AKK auf Stammtischniveau in der Bütt

Mögen Sie Latte macchiato? Kommt drauf an, oder? Kann schon lecker sein. Nehmen wir an, Sie stimmen dem zu. Was wäre damit politisch über Sie ausgesagt? Denn laut Annegret Kramp-Karrenbauer, der neuen CDU-Chefin, könnte es sein, dass Sie dann einer Fraktion angehören, die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen will/soll/muss: der „Latte-macchiato-Fraktion“. Kein Scherz! „Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen“, sagte AKK in einer viel beachteten Büttenrede. Die Latte-macchiato-Fraktion, damit sind also offenbar die gemeint, die versuchen, alle anderen mit irgendwie überflüssigem Kram zu bevormunden. Also die Grünen und die Roten und die Linken. Und auch ein gewisses „Versifft“ schwingt mit in dieser Rede, denn jede und jeder hat ein Bild davon, wie eine Toilette bald aussieht, wenn Mann sich nicht zum Pinkeln setzt. Mit anderen Worten: AKK macht Scherze in AfD-Manier auf Kosten von Minderheiten.

BüttDenn die Sache mit den Toiletten für das dritte Geschlecht mag allen nicht Betroffenen wie eine bizarre Petitesse vorkommen, eine Nebensächlich- und Unwichtigkeit, mit der PolitikerInnen unnütz Zeit verschleudern. Für die Betroffenen hingegen ist dies durchaus keine Nebensächlichkeit. Für die PolitikerInnen übrigens auch nicht, denn nachdem die Sache mit dem dritten Geschlecht nunmehr amtlich ist, entstehen Rechtsansprüche, d.h. es ist nicht der Lust und Laune von PolitikerInnen überlassen, ob sie Lösungen für Probleme finden wollen, die sich daraufhin auftun, sondern es ist sogar ihre Pflicht. Und zwar nicht allein die Pflicht derer in Berlin, wie AKK weissagte, sondern die Pflicht aller. Sogar in Bayern hat man das erkannt und will an Grundschulen Toiletten für Intersexuelle einrichten. Gut so! Vorbildlich! Zieht das durch, Ihr PolitikerInnen, auch in den anderen Bundesländern. Das ist ordentliche Arbeit.

Es ist nicht das erste Mal, dass im Karneval Dummheiten schenkelklopfend beklatscht werden. Es war schon immer so, dass sich in der „fünften Jahreszeit“ der Bodensatz des Volkshumors Bahn brach. Oft zum Fremdschämen. Aber es gibt auch durchaus Auftritte, die nicht nur lustig sind, sondern auch das leisten, was Karneval ausmacht: die Abrechnung mit den Mächtigen. Wenn Sie 18 Minuten Zeit haben, schauen Sie sich dieses Video an, das den Bauchredner Sebastian Reich mit seiner Nilpferddame Amanda zeigt, aufgenommen bei der jüngsten fränkischen Fastnacht. Ab Minute 5:30 kriegt da die ganze CSU-Spitze (und nicht nur die) ihr Fett ab. Man kann sehen, wie tief beleidigt Markus Söder war.

AKK wird natürlich keine politischen Witze auf Kosten der Mächtigen machen, zu denen sie immerhin selbst gehört. Sie begab sich vielmehr in die Niederungen des Volkshumors, in jene Schichten, in denen „Schwuler“ oder „Jude“ ein Schimpfwort ist (beides ist in deutschen Fußballstadien immer noch gängige Wortwahl), auf ein Niveau, auf dem Humor ausgrenzt, weil er dazu dient, ein Gruppengefühl zu bestätigen und zu bestärken. Das wird dann bodenständig genannt. Der Grat ist schmal, auf dem solch Humor wandelt. Das kann auch schiefgehen. Im Fall dieser peinlichen Witzelei der „Miss Homophobia“ – dieser Titel wurde AKK im Jahr 2018 verliehen – ist es gerade noch einmal gut gegangen. Daher kann man es durchaus mit FR-Leitartikler Markus Decker halten, der die ganze Debatte hysterisch findet.

Auch ich hätte nicht jede der Debatten wirklich gebraucht, die im Lauf der letzten Zeit über fairen Sprachgebrauch geführt wurden. Die über die „Mohren“-Apotheken etwa. Doch auch die hatte letztlich etwas Gutes, weil dabei etwas geklärt wurde. Was das dritte Geschlecht betrifft, wird sicher noch einiges auf uns zukommen, etwa was die Sternchen-Frage betrifft: Wie formuliert man fair und neutral, wenn man auch Menschen des dritten Geschlechts mitmeint? Solche Debatten sind gut und wichtig, denn dabei entwickeln wir Sprache weiter – und das betrifft auch die, die sich nicht unmittelbar selbst vom Problem betroffen fühlen. Solche Debatten erweitern den Horizont und sensibilisieren für Lebenslagen anderer Menschen. Sicher wird manche und mancher sich belästigt fühlen und am liebsten nichts davon wissen wollen, so wie einige der Leserbriefautoren, die unten folgen. Denen sei gesagt: Weder schaden Euch diese Debatten, noch sind sie überflüssig.

