Maskenpflicht: Wie nützlich ist dieses unbequeme Stück Stoff?

„Für den Einzelhandel ist es gut, wenn die Maskenpflicht, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig ist, abgeschafft wird“, sagt Stefan Genth, der Chef des Handelsverbandes Deutschland. Damit hat er sicher Recht: Für den Einzelhandel mag das gut sein. Wenigstens vorläufig. Weg mit den lästigen Masken! Wie soll man so vernünftig shoppen? Da gefällt es, dass mehrere Regierungen von Bundesländern haben erkennen lassen, dass sie überlegen, die Maskenpflicht abzuschaffen. Mecklenburg-Vorpommern etwa. Tatsächlich ist das Infektionsgeschehen derzeit gering, bis auf ein paar Hot Spots. Und mal ehrlich: Eine/-e jede/-r von uns wäre froh, diese Phase im Leben, diese leidige Pandemie, endlich hinter sich zu lassen. Es reicht! Nicht wahr?

MaskenpflichtSehr wahr! Nur fragt das Virus nicht danach, ob es uns reicht. Und es ist ein sehr merkwürdiges Virus. Die meisten Experten vermuten, dass es uns noch eine ganze Weile erhalten bleiben wird. Einige sagen sogar, dass es nicht wieder verschwinden wird, auch wenn US-Präsident Donald Trump das Gegenteil verbreitet. Das bedeutet, dass es so schnell keine Rückkehr zu dem geben wird und geben darf, was vor der Pandemie unsere Normalität war. Die Maskenpflicht ist dabei eher das kleinere Problem. Sie ist eher ein Symbol, an dem sich natürlich viele Menschen reiben. Weit wichtiger sind Verhaltensmaßregeln wie Abstand halten, in die Armbeuge niesen oder husten, gute Hygiene, aufeinander achtgeben. Damit können wir Menschenleben retten. Immer noch, obwohl die Zahl der Neuinfektionen derzeit niedrig ist. Denn die Erfahrung zeigt, dass das Virus jederzeit überraschend auftauchen kann. Und dann hat es sich im Handumdrehen verbreitet. Es hat die Fähigkeit, sich weitergeben zu lassen, bevor man seine Anwesenheit bemerkt. Und auch dies kann man nicht oft genug sagen: Es hat die Fähigkeit, sich mit exponenzieller Geschwindigkeit auszubreiten und dabei die Gesundheitssysteme zu überlasten – auch die von entwickelten Staaten, wie man in Italien zu Beginn der Pandemie sehen konnte. Wir dürfen also nicht unvorsichtig werden.

Aber diese Maske! Ich persönlich halte sie für grundsätzlich unnötig und habe hier im FR-Blog gegen die Einführung einer Maskenpflicht argumentiert. Jetzt plädiere ich dafür, sie beizubehalten. Gerade weil die Masken Symbole sind, erinnern sie die Menschen daran, dass dies keine normalen Zeiten sind. Denn viele Menschen – das muss ich leider immer wieder feststellen, etwa bei Einkäufen in der Stadt – haben beispielsweise die Abstandsregel noch immer nicht verinnerlicht. Sie verhalten sich, als ob nichts wäre. Wenn sie Masken tragen, während sie mir zu nahe kommen, ist zumindest die Gefahr reduziert, dass ich was von ihren Tröpfchen abbekommen könnte.

Darum, lieber Herr Genth vom Handelsverband Deutschland: Überlegen Sie mal, was für den Einzelhandel wirklich gut wäre. Nicht nur kurzfristig, weil es die Stimmung hebt, sondern mittel- und langfristig. Sie werden mir sicher zustimmen: Gut für den Einzelhandel wäre, wenn wir keinen weiteren Lockdown benötigen.

fr-debatteBequemlichkeit sollte kein Kriterium fürs Maskentragen sein

Kaum glaubt man, ein Nachlassen der Bedrohung durch das Virus zu erkennen (die Betonung liegt auf „glaubt“), werden Stimmen laut, die eine Aufhebung der Maskenpflicht fordern. Was ist denn so Schlimmes an diesem kleinen Stück Stoff, das wir aus Rücksicht auf unsere Mitmenschen tragen? Es ist eine sehr kleine Unbequemlichkeit – viel weniger unbequem als ein Korsett oder 15 Zentimeter hohe Stilettos oder pfundweise Metall, das einige am Körper tragen oder, oder, oder…..
Zugegeben, wir tragen die Maske nicht zur Verschönerung unserer Erscheinung, sie ist kein Statussymbol – wir tragen sie aus Rücksicht auf unsere Mitmenschen. Die Maske dient der Gesundheit der Menschen, mit denen wir Umgang haben. Als „Nebenwirkung“ mahnt sie auch, das Vorhandensein des Virus nicht zu vergessen. Unangenehmes vergessen zu wollen, ist nur allzu menschlich.
Was aber ist die Kehrseite der Medaille? Menschen, die Risikogruppen angehören, sei es, dass sie alt sind oder Vorerkrankungen haben, werden ausgegrenzt. Sie können nicht mehr einkaufen gehen, sie vereinsamen, werden depressiv. Und nicht zu vergessen: Die Gefahr eines erneuten Massenausbruchs der Seuche wächst, eines Ausbruchs, den wir nicht in den Griff bekommen. Wir müssen doch nur nach den USA, nach Brasilien, ja sogar nach Schweden schauen
Haben uns die Bilder aus Bergamo so wenig beeindruckt? Müssen wir die Leichen erst vor der Haustüre haben? Rücksichtnahme ist ein sehr wichtiger Bestandteil des menschlichen Umgangs. Sie macht das Zusammenleben von Menschen erst erträglich Und möglich und im vorliegenden Fall benötigt man dafür nur ein kleines Stück Stoff.
Selbstverständlich sollten alle, im Kampf gegen Corona ergriffenen Maßnahmen immer wieder auf ihre Nützlichkeit, ihre Effizienz, ihre Notwendigkeit überprüft werden. Bequemlichkeit sollte dabei aber kein Kriterium sein.

Christa Kreß, Gelnhausen

fr-debatteGroßversuch mit unvorhersehbarem Ausgang

Wer zum gegenwärtigen Zeitpunkt wegen geringer Infektionszahlen/-raten dafür plädiert, die Vorgaben zum Tragen von Mund-/Nasen-Masken in öffentlichen geschlossenen Räumen zu beenden, der verwechselt nach meiner Überzeugung Ursache und Wirkung: Die geringen Infektionsraten sind nicht zuletzt der Vorgabe zum Tragen von Masken zu verdanken. Ein Verzicht darauf könnte über kurz oder lang zu einem erneuten Anstieg der Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 führen.
Es gibt sicher Personen, denen das Tragen einer Mund-/Nasen-Maske nicht zuzumuten ist und lästig dürfte es vielen anderen Menschen ebenfalls sein. Das Virus ist jedoch auch in Mecklenburg-Vorpommern nicht aus der Welt, und ein Verzicht auf die Maskenpflicht kommt einem „Großversuch“ mit unvorhersehbarem Ausgang gleich.

Peter Gentner, Neu-Anspach

fr-debatteSöder tut alles  für seine „Untertanen“

Ja, ich muss es zugeben, auch ich bin ein großer Maskenfan, aber mir sind die Masken an der Wand oder die Masken in der Vitrine lieber, als diese Masken im Gesicht.
Markus Söder und seinem Gefolge ist die „absolute“ Gesundheit seiner „Untertanen“ besonders wichtig, eine wahre Herzensangelegenheit, und dafür tut er alles. Eine richtige Wahl hat hier leider niemand! Bei der „Qualmerei“, als Beispiel, da überlässt er diese Enscheidung, „rauchen ja oder rauchen nein“, ganz demokratisch seinem (Wahl-) Volk“ selbst.

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

fr-debatteWie ich lebend aus der Sache rauszukommen gedenke

Durch die umfassende, ausgewogene und verschiedene Meinungen respektierende und wiedergebende Berichterstattung der Frankfurter Rundschau, auch über kontroverse wissenschaftliche Einschätzungen zu Corona, ist mir erst klar geworden, auch durch Ihren heutigen Bericht zur Reisezeit, wie die aktuelle Lage ist: hochriskant. Das Virus lauert draußen bei aktuell noch 5002 infizierten Menschen von 83 Millionen Einwohnern in Deutschland. Um lebend aus der Sache rauszukommen, lüfte ich als Ärztin meine Wohnung nur mit Maske und behalte sie danach mindestens drei Stunden auf, da sich die Aerosole mit dem Virus bis zu drei Stunden, nach Einschätzung des Robert Koch Instituts, in der Luft halten können.

