Wir fahren mit der aktuellen Zeitregelung ganz gut

Die EU hat viele Baustellen. Eine davon ist die Neuregelung der alljährlichen Zeitumstellung. Nachdem eine – nicht repräsentative – Online-Umfrage vor einer Weile davon gezeugt hat, dass diejenigen, die abgestimmt haben, mit der bisherigen Regelung von Sommer- und Standardzeit nicht zufrieden sind, glaubt die EU, in Zugzwang zu sein. Die Zeitumstellung soll abgeschafft werden. Doch dieses Vorhaben scheint in Chaos zu münden. Eine völlig unnötige Aktion, findet FR-Leser Gerhard Schulz-Ehlbeck, denn:

Wir fahren mit der aktuellen Zeitregelung ganz gut

Von Gerhard Schulz-Ehlbeck

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Auf reichlich komplexe Verhältnisse trifft, wer einmal die Sonnenstände in verschiedenen europäischen Gegenden abhängig von der Jahreszeit und der Zeitregelung berechnet, auf viel Für und viel Wider der möglichen Regelungen. Kaum jemand, der 2018 an der EU-Umfrage teilgenommen hat, dürfte sich diese Mühe gemacht haben. Bestenfalls beurteilt man wenige Aspekte für den eigenen Bereich: Im Sommer gern lang hell im Biergarten, ganzjährig bei Feierabend gern noch nicht zu dunkel, der winterliche Schulweg der Jüngsten gern nicht zu lang in völliger Finsternis. Die Zeitregelung wirkt sich auf diese Aspekte in verschiedenen Gegenden unterschiedlich aus.
Wer das für eine Reihe von Orten untersucht, stellt fest, dass wir mit der bisherigen Regelung recht gut fahren. Die Zeitumstellung sorgt in vielen Gegenden Europas dafür, dass die genannten persönlichen Aspekte ganz gut bedient werden.
Wenn die Zeitumstellung abgeschafft wird, wird es vielfach schwieriger. Schon in jedem einzelnen Land ist es bei einer Regelung so: Die sommerliche Abendhelligkeit der einen verfinstert den winterlichen Tagesstart der anderen. Und man muss sich entscheiden: Rechtfertigt die Biergartenhelligkeit bis 22 Uhr im Sommer, dass der Nachwuchs im Winter vier Monate lang in Finsternis zur Schule muss, mit den damit einhergehenden Gefährdungen?
Der Korridor der günstigen Entscheidungsmöglichkeiten wird mit der Abschaffung der Zeitumstellung enger, um eine Stunde, die den Unterschied von Tageshelligkeit zu völliger Dunkelheit ausmachen kann. Und die große Ausdehnung der Zeitzone macht die Einigung sowieso schon schwierig. Wenn die einzelnen Staaten entscheiden, werden sie versuchen, die schwieriger werdenden Optimierungsmöglichkeiten für ihr eigenes Gebiet zu nutzen, und sich wenig nach den Interessen der Nachbarn richten: Deutschland wird für sich vielleicht die Dauer-Sommerzeit wählen, ebenso Benelux, Italien, der ganze Südosten. Frankreich und Spanien werden für die Dauer-Winterzeit optieren, auch für Skandinavien kann das die bessere Wahl sein. Oder der eine entscheidet für die Schulkinder, der eine für die Biergärten, auch möglich. Man darf gespannt sein, wie die Aspekte fürs Publikum aufbereitet werden.
Wo soll – wenn man sich den Zustand Europas bei anderen Abstimmungsthemen ansieht – der Wille herkommen, zugunsten einer natürlich wünschenswerten Einheitlichkeit die Eigeninteressen der Staaten zurückzustellen? Da wird viel gestritten werden, es werden sich Fraktionen bilden. Die Fragen werden dann in der Art gestellt: Müssen wir die Nachteile hinnehmen, weil die anderen auf ihrem Vorteil beharren? Ob da ein sinnvolles Ergebnis herauskommt, ist nicht vorhersehbar.
Mein Rat wäre, bei der ganz guten Zeit-Umstellung zu bleiben, nicht wegen einer Energieeinsparung, sondern wegen der vernünftigen Bedienung unterschiedlicher Ansprüche an die Verteilung der Tageshelligkeit. Und schwierige Themen, über die Einigkeit in Europa herzustellen wäre, gibt es schon noch andere: Schutz der Meinungsfreiheit und Fürsorge für Flüchtlinge wären solche.
Gerhard Schulz-Ehlbeck, Karlsruhe

