Ganz Deutschland am rassistischen Pranger

Achtzehnmal hat der Täter zugestochen, ehe jemand einschritt. Tatort: ein Gerichtssaal in Dresden. Täter: ein 28-jähriger Russlanddeutscher, der bereits ein Jahr zuvor verurteilt worden war, weil er sein Opfer als „Islamistin“ und „Terroristin“ bezeichnet hatte. Das Opfer: Marwa S., schwanger. Ihre Herkunft: Ägypten. Dort kocht die Wut jetzt hoch, unter anderem deshalb, weil die deutsche Politik mal wieder zu lange gewartet hat, ehe sie was tat – und sich entschuldigte. Seitdem erreichen mich viele empörte Zuschriften: Müssen wir uns da überhaupt entschuldigen? Siehe weiter unten. Ich beginne den Reigen jedoch mit dem Leserbrief von Gudrun Nositschka aus Mechernich:

„Immer wieder werden Frauen in Deutschland als Zeuginnen oder Klägerinnen von Männern vor Gericht ermordet oder attackiert, unabhängig davon, ob sie einer Religionsgruppe angehören oder nicht, ob sie ein Kopftuch tragen oder nicht, welcher Nationalität sie sind. Diese Angeklagten haben es nicht ertragen, dass eine Frau sie in einem Streit in ihre Schranken gewiesen, sie angezeigt hat und/oder nun gegen sie aussagt. Die schändlichen Attacken dieser Männer beruhen allein auf Frauenfeindlichkeit, hier mit Islamophobie vermischt.
Als jahrelange Schöffin erlebte ich Frauenverachtung von Männern verschiedener Herkünfte, die immer mit einem eigenen, erhöhten männlichen Selbstwertgefühl einherging. Ich plädiere dafür, dass in Streitfällen, in denen Männer angezeigt wurden, die Frauen beleidigt und/oder attackiert haben, der Angeklagte immer vorher auf Waffen durchsucht wird und ein Justizbeamter im Saal ist. Noch besser wäre eine allgemeine Eingangskontrolle.“

Ertrud Geigens aus Essen:

„Unglaublich: Ein Mensch mit russischem Migrationshintergrund kann mit seiner Untat dafür sorgen, dass ganz Deutschland an einen rassistischen Pranger gestellt wird. Im Iran gehen Tausende wegen des furchtbaren Mordes in Dresden auf die Straße, werden dort aber nie gesehen, wenn eine Muslimin ‚ehrenhalber‘ abgestochen wurde.“

Gerhard Behrendt aus Bielefeld:

„Als am 10. Februar ein Türke in Groß Börnecke bei Magdeburg eine im achten Monat schwangere Deutsche regelrecht abschlachtete, meldete keine Zeitung etwas über diese grauenvolle Tat! Auch die Frankfurter hat nichts geschrieben! Ist das nicht seltsam?
Aber über Dresden regt sich sogar die islamische Gemeinde in Deutschland auf, nur nicht über von Türken begangene „Fememorde“, wovon ich allein in diesem Jahr 98 Fälle archivieren konnte! Da ist der Fall von Hatun Sürücü aus Berlin, vom eigenen Türken-bruder abgeknallt, oder der Dor-stener Türke, der seiner Frau auf offener Straße die Kehle durchschnitt! Ich könnte weiter aufzählen, aber der Platz würde nicht reichen.“

Huda Zammar aus Stade :

„Ich möchte meine Trauer wegen des Todes von Marwa el S. äußern. Wie kann in einem deutschen Gerichtssaal ein Mensch achtzehnmal erstochen werden, ohne dass Hilfe kommt? Und wie kann dann der Mann angeschossen werden, obwohl er seiner Frau helfen wollte? Warum passiert dies?
Was aber noch trauriger ist, ist die wenige Reaktion in der Öffentlichkeit. Sind Muslime denn weniger wert als ein deutscher Bürger, wenn sie sich für Recht und Ordnung einsetzen? Vielleicht können wir gemeinsam eine Antwort suchen. Aber Traurigkeit und Enttäuschung überwiegen momentan bei mir, wenn ich die Berichterstattung in den deutschen Medien sehe und die deutschen Politiker höre.“

Herbert Klupp aus Rüsselsheim:

„Niemand steht auf in Europa, wenn die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi von persischen Mullahs mit dem Tode bedroht wird. Niemand hält Mahnwachen, wenn Christen in Pakistan und anderen islamischen Ländern verfolgt, vertrieben und getötet werden. Es gab keine öffentlichen, an die islamische Welt gerichteten Aufrufe zur Toleranz, als die jungen deutschen Entwicklungshelferinnen im Jemen hingemordet wurden wegen ihres Glaubens, und es gibt auch keine Lichterketten in Deutschland, wenn, wie jetzt in Bagdad, reihenweise Kirchen angezündet und Christen verfolgt und getötet werden.
Zu Tausenden stehen unsere Gutmenschen aber auf, wenn eine muslimische Ägypterin von einem durchgeknallten Russlanddeutschen niedergestochen wird. Statt hier den tragischen Einzelfall zu sehen, suhlt man sich im guten Gewissen, gegen ‚Fremdenfeindlichkeit‘ aufgestanden zu sein. Auch die hundertfache Ermordung junger deutscher Muslimas, die einfach nur westlich frei leben wollten, lässt die Moralisten schweigen. Hätten unsere Gutmenschen hundert Augen, wären sie blind auf neunundneunzig.“

42 Kommentare

  1. Michael Dittrich sagt:

    Dem Beitrag von Herbert Klupp kann ich nur beipflichten und Herr Zammar aus Stade(2 Beiträge davor), ist genau das Beispiel dafür. Hat er sich zu Wort gemeldet als muslimische Töchter aus sogenannter Ehre von Brüdern und Vätern ermordet wurden? (mehr will ich gar nicht aufzählen).

  2. Yannick Otto sagt:

    Ich kann allen Beiträgen bis jetzt nur zustimmen. Es ist unverständlich, dass es möglich ist in einem Gerichtssaal jemanden zu töten. Doch es ist genauso traurig die Medien und Politiker mit der Öffentlichkeit gleichzusetzen, so wie Huda Zammar es tut. Wenn sich ein Deutscher verbal zu weit aus dem Fenster lehnt, dann wird ganz Deutschland verpöhnt und muss den Buhmann stellen. Ist die gesamte deutsche Bevölkerung für das Geschehene verantwortlich? Keine Zeitung hat Applaus geklatscht, und die öffentlichkeit hat keine Freudentänze veranstaltet. Kein Land kann etwas für die Straftäter, die überall herumlaufen. Schaut man mal in die andere Richtung, so fällt einem folgendes auf: von der islamischen Welt hört man keine Entschuldigungen wenn deren Mitglieder hier in Mitteleuropa gegen die Etikette verstoßen. Beschwert man sich über das Fehlverhalten (ich habe es mal vorsichtig ausgedrückt), so wird gleich wieder „Rassismus“ und „Intoleranz“ geschrien. Toleranz für Intoleranz, wenn es das ist, was von Deutschland gefordert wird, dann möchte ich kein Deutscher mehr sein. Das ständig aufgezwungene Fremdschämen für die unmöglichsten Taten und Äußerungen von mir Fremden wird mit der Zeit sehr anstrengend.

