Eine Insektenoase in der Innenstadtwüste (5)

Was tun für Insekten? FR-Blogger Bronski baut seinen Garten um und berichtet darüber hier im FR-Blog. Kräuter, heimische Blühpflanzen, Totholz – man braucht nicht viel Platz.  Heute Teil 5 der Serie: Wie geht man ran an so ein Projekt?

Balken 4Allmählich wird es akut. Wir haben Mitte April, und überall rührt sich das Leben. Ich schätze, dass uns jetzt ein Zeitkorridor von vielleicht drei Wochen bleibt, um die Stellschrauben in unserem Offenbacher Innenhofgarten so zu drehen, dass sich in Kürze möglichst viele Insekten und Kleinvögel zu freuen beginnen. Und damit meine ich nicht den frechen Amselhahn, der mit seiner Henne bereits jetzt unentwegt im Garten wühlt. Der Verdacht: Die beiden bauen ein Nest! Es befindet sich allerdings nicht auf unserem Grundstück. Ist egal, sie dürfen sich natürlich bedienen. Derzeit beschäftigen mich vielmehr ganz andere, viel grundsätzlichere Fragen, die man so zusammenfassen könnte:

Wie geht man ran an so ein Projekt?

Wer jetzt krittelt: Und damit kommst du jetzt schon an?, der kriegt eins auf die Mütze. Denn natürlich hab ich mir längst Gedanken gemacht!

Hier rechts siehst Du die strategische Ausgangssituation. Das ist das winzige Stück Grund und Boden, um das es geht. Nur ein paar Quadratmeter. Links grenzt ein versiegelter Innenhof an, in dem praktisch nichts wächst außer Müll, hinten gibt es einen weiteren Innenhof mit Garagen sowie den Hof eines Wohnhauses, in dem unsere russischstämmigen Nachbarn gern über dem offenen Holzfeuer grillen. Rechts schließt sich der Nachbar mit (Hölle!) Rasen an, der nicht gepflegt wird. Wirkt öde, oder? Auch wenn die Forsythien und der Ranunkelstrauch (rechts) schon mal schön strahlend blühen. Aber Du wirst staunen, wie das in zwei, drei Monaten aussieht.

Okay, das Ziel ist, eine Insektenweide zu schaffen. Davon sind wir jetzt noch weit weg. Also an die Arbeit!

Hier gibt es ein pdf vom BUND „Pflanzen für Wildbienen„, das zur ersten Orientierung ganz gut ist. Der Nabu gibt weitere Tipps ohne umständliches pdf auf seiner Webseite „Pflanzen für den Insektengarten„. Das gefällt schon mal ein bisschen besser, weil es nicht nur um Bienen geht. Dem Nabu-Tipp, einfach eine Ecke des Gartens stehen zu lassen, auf dem sich die Dinge dann von allein entwickeln sollen, will ich nicht folgen, denn dazu ist der Platz in diesem winzigen Offenbacher Innenstadtgarten ganz einfach viel zu knapp – und ich weiß aus leidiger Erfahrung, dass Brennesseln nicht da bleiben, wo man sie vielleicht haben will.

Ich verfolge das Ziel einer kultivierten Wildnis, um unter diesen schlechten Standortbedingungen das Beste für Insekten und Kleinvögel herauszuholen. Ich sag’s mal so: Der Mensch greift helfend ein. Viel helfen wird allein dies im globalen Kontext nicht, da soll man sich nichts vormachen, aber vielleicht gibt es ja ein Beispiel. Wobei immer gilt: Fehler sind nichts schlechtes, solange man draus lernt.

Immerhin liest es sich schon mal nicht schlecht, dass wir diverse Pflanzen, die der Nabu für Insekten empfiehlt, bereits im Garten haben, etwa Schneeglöckchen, Schlehe (kürzlich gesetzt), Weißdorn, Feuerdorn, Veilchen, Salbei, Zitronenmelisse (die Blätter schmecken fein im Salat, aber Vorsicht: Das Kraut breitet sich schnell aus. Blütenstände nach der Blüte abschneiden, nur eingehegt pflanzen, in Kübeln oder mit Rhizomsperre), Ysop, Himbeere und Akelei. Alles gute und heimische Insektenpflanzen. Hinzu kommen als gute Insektennährer, auch wenn der Nabu sie nicht auf der Webseite aufführt: Borretsch (Gurkenkraut), Goldmargerite, Bergenie und Schneeglanz. Die wachsen ebenfalls schon in unserem Garten, und zumindest beim Schneeglanz habe ich schon beobachten können, dass sie umschwärmt waren. Die anderen blühen noch nicht.

Neu gesetzt, siehe links, und zwar konkret als Konkurrenz für den Efeu: eine Clematis montana, also eine Wildform der Waldrebe, die als sehr wüchsig gilt. Und weil es heißt, dass die „Füße“ von Clematis es gern schattig haben, haben wir ihr Immergrünes Schleifenkraut und Niedrige Glockenblume anbei gegeben. Eine weitere Waldrede, Clematis vitalba, soll es an einer anderen Front des Gartens mit dem Efeu aufnehmen. Ich bin sehr gespannt, wie die Pflanzen mit den Lichtverhältnissen klarkommen. Einerseits heißt es, sie seien Schattenpflanzen; mit diesem Hinweis wurden sie uns auch verkauft. Auf den Etiketten werden sie hingegen als für den Standort „sonnig bis halbschattig“ geeignet empfohlen. Jedenfalls hat die „Montana“ keine Rankhilfe bekommen. Sie soll den Efeu nutzen. Mal sehen, ob das funktioniert. Für die Insekten wird sie jedenfalls ein Fest, wenn die Dinge sich so entwickeln, wie ich es mir vorstelle. Und die Polsterpflanzen zu ihren Füße ebenso.

Beim letzten Mal habe ich meinen Artikel mit einem Bild von den Blüten der Japanischen Zierquitte beschlossen. Inzwischen haben wir zwei Schlehen (Schwarzdorn, im Hintergrund der Kompost, rechts Grundstücksgrenze) gesetzt. Diese Büsche werden ein paar Jährchen brauchen, um sich zu entwickeln. Aber schon jetzt zeigen diese Frühblüher schöne Blüten, und man sieht auch bereits die Knospen, aus denen bald neues Blatt- und Astwerk entstehen wird.

Weiter geht’s in einer Woche an dieser Stelle.

Naoned!

Ihr Bronski

Teil 4 / Teil 6

Rechte an allen Bildern: Lutz „Bronski“ Büge
Startseite des Gartenprojekts

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