Der Kanzler treibt mal wieder eine Sau durchs Dorf

Text

Zu: „Sind wir zu oft krank?“ und „Merz demotiviert“, FR-Wirtschaft vom 21. und 19. Januar


Merz hat keinerlei soziale Kompetenz

Der Kommentar von Markus Decker bringt es haargenau auf den Punkt. Erneut hat Merz „eine Sau durchs Dorf getrieben“! Diesmal machen seiner unqualifizierten Meinung nach die arbeitenden Menschen bei uns zu viel krank. Dass Krankwerden und -sein etwas mit den Arbeitsbedingungen hierzulande zu tun haben könnte, kommt in der polemischen Denke des Millionärs und Bundeskanzlers nicht vor. Den Stammtisch hat er dabei aber fest im Blick!

Merz hat nicht die geringste soziale Kompetenz. Er ist in sozialen Fragen beratungsresistent und immer wieder in den neoliberalen Kategorien des Casino-Kapitalismus unterwegs! Die Blackrock-Denke aus seiner zweifelhaften Karriere bei diesem Börsen Zockern kann er offensichtlich nicht ablegen! Das prägt immer wieder seine mehr als problematischen öffentlichen Äußerungen!

Dieter Hooge, Frankfurt


Der Kanzler lässt wirklich keinen Fettnapf aus

Sind wir zu oft krank? Als Leser dieser Zeitung verbitte ich mir diese Frage. Oder ist (wird) unsere Gesellschaft schon so gespalten, dass ich nicht gemeint sein soll? Wenn ja, erkläre ich meine Solidarität mit den von einem windigen Arbeitgebervertreter in der Tagesschau verdächtigten „schwarzen Schafen.“ Die Arbeitgeber beklagen vollmundig einen Zustand, den sie durch Personalabbau, Stresserzeugung, Gewinnabschöpfung und mangelnder Reinvestition selbst herbei geführt haben. Deshalb ist die Frage nach dem „zu oft“, die von den eigentlichen Übeln ablenkt, um sie auf Sündenböcke zu schieben, infam, frech und ungehobelt. Zudem impliziert sie, die Häufigkeit oder Intension einer Krankheit würde sich nach einem vorher erstellten ökonomischen Prinzip richten. (Ab wann wird das Kontingent überzogen?) Und unser Kanzler, statt sich mit den Vorurteilen von Arbeitgebern auseinander zu setzen, oder das Problem etwas differenzierter im Hinblick auf seine möglichen Ursachen zu betrachten, schlägt sich, typisch für Brandstifter im Outlook von Biedermännern, gleich auf deren Seite. Ich fürchte, er wird es nicht kapieren, dass er als Bundeskanzler nicht einem Konzern vorsteht, sondern es mit Menschen zu tun hat, weshalb er in Zukunft wohl weiterhin keinen Fettnapf auslassen wird.

Robert Maxeiner, Frankfurt


Der Sozialstaat soll geschleift werden

Bundeskanzler Merz zieht im BaWü-Wahlkampf in billigster Stammtisch-Polemik über die mehr als 40 Millionen deutschen Arbeitnehmer:Innen her, sie würden zu viele Tage krankfeiern. Millionen fleißiger und verantwortungsbewusster Arbeitnehmer:Innen werden so pauschal von höchster Stelle diffamiert, als wenn dieses Phänomen die Hauptursache des ausbleibenden Wirtschaftswachstums sei: mit nichts, aber auch rein gar nichts tragen diese polemischen Äußerungen zur Behebung des beklagten Mißstands bei, wenn es denn einer ist. Kein Wort über die jährlich sich wiederholenden Rekordzahlen der geleisteten Überstunden (und das sind nur die offiziell registrierten). Die politische Absicht ist dabei offenkundig und klar: der Sozialstaat soll geschleift werden. Dort sitzt der „Feind“! Kein Wort über die mehr als 100 Mrd. € der sich Jahr für Jahr wiederholenden, ungeahndeten Steuerhinterziehungen in Deutschland!

Die Bevölkerung nimmt diese Äußerungen mit stillem Groll wahr, denn die 500 Mio Euro, die ein Verkehrsminister Andreas Scheuer für die verpatzte Pkw-Maut in den Sand setzte, die Milliarden an Steuergeldern die in der CORONA-Krise für FFP2-Masken und Impfstoffe von Jens Spahn versemmelt wurden, bleiben tabu. Wenn schon Populismus, dann sind auch diese Fehlleistungen anzuklagen und endlich zurückzufordern für den Fiskus. In der Wirtschaftskriminalität spräche man bei derartigen Vorfällen zumindest von einem „begründeten Anfangsverdacht“ in Bezug auf Unterschlagung und Untreue.

Es sind genau diese Widersprüchlichkeiten, die dem gesunden Menschenverstand entgegenlaufen und das Feuer der Demokratie- und Politikverdrossenheit in unserem Land nähren. Spalten statt einen, scheint die Devise zu sein!

„Die da oben können es nicht“ ist Volkes Mund geläufig. Den Feinden unserer Demokratie wird damit von der herrschenden Kaste in die Hände gespielt.

Karsten Bach, Saarbrücken


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