  3. N. Hartmann aus Frankfurt am Main sagt:

    Wieder zeigt sich die typische Reaktion auf den Mord in Dresden: Ablenken, aufrechnen, relativieren. Rassistische Übergriffe auf Ausländer gehören nun seit 20 Jahren zum Alltag in Deutschland, aber es handelt sich immer nur um irgendwelche „durchgeknallte Einzeltäter“; den „Gutmenschen“, die den alltäglichen Rassismus bei uns anprangern, wird in Ferkelsprache unterstellt, sie „suhlten“ sich in ihrem guten Gewissen. Wenn aber ein „Ehrenmord“ begangen wird (bei den „normalen Deutschen“ nennt man das „Familiendrama“), dann ist das gleichsam Teil des Islam. Zu der Tat in Groß Börnecke kann man dann Kommentare lesen wie „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht besseres als ein Musel findet“ oder „Wer sich mit Hunden schlafen legt, soll sich nicht über die Flöhe wundern“.
    Dabei ist Unterdrückung von Frauen nicht typisch muslimisch, sondern Ausdruck eines archaischen Gesellschaftssystems, wie es auch noch in anderen, nichtmuslimischen Gesellschaften existiert. Eine Untersuchung der Bundesregierung ergab, dass bei uns Frauen aus der ehemaligen SU ebenso häufig von Gewalt in der Ehe bedroht sind wie Türkinnen. Handel mit Frauen aus Osteuropa gäbe es nicht ohne die entsprechende Nachfrage bis hinauf in prominente Kreise.
    Die Aufrechner und Relativierer übersehen mehrere Dinge: Auch bei sogenannten Ehrenmorden wie an Hatun Sürücü oder Morsal Obeidi gab es öffentliche Anteilnahme, auch von Muslimen; Beziehungstaten gibt es unabhängig von Stand, Herkunft oder Religionszugehörigkeit, man muss nur an Eifersuchtstaten „normaler“ deutscher Männer oder an die sich häufenden Morde „normaler Deutscher“ an Babys und Kleinkindern erinnern; und schließlich: Wer sich als etwas Besseres betrachtet und jede Gelegenheit wahrnimmt, sich von Muslimen abzuheben, denen man Passivität bei vergleichbaren Taten vorwirft, kann nicht ernsthaft die öffentlichen Reaktionen auf den Mord von Dresden verurteilen. Ganz daneben sind Vergleiche mit Irak oder Iran und die typisch deutsche Mentalität, den Menschen dort, die von Terror und Diktatur geplagt sind, aus der bequemen Sofaecke heraus Verhaltensvorschriften zu machen. Wenn es dort tatsächlich Defizite im Kampf gegen Rassimus gibt, ist dies kein Grund, sich dahinter zu verstecken.

  4. Andreas K sagt:

    Rassismus?Defizite?Was hat diese Barbarische Religion mit Rassismus zu tun?
    Haben wir etwa ein Buch nach dem nicht nur gelebt,sondern sich auch berufen wird,ausser dem Gesetzbuch natürlich?

    Also fangens net mit Rassismus an,hier geht es um eine haßtriefende Ideologie gegen anders denkende,anders lebende und vor allen anders gläubige.

    Mischen sie nicht das eine mit dem anderen,es wird Zeit das sich Deutschland bewußt wird,das Kritik an einer Religion nichts,aber auch garnichts mit Rassismus zu tun hat.

    Ihr Kommentar mag lang gewesen sein,aber setzen-6 minus

  5. Max Wedell sagt:

    Ein großes Lob an die FR für die gestrige Leserseite. Ist ja dort üblicherweise nur ein Nachplappern der in der FR vorgegebenen Meinungen zu beobachten (Atomkraft ist böse, Wirtschaftsbosse und Banker beuten uns aus, die SPD ist nicht links genug usw. usf.), so gab es gestern gleich drei Beiträge, die den Popanz um die Vorgänge in Dresden nicht mitmachen wollen, m.a.W. die sich dem journalistischen Mainstream entgegenstellen. Bravo!

    Aber natürlich wird es in den nächsten Tagen, da kann sich Bronski schon mal warm anziehen, eine Kannonade an entrüsteten Briefen Wohlmeinender (um einen anderen Begriff zu vermeiden) geben, die in die üblichen Kerben schlagen werden.

    @Hartmann, die Behauptung, rassistische Übergriffe gehörten in Deutschland „zum Alltag“, ist so lächerlich, daß man sich eigentlich gar nicht damit befassen sollte, man muß es aber leider tun, weil sie immer wieder aufgestellt wird. Meine Frage an sie: Wie definieren sie „Alltag“, und ab welcher Inzidenzdichte würden sie über Vorkommnisse behaupten, sie „gehörten zum Alltag“ in Deutschland? Oder bringen sie einfach nur „Rassismus“ und „rassistische Übergriffe“ ein wenig durcheinander, wenn sie im gleichen Atemzug von „alltäglichem Rassismus“ und „alltäglichen rassistischen Übergriffen“ reden?

    Daß die Meinung, die massive Armutsimmigration der letzten 20 Jahre uns nicht, wie von Politikern ständig behauptet wird, „bereichert“ hat, verbreitet sein mag, das will ich nicht abstreiten. Die Deutschen haben ja keine Tomaten auf den Augen, auf den Sozialämtern können sie ja sehen, wer dort sitzt, aus welcher hauptsächlichen Richtung man seine Sicherheit im öffentlichen Raum, besonders in den Großstädten, täglich bedroht sieht, weiß man doch auch, und die enormen Summen, die Bildungsförderung und Intergrationsprogramme kosten und noch kosten werden, kriegen wir doch auch täglich vorgerechnet. Das soll spurlos an den Menschen vorbeigehen bzw. diese das alles als „Bereicherung“ empfinden?

    Wenn sie es aber nicht als Bereicherung empfinden, sondern als kritikwürdig, dann sind sie fürs linke Lager, aber leider auch schon für die gehirngewaschene Mitte, „Rassisten“. Insofern haben sie evtl. recht, ein solcher „Rassismus“, nämlich die Ablehnung von Menschen, die man als nachteilig für sich und seine Gemeinschaft empfindet, ist möglicherweise wirklich „alltäglich“.