Petra Knauer, Frankfurt

fr-debatte

Verwandte Themen

37 Kommentare zu “Maskenpflicht: Wie nützlich ist dieses unbequeme Stück Stoff?

  1. Bei der Corona-Pandemie werden insbesondere zwei Phänomene sichtbar, die man auch aus anderen Zusammenhängen kennt. Zum einen erfordern tiefgreifende Veränderungen, die von Naturkatastrophen, Seuchen oder internationalen Machtkämpfen (Kriegen) ausgelöst wurden, vorübergehend oder auf Dauer neue Rahmenbedingungen für Alltagsleben, Ausbildung und Beruf sowie für das gesellschaftliche Miteinander. Zum anderen setzen Interessensgruppen ihre Begehrlichkeiten mit denen der Allgemeinheit gleich. Und Randgruppen schreien nach Befreiung, wenn sie sich von Recht und Gesetz beeinträchtigt fühlen.

    Falls Abstand, Maske und Hygiene die Ausbreitung des Virus nachweislich eindämmen (und die Vergleiche mit anderen Länder sprechen dafür), müssen sie solange als zusätzliche Grundregeln für das öffentliche Leben akzeptiert werden, bis es wirksame Impfstoffe und Medikamente gibt. Die Kreativität des Einzelnen ist dann aufgerufen, dennoch für eine hohe Lebensqualität sorgen. Neue Formen der Arbeitsorganisation in Produktionsbetrieben zeigen, dass dieses möglich ist und dass sie sogar Potentiale für eine zukunftsträchtige Wirtschaft enthalten.

    Gegenbeispiele sind die Brot-und-Spiele-Events einer neuen Egoismus-Kultur, die sich vor allem unter jüngeren Menschen in Großstädten breitmacht. Ihre Markenzeichen sind Rücksichtslosigkeit und Gewaltbereitschaft. Vor den Corona-Beschränkungen waren spezifische Verwahranstalten (einschlägige Clubs und Diskotheken) ihre Refugien. Nun drängen sie auf die Straßen und Plätze und reklamieren Rechte für sich, die sie nicht haben und die man ihnen niemals zubilligen darf.
    Ihnen verwandt sind die Sprecher von Wirtschaftsverbänden, welche die Maskenpflicht infrage stellen, weil ein Teil der Konsumenten mit Maske bewusster einkauft. Und auch wählerischer ist bei der Auswahl von Urlaubsregionen, Hotels und Restaurants. Wo aber ein Stück Stoff das Funktionieren von Angebot und Nachfrage beeinträchtigt, ist grundsätzlich dem Angebot zu misstrauen, jedoch nicht der Maske.

  2. Die Art und Weise, in welcher die USA den Versuch unternimmt, der internationalen Welt den Zugriff auf das Medikament Remdisivir zu entziehen, stellt eine erhebliche Pervertierung des Groß- und Hyperkapitalismus dar und genau diese Art und Weise hat immer wieder dafür gesorgt, daß es in der gesamten Menschheitsgeschichte eine erhebliche Hexenjagd auf den Kapitalismus sowie auf die Aktionisten der Marktmacht gab. Ebenso gibt es denjenigen ein erhebliches Fahrwasser, welche von vorneherein an der wirklichen Politik der Pandemie gezweifelt haben. Von Anbeginn der Pandemie gab es eine erhebliche Anzahl von Mitbürgern, die den USA die Ursache von Corona zuschrieb und zwar aus dem Grunde weil eine sehr wichtige Präsidentenwahl in Amerika ansteht. Was könnte Donald Trump nun besser zu Gesichte stehen, als daß er sich als Retter der amerikanischen Bürger oder vielleicht der Welt profilieren könnte. Es ist allerdings unverständlich, daß in Europa, wo dieses Medikament zumindest mitentwickelt und mit erheblichen Mitteln mitgefördert wurde, bei der Förderungszusage keine Zweckbindung mit der Erstbelieferung für die europäischen Bürger und vielleicht der Dritten Welt vereinbart wurde. Bei einer Lieferung dieses Medikamentes in diesem Umfang ausschließlich an die USA mit diesem Präsidenten, muß sich die Pharmaindustrie, wie nebenbei bemerkt derzeitig auch in der Frage des Handels mit der Volksrepublik China, den Vorwurf gefallen, daß sie wiederholt für dein reinen Profit regelrecht über Leichen geht. Einen Dämpfer gibt es allerdings in der Hinsicht, daß aus Sicht der Mediziner dieses Medikament keine Impfwirkung also keinerlei Vorbeugung verspricht sondern lediglich eine Verkürzung des Krankheitsverlaufes ermöglicht, von daher ist nicht unbedingt mit einer Eindämmung der Neuinfektionen zu rechnen.

  3. Es kam wie erwartet: Kaum hat die mallorquinische Regionalregierung aus wirtschaftlichen Gründen die Insel für den Tourismus wieder geöffnet, kommen neben Freunden der Naturschönheiten auch die klassischen Ballermanntouristen, sprich die Saufköpfe. Aber anstatt diese trotz formaler Androhung drastischer Strafen, vor allem für die profitgierigen Wirte, in die Schranken zu weisen, werden die bekannten Sauf-HotSpots der Deutschen und Briten offensichtlich von den Behörden aus Geldgier toleriert. Nicht nur „Geld stinkt nicht“, auch Covid-19 für die Saufköpfe und die dortigen Behörden.
    Für mich steht jedenfalls fest, dass wenn ich im August für eine Woche zum Wandern auf diese schöne Insel fliege, dass ich zwar auf dem Hinflug eine Standard-Gesichtsmaske im Flugzeug tragen werde, aber auf dem Rückflug eine professionelle FFP-2-Maske, um nicht Ballermann-/Ischgl-Opfer zu werden.

  4. In Deutschland ist es verboten, Hunden den Schwanz zu kupieren (zu entfernen), weil ein Hund ohne Schwanz anderen Hunden nicht mehr seine Gefühle und seine innere Einstellung mitteilen kann. Sie behandeln ihn dann aggressiv und abweisend. Wir Menschen brauchen für genau diese Kommunikation unser Gesicht. Die Maskenpflicht ist im Grunde eine Gesichtsamputation, die verhindert, dass wir fremde Menschen kennenlernen, bzw. ein gutes Gespräch führen können.
    In den 1960er Jahren hieß es noch: Kein Sex vor der Ehe! In 2020 heißt es sogar: Keine Berührung ohne gemeinsame Wohnung! Wie sollen denn junge (und alte) Menschen einen Partner finden, falls tatsächlich in den nächsten Monaten und Jahren kein wirksamer Coronaimpfstoff gefunden wird — was ja die Meldung „Antikörper werden weniger“ (FR 13.07.2020 S. 5) nahe legt. Die Coronamaßnahmen sind nach wie vor ein Hammer, der soziale Kontakte zerstört.
    Die schlimmste Horrorvorstellung allerdings ist es, alt und krank zu werden. Das Leben im Heim war schon vor Corona nicht ideal. Aber jetzt bedeutet es Abschied von allen geliebten Menschen und Eintritt in eine fremde, abgeschlossene Zwischenwelt, in einen Warteraum auf den Tod. Die aktuelle Besuchsregelung hilft da kaum. Wir können auf Dauer so nicht leben. Wir müssen wieder mit freiem Gesicht geliebte und fremde Menschen treffen und berühren dürfen. Mindestens im Sommer!

  5. Warum immer wieder diese Diskussion? Das Virus ist da. Wir haben keine heilenden Medikamente und keine schützende Impfung. Ein kleines Stück Stoff und ein wenig Abstand mehr sind die Mittel der Wahl. Und wohl auch die einzigen. Die Maske stört, sicher, aber sie ist in diesen Zeiten ein sichtbares Zeichen der Rücksichtnahme, des Respektes und der Prophylaxe. Diese Maßnahmen in Frage zu stellen, verharmlost die Situation und stellt Freiheitsrechte des „Anderen“ zur Disposition. Ich glaube auch, dass die gesamte Kommunikation – dieses Aufteilen in Risikogruppen, die, wie ein Wettbewerb unter Landesfürsten wirkende, Exit-Debatte und schließlich auch der Disput um den Wert des Lebens „angezettelt“ von Herrn Schäuble – ein Meinungsklima schaffen sollte, in dem das Virus und seine Risiken weniger relevant sind. Stattdessen sollte die Debatte um die schnelle Rückkehr zum – einige Beispiele – Shopping, zur Event-Kultur, zum Strandurlaub (mit leider auch dokumentierten Exzessen) zum Davor die öffentliche Meinung bestimmen. Diese Eile ist ein Fehler, dient vorrangig dem Kommerz und erst dann der „Freiheit“ und der Gesundheit. Es gibt keine Neue Normalität. Eine Pandemie ist nie normal. Sie ist immer eine Ausnahmesituation. Und wer von neuer Normalität spricht, nutzt das Wort, um Illusionen zu fördern. In den USA und Südamerika wütet das Virus – durch keine Maske gehindert – und tötet zigTausende. Die Balearen haben Konsequenzen gezogen und die Sauf-und Partymeile geschlossen. Woanders gilt jetzt und wieder die Maskenpflicht. Der Maske sei (neben anderen Maßnahmen) Dank, dass die Pandemie hier in Grenzen gehalten wurde. Und dabei soll es auch bleiben. Genauso wie bei der Pflicht, in bestimmten Situationen diesen Schutz zu tragen.

