Massentierhaltung: Wird Fleisch zum Privileg für Reiche?

Wir müssen über unsere Lebensweise nachdenken. Die Corona-Pandemie legt uns dies zwingend nahe. Doch wo sollen wir anfangen? Mit welchen Veränderungen? Was wird daraus folgen? Wie sollte, wie muss die Welt aussehen, in der wir künftig leben wollen? Wir stehen vor einer Mammutaufgabe.

Ein Beispiel, das jeden von uns betrifft: unser Fleischkonsum. Wir sind es gewohnt, im Supermarkt jederzeit aus dem Vollen schöpfen zu können. Und dies zu Preisen, die vielfach kaum noch nennenswert sind. Jeden Tag Fleisch auf dem Teller? Kein Problem, auch nicht für Menschen mit niedrigem Einkommen. Dabei tun wir unserer Gesundheit, also uns selbst, damit eigentlich keinen Gefallen. Mit hohem Fleischkonsum – insbesondere von rotem und noch mehr von verarbeitetem Fleisch – handeln wir uns ein höheres Krebsrisiko ein. Cholesterin ist eine andere Begleiterscheinung, auch wenn die Experten darüber streiten, welche Bedeutung Cholesterin für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems hat.Als wesentlich gesündere Proteinquelle bieten sich Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, weiße Bohnen, Sojabohnen – auch in ihrer verarbeiteten Form als Tofu – und vieles andere mehr. Kürbiskerne etwa bestehen zu einem knappen Viertel aus Proteinen. Pro Kilo Körpergewicht braucht ein durchschnittlicher Erwachsener laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 0,8 Gramm Protein am Tag.

SchweinemastPro 100 Gramm mageren Rindfleischs nehmen wir 26 Gramm an Proteinen zu uns, pro 100 Gramm Schweinefleisch sogar 27 Gramm. Beim Atlantik-Lachs sind es 22 Gramm. Klingt auf den ersten Blick so, als wäre Fleisch eine optimale Proteinquelle. Tatsächlich aber sind wir überversorgt mit tierischem Protein. Und das hat Folgen nicht nur für unsere Gesundheit, sondern auch für die Umwelt. Denken wir an das klimaschädliche Methan, von dem eine Kuh täglich 200 bis 300 Liter produziert. Denken wir an die Gülle, die in der Schweinemast anfällt, insbesondere in der Massentierhaltung. Wohin mit den stinkenden Massen? Was die Massen Fleisch betrifft, die in Deutschland produziert werden: 5,5 Millionen Tonnen gingen im Jahr 2019 in den Export. Insgesamt wurden 2019 8,6 Millionen Tonnen „Schlachtgewicht“, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft das nennt – man könnte ja auch „Tier“ dazu sagen – in Deutschland verarbeitet. Zugleich wurden 776.000 Tonnen lebender Schlachttiere importiert. Mit weiteren Folgen für das Klima. Denken Sie an die Tiertransporte mit Lkw kreuz und quer durch Europa mit unsinnigen CO2-Emissionen. Und wenn man die Quelle ins Visier nimmt, und zwar buchstäblich, nämlich das Wasser, dann wird der Irrsinn noch deutlicher: Ein Kilo Rindfleisch enthält etwa 700 Gramm Wasser, aber um dieses Kilo „herzustellen“, sind weitaus größere Mengen durch die Kehlen der Tiere geflossen und wurden wieder ausgeschieden, und weitaus größere Mengen sind in die Herstellung der Futtermittel gegangen. Wenn die Rinder auf der Koppel weiden, verbessert sich die Bilanz ein wenig, weil sie Wasser mit dem Gras aufnehmen, das aus natürlichen Kreisläufen wie Regen und Verdunstung (Tau) stammt. Die Albert-Schweitzer-Stiftung hat ausgerechnet, dass für ein Kilo Rindfleisch dennoch 15.400 Liter Wasser benötigt werden. Bei Fleischexperten.de, einer Webseite der German Meat GmbH in Kooperation mit dem Bundesverband Rind und Schwein e.V., wie es im Impressum heißt, ist von lediglich „50 Liter Frischwasser“ pro Kilo die Rede. Machen Sie sich selbst ein Bild. Bedenken Sie dabei, dass Wasser ein knapper werdender Rohstoff ist. Schon zeichnet sich bei uns in Deutschland wieder Trockenheit im Sommer ab.

Und damit sind wir beim Tierwohl, das letztlich auch Menschenwohl ist. Das hat sich zuletzt bei Tönnies und den Infektionen mit Sars-CoV-2 gezeigt. (Die Diskussion „Tönnies verletzt die arbeitgeberische Fürsorgepflicht“ hier im FR-Blog wird jetzt geschlossen.) Ich will jetzt nicht von multiresistenten Keimen reden, die aus den Massenställen irgendwann in den Operationssälen unserer Krankenhäuser landen und in Deutschland jährlich zwischen 10.000 und 20.000 Todesopfer fordern. Nein, ich will im Stall bleiben. Offenbar ist jetzt auch bei Julia Klöckner (CDU), Ministerin u.a. für Landwirtschaft, die Erkenntnis angekommen, dass etwas passieren muss. Ein Tierwohllabel, wie es von vielen NGOs gefordert wird – so unter anderem auch von Anne Markwardt, Leiterin Team Lebensmittel im Verbraucherzentrale Bundesverbandmag Klöckner aber offenbar nicht. Stattdessen befürwortet sie jetzt eine Art „Fleischsteuer“, deren Einnahmen in den Umbau der Ställe fließen könnten. Markwardt hingegen meint: „Die Steuer ist nicht entscheidend für mehr Tierwohl. Die Mehrheit der Verbraucher in Deutschland wünscht sich bessere Haltungsbedingungen für landwirtschaftliche Nutztiere.“ Und trommelt für das Tierwohllabel. Eigentlich eine sympathische Idee. Leider hat der Bundesrat gerade eben erst die geltende Regelung für die „Kastenstandhaltung“ um acht Jahre verlängert. In einen solchen Kastenstand werden Schweine zum Absauen gebracht, d.h. um Ferkel zur Welt zu bringen, ohne sie zu zertreten. Die Muttertiere verbringen mehrere Wochen darin. Die Kästen haben Abmessungen von 200 auf 70 Zentimeter. Die Schweine können sich darin kaum bewegen und sich auch nicht hinlegen.