    Was den Vorgang in Dresden angeht, so finde ich die Idee jedenfalls ziemlich lächerlich, daß ein junger Mann 22 Jahre lang in Rußland als großer Humanist aufgewachsen sein soll, dann aber binnen 6 Jahren in Deutschland so einer Ideologie des „alltäglichen Rassismus“ ausgesetzt gewesen sein sollte, daß er urplötzlich zum Mörder werden konnte. Mein Verdacht ist eher, daß es sich hier um einen krankhaften, psychopathischen Choleriker handelt, der jeden attackiert hätte, den er als irgendwie ihm gegenüber feindlich eingestellt empfunden hätte. Das hätte auch eine Politesse sein können, die ihm ein Strafgeld aufbrummt. Nicht ich aber habe zu beweisen, daß es NICHT so ist, sondern diejenigen, die eine ausländerfeindliche Fokussierung der Aggression bei diesem Mann postulieren, haben IHRE Theorie zu beweisen. Scheinbar aber glaubt man, ausländerfeindliche Äußerungen würden dazu ausreichen, was aber Unsinn ist… denn wenn sich die Aggression solcher pathologischen Charaktere gegen X richtet, dann fallen eben dabei X-feindliche Äußerungen. Hätte er eine Politesse erstochen, mit allen nur denkbaren politessenfeindlichen Beschimpfungen im Vorfeld, hätte man dann von Politessenfeindlichkeit reden können? Doch wohl eher nicht.

    Wenn man aber eine tatsächliche spezielle negative Grundhaltung gegen muslimische Einwanderer tatsächlich postulieren will (zusätzlich zur „normalen“ negativen Grundhaltung gegenüber jedem, der einem in einer Alltagssituation Kontra gibt, z.b. auf dem Spielplatz einfach nicht den Platz fürs eigne Kind freimachen will), so könnte man diese genausogut aus der Tatsache ableiten, daß der Russe, der ja über weite Strecken seines Hierseins Hartz IV-Empfänger war, auf den Argen genau mitbekommen hat, wer dort seine hauptsächliche „Mitkonkurrenz“ ist. Dies, gekoppelt mit dem Unverständnis, warum diese ihm fremden Kulturkreise am gleichen Brotnapf hängen dürfen sollten wie er reichte auch völlig, um die verbale Aggressivität, die dann Gegenstand des Gerichtsverfahrens wurde, zu erklären. Die Tatsache, daß man solche Erklärungen aber nicht als ausreichend empfindet, sondern am liebsten im Schlafzimmer des Täters ein Hitlerportrait über dem Bett finden würde, ist wirklich merkwürdig.

    Ein letzter Gedanke noch: Wenn die Dauerbefeuerung mit der Anschuldigung der „Ausländerfeindlichkeit“ nicht einem psychischen Bedürfnis des Beschuldigten zusammenfällt, sondern eher als ungerecht und aufgeblasen empfunden wird (und dies scheint mir in weiten Teilen in diesem Fall so zu sein), dann kann sie auch schnell ein weiterer Generator von tatsächlicher Voreingenommenheit gegenüber Migranten werden.

  6. holger danske sagt:

    „N. Hartmann aus Frankfurt am Main“ schrieb:
    „Eine Untersuchung der Bundesregierung ergab, dass bei uns Frauen aus der ehemaligen SU ebenso häufig von Gewalt in der Ehe bedroht sind wie Türkinnen.“

    1. die ablehnung der allgemeinheit betrifft nicht „den“ muslim, sondern ganz allgemein muslimisches VERHALTEN. die instrumentalisierung des mordes verschiedener islamischer verbände/vertreter für ihre interessen bietet ein anschauliches beispiel für diese art verhalten.

    2. hier geht es nicht um „türkinnen“ sondern um die legitimation von gewalt gegenüber „nichtkonformen“ menschen in ISLAMISCHEN gesellschaften/gesellschaftsordnungen. auch gibt es keine „offiziellen“ entschuldigungn für „SU frauenhandel/ gewalt gegen frauen“ sondern deartiges tun wird als verbrechen bezeichnet u. geächtet.
    sehr wohl aber werden regelmäßig erklärungen/relativierungen für muslimische gewalttaten („ehren“mord, religiöse vorschriften, verbotsirrtum, usw.) konstruiert.

    insofern ist der vergleich SU/türkei voll daneben- davon mal abgesehen ist ein gesellschaftsmodell „SU- gewalt gegen frauen“ u.ä. selbstverständlich ebenso wenig gewünscht wie die umsetzung islamischer gesellschaftsordnungen. und das ist auch gut so.

  7. Max Wedell sagt:

    Interessant finde ich auch die Entwicklungsgeschichte der ganzen Aufregung. Nach der initialen Berichterstattung war erstmal ein paar Tage Stille. Diese Stille z.B. der Politiker werfen ihnen jetzt ausgerechnet jene vor, die selber still waren. Wer ein, zwei Tage nach dem Vorkommnis seine Betroffenheit in einer Demo gezeigt hätte, dem könnte man vielleicht eine Berechtigung zusprechen, andere ob ihrer Zurückhaltung zu kritisieren. Diese Demos gab es aber nicht. Wer selber allenfalls erst (wenn überhaupt) aktiv wird, wenn die Massenmedien genügend Wirbel und Stimmung gemacht haben, der sollte mal nicht zu sehr einen Aktionismus von anderen einfordern. In meinen Augen sind das Lemminge, die sich immer dann aufregen, wenn die Massenmedien ihnen die Aufregung bißgerecht vorgekaut zur anstrengungsfreien Übernahme präsentiert haben. Wäre dieser Fall nach der Initialberichterstattung nicht wieder erwähnt worden (was wohl der Fall gewesen wäre, wenn sich in islamischen Ländern ebenfalls niemand weiter darum gekümmert hätte), dann würde heute niemand darüber reden.

    Wohlgemerkt, es geht mir mit dieser Argumentation nicht darum, daß über diesen Fall niemand reden sollte. Wenn man vernünftig und ohne die gängigen Klischees und Denkfehler bis zum Erbrechen zu wiederholen darüber reden will, gerne. Mir geht es nur darum, aufzuzeigen, wie öffentliche Aufregung heutzutage ganz direkt davon abhängt, welche Sau Journalisten glauben durchs Dorf jagen zu müssen, und auf welche Weise sie es tun bzw. welche comme il faut-Vorstellungen sie dabei als gesetzt präsentieren (in diesem Fall z.B. die Vorstellung, Politiker müssten sich für Morde, die in ihrem Land stattfinden, entschuldigen, wenn das Opfer vorher vom Täter als „Islamist(in)“ oder „Terrorist(in) beschimpft wurde). Es erschreckt mich in persönlichen Gesprächen immer wieder, wie sehr Menschen zu Themen, zu denen sie selber nichts wissen oder sich keine Gedanken gemacht haben, nicht nur die allgemeine journalistische Stimmungslage zu übernehmen bereit sind, sondern auch ganz konkret die vorgekauten Argumente (auch zum Thema Krümmel in erschreckender Weise erlebt). Fast nie tauchen in solchen Gesprächen dann mal Argumente auf, die nicht schon in den Medien weitverbreitet vorgekaut wurden, die aber aus den bekannten Gegebenheiten auch ableitbar wären. Es ist, als ob die Menschen das eigenständige Denken verlernt haben. Politische Diskussionen jedenfalls im Alltäglichen erlebe ich als Reproduktionsmaschinen des von den Massenmedien vorgekauten. Das finde ich erschreckend.

