Blogtalk: Wie gerecht sind die Medien?

Wie gerecht sind die Medien? Wie neutral? Wie „gleichgeschaltet“? Wie unabhängig? Haben sie noch die Kraft, Themen unabhängig zu bewerten, oder erliegen sie dem Zeitgeist und dem Mainstream? Triumphiert das Agenda-Setting der Lobbies und der Politik über die Glaubwürdigkeit der Medien, die deren wichtigstes Kapital ist?

Gerade haben Wolfgang Engelmann und ich in einem Blogtalk die Frage zu beantworten versucht: Wie gerecht – oder selbstgerecht – geht es in Online-Foren zu? Dort wird über die Themen debattiert, die von den Medien zur Diskussion gestellt werden, und oft hagelt es harte User-Kommentare. Das war zum Beispiel nach der Maidan-Revolution und in der Krimkrise der Fall. Häufig tauchte das Verdikt „gleichgeschaltet“ auf. Die Medien müssen sich mit diesem Vorwurf auseinandersetzen: Haben sie – etwa im Fall der Krimkrise – versagt, weil sie anscheinend sofort ins Putin-Bashing eingestiegen sind? Daher möchte ich mir in einem weiteren Blogtalk die Medien ansehen, ihre Berichterstattung und welchen Einflüssen sie möglicherweise ausgesetzt sind.

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Blogtalk: Wie gerecht sind die Medien?

Zu Gast: Professor Markus Rhomberg

RhombergIch freue mich, Professor Markus Rhomberg von der Zeppelin Universität Friedrichshafen im Blogtalk zu Gast zu haben. Wir haben uns in der Sendung des Deutschlandfunks kennengelernt, in der ich vor einigen Wochen war, und ich hatte sofort die Idee, das Thema der Sendung noch ein wenig zu vertiefen: „Wer bestimmt, was in die Zeitung kommt?“ Markus Rhomberg ist der Wissenschaftliche Leiter des Instituts für politische Kommunikation in Friedrichshafen. Jüngst hat er an einem Forschungsprojekt gearbeitet, das die Rezeption des Klimawandels in den Medien untersuchte, und er zieht das vorläufige Fazit:

„Dass die Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze mit der Bewahrung von Lebensräumen und Menschenleben eng verknüpft ist, gerät weitgehend aus dem medialen Fokus.“

Auch ich frage mich: Warum rutscht ein wichtiges Thema wie die Klimapolitik aus dem Fokus vieler Medien und nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen anscheinend einen nachrangigen Platz ein? Versagen die deutschen Medien? Gewichten sie die Themen nicht mehr gerecht? Haben sie das je getan? Aktuell haben die Medien überwiegend Ebola und den „Islamischen Staat“ im Fokus. Doch es gibt noch andere Krisenherde, für die – zwangsläufig? – weniger Platz bleibt: der Bürgerkrieg in Syrien, die Kämpfe in Libyen, die – durchaus positiven – Entwicklungen in Tunesien und noch weitere mehr, die in Zeiten mit weniger solcher Großthemen durchaus Anspruch auf den Aufmacher in der Tagesschau gehabt hätten. Und dann wäre da ja auch noch der Klimawandel.

Eines verbindet diese Themen miteinander: Es geht im Hintergrund um politische Kommunikation. Darum, wie Themen „verkauft“ werden. Und damit sind wir bei Professor Rhomberg, der sich dankenswerterweise bereit erklärt hat, sich mit mir ab heute im Blogtalk über diese Fragen zu unterhalten. Herzlich willkommen, Markus. Vielleicht können wir ja die eine oder andere Frage klären, die Medienmacher manchmal ratlos lässt.

Hier im FR-Blog wird ja eigentlich gesiezt. Das darf auch gern so bleiben. Ich bin allerdings kein großer Siezer, und Markus auch nicht. Nach der DLF-Sendung waren wir ganz schnell beim Du. Das werden wir auch in diesem Blogtalk beibehalten.

Kurz zu den Modalitäten dieses Talks: Der Talk beginnt morgen, Dienstag, um 15 Uhr und wird bis Freitag laufen. Markus Rhomberg nimmt daran teil, obwohl der Uni-Betrieb läuft und er in Seminaren sein wird.  Darum kann er am Dienstag und Mittwoch tagsüber meistens nur kurz hier reinschauen, will aber zwischen 18 und 20 Uhr präsent sein. Am Donnerstag und Freitag ist seine Situation entspannter. So ist das eben bei diesen Blogtalks – aber darum strecke ich sie ja in der Regel auch über mehrere Tage. Teilnehmen darf jede/-r. Ich behalte mir allerdings vor, Kommentare, die vielleicht gerade allzu sehr aus dem Gesprächsfluss herausfallen, in die Moderation zu schicken und sie erst später freizuschalten. Bitte betrachten Sie das nicht als Versuch, Ihre Meinung zu unterdrücken! Wenn es zu turbulent zugeht, kann der Gesprächsfaden reißen, worunter das ganze Projekt leiden würde. Ich habe aber viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt und möchte, dass der Erkenntnisgewinn möglichst groß wird.

In diesem Sinne freue ich mich, dass dieses seit langem geplante Projekt nun endlich über die Bühne geht.

Willkommen, Markus Rhomberg!

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140 Kommentare zu “Blogtalk: Wie gerecht sind die Medien?

  1. Auf geht’s! Guten Tag, Markus. Ich hoffe, dass Dein Zeitdruck nicht zu groß ist, so dass wir uns in Ruhe austauschen können.

    Ich hatte kürzlich einen Mailwechsel mit einer Frau, die es nicht mehr ertrug, all die schlechten Nachrichten in der Zeitung zu lesen und die daher jegliche Tageszeitung schon vor Jahren abbestellt hat. Findest Du es gerecht, dass manche Menschen offenbar den Boten für die Nachricht verantwortlich machen?

  2. Dem Überbringer der schlechten Botschaft ging es bereits in der Antike an den Kragen. Und so ist es auch heute noch. Journalisten und Journalistinnen haben die Aufgabe, Weltgeschehen einzufangen und darüber zu berichten. Die Berichterstattung über Krisen, Konflikte und Missstände ist seit jeher eine der zentralen Aufgaben des Journalismus. Wir sprechen ja auch von den Medien als „Vierter Gewalt“, deren Aufgabe es ist, Skandale aufzudecken und darüber zu berichten. Im Übrigen ist es aber auch empirisch nicht so, dass Medien vor allem über Negatives berichten: Ein Blick auf lokale und regionale Berichterstattung zeigt immer wieder, dass in den Zeitungen sehr wohl auch „schöne“ Geschichten vorkommen.

  3. Wie schon im Blogtalk mit W. Engelmann gesagt, ist die Quantität der Empathie beim Menschen begrenzt. Niemand kann grenzenlos schlechte Nachrichten ertragen, verarbeiten und darauf reagieren.
    Ich denke nicht, daß die Frau den Boten für die Nachricht verantwortlich macht, aber der trägt sie nunmal in’s Haus und wie sollte man sich sonst vor schlechten Nachrichten schützen?

    Dazu kommt die oft hinterlistige Art mancher Medien, den Menschen die Nachricht aufzuzwingen, noch bevor man überhaupt versteht, was einem da in die Wahrnehmung hineingezwungen wird. Da sagt das Wort „Schlagzeile“ im Kontrast zur „Headline“ schon einiges aus.

    Seit langem schon versuchen Medien, die natürliche(?) Schutzreaktion vor Unerhörtem, Unausprechlichem oder Ungenießbarem zu hintergehen und auszuschalten. Die Folge ist eine reflexartige Wahrnehmungsverweigerung.

  4. Da haben wir’s – einen ganzen Kommentar voller Vorurteile. Oder wie bewertest Du den Kommentar von Matthias Borck-Elsner?

    Ich denke, dass niemand gezwungen werden kann, Medien wahrzunehmen. Selbst wenn man nicht den Fernseher abschaffen will, kann man Nachrichtensendungen und politische Magazine vermeiden. Allerdings kann man dann auch nicht mehr am politischen Leben teilnehmen, oder?

  5. Ja interessant. Insbesondere in einer Zeit, die so viel Pluralismus nicht nur im traditionellen Mediensystem, sondern auch in den digitalen Medien bietet … Klar, es gibt diese Beispiele, die Matthias Borck-Elsner anführt, aber als Bürger haben wir immer noch die Möglichkeit, andere Kanäle zu nutzen, um uns politisch zu informieren.

  6. Also, das ist jedenfalls eines der Probleme, mit denen Medien sich wohl schon immer konfrontiert sahen. Ein anderes Problem, das in letzter Zeit – zumindest in meiner Wahrnehmung, ich mag mich auch täuschen – immer auffälliger wird, ist der Vorwurf der „Gleichschaltung“. Ich kann dieses Wort nicht leiden, aber es steht nun mal im Raum. Da werden die absurdesten Verschwörungstheorien konstruiert, um einen Mainstream behaupten zu können. Wir werden diesen Themenbereich in unserer Unterhaltung immer wieder streifen. Daher frage ich schon mal vorab: Was denkt der Spezialist für politische Kommunikation über Verschwörungstheorien?

  7. Die große mediale Weltverschwörung, die immer größer werdende Macht der Wirtschaft und der Politik über die Medien sind beliebte Themen bei Verschwörungstheoretikern.
    Aber nicht wegzudiskutieren sind natürlich die ökonomischen Zwänge, in denen sich die Verlage und Medienhäuser nicht nur in Deutschland befinden. Die Werbeerlöse werden immer wichtiger, weil die Abonnenten und Kioskkäufer wegbrechen. Dennoch – und ich bleibe dabei – haben wir es mit einer noch nie dagewesenen Vielfalt an Informationskanälen zu tun. Das verlangt vom Publikum aber auch, noch „mündiger“ zu werden und Nachrichten bzw. deren Zustandekommen stärker zu hinterfragen.
    Den mündigen Bürger fordert dies natürlich stärker heraus. Gleichwohl verfolgt uns das Thema ja schon länger, denken wir zurück an Jürgen Habermas und den Strukturwandel der Öffentlichkeit in den 1960er Jahren: „Das Prinzip der Publizität wird zu demonstrativen und manipulativen Zwecken umfunktioniert. Das immer dichter gespannte Kommunikationsnetz der elektronischen Massenmedien ist heute, obgleich es technisch ein Potential zur Befreiung darstellt, so organisiert, dass es eher die Loyalität einer entpolitisierten Bevölkerung kontrolliert, als dass es dazu diente, die staatlichen und gesellschaftlichen Kontrollen ihrerseits einer dezentralisierten, folgenreich kanalisierten und entschränkten Willensbildung zu unterwerfen“. Ähnliches thematisierte auch bereits Noam Chomsky in den späten 1980er Jahren.

  8. Da sprichst Du ein großes Wort relativ gelassen aus: Das Publikum soll „mündiger“ werden? Es ist sicher kein Zufall, dass diese Forderung auch in unserem Blogtalk von vergangener Woche auftauchte, in dem es um das Diskussionsverhalten in Online-Foren ging.

    Eigentlich sind es ja gerade die Medien, welche den Menschen dabei helfen (können/sollen), mündige Entscheidungen zu treffen, denn sie liefern die Informationen, auf deren Basis Menschen Entscheidungen treffen können (z.B. Wahlentscheidungen). Obwohl sie im Grunde dringender gebraucht werden als je zuvor, stecken zumindest die Printmedien dennoch in einer Strukturkrise. Das „Potenzial zur Befreiung“ ist zweifellos da, aber es wird immer weniger nachgefragt. Viele Medienleute sind ratlos, was dagegen zu unternehmen wäre. Chillen wir uns zu Tode?

  9. Soso, ich hab‘ Vorurteile… 😉

    Dann gehen Sie beide doch mal eben in den Supermarkt um die Ecke und suchen die Frankfurter Rundschau, aber bemerken Sie bitte nicht die „FRAU am TIEGEL“ (Zeitschrift über Metallarbeiterinnen), „Schneller Wohnen“ (Wohnwagen-Eigenbau) und diese anderen da, und denken Sie auf keinen Fall an ein Nilpferd!

    http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/10/Zeitungsstaender_%28Strassenverkauf%29.JPG

    🙂

  10. Meine Sicht ist, dass die Medien uns manipulieren. Beispiel immer wieder: Es wird eine Vermutung gestreut. Ohne Beweis wäre das Ausrufezeichen rechtskritisch. Mit Fragezeichen kann man orakeln und der Leser achtet nicht auf das Satzzeichen, sondern erfasst nur den Text.
    Oder klassisch ein Film oder Roman. Thema bspw das Leben einer historischen Persönlichkeit. Je aus wessen Sicht geschildert, empfinden wir Sympathie oder Antisympathie, selbst beim selben Stoff.
    Ich finde das faszinierend!

  11. Täusche ich mich? Zumindest musste ich dies bei der FR in den letzten Jahren verfolgen: die Redaktionen werden aufgrund wirtschaftlicher Zwänge ausgedünnt. Daraus resultiert eine erschwerte Arbeitsweise, insbesondere was die Recherche betrifft. Dem gegenüber halten sich die öffentlichen Ämter und kommerziellen Organisationen einen Pressesprecher, der nicht nur spricht, sondern auch Nachrichten produziert. Die Öffentlichkeitsarbeit der Firmen, die teilweise ganze Crews für sich arbeiten lassen, wird in den Medien, so mein Eindruck, präsenter, weil die Journalisten, der puren Zeitnot geschuldet, diese bestens vorbereiteten Statements übernehmen. Gelesen habe ich, dass nahezu die Hälfte aller, die zu Journalisten ausgebildet worden sind, nicht mehr Teil der vierten Gewalt sind, sondern PR-Jobs ausüben. Beispiele gibt’s auch bei der FR: der Sportchef wechselt zum DFB, ein Redakteur wird Pressesprecher der Stadtregierung Berlins.

  12. Zu # 12: Zum Beispiel, ja.

    Wobei es bei noch lebenden Personen vielleicht schwieriger ist, Objektivität zu wahren. Persönliche Begegnungen beeinflussen die mediale Wahrnehmung.

    Geht es um historische, verstorbene Personen, ist die Wirkung aus meiner Erfahrung eine andere.

  13. Markus Rhomberg ist bis ca. 20 Uhr offline.

    @ Rudi

    Es gibt noch mehr Beispiele von solchen „Seitenwechseln“, etwa hin zur Nationalen Antidopingagentur, ins Pressebüro der früheren Frankfurter OB Roth oder auch in die Presseabteilungen von Museen und wissenschaftlichen Institutionen. Meines Erachtens wäre der umgekehrte Weg, also aus einem solchen Pressebüro in die Redaktion einer Zeitung, deutlich problematischer. Ich kenne allerdings keinen solchen Fall.

    Dass der Sportchef der FR zum DFB gegangen sei, stimmt so nicht. Harald Stenger war nicht Ressortleiter.

    Problematisch ist für mich Ihre Formulierung:

    „die Redaktionen werden aufgrund wirtschaftlicher Zwänge ausgedünnt“.

    Die Mehrzahl der Fälle, von denen wir hier sprechen, hat sich einfach beruflich umorientiert, vielleicht weil sie im Journalismus keine Zukunft für sich mehr sah oder die Dauerkrise leid war und etwas Sicheres haben wollte.

    Ich möchte Rudis Frage aufgreifen und etwas anders anpacken. Markus, Du hast in Kommentar #8 eine „immer größer werdende Macht der Wirtschaft und der Politik über die Medien“ konstatiert. Wir zwei haben uns ja bei einer Sendung des Deutschlandfunks kennengelernt, deren Thema lautete: „Wer bestimmt, was in die Zeitung kommt?“ Also Butter bei die Fische: Wer bestimmt das Deiner Meinung bzw. Deiner Erkenntnis nach?

  14. @Lutz, # 8

    um ehrlich zu sein, ich halte nicht so viel von der Erhöhung von Begriffen. Das gilt auch für die „Mündigkeit“ des Bürgers. Natürlich ist das ein demokratietheoretisch gefestigter Begriff, in der Praxis bin ich aber schon davon überzeugt, dass jede/jeder Entscheidungen trifft, die ihr/sein Leben betreffen, die Medien sollen dabei helfen, solche Entscheidungen zu treffen. Insofern hast Du ja Recht, dass dies für beide gilt: für Medien und für Bürger.

    Im Übrigen bin ich auch immer wieder überrascht, wenn ich mir zum Beispiel die niedrigen Einschaltquoten von Programmen wie Phoenix, Arte und 3sat ansehe … Das bedeutet aber, das Angebot wäre da, es wird halt vielfach nicht genutzt

    @Rudi

    ja, ein großes Problem: Mittlerweile ist der PR-Sektor in Deutschland mit mehr Personen besetzt als die Redaktionen. Vielen fehlt einfach die Zeit zur Recherche und zudem müssen Redakteure immer stärker für unterschiedliche Kanäle gleichzeitig Material produzieren. Der Print-Redakteur, der gleichzeitig mit Notizblock, Kamera und Mikro unterwegs ist und für die Zeitung und Online (am besten mit tollem Video) produzieren muss, ist keine Seltenheit.

    Aber darüber müßte Bronski ja aus seiner eigenen Erfahrung interessant berichten können

  15. @ Markus

    Das angesprochene Problem hat für mich ganz konkrete Auswirkungen: Der Leserbrief-Mailaccount der FR ist jeden Morgen zu mit Pressemails. Ich bin unter anderem gut mit Ausmisten beschäftigt, denn ich lese das Zeug natürlich nicht und ich leite auch nichts von dem weiter, was ungefragt an Pressemitteilungen geschickt wurde. Was mich und meine Arbeit betrifft, kann ich daher sagen, dass ein gewisser Teil dieser PR-Leute für den Papierkorb arbeitet.

    Dass der Beruf des Journalisten ein Knochenjob sein kann, ist in der Redaktion der FR derzeit gut zu besichtigen. Gleichzeitig zeigen wir aber auch gerade, dass man trotzdem etwas stemmen kann. Seit dem 6. September fährt die FR eine Schwerpunktreihe zum Thema Gerechtigkeit, die bei den Leserinnen und Lesern auch ziemlich gut ankommt. Dieser Blogtalk ist ein Teil davon und wird sich ja auch in der Print-FR niederschlagen. Dass der Beruf des Journalisten keiner ist, in dem man um fünf Uhr den Kugelschreiber weglegt, ist aber auch nicht gerade neu. Auf geregelte Arbeitszeiten braucht man als Journalist nicht zu pochen.

  16. @ all

    Ich habe nun schon zwei Kommentare in die Moderation geschickt. Einen davon werde ich später veröffentlichen, voraussichtlich am Donnerstag, wenn wir auf die Klimapolitik zu sprechen kommen. Karl Müller, ich habe Ihnen deswegen eine Mail geschickt. Angekommen?
    Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass wir hier ein Gespräch mit Professor Rhomberg führen. Mein Einleitungstext dient als Anreißer und soll auch gleich schon mal klarmachen, dass wir über ein komplexes Thema sprechen. Daher meine Bitte an alle: Orientiert Euch mit Euren Kommentaren bitte nicht allein an meinem Einleitungstext, sondern lieber am Gesprächsverlauf, und bringt Eure Fragen und Kommentare dann an, wenn sie inhaltlich passen. Sonst zerfasert dieser Talk zu schnell.
    Vielen Dank!