Trotzdem kann sogar ich diesem Auftritt der AKK etwas Positives abgewinnen: Annegret Kramp-Karrenbauer profiliert sich auf dem Terrain, auf dem bisher fast konkurrenzlos die AfD gewildert hat. Das ist zu begrüßen, so wie es auch zu begrüßen ist, dass CDU/CSU und SPD wieder unterscheidbar geworden sind. Allerdings sollten auch beim Versuch, das Konservative in der CDU zu reanimieren und so der AfD Wähler abzujagen, gewisse Grenzen eingehalten werden. Eine davon ist: Witze auf Kosten von diskriminierten Minderheiten müssen ausgeschlossen sein! Darauf sollten wir uns verständigen, aus Anstand, Fairness und Respekt. Daher folgen wir AKK nicht, die bereits gefordert hat, die Debatte über ihren lausigen Auftritt zu beenden, sondern im Gegenteil: Los geht’s!

Balken 4Leserbriefe

Boris Hillen aus Frankfurt:

„In Berlin, da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen“ – auf Kosten einer gesellschaftlichen Randgruppe torpediert die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer Integrationsarbeit von Eltern, Pädagogen und Betroffener auf Stammtischniveau. Weiß Frau Kramp-Karrenbauer von den seelischen Nöten eines intersexuellen Menschen oder eines Transgenders? Hat sie sich schon einmal mit einer jungen Frau oder einem jungen Mann auseinandergesetzt, die bzw. der weiß, dass er oder sie geschlechtlich eben nicht eindeutig zu klassifizieren ist bzw. in einem falschen Körper geboren wurde? Im traditionellen Karneval verspottet traditionell der kleine Mann die Politik. Frau Kramp-Karrenbauer verdreht in Ihrer Rede diese Vorzeichen. Vor dem Hintergrund der erweiterten und sicherlich überhitzten Metoo-Debatte über sexuelle Diskriminierung hätte Frau Kramp-Karrenbauers öffentlicher Ausfall einen männlichen Spitzenvertreter einer großen demokratischen Partei mit großer Wahrscheinlichkeit politisch gehörig unter Druck gesetzt. Entweder es mangelt der CDU-Chefin an Empathie oder die Welt ist differenzierter und komplizierter, als sie es zu erfassen vermag – beides wäre bedenklich.“

Lutz Lemhöfer aus Frankfurt:

„Herzlichen Dank für den wohltuend unaufgeregten Kommentar von Markus Decker zu der überbordend aufgeregten Diskussion um Annegret Kramp-Karrenbauers Karnevalswitzchen über stehend oder sitzend pinkelnde Männer. Karnevalswitze sind nicht selten platt, da macht AKKs Stockacher Büttenrede keine Ausnahme. Aber wer sich Karnevalsreden anhört oder sie nachliest, muss auch aushalten, wenn er oder sie oder die eigene soziale Gruppe Gegenstand von Witzen ist. Solche Reden aber mit sprungbereiter Empörungsbereitschaft zu verfolgen und anzuklagen, ist völlig daneben. Da gilt nur noch der rheinische Kommentar: „Wat soll dä Quatsch?““

Günter Bestgen aus Frankfurt:

„Lieber Herr Decker, vielen Dank für die Einordnung der öffentlichen Aufregung über die Belanglosigkeit der Faschingswitze von Stelter und Kramp Karrenbauer. Aber, bitte, ordnen Sie den Inhalt dieser Witzchen nicht als möglichen Teil der Rückabwicklung der 68er Bewegung ein. Das würde die Bewegung, die Nachkriegsdeutschland zu einem liberalen und lebenswürdigen Land gemacht hat, doch unerträglich  klein erscheinen lassen.“

Axel Raue aus Bad Homburg:

„Ich habe darüber nachgedacht, was man, um Schlimmeres zu verhindern, zu Frau Kramp-Karrenbauers Entlastung vorbringen könnte. Dabei erinnerte ich mich an eine bekannte Karikatur, einen Bildwitz zum Thema „Hier wird im Sitzen gepinkelt“. Dieser Witz ist politisch korrekt. Er zielt offensichtlich nicht darauf ab, Stehpinkler oder Sitzpinkler zu diskriminieren. Vielmehr beruht der Witz darauf, dass ein einzelner fiktiver Stehpinkler nicht begriffen hat, was mit „im Sitzen pinkeln“ gemeint ist. Anscheinend hat auch Frau Kramp-Karrenbauer, was die Soziologie des Pinkelns angeht, etwas Wichtiges nicht begriffen: Ihre Variante des Stehpinkler-Witzes wird durchaus als diskriminierend wahrgenommen. Und sicher hat auch ein Teil des lachenden und applaudierenden Publikums ihren Witz so verstanden. Es liegt nahe zu fragen: Kommt eine Politikerin, die einen so einfachen Zusammenhang nicht durchschaut, für eine Kanzlerin-Kandidatur in Frage? Mit Blick auf die aktuellen Wahlumfragen halte ich das für eine gefährliche Frage. Mir kommt ein Satz in den Sinn, mit dem ich seinerzeit einen an meinen Bekanntenkreis gerichteten Kommentar zum CDU-Parteitag einleitete: „Stellen wir uns einmal das realsatirische Szenario vor, der nächste Bundeskanzler sei ein Cum-Ex-Berater.“ Vielleicht unterschätze ich ja das Urteilsvermögen der deutschen Wählerinnen und Wähler. Aber bevor ich mich weiter zu Frau Kramp-Karrenbauer äußere, werde ich vorsichtshalber die Entwicklung der Wahlumfragen aufmerksam beobachten.“