  8. I. Werner sagt:

    Wollen wir uns wirklich in so einen Teufelskreis der Debatte begeben?

    Ein junger, hasserfüllter Mensch hat – aus welchen bösen, verzweifelten, verirrten, gestörten, kranken (?) Gründen, eine Frau vor Gericht erstochen. Viel mehr wissen wir nicht. Er hat sie vorher als Islamistin und Terroristin beschimpft.

    Der Tod von Marwa S. ist tragisch, vor allem, weil er wahrscheinlich vermeidbar gewesen wäre, wenn der Angeklagte vor der Gerichtsverhandlung auf gefährliche Gegenstände untersucht worden wäre.

    Dass dieser tragische Tod jetzt von allen Seiten instrumentalisiert wird, macht die arme Frau erneut zum Opfer. Gedenken wir ihrer einfach voller Trauer, und sorgen wir dafür, dass ihr Mann und ihr dreijähriger Sohn dieses grausame Erlebnis verarbeiten können.

    Bedenklich finde ich, dass Islamismus und Terrorismus in den Medien fast synonym verwendet werden und im Kontext der Islam als gefährliche Religion diffamiert wird. Grundsätzlich sind alle Religionen gefährlich, wenn sie von Fanatikern missbraucht werden. Bleiben wir also sachlich und hauen nicht nach links und rechts.
    Lasst uns trauern um den tragischen Tod einer jungen Mutter in unserem Land und lassen wir allen Hass beiseite, der zu solchen Gräueltaten führt.

  9. maderholz sagt:

    Hier möchte ich mich einfach und schlicht an die Meinung von I.Werner dranhängen, indem ich ihm voll zustimme.

    Wir Normalverbraucher in Sachen Information wissen in jedem Fall zu wenig.
    Wir sind nachgerade auf „vorgekaute“ Argumente angewiesen.
    In welchen Medien wird denn ein solcher Vorfall wie in Dresden minutiös und wahrheitsgemäs geschildert um sich selbst ein Bild machen zu können ?

    Bei allen ähnlichen Vorkommnissen vermisse ich immer erklärende Einzelheiten und Durchleuchten der Hintergründe.

    Aber das ist wohl nicht anders zu machen, bei der Menge der Meldungen die untergebracht werden müssen.

  10. BvG sagt:

    Da muß man mal wieder deutlich und laut sagen:
    Schweigen ist keine interpretationsfähige Äußerung!

    Diese albernen Versuche, Menschen als politisches Argument einzusetzen, weil sie nichts zu einem Vorgang sagen, sind an Hinterlist nicht zu überbieten.Sie öffnen der Willkür Tür und Tor.

    Es ist eine seltsame Sprachverwirrung, wenn man sich vorwerfen lassen muß: „Du hast nichts getan“.

    Die Täter müssen sich verantworten, nicht die Nichttäter!

  11. Daniel Spirtz sagt:

    Bei der Lektüre der Leserbriefe von Mittwoch den 15.07 zum “ traten bei mir gelinde gesagt einige Irritationen auf. Wie plump mancher Leser sich hier ein Urteil über die Islamische Welt und vor allem den Islam an sich erlaubt ist schon mehr als beängstigend. Dies zeigt , dass eine große Unsicherheit wenn nicht sogar Angst gegenüber dieser fremden Kultur in unserem Land vorherrscht,welche ein objektive und vorurteilsfrei Auseinandersetzung unmöglich macht.Dabei sollte gerade dies jedoch das höchste Gut unserer pluralistischen Gesellschaft sein!

    Es bringt herzlich wenig nach den teils unsachlichen und ungerechten Vorwürfen gegenüber Deutschland jetzt die Aura des verwundeten Löwen auszustrahlen und alles anzugreifen was sich bewegt!D adurch stellen wir uns doch nur selbst in eine Reihe mit vielen unfreien Gesellschaften. Es ist zudem ein Muss, dass in einem Rechtsstaat wie Deutschland kritische Fragen gestellt werden, wenn ein Angeklagter ungehindert 18 mal auf eine Zeugin einstechen kann und danach der helfende Ehemann angeschoßen wird. Mit Emotionen und Vorurteilen kommen wir in dieser Debatte kein Stück weiter. Unser Ziel muss es doch sein, frei von Angst und Vorurteilen miteinander zu kommunizieren und Integration voranzutreiben. Denn leben müssen wir alle gemeinsam in diesem Land , ob wir das wollen oder nicht!!

  12. Kathrin Ehrenspeck sagt:

    Die Strategie als solche, ein Unrecht damit zu bagatellisieren, dass man es gegen anderes Unrecht aufrechnet (98 gegen einen), möchte ich nicht kommentieren, sondern mich auf die Aussagen als solche beschrän-ken:

    Er behauptet, seine 98 Fälle in einem einzigen Jahr zusammen getragen zu haben. Das suggeriert, sie seien auch in einem einzigen Jahr so vorgekommen. Sein erstes Beispiel stammt von 2009, das zweite, nämlich der Mord an Hatun Sürücü stammt jedoch von 2005. Erst der dritte Mord stammt vom Dezember 2008, gehört also wieder in dieses Jahr, den-noch ist es fraglich, was unter solchen Umständen diese Zahl besagt.

    Gerhard Behrendt sagt, von diesen 98 „Fememorden“ habe die Presse nicht berichtet. Woher weiß er dann davon? Polizist kann er nicht sein, denn Polizisten sind sorgsamer in der Zuschreibung von Motiven (siehe unten). Er muss es also aus der Zeitung haben.
    Ich habe „Börnecke – Mord“ eingegeben und sofort eine Reihe von Berichten gefunden. Und später für die anderen beiden Fälle auch. Den Mord in Groß-Börnecke stellt die BILD-Zeitung

    http://www.bild.de/BILD/news/2009/02/10/mord-serie/in-zwei-tagen-drei-morde.html

    in einem ersten Bericht in eine Reihe mit zwei anderen, nämlich dem Mord eines Italieners und dem eines Deutschen an seiner Frau. Nur für den Mord des Italieners gibt sie ein Motiv an, nämlich, dass er aus Eifersucht geschehen sei. Ein paar Wochen später

    http://www.bild.de/BILD/news/2009/02/21/familien-killer/irrer-vater-bringt-ganze-familie-um.html

    reiht sie diese Morde zusammen mit drei weiteren in eine Serie von 6 „Familiendramen“ ein, – in die im Übrigen kein weiterer Bürger eines islamischen Landes verwickelt ist.
    Der dritte Mord, von dem Herr Behrendt konkret spricht, wurde von einem türkischen Ehemann an seiner von ihm getrennt lebenden Frau ver-übt. Für letzteren hatte ich drei Quellen zu Rate gezogen. In allen drei Blättern wird das Motiv auch für diesen Mord entweder mit Eifer-sucht oder gar nicht benannt. – Weil ich gerade dran war, habe ich auch noch „Mord – Eifersucht – 2009“ eingegeben und eine so reiche Zahl an Fällen gefunden, dass erkennbar ist, so etwas ist auch bei uns nicht selten.

