Es sind alarmierende Zahlen, die der Kriminologe Christian Pfeiffer in einer bundesweiten Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums auf den Tisch gelegt hat: Fast fünf Prozent aller männlichen Neuntklässler in Deutschland geben an, einer rechten Gruppe oder Kameradschaft anzugehören. Die demokratischen Parteien hingegen binden nur ein bis zwei Prozent der Jugendlichen. Aber es kommt noch schlimmer – hinsichtlicher rechtsextremer Denkweisen. Dem Satz „Die meisten Ausländer sind kriminell“ stimmten fast 40 Prozent zu. Nahezu jeder dritte findet, dass es zu viele Ausländer in Deutschland gebe. Jeder siebte Schüler ist in „sehr hohem Maße ausländerfeindlich“. Als in „sehr hohem Maße ausländerfeindlich mit rechtsextremem Verhalten stuften die Forscher 8,2 Prozent der Befragten ein, wobei „niedrigschwelliges rechtsextremes Verhalten“ wie das Hören einschlägiger Musik bewertet wurde. Die Basis dieser Studie ist ziemlich stabil: 44600 Schülerinnen und Schüler wurden befragt. Die FR titelte: Jugend in Braun. Deutschland, wir haben ein Problem!

„Halt mal“, sagt dagegen Volker Schmidt in seinem Kommentar zum Thema: „Was erwarten wir eigentlich? Ja, die Zahlen über rechtsextreme Einstellungen Jugendlicher sind erschreckend hoch, aber sie decken sich weitgehend mit dem, was wir über die Einstellungen Erwachsener wissen. Warum sollten Jugendliche nicht den Stuss von sich geben, den se zu Hause hören?“

Marie K. Schreiner aus Worms meint:

„Den beschriebenen Anstieg der Ausländerfeindlichkeit unter Jugendlichen halte ich, ganz besonders in dieser wirtschaftlich prekären Zeit, für äußerst bedenklich und stimme den zitierten Experten Professor Brähler und Edathy zu in ihrer Ansicht, dass es unsere dringende Aufgabe ist, dem in schulischen und außerschulischen Einrichtungen sowie im Alltagsleben entgegenzuwirken.
Umso bestürzter war ich, als ich erfuhr, dass ein Projekt, welches sich konkret und medienwirksam mit ebendieser Aufgabe befasst, nicht nur keine Unterstützung erfährt, sondern überdies erheblich darin behindert wird: Der „Zug der Erinnerung“, der zurzeit zahlreiche Bahnhöfe in ganz Deutschland ansteuert, um dort mit bewegenden und sehr anschaulichen Ausstellungen an die Opfer der Deportationen während des Nationalsozialismus zu erinnern, richtet sein Hauptaugenmerk gerade auf das Leid der damals verschleppten und getöteten Kinder und Jugendlichen – was heutzutage sehr zur Aufklärung junger Menschen beitragen kann, so der Zug denn als Besuchsziel für Familien und Schulklassen benutzt wird. Laut Verein bezieht das Projekt dennoch keine finanzielle Hilfe vom Berliner Verkehrsministerium bzw. von der Deutschen Bahn AG, sondern muss letzterer darüberhinaus noch mehrere 10000 Euro für die Benutzung der Gleise und Bahnsteige zahlen. In einer Gesellschaft, in der kontinuierlich daran gearbeitet wird, Rechtsextremismus keinen Platz einzuräumen, ist ein solches Verhalten schlicht falsch.“

Ivo Schilasky aus Hamburg:

„Wer figuriert in dieser Studie eigentlich als ‚Ausländer‘? Wohl kaum der britische Botschaftsangehörige oder ähnliche Personengruppen – der verschämt-mitleidheischende Begriff wird sich personell wohl zur Mehrheit aus Personen mit türkischem Migrationshintergrund füllen, die in der Regel sehr wohl über die deutsche Staatsbürgerschaft verfügen! Die Charakterisierung als ‚Ausländer‘ setzt sowohl deren Demütigung fort und verschärft damit die ‚Kampfzone‘, auch wenn die Autoren der Studie nur den Sprachgebrauch ihrer Probanden übernommen haben sollten, und fördert nur noch weitere nationalistische Separationen, auf allen Seiten.“

Heribert Neuhaus aus Frankfurt:

„Die Eltern hinter den 14- bis 18-jährigen jungen Menschen haben nicht den Einfluss, den der Kommentar glauben machen will. Oft setzen sich Jugendliche gerade gegen die Auffassungen der Eltern ab; das gilt auch für Einstellungen zu politischen und gesellschaftlichen Fragen. Es heißt dann z.B.: Ja, du Altachtundsechziger, träum weiter …
Nach Gründen der Antihaltung gegen Ausländer wird kaum gefragt. Ein Grund ist u.a. auch die in der Pfeifferstudie erwähnte höhere Gewaltbereitschaft von ‚Jugendlichen mit Migrationshintergrund‘. Und da wäre wiederum zu fragen, warum das so ist.“

Dieter Walz aus Frankfurt

„Ihre Schlagzeile ‚Jugend in Braun‘ ist wieder mal Beispiel für den bei der FR gelegentlich aufblitzenden Sensationsjournalismus, der eher mit schlagkräftigen Titeln und bunten Bildern lockt. Man mache sich das auch mal bei der FR bewusst: Ein, zwei, drei, vier, fünf und sechs Jugendliche werden nicht als ‚in hohem Maße ausländerfeindlich‘ eingestuft, erst der siebte ist es. Die Schlagzeile wird dem ersten bis sechsten Jugendlichen nicht gerecht. Das ist unter Niveau.“

Ute Plass aus Worms:

„Ein guter Kommentar von Volker Schmidt, der nicht bei der oberflächlichen Betrachtung unserer ach so schlechten Jugend stehen bleibt. Er verweist auf die Entwicklung und Hintergründe von rechtsextremen Einstellungen bei Jugendlichen. Was dabei deutlich wird, ist die Tatsache, dass rechtsextreme Einstellungen Jugendlicher ein Spiegelbild unserer Gesellschaft darstellen. Höchste Zeit, sich auch mit der Braunfärbung zu beschäftigen die nicht allein an den Rändern der Gesellschaft sichtbar wird, sondern ebenso aus deren Mitte erwächst. Wundern würde mich nicht, wenn weitere Untersuchungen ein hohes Maß an Politikverdrossenheit zu Tage fördern, die u.a. Ausdruck von Ohnmacht gegenüber den herrschenden Verhältnissen sind. Diese wiederum sind mitverantwortlich für die Krisen und Mißstände in diesem Lande, somit auch für rechtsextreme und fremdenfeindliche Einstellungen.
Vonnöten sind echte Reformen in Richtung ‚mehr und direkte Demokratie‘, damit die BürgerInnen selbst entscheiden können, wovon und wie sie in dieser Gesellschaft leben wollen.“

Peter Sonntag aus Hamburg:

„‚Warum sollten Jugendliche nicht den Stuss von sich geben, den sie zu Hause hören?‘ Bitte nachzudenken: Die Stuss-redenden Erwachsenen sind auch Wähler, und einige von ihnen wählen vielleicht sogar die SPD. Eine anonyme Meinungsumfrage ist die einzige Möglichkeit für diese frustrierten Demokraten, ihre Meinung offen zu äußern, ohne von Zensoren oder anderen Wächtern gemaßregelt zu werden. Versuchen Sie doch bitte einmal sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, dass die Zahl dieser Leute noch steigen könnte, wenn nicht bald von der Politik und den ihr hörigen Medien auf sie eingegangen wird. Mit elitären Äußerungen oder Belehrungen ist es nicht mehr getan; bitte aufwachen, bevor es zu spät ist!“

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86 Kommentare zu “Verschärfte Kampfzone

  1. Die Schlagzeile : „Jugend in braun“, passt nicht so recht zum nachfolgenden Text. Da muss ich mich der Meinung von Dieter Walz anschließen.
    Übrigens kommt das öfter vor, dass sich Überschrift und Text widersprechen. Nicht nur in der FR.
    Ich stehe solchen Erhebungen grundsätzlich skeptisch gegenüber.

  2. An die Politik:
    „Rechtsextreme Einstellungen entstehen in der Familie“

    Wiedermal ganz kurz gedacht, wie schon dereinst, in dunklen rechten und linken Zirkeln: Die Familie als Keimzelle der Gesellschaft?
    Als Keimzelle der Indoktrination, der unkontrollierten, aber zu gern kontrollierbaren ersten pädagogischen Instanz in Sachen Weltanschauung? Die Familie als ein Hort des freien Denkens, der die Kinder mal mit gewünschtem, mal ungewünschtem Gedankengut anfüllt?

    Ein ganz und gar klägliches soziologisches Konzept, das die Verantwortung der Öffentlichkeit und der öffentlich wirksamen Menschen auf die Familie verlagert.

    Wenn ihr mir doch vom Frühstückstisch wegbleiben wolltet mit eurem Unsinn, den ich immerfort erklären, verwerfen oder rechtfertigen muß, weil meine Kinder immer wieder fragen: Was soll der Quatsch?

    Rechtsextreme Ansichten entstehen nicht in der Familie. Sie entstehen aus euren ärmlichen Schauspielen, die nur Fragen, aber keine Lösungen und keinen Anstand beinhalten.

    Es ist aber viel schwerer, einem Kind zu antworten, als einer von euch verkindlichten Nation.
    Aber ihr vernebelt mit eurem Geschwätz die Sicht, und, statt den Mut zu fördern, endlich eine Lösung zu finden, legt ihr den Kindern nur eine „Endlösung“ nahe.

    Bleibt einfach weg mit euren dummen Fragen und findet selbst die Lösung, anstatt Kinder an eurer Unfähigkeit verzweifeln zu lassen.

    Eure Scheinprobleme hat mein Kind schon mit 6 Jahren gelöst. Es ist nur dank meiner Erklärungen nicht radikalisiert worden.

    Radikalisierend wirkt einzig eure Gedankenfreiheit und Taubheit.

    Wenn die „Großen“ den „Kleinen“ ihre Fragen aufhalsen, bekommen sie nur kindische Antworten.

    Wenn die Familie die Keimzelle der Gesellschaft sein soll, dann sorgt gefälligst für einen guten Nährboden ! und nicht bloß für massenhaften Mist.

  3. „Aber es kommt noch schlimmer – hinsichtlicher rechtsextremer Denkweisen. Dem Satz “Die meisten Ausländer sind kriminell” stimmten fast 40 Prozent zu.“

    Da sollte man doch zumindest so gescheit sein, mal nachzudenken, woran das wohl liegt.
    Es wird Zeit, endlich mal nackte Tatsachen zu benennen. In Großstädten wie Berlin haben 80% aller Intensivtäter Migrationshintergrund, zumeist einen türkischen oder arabischen. Nachzulesen in: Berliner Kommission Gewaltprävention unter berlin.de. Und dass junge Einwanderer weniger häufig Opfer von Grewalttaten werden als „Deutschstämmige“, geht sogar aus Pfeiffers Zahlenspiel hervor.

    Würde man differenzierter fragen, als in der Studie geschehen, stellte man sicher schnell fest, dass viele der von Pfeiffer als ausländerfeindlich abgestempelten Schüler lediglich eine kritische Haltung gegenüber Migranten einnehmen- und auch nur bezüglich bestimmter Gruppen. Zu recht. Was bitteschön ist denn an der Bejahung des folgenden Satzes aus dem Fragekatalog der Studie ausländerfeindlich:
    „Die in Deutschland lebenden Ausländer sollten ihren Lebensstil besser an den der Deutschen anpassen“? Ist es denn verwunderlich, dass viele Schüler von Problemschulen und entsprechenden Vierteln die Nase voll haben von der Ignoranz unserer Politiker, die die Entwicklung von Parallelgeselschaften und Gewaltkriminalität einfach ignorieren? Ihre Alltagserfahrungen spiegeln sich in der Untersuchung wider, aber keiner will sie verstehen. Das ist schlimm.

    Selbst in den Berliner Kiezen in Kreuzberg und Neukölln setzen Eltern der grün-alternativen Mittelschicht alles daran, die eigenen Kinder nur nicht auf örtliche Schulen zu schicken. So z.B. auch einer der Mitbegründer der Taz. Die Verhältnisse dort sind teilweise nicht zu ertragen.

    Interessant wäre zudem auch, mal aufzuschlüsseln, wie häufig antisemitische Haltungen von jungen Türken und Arabern eingenommen werden. Das Ergebnis würde uns erschrecken.

    Pfeiffer´s Studien sind nicht wirklich wissenschaftlich, er betreibt Politik. Er hält uns für dumm.