  6. Wenn man die Maske abschaffen will braucht es einen Ersatz. Dieser Ersatz könnte die App sein. Sie müsste allerdings auch von sicher mehr als 50 Millionen genutzt werden. Da es so viele Menschen aber offensichtlich nicht gibt die der App eine solche Chance geben wollen kann die Maske auch nicht so schlimm sein.

  7. Heute fuhr ich in der U-Bahn Richtung Ginnheim und habe mich sehr über eiine Gruppe von 3 jungen Männern geärgert, die keine Masken trugen. Nach ein paar Haltestellen kamen noch 4 oder 5 weitere Jugendliche dazu, die ebenfalls keine Masken trugen, ja sie sogar beim Begrüßen ihrer Kumpels herunternahmen und wegpackten. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt und war kurz davor, sie anzusprechen, habe mich das allerdings dann doch nicht getraut. Denn schon zweimal habe ich in der letzten Zeit Berichte darüber gelesen, daß es in solchen Situationen zu gewalttätigen Übergriffe gekommen war gegen diejenigen, die auf die Maskenpflicht hingewiesen hatten. Jetzt frage ich mich, wie ich mich in einer solchen Situation verhalten soll: spreche ich die Gruppe an, riskiere ich Aggressionen gegen mich. Sage ich nichts, fühle ich mich ohnmächtig und bin u.U. gesundheitlich gefährdet. Bisher habe ich erlebt, daß sich fast alle Fahrgäste an die Mundschutzrpflicht gehalten habe, bis auf wenige Ausnahmen. Jetzt muß ich befürchten, daß dieser Konsens bröckelt. Langsam sollte sich der VGF etwas einfallen lassen, wie sie mit dieser Situation umgeht. Wer kümmert sich darum? Ich jedenfalls verspüre keine Lust, das mit meiner durchaus vorhandenen Zivilcourage persönlich auszufechten. Und ich frage mich, ob eigentlich ein Bußgeld vorgesehen ist, falls sich jemand wiederholt nicht an die Maskenpflicht hält… Es würde mir gefallen, wenn ich ab und zu mehr Sicherheitspersonal in den Öffentlichen Verkehrsmitteln sehen würde, die für die Einhaltung der Regeln sorgen. Wenn der VGF sich darum nicht wirksam kümmert, werde ich es vorziehen, die Öffentlichen Verkehrsmittel zu meiden, wo es geht.

  8. In Deutschland ist es verboten, Hunden den Schwanz zu kupieren (zu entfernen), weil ein Hund ohne Schwanz anderen Hunden nicht mehr seine Gefühle und seine innere Einstellung mitteilen kann. Sie behandeln ihn dann aggressiv und abweisend. Wir Menschen brauchen für genau diese Kommunikation unser Gesicht. Die Maskenpflicht ist im Grunde eine Gesichtsamputation, die verhindert, dass wir fremde Menschen kennenlernen, bzw. ein gutes Gespräch führen können.
    In den 1960er Jahren hieß es noch: Kein Sex vor der Ehe! In 2020 heißt es sogar: Keine Berührung ohne gemeinsame Wohnung! Wie sollen denn junge (und alte) Menschen einen Partner finden, falls tatsächlich in den nächsten Monaten und Jahren kein wirksamer Coronaimpfstoff gefunden wird — was ja die Meldung „Antikörper werden weniger“ (FR 13.07.2020 S. 5) nahe legt. Die Coronamaßnahmen sind nach wie vor ein Hammer, der soziale Kontakte zerstört.
    Die schlimmste Horrorvorstellung allerdings ist es, alt und krank zu werden. Das Leben im Heim war schon vor Corona nicht ideal. Aber jetzt bedeutet es Abschied von allen geliebten Menschen und Eintritt in eine fremde, abgeschlossene Zwischenwelt, in einen Warteraum auf den Tod. Die aktuelle Besuchsregelung hilft da kaum. Wir können auf Dauer so nicht leben. Wir müssen wieder mit freiem Gesicht geliebte und fremde Menschen treffen und berühren dürfen. Mindestens im Sommer!

  9. Weithin bekannt sind bebilderte Anleitungen, mit denen die richtige Benutzung einer Toilettenbürste erklärt wird. In einem Linienbus kam mir der Gedanke, dass man entsprechende Bilder auch für Masken und Visiere verbreiten sollte. Im Bus fielen mir drei Fahrgäste auf, die originelle Beispiele für Bilder der Kategorie „fast richtig“ darboten. Einer trug seine Maske meistens richtig. Aber wenn er zu seinem Sitznachbarn sprach, trug er sie nur fast richtig, nämlich so, dass sie seinen Mund nicht mehr bedeckte. Sein Sitznachbar trug ein Visier statt einer Maske. Allerdings nur fast richtig, nämlich hochgeklappt. Ein weiterer Fahrgast erinnerte sich wohl, dass man eine Maske so tragen soll, wie ein Mann eine Unterhose trägt. Was ihm aber anscheinend nicht klar war: Wenn die Unterhose noch unten rutscht, soll die Maske trotzdem weiterhin die Nase bedecken. Bilder nach dem Vorbild der Toilettenbürsten-Anleitungen erscheinen mir geeignet, solche schlecht informierten Fahrgäste aufzuklären. Schließlich gibt es ja auch inzwischen nur noch wenige Menschen in Deutschland, die Toilettenbürsten lediglich fast richtig benutzen.

  10. Am 19.7. bin ich abends mit der U-Bahn Richtung Ginnheim gefahren. In meinem Abteil saß eine Gruppe älterer männlicher Jugendlicher (5 Personen), keiner trug eine Mund-Nasen-Maske. Ich habe kurzzeitig überlegt,die Jugendlichen auf die Maskenpflicht hinzuweisen oder den Fahrer-Ruf zu betätigen, habe es aber dann unterlassen,weil dies die Jugendlichen sicher bemerkt hätten und sich außer meiner Freundin keine weiteren Fahrgäste im Abteil befunden haben. Ich konnte die mögliche Reaktion der Jugendlichen nicht einschätzen und wollte auch kein Risiko eingehen. Ich habe mich sehr unwohl gefühlt. Ich nehme wahr, dass die Maskenpflicht im Bereich des ÖPNV immer stärker unterlaufen wird und muss mir überlegen, ob ich unter diesen Bedingungen weiterhin den ÖPNV nutzen kann. Ich halte diese Situation für absolut nicht zufriedenstellend.

  11. Es ist ein geringer Aufwand, eine Maske zu tragen, daher besitze ich wenig Verständnis für die Stimmen, die sich gegen das Tragen aussprechen. Schaut nach New York, schaut in die eigene Heimatstadt und denkt nach, was Euch unsere Lage in D und die Gesundheit wert ist.

  12. Einiges von dem, was jetzt in der akuten Corona-Zeit an Schutz und Hygiene notwendig geworden ist, sollte durchaus in das Alltagshandeln übernommen werden, in sog. Danach-Zeit, sofern wir so davon sprechen können. Etwa im öffentlichen Verkehrsbetrieb, in geschlossenen Räumen oder in Geschäften.
    Wie in Zukunft etwa eine Schutzmaske zu nutzen sei, wird man neu sehen müssen. Es ist jedenfalls keine Zumutung sich daran zu gewöhnen, das man sich und andere in Zukunft besser schützen sollte. Deshalb ist ein Maskengebot durchaus etwas Bleibendes. Vielleicht kommt man ja irgenwann mal so weit, diese chronische Aufregung um Freiheitseinschränkungen abzulegen und sich um wesentliche Sorgen und Probleme zu kümmern, statt nützliche Spielregeln für den achtsamen gesellschaftlichen Umgang miteinander in den Wind zu schlagen.
    Vielleicht kommt man dann auch dazu, statt eines Streites um eine Maskenpflicht, über ein MaskenGEBOT zur Einsicht in die Notwendigkeit.

    Angesichts des Glücks, das wir insgesamt in Deutschland mit der Pandemie hatten (jedenfalls bisher), sollten wir vielleicht bestimmte Tugenden entdecken, die dieser rastlosen Gesellschaft guttun würden: Demut, Dankbarkeit, Rücksichtnahme …
    Es bleibt dann immer noch genug an gesellschaftlichem Stoff, um Kritik, Protest, Widerstand zu üben bzw. zu veranstalten.

