Tönnies verletzt die arbeitgeberische Fürsorgepflicht

Die Corona-Pandemie verändert unser Leben. Nach Abebben der ersten Welle wird dies nirgends so deutlich wie im Landkreis Gütersloh, wo sich der größte deutsche Schlachthof befindet, ein Werk, in dem das Tierleben nichts weiter als ein Wirtschaftsfaktor ist.

Ja, wir wollen Fleisch! Und zwar möglichst billig. Das wird möglich durch solche Betriebe wie die von Clemens Tönnies, dem Afrika-Spezialisten, der vor rund einem Jahr mal bekundete: Wenn man nur genügend Kraftwerke in Afrike baue, „würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“. Die Bulgaren und Rumänen, die zu Dumpinglöhnen in Tönnies Schlachthöfen Tierleiber zerteilen, hören die auch auf, Kinder zu produzieren, wenn’s dunkel wird? Oder hören sie dann wenigstens auf, andere mit Sars CoV 2 anzustecken? Vernünftige, zivilisierte Menschen machen so was nämlich nicht. Es sei denn, sie haben keine Wahl. Entweder weil sie’s nicht wissen, da sie nicht informiert wurden, oder weil sie nicht ausweichen können, da sie zu eng aufeinander gezwängt wohnen. Armin Laschet von der CDU, Ministerpräsident von NRW, sagt dazu jetzt: Schluss damit!

Zu: „Fahrlässige Fleischer“, FR-Politik vom 20. Juni, und „Es gibt keine Verlässlichkeit mehr“, FR-Wirtschaft vom 6. Juni

fr-debatteKeine Achtung vor Mensch und Tier

Die FR-Überschrift „Fahrlässige Fleischer“ führt in die Irre und nimmt den Metzgerei-Betrieb im Nahbereich in Haftung, wo ein Großkonzern der Fleischindustrie 1000de Mitarbeiter aus Proftgründen einem tödlichen Virus ausgesetzt hat. Es ist sattsam bekannt, dass der Fleischkonzern „Tönnies“ weder Mensch noch Tier achtet. Die arbeitgeberische Fürsorgepflicht verletzt dieser Großbetrieb fortgesetzt auf grobe Art. Der Konzern beutet seine Arbeitnehmer auf tödliche Weise aus. Menschen- und Tierrechte werden „systemisch“ mißachtet. Das „Geschäftsmodell“ aus Leiharbeit und „Sub-Unternehmertum“ dieser Fleisch-Industrie ist mörderisch! Die Sklavenhalter der Antike haben haben ihre Sklaven und Tiere besser behandelt. – Deshalb: Diese ekelhafte „Großbude“ gehört 1. aus Gründen der Generalpävention sofort geschlossen und 2. mit Strafen so belegt, dass nur noch die Insolvenz bleibt! – Die (Lebensmittel-)Kontrolle hat auch hier total versagt. – Jetzt helfen nur wirksame Sofort-Maßnahmen: Sofortige Schließung, saftige Strafbefehle, Knast für die Verantwortlichen und Schlachtereien unter wirksame öffentliche Kontrolle!“

Thomas Ewald-Wehner, Nidderau

fr-debatteVerdrängte Brutalität

Das massenhafte Auftreten von Corona-Infektionen ist nur der Gipfel skandalöser Zustände in der Fleischindustrie. Sie beutet durch das Subunternehmersystem nicht nur die Arbeitsmigranten schamlos aus, sondern darüber hinaus die vorgelagerten Beteiligten der „Produktionskette“. Das schwächste Glied sind die Mäster, denen oft nicht einmal Preise gezahlt werden, die die Vollkosten abdecken. Auf diese Weise war es z. B. dem „Fleischbaron“ Clemens Tönnies möglich, Gewerbesteuer sparend für 5 Millionen Euro ein Stadion zu bauen, das formal dem Betriebssport dient, aber gleichzeitig dem Frauenfußball-Zweitligisten FSV Gütersloh zur Verfügung gestellt wird.
Bezug nehmend auf die Randbemerkung, die Menschen dächten beim Grillen am Wochenende nicht an die „Leiden der Tiere“, möchte ich darauf hinweisen, dass auch bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wie auf allen Großschlachthöfen, die die CO2-Betäubung anwenden, schreckliche Tierquälereien Standard sind: CO2 löst extreme Atemnot aus. Die Tiere versuchen instinktiv, dem Erstickungstod zu entrinnen. Sie schreien bei ihren vergeblichen Fluchtversuchen erbärmlich … bis sie nach schier endlos langen ca. 25 Sekunden das Bewusstsein verlieren und nach dem Auswurf aus dem „Paternoster“ (ja, so wird die Anlage intern genannt!) im Akkord mittels „Entblutungsstich“ getötet werden … in Wiedenbrück etwa 20.000 Schweine am Tag. Für Achtung vor dem Leben, das den Tieren genommen wird, ist da kein Platz. Die Brutalität gegenüber dem Tier wird verdrängt und wirkt sich dann aus dem Unterbewusstsein im sozialen Umfeld aus. Wie sich die Verantwortlichen selbst belügen, ließ mich die Fa. Tönnies wissen: Während des Betäubungsvorgangs bestehe kein Kontakt von Mitarbeitern zu den Schweinen, weshalb es auch nicht zu tierschutzrelevanten Verstößen kommen könne. Im Übrigen handele es sich bei der CO2-Betäubung um eine EU-weit zugelassene Methode.