Herbert Seidler aus Holzappel:

„Die unsäglichen Bemerkungen – wo war da die Pointe? – von AKK wurden nicht nur von Betroffenen als Diskriminierung wahrgenommen. Ich bin sicher nicht der einzige der es empörend findet wie sich Frau Karrenbauer mit billigen Witzen über eine Minderheit lustig macht. Sicher ist es im Karneval guter Brauch ordentlich auszuteilen, aber nicht gegen Minderheiten sondern gegen die Mächtigen und es ist auch ein gewaltiger Unterschied ob so etwas ein Karnevalist vorträgt oder die Vorsitzende einer Partei. Da wird man darüber diskutieren müssen ohne gleich von Ihnen als hysterisch abqualifziert zu werden.“

Ulrich J. Heinz aus Marburg:

„Der geschlechtsbetonte Sprachanspruch geht vom Missdeuten der meisten allgeschlechtlichen Gattungsbegriffe als leiblich eingeschlechtlich aus. Wenige lässt er gelten, etwa DIE Person oder Die Fachkraft. Gattungsbegriffe gelten Stellung, Amt, Beruf, Eigenschaft und dergleichen, wofür das leibliche Geschlecht zunächst belanglos ist. Außer den Fällen, die einem bestimmten leiblichen Geschlechte oder  Teilen davon gelten. Der Sprachwissenschaftler Helmut Glück wies am 21.II.darauf hin, daß genós die Art, die Gattung bedeutet; auf gleicher Stufe steht Geschlecht als Typ. Viele Worte bedeuten Zweier- oder Mehrerlei; etwa Geschlecht vierfach.
Etliche bezeichnen sowohl Gesamt- als auch Teilmenge. Das gilt auch bei Angaben auf -er. Leser etwa sind die Leute, die lesen – Mann wie Frau wie Zwitter. Von dieser Bezeichnung für die Gesamtheit rührt Leser-in als Teilmenge.
Schränkte man das Wortverständnis für Alle auf eine Teilmenge ein, so leitete man das eine Geschlecht vom anderen ab statt es gleichzustellen. Die Leserin behält jedoch die Grundeigenschaft Leser.
Für die andere Teilmenge, die mit dem gleichen Wort bezeichnet wird, schlug Jemand einen eigenen, gleich stellenden Zusatz vor, etwa Leser-ich. Die meisten der mehrfachen Bezeichnungen, die von man(n) abgleitet sind – etwa von Mandl als Gestalt bis mannequin – , rühren von dem Wortverständnis wie Mensch im Allgemeinen her.
Bei der paarigen Ausdrucksweise kann man rätseln, ob Drittgeschlechtliche „mit gemeint“ sind. Beim gender-Sternchen, ob sie unaussprechlich sind. Ansonsten verheddern sich beide beim unvermeidlichen Ausweg in die allgeschlechtliche Sprache. Eine Sache anders bezeichnen kann kurzzeitig den Blick ändern. Auf Dauer jedoch folgt der Wortgehalt der Bedeutung, die man der Sache beimisst. Siehe der Abstieg veredelnder Bezeichnungen im Laufe der Zeit, etwa Dilletant.
Der geschlechtsbetonte Sprachanspruch ist doppelt abschätzig: Er sondert Leute von der Gesamtheit ab; und unterstellt ein Unvermögen, übergeschlechtliche Bezeichnungen zu verstehen.“

20 Kommentare

  1. Deutscher Michel sagt:

    @ Bronski:
    In Ihrer Einführung sind Sie nicht konsequent. Sollte jemand beim Pinkeln zum Sitzen tendieren, neigt die Person ja gerade NICHT dazu, eine Toilette zu versiffen.
    Im Übrigen halte ich das ganze Getue bezüglich der Toiletten auch für völlig überzogen. Soll doch jeder auf der Toilette pinkeln, die gerade am geeignetsten erscheint.
    Ich präferiere eh die Unisex- Toiletten,ggf. ergänzt durch Pissoirs, damit die Schlangen an den anderen nicht so lange werden.

  2. Werner Engelmann sagt:

    Ach, wenn es denn „nur“ um „Stammtischniveau in der Bütt“ einer ausgeflippten CDU-Vorsitzenden ginge!

    Zunächst ist das nicht irgendein „Stammtischniveau“, sondern das einer Bundeskanzlerin in spe. Und was (verharmlosend) als „geschmackloser“ Karnevalswitz daherkommt, ist in Wirklichkeit eine politische Absetzbewegung von Merkel auf primitivstem Niveau. Der Beifall der AfD spricht da Bände.
    Kann sich jemand Merkel auf diesem „Niveau“ vorstellen?
    Nun gab es freilich schon Kanzler, die auch ganz schön ausgeteilt haben, Adenauer z.B., oder Kiesinger, auch Kohl und Schröder (ich denke da zuvörderst an die „faulen Säcke“). Das war aber wenigstens immer als politisches Statement erkennbar. Und Strauß, der hemmungslos nicht nur über Intellektuelle („Ratten und Schmeißfliegen“) herzog, wurde ja zum Glück nie Kanzler.
    Daher widerspreche ich Markus Decker ganz entschieden. Denn es geht auch um Maßstäbe, die man zu Recht an einen Kanzler/ eine Kanzlerin anlegt.