Bernd Riexinger, Parteichef der Linken, sieht die Sache grundsätzlicher: „Das Schweinesystem muss ein Ende haben“ ist sein Gastbeitrag in der FR überschrieben. Darin findet sich viel linke Folklore vom – der Titel sagt es schon – Systemwechsel. Aber deswegen müssen diese Gedanken nicht gleich falsch sein. Denn dass an die Gesundheit der Arbeiter bei Tönnies nicht gedacht wurde, hat sich ja jüngst erwiesen. Und dass dies u.a. mit den Kosten zu tun haben dürfte, die entstehen wären, wenn die Arbeitsplätze im Schlachthof – und zwar nur wegen Corona! – hätten umgebaut werden müssen, dieser Verdacht liegt wohl nicht fern. Damit sind wir wieder beim Kostendruck und beim System Massentierhaltung. Riexinger schreibt auch: „Der Reichtum der Aldi-Familien und des Lidl-Gründers Schwarz ist auch durch die schlechten Bedingungen in riesigen Schlachthöfen erwirtschaftet.“ Soll heißen: Hier ist Geld von unten nach oben umverteilt worden. Und das geht immer noch so weiter.

Darum müssen wir über die Landwirtschaft hinausdenken, wenn es um unsere Lebensweise mit und nach der Pandemie geht. Es könnte durchaus sein, dass die nächste Pandemie nicht mit einem Coronavirus zu tun hat, das von einem Wildtier auf den Menschen übergeht, sondern dass wir einen tödlichen Erreger in deutschen Ställen hervorbringen. Die Evolution schläft nicht. Sie hat viele „Labore“, in denen sie ständig Antworten auf neue Herausforderungen hervorbringt. Mit den Bedingungen in den Massenställen übt der Mensch einen Selektionsdruck auf Bakterien aus, die dadurch immer „härter“ werden. Aus der Perspektive dieser Bakterien passen sie sich lediglich an ihre Umwelt an, in der Antibiotika alltäglich sind. Sie versuchen zu überleben, und sie lernen, wie sie das schaffen, trotz der Antibiotika. So entsteht eine große Gefahr für uns alle, denn wenn im Stall dieselben Antibiotika eingesetzt werden wie im Krankenhaus, dann ist klar, wer am Ende der Kette dem Erreger erliegen wird. Schon die bis zu 20.000 MRSE-Toten in Deutschland jährlich sollten ein Weckruf sein. Viele NGOs warnen seit Jahren vor dieser Gefahr.

Unser Fleischkonsum ist in dieser Form also Ausdruck einer Lebensweise, die wir hinter uns lassen sollten.

fr-debatteMassentierhaltung entfaltet zerstörerische Kraft

Zu Recht werden die Zerstörungen kritisiert, die die industrielle Massentierhaltung in Deutschland anrichtet: Sie geht auf Kosten der Landwirte in Deutschland, die zu gerin-ge Preise für ihr Vieh erhalten, und die sich oft multiresistente Keime einfangen, weil zu viele Antibiotika in den großen Ställen eingesetzt werden („müssen“). Und es trifft immer mehr Kranke, denen die jetzigen Antibiotika dann nicht mehr helfen. Industrielle Tierhaltung geht auf Kosten der Beschäftigten in der Fleischindustrie, die unter sklavenähnlichen Bedingungen schlachten und zerlegen; und es betrifft ihre Familien. Und alle Verbraucher in Deutschland müssen dafür zahlen, wenn viel zu viel Gülle schließlich im Grundwasser landet und dadurch u.a. die Aufbereitung von Trinkwasser immer teuer wird. Was Massentierhaltung für die Tiere bedeutet, wissen alle, die es wissen wollen.
Die Schäden gehen jedoch weit über die Grenzen Deutsch-lands hinaus: Der Leserbrief von Hans Oette weist zu Recht auf die Zerstörungen hin, die riesige Exportüberschüsse in den Ländern anrichten, die diese Überschüsse überschwemmen: die örtliche Landwirtschaft gerade auch in Afrika wird platt gemacht.
Einen zerstörerischen Aspekt vermesse ich jedoch noch in der aktuellen Diskussion: das Futter für die Massentierhaltung wird zu einem großen Teil aus Südamerika importiert. Dort werden Menschen von ihrem Boden vertrieben, damit dort in riesigen Monokulturen Soja angebaut wird. Wuchernde Favelas und zerstörte Ackerflächen zeugen davon. Das geplante Handels-abkommen mit dem Mercosur droht noch zu einer Ausweitung der Anbauflächen für Soja zu führen. Welch ein Wahnsinn!