    Denn die Pandemie hat Mißstände und soziale Schieflagen ans Tageslicht gebracht, die noch viel Arbeit bedeuten werden.

  13. Ich stimme den vorgenannten Kommentaren von Gerhard Keller und U. Noll zu:

    Es mutet schon seltsam an, dass es einerseits eine Maskenpflicht für bestimmte Bereiche wie Läden oder öffentliche Verkehrsmittel gibt, andererseits aber gegen Leute, die sich, aus Ablehnung gegen Vorschriften, Besserwisserei oder gar bewusstes Anstecken anderer, dagegen wehren, Masken anzulegen, in keinster Weise vorgegangen wird.

    Damit berufen sich dann wieder andere auf deren Verhalten, vor allem aber führen solche Vorschriften ins Leere, wenn manche im Zug sitzen und ungestraft ohne Maske weiterfahren dürfen, während die Verkehrsteilnehmer, die sich an die Vorschriften halten, hinterher die Leidtragenden sind, weil sie möglicherweise angesteckt wurden.

    Wenn Vorschriften erlassen werden, sollte auch deren Einhaltung verfolgt werden.

  14. @ U.Noll http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-58843
    „… schaut in die eigene Heimatstadt …“

    Na, dann tun wir dies doch mal. Vorab: Frankfurt hat rund 750.000 Einwohner. Dazu kommen noch täglich ca. 370.000 Pendler.

    Seit dem 03.03.2020 bis heute wurden nach RKI-Angaben nach https://interaktiv.tagesspiegel.de/lab/karte-sars-cov-2-in-deutschland-landkreise/ für Frankfurt folgende Zahlen veröffentlicht:

    1) 1897 als infiziert Gemeldete
    2) 87 aktive Fälle
    3) 68 Todesfälle (seit Wochen unverändert)
    4) 52 Neuinfektionen in den letzten 7 Tagen

    In viereinhalb Monaten (!) waren – ausgehend von der reinen Einwohnerzahl also

    1) 0,25% ingesamt als infiziert gemeldet
    2) 0,01% aktiv als infiziert gemeldet
    3) 0,009% Todesfälle
    4) 0,006% Neuinfektionen innerhalb einer Woche

    Als infiziert (d.h. positiv auf COVID-19 getestet) gelten zusammengefasst:

    – ohne Symptome
    – leicht erkrankt
    – schwer erkrankt
    – hospitalisiert
    – unter Intensivbehandlung

    Aus „anekdotischer Evidenz“ (also eigener Beobachtung) kann ich sagen, dass von den Kassiererinnen meines hiesigen ALDI-Marktes, die ja jeden Tag Kontakt mit unzähligen Menschen hatten und haben, keine einzige seit Anfang März wegen Krankheit ausgefallen ist. Inzwischen tragen sie auch keine Mund-Nasen-Bedeckungen mehr (oder nur nach eigenem Gutdünken).

    Mein Hinweis lautet daher ganz einfach: Wesentlich ansteckender als COVID-19 ist die permanente mediale Panikmache – halten Sie sich fern davon!

  15. @ Rolf Weber

    Wo bitte ist eine Panikmache?

    Seien wir doch froh, dass es so glimpflich aussieht. Dazu trägt ganz bestimmt das Maskentragen bei.
    Der ALDI-Markt hat sowieso seine eigenen Gesetze.

  16. zu @ Rolf Weber
    Die Zahlen die sie dankenswerterweise so ausführlich dargelegt haben sind das Ergebnis der Maßnahmen der letzten Monate. Es gibt keinen einzigen Grund anzunehmen das Ergebnis würde genau so aussehen wenn diese Maßnahmen nicht getroffen worden wären. Im Gegenteil, es gibt ja Länder die diese Maßnahmen so nicht getroffen haben die man als Vergleich heran ziehen kann. Manche nehmen da gerne Schweden. Dieses Land ist dazu aber nicht geeignet. Es ist viel dünner besiedelt als D. Trotzdem haben sie dort mehr als 5 mal so hohe Todeszahlen pro 100000 Einwohnern als D. Ich halte da als Vergleich Belgien oder GB für aussagekräftiger. Diese Länder haben es auf 6-8 mal so hohe Zahlen gebracht. Wie schnell man in eine 2. Welle rein rutschen kann sehen wir derzeit in Luxemburg und Spanien. Panik an ich da bestenfalls in den Ländern erkennen die versucht haben einen anderen Weg zu gehen. Bei denen die das nicht wahr haben wollen vermute ich eher Unwissenheit oder Dummheit.

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/corona-zahlen-1.4844448

  17. Dumm, dümmer , Ballermann!
    So oder ähnlich könnte man das Verhalten derer bezeichnen, die sich um die auch auf Mallorca geltenden Regeln nicht einen Deut scheren. Mein erster Gedanke war es auch, zu sagen: Macht den Laden zu ! Doch das wird m.E. all denen, auch Gastwirten, nicht gerechnet. Wegen des schlimmen Fehlverhaltens einiger weniger sollen viele bestraft werden, Touristen, Unternehmer, Einheimischen. Besser wäre es, die Polizeipräsenz zu erhöhen, konsequent zu bestrafen- bis hin zur sofortigen Ausreise – und ggf. gezielt Lokale für eine bestimmte Zeit zu schließen.
    Vielleicht gibt es noch eine zweite Chance… und wenn diese nicht genutzt wird, dann ist wirklich der Laden zu. Möglicherweise üben auch die ansässigen Unternehmen genug Druck auf diejenigen aus, denen nur der schnelle Profit wichtig ist, aber die sich um Nachhaltigkeit nicht kümmern. Auch Prominente Künstler könnten hier wirken und ihre Prominenz Photovoltaik einbringen.
    Mallorca ist eine wunderbare Insel und sollte darunter nicht übermäßig “ leiden“. Daher appelliere ich nicht nur an die Dummen ( die bekanntermaßen nie aussterben) , sondern an alle Mallorca- Reisenden: Haltet die Regeln ein, denn wir wollen hier in Deutschland deswegen keine steigenden Fallzahlen haben.

  18. zu @ Reinhard Matthies
    Das Problem gibt es doch nicht nur am Ballermann? Gestern konnte man bei Frontal 21 sehen was in Österreich abgeht und was am Opernplatz war geht letztlich auch in die Richtung. Was passieren wird wenn es wirklich eine zweite Welle gibt kann man derzeit in Israel sehen. Die Frage ist doch sind die Dummen in der Mehrheit.

    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-731841.html

  19. Ich weiß nicht, ob Frau Bremer so schlecht informiert ist oder aufgrund einer Agenda bewusst verfälschend argumentiert. Jedenfalls darf sie sich selbstverständlich mit geliebten und auch fremden Menschen treffen, ohne Abstand und ohne Maske: In der Öffentlichkeit mit neun weiteren oder sogar noch mehr Personen, sofern sie aus nur zwei Haushalten stammen. Im privaten Raum ist es jedem selbst überlassen und auch große Familienfeiern sind möglich. Sie kann sogar zu einer Party auf einem öffentlichen Platz gehen – zwar eigentlich nicht erlaubt, aber doch stillschweigend toleriert, sofern nicht gerade Flaschen auf Polizisten geworfen werden. Und da die entsprechende Klientel eben einfach gewalttätig wird, wenn sie die „Einschränkungen nicht mehr ertragen“ kann, wird es sicher auch bald wieder Cluböffnungen und Fußballspiele vor Publikum geben, egal, was das für das Infektionsgeschehen bedeutet und wo zehntausende Tests pro Woche esentlich sinnvoller eingesetzt wären.
    Auch die „kommunikationsverkrüppelnde“ Maske muss keineswegs dauernd und überall getragen werden, sondern nur in bestimmten Situationen: Geschäfte und ähnliche geschlossene öffentliche Räume, Verkehrsmittel, Wege ohne ausreichenden Abstand bei Freizeitaktivitäten. Es bleiben also genug Möglichkeiten, mit freiem Gesicht mit Menschen zu kommunizieren.
    Wer „trotz Corona“ frei leben will, wird bereits durch die aktuell noch bestehenden und immer weniger werdenden Einschränkungen keineswegs massiv daran gehindert. Und weitere Lockerungen bzw. die Duldung von Übertretungen werden im Zweifel einfach ertrotzt. Es gilt das fragwürdige Recht des Stärkeren und Rücksichtsloseren.
    Das Nachsehen haben dabei diejenigen, die sich schützen wollen/müssen, denn für sie ist jeder Schritt in die Öffentlichkeit, jede Freizeitaktivität ein zunehmendes Wagnis, wenn immer weniger Regelungen verbindlich gelten. Sobald man sich unter Menschen begibt, muss man damit rechnen, dass sich niemand um Abstand schert, und kann schon froh sein, wenn auf eine Bitte um entsprechende Um- und Rücksicht nur mit Unverständnis und nicht mit Patzigkeit reagiert wird. Gar nicht zu reden von der unmöglichen Situation, auf der Arbeit der gefühlt letzte Mensch zu sein, der noch so weit wie möglich Abstand und Kontaktreduzierung zu betreiben versucht.
    Diese Menschen hat aber niemand im Blick, denn sie randalieren nicht in Innenstädten herum und fordern auch nicht über lautstarke Lobbys Milliardenentschädigungen ein. Sie ringen still und leise mit sich und den Umständen, um Fassung und Durchhaltevermögen.
    Zu einer möglichen Agenda von Frau Bremer passt übrigens auch der Pessimismus hinsichtlich einer Impfung mit Verweis auf den Rückgang von Antikörpern. Die Fachleute sind sich in diesem Fall allerdings einmal einig: Der Rückgang dieser (leicht) nachweisbaren Antikörper ist keineswegs ungewöhnlich und hat wenig bis nichts damit zu tun, ob sich der Körper bei erneutem Kontakt mit dem Virus zur Wehr setzen kann. Der entscheidende Faktor dafür steckt nämlich im „Gedächtnis“ des Immunsystems.
    Geben wir doch – mit vernünftigem, aber zumindest nach aktuellem Stand in Deutschland keineswegs unzumutbare Einschränkungen erforderndem Verhalten – den zahlreichen Forschungsgruppen die Monate, die sie benötigen, um festzustellen, ob und welcher Impfstoff funktioniert. Wenn der schlimmste Fall eintreten sollte und keiner davon wirkt, können wir uns immer noch überlegen, wie ein Leben mit Sars-CoV-2, aber ohne Impfstoff gestaltet werden kann und wen oder was wir dafür opfern müssen. Bis dahin sollten wir unnötige Opfer aber soweit wie möglich zu vermeiden versuchen.