  17. @ Markus

    „Das bedeutet aber, das Angebot wäre da, es wird halt vielfach nicht genutzt“

    Weil es, wie Doreen mutmaßt, die Menschen nur manipulieren soll? Ich glaube, das kann man gerade Sendern wie Phoenix, Arte und 3sat kaum vorwerfen, oder?

  18. Ich denke, dass jeder der schreibt, andere beeinflussen, überzeugen will.
    Manipulieren bedeutet aber die gezielte und verdeckte Einflussnahme. Das ist in den Medien doch eher die grosse Ausnahme.

  19. # 16 Markus Rhomberg schreibt: „Der Print-Redakteur, der gleichzeitig mit Notizblock, Kamera und Mikro unterwegs ist und für die Zeitung und Online (am besten mit tollem Video) produzieren muss, ist keine Seltenheit.“

    Da kommen wir doch schon zu einem wichtigen Punkt. Bronski mag den Begriff der gleichgeschalteten Medien nicht. Das kann ich nachvollziehen, weil sie nicht formal-politisch gleichgeschaltet sind. Es läuft anders ab, als in real existierenden autoritären Systemen.

    Formal-demokratisch können wir ja auch alle vier oder fünf Jahre wählen gehen. Nur: Die zu Wählenden stellen sich nicht einfach hin und sagen: Wählt mich! Sie sind eingebunden in eine Organisation, die eine perfekte Maschinerie in Gang setzt, die Zuarbeit von Werbeagenturen erfährt, um uns Wählerinnen und Wähler zu verführen. Auf diesem Gebiet, das man wohl öffentliche Kommunikation nennt, ist Rhomberg nicht unbeleckt. Dem Zufall wird da nichts überlassen. Ob mit Stimmen oder Wurstwaren gehandelt wird, ist da kaum noch zu unterscheiden.

    Journalisten, die für mehrere Mediensparten unterwegs sein müssen, haben vermutlich nicht die Zeit, sich ein differenzierteres Bild vom Geschehen zu machen. Da man von seiner Arbeit auch leben können und nicht darin umkommen soll, ist es nachvollziehbar, dass diese sich gleichenden Inhalte ans Publikum transportiert werden, das auch taxiert wird: Welches Niveau ist von der Leserschaft zu erwarten, welche Themen kommen gut an? Das sind Fragen, die Inhalte bestimmen.

    Deshalb konnte auch geschehen, dass das Heraufziehen einer Finanzkrise von den Medien nicht oder zu spät bemerkt worden ist. Zu sehr hat man sich über die Jahre zuvor – ob aus Bequemlichkeit oder aus Arbeitsüberlastung, mag zunächst dahingestellt sein – der Sichtweise der maßgeblichen Politiker und Wirtschaftswissenschaftler, die zu öffentlichen Gutachten herangezogen werden, angepasst. Hier darf man bewusst verallgemeinern, denn nachher haben sich einige Medien selbstkritisch dazu gestellt. – Immerhin.

  20. # 19

    Ja genau, das Angebot ist ja da. Es ist schon erstaunlich, was welche Sendervielfalt wir im Fernsehen haben, von den unzähligen Online-Angeboten ganz zu schweigen. Aber natürlich sehen wir eine ziemlich kanalisierte Nutzung: Die meisten Anteile entfallen auf wenige Medien, der Long Tail ist aber trotzdem noch ziemlich lang.

  21. # 21

    Zu dem Zitat von Markus Rhomberg – “Der Print-Redakteur, der gleichzeitig mit Notizblock, Kamera und Mikro unterwegs ist und für die Zeitung und Online (am besten mit tollem Video) produzieren muss, ist keine Seltenheit” – möchte ich anmerken, dass dieser Typ Print-Redakteur möglicherweise keine Seltenheit ist, dass er aber auch nicht die Regel ist. Bei der FR gibt es diesen Typ jedenfalls nicht. Mir sind da eigentlich nur unsere Sport-Autoren geläufig, die regelmäßig Videos produzieren, in denen sie miteinander über den Bundesliga-Fußball diskutieren. Aber das läuft eigentlich ganz entspannt ab und entspricht nicht dem oben gezeichneten Bild. Diese Videos haben Kultstatus.

  22. So, ich denke, wir machen jetzt Feierabend. Ich werde morgen ab etwa 9:30 Uhr online sein, stelle aber für den Fall, dass Markus Rhomberg davor hier reinschaut, die Frage aus #15 noch einmal ein; sie ist bisher nicht beantwortet. Da können wir wieder anknüpfen.

    Markus, Du hast in Kommentar #8 eine “immer größer werdende Macht der Wirtschaft und der Politik über die Medien” konstatiert. Wir zwei haben uns ja bei einer Sendung des Deutschlandfunks kennengelernt, deren Thema lautete: „Wer bestimmt, was in die Zeitung kommt?“ Also Butter bei die Fische: Wer bestimmt das Deiner Meinung bzw. Deiner Erkenntnis nach?

  23. Gut, es gab Zeiten, als das deutsche Fernsehen nur öffentlich-rechtlich war, Bestrebungen die ARD zu zerschlagen, meine ich, gab es schon unter Konrad Adenauer – Helmut Kohl führte den Weg weiter mit den ersten privaten TV Sendern. Ich kann mich nicht daran erinnern, das (außer von der CDU) in der Zeit des einstigen öffentlich-rechtlichen Programms von gleichgeschalteten Medien gesprochen wurde, obwohl sich die Vielfalt der heutigen TV Sendern in Deutschland mit damals nicht vergleichen lässt. Es drängt sich der Gedanke auf, dass mit der Vielfalt der Medien wie heute, so widersprüchlich das ist, der Vorwurf der Gleichschaltung zunimmt. Dabei kann inzwischen so ziemlich jedes Land in jeder Sprache als TV Sender über Satellit empfangen werden. Das belegt nun nicht gerade den Vorwurf, das die Medien gleichgeschaltet seien, frei empfangbar sind französische, englischsprachige, deutsche, arabische russische chinesische Nachrichtensender – alle sind gleichgeschaltet. Der Vorwurf ist doch irgendwie sehr einseitig in Zeiten des Satelliten Fernsehens und des Internets, mit denen fast alles weltweit empfangen werden kann, von einer Gleichschaltung zu reden. Es bleibt doch jedem überlassen umzuschalten auf ein anderes Programm, wegen mir auch in einer anderen Sprache.

  24. Ich wundere mich, Bronski, dass Du Rudi und seinem Kommentar 22 nicht entschieden widersprichst.

    „Sie [Politiker] sind eingebunden in eine Organisation, die eine perfekte Maschinerie in Gang setzt, die Zuarbeit von Werbeagenturen erfährt, um uns Wählerinnen und Wähler zu verführen.“

    Das war doch nie anders! Ja, die technischen Möglichkeiten sind vielleicht andere als noch in den 50er Jahren, aber „perfekt“ war diese „Maschinerie“ nie. Auch heute nicht. In den 50ern haben die Menschen viel uninspirierter gewählt als heutzutage, wo sie auch mehr Auswahl haben. Heute gehen vielleicht weniger Menschen zur Wahl als in den 50ern, aber ich möchte doch sehr bestreiten, dass die, die damals wählen gegangen sind, sich vorher gründlich über Parteiprogramme informiert haben. Sie haben nach Weltanschauung gewählt. Und heute? Man muss also nur eine „perfekte Maschinerie“ anwerfen, und schon ist der mündige Wähler verführt? Widerspricht bitte mal jemand diesem Unsinn? Hier wird ein Golem konstruiert.

  25. Es gab mal einen „zu Guttenberg“ , dieser wurde binnen kürzester Zeit u.a. auch vom Stern mit Lobeshymnen überschüttet. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis zu Guttenberg die amtierende Kanzlerin als würdiger Nachfolger ablösen würde.
    Und erst seine charmante Frau! Die setzte sich medienwirksam für diverse Projekte ein … war da nicht Kinderschutz im Spiel?
    Das war eine sehr unkritische Haltung der Medien.
    Die Begründungen für diese Einschätzung damals muteten schon ein wenig skurril und etwas oberflächlich an.
    Zupackend, durchsetzungsfähig .. so ähnlich lautete das Vokabular. Sozusagen ein Überflieger, der aus dem Nichts aufgetaucht war … fast wie eine Art Erlöser!

    Ein recht ähnliches Verhalten der Medien konnte man bei Obamas Rede in Berlin vor seiner Wahl zum Präsidenten der USA feststellen. Auch er wurde fast wie ein Heiland behandelt. Und dann der Friedensnobelpreis, verliehen in einer Art vorauseilendem Gehorsam.
    Das provozierte die Frage, was hatte Obama bereits für den Frieden geleistet, bevor er Präsident wurde? Eigentlich außer Worten gar nichts. Dennoch huldigte man ihm im Voraus. die Frage, was er nach seiner Wahl für den Frieden getan hatte, möchte ich nicht stellen.

    Horst Köhler wurde von den Medien im Stich gelassen, als es darum, eine etwas unglückliche Formulierung über Auslandseinsätze der Bundeswehr gerade zu rücken. Er war nicht nur von der Kanzlerin, sondern auch von den Medien aufgegeben worden.

    Noch zum Schluss eine Anmerkung zum Klimaschutz. Beim Stichwort Treibhausgas erscheint sofort und fast reflexartig das Kohlendioxid als Übeltäter. Übersehen wird dabei, dass nicht Kohlendioxid das Treibhausgas Nummer Eins ist, sondern Wasserdampf.
    Allerdings wird das in den Publikationen entweder gar nicht oder nur sehr selten erwähnt.
    Das ist jedoch ein anders Thema. Rechtfertigt vermutlich wohl eine Moderation, weil Thema verfehlt.

  26. Nein, runeB, dieser Kommentar geht diesmal durch, auch wenn Sie meiner in # 18 geäußerten Bitte nicht entsprochen haben. Das Klimathema besprechen wir aber bitte später.

    @ Markus, runeB hat hier ein paar Beispiele dafür gebracht, die zu meiner vorher gebrachten Frage passen. Auf zu Guttenberg haben sich damals alle gestürzt. Viel schlimmer als der „Stern“ war „Bild“. Der Mann war tatsächlich lange ein Liebling der Medien, wobei es aber auch gleich zu Anfang durchaus kritische Töne gab (etwa in der FR). So ähnlich war es auch mit Obama — wobei ich aber, runeB, nicht verstehe, warum die Zuerkennung des Friedensnobelpreises aus „einer Art vorauseilendem Gehorsam“ efolgt sein soll. Wem soll denn das Preiskomitee Gehorsam schuldig sein? Meines Erachtens bekam Obama den Preis, weil die ganze Welt froh war, den Kriegstreiber Bush los zu sein, und weil sich das Preiskomitee von Obama eine grundsätzlich andere Politik erhoffte. Aber egal, das wollen wir inhaltlich hier nicht diskutieren. Jedenfalls bekam er Vorschusslorbeeren, auch von vielen deutschen Medien. Und Horst Köhler wurde „von den Medien im Stich gelassen“ – so empfindet das zumindest runeB. Fast als wäre Köhler damals von den Medien verraten worden. Da dürfte mancher hier im FR-Blog doch widersprechen. Aber so ist das wohl mit der Wahrnehmung über mediale Inhalte: Wer was wie wahrnimmt, hängt offensichtlich auch viel vom persönlichen Hintergrund ab, oder? Trotzdem: Wer entscheidet darüber, was in die Zeitung kommt?

    @ Daniel Gruber, # 26

    Ich begreife Rudis Thesen als Fragen an Markus Rhomberg, auch wenn Rudi kaum Fragezeichen setzt. Ich wollte erst hören, ob unser Talkgast dazu eine Meinung hat. Meine Meinung zu diesen Thesen dürfte für Rudi kaum überraschend sein.

  27. Guten Morgen,

    ich würde gerne einige der Fragen sammeln und beantworten:

    1) „die perfekte Maschinerie der Politik“ mit der sie die Medien und schlussendlich die Menschen verführt, kann ich in Deutschland nicht erkennen. Da genügt ein Blick auf Wahlkämpfe und -ergebnisse

    2) Guttenberg & Obama: Bei Guttenberg kann ich auch eine zunächst unkritische Haltung der Medien erkennen; interessanterweise aber nicht nur der Medien. Sowohl die Politik selbst als auch die Sympathiewerte bei den Bürgern waren ziemlich hoch. Und ich sage es nochmals gerne: Die Wirkungen der Medien auf Individuen werden überschätzt. Medienwirkungen laufen nicht nach Stimulus-Response-Modellen (also ein Stimulus führt zur gleichen Wirkungen beim gesamten Publikum), sondern sind sehr differenziert (Soziodemographie, politische Orientierungen, etc.) zu betrachten (Link zu einem spannenden Text anbei http://www.eduhi.at/dl/46_Burkart.pdf). Das Gleiche gilt für Obama: Heilandsjournalismus kann ich nicht mehr erkennen.

    @Bronski

    Und zu Deiner Frage: Der Medienforscher Bernhard Pörksen hat gerade in der vergangenen Woche in einem Essay in der „Zeit“ den Berufstand der Journalisten verteidigt: Das Vertrauen gegenüber Journalisten und Journalistinnen ist in den vergangenen Jahren bedenklich zurückgegangen. Teils zu Recht, siehe die Boulevardisierungs- und Skandalisierungstendenzen, die zugenommen haben, teils aber völlig zu Unrecht. Nach der Politik- und Parteienverdrossenheit kommt nun die Medienverdrossenheit.

    Bronski, Du weißt: Grundsätzlich entscheidet jede Redaktion selbst, was am nächsten Tag in die Zeitung kommt. Sie tut dies nach bestimmten Kriterien (Relevanz, Eindeutigkeit, Überraschung, Personalisierung, Prominenz, Krise, Konflikt etc.). Jetzt kann man diese Kriterien natürlich kritisieren, man muss es aber nicht. Natürlich ist eine Zeitung aber auch noch in andere Zusammenhänge eingebunden: Medienhäuser sind privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen: das heißt, sie müssen auch einen Blick darauf haben, dass Sie Verkauferlöse bei ihren Lesern und Anzeigenerlöse bei ihren Werbekunden erzielen. Je höher die Verkaufserlöse (also die Auflage), desto höher die Preise für die Werbekunden. Also sollte eine Zeitung zunächst mal danach streben, möglichst viele Exemplare zu verkaufen, also eine Zeitung zu gestalten, die von den Lesern gerne gelesen wird.

  28. Daniel Gruber [# 26] schreibt auf mich gemünzt: „Man muss also nur eine “perfekte Maschinerie” anwerfen, und schon ist der mündige Wähler verführt? Widerspricht bitte mal jemand diesem Unsinn?“. Ein mündiger Wähler ist in der Lage, selbst zu widersprechen. Bezogen hat sich Daniel Gruber auf meine Aussage, Politiker seien eingebunden in eine Organisation, die eine perfekte Maschinerie in Gang setze, die Zuarbeit von Werbeagenturen erfahre, um uns Wählerinnen und Wähler zu verführen.

    Gerne unterlege ich meine Darstellung aus dem PR-Alltag der SPD: Zur letzten Bundestagswahl engagierte die Bundes-SPD den erfahrenen Werbestrategen Hubertus von Lobenstein. Er sollte der Kanzlermacher sein. Nach eigener Aussage hat von Lobenstein Heineken-Pils als Szenebier auf dem deutschen Markt positioniert. Auch die Milchschnitte und Nutella, beide von dem Food-Konzern Ferrero vertrieben, sollen sich mit Hilfe von Hubertus von Lobenstein bestens verkaufen. Bevor er seine eigene Agentur Aimaq von Lobenstein gründete, war er u.a. Deutschlandchef des Werbeagenturnetzwerks TBWA, das in mehr als 100 Ländern aktiv ist, etwa für adidas, Henkel, Nissan oder Apple.

    Auch die neue Farbe der SPD, das Purpur mit der Kennung 990066, wurde von der Agentur Johanssen und Kretschmer (J+K) im Auftrag der Sozialdemokraten ersonnen. Diese Farbe, so die Agentur, soll die „inhaltliche und strukturelle Neuaufstellung“ der SPD unterstreichen.

    Das alles hat natürlich mit dem Thema zu tun. Politiker-Auftritte in den elektronischen Medien werden gecoached. Nehmen wir den biederen Hans Eichel, der sich den persönlichen Berater Klaus-Peter Schmidt-Deguelle (ehemals HR) gönnte. Dieser hatte viele Funktionen zwischen Journalismus, Politik und PR inne. Unter anderem arbeitete er als selbstständiger Medienberater in Berlin und Frankfurt. 2006 wurde er Associate Partner der WMP EuroCom AG, in der Hans-Hermann Tiedje (Bild-Chef und Kohl-Berater) und Roland Berger (Unternehmensberater) führende Funktionen inne hatten bzw. haben.

    Allein diese Beispiele dürften als Indizien ausreichen, um zu belegen, dass Parteien und Politiker zum Label avanciert sind. Wer die Milchschnitte oder Nutella erfolgreich verkaufen kann, ja, der kann das auch mit der Marke SPD, dachten sich die sozialdemokratischen Wahlkampfplaner.

  29. @ Rudi, #30

    Sie beschreiben die Bemühungen der SPD, eine Wahlwerbekampagne auf die Beine zu stellen. Meinen Sie nicht, dass das Wahlergebnis, das die SPD eingefahren, eher das Gegenteil von dem belegt, was Sie annehmen? Die Wählerinnen und Wähler haben sich ja ganz offensichtlich nicht verführen lassen. So perfekt kann die Maschinerie also wohl nicht sein.

    @ Markus

    Medien, die Wert auf Seriosität und Glaubwürdigkeit legen, müssen auf Distanz zu den „Hebeln der Macht“ achten, um es mal etwas salopp zu formulieren. Gleichzeitig sind sie natürlich immer in Gefahr, von den Mächtigen zum Agenda-Setting benutzt zu werden. Da wird hier mal eine Information lanciert, dort zu einem Pressegespräch gebeten, und Korrespondenten und sogar Leserbriefredakteure haben täglich einen vollen Briefkasten bzw. überlaufenden Mailaccount. Wie bewertest Du dieses Gerangel um Aufmerksamkeit?

  30. @ Bronski #31

    „Meinen Sie nicht, dass das Wahlergebnis, das die SPD eingefahren, eher das Gegenteil von dem belegt, was Sie annehmen?

    Nein. Man könnte auch schlussfolgern, dass die SPD ohne Werbeagentur deutlich schlechter abgeschnitten hätte. Sie hat sich immerhin um 2,7 Prozent gegenüber der BT-Wahl von 2009 verbessert. Selbstverständlich operieren auch die anderen Parteien mit Werbeagenturen. Die waren teils besser, teils schlechter. Die CDU-Agentur hat ihre Klientel von 27,3 auf 34,1 Prozent gehievt. Sie hatte vermutlich die bessere Ausgangsposition: Eine Kanzlerin, die in allen Medien gefragt ist. Und die mit Hilfe von Umfragen regiert.