Herbert Kaefer, Schleiden-Gemünd

fr-debatteWenn ein Cappuccino teurer ist als ein Kilo Fleisch

Herr Riexinger hat Recht: Die Produktion von Fleisch stinkt zum Himmel. Seine Forderungen an eine zukunftsorientierte Fleischindustrie – tarifvertraglich abgesicherte Arbeitsverhältnisse, tierwohl- und umweltverträgliche Haltungsbedingungen, Kampf dem Preisdruck der Lebensmittelkonzerne – sind weitgehend konsensfähig. Jedoch geht seine Ablehnung von Preiserhöhungen in diesem Zusammenhang völlig an der Realität vorbei.
Auch wenn die Linken traditionell die Kapitalisten mit ihrem Drang zur Gewinnmaximierung in Verdacht haben: Art- und umweltgerechte Tierhaltung verbunden mit angemessenen Löhnen müssen zwangsläufig zu höheren Kosten und damit zu steigenden Fleischpreisen führen. So würde sich hoffentlich auch die Wertschätzung des Lebensmittels Fleisch verändern. Wenn – wie aktuell – ein Cappuccino teurer verkauft wird als ein Kilo Fleisch im Sonderangebot, dann stimmen offenbar die Relationen nicht mehr. Fleischprodukte würden deshalb nicht gleich zu einem „Privileg für einige wenige“ werden. Nach einem Kaufkraftvergleich des „iwd“ musste ein Arbeitnehmer 1960 noch 2 Stunden und 11 Minuten lang arbeiten, um sich ein Brathähnchen kaufen zu können; 2017 war dafür gerade noch das Lohnäquivalent von 12 Minuten erforderlich. Da ist also noch viel Luft nach oben, bevor Fleisch zu einem Luxusprodukt für Besserverdienende wird.

Leo Paulheim, Immenhausen

fr-debatteCorona hat systembedingte Schwächen verdeutlicht

Die Lebensmittel Versorgung hat in der Corona Krise weiter gut funktioniert, sichtbar gemacht sind die System-bedingten Schwächen der fehlenden Billig-Erntehelfer, Leiharbeit und Werkverträge mit vielen Subunternehmen verhindert die eindeutige Verantwortung für die Gesundheit und faire Bezahlung so wie menschwürdige Unterkünfte.
Der Klimawandel sorgt für Ernteverluste der Bauern und gefährdet deren Existenz durch die Trockenheit in den Frühling und Sommer Monaten. Lernen aus Corona ist das Gebot ökonomischer Vernunft, nachhaltiger Zukunft für Stabilität sozialer Verhältnisse und ausgleichender Gerechtigkeit um die Scheere zwischen Armut und unerhörten Reichtum zu schließen.
Die Milliarden Euro schwere Konjunktur Pakete verfestigen das alte Denken und Handeln, weiter so wie bisher scheint die Lösung zu sein.

Thomas Bartsch-Hauschild, Hamburg

fr-debatteDer Wert der Ware würde steigen

Richtig, denn es hilft nur eins, nämlich die Bauern zur Schule zu schicken, damit sie lernen wie man sein Geschäft betreibt. „Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“ – sagt man. Und ich habe in der Schule gelernt, dass die Bauern sich nach dem „Schweinezyklus“ verhalten, nachdem sich Angebot und Nachfrage regeln. – Haben sie das verlernt?
Die Bauern bei der derzeitigen „Massentierhaltung“ mit unseren Steuergeldern zu unterstützen, heißt, „Perlen vor die Säue“ zu werfen. Warum regeln wir den Straßenverkehr mit Ampeln? – Damit wir Menschen geschützt sind. Warum regeln wir das nicht für die Tiere? – Ab sofort keine Massentierhaltung mehr erlauben, heißt, der Wert der Ware wird steigen. Denn auch auf dem Fleischmarkt funktioniert der Kapitalismus. Aus weniger Fleisch wird mehr Einkommen. Übrigens, das Fleisch von glücklichen Schweinen schmeckt besser. Aber, ich habe wenig Hoffnung. Menschen wie Tiere zu halten und umgekehrt erinnert an das Mittelalter. Und da gab es auch schon viele Funklöcher.

Rudolf Brinschwitz, Rodgau

fr-debatteNeues Geschäftsmodell für Schlächterfabriken

Gestern noch habe ich mich über Tünnes Tönnies ereifert, insbesondere über die Belüftungsverhältnisse bei Tönnies und Co.(Umluftmief) Heute denke ich: Klasse, nach der Durchseuchung der Belegschaft und der nachfolgenden Immunisierung für zumindest einige Monate können diese Menschen weiter flott ausgebeutet werden. Und es sieht auch noch so aus, als habe man alles richtig gemacht. Impfen? Machen wir ohne Impfstoff selber. Impffolgen bleiben natürlich nicht aus. So ist das. Sollen die bekloppten Impfgegner doch meckern. Wir sind auf der guten Seite, und deshalb: Knete her. Neues Geschäftsmodell für Schlächterfabriken: Durchseuchung der Gesellschaft, um sie hart zu machen. So geht Kapitalismus. Weiter so.

