Ukraine: Naive Scharfmacherei bringt keinen Frieden

Derzeit kann man den Eindruck haben, dass es der Ukraine gelingen könnte, sich gegen den russischen Aggressor zu behaupten. Und mehr noch: die Invasoren vielleicht sogar vollständig aus dem Land zu vertreiben und den Krieg zu gewinnen. Doch gemach! Die russischen Truppen haben in letzter Zeit herbe Niederlagen einstecken müssen, und sie sind offenbar in einem bedauerlichen Zustand: schlecht versorgt und unzureichend ausgerüstet. Es gibt immer wieder Berichte über Desertationen und Befehlsverweigerungen. Auch scheint sich zu offenbaren, dass ein ehemaliger Geheimdienstler als Oberbefehlshaber nicht viel von militärischen Dingen versteht. Mehrfach hat der russische Präsident Wladimir Putin bereits seine erklärten Kriegsziele geändert. Zuerst zielte er auf Kiew, die ukrainische Hauptstadt, offenbar ein Konzept namens „Blitzkrieg“ im Hinterkopf. Als er damit scheiterte, verlagerte er den Schwerpunkt der russischen Militäraktionen auf den Donbas. Das hat aus seiner Perspektive besser funktioniert. Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem das ukrainische Militär in die Offensive ging – zuerst im Süden des Landes mit Ziel Cherson, dann aber auch, nachdem große russische Truppenteile in den Süden verlegt worden waren, im Osten des Landes. Die Russen, die dort zurückgeblieben waren, wurden überrumpelt, und dem ukrainischen Militär gelangen unerwartet große Gelände-Rückeroberungen. Für diese Erfolge dürfte die Unterstützung durch westliche Militärtechnologie – sprich: vor allem Artillerie und Luftabwehr – mitverantwortlich sein. Ohne die Unterstützung durch den Westen wäre die Ukraine als souveränes, demokratisches Land heute wohl bereits Geschichte.

SaporischschjaDoch es gibt keinen Grund zum Jubeln, denn dies alles bedeutet, dass in der Ukraine Menschen zu Tausenden sterben – Soldaten wie Zivilisten. Dieser Krieg fordert unzählige Opfer. Es ist ein schmutziger Krieg, in dem Kriegsverbrechen begangen werden, vor allem von russischer Seite, in unfassbarer Brutalität. Die russischen Truppen gehen ähnlich gnadenlos vor wie in Syrien. Dabei kämpfen sie in der Ukraine angeblich doch gegen ein Brudervolk, das entnazifiziert werden muss. Vor dem Hintergrund dessen, was über Butscha und jetzt über Isjum bekannt wurde, ist kaum vorstellbar, wie Russland und die Ukraine jemals wieder zu so etwas wie Nachbarschaftlichkeit finden sollen. Denn die russischen Kriegsverbrechen sind vielfältig. Es wird gefoltert und deportiert, Krankenhäuser und Schulen werden ebenso bombardiert wie lebenswichtige Infrastruktur – und als Faustpfand haben die russischen Truppen außerdem das Kernkraftwerk Saporischschja als Geisel genommen. Putin spielt die nukleare Karte, und zwar nicht mit Atombomben, sondern mit dem größten anzunehmenden „Unfall“ (GAU). Eine oder mehrere Kernschmelzen in diesem Kraftwerk mit seinen sechs Reaktorblöcken hätten Folgen, die mit dem Attribut „weitreichend“ nur unzureichend beschrieben sind.

In der Ukraine ist zu besichtigen, wie schmutzig Krieg sein kann. Dieser Krieg hat für alle Länder, die sich auf russische Rohstoffe verlassen haben, konkrete und schmerzhafte Folgen. In Deutschland steht ein Winter bevor, der uns allen, wenn er kalt wird, am eigenen Leib vorführen könnte, dass wir uns zu lange auf diese Rohstoffquelle verlassen haben. Erdgas wird knapp und teuer, und damit zieht auch der Strompreis an. Die Verhältnisse, die da drohen, sind natürlich nicht vergleichbar mit denen, die in der Ukraine im Winter auf die Menschen zukommen. Deren Lebensweise ist noch zerbrechlicher als unsere. Aber auch hierzulande könnte es schmerzhaft werden. Mit schönen Grüßen von Wladimir Putin.

Schon lange wird in der Bundesrepublik von der Energiewende geredet. Immerhin erzeugen wir mittlerweile 55 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Das ist nicht wenig, könnte aber längst viel mehr sein, wenn dieses Land nicht in den vergangenen 16 Jahren wie aus dem Schlafwagen heraus regiert worden wäre. Dabei war seit langem klar, dass wir weg müssen von fossilen Energieträgern wie Öl, Kohle und Erdgas. Wladimir Putin hat, so gesehen, seinem Land einen Bärendienst erwiesen, als er anfing, die Gaslieferungen wie eine Waffe gegen den Westen einzusetzen, weil der die Ukraine unterstützt und Sanktionen gegen den Aggressor verhängte. Denn der Krieg in der Ukraine beschleunigt nun den deutschen Ausstieg aus den fossilen Energien – mit schmerzhaften, aber hoffentlich vorübergehenden Nebeneffekten wie hoher Inflation und saftigen Spritpreisen. Für den kommenden Winter musste Gas zu hohen Preisen auf dem Weltmarkt eingekauft werden, um in Deutschland Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Mit demselben Druck muss unsere Regierung nun daran arbeiten, die Abhängigkeit Deutschlands von solchen Zeitgenossen wie dem russischen Präsidenten auf Null zu fahren.

Diesen Gedanken zu Ende gedacht, kommt man zu einem Ergebnis, das überraschend wirken mag: Die Globalisierung ist an ihre Grenzen gestoßen. Das merken wir auch im Verhältnis zu China, das lange Zeit eine Art Werkbank der Welt war, das sich nun aber mehr oder weniger deutlich an die Seite Russlands stellt, auch wenn es den Konflikt mit dem Westen noch scheut und nicht gegen die Sanktionen gegen Russland verstößt. Russland und sein Vorgänger Sowjetunion waren bisher zuverlässige Handelspartner. China nicht. Doch das chinesische Gebaren im Umgang mit ausländischen Unternehmen spielt nun nur noch eine untergeordnete Rolle. Früher galt mal der Leitsatz: „Wandel durch Handel“. Dahinter steckt der Gedanke, dass Handel zu mehr Wohlstand führt, so dass die Löhne steigen und mehr Menschen besser leben können als zuvor. Und wenn sie besser leben, werden sie auch mehr Mitsprache verlangen. „Wandel durch Handel“ versprach also mehr Demokratie weltweit. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine markiert diesem Denken eine abrupte Zäsur. Es war ohnehin nur neoliberale Ideologie, denn der „Wandel durch Handel“ hat nicht verhindert, dass in Bangladesh Hunderte von Menschen in Textilfabriken verbrannten oder dass China Umerziehungslager für Uiguren einrichtete. Mit anderen Worten: „Wandel durch Handel“ mag hier und da Wohlstand gebracht haben, aber für die meisten Menschen in den Werkbank-Ländern bedeutete das nichts anderes als systematische Ausbeutung und Unterdrückung.

Dieses Denken stößt jetzt an Grenzen. Wenn ein Land wie Russland, das wirtschaftlich eng mit der übrigen Welt verflochten war, diese Verbindungen aus archaischem Antrieb – Wir sind Großmacht! Wir nehmen uns, was wir wollen! – einfach mal schnell über Bord wirft, weil es Krieg führen will, dann waren die Vorteile, die das Prinzip Handel versprach, wohl nicht überzeugend genug. Oder, das ist die andere Möglichkeit, Russland befindet sich in der Gewalt eines kranken Mannes, der nicht mehr abzuwägen imstande ist, was er eigentlich anrichtet und wie er damit nicht zuletzt seinem eigenen Volk schadet.

Seinem eigenen Volk – das klingt, als wären die Russ:innen Leibeigene. Sie sind allerdings Wählerinnen und Wähler. Müsste ihnen nicht auffallen, dass sie in einer „gelenkten Demokratie“ leben, in der Wahlen längst nicht mehr den Volkswillen abbilden? Wie können sie akzeptieren, von einem wie Putin regiert zu werden? Ich sag’s Ihnen, und das ist nichts Neues: Weil diese Menschen schlecht und vor allem nicht unabhängig informiert sind. Das ist überwiegend nicht die Schuld der Russinnen und Russen, denn der Medien-Mainstream in Russland informiert nun mal nicht unabhängig, sondern er transportiert Propaganda, Lügen und Fake News. Doch es liegt in der Hand dieser Menschen in Russland, darüber zu entscheiden, ob sie mit dieser Politik einverstanden sind. Ob sie gelenkt werden wollen. Ob sie den machtvollen Geheimdienstapparat hinnehmen, den Putin installiert hat. Denn via Internet gibt es durchaus noch Information, auch in Russland. Allerdings nicht in den ländlichen Regionen, dort, wo Putin vor allem gewählt wird und wo es kein Internet gibt. Wo es wohl auch am einfachsten ist, Wahlen zu manipulieren, weil es der internationalen Gemeinde kaum möglich ist, Wahlbeobachter in jedes Dorf zu entsenden.

Es ist zu befürchten, dass Putin verbrannte Erde hinterlassen wird. Falls er den Krieg in der Ukraine verliert – und danach sieht es derzeit aus –, wird er sich nur gewaltsam an der Macht im Kreml halten können. Ein Nachfolger, der die Dinge zum Besseren wenden könnte, ist momentan nicht in Sicht. Aber natürlich kann da jederzeit irgendeiner auftauchen. Putins Umfeld ist nebelhaft, und niemand weiß genau, was da eigentlich passiert. Ob die Dinge mit einem anderen als Putin besser werden, darf allerdings bezweifelt werden. Momentan steuert Russland mit seiner maroden, auf fossile Rohstoffe fixierten Industrie auf eine düstere Zukunft zu. Es kann nicht im Interesse der Welt sein, also auch nicht im deutschen Interesse, Russland zu schaden, aber bevor man über Russlands Zukunft nachdenken kann, muss das Land vor allem zunächst damit aufhören, sich selbst zu schaden. Und Russland muss zu erkennen geben, dass es reden will. Dass es Teil der Völkergemeinschaft sein will. Bisher, das zeigt der Krieg in der Ukraine, ist es vor allem darauf aus, eigene Interessen durchzusetzen, koste es, was es wolle. Das ist kein tragfähiges Konzept für die Zukunft.

fr-debatteMit schweren militärischen Mitteln

Als Kind habe ich die Barbarei des Zweiten Weltkriegs miterlebt. Ich sah meine Heimatstadt Münster in Trümmre sinken. Daraus entstand die Sehnsucht „Nie wieder Krieg!“ Diese Sehnsucht besteht nicht mehr. Sie ist gemeuchelt von Putin.
Unserem Bundeskanzler Olaf Scholz wird wiederholt der Vorwurf gemacht, er unterstütze die Ukraine gegen Russland nucht genug und zu zögerlich. Diese Vorwürfe kommen häufig vom ukrainischen Präsidenten Selenskyj und seinem ruppigen Botschafter Melnyk. Diese Männer sind in schwerster Not. Ihnen gehört unsere Nachsicht.
Es gibt aber auch Frauen und Männer, die keineswegs in schwerster Not sind und trotzdem solche Vorwürfe erheben. Nämlich wohlbestallte Politiker*innen, Joúrnalist*innen und last but not least Legionen von Unwissenden. Diesen Leuten sei gesagt: Deutschland trägt immer noch die Verantwortung für fast 60 Millionen Tote im Zweiten Weltkrioeg. 27 Millionen dieser Toten waren russische Menschen.
Wer jetzt meint, Deutschland müsse wieder robust und schnell gegen russische Menschen mit schweren militärischen Mitteln vorgehen, denkt brutl falsch. Solchem Denken muss Widerstand entgegengesetzt werden. Ich bin froh, dass wir in Olaf Scholz einen Bundeskanzler haben, der sich der Ungeheuerlichkeit deutscher historischer Verantwortung bewusst ist und politischen nüchtern/sachlich denkt und handelt. Naive Scharfmacherei bringt keinen Frieden.