    Das Schlimmste bei AKK ist, dass das für sie gar kein „Witz“ ist, sondern ihre tatsächliche Weltanschauung widerspiegelt.
    Noch schlimmer als der abgeschmackte „Witz“ ist ihre Reaktion auf Kritik: Sie will Bundeskanzlerin des „verkrampftesten Volks“ werden, „das überhaupt je auf der Erde rumläuft.“ Abgesehen von den in diesem Tweed erkennbaren recht rudimentären Deutsch-Kenntnissen: Ihre „Kritik“ soll alle anderen treffen, außer sich selbst und den eigenen Krampf.
    (https://twitter.com/ZDFheute/status/1103364206957604864/photo/1?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1103370800181268480&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.merkur.de%2Fpolitik%2Fkramp-karrenbauer-cdu-union-legt-nach-karnevals-witz-an-umfragewerten-zu-zr-10902396.html)
    Und es sei daran erinnert, dass sie auch die Gelegenheit beim Interview mit Sandra Maischberger nicht dazu nutzte, ihren unerträglichen Vergleich von Homoehe mit „Inzest“ aus der Welt zu schaffen, sondern dass sie ihn im Gegenteil sogar noch als ihre „persönliche Meinung“ bekräftigte.

    Hier zeigt sich eine Haltung und eine Resistenz gegen Kritik, die für eine (wahrscheinliche) künftige Kanzlerin absolut inakzeptabel sind.
    AKK hat noch nicht einmal begriffen, dass Demokratie wesentlich vom Konsens über grundlegende Werte und Vorstellungen von der „Würde des Menschen“ (GG, Art.1 und 3) lebt, denen daher laut „Ewigkeitswert“ zukommt.
    Eine Kanzlerin, die mit elementaren Grundsätzen der Demokratie auf so schludrige Weise umgeht, sich resistent gegen Kritik erweist, bietet keine Garantie, dass in einer Zeit, in der „sich das Demokratieprinzip in Zukunft gegenüber gewissen Herausforderung bewähren muss“ (vgl. Link 3), sich die Demokratie der Verfassungsfeinde innerhalb und außerhalb des Parlaments zu erwehren weiß.
    Dazu folgende Links zu „Minderheitenschutz“:
    (1) https://www.juraforum.de/forum/t/minderheitenschutz.262197/
    (2) http://www.artikeldrei.de/argumente/gleichbehandlungsgrundsatz/der-erweiterte-art-3-gg-soll-kuenftig-heissen/
    (3) https://jura-online.de/blog/2018/10/22/worauf-bezieht-sich-die-ewigkeitsklausel-im-grundgesetz/

    Die im Verhalten von AKK erkennbare Anbiederung an den reaktionärsten Teil der Union, die sich zu allem Überfluss noch „Werteunion“ nennt, lässt nichts Gutes erwarten.
    Alexander Mitsch von der „Werteunion“: „Es wäre für die Union das Beste, wenn Frau Merkel ihr Amt geordnet und möglichst bald an AKK übergibt.“
    (https://www.fr.de/politik/ploetzlich-11843632.html)
    Eine solche Stellungnahme spricht Bände über das Demokratieverständnis und die Kenntnis parlamentarischer Regeln zumindest bei diesem Teil der Union.
    Dass das Kanzleramt nicht wie in einer Erbmonarchie vom Monarchen „übergeben“ wird, sondern der Kanzler/die Kanzlerin vom Parlament gewählt wird, davon hat man in diesem Teil der Union offenbar noch nichts gehört.
    Daher wohl die Aufregung über den dezenten Hinweis des Koalitionspartners SPD, dass da vielleicht dessen Stimmen auch gefragt sein dürften. Offenbar eine Majestätsbeleidigung für einen Kanzler(innen)wahlverein, der erkennbar immer weniger geneigt ist, sich mit solch feinen Unterschieden überhaupt noch abzugeben.

  3. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Sie haben ja so recht: Wenn’s nur der Karnelwahlsgag wäre!
    Selbst eine Aufregung über ihren Auftritt wäre die Aufregung nicht wert.
    Aber es sind wieder einmal solche Momente, wo man Kanzlerin Merkel mögen muss. Das passiert ihr einfach nicht!
    Ich bin ja eigentlich ein Sympathisant der Saarländer, einfach so. Aber es ist jetzt deutlich geworden, Annegret Kramp-Karrenbauer ist sowas von schlicht-konservativ, dass eine (mögliche, wahrscheinliche ??) Kanzlerschaft kein Segen fürs Land bringen dürfte.

    Zum „geschlechtsbetonten Sprachanspruch“, den Ulrich J. Heinz oben gut angeht, zitiere ich Hannah Lühmann (FR, Thema des Tages, 7. März):

    „Die Sprache ist kein Instrument zur Verbesserung unseres Denkens. Wir können darauf achten, dass sie nicht verroht, dass wir nicht beleidigen. Aber in sie eine Idee von Gerechtigkeit einzuschreiben, die vermeintlich dem entspricht, wie wir uns die Welt wünschen, halte ich für grundfalsch.“

    Dem ist wenig hinzuzufügen.

  4. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    Zur Einschätzung von AKK bedarf es zumindest zwischen uns keiner Diskussion, vielleicht aber noch einer Begründung. Dazu gleich.

