Leserforum vom 20. bis 26. Juli

Alle Leserbriefe der Woche im Überblick und im Detail. Scrollen und lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihren Leserbrief gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Niemand muss alles lesen! Doch lesen Sie, was Sie interessiert.

Zunächst folgt eine Übersicht nach Erscheinungstagen. Hier erfahren Sie, wo welcher Leserbrief im FR-Blog zu finden ist. Hinter den rot eingefärbten Wörtern verbergen sich Links. Klicken Sie einfach drauf und lassen Sie sich zum gesuchten Leserbrief führen. Über die Links in den Überschriften (z.B. „eine Seite“) kommen Sie zu pdf-Dokumenten von den Leserforum-Zeitungsseiten mit Ihren Leserbriefen.

Alle Themen, die im Folgenden angesprochen werden, können auch diskutiert werden. Stellen Sie am besten ein Stichwort oder Betreff an den Anfang Ihres Kommentars, damit alle gleich erfahren, zu welchem Thema Sie sich äußern. Es gelten die Blog-Regeln. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Balken 4Leserforum vom 20. August (Seite eins, Seite zwei)
  • Die Leserbriefe von Wilma Fischer und Christian Karsten zur Frage, ob die Bundesrepublik sich an meinem Militäreinsatz in der Straße von Hormus beteiligen sollte, wurden in der Debatte über den USA-Iran-Konflikt als Kommentare veröffentlicht.
  • Die Leserbriefe von Martin Eberhardt zum Thema „Genehmigung von Heilbehandlungen“, von Barbara Obermüller zur Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in der Steinzeit und von Hermann Roth zum Thema „Smart Cities“ folgen hier in diesem Thread – siehe unten.
  • Susanne Roether würde das „Angebot“ von Donald Trump, die US-Truppen aus Deutschland abzuziehen, sehr gern annehmen – ihr Kommentar findet sich in der Debatte über Ab- und Aufrüstung.
  • Harmut Willibald Rencker hat Anmerkungen zu den immer heftiger werdenden Unwettern – veröffentlicht als Kommentar in der Debatte über die Warnung, die der Weltklimarat ausgesprochen hat.
  • Wilfried Altkrügers Leserbrief zum Thema „Feine aristokratische Elite“ wurde als Kommentar im Sammelthread „Leserforum vom 6. bis12. August“ veröffentlicht, in dem über die Hohenzollern diskutiert wurde.
  • Und: Wir müssen noch mal über die E-Scooter reden. Die Zahl der Zuschriften nimmt nicht ab, und jetzt hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) eine Reform der Straßenverkehrsordnung angekündigt, die viele Änderungen mit sich bringen wird – auch hinsichtlich der E-Scooter. Das kommt alles in eine eigene Debatte. Erste Leserbriefe, mit denen diese Debatte eröffnet wird, kommen von Cläre Kunze und Helmut Deckert. Der Thread öffnet am 20.8. um 6 Uhr.
Leserforum vom 21. August (Seite eins, Seite zwei)
  • Peter Boettel, Rasmus Ph. Helt und Roland Klose äußern sich zur Absicht von Bundesfinanzminister Olaf Scholz, sich um den Vorsitz der SPD zu bewerben. Ihre Zuschriften wurden als Kommentare in der Diskussion über die Zukunft der SPD veröffentlicht, beginnend mit dem von Peter Boettel.
  • Friedrich Gehring erwidert Kritisches auf einen Leserbrief von Alfred Kastner zu Militäreinsätzen als Mittel der Politik. Seine Zuschrift wurde als Kommentar in der Diskussion über die Hormus-Krise veröffentlich.
  • Die Leserbriefe von Wolfgang Guhr undTilman Kluge zur CO2-Steuer wurden als Kommentare in der Diskussion über die Warnung des Weltklimarats veröffentlicht.
  • Klaus P. Jaworek äußert sich zu gentechnisch erzeugten Mensch-Tier-Mischwesen – hier, siehe unten.
  • Zwei Leserbriefe zur Affäre Tönnies: Heinrich Etlings Zuschrift findet sich in der Einleitung zur Diskussion, die von Claus Schröder wurde als Kommentar dort veröffentlicht.
  • Und schließlich hat Klaus Philipp Mertens wieder einen langen Leserbrief geschickt – diesmal zum Thema Verschleierung, Koftuch, Burka etc. -, der im Print-Leserforum nur gekürzt veröffentlicht werden konnte. Die ungekürzte Fassung findet sich hier – siehe unten.
Leserforum vom 22. August (Seite eins, Seite zwei)
  • Sonja Biesdorf, Peter B. Sanden und Brigitte Heinzmann kochen Verkehrsminister Scheuer ein. Ihre Leserbriefe finden sich in der Einleitung zur Diskussion „Wer zieht Herrn Scheuer endlich aus dem Verkehr?
  • Greta Thunbergs Segelreise wird von Helmut Roth und Ulrich-Dieter Standt kontrovers beurteilt – siehe hier unten.
  • Johannes Bickel tritt anderen Leserbriefen entgegen, die das Wachstum der Erdbevölkerung mit für den Klimawandel verantwortlich machen. Seine Zuschrift wurde in der Diskussion über die Warnung des Weltklimarats als Kommentar veröffentlicht.
  • Henning Möller würde eine Bahncard 100 zum Soldatentarif sofort kaufen – seine Zuschrift siehe unten.
  • Karl Otterbein hat Kritisches zu unserer „Woodstock-Strecke“ vom 15.  August – seine Zuschrift siehe unten.
  • Herold Scheffelmeier tritt einem FR-Gastbeitrag zur Mehrwertsteuer entgegen – seine Zuschrift siehe unten.
  • Angela Heilmann nimmt Plàcido Domingo gegen aufdringliche Frauen in Schutz – ebenfalls hier unten.
  • Eckart Seifert kontrastiert das Bild der USA nach Kriegsende mit ihrem aktuellen Image. Für den Ansehensverlust macht er Donald Trump verantwortlich. Daher wurde die Zuschrift in der Diskussion über die Kündigung des INF-Vertrags  als Kommentar veröffentlicht.
Leserforum vom 23. August (eine Seite)
  • AKK hat wieder gepatzt und der CDU eine Debatte darüber beschert, wie sie mit ihren Rechtsauslegern (in Gestalt von Hans-Georg Maaßen) umgehen soll: Darf es ein Parteiausschluss sein? Leserbriefe dazu finden sich im Thread „Das Elend der Konservativen“ (online ab 23.8., 6 Uhr).
  • Wolfgang Christian schickt einen Leserbrief zur Frage, welche Ziele Verkehrsminister Andreas Scheuer mit seinen Reformplänen wirklich verfolgt – veröffentlicht in der Einleitung der Debatte, die sich mit der Straßenverkehrsordnung befasst.
  • Zur Kolumne „Bahnfahren für alle“ von Michi Herl schickt Roswitha Ristau einen Leserinbrief, der hier veröffentlicht wurde – siehe unten.
  • „Dann können wir ja beruhigt weiter die Luftschadstoffe einatmen“, meint Friedhilde Scholl zu unserem Tagesthema über Flugzeug-Treibstoffe der Zukunft. Ihr Leserinbrief findet sich hier – siehe unten.
Leserforum vom 24. August (Seite eins, Seite zwei)
  • Die beiden Beiträge von Gerhard Bayer und Jochem Spieker zur Serie „Mein 1968“ haben eigene Threads bekommen: „In Heidelberg war für alle was dabei“ und „Wie ich die Angst vor der Obrigkeit verlor
  • Der Leserbrief von Heinrich Mesch zu Salvini folgt hier – siehe unten,
  • Jon Pahlow äußert sich im weitesten Sinn zum Thema Klimaschutz, dein Leserbrief wurde in der Debatte über die Warnung des Weltklimarats als Kommentar veröffentlicht.
  • Georg Dovermann ordnet die aggressive Politik der USA unter Donald Trump ein. Seinen Leserbrief bringe ich als Kommentar in der Debatte über den Konflikt an der Straße von Hormus.
  • Susanne Alpers sieht Computerspiele als einen der Gründe für die zunehmende latente Aggressivität vieler Menschen. Ihr Leserinbrief folgt hier – siehe unten.
  • Dietmut Thilenius kommentiert Werk und Wirkung von Verkehrsminister Scheuer (CSU). Ihr Leserinbrief wurde als Kommentar in der Debatte „Wer zieht Herrn Scheuer endlich aus dem Verkehr?“ veröffentlicht.
Leserforum vom 26. August (Seite eins, Seite zwei)
  • Vier Leserbriefe zum Thema Luftverkehr und Ersatz-Treibstoffe wurden von mir als Kommentare in der Klimadebatte veröffentlicht: Gerhard Hüller, Thomas Bartsch Hauschildt, Karl-Heinz Peil und Hartmut Willibald Rencker.
  • Robert Maxeiners Meinung zur STVO-Reform unseres Verkehrsministers findet sich als Kommentar in der Debatte: „Wer zieht Herrn Scheuer endlich aus dem Verkehr?“
  • Britta Söppers Meinung zu geplanten Widersprichslösung bzgl. Organspende findet sich hier – siehe unten.
  • Ebenso Werner Rundes Beifall für einen Artikel von Stefan Kaufmann – siehe unten.
  • Die Zuschriften von Ulrich Juling, Wiolfgang Kusch und Ingeborg und Lothar von Schwichow zu HR2 wurden als Kommentare in der Debatte über die Senderreform des HR veröffentlicht.
  • Zum Thema Konjunktur steuert Dirk Schönwetter seine Meinung bei – siehe unten.

