an Halloween erreicht hatten?
    Man stelle sich vor, eine Tsunami-Warnung wird erst ausgesprochen, wenn die Welle bereits 100 Meter an Land ist. Na gut, dann kann man in der Tat mit der Evakuierung warten. Wie gesagt, ich liebe schwarzen Humor, bin trotzdem fassungslos.

  35. Dr. Ernst Girth sagt:

    Vor vierzig Jahren ging die „Liste demokratischer ÄrztInnen und Ärzte“ auf die Straße mit dem Slogan „Armut macht krank“. In der Ärzteschaft wurde das damals noch als Provokation angesehen, obwohl dies spätestens seit den Arbeiten des großen Arztes Virchow wissenschaftlich erwiesen ist. Der Titel dieses Artikels zeigt, dass sich seitdem nichts verbessert hat, im Gegenteil.
    Unter all der z.T berechtigten, oft aber auch besserwisserisch und wahlkämpferisch motivierten Kritik an der Bewältigung der Corona-Krise legt die Darstellung von Herrn Funk angenehm unaufgeregt den Finger auf eine Wunde, die bisher viel zu wenig beachtet wurde, eine Wunde, die zwar nicht durch Corona entstanden ist, aber deren Heilung durch die Pandemie immer schwerer wird.
    Darauf und auf die Verantwortung der Parteien, die Verteilungsdrift zwischen Arm und Reich endlich zu verkleinern, hinzuweisen ist in einem Wahljahr wichtig und hilfreich für alle WählerInnen. Die SPD hat wenigstens schon mal einen wie auch immer unzureichenden Anfang gemacht, die ausstehenden Programme der anderen Parteien sollten wir alle kritisch darauf abklopfen, was sie ursächlich gegen diese Dilemma anzubieten haben.
    Denn die Bewältigung der Krise hängt nicht nur an Masken, Schnelltests und Impfungen, sondern auch und ganz besonders an der Frage, wie wir die größte Gefahr für die Demokratie, die Verteilungsungerechtigkeit in unserem Land, ernsthaft erkennen und Maßnahmen dagegen ergreifen.

  36. Manfred Kirsch sagt:

    Stephan Hebel legt zu Recht seine Finger auf eine Wunde, die zumindest in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer schmerzhafter geworden ist. Ja, die Zahl derjenigen in dieser Republik, die immer ärmer geworden sind, hat sich während der Pandemie immer mehr gesteigert und das Armutsrisiko ist immer höher. Hier gilt es zu bemerken, dass Kritik an der bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, dem Kapitalismus, seit der Vereinigung Deutschlands immer seltener geworden ist. Eigentlich ist diese notwendige Kritik in den vergangenen Jahrzehnten nur noch von den Linken geübt worden. Offensichtlich ist auch bei jungen Menschen die konkrete Utopie des demokratischen Sozialismus, wie sie ursprünglich von den Sozialdemokraten vertreten wurde, nicht mehr angesagt. In meiner Zeit als Jungsozialist in den Siebziger- und Achtzigerjahren galt die Kritik am kapitalistischen Wirtschaftssystem zum Grundtenor linker sozialdemokratischer Gesellschaftskritik. Man muss heute daran erinnern, dass aus falsch verstandenem staatstragendem Habitus offenbar nicht mehr gesehen wird, dass das Grundgesetz die Existenz der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ja nicht vorschreibt, sondern ausdrücklich eine demokratisch-sozialistische Wirtschaftsordnung ermöglicht. Armut ist grausam, sie vererbt sich und ist in einem Menschenleben oftmals kaum zu überwinden. Papst Franziskus hat die Kritik an der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und dem daraus immer breitere Schichten der Bevölkerung erfassende Armutsrisiko auf den Punkt gebracht, indem er davon sprach, dass dieses Gesellschaftssystem tötet. Insbesondere in der derzeitigen Pandemie wäre es angebracht, dass es einen Lagerwahlkampf geben müsste zwischen auf der einen Seite der organisierten Rechten, also jenen, die als Strukturkonservative die bestehenden ungerechten Strukturen, von denen die Armut ausgeht, erhalten wollen und auf der anderen Seite der demokratischen Linken, die für Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden und politische Demokratie eintritt. Im Rahmen dessen müsste das Thema Armut und ihre Beseitigung zugespitzt werden. Armut, insbesondere Kinder- und Altersarmut, ist und bleibt ein gesellschaftlicher Skandal, dem sich die demokratische Linke mit zunehmender Energie widmen müsste. An die Armut darf es auch keine Gewöhnung geben. Wir brauchen eine Politik, die diesen Skandal endlich beseitigt und damit auch das demokratische Staatswesen stabilisiert.

  37. Matthias Plieninger sagt:

    Der Autor zitiert eine Studie des Robert-Koch-Instituts, die nachweist, dass die Covid-19-Sterblichkeit in sozial stark benachteiligten Regionen um rund 50 bis 70 Prozent höher liegt als in Regionen mit geringer sozialer Benachteiligung.
    Armut tötet. Das belegen viele Untersuchungen. In Armut lebende Frauen hatten in Deutschland schon vor Corona eine um ca. 5 Jahre kürzere Lebenserwartung, bei Männern verkürzt Armut das Leben um 8 Jahre. Besonderen Erkrankungsrisiken sind die Menschen ohne Krankenversicherung ausgesetzt. Davon betroffen sind Menschen ohne Papiere, EU-Bürger:innen ohne reguläre Arbeit und auch Deutsche.
    Global zeigt sich die Benachteiligung der armen Länder besonders krass: Viele haben keinen ausreichenden Zugang zu Impfstoffen.
    Weltweit sterben jedes Jahr Millionen Menschen an den Folgen der Armut wie zum Beispiel durch Hunger, verschmutztes Trinkwasser, vergiftete Luft, fehlende medizinische Versorgung, mangelnde Bildung, Migration.
    Es ist aber nicht die Armut, die tötet, sondern es sind die ungerechten Wirtschaftsstrukturen. Nur ein Beispiel: Die Fischereiflotten, auch der EU, fischen das Meer vor Westafrika leer.
    Lösungswege: Ein gerechtes Wirtschaftssystem. Umverteilung, mehr Geld für das Gesundheitssystem, das für alle offen sein muss, keine Rüstungsexporte. Gesundheitsfonds für die armen Länder. Aussetzen des Patentrechts für Impfstoffe.