    Zunächst zur Äußerung über „geschlechtsbetonten Sprachanspruch“ (obwohl ich nicht weiß, wie der Beitrag in den Zusammenhang hier reinkommt) und dem Kommentar von Hannah Lühmann:
    „Aber in sie (die Sprache) eine Idee von Gerechtigkeit einzuschreiben, die vermeintlich dem entspricht, wie wir uns die Welt wünschen, halte ich für grundfalsch.“
    Dem ist natürlich voll und ganz zuzustimmen. Schon die zugrundeliegende Vorstellung von Sprache als „Instrument zur Verbesserung unseres Denkens“ ist sowas von platt und stümperhaft. Allein das grundlegende Werk der Psycholinguistik von Wygotski („Denken und Sprechen“ – mit dem ich mein Philosophikum bestritten habe) umfasst fast 400 Seiten. Am besten vielleicht zusammengefasst ist dieses höchst komplexe Verhältnis in dem vorangestellten Motto: „Das sinnvolle Wort ist der Mikrokosmos des Bewusstseins.“
    Also ein dialektisches Verhältnis und weitgehende Identität, in der Weise als außersprachliches Denken nur in sehr beschränktem Maße möglich ist. Keinesfalls ein einliniges Wirkungsverhältnis, wie „feministische Linguistik“ postuliert.
    Schlimm wird es aber erst, wenn dieses „Ich“ sich selbst als Verkörperung der „Gerechtigkeit“ betrachtet und mit gesteigertem Sendungsbewusstsein koppelt. Das kann dann schon in Ansätzen totalitäre Züge annehmen.
    Das wäre also dem Kommentar von Hannah Lühmann noch hinzuzufügen.

    Als problematisches Beispiel für solche Form von Selbstgerechtigkeit erscheint mir übrigens der Kommentar von Anetta Kahane von dieser Woche, der in seiner Vagheit (nicht einmal die Gruppe, die sie vehement angreift, ist klar benannt und es kann durchaus als Angriff auf Männer schlechthin aufgefasst werden) an Pauschalität und Aggressivität nur so strotzt. Wobei ich ja durchaus schon vernünftige Kommentare von ihr gelesen habe.
    (https://www.fr.de/meinung/anti-frauentag-11840287.html)

    Zum Thema AKK:
    Die Definition von Wygotski lässt sich ja durchaus auch auf sie anwenden: Sprache als Spiegel des Bewusstseins, auch im negativen Sinn (wobei mir „schlicht-konservativ“ als recht nette Beschreibung erscheint).
    Hier also eine kurze sprachliche Analyse des von mir verlinkten Twitter-Tweets zur Begründung, warum ich den für schlimmer halte als den total vermurksten Karnevalsauftritt:
    „Heute habe ich das Gefühl, wir sind das verkrampfteste Volk, das überhaupt je auf der Welt rumläuft. Das kann doch so nicht weitergehen.“

    Die Analyse muss natürlich den Bezugspunkt, ihren missratenen Auftritt im Auge behalten sowie den hier erkennbaren Versuch, die darauf erfolgte Kritik mit einem aggressiven Gegenangriff zu kontern.
    „Gefühl, wir“: Nur scheinbares Eingeständnis der Subjektivität, das durch die massive Behauptung konterkariert wird. „Wir“ ist heuchlerisch, denn durch den Gegenangriff nimmt sie sich ja gerade aus.
    „verkrampfteste, überhaupt, je, Welt“: Mehrfache Steigerung durch Superlativ und verallgemeinernde Begriffe. Dies drückt ihre Maßlosigkeit aus, die schon in Hilflosigkeit umschlägt. Dies wird noch gesteigert durch die grammatisch falsche Verwendung von „je“: „Je, jemals“ kann nur in Bezug auf Vergangenes verwendet werden und ist gekoppelt mit dem folgenden Präsens sinnlos.
    „rumläuft“: Umgangssprachliche Verwendung, welche die vulgäre Tendenz noch verstärkt.
    „Das kann doch nicht so weitergehen.“: Aufforderung zum Handeln, durch die sie selbst als die richtig Handelnde erscheinen will. Makaber wird es erst durch den Bezug, dem Versuch der Rechtfertigung ihrer Verächtlichmachung einer Minderheit.

    Als gehandelte künftige Kanzlerin erscheint hier die Absicht, unter dem Motto „Unverkrampftheit“ eine Lizenz für jegliche Form der Herabsetzung von Minderheiten zu erteilen. Das ist AfD pur und sprengt endgültig den Rahmen des Erträglichen.
    Persönlich habe ich für solches Verhalten nach einem missglückten Auftritt, der mit einem einfachen Bedauern zu vergessen wäre, nur Verachtung übrig.
    Politisch wird mir ziemlich schummrig, wenn ich mir eine solche Person als Kanzlerin auf internationalem Parkett vorstelle.
    Die SPD zumindest braucht sich da keine Sorgen zu machen: Abgrenzungsmöglichkeiten wird es noch in Hülle und Fülle geben. Man muss die nur erkennen.

    Noch ein Wort zum Saarland: Das zum Anlass für Saarland-Bashing zu nehmen (wie ich es in manchen Leserkommentaren feststellen musste) ist völlig verfehlt. Mir erscheint AKK auch keineswegs typisch.
    Ich habe einmal an einem Wochenendseminar des Saarländischen Rundfunks teilgenommen und für diesen Interviews erstellt und habe die interviewten Menschen als ausgesprochen aufgeschlossen erlebt.
    Und das Motto „Haptsach gut gess“ ist als Einschlag einer gewissen jovialen französischen Lebensart zu werten, die auch nicht unbedingt zu verachten ist (es sei denn, man trägt gewisse Klischee-Vorstellungen vor sich her).