Eckard Wendt, Arbeitsgemeinschaft für artgerechte Nutztierhaltung e.V. (AGfaN), Stelle

fr-debattePolitik ist dafür zuständig, die Regeln zu setzen

Ich finde, es ist Heuchelei oder mindestens krasse Verdrängung von Minister Heil, wenn er sich jetzt als Held aufschwingt, der wie David gegen Goliath gegen die Zustände in der Fleischindustrie und gegen „die Anstrengungen milliardeschwere(r) Unternehmen…, dieses Vorhaben zu torpedieren“ kämpfen will. Die Worte, die der FR Karikaturist in der Samstagsausgabe der FR dem Fleischfabrikanten Tönnies in den Mund legt, kann man also vor allem auch zahlreichen Politikern in den Mund legen. Die Politik kann sich der Verantwortung für diese altbekannten Zustände nicht entziehen.
Es ist schließlich die Politik, die die Regeln setzt, nach denen Unternehmen ihre Konkurrenz auf Kosten von ArbeiterInnen, Umwelt und Gesundheit praktizieren. Es geht in diesem Regelwerk zuerst um Wettbewerbsfähigkeit und nicht um menschenfreundliche Arbeitsbedingungen, letztere schlagen nämlich im Wettbewerb als „Unkosten“ zu Buche. Ob Unternehmer wie Tönnies die Folgen dieser Art des Wirtschaftens gleichgültig lässt, ist zwar menschlich nicht unerheblich, aber unter den von der Politik für das Wirtschaften gesetzten Bedingungen zweitrangig.
Es gibt zwar das spezielle Marktsegment von Teilen des wohlhabenden Mittelstands, das für die Preisgestaltung auch die Kosten menschenfreundlicher Wohn- und Produktionsverhältnisse der Beschäftigten zulässt.
Die Mainstream Fleischwirtschaft erzielt ihren Profit mit der Billigware aber auf einem Markt, den die meisten Menschen bevölkern, welche mehr oder weniger von der Hand in den Mund leben. Auch dafür ist die Politik zuständig, auch die der SPD.

Joachim Reinhardt, Hüttenberg

fr-debatteBei Verstößen muss sanktioniert werden

Herr Nüßlein fordert zu Recht mehr Verantwortung von Konzernen, eine bessere Qualität, bessere Produktionsbedingungen und mehr Transparenz. Aber mit vollmundigen Forderungen ist es nicht getan. Die Großindustrie, allen voran Auto- und Lebensmittelbranche, haben sich allzu oft an gesetzte Regeln nicht gehalten oder gar in dreister Weise betrogen. Der Skandal in deutschen Schlachthöfen ist auch deshalb einer, weil er seit Jahren besteht, indem Arbeiter*innen aus Osteuropa brutalstmöglich ausgebeutet werden und die Politik nicht hingeschaut hat. Es bedarf nicht nur mehr und besserer Kontrolle, sondern bei Verstössen muss auch sanktioniert werden. Uns Bürger*innen wurden zu Beginn der Corona-Krise sofort die Strafen für Regelverstöße angekündigt (auch eine Form von Transparenz). Unternehmen, beziehungsweise deren Vertreter werden in diesem Staat jedoch bevorzugt behandelt. Wenn Herr Nüßlein meint, indem der Staat mit Geld unterstützt, sei dies ein mächtiger Hebel, eine neue Unternehmenskultur einzufordern, bleibt er unter seine staatspolitischen Möglichkeiten. Ausserdem betrachtet er den Staat selbst als eine Art Unternehmen, als regierte nämlich in erster Linie das Geld. Faktisch mag dies so sein, aber dieser Missstand begünstigt diejenigen, welche bekämpft werden sollen.

Robert Maxeiner, Frankfurt

fr-debatteStammbelegschaft für den täglichen Arbeitsbedarf

Nun macht erneut das Arbeitsministerium in Berlin mobil und will Werkverträge in der Fleischindustrie verbieten. Mit diesem Ansatz wird Hubertus Heil ( SPD ) scheitern. Natürlich ist es nicht hinnehmbar dass ausländische Arbeiter zu Billiglöhnen dort geknechtet werden. Auch müssen der Zoll und andere Behörden Zugang haben zu den Personaldaten. Allein, um zu kontrollieren ob die Mindestlöhne je Arbeitsstunde bezahlt werden. Die Fleischfabrikanten, wie Tönnies u.a. müssen wie jedes andere Unternehmen eine Stammbelegschaft haben, die ausgerichtet ist nach dem täglichen Arbeitsanfall. Für zusätzlichen Arbeitsanfall darf ein Betrieb Werkverträge mit Leiharbeitsfirmen schließen. So ist das bei Volkswagen, Airbus u.a.

Jürgen Hempel, Lüneburg

fr-debatteDie Ressourcen unserer Exekutive da und dort

Aus der FR erfahre ich vom eher zögerlichen Vorgehen unserer Behörden im Tönnies-Fleischskandal und auch von dem geballten und schnellen Vorgehen unserer Behörden bei der Stuttgarter Randale vergangenes Wochenende. Hätte es im Fall Tönnies überhaupt so weit kommen müssen, wenn genau so schnell und massiv mittels bereits bestehender Regelungen und Gesetze – z.B. Gefährdungsanalyse in Betrieben / Arbeitsrecht / Mietwucher / Hygienevorschriften / etc. – gehandelt worden wäre? Als interessierter Bürger frage ich mich, wie die Ressourcen unserer Exekutive da und dort verteilt sind? Ist Tönnies vielleicht „systemrelevant“?

Richard Michalski, Frankfurt

fr-debatte

 

30 Kommentare

  1. Peter Boettel sagt:

    Wie lange hat es gedauert, bis die Politik, insbesondere die CDU geführte nordrhein-westfälische Landesregierung sich um die Problematik bei Tönnies gekümmert hat. Bis vor wenigen Tagen, als die Corona-Fälle bei den Beschäftigten der Tönnies-Schlachthöfe stark zunahmen, konnten Laschet und Laumann nicht mehr umhin, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

    Bereits vor einem jahr hat die Aktion Arbeits-Unrecht Demonstrationen vor den Werkstoren von Tönnies veranstaltet und auf die unmenschlichen Arbeitsbedingungen durch die „Werkverträge“ hingewiesen.

