Eine Insektenoase in der Innenstadtwüste (7)

Was tun für Insekten? FR-Blogger Bronski baut seinen Garten um und berichtet darüber hier im FR-Blog. Kräuter, heimische Blühpflanzen, Totholz – man braucht nicht viel Platz.  Heute Teil 7 der Serie: Jetzt wird erst recht gepflanzt!

Balken 4Lange haben wir diesen Schritt vorbereitet, uns lange auf den Moment gefreut, in dem die letzte Pflanze gesetzt ist. So viel Arbeit noch! Und dann ging es am Ende ganz schnell, nachdem die Entscheidungen darüber getroffen waren, welche Pflanze wohin kommt. Es geht um das Herzstück unserer Insektenoase, ein Beet aus ein- und mehrjährigen Stauden, das viel Nektar für die Summer und Brummer aus der Nachbarschaft liefern soll. Hier kommt ein Bild, das aber noch nicht erkennen lässt, wie dies Gartenteilstück im Sommer aussehen wird.

Jetzt wird erst recht gepflanzt!

Derzeit bildet eine Gruppe von Sandnelken in der Mitte des Beets den zentralen Blickfang, im vorderen Bereich umgeben von Polsterstauden wie Blaukissen, Kriechendem Johanniskraut, Gold-Bergglöckchen, Sonnenhut, Alyssum, Kriechendem Ehrenpreis, Immergrün und Zwergglockenblume. Die unscheinbaren Pflänzchen im Hintergrund werden jedoch wachsen und die Sandnelken im Juni/Juli weit überragen. Links stehen drei Lavendel (die klassische Sorte, für die die Provence berühmt ist: Lavendula angustifolia), rechts davon, noch ganz klein, Kornblumen, daneben Schafgarbe, Purpurglöckchen, Glocken- und Ringelblumen. Das Beet wird rechts hinten begrenzt von drei Nachtviolen. Die Pflanzen aber, die in diesem Beet am höchsten aufschießen werden, fallen bisher noch kaum auf: Hinten steht Eisenkraut (Verbena). Davor ist noch Platz für weitere Korn- und Ringelblumen, die derzeit im Pflanztopf keimen, und für Ackerrittersporn, der bald ausgepflanzt werden kann. Und im Hintergrund jenseits des Weges steht eine von zwei Muskatellersalbeipflanzen (die mit den auffällig großen Blättern) neben zwei Blaurauten (Perovskia).

Das alles ist recht dicht gesetzt, denn wir wollen Ergebnisse sehen – im Sinne unserer summenden und brummenden Besucher. Insbesondere zwischen dem Salbei und den Blaurauten wird es in der zweiten Jahreshälfte eng werden, zumal auch noch Wicken hinzukommen werden. Und im kommenden Jahr wird’s erst recht eng, wenn der Salbei, der zweijährig ist, zu seiner vollen Größe und Breite aufschießt: Er kann bis zu 1,50 m hoch werden. Aber das ist uns recht, denn die Blauraute ist ebenfalls sehr wüchsig. Der Weg, der jetzt noch so offen zu sehen ist, wird jedenfalls bald hinter und unter allerlei Busch- und Blattwerk verschwinden.

Erinnern Sie sich an Auguste Viktoria, den Menhir, den wir vor einer Woche „gepflanzt“ haben? Hier ist er wieder, jetzt mit Kopfschmuck. Die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria war ja bekannt für die Wagenräder auf ihrem Kopf. Natürlich trug sie darin keine Petunien zur Schau, so wie ihre Namensvetterin es tut, der Menhir in unserem Garten. Die Entscheidung für Petunien ist keine endgültige, denn Insekten interessieren sich kaum für Petunien. Andererseits sind Petunien eifrige Blüherinnen, und die Vorstellung gefiel uns gut, wie links und rechts und hinten Wolken knalliger Blüten von Auguste Viktoras Haupte wallen. Aber wer weiß, vielleicht pflanzen wir die Petunien noch in Kübel auf der Terrasse um und machen hier lieber was mit Kapuzinerkresse? Die ist beliebt bei Insekten und blüht ebenfalls knallig.

Übrigens: Mit dem „Wagenrad“ hat es noch etwas Besonderes auf sich. Darüber erzähle ich demnächst mehr. Jetzt noch die Infos über Auguste Viktorias Untertanen, die zu ihren Füßen gesetzt wurden: Außer den Sandnelken finden sich hier verschiedene hochwachsende Flammenblumen (Phlox), im Vordergrund Zwergglockenblume und Immergrün und dazwischen ganz viele Glockenblumen aus eigener Aufzucht. Die werden weiß und zartblau blühen und den roten Sandstein im Sommer wolkig und farblich kontrastieren. Und für das alles wird im Hintergrund durch Schilf und Zebragras die (grüne) Szene gegeben wie die Scena in einem antiken griechischen Theater – was jetzt noch nicht mal ansatzweise zu erkennen ist.

Wirklich fertig ist man in einem solchen Garten natürlich nie. Vielleicht wird hier und da noch umdisponiert. Und wie gesagt: Es ist noch nicht alles ausgepflanzt, was da rein soll. Und dann muss man natürlich auch ein Auge darauf haben, was da an Kräutern hochkommt, die wir in unserem Experiment nicht so gern haben wollen. Trotzdem haben wir die Phase der Brachial- und grundlegenden Umbauarbeiten nun hinter uns. Jetzt beginnt eine Phase, in der wir viel beobachten wollen. Zusehen, wie die Pflanzen wachsen, wie sie sich entwickeln, welche Insekten sie anziehen – und am Ende auch draus lernen. Denn sicherlich kann man manches noch viel besser machen, als wir es bisher gemacht haben.

Aber hier ist schon mal ein kleiner Erfolg zu vermelden: Eine Rote Mauerbiene labt sich an der Blüte einer der Zwergglockenblumen, die wir gerade erst gesetzt haben. Die Rote Mauerbiene ist die häufigste heimische Wildbienenart. Dieses Foto (links) habe ich auch in der Rubrik „Bild des Tages“ auf der Startseite des FR-Blogs veröffentlicht. Da zu erwarten ist, dass im Lauf der Zeit weit mehr sehenswerte Bildmotive anfallen, als ich in meinen wöchentlichen Berichten unterbringen kann, werde ich solche Bilder künftig im Bild des Tages veröffentlichen. Am besten auffindbar über die Startseite des FR-Blogs – und dann in der linken Außenspalte.

Natürlich sind wir bei allem idealistischen Einsatz für Insekten auch ein bisschen eigensüchtig. Wir wollen was Schönes fürs Auge! Als klitzekleine Belohnung. Ich bin sicher: Da kommt Einiges auf uns zu. All die Pflanzen sollen jetzt tun, was sie immer tun, um sich zu verbreiten: Blühen und Nektar erzeugen, um Insekten anzulocken, die ihre Pollen mitnehmen. Läuten wir die Phase des Beobachtens also ein mit einem Panoramabild vom Moos-Steinbrech (Saxifraga arendsii). Gerade mal 20 Zentimeter hoch ist dieser Klassiker des Steingartens, der es lieber schattig mag. Hier steht er mal für eine halbe Stunde in der Sonne, damit ich ihn fotografieren kann. Bin gespannt, wie die Bienen und Hummeln ihn finden.

Weiter geht’s in einer Woche an dieser Stelle.

Naoned!

Ihr Bronski

Teil 6 / Teil 8

Rechte an allen Bildern: Lutz „Bronski“ Büge
Startseite des Gartenprojekts

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