14 Kommentare

  1. Elisabeth Marx sagt:

    1. Ich mag die Sommerzeit mit den langen hellen Abenden im Sommer. Mit der Umstellung habe ich keine besonderen Probleme.
    2. Das Vorgehen der EU zu diesem Thema verstehe ich nicht. Da wird nach einer online-Umfrage flugs das Thema zur baldigen Entscheidung vorgesehen. So funktioniert Politik doch sonst nicht. Dass aufgrund von Meinungsumfragen, wo sich ein kleiner Teil der Bevölkerung geäußert hat, entschieden wird. Wenn, dann sollte es eine Volksabstimmung geben und keinen schnellen Beschluss!

  2. Barbara Fuhrmann-Buroh sagt:

    Artikel und Kommentare zur „Sommerzeit“ zeigen zwei sehr unterschiedliche Grundtendenzen : Auf der einen Seite wird versucht, durch verschwommene Begriffe Fakten und Interessen zu verschleiern, während auf der anderen Seite die Mehrzahl der Bürger die spärlichen und dazu noch nebulösen Informationen nicht verstehen kann. Zur Klarstellung:

    ERSTENS gibt es für uns hier in Mitteleuropa die mitteleuropäische Zeit ( MEZ ,engl. CET ) , die Ende März dann durch unser eine Stunde früheres Aufstehen am Morgen „Sommerzeit“ genannt wird ( MESZ , engl. CEST ) .

    ZWEITENS ist es richtig, dass es im Sommer abends länger hell ist, aber genauso richtig ist es, dass nur Rentner das genießen können, denn die arbeitende Bevölkerung , einschließlich der Schüler/innen , muss morgens während dieser sogenannten Sommerzeit eine Stunde früher aufstehen, hat aber natürlich abends bei der Helligkeit keine Lust, entsprechend eine Stunde früher zu Bett zu gehen.

    Die Folge : Vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein ein tägliches Schlafdefizit mit gefährlichen Begleiterscheinungen, als da sind : permanente Erschöpfungszustände, Konzentrationsmangel, Nervenschwäche .

    DRITTENS : Man hört sporadisch, dass unsere MEZ durch Vergrößerung der EU zum Problem werden könnte . Für WEN und WARUM hätte längst durch wiederholte klare Informationen seitens der Europäischen Kommission in den einzelnen
    Mitgliedsstaaten zum Thema werden müssen.

    VIERTENS : Es hätte längst allen europäischen Bürgern bekannt sein müssen, dass England – im Gegensatz zu uns – tatsächlich eine echte Winterzeit kennt : Im Sommer hat man dort unsere normale MEZ , und im Winter darf man eine Stunde länger schlafen. Wer weiß, ob es in England jemals zu dem Gedanken an einen Brexit gekommen wäre, wenn man hier auf dem Kontinent einige der guten und förderlichen Ideen Englands zu notwendigen Reformen in der EU aufgegriffen und in allen Mitgliedstaaten offen diskutiert hätte, denn nicht alles , was dieses egozentrische Rest-Empire forderte, war schlecht .

    FÜNFTENS sollte man sich auch daran erinnern , dass wir in Deutschland von 1916-1918 und von 1940-1949 auch „Sommerzeit“ hatten. Weiß noch jemand, welches die Gründe dafür waren ?

    FAZIT : Es ist höchste Zeit für Klarheit in Frage und Antwort , sonst werden wir durch interessengeleitete , Nebelkerzen werfende Beiträge immer weiter verunsichert und dadurch manipulierbar.

  3. Deutscher Michel sagt:

    Zustimmung zu Barbara Fuhrmann-Buroh:
    Ich habe heute früh um ca. 6 Uhr das Haus auf dem Weg zur Arbeit verlassen – und es war erstmals in diesem Jahr nicht stocksuster. Lange wird diese Freude nicht währen.

  4. Gerhard Schulz-Ehlbeck sagt:

    @Deutscher Michel: Der Fortschritt, den die Helligkeit vom letzten Freitag auf Montag gemacht hat (sechs Minuten früherer Sonnenaufgang), wird Ihnen tatsächlich am 31.3. vorübergehend durch den Wechsel zur Sommerzeit vermiest. Aber schon zwei Wochen später am 15.4. haben Sie durch den immer frühren Sonnenaufgang wieder den Stand vom jetzigen Montag wieder erreicht. Diese Beeinträchtigung durch die Zeitumstellung ist wirklich nur sehr vorübergehend (und eigentlich der Preis für die hellen Sommerabende).