    Ein Fememord ist laut Lexikon ein Akt der Selbstjustiz, in der Regel im politischen Zusammenhang. Zu Not kann man den Begriff auch auf alle anderen selbstherrlichen Bestrafungsakte bei der Verletzung irgendwel-cher Gruppen-Normen ausweiten, dann mag er auch für einen Mord angehen, der die Familienehre retten soll. Allerdings gehört immer zu einem Fememord, dass der Täter im Konsens mit seiner Gruppe handelt und in keiner engen Beziehung zu seinem Opfer steht, denn nur das schließt andere Motive wie z.B. Eifersucht aus. Deshalb nehme ich an, dass Herr Behrendt kein Polizist ist, denn er beachtet diese Regel nicht. Es ist eindeutig eine Diffamierung der islamischen Kultur, wenn die Tat eines Einzelnen aus individuellen Motiven der Gemeinschaft als Attribut zuge-schrieben wird, der er (äußerlich – siehe unten) angehört.
    In der Tat ist es für einen Muslim selber möglich, seine Eifersucht als moralisches Heldentum zu verbrämen, genau wie Islamisten ihre poli-tischen Motive als Kampf gegen die Ungläubigen hinstellen können und jeder, der zur Selbstjustiz greift, sich natürlich im Recht fühlt – auch der Mörder von Dresden übrigens. War der also doch typisch deutsch???
    Wer übergeht, dass Selbstjustiz in keiner einzigen Gemeinschaft le-gitim ist, auch nicht im Islam mit seinem komplizierten Rechtssystem, und statt dessen das Selbstverständnis des Täters als einzig gültiges Islamverständnis übernimmt, wer also jeden Mord eines Mannes an einer Frau automatisch als Fememord bezeichnet, sofern er nur von einem Bürger eines islamischen Landes begangen wurde, dessen Gedanken-führung folgt einer islamfeindlichen Argumentation.
    Ich denke, wenn man überhaupt rechnen will, dann sollte man für gleiche Taten auch gleiche Begriffe verwenden. Deutschland hat 82 Millionen Einwohner, davon 4 Millionen Muslime. Sollte also unter allen hierzu-lande registrierten Morden von Männern an weiblichen Angehörigen der Anteil der Täter aus islamischen Ländern höher sein als 5 % und es sich dabei auch noch um praktizierende Muslime handeln, nur dann geht es wirklich um ein islamisches Problem, für das „die islamische Gemeinde“ zuständig wäre.

    Islamfeindlich heißt nicht, „Haut den Türken tot!“ Islamfeindlich sind Argumentationswege wie dieser und ein Umgang mit der Sprache, wie Herr Behrendt ihn hier praktiziert. DAS ist das Gift, DAS ist die Gefahr.

  13. Max Wedell sagt:

    @maderholz,

    „In welchen Medien wird denn ein solcher Vorfall wie in Dresden minutiös und wahrheitsgemäs geschildert um sich selbst ein Bild machen zu können?“

    In der gestrigen „Welt am Sonntag“ war ein Artikel, der Umfeld des Täters sowie Zeugen zu Wort kommen ließ, was zwar immer noch nicht minutiös zu nennen ist, aber der Wahrheit schon näher kam als die üblichen Wiederholungen von Agenturmeldungsschnipseln, auf deren Basis von interessierter Seite die Fremdenfeindlichkeitstheorien entworfen werden.

    Am „lustigsten“, wenn man in diesem Zusammenhang davon sprechen kann, finde ich da immer noch, wie treffsicher man sich aufgrund von nichts mehr als einer knappen Agenturmeldung einbildet, eine „Fremdenfeindlichkeit“ darin erkennen zu können, daß die Kugel eines Polizisten, die dieser gegen das rangelnde Paar Täter-Ehemann abgab, im Bein des Ehemanns steckenblieb. Zuerst las ich das in einem taz-Leserbrief, hörte jetzt aber, daß inzwischen auch eine deutsche „Wissenschaftlerin“ das in einem Interview mit dem iranischen Staatsrundfunk behauptete (was eigentlich keinem anderen Zweck dienen kann, als die dortigen Proteste noch anzuheizen).

  14. Max Wedell sagt:

    P.S. Schlimmer als gegen Muslime ist übrigens der „Ausländerhaß“ des Deutschrussen gegenüber anderen Deutschrussen ausgeprägt. Als nämlich die anderen am Spielplatz anwesenden Deutschrussen der Ägypterin beistanden, beschimpfte der Deutschrusse diese mit Obszönitäten; die in der Presse wohl nicht abdruckbar sind, „Terroristin“, „Islamistin“ oder „Schlampe“ sind damit verglichen wohl recht harmlose Begriffe. Wäre das nicht ein Anlaß, Ausländerfeindlichkeit gegenüber russischen Migranten auch mal zum Thema zu machen? 😉

  15. Ursa sagt:

    Ich finde es schon sehr erstaunlich, daß der Täter die Zeit für 18 Messerstiche fand und dann auch noch der Ehemann angeschossen wurde! Wo waren die übrigen Anwesenden? – unter den Tischen? Auch daß der Mörder, der wohl als „Ausländerhasser“ bekannt war, vor dem Prozeß nicht durchsucht wurde! In Frankfurt kommt man ohne Durchsuchung nicht mal ins Gericht! Zumal Morde und Mordversuche im Gericht bei und nach Prozessen in der BRD nicht mal so selten sind (nahe Lübeck etc.).
    Bestürzend ist auch, mit welcher Dreistigkeit die dümmsten und abgenudelsten Vorurteile über den Islam bei jeder unpassenden Gelegenheit abgesondert werden. Die so hoch gehaltene Toleranz der Deutschen gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen, auf die man sich einiges einbildet, wird immer außer Kraft gesetzt, wenn es um den Islam geht. Nach dem Ableben des Kommunismus braucht der schlichter gestrickte Mensch eben ein Feindbild, über das er sich aufregen kann – damit er beschäftigt ist und nicht merkt, von welcher Seite und wenn es wirklich brenzlig wird.

  16. BvG sagt:

    @Ursa

    Verbrechen sind unabhängig von Überzeugungen!