    Man könnte die Gedanken weiterspinnen: In Wirklichkeit kämpfen die Parteien um Marktanteile, denn pro Stimmzettel gibt es 70 Cent. Ein erfolgreicher Wahlkampf bringt nicht nur Posten und Einfluss, er hilft auch die Bankkonten der Parteien zu füllen. Immerhin flossen im Wahljahr 150,8 Mio an die Parteien, die sich, nebenbei bemerkt, per Gesetz selbst bedienen. Die jährlichen Mittel, die den Parteien ausgezahlt werden, müssen seit 2013 nicht mehr alle zwölf Monate neu beschlossen werden. Um diese unangenehme Situation zu umgehen, wurde bei der Neufassung des Parteiengesetzes ein automatisiertes Wachstum unterstellt, das sich aus dem Preisindex und der Lohnentwicklung zusammensetzt.

  31. Es ist doch offensichtlich, daß die Nachricht zur Ware geworden ist und ihre Boten damit ihr Geld verdienen.
    Da scheint es doch sehr widersprüchlich, den Boten aus der Verantwortung nehmen zu wollen, und statt dessen den Empfänger in die Verantwortung zu nehmen.

  32. @ Rudi

    Natürlich kämpfen die Parteien um Marktanteile. Das ist keine neue Erkenntnis, ebensowenig wie die Sache mit den Beratern. Und dass es in der Politik eine gewisse Selbstbedienungsmentalität gibt, z.B. auch bei den Diäten, ist ständiger Gegenstand von Berichterstattung in so gut wie allen Medien, selbst in „Bild“. Sie können das geradezu als Paradebeispiel dafür nehmen, dass es kritische Distanz zwischen Medien und Politik, Beobachtern und Beobachteten, gibt. Hier hat die politische Kommunikation ganz offensichtlich nicht im Sinne der Politik funktioniert.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie sich eher mal mit Fragen an diesem Talk beteiligen würden.

  33. @ Markus

    Noch mal die Frage aus #31, damit wir den Faden nicht verlieren:

    Medien, die Wert auf Seriosität und Glaubwürdigkeit legen, müssen auf Distanz zu den „Hebeln der Macht“ achten, um es mal etwas salopp zu formulieren. Gleichzeitig sind sie natürlich immer in Gefahr, von den Mächtigen zum Agenda-Setting benutzt zu werden. Da wird hier mal eine Information lanciert, dort zu einem Pressegespräch gebeten, und Korrespondenten und sogar Leserbriefredakteure haben täglich einen vollen Briefkasten bzw. überlaufenden Mailaccount. Wie bewertest Du dieses Gerangel um Aufmerksamkeit?

  34. Der Journalismus erfreut sich also immer noch großer Beliebtheit. Ihm wird, so legt das Deine Frage zugrunde, immer noch von den „Mächtigen“ Relevanz zugeschrieben. Das ist doch als erster Befund gar nicht mal so schlecht. Wenn Kommunikationsabteilungen die Medien links liegen lassen und gänzlich darauf vertrauen würden, dass sie selbst in direkten Kontakt mit dem Publikum treten könnten, wäre das für den Journalismus doch eine viel schlechtere Nachricht. Es muss also noch eine Art Vertrauen in die Wichtigkeit des Journalismus herrschen.
    Gleichzeitig müssen Journalisten und Journalistinnen qua Berufsbeschreibung immer zwischen Nähe und Distanz zu Mächtigen changieren. Nähe, um an Informationen zu gelangen, die interessant und publikationswürdig sind, Distanz um kritisch über Themen berichten zu können. Die Entscheidung, über was berichtet wird, liegt immer noch bei der Redaktion. Und deshalb auch die Verantwortung dafür.

  35. Und wer setzt sich durch? Derjenige, der die interessantesten Pressemitteilungen verschickt oder der, der die besten Kontakte zu Journalisten hat?

  36. Diese gelenkte Informationspolitik ist ja nichts Neues, Information und Desinformation sind ja schon immer zur Lenkung der Menschen benutzt worden.

    1. Frage: Ist es heutzutage schwieriger geworden, Information von Manipulation zu unterscheiden , oder ist es durch die schnellere, direktere und vielfältigere Kommunikation leichter geworden?

    2. Frage: Früher musste sich ein Journalist mit dem „Finger am Puls der Zeit“ selbst ein Bild von der Interessenlage seiner Leser machen, heute geschieht dies mehr und mehr durch Marktfoschungsinstrumente und, seitdem diese (aus meiner Sicht) versagt haben, wieder durch direkteren Kontakt der Zeitungen/Redakteure zu den Lesern. Hat sich da ein Wandel ergeben, ist der Kontakt zu den Lesern besser oder schlechter oder bloß massenhafter geworden?

  37. Werfen wir mal einen Blick auf die Krautreporter, die kürzlich ins Netz gegangen sind und zuvor via Crowdfounding rund eine Million Euro eingenommen haben.

    Sie schreiben über sich und damit auch indirekt über die übrige Presse:

    Warum glauben wir, dass es Krautreporter braucht? Weil vielen Medien Klicks wichtiger sind als Geschichten. Weil niemand mehr den Überblick behalten kann, wenn die Welt nur noch in Eilmeldungen erklärt wird. Weil Werbung nervt. Weil sich auch in seriösen Online-Medien der Boulevard ausbreitet. (…) Wenn ein Veranstalter anbietet, für Reisekosten oder Unterbringung aufzukommen, nehmen wir dieses Angebot nur im Ausnahmefall an. Und zwar nur dann, wenn eine Berichterstattung ansonsten nur sehr schwer möglich wäre und keine Vorgaben für die Berichterstattung damit verbunden sind. Solche Arrangements kennzeichnen wir unter dem jeweiligen Beitrag mit einer Erläuterung des Autors.

    Bronski [@34], es mag kritische Distanz zwischen Medien und Politik geben. Die Krautreporter weisen jedoch darauf hin, dass auch Abhängigkeiten bestehen bzw. sich entwickeln. Gegenbeispiele zu ihrem Diäten-Hinweis gibt es viele. Der bayrische Rundfunk besetzt seine Spitzenpositionen nach politischen Kriterien. Andere Sender machen das auch. Es fällt nur nicht so auf, weil die CSU-Politik ziemlich special ist.

    Ich verweise auf die Praxis der Redaktionen, für vermeintlich unabhängige Experten, die in Wahrheit Lobbyisten sind, die Zeitungsspalten zu öffnen bzw. die Mikrofone aufzudrehen: Zwei der medial wirksamsten sind Prof. Dr. Raffelhüschen und Prof. Dr. Rürup, die die Agenda 2010 in PR-Manier begleitet und die Privatisierung der Umlagesysteme vorangetrieben haben. Diese journalistischen Gepflogenheiten, Themen an angeblich neutrale Beobachter zu delegieren, ist Quell des Rezipienten-Unmuts, wenn er’s merkt, und ist nach wie vor gängige Praxis.

  38. @ Matthias Borck-Elsner, #38

    Frage 1 gebe ich an Markus Rhomberg weiter, aber Frage 2 kann man so nicht stehen lassen. Dennoch gut, dass Sie das ansprechen.

    „Früher musste sich ein Journalist mit dem “Finger am Puls der Zeit” selbst ein Bild von der Interessenlage seiner Leser machen, heute geschieht dies mehr und mehr durch Marktfoschungsinstrumente …“

    Das sind Klischees über Journalisten, die schon lange nicht mehr stimmen und die sich vermutlich dank Egon Erwin Kisch, dem „rasenden Reporter“ und legendären Journalisten, festgesetzt haben. Schon der Gedankengang, dass Journalisten sich quasi als ersten Arbeitsschritt fragen, was ihre Leserinnen und Leser interessieren könnte, stimmt in dieser Schlichtheit nicht. Das können Sie nicht wissen, darum hierzu ein paar Worte.

    Journalisten haben in der Regel ihre Fachgebiete, in die sie sich eingearbeitet haben und deren Entwicklung sie beobachten. Nehmen wir als Beispiel eine Korrespondentin wie Inge Günther in Israel. Sie beobachtet die aktuellen politischen Entwicklungen im Land, gibt täglich Meldungen an die Redaktionen ab, die von ihr bedient werden, und bietet Texte an. Die Entscheidung darüber, ob ihre Texte genommen werden, fällt in der Politik-Redaktion, in diesem Fall der der FR. Das heißt, dass Inge Günther nicht etwa das Leserinteresse antizipiert, sondern in erster Linie das Interesse der Redaktion, für die sie arbeitet.

    Die Leute in der Redaktion, die darüber entscheiden, sind natürlich ebenfalls Journalisten – die Zeitungsmacher. Welche Texte und Themen ins Blatt kommen, wird in Konferenzen entschieden, und hier werden die Themen dann auch gewichtet. Dabei ist in erster Linie die Nachrichtenlage an sich ausschlaggebend, also: Welche Themen gibt es, wie wichtig sind sie, was geben sie her und – ja, auch dies – sind sie interessant? Diese Zeitungsmacher haben selbstverständlich auch heute noch den „Finger am Puls der Zeit“, weil sie ganz dicht dran sind an all den aktuellen Entwicklungen, die sie täglich anhand der hereinströmenden Meldungen intensiv verfolgen. Marktforschung spielt für die tägliche Arbeit von Journalisten dagegen überhaupt keine Rolle.

    Marktforschung wird gelegentlich von den Marketing-Abteilungen in Auftrag gegeben, aber nicht, um die Inhalte der Zeitung festzulegen, sondern um Informationen über die Akzeptanz einer Zeitung bei ihren Leserinnen und Lesern zu gewinnen und beispielsweise auch über die Altersstruktur der Leserschaft. Eine Zeitung wie die FR bekäme heute allergrößte Probleme, wenn sie beginnen würde, sich inhaltlich an den Ergebnissen von Marktforschungen zu orientieren. Von den Stammleserinnen und -lesern würde das als Identitäts- und Profilverlust aufgefasst werden, und sie würden vermutlich fliehen, wenn ihre Zeitung plötzlich voller Lebensratschläge, Anlagetipps und Restaurant-Empfehlungen und netter bunter Infografiken wäre – denn das wäre vermutlich das Ergebnis solcher Marktforschungen, wenn man eine repräsentative Zahl von Menschen (also nicht nur von Zeitunglesern) befragen würde: Diese würden sich vermutlich mehr Praxisorientierung in Bezug auf das tägliche Leben und die täglichen Bedürfnisse wünschen. Diese repräsentative Zahl von Menschen würde deswegen aber trotzdem keineswegs die Zeitung abonnieren, die sich deswegen für sie geändert hätte, denn genau diese Angebote findet man in Massen überall im Netz. Mit dergleichen hebt eine Zeitung sich nicht von anderen Medien-Angeboten ab. Deswegen, lieber Matthias Borck-Elsner, ist der Ansatz Ihrer zweiten Frage schlicht falsch.

    Und zu der Frage, die Sie daraus entwickeln: Natürlich hat sich der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern verändert. Bestes Beispiel dafür ist dieser Blogtalk selbst.

  39. @ Rudi, # 39

    Das Diäten-Beispiel kam indirekt von Ihnen. Und über den BR können wir sehr gern mal reden. Da bin ich bei Ihnen. Ich sage ja nicht, dass die Kritik, die an die Medien gerichtet wird, grundsätzlich falsch ist. Ich denke allerdings, dass sie so pauschal, wie sie geäußert wird, nicht stimmt, indem sie sich einfach an „die Medien“, also alle Medien richtet. Der BR hat deswegen auch ein Imageproblem. Da es mediale Berichterstattung über die Praxis der Postenbesetzung beim BR – oder auch beim HR – gibt (denn es gibt ja noch andere Medien neben BR und HR, die teils genüsslich darüber berichten) -, kann jede/-r, der es wissen will, das Informationsangebot des BR einsortieren. Das führt dazu, dass ich regelmäßig abschalte, wenn Siegmund Gottlieb mal wieder kommentiert. Die Schlichtheit dieser Weltsicht ist nervig.

    Zu den „Experten“: Medien, die Herrn Raffelhüschen oder Herrn Rürup e.a. zu Wort kommen lassen, sind gut beraten, dies nur in Interviewform oder in Gastbeiträgen zu tun und zugleich zu kommunizieren, wer diese Herren sind. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Mit Hilfe dieser Zusatzinformationen können Leserinnen und Leser die wiedergegebenen Meinungen einsortieren. So ist das jedenfalls bei der FR immer gehandhabt worden. Diese Leute zu Wort kommen zu lassen, ist natürlich trotzdem erlaubt und sogar erwünscht, wenn man bei nächster Gelegenheit die anderen Seiten, etwa die Gewerkschaften, zu Wort kommen lässt – natürlich ebenfalls in einem Interview oder einem Gastbeitrag. Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Auf diese Weise kann man relevante gegenwärtige Meinungsströmungen abbilden.

    Ich muss es noch einmal sagen: Rudi, bitte stellen Sie doch mal eine Frage!

  40. Rudis Punkt aufgreifend, möchte ich folgende Frage stellen:
    Warum muss ich immer häufiger halbseitige Artikel von z. B. Greenpeace oder von Parteipolitikern lesen? Diese Artikel finde ich auch auf deren Internetaufritt. Wo ist der „added value“ der FR in diesem Fall?

  41. @ Henning Flessner

    Dazu verweise ich Sie auf meinen vorangegangenen Kommentar, verbunden mit dem Hinweis, dass nicht alle Zeitungsleserinnen und -leser Internet haben und/oder regelmäßig auf Greenpeace- oder Politikerseiten vorbeischauen. Auch wenn solche Artikel meinungsgebunden sind, sind sie ja nicht per se uninteressant.

    Ich entwickle hieraus mal eine neue Frage an Markus Rhomberg, ohne die Frage in #37 damit aufzugeben. Meine persönliche Wahrnehmung ist, dass das Internetzeitalter nicht in erster Linie ein Informationszeitalter ist, sondern ein Meinungszeitalter. Indikator dafür könnte sein, dass Blogs – ich nehme mein eigenes Blog Ybersinn.de und auch das FR-Blog keineswegs davon aus – von der Userschaft vor allem dann wahrgenommen und weiterempfohlen werden, wenn sie eine Meinung vertreten.

    Markus, würdest Du die These unterstützen, dass es heutzutage wichtiger ist, einen Standpunkt zu vertreten, als sauber zu argumentieren?

  42. @ Bronski, # 37

    Das eine geht doch nicht ohne das andere: Natürlich geht es nicht ohne interessante Themen und das Instrument der Pressemitteilung. Das ist doch per se noch nichts Schlechtes. Wie sollten Redaktionen sonst Informationen erhalten in einer immer komplexeren und ausdifferenzierteren Gesellschaft. Auch sind gute Kontakte per se nichts Schlechtes. Ohne gute Kontakte kommen Journalisten und Journalistinnen auch nicht an jene Geschichten heran, die hinter der Pressemitteilung stehen.

  43. #38 „Ist es heutzutage schwieriger geworden, Information von Manipulation zu unterscheiden, oder ist es durch die schnellere, direktere und vielfältigere Kommunikation leichter geworden?“

    Gute Frage, es ist einerseits leichter geworden, Berichte aus den traditionellen Medien zu durchschauen, weil uns als Nutzern oftmals auch die Originalquellen aus Twitter, Homepages etc. zur Verfügung stehen.
    Gleichzeitig stehen wir aber vor demselben Problem wie Journalisten: Wie checken wir beispielsweise, ob ein Twitterer, der vorgibt, aus Syrien oder der Ukraine zu berichten, auch wirklich der ist, der er vorgibt zu sein? Wir können aber — genauso wie Journalisten — versuchen, uns durch das Dickicht an Informationen durchwühlen und Spuren von authentischer Kommunikation suchen und diese gegenchecken. Das ist eine mühsame Arbeit, die uns eigentlich der Journalismus, dem wir vertrauen, abnehmen sollte.

    #43 „Markus, würdest Du die These unterstützen, dass es heutzutage wichtiger ist, einen Standpunkt zu vertreten, als sauber zu argumentieren?“

    Also, ich finde es zunächst mal gar nicht so schlecht, wenn Organisationen mit der Nennung Ihrer Organisation die Möglichkeit bekommen, ihre Standpunkte nicht nur in kurzen Zitaten, sondern auch in längeren Stücken als Gastmeinung zu platzieren. Ich kann als Leser selbst gewichten, wie ich zu dieser Position stehe, und habe die Möglichkeit zu widersprechen.
    Eine Zeitung sollte aber danach trachten, nicht nur bestimmte Positionen zu Wort kommen zu lassen, sondern dann auch für Meinungsvielfalt sorgen.

  44. Ich würde ein Thema in eine gute Geschichte verpacken. Konkret herausarbeiten, wer davon wie betroffen ist. Da lässt sich sehr viel von NGOs und zivilgesellschaftlichen Organisationen lernen. Und andererseits: Darauf vertrauen, dass der Journalismus sein Gespür für wichtige Themen nicht verloren hat. Es gibt übrigens mit der Gründung der Krautreporter in der vergangenen Woche ein interessantes Beispiel für ein Medium, das genau daran glaubt und dass das Vertrauen von einer Vielzahl von Unterstützern gefunden hat: Ausführlich über das zu berichten, dass im regulären Medienkanon vernachlässigt wird.

  45. Ich bin sehr gespannt auf das, was die Krautreporter da offenbar zaubern wollen, denn der „reguläre Medienkanon“ ist ja schon recht breit. Online hat er eine Flügelspannbreite, die von Politically Incorrect rechts außen bis zu den Nachdenkseiten ganz links reicht. Die meisten traditionellen Medien scheinen dagegen relativ mittig zu stehen.

    Haben diese Links-rechts-Schubladen eigentlich noch ihre Berechtigung?

  46. Warum nicht? Ich finde es gerade spannend, wenn sich der Pluralismus auch in der Online-Welt abbildet. Das Ende der Ideologien wurde ja schon von vielen propagiert, irgendwie arbeiten wir uns aber immer noch daran ab. Warum also nicht auch in der Medien- und Onlinewelt …

  47. Eine gute Vernetzung gehört – und gehörte schon immer – zum Berufsbild von Journalisten. Das haben wir ja inzwischen herausgearbeitet. Aber es gibt möglicherweise eine Kehrseite dieser Vernetzung, nämlich wenn der Verdacht aufkommt, dass die Mitgliedschaft in gewissen Think Tanks die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit und die Berichterstattung beeinflussen könnte. Wie bewertest Du die Tatsache, dass namhafte Autoren meinungsbildender Medien beispielsweise der „Süddeutschen Zeitung“ und der „Zeit“ – in den Diskussionen hier im FR-Blog wurden Stefan Kornelius und Josef Joffe besonders hervorgehoben – Mitglieder der „Atlantik-Brücke“ sind? (Für Zugeschaltete: Link „Atlantik-Brücke“)

  48. Die Fälle der beiden genannten Journalisten sind ja auch gute Beispiele dafür, dass die wechselseitige Kontrolle im Mediensystem und Online funktioniert. Über beide findet man sehr kritische Auseinandersetzungen in der aktuellen Medienberichterstattung sowie auf Transparenzplattformen wie Lobbypedia. So lassen sich die Kommentare dieser Journalisten zum Deutschland-USA-Verhältnis gut einschätzen. Dazu kommt aber auch der redaktionsinterne Umgang mit solchen Mitgliedschaften. Das gilt aber nicht nur für Mitglieder der Atlantik-Brücke, sondern auch für die Mitgliedschaft von Redakteuren bei anderen Vereinen und Parteien oder auch deren Nebenerwerbstätigkeiten.

