Frankreich: Im Fadenkreuz von Terror und Hass

Samuel Paty, ein Geschichts- und Geografielehrer von 47 Jahren, hatte an der Mittelschule in Conflans-Sainte-Honorine in der Nähe von Paris über Meinungsfreiheit reden wollen und zur Illustration einige der berüchtigten Mohammed-Karikaturen gezeigt. Er wusste, dass diese Zeichnungen vielen muslimischen Menschen als blasphemisch gelten. Provozierend und zugleich aufklärerisch, so dachte er sich wohl seinen Unterricht. „Auf jeden Fall war sich Paty im Klaren, dass die Frage heikel ist“, schreibt FR-Korrespondent Stefan Brändle: „Er bot den muslimischen Schülern an, das Klassenzimmer zu verlassen, bevor er die Karikaturen – auf einer reckt der knieende oder betende Prophet seinen Hintern in die Höhe – zeigte.“ Wenige Tage später ist Paty tot. Ein 18-jähriger Flüchtling, der aus Tschetschenien stammte, fuhr nach Conflans und tötete Paty, indem er ihn enthauptete, offenbar aufgestachelt von einem Versammlungsaufruf des Islamisten Abdelhakim Sefrioui. (Brändle beschreibt auch die vorangegangene Eskalation in seinem Artikel „Mord an Lehrer erschüttert das Land“.)

PatyFrankreich verliert einen engagierten Lehrer, der versucht hat, jungen Menschen die Werte der Aufklärung nahezubringen. Es wäre nur allzu nachvollziehbar, wenn andere engagierte Lehrerinnen und Lehrer sich nun fragen würden, wie weit sie bei ihrer Arbeit gehen dürfen, ja, ob sie überhaupt sinnvoll ist. Denn anscheinend gibt es ja immer irgendwo einen Fanatiker (überwiegend männlichen Geschlechts), der sich provoziert fühlt.

Gerade ist in Frankreich die Diskussion über die Mohammed-Karikaturen wieder losgegangen. Anlass war der Charlie-Hebdo-Prozess, der vor kurzem begonnen hat. Es gibt zwei Lager. Das eine sagt: Meinungsfreiheit auf jeden Fall; die Muslime müssen das aushalten. Das andere: Die bewusst provokativen und respektlosen Mohammed-Karikaturen sind nicht das passende Mittel, Islamismus zu bekämpfen. „Denn diese Frage wird von den Salafisten ebenso bewusst benützt, um gemäßigte Gläubige auf ihre Seite zu ziehen“, schreibt Brändle.

Frankreich steckt tief in einem Kulturkampf zwischen westlicher und islamischer Welt, der sich in Parallelgesellschaften  manifestiert, aber auch in beiderseitiger Unversöhnlichkeit. Er wird in Frankreich viel härter geführt als bei uns in Deutschland. Mit Sicherheit wollen beide Seiten weit überwiegend in Frieden leben, aber keine will der anderen entgegenkommen. Es geht um Identität bzw. um die Angst vor dem Verlust der Identität. Diese Angst ist ernst zu nehmen! Damit ist selbstverständlich keine Rechtfertigung von Terror, Gewalt, Hass und Hetze verbunden. Wer glaubt, sich in dieser Krise mit Gewalt – ob verbaler oder bewaffneter – ausdrücken zu müssen, hat sich außerhalb des Diskurses und der westlichen Gesellschaften positioniert. Diese Gewalt geht übrigens auch von westlicher Seite aus. Menschen aus dem islamischen Kulturkreis erleben in Frankreich teils massive Ausgrenzung und Diskriminierung. Es ist nur logisch, dass das zu Frustration führt, und damit ist auch logisch, dass die ausgrenzende Haltung vieler westlicher gegenüber muslimischen Menschen ein Teil des Problems ist.

Und dann wäre da noch die Tatsache, dass solche abscheulichen Terrortaten manchen Politikerinnen und Politikern im Westen nur allzu gut in den strategischen Kram passen, denn sie lassen sich instrumentalisieren – genauso wie die Mohammed-Karikaturen zur Radikalisierung von gläubigen Menschen genutzt werden. Noch vor Marine Le Pen war diesmal allerdings Staatspräsident Emmanuel Macron zur Stelle. Darf man dahinter auch politisches Kalkül erkennen? Jedenfalls hat er seiner Konkurrentin Le Pen die Show gestohlen. Zudem reagiert seine Regierung jetzt schnell und mit großer Härte auf die Terrortat. Es gab Festnahmen, islamische Vereine sollen verboten und eine Moschee geschlossen werden. Das wird Macron viel Zustimmung eintragen, aber ist das der richtige Weg zur Verständigung zwischen den Kulturen? Sicher nicht. Vielleicht ist es der richtige Weg, um gemßigten Muslimas und Muslimen klar zu machen, dass sie sich von hetzenden Imamen und Islamisten wie Sefrioui fernhalten sollten, und sicher wird es viele geben, die das so sehen werden. Aber dann wird es auch andere geben, die den gegenteiligen Schluss ziehen und ihr Heil in der Radikalisierung suchen werden. So entsteht neuer Terror. Gewalt erzeugt Gewalt. Ein Teufelskreis.