    Dass Tönnies sein Milliarden-Vermögen nicht nur durch diese Arbeitsbedingungen zusammengeschachert hat, sondern auch unerlaubte Preisabsprachen getätigt, dabei sich mit Mogeleien stets vor den verhängten Bußgeldern retten konnte, und dass er fleißig durch Cum-Ex-Geschäfte Steuern hinterzogen hat, hat weder den Landrat aus der Adenauer-Dynastie noch die Landesregierung interessiert.

    Der Grund für diese Betriebsblindheit gegenüber den Überwachungsbehörden liegt natürlich darin,
    dass Tönnies fleißig mit hohen Beträgen Spenden an die CDU getätigt hat.

    Die Folgen dieses Schweigens treffen nun die Inifzierten, die übrigen Bevölkerung der Region sowie auch die Steuerzahler, nicht aber Tönnies und die Verantwortlichen für die unterlassene Aufsichtspflicht.

  2. Peter Boettel sagt:

    Ergänzung:

    Es sagt schon sehr viel aus über das System Tönnies, wenn bereits vor der Corona-Pandemie der Vorsitzende der CDU-Mittelstandsvereinigung in Paderborn, Tönnies als Sklavenhalter bezeichnet hat.

    Bezüglich der Fleischpreise ist es auch sehr bezeichnend, wenn der Grill einige tausend Euro kosten darf, aber das Kilo Fleisch sich an einer Untergrenze von wenigen Euro zu bewegen hat. Schließlich wird den Landwirten der Fleischpreis von den Großschlachtereien diktiert ebenso wie der Milchpreis von den Diskountern, aber das Risiko für die Haltung von Rindern oder Schweinen (Stallungen, Futter, Gesundhaltung etc.)wird natürlich den Landwirten überantwortet.

    Wenn die Lebensmittelpreise in den Läden steigen, bedeutet dies keinesfalls, dass eine solche Preissteigerung bei den Erzeugern ankommt.

  3. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Peter Boettel

    Danke für die Hinweise.
    Ich hoffe, dass diese Dynastien wie Tönnies & Co. zusammenbrechen, die sich seit Jahren als Investoren und Sponsoren im großen Fußball breit gemacht haben. Es ist, am Beispiel Tönnies, ein Elend, was aus dem Verein Schalke 04 geworden ist.

  4. hans sagt:

    Die Politik die solche Rahmenbedingungen zulässt wurde in D. durch demokratische Wahlen herbei geführt.

  5. Stefan Briem sagt:

    Das ist letztlich ein Totschlagargument. Damit können Sie so gut wie alles rechtfertigen, auch dass die Energiewende unterbleibt. Super, nicht wahr? Genau das wollen Sie ja.

  6. hans sagt:

    zu @ Stefan Briem
    Schön das immer die anderen Schuld sind. Auf Politiker kann man ja gut einprügeln Wähler ist man ja selbst.
    Wenn sie der Meinung sind das meine Beiträge zur Energiewende das Ziel haben das sie nicht stattfindet dann haben sie die Beiträge einfach nicht verstanden.

  7. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Stefan Briem

    He? Wer ist Sie? Energiewende?

  8. Peter Boettel sagt:

    @ Stefan Briem

    Und wer will was genau?

  9. hans sagt:

    Bi aller Kritik an Toennies, die ich ja auch teile, ist die Kritik mir viel zu sehr auf diese Firma bezogen. Das Arbeitsrecht mit den Werksverträgen und Leiharbeitern gilt in ganz Deutschland und wir in vielen Branchen be(ge)nutzt. Corona lässt es besonders in der Fleischindustrie erscheinen. Ich habe auch an anderer Stelle erlebt das sich jemand selbst als Leihsklave bezeichnet hat.

  10. Peter Boettel sagt:

    @ Hans:

    Kein Widerspruch. Schröder hatte sich seinerzeit auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, wo jährlich hundert Jahre Knast vertreten sind, gerühmt, in Deutschland den Niedriglohnsektor eingeführt zu haben.

    Die Bescherung dafür besteht nun in vermehrten Corona-Ausbrüchen in Fleischfabriken sowie in Ängsten der Beschäftigten bis hin zur Kriminalität und wie im Beitrag „Tarifverträge und Mindestlohn“ in der FR vom 24.06.2020 ausgeführt, in einer unlauteren Konkurrenzsituation.

    Die Gefahr besteht nun darin, dass die Corona-Pandemie nicht nur in der Fleischindustrie, sondern auch in anderen Sparten schamlos ausgenutzt wird, um weitere Maßnahmen zu Lasten der Arbeitnehmer durchzudrücken.

    Hierzu erinnere ich an den Beitrag „IG Metall warnt vor Sozialabbau“ in der FR vom 18.06.2020, zu dem ich auch einen Leserbrief an Bronski gesandt habe.