fr-debatteGleiches Recht für alle

Heilbehandlungen: „Wohnort entscheidend“, FR-Wirtschaft v. 10.8.

Es geht in dem Artikel, auf einen Nenner gebracht, im Wesentlichen darum, dass es bei Verschreibungen von Heilbehandlungen (Kuren, Krankengymnastik, Physiotherapie etc.) regionale Unterschiede gibt, das heißt, in einigen Regionen wird mehr, in anderen weniger verschrieben . Dem kann ich nur beipflichten. Ein weiteres Thema ist, dass man bei Reha-Behandlungen in den letzten Jahren größte Schwierigkeiten bekommt, wenn man in eine Reha in einem anderen Bundesland möchte. Meine Frau ist chronisch krank und war schon einige Male in einer sehr guten Klinik in Ba.-Württemberg. Aber in letzter Zeit macht die AOK Hessen größte Schwierigkeiten .Einmal wurde uns ganz unverblümt gesagt: „Sie wohnen in Hessen, also haben Sie auch in eine hessische Klinik zu gehen ! “ Von wegen freie Klinikwahl ! Wieder ein anderer Punkt ist, das wissen auch viele nicht, dass der sogenannte Personalschlüssel (d.h. die vorgeschriebene Anzahl Pflegekräfte für eine bestimmte Anzahl von Patienten bzw. Heimbewohnern in Krankenhaus oder Altenheim) in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich geregelt ist .Ich habe mir sagen lassen, dass dieser Schlüssel in Bayern und Baden-Württemberg mit am besten sei, und in Thüringen und Hessen mit am schlechtesten . Woran liegt das ? Ich dachte, die Zeiten des Extrem-Föderalismus seien vorbei .Gilt nicht in ganz Deutschland gleiches Recht für alle ?