    @Barbara Fuhrmann-Buroh: „Zur Klarstellung“ dient Ihr Beitrag eigentlich nicht, oder? Zu Ihrem Viertens wäre zu sagen, dass die Sommerzeit der Briten genau so funktioniert wie unsere, nur dass die Britischen Inseln – entsprechend ihrer geografischen Lage – in einer anderen Zeitzone unterwegs sind.

  5. Jan Prediger sagt:

    Ich bin zwar seit einiger Zeit Rentner bzw. Pensionär, war aber bis vor eineinhalb Jahren in Vollzeit beschäftigt.
    @Barbara Fuhrmann-Buroh: Es kann keine Rede davon sein, dass ich wegen der Sommerzeit ständig übermüdet war. Nein, ich habe sie rundum genutzt, keineswegs nur für abendliches Ausgehen in Lokale. (Zu viel Alkohol wäre schädlich und teuer.) Aber was kann man nicht alles machen, wenn es noch ausreichend hell und warm ist: im Garten sitzen oder arbeiten, Obst ernten, wenn die Mittagshitze vorüber ist, Rad fahren, Reparaturen am Haus, nicht zuletzt Aktivitäten im Verein, bei mir war es Paddeln, und und und. Gerade als Berufstätiger habe ich die Sommerzeit genossen, möchte sie aber auch in Zukunft nicht missen. Die paar Tage nach der Umstellung, die es bei der Fahrt zur Arbeit noch dämmrig war, habe ich für den Gewinn an Lebensqualität gerne in Kauf genommen.
    Die MEZ scheint aus technischen Gründen für sehr viele Länder wichtig zu sein. Sie ist ein guter Kompromiss. Im Winter, in dem die Tage nun einmal kürzer sind, wäre es aber z.B. für westliche Gebiete Frankreichs absolut unzumutbar auf eine Umstellung auf die normale Zeit zu verzichten. Die Sonne ginge erst gegen Mittag auf. Umgekehrt kommt die Sommerzeit Polen, das auch die MEZ hat, entgegen. Ohne sie würden Teile des Tages verschenkt oder man müsste dort unmenschlich früh aufstehen.
    Daher hoffe ich, dass alles bleibt, wie es ist.

  6. Barbara Fuhrmann-Buroh sagt:

    Ich empfehle, bei WIKIPEDIA den Begriff MITTELEUROPÄISCHE ZEIT aufzurufen und die Farben rot und blau auf sich wirken zu lassen. Die Erklärungen zeigen, dass die WESTEUROPÄISCHE SOMMERZEIT unserer MITTELEUROPÄISCHEN ZEIT entspricht , nicht der jetzt wieder auf uns zukommenden MITTELEUROPÄISCHEN SOMMERZEIT . Deswegen hatten wir früher im Sommer keine Zeitprobleme bei Reisen nach GB. Man hätte die alte, sinnvolle Regelung beibehalten sollen.

  7. Angelika Scheibel sagt:

    Ich schließe mich zu 100% dem Inhalt im Leserforum der FR vom 19.03.2019 an. Ich bin für die Beibehaltung der Normalzeit, allein schon die Bezeichnung Sommer/Winterzeit führt zu Irritationen. Vor Einführung der Zeitumstellung, gab es diese „angeblichen“ Probleme mit unseren Nachbarländern auch nicht!

  8. Stellungnahme siehe oben

  9. Brigitte Ernst sagt:

    @ Barbara Fuhrmann-Buroh

    Ihre Argumentation ist nicht schlüssig.
    Die Tatsache, dass wir bis 1979 bei sommerlichen Reisen nach Großbritannien unsere Uhren nicht umstellen mussten, war dem Umstand geschuldet, dass es auf den britischen Inseln bereits seit 1925 eine Sommerzeit gab und bei uns nicht.
    Wenn Sie diese Bedingungen wieder herstellen wollen, heißt das, Sie wollen den Briten weiterhin die von Ihnen als so schrecklich gesundheitsschädlich gescholtene sommerliche Zeitumstellung zumuten, während wir davor verschont werden sollen. Und das nur, damit wir es bei unseren Sommerreisen auf die Inseln bequemer haben.
    Ziemlich egoistische Einstellung!