Manfred Kramer, Frankfurt

fr-debatte

21 Kommentare

  1. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @“Bronski“:

    Sie erwähnen viele Nachteile, die mit dem Tierkonsum zusammen hängen. Übrigens kann man auch Fische quasi industriell züchten.) Es ist ungesund für die Esser. Es ist ungesund für die Schlachter. Es schadet der Umwelt. Und die betroffenen Tiere werden häufig so schwer verletzt, daß sie beim Geschlachtetwerden sterben. Das ist jetzt sehr zurückhaltend ausgedrückt.

    Die Tiere leben schlecht. Und sie sterben grausam. Daniel Safran Froer (ein Hinterbliebener jüdischer Holocaust-Überlebender) bezeichnet in seinem Bestseller „Tiere essen“ alles rund um die Massentierhaltung als KZ-ähnlich. Das erwähnen Sie nicht deutlich genug.

    Ein zweiter Aspekt, der schlicht die ganze Biosphäre bedroht mit Mensch und Maus ist das enorme Treibhausgaspotential im Zusammenhang mit der Massentierhaltung. Wenn wiederum Daniel Safran Froer Recht hat in seinem Buch „Wir sind das Klima, dann ist die Massentierhaltung für 51 Prozent der Treibhausgas-Äquivalente verantwortlich. Das bedeutet: Mit Massentierhaltung ist Klimaschutz unmöglich.

  2. Bronski sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    Sie meinen, ich müsste genau so schreiben, wie Sie kommentieren würden? Dann bliebe ja nichts mehr übrig, was Sie noch kommentieren könnnten. 😉

    Aber nur mal unter uns: Nazi-Vergleiche hinken fast immer. So auch hier.

  3. Sylvia Heger sagt:

    Textilfabriken in Norditalien standen am Anfang, Spargelhöfe, Obstplantagen, Fleischbetriebe und jetzt wieder Kreuzfahrten … Wann werden wir endlich wach und ändern unser Verbraucherverhalten? Und zwingen so auch die Wirtschaft zum Umdenken? Weniger ist mehr!
    Es kann und darf nicht sein, dass unsere Unternehmer Billiglohnkräfte aus dem Ausland anwerben und diese dann arbeits- und wohnungstechnisch ausbeuten, nur um Preise halbwegs stabil zu halten. Immer weiter nach der Devise: Masse statt Klasse. Dieses Konsumverhalten rächt sich jetzt, die Hotspots wollen nicht enden!
    Und noch eine große Gefahr wird dabei gern außer Acht gelassen: So hat der Normalbürger bei Corona kaum den einzelnen Betroffenen im Hinterkopf, sondern stets die Bilder von zahlreichen infizierten Chinesen, Rumänen, Bulgaren, Polen, Russen und jetzt auch noch von den Philippinen auf der Aida.
    Und schon bekommt Corona ein Gesicht, und aus den geschundenen Opfern unseres Wirtschaftssystems werden Täter, die uns in unserer Bequemlichkeit stören…

  4. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @“Bronski“:

    „Sie meinen, ich müsste genau so schreiben, wie Sie kommentieren würden?“ Das würde viel Zeit sparen. 😉

    Sekunden nachdem ich den Satz abgeschickt hatte, merkte ich, daß ich ihn mißverständlich formuliert habe. Sie dürfen gerne meine Argumente übernehmen, brauchen es aber nicht 🙂 Besonders wenn es so schlecht formuliert ist wie von mir. Daniel Safran Froer nimmt sich als Angehöriger einer Holocaust-Überlebenden das Recht heraus, die Situation der in Massen gehaltenen und getöteten Tiere mit Nazi-Verhalten zu vergleichen. Das erwähnte ich. Von meinen Angehörigen ist niemand im Holocaust gestorben. Leider war mein Vater in der Hitler-Jugend.

    Gemeint hatte ich, daß es beim Thema Massentierhaltung auch um die Frage gehen sollte (das stelle ich zur Diskussion :-), ob die Fleisch- und Fischproduzenten richtig mit den Tieren umgehen?

    „Ein Beispiel, das jeden von uns betrifft: unser Fleischkonsum“, schreiben Sie. Mich berifft das nicht, da ich keine Tiere esse. Das wäre auch meine Antwort: Man darf Tiere nur in Notwehr töten. In den letzten 30 Jahren bin ich nicht in so eine Situation geraten. Ich bin aus Tierschutzgründen gegen Massentierhaltung und gegen das Töten von Tieren.

    Und dann gibt es noch das Klimaschutzargument. Ein Autor (Ernährungsmediziner) schrieb im Deutschen Ärzteblatt, daß vegetarische Ernährung keine klimaschützende Wirkung habe. Das kann ich (noch) nicht beurteilen. Bisher gehe ich vom Gegenteil aus. Daß nämlich -wie Daniel Safran Froer schreibt- mehr als die Hälfte der Treibhausgasäquivalente auf die Tierhaltung zurückgehen. Massentierhaltung wäre -wenn das stimmt- mit Klimaschutz überhaupt nicht zu vereinbaren. So deutlich formuliere ich es jetzt hier und stelle es zur Diskussion. So, jetzt geht die Sprechstunde los…

  5. Bronski sagt:

    „Mich betrifft das nicht, da ich keine Tiere esse.“

    Doch, es betrifft sie auch, da Sie einer Gesellschaft angehören, in der Massentierhaltung massiv gefördert wird. Sie haben daraus schon lange Ihre Konsequenzen gezogen, aber just in dieser Zeit hat sich das Problem noch weiter verschärft – und damit ist es trotzdem auch Ihr Problem. So wie auch meines. Unseres. Dass es Sie betrifft, zeigen Sie ja deutlich dadurch, dass Sie sich dagegen engagieren.