  17. Anna sagt:

    Neben der Verständigung auf eine Reihe von Regeln und gemeinsamer Werte, sehe ich vor allem den „Wohlstand für alle“, als Grundvoraussetzung gegen den Rassismus, der ja nicht nur in Deutschland, sondern europa- bzw. weltweit um sich greift. Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit, die damit verbunden noch erwartet wird, sehe ich in puncto Toleranz eher schlechte Zeiten auf uns zukommen und befürchte deshalb, dass der Rassismus weiter anwachsen wird. Toleranz funktioniert eben vor allem dann, wenn jeder mit sich und seinem Los zufrieden ist.
    Wenn unsere Medien dann aber in solch schwierigen Zeiten nichts anderes können, als die verschiedenen Gruppierungen aufeinander zu hetzen, in dem sie die einen zum Täter und die anderen zum Opfer erklären, tragen sie zu der beängstigenden Entwicklung wesentlich bei. Opfer und Täter sind nun mal meist nicht so eindeutig zu trennen wie immer wieder suggeriert wird.

  18. Ursa sagt:

    @BvG
    das ist eigentlich selbstverständlich

  19. Holger Wollenberg sagt:

    Abgesehen von der abscheulichen Tat in einem Dresdner Gerichtssaal am 1.Juli ist es dennoch verwunderlich wie flott einer ganzen Nation sinnbildlich der Krieg erklärt wird.
    Nicht der Mörder, sondern der Staat in dem dieser lebt ist also für die Tat verantwortlich. Wir (!) haben den Täter praktisch ermutigt. Dabei hat er selbst doch nur, und dies ganz in islamischem Sinn, seine Ehre wiederhergestellt. Zu den in islamischen Gesellschaften üblichen Morden zur Herstellung zweifelhafter Ehrbegriffe,ausgetragen auf dem „Schlachtfeld Frau“, gibt es keinerlei nennenswerte Proteste muslimischer Bürger, außer den üblichen Phrasen des Bedauerns und der Verurteilung einer nicht im „islamischen Sinn“ begangenen Tat (Beispielsweise Hatun Sürücü, ermordet am 7.Februar 2005 in Berlin, dem Mord wurde bisweilen Beifall von der eigenen Familie gezollt.). Sollte man den Gedanken nicht auf die Spitze treiben und fragen : Wie sähen die Proteste aus wäre der Täter Moslem ? Die Antwort erübrigt sich. –
    Absurd und zynisch, daß ausgerechnet die Anhänger der iranischen Regierung, mit einschlägigem Frauenbild, diese Tat als unmenschlich definieren und in der Hinterhand den Dolch gegen Oppositionelle wetzen und auch einsetzten. Hier wird das Wort Menschenrechte der Lächerlichkeit preisgegeben.

  20. Max Wedell sagt:

    @wollenberg,

    „Nicht der Mörder, sondern der Staat in dem dieser lebt ist also für die Tat verantwortlich.“

    Man sollte sich vielleicht zur Abwechslung mal fragen, wieso in D eine Beschimpfung mit den Wörtern „Terroristin“, „Islamistin“ sowie „Schlampe“, die in erster Instanz mit immerhin 750 Euro bestraft wurde, sofort die Staatsanwaltschaft auf den Plan ruft, die die Strafe von 750 Euro (in diesem Fall immerhin über 2 Monatseinkommen (Hartz IV)) als zu gering bemessen richtet, und selbsttätig die zweite Instanz anstrengt. Kann es sein, daß es hier Sinn machen würde, von Merkel eine Entschuldigung zu fordern, da es scheinbar irrwitzige Gesetze eines deutschen Staates gibt, dessen (zweit)oberste Vertreterin sie darstellt? (Also Herr Köhler, bitte schleunigst auch entschuldigen!) Ich halte jedenfalls die scheinbare Praxis, zu solch einer Auseinandersetzung, die auf einer rein verbalen Ebene bleibt, in zweiter Instanz so einen Prozeßzauber zu veranstalten, für sehr merkwürdig. Hätte die Staatsanwaltschaft ebenfalls in zweiter Instanz tätig werden müssen, nachdem jemand in erster Instanz für ein „Idiot“, eine „Knalltüte“ und eine „Drecksau“ „nur“ zu 750 Euro Strafe verdonnert worden wäre? Wenn nein, dann wäre dies ja ein weiterer „Beweis“ für die Islamfeindlichkeit, diesmal des Rechtswesens, in D :), wenn ja, dann finde ich unsere Gesetzgebung in diesem Punkt immerhin reichlich hysterisch, um nicht zu sagen: unmenschlich.

    Ich stelle mir jedenfalls die Frage, ob dem Täter klar war, weswegen er das zweitemal schon in dieser Sache vor Gericht stand, und daß es nicht die ägyptische Familie war, die ihn jetzt das zweite Mal in derselben Sache (aus seiner Sicht) schikanieren wollte, sondern der deutsche Rechtsstaat.

    @anna, nein, eigentlich ist es umgekehrt, die Vergangenheit hat es schon oft bewiesen: Gemeinsame Not schweißt zusammen. Durch eine verbreitete allgemeine Armut könnten wir Dünkel und Überheblichkeit loswerden, Hilfsbereitschaft und Zurechtkommen miteinander fördern, während Reichtum nur Isolation und Abkapselung hervorrufen. Aber machen sie mal diesen Vorschlag…

    @Ursa, wollen sie uns weismachen, das sie einem wild um sich stechenden, mit einem Messer bewaffneten athletischen Mann sofort in die Arme fallen würden, und zwar vor Ablauf von 20 Sekunden, die er für seine 19 Stiche braucht, und ihn stoppen würden? Meinen sie das wirklich ernst? Oder sind sie so eine Art Hulk Hogan? Oder wollen sie wirklich andeuten, bloß aufgrund von „Ausländerfeindlichkeit“ wäre eine Hilfeleistung innerhalb der ersten 20 Sekunden unterblieben? Woher haben sie die Information, daß der herbeigerufene Polizist den Ehemann anschießen wollte? Wissen Sie, wieviel Prozesse es täglich gibt, in wievielen davon es zu Morden kommt, wie hoch also die durchschnittliche Mordwahrscheinlichkeit bei Prozessen ist? Oder behaupten sie einfach nur, daß „Morde und Mordversuche im Gericht gar nicht mal so selten sind“, weil sie sich an ein, zwei Fälle erinnern können? Nennen sie doch bitte einmal die dümmsten, abgenudelststen Vorurteile gegenüber dem Islam, damit wir wissen, wovon sie sprechen.

  21. Michael Dittrich sagt:

    „Deutscher in der Türkei auf offener Straße abgestochen!“ Alle Türken sind betroffen und zu tiefst beschämt und der türkische Ministerpräsident entschuldigt sich beim Deutschen Volk………..

    Noch Fragen? Keine.
    Zum Anderen war es ja nur ein gesuchter Verbrecher.
    Na dann ist es ja nicht so schlimmm und der Täter war ja auch geistesgestört.