Werner Bronstering, Münster

fr-debatteDie Ukraine sollte sich als neutral erklären

Ich bin gegen Krieg, gegen den Krieg in der Ukraine und gegen alle Kriege in der ganzen Welt.
Präsident Selenskyj hat die Möglichkeit, den Krieg in seinem Land sofort zu beenden, indem er die Neutralität für sein Land erklärt. Auch wenn es genau das ist, was Russland von ihm verlangt, so verliert Präsident Selenskyj nichts an Größe, sondern er gewinnt politische und menschliche Größe. Neutralität ist nichts Schlimmes. Schauen wir nach Österreich und in die Schweiz. Das sind Länder, die sich selbst aus Gründen der Vernunft und Menschlichkeit dazu bekannt haben. Sie leben in Frieden, in Freiheit und in demokratischen Gesellschaftsordnungen.
Fordern wir Präsident Selenskyj dazu auf, sein Land für neutral zu erklären! Fordern wir die Ukrainer und Ukrainerinnen auf, die Neutralitätserklärung von ihrem Präsidenten zu fordern, damit der Krieg sofort beendet werden muss, um Menschenleben zu retten. Alles andere kann in Gesprächen geklärt werden.

Reinhild Bergan, Hamburg

fr-debatteWenn das Kind im Sarg zurückkommt

Mütter in Russland, lasst nicht zu, dass man Eure Kinder nach dem Willen alter Männer als Kanonenfutter in einen Krieg schickt! Lasst Euch nicht erklären, dass Ihr tapfere Mütter seid. Diese Sprüche kennt man aus der Vergangenheit zur Genüge! Welche Mutter ist tapfer, wenn man Ihr Kind im Sarg zurückschickt? Stellt Euch vor, es ist Krieg, und keiner geht hin! Brecht hatte recht.

Edith Matthes, Darmstadt

fr-debatteBeschämend für die ganze Welt

Ich war immer verwundert, warum man Hitler im Zweiten Weltkrieg so lange gewähren ließ. Sogar der Papst hat damals sein Wort nicht gegen Kriegsverbrechen erhoben, von denen er nachweislich wusste. Jetzt verhängt man sukzessive Sanktionen, die dann doch nicht alles waren. Man will sich noch Optionen offenhalten. Ja bitte, was soll noch passieren? Täglich werden Menschen massakriert von russischen Bomben, die unabsichtlich und absichtlich Menschen treffen und doch immer nur eines gewollt tun: Menschen vernichten. Schon wird überlegt, was man Russland für einen Waffensiillstand anbieten könnte, und ein weiteres Dogma wird über Bord geworfen, nämlich dass mit Terroristen nicht verhandelt wird.
Hat die Welt wirklich kein Konzept gegen Tötungsmaschinen? Passiert das gleiche, wenn der Nordkoreaner durchdreht, nur weil er angeblich Atomwaffen hat? Und wenn China in Taiwan einmarschiert? Unterlassene Hilfeleistung ist eigentlich strafbar. Jedenfalls ist sie beschämend für die Welt.

Hans Werner Eitel, Bad Honnef

fr-debatteEin selbstbestimmtes Leben statt Tyrannei

Wer in Moskau durch den Pawlezkaja-Bahnhof geht, kann dort Kaffeetassen mit Stalin-Kopf und T-Shirts mit dem Porträt des Massenmörders erwerben. Der jetzige Kriegesverbrecher hat seinen Vorgänger als Diktator, während dessen Schreckensherrschaft Millionen von Menschen umkamen, wieder salonfähig gemacht. Während Millionen Russen in ihren Holzhäusern auf dem Land noch immer ohne Fließwasser und mit Plumpsklo auskommen müssen, wird der Blick der Russen auf die Vergangenheit gelenkt, als ihre Sowjetunion noch Weltmacht war. Weil viele der heute unabhängigen Staaten ihre Zukunft aber in einem demokratischen Leben mit Eigenbestimmung und nicht in einem Tyrannenstaat sehen, will Putin sue mit Gewalt heim ins Reich holen. Wie einst Hitler überfällt und massakriert er Nachbarstaaten, um sie unter seinen Einfluss zu bekommen. Dass das schon mit Tschetschenien, Südossetien, Abchasien und der Krim passierte, wird jetzt mit Entrüstung diskutiert.
Der Westen hat es vorgezogen, wirtschaftlichen Interessen statt Menschenwürde in den Vordergrund zu stellen und hat dazu geschwiegen. Schon wird wieder diskutiert, welche Angebote man dem Kriegsverbrecher Putin machen muss, damit dieser vielleicht nur einen Teil der Ukraine stiehlt und nicht Millionen, sondern nur Hunderttausende von Ukrainern masskriert. Seine Gräuektaten sieht man täglich auf sozialen Medien und im Fernsehen. Und anfangs nur zaghaft, mttlerweile aber auch schon im US-Senat hört man Rufe nach einem diesmal hoffentlich erfolgreichen Pendant zu Stauffenberg.

Lydia Unger, St. Pölten (A)

fr-debatteAbgestempelt als hysterische Panikmacher

Neben all dem Horror, den die Menschen in der Ukraine seit Putins Überfsall erleiden müssen, hätte sich schon in der Nacht zum 4. März eine weitere, für ganz Europa unvorstellbare Katastrophe ereignen können: Das größte europäische Atomkraftwerk (in Saporischschja, Anm. d. Red.) entging nur knapp einem möglichen GAU, der riesige Gebiete unbewohnbar gemacht und Verstrahlung, Krankheit und Tod gebracht hätte. Schon seit Jahrzehnten warnt die internationale Antiatombewegung vor Beinaheunfällen in radioaktiven Anlagen aufgrund von menschlichem oder technischem Versagen, Flugzeugabstürzen oder Terrorangriffen. Dafür erntet sie meist die Abstempelung als hysterische Panikmacher.
Nun aber der worst case: Krieg mit Einbezug der Atomanlagen! Und allseits völligen Ratlosigkeit bei Experten und Politikern, wie mit dieser doch eigentlich „nie möglichen“ Situation umgegangen werden kann. Atomtechnologie ist nicht zu schützen. Und eine Rakete in der Hand eines machtbesessenen Diktators genügt, um unsere Welt noch weiter ins Chaos zu stürzen. Strahlung kennt keine Grenzen.
„When will we ever learn?“ (Bob Dylan)

Christiane Uhl, Meinhard

fr-debatteVergesst die Bündnispartner nicht!

Es mag sein, dass Deutschlands Alliierte wünschen, dass die deutsche Regierung Panzer an die Ukraine liefert… Doch haben die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande etc Panzer geliefert oder zu liefern versprochen? Ich meine, nein! Was soll dann dieser Artikel, wer lanciert ihn und warum? Soll die Koalition unter Druck gesetzt werden? Diesen „Stil“ kenne ich bisher nicht von der Redaktion der FR! So habe ich mir die jetzt viel zitierte Zeitenwende nicht vorgestellt. Wenn man solche Forderungen an die deutsche Regierung in die Zeitung schreibt, dann sollte man die anderen Bündnispartner nicht vergessen, ehe man die SPD und den Bundeskanzler anmacht.

Carsten Dietrich Brink, Gauting

fr-debatteFrieden schaffen ohne Waffen findet nicht statt

Die ganze Menschheitsgeschichte hat Gewalt durch Kriegshandlungen über Jahrhunderte erleben müssen, selbst dann,wenn Konflikte eine friedliche Lösung möglich erscheinen lassen. Wer Gewalt als Mittel politischer Machtdemonstration anwendet, hat den Frieden bereits hinter sich gelassen. Putins Kehrtwende, sich von Europa zu verabschieden, weil er die westlichen Demokratie als schwach und uneinig sieht.
Die Eigendynamik eines Kriegs trägt den Charakter in sich, nur Sieg oder Niederlage, beenden einen Konflikt wie er gerade stattfindet. Eine regelbasierte Ordnung ist in einem autokratisch geführten Staat – Russland – für Putin undenkbar. Das ist die Tragödie, die einen denkbaren Frieden in dieser Zeit – das Gebot der Menschlichkeit, den Vorzug zu geben ist gescheitert. Frieden schaffen ohne Waffen findet nicht statt. Die Aufrüstung in der Welt geht weiter – in Deutschland mit 100 Milliarden Euro.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

fr-debatteDas Ende eines Geschäftsmodells

Was bedroht Russland am meisten ? Es ist das Ende des fossilen Zeitalters und damit des Geschäftsmodells, auf dem es beruht. Was kann aus der Sackgasse, in der dieses Land steckt, führen? Ein Angebot zur Transformation Russlands in den nächsten 50 Jahren hin zu einem wirtschaftlich konkurrenzfähigen Staat in einer lebenswerten gesellschaftlichen Verfassung. Dazu müssen wir in der Zukunft Russland dafür bezahlen, dass es immer weniger Gas und Öl fördert und auf kriegerische Auseinandersetzungen verzichtet. Um so etwas umzusetzen, bedarf es heute selbstredend einer Schuldselbsterkenntnis und eines Willens zur Wiedergutmachung.

Matthias Hamann-Roth, Hemmingen

fr-debatte

Ukraine: „Russische Kriegslogistik geschwächt“, FR-Politik vom 19. September

Leserbrief zu „Gibt es mehr als die Kriegslogik ?“ v. 20. 9.22 FR vom 12.08.2022, Artikel „Kein Schlupfloch für Reisefreudige“ auf S. 2

53 Kommentare

  1. hans sagt:

    Putin wird den Krieg nicht verlieren. Ich wüsste keinen wirklichen Grund der ihn hindern sollte Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Es werden zu Anfang wohl eher taktische Atomwaffen sein. Das wird aber nur passieren wenn sich noch weitere Niederlagen an der Front abzeichnen. Das könnte wohl nur China verhindern aber warum sollten sie das machen? Ich denke sie schauen jetzt schon interessiert zu wie der Westen sich verhält. Wie man aus der Nummer raus kommen will weiß ich nicht. Das ist übrigens beim Thema Energiewende auch so. Um Fraunhofer oder Agora ist es die letzten Monate sehr ruhig geworden. Erdgas hat in den Szenarien die von ihnen gerechnet worden sind in den 2030er Jahren ein überragende Rolle als Regelenergie gespielt. Derzeit ist nicht absehbar wie diese Rolle ersetzt werden kann. Ein Kohleausstieg bis 2030 halte ich , zumindest bis ich das Gegenteil aufgezeigt bekomme. für Geschichte. Für den Klimawandel sind das jetzt keine guten Nachrichten. Klar sollen die EE ausgebaut werden aber es braucht eine Lösung für die Zeit wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind weht und das sollte Gas sein bis in 20 Jahren Wasserstoff kommt.