  5. Anna Hartl sagt:

    Frau AKK empfinde ich als Stock-konservativ, besser vielleicht gesagt, als verstockt konservativ.
    Ihre und die Bemühungen der sog. Werteunion in der Partei der sie angehört, führen in Bereiche vor 68.
    Ich hätte nicht gedacht, dass es noch mehr Idioten gibt, die auf diese Weise der AfD das Wasser abgraben wollen.

    Das AKK ihre eigene Verklemmtheit nicht wahrnimmt und Kritik nicht annimmt ist in Politikerkreisen keine Seltenheit. Frau Bär ist ähnlich resistent.
    Da ist ein festgezurrter Wertekatalog im Kopf und alles was darin nicht enthalten ist, wird lächerlich gemacht oder als nicht existent behandelt. In starren Denkmustern ist kein Raum für die Vielfältigkeit und die Veränderungen die Leben ausmachen.

    Alles was an diesen Denkmustern rüttelt, ist gefährlich, könnte diese, wenn man es zulässt erschüttern und Gott bewahre, verändern.

    Ein Gutes hat diese ganze Misere, sie zwingt Politiker, da es um das „Überleben“ der Parteien, bzw. um den Machterhalt geht dazu, den Schrott der in den Köpfen so existiert zu offenbaren.

  6. Werner Engelmann sagt:

    @ Anna Hartl

    Den inneren Zustand von Menschen wie AKK, welche die eigene Verklemmtheit auf andere projizieren, haben Sie gut beschrieben.
    Freilich ist damit noch nicht geklärt, wie solches Verhalten zustande kommt.
    Dies an Politikern festzumachen, halte ich für falsch. Man sollte AKK und Frau Bär (beide aus stockkatholischem Milieu) nicht unbedingt für repräsentativ ansehen.
    Ich kenne Menschen, die sich mit großer Leidenschaft und Idealismus politisch engagieren. (Darunter der Sohn eines Studienfreunds, der in Brandenburg für die SPD bei der Bundestagswahl kandidierte, leider knapp nicht gewählt wurde – in Brandenburg kein Wunder.)
    Ich habe freilich ähnliche Verstocktheit wie bei AKK in meiner Studentenzeit erlebt, als ich noch bei einer katholischen Studentenvereinigung mitarbeitete. Da sah man mich bei jeder kritischen Frage an, als sei eben der Leibhaftige erschienen.
    Wie man weiß, habe ich die Konsequenzen daraus gezogen.

  7. Gisela Reimer sagt:

    Intersexualität ist im Klassifikationssystem der WHO eine Krankheit, deren Behandlung zur Leistungspflicht der GKV zählt. Es handelt sich um Abweichungen der Geschlechtshormone und oder genetisch bedingte hormonelle Entwicklungsstörungen. Transsexuelle Menschen fühlen sich bei biologisch eindeutiger Zugehörigkeit zu einem männlichen / weiblichen Geschlecht dem jeweils anderen Geschlecht zugehörig. Begleitende Symptome sind jeweils ein hoher Leidensdruck, nicht selten einhergehend mit Depressionen und Suizidversuchen. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein wurden beide Gruppen psychiatrisch pathologisiert. Auch nach der Anerkennung durch die WHO als eine nicht per se psychiatrisch zu behandelnde Erkrankung bleiben den trans- und intersexuellen Menschen oft leidvolle geschlechtsangleichende Operationen nicht erspart. Psychische Belastungen und psychologische Therapien werden in der Folge oft notwendig. Der Deutsche Ethikrat fordert daher nicht von ungefähr Respekt und Unterstützung der Gesellschaft sowie Schutz vor medizinischen (!) Fehlentwicklungen und Diskriminierungen.
    Sowohl Herr Decker („Hysterische Debatte“) als auch Frau Vates („Bierzelt-Agenda“) werfen Nebelkerzen mit dem Ziel der Verharmlosung über die Diskriminierung trans- und intersexueller Menschen durch Frau Kramp-Karrenbauer. Frau Vates relativiert, man „konnte ihn“, den sog. Witz von Frau Kramp-Karrenbauer, „als Missachtung von Minderheiten verstehen“. Weiter „müsse“ Frau Kamp-Karrenbauer, um „gehört“ zu werden, durchaus auch auf die AfD-Strategie des „Man wird doch noch mal sagen dürfen“ zurückgreifen. Herr Decker gesteht den „Betroffenen“ zu, in jenem sog. Witz eine „Diskriminierung“ wahrzunehmen“. Unklar bleibt darüber hinaus, wie Herr Decker schließlich die „Debatte“ über die Diskriminierung trans- und intersexueller Menschen zu einem Thema der „Linksliberalen“ erklärt. Ebenso frei von einem von ihm angeführten Kontext bleibt die „Hysterie“ der Debatte. Oder soll sie schließlich den Bezug zu Herrn Habeck herstellen, der sich zu „Recht“ den digitalen Netzen verweigert? Wie ist solch ein Zusammenhang herstellbar? Festzuhalten ist: Frau Vates und Herr Decker individualisieren die Diskriminierung, man „kann“ es so oder so sehen (Frau Vates) oder wenn denn Betroffene sich diskriminiert fühlen, kann man das tatsächlich auch verstehen (Herr Decker). Herrn Heise sei gedankt für sein „Hoch auf den Frohsinn“.
    Herr Heise versucht (!) sich im Kreis seiner Familie (!) an einer Büttenrede. Ich stimme ihm zu, wenn er nach der von ihm vorgetragenen „Büttenrede“, angelehnt an den sog. Witz von Frau Kramp-Karrenbauer, in dem „eisigen Schweigen“ seiner Familie „ein gutes Zeichen“ sieht. Die „Familie“ der Vorsitzenden der Werte-Partei hat bekanntlich mit Gejohle ein anderes Zeichen gesetzt!
    Zu sehen ist derzeit, wie sich ein dunkler Schatten über unsere Gesellschaft legt: Frau Kramp-Karrenbauer „kann“ und „will“ und „muss“ (?) sicherlich weiter „zuspitzen“. Der Deutsche Ethikrat mahnt in realistischer Einschätzung den beständigen Respekt und Schutz trans- und intersexueller Menschen an. Ein Schweigen der Öffentlichkeit und indifferente Leitartikel in der FR haben eine brand-stiftende Wirkung!