  11. Dieter Murmann sagt:

    Nichts ist so schlimm, dass es nicht noch für etwas gut ist. Es ist die Ironie des Schicksals, dass erst durch eine Pandemie unser Umgang mit den Nutztieren und mit den Menschen, die diese Tiere zu Grillfleisch und Wurst „verarbeiten“, in den Fokus gerückt wird. Wir wissen seit langem, dass die Tiere unter schlimmsten Bedingungen gezüchtet, gehalten und geschlachtet werden. Von Mahadma Gandhi stammt das Zitiat: Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.
    Wir wissen auch, dass es den Arbeitern in den Schlachthöfen nicht wesentlich besser geht, als den Tieren. Um das Fleisch möglichst billig im Supermarkt anbieten und exportieren zu können, werden, meist osteuropäische Billigarbeitskräfte in den Großschlachtereien eingesetzt. Diese arbeitssuchenden Menschen akzeptieren notgedrungen die unmenschlichen Bedingungen, die in unserer fleischverarbeitenden Industrie herrschen. Beschäftigt sind diese Menschen dann bei Subunternehmen. Die Großen der Branche (Tönnies, Vion und Westfleisch mit annähernd 60% Marktanteil bei der Schweineschlachtung) sind an den schlimmen Bedingungen also „unschuldig“. Die Arbeitskräfte sind schließlich nicht bei ihnen, sondern bei den Subunternehmen beschäftigt. Und auch die Supermärkte sind „unschuldig“, obwohl sie vorwiegend Fleisch der schlechtesten Haltungsstufe anbieten und ständig mit Dumpingpreisen für Fleisch werben. Dies alles ist lange bekannt, wird aber nun erstmals ernsthaft in Frage gestellt. Von unserer Landwirtschaftsministerin, Frau Klöckner, die die Betriebe immer in den Schutz genommen hat, hört man aktuell nichts. Sie tut nichts gegen die betäubungslose Ferkelkastration, die Kastenhaltung von Muttersauen, die unsäglichen Zuständen bei Tiertransporten usw.. Wir können nur hoffen, dass jetzt ein Umdenken in der Bevölkerung beginnt, und wir, frei nach Ghandi, einen moralischen Fortschritt machen, indem wir vernünftig mit unseren Nutztieren und den Menschen umgehen.

  12. Sylvia Heger sagt:

    Hütet euch, Tönnies zum Alleinschuldigen für die Verbreitung des Virus zu machen. Die Meldungen aus Lebensmittelbetrieben überschlagen sich aktuell. Endlich kommen die Fließband-Missstände ans Licht. Die Verbreitung durch die Aerosole wird bestätigt.
    Werden die Menschen jetzt etwa schlauer? Nein, sie reisen auch jetzt in ihren sicherlich wohlverdienten Urlaub mit nur einem Schnelltest auf das Virus, vergessen bei Sonne und Alkohol sämtliche Vorsichtsmaßnahmen. Sie stürmen die Restaurants, ohne sich zu fragen, wie es wohl im Akkord in der Küche abgeht. Dass meist keine Registrierung erfolgt , fällt ihnen allerhöchstens hinterher auf. Und sie pilgern in die Gottesdienste – die doch bewiesene Mitverbreiter waren-, um verständlicherweise Trost in diesen unruhigen Zeiten zu finden.
    Wo bleibt die Politik, die doch alle Bürger schützen sollte? Niemand mit gesundem Menschenverstand würde sich vom Kellner ein Stück Brot in den Mund schieben lassen. Keine Vorkosterin im Supermarkt würde Obst aufschneiden und das der Reihe nach jedem in die Hand legen. Und bei der Kommunion hat niemand epidemiologische Bedenken? Laschet bleibt bei seinem Freibrief für die katholische Kirche. Wie lange wohl noch?

  13. Andreas Klippel sagt:

    Jetzt jammern viele über die Zustände in der Fleischindustrie, dabei war seit Beginn der Corona-Krise klar, dass eine zweite Welle kommen wird, und diese hat ganz offensichtlich gerade begonnen. Es ist ja nicht nur der Ausbruch in Gütersloh, wir sehen ja weitere Ausbrüche in Kassel, Göttingen, Neukölln und anderswo. Und angesichts erneut drohender hunderttausender Todesfälle denken immer noch viele über weitere Lockerungen nach. Das Gegenteil ist angesagt!
    Wir brauchen jetzt – und zwar sofort – einen zweiten Lockdown, diesmal aber richtig und auch so lange, bis das Virus für immer und überall ausgerottet ist. Also: Reiseverbote nicht nur für die Einwohner von Gütersloh und Warendorf, sondern ein vollständiges Ausgehverbot. Einzige Ausnahme sollte der Gang zum Supermarkt sein, aber auch dorthin nicht mit der zum echten Schutz völlig unzureichenden Mund-/Nasen-Bedeckung, sondern nur noch im Schutzanzug. Wir dürfen dem Virus nicht die geringste Angriffsfläche mehr bieten, sonst drohen erneut wie bereits erwähnt nicht nur hunderttausende Tote wie bei der ersten Welle, sondern dieses Mal Millionen.

  14. Klaus P. Jaworek sagt:

    Jetzt könnte es aber dem „Billig-Ramsch-Schäufele“ (auch Schäuferle, Schäuferla, Schäufala, Schäufli, Schäuferl, Schäufelchen), süddeutscher Name für die flache Schweineschulter an den “(Schweineschulter)Kragen“ gehen; in der Schweiz „Schüfeli“, in Südbaden „Schiifele“ oder im Elsass „Schiifeli genannt.
    Der Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil (SPD) will dem Werkvertrag*) dem „Garaus machen“, das könnte auch für den Endverbraucher, hier für den fleischessenden Menschen zur Folge haben, dass es zum endgültigen Finito mit dieser „Super-Billig-Ramsch-Fleischware“ im Sonderangebot kommen könnte; „Corona sei vielleicht Dank“!