  2. Heike Langfeld sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronstering, zu Ihrem Leserbrief vom 21.9. möchte ich anmerken, dass die von Ihnen benannten Toten aus der Sowietunion stammten und nicht aus Russland. Die Ukraine verlor damals ein Viertel ihrer Bevölkerung, 8 Millionen Menschen, und die Deutschen hinterließen darüber hinaus verwüstete Landschaften. Die Ukrainer trugen eine Hauptlast dieses Krieges. Damals wurde Hitler leider noch nicht gestoppt und brachte unsägliches Leid für Millionen von Familien. Die Ukraine litt unter Stalin und dann unter den Deutschen. Auch das verpflichtet uns, nicht erneut dieses Land einem imperialen Aggressor auszuliefern. Bedenken Sie bitte auch, dass auch Deutschland damals nicht mit Verhandlungen von seinem Terror abließ. Wir verdanken es dem Militär anderer Länder, dass wir heute in Freiheit leben dürfen. Ich wünsche der Ukraine Frieden in einem befreiten souveränen Staat.

  3. Klaus Pulter sagt:

    Sehr geehrter Herr Bronstering,
    wie Frau Langfeld schon klarstellend schrieb, gehört es zu den historischen Fakten, dass gerade die Ukraine und auch Weißrussland am stärksten unter dem deutschen Terror im zweiten Weltkrieg gelitten haben.
    Soviel Klarheit und Wahrheit ist gerade in der heutigen Zeit wichtig! Und diese Klarheit wünschte ich mir auch in Ihren weiteren Ausführungen. Deutschland geht eben nicht mit militärischen Mitteln gegen Russland vor. Deutschland erfüllt seine völkerrechtlich gebotene Beistandspflicht gegenüber einem souveränen Staat, der einem brutalen Angriffs- und Eroberungskrieg ausgesetzt ist. Das Recht zum Beistand ist völkerrechtlich verankert und auch moralisch geboten.

  4. Klaus Pulter sagt:

    Sehr geehrte Frau Bergan,
    Ihren Beitrag halte ich bestenfalls für naiv.
    Die Ukraine soll sich einfach neutral erklären und dann ist alles vorbei? Glauben Sie dieses Märchen wirklich?
    Sie schreiben hier dem Opfer (der Ukraine und ihren Menschen) eine Verantwortung zu, die diese nicht hat!
    Dieser Mann und seine kriminelle Bande die Verschnaufpause dankbar hinnehmen und die in der Folge möglicherweise getroffenen Vereinbarung bei nächter Gelegenheit wieder brechen.
    „Präsident Selenskyj hat die Möglichkeit, den Krieg in seinem Land sofort zu beenden, indem er die Neutralität für sein Land erklärt.“
    Wie soll das gehen? Glauben Sie wirklich, dass Russland sich aus den besetzten Gebieten zurück zieht?
    Denn nur dann wäre der Krieg in seinem Land beendet.
    Oder sagen Sie den ermordeten, gefolterten und vergewaltigten Menschen in den besetzten Gebieten einfach: Tut mir leid, für den ‚Frieden‘ müsst ihr das jetzt hinnehmen?

  5. Roland Wolter sagt:

    Liebe Frau Uhl,

    Ihr Brief zum möglichen GAU in der Ukraine und anderswo spricht mir aus dem Herzen, und die neuerliche Debatte in Sachen Atomkraft seitens der Politik finde ich empörend.
    Ich möchte aber zu Ihrem Schlusszitat eine bescheidene Korrektur zum Besten geben: Es war der große Pete Seeger, der bereits 1955 das zeitlose Anti-Kriegs-Lied „Where have all the flowers gone“ verfasste. Dort wird am Ende jeder Strophe zweimal die besorgte Frage gestellt: „When will they ever learn?“. Jahre später antwortete Bob Dylan resignierend: „The answer, my friend, is blowin` in the wind …“. Es ist zum Verzweifeln.

  6. Hallo Bronski,
    schön dass sie wieder da sind. Ich hoffe sie hatten im Urlaub eine gute Zeit. Die Probleme sind immer noch da, leider.
    Die Klimaseite in der FR ist sehr zu begrüßen, nur, es gäbe da strukturelle Verbesserungen. Man müsste sich erst mal ehrlich machen.
    Hans Einschätzung zur allgemeinen Lage muss man wohl zustimmen. Bezeichnend war gestern Abend im TV eine Sendung über Katar, alles über Erdgas, es gibt dort anscheinend Unmengendavon, alle Welt möchte gerne etwas davon haben, es hieß, die Katarer seien bemüht, nachdem das Vorkommen erschöpft sei, eine Folgeindustrie aufzubauen. Kein einziges Wort in der ganzen Sendung, was die Unmengen Gas in der Atmosphäre anstellen würde. CO2 kam einfach nicht vor.
    Hierzulande sieht es nicht anders aus. Es geht um Gas, um Preise dafür und das wars. Die Tagestemperaturen sind ja auch wieder moderat und länger als drei Tage scheint in der Politik niemand zu denken.
    Vor einigen Tagen in der FR ein Artikel über Windgeneratoren. Nach wie vor wird alles unternommen, neue Anlagen zu verhindern, die alten Seilschaften scheinen noch zu funktionieren,Altmaiers Schatten allenthalben. Es muss mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, dass die fossile Industrie/Kapital und die Politik nicht daran interessiert ist Gas, Kohle und Öl in Acht und Bann zu tun sondern alle Bemühungen nach wie vor blockiert und hintertreibt.Anders kann man es nicht nennen. Gute Vorhaben wie die Klimaseite der FR, die dies aber nicht thematisieren ,wirken dann wie wenn man überall bemüht sei, dass Klima zu stabilisieren. Dies ist aber nicht so, denn wenn dem so. wäre, wären wie schon viel weiter. Auch mit der Ampel geht es nicht vorwärts. Wie soll es auch, Herr Scholz,der Kanzler (!) will offensichtlich nichts ändern sondern macht wie in den beiden vorherigen Regierungen weiter wie gehabt – sein Motto – weiter so und das gilt für Regierungen und Verwaltung. Der grüne Ministerpräsident in Baden-Württemberg ist ein unschönes Beispiel. Und wir Bürgerdeppen gehen am Freitag demonstrieren, als ob das etwas brächte. Es macht mich wütend.

  7. Siegfried Kowallek sagt:

    Lydia Unger aus St. Pölten führt in ihrer Zuschrift aus, Wladimir Putin habe seinen Vorgänger als Diktator, Josef Stalin, während dessen Schreckensherrschaft Millionen von Menschen umgekommen seien, wieder salonfähig gemacht. Dankenswerter Weise hat die Frankfurter Rundschau die Aufmerksamkeit auf einen weiteren Aspekt des Stalinismus gelenkt. Völlig zutreffend stellte der Schriftsteller Martin Pollack in der FR vom 06./07.08.2022 heraus, gelänge die Okkupation der Ukraine, würden die Russen nach altem stalinistischen Vorbild ganz sicher als erstes die ukrainische Intelligenz liquidieren. Der Zweite Weltkrieg begann ja nicht mit Hitlers Angriff auf die Sowjetunion. Zuvor hatten die Sowjetunion und Nazideutschland gegen mehrere osteuropäische Staaten und Finnland gerichtet eine gemeinsame Aggression vereinbart und auch umgesetzt. Dazu gehörte dann auch die von Stalin 1940 veranlasste Ermordung von etwa 4400 gefangenen Polen, größtenteils Offizieren, in einem Wald bei Katyn. An weiteren Orten wurden bis zu 25000 Berufs- oder Reserveoffiziere, Polizisten und Intellektuelle, also überwiegend Angehörige der Vorkriegseliten der unabhängigen Zweiten Polnischen Republik, ermordet. „Katyn“ steht in Polen für diese Mordreihe. Dass der Lenin-Hasser und Stalin-Verehrer Wladimir Putin im Falle eines Sieges im Rahmen eines Katyn II dieses Mal die ukrainische Intelligenzia auslöschen würde, ist so sicher wie früher das Amen in der Kirche. Putin hat inzwischen den Rubikon überschritten, kann somit kein Gesicht mehr verlieren, deshalb bleibt den Ukrainern tatsächlich nur die Option, sich erfolgreich zu wehren.

  8. hans sagt:

    zu @ Jürgen H.Winter
    Hallo Herr Winter,
    schön das sie mir bei der leider nicht so erfreulichen Diagnose zustimmen. Bei der neuen Regierung sind sie aber zu ungeduldig. Es ist offensichtlich sehr schwer Änderungen durchzusetzen. Man braucht sich nur anzusehen mit welcher Begeisterung die Union für AKW kämpft. Dabei steht heute im Bundestag ein Gesetz an das ähnlich wichtig ist aber kaum Beachtung findet. Die nächste Novelle des Energiesicherheitsgesetz wird hoffentlich auch kurzfristig mehr Ertrag bei den EE ermöglichen der knapp an das ran reichen könnte was die 3 AKW darstellen können. Es interessiert nur keinen. Daran sieht man das Problem der neuen Regierung. Das Osterpaket ist erst im August in Kraft getreten. Das kann noch nicht viel erreicht haben. Oder die erste Offshore Sonderausschreibung über ein GW Windenergie ist seit wenigen Tagen beendet mit eigentlich einem erfreulichen Ergebnis aber auch mit einem Inbetriebnahmetermin 01.01.2027. Sie sehen das geht alles nicht so schnell selbst wenn eine Regierung will. Dazu kommen noch die bekannten Probleme. Also das mit Klimaneutral 2045 können wir wohl abschreiben. Das ist nicht zu schaffen unter den derzeitigen Bedingungen und die ändern sich so schnell auch nicht zum positiven.

  9. Sehr geehrte Frau Langfeld, sehr geehrter Herr Kowallek,
    ich bin Ihnen außerordentlich dankbar, dass Sie aus Ihrer profunden historischen Kenntnis an die deutschen und russischen Verbrechen am Volk der Ukraine erinnern. Ich muss gestehen, dass ich davon bisher zu wenig wusste, aber zugleich irritiert bin. Denn ich entnahm kürzlich der Presse, dass Botschafter Melnyk in einem Interview behauptete, siebzig Prozent der ukrainischen Bevölkerung, das sind praktisch alle nicht russisch sprechenden dortigen Menschen, würden Stepan Bandera „positiv bewerten“. Über Bandera habe ich erfahren, dass er als Mitstreiter Hitlers nicht nur für den Tod von tausenden Juden mitverantwortlich war, sondern auch Massaker an mindestens 50000 Polen anführte, weswegen ich eine Empörung über Melnyks Behauptung in Polen verstehe. Selbst wenn Melnyks Sicht nicht der Wirklichkeit entspricht, ist mir völlig unverständlich, dass er nicht bemerkt, wie sehr er damit Putin unterstützt in seiner Behauptung, er müsse die Ukraine entnazifizieren. Es hat zwar auch bei uns bis zur Rede von Bundespräsident von Weizsäcker am 8. Mai 1985 gedauert, bis ein führender Repräsentant das Kriegsende nicht mehr als Zusammenbruch, sondern als Befreiung bezeichnen konnte. Aber streng genommen ist auch die Ukraine durch Stalin von Hitlerdeutschland befreit worden. Dass dies in der Ukraine noch mehr als bei uns gemischte Gefühle hinterlässt, ist für mich verständlich. Dass deswegen aber am 14.4.2014 die ukrainische Regierung die „Antiterroroperation“ beginnen musste, den Krieg gegen die eigene russisch orientierte Bevölkerung, kann ich nicht nachvollziehen. Ich kann noch einen Sinn darin sehen, Waffen an Kiew zu liefern, damit nach Putins Eintritt in den Bürgerkrieg ein militärisches Patt zum Waffenstillstand bewegt, in der Hoffnung, dass die Hitzköpfe beider Seiten nicht erst nach Abwurf von Atombomben einlenken. Dass wir jedoch durch den Wirtschaftskrieg Russland „ruinieren“ wollen, damit aber noch mehr Geld in Putins Kriegskasse schaffen, ist mir nur dadurch erklärbar, dass noch zu viele Deutsche als selbstzerstörerische US-Vasallen die Schmach von Stalingrad sowie die Schande der russischen Fahne auf dem Brandenburger Tor rächen wollen und dafür unsinnigerweise den Ruin der europäischen Wirtschaft in Kauf nehmen. Brauchen wir diesen Ruin zu unserer Entnazifizierung?