    Sie meinen offenbar Jonathan Safran Foer, Autor des Buchs „Animal Eating“, einen Amerikaner jüdischer Abstammung, der in New York lebt. Er muss wissen, was er sagt und schreibt. Offenbar nutzt er den KZ-Begriff, um die Dramatik, die das Thema aus seiner Perspektive hat, erkennbar zu machen. Der Vergleich geht trotzdem fehl. Für uns Deutsche muss der KZ-Begriff untrennbar mit industrieller Menschenvernichtung verbunden sein, also mit einem unfassbaren Verbrechen. Irgendetwas anderes damit zu vergleichen, auch wenn es noch so schlimm ist, führt in die Gefahr, dieses singuläre Verbrechen zu relativieren.

  6. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Jonathan (nicht Daniel) Safran Froer, stimmt. Ich habe die deutsch übersetzte Version gelesen: „Tiere essen“.

    Ich störte mich ein bisschen an der Bezeichnung „unser“ Fleischkonsum. Ich kann mich mit Tiere essen null identifizieren. Damit will ich überhaupt nichts zu tun haben. Es ekelt mich an. Allein schon, weil man den Tieren das Wichtigste nimmt, was sie haben: Ihr Leben. Dazu kommt, daß man ihnen ihr Leben nimmt für ein paar Sekunden Genuß auf der Zunge. (Dieser Satz stammt auch von Jonathan Safran Froer.) Man nimmt ihnen nicht nur das Leben, indem man sie tötet (schlachtet), sondern indem man sie vor ihrem gewaltsamen Tod ihr Leben nicht auskosten läßt. (Jemand hat mal scherzhaft die Frage gestellt: Gibt es ein Leben vor dem Tod?)

    Wie verhält man sich, wenn man erkennt (oder zu erkennen glaubt), daß andere sich „falsch“ verhalten, moralisch verwerflich? Es ist auch mein Problem, wenn zwar nicht ich, aber andere Tiere essen, schreiben Sie.

    Ich habe mich am Tag der Währungsunion zwischen uns und der DDR (zufälliger zeitlicher Zusammenhang) im stillen Kämmerlein dazu entschlossen, keine Tiere mehr zu essen. Aus (sorry) moralischen Gründen. Ich tat das, weil ich es für richtig hielt. Und weil ich das Essen von Tieren für falsch hielt. Allerdings gehörte ich damit zu einer extrem kmeinen Minderheit von -wenn die Zahlen stimmen- 3% der Deutschen, die das auch taten. Ich war nicht stolz darauf, daß ich zu einer Minderheit gehörte. Lieber hätte ich zu einer Mehrheit gehört, die keine Tiere essen. Es war am Anfang sehr anstrengend. Ich musste mich dafür rechtfertigen, daß ich keine Tiere aß. „Wie, Du ist kein Fleisch (mehr)?“

    Ich weiß von meinem Beruf her, daß es nichts bringt, Menschen zu etwas überreden zu wollen. Es erzeugt Reaktanz, wenn man Patienten ständig auffordert, mit dem Rauchen aufzuhören oder Alkoholiker mit dem Saufen aufzuhören. Ähnlich ist es wahrscheinlich mit dem Tierkonsum. Ich tue es nicht. Mir schmeckt vegetarisch (das scheint nicht jedem so zu gehen;Jonathan Safran Froer zum Beispiel liebt Fleisch und verzichtet bewusst darauf, es zu konsumieren). Mein Holo-Transcobalamin ist in Ordnung (bei Konsum von Milchprodukten). 2000 Meter schwimme ich in 40 Minuten. Das ist -sorry- vorbildlich. Aber offensichtlich reicht es nicht. Wir haben 10 Jahre Zeit, um den Treibhausgasausstoß runter zu fahren, und Tiere zu essen macht enorm viel Treibhausgasäquivalent (51 %). Also muss ich beim Essenstisch fragen: Warum maßt du dir an, Tiere zu essen? Warum werden Waffen aus Profit verkauft? Warum fliegst Du nach Mallorca? Warum fährst du Auto und nicht Bus?

    Anstrengend.

    In den 80er Jahren gab es einen US-amerikanischen Film „Nachrichtenfieber“. Eine sehr kompetente Nachrichtenmoderatorin wird darin von einem inkompetenten Nachrichtensprecher gefragt, ob es toll ist, zu wissen, was richtig ist. „Nein, anstrengend“, sagt sie.

    Die Wahrheit: Wenn alle Menschen statt der Augen grüne Gläser hätten, würden sie urteilen müssen, die Dinge, welche sie dadurch erblicken seien grün. Und nie würden sie entscheiden können, ob das Auge ihnen die Dinge zeigt, wie sie sind, oder ob es ihnen nicht etwas hinzufügt, was nicht den Dingen, sondern den Augen gehört. Genau so verhält es sich mit dem Verstande. Wir wissen nicht, ob das, was wir Wahrheit nennen, wahrhaft Wahrheit ist, oder ob es nur so scheint. (Kant.)