  4. Hm, mein Beitrag ist nicht erschienen- ich probiere es nochmal.

    Es gibt nach wie vor die These, dass Ausländerfeindlichkeit dort am größten ist, wo Deutsche kaum Kontakt zu Einwanderern haben. Ich glaube, diese Annahme trifft so nicht mehr zu.

    Natürlich stimmt es, dass Unkenntnis über Ausländer zu einer ablehnenden oder feindlichen Haltung führen kann. Diese Ursache für Fremdenfeindlichkeit gibt es nach wie vor. Aber das genaue Gegenteil, der vermehrte Kontakt zu bestimmten Einwanderergruppen kann heute in bestimmten Gebieten genauso zu Ablehnung führen.

    Es gibt viele Schüler, die in ihrem Kiez und in ihrer Schule schlechte Erfahrungen mit Gewaltkriminalität machen, die vorwiegend von jungen Migranten ausgeht. 80% aller Berliner Intensivtäter haben z.B. einen Migrationshintergrund, die allermeisten einen türkischen oder arbischen (Quelle: Berliner Kommission Gewaltprävention, berlin.de). Die Verhältnisse an den Schulen in Problemvierteln sind katasrophal, selbst der Reg. BM Wowereit gab zu, wenn er Kinder hätte, würde er sie nicht auf Kreuzberger oder Neuköllner Schulen schicken. Glauben wir nun etwa, dass diese Gewalt junge Menschen nicht prägt?

    Im Fragenkatalog Pfeiffers konnte man z.B. der Forderung zustimmen: „Einwanderer sollten sich den deutschen Verhältnissen besser anpassen.“ Antwortete ich hier mit ja, bin ich dann gleich schon ausländerfeindlich? Oder übe ich Kritik, die aufgrund meiner Alltagserfahrung vielleicht durchaus berechtigt ist?

    Pfeiffers Studie ist völlig undifferenziert. Jeder, der sich die Fragen anschaut, kann sich davon überzeugen. Das Ergebnis einer hohen Fremdenfeindlichkeit ist von seinem Institut gewollt. Gegen Rechtsradikalismus und entsprechende Vereinigungen muss verstärkt vorgegangen werden. Genauso wie eine bessere Integrationspolitik und wirksame Maßnahmen gegen Jugendkriminalität erforderlich sind.

    Wer sich ein genaueres Bild zu dieser Problematik machen möchte, dem empfehle ich folgende Bücher:

    Ursula Rogg: Nord Neukölln
    Sie berichtet von ihren Alltagserfahrungen an einem Neuköllner Gymnasium.

    Güner Balci: Arabboy
    Sie war in Berlin Sozialarbeiterin und schreibt in iherm Roman über Jugendgewalt in Einwandererfamilien.

    Seyran Ates: Der Multikulti- Irrtum

  5. @ Ute Plass
    Ich schließe mich diesem Kommentar voll an und möchte dazu noch ergänzend zu bedenken geben, kein vernüftiger Jugendlicher ist Ausländerfeindlich, keiner hat etwas gegen einen Dänen, oder Briten, oder Franzosen usw.. Die da gemeint sind, sind Fremde die einmal Unbehagen verbreiten und Angst. Und diese beiden Faktoren des Gefühls produzieren diese „Ausländerfeindlichkeit“. Da ist schon die Frage zu stellen, wer hat da versagt oder produziert diese Abneigung?
    Gurß WS

  6. @ # 4 W.Schmid

    „Keiner hat etwas gegen einen Dänen, oder Briten, oder Franzosen“ – vorausgesetzt, er ist nicht Dunkelheutig wie z.B. der britische Bauarbeiter Noel Martin, eines der Opfer ausländerfeindlicher Gewalt in Deutschland. Oder hat er selber Schuld, weil Sie ihn zu den Fremden zählen, die „einmal Unbehagen verbreiten und Angst“?

  7. Die Studie des Kriminologischen Instituts Hannover hat einigen Wirbel verursacht. Wir machen daher mal wieder einen Blogtalk. Kommenden Mittwoch geht es gegen 10 Uhr los. Die Fragen seitens der FR stellt FR-Redakteur Volker Schmidt, und der Direktor des Institus, Prof. Christian Pfeiffer wird antworten. Vielen Dank schon mal an Prof. Pfeiffer, dass er zu diesem Gespräch bereit ist.

    Natürlich können auch Fragen von Userseite gestellt werden. Angesichts des heiklen Themas möchte ich jedoch alle Interessierten um Verständnis dafür bitten, dass dies nur mit Klarnamen möglich ist. Außerdem bitte ich darum, euch vorher bei mir dafür anzumelden. Dazu bitte einfach eine Mail an bronski{at}fr-online{punkt}de mit Angabe der jeweiligen Postanschrift. Natürlich werden diese Daten seriös behandelt, d.h. keine Weitergabe und keine Speicherung über den Zeitraum des Blogtalks hinaus.

    Ich freue mich drauf.

  8. So kompliziert ist das nicht.
    Je weniger Perspektiven je mehr braunes Gedankengut.
    Da ist es wieder „Angst und Armut“
    Feindbilder sind genug da!
    Arbeitslosigkeit ist auch da!
    Angst macht nicht halt vor Eltern und überträgt sich zwangsläufig auf die Kinder und Schuldige warten an jeder Ecke.
    An die wirklich Schuldigen kommt man/Frau nicht dran,das kann man lenken.
    Die Blödzeitung macht es jeden Tag vor.
    Ab 1950 haben Türken und andere Einwanderer es in dieser Beziehung besser gehabt.Da gab es noch genug braune Lehrer,die man nicht mochte und schon gar nicht deren Gesinnung.
    „waren keine anderen da “
    Wir als Russenblagen hatten es da nicht so leicht,aber auf der Straße herschte noch das schlechte Gewissen und die Nachbarn waren freundlich.
    Eines hat sich nicht geändert:Die Integration zugewanderte hat man dem einfachen Volk überlassen.
    Heute will keiner begreifen,dass z.B Kinder aus deutsch- russischen Familien mit völlig anderen Gesetzen aufgewachsen sind in z.b Kasachstan.(Auge um Auge,ein völlig anderes Rechtsempfinden als die jugendlichen hier zu Lande. (Jetzt sind sie agressiv in ihrer Heimat war das Mut)
    Und vorsicht mit der Beurteilung ob und wann es Ausländer sind.
    Einfach mal am Hochhaus auf die Namen am Klingelschalter sehen.
    Früher waren die Fremden:ski-row -witsch- usw am Ende des Namen.
    Braunes Denken benötigt unbedingt ein Feindbild und es liegt an jedem in der Gesellschaft aus dem vermeindlichen Feind einen Freund und Mitbürger zu machen.
    Kein Feindbild keine Argumente.
    Viel Feind viel Ehr!

  9. nee, @ alterbutt, was ist das denn jetzt? Was willst du uns sagen? Es klingt verbittert und ich nehme dich ernst.

  10. Lieber Abraham,

    Leider konnte ich auf deine kleine Anfrage an Bronski gestern, wie vorgehabt, nicht mehr eingehen, und nun ist sie verschwunden.

    Da mir das aber wichtig ist, hier trotzdem meine Antwort anhand der mir noch verfügbaren Kopie:

    „Lieber Bronski,
    ist ihnen die Antwort # 6 von W.Schmid auf meinen Kommentar # 5 entgangen?
    Dort schreibt er:
    „Hallo Abraham, nun ich weiß ja nicht wer Du bist! Dem Namen nach mosaischen Glaubensbekenntnis? Also ein Semit, ein Semit ist nach meiner Kenntnis nicht unbedingt ein Jude, denn Abraham war kein Jude! Und ich, das weiß ich nicht so genau, bei diesen Völkerwanderzeiten, wahrscheinlich ein Japhith. Blond bin ich nicht! Das Du in diese Kerbe haust wundert mich nicht! ….“
    Ich bin mit dem Vorwurf des Antisemitismus sehr vorsichtig, nur hier sehe ich die Grenze eindeutig überschritten. Dass weder Sie noch ein anderer Blog-Teilnehmer auf solche Ausfälle reagiert, wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand unserer Gesellschaft!
    Mit freundlichen Grüßen
    Abraham“

    Zunächst einmal: Ich achte deine Vorsicht im Hinblick auf den Antisemitismus-Vorwurf. Ich sehe aber einen Unterschied darin, ob man jemanden einen Antisemiten nennt, womit auch ich vorsichtig bin, oder ob man eine Aussage als antisemitisch beurteilt. Was du hier machst, ist ja kein Vorwurf, sondern eine Tatsachenfeststellung. Du hast natürlich ein Gespür dafür wie irgendwer, aber in diesem eindeutigen Falle wäre selbst ich darauf gekommen.

    Von Bronski wäre das aber ganz offenkundig etwas zuviel erwartet. Der löscht vergleichbare Äußerungen erfahrungsgemäß allenfalls, wie auch hier, auf eine eindringliche Intervention hin und dann die kritische Antwort gleich mit. Die passt ja dann angeblich nicht mehr, und was hat die Darstellung einer antisemitischen Äußerung und ein Appell dagegen in einem Thread über nazistische Einstellungen zu suchen?

    Was die anderen Blogteilnehmer betrifft, so hätte der werte Herr Schmid von mir jedenfalls verbal eins zwischen die Hörner bekommen, da kannst du sicher sein. Denn der Antisemitismus ist die ideologische, politische und humanitäre Todsünde des letzten Jahrhunderts, und der Kampf dagegen ist nicht bloß eine Sache der Juden, sondern obliegt auch und zumal den Nichtjuden. Und zwar nicht bloß aus Solidarität, das auch, vor allem aber, weil man daran den von dir erwähnten „Zustand unserer Gesellschaft“ ablesen kann, der niemandem gleichgültig sein darf.

    Dass hier aber nicht reagiert wurde, wirft weniger „ein bezeichnendes Licht auf den Zustand unserer Gesellschaft“ damit tätest du ihr in toto trotz der hier thematisierten Verwerfungen Unrecht, sondern auf den Zustand des Bronski-Blogs, vielleicht auch seines Moderators. Es ist doch offenkundig, aber angesichts der statistischen Berichte auch kaum verwunderlich, dass der geistig-moralische Bodensatz sich immer wieder auch hier äußert. Inakzeptabel aber ist es, wenn solche „Ausfälle“ gelöscht werden, statt sie mit einem kritischen Kommentar versehen zu dokumentieren und den Beiträger zu sperren. Man sollte im Umgang mit solchem „Gedankengut“ nicht in den fatalen Fehler verfallen, die – vorsichtig ausgedrückt – geistige Dürftigkeit mit Harmlosigkeit zu verwechseln.

    Mein spontaner Gedanke, als ich das gelesen habe, war: Was hat der (Abraham) da überhaupt zu suchen? Aber den habe ich sofort wieder verworfen. Als Jude und aufgeklärter Zeitgenosse wegen antisemitischer und antiaufklärerischer Kommentare das Feld zu räumen hieße ja, dass diese Recht oder zumindest das letzte Wort behielten.

    Gerne hätte ich ja deine Antwort auf meinen Kommentar zu Reemtsma noch erhalten, wo ich mich wegen deiner Beteiligung in die Diskussion eingeschaltet habe, jedoch schneidet Bronski ja auch hier zweifellos ein ein zentral wichtiges Thema an. Vielleicht ist es angebracht, sich an dem Blogtalk zu beteiligen.

    Seinen Umgang mit Beiträgen und Beiträgern, die „die Grenze eindeutig überschreiten“, sollte Bronski aber, wie gesagt, mal überdenken.

    P.S. Findet sich die Bezeichnung „mosaischer Glaube“ für die jüdische Religion eigentlich bloß in der Amtssprache des 3. Reiches oder wird sie auch im jüdischen Kontext verwendet?

  11. @ # 9

    Heinrich hat meine Mail an Bronski publik gemacht, die ich ihm in Kopie zugänglich gemacht hatte. Bronski hat den Beitrag, auf den ich mich bezogen habe, inzwischen gelöscht.

    P.S.: Meines Wissens enstand der Begriff „mosaischer Glaube“ im 19. Jarhundert und wurde auch von der jüdischen Seite verwendet, um die Konfessionalität (im Gegensatz zum Judentum als „Volk“) zu betonen. Deshalb wurde auch die Bezeichnung „Israelitische Kultusgemeinde“ für Jüdische Gemeinden erfunden. Man hoffte wohl, damit den Antisemiten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Genutzt hat das nichts, auf dem gelben Stern stand dann „Jude“, in fast allen europäischen Sprachen.
    Die Nazis unterschieden zwischen dem Rasse-Begriff „Jude“ (das war für sie ja auch eine gläubige Christin wie Edith Stein) und Angehörigen des „mosaischen Glaubens“ (was auch „rassische“ „Arier“ sein konnten, die dann nicht der rassischen Verfolgung anheimfielen).

