Das Ende der Winterzeit

Es naht der Zeitpunkt, an dem die Zeit punktuell umgestellt wird, von regulärer Mitteleuropäischer Zeit auf die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Am 25. März ist es soweit, in etwa einem Monat. Die Uhr wird eine Stunde vorgestellt, und ich kann mich schon jetzt darauf einstellen, dass ich wieder Zuschriften bekommen werde, in denen die Abschaffung der Sommerzeit gefordert wird. Tatsächlich verursacht die Umstellung jedes Mal einen Jetlag, so wie man ihn auch bei einer Reise nach Großbritannien oder (in umgekehrter Richtung) Griechenland erlebt: Bei der Umstellung auf die Sommerzeit ist die Nacht eine Stunde kürzer, bei der Rückkehr zur regulären Zeit, von manchen Winterzeit genannt, ist die Nacht eine Stunde länger. Es wird also niemandem Zeit gestohlen. Trotzdem gibt es empfindliche Menschen, die Probleme mit dieser Umstellung haben.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin ein Fan der Sommerzeit. Ich freue mich drauf. Und im Gegenzug bedaure ich jedes Mal die Rückkehr zur Winterzeit, wenn die langen, dunklen Nächte beginnen. Waren Sie schon mal ganz im Westen des MESZ-Europas in der Phase der längsten Tage des Jahres, also beispielsweise in der Bretagne oder in Galicien? In Brest in der Bretagne geht die Sonne am 21.6. um 22: 23 Uhr (MESZ) unter. Die Sommertage sind lang dort – als würden sie nicht enden. Das kommt mir sehr entgegen. Deswegen habe ich mich sehr gefreut, dass ich diesmal zu Beginn der Debatte einen Leserbrief bekommen habe, der nicht die Abschaffung der Sommerzeit fordert, sondern die der Winterzeit.

Es gab natürlich auch gleich Gegenstimmen, die ich gern ebenfalls veröffentliche, um eine Debatte zu beginnen. Hintergrund ist die Überprüfung der Zeitumstellung durch das EU-Parlament, das sich fragt: Ist die Zeitumstellung noch zeitgemäß? Aber bitte doch, unbedingt!

fr-debatteIch wünsche mir ein Ende der Winterzeit

„Auch ich bin seit längerem gegen die halbjährliche Zeitumstellung. Denn wenn es im Winter um 16 Uhr bereits dunkel wird, kann das der Volksgesundheit nicht zuträglich sein. Die angebliche Energieeinsparung kann man vergessen, ob ich abends oder morgens länger Strom verbrauche, macht keinen Unterschied. Der Diskussion über Gesundheitsgefahren kann ich nach 30 Jahren Schichtarbeit nicht folgen, eine Stunde früher oder später fällt überhaupt nicht ins Gewicht. Wenn man eine Zunahme der Verkehrsunfälle – durch die Zeitumstellung –  verhindern möchte, muss man konsequenterweise auch alle Schichtarbeit verbieten.
Ich wünsche mir ein Ende der Winterzeit und hoffe, dass ich nicht der einzige bin.“

Volker Schön, Frankfurt

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Mittag um 12 Uhr, überall auf der Welt

Wie die meisten, die sich bisher zu diesem Thema geäußert haben, bin auch ich dagegen, zwei Mal im Jahr die Uhren umzustellen. Allerdings ist die Lösung, nur noch Sommerzeit zu haben, ziemlich unsinnig. Seit vielen hundert Jahren ist Mittag, wenn die Sonne den höchsten Punkt erreicht hat – und das überall auf der Welt. Wir könnten natürlich auch dauerhaft die Uhren vier Stunden oder mehr vorstellen, dann bleibt es abends noch länger hell. Über die Unsinnigkeit einer solchen Lösung braucht glaube ich niemand zu diskutieren.