  7. Jürgen Malyssek sagt:

    Lieber Ralf-Michael Lübbers,

    Ich respektiere Ihre Haltung zum Fleisch-/Tiere essen, aber ein bisschen streng kommt es doch rüber. Diese ganze Massentierhaltung und auch diesen riesigen Fleischkonsum (der übrigens schon in den 1960ern an Fahrt aufnahm), der kann einem schon den Appetit an Fleisch verderben. Kein Widerspruch. Ich sehe die alten Mahlzeit-Gewohnheiten als einen passablen Umgang mit Fleischessen: Einmal die Woche war Fleisch angesagt und das Essen über die Woche war mit viel Gemüse und Suppen allerart verbunden. Und die Kartoffeln halt, überschaubare Angebote an Maccaroni und Spaghetti. Also, will sagen, das mit den Überangeboten, das ist heute nicht gesund.

    Hat man das Glück irgendwo noch einen intakten normalen Metzgerladen zu finden, dann kann das schon appetitanregend sein.
    Es ist dieses Maßlose heute, das einen fertigmachen kann, egal in welchem Konsum- und Lebensbereich!
    Ob man Tiere nicht essen soll, kann ich nicht wirklich beantworten. Aber dass es anständige Tierhaltung und -schlachtung gibt und geben kann, das will ich nicht bezweifeln.
    Was meine Essensgewohnheiten betrifft, so hänge ich immer noch an den frühen Erfahrungen und habe am Liebsten viel Gemüse und Kartoffeln. Und das Schöne ist dann: So alle zwei Monate ein schönes Zwiebelschnitzel oder Wienerschnitzel (Kalb). Das schmeckt dann auch.
    Ich hoffe, Herr Lübbers, Sie führen mich jetzt nicht wegen dem oben Gesagten vor’s Standgericht oder zeigen mir die Rote Karte!?

  8. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Lieber Herr Mallysek,

    weder Standgericht noch Standesamt 😉

    Ich bin nicht nur bei Tieren gegen die Todesstrafe, sondern auch bei Menschen. Und mit roten Karten kenne ich mich nicht so gut aus.

    Es gibt bei uns einen Witz: Warum laufen in Ostfriesland so viele Schweine mit einem Holzbein durch die Gegend? Antwort:Wegen einem Eisbein muß man ja nicht gleich ein ganzes Schwein schlachten. Doch in Wirklichkeit werden auch bei uns komplette Schweine-Individuen getötet. Das ist das Problem mit dem Schlachten. „Kann man Tiere respektvoll essen“, hat mal eine Kolumnistin in der Frankfurter Rundschau gefragt. Diese Kolumne habe ich an der Wand meines Wartezimmers hängen. Ist eher so meine Richtung 😉

    Ansonsten haben Sie recht: Das meiste im Leben ist eine Sache des Maßes. Und meist ist mehr als genug nicht gut.

  9. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Hilal Sezgin war die Autorin. (Kann mir ihren Namen schlecht merken, obwohl ich schon mehrere Bücher und die Kolumnen von ihr gelesen habe.)

  10. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    Schön trocken der Witz mit dem Holzbein/Eisbein!

    Norden-Norddeich kenne ich ganz gut und Marienhafe, Greetsiel …
    Paar Jahre her.

  11. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @ Jürgen Malyssek:

    „Norden-Norddeich kenne ich ganz gut und Marienhafe, Greetsiel …“ Kommen Sie gerne vorbei, direkt am Störtebeker-Turm. 🙂 Bzw. privat Aurich.

    Ich hatte übrigens in Ihrer Mitteilung „Standesgericht“ gelesen, auch noch mal nachgelesen, aber in Wirklichkeit steht da ja der korrekte Ausdruck „Standgericht“. Meine Replik darauf ergibt also keinen Sinn…

    @ alle:

    Für mich geht es in dieser Diskussion um 4 Dinge: Wie geht das Aufziehen und das Schlachten mit den betroffenen Tieren um? Was macht die Fleisch- (und Fisch-) Industrie mit den für sie arbeitenden Menschen? Was macht der Tierkonsum mit der Gesundheit der Menschen? Und -last but not least- was richtet diese Industrie mit dem Klima an?

    Nicht-Vegetarier werden die erste Frage für unwichtig halten. Ich möchte nur kurz die oben erwähnte Hilal Sezgin zitieren: Sie war in einem Vortrag gefragt worden, was sei, wenn man Tiere zwar halte und esse, aber respektvoll. „Wenn Achtung und Respekt bedeuten, daß man jemand die Faust ins Gesicht schlagen respektive das Fleischermesser in die Schlagader rammen darf, können wir diese Wörte gleich wegschmeissen. …Wer Tiere achtet, ißt keine. …Wenn man jemanden achtet, tötet man ihn ja nicht, oder?“

    Was macht diese Industrie mit den Menschen? An anderer Stelle erwähnte ich Tolstoi, der sagte: „Solange es Schlachthöfe gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.“ Das Problem ist nur: Schlachtfelder kann es auch ohne Schlachthöfe geben. Und die marktfundamentalistische Wirtschaft und Politik daß die Arbeiter und Arbeiterinnen außerhalb der Schlachthöfe auch mehr oder weniger ausgebeutet werden. Selbst wenn sie unumstritten sinnvolle Dienstleistungen und Produkte erzeugen, zum Beispiel als Näherin oder als Krankenschwester. Tonnies profitiert vom Marktfundamentalismus. Der Marktfundamentalismus ist Ursachen vieler oder vielleicht sogar der meisten akutellen Probleme. Tönnies und Sigmar Gabriel sind nur die Spitze des Eisbergs.