  15. Günther Rohr sagt:

    Geradezu grandios. Der kleine Händler der seine Getränke aus dem Fenster verkauft, der Friseur … und so weiter werden bestraft. Die Subunternehmer, die ihre „Arbeitssklaven“ sprich „Wanderarbeiter“ unter unglaublichen Verhältnissen in den Wohnanlagen unterbringen, können nicht belangt werden! Die Arbeitgeber, die die sozialen Lasten den Subunternehmern übertragen sind natürlich fein raus.
    Und was macht die Stadt Frankfurt? Sie hat eine Beratungsstelle „Faire Mobilität“ eingerichtet und die sieht keine Handhabe, bei den überfüllten Unterkünften für Wanderarbeiter in Griesheim einzuschreiten, da es „Privatwohnungen“ sind. Man hofft also, dass durch die Veröffentlichung dieser Zustände die in Frage kommenden Firmen womöglich nachdenklicher werden! Sie können davon ausgehen, dass das Ausbeutersystem verfeinert wird. Die unter den Brücken oder den stillgelegten Farbikgeländen Frankfurts Lebenden werden dann Zuwachs bekommen.

  16. Hans Reichwein sagt:

    Als ich den Leserbrief von Andreas Klippel mit dem Titel „SOFORTIGER LOCKDOWN, diesesmal aber richtig “ las, dachte ich ich traue meinen Augen nicht.
    Dort ist die Rede von „Angesichts drohenden hunderttausenden neuen Todesfällen.“ Es mag ja sein ,dass in den USA und in Südamerika, speziell Brasilen, hohe Todesraten zu verzeichnen sind, das aber auf Deutschland und Westeuropa zu projizieren ist mehr als absurd.
    Er fordert in seiner Lesungmeinung weiter „einen sofortigen zweiten Lockdown , so lange bis das Virus für immer und überall ausgerottet ist“ Als einzige Ausnahme gesteht er den Bürgern den Gang zum Supermarkt, allerdings nur noch im Schutzanzug zu !!
    Wo bitte ist noch ein Sinn für die Realität zu erkennen, es sei denn der Verfasser will die Wirtschaft total runinieren. Wo möglich ist aber der Leserbriefschreiber ein vom Staat alimentierter Mitbürger. der sich weder Sorge um seinen Arbeitsplatz , denn um sein Einkommen machen muss.
    Dass solch krude Gedanken den Lesern zugemutet werden ist unsäglich. Ich denke die FR hat ein besseres Niveau als solch einen Unsinn zu verbreiten.

  17. Jürgen H.Winter sagt:

    Der Beitrag von Herrn Klippel ist schon bemerkenswert. Wie sollte das gehen ? Wir leben doch nicht in einer Konservendose. Sollen die Grenzen mit Waffengewalt verteidigt werden ? Man kann so viel Lockdown machen wie man will, wenn die Nachbarn nicht mitspielen bringt das alles nichts.
    Zu Tönnies ist zu sagen, dass die Fakten lange bekannt sind, die Vorschriften auch, die diese Machenschaften verhindern sollen, sie werden nur nicht durchgesetzt. Diese Probleme haben wir doch schon seit Jahren. Fragen sie Frau Klöckner, die wird es wissen oder Herrn Laschet, der auch. Nein, in NRW verleiht man sich lieber den Orden wider den tierischen Ernst(Wortspiel), dann fällt das alles nicht so auf. Es ist die selbe Politik auch auf anderen Gebieten( Hambacher Forst und Braunkohle) und was da noch so alles im Trüben läuft. Und dann heißt es, der Verbraucher ist schuld, weil er das billige Fleisch kauft. Wenn unsere staatlichen Stellen das tun würden, was sie immer sagen, wäre schon viel geholfen.
    Übrigens, Hans, die Fleischskandale der Demokratie anzulasten scheint mir auch nicht sehr sinnvoll. Bisher ist es immer so gewesen, dass nach der Wahl zu sehen ist, was mit den Leuten los ist. Das war schon nach 33 so und so ist es immer noch. Man nehme nur das Verhalten der gegenwärtigen Politik in der fossile Brennstoffe Frage – schlimmer geht nimmer. Doch wurden die Akteure vom Volk gewählt. Vermutlich brauchen wir einfach ein neues Volk, ein besser funktionierendes, das sich vorher überlegt, wen es wählen soll, um zu besseren Ergebnissen zu kommen. Auch nicht sehr praktikabel….

  18. Michael Strake sagt:

    Wegen der Corona-Epidemie kommen Missstände ans Licht, aber auch Unwissenheit oder Vorurteile von Leserbriefschreibern.
    Eine Schreiberin regt sich auf über die Hostienausteilung bei katholischen Eucharistiefeiern. Ihr scheint nicht bekannt zu sein, dass seit dem Auftreten der Epidemie in katholischen Kirchen – nach Absprache mit den Gesundheitsbehörden – folgendes gilt: Mundkommunion, d.h. die Hostie wird in den Mund gelegt, ist während der Epidemie verboten (Mundkommunion wurde nach meiner Erfahrung in den letzten Jahrzehnten in Deutschland von weniger als 5 Prozent der Gläubigen, die zur Kommunion gingen, praktiziert).
    Aus Hygienegründen wird die Hostie nicht mehr vom Priester und von Kommunionhelfern ausgeteilt, sondern nur noch vom Priester. Er muss sich vorher (und nachher) die Hände desinfizieren, während der Austeilung eine Mund-Nase-Maske tragen und darf während der Austeilung nicht sprechen. Für die Aufbewahrung der Hostien vor und während des Gottesdienstes wurden verschärfte Hygieneregeln festgesetzt.
    Alle Gottesdienstbesucher müssen sich mit Name, Adresse und – so vorhanden – Telefonnummer registrieren lassen. Die Listen werden drei Wochen aufbewahrt, damit bei Coronaerkrankten, welche an Gottesdiensten teilnahmen, möglichst schnell weitere Erkrankte oder Angesteckte gefunden werden können. Nach drei Wochen werden die Listen vernichtet.
    Gläubigen, die zu Risikogruppen gehören, wird empfohlen, nicht an Gemeindegottesdiensten teilzunehmen, sondern zu Hause am Radio oder Fernsehen einen Gottesdienst mitzufeiern.
    Nähere Informationen sind jederzeit über die kirchlichen Homepages zu bekommen..
    Am Besten macht man sich aber im persönlichen Gespräch mit einem Kirchgänger kundig über die hygienischen Maßnahmen während Gottesdiensten.