  12. Ach so, ich hatte offline meine Antwort auf den mir zugesandten vermeintlichen Blog-Beitrag geschrieben und ihn dann natürlich hier nicht gefunden. Also muss ich mich auch bei Bronski für das Missverständnis in diesem Fall entschuldigen, was ich hiermit tue.

    Dann warst du aber ja, lieber Abraham, an dem beteiligt, was ich kritisiert habe. Wieso hast du deine Kritik hier nicht öffentlich bekundet, wovon ich ausgegangen war?

    Ich bin da allerdings auch etwas im Zwiespalt, finde einerseits natürlich, dass solche Beiträge in solchen Foren nichts zu suchen haben, andererseits verfälscht eine Löschung natürlich als nachträgliche Glättung das Gesamtbild der Diskussion und solcher öffentlichen Diskussionen überhaupt. Denn die latent und offen rechtsextrem eingestellten äußern sich ja nicht nur in der „Nationalzeitung“.

    Vielleicht könntest du, lieber Bronski, bei der Gelegenheit ja, ohne den Nebenschauplatz nun zum Hauptthema machen zu wollen, mal allgemein Stellung zu deinem Umgang mit solchen nicht nur, aber auch gegen die Blogregeln verstoßenden Beiträgen und Beiträgern nehmen. Ist der Beiträger gesperrt, und wenn ja, warum nicht?

  13. @ Heinrich, Abraham
    Danke für die Wiedergabe des inzwischen gelöschten Kommentars von W.Schmidt. Der Beitrag war eindeutig ein anti-semitischer Hieb, der zu recht entfernt wurde.

    W.Schmidt schreibt außerdem unter #4: „Die da gemeint sind, sind Fremde, die einmal Unbehagen verbreiten und Angst.“

    Das Unbehagen, das von ihm ausgeht, ist wohlbekannt.

  14. @ # 11 Heinrich

    Du gibst fast selbst die Antwort darauf, warum ich mich gegen die antisemitische Äußerung öffentlich im Blog gewährt habe: „Denn der Antisemitismus ist die ideologische, politische und humanitäre Todsünde des letzten Jahrhunderts, und der Kampf dagegen ist nicht bloß eine Sache der Juden, sondern obliegt auch und zumal den Nichtjuden.“ Nachdem über 24 Stunden keine Reaktion auf den Beitrag erfolgte (obwohl zwei weitere Postings, eines davon von Bronski selber, erschienen sind), habe ich mit einer Mail an Bronski reagiert.

    Auch ich finde, dass Bronski zu seinem Umgang mit solchen Regelverletzungen Stellung beziehen sollte.

    Für meine Antwort auf deinen Kommentar zu Reemtsma habe ich zu viel Zeit gebraucht. Als ich sie fertig bekam, war schon die Kommentarfunktion in dem Thread abgeschaltet.

  15. @ 8

    Ich sehe ihr Problem durchaus. Aber haben sie keine Scheu, bei Verständnisschwierigkeiten nachzufragen.

    Schwieriger ist es schon mit ihrem Problem, sich verständlich zu machen. Da kann ich sie allenfalls damit trösten, dass anderen Philosophen das auch so geht.

  16. @ 15
    Sorry, es ging gar nicht um das Verständnis meines Textes #9, das habe ich verwechselt.

    Verständigungs- statt Verständnisproblem halt.

  17. Ich glaube,unser Problem ist,wenn man ein Vorurteil hat,dehnt man die Fehler von einzelnen oder wenigen aus und schrängt die guten Eigenschaften auf den einzelnen oder wenigen ein.
    Wäre es nicht großzügiger und besser für alle umgekehrt zu verfahren ?

  18. Das wäre doch zumindest mal zu erklären, worin man in der Äußerung von H.Schmid eine antisemitische Äusserung sieht, bevor man dann auch noch so nebenbei alle in den Vorwurf miteinbezieht, die ihr nicht widersprochen haben und dann gleich auf einen Gesamtzustand der Gesellschaft schließt.

  19. Vielleicht liegt Vieles ja wirklich nur an den Verständigungsproblemen, wie es alterbutt formuliert hat? Vielleicht wollte H. Schmid was anderes sagen, als wie es angekommen ist und sitzt jetzt gekränkt in seinem Wohnzimmer? Ist gar kein Antisemit? Oder doch ein geschickter Lancierer brauner Sauce?
    Wir sollten feinhöriger sein. Und nicht so schnell urteilen oder verurteilen.

  20. @ I.Werner @alterbutt
    Sehr geehrte Herren! Da Sie eine Brücke bauten, will ich darüber gehen und mich mit Befürchtungen melden. Ich bin nicht gekränkt, aber ein wenig entsetzt über die schnelle Verurteilung. Denn ich bin wahrhaftig kein Antisemit. Mein Verständnis ist: Das wir alle aus einem Stammbaum herkommen. Das ist bei mir die alte Völkerkunde – die heute überholt scheint (vielleicht gibt das wieder eine Gesang?) – und die uns ein Mose hinterlassen hatte und die auch von anderen wissenschaftlichen Seiten einmal begründet wurden. Aus den Söhnen Noahs, Japheth, Sem und Ham; die in anderen Religionen umgedeutet wurden, z.B. in Indien. Das heiß, was wir heute Indogermanen nennen sind für mich Japhithen, und die Babylonier, Assyrer usw. Semiten. So auch mein Verständnis, das Abraham ein Semit war, und das ist doch kein Schimpfwort? Da kann doch jeder Stolz sein, solche Vorfahren zu haben? Die Ägypter (was für mich Hamiten sind) sind doch heute auch stolz auf ihre Pyramiden? Das war doch eine gewaltige Leistung!
    Und was in unserem Land an Moral fehlt (und da ist es nicht nur Fremdenfeindlichkeit), ist doch zu untersuchen und nicht mit Populismus oder Hassgesang zu bekämpfen.
    Ich weiß nicht ob dieser Kommentar wieder eine Verurteilung nachzieht?
    Ihnen Beiden danke ich auf jedem Fall für ihre, ich nenne es einmal Hilfe!

  21. Sehr geehrte(r) Frau (Herr) Schmid,

    ich begrüße sie und begrüße es auch ausdrücklich, dass sie sich zu dem besagten Problem äußern. Das bestärkt mich in meiner Auffassung, dass Bronskis Praxis, den fraglichen Beitrag zu löschen, falsch war, denn dann wäre er ja überhaupt nicht mehr diskutabel.

    Allerdings könnten wir zugegeben auch nicht weiterdiskutieren, wenn er sie gesperrt hätte, was mein Alternativvorschlag war. Es ist aber natürlich richtiger, MIT dem Kritisierten zu diskutieren als ÜBER ihn. Ich modifiziere also meinen Vorschlag, obwohl der zwar an Bronski, aber in den Wind geschrieben ist, dahingehend, dass stattdessen zunächst eine Ermahnung des Moderators angebracht wäre um dem ermahnten Gelegenheit zu geben, Stellung zu nehmen und mit seinen Kritikern zu diskutieren.

    Die Stellungnahme Bronskis steht aber noch aus. Abraham hat ja nur moniert, dass nicht auf ihren Beitrag reagiert wurde. Dass Bronski ihn sogleich gelöscht hat, dafür muss es ja wohl schwerwiegende Gründe geben. Also wäre Bronski zu fragen, was er antisemitisch daran fand. Wenn hier überhaupt „Verurteilungen“ stattfinden, dann ist er der Richter. Wir wollen mal annehmen, dass er eine Urteilsbegründung hat und nicht aufgrund der bloßen Anklage seine Strafe verhängt.

    Haben sie sich überhaupt mit ihm darüber auseinandergesetzt? Wenn sie der Überzeugung sind, dass ihr Beitrag astrein war, wäre das doch wohl zumindest zu erwarten.

    Was mich betrifft, so finde ich, um es mal salopp zu sagen, was sie hier schreiben, ziemlich daneben und werde mich anschicken, es zu kritisieren und, wenn BvG das als ernsthafte Frage meint, auch begründen, was ich an dem ursprünglichen Beitrag antisemitisch fand. Ich warte aber erst einmal Bronskis Stellungnahme ab.

    An dieser Stelle aber vorab in aller Deutlichkeit eins, auch an I. Werner gerichtet, deren Appell, feinhöriger und feinlesiger zu sein, offenbar für meine Beiträge nicht gilt. Oder darf man, um den feinen Nerv zu aktivieren, nicht schreiben, was man denkt, sondern muss so schreiben, dass man damit Spekulationen darüber auslöst, ob man wirklich gemeint habe, was man geschrieben hat?

    Jedenfalls haben weder ich noch Abraham geschrieben, sie seien ein Antisemit. Ich schreibe so, dass ich die volle Verantwortung für das übernehme, was ich geschrieben habe, und finde, das ist das Elementare, was jeder tun sollte, der sich öffentlich schriftlich äußert. Ich schätze es also nicht, wenn ich mich selber zitieren muss, statt dass man meine Texte liest, bevor man ein falsches Urteil darüber abgibt.

    In #9 schreibe ich an Abraham:
    „Ich achte deine Vorsicht im Hinblick auf den Antisemitismus-Vorwurf. Ich sehe aber einen Unterschied darin, ob man jemanden einen Antisemiten nennt, womit auch ich vorsichtig bin, oder ob man eine Aussage als antisemitisch beurteilt. Was du hier machst, ist ja kein Vorwurf, sondern eine Tatsachenfeststellung.“

    Mit anderen Worten: wenn sie und BvG und I. Werner und alterbutt mit mir darüber streiten möchten, ob die Tatsachenbehauptung“ richtig oder falsch ist, bin ich dabei. Ich beschimpfe sie hier aber nicht persönlich als Antisemiten, wie käme ich denn dazu?

    Dabei bin ich umgekehrt aber auch völlig unbeeindruckt von ihrem Bekenntnis: „Ich bin kein Antisemit“. Dass jemand sich hinstellt und verkündet: „Ich bin ein Antisemit“, das gibt es bei uns seit 1945 nicht mehr. Bis dahin bekannten sich schätzungsweise 80 % dazu, und siebzehn Prozent waren latente Antisemiten. die 80 % sind aber weder untergegangen noch zum rechten glauben übergetreten, sondern sie sind zu den Latenten gewechselt.

    Heute lautet die Standardeinleitung einer antisemitischen Rede: „Ich bin kein Antisemit, aber…“ oder: „Ich habe nichts gegen die Juden, aber…“, und dann folgt in einer Tirade, was er doch gegen sie hat. Oder, nicht viel besser, er hebt ihre besondere Kulturleistung hervor. Hauptsache, es kommt dabei heraus, „der Jude“ ist der ANDERE, ein „jüdischer Mitbürger“ allenfalls, aber kein Mensch wie du und ich.

    Es bleibt uns hier nur, so etwas an den Texten zu erörtern. Das will ich mit ihren Texten tun, und zwar ausdrücklich um der Kritik und Aufklärung willen, nicht um Personen zu diskreditieren oder gar zu verurteilen. Wenn sie und andere mögen, streiten sie mit mir dann darüber. Ich möchte gerne durch Argumente dazulernen und erwarte das auch von den Mitdiskutierenden.

  22. Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus fangen damit ein, dass Menschen in „Kategorien“ eingeteilt werden. Genau das macht W.Schmid in seiner Reaktion auf meinen Beitrag, indem er nicht auf den Inhalt, sondern auf meine Religion oder „Herkunft“ eingeht, obwohl diese in diesem Zusammenhang überhaupt keine Rolle spielen. Indem W.Schmidt meint, mich als „Semit“ kennzeichnen zu müssen, grenzt er mich quasi aus der Debatte aus: „Das Du in diese Kerbe haust wundert mich nicht!“ Deshalb halte ich seinen damaligen Beitrag für antisemitisch und auch seine „Verteidigung“ mit biblischem „Stammbaum“ befindet sich in der gefährlichen Nähe von Rassetheorien, die in den Nazi-Wahnsin mündeten.

    Ich halte es für ein schwerwiegendes Problem unserer Gesellschaft, dass offensichtlich nur wenige einen „inneren Kompass“ besitzen, der sie auf erste Signale der Ausländerfeindlichkeit, des Rassismus und des Antisemitismus reagieren lässt. Die „schweigende Mehrheit“ erlaubt es so, dass Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus Raum gewinnt. Der in der Untersuchung festgestellte erschreckend hohe Anteil rechtsradikaler Einstellungen unter Jugendlichen ist auch dadurch zu erklären, dass vermeintlich „harmlosen“ Vorurteilen nicht oder kaum öffentlich widersprochen wird. Es reicht nicht, erst zu reagieren, wenn „Ausländer raus!“ gerufen wird!