  49. Kommentar zu 43:
    In Zeitungsartikeln sollten Standpunkte und Meinungen immer durch plausible, logische und verständliche Argumentation und „ehrliche“ Information begründet sein. Je „unsauberer“ eine Argumentation oder Information ist, desto mehr Interpretationsmöglichkeiten gibt es, was dem Wahrheitsgehalt einer Problematik, um die es geht, nicht förderlich ist. Bei der Zeitungslektüre, egal ob ich die Bildzeitung, die FR oder FAS lese, habe ich stets das Gefühl, dass Journalisten ihrem eigenen Standpunkt gegenüber nicht kritisch genug sind. Dies liegt meiner Meinung nach auch daran, dass Meinungen und Standpunkte Teil der Persönlichkeit sind, so etwas wie eine Art persönlicher Besitz. In der Ökonomie gibt es den Begriff Besitztumseffekt (Endowment-Effekt), der vereinfacht besagt, dass Menschen etwas höher bewerten, sobald sie es besitzen. Genauso verhält es sich mit dem eigenen Standpunkt. Menschen bewerten ihren eigenen Standpunkt immer höher und wahrer als den des Anderen. Standpunkte und Meinungen sind aber nur Variablen, die durch Beobachtung und neue Erkenntnisse ständig korrigiert, verbessert oder ganz aufgegeben werden müssen. Diese Haltung vermisse ich bei den meisten Journalisten. Seit Jahren lese ich als Abonnent die FR und habe bislang keine nennenswerten Meinungsänderungen in vielen Bereichen feststellen können.

  50. @ Michael G. Hoffmann

    Ich möchte Sie gern bitten, diese Kritik an konkreten Beispielen festzumachen. Sonst kann sie für die FR nicht konstruktiv sein. Beachten Sie dabei bitte auch, dass das Thema dieses Blogtalks der Verdacht auf Steuerung und „Gleichschaltung“ der Medien von außen ist. Dass eigene Standpunkte und Meinungen von Journalisten in Reportagen einfließen können, ist an sich nichts Neues. Das hat schon der bereits erwähnte Egon Erwin Kisch so gehandhabt. Eventuell ist Ihr Beitrag eher etwas für eine Online-Blattkritik an der FR, wie wir sie dringend mal wieder machen müssten, aber das können wir konkretisieren, wenn Sie Ihre Kritik klarer gefasst haben.

  51. Im Einleitungstext ging es ja um das Wort „gleichgeschaltet“. Daß es eine unverhohlene Gleichschaltung der Medien nicht mehr geben darf, dürfte Konsens sein. Trotzdem bleibt die Befürchtung, der Verdacht, oder die Verschwörungstheorie bestehen, eine solche Medienmanipulation würde weiterhin stattfinden, und zwar möglichst „unentdeckt“.

    Dabei gibt es die Aspekte

    a. Die bewußte und gezielte Beeinflussung der Meinungsbildner durch Lobbyisten
    b. Die wirtschaftliche Vereinheitlichung durch Marktverläufe
    c. Die (sagen wir mal) „psychologische“ Vereinheitlichung durch den Insider-Effekt
    d. Den verschwörungstheoretischen Aspekt (jeder Redakteur hat einen kleinen Vorsager im Ohr)

    M.Hoffmann hat den „psychologischen“ Effekt schon angesprochen, ich weiß allerdings nicht, ob der hier Thema werden soll.

  52. zu 28 # Bronski
    Obama bekam den Friedensnobelpreis, ohne schon etwas für den Frieden geleistet zu haben .. außer Worten. Es hatten damals keine Taten vorgelegen, die eine Verleihung dieses außerordentlich hoch einzuschätzenden Preises gerechtfertigt hätte. Daraus habe ich etwas ironisch „eine Art vorauseilenden Gehorsams“ gemacht.

    Die Klimapolitik wurde ausdrücklich in Ihrem Eingangstext erwähnt, deshalb habe ich diesen Punkt aufgenommen.

    zu 29 # Markus Rhomberg
    Die Medien können sehr wohl auch eine größere Zahl von Personen in der einen oder anderen Richtung beeinflussen. Ein weiteres Beispiel neben zu Guttenberg ist die Frau von der Leyen, der auch Kanzlerin-Qualitäten zugeordnet wurden. Zurzeit ist jedoch die Hochschätzung etwas abgeebbt.
    Mein Verdacht war, dass Frau Merkel ganz bewusst Frau von der Leyen auf den Schleudersitz als Verteidigungsministerin gesetzt hat, um sie (von der Leyen) zu „entzaubern“.

    Häufig wollen die Leute auch die eigene Meinungen bestätigt sehen, daher auch die Auswahl der entsprechenden Medien. Insofern gibt es einen nicht zu unterschätzenden Einfluss durch die Medien.
    Soweit meine, sicherlich nicht zu verallgemeinernde Bewertung.

  53. @ Matthias Borck-Elsner

    Ich möchte Sie bitten, sich klarer auszudrücken. Was meinen Sie mit „wirtschaftliche Vereinheitlichung durch Marktverläufe“? Was sind „Marktverläufe“?

    Mit c) spielen auf Michael G. Hoffmanns Posting an, nehme ich an. Da Herr Hoffmann sich bisher noch nicht zu meinen Kommentar #54 geäußert hat, möchte ich dazu etwas nachtragen. Selbstverständlich gibt es bei Journalisten wie bei allen Menschen Grundhaltungen, die mit persönlichen Wertesystemen zu tun haben, die wiederum wohl vor allem eine Folge ihrer Sozialisation sind. Analog dazu haben Zeitungen Profile, Richtungen, Linien. Das führt dazu, dass ein Josef Joffe bei der FR wohl ebenso undenkbar wäre wie ein Stephan Hebel bei der „Welt“. Weil das so ist, können die einen Zeitungsleser nichts mit „Welt“ oder FAZ anfangen und die anderen nichts mit der FR oder der taz. Über dieses Phänomen, das so alt ist wie die Zeitungen selbst, reden wir hier nicht. Unser Thema ist der Verdacht der Steuerung und „Gleichschaltung“ der Medien von außen, also durch eine wie auch immer geartete gezielte Fremdeinwirkung, welche die Haltung von Journalisten und Zeitungen beeinflussen möchte. Deswegen haben wir einen Professor für politische Kommunikation an Bord und nicht einen Professor für Medienpsychologie.

  54. @Bronski

    Mit „wirtschaftliche Vereinheitlichung durch Marktverläufe“ meine ich Medienkonzentrationen unter einer Leitung, also Springer, Murdoch und andere Medienkonzerne, denen immer wieder unterstellt wird, auch die Inhalte und Tendenzen ihrer Produkte zu beeinflussen. Da gibt es sicherlich eine Menge interner Abhängigkeiten zwischen Mut, Wohlwollen und Willfährigkeit, die wirksam werden können. Dazu gehört auch die Verarmung der Medienlandschaft durch den Untergang nicht mehr konkurrenzfähiger Zeitungen.

    Ob sich die „politische Kommunikation“ von der „Medienpsychologie“ trennen ließe, das würde ich gern von Markus Rhomberg erfahren.
    Dieses ist letztlich die Kernfrage des aktuellen Dilemmas:
    „Spricht man, um Inhalte zu transportieren, oder spricht man, um Wirkungen zu erzielen?“
    Es wäre der Unterschied zwischen „politischer“ und „politisierter“ Kommunikation und der Frage danach, wer beide letztlich bezahlt.

  55. #52 Bist Du auch Mitglied in solchen Think Tanks?
    Nein, bin ich nicht. Ich habe aber sehr wohl — als Österreicher und deshalb nicht Wähler in Deutschland — bestimmte ideologische Positionen, die ich als Wissenschaftler immer wieder reflektieren muss und die somit Teil meines wissenschaftlichen Prozesses sind, in dem ich aber immer diese Position — soweit sie betroffen ist — darlegen muss.

    #56 „Die Medien können sehr wohl auch eine größere Zahl von Personen in der einen oder anderen Richtung beeinflussen.“
    Zeigen Sie mir bitte empirische Befunde dafür, bei denen eine große Zahl von Menschen alleine aufgrund von Medienberichterstattung ih Verhalten ändern. Ich wäre sehr daran interessiert.

    #58
    Ich bin mir nicht sicher, wie Sie Medienpsychologie definieren, aber natürlich gibt es Überschneidungen. Denn es geht letztendlich immer um die Frage welche Wirkungen Medien tatsächlich auf Individuen haben. Und da bin ich — auch durch die Empirie geschult — immer noch ein Anhänger von der Beschreibung differenzierter und nicht absoluter Wirkungen.

  56. Schade, dass Du meine freche Frage nicht mit einer Gegenfrage konterst: Und Du, Bronski, in welchem Think Tank bist Du organisiert?

    Antwort: In einem Think Tank namens Lutz „Bronski“ Büge, der sich viele Gedanken um Selbstbestimmung macht und sich bisher, so meine Einschätzung, halbwegs unabhängig und kritisch ein eigenes Bild von der Welt machen konnte. Wenn das nicht so wäre, dann wäre ich kein Mitglied mehr in diesem Think Tank.

    Markus, wir streifen wieder das Thema „Verschwörungstheorien“. Was passiert eigentlich in diesen Think Tanks? Wie mächtig sind sie wirklich, und wo sind die Grenzen zu Treffen der globalen Elite wie zum Beispiel dem World Economic Forum oder den Bilderbergern?

    Wir lesen uns morgen weiter!

  57. Lieber Bronski,

    ja, jetzt wird es doch etwas verschwörungstheoretisch. Wie mächtig sind Think Tanks wirklich?

    Das kann ich Dir nicht sagen, glaube aber, dass der wirkliche Einfluss von Think Tanks möglicherweise durch diese Verschwörungstheorien selbst überhöht wird. Volker Perthes, selbst Leiter eines Think Tanks, nämlich der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), hat in einem Interview ganz gut auf den Punkt gebracht, was einen Think Tank auszeichnet: „In erster Linie eine wissenschaftliche Forschungstätigkeit, die sich in praktische und politisch-inhaltliche Empfehlungen umsetzen lässt. Das unterscheidet einen Think-Tank von einem akademischen Institut, wo zwar auch gedacht und geforscht wird, es aber diese praktische Dimension nicht gibt. Gleichzeitig grenzt sich ein Institut wie die SWP mit seiner Arbeitsweise auch von einer Beratungsfirma ab, die zwar politische Ratschläge geben kann, aber keine wissenschaftlich fundierte Basis hat“ (http://www.politik-kommunikation.de/ressorts/artikel/die-welt-ist-schneller-geworden).

    In der deutschen Klimadebatte, in der ich ein bißchen mehr Einblick in die Think Tank-Welt habe, kann ich einen ziemlich hohen Pluralismus an Think Tanks feststellen: die Bandbreite reicht von Alarmisten, Mahnern, Pragmatikern bis hin zu Verzögerern und Skeptikern.

  58. Guten Morgen, Markus.

    Zur Klimadebatte kommen wir ja nachher noch.

    Insbesondere in der Ukraine- bzw. Krimkrise konnten Medien wie die „Süddeutsche Zeitung“ und die „Zeit“ also die Neutralität in ihrer Berichterstattung wahren, obwohl leitende Journalisten Mitglied in Think Tanks sind, die sich der „Förderung der Völkerverständigung“ verschrieben haben? Diese Formulierung steht in der Satzung der „Atlantik-Brücke“, gemeint ist wohl die Förderung der Beziehungen der nordatlantischen Staaten, die auch in der Nato organisiert sind.

  59. Na ja, die Ukraine-Berichterstattung war ja nicht unbedingt ein Heldenstück für die gesamte deutsche und internationale Berichterstattung. Interessanterweise haben aber nicht ein oder zwei Medien hier Fehler in der Berichterstattung begangen, sondern trifft es fast alle der Qualitätsmedien in der einen oder anderen Form. Ich kann mich da gut der These des Wiener Kommunikationswissenschaftlers Jürgen Grimm anschließen, der festgestellt hat, dass die Berichterstattung zu stark ereignisbezogen war (wer gewinnt?) und weniger Gewicht auf die Analyse der Ursachen des Problems gelegt hat. Nach Grimm geht es bei qualitativer Berichterstattung darum, durch Analyse das hinter dem Konflikt liegende Problem zu erkennen, zu beschreiben und dann auf die Suche nach Handlungsoptionen zu gehen.
    Es ist doch klar, dass auch Qualitätsmedien Fehler in der Berichterstattung machen, präsentierte Fakten sich als unrichtig herausstellen, man irgendwelchen Quellen auf den Leim gegangen ist etc. Was Qualitätsmedien daraus aber lernen können, ist eine neue und transparente Kultur im Umgang mit Fehlern zu entwickeln.

  60. Es ist erst ein Dreivierteljahr her, dass die Maidan-Revolution in Kiew die Weltpolitik durcheinanderwirbelte. Zu ihrer Diskreditierung trug bei, dass Rechtsextreme und Nationalisten eine tonangebende Rolle spielten. Viele Mediennutzer fanden die Rolle dieser – formulieren wir es mal neutral – politischen Akteure in den deutschen Medien nicht angemessen hinterfragt. Zugleich sind diese Protagonisten in russischen Medien quasi omnipräsent gewesen. In westlichen Medien praktisch nichts zu diesem Thema, das in russischen Medien auf allen Kanälen gebracht wurde – was ist da passiert? (In Sachen politischer Kommunikation.)

    (Meine nächste Frage kann erst gegen 11:30 uhr kommen.)

  61. Markus Romberg [#61],

    Sie haben einen Link zu einem Think-Tank gesetzt. Ein Think-Tank-Mitglied wird dort so zitiert:

    „Es hat sich ein Markt für Politikberatung entwickelt, und das meine ich nicht nur im kommerziellen Sinn. Politiker, die Rat brauchen, wenden sich mit ihren Fragen oft nicht mehr an ein Ministerium oder eine Fraktion, sondern an einen externen Berater. Dazu kommen eine Vielzahl privater Stiftungen, die nicht mehr nur fördernd, sondern auch politikberatend tätig sein wollen. Es gibt also Bedarf, der viel mit der gestiegenen Komplexität im politischen Umfeld zu tun hat.“

    Immer mehr Menschen befürchten, dass das Parlament an Gewicht verliert, dass Nichtgewählte zunehmend Einfluss auf die Legislative nehmen. In den Medien wird, so ist mein Eindruck, überwiegend personenbezogen berichtet und die tatsächlichen strukturellen Probleme in den Hintergrund verbannt. Politik auf diese Ebene reduziert, lässt Differenzierungen immer weniger zu. Müssten die Medien diese „Beratungssysteme“ nicht intensiver durchleuchten, damit die Rezipienten den Politikbetrieb besser einschätzen können?

    Es bleibt beispielsweise für mich ein Rätsel, weshalb die Medien nicht deutlicher und insistierender herausarbeiten, dass der Staat an die Firmen Toll-Collect und Daimler Milliarden verschenkt, weil er das System nicht selbst übernimmt. (Die FR berichtete: „Dobrindt kuschelt mit Konzernen“)

  62. @ Rudi

    Die FR hatte das Thema mehrere Male auf ihrer Titelseite (13.9., 2.10.) und hat ihm am 13.9. eine Doppelseite als Thema des Tages gewidmet. Mehr kann man als Tageszeitung eigentlich nicht machen – außer dranbleiben natürlich.

    @ Markus

    Wenn wir über effektive politische Propaganda reden – dabei geht es ja unter anderem in Deinem Fachgebiet –, dann sticht in Sachen Ukraine-Krise offenbar die russische Seite den Westen aus, denn sie hat es geschafft, zumindest in Deutschland hier und da Verständnis oder auch Sympathie für sich zu erzeugen. Stichwort „Putin-Versteher“. Der Nato hingegen wurde zumindest in den Debatten dieses Blogs kein allzu gutes Zeugnis ausgestellt. Versteht sich die Nato einfach nicht auf effektive politische Kommunikation, oder welches Problem könnte sie sonst haben?

  63. Ab wann ist man ein Think Tank? Ich sehe Personen, die sich Institut oder Gutachter nennen und dieses mit so schönen Worten wie Frieden, Sicherheit, Energie, Frieden, Umwelt,ökologisch, sozial dekorieren und sehr erfolgreich ihre sogenannten Studien (soll wohl auch an Studim erinnern) in den Medien unterbringen. Ist eine gewisse Qualitätskontolle nicht doch irgendwie organisierbar?

  64. Wie sollte man das organisieren? Der Begriff „Think Tank“ ist ja kein geschützter Begriff. Es unterliegt natürlich der redaktionellen Sorgfalt, jene Quellen auf Glaubwürdigkeit und Relevanz zu prüfen, aus denen man zitiert …

  65. @ Bronski, # 67

    Eine autokratisch monopolisierte russische Stimme kämpft gegen eine Vielzahl unkoordinierter Einzelpositionen von NATO-Mitgliedstaaten. Wem fällt es leichter strategisch zu kommunizieren?

  66. Du beantwortest meine Frage mit einer Gegenfrage. Na herrlich! 😉

    Ich tu mal so, als ob ich Deine Gegenfrage beantworte. Der Nato müsste es leichter fallen, in ihrem Sinne mit der Kommunikation durchzudringen, denn sie hat nicht die Krim annektiert, und sie ist kein autokratisch gelenkter Staat, der Minderheitenrechte mit Füßen tritt. Das sind Punkte, die von „Putin-Verstehern“ – ich setze diesen Begriff bewusst in Anführungszeichen, denn ich mag ihn genausowenig wie den von den „gleichgeschalteten“ Medien, obwohl ich ihn selbst auch schon ohne Anführungszeichen benutzt habe – sehr oft und sehr schlicht mit dem Argument gekontert werden: Ja, aber die USA … Siehe Drohnenangriffe, Irak-Krieg und noch vieles andere mehr, was eher zu einer autokratisch auftretenden Hegemonialmacht passt als zu einer Demokratie, die westliche Werte verkörpern will. Die Nato hat also offenkundig ein Akzeptanzproblem. Das hat sie schon seit dem Nato-Doppelbeschluss. Dabei gibt es nirgendwo mehr Think Tanks als in Washington. Die scheinen ja nicht gerade gute Ratgeber zu sein …

    Gegenfrage zu Deiner Gegenfrage: Liegt der Kern des Problems nicht eigentlich in Washington? Dem Weltzentrum der politischen Kommunikation?

  67. zu Beiträgen 62, 63 und 64

    Apropos Ukrainekrise. Gegen eine historisierende Analyse eines derartigen Konflikts läßt sich nie etwas einwenden, sofern dabei nicht die Gegenwart vergessen wird. Die faktische Krimannexion und der gewalttätige Aufstand der pro-russischen Separatisten sind nicht dadurch relativiert, daß es eine Sowjetunion und ihren Anspruch gab, die dominierende Ordnungskraft im osteuropäischen Raum einschließlich der DDR mit militärischem Durchgriffsanspruch zu sein. Die Klage, man habe auf Ereignisse geschaut anstatt auf eine durchgehende historische Entwicklungslinie zu achten, in deren Endpunkt dann – so möchte ich kritisch bis süffisant hinzusetzen – die Nachvollziehbarkeit der Reaktionen Rußland´s zu stehen habe, kann nicht im mindesten befriedigen. Die Ukrainekrise ist für mich ein Beispiel dafür, wie durch Wahl der Brille die Bewertung der Gegenwartsereignise bis hin zur Unkenntlichkeit beeinflußt werden kann. Die historisierende Betrachtungsweise fällt nicht zufällig mit einer gleichzeitigen, mehr oder weniger deutlichen Distanzierung von der Rolle und Funktion der NATO zusammen. So gelangt man über einen historisierend-antimilitärischen Reflex schließlich zur einem Verständnis für Putin s Handlungsweise, die konfliktperpetuierend ist. Man frage bitte immer nach dem jeweiligen Vorurteil, daß hinter der Aufforderung steht, sich einer bestimmten Betrachtungsweise zu bedienen, und gebe keinen apriori Persilschein aus.