  10. hans sagt:

    zu @ Friedrich Gehring
    Es hat ja lange genug gedauert bis wir gemerkt haben das Putin einen Wirtschaftskrieg gegen uns führt. Die Fragen die man stellen muss sind nicht so weit in der Vergangenheit wie sie vermuten. Letzten Winter haben wir nur Glück gehabt das er so warm war sonst hätten wir große Probleme bekommen weil Putin die Gasspeicher die er Jahre vorher verkauft bekommen hat leer gefahren ist. Da hatte D. noch gar nicht bemerkt was zu erwarten ist. Man kann auch noch 10 Jahre zurück gehen und sich fragen warum Putin Nord Stream 2 überhaupt nach Westen und nicht nach Osten gebaut hat obwohl die Gaspreise dort schon immer deutlich höher waren als bei uns. Dieser jetzt laufende Wirtschaftskrieg wird von Putin seit Jahren vorbereitet und hat mit der fernen Vergangenheit nur insofern was zu tun das er wenn möglich die Grenzen von 1980 wieder herstellen will.

  11. Ich gestehe ein, dass auch ich Putins Wirtschaftskriegsvorbereitung nicht bemerkt habe. Andererseits lese ich als Theologe in Lk 14,31f: Wer mit 10000 Mann einen Krieg anfangen will und dann noch rechtzeitig bemerkt, dass der Gegner 20000 Mann hat, wird vernünftigerweise eine Gesandtschaft schicken und um Frieden bitten. Auch wenn wir es zu spät gemerkt haben, hätten wir aus Selbstschutzgründen die Sanktionen bleiben lassen sollen. Auch jetzt noch gilt: Eher spät als zu spät. Minister Habeck hat von Anfang an die Gefahr betont, dass die Sanktionen Putin reicher machen könnten. Ich versuche derzeit, meinem Enkel, organisiert in einer Kindergartenbande, zu erklären: Wer austeilt, wird auch einstecken. Ministerin Baerbock sprach jüngst von Putins „Erpressungsversuchen“, nachdem sie zunächst geprahlt hatte, Russland durch die Sanktionen zu „ruinieren“. Wie lange kann ihr noch egal sein, dass ihre Wähler:innen denken, dies sei Kindergartenniveau? Leider bemerken dieses Niveau derzeit nur Realist:innen wie Wolfgang Kubicki und Sahra Wagenknecht. Und deren Parteifreund:innen fallen dann noch über sie her, statt daraus Kapital zu schlagen für die nächsten Wahlen.

  12. Hallo Hans,
    danke für die Details zum Klima. Was ich überhaupt nicht begreife, ist, wie locker die Menschheit hier und im Rest der Welt mit dem Klimaproblem umgeht. In der FR vom 13.9. gab es einen Bericht mit Interview von Herrn Schellnhuber, in dem gut verständlich vom Klimaexperten die gegenwärtige Situation beschrieben wurde. Es ist ein Desaster. 50% des Desasters sind bereits da, die andren 50% sind auf dem Weg und wenn man sich betrachtet, was erforderlich wäre und was tatsächlich passiert, dann sind die anderen 50% uns so gut wie sicher. Was ist los mit den Menschen ? Noch drei Jahre Trockenheit hier und wir können den Laden zu machen.Da muss man kein Experte sein sondern es reicht, in den Wald zu gehen. Selbst da, wo die Bäume schon tot sind wird der Bau von Windkraft verschleppt. Aufforsten hat auch keinen Sinn wg. fehlenden Wassers. Wenn sie schreiben, 2045 als Enddatum für fossile Energie sind nicht mehr haltbar – Schellnhuber sagt bis 2030 ist das MUSS, sonst sind auch 3 Grad nicht zu halten. Was wird mit den ganzen Flüchtlingen ?? Es wird >Kriege geben, Seuchen, Hunger und was weiß ich und niemand zeigt so richtig Interesse, es ist mir unbegreiflich.Mal sehen. wie viel Leute in FFm morgen zur Demo kommen ! Ich hoffe, ich halte das mit meinen 84 Jahren noch mal durch !

  13. hans sagt:

    zu @ Friedrich Gehring
    So unterschiedlich kann man das sehen. Sie meinen das Putin überlegen ist und den Krieg gewinnt. Ich sehe das nicht so. Den derzeitigen Stand im Wirtschaftskrieg oder auch in dem Krieg in der Ukraine hätte sich Putin wohl vor einem Jahr auch in seinen Alpträumen nicht vorstellen können. Ich erwarte zwar das er vor Massenvernichtungswaffen nicht wirklich zurückschreckt aber ob er es macht muss man abwarten weil die Reaktionen die man die Tage bei der UNO jetzt schon zu sehen sind ihm wohl nicht gefallen können. Er kann den Krieg in der Ukraine leicht verlieren. Bei dem Wirtschaftskrieg gegen die EU sehe ich die Situation ähnlich. Seit August liefert Putin kein Gas mehr, und bekommt deshalb auch kein Geld. Die Gasspeicher sind in D. und auch in der EU voll. Außerdem werden wir in ein paar Wochen LNG Gas bekommen. Die Situation ist heute wahrscheinlich viel besser als letztes Jahr nur haben wir es letztes Jahr nicht gewusst in welcher Gefahr wir sind. Also das mit dem vielen Geld wird sich bald erledigt haben bei Putin und wir werden mit hoher Wahrscheinlichkeit gut über den Winter kommen. Was passieren wird ist das der Gaspreis nie mehr so sein wird wie die letzten Jahre. Im Nachhinein war es ein von Putin erlaubter politischer Preis mit dem man uns in die Falle gelockt hat. Diesen Preis werden wir von niemanden mehr bekommen auch wenn wir vor Putin auf die Knie fallen nicht. Gas wird in Zukunft das Doppelte kosten mindestens. Die Großhandelspreise sind seit August( siehe Netzagentur) trotz Putin um fast 50% gefallen. Das hat sich Putin so auch mit Sicherheit so nicht vorgestellt. Eigentlich hat Putin auch den Wirtschaftskrieg schon so gut wie verloren. Allerdings ist der Preis den wir zahlen müssen leider sehr hoch. Nur was hätten wir machen sollen Gasprom und ähnliches nicht verstaatlichen? Dann wären die Speicher jetzt wieder leer.

  14. Stefan Briem sagt:

    @ Friedrich Gehring

    Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie hier Putinsche Propaganda betreiben? Was ein Herr Melnyk sagt, folgt seiner eigenen Logik. Der Mann ist im Kriég, und man muss ihm nicht zustimmen. Nach meinen Informationen ist die Zustimmung zu Bandera insbesondere im Westen der Ukraine hoch. Aber Bandera ist eine schwierige Figur. Er hat mit den Hitler-Nazis zusammengearbeitet und Juden ans Messer geliefert, und er hatte die Vision einer ukrainischen Nationalität. Schwieriges Thema, gerade bei einem Volk, das um seine Identität ringen muss und das sich nie mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt hat, auch nicht mit deren faschistischen Aspekten. So wie übrigens auch die Russen sich nicht mit Stalins Verbrechen auseinandergesetzt haben. So banal aber, wie Sie das abtun, ist das schlicht – mit Verlaub: großkotzig. Sie erheben sich hier aus dem Westen heraus zum Richter über Menschen, die immer unterdrückt worden sind, und natürlich wissen Sie alles besser. Im Zweifelsfall mit der Bibel in der Hand. In Deutschland wurde die Nazivergangenheit gut aufgearbeitet (wenn auch wahrscheinlich nicht gut genug, siehe das Aufkommen der AfD). Davon profitieren Sie jetzt. Ich rate Ihnen: Seien Sie demütiger! Gerade mit der Bibel in der Hand. Sie haben nicht das Recht, derart abfällig über ein ganzes Volk zu urteilen. Und das auch noch mit dem Bandera-Narrativ in derselben Weise, wie die Putinsche Propaganda es einsetzt. Machen Sie sich nicht zum Propagandisten Putins! Der ist ein Autokrat, ein Menschenrechtsverächter, ein Schlächter. Es gehört sich nicht für einen Demokraten, so einem das Wort zu reden! Es sei denn, Sie sind kein Demokrat. Aber dann haben Sie hier sowieso nichts zu suchen.

  15. hans sagt:

    Hallo Herr Winter,
    ja ich habe das Gespräch auch gelesen. Was soll man sagen, ich habe dann dem einen oder anderem Freund angeboten es auch zu lesen. Es hat keiner gemacht. Das halte ich schon für eine Erklärung. Es will so genau keiner wissen. Das geht mir ja auch so. Ich habe mir das letzte Buch von Herrn Schellnhuber gekauft und angefangen darin zu lesen. Vor 4 Wochen habe ich aufgehört und frage mich seit dem ob ich das wirklich wissen will was da steht. Ich bin zwar erst 66 aber für mich reicht es wahrscheinlich irgendwie noch und manchmal denke ich das meine Kinder gar nicht hören wollen was ich so erzähle. Das gilt auch meinem Hobby Energiepolitik. Manchmal denke ich das ich das lieber sein lassen sollte, mich damit zu beschäftigen. Soll es die nächste Generation lösen und wenn die nicht wollen kann ich es auch nicht ändern.

  16. Hallo Hans,
    sie erstaunen mich. Ich habe immer ihren positiven Elan bewundert, ihren Optimismus. Und nun sowas.-
    Sie haben völlig Recht, es will keiner hören, viele wissen es irgendwie aber verdrängen es, darf einfach nicht sein. Es ist irgendwo auf der Schiene, jeder weiß dass er/sie sterben muss, aber man verdrängt es. Der Unterschied ist aber , beim Klima könnte man was tun, nicht dieses dümmliche, jeder kann was machen, nein grundlegend etwas ändern, aber da heißt es dann, das geht nicht. Immerhin hat der Mensch in nur 50 Jahren Raubbau die Welt ziemlich zugerichtet. Alle Rechnungen an die Natur geschickt, im weitesten Sinne. Nun schickt die >Natur Rechnungen zurück, damit war zu rechnen, aber die Folgen zu bedenken ist des Menschen Sache nicht.Es bleibt nur sich ins Schicksal zu schicken.Nur wird das für unsere Kinder nicht schön, für uns wird es wohl noch reichen, oder auch nicht, je nach dem wie es läuft.
    Trotzdem, vielen Dank für ihren Beitrag.

  17. hans sagt:

    Hallo Herr Winter,
    ich habe mein Geld mit Produktionsplanung verdient. Ich habe also gerne einen Plan von dem ich glaube das er bei allen möglichen Rückschlägen umgesetzt werden kann. Dieser Plan ist mir die letzten Monate für die Energiewende bis 2040 abhanden gekommen. Sie wird kommen davon bin ich immer noch überzeugt aber nicht 2040 sondern vielleicht 2060. Der Leidensdruck muss noch viel größer werden leider aber nicht zu ändern.