  23. @ 24 Abraham
    Im Nachlesen dieses Satzes „Das Du in diese Kerbe haust wundert mich nicht“, war nicht abwertend gemeint. Es ist mir – das wollte ich ausdrücken – schon verständlich, wenn einer sich angegriffen fühlt oder verletzt ist, reagiert er sehr sensibel. Für diesen Satz möchte ich mich darum entschuldigen und kann nur hoffen, daß Sie das annehmen!
    @ heinrich
    Wie sollte ich mich denn anders ausdrücken? Ich sehe das nicht als ein Bekenntnis, da haben Sie recht, das kann jeder sagen. Nur ist mein Weltbild ein anderes wie Ihres und da kollidieren wir. Auch wenn ich Ihnen sagen würde, ich bin gegen jede Gewalt, könnten Sie sagen: Das sagt jeder! Das heißt, Mißtrauen ist angebracht! Und man kann jedem das Wort im Munde umdrehen – vorallen das Geschriebene.
    Wenn Sie schreiben, dass doch jeder seine Meinung darstellen darf, sollte man auf jeden Fall nachfragen dürfen, auch wenn die Frage provozierend wirkt! Oder?
    Eines sehe ich, da gebe ich abraham recht, meine Antwort an ihn zu seiner Religion gehörte eigentlich nicht zum Thema, kam aber bei mir hoch, als er Noel Martin anführte. Sicher ist da manche Frage zu stellen. Nur bin ich der Meinung, unser gesellschaftliches Problem ist anders anzupacken, als wie es nach einer Veröffentlichung einer Entwicklung hochschäumt. Dise Debatte kann man auch sicher nicht hier führen!

  24. @ W. Schmid

    „Wie sollte ich mich denn anders ausdrücken?“

    – Wollen sie jetzt dafür von mir allgemeine Regeln lesen oder was? Dann heißt meine Antwort: klar und deutlich! So, dass ihr Text das ausdrückt, was sie sagen wollen. Das ist die ganze Wissenschaft. Dann brauchen sie sich von niemandem assistieren zu lassen, der ihnen und anderen einzureden versucht, sie könnten etwas anderes gemeint als gesagt oder gesagt als gemeint haben.

    „Nur ist mein Weltbild ein anderes wie Ihres und da kollidieren wir.“

    – Konzentrieren sie sich gerne umgekehrt auf das, was die anderen schreiben! Von meinem Weltbild wissen sie gar nichts außer dem, was in meinen Aussagen steht. Und da steht eher Kritisches über das Weltbild anderer und wie es sich ggf. in Sprache manifestiert und weniger über mein Weltbild.

    Ich habe ihnen angedeutet und Abraham hat ihnen doch darüber geschrieben, wo sich seiner Auffassung nach, die ich unumwunden teile, Problematisches in ihren Postings manifestiert. Dazu vermisse ich ihre inhaltliche Stellungnahme.

    Genauso wenig wie zum „Verurteilen“ finden wir doch zum Kuscheln hier zusammen, oder? Ich will hier nicht für Abraham sprechen, aber er ist ein politisch denkender Mensch, deswegen seine kritische Intervention wegen ihrer Antwort. Indem sie das auf die Ebene einer angeblichen persönlichen Kränkung heben, entpolitisieren sie das. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Abrahams Sinne ist.

    Ebensowenig kann ich mit den abstakt-allgemeinen Appellen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern anfangen, die um Verstehen werben, ohne einen einzigen inhaltlichen Gedanken beizutragen, der das inhaltliche Verständnis befördern könnte.

    „Auch wenn ich Ihnen sagen würde, ich bin gegen jede Gewalt, könnten Sie sagen: Das sagt jeder! Das heißt, Mißtrauen ist angebracht!“

    – Erstens sagt das nicht jeder, ich bin z.B. keineswegs gegen jede Gewalt, z.B. als Reaktion auf extreme Unterdrückung, und zweitens ist das eine Frage von Argumenten und nicht von Misstrauen, was wieder auf eine unpolitisch-persönliche Ebene zielen würde.

    „Und man kann jedem das Wort im Munde umdrehen – vor allen das Geschriebene.“

    – Ich weiß zwar nicht, was das mit mir zu tun hat, aber wenn ihnen das geschieht, können sie sich doch dagegen wehren. Stehen sie dabei aber tunlichst bei dem Wort als ihrem Wort! „Das Wort, du sollst es lassen stahn!“, sagt Luther. Nur so kann man sich darüber verständigen, ob es stimmt oder ob es in irgendeinem Sinne falsch oder verfehlt ist.

    „Wenn Sie schreiben, dass doch jeder seine Meinung darstellen darf“

    – Auch das verstehe ich nicht im Hinblick auf mein Posting. Ich habe doch nicht darüber zu befinden, wer hier seine Meinung darstellen darf. Ich stimme allerdings mit der Redaktion überein, die sagt: „Die Redaktion akzeptiert keine Kommentare, die zu Straftaten auffordern, frauen-, fremden- oder anderweitig menschenfeindlich sind“. Das ist doch der Hintergrund für Abrahams Intervention und meine Kritik, auch am Umgang der Redaktion mit nicht akzeptablen Kommentaren.

    „… sollte man auf jeden Fall nachfragen dürfen, auch wenn die Frage provozierend wirkt! Oder?“

    – Natürlich. Haben sie eine provokante Nachfrage an mich?

    „Sicher ist da manche Frage zu stellen. Nur bin ich der Meinung, unser gesellschaftliches Problem ist anders anzupacken, als wie es nach einer Veröffentlichung einer Entwicklung hochschäumt“.

    – Wer soll das verstehen?

    „Dise Debatte kann man auch sicher nicht hier führen!“

    – Es steht ihnen frei, es zu versuchen oder zu lassen.

  25. @ BvG

    Von welcher Sache genau möchtest du noch den Hintergrund erfahren? Den „Hintergrund“ von Abrahams Intervention hat er doch erläutert. Hast du dazu eine offene Frage oder wozu?

  26. @ heinrich

    Wie elegant sie jeden Satz zerpflücken, das ist wahrhaft schwer zu überbieten. Wer wagt es da, noch zu antworten ? Ich sicher nicht.

    Wenn ich nach langen Jahren der Abwesenheit wieder mal in meine Heimatstadt zu Besuch komme, all die Veränderungen wahrnehme, die guten Läden von früher nicht mehr finde, die netten kleinen Gast- und Weinstuben, sie sind nicht mehr. Chinalokale, Pizzastuben an jeder Ecke.
    Wenn ich dann mal U-Bahn fahre, nach 22:00 h
    und ich sehe mich um, fühle ich mich schon fast so unsicher wie beim ersten Besuch in Paris vor vielen Jahren. Wortfetzen von fremden Sprachen gelangen in mein Ohr. Ich verstehe sie nicht…Ich fühle mich fremd in meiner Heimatstadt. Ich drehe mich um nach dem Aussteigen, sehe die Leute an, die den gleichen Weg mit mir einschlagen. Manchmal, das mag auch von meiner momentanen Befindlichkeit abhängen, kommt sogar ein leichtes Angstgefühl in mir hoch.
    Es sind zu viele Fremde um mich gewesen.

    Bin ich „fremdenfeindlich“, gar ein „Rassist“?

  27. @heinrich

    Sorry, bin erst jetzt wieder online.

    Die persönliche Dimension ist von Abraham geklärt, aber was hat es mit dem „biblischen Stammbaum“ auf sich?
    Klingt zunächst wie eine harmlose Überlieferung, die H.Schmidt da gebraucht,

    Auch wieder ein interessantes Stück Geschichte, das zum bösen Zweck verbogen wurde oder tatsächlich schon im Ursprung ein „Sortieren von Menschen“?

  28. Leider hat man ja oftmals das Problem, den falschen Gedanken ein Forum zu geben, wenn man sie entlarven will.

    Aber die falschen Gedanken sind ohnehin in Umlauf, wie die Studie zeigt, also soll man besser aufklären, um was es eigentlich geht.

    Zur Sache möchte ich sagen, daß es mir im persönlichen Urteil über einen Menschen völlig egal ist, woher er kommt und wie er aussieht.
    Letztlich geht es um die Qualität des Urteils, das ich mir bilde.

    Man kann nicht die Herkunft und die Geschichte ignorieren, auch das führt zu „Anti…ismus“. und stellt auch eine Mißachtung der Persönlichkeit dar.
    Man kann aber aufpassen, daß das persönliche Urteil möglichst gerecht ist.

  29. @maderholz

    Dieses Fremdheitsgefühl kennt wohl jeder und das hängt unmittelbar damit zusammen, daß man nicht versteht, was um einen herum vorgeht und deshalb kein Vertrauen entstehen kann.
    Zit: „Eine Vorsicht liegt darinnen, die uns voneinander trennt“. (von mir)

    Da fehlt es an Gesten gegenseitiger Versicherung, also an Kommunikation. Dann würde daraus vielleicht eine Vorsicht, die uns verbindet.

    Jedermann hat das Recht, fremd zu sein und fremd zu bleiben. Die Umdeutung des Fremdseins zu vermeintlich stiller Aggression (Ablehnung) ist ein Problem.

    Auf einer primitiven Ebene ist natürlich von Belang, einen „Neuen“ einzuordnen und herauszufinden, welche Absichten er hat und im einen Platz zuzuweisen. Das ist aber einzig in einem territorialen Konzept zu verstehen und sinnvoll.

    In einer entwickelten Gesellschaft sollte Fremdsein kein Problem mehr sein, weil es keine Territorien mehr gibt, die man für das „heimisch fühlen“ beanspruchen und verteidigen kann. Sie müssen gewährt werden!

    Man müßte sich also im Fremden heimisch fühlen dürfen und können.

    Das gelingt zur Zeit weder den „Fremden“ noch den „Einheimischen“ .

  30. @ abraham und @ all
    Sie schreiben: “Ich halte es für ein schwerwiegendes Problem unserer Gesellschaft, dass offensichtlich nur wenige einen „inneren Kompass“ besitzen, der sie auf erste Signale der Ausländerfeindlichkeit, des Rassismus und des Antisemitismus reagieren lässt. Die „schweigende Mehrheit“ erlaubt es so, dass Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus Raum gewinnt.“

    Ich zähle mich nicht zur schweigenden Mehrheit, aber leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass es schwer ist, fremdenfeindlichen Äußerungen zu begegnen. Mit Aufklärung und Argumenten kommen wir nicht weiter. Hier geht es um Empfindungen, wie @ 29 maderholz sie beschreibt. Was die einen als kulturelle Vielfalt begrüßen, ist für die anderen das Gefühl, selbst nicht mehr beheimatet zu sein. Sich in der eigenen Stadt als Fremder zu fühlen. Vielleicht verändert sich alles zu schnell, verschwindet Vertrautes auf nicht zu verarbeitende Weise. Auch ich vermisse „meinen Griechen“ aus Kreuzberg, Berlin verändert sich an allen Ecken und Enden. Diese Schnelligkeit überfordert uns. Der Mensch braucht Orte der Vertrautheit.

  31. @I.Werner
    „Der Mensch braucht Orte der Vertrautheit.“

    Das eben nicht! Ich brauche keine „Orte der Vertrautheit“, die bloß eine Reflexion meiner Gewohnheiten und bekannter Bilder sind. Ich habe sie gern und genieße sie, aber ich brauche sie nicht!

    Ich brauche aber Menschen, die mir ihre Orte vertraut machen und die sich meine Orte vertraut machen lassen!

    Ich bin fremdenfreundlich und ich finde…
    freundliche Fremde.

  32. Zu schnell geantwortet…

    Natürlich brauche auch ich Orte der Vertrautheit!
    Der Witz ist, daß ich mir fremde Orte vertraut machen lasse und nicht bloß Bekanntes und Vertrautes wiederfinden will.

  33. @ BvG wir brauchen wohl beides. Die Anregungugen durch Neues, und die Geborgenheit durch Vertrautes. Und ein bisschen wollen wir uns auch geliebt und willkommen fühlén in dieser Welt und wenn das fehlt, werden wir auch ungemütlich und suchen nach Sündenböcken, warum wir unser Glück nicht finden.
    Machtstreben und andere Bestrebungen lasse ich ich hier mal weg. Die sind aber sicherlich auch nicht unwichtig.

  34. @ I. Werner

    Das war doch ein Spaß. Wenn sie solchen nicht vertragen, tut mir das leid und ich nehme ihn zurück.

  35. @ I. Werner

    Also wenn der Spaß so zurückkommt, brauche ich ihn ja nicht zurückzunehmen.

    Es ist in ihm allerdings, wie bei jedem gelungenen Spaß, auch ein Körnchen Ernst enthalten, auf das ich später zurückkomme.

  36. @ BvG # 19, # 30.