Martin Eberhardt, Tann

fr-debatteDer Mythos vom führenden, starken Mann

Zu: „Frauen in Top Jobs. Steinzeit im Dax“, FR-Meinung vom 1. August

Die geringe Präsenz von Frauen im Vorstand von Dax-Konzernen ist beklagenswert, das wird in diesem Artikel sehr deutlich. Die Feststellung „Deutschlands Wirtschaft wird gemanagt wie ein Steinzeit-Clan“, mit der die Situation unserer Tage in die Frühgeschichte projeziert wird, muss jedoch in Frage gestellt werden. Stereotype Aussagen über die führende Rolle von Männern in der Steinzeit, nach dem Motto „Männer gingen zur Jagd und beschu¨tzten ihre Familien, Frauen sammelten Beeren und Kräuter und ku¨mmerten sich um den Haushalt“ wurden nicht nur durch wissenschaftliche Veröffentlichungen, sondern auch durch Populärliteratur, Kinderbücher und Ausstellungen weit verbreitet und sind daher sehr tief im allgemeinen Denken verwurzelt. Umfassende Studien und Feldforschungen bei heutigen SammlerInnen/JägerInnen-Gesellschaften haben jedoch den Nachweis erbracht, dass die Menschen damals in egalitären Gruppen leben und lebten und nicht etwa in Paarbeziehungen, was auch lange behauptet wurde. Die Archäologin Linda R. Owen erschließt durch ihre Forschungsarbeit ein neues Bild der Frau in der jüngeren Altsteinzeit. „Dieses Bild zeigt aktive, starke Frauen, die große Entfernungen laufen, schwere Lasten tragen oder stundenlang Wurzeln ausgraben; Mütter, die Kinder erziehen und ihnen ihre Kenntnisse und ihr Handwerk beibringen; Sammlerinnen, Jägerinnen und Fischerinnen, die erheblich zur Ernährung und zur Gewinnung von Rohmaterialien beitragen; Frauen, die Werkzeuge herstellen und für eine Vielzahl von Tätigkeiten verwenden“ (vgl. Owen 2009, S. 161). Der Mythos vom führenden, starken Mann und der passiven, schutzbedürftigen Frau in der Steinzeit hat längst ausgedient. Patriarchale Strukturen sind in vielen Teilen der Welt ja erst sehr viel später entstanden.

Barbara Obermüller, Darmstadt

fr-debatteWenn Bürger sich freudig überwachen lassen

Zu: „Wo Zukunft Gegenwart ist“, FR-Wirtschaft vom 7. August

Warum lesen sich diese Beiträge über die sogenannten „Smart Cities“ fast immer wie die Werbebroschüren der großen Digitalkonzerne? Diese geschönten Bilder einer idealen Stadt gehen an den meisten Problembereichen vieler größerer Städte völlig vorbei. Auch in diesem Bericht von Tom Sundermann, Matthias Schwarzer und Joris Gräßlin gibt es weder ökologische noch soziale Ungleichheit. Harald Welzer schreibt in seinem Buch „Alles könnte anders sein“ ganz treffend, dass in diesen Beschreibungen „der vollversorgte Mittelständler, dem zu seinem Glück nur die Illumination seines Wohnzimmers in den Farben seines Lieblingsclubs fehlt, wenn dieser gewinnt“ im Mittelpunkt steht. Beschrieben wird die Utopie einer sauberen, heilen Mittelschichtswelt ohne sozialen Sprengstoff und ohne die vielen ungelösten ökologischen Probleme. Hier wird suggeriert, dass grundsätzlich alle Probleme technisch lösbar sind, wenn die BürgerInnen nur bereitwillig ihre Daten zur Verfügung stellen und sich freudig überwachen lassen. Gleichzeitig besteht aber eine deutliche Diskrepanz zwischen dem Stand der technischen Entwicklungen einerseits und der analogen Realität andererseits. Ich benötige keine App zum Radfahren, wäre aber froh, wenn es ein gut ausgebautes, komfortables und sicheres Radwegenetz in Frankfurt gäbe. Fahradschnellwege wären wichtiger als ein „E-Highway“. Auch beim ÖPNV wären mir persönlich saubere, pünktliche und zuverlässige Busse und Bahnen wichtiger als der Fahrkartenerwerb über das Smartphone. Saubere Luft, mehr Grünflächen, mehr Raum für Fußgänger und Fahrradfahrer, bezahlbarer und menschenwürdiger Wohnraum und mehr politische Initiative für eine soziale Stadt mit besseren Perspektiven für die Menschen in den armen Stadtgebieten wären eine wichtigere Zukunftsaufgabe, als selbstfahrende Autos oder eine App für alle Verkehrsmittel einzuführen. Die „schlaue Stadt“ ist primär für den Profit der großen Digitalkonzerne da und wird mit massivem Kapitaleinsatz weltweit beworben. Das Konzept der „Smart City“ sieht die BürgerInnen als KonsumentInnen, die die angeblich „eingesparte“ Zeit durch die „schnellere Infrastruktur“ am besten damit verbringen sollen, permanent auf das Display ihres Smartphones zu glotzen. Was eine lebendige und demokratische Stadt aber wirklich braucht, ist die Schaffung analoger Räume als Orte realer Begegnung und öffentlicher Debatten. Dann wäre gemeinsam zu diskutieren, welche technischen Neuerungen sinnvoll sind und welche das Zusammenleben in einer Stadt eher beeinträchtigen können.

Hermann Roth, Frankfurt

fr-debatteBedenken zur Seite geschoben

Mischwesen: „Jenseits der Grenzen“, FR-Tagesthema vom 6. August

Das Experimentierlabor „Frankenstein“, das liegt zurzeit in Japan, vielleicht aber auch in Kürze überall auf der Welt. Der Mensch tut und macht, was der Mensch tun und machen kann; alles scheint erlaubt zu sein! Ethische Bedenken werden einfach zur Seite geschoben, frei nach dem Trumpschen Moral-Motto „first“: Wer zuerst macht, der ist der große Macker!