  18. Volker Harms-Ziegler sagt:

    Den Grundgedanken, Putin und seinem Regime zu schaden, bejahe ich, aber die pauschale Verweigerung der Einreise russischer Staatsangehöriger in die EU halte ich für grundsätzlich falsch. Die gesamte Bevölkerung Russlands für den Krieg verantwortlich zu machen, sollte Selenskyj vorbehalten bleiben, nicht aber der EU, die sich nicht im Krieg befindet.
    Mit pauschalen Regelungen trifft man sicherlich auch Personen, die sich aus Angst vor Repressionen nicht äußern, obwohl sie Putins Krieg ablehnen. Ganz allgemein würde die Möglichkeit verbaut, dass Besucher aus Russland ihre von der Propaganda geprägten Bilder des Westens mit der Realität vergleichen können.
    Im Artikel fand ich die zitierte Position des Leiters der Konsularabteilung im finnischen Außenministerium, nach der russische Visumanträge abgewiesen werden sollen, „bei denen man den Verdacht habe, dass die Antragstellenden vielleicht nicht nach Russland zurückwollten. Junge Männer im wehrpflichtigen Alter etwa.“ Dass Finnland kein dauerhaftes Aufenthaltsziel für desertierende russische Wehrpflichtige sein will, kann ich verstehen. Anderseits wäre eine massenhafte Ausreise von Wehrpflichtigen doch genau das, was Putin nicht will. Schon jetzt gibt es laut verschiedenen Veröffentlichungen Probleme bei der Rekrutierung.

  19. Carsten Dietrich Brink sagt:

    Es mag sein, dass Deutschlands Alliierte wünschen, dass die deutsche Regierung Panzer an die Ukraine liefert. Doch haben die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande etc Panzer geliefert oder zu liefern versprochen? Ich meine, nein! Was soll dann dieser Artikel? Soll die Koalition unter Druck gesetzt werden? Diesen „Stil“ kenne ich bisher nicht von der FR! So habe ich mir die jetzt viel zitierte Zeitenwende nicht vorgestellt. Wenn man solche Forderungen an die deutsche Regierung stellt. dann sollte man die Bündnispartner nicht vergessen, ehe man die SPD und den Bundeskanzler anmacht.

  20. Thomas Bartsch-Hauschild sagt:

    Die ganze Menschheitsgeschichte hat Gewalt durch Kriegshandlungen erlebt, selbst dann, wenn friedliche Lösungen möglich erschienen. Wer Gewalt als Mittel politischer Machtdemonstration anwendet, hat den Frieden bereits hinter sich gelassen. Putins Kehrtwende, sich von Europa zu verabschieden, weil er die westlichen Demokratie als schwach und uneinig sieht. Die Eigendynamik eines Kriegs trägt den Charakter in sich, dass nur Sieg oder Niederlage ihn beenden. Eine regelbasierte Ordnung ist in einem autokratisch geführten Staat – Russland – für Putin undenkbar. Das ist die Tragödie, die einen denkbaren Frieden – das Gebot der Menschlichkeit – scheitern lässt. Frieden schaffen ohne Waffen findet nicht statt. Die Aufrüstung in der Welt geht weiter.

  21. Matthias Hamann-Roth sagt:

    Was bedroht Russland am meisten? Das Ende des fossilen Zeitalters und damit des Geschäftsmodells, auf dem es beruht. Was kann aus der Sackgasse führen, in der dieses Land steckt? Ein Angebot zur Transformation Russlands in den nächsten 50 Jahren hin zu einem wirtschaftlich konkurrenzfähigen Staat in einer lebenswerten gesellschaftlichen Verfassung. Dazu müssen wir in der Zukunft Russland dafür bezahlen, dass es immer weniger Gas und Öl fördert und auf kriegerische Auseinandersetzungen verzichtet. Um so etwas umzusetzen, bedarf es heute selbstredend einer Schuldselbsterkenntnis und eines Willens zur Wiedergutmachung.

  22. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Thomas Bartsch-Hauschildt

    So ist es. Ob’s uns gefällt oder nicht.
    Sehen wir es in Deutschland als einen gewissen Segen an, dass der Krieg uns noch nicht direkt erreicht hat. Einen Trost bedeutet es allerdings auch nicht, in Anbetracht des Elends in der ganzen Welt der laufenden Kriege, Umweltkatastrophen und Ausbeutungen.

  23. Bronski sagt:

    Ich empfehle allen, die hier diskutieren und dabei Bandera bzw. den Maidan in den Fokus nehmen, das Buch „Euromaidan“ aus dem Suhrkamp-Verlag (2014). Ich hätte dazu eine Rezension für die FR geschrieben, wenn ich nur früher darauf aufmerksam geworden wäre. Es räumt mit zahlreichen Behauptungen auf, die mit dem russischen Propaganda-Narrativ von den Nazis in der Ukraine zusammenhängen. Das ist gerade deswegen spannend, weil die nicht aufgearbeitete faschistische Vergangenheit in der Ukraíne (Stefan Briem hat es angesprochen) von Putin genutzt wird, um zu belegen, dass die Ukraine entnazifiziert werden müsse. Das Buch enthält eine Sammlung von Texten, deren Autorinnen und Autoren – links tickende Menschen – damals auf dem Maidan waren oder die sich danach wissenschaftlich damit beschäftigt haben. Ihre Perspektive – auch auf die Rechtsextremen, die ebenfalls auf dem Maidan waren – ist überaus erhellend. Besonders interessant war für mich der Beitrag über „Politiktechnologie“ – eine Methode, mit der es dem früheren ukrainischen Präsidenten Janukowitsch möglich wurde, sich als Kämpfer gegen den Rechtsextremismus zu gerieren, indem er selbst diese rechtsextremen Tendenzen geschürt und gefördert hat – Stichwort Parteiatrappen. Eine Methode, die Öffentlichkeit aufs Glatteis zu führen. Ich gebe hier mal den Link zur Verlagsseite, auf der das Buch vorgestellt wird. Es ist noch im Handel erhältlich und hat an Aktualität nichts verloren.

  24. hans sagt:

    Putin hat letzten Sommer einen sehr aussichtsreichen Versuch gestartet eine Gasnotlage in D. herbeizuführen in dem er wo für ihn möglich Gasspeicher geleert hat. Der Versuch ist nur deshalb gescheitert weil das Wetter nicht mitgespielt hat. Ob der Versuch etwas damit zu tun hat wer bei den Demonstrationen auf dem Maidan dabei war oder nicht weiß ich nicht würde es aber auch nicht zwingend erwarten. Was dieser Versuch aber zeigt ist das es im Kern nicht um die Ukraine geht sondern das die EU sein Ziel ist. Ob er jetzt vorhatte Truppen nach Portugal zu schicken weiß ich nicht aber er will sicher seinen Einfluss auf ganz Europa ausdehnen. Nach meiner Meinung ist das der erste Schritt um den Konflikt mit den USA und China vorzubereiten. Putin hat als erstes Europa übernommen um es aus dem Spiel zu nehmen. Jetzt wird die spannende Frage sein ob China einen Verlierer als Verbündeten braucht oder haben will. Sein Ziel hat Putin auf jeden Fall schon sicher nicht erreicht.

  25. Hallo Hans,
    Sie trauen Putin den Atomwaffeneinsatz zu und hoffen, dass zahnlose UN-Verurteilungen ihn davon abhalten. Das ist mir zu kühner Optimismus. Die UNO ist beherrscht von 5 Vetomächten, die wie Feudalherrschaften samt Vasallen einander in ihrem jeweiligen Machtbereich vordemokratisches Faustrecht zugestehen. Putin hat sich an diese Weltordnung gehalten und uns nicht sanktioniert, als wir mit der NATO 1999 seine serbischen Freunde überfallen haben – unsere wahre bellizistische „Zeitenwende“ nach 1945. Mit den Waffenlieferungen an die Ukraine und den Wirtschaftssanktionen haben wir diese Weltordnung eines Waffen gestützten „römischen Friedens“ verlassen und Putin das übliche Faustrecht in seinem Machtbereich abgesprochen. Als Putin 2001 vor dem deutschen Bundestag als Gorbatschows Erbe eine neue Weltordnung auf der Basis von Sicherheitspartnerschaften anbot, wurde das Angebot als Schwäche ausgelegt und Obama versuchte angesichts der schwächelnden USA Russland als „Regionalmacht“ zu verspotten. Sie meinen, wir sollten „abwarten“, ob Putin zu Atombomben greift. Wir warten aber nicht ab, sondern eskalieren mit Waffen, wobei Sie kühn optimistisch sind. Vor Wochen wollte ich in einem Leserbrief für die FR solchen Optimismus als „endsiegberauscht“ bezeichnen. Abgedruckt wurde dann „siegberauscht“, allerdings mit dem Nachsatz: „Wir müssten wissen, wie das endet“. Ich möchte gewiss mit meiner Skepsis nicht Recht behalten, gebe aber zu bedenken: Die guten USA haben 1945 in Japan ohne Not Atombomben ausprobiert. Warum sollte der böse Putin, durch unsere guten Waffen in Not, nicht auch ausprobieren, ob mit den neuen kleinen Atombomben der Atomkrieg führbar wird? Das Risiko, dass da etwas schief geht, ist auch das unsere. Muss das nicht wenigstens nachdenklich machen, ob unsere Eskalationsmaßnahmen zu gefährlich optimistisch sind? Sind die Folgen unseres Wirtschaftskriegs für uns selbst noch nicht schlimm genug? Muss der Krieg durch Atombomben beendet werden?

  26. Sehr geehrter Herr Briem,
    Sie nehmen Herrn Melnyk in Schutz und übersehen dabei, dass Sie ihm, nicht mir, den Vorwurf russischer Propaganda machen müssen. Ihre paradoxe Sicht erscheint mir mainstreamtypisch. Vor Wochen zitierte ich den US-Peace-Council in einem Leserbrief an die Backnanger Kreiszeitung mit der Behauptung, die ukrainische Regierung habe am 14.4.2014 den Krieg gegen die eigene Bevölkerung angefangen. Die Redaktion mailte mir, aus presserechtlichen Gründen könne solche russische Propaganda nicht gedruckt werden. Ich ersetzte das US-Zitat durch eines der ARD vom 14.4.2021, dem Jahrestag der „so genannten ‚Antiterroroperation’“ (ARD). So konnte/musste man abdrucken. Diese Wahrheit von 2021 hat es heute schwer, weil wir sonst keine Waffen liefern könnten an eine solche Regierung. Melnyk behauptet den verbreiteten Banderismus, um seine eigene Banderaverehrung als normal hinzustellen und davon abzulenken, dass nicht nur Bandera, sondern er selbst und die Regierung des Landes, das die europäische Korruptionsrangliste anführt, eine „schwierige Figur“ machen. Wem gegenüber soll ich weniger „großkotzig“ und „demütiger“ werden? Den „Unterdrückten“ gegenüber, die mangels Auseinandersetzung mit ihren „faschistischen Aspekten“ nun selbst unterdrücken? Oder dem Juden Jesus, der aus guten Gründen, die wir gerade als Deutsche verstehen müssten, warnt: „Wer zum Schwert greift, wird durchs Schwert umkommen“ (Mt 26,52)? Wer nicht hören will, muss fühlen: Russland, die Ukraine und wir mit unserem Wirtschaftskrieg, der Russland „ruinieren“ soll.

  27. hans sagt:

    Hallo Herr Gehring,
    wie kommen sie auf unseren Wirtschaftskrieg? Der Wirtschaftskrieg hat begonnen als Putin seine Gasspeicher in D. im Sommer 2021 leergefahren hat. Alles andere ist eine Reaktion darauf. Zu Anfang haben wir das ja noch nicht mal gemerkt das uns jemand in die Enge treiben will und ihm die Speicher verkauft.