Thomas Lehmann, Metten

16 Kommentare

  1. Werner Dietrich sagt:

    Die Forderung darf nicht lauten, Ende der Winterzeit, sondern vielmehr Abschaffung der Sommerzeit. Soweit ich mich erinnern kann, begann man 1980 mit der Umstellung der MEZ.
    Man stellte die Uhr von März/April bis Ende Sep. eine Stunde vor. Ziel war, eine Energieeinsparung zu bewirken. Dies hatte sich sehr bald als Trugschluss erwiesen, dennoch verlängerte man die Dauer auf Ende Oktober. Fakt ist, die kühlste Zeit des Tages ist die Nacht, bis in die Morgenstunden. Hat etwas mit Sonnenauf und Sonnenuntergang zu tun. Genau in den kühlsten Stunden, müssen sich unsere Heizungen nach der Nachtabsenkung, gewaltig anstrengen, um wieder hoch zu heizen, und die Temperatur zu halten, als tagsüber wenn die Außentemperatur angestiegen ist.
    Fünf Uhr MEZ, bedeutet Vier Uhr Sommerzeit. Die Sonne stört das nicht, die weiß nicht, dass wir an der Uhr gedreht haben, und verändert deshalb ihr Verhalten nicht.
    Der Hinweis, auf gesundheitliche Beeinträchtigungen, ist durchaus berechtigt.
    Begab man sich vorher um 23 Uhr zur Nachtruhe, war es jetzt erst 22 Uhr, was auf Grund der noch höheren Außentemperatur, bei vielen Menschen zu Problemen beim Einschlafen führt. Was den Energieverbrauch in den frühen Morgenstunden angeht, so geht es hierbei nicht nur um kosten, sonder auch, um die viel zitierte Umwelt. Bundesweit, laufen die Heizkessel, Ölbrenner oder feste Brennstoffe, und blasen ihre Schadstoffe hinaus.
    Dass die Heizung am Abend früher abschaltet, fällt nicht so sehr ins Gewicht, da die Gebäude noch aufgeheizt sind. Die MEZ, war für unser Land, richtig konzipiert.
    Zu dieser Einstellung, sollten wir wieder zurück kehren.

  2. Anna Hartl sagt:

    Lieber Bronski,
    Schöne Worte haben sie gefunden – nie endend wollende Sommertage -.
    Also entweder packe ich jetzt doch noch meine Koffer um diese Tage in der Bretagne jeden Sommer zu erleben, oder mir ist es gleich. Hauptsache keine Zeitumstellung mehr. Obwohl ihren schönen Worten zu liebe, bin ich für die Sommerzeit.
    Mir bereitet diese Umstellerei jedesmal Probleme.
    Also weg damit.

  3. Ralf Rath sagt:

    Insofern das Europäische Parlament jüngst beschlossen hat, die Europäische Kommission damit zu beauftragen, herauszufinden, ob die Sommerzeit (MESZ) jemals sinnvoll war, wüsste ich nicht, weshalb ich mir unentgeltlich den Kopf darüber zerbrechen soll, wofür die dortigen Beamten ihren nicht zu knappen Sold erhalten. Oder kürzer gesagt: Mir widerstrebt es völlig, denen auch noch ihre Aufgabe zu erklären.

  4. Jürgen Malyssek sagt:

    So, dann soll die EU-Kommission herausfinden, ob die Zeitumstellung sinnvoll war? Da bin ich aber mal gespannt, was dabei herauskommt und welche Lobbyisten sich dazu gesellen, die garantiert Nützliches und Profitables pro Sommerzeit auffahren werden.

    Abschaffen, diesen Unsinn und der gesundheitlich viel Schaden anrichtet! Wir haben schon genug Gefahrenpotenzial durch Schichtarbeit, Nachtarbeit und Umweltbelastungen.
    Stimme ansonsten Ralf Rath komplett zu.