  68. # 72

    jetzt wirst Du ziemlich verschwörungstheoretisch 🙂

    Die NATO ist ja kein monolithischer Block mit einer Stimme, sondern zur Stimme der NATO kommen immer noch alle Einzelstimmen der NATO-Mitglieder. Das Problem ist ähnlich gelagert wie bei der EU. Auch hier gesellen sich zur EU-Stimme immer noch die Einzelmeinungen der Mitgliedsstaaten. Sowohl bei der NATO als auch bei der EU divergieren diese Meinungen immer wieder. Da fällt es schwer strategisch zu kommunizieren.

    Die Frage, ob der „Kern des Problems nicht eigentlich in Washington“ liegt, kann ich nicht beantworten. Ich bin kein Sicherheitspolitiker

  69. „jetzt wirst Du ziemlich verschwörungstheoretisch“

    Solche Blog-Debatten prägen halt. Ich habe allerdings auch Matthias Bröckers und andere gelesen. Ich denke, das kann nicht schaden, wenn man ihn genauso kritisch angeht wie andere Publizisten, die sich zu diesem Thema äußern, und nicht einfach nur nach Argumenten für oder Bestätigung der eigenen Position sucht. Tatsächlich ist gerade Bröckers Putin-Buch erstaunlich schwach, verglichen mit seinem Kennedy-Buch.

    Also, die Nato hat ein Problem. Der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) aber auch. Kürzlich war Welt-Klima-Gipfel in New York. Der Klimawandel ist wohl das drängendste Problem der ganzen Menschheit. Trotzdem hat es der Gipfel kaum in die Schlagzeilen geschafft …

  70. V.Grebe

    Wir diskutieren hier nicht über die Krimannexion, aber wir diskutieren über die Wahl der Brille, eigentlich: über den Verdacht, dass die Entscheidung, welche Brille ich heute aufsetze, unter anderem mit Hilfe der Medien manipuliert wird. Dabei müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass jeder von uns eine Brille auf der Nase sitzen hat. Objektivität ist selbst in der sogenannten exakten Wissenschaft letztlich nicht möglich. Die Frage nach dem Vorurteil gegenüber Russland oder gegenüber der Nato spielt in diesem Kontext, in dem es um politische Kommunikation geht, allenfalls insofern eine Rolle, als wir uns fragen könnten, inwiefern Putin Anti-Nato-Reflexe im Westen zu nutzen verstanden hat und inwiefern die Nato auf vorhandene, eingeübte Kalte-Kriegs-Reflexe zurückgreifen konnte. Aber zwischen allen – sowohl zwischen Putin und den Deutschen als auch zwischen der Nato und den Deutschen – stehen die Medien, die diese Kommunikation in irgendeiner Weise transportieren. DAS ist das Thema, nicht der historische Diskurs.

  71. Doch, mit Leonardo di Caprio als Eröffnungsredner. Ein übrigens sehr schnell verpuffter Versuch, das Thema doch noch irgendwie prominent zu gestalten …

    Ich stimme Deiner Einschätzung zu, dass der Klimawandel eines der wichtigsten Themen – wenn nicht sogar das wichtigste Thema – einer globalen Politik sein sollte. Leider ist die Prioritätensetzung auf einer globalen Ebene (noch) nicht überall angekommen. Noch nicht einmal in der EU können wir uns darauf einigen, welchen Stellenwert der Klimawandel eigentlich auf der politischen Agenda hat. Es traut sich auch niemand, den Menschen zu sagen, dass wenn wir den Klimawandel auf ein für die Welt erträgliches Maß begrenzen wollen – und ich habe hier vor allem den Blick auf den Süden – wir unser individuelles Handeln auf vielen Ebenen (lokal – regional, national, supranational) schnell und an vielen Stellen umstellen müssen. Die Politik zeigt aber mit dem Zeigefinger auf andere – mehr Emissionen produzierende – Staaten mit dem Argument erst etwas zu tun, wenn es einen für alle verbindlichen Weltklimavertrag gibt. Blame Game at its Best. Ein solcher Vertrag für Paris 2015 wäre zwar schön, er bedeutet aber nicht, dass man auch auf lokaler und nationaler Ebene schon langsam mal Projekte anschieben könnte.
    Die Rolle, die dem IPCC in der Klimapolitik zukommt, ist öffentlich eine sehr undankbare. Das IPCC ist eine Organisation für wissensbasierte Politikberatung: aus der Fülle an wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel in den unterschiedlichsten Bereichen geht es darum, robustes Datenmaterial zum Klimawandel und seinen möglichen Effekten zu generieren und der Politik Optionen an die Hand zu geben. Die Aufgabe, Politik zu gestalten, hat der IPCC aber nicht. Dies liegt in der Hand der gewählten nationalen Regierungen. Aus einer Demokratie-Perspektive ist das zwar einerseits gut, denn das IPCC ist ja nicht per se demokratisch legitimiert, andererseits entsteht aber öffentlich der Eindruck, der IPCC könne Politik machen. Dieses Missverhältnis ist natürlich schädlich für die Reputation des IPCC.

  72. Du hast Dir aus dem Fokus der politischen Kommunikation heraus angesehen, wie über Klimawandel und Klimapolitik in den deutschen Medien berichtet wird. Wie engagiert halten die deutschen Leitmedien das Thema im öffentlichen Bewusstsein?

  73. Wir haben uns angesehen, wie über die 2 Grad-Obergrenze in den Jahren 2009 bis 2014 in Deutschland berichtet wird. Nach dem medialen Hype im Vorfeld des Kopenhagener Weltklimagipfels 2009 und dem öffentlich wahrgenommenen Scheitern des Gipfels ist die Klimaberichterstattung massiv zurückgegangen. Es hat sich eine gewisse Klima-Müdigkeit breit gemacht. Nicht nur bei den Medien. Das liegt unseres Erachtens an den enttäuschten Erwartungen in Kopenhagen einen großen Wurf zu landen. Andererseits werden Weltklimakonferenzen aber auch mit zu großen Erwartungen im Vorfeld konfrontiert, die eigentlich gar nicht eingehalten werden können. Wie es bei solchen Gipfeln immer ist: es geht darum, Kompromisse zu finden.
    Interessant auch: Nach Kopenhagen hat sich die deutsche Politik fast vollständig aus der Klimaberichterstattung zurückgezogen, es dominieren mittlerweile die wissenschaftlichen Akteure in den deutschen Medien.

  74. Markus Rhomberg #71,

    „strategisch kommunizieren“ ist doch der zentrale Begriff, den sich die Presse zur Aufgabe machen müsste zu analysieren und ihren Leserinnen und Lesern nahezubringen. Politik kommuniziert immer strategisch. Manchmal gut, manchmal schlecht.

    Herr Rhomberg, Sie selbst haben „Stuttgart 21“ als Beispiel schlechter strategischer Kommunikation vorgestellt:

    http://www.netzausbau.de/SharedDocs/Downloads/DE/Veranstaltungen/2014/Wissenschaftsdialog/Vortrag_Burgdorf.pdf?__blob=publicationFile

    Die Politiker seien arrogant und uneinheitlich aufgetreten, hätten die Betroffenen nicht ernst genommen, die schließlich die Meinungsführerschaft übernommen und als Experten zu diesem Thema wahrgenommen worden seien. Dagegen setzen Sie als gelingende öffentliche Kommunikation die frühzeitige Einbindung der Betroffenen einschließlich der Möglichkeit, am Entscheidungsprozess ernsthaft mitwirken zu können. Ich fürchte, diese Gelegenheiten werden kaum kommen. Studieren könnte man diese Kommunikationsstrategien zuhauf am Ausbau des Frankfurter Flughafens. Am Ende, ob im formalen Sinn gut oder schlecht strategisch kommuniziert, wird man den Eindruck nicht los, dass die Betroffenen immer das Nachsehen haben.

    Deshalb spielt es für die Bürger eine untergeordnete Rolle, wie kommuniziert wird. Die „gute Kommunikation“ ist einfach trickreicher, wendet psychologische und werbetechnische Mittel an und bietet Verhandlungsmasse, die sowieso nicht umgesetzt werden sollte, um die Entscheidung, die man von der Politik aus schließlich wollte, doch durchzusetzen. An dieser Stelle müsste die Presse ansetzen, nämlich „gute Kommunikation“ als verbessertes Mittel zum Durchsetzen politischer Entscheidungen zu analysieren.

    Teilen Sie meine Auffassung?

  75. Tatsächlich zumindest medial engagierter. Ich will jetzt nicht von der Klima-Kanzlerin sprechen (das war sie ja nie), aber es ist schon spannend zu sehen, dass nach unserer Analyse stärker internationale politische Akteure (UNO, EU, Politiker anderer Staaten) in der Berichterstattung auftauchen als die deutschen Parteien und die Fraktionen im Bundestag. Die Fraktionen sind übrigens sehr zurückhaltend: möglicherweise ein Zeichen dafür, dass sich der gesamte Bundestag kaum mit dem Thema beschäftigt. Wenn die deutsche Politik spricht, dann sind es vor allem die Exekutivorgane (Kanzleramt, BMUB).

  76. Rudi #81

    Dass das eine Aufgabe der Presse ist, sehe ich genauso.

    Sie argumentieren mit den Negativbeispielen, an denen Bürgerbeteiligung nicht funktioniert hat. Wir haben uns in dieser Analyse auch angesehen, wann und über welche Infrastrukturprojekte in Deutschland berichtet wurde. Da zeigt sich, dass vor allem über Projekte mit Kritik an der Bürgerbeteiligung, Kostenüberschreitungen, Verzögerungen etc. berichtet wurde. Wir konnten auch zeigen, dass an vielen Stellen Bürgerbeteiligung erst viel zu spät angesetzt wurde und/oder nur Scheinbeteiligung war.

    Ich bin grundsätzlich aber optimistischer als Sie was die Potentiale von guten Bürgerbeteiligungsverfahren angeht: Einige KollegInnen vor allem aus der Politikwissenschaft haben da sehr gute Konzepte entwickelt und teilweise bereits angewandt, z.B. Angelika Vetter (http://www.uni-stuttgart.de/soz/avps/mitarbeiter/vetter.html)

  77. Meine Vemutung ist, dass die Physikerin Dr. rer. nat. Angela Merkel und Sigmar Gabriel (von ihm gibt es unautorisierte Äusserungen) inzwischen wissen, dass die deutsche Stromwende, wie sie mal angedacht war, technisch nicht funktioniert. Die Journalisten, die über Stromversorgung schreiben, haben aber nicht Elektrotechnik studiert. Was würden Sie der Regierung raten, wie sie das dann kommunizieren soll?

  78. Aus der Perspektive des Naturwissenschaftlers möchte ich Ihr Beispiel gern aufgreifen, sehr geehrter Herr Dr. Rhomberg.

    Wobei die behandelte Thematik eigenlich ziemlich nachrangig ist, das Versagen der Medien, so pauschal nenne ich das mal, beginnt bei der „Klimawandelproblematik“ schon mit der eigentlichen Sachverhaltsdarstellung. Erläuterung einzelner Positionen und ein Meinungsbild über die Spannbreite der Forschung sind bestenfalls oberflächlich gelungen. Wobei natürlich auch der Rezipient wesentlichen Anteil an der Prolematik hat. Ohne fundierten naturwissenschaftlichen Hintergrund gleiten sich ergebende Diskussionen oft vorschnell ins Bizarre ab, und kommen aus diesem Sumpf an Erkenntnisdefizit auch kaum je wieder heraus.

    Stellt sich die Frage: Wer hat Interesse an Sachinformation?

    Die Medien? Ausweislich Inhalt und Qualität der Darbietung liegt ein Primärinteresse sicher auf der wirtschaftlichen Seite, Existenzsicherung ist nicht verwerflich. Nur bedingt das deutliche Abstriche an der Qualität und Objektivität des Inhaltes.

    Die Konsumenten „Leser“, da bin ich mir nicht sicher, ob diese mehrheitlich wahrnehmen wollen was deren Weltbild bestätigt? Ob diese Personen freiwillig gedankliche Mehrarbeit leisten wollen steh eher nicht zu erwarten.

    Mir ist all zu viel Zustimmung in der medialen Aufarbeitung eher unheimlich, aber da bin ich sicher kein Maßstab.

    So wie „Klimawandel“, absurd genug, bisher in der Diskussion durch bestenfalls interessierte Laien gewichtet wird, die üblichen interessengeleiteten Protagonisten – Wissenschaftler die unangenehm dadurch auffallen „Politik“ machen zu wollen- ausgenommen, kann das Thema in den Medien getrost vernachlässigt werden. Denn es führt zu Nichts, wie auch?

    Eine weitgehend unbrauchbare Darstellung traf auf völligen Mangel an fundamentalen naturwissenschaftlichen Kenntnissen, vom Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität sowie den zugehörigen Prüfverfahren braucht man dann garnicht erst anfangen….

    Jedenfalls wünsche ich Ihnen bei dem Ansatz über den Blogtalk viel Erfolg!

    KM

  79. Nur zur Erläuterung: Der vorangegangene Kommentar von Karl Müller ging ein, bevor der Blogtalk überhaupt begonnen hatte. Ich habe ihn seitdem in der Moderation gehalten. Sorry, Karl Müller, aber vielleicht sehen Sie selbst, dass Ihr Kommentar an dieser Stelle besser in unsere Unterhaltung passt.

    Leider gilt auch für Karl Müller – so wie vorher für Rudi -, dass er seine Statements nicht gut in Fragen münden lässt.

    @ Markus

    Du findest sicher einen Punkt zum Anknüpfen. Ich habe noch zwei weitere User-Kommentare zurückgehalten, die ich Dir gern zeigen möchte. Hast Du morgen noch ein bisschen Zeit für uns?

  80. In Sachen Klimapolitik:

    Es wäre ja wirklich nötig, dass hier endlich Substanzielles passiert, in Deutschland sowie in der ganzen Welt. Aber nun ist Desertec gescheitert, und auf irgendeine geheimnisvolle Art und Weise wird die Energiewende in Deutschland seit ein paar Jahren eher negativ mit steigenden Kosten für uns alle assoziiert und nicht mehr mit dem positiven Ziel, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Jeder von uns sieht auf seiner Energierechnung, was die Energiewende im eigenen Geldbeutelchen auslöst. Gleichzeitig sind energieintensive Betriebe von Belastungen ausgenommen. Ein Meisterstück politischer Kommunikation?

  81. Desertec ist doch ein schönes Beispiel für das vorher Beschriebene: Auch hier wurde ein Megaprojekt mit teils unrealistischen Erwartungen überfrachtet. Erwartungen, die einerseits vom Konsortium selbst geschürt wurden, andererseits aber auch von der Öffentlichkeit generiert wurden. Mir wäre da eine Berichterstattung über die vielen lokalen Projekte der Energiewende, die als Musterbeispiele für andere Regionen gelten können, unendlich angenehmer.
    Generell gilt für auch die Energiewende: Ein solch komplexes und gesellschaftsübergreifendes Thema einer „großen Transformation“ auszurufen ohne davor die politischen Leitlinien (Stichworte Finanzierung, Förderalismus) zu setzen und ohne sich zu überlegen, welche „große Geschichte“ ich damit erzählen kann, ist nicht schlau. Die Energiewende wurde ja vor allem im Kontext des Atomausstiegs erzählt, die Verknüpfung mit dem Klimawandel findet ja nur unzureichend statt. Da verwundert es nicht, wenn wir jetzt vor allem über individuelle Energiepreise diskutieren, die natürlich ein großes Problem für viele Haushalte sind.

  82. „Ich stimme Deiner Einschätzung zu, dass der Klimawandel eines der wichtigsten Themen – wenn nicht sogar das wichtigste Thema – einer globalen Politik sein sollte.“

    Früher war der Hungertod das grösste Problem und es ist m. W. nicht gelöst. Trotzdem hat man (?) es geschafft, dieses Problem durch die Klimawandelproblematik zu verdrängen. Wir gehen sogar so weit, dass Deutschland vom Brotgetreide-Exporteur auf Grund des Maisanbaus für Biogas-Anlagen zum Brotgetreide-Importeur wurde. Wie konnte es dazu kommen, dass uns das Klima in künftigen Zeiten stärker beunruhigt, als der Hungertod heute?

  83. Henning Flessner spricht etwas an, was wir noch gar nicht berührt haben: Sowohl der Platz in den Medien als auch der in der Aufmerksamkeit der Menschen (Mediennutzer) ist begrenzt. Ein knappes Gut, könnte man sagen. Am Beispiel einer gedruckten Zeitung leuchtet das Problem sofort ein: Es gibt eben nur diese oder jene Seitenzahl, über die Themen transportiert werden können. Ein Thema habe hier ein anderes verdrängt, sagt Henning Flessner. Nun hat allerdings die Bekämpfung der globalen Hungerproblematik dank der Milleniumsziele der UNO durchaus Platz in den Medien gefunden – in der FR übrigens gerade kürzlich auch in Form eines Artikels über die Manipulationen an der Hungerstatistik. Ich stelle die These von der Verdrängung dieses Themas daher in Frage und behaupte, dass sie so nicht stimmt: Wenn man die richtigen Zeitungen liest, Herr Flessner, kriegt man auch die richtigen Themen serviert. 😉

    Trotzdem bleibt das Grundproblem, dass der Platz begrenzt ist. 40 bis 48 Seiten täglich in der FR, 15 Minuten Sendezeit in der Tagesschau – Medienmacher müssen Themen gewichten, weil sie selbst Zwängen unterworfen sind. Das ist praktisch ein Naturgesetz. Gerecht findet das vermutlich niemand, oder? So sind Themen wie die Entwicklungen im syrischen Bürgerkrieg, in Libyen und Tunesien quasi zu Randthemen geworden gegenüber den Großthemen „Islamischer Staat“ und Ebola. Liegt es nicht gerade im Wesen von Medien, ungerecht sein zu müssen hinsichtlich der Wahl der Themen, die sie behandeln?

  84. In der Haltung von Karl Müller finde ich viele Ingenieure und Naturwissenschaftler wieder. Sie beteiligen sich an der Diskussion um Energiewende und Klimawandel nicht. Sie tauchen nie in den Medien auf. Immer wenn ich einen Artikel oder eine Talkshow zum Thema finde, schaue ich mir die Ausbildung der Beteiligten an. Ausser einem Physiker bei Jauch haben ich keinen Fachmann gefunden.
    Wie stehen Sie zu seiner Einstellung, die in meinem Umfeld von allen Ingenieuren und Naturwissenschaftlern geteilt wird, dass die Behandlung komplexer Themen wie des Klimawandels in den Medien sinnlos ist?