Klaus P. Jaworek, Büchenbach

fr-debatteMehr als ein Stück Stoff

Burka: „Wo verbieten nicht hilft“, FR-Meinung vom 10. August

Es geht um erheblich mehr als um viel Lärm um zu viel Stoff (von dem des Kopftuchs bis zu dem der Burka). Es geht um das Ausmaß an Einschränkungen im öffentlichen Raum, welche Religionen den säkularen und liberal-religiösen Bürgern aller Konfessionen zumuten (dürfen). Sowohl in Frankreich als auch in den Niederlanden und nicht zuletzt in Deutschland. Es geht auch um die von der Verfassung garantierte Religions- und Meinungsfreiheit, die im Kern die Freiheit von Religion und sämtlichen Alleingültigkeitsansprüchen beinhaltet.
Der Streit um das muslimische Kopftuch (in seinen diversen Varianten) ist der Kampf um die Deutungshoheit in einer pluralistischen Gesellschaft. Ähnlich wie bei der AfD und anderen rechten Gruppierungen erleben wir den Versuch des orthodoxen Islams, menschenfeindliche Positionen zu enttabuisieren und sie dadurch zu einem legitimen Lebensentwurf unter vielen zu machen. Doch hinter dem jeweiligen Schleier verbergen sich anti-freiheitliche Positionen. Nämlich die Reduktion der Frau auf eine Gefährtin des Mannes ohne Anspruch auf eigene Persönlichkeit, der Hass gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften, die Forderung nach geschlechtsgetrenntem Sportunterricht, die Gestaltung des Alltags nach nichtreflektierten religiösen Gesetzen und die widerspruchslose Akzeptanz autoritärer Herrschaft.
Religiöse Glaubensinhalte lassen sich nicht beweisen; sie sind keine Naturgesetze. Sie sind Versuche, sich den Ursprung der Welt und die Stellung des Menschen zu erklären und daraus ein Ziel aller geschichtlichen Entwicklung abzuleiten.
Häufig in Form von gleichnishaften Erzählungen – wie in der Hebräischen Bibel, dem Alten Testament. So sind die zwei Schöpfungsberichte, die Vertreibung aus dem Paradies, die Sintflut und der Bund Gottes mit den Überlebenden Bestandteile einer geglaubten Vergangenheit, die gleichzeitig eine perspektivische Hoffnung für die Zukunft ist. Sie sind vermengt mit Berichten über tatsächliche historische Ereignisse und können als Summe weisheitlicher Erfahrungen gelten. Interessant ist in diesem Zusammenhang der allmähliche Wandel des Gottesbildes – vom allmächtigen und zeitweilig rachsüchtigen Herrscher hin zur gestalt- und namenlosen, sich dynamisch entwickelnden Gottesvorstellung.
Im Neuen Testament sind jüdische Heilserwartungen, altgriechische Opfertod-Mythen und die Verkündigung eines göttlichen Menschen, dessen historische Existenz nicht nachweisbar ist, miteinander verknüpft. Auch daraus kann man ethische Imperative mit Allgemeinverbindlichkeitsanspruch herleiten. Aber keinen Gott; vor allem keinen, der handelnd in die Geschichte eingegriffen hätte, sodass diese als Heilgeschichte interpretiert werden könnte.
Der Islam, dessen Entstehung sich auf das frühe siebte Jahrhundert im Kontext von Mohammeds Offenbarungen datieren lässt, verbindet Elemente der alttestamentlichen Vätergeschichte mit traditionellen Gottes- und Herrschaftsvorstellungen Arabiens. Jesus kommt in dieser heilsgeschichtlichen Komposition der Rang eines Propheten des alleinigen Gottes zu.
Diese Buchreligionen (Judentum, Christentum, Islam) sind einerseits geistesgeschichtliche Phänomene von hohem Rang. Anderseits stellen sie ausschließlich menschliche Reflexionen über vermutete Götter und die Eigenschaften der Natur dar. Deswegen geben ihre Gesetze und Ordnungen lediglich Momentaufnahmen aus ihrer jeweiligen Entstehungszeit wieder. Dies gilt vor allem für Bekleidungs- und Speisevorschriften, das Verhältnis von Mann und Frau sowie die Stellung der Geschlechter oder die Rechtfertigung bzw. Ablehnung weltlicher Herrschaft.
Während Judentum und Christentum längst progressive reformierte Richtungen hervorgebracht haben, die mit den Instrumenten der historisch-kritischen Forschung ihre Glaubensverständnisse analysieren und sie auf das Wesentliche für die Praxis in der säkulare Gesellschaft konzentrieren, steht eine solche, breitere Schichten umfassende Entwicklung im Islam noch aus. Folglich sind seine fundamentalistischen, also unhistorisch praktizierten Überzeugungen nichts anderes als der Geist geistloser Zustände. Er ist sowohl das Opium, mit dem die Gläubigen sich selbst berauschen als auch das Rauschgift, mit dem jeder kritische Geist ausgelöscht werden soll (formuliert in Anlehnung an Karl Marx).
Eine aufgeklärte, humane und solidarische Gesellschaft muss sich sowohl gegen die Unterwanderung durch nationalistische Blut-und-Boden-Mythen á la AfD, Identitäre & Co. als auch gegen religiöse Eiferer mit zu schlichten archaischen Botschaften wehren. Darum ist der Gesichtsschleier mehr als ein Stück Stoff. Er berührt in elementarer Weise das Selbstverständnis der Demokratie.