    Lieber BvG,

    (Herr Schmid möge mir verzeihen, dass ich in Beantwortung der Frage BvGs die Kritik vertiefe und begründe. Es geht mir, wie nochmals ausdrücklich gesagt, hier nicht um persönliche Angriffe, sondern um die Aufdeckung von problematischem „Gedankengut“, an dem wir alle mehr oder weniger Anteil haben und mit dem es sich auseinanderzusetzen gilt.)

    Zur Sache, zur Klärung etwas ausholend:

    1. Das Antisemitische scheinbar „harmloser geschichtlicher Überlieferung“ ergibt sich hier, worauf schon Abraham hingewiesen hat, zumal aus dem Kontext. Wenn man einen Juden als Juden anspricht, in einem Zusammenhang, wo sein Judesein relevant ist, ist das natürlich in Ordnung und kein Antisemitismus, so in der Religionsdiskussion, wo Abraham ausdrücklich als solcher seine Positionen darlegt. Eine Grauzone ist es aber schon, wenn man von Jehudi Menuhin, Itzhak Perlman, Jascha Heifetz usw. als „jüdischen Geigern“ spricht. Das Attribut fehlt in keinem Lexikonartikel über sie, wogen man vergeblich danach forscht, ob Anne-Sophie Mutter katholisch oder evangelisch ist. „Grauzone“ heißt: es kommt auf die Perspektive an. Wenn man sagt, die Juden hätten das klassische Geigespielen ebenso im Blut wie die Zigeuner das volkstümliche, ist das rassistischer Antisemitismus, egal, ob man die Kunst des Geigespiels positiv oder negativ einschätzt, weil hier eine biologische Abartigkeit von der Norm behauptet wird. Wenn man die auffällige Häufigkeit von jüdischen Weltklasse-Geigern im entsprechenden bürgerlichen ostjüdischen Milieu begründet sieht, weil dort die armen Säuglinge eine kleine Geige statt einer Rassel in die Wiege gelegt bekommen, ist das eine andere Geschichte. Da gibt es auch unter Juden einen Kulturstolz. Ich habe in einer Biografie des von mir sehr geschätzten Pablo Casals, der nicht nur ein Weltklasse-Cellist war, sondern auch ein konsequenter Antifaschist und Friedenskämpfer, von einem Juden gelesen, der enttäuscht darüber war zu erfahren, dass Casals kein Jude war, und sagte: „Aber er spielt wie einer!“.

    Was aber auf jeden Fall eindeutig grenzüberschreitend ist, darauf weist auch Abraham schon hin, ist, jemanden wegen seines Judeseins so abzuqualifizieren, dass man auf seine Argumente in einer ganz anderen Sache gar nicht erst einzugehen brauche.

    Dies als Hinweis darauf, dass es auf den Kontext und die Perspektive ankommt, dass es nicht bloß um einen Katalog von antisemitischen Sätzen geht, die in Internetforen zu vermeiden und zu ahnden wären, sondern um den „inneren Kompass“, wie Abraham das mit dem schönen Bild ausdrückte. Den hat man ebenso wenig von Natur aus wie das Geigespielen, den kann man durch Reflexion eichen, und was ich schreibe, sollte mich selber, Herrn Schmid und dich dabei unterstützen. Bronski ist dazu vielleicht schon zu alt.

    2. Die Stammbaumgeschichte ist eigentlich nicht nur eine “ harmlose“, sondern eine kulturgeschichtlich bedeutsame Überlieferung, auch hier sitzt der Teufel in der Perspektive. sie ist zunächst einmal nicht ein „interessantes Stück Geschichte“ in unserem Verständnis, sondern eine „interessante Geschichte“ im Sinne einer mythischen Erzählung, die ihren Sinn nur dem offenbart, der sie entsprechend zu entschlüsseln weiß. wörtlich als Realgeschichte der Menschheitsentwicklung begriffen, ist sie „tatsächlich schon im Ursprung ein ‚Sortieren von Menschen‘ ”.
    Schmid äußert sich hier als „Kreationist“, der die mythische Erzählung von den Stammvätern Israels und den Verzweigungen ihrer Nachkommen als realgeschichtliche Darstellung nimmt. Dass das wissenschaftlich keinen Bestand hat, räumt er allerdings selber halbherzig ein. Seine Auffassung speist sich aus zwei Quellen: Aus der jüdischen Bibel, dem „Alten Testament“, in dem die Rede von den Söhnen Noahs, Japheth, Sem und Ham“ ist, die jeweils als Stammväter verschiedener Völkergruppen angesehen werden, wie Schmid beschreibt. Im 19. Jhd., im Aufkommen von völkisch-rassischen Theorien, gab es verschiedenste „Forschungen“ die versuchten, auf höchst spekulative Weise die existierenden Völker und Kulturen auf diese mythische Geschichte zurückzuführen, was Abraham korrekt so zuordnet: „auch seine „Verteidigung“ mit biblischem „Stammbaum“ befindet sich in der gefährlichen Nähe von Rassetheorien, die in den Nazi-Wahnsinn mündeten.“ Das verbindet sich mit der zweiten Quelle, nämlich der vornehmlich im 18. Jh. aufkommenden sprachgeschichtlichen Forschung, wo aufgrund von Gemeinsamkeiten fast aller europäischen Sprachen (ausgenommen das Finnische, Ungarische und Baskische) hypothetisch eine verlorengegangene „indogermanische“ oder „indoeuropäische“ Ursprache rekonstruiert wurde. Die Herkunftsregion dieser Ursprache ist allerdings bis heute strittig, und die Konstruktion eines indogermanischen oder „arischen“ Urvolks hieraus, von dem die anderen Sprachteilnehmer alle abstammen, ist eine grobe Vereinfachung der völkischen und Rasse-Theorien.

    Was mich betrifft, so muss ich gestehen, dass ich sieben Kilometer vom Neandertal entfernt geboren wurde und aufgewachsen bin. Ob mir der Gedanke gefällt oder nicht: Dass so ein grobschlächtiger Homo Neanderthalensis eines Tages vor mindestens dreißigtausend Jahren ins Düsseltal gewandert ist und eine feingliedrige Vertreterin der Gattung Homo Sapiens Sapiens, die dort im Bach ihr goldenes Haar wusch, sein spontanes Gefallen fand, ist für meine Genealogie sehr viel wahrscheinlicher als die Abstammungslinie zu einem Herrn Japhet aus dem vorderen Orient, der nach biblischer Zeitrechnung, wenn überhaupt, vor nicht einmal sechstausend Jahren dort gelebt und seine blauäugig-blonden Abkömmlinge flugs nach Europa geschickt hat, um sie vor dem zersetzenden jüdischen Einfluss der „semitischen“ Abkömmlinge Sems zu bewahren.

  37. @heinrich

    Vielen Dank erstmal, hab’s gelesen und bin immer wieder erstaunt, wie genau Du und Abraham hinschauen.

    Was das „abqualifizieren“ eines Diskussionsspartners betrifft, so stehe ich hoffentlich auf stabilem, sicherem Terrain, weil mir Herkunft, Bekenntnis und gesellschaftlicher Rang eines Diskussionspartners nicht zu dessen Qualifizierung (+/-) sondern nur zum besseren Verstehen seiner Gründe dienen.

    Das ist schwer durchzuhalten und schwer zu kontrollieren, da helfen solche Diskussion weiter.

    Aber, Du hast es sicher geahnt, muß ich zum Neandertal was sagen:

    Der H.neanderthalensis war nicht „so einer“. 😉

  38. @ Angst:

    Mariechen auf der Mauer stund,
    Sie hat Angst vor einem Hund.
    Der Hund hat Angst vor der Marie,
    Weil sie immer so laut schrie.

    (Bertolt Brecht, Kindergedichte)

  39. Ich finde die Diskussionen, welche weit in die Ursprünge der Religionen zurückreichen, durchaus interessant und lehrreich.
    Sie führen aber schon sehr weit vom ursprünglichen Thema weg : Jugend in Braun.

    Ich möchte gerne die Art und Weise von Befragungen und deren Auswertung hinterfragen.

    „Durch ihr Verhalten sind die X….Y für die Verfolgungen nicht ganz unschuldig“.

    Wer diesen Satz bejaht, nimmt doch an, dass diese Gruppe X…Y weitgehend unschuldig verfolgt wird, jedoch nicht gänzlich unschuldig ist.
    Welche Menschengruppe kann denn schon „ganz“ unschuldig sein? In jeder Gruppe gibt es „schwarze Schafe“!

    Ich erschrecke nicht, wenn dieser Satz von jedem 7. bejaht wird.

    Von Interesse wäre auch noch, etwas mehr über die Auswertung solcher Befragungen zu erfahren. Wie bekommen die Meinungsforscher schließlich die „wahre Meinung“ der Befragten heraus?

  40. @ Gedicht.

    Um die Ängste zu ergründen,
    Hilfe dagegen zu erfinden,
    deshalb bin ich in den Foren,
    (leider wurd‘ ich dumm geboren…)

    von mir,

    maderholz

    P.S. Liebe FR : Ab 03:00 h gilt in ganz Europa die sog. Sommerzeit !

  41. Da ich am Wochenende verreist war und auch fast die ganze Woche unterwegs sein werde, nur eine kurze Antwort:

    Ich empfehle, nochmals die #4 (W.Schmid) und #5 (meine Reaktion darauf) zu lesen. Über die Aussagekraft der Untersuchung kann man streiten. Keiner behauptet, dass ein „Unbehagen“ über Ausländer schon Fremdenfeindlichkeit ist. Diese beginnt aber dort, wo Ausländern in toto die „Mitschuld“ an dem unbestreitbar vorliegenden Rassismus und Ausländerhass zugesprochen wird.

    Die Fakten sind doch unbestreitbar, dass sich ein erschreckendes Ausmaß von Ausländerfeindlichkeit (auch von Jugendlichen) in Gewaltakten gegen „Fremde“ zeigt. Diese verharmlost W.Schmid mit seinen Hinweis auf angebliche Toleranz gegenüber Dänen, Briten oder Franzosen. Wie es tatsächlich um diese Tolleranz steht, habe ich mit meinem Verweis auf das tragische Schicksal von Noel Martin klar machen wollen, einem schwarzhäutigen Briten, der Opfer ausländerfeindlicher Gewalt von jugendlichen Tätern wurde.

    Warum W.Schmid immer noch meint, durch diesen Hinweis auf die Frage nach Religion zu kommen, verstehe ich nicht. Welche Religion (wenn überhaupt einer) Martin angehört, weiß ich nicht. Was hat dies aber mit dem Thema zu tun?

    Die (von Bronski gelöschten) Äußerungen von W.Schmid halte ich nach wie vor für antisemitisch; zu Heinrichs Ausführungen habe ich nichts zuzufügen. Es wundert (und verbittert) mich, dass bisher nur zwei Blogteilnehmer sie als solche ausdrücklich verurteilt haben. Dabei geht es überhaupt nicht um meine Person, weshalb ich Schmids Entschuldigung als irrelevant ansehe.

  42. @ abraham

    Ich habe die Texte nochmals nachgelesen, auch die von Ute Plass, deren Meinung sich W.Scmid anschloss.
    Den gelöschten Text, der sicherlich aufschlussreicher gewesen ist, kenne ich nicht.

    Zu den „Fremden“ möchte ich noch ein paar Sätze sagen.

    Anfang der 60er Jahre, Darmstadt, an der Mauer einer Ruine, in Farbe mit Pinsel aufgetragen, der Satz : „Deutschland – dreigeteilt – niemals !!“

    Daneben ein anderer : “ 1 Million Ausländer sind genug !“

    Gemeint waren damals vor allem Italiener, auch Spanier und Griechen…
    Türken aus dem fernen, fremden Anatolien gab noch nicht im Straßenbild.

    Ich lese auch ab und zu bei t-online, Forum Europa. Was da von Kreusberg und Neuköln teilweise berichtet wird, ist schon erschreckend.

    Noch eine kleine Bemerkung. Seit der Fußball WM in Deutschland wird doch von Seiten der Regierung auch etwas mehr Patriotismus eingefordert. Was ist das, was soll das sein, das haben wir nicht gelernt…

    Abscließend : Die Fehler der Wirtschaft und der Regierungen in den letzten Jahrzehnten treten eben in der Krise deutlicher zum Vorschein. Mllionen wirklich „Fremde“ ins Land zu holen und sich nicht um Integration zu kümmern. Da kommt dann auch wieder verstärkt die Religion ins Spiel…

    Der 11.09.01 und die nachfolgenden Ereignisse waren auch nicht hilfreich.

    Ein weites Feld für Diskussionen.

  43. @ maderholz

    Der ursprünglich gelöschte Text von Schmid ist in #9 unter „Lieber Bronski“, beginnend mit „Hallo Abraham…“ zitiert.