  28. Hallo Hans,
    wollen Sie ernsthaft einen Wirtschaftskrieg behaupten, der von Putin begonnen wurde und den niemand bemerkt hat? Wie konnte es denn dazu kommen, dass die deutschen Gasspeicher „seine Gasspeicher“ waren? Die ihm doch die deutsche Seite verkauft, wie Sie bemerken. Das ist doch die neoliberale Masche, Daseinsvorsorge zu privatisieren. Stromkonzerne bekamen das Privileg, Photovoltaikstrom billig einzukaufen und Übergewinne zu machen mit einem Weiterverkaufspreis, als hätten sie den Strom mit Gas erzeugt. Da könnten Sie von einem Wirtschaftskrieg gegen die Verbraucher sprechen, die dadurch tributpflichtig werden wie durch die unsägliche Gasumlage. Diesen Krieg begannen unsere neoliberalen Regierenden und die sind gewählt worden, weil das Wahlvolk den Krieg nicht bemerkte. Das ist doch nicht Putins Schuld. Er lieferte weiter Gas, nachdem wir den Wirtschaftskrieg erklärtermaßen begonnen hatten – Frau Baerbock will größenwahnhaft Russland „ruinieren“, also einen Vernichtungskrieg führen. Jetzt bemerkt das Wahlvolk den Krieg, weil die neoliberale Selbstzerstörung nicht mehr zu übersehen ist. Das Volk sollte jetzt aufstehen und ein Ende des kontraproduktiven Wirtschaftskriegs fordern, der Putin reicher macht, wenigstens aber, alle Kriegskonzerne zu verstaatlichen und die Kriegskosten aus der beschlossenen 100 Milliarden schweren Kriegskasse zu zahlen.

  29. hans sagt:

    zu @ Friedrich Gehring
    Wie würden sie das denn nennen. Natürlich hat Putin letzten Sommer den Wirtschaftskrieg begonnen. Planen tut er das schon Jahre. Das wir ihm die Speicher verkauft haben ist Naivität weil sich hier niemand vorstellen konnte oder wollte das Putin uns so aggressiv angreift. Alles was danach passiert ist, ist Notwehr. Wenn wir jetzt die Sanktionen aufheben fährt Putin die Gasspeicher leer und wir können ihn dann fragen zu welchen Bedingungen er bereit ist uns noch was zukommen zulassen. Eigentlich völlig klar. Die Gasspeicher waren letztes Jahr um diese Zeit leer und sind es dieses Jahr nur deshalb nicht weil wir Putin die Macht darüber genommen haben.

  30. hans sagt:

    zu @ Friedrich Gehring
    https://interaktiv.waz.de/energie-preise-aktuell/gas/
    Ich will ihnen mal ein paar Informationen geben zu dem was da letztes Jahr passiert ist. Lesen sie sich den Link mal durch. Dabei werden sie feststellen das der Börsengaspreis im Oktober 2021 genauso hoch war wie im Mai 2022. Also der Markt hat auf den Angriff von Putin sofort reagiert als es klar war was passiert oder nicht passiert ist. Die Politik hat ein bisschen gebraucht zu akzeptieren das sie aufs Kreuz gelegt worden sind.

  31. Stefan Briem sagt:

    Sehr geehrter Herr Gehring,
    ich nehme nicht Melnyk in Schutz, sondern ich kritisiere Sie und Ihre oberlehrerhafte Herangehensweise. Das ist nicht dasselbe. Über Melnyk können wir uns dann und wann noch streiten, obwohl ich nicht glaube, dass wir da Differenzen haben. Mir geht es darum, dass Sie zu glauben scheinen, dass alle Menschen in der Ukraine Faschisten sind. Das heißt, Sie helfen dabei, das russische Narrativ zu verbreiten, indem Sie es vertreten, denn das ist ja genau der Vorwand, unter dem Russland die Ukraine angegriffen hat.
    Ich bestreite nicht, dass die Verehrung, die Bandera in der Ukraine entgegengebracht werden mag, problematisch ist. Ich bezweifle aber, dass es richtig ist, diese Verehrung aus einer Perspektive heraus zu kritisieren, die sich selbst als aufgeklärt betrachtet und alles andere als dämlich. Genau das ist der Duktus Ihrer Kommentare. Wir leben in einem Land, das versucht hat, aus seiner Vergangenheit zu lernen. Wie sich zeigt, ist das schon innerdeutsch ganz verschieden gehandhabt worden. In Ostdeutschland wurde eigene faschistische Vergangenheit in einer Weise aufgearbeitet, die man nur als unzulänglich bezeichnen kann. Als Beleg dafür mag die Stärke der AfD in manchen ostdeutschen Bundesländern gelten. Aber wie soll ein Land wie die Ukraine, das erst 1991 damit beginnen konnte, eine Identität aufzubauen, die eigene faschistische Vergangenheit verarbeiten? Wie das Thema Faschismus in der Sowjetunion behandelt wurde, das zeigt uns ja gerade der Herr Putin, indem er selbst zum Faschisten wird.
    Helmut Kohl sprach mal in einem ähnlichen Zusammenhang das dumme Wort von der „Gnade der späten Geburt“. Ich setze hier in Bezug darauf das Wort von der „Gnade der hochmögenden Abgelöstheit der deutschen Linken“, die alles weiß, alles beurteilen kann, zu allem eine abschließende Meinung hat – und das auch noch in Ihrem Fall mit der Bibel unter dem Arm: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus 7,3)

  32. Stefan Briem sagt:

    Ich möchte noch hinterherschicken: Diese Debatte ist, typisch unter deutschen Linken, drauf und dran, im Gestrigen zu versinken. Bandera ist im Sinne dieser Debatte – bitte entschuldigen Sie den drastischen Ausdruck – so was wie Schleppscheiße, also etwas, was die Ukraine ewig mit sich herumschleppen muss. Wenn man den Fokus aufs Heute und auf die Zukunft richtet, ergibt sich aber etwas anderes: Der aktuelle Präsident Selenskyj ist demokratisch gewählt, ist russisch-jüdischer Herkunft und Ukrainer. Er verfügt ganz offensichtlich über ein großes Talent für öffentlichkeitswirksame Auftritte. Siehe seine regelmäßigen Videoansprachen oder seine TV-Serie „Diener des Volkes“, die durchaus witzig ist. Er bietet sich als Identifikationsfigur für Menschen in einer modernen Ukraine natürlich an. Man könnte auch sagen, dass er sich selbst mit seinem Auftreten an Banderas Stelle setzt, ohne irgendwas von Faschismus an sich zu haben.
    Ich habe die Serie „Diener des Volkes“ gesehen. Sie auch, Herr Gehring?

  33. Sehr geehrter Herr Briem,

    nochmals: Ich behaupte, dass Melnyk lügt, wenn er 70 % der Ukrainer als Banderaverehrer hinstellt, denn er will seinen Banderismus als die Normalität verkaufen. Also nicht ich, sondern er stützt das russische Narrativ, allerdings offenbar ohne dies zu bemerken. Die Lüge würde schnell auffliegen, wenn in der Ukraine die Kriegsdienstverweigerung möglich würde. Ich kritisiere den Banderismus der ukrainischen Regierung aus der selbstkritischen Perspektive der nicht nur im Osten Deutschlands misslungenen Entnazifizierung. Den heftigsten Beleg bietet die deutsche Beteiligung am völkerrechtswidrigen Überfall auf Serbien im Jahr 1999, der tatsächlichen Zeitenwende als Salto mortale rückwärts hinter die Lektion aus zwei Weltkriegen. Der schon als Student gewaltsame westdeutsche grüne Minister Fischer begründete den verbrecherischen Krieg mit der nachweislichen Lüge, ein zweites Auschwitz verhindern zu müssen. Er projizierte deutsche Auschwitzverbrechen auf die serbischen Feinde. Projektion ist die einfachste und häufigste Form von Verdrängung. Verdrängung verweigert Aufarbeitung im Sinne von Umkehr. Ich hoffe damit zu belegen, dass ich mit dem Balken im eigenen Auge beginne und die Bibel nicht nur „unter dem Arm“ trage. Warum muss das in Deutschland immer noch als „Abgelöstheit der deutschen Linken“ gescholten werden? Nach der Beschäftigung mit dem eigenen Balken gestehe ich Ihnen zu, dass auch in Russland der Stalinismus nicht aufgearbeitet zu sein scheint, zumindest in einem Teil der Bevölkerung und beim gegenwärtigen Putin, der 2001 noch als Erbe Gorbatschows eine Sicherheitspartnerschaft vergeblich anbot. Dann gebe ich Ihnen auch recht, dass Selenskij sich mit „seinem Talent für öffentlichkeitswirksame Auftritte“ „an Banderas Stelle setzt“, obwohl die Ukraine seit 1991 noch nicht „die eigene faschistische Vergangenheit verarbeiten“ konnte.

  34. Hallo Hans,
    über die Naivität unserer Regierenden sind wir uns ja einig (vor allem „Russland ruinieren“ wollen und dann über Putins „Erpressungsversuche“ jammern), auch dass Putin nach unseren Waffenlieferungen an die Ukraine (ohne selbst angegriffen zu sein), Notwehr beanspruchen kann (wie wir als US-Vasallen in Afghanistan), ebenso, dass der Markt schneller reagiert als die Politik. Nur von einem Börsengaspreisvergleich Okt. 22/Mai 23 kann ich in dem Link nichts finden. Ihre Hypothese, Putin habe den Wirtschaftskrieg begonnen, leuchtet mir immer noch nicht ein. Der Streit ist aber auch insofern müßig, als es jetzt um die Handlungsebene geht: Was machen wir nun? Sie erwägen: „Wenn wir jetzt die Sanktionen aufheben“. Wir könnten also den Vasallenaufstand wagen. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn nach dem römischen Grundsatz der Verbrechensaufklärung „Cui bono?“ (Wem nützt das Verbrechen?) kommen ja für den Sabotageakt in erster Linie die USA in Frage, die uns schon bisher Nord Stream 2 verboten haben, damit wir teures US-Frackinggas kaufen. Sie stellen freilich die realistische wie bange Frage, „zu welchen Bedingungen“ Putin jetzt „bereit ist, uns noch was zukommen zu lassen“. Da sind ja auch noch unsere Waffenlieferungen an die Ukraine, obwohl wir nicht angegriffen waren. Aber welche Alternative besteht zu Verhandlungen darüber? Der Zeitpunkt wäre eigentlich günstig, da Putins Truppen der Nachschub abgeschnitten wird, was ihn zum Rückzug zwingt. Wenn wir die Verhandlungen nicht versuchen, droht uns die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1945. Oder was schlagen Sie vor?

  35. hans sagt:

    zu @ Friedrich Gehring
    Ich würde vorschlagen das Putin von allen Ämtern zurücktritt. Die neue russische Regierung ihre Truppen aus der Ukraine zurück zieht und bedingungslos kapituliert. Außerdem verpflichtet sie sich vorhandene Verträge z. B. über Gaslieferungen einzuhalten. Genügend Möglichkeiten gibt es immer noch dazu. Das könnte einiges zum Positiven verändern.

  36. Hallo Hans,
    ich vermute mal, dass das Ironie ist, was sie da vorschlagen. Wenn wir dann genug Gas haben könnn wir auch die Klimaerwärmung besser vorantreiben. Die Wirtschaftskrise ist wohl kaum noch zu vermeiden, fürchte ich.

  37. Peter Boettel sagt:

    1.) Der Krieg muss eingefroren werden. Man braucht einen Waffenstillstand und Verhandlungen. Denn eine weitere Fortsetzung des Krieges kostet viele Menschenleben, Verletzte, Flucht und Zerstlörungen; sie kann zu weiteren Eskalationen und einem Weltkrieg führen. Deshalb ist als erste Möglichkeit ein Waffenstillstand herbeizuführen.