  85. „…“Medienmacher müssen Themen gewichten, weil sie selbst Zwängen unterworfen sind. Das ist praktisch ein Naturgesetz. Gerecht findet das vermutlich niemand, oder?…“ (Bronski)

    Nein, gerecht kann das nicht sein, sondern es soll sogar ungerecht sein. Von der Zeitung (oder dem Medium) meiner Wahl erwarte ich eine Filterung, Sortierung und Aufbereitung der Nachrichten und Journalisten, deren Aufbereitung ich vertraue und nachvollziehen (und befragen) kann.
    Bei 7 Milliarden Menschen auf der Welt gibt es vermutlich pro Tag 49 Milliarden Nachrichten, die Empathie, Nachdenken, Sympathie und ähnliches erfordern würden. Dabei sind die Menschen nur der kleinste Teil der Weltbevölkerung.

    Manche werden dies als Verzicht auf eigenes Denken interpretieren, gerade das ist es aber nicht.
    Fast hätte ich gesagt:“ Auch eine Zeitung ist ein „Think Tank“.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Denkfabrik
    Das ist aber ein ziemlich dämliches Wort für den Versuch , das Denken dem kapitalistischen Wertschöpfungswahn zu unterwerfen. Sagen wir besser: Eine Zeitung (ein Medium) ist eine Denkhilfe für echte Wertschöpfung, denn zum Denken gehört Konzentration.

    Tatsächlich, lieber Bronski, ist das ein Naturgesetz: Denken und Wahrnehmung funktionieren allein durch Auswahl, Aufbereitung und Interpretation, nämlich durch Gewichtung.

  86. @ Matthias Borck-Elsner

    „… zum Denken gehört Konzentration …“

    Das haben Sie schön gesagt.

    Ich lege Ihnen meinen Kommentar #40 ans Herz. Darin steht, wie Zeitungsarbeit läuft. Der Kommentar war eigentlich eine Antwort auf einen Kommentar von Ihnen. Sie scheinen ihn aber gar nicht gelesen zu haben.

  87. @ Markus Rhomberg

    Bevor Desertec scheiterte, ist es sogar gelungen, die Theorie vom Klimawandel generell in Misskredit zu bringen – Stichwort „Klimaskeptiker“. Wie konnte das eigentlich geschehen?

  88. Für die USA magst Du ja durchaus Recht haben, in Deutschland bewegen sich die Selbsteinschätzungen der Klimaskeptiker zwischen 20 und 25 Prozent in der Bevölkerung. Das ist nicht zu unterschätzen, deshalb beschäftigen wir uns in Studien genau mit dieser Gruppe und untersuchen, mit welchen Argumentationen Klimaskepsis diskutiert wird.
    Natürlich bieten die Forschungen zum Klimawandel viele Ansatzpunkte für Skeptiker. Das liegt einerseits an der Komplexität des Themas, den unterschiedlichen Disziplinen, die sich damit beschäftigen (Klimawissenschaften, Meteorologie, Geographie, Ökonomie, Politikwissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften), daran, dass Prognosen für die Zukunft und die Entwicklung von Szenarien und Modellen immer eine gewisse Unsicherheit beinhalten müssen, andererseits aber auch am IPCC-Prozess der vergangenen Jahrzehnte selbst, der sehr intrasparent war. Nach Climategate und anderen Konflikten wurde das Verfahren ja transparenter gestaltet. Diese Transparenz kann aber natürlich auch strategisch ausgenutzt werden, um die zwangsläufigen Unsicherheiten zum Nicht-Wissen umzudeuten.
    In den USA kommt zudem hinzu, dass das Vertrauen in die Wissenschaft geringer ist als in Europa und noch stärker ideologisch argumentiert wird. Da wird der Klimawandel dann auch ab und an in einem Atemzug mit dem Kreationismus erwähnt.

  89. Manchen mag es ganz gut in die Karten passen, dass die Klimapolitik nicht mehr ganz vorn im öffentlichen Bewusstsein residiert. Zum Beispiel jenen Konzernen, die Kohlekraftwerke und Braunkohle-Tagebau betreiben, was ökologisch betrachtet gleich nach der Kernkraft so ziemlich der größte denkbare Unsinn ist, den man machen kann. Haben diese Interessengruppen allein deswegen zurzeit Oberwasser, weil die Medien voll mit völlig anderen Themen sind?

  90. Du meinst, weil man nicht darüber spricht? Natürlich spielt das einerseits in die Karten. Andererseits läuft aber auch die Argumentation ganz in deren Richtung: Wenn wir nämlich vor allem über Energiepreise diskutieren, lässt es sich wunderbar auf dieser Welle reiten, die Subventionierungen für die Erneuerbaren genau so thematisieren wie die Energiepreise und gleichzeitig von den Errungenschaften der „sauberen Kohle“ sprechen.

  91. Kannst Du eine Einschätzung geben, welchen Einfluss Think-Tanks wie die „Atlantik-Brücke“ oder die „Denkfabriken“ der Klimaskeptiker im Hintergrund möglicherweise entfalten?

  92. Für die Atlantik-Brücke kann ich dies nicht einschätzen. Think Tanks in Deutschland, die ausschließlich klimaskeptisch sind, spielen aber nur eine untergeordnete Rolle. Bei solchen Debatten sind wir in Deutschland wenigstens schon weiter: der Klimawandel wird ja auch in den Interessenverbänden der Wirtschaft anerkannt. Was aber nicht bedeutet, dass man nicht versucht, Übergangszeiten so lange wie möglich zu gestalten, Ausnahmen zu reklamieren etc.

  93. Es geht hier ja nicht darum festzustellen, ob der Klimawandel Fakt ist oder nicht, sondern es geht darum herauszuarbeiten, wer kommunikativ die Hoheit über dieses Thema hat. Eines kann man wohl feststellen: Klima-Kanzlerin war einmal. Für Angela Merkel spielt die Klimapolitik inzwischen anscheinend eine zweitrangige Rolle. Hat Merkel die Zeichen der Zeit erkannt und betreibt ein eigenes Agenda-Setting, indem sie bestimmte Themen einfach nicht mehr anspricht?

  94. Natürlich. Das ist aber kein Neuerfindung von Angela Merkel, sondern klassisches Alltagshandeln: Wir sprechen doch auch lieber über jene Themen und Eigenschaften, bei denen wir uns gut positionieren können und bei denen wir erfolgreich scheinen.

  95. Zum Glück gibt es ihn noch, den gemeinsamen Feind. Egal ob TV oder Zeitungen:
    Die AfD! Was wäre die politische Aufregung ohne sie! Es wäre schlicht gesagt langweilig. Die Empörungswelle wälzt sich nahezu über alle Medien. Aber genügt das, die AfD endgültig auszuschalten?
    Ich unterstelle nicht einmal eine Gleichschaltung der Medien, sondern eine Verweigerung, sich mit den Sachthemen der AfD auseinanderzusetzen. Da könnte vielleicht herauskommen, dass die AfD nicht in allen Punkten daneben liegt. Darin liegt jedoch eine Herausforderung für alle etablierten Kräfte. Man darf gespannt sein, wie diese Auseinandersetzung fortgeführt und letzlich enden wird.

    Ich möchte einen Vergleich anwenden.

    Wenn ein hessischer Wirtschaftsminister keinen einzigen Tag in der freien Wirtschaft gearbeitet hat, dann ist da o.k.

    Wenn BDI-Präsident namens Olaf Henkel oder ein Professor namens Bernd Lucke nicht mehr bereit sind, dem allgemeinen Trend der Politik zu folgen, dann ist das sehr schlimm. Geradezu verwerflich.

    Da sitzen auf einem bequemen Sofa, ausgestattet mit Wählerstimmen und Geldern aus der Staatskasse die im Bundestag vertretenen Parteien. Und jetzt schleicht sich jemand, nämlich die verdammte AfD, ein, die auf diesem Sofa auch Platz nehmen will. Unerhört ist das!
    Eine Schmuddelpartei, angeführt von dubiosen Häuptlingen.(Das ist nur ein bildlicher Vergleich, nicht mehr und auch nicht weniger!)

    Also Trommelfeuer aus allen Rohren.
    Ob das nützt, vermag ich nicht zu beurteilen.

    Als die Grünen ihre politische Existenz vor einigen Jahrzehnten begründeten, war es nicht viel anders. Da waren die kommunistischen Wurzeln der Grünen suspekt.
    Alles schon vergessen?!

    Es scheint so. Heute jedoch scheint die Abwehr noch viel besser – quer durch alle Medien – organisiert zu sein.

    Thema verfehlt? Wahrscheinlich.

  96. Ich möchte versuchen, auf die Eingangsfragen einzugehen.
    Lassen Sie mich mit meinem ersten Leserbrief beginnen. In den achtziger Jahren sah ich, wie mein Sitznachbar im Flugzeug einen Artikel in einem Wirtschaftsmagazin las, der ein wissenschaftlich-technisches Projekt behandelte, in dem ich bis kurz vorher tätig war. Ich habe die Zeitschrift gleich nach der Landung gekauft und den Artikel gelesen. Zum meinem Entsetzen waren fast alle Behauptungen in dem Artikel falsch. Ich habe daraufhin einen Leserbrief geschrieben, der auch veröffentlicht wurde. Kurz danach erhielt ich einen Brief des Journalisten. Er hatte meine Angaben überprüft und sie bestätigt gefunden. Er schrieb, dass er nicht sagen könne, dass die Herren Professoren ihn belogen hätten, aber sie hätten die Dinge in einem Licht dargestellt, dass er für ihn offensichtliche Schlüsse gezogen hätte. Man hatte ihm gesagt, dass man die Maschine kaufen könnte und er hatte daraus den Schluss gezogen, dass zumindest der Prototyp funktioniert. (Die Maschine hat nie funktioniert und kam nie auf den Markt.)
    Was habe ich daraus gelernt?
    1. Auch Wissenschaftler versuchen, die Dinge in einem für sie günstigen Licht darzustellen.
    2. Journalisten sind keine Fachleute.
    Dies sind keine Vorwürfe. Auch Wissenschaftler sind nur Menschen.
    Journalisten können keine Fachspezialisten sein. Dazu müssen sie über viel zu viele verschiedene Dinge schreiben und der Redaktionsschluss schwebt als Damoklesschwert immer über ihnen.
    Selbst wenn ein Journalist Fachmann auf einem Gebiet sein sollte, bleibt er doch immer ein Mensch.
    Wir Menschen haben eine selektive Wahrnehmung. Wir müssen zwangsweise die Informationen selektieren, weil zu viele auf uns einströmen. Es lässt sich kaum vermeiden, dass wir die Informationen, die unsere Anschauungen entsprechen, stärker gewichten als Informationen, die ihnen zu widersprechen scheinen. Ein Journalist, der glaubt, dass er objektiv sei, leidet an Selbstüberschätzung und ein Leser, der glaubt, dass seine Zeitung die objektive Wahrheit berichtet, ist naiv. Der Journalist entscheided, welche Informationen er berücksichtigt und welche nicht. Diese Auswahl ist immer subjektiv. Sie ist weder objektiv noch zufällig, aber wahrscheinlich zumindest teilweise unbewusst. In vielen Zeitungen gibt es immer noch die Trennung zwischen Berichten und Kommentaren. Diese Trennung halte ich jedoch für rein formal. In den meisten Artikeln ist die Meinung des Journalisten gut zu erkennen.
    Wie gerecht, neutral und unabhängig sind die Medien?
    Ein Beispiel: vor 2 Wochen hat die amerikanische Firma Lockheed Martin angekündigt, dass sie in 5 Jahren einen 100 MW-Fusionsreaktor auf den Markt bringen will, der auf einen Lastwagen passt. Damit wären die Energieprobleme der Menschheit gelöst. Bei Google fand ich am nächsten Tag 590 000 Treffer. Bei deutschen Zeitungen sah ich drei verschiedene Verhaltensweisen. Eine Zeitung brachte die Meldung und liess sie von Experten des Instituts für Plasmaphysik kommentieren. Die zweite Kategorie druckte die Agentur-Meldung einfach ab und die dritte Kategorie hielt diese Meldung für unbedeutend.
    Welche der drei Zeitungen ist die gerechtere, neutralere oder unabhängigere? Die Frage ist m. E. falsch gestellt. Ich erwarte nicht, dass die Zeitung neutral oder unabhängig ist. Ich lese die Zeitung, weil ich die Sicht eines anderen lesen möchte. Dazu gehört auch, dass ich in die NZZ schaue, wenn ich die Meinung eines Neoliberalen zu einem Thema lesen möchte und nicht in die FR.
    Gibt es einen „mainstream“ oder Zeitgeist, dem die Medien unterliegen?
    Die Journalisten stellen sicher keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung dar. Also kann man auch nicht erwarten, dass das Meinungsspektrum der Bevölkerung sich in der Presse wieder findet. Aber das ist weder gut noch schlecht.
    „Warum rutscht ein wichtiges Thema wie die Klimapolitik aus dem Fokus vieler Medien und nimmt in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen anscheinend einen nachrangigen Platz ein? Versagen die deutschen Medien?“
    Zur ersten Frage: wer entscheidet ob das Thema wichtig ist? Der Journalist oder der Leser? Vielleicht ist den Menschen das Thema nicht mehr so wichtig. Ich war vor einiger Zeit in den Niederlanden. Beim Mittagessen habe ich die Anwesenden gefragt, ob sie sich Sorgen wegen des Klimawandels machen. Die Antwort war: „Nein. Wir sind hier 3 m unter dem Meeresspiegel und vor einigen Jahrzehnten war hier noch Wasser. Machen Sie sich jetzt Sorgen?“
    Die zweite Frage verwirrt mich. Wo ist die Henne und wo ist das Ei? Soll die Zeitung über ein Thema schreiben, dass die Menschen interessiert oder soll sie über ein Thema schreiben, damit die Menschen darin interessiert sind? Sicherlich beides, aber das Schwergewicht wäre für mich beim ersten.

    Zum Projekt von Herrn Professur Rhomberg
    “Dass die Einhaltung der Zwei-Grad-Obergrenze mit der Bewahrung von Lebensräumen und Menschenleben eng verknüpft ist, gerät weitgehend aus dem medialen Fokus.”
    Ich finde diese Frage auch nicht besonders interessant.
    Ich hätte eine viel spannendere Frage gehabt. Der Weltklimarat hat in seiner letzten Arbeit erklärt, dass das Klimaziel ohne den Einsatz von Kernenergie nicht erreichbar ist. Welche Zeitung hat darüber berichtet und welche nicht?
    Was sehen wir? Weder ihre Frage noch meine Frage ist gerecht, neutral oder unabhängig, sondern geprägt von unseren Erfahrungen, Einstelllungen, unserer selektiven Wahrnehmung.
    Aber ich finde es interessant, welche Fragen Sie sich stellen. Vielleicht finden Sie auch interessant, welche Fragen ich mir stelle.

  97. @ Henning Flessner, # 105

    „Soll die Zeitung über ein Thema schreiben, dass die Menschen interessiert oder soll sie über ein Thema schreiben, damit die Menschen darin interessiert sind?“

    Ich möchte diese Frage gleich mal beantworten, weil ich weiß, dass Markus Rhomberg am Freitag nicht mehr viel Zeit haben wird. Aber davon magst Du, Markus, Dich nicht abgehalten fühlen, selbst auch noch was dazu zu sagen, wenn Du möchtest.

    Die Zeitung, die Medien überhaupt sollen die Menschen über die wichtigen Themen der Gegenwart informieren. Die Menschen können anhand des Informationsangebots der Zeitung selbst entscheiden, ob das Thema sie interessiert, aber um dies entscheiden zu können, müssen sie zunächst informiert werden. Man kann nicht wissen, ob ein Thema interessant ist, wenn man nichts darüber weiß. In diesem Sinne gehört Berichterstattung über Klimapolitik meines Erachtens selbstverständlich in jede Zeitung. Das Thema mag komplex sein und die Versuche, in verständlicher Form darüber zu berichten, mögen manchmal etwas hilflos und überfordert wirken, aber generell geht dieses Thema uns alle an. Und ich denke, dass Joachim Wille, Fachmann für dieses Thema bei der FR, die Sache bei uns ganz gut im Griff hat.

  98. # 103

    Ja, schon Helmut Kohl hat manche Themen, die ihm lästig waren, einfach ausgesessen. Erledigt haben sie sich aber dadurch nicht. Auch der Klimawandel verschwindet nicht einfach, indem man nicht mehr darüber redet.
    Wie bewertest Du Merkels Klima-Kommunikation? Was ist das für ein Signal, das Merkel sendet, wenn sie statt zum UNO-Klimagipfel nach New York lieber zum „Tag der deutschen Industrie“ des BDI geht, um die Eröffnungsrede zu halten?

  99. Mein subjektiver Eindruck ist, dass die Diskussion über den Klimawandel zwar weniger wird, aber an den beiden Extremen radikaler wird. Auf der einen Seite wird durch die Endergiewende der Untergang des Abendlandes beschworen, auf der anderen Seite wird Angela Mitschuld an Millionen von Toten vorgeworfen. Ein österreichischer Professor forderte sogar schon die Wiedereinführung der Todesstrafe.
    Hat Herr Rhomberg in seinen Studien eine ähnliche Beobachtung gemacht oder täuscht mein Eindruck?

  100. Zum „Klimawandel“ gibt es im medienmäßigen Umgang mit dem Thema das grundsätzliche Problem „Den Klimawandel“ gibt es nicht!

    Was da so übervereinfachend darsgestellt wird ist eben fragwürdig und lohnt die öffentliche Disksusion daher eher nicht. Denn seit mindestens 3 Mrd. Jahren verändert sich die Erdoberfläche mehr oder weniger dynamisch, und nur aus den Stagnationsphasen dieser Entwicklung werden Gesteine überliefert. Der geogene Klimawandel ist also immer da. Kommen anthropogene Effekte dazu wirds gleich komplex, denn die tatsächlichen Wechselwirkungen sind kaum direkt untersuchbar. Viele Ansätze stochern da zwangsläufig im Nebel. Um diese Ansätze bewerten zu können ist i.A. das Hintergrundwissen nicht da, worüber also diskutieren?

    Zumal wenn theologische Aspekte „Leugner“ „Klimakirche“ bemüht werden, ist eine Sachdiskussion nicht möglich und nicht gewollt.