Klaus Philipp Mertens, Frankfurt

fr-debatteEs ist alles gesagt, nur noch nicht von jedem

Zu: „Woodstock war kein Wonderland“, FR-Titel vom 15. August

Die ersten fünf Seiten einer Tageszeitung zu dem Jubiläum, da fällt einem nur Karl Valentin ein: Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Bevor Harry Nutt seinen stimmigen Kommentar zu dem Ereignis veröffentlichte, hatte Arno Widmann seine kritische Haltung wie auch das Spiegel-Feuilleton unter Verweis auf die schiere zeitliche Nähe zu den Manson-Morden in dem tausende Kilometer entfernten Kalifornien betont. Die im Untertitel gestellte Frage – „Wo waren denn bitte die Frauen?“ – kann man im Fall von Joni Mitchell konkret beantworten: Sie war auf dem Weg zu ihrem Auftritt im Verkehr steckengeblieben. Ansonsten waren Joan Baez, Janis Joplin, Melanie und Grace Slick auf der großen Bühne überaus präsent. Wenn der FR eine Erhöhung der Frauenquote in den DAX-Vorständen als politisch geboten erscheint, liegt es auf der Hand, dass eine solche mit sozialem Fortschritt begründete Forderung auch für die Rockmusik gelten muss.

Karl Otterbein, Frankfurt

fr-debatteEgal was Greta macht, es wird abwertend beonkelt

Das von der FR befürchtete „Ringen ums Kleingedruckte“ hat sich längst vom Gedruckten aufs Gesendete ausgeweitet. Nachdem in deutschen Sendeanstalten zunächst Gretas Flugreisen Anlass boten, ihr fehlende Flugscham und mangelndes Umweltbewusstsein vorzuwerfen, wurde ihre demonstrative Rückkehr zur Seefahrerei ebenfalls abwertend beonkelt. Das erinnert an das alte Sprichwort: „Allen Leuten recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann“.
Vielleicht würde man lieber mit ihr reden, statt über sie zu schwätzen, und vielleicht fehlt ihr auch manchmal nur die Zeit für Interviews? Oder sie will überhaupt nix erklären, sondern einfach Erinnerungen wachrufen an die erfolgreiche Seereise ihrer skandinavischen Urahnen, die mit ihrer Wikingerflotte lange vor Kolumbus Amerika besuchten — womit ich nur ein Beispiel zu liefern hoffe, wie man auch mal freundlich über völlig Neues und Ungewohntes schwätzen kann.

Helmut Roth, Geisenheim

Einkaufsfahrt mit Ferrari oder Bugatti

Ich finde es deutlich überzogen, mit einer – hauptsächlich für Hochseerennen geeigneten – Yacht über den Atlantik zu segeln. Wenn ich mir ein Auto suche, um damit etwas zu erledigen, dann nehme ich auch keinen Ferrari, Bentley oder Bugatti, das ist doch nur etwas für Protzer!
Eine Reise zu einer wichtigen Tagung in Amerika kann man entweder mit dem Flugzeug erledigen oder, wenn das aus Umweltschutzgründen nicht opportun ist, mit dem Schiff und der Bahn. Die Internetauskunft der Deutschen Bahn hat die Reise bis nach Wladiwostok im Angebot (Dauer: etwa acht Tage von Wolfsburg aus) – von dort geht es mit dem Schiff nach Amerika weiter, und da fahren sicher auch andere Schiffe herüber als Hochseeyachten.
Wer nicht fliegen mag, der muss sich eben an dem Roman von Jules Verne orientieren: In 80 Tagen um die Erde.

Ulrich-Dieter Standt, Meine

fr-debatteDie unsozialste aller Steuern

Gastbeitrag „Die Mehrwertsteuer neu denken“, FR-Meinung vom 16. August

Herr Häußler (Unternehmer) und Herr Presse (Professor) beschäftigen sich in ihrem Gastbeitrag mit der „Anreiz- und Verteilungswirkungen“ der Mehrwertsteuer.
Sie behaupten, dass durch den ermäßigten Mehrwertsteuersatz „Haushalte mit geringeren Einkommen … weniger von der Steuer belastet werden.“ Hierbei wird zudem behauptet, dass „unterschiedliche Steuersätze“ zur „Ermöglichung des vergünstigten Erwerbs von Gütern des Grundbedarfs“ führen. Hierzu sei folgendes angemerkt. Erstens hat der ermäßigte Steuersatz nur eine geringe Wirkung auf die Steuerbelastung von Menschen mit kleinen Einkünften. Sie zahlen keine Steuern auf manche hochpreisigen Güter, die sie nicht nachfragen (können). Jedoch trifft sie der höhere Steuersatz bei Waren und Dienstleistungen, deren Nachfrage sie kaum steuern können, z.B., Kauf eines Autos, Elektronikartikel, Telekommunikation, Gas, Strom, Treibstoff, Versicherungen (die Steuer heißt „Versicherungssteuer“). Neben den Gütern des Grundbedarfs sind das die größten Posten in einer monatlichen Ausgabenliste! Ein Vorteil des ermäßigten Steuersatzes für geringe Einkommen ist hier nur schwer zu erkennen, eigentlich ist die Behauptung der Gastbeitragsschreiber eher Augenwischerei. Zweitens, wenn wir nur den ermäßigten Steuersatz betrachten, ist die Behauptung schlicht falsch. Der ermäßigte Steuersatz gilt für alle Einkommensgruppen, der Millionär zahlt für sein Brot die gleiche Steuer wie der Geringverdiener! Drittes, grundsätzlich, ist die Mehrwertsteuer insgesamt die unsozialste Steuer aller Steuern, da sie Einkommensunterschiede ignoriert. Kein geringerer als Adam Smith, Begründer der Nationalökonomie und des Wirtschaftsliberalismus hat dargelegt, dass „Steuerpflichtige … gleichmäßig im Verhältnis zu ihrem Einkommen besteuert werden (sollen).“
Wenn die Autoren die Mehrwertsteuer „neu denken“ wollen, dann sollten sie die Aussage von Adam Smith als Grundlage nehmen und die Mehrwertsteuer sozial neu denken. Die Mehrwertsteuer muss sich an den Einkommen orientieren oder sie muss gänzlich abgeschafft werden.
Stattdessen sehen sie beim bestehenden Mehrwertsteuersystems Handlungsbedarf hinsichtlich des Erwerbs und der Miete von Immobilien, die derzeit nicht mit der Mehrwertsteuer belastet werden. Hier behaupten sie, dass beim Erwerb von sehr teuren Immobilien „exakt null Steuern“ gezahlt werden. Hinsichtlich der Mehrwertsteuer stimmt das, jedoch fällt die Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland zwischen 3,5 und 6,5%) an. Die Autoren wollen eine soziale Verteilungswirkung durch die Erhebung einer Mehrwertsteuer erreichen, wobei die dadurch „zustande kommenden Mehreinnahmen an die Bevölkerung pro Kopf ausgezahlt würden“.
Wieso eigentlich nicht die bestehende Grunderwerbsteuer vereinheitlichen und erhöhen und zugleich einen Freibetrag einführen, damit nur Luxusimmobilien der Steuer unterliegen?