    2.) Man muss den Aggressor Russland in eine Position bringen, dass er auf Verhandlungen eingeht. Die ist natürlich sehr schwierig; helfen könnte hierzu eine internationale Gegenposition unter Einbeziehung auch der Länder, die zurzeit noch auf der Seite Russlands stehen oder sich neutral verhalten wie z.B. China oder Indien. Ob dies gelingt, ist natürlich fraglich, könnte jedoch durch geschicktes Verhandeln mit diesen Ländern ermöglicht werden.

    3.) Es braucht eine große diplomatische Initiative. Inwieweit dies bisher ernsthaft versucht wurde, insbesondere seitens der USA, ist nicht bekannt. Wichtig wäre dabei ein gemeinsames Vorgehen sowohl der EU, der USA wie auch anderer Länder Asiens wie etwa China und Indien unter Führung von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres.

    4.) Notwendig sind auch Zugeständnisse seitens der Ukraine, wobei eine von dort geforderte Rückeroberung der Krim durch die Ukraine nur die bisher militärische Unterstützung ausländischer Staaten vergeudet und dabei zusätzliche Opfer fordert, ohne dass dieses Ziel erreicht wird. Daher würde ein Verzicht auf die ursprünglich zu Russland gehörende Krim, ohne deren Annexion zu rechtfertigen, zumindest eine Bedingung darstellen, ohne die Russland kaum zu Verhandlungen bereit wäre.

    5.) Vielleicht sollte ein wirklich neutraler Vermittler sowohl mit Putin wie auch mit Selenskij geheim verhandeln, ähnlich wie seinerzeit Kissinger in Paris mit Nordvietnam verhandelt hat.

    Es wäre für alle Beteiligten im Sinne einer friedlichen Welt, auch im Interesse der Klimabedingungen, der unnötigen Kosten, der unnötigen Aufrüstung, der Flüchtlingsprobleme etc. etc. dringend notwendig, dass dieser Krieg sowie auch alle anderen Kriege auf der Welt ein Ende fänden.

  38. Manfred Schönfeld sagt:

    Deeskalation wäre das Gebot der Stunde!
    Ein 8.Sanktionspaket verschärft die Lage nur noch.
    Zweifel an der Demokratie (FR von heute) werden eher noch wachsen und weiteres Unheil produzieren.

    Die EU kann die Ukraine auch nicht retten, wenn sie so weiter macht wie bisher.
    Ist das Wohl unseres Landes nur noch zweitrangig?

  39. Rainer Stockmann sagt:

    Während er selbst alle Grenzen überschreitet, schreibt Putin dieses Vorgehen dem Westen zu. Aktuell benennt er mittels Scheinreferenden Teile der Ukraine in Gebiete Russlands um. Nach deren Einverleibung wären in Putins Sichtweise die Ukrainer nicht mehr Verteidiger, sondern Aggressoren, und zwar als Teil „faktisch der gesamten Kriegsmaschine des kollektiven Westens“. Genau für diesen Fall unterstreicht er seine Drohung („Konsequenzen, wie Sie sie noch nie gesehen haben“) mit: „Das ist kein Bluff“.

    Ukrainische Truppen kämpfen um ihr Land. Sollten sie nun – interpretiert als Kämpfer des Westens – diese angeblich „russischen“ Gebiete angreifen, werde „Russland bereit sein, in Europa taktische Atomwaffen einzusetzen, …“ (FR vom 22.09.22), er benennt als mögliches Ziel explizit Rammstein. Die Zerstörungswaffen Russlands seien teils moderner als die der Nato-Länder. Damit sind wohl kaum taktische Atomwaffen gemeint, eher Sarmat.

    Dieser Logik kann nur folgen, wer der Ukraine von vorneherein ihr Existenzrecht abspricht. Für Putin ist es die Rechtfertigung für einen Atomkrieg. Nachdem es mit der Annexion der Ukraine nicht geklappt hat, läuft alles darauf hinaus.

    In jahrelanger Vorbereitung hat Putin jegliche Opposition komplett verschwinden lassen, alle Führungspositionen mit willfährigen Marionetten besetzt, sämtlichen freien Journalismus entfernt und Propaganda gemacht. „Um die Lügen der Gegenwart durchzusetzen, ist es notwendig, die Wahrheiten der Vergangenheit auszulöschen.“ (Orwell)

    Dass ihm die unmittelbaren und mittelbaren Folgen seiner Verbrechen völlig egal sind, beweist er täglich aufs Neue. Die Bilder aus den von ihm zunächst „befreiten“ Gebieten und sein Vabanquespiel mit Europas größtem Atomkraftwerk sprechen Bände. Dabei kann es ihm eigentlich nur um seine eigene Person gehen, vielleicht, um als großer Eroberer oder als größter Zerstörer einen prominenten Platz in den Geschichtsbüchern der Welt einzunehmen.

    Nun ist Putin nicht der Kreml, und rational begründbar sind die Verbrechen Putins nicht. Für das anscheinend zunächst verfolgte Ziel, die gesamte Ukraine quasi im Handstreich und ohne große Verluste zu annektieren, dürfte Putin die Unterstützung des Kreml nicht zuletzt aus geostrategischen Gründen sicher gewesen sein. Mit diversen Vorbereitungen wie z.B. Leerlaufenlassen hiesiger Gasspeicher, Erwerb wichtiger Teile unserer Infrastruktur etc. hat es ja auch ganz gut geklappt.

    Vorwand war einmal, das ukrainische Volk in einer „militärischen Spezialoperation“ von der „Nazidiktatur“ zu befreien. Erklärtes Ziel ist jetzt, Russland gegen die Aggression der westlichen Welt zu verteidigen. Und so stimmt er sein Volk seit einiger Zeit auf einen Atomkrieg ein; z.B. ließ er im Fernsehen erklären, dass die neuen Atomraketen Berlin, London und Paris in 2, 3 und 4 Minuten erreichen könnten.

    Ein Atomkrieg gilt allgemein als nicht führbar. Verhandlungen sind in weite Ferne gerückt. Die Kosten des Krieges sind enorm. Es werden Proteste laut im Land. Das alles dürfte im Kreml nicht jedem gefallen. Es bleibt die Hoffnung, dass im Kreml mal jemand eine Kosten– Nutzen – Rechnung aufstellt und prüft, ob man für die Annexion verbrannter Erde Putin einen Versuch gestatten sollte. Den Versuch, einen Atomkrieg als führbar zu beweisen, mit unabsehbaren Folgen für die Welt.

  40. Stefan Briem sagt:

    @ Rainer Stockmann

    Ich glaube nicht daran, dass Putin Nuklearwaffen einsetzen wird. Er kann dadurch nichts gewinnen. Diese Überlegung gilt natürlich nur für den Fall, dass Putin noch rational denkt. Vielleicht ist er ja so verloren in seinen imperialistischen Fantasien, dass er den Kontakt zur Wirklichkeit verloren hat. So wie das derzeit mit der Teilmobilmachung in Russland läuft, könnte man diesen Gedanken haben. Dann wäre er wohl auch fähig zum Einsatz von Atomwaffen.
    Aber rational betrachtet würde er sich damit international noch mehr isolieren. China kann dann kaum noch zu ihm halten. Chinas Nukleardoktrin schließt einen Ersteinsatz von Atomwaffen aus. Indien, ein anderer wichtiger Mitläufer Putins, behält sich den Ersteinsatz zwar vor, aber nur für den Fall, dass es mit beispielsweise mit biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen angegriffen wird. Von den Atommächten hat nur Pakistan den Erstschlag mit Atomwaffen in seiner Doktrin, weil die Verantwortlichen glauben, dass Pakistan sich nicht anders gegen das militärisch überlegene Indien wehren kann.
    In jedem Fall bedeutet ein Ersteinsatz von Atomwaffen einen Tabubruch. Die Welt hat nach Hiroshima und Nagasaki darüber gestritten, ob die Amerikaner sich vorher darüber im Klaren waren, was sie da für eine Waffe eingesetzt haben. 77 Jahre später kann niemand sich mehr darauf berufen, er habe nicht gewusst, was er da aus der Flasche lässt. Selbst wenn es sich „nur“ um taktische Atomwaffen handelt, also solche von „kleinerem“ Kaliber bis zu 100 Kilotonnen TNT-Äquivalent. Sogenannte „Gefechtsfeldwaffen“.
    Der ínternationale Effekt wäre also verheerend. Aber auch der militärische Nutzen ist zweifelhaft, weil solche Bomben ziemlich genau gezielt werden müssen. Dazu ist die russische Armee vermutlich nicht in der Lage. Es gab ja genügend Berichte über die unzulängliche Feldaufklärung und die langen Befehlsketten, über die man sich nur wundern konnte. Es kommt noch hinzu, dass die ukrainischen Truppen anscheinend extrem mobil sind und ihre Stellungen oft wechseln. Das gilt auf jeden Fall für die entscheidende Artillerie, vor allem die HIMARS-Raketenwerfer aus den USA, die viel weiter schießen können als alles, was die russische Artillerie ihnen entgegenzusetzen hat, und die zugleich mobil sind. Um die HIMARS zu treffen und auszuschalten, brauchen die Russen schnelle Entscheidungswege. Wenn man aber liest, dass zwischen der Meldung über eine feindliche Stellung und dem Schießbefehl innerhalb der russischen Armee zehn Minuten und mehr vergehen, eben wegen der langen Entscheidungswege, dann darf man sich nicht wundern, wenn das Ziel nicht mehr an Ort und Stelle ist. Dasselbe Problem haben die Russen mit Nuklearwaffen. Gerade mit den taktischen, nicht mit den strategischen (Interkontinentalraketen). Man braucht ein definiertes Ziel.
    Ich denke, dass die Drohung mit Nuklearwaffen nichts weiter ist als Propagandageklingel. Das ist übel genug. Eine Atommacht führt Krieg und droht mit ihrem Vernichtungspotenzial. Aber ein großer Teil der Kriegsführung ist eben Propaganda. Der Krieg der Worte. Ob die Russen ihren Worten auch Taten folgen lassen? Ich glaube das nicht, wie gesagt.

  41. hans sagt:

    Beim Thema Atomwaffen frage ich mich immer ob jemand der bereit ist Städte mit mehreren hundert Bomben dem Erdboden gleich zu machen wirklich zögert das Gleiche mit einer Bombe zu tun. Genau so gilt das für China und Indien. Sie dulden das Erste warum sollten sie das Zweite verurteilen.

  42. Stefan Briem sagt:

    Weil die Atombombe eben etwas anderes ist.

  43. Gerhard Janetzek sagt:

    Zwischen 1988 und 2006 war ich häufig in der untergehenden Sowjetunion, und später Russland. Der erste Besuch 1988 als Betriebsrat auf der Klöckner-Hütte zusammen mit einer Betriebsrätin der Bremer Tageszeitungen zu einer Konferenz der Hochschule der sowjetischen Gewerkschaften.
    Frappierend der extreme russische Nationalismus. Alle Völker der Sowjetunion waren auf dieser Hochschule mit Professoren und StudentInnen vertreten, aber das bestimmende Sagen hatten die Russen. Dass schon zu dieser Zeit Kämpfe zwischen den verschiedenen Volksgruppen stattfanden, z.B. zwischen Armeniern und Aserbeidschanern wurde uns verschwiegen. Der Dekan für internationale Beziehungen der Hochschule öffnete mir damals die Augen.Er sagte: Lies mal die politischen Schriften von Dostojewski! Die spiegelverkehrte Ideologie des Faschismus! Bei den Nazis die germanische Rasse, bei Dostojewski die Überlegenheit der slawischen Rasse.
    Das ist die Blaupause des russischen Funktionsbürgertums, das sich 1918 zu großen Teilen aus vielen Gründen den Bolschewiki angeschlossen hat. Dies begann unter dem Reformer Zar Peter dem Ersten zu entstehen. Junge Männer wurden zum Studieren ins europäische Ausland geschickt. Sie wurde für den zaristischen Staat unverzichtbar, aber in den acht Nomenklaturstufen durften sie nur die untersten vier erreichen. Dass viele Menschen dieser Klasse als Offiziere oder Staatsfunktionäre ihre Chance mit dem Sturz des Zaren und dann der unfähigen Kerenski-Regierung sahen, ist nur zu verständlich. Sie wurden für den neuen Staat gebraucht. Das wussten sie und die Bolschewiki, die genau aus der gleichen Klasse kamen, auch. Die Herrschaft der Arbeiter und Bauern ist die Lebenslüge der Sowjetunion. Die neue herrschende Klasse blieb unter sich. Und mit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 hat diese Klasse die ganze Macht und bereichert sich. Dostojewski und andere liefern ihr die passende Ideologie.