    Was macht der Tierkonsum mit der Gesundheit der Menschen? Nach meiner Beobachtung krank und dick und tot. (Ich erwähnte, daß in einem kürzlich erschienenen Artikel des Deutschen Ärzteblatt ein nach eigenen Aussagen interessenunabhängiger Ernährungsmediziner behauptete, vegetarische Ernährung hätte keinen Einfluß auf die Gesundheit. Dazu habe ich eine Anfrage an das unabhängige arznei-telegramm gestellt und harre einer Antwort. Von Proveg habe ich die Info, daß Tierkonsum schädlich für die Gesundheit (der Menschen) sei. Natürlich ist Proveg interessengebunden. Deshalb interessiert mich besonders, was das arznei-telegramm dazu sagt. (Den Artikel habe ich „Bronski“ zukommen lassen.

    Oben zitierter Ernährungsmediziner behauptete auch, der Konsum von Tieren habe im Vergleich zu einem pflanzenbasierten Konsum keine Klimavorteile. Das ist jetzt für mich eine besonders wichtige Frage. Nach meiner Information verstärkt der Tierkonsum und insbesondere die Massentierhaltung derart heftig die Klimaerhitzung, daß Klimaschutz mit Massentierhaltung verunmöglicht wird. 51 % der Treibhausgasäquivalente sind laut Janathan 🙂 Safran Froer durch Tierkonsum bedingt.

    Wenn ich gefragt würde, wie man in diesen Zeiten Geld am sinnvollsten investieren könnte, würde ich zur Aufklärung über vegetarische Ernährung raten (und Lobbyismuskontrolle). PV ist gut, Windenergie ist gut (vor allem für Aurich und Marienhafe, Stichwort Enercon), guter öffentlicher Nah- und Fernverkehr ist gut, energetische Modernisierung ist gut. Meine Empfehlung ist trotzdem: Vegetarisch ernähren. Lobbyismus kontrollieren.

  12. Birgit Kübler sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    Ich bin genauso wie Sie gegen die Todesstrafe für Menschen und Tiere!
    Vielen Dank, Sie haben den Tieren eine Stimme gegeben. Ich esse auch kein Fleisch.

    Franz von Assisi:
    „ Alle Geschöpfe der Erde fühlen wie wir, alle Geschöpfe streben nach Glück wie wir. Alle Geschöpfe der Erde lieben, leiden und sterben wie wir, also sind sie uns gleich gestellte Werke des allmächtigen Schöpfers – unsere Brüder.“
    Mit friedlichen Grüßen
    Birgit Kübler

  13. Birgit Kübler sagt:

    PETA tut viel, damit die Menschen anfangen, über das unfaire Fehlverhalten der Menschen gegenüber Tieren nachzudenken. Haustiere lieben und andere Tiere quälen ist Speziesismus. So hat PETA am 25.07.2020 in Düsseldorf einen gegrillten Hund (glücklicherweise nur eine Attrappe) angeboten, um auf das Leid der Schweine wegen brutaler Tierquälerei aufmerksam zu machen. Viele Zeitungen berichteten. Dieter Thomas Heck: „Wer Tiere nicht liebt, ist kein Mensch.“

  14. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    „Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe tragen“ von Melanie Joy ist ein sehr interessantes Buch zum Thema. Habe die Autorin auf der Vegmed getroffen (vegetarischer Ärztekongress, von Proveg veranstaltet). Die Autorin ist Veganerin 😉

  15. Birgit Kübler sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers
    Vielen Dank für den Hinweis. Ich werde das Buch kaufen. Es ist bestimmt lesenswert. Die Gesetze der Natur sind leider sehr grausam. Nach dem Motto „Fressen oder gefressen werden“ versuchen fleischfressende Tiere das Leben zu bewältigen. Glücklicherweise müssen Menschen zum Überleben keine Tiere essen. Als kleines Kind habe ich durch ein Astloch gesehen, wie ein Lämmchen vom Metzger ermordet wurde. Danach habe ich mich geweigert, Fleisch (Tierleichen) zu essen und Soße (Leichensaft) kommt auch nicht auf meinen Teller. Tiere sind meine Freunde und deshalb bedaure ich es sehr, wenn andere Fleisch essen wollen.

  16. Birgit Kübler sagt:

    Vielen Dank für den Hinweis. Ich werde das Buch kaufen. Seltsam, dass dieses unerträgliche Tierleid noch besteht, zumal der Tierschutz seit 2002 im Grundgesetz verankert ist. Welch eine Menscherei!

  17. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    „Menscherei“, Melanie Joy nennt es Karnismus, also frei übersetzt eine Ideologie, die Menschen zum Tierkonsum manipuliert /anstachelt (aus Gründen der Profitmaximierung).