  5. „Seit vielen hundert Jahren ist Mittag, wenn die Sonne den höchsten Punkt erreicht hat.“ (Leserbrief Thomas Lehmann)
    Das galt sicherlich, solange man hauptsächlich Sonnenuhren benutzte. Mit der Einführung der Eisenbahn wurde aber die Einführung einer einheitlichen Zeitzone notwendig.
    Wenn man in der MEZ-Zeitzone lebt wie Deutschland, dann steht die Sonne mittags am höchsten, wenn man auf dem 15. Längengrad wohnt. Der 15. Längengrad geht aber gar nicht durch Deutschland. Selbst in Görlitz steht die Sonne heute erst um 12:13 und bei uns erst um 12:41 am höchsten.
    In vielen Ländern bezeichnet Mittag nicht 12 Uhr, sondern die Zeit zwischen 12 und 14 Uhr.
    Der Sonnenstand taugt also als Argument wenig.
    Mir geht es wie Bronski, wenn schon, dann nur Sommerzeit.
    Ich war mal in Nordschweden wandern. Es ist praktisch den ganzen hell. Also habe ich geschlafen, wenn es regnete und bin gewandert oder habe in der Sonne gelegen, wenn es nicht regnete. Herrlich, einmal von diesem Tag-Nacht-Zwang befreit zu sein.

  6. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Was hat die Tatsache, dass es in den Ländern nahe dem Nord- oder Südpol im Sommer länger hell und im Winter länger dunkel ist, mit der Zeitumstellung zu tun? Diese Gesamtlänge der Helligkeit und Dunkelheit in bestimmten Breitengraden zu bestimmten Jahreszeiten kann man doch sowieso nicht verändern. Was Probleme macht, ist die Umstellung.
    Wer es also im Sommer gerne länger hell haben will, muss nach Norden ziehen, dagegen hilft weder die Zeitumstellung noch die Festlegung auf die Sommer-oder Winterzeit.

  7. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Bronski,

    ob man die Festlegung auf die Sommer-oder die Winterzeit bevorzugt, hängt davon ab, ob man es im Sommer lieber – relativ zur Arbeitszeit – länger hell hat oder ob man mehr darunter leidet, dass man im Winter so lange bei Dunkelheit aufstehen muss. Ich persönlich gehöre zur letzteren Gruppe.
    In den Berufen mit Gleitzeit kann man selbst wählen, ob man im Sommer einen längeren hellen Feierabend haben und/oder im Winter so spät aufstehen will, dass es an mehr Tagen schon hell ist. Das wäre meiner Ansicht nach die beste Lösung.

  8. @Brigitte Ernst
    «Wer es also im Sommer gerne länger hell haben will, muss nach Norden ziehen, dagegen hilft weder die Zeitumstellung noch die Festlegung auf die Sommer-oder Winterzeit.“
    Natürlich ändert die Zeitumstellung nichts an der Länge des Tageslichtes, aber die Abende sind durch die Sommerzeit scheinbar(!) länger. Ich nehme doch mal an, dass Ihnen das nicht entgangen ist.
    Ich habe Zweifel an den angeblichen großen Gesundheitsproblemen.
    Die meisten Leute, die ich kenne, haben das Zeitumstellungsproblem jeden Montag, weil sie am Sonntag länger schlafen und dann auch nach jedem Urlaub noch viel schlimmer.

  9. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Genau, es ist mir nicht entgangen, dass es nur ein scheinbar längerer Abend ist
    – jeweils relativ zum Arbeitsende.

    Die gesundheitlichen Probleme halte ich ebenfalls für vernachlässigenswert. Ich muss ein- zweimal im Jahr einen Jetlag von 9 Stunden, hin und zurück, verkraften, häufig reisende Berufstätige noch viel mehr, da ist für mich selbst eine Stunde Unterschied unerheblich.

    Die größten Probleme haben wahrscheinlich Eltern mit kleinen Kindern, deren feste Schlafenszeiten nicht so schnell umzustellen sind. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich die schönen langen Feierabende in den 80er Jahren nicht genießen konnte, weil ich meine Kinder entsprechend später und Bett bringen musste.

  10. Ralf Rath sagt:

    Um meine heutige Verstimmung zu erläutern, die auch im Thread zum Ende der Winterzeit ihren Ausdruck findet, sei mir gestattet darauf hinzuweisen, dass gemäß dem ergänzenden Protokoll zum Vertrag von Lissabon soziale Dienste eine zentrale Funktion haben. Richtet sich das Europäische Parlament in der Frage kollektiv veränderter Tagesstrukturierungen an die Europäische Kommission, setzen sich die Abgeordneten mehrheitlich über die geltenden Grundsätze hinweg. Zwar sind soziale Dienste privatwirtschaftlich geführt, aber weitaus leistungsfähiger als der bürokratische Apparat der EU. Um also möglichst bald zu einem Entscheid zu gelangen, ob auch künftig im Frühjahr auf Sommerzeit umgestellt wird und im Herbst wieder auf Winterzeit, bleibt es geboten, sich an die einmal getroffenen Abmachungen zu halten.