    @ Abraham

    Ich dachte spontan, du bist da vielleicht etwas streng, und deine Verbitterung deprimiert mich ein wenig. Dachte zunächst, eine Entschuldigung Schmids ist menschlich besser als das Beharren auf seinen Aussagen. Tatsächlich hat er aber inhaltlich trotz der differenzierten Kritik nichts daven zurückgenommen, und du bist natürlich nochmal in anderer Weise von Antisemitismus betroffen als ich.

    Die von dir monierte zurückhaltende Passivität der anderen Blogteilnehmer und die feige Ignoranz des Moderators sind wohl ein Spiegelbild des wirklichen Lebens. Wie sollte es auch anders sein?

    Ich gehe sonst immer eher davon aus, dass man als Dialogpartner prinzipiell fähig und bereit ist, etwas anzunehmen, wenn man davon überzeugt wird, denn sonst kann man sich die Mühe des Schreibens auch sparen. Obwohl ich noch einige grundlegende Gedanken zu dem Thema Angst anhand der Gedanken von maderholz und I. Werner und Kritisches zu derartigen Befragungen zu schreiben begonnen habe, spare ich mir das jetzt auch tatsächlich. Einen Tag nachdenken und fünf Stunden schreiben sind eh unverhältnismäßig und nicht Blog-gemäß. Sei’s drum!

  44. Nachdem ich diesen Thread in der vergangenen Nacht zunächst geschlossen und vom Netz genommen habe, gebe ich ihn jetzt deutlich gelassener wieder an die Öffentlichkeit zurück. Ich habe überreagiert. Alle von meiner unangemessenen Reaktion Betroffenen möchte ich um Entschuldigung bitten. Auch die beiden zunächst ausgesprochenen Blog-Verbote nehme ich zurück – mit aufrichtigem Bedauern, weil ich vermutlich böses Blut geschaffen habe, und ebenfalls mit der Bitte um Entschuldigung.

    Der Beitrag von W.Schmid wurde am 24. März um 19:21 Uhr gepostet. Ich las ihn am folgenden Morgen, als ich eigentlich schon im Urlaub sein sollte, und empfand ihn als schwierig. Entweder war er einfach unreflektiert (d.h. absichtslos antisemitisch) oder bewusst so formuliert in einer Mischung aus Anbiederung und Provokation, dazu gedacht, aufs Glatteis zu führen. Ich bekomme in letzter Zeit erkennbar häufiger Leserbriefe von diesem Typus. Mir scheint, dass die Rechten zunehmend raffinierter vorgehen.

    Obwohl ich eigentlich der Meinung bin, dass man besser mit dem Autor solcher Zeilen reden sollte als über ihn – ganz wie Heinrich es formuliert hat, aber auch I.Werner hat das sinngemäß gesagt -, habe ich ihn vom Netz genommen (nicht gelöscht; er befindet sich seitdem in der Moderationsschleife), denn ich hatte nicht die Zeit, angemessen dazu Stellung zu nehmen. Ich sehe es allerdings eigentlich auch nicht als meine erste Aufgabe an, Kommentare von Blog-Usern zu kommentieren. Das müsst ihr Blog-User schon selbst machen. Einen Bruch der Blog-Regeln konnte und kann ich nicht erkennen. Weder fordert der Kommentar zu Straftaten auf, noch ist er hetzerisch oder menschenfeindlich. Dass er antisemitisch ist, habt ihr inzwischen ja herausgearbeitet; insofern stellt er ein schönes Fallbeispiel dar. Ich nehme W.Schmid (# 22) ab, dass er es anders gemeint hat, als es angekommen ist, und akzeptiere seine Entschuldigung.

    Abraham hat Recht, wenn er in # 24 schreibt: „Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus fangen damit an, dass Menschen in ‚Kategorien‘ eingeteilt werden.“ Dieses allzumenschliche Verhalten, mit dem wir alles und jeden einordnen, führt allerdings nicht zwangsläufig zu Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, denn sonst wären wir alle ausländerfeindlich, rassistisch und antisemitisch. Da macht Abraham es sich wirklich zu einfach. Im Nachhinein würde ich sagen: Auch mit deiner Beschwerdemail an mich, die den Stein ins Rollen brachte, hast du es dir zu einfach gemacht, Abraham. Und ich habe es mir zu einfach gemacht, indem ich derart unangemessen in die Diskussion eingegriffen und den Kommentar von W.Schmid nicht unter Meinungsfreiheit verbucht und stehengelassen habe. Sicher hätte sich bei hartnäckigem Nachhaken deinerseits schnell herausgestellt, ob W.Schmid tatsächlich ein Wolf im Schafspelz ist, wie von dir vermutet.

    Das heißt keineswegs, dass ich W.Schmid zustimme, wenn er in # 4 Ute Plass missversteht und nach dem Schwarzen Peter fragt. Mit der Formulierung: „Da ist schon die Frage zu stellen, wer hat da versagt oder produziert diese Abneigung?“ will er „die Ausländer“ für ausländerfeindliche Denkweisen Deutscher verantwortlich machen. Er macht es sich damit viel zu einfach, auch wenn man wohl unterstellen darf, dass er damit nur einer weit verbreiteten Denkweise erliegt. Man braucht einen Sündenbock; sonst hätte man ja selbst Schuld. Diese Schuld-Debatte ist in die Vergangenheit gerichtet (wobei sie nicht einmal ernsthaft die Frage aufwirft, wie es kam, dass es wurde, wie es ist). Im Ergebnis lässt sich auf diesem Weg nicht mehr erreichen als eine ebenso klare wie wirklichkeitsfremde Frontziehung zwischen „uns“ und „denen“ im Sinne der Kategorien, von denen Abraham oben gesprochen hat. Diese Debatte bringt also nichts. Doch genau dies ist die Frage, die sich im Zusammenhang mit der Pfeiffer-Studie stellt und die daher hier eigentlich diskutiert werden sollte. Das werden wir ab Mittwoch im Blogtalk hoffentlich nachholen.

    Noch ein Wort in eigener Sache: Ich möchte doch um Verständnis dafür werben, dass ich nicht rund um die Uhr aufs FR-Blog aufpasse und mir zudem herausnehme, gelegentlich ein paar Tage Urlaub zu nehmen. In diesem Fall war eine kurze Auszeit nach rund einem halben Jahr des Anhäufens von Überstunden überfällig. Ich finde es daher ziemlich schwierig, wenn Heinrich in # 49 von der „feigen Ignoranz des Moderators“ spricht. Abraham müsste auf seine Beschwerdemail hin eine automatische Abwesenheitsmeldung von mir bekommen haben. Hätte Heinrich mir geschrieben, und sei es nur, um nachzufragen, was da los ist, hätte er sie ebenfalls bekommen und hätte Bescheid gewusst. Klare Lehre daraus: Vor meiner nächsten Auszeit wird das Blog abgeschaltet. Auch wenn ich mich so des Vorwurfs aussetzte, eine Debatte unterdrücken zu wollen.

  45. Gut und nice. Aber wieso gibt es keinen Sportthread. Interessiert das Leserschaften von FR nicht mehr? Oder wurde der mitsamt Neoliberalismus abgeschafft …

  46. @abraham
    „Es wundert (und verbittert) mich, dass bisher nur zwei Blogteilnehmer sie als solche ausdrücklich verurteilt haben.“

    Es ist nicht leicht, in solchen Äußerungen zu erkennen, wo sie herkommen und wo sie hingehen.
    Den „inneren Kompass“ hatte ich wohl auch, weil mir in den Schmidt’schen Äußerungen das „Sortieren von Menschen“ negativ aufgefallen war.

    Eine Reaktion darauf zu zeigen ist wiederum schwierig, aber es ist letztlich doch gelungen.

    Ehrlich gesagt hatte ich H. Schmidt für ein sehr altes Semester gehalten, dessen antiquierte Kenntnisse man nicht so ganz auf die Goldwaage legen muß.

    Erschreckend ist allerdings, wie leicht einer mit ein wenig Halbwissen die Gemeinsamkeit der Blogteilnehmer zersprengen kann.
    Aber da haben wir uns ja bloß blamiert, der antisemitsche Gehalt der Äußerungen ist aber entlarvt worden.

    Ich finde jedenfalls gut, daß H.Schmidt enen Anlass gegeben hat, wiedermal die alte Frage zu klären,
    „Wo beginnt Antisemitismus?“.
    Im vorliegenden Fall bleibt ja übrig, daß Antisemitismus entweder antiquiert oder unehrlich daherkommt. Das ist schon was.

    Auch wenn heinrich den „Herrn der Ringe“ nicht so mag, eine Erkenntnis daraus kann man heranziehen:
    „Wo der Feind die Freunde gegeneinander aufbringt, und sei es nur im Streit über die richtige Art ihn zu bekämpfen, da ist er schon unter uns“
    (kein Zitat,sinngemäß.Wird der Tolkien ja auch irgendwoher haben)

    @heinrich: Ehrlich und ohne Hintergedanken: Wenn Du an Abraham schreibst:“…und du bist natürlich nochmal in anderer Weise von Antisemitismus betroffen als ich.“ dann stimmt das nicht.

    Wir alle sind betroffen, das hat sich hier wiedermal gezeigt.

  47. nein, ich fahr‘ Omnibus, weißt du doch, ist viel interessanter, vor allem sind die Fahrgäste selten die Gleichen 😉

    aber wenn du willst, stimme ich dafür, versuche ich mich mal als Boxenluder 🙂

  48. @abraham

    Ja, das wäre schade und angesichts des Beistands, der hier formuliert wurde, nicht richtig.

    Wer die „Abneigung produziert“ wie H. Schmidt fragt, ist doch klar: Nicht die „Fremden“ deren Fremdheit durch Freundlichkeit leicht zu überwinden ist, sondern die, die ihrer eigenen Fremdheitsgefühle nicht Herr werden.

    Du gehörst zu uns und zu mir, und wer dies nicht akzeptieren kann, der mag sich trollen.
    Fremde sind mir lieber als Fremdenfeinde.

    Die ersten können Freunde werden oder Fremde bleiben, die zweiten sind und bleiben nur Feinde.

  49. @ BvG: schon komisch mit diesen Feindbildern, findest nicht?

    Frag mal den Professor, was die Jugendlichen aus seiner Studie darunter verstehen. Das hat er bisher in keiner Interviewrunde erzählt. Und wenn die so wird, wie seine bisherigen Äußerungen in Interviewrunden zu seiner Studie der Computerspiele, dann gutes daddeln auf der Tastatur.

    have a n.i.c.e day – wenn’s los geht 🙂

  50. @rü

    Den Professor frag‘ ich dann schon, wenn es mir in den Sinn kommt oder wenn er sich bei mir meldet.

    Sag mir lieber selbst, was Du< meinst, statt nur auf fremden Tastaturen rumzudaddeln.

  51. na @ BvG, du willst doch jetzt nicht kneifen, oder? Wie entstehen Feindbilder, vor allem Dein Feindbild?

    Was machst du gegen diese Feinde im eigenen Land? Welche Rechte sprichst du nun ihnen ab, weswegen sie nun Feinde sind?

    Frag mal den Professor, wie hoch die Deutschfeindlichkeit in Problembezirke unter den Jugendlichen ist. Was ist da das Feindbild, der Auslöser?

    Aber bitte erst die Frage 1 beantworten von hier, und von #59.

    Nicht wieder galant charmant übergehen, dann kriegst auch den Tenor zur Tastatur. .-)

  52. @Bronski:
    Es hiess Sportthread, doch Formel 1 anverhitlert die Begrifflichkeit. Mit T und 4 überstrapazen, und abrakadabra macht es Ecclestone den Gar auch aus. Köchelt, Formel 1E, explicated. Regenerative Energien bedürfen ebenso unkonventioneller Antriebsakademik wie sonst die Luftverpester. Autos wie bei F1 und Indycar, der Gesamtbetrieb darf in keinster Weise Öl verbrennen, inkl. Logistik et.al. Hab im Moment nicht viel Zeit das eingehender zu diskutieren, so viel zu Thread Anregung. Der BND könnte für Lobbyarbeit mal aushelfen. Wie wäre es Euer Westend zum Auftakt-GP zu nehmen? Frankfurt Stadtgrandprix, schnörkelige Verkurvung im WE, lange Geraden sind zu Hauf, das Spektakel wär Hammer. Michael Schumacher sollte noch ein paar Jahre dranhängen. Ferrari-SolTor.

    @BvG:
    Heil Kräuter und Fremder, bleiben Sie von gelassen. Nicht gelegentlich cholerischen Anfall provozieren lassen. Feinde umarmen.

    @Admin:
    log.