  19. Dietlinde Haug sagt:

    Inhaltlich stimme ich mit beiden Artikeln überein. Natürlich muss in allererster Linie eine Weiterverbreitung des Corona-Virus verhindert werden, und wenn das nicht ohne Reisebeschränkungen geht, dann müssen die sein. Was mir zu sehr aus dem Blick gerät, ist die Situation der Fleischarbeiter, die bei aktuell 30 Grad und mehr in viel zu engen Wohnungen vegetieren müssen, bewacht von Hundertschaften Polizei. Wir konnten die Bilder im Heute-Journal des ZDF im Fernsehen sehen. Diese Menschen müssen zwar auch im Moment in Quarantäne bleiben, aber sie müssen anders untergebracht werden, auch wenn das mit viel Aufwand verbunden ist. Es reicht bei dem Preisaufschlag für Fleisch, der jetzt im Gespräch ist, nur an das Tierwohl zu denken, nur daran, daß die Tiere größere Ställe bekommen, auch die Menschen müssen aus ihren Käfigen heraus. Auch wenn das zweifellos viel Aufwand bedeutet, man muß darüber nachdenken, wie sie menschenwürdig untergebracht werden können. Erst haben diese Arbeiter dafür geschuftet, um den Fleischpreis niedrig zu halten – wie beide Autoren richtig bemerken, ist der täglich Verzehr von Billigfleisch kein elementares Menschenrecht – und jetzt müssen sie im Hausarrest unter Polizei-Bewachung leben, das darf doch wohl nicht wahr sein. Es muß alles daran gesetzt werden, ihre Wohnsituation zu verbessern, so daß die Quarantäne auch auszuhalten ist. Das habe ich als Forderung in beiden Artikeln vermißt. Natürlich ist das teuer und ein erheblicher Aufwand für die Behörden, aber dieses Bemühen sind wir diesen Menschen einfach schuldig. Wenn Herr Tobias Peter schreibt: ,,Schämen müssen wir uns alle, weil wir vor den unzumutbaren Arbeitsbedingungen von osteuropäischen Fleischarbeitern so lange die Augen verschlossen gehalten haben“, dann kann ich das nur dreimal unterstreichen.
    Natürlich muss es auch um das Tierwohl gehen, aber vergessen wir darüber die Fleischarbeiter nicht!

  20. Peter Boettel sagt:

    Michael Strake hat mit seinen Ausführungen über die Praxis in der katholischen Kirche vollkommen recht.

    Hier werden die Hygienemaßnahmen sogar teilweise strenger gehandhabt als anderswo; so musste man sich bis Ende Juni vorher anmelden.

    Die Registrierung findet, wie in Lokalen, regelmäßig statt. An den Bänken sind Beschilderungen angebracht, wo die Leute sitzen dürfen, damit der Abstand eingehalten wird.

    Es darf nicht von der Gemeinde gesungen werden, Lieder werden nur von Solisten vorgetragen.

    Die Handkommunion wird schon seit 50 Jahren praktiziert; es mag, wie von Herrn Strake erwähnt, noch Einzelne geben, die das noch nicht erfasst haben. Der Priester desinfiziert sich mehrmals die Hände und legt die Hostie mit einer Zange in die Hand.

    Ministranten, die dem Priester Handreichungen machen, tragen während dieser Zeit ebenfalls Mundschutz.

  21. Paul R. Woods sagt:

    Sauen zwischen Eisengitter ohne Bewegungsmöglichkeit, Ferkel betäubungslos den Schwanz und die Hoden abschneiden, Haltung auf Betonspaltenboden über Treibmistkanälen – Hauptsache Kosten vermeiden. Und wenn die Tiere schon so gehalten werden, warum sollte es bei den Arbeitern anders sein? Mal abgesehen von der Vermeidung von Lohnsteuer und Sozialversicherung – also absichtlicher Schädigung des Gemeinwesens.
    Die Partei, die jahrelang die Kontrollen zurückgefahren hat und wiederholt gegen bessere Tierhaltung gestimmt hat, hat von dem Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück immer wieder fünfstellige Spenden erhalten (honi soit qui mal y pense – oder etwa doch?).
    Und dann stellt sich eine Ministerin derselben Partei ins Fernsehen und kocht mit Fleisch der untersten Preisklasse.
    Aber die Verbraucher sollten sich nicht beklagen, denn es gibt überall lokale Metzgereien, die anzeigen, von welchem Betrieb das Schlachtvieh kommt, und die nur mit eigenen Fachkräften die Schlachtung vornehmen. Aber „Geiz ist geil“ – und beim Discounter ist alles billiger.