  22. Ursa sagt:

    @Max Wedell
    ich verweise auch auf @21
    Auch wenn es nicht zum Mainstream der lieber nicht so genau Informierten paßt:
    „Zwangsehen“ und „Ehrenmorde“ gehen nicht auf den Koran zurück – auch wenn das behauptet wird -, sondern auf die ethnischen Gebräuche aus vorislamischer Zeit, üblich übrigens auch im damals schon christlichen Abendland. Ich erinnere mich an Meldungen entsprechender männlicher Großtaten aus den europäischen Mittelmeerländern in den 50-er und 60-er Jahren!
    Egal wieviele, es gibt in jedem Fall zu viele Morde in Gerichten. Natürlich muß niemand den Helden spielen. Aber auch wenn dem keine bewußte Entscheidung vorausgehen muß: es gibt besonders in den neuen Ländern eine Lähmung und Verlangsamung von Wahrnehmung und Handlung bei akuter Gefährdung von Ausländern, die auch beim grausamen Feuertod eines Afrikaners in einem dortigen Gefängnis eine maßgebliche Rolle gespielt haben dürfte.

    Ich empfehle auch die Lektüre des heutigen Leitartikels in der FR von Stephan Hebel.

  23. Ursa sagt:

    Nachtrag: Daß der Wachmann auf den Ehemann schoß, hat wohl eher mit einem unbewußten Mechanismus zu tun: der schwarze Mann ist der böse!

  24. sagt:

    Wenn wer in Offenbach Richtung Gerichtssaal sich begibt, wird er durchleuchtet, muß sogar den mp3-Player hinterlegen, damit die Zwischentöne ausbleiben.
    Wenn wer in Frankfurt Richtung Gerichtssaal sich begibt, wird er ebenso durchleuchtet.

    In beiden Städten ist die „Fremdenlegion“ aus der Nicht-EU ziemlich hoch.

    Wenn wer hinter Hanau sich Richtung Gerichtssaal begibt, sitzt wer ganz nett hinter Panzerglas und fragt: „Wo soll’s dann hingehen..“ Dann erzählt man, breitet sein Vergehen dem Pförtner aus, dann sagt er vielleicht vorne rechts, zwei Treppen hoch…

    Dort hinter Hanau ist allerdings die „Fremdenlegion“ aus der Nicht-EU so gut wir gar nicht auszumachen, weswegen man dort auch so allerlei Kleinkram reinschleppen kann, nicht nur mp3-Player für die Wartezone.

  25. Werner Thiele-Schlesier sagt:

    @ rü

    Schämen Sie sich, ob solcher menschenverachtenden Äußerungen!

  26. sagt:

    Nöö, warum soll ich mich schämen? Ich zähle nur zusammen, vergesse dabei selten etwas.

    Was unterscheidet einen Gerichtssaal in Frankfurt/Offenbach von dem in MKK?

    ’s Köpfchen benutzen Werner Thiele-Schlesier.

  27. Gesine sagt:

    Fangt ihr jetzt wieder an, euch gegenseitig Rassismus vorzuwerfen? Bitte noicht schon wieder diese Debatte!

    Rü, das mit der Fremdenlegion soll wohl witzig sein? Ich evrstehe es nur nicht.

  28. BvG sagt:

    Das bestürzende an der Tat und an den Reaktionen ist, daß in beiden der Respekt vor der Rechtsprechung negiert wird.

    Der eine bringt Waffen mit in den Gerichtssaal.
    Das bedeutet, daß er die Gerichtsbarkeit und deren Grundlagen in keiner Weise akzeptiert und unterstellt, daß er und andere das Recht haben, entgegen dieser Gerichtsbarkeit Taten zu begehen und eine Art Selbstjustiz zu verüben.

    Andere verlangen eine Entschuldigung von Unbeteiligten noch vor einem Urteil. Auch das bedeutet, daß sie die Gerichtsbarkeit nicht akzeptieren und entgegen dieser Eingeständnisse und Bußfertigkeit verlangen.

    Ich weiß, das ist jetzt wieder schwer zu verstehen, aber letztlich hebeln beide die rechtsstaatliche Ordnung aus und versuchen, sie durch einen moralischen Kodex eigener Prägung zu ersetzen.

    Beide verletzen mein Rechtsempfinden:
    Ein Täter, der sich nicht an die von mir gewünschten und unterstützten Gesetze hält in hohem Maße, ein Betroffener, der mir ein Schuldbekenntnis bezüglich der Tat abfordert, in geringerem Maße.
    Letztere unterstellen, ich sei nicht rechtskonform, weil ich mich nicht explizit äußere. Ich habe mich aber explizit geäußert, weil ich Parteien gewählt habe, die diese Rechtordnung unterstützen.

    Persönliche Anmerkung:
    Die Polarisierungen und fremdenfeindlichen Tendenzen in der Diskussion lehne ich ab.
    Kann sich jeder herausklauben, wo die sind, ich will sie nicht wiederholen.

  29. sagt:

    @ Gesine #27: Warum lustig? Den Terminus überlasse ich anderen.

    Die Eindimmensionalität ist bei mir nicht anzutreffen. Und was ist dann die Fremdenlegion? In Gänsefüßchen, weil nicht aus Frankreich sondern von anderswo, aber gleiches Schema (nicht nur) hierzulande aufgefahren wird.

    Ihr diskutiert und macht, wißt nicht mal was in deutschen Gerichtssälen so abgeht.

    Es steht also die Frage im Raum: Warum kann man im Main-Kinzig-Kreis (MKK) ein halbes Waffenarsenal ins Gericht schleppen, in Frankfurt/Offenbach hingegen nicht?

    Was erzählt die Kriminalstatistik? Wer treibt im Rhein-Main-Gebiet sein Unwesen, welche Organisationen kämpfen um die Vorherrschaft?

    Laut FR gab es im Rotlichtviertel gestern eine Razzia… jetzt ratet mal wer dort das Zepter schwingt, wer die Opfer sind, wer dann vor Gericht steht?

    Meine zweite Frage wäre gewesen (ist es nun auch, aber interessiert mich dank eurer eindimensionalen Denkweise nun nicht mehr):
    Was ist der Unterschied zw. Dreden und Frankfurt/Offenbach?

    Mein Frage ist ja, wieso ist Dresden offen wie ein Scheunentor, wenn Sachsen ganz vorne im Nazi-(Un)Wesen anzutreffen ist…

    Ist das so eine heile Welt wie in MKK, wo vielleicht Trunkenheit am Steuer nach der Walpurgisnacht auf der Tagesordnung steht (sinnbildlich)?

    Die Tat von Dresden wäre in Frankfurt/Offenbach nicht passiert. Im MKK schon. Beides sind hessische Gerichte, es gilt zweierlei Schutzvorkehrung… und irgendwas muß ja der Grund sein.

    Baader-Meinhof gelle?

  30. BvG sagt:

    @rü

    Schlag mal nicht so zur Seite aus.(„Terminus“).

    :next
    Gibt ausser Dir auch andere, die das Leben kennen. Nicht nur in den Metropolen werden Eier gebacken.