  53. Die Aussagen und Schlussfolgerungen Prof. Pfeiffers sind aus meiner Sicht weniger wissenschaftl. belegt, denn politisch gewollt. Ich empfehle, die Studie unter http://www.kfn.de.versions/kfn/assets/fb107.pdf mal einzusehen.

    In seiner Untersuchung stellt er selbst fest, dass bei Straftaten „bestimmte Migrantengruppen in der Täterbennenung überrepräsentiert sind. Während nur 6% aller Jugendlichen türk. Herkunft waren, wird fast viermal so häufig dem Täter eine türk. Herkunft zugeschrieben…23,8%“. Die in der Relation höhere Gewaltbereitschaft in bestimmten Migrantengruppen wird auch durch andere Statistiken belegt (siehe #3).

    Meine These ist rel. einfach. Sind Jugendliche mit einer bestimmten Herkunft überproportional häufig gewalttätig, fällt das Urteil zu dieser Gruppe entsprechend negativ aus. Genau zu diesem Ergebnis kommt auch Pfeiffer, ohne dass er diesen Zusammenhang allerdings erkennen will. Denn von Ausländern verschiedener Herkunft sind Türken bei den Schülern am unbeliebtesten, während andere Gruppen anerkannt werden. Kritische Haltungen werden von Pfeiffer als Ressentiments ausgelegt, die auf Unkenntnis und mangelnden Erfahrungen zu solchen Gruppen basiere. ??? Ach so? Schauen sie sich die Begründung am besten selbst an. Statt dies nachzuweisen, vermutet er es bloß.

    Aus meiner Sicht kann klar festgestellt werden, dass die angebliche „Ausländerfeindlichkeit“ unter unseren Jugendlichen erstens keine generelle, und zweitens die ablehnende Haltung zu bestimmten Gruppen nicht völlig unbegründet ist.

    Nun kommt Pfeiffer auf die glorreiche Idee, die erhöhte Kriminalität unter bestimmten Einwanderergruppen durch ein erhöhtes Anzeigevehalten „Deutschstämmiger“ zu erklären. Diese ausgefuchste Methode zur Verfälschung statistischer Werte stößt auf herbe Kritik unter Sachkundigen. Die Jugendrichterin Kirsten Heisig verwies erst vor wenigen Tagen darauf, dass viele jugendliche Opfer aus Angst vor Repressalien gerade bei besonders aggressiven Tätern keinen Mut finden, Anzeige einer Straftat zu erstatten. Ich bin selbst Opfer einer Jugengruppe geworden und kann diese Bedenken nur bestätigen.

    Was ich aber nun schon für fast skandalös halte ist folgendes: Bei der Ermittlung antisemitischer einstellungen unter unseren Schülern wurde lediglich „deutschstämmige“ befragt. Aus meinen eigenen Erfahrungen und denen befreundeter Lehrer sind aber gerade antisemitsche Einstellung unter türkischen und arabischen Jugendlichen stark verbreitet. Würde man hier auch jene befragen, erhielten wir ein erschreckendes Ergebnis. Das hat sich Herr Professor Pfeiffer allerdings ersparen wollen.

  54. /me nickt zustimmend

    ich danke dir fox aus ganzen Herzen. Das ist ganz ehrlich gemeint und wortgetreu zu verstehen.

  55. Ich ergänze meine Ausführung:
    Viele der von Herrn Pfeiffer als ausländerfeindlich eingestuften Jugendlichen sind aus meiner Sicht aufgrund ihrer Erfahrungen lediglich kritisch gegenüber bestimmten Einwanderermilieus eingestellt. Dies ist wahrscheinlich auch auf eine mißlungene Integrationspolitik unseres Staates zurückzuführen, aber auch auf mangelnde Integrationsbereitschaft einiger, weniger Einwanderergruppen.

    Dies finde ich bedauerlich. Ich befürworte eine multi-ethnische Gesellschaft, in der jeder Einwanderer seine Wurzeln erhält, aber trotzdem loyal zu unserem Staat ist und unsere liberale Werteordnung nicht nur akzeptiert, sondern auch mitträgt.

    Die vermehrte Gewaltbereitschaft Jugendlicher aus bestimmten Migrantemilieus geht u.a. auf die innerfamiliären Gewalterfahrungen zurück, die hier laut verschiedener Statistiken ebenfalls überproportional vorhanden sind. Unterstützt wird diese Bereitschaft aus meiner Sicht aber auch durch das Festhalten an einer archaischen Gesllschaftsstruktur und einem traditionellen Wertesystem, das mit dem unsrigen kollidiert und zu Ablehnung desselben führt. Die Ordnung in der neuen Heimat wird nicht verstanden, die Hemmschwelle gegeüber dieser und ihrer Gesellschaft sinkt.

    Ich bezweifle dagegen nicht, dass rechtsradikale Gruppierungen in bestimmten Regionen erschreckend stark vertreten sind. Diese Gefahr darf ebenfalls nicht verkannt werden und muss aktiver als bisher angegangen werden. Insbesondere die Rechtssprechung in Sachsen-Anhalt ist besorgniserregend und fördert eher noch rechtsradikale Aktivitäten.

  56. Stimmt, und sicher darf man nicht vor Tendenzen die Augen verschließen. Aber Pfeiffer und sein Apparat benutzen eine bestimmte zielgerichtete Verschlagwortung. Ob das seine bescheuerte Computerspiele-Logik ist – Entschuldigung – oder sein Studie zum Anstieg rechtsradikalen Gedankengutes. Er siebt zielgerecht aus, stellt gewissermaßen in beiden Fällen eine junge Generation an den Pranger. In seinen Quckie-Beiträgen von Tagesschau bis hin zu das! verpackt er alles dermaßen Schlagwortgerecht, daß Welt alles so glaubt wie er erzählt. Nicht mal in Interviewrunden von einer Stunde bringt Pfeiffer es hin, von seinem Zahlenberg abzurücken und hinter die Zahlen zu schauen.

    Ich war ja heute wieder unterwegs, wieder bei denen, die so gescholten werden – Multikulti auf einem Haufen. Ich werde einen Beitrag für die Stadtmenschen.de schreiben, mit Bildern und zeigen, was diese Generation treibt, wenn man ihnen nicht alles nimmt, ihnen die Möglichkeit zur Entfaltung gibt. Diese Generation ist keineswegs schlechter als die meinige, wie die Studien einem glaubhaft machen will. Diese Generation steht nur mit dem Rücken zur Wand, im Gegensatz zu meiner Generation.

    Und alternde Generation verbringt mehr Zeit vor dem PC in Liebesecken, Puffportalen und was weiß ich, baggert alles an was unter 20 Jahre alt ist. Ich bin zur Zeit als 19-jähriges Irgendwas in gewissen Ecken unterwegs (ein Faker/mein Rollenspiel, mein WoW), das „Alterheim“ hat nun absolut keinen Grund auf diese Generation zu deuten, Pfeiffer schon mal gar nicht. Der soll mal seine Ecke (Generation) ausleuchten, kommt erstaunliches zutage, wenn er denn genau schaut. Und hernach gemeinsam mit ihnen ganz leise über Flure im WWW nach hause laufen.

  57. @ rü

    Alte gegen Junge auszuspielen finde ich auch nicht o.k.! Mehr zum Thema morgen. Bin jetzt alt und müde.
    Gute Nacht.

  58. @ rü

    Danke für Deinen Beitrag. Du bringst da einiges auf den Punkt. Ich hoffe, man findet dich dann beim inzwischen verschobenen Blogtalk am Freitag wieder.

    Gruß

  59. Lieber Bronski,
    ich möchte dich auf einen gravierenden logischen Fehler aufmerksam machen, welcher in deinem Text enthalten ist:
    Du schreibst:
    „Weder fordert der Kommentar zu Straftaten auf, noch ist er hetzerisch oder menschenfeindlich. Dass er antisemitisch ist, habt ihr inzwischen ja herausgearbeitet; insofern stellt er ein schönes Fallbeispiel dar.“

    Ein Kommentar, der zwar antisemitisch, aber nicht menschenfeindlich sein soll, kann es überhaupt nicht geben, da die Menschenfeindlichkeit ja ein wesentliches Bestimmungsmerkmal des Antisemitismus ist. Damit fällt ein solcher Kommentar auch nicht in die Kategorie der bloßen Meinungsäußerung oder in die des „schönen Fallbeispiels“
    Falls du dich also entscheidest, den betreffenden Kommentator nicht deinen Blogregeln gemäß zu behandeln (also ihn von der Diskussion auszuschließen), dann musst du dies schon anders begründen, als damit, dass er nicht gegen die Blogregeln verstoßen habe – denn das hat er natürlich!
    Es gibt für mich schon einsichtige Gründe, die dafür sprechen, warum man einen Kommentator nicht sperrt trotz (!) eines menschenfeindlichen Kommentars. Einer wäre zum Beispiel, dass der Kommentator selbst nicht kapiert, was er da geschrieben und gedacht hat, so dass man sich durch die Reaktionen der anderen Diskutanten eine aufklärende Wirkung erhofft. Offenbar handelt es sich hier um deinen Standpunkt bzw. deine Einschätzung, die ich im Großen und Ganzen teile.
    Allerdings machst du es dir in diesem Fall auch zu einfach. Du kannst nicht auf der einen Seite auf Diskutanten wie den engagierten Heinrich oder Abraham hoffen, welche das Kind schon beim Namen nennen mögen und wenn sie es dann tun, ihnen die Unterstützung versagen, indem du ihnen vorwirfst, sie machten es sich zu einfach. Das ist inkonsequent und stößt diejenigen vor den Kopf, die es nicht verdienen.
    Gruß
    maat

  60. @ b.n.w.

    Können Sie sich nicht klar ausdrücken? Wollen Sie sagen, Semiten seien keine Menschen? Sind Sie nur sprachlich unbeholfen? Kommt wieder nur so ein Missverständnis auf, weil die Wortwahl nicht stimmt?

  61. Sprache ist ein Verständigungsmittel, auch wenn es schwierig ist, sich eindeutig zu artikulieren.

  62. # 74

    I.Werner, den vorangegangenen Kommentar habe ich rausgenommen, der war sowas von unter aller Kanone —

    b.n.w., dicker rüffel! sowas geht höchstens in „neues aus der anstalt“

    Zu # 73 werde ich mich morgen äußern

  63. ja aber, was wollte er denn sagen? der b.n.w.?

    Bronki, hast Du immer Nachtdienst? Gute Nacht.

  64. @ I. Werner

    Ja, ich habe immer Nachtdienst. 😉

    @ maat

    Du hast natürlich Recht: Antisemitismus ist menschenfeindlich. Von daher gehörte der Kommentar auch nach den Blog-Regeln entfernt – was ja auch geschehen ist. Wir haben es hier möglicherweise mit dem merkwürdigen, aber vielleicht nicht so seltenen Fall zu tun, dass eine Meinung (unbewusst?) antisemitisch und trotzdem nicht böse, also menschenfeindlich gemeint war. Dies war meine Einschätzung nach Prüfung des Kommentars, und daher hätte er ebenso gut stehenbleiben können.

    Natürlich hätte ich es mir einfach machen können – indem ich diesen Thread vom Netz genommen und die Diskussion damit abgeschnitten hätte. Dann hätte ich mir den Vorwurf, ich würde es mir einfach machen, gelten lassen müssen. Ich habe aber dargelegt, warum es mir in diesem Fall gar nicht möglich war, Abraham im gewünschten Maß zur Seite zu springen: Ich hatte Urlaub! Ich konnte ein Minimum an Hilfestellung leisten und den Kommentar entfernen. Dass Heinrich ihn dann wieder hier veröffentlicht hat, hat meine Maßnahme natürlich ad absurdum geführt. Ich hielt und halte es im Nachhinein nicht für nötig, Abraham zur Seite zu springen, weil er es nicht nötig hat. Der Fall ist geklärt.

    Wir hatten schon einmal den Fall, dass einige Blog-User die Sperrung eines Users wegen vermeintlich rassistischer und antisemitischer Inhalte verlangt haben (rü). Auch alterbutts Disziplinierung wurde schon gewünscht. Ich habe mich in beiden Fällen gegen eine Sperrung gewehrt, und das war richtig so. Ich werde von dieser Maßnahme auch weiterhin nur dann Gebrauch machen, wenn es wirklich nicht anders geht. Gerade dieser Thread hier hat aber gezeigt, dass es anders geht.

  65. Ich stimme Bronski, Werner und Heinrich zu, dass es besser ist, mit dem Autor kritikwürdiger Beiträge ersteinmal zu diskutieren. Es kann halt vorkommen, dass bestimmte Aussagen schnell missverstanden werden können, oder der Autor sich vielleicht unglücklich ausgedrückt hat. In einem solchen Fall sollten Hintrergründe erstmal ermittelt werden. Ist ein Beitrag dagegen eindeutig menschenfeindlich oder rassistisch, bleibt einem Moderator keine Wahl.