  8. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Hallo Herr Engelmann,
    Sie fragen mich zurecht, wie der „geschlechtsbetonte Sprachgebrauch“ von Hannah Lüdemann im Zusammenhang mit der AKK-Büttenrede hier gelandet ist. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht, wahrscheinlich war es eine Intuition und ich habe nicht gemerkt, dass es woanders hingehört.
    Trotzdem finde ich es sehr aufmerksam, dass Sie darauf eingegangen sind („Denken und Sprechen“). Ich bin inzwischen auch müde geworden, die feministischen Sprachwendungen zu verwenden. Mit * oder die Versuche da und dort noch ein in/innen dranzuhängen, wo es sich in der ursprünglichen Schreibweise, meiner Meinung nach sowie so nicht um eine Diskriminierung des Feministischen handelt. Es macht die Beziehungen zwischen Mann und Frau auch nicht besser oder „gerechter“.
    Sie sprechen noch bei der Idee von Gerechtigkeit (Lühmann) von der „Koppelung mit gesteigerten Sendungsbewusstsein“. Das ist eine weitere ideologische Gefahr des Umgangs mit der Sprache der Gerechtigkeit.

    Jetzt aber noch zu Annegret Kramp-Karrenbauer (‚ett Annegret‘ würden die Saarländer sagen):

    Der Satz den sie in der Buett oder auf der Bühne losgelassen hat, ist ja wirklich total daneben. Sie haben ihn entsprechend auseinander genommen („Denken und Sprechen“). So weit bin ich überhaupt nicht gegangen. Aber Sie haben ganz recht. Eigentlich sehr ärgerlich, weil so blöd sind die Saarländer nicht. Sie sind nicht nur „ausgesprochen aufgeschlossen“. Sie sind auch wortwitzig und humorvoll. Das Motto „Haptsach gut gess – geschafft hammer schnell“ ist wohl das bekannteste Motto. Will sagen: Eisch maan se emmer noch!

    Deswegen hat AKK ihrem sympathischen Land keinen großen Gefallen getan in ihrem wohl unbedingten Drang, gerade jetzt so auf sich aufmerksam zu machen und auch noch witzig sein zu wollen. Und wenn sie darüber hinaus auch katholisch ist, was ich nicht weiß, dann können’s auch die Katholiken besser mit dem Humor und unbedingt verstockt kenne ich die wenigsten.
    Also, Annegret, des war schwach, was de do abezooche host!
    Insofern kann ich auch dem Kommentar von Markus Decker mit der Bagatellisierung nicht so viel abgewinnen.

  9. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Anna Hartl

    So kurz vor „Feierabend“ wollte ich Ihnen aber gerne noch meine Zustimmung übersenden: „Dass AKK ihre eigene Verklemmtheit nicht wahrnimmt und Kritik nicht annimmt, ist in Politikerkreisen keine Seltenheit. FRau Bär ist ähnlich resistent.“ Ja!
    Ob ihr diese Episode noch auf die Füße fällt, weiß ich nicht – aber so schnell kommt sie aus dieser Nummer auch nicht raus.

  10. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Dialektfehler:

    ’s Annegret
    ist es – nicht „ett“

    Es ist nicht immer leicht, wenn noch Hunsrücker Platt und Hessisch abgespeichert sind.

  11. Peter Boettel sagt:

    Nachdem AKK als Antwort auf Macron für die Bundeswehr einen Flugzeugträger fordert und Merkel zwar nichts zu Macrons oberflächlichen Theorien über Europa weiß, aber AKK’s Flugzeugträger-Idee unterstützt, muss man, falls man es nicht schon vorher tat, wirklich definitiv zweifeln, von welchen Dillettanten wir regiert werden.