    KM

  101. Hallo alle,

    auf die Gefahr hin, daß ich beim Überfliegen der bisherigen Beiträge etwas überlesen habe, möchte ich mich auch einmischen, angetrieben von einer in den letzten Jahren gewachsenen Skepsis. Du, Lutz, kennst das ja bereits.
    Also: wie ich im letzten SPIEGEL auf S. 97 lese, gibt es in den USA eine (nicht mehr ganz) neue, mächtige Gruppierung rund um die Milliardärsbrüder Koch, gegen die die Tea-Party-Leute wie Leuchttürme des Liberalismus wirken. Mit Lügen, Unterstellungen, massiven Geldzuwendungen, medialer Beeinflüssung und dgl. mehr wird Stimmung gegen Obama (Obama-Care) im Besonderen und die Demokraten im Allgemeinen gemacht. Erinnert mich fatal an stalinistische Gehirnwäsche und Ideen der Salafisten. Klimaschutz, Evolution, Minimaß an internationaler Solidarität – alles kein Thema. Gewerkschaften müssen zerschlagen werden, und und und…

    Wir sind – noch – nicht so weit, weil es bei uns noch kritischer fungierende und funktionierende Medien gibt, die noch nicht vom neoliberalen Virus durchseucht sind und Korruption beim Aufstieg keine Rolle spielt. Aber wie lange noch? Und wer hat bei uns wirklich das Sagen? Vielleicht liegen bei unseren Reichen & Mächtigen die kritischen Blätter auf dem Klo aus, zum Amüsement und dann zum Wischen eines Körperteils? Es bröckelt doch allenthalben, bis tief in die Grünen und die SPD hinein, und dadurch auch in die Meinungen und Haltung der Medien-Schaffenden. Mensch ist irgendwie froh, einen Job, eine Arbeit zu haben, und da kneift man schon mal was zusammen, und findet vielleicht auch etwas Gutes dran, wenn Frau Nahles in Noske’scher Tradition die Steigbügelhalterin fürs Kapital macht und Gewerkschaftsmacht beschränken will. Haben Medien verhindern – wollen oder können -, das der Genosse der Bosse Gerhard Schröder und seine willigen Helfershelfer a la Rürup und Riester den Sozialstaat zur Hälfte zerschlagen haben? Werden Medien drauf einwirken können, das die jüngsten Rechnungen bezüglich Einschluß von Geringverdienern Auswirkungen auf die nächsten Renten-Erhöhungen haben?

    Ich habe den Verdacht, daß hier oft Hinterzimmer-Deals stattfinden, von denen wir Normalos nichts ahnen und wissen sollen. Bauernopfer wie Guttenberg oder Hoeneß wären da Beispiele, wie doll Demokratie doch bei uns funktioniert. Auch dem Unsinn mit der Maut wird dann irgendwie noch ein hübsches Mäntelchen umgehängt, das dann auch gleich die viel größere Gefahr TTIP mit bedeckt. Immer wieder auch interessant, wie dann die Abstriche bei der Rentenerhöhung mit leeren Kassen begründet wird und dann, wenn es um die Aufrüstung und die Gelder für die eifrigen Parteispender der Rüstungslobby geht, plötzlich zuhauf wunderschöne Argumente auftauchen, schöner als die Haarpracht von von der Leyen.

    Bitte mich nicht falsch verstehen, ich finde kritische Medien wichtig und für eine – einigermaßen funktionierende – Demokratie unabdingbar. Nur habe ich alter Skeptiker den Eindruck, das sich der kapitalistisch-neoliberale Komplex inzwischen diese so hält – als Deckmäntelchen – wie früher die Herrscher ihre Hofnarren. Überzeugen Sie mich eines Besseren!

  102. Guten Morgen,

    #105 Henning Flessner
    Lieber Herr Flessner, also ich finde diese Frage ziemlich interessant, beschäftigt Sie sich doch mit dem grundsätzlichen Verhältnis von Mensch und Natur und betrifft die Frage: Wie wollen wir eigentlich leben. Das mag natürlich sehr komplex sein und passt nicht so ganz in den medialen Fokus, sie ist aber die Grundsatzfrage der gesamten Klimadebatte: Wie wollen wir in Zukunft unser Leben auf dieser Erde gestalten, welche Schwerpunkte setzen wir. Das ist übrigens die übergeordnete Frage, unter der ich auch Ihren Schwerpunkt subsumieren würde: Denn durch bestimmte Entscheidungen, die wir als Gesellschaft treffen, wird sich auch unser Leben gestalten. Bei komplexen Problemen wie dem Klimawandel (ich mag ja den Begriff des „wicked problems“) kann ich an einer Schraube drehen, weiß aber nicht sicher, was das für das Ganze bedeutet. Und ja, ich finde auch Ihre Frage sehr interessant.

    #107 Bronski
    Lieber Bronski, natürlich verschwindet der Klimawandel nicht, nur wenn man versucht diesen auszusitzen. Merkel setzt damit das Signal, dass ihr manche Themen derzeit wichtiger sind.

    #108 Henning Flessner
    Der Eindruck aus unseren Studien ist eher eine Art „Klima-Müdigkeit“, keine Radikalisierung

  103. Was mich betrifft, kommen wir nun langsam zum Schluss. Zwei Fragen hätte ich noch. Erstens:

    Jeder will also gut dastehen. So einfach ist das? Ich übertrage das mal auf die Rolle der Medien. Eine Essenz aus diesem Blogtalk ist für mich, dass sich der Glauben daran, dass Medien ihre Leserinnen und Leser zu manipulieren versuchen, offenbar in vielen Köpfen festgesetzt hat. Er scheint weitgehend unbeirrbar zu sein und gibt sich resistent gegen Argumente. Auch Medien wie die FR, die sich doch das Thema Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, werden von diesem grundsätzlichen Misstrauen anscheinend nicht ausgenommen. Machen die Medien etwas falsch, beispielsweise in kommunikativer Hinsicht?

  104. zu # 112, Bronski:

    Sicherlich neigen viele Leser oder Schauer (denn es geht ja wohl um alle und nicht nur um die Print-Medien) dazu, zu verallgemeinern, aufgrund eigener oder fremder Erfahrungen, wenn es um Manipulation oder zumindest Gefälligkeits-gesteuerte Berichterstattung und/oder Kommentierung geht. Die großen Konzerne wie Springer oder Bertelsmann machen es ja vor, und da geraten dann auch gerne die Falschen in und unter Verdacht. Um sich dagegen zu wehren, müßte der Einzelne jeden Tag um die 10 Zeitungen unterschiedlicher Couleur lesen, um aus den unterschiedlichen Sichten sich dann einer einigermaßen neutrale eigene Meinung zu bilden. Und wer schafft das schon, außer vieleicht den, sagen wir, hauptberuflich damit Beschäftigten wie denen der NDS oder anderer Web-Seiten oder Internet-Blogs. Abgesehen vom Zeitaufwand wäre dies auch eine Frage des Geldes.

  105. @ Wolfgang Fladung

    Markus Rhomberg hat oben ausgeführt, dass es keine empirischen Beweise für gelungene Manipulation von Menschen durch Medienberichterstattung gibt. Der Hinweis auf die großen Konzerne ist mir zu gefällig, auch wenn er als kritischer Ansatz natürlich brauchbar ist. Mein Problem damit ist, dass diese Argumentation den einzelnen Menschen nicht sieht. Er ist aus dieser Perspektive einfach nur Opfer. Jeder von uns hat jedoch seinen eigenen Kopf und ist zumindest potenziell dazu in der Lage, Medienberichterstattung kritisch zu hinterfragen.
    Du meinst wirklich, dass hinter dem verallgemeinernden, überall Manipulation witternden Verhalten mancher Mediennutzer Erfahrung steckt?

  106. Zum Abschluss, um zu zeigen, dass die Thematik nicht neu ist:
    Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799):
    „Den Blick in die Welt kann man mit einer Zeitung versperren.“

  107. Hallo Bronski,

    da stellt sich doch gleich die Frage: Wie weit kann denn das Individuum Medienberichte hinterfragen, den Willen dazu erstmal unterstellt?

    Allein die Kommentare der Leser zum NSU-Tatkomplex lassen einen da schaudern.
    Und nicht nur weil offenkundig desaströse Mängel in der Rechtskenntnis bestehen.

    KM

  108. Erstmal einen schoenen Gruss an alle aus Andalusien. Es war nicht einfach, sich von hier aus in die Diskussion einzuklinken, und ich weiss auch nicht, ob das nochmal klappen wird.

    Zur Diskussion:
    Mich wundert, wie wenig die Behauptung der „Manipulation“ durch Medien (noch mehr der „Gleichschaltung“) hinterfragt wird. Lediglich Stefan Vollmershausen (#25) und Herr Rhomberg (#29) gehen kurz darauf ein.

    „Manipulation“ setzt Zweierlei voraus:
    1. den Willen der gezielten Beeinflussung
    2. die praktische Moeglichkeit.
    Selbst, wenn (1) vorausgesetzt wird, werden (2) auf verschiedene Weise Grenzen gesetzt:

    a) Die dem „Manipulations“vorwurf zugrunde liegende Vorstellung eines einfachen Stimulus-Response-Modells ist schon in den 40er Jahren widerlegt worden. Es war auch schon zu Zeiten der 68er Anti-Springer-Kampagnen ueberholt. Konsens herrscht schon lange darin, dass etwa Werbung/Propaganda nur schon vorhandene Tendenzen verstaerken, kaum neue schaffen kann.

    (b) „Manipulations“versuche einzelner werden bei einer vielfaeltigen Presse- und Informationslandschaft neutralisiert, zumindest relativiert.
    Dieser Aspekt ist gut wie voellig unberuecksichtigt geblieben.
    Die Behauptung der „Gleichschaltung“ sehe ich an keiner Stelle belegt oder nur glaubwuerdig gemacht. Der Nachweis hierfuer waere von denen zu erbringen, die sie erheben.

    Als einer, der aehnliche Diskussionen der 68er sehr intensiv erlebt hat, stellt sich das Problem auf ganz andere Weise.
    Ich sehe sehr viel weniger als eine objektive Tendenz in diese Richtung eine deutliche Verschiebung der Wahrnehmung von Usern/Mediennutzern (besonders deutlich beim Ukraine-Konflikt). Deren Ursachen waeren aber zu untersuchen. Sie sind mit Sicherheit vielschichtig, wobei einige Faktoren fuer das Gefuehl des umfassenden Manipuliert-Werdens hervorstechen duerften, etwa der (noch nicht einmal ansatzweise andiskutierte) NSA-Skandal.

    Ich waere Herrn Rhomberg und auch Bronski dankbar, wenn sie zu dieser These und den praktischen Konsequenzen aus der Sicht eines Kommunikationswissenschaftlers bzw. Medienschaffenden Stellung nehmen koennten.

  109. 112# Bronski

    Ja, ich interpretiere die Diskussion, die wir geführt haben, auch in diese Richtung.

    Gute Frage, ob die Medien etwas falsch machen. An vielen Stellen gebe ich Dir Recht: Sie haben zum Beispiel immer noch keinen Weg gefunden mit den digitalen Entwicklungen erfolgreich umzugehen: in kommunikativer Hinsicht und auch finanziell. Es ist schwierig verlorenes Vertrauen wieder zu gewinnen. Ich habe das Gefühl, dass die Medien in den vergangenen Jahren zu stark darauf fokussiert haben, was denn ihr Geschäftsmodell ist, zu viel ausprobiert haben wie sie mit Crossmedialität umgehen. Das sind alles wichtige und existentielle Themen für die Medien, ich habe aber das Gefühl, dass dabei ein essentieller Bereich etwas aus den Augen verloren wurde, nämlich der Inhalt. Es wurden viel mehr Gedanken darauf verwendet, wie man Inhalte über welche Vertriebskanäle distribuieren kann, hat dabei aber die Frage vernachlässigt, wie und welche Inhalte produziert werden. Meines Erachtens ist das aber der Kern und Leser gewinnen Vertrauen in Medien durch Inhalte. Die Geschäfts- und Vertriebsmodelle dahinter interessieren die Medienhäuser und uns Experten, der Leser will einfach nur gute Inhalte. Und das ist auch sein Recht.

  110. Dann geht die FR mit ihrer aktuellen Gerechtigkeits-Serie also wohl den richtigen Weg. Diese Erkenntnis spricht auch aus den Leserreaktionen, die ich täglich bekomme.

    Letzte Frage, lieber Markus – das heißt, eigentlich sind es vier Fragen. Ich finde die Schlussrunde bei „Hart aber fair“ immer spannend. Doch an Stelle eines Schlussstatements bitte ich Dich um vier davon. Was sagst Du zu folgenden vier Thesen:
    1. Die Medien manipulieren uns und plappern nur nach, was die Politik ihnen vorgibt. Von „vierter Gewalt“ kann man schon lange nicht mehr sprechen.
    2. In Deutschland gibt es eine weltweit fast einzigartige Vielfalt an unabhängigen Informationsangeboten.
    3. Die Medien sollten die wirklich wichtigen Themen im Auge behalten, auch wenn es sich dabei nicht die Themen handelt, die sich durch die aktuelle Nachrichtenlage aufdrängen.
    4. Die Kommunikationsstrategen der Umweltverbände und der in Klimafragen aktiven NGOs müssen sich etwas Neues überlegen, um die Merkel’sche Aussitz-Strategie zu kontern.

  111. Hat Spaß gemacht, lieber Bronski. Vielen Dank für die Einladung und allseits ein schönes Wochenende!

    Zu Deinen Thesen:
    1 Sehe ich nicht so. Medien erfüllen immer noch ihre Funktion als vierte Gewalt. Möglicherweise waren manche Medien schon mal besser darin, aber das ist schwer zu beurteilen.
    2 Grundsätzlich ja, die Vielfalt müßte aber auch vom Publikum genutzt werden.
    3 Natürlich ist die Nachrichtenlage auch wichtig, aber oftmals sind es die „Geschichten hinter den Geschichten“, die das Faszinierende an guten Zeitungen und Magazinen ausmachen. Klar ist die Frage „Was ist passiert“ wichtig, aber ich will auch wissen: Warum ist das passiert? Welche Konsequenzen könnte das haben?
    4 Ja, bis zum nächsten Jahr in Paris könnte man das Thema schon noch mal deutlicher wieder in das Gedächtnis der Menschen und der Politik rücken.

  112. Vielen Dank, lieber Markus. Hat auch mir Spaß gemacht, und ich bekomme Feedback aus der Redaktion, dass wir ein interessantes Gespräch geführt haben.
    Nun stehe ich natürlich wieder vor einem Riesenberg von Fragen und Antworten, die ich zu einem Beitrag für die Print-Zeitung in Form eines Interviews formen muss. Das wird alles andere als einfach, ist aber zugleich natürlich eine spannende Aufgabe. Der Zeitpunkt steht auch noch nicht fest. Ich werde darüber informieren, wann es so weit ist.

    @ all

    Die Diskussion kann gern weiterlaufen, aber ich kann mich nicht daran beteiligen. Ich werde mich heute noch intensiv um die Auswahl von Recherche-Vorschlägen kümmern müssen, die auf der Gerechtigkeits-Webseite der FR eingereicht wurden, und alles für das Voting vorbereiten, das nächste Woche beginnen soll. Da ist einiges zu koordinieren. Und am Wochenende steht die Endredaktion meines neuen Romans an, der am 20. November erscheinen soll.
    In diesem Sinne Euch / Ihnen allen ein schönes Wochenende.
    Lutz „Bronski“ Büge

  113. @ 114, Bronski:

    Ja, theoretisch sind wir alle aufgeklärte Leser, Beobachter & Denker. Wir hinterfragen, denken eigenständig, lassen uns nicht manipulieren. Aber wie sieht die Praxis aus? Verfügen wir über genügend Infos, um jede Nachricht sofort zu hinterfragen und ggf. als Manipulation zu hinterfragen? Und wenn ja, wer will uns in welche Richtung manipulieren und welches Interesse von wem steckt dahinter? Empirische Beweise gibt es natürlich keine, und wird es, da ansonsten die Täter leichter zu entlarven wären, nie geben. Den Begriff „Opfer“ würde ich auch nur bedingt anwenden. Dies setzt dann Dinge wie „Opferrolle“, „opfern“ (für wen) etc. voraus. Ich sehe uns vielfältig, von Interesselosigkeit, auch mangels Zeit, oder auch Wurschtigkeit bis hin zum Fatalismus, der dann wieder an die Opferrolle grenzt.

    Einer meiner Lieblingsfragen ist immer noch: Qui bonum? Und daher rühren auch meine Erfahrungen. Die Politik steuert, von alleine oder wiederum als Mittäter, Profiteur oder „Opfer“ der wirklichen Täter. Wird Angela Merkel von ihrer Freundin Friede Springer manipuliert bzw. gesteuert oder ist sie einfach – „so“? Als ehemaliges SPD- und später dann Grünen-Mitglied habe ich mich gefragt, warum diese Parteien woanders hin gelaufen sind als in ihren Programmen eigentlich beschlossen. Medien haben dies begleitet, von kritisch bis begeistert, ich denke da an die sozialpolitischen und umweltpolitischen Rollen rückwärts von rot-grün. Heutzutage mußt Du Medienschaffende bei uns nicht mehr einsperren, es reicht, sie auszusperren, von Informationen und damit auch von den Futtertrögen.

    Natürlich ist der Boden, auf dem Manipulationen und Meinungsmache gedeiht, oft durch die Einstellung und Haltung bereits vorgedüngt. Aber es sind oft ganz einfache Erfahrungen, die uns zu den „Opfern“ machen. Ein Berufstätiger, der unter dem GDL-Streik gelitten hat, wird eher Nahles Beifall klatschen als sich über die Hintergründe, Rechte, Wichtigkeit von Gewerkschaften oder die konkrete Situation eines Lokführers zu informieren.

  114. Lieber Bronski,

    ich möchte Ihnen einen herzlichen Dank dafür aussprechen, dass Sie versuchen, einer hitzigen Debatte einen Boden einzuziehen. Ich nehme in vielen Online-Foren zunehmende Hysterie wahr. Es weiß kaum noch jemand, wovon er eigentlich spricht. Trotzdem wird um sich gehauen, vor allem mit Schlagworten. Man redet nicht miteinander, sondern man monologisiert, als ob man mit dem Spiegel spricht. Die Feindbilder stehen fest: Das sind auch die Medien. Nun haben Sie und Professor Rhomberg herausgestellt, dass die Medien immer noch zuverlässig ihren Job tun. Das entspricht meiner Wahrnehmung. Ich lese täglich FAZ, SZ, taz und aus alter Verbundenheit FR, die ich im privaten Abo habe. Was sich verändert hat, ist die Umgebung, in der die Medien agieren. Die Köpfe, zu denen die Medien sprechen wollen, haben sich verändert. Sie sind allesamt hysterisiert und sind irgendwie verbarrikadiert. Das scheint mir aus dem vorangegangenen Kommentar heraus.

    Mir ist in diesem Blogtalk durch Ihre Hinweise aufgefallen, dass es bei den anderen Kommentaren anscheinend wenig Lust gab, Fragen zu stellen. Vielleicht ist genau das der Punkt? Alle beharren auf ihrer Meinung und sind zwar dazu bereit, andere infrage zu stellen – aber niemals sich selbst.

  115. #124 Daniel Gruber

    Alle beharren auf ihrer Meinung und sind zwar dazu bereit, andere infrage zu stellen – aber niemals sich selbst.“

    Das klingt doch ziemlich selbstgerecht, wenn man sich davon ausnimmt. Deshalb habe ich nochmals eine Stimme ausgewählt, die auf einen Sachverhalt hinweist, der nicht zu vernachlässigen ist. Michael Jäger, er arbeitet bei der Wochenzeitung Der Freitag, schreibt in der jüngsten Ausgabe über das Phänomen der vermeintlich militarisierten Grünen:

    „Das Problem von Fernsehnachrichten liegt darin, dass sie bebildert sein müssen und es daher immer naheliegt, die am einfachsten greifbaren oder scheinbar eindrucksvollsten Bilder zu privilegieren. Aus diesem Grund … beherrscht die Reala und Fraktionsvorsitzende im Bundestag Katrin Göring-Eckardt das Erscheinungsbild. Sie war schon vor der Bundestagswahl eine bekannte Politikerin, während nur wenige außerhalb Bayerns von Anton Hofreiter wussten, ihrem linken Co-Vorsitzenden. Außerdem stimmen die Urteile, die Göring-Eckardt zur Ukraine-Krise und zum Krieg mit der IS abgibt, mit dem Mainstream der Massenmedien überein. Auch deshalb wird sie gern zitiert. So erscheinen die Grünen seit Monaten als die kriegerischste Partei, obwohl die Parteilinke ganz andere Positionen vertritt.“

    Wer nun kolportiert, dass „die Medien (!) immer noch zuverlässig ihren Job“ machten, nimmt eben nur oberflächliche Analysen vor oder meint es gar sarkastisch, nämlich zuverlässig im Sinne der Regierung. Jäger verweist auf ein Phänomen, das nicht von der Hand zu weisen ist: Wenn Journalisten sich überproportional häufig Interviewpartner aussuchen, die von der Opposition heraus die Regierungspolitik unterstützen, machen sie Politik nicht nur in die Parteien hinein. Sie befördern indirekt Umfrageergebnisse, die wiederum das Handeln der politisch Verantwortlichen stützen und damit auf die Medien zurückwirken: ein Circulus vitiosus.