    Ich hatte den ersten Beitrag W. Schmids ebenfalls als antisemitischen Seitenhieb verstanden und unter #14 entsprechend kritisiert. Ich muss nun aber einräumen, dass es besser gewesen wäre, ihn direkt anzusprechen und ihm konkrete Fragen zu stellen.

  66. @ fox: morgen kann ich leider nicht, das Gallus steht auf dem Tagesplan. Leider liegt die Rundschau nicht mehr am Main, um mal Richtung Bronski hochzuwinken. 😉

    Ich lese dann in der Nacht die Gute-Nacht-Geschichte von Euch mit Pfeiffer. 🙂

  67. @Bronski zu 79
    WARUM reagierst du hier nicht? Der erste Satz ist eindeutig antisemitisch! Und der zweite Satz ist es in seiner beabsichtigten Mehrdeutigkeit auch. Wie deutest du denn in dem Zusammenhang „Kommandos mit der Hand“ ? Sicher nicht als eine Form der friedlichen Gebärdensprache. Hier ist doch ganz klar der Ausdruck von Gewalt gemeint.
    Wenn du diesen Kommentator nicht sperrst, dann heißt das, dass jeder hier Narrenfreiheit genießt, sofern es ihm gelingt, in diesem Blog den Bekloppten zu spielen.

    Maat (sich sehr aufregend)

  68. @Bronski
    Danke!
    @ I.Werner
    Nur damit keine Missverständnisse aufkommen. Durch die Löschung des Kommentars durch Bronski hat sich die Abfolge der Nummern verschoben. Ihren Beitrag meinte ich natürlich nicht.

  69. Hoffentlich wird das morgen kein „Flopp“ für dich, Bronski. Ich drück die Daumen für eine lebhafte Beteiligung.
    Und schön fänd ich, wenn du Heinrich und Abraham wieder hier hinein holen würdest. Gute Nacht.

  70. @ maat

    Sehr treffend, deine scharfsinnigen Analysen und deine Interventionen in Sachen Antisemitismus! Es gibt also doch noch jemanden, die sich hier dagegen ausdrücklich zur Wehr setzt.

    Da es hier es also zumindest eine Person gibt, bei der das Gehör finden könnte, hier doch noch ein vertiefender Kommentar auch von mir:

    NOCHMALS: ZUM ANTISEMITISMUS UND RASSISMUS UND DEREN BIGOTTER BEHANDLUNJG IM FR-BLOG:

    Ich war just zu dem Zeitpunkt meiner Sperrung hier in die Lektüre eines Textes von Foucault über einen Begriff des „Wahrsprechens“ in der griechischen Philosophie vertieft, der Tugend, in angemessener Weise frei die Wahrheit bzw. das zu sagen, was man denkt. In bestimmten Situationen ist danach die Tugend der „Parrhesia“ gefragt: „Ein Mensch erhebt sich in Gegenwart eines Tyrannen und sagt ihm die Wahrheit“, und zwar unverblümt, inmitten der Schaar schmeichelnder Höflinge, und im klaren Bewusstsein der Nachteile, ja Gefährdungen, die für ihn damit verbunden sein können.
    Platon wird von einem Verehrer in Syrakus zu dem Tyrannen Dionysios geführt – zu dem aus Schillers Ballade – und hält einen Vortrag über verschIedene Tugenden, zumal die der Gerechtigkeit. Dionysios versteht die darin enthaltene Kritik an ihm und kann Platon natürlich nichts entgegensetzen. Stattdessen gerät er in Wut und versucht zu bewirken, dass Platon getötet oder zumindest in die Sklaverei verkauft wird. „Das wird Platon nicht schaden, denn gerecht, wie er ist, wird er selbst als Sklave noch glücklich sein.“

    Nun fehlt mir leider der philosophische Horizont Platons und Bronski fehlt zum Glück die Macht des Dionysios, aber die Parallelen werden hier in bescheidenem Ausmaß deutlich: Ich sage ihm, was ich denke, ob er mich dafür sperrt oder nicht, und Bronski reagiert mit den Mitteln seiner administrativen Macht statt mir auf der gleichberechtigten Ebene des Diskurses zu begegnen, wohl wissend, dass er da keinen Stich bekäme. Dabei hat er noch die Stirn hier zu verkünden, wie einfach es andere sich im Gegensatz zu ihm machten. In Bezug auf Abrahams Position ist er nicht nur unlogisch, sondern befleißigt sich der Methode, die in der Deutsch-Didaktik „Sprache der Demagogie“ heißt. Er unterschiebt, um ihn kritisieren zu können, Abraham eine Position, die der natürlich nicht vertreten hat, nämlich, „dass Menschen in ‘Kategorien’ eingeteilt werden“ führe zwangsläufig zu Ausländerfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus. Wer es sich da „wirklich zu einfach“ macht, das liegt hier offen zutage.

    Einer, der in jüngerer Zeit in bewunderungswürdiger Weise die Tugend der Parrhesia an den Tag gelegt hat, war der türkische Armenier Hrant Dink, der in der Türkei das tabuierte Genozid an den Armeniern ins Bewusstsein gehoben und gleichermaßen sich für ein friedliches Zusammenleben von Türken und Armeniern eingesetzt hat.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hrant_Dink

    Noch unter dem Eindruck von Morddrohungen seitens türkischer rechter Nationalisten, die diese kurz darauf wahr gemacht haben, leistet er in einer öffentlichen Rede zur wütenden Empörung seiner Widersacher folgende präzise Zusammenfassung:

    „Ich lehne jede Diskriminierung von Minderheiten, die sich anders definieren und mit denen man zusammenlebt, ab. Diese Minderheiten zu diskriminieren, auf sie herabzusehen, das ist Rassismus, und das ist eins der größten Verbrechen auf der Welt.
    Ob sie nun einen Türken, einen Armenier, einen Homosexuellen oder eine Frau diskriminieren, nur, weil sie so sind, wie sie sind: das ist für mich Rassismus.“

    Man beachte den feinen Unterschied: „SICH anders definieren“ ist eine Entscheidung der betreffenden Subjekte. Sie daraufhin oder sogar unabhängig davon von außen zu kategorisieren, was ja nur geht, indem man ihnen besondere und differente Merkmale zuordnet, ist allerdings schon mehr als der Beginn von Rassismus, was sich anhand zahlreicher sinnfälliger Beispiele belegen ließe.

    Wenn ich mir unsicher bin, was z.B. Diskriminierung von Homosexuellen bedeutet, frage ich am besten eine(n) solche(n). Will ich wissen, was Antisemitismus bedeutet, frage ich zumal einen Juden. Der hat aus seinem Erfahrungshorizont und seinem Kontext heraus ein besseres Gespür dafür als ich. Zwar gibt es unter den „Betroffenen“ jeweils verständliche Fälle von Paranoia, aber ich käme niemals auf die Idee, einen besonnenen und differenziert denkenden Juden, als welchen Abraham sich hier über Jahre erwiesen hat, in Sachen Antisemitismus belehren zu wollen. Den Versuch, das zu unternehmen, nenne ich Ignoranz. Findet ein treffenderes Wort dafür!

    @ BvG

    Ich käme auch nicht auf die Idee, mit Abraham darum konkurrieren zu wollen, ob wir beide in unterschiedlichem Maße oder gleichermaßen von Antisemitismus betroffen seien. Meine Verwandten sind nicht in den Vernichtungslagern umgekommen oder hatten das Glück, ihnen vorher zu entfliehen. Inwiefern trotzdem die ganze Gesellschaft mit uns allen betroffen ist, das sagt uns sehr prägnant der evangelische Theologe Martin Niemöller, der nach anfänglichen Versuchen, sich mit den Nazis zu arrangieren, in die KZs Sachsenhausen und Dachau geworfen wurde:

    Als sie die ersten Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Kommunist.
    Als sie die ersten Juden holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Jude.
    Als sie die ersten Katholiken holten, habe ich geschwiegen; denn ich war kein Katholik.
    Als sie mich holten, war niemand mehr da, der seine Stimme hätte erheben können.

    Dass du nach dieser vorgängigen Diskussion hier Abraham als angeblich „Fremden“ freunlich-gnädig zu umarmen versuchst, ist doch eine Peinlichkeit. Er ist mir von allen, mit denen ich hier je in die Diskussion geraten bin, und das waren nicht wenige, einer der Vertrautesten, du Fremdling.

    Wird fortgesetzt

  71. Ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht, wie Bronski hier ungeniert einen solchen Eiertanz aufführen kann: löschen, nicht löschen, sperren, entsperren, und zu zentralen politisch-ideologischen Fragen in seinen Begründungen im wesentlichen mit verharmlosenden Gemeinplätzen daherkommen kann.

    Wer drei Kommentare von mir gelesen hat, wird mir doch wohl kaum unterstellen wollen, dass ich in diesen Fragen plötzlich als engstirniger Dogmatiker auftrete. Ich nehme ganz schlicht das Problem so ernst, wie es ist. Antisemitische Äußerungen als ein klein bisschen menschenfeindlich, aber nicht weiter böse gemeint zu deklarieren, offenbart zumindest eine grobe Verharmlosung, hoffentlich nicht eine Affinität dazu. Wenn ich zu einem Polizisten bloß „Witzbold“ sage, kostet mich das fünfzehn Tagessätze, also ein halbes Monatseinkommen. Sage ich dem Richter, ich hätte das nicht so gemeint, antwortet er mir folgerichtig, „dann hättest du es nicht sagen dürfen.“

    Und Antisemitismus und Rassismus sind, egal, in welchem scheinbar harmlosen Gewande sie daherkommen, nicht irgendwelche vernachlässigungswerte Unfreundlichkeiten, sondern sind Angriffe auf die Würde des Menschen und Verstöße gegen die Menschenrechte, die als DAS oberste Prinzip der Verfassung nicht nur unseres Gemeinwesens, sondern der ganzen Völkerrechtsgemeinschaft gelten, der gegenüber sich unser Staat zum Schutz der Menschenrechte verpflichtet hat, und wenn die Kanzlerin ins Ausland reist, wird von ihr ggf. erwartet, dass sie die Menschenrechtslage dort offen anspricht. Das ist der schlichte Hintergrund dafür, dass Hrant Dink in Übereinstimmung mit unserem Grundgesetz, Urteilen des BVerfGs und internationalen Menschenrechtsdeklarationen sagt: „Das ist Rassismus, und das ist eins der größten Verbrechen auf der Welt“.

    Diese Dimension wird von Bronski offenbar völlig verkannt, oder, schlimmer, schlichtweg ignoriert, und statt bescheiden auf diejenigen zu hören, die erkennbar etwas davon verstehen, meint er noch, diese schuriegeln und über Meinungsfreiheit belehren zu können.

    Wenn du den Verdacht nicht auf dir sitzen lassen willst, dem du dich damit aussetzt, werter Bronski, dass du eine größere Affinität zu Kommentatoren antisemitischer Äußerungen hast als zu deren Kritikern, dann komm‘ bitteschön mal auf den Teppich und kehre um! Nicht HEINRICH hat hier was ad absurdum geführt, sondern du. Das Boot war trotz einigen Wellengangs solange auf Kurs, bis es ins falsche Fahrwasser geriet, als der Kapitän das Ruder wieder übernahm.

    Was die von dir hier plötzlich wieder ins Spiel gebrachten vergangenen entsprechenden Vorfälle betrifft, so hast du ja damals schon Gespenster gesehen. Denn ich habe damals darauf beharrt, die Vorgänge zu diskutieren, was du als „Geisterdebatte“ abgelehnt hast. Und nun, wo du die Geister nicht los wirst, rufst sie wieder hervor. In der dir eigenen verharmlosenden Formulierung als „VERMEINTLICH rassistische und antisemitische Inhalte“ allerdings. Die Inhalte waren nicht „vermeintlich“, sondern verdammt und eindeutig antisemitisch, auch wenn der Verfasser damals durch die Art seines Schreibens einen ähnlichen Eindruck erweckte, wie maat ihn in ihrer Analyse des Postings von b.n.w. beschreibt und kategorisch als Schutz vor Sperrung ablehnt.

    Im übrigen: Wieso genieße ich hier eigentlich nicht das Privileg, dass ggf. erwogen wird, ich könnte, was ich schreibe, so gemeint haben, dass eine Sperrung als ungerechtfertigt erschiene? Mit deinen Texten als professionellem Schreiber gehe ich jedenfalls angemessen und gerecht um. Ich lasse „das Wort stahn“, wie Luther sagt, und nehme es ernst, und wenn du etwas anderes meinst, dann schreibe etwas anderes, und wenn du meinst, was du schreibst und tust, dann denke um!

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