Und was hätte Samuel Paty gewollt? Sein Engagement zeigt in die entgegengesetzte Richtung: Aufklärung und westliche Werte, nicht Gewalt und Kulturkampf. Miteinander reden statt Messer wetzen. Er scheint gescheitert zu sein, doch der Eindruck kann trügen. Das hängt unter anderem davon ab, ob jene Menschen, die in Frieden leben wollen, den Diskurs jenen anderen Menschen überlassen, die von Gewalt und Hetze profitieren. Und es hängt unter anderem von den französischen Lehrern und Lehrerinnen ab. Gehen wir also auf unsere muslimischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu. Das meint auch FR-Kommentator Peter Rutkowski.

Im Gedenken an Samuel Paty.

fr-debatteEine schreckliche Horrortat

Man muss nicht, wie ich, selbst dem Berufsstand angehören und zahllose französische Kolleginnen und Kollegen kennen, die aufopferungsvoll ihren Dienst tun, um entsetzt zu sein über eine solch schreckliche Horrortat.
Und man muss nicht seherische Fähigkeiten besitzen, um zu erkennen, dass nach „Charlie Hebo“ und „Bataclan“, nach Journalistinnen und Journalisten sowie fröhlichen Jugendlichen, nun ein Signal gesetzt wurde, mit dem eine neue Zielgruppe ins Fadenkreuz von menschenverachtendem Terror und Hass gerät: die französischer Lehrerinnen und Lehrer.
Und sie werden viel Mut aufbringen müssen, um nicht der Angst und dem Schrecken zu weichen.
In tiefer Trauer und Verbundenheit mit den französischen Kolleginnen und Kollegen

Werner Engelmann (F)

fr-debatteDiese Karikaturen sind kein Ausweis von Aufgeklärtheit

Stellen Sie sich bitte folgendes Szenario vor: In Europa übernehmen überall rechte Parteien die Macht. Sie verlieren als Medienschaffende, also Angehörige der „Lügenpresse“ sofort Ihre Stelle in den nunmehr gleichgeschalteten Medien, werden zudem bedroht und sehen keine andere Möglichkeit, als Zuflucht in einem islamischen Land zu suchen, beispielsweise in Marokko. Dort kommen Sie mit wechselnden Jobs schlecht und recht über die Runden, Ihre Kinder gehen in staatliche Schulen.
Im Untericht fällt es einem Lehrer ein, die Überlegenheit des Islam über Christen- und Judentum herauszustellen. Speziell den Opfertod Christi stellt er als absurde, dem gesunden Menschenverstand nicht zugängliche Konstruktion dar. Ebenso die Geschichte vom angeblich auserwählten Volk Israel. Dazu zeigt er eine Karikatur des gekreuzigten Christus mit erigiertem Penis. Oder die Israeliten in der Wüste, die nicht Manna, sondern Kaninchenscheiße essen.
Selbst wenn Sie seit Langem vollkommen säkular leben und nichts mit der christlichen oder jüdischen Religion am Hut haben, versteht ihr Kind – und verstehen Sie – dieses Vorgehen als persönliche Demütigung, als auftrumpfende Diskriminierung, zumal die ganze übrige Klasse die Geschichte sehr komisch findet.
Natürlich werden Sie in dieser Situation nicht zum Mörder.
Aber vielleicht kann dieses Gedankenexperiment etwas deutlicher machen, dass die berühmte laizistische Doktrin in Frankreich in Verbindung mit der faktischen Diskriminierung muslimischer und anderer in prekären Verhältnissen lebender Zuwanderer kein Ausweis von Aufgeklärtheit, noch weniger von einem Eintreten für die allgemeinen Menschenrechte ist, sondern ein Dominanz-Diskurs, der sich bestens mit dem Vorenthalten gleicher Rechte für alle Bürger vereinbaren lässt.
Unter diesen Bedingungen illustrieren die Mohamed-Karikaturen nur das Recht der Mehrheit, die religiöse Identifikation einer Minderheit zu verhöhnen.