  20. Wie können wir die Masken und die Corona-Angst wieder loswerden?
    Lassen Sie uns mal nach den Hoffnungs-Momenten in den täglich auf uns einströmenden Corona-Nachrichten suchen!

    1. Zu den Neuinfektionszahlen:
    Gott sei Dank handelt es sich hier nur zu einem kleinen Teil um Menschen, die wirklich erkrankt sind. Eine symptomlos oder milde verlaufende Corona-Infektion ist keine mit Leiden verbundene Krankheit sondern ein gesunder Prozess im Körper, bei dem das Immunsystem den Eindringling besiegt – besser als es jedes Virostatikum könnte. Jede milde verlaufende Infektion bringt uns dem Ziel der Herdenimmunität und damit dem Masken-freien öffentlichen Leben näher! Die Corona-Stationen in den Kliniken sind bei weitem nicht ausgelastet – also ist die Kurve momentan flach genug. Vergessen wir gleichzeitig auch nicht, dass die Corona-Tests eine Fehlerquote von mindestens 1% aufweisen – wenn mehr getestet wird, werden wir auch mehr auch mehr falsch-positive Ergebnisse bekommen.

    2. Zur Forschung am Corona-Impfstoff:
    Wenn es keinen Corona-Impfstoff geben sollte, der mehr Nutzen als Schaden bringt (wer hat eigentlich das zweifelhafte Privileg, Versuchsperson für so einen neuartigen RNA-Impfstoff zu sein?), lasst uns beizeiten Maßnahmen und Wege suchen, die den menschlichen Körper in seiner Lebens- und Abwehrkraft stärken! Bedauerlicherweise sind in den RKI-Hinweisen zu Covid-19 für Ärzte vom 22.7.2020 keinerlei Präventionsmaßnahmen oder -Vorschläge enthalten. Stärken wir unser Immunsystem doch durch eine gesunde Lebensweise mit Bewegung, guter Ernährung, genügend Schlaf etc. und durch Vermeiden von Belastungen durch Luftverschmutzung, Rauchen, Stress, Angst u.a.! Auch auf die Vitaminversorgung sollten wir achten. Das sind vergleichsweise billige Maßnahmen, die Menschenleben und Gesundheit bewahren.

    3. Zu den schweren Krankheitsverläufen
    Wenn es keine Pharmazeutika gibt, die bei einem ernsten Covid-19-Verlauf heilend wirken, dann lasst uns doch mal ohne Scheuklappen neue-alte, kostengünstige und effektive Behandlungsmethoden wie Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin u.a. ausprobieren! Dazu gibt es in anderen Ländern (USA, Indien, China, GB) wie auch hierzulande zuhauf überzeugende Erfahrungen. Eine knappe, nüchterne Einschätzung der Hufelandgesellschaft zum Thema ist hier zu finden:
    https://www.hufelandgesellschaft.de/fileadmin/Dokumente/Positionspapier_der_Hufelandgesellschaft_zu_COVID-19.pdf

    4. Zur Corona-Opposition:
    Seien wir froh, dass die Todes- und Krankheitsrate viel niedriger ist als bei anderen Epidemien wie Cholera oder Malaria! Ansonsten käme kein Mensch auf die Idee, gegen Eindämmungsmaßnahmen zu protestieren. In einer Demokratie bedeutet Minderheitenschutz, auch Minderheitenmeinungen zu beachten und in die Gesellschaft d.h. auch in die öffentlich geschätzte Meinungsvielfalt zu integrieren. Bemühen wir uns im Sinne des Toleranzparadoxons um eine gute Diskussion zwischen diesen verschiedenen Meinungen!

  21. Haben wir als Gesellschaft eine mutige Antwort auf die Herausforderung des Covid-19 Virus gefunden? Die Antwort lautet: Nein! Fast alle haben sich Mühe gegeben, Hilfsbereitschaft und vermeintlich einsichtiges Verhalten gezeigt. Doch beim genaueren Hinsehen ist unser Verhalten vor allem durch Angst geprägt. Es gibt nur noch die eine große Bedrohung. All unsere Ängste sind allein auf das Virus fokussiert. Alle anderen Probleme sind in den Hintergrund gerückt. Wir haben kein Vertrauen. Kein Vertrauen in unseren Körper, der im Kampf gegen den Virus unterliegen könnte. Diesmal nützt es scheinbar nichts, fit zu sein und sich gesund zu ernähren. Die Seuche kann jeden befallen. Den Kindern sieht man es nur nicht an, dass sie das Virus haben. Wie geheimtückisch! Als Individuum befürchten wir das Schlimmste, nämlich, einen tödlichen Verlauf. Wären wir nicht etwas zuversichtlicher, wenn wir tatsächlich noch an ein Nachleben glauben würden? Fürchten wir uns besonders stark vor dem Tod, weil es für uns nur dieses eine Leben gibt, das wirklich zählt? Dieses eine Leben, in der Devise ist, gesund zu sein, jung auszusehen und lange zu leben? Als Gesellschaft insbesondere als deren Gesundheitswesen befürchten wir, viel zu wenige Intensiv-Betten zu haben. Denn auf eine Pandemie waren wir trotz Warnungen gar nicht vorbereitet. Nun warten wir auf den ersehnten Impfstoff. Die Wissenschaft soll uns retten. Genauer gesagt, sie soll uns endlich von unserer Angst erlösen.
    Anstatt eines mutigen Umgangs mit dem neuen Corona-Virus gibt es bis jetzt einen Schrecken ohne Ende. Unsere Lebensqualität ist eingeschränkt, unser Kulturleben liegt am Boden und die Wirtschaft ist bedroht. Wir erwarten eine zweite, womöglich eine dritte und – wie lange soll es so weiter gehen?
    Mutig wäre es, als Einzelner zu sagen: Wenn es mich erwischt, so ist meine Zeit vielleicht gekommen. So, wie ich Auto fahre, obwohl es tödliche Unfälle gibt, werde ich mich trauen, hinauszugehen und mein Leben zu gestalten und zu genießen. Nur dort, wo jedermann hingehen muss, werden Masken getragen. Alles andere sollte dem Ermessen des einzelnen Individuums, der einzelnen Schule, des einzelnen Kulturveranstalters und Geschäftsmanns überlassen werden. Mut sollten die Politiker haben, den Bürgern und den Institutionen zu vertrauen! Der Bürger sollte seine Mündigkeit zurückerhalten, und nicht, wie ein Kleinkind beschimpft werden, wenn er „uneinsichtig“ ist. Die flache Kurve der Neu-Infektionen wird dann wohl steiler werden. Mut müssen wir haben, eine steilere Kurve auszuhalten, bis sich die sogenannte Herdenimmunität einstellt. Wenn das Virus nicht verschwindet, muss die Menschheit auf dem ganzen Globus den Mut aufbringen, mit ihm zu leben!