Herold Scheffelmeier, Dornstadt

fr-debatteAbgeblitzte Frauen

Plácido Domingo: „Andere Standards, seine Regeln“, FR-Feuilleton vom 15.8.

Ich habe Plácido Domingo in der Münchner Oper Ende der 70er Jahre kennengelernt. Ich war eine attraktive Frau damals. Plácido Domingo hat auch mit mir etwas geflirtet, aber niemals hat er mich in irgendeiner Weise belästigt. Er hatte Charme, und sehr viele schöne Frauen haben sich an ihn rangeschmissen, das habe ich mehrfach erlebt. Er konnte sich oft nicht wehren.
In Verona z.B bat er mich, so zu tun als seien wir zusammen, weil eine Frau so aufdringlich geworden ist, dass er diese Frau nicht los werden konnte, darum bat er mich um „Hilfe“. Ich kann mir nur vorstellen, dass diese Frauen, die ihm jetzt Belästigungen vorwerfen, wahrscheinlich von ihm abgeblitzt worden sind.
Domingo hatte es wirklich nicht nötig eine Frau gegen ihren Willen zu verführen. Er war und ist einfach nicht der Typ, der Frauen belästigt.Er macht Komplimente und flirtet gerne. Aber warum sollte das schlimm sein? Leider haben die Männer heute Angst zu flirten, weil irgendwelche frustrierten Frauen dann mit “ Metoo “ kommen. Schade!
Domingo ist eine Ausnahmeerscheinung und hat eben dadurch so viele Neider. Heute kann jeder frustrierte Mensch andere angreifen aus Hass und Neid, wie jene anonyme Frauen ohne jeglichen Beweise Behauptungen aufstellen.

Angela Heilmann, München

fr-debatteDer Tarif der Bundeswehr

Zur Kolumne „Bahnfahren für alle“, FR-Meinung vom 20. August

Als Pazifist und vollzahlender Bahnfahrer kann ich jeden Satz genauso unterschreiben. Danke, Michael Herl! Bin sogar bereit, eine BahnCard 100 zu bezahlen: zum Bundeswehr-Tarif von 22 € p. a. (Normalpreis 4.395 €)

Henning Möller, Freinsheim

Fehlende Empathie

Danke für diese Kolumne. Sie trifft genau mein Empfinden, meine Sicht der Dinge, auch meine Wut ob der hinter der beabsichtigten Erhöhung des Ansehens einer Berufsgruppe stehenden Heuchelei, denn damit wird die fehlende Empathie gegenüber all denen enthüllt, an die Michael Herl denkt.

Roswitha Ristau, Braunschweig

fr-debatteWir können beruhigt Schadstoffe einatmen

Zu: „Halte nichts von Flugscham“, FR-Tagesthema vom 21.August

Narrativ kommt von Narr, das sind diejenigen die uns zum Narren halten. Nur so kann man verstehen, dass der zuständige Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Rolf Henke, uns vorspielt, es gäbe alternative, schadstoffarme Treibstoffe für Flugzeuge. Die gibt es nicht, und es wird sie auf absehbare Zeit auch nicht geben, sonst – das wäre seine Aufgabe – hätte man sie ja längst entwickelt. Es scheint weder Flug- noch sonst eine Scham zu geben, wenn man zu den bereits zwölf Milliarden Euro Luftverkehrssubventionen jährlich noch weitere fordert. Das erinnert mich sehr an die E-Oberleitungsstrecke an der Autobahn zwischen Darmstadt und Frankfurt, die  von genau einem LKW benutzt wird, aber 30 Millionen Euro gekostet hat. Die Politiker und ihre Helfer spielen den Menschen vor, man würde etwas für den Schutz des Klimas tun, um in Wirklichkeit nichts machen zu müssen. Umgangssprachlich heißt das, dass man verar… wird. Das gleiche gilt für den Umgang mit Abgaspartikeln wie Ultrafeinstäuben aus Flugzeugtriebwerken. Der hessische Minister Al-Wazir (Grüne) lässt nach langem Hin und Her endlich messen, setzt dann eine Arbeitsgruppe ein, spielt auf Zeit und hofft, dass die Menschen um den Frankfurter Flughafen nun beruhigt weiter die Luftschadstoffe einatmen.
Ein Narr, wer da nicht an die 22 Millionen Euro denkt, die alleine der Flughafenbetreiber Fraport jährlich für PR zur Verfügung hat, um damit Politik, Presse, Fernsehen aber auch Schulen, Kirchen, Sportvereine und viele Weitere auf Luftverkehrswachstum einzuschwören.
Solange ein Bahnticket nach Berlin 120 Euro kostet und ein Flug nur die Hälfte, aber die vierhundertfache Menge an Schadstoffen ausstößt, solange ist Flugscham ein Thema. Wir sollten uns nicht länger von Politikern zum Narren halten zu lassen.