  116. Eine Zeitung versperrt den Blick in die Welt meint Henning Flessner in # 115 und führt ein Zitat aus dem 18. Jahrhundert an. Diese Zitat anzuführen ist vom Urheber eher polemisch zu verstehen. Die Zensur war im 18. Jahrhundert allgegenwärtig, die Furcht vor einem Umsturz ließ die Meinungsfreiheit unterdrücken. Sich über die Herrschenden lustig zu machen, konnte böse Folgen haben, ein Beispiel Voltaire. Unliebsame Nachrichten konnten Haft bedeuten. Die „Preßfreiheit“ war eine der bedeutendsten Forderungen des 18. Jahrhunderts, wie die Reisefreiheit im Warschauer Pakt vor 25 Jahren. 2014 wird in Deutschland niemand wegen einer Satire, wegen kritischer Äußerungen über die Herrschenden, inhaftiert. Es darf doch jeder nach Belieben in Deutschland, was auch immer, veröffentlichen. Das Internet aber auch der Print Markt bietet dazu die Möglichkeit. Gleichschaltung bedeutet doch auf einer Linie mit den Regierenden zu sein ? Das kann ich auch bei der FR nicht erkennen, das bedingungslos Merkel/Gabriel gefolgt würde. Ich habe oft den Eindruck, das es eher umgekehrt ist. Nehmen wir als Beispiel den Mitgliedentscheid der SPD zur großen Koalition. Das Abstimmungsverhalten der SPD Mitglieder könnte durch tendenziöse Berichterstattung beeinflusst werden,also Medien könnten einen solchen Entscheid der Mitglieder über eine Koalition bestimmen.Eine Presse mit Verantwortung unterlässt die Einflussnahme, tut das aus freien Stücken. unterlässt eine Tendenz. Bei gleichgeschalteten Medien würde dieser SPD Mitgliedentscheid vielleicht totgeschwiegen werden, weil es jemanden wichtigen nicht passt.
    In Deutschland befinden sich die Journalisten nicht, wie in den meisten Ländern, mit einem Bein im Gefängnis.Die Bedrohung mit einer Freiheitsstrafe wegen ihrer Arbeit, scheidet schon einmal aus. Es wurden auch schon lange keine Redaktionsräume in Deutschland mehr durchsucht.
    Weshalb sollten also deutsche Medien gleichgeschaltet sein, wenn Journalisten und Herausgeber – außer dem Markt – nichts zu befürchten haben ? Da kein Druck ausgeübt wird, durch Razzien oder Spitzel, wieso sollten die deutschen Medien gleichgeschaltet sein und in wessen Auftrag ?

  117. @ Rudi

    Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen.

    1. Das ist ein alter Hut. Natürlich sind manche Journalisten Teil des Systems. Wie soll es denn anders gehen? Die Medien werden als „vierte Gewalt“ bezeichnet. Wo es eine vierte Gewalt gibt, gibt es noch mindestens drei andere Gewalten. Wenn sie sich davon fernzuhalten versuchen, können sie nicht darüber berichten. Wie sie darüber berichten, ist aber hin und wieder wirklich kritikabel, das stimmt. Hier kommt der zweite Punkt ins Spiel.

    2. Michael Jäger. Wer ist das? Ein Journalist. Der Freitag. Was ist das? Eine Wochenzeitung. Aha, ein Medium. Das offensichtlich Kritik an einem anderen Medium übt. Merken Sie was?

    @ Stefan Vollmershausen

    Danke für die Information über den Spruch von Henning Flessner.

  118. @ Stefan Vollmershausen
    „Eine Zeitung versperrt den Blick in die Welt meint Henning Flessner.“
    Wie kommen Sie darauf? Das habe ich nicht geschrieben. Ein Zitat gibt die Ansicht des Zitierten, aber nicht unbedingt des Zitierenden wieder.

    @ Daniel Gruber
    „Danke für die Information über den Spruch von Henning Flessner“
    Es ist zu viel der Ehre, mich mit Lichtenberg gleichzusetzen.

  119. @ Herr Flessner, es tut mir leid, das es vielleicht von mir missverstanden wurde, aber ich hatte ihr Zitat von Lichtenberg so verstanden, das damit auch ihre Meinung wiedergegeben wird, was den Blick in die Welt betrifft.

  120. zu 76. Bronski

    Im Beitrag Nr. 63 hat Markus Rhomberg folgendes ausgeführt, Zitat:

    „Na ja, die Ukraine-Berichterstattung war ja nicht unbedingt ein Heldenstück für die gesamte deutsche und internationale Berichterstattung. Interessanterweise haben aber nicht ein oder zwei Medien hier Fehler in der Berichterstattung begangen, sondern trifft es fast alle der Qualitätsmedien in der einen oder anderen Form. Ich kann mich da gut der These des Wiener Kommunikationswissenschaftlers Jürgen Grimm anschließen, der festgestellt hat, dass die Berichterstattung zu stark ereignisbezogen war (wer gewinnt?) und weniger Gewicht auf die Analyse der Ursachen des Problems gelegt hat.“

    Diese Passage enthält eine Wertung über die Ukrainekrise, weil sie eine Bewertung der Berichterstattung über die Krise enthält. Ich habe beides in meinem Beitrag aufgegriffen, ohne das Generalthema dabei zu mißachten. Ich habe am Beispiel der Ukrainekrise begründet, warum das Rhomberg´sche Urteil, die Fehler beträfen „fast alle der Qualitätsmedien“, nicht richtig ist. Unter dem Vorwand der Analyse läßt sich vieles relativieren, was dem Vorurteil behagt. Das Zubilligen mildernder Umständen bedarf gerade in der Ukrainekrise besonderer Tricks. Dazu rechne ich das Argument der „Ereignisbezogenheit“. Ich sehe nicht, daß die „Qualitätsmedien“ sich solcher Tricks in nennenswerter Weise bedienen.

  121. zu #128 und #130

    Die Pressefreiheit ist laut Grundgesetz Artikel 5 garantiert, eine Zensur findet nicht statt. Demnach gibt es viele Möglichkeiten in die Welt zu blicken. Ich denke aber, wenn von einer Gleichschaltung der Medien gesprochen werden sollte, dann beispielsweise an die Kampagne gegen Christian Wulff, gegen den damaligen Bundespräsidenten. Dabei trifft die Vokabel Gleichschaltung irgendwie auch nicht zu, es war doch eher so, das die Medien zu Mitläufern wurden, ausgelöst vom Springer-Verlag und einem Telefonat zwischen dem Chefredakteur der Bild, Kai Dieckmann und eben Christian Wulff. Die Piraten sprechen von einer Schwarm Intelligenz die zu Lasten des Einzelnen geht. Was macht es für einen Unterschied für den Normalbürger, ob der Bundespräsident Christian Wulff oder Joachim Gauck heißt? Ein Einzelner an der Spitze des Staates, der handelt und redet ohne direkte Auswirkung auf den Normalbürger im Alltag. Christian Wulff musste sich allein den Vorwürfen erwehren. gegen einen Schwarm – ob intelligent oder nicht- von Kritikern an seiner Person und Amtsführung. Ein Schwarm aus Leitmedien kann durch den Einfluss der Öffentlichkeit einen Bundespräsidenten stürzen, beim Normalbürger geht das wahrscheinlich noch einfacher. Um ein Alle gegen einen zu verhindern erfand man die Gewaltenteilung, unabhängige Justiz, unabhängige Exekutive, ein unabhängiges Parlament und unabhängige Medien. Vielleicht meinen die Kritiker der Medien, das die unabhängige Berichterstattung auf sie eher so wirkt, als berichte der Regierungssprecher verschiedentlich..

    zu @ V. Grebe 131

    Sie bringen immer wieder die Geschehnisse der Ukraine wegen den Medien zur Debatte in diesem Blog. Ich sehe das so, die Ereignisse haben sich überschlagen vom Beginn des Maidan über die Krim Annexion durch Russland – die eine Reaktion Russlands auf den Maidan war – bis zu der separatistischen Bewegung in der Ostukraine. Es gibt dabei eine Kette von Ereignissen, die natürlich auch von den deutschen Medien und von Repräsentanten der deutschen Politik begleitet wurden. Diese Medien hätten den Maidan als eine nationale, rechte Bewegung entlarven sollen, ging es nach den Leuten, die man Putin-Versteher nennen mag. Es sind doch dieselben, die von einer Gleichschaltung der deutschen Leitmedien reden ? Es tut mir leid, ich kann einen Autokraten wie Putin nicht gutheißen. Gäbe es etwas vergleichbares in der Bundesrepublik würden die Putin Versteher nicht vielleicht auch ein Ende der ewigen Präsidentschaft herbeisehnen. Ich fand schon die lange Amtszeit von Helmut Kohl nur schwer zu ertragen, wie muss man sich dabei als kritischer russischer Bürger fühlen ? Ein Helmut Kohl mit voraussichtlicher Amtszeit von noch zehn Jahren, mit dem ähnlichen Ehrgeiz, Grenzen in Europa zu verschieben. Kohl weigerte sich noch im Amt dem Spiegel Interviews zu geben, Putin inszeniert sich einfach besser als Kohl.

  122. Ich hatte in meinem Beitrag # 110 einige Fragen aufgeworfen. Gibt es hierzu irgendwelchen Diskussionsbedarf?

  123. zu 105 # Henning Flessner
    „Ich hätte eine viel spannendere Frage gehabt. Der Weltklimarat hat in seiner letzten Arbeit erklärt, dass das Klimaziel ohne den Einsatz von Kernenergie nicht erreichbar ist. Welche Zeitung hat darüber berichtet und welche nicht?“
    Sehr gut, dass Sie dass zur Sprache bringen.
    Heutzutage die Kernenergie irgendwie nutzen zu wollen – selbst wenn es durchaus gerechtfertigt wäre – verläuft als Vorschlag oder Anregung bestenfalls im Sande, weil es ein Tabu-Thema betrifft. Das darf man nicht machen … weil bööse, sehr bööööse!
    Was würde es ausmachen, für einige Zeit – begrenzt auf zehn oder zwölf Jahre die Kernkraft in Deutschland zu nutzen, um etwas Zeit zu gewinnen, die Energiewende durchzuführen? Nur etwas politischen Mut, einen fehler einzugestehen. Aber dazu ist die Politik nicht bereit. Leider!! Leider !!
    Vielleicht kommt noch in Zukunft ein Fusionsgenerator (Kernverschmelzung) als Alternative hinzu .. wer weiß das schon. Die Politiker mit Sicherheit nicht, denn die sind ebenso wie der einfache Bürger mit der Klimaproblematik doch ein wenig überfordert. Das ist nicht böse gemeint, sondern nur wenig wenig relativierend reealistisch.

    Beim Thema Treibhausgas wird sofort: „Kohlenstoffdioxid CO2“ genannt, mehr oder weniger unisono.
    Das wirksamste Treibhausgas ist jedoch – allen Meldungen zum Trotz: Wasserdampf. Erstens wegen der sehr hohen Verdampfungsenthalpie von rund 500 kcal/g und zweitens wegen der Absorption im Infrarotbereich. Dort befinden sich sich breite Absorptionsbanden (unterlagert bzw. verursacht durch Rotationen des Wassermoleküls), die jene des „furchtbaren CO2“ (das kein Dipolmoment besitzt und auch nicht so rotieren kann) bei weitem übertreffen.
    Das immer noch moderate Klima auf unserem Planeten verdanken wir letzten Endes auch unseren Ozeanen.

    Zudem ist der CO2 -Gehalt in der Atmosphäre nur äußerst gering etwa 0,04 %.
    Diese Fakten werden bei der Diskussion permanent ausgeblendet.
    Wissenschaftliche Argumente sind in der Diskussion schon seit langem nicht mehr gefragt. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass derjenige, der am lautesten und ausdauernsten schreit, Recht erhält.
    So nach dem Motto: Leute fresst Sch ….. zwanzig Milliarden Fliegen können sich nicht irren. (Entschuldigung für diesen etwas kruden Satz)
    Eigentlich schade, aber leider Realität. Das Geschrei wird so weitergehen, egal ob TV oder Presse,weil diese schon im Besitz „ultimativer Wahrheiten“ sind bzw. glauben zu sein.

  124. #127 Daniel Gruber

    „2. Michael Jäger. Wer ist das? Ein Journalist. Der Freitag. Was ist das? Eine Wochenzeitung. Aha, ein Medium. Das offensichtlich Kritik an einem anderen Medium übt. Merken Sie was?“

    Nein, ich merke nichts. Ich neige zur Auffassung, dass ein Journalist, der die Medienarbeit von innen kennt, durchaus als glaubwürdiger Zeuge herangezogen werden kann. Wen würden Sie mir vorschlagen, der meiner doch ziemlich unmaßgeblichen Meinung ein Mehr an Gewicht verleihen könnte.

  125. zu 134 runeB

    Die Diskussion der Energiewende in den Medien hat leider den Mangel, dass sie von Laien geführt wird. Ausserdem ist sie sehr ideologisch aufgeladen.
    Der gestrige Presseclub in der ARD war ein schönes Beispiel.
    Wenn man jedoch gestern 5 Fachleute miteinander hätte diskutieren lassen, wäre die Einschaltquote nach 5 Minuten wohl in der Nähe von null gewesen.
    Ein, wie ich meine, unlösbares Problem.

  126. zu 136 Henning Flessner
    Sie haben recht, leider ist das wirklich so.
    Aber die Medien tragen hier ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung, weil die Äußerungen von Fachleuten (hierzu zähle ich mich nicht) – wenn ideologisch nicht passend – einfach beiseite gewischt werden.

    Ein schönes Beispiel für einen abrupten Seitenwechsel liefert der HR in den 1990er Jahren beim Thema Gentechnik. Nachdem alle Moderatoren einstimmig und jahrelang mehr als 100% gegen die Gentechnik eingestellt argumentierten, wechselten sie ebenso einstimmig (und das empfand ich als sehr schlechten Stil) über Nacht auf die Seite der Befürworter der Gentechnik, gerade so als wären sie schon immer dieser Meinung gewesen.
    Besonders unanständig kam mir es dabei vor, dass nicht der leiseste Hauch einer Erklärung, man habe sich wegen eines Irrtums korrigieren müssen, abgegeben wurde.
    Auch Moderatoren neigen dazu, genauso wie die Politiker, keine Irrtümer zuzugeben.
    Dabei wäre es Aufgabe der Medien, sich auch einmal ernsthaft mit den Feststellungen von Fachleuten zu befassen und nicht alle Einwände mit dem ideologischen Besen beiseite zu fegen.
    Vielleicht sollte das TV-Programm bei derartigen Diskussionen auf die „bewährten Moderatoren“ verzichten und einen wirklich kompetenten Diskussionsleiter berufen.
    Aber das dürfte wohl ein unerfüllbarer Traum bleiben.
    Das übliche Feldgeschrei wird weitergehen. Und man kann sich diese Veranstaltungen getrost ersparen.

  127. Hallo Herr Flessner,

    das ist sicher ein Kernproblem, wenn Fachleute versuchen lösungsorientiert zu diskutieren. Inhalte werden so komprimiert, das ein Laie schnell den Faden verliert. Ohne dass das böse Absicht wäre.Wirklich hilfreich für eien öffentliche Debatte kann ein solcher Verlauf natürlich nicht sein.

    Eine brauchbare Lösung hab ich dazu leider auch nicht zu bieten.

    KM

  128. @ Rudi in # 135

    Ich dachte, Ihnen würde vielleicht auffallen, dass Sie selbst ein gutes Gegenbeispiel für Ihre These geliefert haben, dass „die Medien“ ihren Job nicht gut machen. Ein kritischer Journalist vom Freitag beleuchtet die Aktivitäten anderer Medien. Das ist doch genau der Beleg dafür, dass Sie sich irren. Die Medien machen ihren Job. Sie kritisieren sich sogar untereinander und haben ein Auge aufeinander, und zwar heute mehr denn je. Deswegen ist das mit dem Intendantengeschacher auch nicht mehr so einfach. Der Medienpluralismus ist heutzutage enorm. Mich wundert der Vorwurf der „Gleichschaltung“ wirklich von vorn bis hinten. Er kann nur von Leuten erhoben worden sein, die sich wichtig machen wollen und selbst mit der Informationsflut völlig überfordert sind.

    @ Wolfgang Fladung

    Ich kann mit Ihrer Täter-Opfer-Rhetorik nichts anfangen. Es ist zweifellos möglich, über die Medien Menschen zu manipulieren, aber einmal nicht in unserer Medienpluralität und zweitens ist die Politik doch selbst nur getrieben. Was mich an Ihren Äußerungen stört, ist der merkliche Wunsch, eine klar erkennbare Gruppe von Tätern zu lokalisieren, die für alle die Missstände verantwortlich gemacht werden sollen. So einfach ist es nicht. Es ist genau diese Suche nach einfachen Lösungen für komplexe Probleme, die in der Geschichte immer wieder in den Totalitarismus geführt hat. Man sollte akzeptieren, dass Opfer auch Täter sein können. Jeder der Menschen, deren Meinung da so wie Sie das sehen manipuliert wird, hat in unserer Gesellschaft die Chance, sich frei zu informieren, auch jenseits vom Mainstream. Wenn die Menschen das nicht tun, aber trotzdem weiterhin Merkel oder Gabriel wählen, werden sie von Opfern zu Tätern. Jeder hat also die Chance und daher auch die Verantwortung für eine eigene Meinung.

    Nein, die Schuld ist nicht bei den Medien zu suchen. Das kann mir keiner einreden. Ich sage nicht, dass alles perfekt ist, aber insgesamt funktioniert doch alles recht gut. Aber so ist das eben, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt. Mindestens drei Finger zeigen auf einen selbst zurück.

  129. #139

    Ich dachte, Ihnen würde vielleicht auffallen, dass Sie selbst ein gutes Gegenbeispiel für Ihre These geliefert haben…

    Das ist mir nicht aufgefallen. Dem wäre vielleicht so, wenn ich die Äußerungen des Herrn Jäger nicht in einem kleinen Nischenprodukt, das einmal die Woche mit einem Zehntel der FR-Auflage erscheint, gefunden hätte. Hier bin ich mit Altbundeskanzler Schröder einig, der einst analysierte: „Zum Regieren brauche ich nur Bild, Bams und Glotze.“

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