  22. @ Susan Kreuter

    Ihr Vertrauen in den mündigen Bürger in allen Ehren, aber so wie Sie das vorschlagen, wird es nicht funktionieren. Corona ernst zu nehmen, heißt in dieser schwierigen Zeit schon etwas mehr als den Dingen ihren Lauf zu lassen.

    Der mündige Bürger zeichnet sich auch dadurch aus, dass er in Notzeiten Regeln einhält zum eigenen Schutze und zum Schutze seiner Mitmenschen. Sicher gibt es Situationen,die nicht klipp und klar zu regeln sind. Aber es bleibt bei vernünftigen Prinzipien: Rücksicht, Verantwortlichkeit, Masken, Abstand, Hygiene!

    Der Mut ein Einzelner zu sein: Ein guter Appell. Aber bezogen auf die Pandemie-Krise, ändern sich einige hervorragende Grundsätze. Oder anders ausgedrückt: Auch der Individualismus sollte seine Grenzen haben. Das hat nichts mit Unterwerfung und bloßem Gehorsam zu tun. Ein Stichwort wäre zum Beispiel: Gemeinwohl!
    Zwischendurch meine allgemeine Leseempfehlung: „Die Pest“ von Albert Camus. Kann helfen.

    Niemand wird wie ein Kleinkind beschimpft, wenn es „uneinsichtig“ ist. Aber es hat auch etwas Kindisches, sich gegen alles zu stemmen, was den eigenen Seelenfrieden stört, die eigenen Spielräume beeinträchtig oder unsere herrschende Lebensqualität als das Nonplusultra zu sehen.

    Angst bestimmen wir schon ein Stück selbst. Niemand hat mir in den letzten Monaten Angst bereitet. Die Corona-Verweigerer eher schon oder die Massenurlauber …

    Sie fragen, wie lange das noch weitergehen soll? Das weiß keiner und wer das weiß, der muss ein Prophet sein.
    Die Herdenimmunität ist bestimmt nicht die beste Idee (siehe Schweden) für ein besseres Leben. Mit der Pandemie (und das wird wahrscheinlich nur eine von weiteren sein)zu leben, ist jetzt erst einmal angesagt.
    Eine steilere Kurve wünsche ich mir jedenfalls nicht, aber wenn wir es dem Einzelnen überlassen, wie er sein Leben in der Gemeinschaft leben will, dann wird’s steil.

  23. @ Susan Kreuter http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-59176

    Danke für Ihre gleichzeitig persönliche und sachliche Einlassung. Ja, Ratlosigkeit gegenüber Risiken erzeugt ein Gefühl, das als Angst bezeichnet wird. Seit jeher ist das Schüren solcher Angst das meistverwendete Mittel der Politik, indem dem Bürger seine Hilflosigkeit ganz drastisch vor Augen geführt wird. Das fing z.B. mit den „Kolonnen von Lastwagen mit Särgen in Bergamo“ an und findet sich in den täglichen Corona-Meldungen wieder, in denen die über inzwischen mehr 5 Monate kumulierte Zahl an gemeldeten Covid-19-Infektionen in den Vordergrund gestellt wird.

    Oder denken Sie an den hyperventilierenden Hysteriker Lauterbach (SPD-Politiker), dessen ständige apokalyptische Visionen ich auch noch durch Zwangsbeiträge des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks finanzieren muss! Das ist so etwas wie das Greta-Thunberg-Syndrom: statt den Menschen die Angst zu nehmen, werden sie in ihren meist irrationalen Ängsten auch noch bestärkt!

    Es gibt eine, in der Arbeitswelt bewährte, Methode, mit Risiken umzugehen: die Risikomatrix nach Nohl. Dabei werden Risiken nach zwei Parametern und 4, manchmal 5, Merkmalen beurteilt (klassifiziert). Die zwei Parameter sind 1. die Eintrittswahrscheinlichkeit und 2. die vermutete Schadenshöhe. Diese werden nach den Merkmalen sehr gering, gering, mittel, hoch, sehr hoch klassifiziert.

    So ist z.B. die vermutete Schadenshöhe eines Kobrabisses als sehr hoch zu bewerten (tödlich!), die Wahrscheinlichkeit, dass man im Frankfurter Messeturm von einer Kobra gebissen wird, aber sehr gering. Deswegen eine Taschenkontrolle aller Mitarbeiter und Besucher bei Ankunft und Verlassen das Gebäudes anzuordnen und auf jedem Stockwerk eine größere Menge eines Antidots einzulagern: wer hielte das für sinnvoll?!

    Bezogen auf Covid-19 liegt mir eine solche klare Risikobewertung staatlicher Stellen bisher nicht vor. Dabei ist staatliches Handeln, insbesondere wenn es in die Rechte und das Alltagsleben der Bürger eingreift, an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebunden. Abgesehen davon, dass Eingriffe nur aufgrund eines Gesetzes erlaubt sind, gelten die drei Grundsätze: die Maßnahmen müssen geeignet, erforderlich und angemessen sein.

    Dass Gerichte, nicht nur z.B. in Gütersloh wg. Tönnies, Maßnahmen als rechtswidrig zurückgewiesen haben, sollte bekannt sein. Entsprechende Einlassungen finden sich nicht nur bei hochrangigen Juristen, sondern werden in Fachkreisen – z.B. auf Verfassungsblog.de – breit diskutiert.

    Ich habe weiter oben ja eine Klassifizierung anhand des Krankheitsgrades (von „asymptomatisch“ bis „intensivmedizinisch zu versorgen“) angegeben http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-58847.

    Es wäre doch Aufgabe der Presse, nicht nur die „1.600 Corona-Infizierten bei Tönnis“ zu skandalisieren, sondern der Öffentlichkeit im Nachgang auch mitzuteilen, wieviele dieser Infizierten tatsächlich behandlungsbedürftig waren (von einwöchiger Krankschreibung und häuslcher Bettlägerigkeit bis hin zu intensivmedizinischer Behandlung). Ich vermute: Sturm im Wasserglas!

    Das DIVI-Intensivregister, das in Zusammenarbeit mit dem RKI die aktuelle Belegungssituation intensivmedizinischer Bereiche der Krankenhaus-Standorte Deutschlands aufzeigt, meldet für den 12.08.2020 14:00 Uhr:

    1. Gesamtzahl aktuell betreibbarer Intensivbetten: 30.486 (gestern: 30.380)
    2. COVID-19-Fälle aktuell in Behandlung: 225 (gestern: 233)
    3. davon aktuell invasiv beatmet: 138 (gestern: 139)

    Also: „Keep calm and carry on!“ wie der Engländer sagt.

  24. @ Rolf W.

    Was soll das denn? „Hyperventilierende Hysteriker Lauterbach“? „Greta-Thunberg-Syndrom“?
    Ihre Paradebeispiele von Risikobewertungen usw.?
    Eines noch: Die Auslassungen über das Schüren von Angst. Nirgendswo in soliden Mediensendungen passiert das. Eher beängstigend wie ignorant bekannte ‚Zeitgenossen‘ mit der der Pandemie umgehen.

    Es scheint Ihnen jedenfalls prima zu gehen. Also dann: „Carry on“!

  25. @ Jürgen Malyssek http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-59198

    Danke Ihrer Nachfrage: ja, mir geht es – auch als Teil einer Risikigruppe – tatsächlich gut.

    Gerne liefere ich Ihnen 3 Quellen, die mich zu meiner Einschätzung des Herrn Lauterbach gebracht haben. Eine Talkshow, die ich mir bei einem Besuch bei Bekannten antun musste, bestärkte mich in meiner Meinung.

    Das Informationsportal für Hoteliers, Gastronomen, die Zulieferindustrie und alle an der Branche Interessierten namens „Tageskarte“ berichtet über den neuesten Coup des rührigen Herrn Lauterbach. Unter der Überschrift „Corona-Hysterie: SPD-Politiker Karl Lauterbach will Hotels meiden – Hoteliers finden das gut“ wird über einen Lauterbachschen Tweet berichtet.