  10. Barbara Fuhrmann-Buroh sagt:

    Zu Frau Ernst:Es handelt sich bei Ihrem Vorwurf um ein Missverständnis , die Reisen wurden nur erwähnt, um zu zeigen, dass das frühere Verfahren , trotz der unterschiedlichen Zeitzonen , keine nennenswerten Probleme machte. Es sind die BEGRIFFE , die uns bei den Diskussionen so verwirren, deswegen bitte ich darum, sich die WIKIPEDIA-Karte in aller Ruhe anzusehen. Warum hat man die alte, sinnvolle Regelung nicht beibehalten ? In Amerika haben wir doch sogar 4 Zeitzonen !

  11. Brigitte Ernst sagt:

    @ Barbara Fuhrmann-Buroh

    Ich verstehe immer noch nicht, was Sie meinen.
    Wenn wir das europäische Russland noch mit einbeziehen, hat Europa ebenfalls vier Zeitzonen. Die EU umfasst allerdings nur drei, und zwar die osteuropäische, die mitteleuropäische und die westeuropäische. Das einzig merkwürdige dabei ist die Tatsache, dass Spanien zur mitteleuropäischen gehört, obwohl es zum Teil westlicher liegt als Großbritannien, das zur
    westeuropäischen Zeitzone gehört.

    Ich verstehe nicht, warum Sie in diesem Zusammenhang die USA erwähnen. Die stellen ihre Uhren doch auch für die Sommerzeit um.

    Es sei Ihnen selbstverständlich gestattet, die Sommerzeit abzulehnen, nur verstehe ich die Argumente nicht, mit denen Sie das tun.

  12. Gerhard Schulz-Ehlbeck sagt:

    Reichlich komplexe Verhältnisse, sage ich ja. Wenn Sie sich den Spass machen, mithilfe geeigneter Formeln und einer Tabellenkalkulation Licht, Dämmerung und Schatten über die europäische Landkarte laufen zu lassen, sehen Sie, dass die streifenweisen Zeitzonen es nur ungefähr beschreiben. Durch die Schrägstellung der Erde schleppt die Dämmerung sommers und winters durchaus auch schräg über die Landkarte. Unterschiedlich schräg. Faszinierend. Mögen unsere Fachleute in der Lage sein, das entscheidungsreif aufzubereiten.

    Bei der Zeitzonendarstellung in wikipedia (so es denn aus Protest gegen § 13 erreichbar ist) ist natürlich optisch etwas verwirrend, dass Frankreich, Benelux und Spanien sich aus lauter Freundlichkeit uns gegenüber in der falschen Zeitzone aufhalten. Sonst hätten wir da eine etwa senkrechte Zeitzoneneinteilung wie auch die USA und andere Weltgegenden.

    Und die Auswirkungen der Sommerzeitregelung auf Menschen, Tiere und ihren Nachtschlaf sind in GB vermutlich genauso wie bei uns, ja. Einfach alles eine Zonenbreite und eine Stunde versetzt.
    Nur an den Rändern der jeweiligen Zeitzonen werden die Bedingungen zunehmend strapaziert, je weiter weg vom „eigentlichen“ Längengrad der Zeitzone, desto mehr. Dadurch wird auch die Abstimmerei schwieriger, wenn alle dieselbe Zeitregelung mitmachen wollen und bei einer eventuellen Änderung auch gleich gut bedient werden wollen. Ich wäre da glücklich, wenn man die absehbaren Konflikte vermeiden würde.

  13. Walter Unger sagt:

    Eigentlich dachte ich, dass zum Thema Zeitumstellung alles gesagt ist und dass sich die uns von einer Leserin in ihrem Leserbrief während der Sommerzeit attestierte „permanente Erschöpfung“ auf die Diskussion zu diesem Thema bezieht. Aber ihre „Klarstellung“ verlangt doch nach einer Antwort.

    Richtig ist, dass die so genannte Mitteleuropäische Zeit (MEZ) im Augenblick für Deutschland und die Länder in unserer Nachbarschaft – von Polen bis Spanien – die Normalzeit ist. Ebenso richtig stellt die Leserin fest, dass mit der Sommerzeit die Uhren um eine Stunde vorgestellt werden. Wenn es also nach mitteleuropäischer Zeit zwölf Uhr schlägt, ist es nach der Mitteleuropäischen Sommerzeit erst 11 Uhr. Schließlich hat die Leserin zutreffend erkannt, dass es damit eine Stunde abends eine Stunde länger hell ist.