Friedhilde Scholl, Frankfurt

fr-debatteSchritte in den Faschismus

Zu: „Salvini im Abseits“, FR-Politik vom 21. August

Was ist das erste Ziel faschistischer Herrschaft? Die Ausschaltung des Denkens!  Das zweite Ziel ist die Ausschaltung alternativer Symbole. Der erste Mai wird zum Feiertag erklärt und am Tag darauf werden Gewerkschaftsführer und Sozialdemokraten und Kommunisten verhaftet.  Was hat das jetzt mit Salvini zu tun?  In einem kleinen Ort gab es mal einen kommunistischen Bürgermeister der ein Problem klar erkannt hat. Der kapitalistische Konsum frisst seine Kinder. Neues Auto oder neues Kind? Die Kinder des Kapitalismus entscheiden sich für ein neues Auto. Da sitzt nun ein alter Kommunist in einem Dorf in Süditalien und überlegt sich wie er verhindern kann wie sein Dorf stirbt. Sein Problem ist nicht das Kapitel, sondern die Menschen. Die gibt es nicht mehr. Die Kinder des Dorfes sind im Norden, in Norditalien oder in Deutschland, verdienen viel Geld und geben viel Geld für Mietwohnungen aus.
Was gibt es am Mittelmeer? Flüchtlinge! Was macht also unserer Bürgermeister? Er versucht Flüchtlingen in seinem Dorf ein neues Leben zu verschaffen. Diese Leute dürfen dort Häuser bauen oder in alten Häusern wohnen. Ziegen und Schafe züchten. Menschen Konnten dort leben.
Und jetzt kommt Salvini. Im Namen des italienischen Rechtsstaates wird dieses Dorf zerstört. Und keinen stört es. Dem Bürgermeister wird die Veruntreuung von Steuergeldern vorgeworfen. In Italien es anscheinend völlig normal, von Steuerbetrug zu reden, wenn nicht die Hälfte des Geldes bei der Mafia ankommt.
Salvini hat ein Symbol zerstört. Der kommunistische Bürgermeister wollte den Menschen beweisen,  dass Menschen miteinander  arbeiten können, Salvini versucht den Menschen zu beweisen, dass Hass und Ausbeutung auch ein Weg zum Reichtum ist.

Heinrich Mesch, Attendorn

fr-debatteZocken mit der Cloud

Gamescom: „Es steht viel auf dem Spiel“, FR-Wirtschaft vom 21. August

Die gamescom hat wieder ihre Pforten geöffnet und lockt in Kölle mit den neuesten Versionen für alle Gamer und Zocker. Neuerdings können die aktuellen Spiele überall und auf jedem Gerät abgerufen werden, so denn sie „in der Cloud“ abgelegt wurden.
Die gängigen Argumente der Spiele-Industrie lauten: Menschen haben doch immer gespielt. Spielen trainiert das Gehirn – und das in jedem Alter. Die Interaktionsformen beim Spielen finden heute eben über das head-set und die play-station statt und nicht mehr am gemeinsamen Spieltisch. Wo bitte ist das Problem?
Die Realität sieht anders aus. Immer mehr Menschen sind online-spielsüchtig. Sie können sich nicht mehr lösen von allgegenwärtigen Bildschirmen und den hypnotischen Verheißungen des nächsthöheren Levels, das es zu erreichen gilt – und das in jedem Alter.
Kinder beginnen mit Fortnite, lustigen Tänzchen auf youtube und Fantasiefiguren, die virtuell Abenteuer erleben. Bald werden die jungen Einsteiger aufgefordert sich von ihrem Taschengeld das nächste Level dazu zu kaufen, in dem sie interaktiv mit den Waffen ihrer Wahl ins Royal Battle einsteigen können.
Doch die jungen Gamer wollen mehr. Sie wollen auch GTA spielen, Call od Duty oder Deep Red Redemption, die offiziell erst ab 18 Jahren zugelassen sind. Nachweislich beginnen aber viele Jugendliche diese Spiele schon viel früher, teilweise im Alter von 12 oder 13 Jahren, weil der Gruppendruck zu groß ist. Keiner will außen vor bleiben.
Die Ego-Shotter Versionen werden regelmäßig aktualisiert, sowohl was das graphische Potential anbetrifft als auch hinsichtlich der Spieloptionen. So wird bei Grand Theft Auto V (GTA) interaktiv gefoltert (Zerschlagen der Kniescheibe mit einer Rohrzange, Elektroschocks, Zähne ziehen und Waterboarding eines Gefangenen); diese Szene kann nicht übersprungen oder weg geklickt werden.
Die neueste Version von Deep Red Redemption unterhält seine User mit mehreren wählbaren Möglichkeiten, wie eine Frauenrechtlerin -nachdem sie niedergeschlagen und mit einem Lasso mitgeschleift wurde- wahlweise einem Krokodil vorgeworfen, auf Eisenbahnschienen gefesselt und überfahren oder lebendig angezündet wird um „sie zum Schweigen zu bringen“.
Call of Duty und Halo sind auch nicht gerade zimperlich bei der Wahl ihrer Waffen und Settings.
Wer jetzt schockiert ist, dem raunt die game-community zu: das ist doch alles nur ein Spiel, keiner macht das in der realen Welt.
Fakt ist: Ego-Shooter wurden von der US-Armee ursprünglich als Trainingsprogramme entwickelt um die Emathiebereitschaft ihrer Soldaten herunter zu regulieren. Nachdem das super funktioniert hatte, wurden die Spiele schnell für den kommerziellen Gebrauch frei gegeben und bedarfsgerecht modifiziert. Das heißt, sie spielen im kalifonisch-mexikanischen Grenzgebiet, im Wilden Westen, im Irak oder im Weltall.
Sie wundern sich über die Zunahme dissozialer Agressionen im öffentlichen und privaten Raum? Ein Blick auf die Spielesequenzen der neuesten Versionen von Ego-Schootern bei youtube kann hier eine wertvolle Erkenntnisquelle sein.
Der Attentäter von Christchurch hatte seine Wahnsinnstat die gesamte Zeit mit einer Kamera gefilmt, die in bewährer counter-strike Manier sowohl seine Unterarme mit der großkalibrigen Waffe als auch seine sterbenden Opfer aufgenommen hatte. Diese Version landete zeitgleich im Netz.
Da fragt sich der staunende Zocker am heimischen Computer: ist das jetzt im game oder im real?
Ich sage: Zocken verändert das Gehirn und die Persönlichkeit des Users, vor allem, wenn es oft und lange gespielt wird. Der interaktive Spielmodus ändert nichts an den destruktiven Konsequenzen, wenn alle Beteiligten die gleichen bescheuerten Optionen wählen.
Die gamescom ist kein Spieleparadies!