    „Neue gut gemachte Studie zeigt, dass asymptomatische Infizierte große Virusmenge im Hotelzimmer ausbreiten. Kopfkissen, Bettdecke etc. Da sich das Virus dort lange hält werde ich selbst Hotelübernachtungen weiter auf das absolute Minimum beschränken…“

    Hoteliers, die den Tweet von Lauterbach kommentieren, greifen den Politiker scharf an und verwenden dafür so prägnante Hashtags wie #dummschwaetzer #schwarzmaler oder #mentalkiller.

    https://www.tageskarte.io/hotellerie/detail/corona-hysterie-spd-politiker-karl-lauterbach-will-hotels-meiden-hoteliers-finden-das-gut.html

    Auch der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit ist auf den Hans-Dampf-in-allen-Corona-Gassen Lauterbach wegen dauernder Corona-Panikmache sauer. In einem Interview mit dem Hamburger Abendblatt sagt er: „Ich nenne das dysfunktionale Dramatisierung. Solche Äußerungen führen zu einer Dauer-Aufgeregtheit und können zu einer Corona-Müdigkeit führen. Und das ist hochgefährlich.“

    Schmidt-Chanasit äußert sich dabei übrigens auch zur Sinnlosigkeit einer allgemeinen flächendeckenden Maskenpflicht

    https://www.focus.de/regional/hamburg/wegen-dauernder-corona-warnungen-hamburger-virologe-attackiert-spd-mann-lauterbach-das-stimmt-alles-nicht_id_12189507.html

    Der Neurobiologe Ernst Pöppel schmettert Lauterbachs Aussage „Coronavirus könne bleibende Hirnschäden verursachen“ empört mit den Worten ab: „Hat von Hirnforschung keine Ahnung“ Eine solche Äußerung dürfe man weder als Wissenschaftler noch als Politiker tätigen – denn für Hirnschäden durch das Coronavirus gebe es keinerlei wissenschaftliche Beweise.

    https://www.focus.de/gesundheit/news/hat-von-hirnforschung-keine-ahnung-hirnschaeden-durch-coronavirus-neurobiologe-zerlegt-lauterbach-aussage_id_11842650.html

    Bei einer Talkshow im ÖRR trafen zwei Herren aufeinander. Der eine zeichnete sich durch strukturiertes Denken, eine klare Argumentation und daraus folgendem souveränen Auftreten aus. Der andere, als „Experte“ vorgestellt, versuchte, mit fahrigem und sprunghaftem Äh-ja-also-Gestammel geringen Inhalts zu punkten. Der eine: Tübingens OB Palmer, der andere: Karl Lauterbach.

  26. Als erstes ist das Erreichen einer Herdenimmunität sehr unwahrscheinlich, da die bisherigen Nachuntersuchungen von Infizierten zeigen, das eine Immunität sehr unwahrscheinlich ist.
    Zweitens ist Angst eine gesunde Reaktion auf eine bedrohliche Situation.
    Drittens empfiehlt sich eine gesunde Lebensweise unabhängig von Corvid-19, schützt aber nicht vor der Gefahr einer Ansteckung.
    Viertens das Einhalten der Präventionsmaßnahmen (AHA) ist kein Zeichen von Untertanenverhalten und/oder Angstmachen, sondern Achtung vor dem Leben (bes. meiner Mitmenschen) und Beitrag zu einem bestmöglichen Alltag mit dem Virus, wie es zur Zeit erforderlich ist. Es ist ein wichtiges Signal in dieser Ausnahmesituation zur Abkehr von dem Ich-AG Verhalten hin zu Solidarität.

  27. @ Jürgen Malyssek http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-59198

    Sollten Sie Verständnisschwierigkeiten bzgl. der Risikomatrix nach Nohl haben, beantworte ich Ihnen diese gerne. Oder haben Sie Schwierigkeiten dabei, den Grundgedanken auf das aktuelle Pandemie-Geschehen zu übertragen? Auch bei dieser geistigen Transferleistung bin ich Ihnen gerne behilflich.

    Ich selber habe zwei kleine Nachfragen:

    1. Was sind „solide Mediensendungen“ und wo finde ich Sie?
    2. Wer sind denn die von Ihnen herbeigemunkelten „bekannten ‚Zeitgenossen'“?

  28. @ Elke Muschiol

    Danke Ihnen erst einmal für Ihre Klarheit in der Haltung. Man hat es ja auf einmal mit einer neuen Übermacht der Experten-Experten zu tun.

  29. @ Rolf Weber

    Der Aussagewert einer Risikomatrix (z.B. im Arbeitsschutz) ist zu vernachlässigen, sie hat sich als weitestgehend unbrauchbar erwiesen. Deswegen herrscht in modernen Betrieben eine konkrete Risikobewertung vor (was sich jedoch beim Bundesinstitut für Risikobewertung noch nicht völlig herumgesprochen hat). In einer neueren Veröffentlichung („Hering/Schloske: Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse“), die an den Universitäten weit verbreitet ist, wird darauf dezidiert eingegangen.
    Lediglich bei den Planspielen höherer Militärs scheinen Matrizes noch eine Rolle zu spielen, was kein Wunder ist. Denn der Mensch ist dort im Wesentlichen auf seine Funktion reduziert (Kämpfer, Verwundeter mit Aussicht auf Genesung bei geringem medizinischen Aufwand, Kriegsuntauglicher bzw. Toter). Im Gesundheitswesen verbieten sie sich aus ethischen Gründen. Allerdings ist davon auszugehen, dass kommerzielle Klinikbetreiber dennoch darauf zurückgreifen.

    Für potentiell von Covid-19 Betroffene (und das ist jeder!) spielen statistische Spielereien deswegen keine Rolle. Für die in Frankfurt als infiziert gemeldeten 1897 Personen lässt sich aktuell nicht nachweisen, ob sie weitere angesteckt haben. Falls solche Fälle aber entdeckt wurden, könnten sie in anderen Orten aufgefallen sein (Pendler). Oder sie blieben unentdeckt (z.B. wegen „milder“ Verläufe). Aus der Tabelle lässt sich nicht entnehmen, ob die Hauptgruppe trotz Symptomfreiheit tatsächlich virusfrei ist und auch keine Spätfolgen zu befürchten hat. Folglich besteht die Möglichkeit einer (zumeist von beiden Seiten ungewollten) Begegnung im öffentlichen Raum, aber auch in Geschäften oder Gaststätten. Deswegen bedarf es verbindlicher Schutzregeln (Abstand, Maske, Hygiene).

    Sollten beim Discounter ALDI tatsächlich die Kassiererinnen die Wahl haben zwischen „Maske“ und „keine Maske“, dürfen sich diejenigen ohne Maske glücklich schätzen, mich nicht bedient zu haben. Denn ich bewerte eine solche und ähnliche Haltung als Angriff auf meine Person und mache „Theater“. Das „Gesetz- und Verordnungsblatt für Hessen, Nr. 24/2020 vom 08.05.20, das die Corona-Schutzregeln enthält, führe ich vorsorglich stets mit; denn nicht alle Polizeistreifen kennen es auswendig.

    Panikmache? Nein. Sondern Artikel 1, Absatz 1 des Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Der Begriff Würde meint, wie die folgenden GG-Artikel näher ausführen, auch Gesundheit. Und die Pflicht, diese Gesundheit gegenseitig zu schützen. Auch dann, wenn es unbequem ist.

  30. Rolf W.

    Da Sie sowie alles besser wissen und wir von der Lebenseinstellung scheinbar meilenweit auseinanderliegen, werde ich diese Diskussion so nicht weiterverfolgen.

    Aber auf Ihre Fragen und Ihre Lauterbach-Ablehnung noch dies:

    Zu Lauterbach habe eine ganz andere Meinung wie Sie und hysterisch ist er schon mal gar nicht.
    Die Hotelgeschichten mit und um Lauterbach interessieren mich wenig.
    Die Talkshow (Maischberger), bei der Palmer und Lauterbach diskutierten, habe ich gesehen.
    Ein Gestammel von Lauterbach habe ich nicht ausmachen können, Vorsicht und Nachdenklichkeit schon. Palmer ist ein Typ, der nicht nur vor Selbstüberzeugung strotzt, ein Gegenüber prallt bei ihm sowieso locker ab. Souverän ist für mich was Anderes. Da sitzen sich zwei Welten gegenüber. Dennoch: Das Gespräch war trotzdem auf Augenhöhe.

    Sie müssen mir bezüglich Verständnisschwierigkeiten für Risikobewertungen nicht weiter behilflich sein. Diese „geistige Transferleistung“ schaffe ich schon noch. Gewiss: Der Experte sind Sie.

    Zu Masken ja/nein hat Frau Muschiol oben entsprechendes gesagt, was ich unterstreiche.

    Zu Ihren „zwei kleinen Nachfragen“:

    – Solide Mediensendungen (mal abgesehen von Printpresse) sind: „FAKT“, „Monitor“, „Report“, „Frontal 21“ in den Öffentlich-Rechtlichen. Wenn auch abends spät, so teils hervorragende Dokus, ebenfalls bei den Öffentlich-Rechtlichen. Bei Arte sowieso.

    – „Zeitgenossen“: Die dürften Sie auch alle bekannt sein. Meine die Promis, die sich jetzt bei den Anti-Corona-Demos zusammenrotten, zuletzt haben sich auch alte „Fußballweltmeister“ zu Wort gemeldet (etwa Thomas Berthold), dann die veganen Kochkünstler (ich vergesse gerne deren Namen), Bücherschreiber (zuletzt Sucharit Bhakdi), Jebsen & Co, die Verschwörungstheoretiker eben, die neuen Freiheitskämpfer …

    „herbeigemunkelt“ ist gut – Die Kandidaten bewegen sich auf offener Bühne.