  22. Hans J. Lehmann sagt:

    Beim Betrachten der Obszönitäten um die Fleisch- und Geflügelverwertungs-Industrie herum kommen mir zwei Gedankenstränge:
    Seit Jahrzehnten toleriert unser Staat/unsere Politik ein massives Umwelt- und Sozialdumping in diesem großen Sektor oder befördert es sogar teilweise. In Dänemark, das auch eine große Schweinefleischindustrie besitzt, gingen Tausende Arbeitsplätze unter, denn dort werden vernünftige Löhne gezahlt und es walten hohe Hygienestandards. Diese Situation müsste in Brüssel Frau Vestager auf den Plan rufen, die Deutschland mit einem Verfahren gegen unlauteres Dumping zu überziehen hätte. Man erzähle mir jetzt bitte nichts vom Druck des Weltmarktes.
    Es fällt ja anscheinend immer noch genug ab für die Lokalmillionäre. Und vielleicht sind wir es, die den Weltmarkt machen?
    Der andere Strang geht tiefer, ist aber auch spekulativer: Gibt es eine Mentalitätskette in Deutschland von den Rittergutsbesitzern unter Hindenburg, der Herrenrasse danach und deren Umgang mit Zwangsarbeitern/Kriegsgefangenen und den Wiederaufbaukapitänen der Nachkriegszweit bis zu deren Nachfolgern heute, die sich in der Behandlung unserer Mitbürger aus der östlichen EU-Ländern ausdrückt, indem man meint, wenn jemand aus dortigen ärmeren Verhältnissen kommt, könne man ihm anständige Behandlung vorenthalten? Möglicherweise mit der Begründung er sei es ja nicht anders gewöhnt?
    Immerhin tun diese Mitbürger die Arbeit, für die sich kaum ein Hiesiger krumm machen würde. Bindet man beide Stränge zusammen, ergibt sich mir ein Bild ziemlich weit reichender moralischer Verkommenheit hierzulande.

  23. Peter Boettel sagt:

    Die Nachricht, dass Ex-Minister und Ex-SPD-Chef Gabriel ausgerechnet bei Tönnies einen Beratervertrag (mit welcher Summe?) tätig war, schlägt dem Fass den Boden aus.

    Wieviele Beschäftigten haben insgesamt den Betrag als Lohn erhalten, den Gabriel während der Zeit als „Berater“ für Tönnies kassiert hat.

    Besonders erschreckend finde ich, dass Gabriel diesen Vertrag zu einer Zeit hatte, zu der die ausbeuterischen Machenschaften von Tönnies längst bekannt waren. Kann dieser Mann den Hals nicht voll genug kriegen als Ex-Minister, Ex-Ministerpräsdient, Ex-Abgeordneter, Aufsichtsrat der Deutschen Bank, Atlantik-Brücke etc.

    Er sollte schleunigst aus der SPD austreten, da er ihr mehr schadet als nutzt!

  24. Jürgen H. Winter sagt:

    Der Untertitel „… muss das Fleisch billig sein“ unterstellt, der Verbraucher hätte irgendeinen Einfluss auf die Fleischpreise. Hat er nicht. Er kauft das, was es gibt. Die Akteure sind die Tönnies dieser Welt auf der einen Seite, die Politik auf der anderen Seite. In diesem Fall Frau Klöckner (Agrar), Frau Schulze (Umwelt), Herr Heil (Arbeit). Sie sollen die Fleischindustrie kontrollieren. Tun sie aber nicht, obgleich sie es immer wieder sagen. Das geht seit Jahren so, es wird einfach nicht durchgegriffen , es gibt da schon Vorschriften , aber , na ja .Das Ganze nennt sich Rheinischer Kapitalismus . Das produziert auch so lustige Sachen , wie den „Orden wider den tierischen Ernst“, der , wenn ich mich recht erinnere , auch Frau Klöckner schon verehrt wurde . Das Wortspiel mit dem tierischen Ernst ist wohl Zynismus.
    Im gleichen Atemzug hat man jetzt auch den Kohlevertrag durchgewunken, der Kohleindustrie einen Haufen Geld in den Hals geworfen , die Kohle bis 2038 festgezurrt usw. Dabei wissen alle Beteiligten, dass das, was sie da tun grundfalsch ist. Ich erinnere mich an einen Kommentar von Herrn Laschet zu den Terroristen im Hambacher Forst und an die Rede von Herrn Tönnies in Fußballkreisen mit dem launigen Abstecher über die „Neger“ in Afrika. Das ist die Hintergrundmusik zum Drama . Wer soll da aufräumen?

  25. Thomas Ewald-Wehner sagt:

    Die Unternehmenspolitik des Fleischoligopolisten Tonnies und dessen Auswirkungen auf die Schlachterei-Beschäftigten und die Schlachttiere erinnert an die düsteren Kapitel des Buches von Friedrich Engels „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“. Die wohl größte Strafe für Tönnies wäre, wenn der gewerkschafts- und betriebsratsfreie Groß-Betrieb gewerkschaftlich durchorganisiert würde. Das ginge wirkungsvoll zu Lasten der Profite dieses Erzkapitalisten!
    Der vergleichsweise schwache gewerkschaftliche Organisationsgrad beim Quasi-Monopolisten Amazon erschwert es der Gewerkschaft ver.di vernünftige Arbeitsstandards zu schaffen. Eine für Amazon vorteilhafte Standortauswahl gerät zum Nachteil der dort Beschäftigten. Im Zuge der exorbitanten Zunahme von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit kommt auf die Gewerkschaft ver.di viel Arbeit zu; ist sie dafür gut gerüstet? Da wären die geplanten Entlassungen auch bei Kaufhof/Karstadt, der Lufthansa etc. zu nennen. Die neue „Maschinerie“, die die „Digitalisierung“ bringt, ist dabei noch gar nicht in den Blick genommen. Und auch nicht der Organsationsbereich der IG-Metall, wo z.B. in der Automobilindustrie „Umbrüche“ bevorstehen, die ebenfalls zu massenhaften Entlassungen führen werden.
    Lohnkürzung, Lohnprellerei, verweigerte Lohnerhöhung, verweigerte Abstellung von Mißbräuchen, schlechten Einrichtungen, fehlender Gesundheitsschutz in Corona-Zeiten, Massenentlassungen im Zuge der Krise weiten sich zu einem „sozialen Krieg“; das scheint absehbar. – Die Amazon-Beschäftigten wehren sich mit Streiks, die Friedrich Engels als die „Kriegsschule der Arbeiter“ bezeichnete. Hier ist die Solidarität der anderen Gewerkschaften gefordert. Die kleine Gewerkschaft „Nahrung, Genuss und Gaststätten“ ist mit dem System „Tönnies“ hoffnungslos überfordert. Wer finanziert z.B. kurzfristig 20 Gewerkschaftssekretäre, die in der Großbude „aufräumen“ und die Beschäftigten gewerkschaftlich organisieren? Zu fragen wäre auch: Warum werden auch in diesen Zeiten die Arbeitenden nicht Gewerkschaftsmitglied? – Nie wurden die Gewerkschaften dringender gebraucht wie in diesen dürren Zeiten und es bewahrheitet sich: „Die Gewerkschaft ist das Stärkste, was die Schwachen haben!“