    Bei ihren daraus gezogenen Folgerungen geht allerdings einiges durcheinander. Zunächst unterscheidet sie nicht zwischen der „Sonnenzeit“ und der auf praktischen Erwägungen beruhenden Festlegung der Zeitzonen. Bei der Sonnenzeit ist Mitte des Tages, wenn die Sonne am höchsten steht, und zwölf Stunden danach ist Mitternacht. Ein Blick auf die Website von Wikipedia – Stichwort Mitteleuropäische Zeit – zeigt, dass die mitteleuropäische Zeit und die Sonnenzeit nur in einigen Orten in Schweden, Polen, Österreich, Tschechien und Italien identisch sind. Für Deutschland und Polen gilt dies für Görlitz und (auf der anderen Seite der Neiße) Zgorgzelec. Schon in Frankfurt am Main beträgt der Unterschied zwischen MEZ und Sonnenzeit eine halbe Stunde, in Paris eine ganze Stunde, von Madrid ganz zu schweigen.

    Der Hauptfehler des Leserbriefs besteht dann in der Aussage, dass wir während der Mitteleuropäischen Sommerzeit ständig eine Stunde früher aufstehen müssen. Dies gilt nur für den ersten Tag der Sommerzeit, denn da dauert die Zeit von zwölf Uhr abends bis sechs Uhr morgens nur fünf statt sonst sechs Stunden. Schon der nächste Tag hat dann wieder die gewohnten zwölf Stunden. Nach allen Untersuchungen dauert es maximal eine Woche, bis sich der Biorhythmus darauf eingestellt, dass es morgens eine Stunde später hell und abends eine Stunde später dunkel wird. Millionen deutscher Urlauber können dies bestätigen, wenn sie z.B. auf den Kanarischen Inseln die Uhr um eine Stunde zurück- und in Griechenland oder der Türkei um eine Stunde vorstellen müssen. Sie fahren sogar freiwillig nach Amerika oder Asien und nehmen eine Zeitverschiebung von mehreren Stunden in Kauf.

    Aber auch ohne Zeitumstellung ist es – wie oben gezeigt – in Frankfurt eine halbe Stunde, in Paris eine ganze Stunde und in Madrid zwei Stunden länger hell als nach der Mitteleuropäischen Zeit. Folgt man der Logik des Leserbriefs, dann müssten also die Frankfurter ein bisschen und die Franzosen und Spanier ständig ein Schlafdefizit haben und permanent erschöpft sein. Denn sie müssen – ausgehend von der Sonnenzeit – früher aufstehen und abends wegen der Helligkeit länger aufbleiben. Empirisch habe ich diese permanente Erschöpfung bei unseren französischen Nachbarn noch nicht festgestellt. Auch erscheinen mir die Engländer mit der Zeitdifferenz von einer Stunde zur MEZ nicht ausgeschlafener oder weniger erschöpft – der Umgang mit dem Brexit spricht eher für das Gegenteil.

    Richtig ist, dass die Menschen inzwischen gern länger aufbleiben. Das liegt aber weniger an der „Mitteleuropäischen Sommerzeit“ als an den veränderten Lebensgewohnheiten. Niemand steht mehr gern um sechs Uhr auf, und abends gefeiert wird auch im Winter, wie die Karnevalssitzungen zeigen. Und dass insbesondere Jugendliche unabhängig von der Zeitumstellung zu den „Nachteulen“ und nicht zu den „Lerchen“ gehören, wurde in der FR vor einiger Zeit ausführlich dargestellt.

    Der Streit zwischen den Gegnern der Zeitumstellung, den Anhängern einer dauernden Sommerzeit (MEZ+1) und denen einer dauerhaften Mitteleuropäischen Zeit hat also alle Elemente eines Glaubenskrieges: Es gibt für die jeweiligen Vorlieben keine wirklichen Argumente, aber gerade deshalb kämpft man umso erbitterter – bis zur permanenten Erschöpfung.

  14. Gerhard Schulz-Ehlbeck sagt:

    Naja, Krieg haben wir noch nicht, es ist halt kompliziert, und es gibt widerstreitende Argumente, und wat den een sin uul is den andern sin nachtegal. Sonst: so isses.
    Über Ihre 11 Uhr und 12 Uhr denken wir nochmal nach, aber da wikipedia gerade protestiert, fehlt uns der theoretische Überbau.

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