    P.S.: Bin auch Teil der Risikogruppe – „carry on!“

  31. Ob Herr Lauterbach noch in Hotelbetten schläft oder gut aussieht in einer Talkshow ist nicht wirklich wichtig wenn es darum geht wie und ob man das Coronaproblem lösen kann. Nach meiner Meinung braucht es wie eigentlich immer wenn komplexe Probleme anstehen eine klare Beschreibung des Istzustandes. Sehr positiv ist das es von den Istzuständen auf der Welt sehr viele gibt die man vergleichen kann. Zum Beispiel hat D. 10x so viele Coronatote als Japan. Man sollte sich genau anschauen was die einzelnen Länder gemacht haben und wie erfolgreich sie mit ihren Maßnahmen waren. Dann sollte ein kurzfristiger Sollzustand festgelegt werden in dem man das übernimmt was sich wo anders bewährt hat und Fehler die woanders gemacht worden sind vermeidet. Ich kann mir nicht vorstellen das es ein Land geben wird das seine Bürger auffordert sich ungeschützt zu versammeln und laut Liebe und Freiheit zu rufen um mal ein negativ Beispiel aufzuzeigen. Etwas dümmeres kann man sich zur Coronavirusbekämpfung kaum einfallen lassen. Das Virus zu ignorieren hat sich auch schon in mehreren Ländern nicht bewährt. Das Ganze wäre eine kurzfristige Austroknungsstrategie. Für nächstes Jahr sollten auch Sollzustände beschrieben werden die je nach Fortschritt der Medizin angepasst werden. Es gibt Länder die schon erfolgreich das Virus eingedämmt haben. Wenn wir das auch erreicht haben sollten die Einschränkungen mit dem medizinischem Fortschritt abgeschafft werden. Wie weit man so kommt wird man sehen und ich denke Ende nächstes Jahr neu beurteilen müssen.
    Wie unterschiedlich erfolgreich die Länder sind beim Eindämmen des Coronavirus kann man in dem Link gut sehen.

    https://www.sueddeutsche.de/wissen/corona-zahlen-1.4844448 .

  32. Mutig sollen wir uns also dem Virus stellen, liebe Frau Kreuter? Wenn ich infiziert bin, sage ich: „So what? Dann bin ich halt dran, sterbe, meine Zeit ist abgelaufen.“ So einfach ist das also. Aber nein, liebe Frau Kreuter, so einfach stirbt es sich nicht. Haben Sie mal miterlebt, wie infizierte Menschen auf der Intensivstation um ihr Leben kämpfen? Ich nehme an, nein. Sie fallen nicht einfach tot um, sie kämpfen um ihr Leben. Die meisten fürchten sich tatsächlich nicht vor dem Tod, so wie Sie es sich wünschen. Nein, sie fürchten sich vor dem Davor. Ich gratuliere, dass Sie Vertrauen haben in ihren Körper, der, falls Sie sich infizieren sollten, das Virus schon bekämpfen wird. Aber was nützt es Ihnen? Fast jeden Tag erfahren wir von Ärzten, dass selbst bei ausbleibenden Symptomen innere Organe massiv geschädigt sein werden, z. B. das Herz. Und Ihre Hoffnung auf Herdenimmunität können Sie knicken. Ein ausführlicher Beitrag in der FR informierte uns längst darüber, dass es die nicht gibt. Also entscheide ich mich weiterhin als mündiger rücksichtsvoller Bürger, der andere schützen will und hofft, dass die anderen auch mich schützen, für die Maske. Und nicht nur dort „… wo jeder hingehen muss …“

  33. Heute konnte man in den Nachrichten hören das es noch gut 8000 freie Intensivbetten in D. gibt. Die letzten Wochen haben wir eine Verdopplungsrate von ca 3 Wochen. Wenn wir so weiter machen wird es im laufe des Oktober kritisch. Das Virus mit den derzeitigen medizinischen Möglichkeiten laufen zu lassen ist Unsinn. Das werden auch die letzten Träumer im Herbst merken. Es geht wohl nicht anders.

  34. Frau Kreuter vergleicht das Risiko einer Corona-Infektion mit dem eines Autounfalls. Dieser Vergleich ist gut geeignet, meine Einstellung zum Thema Corona zu veranschaulichen. Ich weiß, dass Autofahren gefährlich ist, für Fahrer und Beifahrer. Aber ich kann mir ein Leben ohne Autofahren nicht vorstellen. Daher nehme ich das Risiko eines Autounfalls auf mich. Diese Entscheidung halte ich für vernünftig. Rennfahrer nehmen ein viel höheres Risiko auf sich. Vermutlich können sie sich ein Leben ohne Autorennen nicht vorstellen. Daher halte ich auch ihre Entscheidung für vernünftig. Wesentlich dafür ist, dass bei offiziellen Autorennen das Unfallrisiko im Wesentlichen auf die Rennfahrer begrenzt ist. Anders beurteile ich leidenschaftliche Raser, die private Autorennen durch Innenstädte organisieren. Ihr Verhalten ist im moralischen Sinne unvernünftig, da sie Unbeteiligte gefährden. Menschen, die bewusst gegen Corona-Schutzregeln verstoßen, sind nicht mit Rennfahrern vergleichbar, sondern mit kriminellen Rasern. Frau Kreuter spricht sich zwar, wenn ich sie richtig verstehe, nicht für Regelverletzungen aus, sondern für Lockerungen. Aber wenn ich diesen Gedanken auf Autofahrer übertrage, scheint er mir dem Wunsch vergleichbar zu sein, dem Prinzip „Freie Fahrt für freie Bürger“ Vorrang vor dem Sicherheitsbedürfnis vernünftiger Verkehrsteilnehmer zu gewähren. Dass ich die Corona-Schutzregeln beachte und mich sogar vorsichtiger verhalte als vorgeschrieben, ist auch und vor allem durch Rücksichtnahme auf meine Mitmenschen motiviert. Am meisten fürchte ich mich vor der Vorstellung, unsere Krankenhäuser könnten, weil sie überlastet sind, Patienten sogar eine Sterbebegleitung verweigern. So wie das seinerzeit in Italien der Fall war und in Südamerika weiterhin der Fall ist. Zu den Menschen, die ähnlich über Corona denken wie Frau Kreuter, gehören viele Impfgegner. Ich gehöre zu den Impfbefürwortern. Meiner Auffassung nach sollte es für diese beiden Gruppierungen kein Problem sein, sich auf einen Kompromiss zu verständigen, wenn sie ihre Befürchtungen wechselseitig ernst nehmen. Impfgegner fürchten sich vor einem Impfzwang. Impfbefürworter halten das für unbegründet. Sie sollten dennoch den Impfgegnern versprechen, Seite an Seite mit ihnen zu demonstrieren, wenn es irgendwann einen Impfzwang geben sollte. Von den Impfgegnern kann man eine angemessene Gegenleistung erwarten. Sie sollten die Furcht der Impfbefürworter vor Corona-Infektionen ernst nehmen und dazu beitragen, die Wahrscheinlichkeit solcher Infektionen gering zu halten. Wenn sie in öffentlichen Verkehrsmitteln mit einen Stück Stoff Mund und Nase bedecken, ist das schon mal ein guter Anfang.

  35. @ Stefan v. Wachter http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-59019

    leider ist mir Ihr Beitrag erst heute aufgefallen, als ich danach schaute, welche Reaktionen auf meine Beiträge ich noch bearbeiten müsste. Auf die bekannte Frage „Und wo bleibt das Positive (, Herr Kästner)?“ kann ich Ihnen mit einem Hinweis dienen, hier im Blog http://frblog.de/stellenabbau/#comment-59239

    Ich werde in Bronskis Moderationspause einen weiteren Link einstelle, den ich Ihnen hier ohne weitere Kommentierung präsentiere https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/frankfurter-forscher-finden-jetzt-indikator-fuer-schwere-covid-19-verlaeufe/

  36. @ Elke Muschiol http://frblog.de/maskenpflicht/#comment-59182

    „Als erstes ist das Erreichen einer Herdenimmunität sehr unwahrscheinlich, da die bisherigen Nachuntersuchungen von Infizierten zeigen, das eine Immunität sehr unwahrscheinlich ist.“

    Es wäre hilfreich, wenn Sie Ihre Behauptung durch Angabe der Quelle, idealerweise durch einen Link, untermauern könnten. Ich könnte ja meinerseits die Behauptung in den Raum stellen, dass in D eine Herdenimmunität längst erreicht ist – und zwar bereits bei einer Infektionsquote von 40%.“

Kommentarfunktion geschlossen