  26. Elmar Pfannerstill sagt:

    Die wahre Ursache des Problems liegt in der überzogenen Konzentration von Produktionsstandorten. Vor vielen Jahren gab es in jeder größeren Stadt u.a. eine Molkerei, eine Brauerei und auch einen Schlachthof. Die dort Beschäftigten konnten jeden Tag nach Hause gehen und waren nicht gezwungen, in kasernierten Massenunterkünften zu nächtigen. Die heutzutage „effizientere“ Massenproduktion wird dadurch begünstigt, dass Transportentfernungen vor allem im Straßengüterverkehr kaum zu Buche schlagen. Auch hier kommt in hohem Maße unterbezahltes, osteuropäisches Personal mit schlechten Arbeitsbedingungen zum Einsatz. Zynischerweise werden die Lkw-Fahrer von der Branche als „Arbeitshelden“ gefeiert, um das eigene Image aufzupolieren.
    Nicht nur die Abhängigkeiten von China zeigen in der aktuellen Krise, dass für Billigproduktionen und Billigtransporte volkswirtschaftlich ein hoher Preis zu zahlen ist, der letztendlich von der Allgemeinheit zu tragen ist.

  27. Achim Reh sagt:

    Deutschland ersäuft in der Gülle der gequälten Schweine, die Fleischbarone baden in den Gewinnen der gestiegenen Umsätze. Wer regiert eigentlich, Lobbyisten oder Politiker?

  28. hans sagt:

    zu @ Jürgen H. Winter
    Im gleichen Atemzug hat man jetzt auch den Kohlevertrag durchgewunken, der Kohleindustrie einen Haufen Geld in den Hals geworfen , die Kohle bis 2038 festgezurrt usw.
    Da haben sie definitiv recht. Sie haben bei der Aufzählung der tollen Minister den Altmeier vergessen. Der sagt doch gestern tatsächlich das D. das einzige Land ist das aus der Kohle und AKW aussteigt. Das ist Volksverdummung pur. Ich denke selbst wenn das letzte Kohle oder Atomkraftwerk auf diesem Planeten abgeschaltet ist wird immer noch sich niemand gefunden haben der das so gemacht hat wie D. Auf die Idee unwirtschaftlichen Kraftwerken so viel Geld hinterher zu werfen wird sonst niemand kommen. Es werden auch nicht viele Staaten auf die Idee kommen den Atommüll den Betreibern abzukaufen. Das alles hat D. relativ sicher exklusiv. Man könnte meinen man ist auf einer Vorlesung: Wie ruiniere ich eine Industrienation.

  29. hans sagt:

    Was mich bei dem Thema immer noch stört ist die Fokussierung auf Fleischfabriken. Werksverträge und Leiharbeit gibt es auch an anderer Stelle. Es wäre interessant zu sehen in welchen Arbeitsverhältnissen die Leute die in Göttingen oder Neuköln die Corona Ausbrüche erlebt haben stehen.

  30. Peter Boettel sagt:

    @ Achim Reh:

    Die Frage ist leicht zu beantworten.

    Welchen Aufwand hat es bereitet, endlich das Thema „Lobbyregister“ politisch anzugehen?

    Es müssen immer erst gravierende Vorfälle (ob Tönnies oder Amthor) geschehen, bevor die Politik, die die Augen vor den Skandalen geschlossen hat, reagiert, weil es dann nicht mehr anders geht.

    Und dass Gabriel vor Jahren noch das System Tönnies kritisiert hat, sagt nichts aus; denn er war ja schon immer als sprunghaft bekannt, indem er sich von einem Tag auf den anderen zu Problemen um 180 Grad gedreht hat.

    Schlimm ist dabei, wie sehr er damit seiner Partei schadet. Früher wurden Mitglieder wegen „parteischädlichen Verhaltens“ ausgeschlossen, wenn sie ein Flugblatt gemeinsam mit der DKP unterschrieben hatten, ohne dass deshalb Wahlen verloren gingen oder ein Mitgliederverlust deshalb eingetreten war.

    Aber wenn hochbezahlte Politiker Dinge treiben, die das Gegenteil der Grundsätze der SPD beinhalten, und dadurch Stimmenverluste bei Wahlen oder ein Mitgliederschwund wie unter Gabriels Parteivorsitz festzustellen war, wäre jeder Versuch, ein Ausschlussverfahren zu beantragen, erfolglos.

    Erinnert sei hier an das Verfahren gegen Clement, den Müntefering mit aller Gewalt in der Partei halten wollte, obwohl dieser der Partei mehr geschadet hatte als manche Jusos, die bei Antifa o.ä. beteiligt waren.

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