Susanne Alpers, Frankfurt

fr-debatteJeder Bürger hat das Recht auf Widerspruch

Organspende: „ Gegenwind für Spahn“, FR-Politik vom 16. August

Es ist die Aufgabe von Politikern in Gesetzgebungsverfahren sowohl die Interessen und Rechte des Einzelnen wie auch das Allgemeinwohl zu berücksichtigen. Dass das nicht immer einfach ist und selten hundertprozentig gelingt, ist eine alltägliche Erfahrung in der Politik. Die ehemaligen Gesundheitsminister Schmidt und Gröhe postulieren hier aber einen Konflikt, der so aus meiner Sicht, gar nicht besteht. Sie behaupten, es handele sich um einen tiefgreifenden Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen, also der Einzelne quasi dem Allgemeinwohl „geopfert“ wird. Natürlich stehen wir politisch und gesellschaftlich als Deutsche in besonderer Verantwortung die Freiheit und Selbstbestimmung besonders aufmerksam zu schützen. Ich sehe jedoch keinen Verstoß gegen das Selbstbestimmungsrecht, wenn jeder Bürger das Recht hat der Organspende zu widersprechen. Natürlich sollten die Menschen die Möglichkeit erhalten, sich eingehend über die Kriterien für die Feststellung des Todes, die Bedingungen der Organentnahme und der Verteilungskriterien zu informieren. Die Politik darf den Bürger dann aber getrost zutrauen, dass sie widersprechen, wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, ihre Organe auch nach einem hohen geprüften Standard nicht spenden wollen. Ich bin der Auffassung, es ist zumutbar, sich mit dieser Haltung positionieren zu müssen. Dadurch würde den vielen Bürgern in Deutschland, die der Organspende positiv gegenüberstehen, erspart mit bürokratischen Aufwand ihre Zustimmung auszusprechen. Zurecht können sie dann hoffen, wenn sie selbst automatisch potentielle Organspender sind, ebenfalls im Bedarfsfall für sich oder einen Angehörigen eine höhere Chance auf ein passendes Organ zu haben.
Ich teile absolut die Auffassung von Frau Falke-Ischinger, der Vorsitzenden der Initiative „Leben Spenden“,  es kann nicht sein, dass kranke Menschen weiterhin einem ineffizienten System gegenüberstehen, das ihnen im schlimmsten Fall das Leben kostet, obwohl es medizinisch wie auch organisatorisch längst anders und besser möglich wäre. Es muss eine Widerspruchslösung plus verbesserte Strukturen geben.

Britta Söpper, Bad Kissingen

fr-debatteGenug verschlankt!

Die hervorragende Analyse von Stephan Kaufmann und sein Interview mit dem Ökonomen Jens Südekum sind ein Highlight des Journalismus, weil viele ökonomische und politische Selbstverständlichkeiten auf den Punkt gebracht werden. Leider habe ich meine erheblichen Zweifel an der These, dass sich das neoliberale Zeitalter dem Ende zuzuneigen scheint. Hat sich die Stimmung wirklich so gedreht, dass der Staat als ökonomischer Akteur teilweise rehabilitiert ist und nicht länger als Hindernis für die Wirtschaft gesehen wird, das verschlankt gehört? Die Fehlentwicklungen, die der Neoliberalismus angerichtet hat, müssen weiter intensiv diskutiert und korrigiert werden.

Werner Runde, Mönkeberg

fr-debatteAll die kleinen Ameisenwege

Konjunktur: „Jetzt ist der Staat dran“, FR-Meinung vom 15. August

Unsere Wirtschaft schwächelt auf hohem Niveau und reflexartig fordern die Verbände kräftige (geldwerte) Impulse für die Großindustrie. Hier wird auch die Abkehr von der schwarzen Null gefordert. Angesichts der Klimakrise sind nun kluge, dem Gesamtwohl dienende Entscheidungen gefragt. Alle staatlichen Investitionen sollten nur getätigt werden, wenn sie zur CO2-Verminderung beitragen und die Umwelt nicht weiter schädigen. So bringt uns die einseitige Förderung von Großprojekten (Hochspannungstrassen) oder von Elektrofahrzeugen (problematisch wegen der Batterien, der Gewinnung ihrer Rohstoffe und ihrer Entsorgung) oder die Abwrackprämie für die alte Ölheizung der Energiewende nicht wirklich näher. Stattdessen macht z.B. mehr Sinn, all die kleinen Ameisenwege zu unterstützen, die helfen den Energiehunger lokal zu befriedigen. Warum nicht den Wasserstoff oder das Methan direkt dort tanken, wo diese Stoffe erzeugt werden können – nämlich beim Bauern (der so auch das Gülleproblem lösen könnte), an einer Windkraft- bzw. Geothermie- oder Solaranlage? Auch Investitionen in eine intelligente Verkehrsinfrastruktur gehören vor allem auf die kommunalen Ebenen. Vor allem muss rasch gehandelt werden, denn weitere Verzögerungen werden es immer teurer – wenn nicht gar unmöglich – machen, unseren Planeten gesunden zu lassen.

Dirk Schönwetter, Wuppertal