    :next

    Wenn die Kriminellen für sich beanspruchen, das wahre Leben zu sein, dann sag ich Nein. Sie sind ein Abklatsch des Lebens, unfähig, etwas zu sein. Neongeflimmer mit Gewalt, sonst nichts, sie Leben von der Substanz, sie schaffen aber keine. Das gilt für alle Beteiligten.

    :next

    Ich habe keine eindimensionale Denkweise. Mußt Du Dir schon mehr Pfannen zulegen.

    :next

    Bist schwer zu verstehen.

  31. sagt:

    ach BvG, lenke nicht schon wieder ab, dein Eiertanz Richtung Großstadtgehabe funktioniert hier bei mir nicht. Es steht dir dennoch frei, diesen Tanz zu vollführen. Terminus = Existus?

    Den Rest hättest dir auch sparen können, wir sind noch ganz am Anfang, bei den Gerichten, den zweierlei Maßstäben an Sicherheitsvorkehrungen, der unterschiedlichen Auslegung von „Ausländer raus – Nazis rein“ oder wie auch immer.

    PS: Ein Pfanne reicht für dich, die aus der bemannten Raumfahrt, weswegen es sich gelohnt hat zum Mond zu fliegen.

  32. sagt:

    aber mit ist nun eingefallen, warum man in Dresden wahrscheinlich eine heile Welt vorfindet:
    Die Nazivergehen werden ja nicht oder nur sporadisch verfolgt, weswegen die Gerichte da kaum mit konfrontiert werden. Das könnte eine mögliche Erklärung sein, warum da Tag der offen Türe war/ist.

  33. BvG sagt:

    @rü

    Nein, wir sind nicht am Anfang.

    Damals, in Büdingen , kamen die Scheißkerle aus Frankfurt, haben die Kinder verseucht und vergewaltigt, haben ihnen Drogen verkauft und sie ausgeraubt.

    Scheißkerle waren : „Namen einsetzen“!

    Soll nun auch eine Pfanne für Dich reichen?

    Bist Du dabei gewesen? Bist Du auch einer der Scheißkerle gewesen?

    Nein?

  34. thomas sagt:

    wenn man euch so zuhört könnte man denken, ihr habt einen an der pfanne

    ich finde, rü hat recht mit der frage warum da unterschiedliche maßstäbe eingesetzt werden. hier gibt es eingangskontrollen un da nicht. warum? da heile welt und hier erfahrungen mit unheiler welt, oder?

  35. BvG sagt:

    @thomas

    Ja, da ist schon viel mehr unheilere Welt in Frankfurt, Gelnhausen und Hanau gewesen. Die haben sie exportiert, nach Büdingen, Langenselbold, Wächtersbach, Gedern.

    Weil sie sich wichtig machen wollten, weil sie Geld brauchten, weil sie Scheißkerle waren.

    Unterschiedliche Maßstäbe sind gerechtfertigt, weil wir ehrlicher waren, in Büdingen, Langenselbold, Wächtersbach und Gedern.

    Wir hatten mal geglaubt, daß wir die Ehrlichkeit exportieren könnten, aber wir sind gescheitert.

    Wir sind der vorgeblichen „Street-Reality“ erlegen, der größten Eigenlüge des Jahrhunderts.

    Ihr habt keinen Grund zu jammern, ihr Speckmaden.

  36. sagt:

    BvG, geh‘ schlafen. Wir sind nicht in Büdingen, sondern in Dresden parallel Frankfurt. Und in Büdingen wurde im Gericht bestimmt nicht Kinder verseucht, diese vergewaltigt und ihnen als Dreingabe noch Drogen verkauft. Mußt nicht gleich hysterisch werden. Damals… jaja, damals war viel los, ne? Und am Ende waren die Frankfurter gar nicht aus Frankfurt, sondern aus dem Rodgau.

    Mußt mal schauen, was am Frankfurter Gericht an Sicherheitsvorkehrungen aufgefahren wird. Bestimmte Angeklagte sitzen dann sogar hinter Sicherheitsglas. Die Justiz ist sich da schon im klaren, wer da rein und rausgeführt wird. Die werden nicht vorgeführt weil sie Griesbrei gekocht haben. Wenn da so ein Clan Meeting hat, ist das Rollkommando vor Ort.

    Der mit letzte bekannte Gerichtstermin in Dresden, in SAchen Nazi, da wurde zwar der Angeklagte verurteilt, aber weswegen er da vor Gericht stand war – Gewalt Gewalt Gewalt, in einer Gruppe mit 300 Leuten.

    Gegenbeispiel: Wenn ein türkischer Nationalist in Frankfurt vorgeführt wird, dann ist die Hütte aber mehr wie dicht.

    Sobald du in Frankfurt/Offenbach die Türe zum Gericht öffnest, hinein willst, wirst gefilzt, dein Gepäck durchleuchtet, mußt sogar den mp3-Player abgeben. Wenn du Glück hast, entsteht aber daraus ein nettes Gespräch mit den Justizangestellten, die ja auch neugierig sind und manchmal wissen wollen, was man so hört.

    Zuerst ist der Staat an der Reihe, sowohl für die Sicherheit des Angeklagten, als auch für die Kläger zu sorgen. Ich gehe durch seine türe, in sein Gebäude. Wenn Offenbach das kann, hochverschuldet, dann kann das doch Sachsens Hauptstadt erst recht!

    Die Hauptschuld trägt Sachsen/Dresden.

  37. BvG sagt:

    @rü

    Was Du als Deine neueste Weisheit entdeckst, habe ich schon vor Jahrzehnten kapiert.

    Aber ich hab Geduld mit Dir, wurschtel Dich halt durch, bis mal einer zu Dir sagt: Geh‘ schlafen rü!

    Du bist auch nur ein Schattenwurf, nimm‘ Dich nicht so wichtig.

  38. sagt:

    Weißt BvG, wo die größten Nazi-Nester in Hessen anzutreffen sind?

    Es sind die Orte die du Thomas aufgezählt hast, hinter Geedern ist es ganz schlimm. Und für das Ungemach in Langenselbold waren die Amis schuld, die haben nämlich nebenan ihre Base gehabt. Hanau Lamboy ganz bekannt dafür, für die Streifzüge ins Gekräusch. Oder willst nun Thomas erzählen die haben nur Schokolade getauscht?

  39. sagt:

    Nein nein BvG, deine Interpretation in alle Ehren, aber wie das so ist, Glauben ist nicht Wissen. Schöne Religion hast. 😉

    Und damit gute Nacht, müssen nicht den Blog kaputt machen. cu rü

    @ Thomas: gute Nacht.

  40. BvG sagt:

    @rü
    ja, weiß ich. Deshalb rück‘ ich dich ja zurecht.
    Du bist kein Einzelkämpfer in Frankfurt und Umland und kein Held vor dem Bembel. Also, spiel dich nicht so auf!

  41. sagt:

    Träume weiter… Träume weiter… Grüße aus der Environmentalzone Frankfurts von P.N. 😉

  42. BvG sagt:

    Sorry, mir sind die Gäule durchgegangen.