  11. werner.h sagt:

    Wenn die Zeit- Umstellung den Europäern wirklich soviel Mühe macht, dass sie es nicht mehr aushalten – dann bitte die „Sommerzeit“ das ganze Jahr über!
    Ich denke noch gerne an die Jahre zurück, die wir mit der ganzen Familie und Freunden in der Bretagne verbracht haben. Immer kurz vor Beginn der allgemeinen Ferien in Frankreich. Herrlich, die langen Abende an der Küste…

  12. Gerd Radke sagt:

    Sommerzeit, ja bitte!
    Wenn die MEZ den Sommer über bleibt, dann beginnt es gegen 3.30 Uhr morgens zu dämmern- davon dürften die allerwenigsten profitieren.
    Es macht einfach viel mehr Spaß, wenn es abends lange hell ist, anstatt vom anbrechenden Tag schon in aller Herrgottsfrühe aus dem Schlaf gerissen zu werden….
    Der oft strapazierte Milchbauer, der seinen Kühen das um eine Stunde frühere Melken zumuten muß, kann das relativ einfach handhaben: einfach zwölf Tage vor der Zeitumstellung jeden Tag fünf Minuten früher melken, das merkt wirklich keine Kuh, und schon ist die Zeitumstellung bewältigt.(Ich muß auch keinem Bauern mehr erklären, was längst gängige Praxis ist.)
    Den Leuten, die mit dem aufgezwungenen „Jetlag“ argumentieren, halte ich entgegen, daß sich viele tausend Flugreisende freiwillig dieser Prozedur unterziehen, ja sogar Zeitunterschiede von mehreren Stunden in Kauf nehmen, ohne darüber auch nur ein Wort zu verlieren.
    Nur wenn die Umstellung zur Sommerzeit bevorsteht, geht das ewige Genörgel wieder los – dieses Thema bleibt halt ein Dauerbrenner.

  13. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Gerd Radke

    Sie können doch nicht die Zeitumstellung mit dem Jetlag von Flugreisenden vergleichen!
    Wenn sich letztere dieser Zeitzonenumstellungen unterziehen, dann brauchen sie sich auch nicht beschweren. Es bleibt eine persönliche Entscheidung. Was zum Teufel ist so schlimm dran, dass es abends dunkel wird?

  14. Brigitte Ernst sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    Sie sollten nicht vergessen, dass viele Menschen sich nicht freiwillig der Belastung des Jetlag unterziehen, sondern aus beruflichen oder familiären Gründen dazu gezwungen sind.

  15. Brigitte Ernst sagt:

    @ Gerd Radke

    Wer oder was hindert den Milchbauern daran, seine Kühe im Winter morgens um 6 Uhr und im Sommer um 7 Uhr zu melken?
    Er ist doch sein eigener Herr und kann sich und den Kühen den ganzen Zirkus mit der Zeitumstellung ersparen.
    Im Gegensatz zu Eltern mit kleinen Kindern, deren biologische Uhr nicht so einfach umzustellen ist, wenn es der veränderte Tagesrhythmus der Eltern, der Kitas und Schulen erforderlich macht.

  16. deutscher Michel sagt:

    Wohlwissend,dass die Sonne auch in meiner Heimatstadt nicht um 12:00 Uhr ihren Höchststand hat, halte ich es dennoch mit Thomas Lehmann.
    Außerdem finde ich 1) dass laue Sommer-NÄCHTE mit Sternenhimmel etwas wunderbares sind und 2) es jedesmal für einen beruflich bedingten Frühaufsteher schrecklich ist, sich mitten im Frühling von einem Tag auf den anderen wieder im Dunkeln wecken zu lassen.