    Während man vor über 60 Jahren – quasi noch in der Nachkriegszeit – in der Lage war, ein Segelschulschiff zu bauen, ist man heute bei allem technischen Fortschritt nicht mehr in der Lage, dieses Schiff zu reparieren. Aber einen Flugzeugträger mit Herstellkosten von über 6 Mrd. Dollar und dazu noch monatlichen Betriebskosten von rd. 13 Mio. Dollar (ohne Personalkosten) will man beschaffen. Als Minister Heil seine Rentenpläne vortrug, war das Geschrei der Union wegen der Finanzierbarkeit groß, aber für ein neues Spielzeug für Flintenuschi, mit dem sie dann wieder nicht zu Potte kommt und wieder neue Berater braucht, spielt Geld wohl keine Rolle.

    Und komischerweise hört man keine Reaktion der SPD auf solche irrsinnigen Ideen der Vorsitzenden einer sich „christlich“ nennenden Partei und ihrer Vorgängerin. Wenn hier kein Unterschied zwischen den großen Parteien mehr wahrgenommen wird, darf man sich über den Zulauf zu rechten Rattenfängern nicht mehr wundern!

  12. Jürgen Malyssek sagt:

    Humorvogel Kramp-Karrenbauer und ihre Forderung nach einem Flugzeugträger und der Segelschulschiffflop von und mit Flintenuschi. Die Erste will die (politische) Verkrampfung lösen, die Zweite hat Probleme flottzumachen.
    Neues aus der Anstalt: Ihr Einsatz bitte!

  13. Brigitte Ernst sagt:

    Wie gut, dass Herr Boettel von AKK schnell zu seiner Lieblingsfeindin „Flintenuschi“ umschwenken kann und Herr Malyssek fröhlich hinterherhechelt.
    Ich habe bereits in einem früheren Thread darauf hingewiesen, dass ein solcher Spottname für eine Bundesverteidigungsministerin frauenverachtend ist, weil dabei eindeutig die Missbilligung mitschwingt, dass es sich eine Frau herausnimmt, in eine Männerdomäne einzudringen. Und peinlicherweise stammt der Begriff auch noch aus dem Vokabular der Nazis. Bravo, die Herren! Und im Parallelthread wird über die Gleichstellung der Frau diskutiert.

  14. Brigitte Ernst sagt:

    Und sich dann über anderer Leute Stammtischniveau mokieren!

  15. Bronski sagt:

    @ Brigitte Ernst

    Spottnamen sind immer verachtend. Darum heißen sie ja so.

    @ all

    Damit diese Diskussion an dieser Stelle gar nicht erst aufkommt: „Flintenuschi“ verspottet Ursula von der Leyen nicht wegen ihres Geschlechts, sondern weil sie als Verteidigungsministerin als offensichtlich ungeeignet karikiert werden soll. Jeder wird in diesem Zusammenhang sofort an das G36 denken, das als Sturmgewehr der Bundeswehr angeschafft wurde, obwohl es den Standards nicht genügt: Es ist, gemessen an modernen Standards, nichts weiter als eine Flinte. Dafür steht Ursula – gebräuchliche Kurzform: Uschi – von der Leyen in ihrer Funktion als Verteidigunsministerin in Verantwortung. Solche Spottnamen sind im FR-Blog im Sinne einer sprachlichen Karikatur daher erlaubt, ebenso wie Bonzengerd für Gerhard Schröder, Bimbeshelmut für Helmut Kohl oder Meineid-Frieder für einen früheren Bundesinnenminister namens Zimmermann.

  16. Brigitte Ernst sagt:

    Einspruch, lieber Bronski! Jeder historisch einigermaßen gebildete Mensch assoziiert mit dem Namen „Flintenuschi“ den Begriff „Flintenweib“.
    Die Nazis führten diese Bezeichnung für die Rotarmistinnen im Zweiten Weltkrieg ein, die sie als besonders grausame und unweibliche Unmenschen darstellten. Und heute versteht man unter einem Flintenweib eine Frau, die sich besonders männlich und dominant gibt und damit die Grenzen ihrer weiblichen Rolle überschreitet.
    https://www.welt.de/print-welt/article283998/Flintenweiber.html

    Der Vergleich mit Bimbeshelmut hinkt, weil hier ja ein individuelles Fehlverhalten aufs Korn genommen wird, während bei „Flintenuschi“ ein beleidigendes Frauenklischee verwendet wird. Mit dem von Ihnen genannten Gewehr hat Frau von der Leyen ja überhaupt nichts zu zun, das wurde ja viel früher eingeführt.
    Ich bin keine Freundin von Frau von der Leyen, aber wenn für sie ein Name passen würde, der sich auf ihr individuelles Versagen als Ministerin bezieht, vergleichbar mit Bimbeshelmut, wäre es eher „Berateruschi“.

  17. Bronski sagt:

    Bitte zurück zum Thema. Danke!
    Bronski

  18. Jürgen Malyssek sagt:

    Das Leben könnte so schön sein!
    Wenn man mal dem Genderthema eine wohlverdiente Pause gönnen würde.
    Annette Kramp-Karrenbauer und Ursula von der Leyen zählen jedenfalls nicht zu den Unterprivilegierten der Gesellschaft. Sie sind verdammt mächtig.

  19. Peter Boettel sagt:

    Danke Bronski für die Unterstützung und Klarstellung. Mir ging es im Kommentar ja auch nicht um diesen Namen, sondern um die abenteuerlichen Ideen von AKK und Merkel.

  20. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Peter Boettel

    Sehe ich auch so. Es ist ja wirklich abenteuerlich, was in der Regierung für Ideen und Größenwahnsinne sprießen!

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