  18. Birgit Kübler sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers!
    Sehr interessant! Ich finde es wichtig, die richtigen Worte zu benutzen, wenn wir unsere Mitgeschöpfe achten und respektieren wollen. Ich benutze sehr oft das Wort MENSCHEREI, wenn ich von kriminellen und unmoralischen Zuständen höre oder sehe, die Menschen verursacht haben: hingeworfene, wilde Müllberge im Wald oder anderswo, die mit Plastikabfällen verseuchten Meere und Naturgebiete, verwahrloste Kinder und Tiere, Gewalt und Kriege, das Rauchen und achtlos weggeworfene Zigarettenkippen – sogar auf Spielplätzen und im Sandkasten, zerdepperte Glasflaschen, die für Tiere gefährlich sind und genauso wie weggeworfene Kippen Brände verursachen können. Viele Menschen sagen dazu leider SCHWEINEREI, obwohl kein Schwein so etwas Asoziales machen würde. Auch mit Worten kann man Tiere diskriminieren und das haben sie nicht verdient. Folgendes Gedicht DIE ERNSTE FRAGE – DIE MENSCHENPLAGE zeigt, dass der Mensch gerne für seine Missetaten und Dummheiten Tiere als Sündenböcke missbrauchen. Ja, mit Worten wird Politik gemacht. Wir dürfen zum Vergleich nicht Zigeunerschnitzel, Negerküsse u.Ä. sagen. Deshalb sollten wir auch nicht das Wort SCHWEINEREI benutzen, wenn es sich tatsächlich um MENSCHEREI handelt. Ich frage mich oft, was der Mensch – meiner Meinung nach nicht Krönung der Schöpfung – sich einbildet, zumal er dabei ist, die Schöpfung zu zerstören.

    Die ernste Frage: Die Menschenplage

    Drei Mäuse besprachen die ernste Frage: Was tut man gegen die Menschenplage? Wie wär’s mit einer Menschenfalle? Aber damit fangen wir nicht alle. Oder ein Gift in den Kaviar mischen? So können wir auch nicht alle erwischen Da sagte die allerklügste Maus: Die rotten sich demnächst selber aus!
    Quelle: Aus „Tier-Info“ D-Tierversuchsgegner Pulheim e.V.
    Aber ehrlich, auch von den intelligenten Ratten können wir viel lernen. Raucher geben ihr sauer verdientes Geld für Tabak (= Menschenvertilgungsmittel) aus. Würden sich Ratten ihre Krallen krümmen, um an Rattengift zu kommen?
    Mit tierlieben, friedlichen Grüßen
    Birgit Kübler

  19. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Die richtigen Worte zu verwenden ist in der Tat sehr wichtig. „Menscherei“ statt zum Beispiel „Schweinerei“ weist da auf einen wichtigen Punkt hin (wer genau hat Schuld oder wer trägt wofür die Verantwortung ist eine immer wieder wichtige Frage).

    „Ein Stück Fleisch essen“ ist eine Wortwahl, die mir als Vegetarier nicht gefällt. Es sind Tiere, Individuen, die getötet und gegessen werden, nicht „ein Stück Steak“…

  20. Stefan Briem sagt:

    Hier wird vieles gesagt, dem ich nicht zustimmen kann.

    „Es sind Tiere, Individuen, die getötet und gegessen werden, nicht „ein Stück Steak“…“

    Herr Lübbers, ein Stück Steak kann nicht getötet werden. Es ist schon tot, aber es gibt Leben. Tiere werden getötet, Fleisch wird gegessen. Und das wird so sein, solange es Menschen gibt, wetten? Worin ich Ihnen zustimme, ist die Kritik an der schlimmen Massentierhaltung. Hier muss dringend etwas unternommen werden. Tiere müssen als empfindende Lebewesen angesehen werden, nicht einfach als „Nutztiere“. Ihr Fleisch muss einen Wert haben, der über den Preis hinausgeht. Es muss wertgeschätzt werden. Das hat auch mit Respekt vor der Kreatur zu tun. Ich kaufe mein Grillgut daher beim Metzger, der regional aufgewachsenes Tier schlachtet, bei dem sichergestellt war, dass es auf die Weide oder in die Schlammgrube durfte. Darum kann es bei uns nur zwei bis dreimal pro Woche Fleisch geben, aber das ergibt eine gute Mischung. Einfach ein Stück Fleisch in die Pfanne zu hauen, hat ja auch etwas Respektloses, wenn man sich stattdessen auch mal Gedanken über fleischlose Alternativen machen könnte. Diese Mühe wollen sich viele anscheinend nicht machen, so dass sie zur einfachen Lösung greifen. Das wird gefördert durch die Discounterpreise. Das ist eine schlimme Entwicklung, deren Ursachen in unserem Wirtschaftssystem liegen. Wettbewerb, Wettbewerb, Wettbewerb. Dabei kommt nicht nur das Tier unter die Räder, sondern auch der Mensch.

  21. Birgit Kübler sagt:

    Wir wissen alle, wie grausam es in Schlachthöfen zugeht, ganz zu schweigen von den Qualen unserer Mitgeschöpfe auf ihrer Reise in den Tod, ich denke da an die Dokumentation bei ARD, die Tiertransporte in den Orient und gar nach noch ferneren Orten in Asien zeigte. Danach konnte ich nicht einschlafen. Ich begreife nicht, dass die Menschen nicht fähig sind, dieses Elend zu stoppen. Ich stimme mit Robert Jungk, Schriftsteller und Zukunftsforscher, überein, der folgendes gesagt hat:“Ethik gegenüber dem Menschen und Rohheit gegenüber den Tieren sind zwei Verhaltensweisen, die sich nicht vereinbaren lassen, denn Grausamkeit gegen Tiere geht nahtlos in Grausamkeit gegen Menschen über.“ Also, für mich soll kein Tier sterben.

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