  44. Hermann Hofer sagt:

    Aus den verschiedensten Disziplinen (Psychlogie, Militärwissenschaft, Historie etc.) wird versucht,das Phänomen Putin zu deuten, und es erweist sich als letztlich unerklärlich. Der Putin vor dem 24. Februar war ein unbehelligter, respektierter, akzeptierter und gefürchteter Dikatator und Alleinherrscher. Ein Krieg konnte ihm nicht von Nutzen sein (was die heutige Sachlage belegt), und er führt ihn jetzt mit einem auch auch gegen sein Volk und gegen seine Interessen geführten absoluten Zerstörungswillen. Putin handelt nach der Grundmaxime jedes totalitären Gewaltherrschers:Dafür, dass es keinen Kriegsgrund gibt, ist kein Grund, einen Krieg nicht zu führen.

  45. Kurt Rosenthal sagt:

    Ein Plan, wie man den Krieg in der Ukraine beenden könnte, wobei sich beide Seiten als Sieger erklären könnten und auch der Westen erleichtert wäre.
    Wenn Putin gewönne, wäre das eine Katastrophe, wenn er verlöre, wahrscheinlich eine noch größere.(Dieser Satz stammt nicht von mir).
    Der Plan: Die Ukraine gesteht den Separatisten, die meist russisch sprechen, ein relativ kleines Gebiet im Osten der Ukraine zu, (eventuell die Provinz Luhansk) wo sie sich konzentrieren können, und in dem alle einen akzeptablen Platz finden. Das heißt, sie müssen sich aus den anderen Gebieten zurückziehen. Dieses, nur von Separatisten bewohnte Gebiet, sollte man Russland überlassen.
    Die Ukrainer, die in diesem Gebiet zu Hause sind, sollten es verlassen. Sie können dann in die von Separatisten freien Gebiete ziehen, wobei sie von der ukrainischen Regierung, und vom Westen, unterstützt würden, damit sie ein gutes und sicheres zu Hause vorfinden.
    Wenn beide Seiten zustimmen, könnten sich Putin und seine Unterstützer zu Siegern erklären, weil sie ein Stück Russland von den „Faschisten“ befreit hätten. Putins Rückhalt im eigenen Land schwindet, und er müsste nicht gegen große Teile seiner Bevölkerung vorgehen.
    Die Ukrainer könnten sich ebenfalls zu Siegern erklären, denn sie haben mit Mut und Entschlossenheit ihr Land gegen einen übermächtigen Gegner verteidigt. Auf ein kleines Gebiet, in dem fast nur russisch sprechende Separatisten leben, die mit russischer Unterstützung immer schon Unruhe geschürt hatten, sollten die Ukrainer verzichten, damit die auch zur Ruhe gezwungen werden, damit an der Ostgrenze endgültig Ruhe einkehrt.
    Inwieweit man die Krim mit einbeziehen sollte, lasse ich offen. Vielleicht könnte man dort ähnlich verfahren.
    Davon müsste der „Westen“ Selensky überzeugen, auch mit dem Hinweis, dass nicht nur die Ukraine unter diesem Krieg leidet, sondern auch der Westen und deshalb ein Ende herbei sehnt. Selensky würde so den Tod vieler tapferer Kämpfer und vieler Zivilisten vermeiden, von den Verletzten und lebenslang Beschädigten und den Kindern gar nicht zu reden. Der Wiederaufbau könnte beginnen.
    Wichtig wäre, auf dieser Basis eine neue Grenze zwischen der Ukraine und Russland zu ziehen, die von allen beteiligten Seiten anerkannt würde.
    Der Westen und die ganze Welt könnten auch zufrieden sein, denn sie wären ein großes Problem los, das allen reichlich bekannt ist und hier nicht aufgeführt werden muss. So könnte – Schritt für Schritt – wieder ein normales Verhältnis zu Russland wieder hergestellt werden. Das soll natürlich nicht heißen, dass man sich wieder auf einigen Gebieten total von Russland abhängig macht.
    Klar ist, dass der Westen auf beide Seiten Druck ausüben muss. Der erste Schritt wäre eine Waffenruhe, die nicht einseitig diktiert werden dürfte.

  46. Siegfried Kowallek sagt:

    Völlig zutreffend stellt der Schriftsteller Martin Pollack heraus, gelänge die Okkupation der Ukraine, würden die Russen nach altem stalinistischen Vorbild ganz sicher als erstes die ukrainische Intelligenz liquidieren. Der Zweite Weltkrieg begann ja nicht mit Hitlers Angriff auf die Sowjetunion. Zuvor hatten die Sowjetunion und Nazideutschland gegen mehrere osteuropäische Staaten und Finnland gerichtet eine gemeinsame Aggression vereinbart und auch umgesetzt. Dazu gehörte dann auch die von Stalin 1940 veranlasste Ermordung von etwa 4400 gefangenen Polen, größtenteils Offizieren, in einem Wald bei Katyn. An weiteren Orten wurden bis zu 25000 Berufs- oder Reserveoffiziere, Polizisten und Intellektuelle, also überwiegend Angehörige der Vorkriegseliten der unabhängigen Zweiten Polnischen Republik, ermordet. „Katyn“ steht in Polen für diese Mordreihe. Dass der Lenin-Hasser und Stalin-Verehrer Wladimir Putin im Falle eines Sieges im Rahmen eines Katyn II dieses Mal die ukrainische Intelligenzia auslöschen würde, ist so sicher wie früher das Amen in der Kirche. Putin hat inzwischen den Rubikon überschritten, kann somit kein Gesicht mehr verlieren, deshalb bleibt den Ukrainern tatsächlich nur die Option, sich erfolgreich zu wehren.

  47. Hans Blaschke sagt:

    Die Stadtverwaltung von Kiew hat sich daran gemacht, ein paar patriotische Säuberungen im Straßenbild vorzunehmen, in dem sie einige verdächtige Straßennamen ersetzte. Und raten sie mal, wer der Auktion zum Opfer fiel? Natürlich Michail Bulgakov. Da hat es nix genutzt, dass er – anders als Tschechow, Puschkin, oder Tolstoi, die auch verschwinden mussten – als einziger einen persönlichen Bezug zu Kiew hat. Marx, Engels, Bakunin und den Baikalsee hat es übrigens auch erwischt.
    Vielleicht verstehen Sie jetzt ein bisschen besser, weshalb es mir schwerfällt zu glauben, dass die Verteidigung der Ukraine etwas mit der Verteidigung von „Freiheit und Demokratie“ zu tun hat.

  48. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Gerhard Janetzek

    „Die Herrschaft der Arbeiter und Bauern ist die Lebenslüge der Sowjetunion.“
    Interessant auch, was Sie zu den politischen Schriften Dostojewskis sagen.
    Danke.

  49. hans sagt:

    Die Herrschaft der Arbeiter und Bauern ist die Lebenslüge der Sowjetunion.“
    Nicht nur der Sowjetunion. Mir fällt gerade kein Staat ein in dem das realisiert worden ist.

  50. Peter+Boettel sagt:

    Rudi Dutschke sagte bereits: „In der DDR ist alles real, nur nicht der Sozialismus.“ Denn die Leute von der DKP und dem MSB Spartakus sprachen immer vom realen Sozialismus.

    Ich selbst bezeichnete diese Länder immer als Übergangsgesellschaft.

  51. Sehr geehrter Her Hofer,
    bei Ihrem Wortspiel zu Kriegsgründen scheint etwas zu übersehen: Die Gewaltherrscher, ob totalitär oder demokratisch ermächtigt, zeigen in der Regel ihr schlechtes Gewissen, indem sie die wahren Kriegsgründe durch verlogene Begründungen verschleiern. Der schon als Student zu Gewalttätigkeit neigende spätere deutsche Außenminister Fischer rechtfertigte 1999 den Überfall auf Serbien, die wahre Nachkriegszeitenwende, es gelte, ein zweites Auschwitz zu verhindern (widerlegt in der WDR-Dokumentation vom 8.2.2001). Die deutschen Auschwitzsünden dichtete er den Serben an, den wahren Kriegsgrunds verschleiernd, nämlich die Abtrennung des Kosovo von Serbien. Der totalitäre Gewaltherrscher Putin verfährt sehr ähnlich: Er bezieht sich auf die laut Herrn Melnyk weit verbreitete Wertschätzung des Hitlerhelfers Bandera und schiebt als Kriegsgrund die Entnazifizierung der Ukraine vor. Jetzt zeigt sich der wahre Kriegsgrund, prorussische Gebiete der Ukraine abzutrennen, nachdem das erste Kriegsziel, der Regimechange, misslang. Ebenso lenkte George W. Bush von eigenen Atomwaffen ab mit der Lüge von den Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins. In Wahrheit ging es wohl um den Dollar als Ölwährung. Auch wenn die wahren Kriegsgründe schwer erkennbar sind oder gezielt verschleiert werden, sind sie dennoch da als erhoffte Vorteile durch den Krieg. Putin ist nicht „unerklärlich“. Er ist leicht erkennbar als Macho, von vielen Russen und von Trump bewundert. Machos sind unsichere Männer, die durch äußere Zeichen, vor allem Gewalttätigkeit, ihr Mannsein beweisen wollen. Auch unsichere Frauen geben bisweilen den Macho, etwa durch großsprecherische Phantasien, Gegner zu „ruinieren“. Ein souveräner Putin hätte bei der ersten NATO-Osterweiterung ein Bündnis mit Kuba angedroht und dann in Ruhe verhandelt, wie nahe man sich mit Atomraketen kommen will, ohne verlustreichen Krieg. Und eine souveräne Ministerin Baerbock hätte sich gehütet, die preisgünstig versorgende Hand zu beißen und damit Europas Wirtschaft zu ruinieren. Machos neigen zur Selbstzerstörung.

  52. Nikolaus Jöckel sagt:

    Muss es einen verwundern, dass man im Westen der Republik die völlig unkritische und unreflektierte Russlandliebe im Osten nicht begreift?
    Vom großen sozialistischen Brudervolk war man 40 Jahre lang fremdbestimmt und noch immer herrscht da Sympathie für ein Regime, das im Juni 1953 einen Volksaufstand im eigenen Land mit Panzern niederwalzte.
    So etwas ist für einen halbwegs normal denkenden Menschen unbegreiflich.
    Wollen die dort wirklich wieder die Rote Armee zurück in deren verkommenen Barracken haben?

  53. hans sagt:

    zu @ Nikolaus Jöckel
    Nein die Leute wollen nicht die Rote Armee zurück sondern Erdgas für 4 Cent KWh. Es gibt Leute und Parteien die das in Aussicht stellen. Daher kommt auch der Aufschwung der AFD in Niedersachsen.