Susanne Roether, Frankfurt

fr-debatteVon der Pflicht, unsere Rechtsordnung zu achten

Peter Rutkowski zählt in seinem Kommentar verschiedene Pflichten auf. Seine Aufzählung ist unvollständig. Ich ergänze:
Wir haben die Pflicht, genau hinzusehen und nicht vorschnell zu urteilen. Herr Rutkowski schreibt „Das grausige Verbrechen in Conflans vom Freitag ist eine Terrortat, aber deshalb (sic!) auch die Tat eines Einzelnen…“. Das ist das zumindest vorschnell geurteilt. Die französische Polizei hat gleich mehrere Personen im Umfeld des Täters festgenommen. Warten wir ab, was sie ermittelt. Und unlogisch ist die Argumentation Rutkowskis auch, denn eine Terrortat muss natürlich nicht die eines Einzelnen sein.
Zu unseren Pflichten gehört es auch, die Errungenschaften der europäischen Aufklärung entschlossen zu verteidigen. Zu diesen Errungenschaften gehört, dass der Absolutheitsanspruch der Kirchen und ihrer Lehre relativiert wurde, mit der Folge, dass Glaubensgemeinschaften im demokratischen Staat und in der aufgeklärten pluralistischen Gesellschaft öffentliche Infragestellung aushalten müssen. Sie stehen nicht außerhalb der Kritik. Und das gilt für alle Glaubensgemeinschaften, auch für den Islam. Und das bedeutet aber auch die Pflicht, Karikaturen zuzulassen, und zwar auch solche, die sich gegen religiöse Symbole richten. Man muss die Mohammed-Karikaturen nicht mögen. Ich zum Beispiel finde sie geschmacklos. Aber es darf sie geben. Sie sind von der Meinungsfreiheit unserer Verfassung gedeckt.
Alle Glaubensgemeinschaften haben zu respektieren, dass es im demokratischen Rechtsstaat ein Vorrecht der staatlichen Ordnung vor den Regelwerken religiöser Glaubensgemeinschaften gibt.
Und Personen, die hierher nach Europa fliehen, weil sie in ihren Herkunftsländern politische oder religiös motivierte Verfolgung zu befürchten haben, sind verpflichtet, unsere Rechtsordnung zu achten.

Tilmann Stoodt, Königstein

fr-debatteSeit Jahren wird Frankreich von Terror heimgesucht

„… aber deshalb auch die Tat eines Einzelnen“ schreibt der Autor. Weiß er mehr, als die Polizei erlaubt? Seit Jahren wird Frankreich von islamistischen Anschlägen heimgesucht. Dabei starben mehr als 250 Menschen. Alles Einzeltäter/innen?

Max Steinacher, Tübingen

fr-debatteSchleichende Infektion mit Vorurteilen

Der Versuch, in einem Banlieue von Paris seinen Schülern Meinungsfreiheit zu vermitteln, kostete Geschichtslehrer Samuel Paty den Kopf. Der Vater einer Schülerin startete eine Hetze gegen den Lehrer, also ganz mittelbar und „nur“ wegen der Mohammed Karikaturen! Mir graust es. Ein 18-jähriger Tschetschene war dann der Vollstrecker.
Ich wähne mich eigentlich immun gegen Vorurteile, erschrecke daher umso mehr darüber, dass mir jetzt ein russisches Schlaflied nicht mehr aus dem Kopf geht, vor über 50 Jahren bei Reiterferien im Münsterland lagerfeuermäßig gesungen: Bajuschki Baju, Textzeile: „Der Tschetschene streift am Strande, wetzt sein Messer gut“. Gegen Corona hilft halbwegs die AHA-Formel, aber was hilft gegen schleichende Infektion mit Vorurteilen?

Merve Hölter, Frankfurt

fr-debatteEine Lanze brechen für die Lehrerinnen und Lehrer

Überall herrscht Erschütterung und Trauer über die Enthauptung eines Lehrers in Paris. Ich möchte das zum Anlass nehmen, einmal näher hinzuschauen, wie wir Deutsche zu den Lehrern/Lehrerinnen stehen, welches Bild wir von ihnen haben.
Sehen wir in ihm/ihr den Mann, die Frau, der/die alles gibt um den ihnen anvertrauten Schützlingen nicht nur Lesen, Schreiben, Rechnen , sondern auch Bildung, ein Bild von der Welt beizubringen. Lehrer sind nicht mehr die Zuchtmeister von vor 200 Jahren, die mir dem Rohrstock drohten und auch zuschlugen – nein, sie versuchen den Schülern neben dem Unterrichtsstoff auch soziale Werte wie beispielsweise den verantwortungsvollen Umgang mit den Mitschülern und den Mitmenschen überhaupt nahezubringen.
In Frankreich genießen Lehrer hohes Ansehen, bei uns ist das oft nicht so. Da wird gerne mal gespottet, werden Lehrer als Menschen hingestellt, die nur halbtags arbeiten und ansonsten Ferien haben.
Auch Abgeordnete und Regierungsmitglieder tun das zuweilen -vermutlich weil die eigene Schulzeit nicht sehr erfolgreich war.
Wie gefährlich solches „Dahergerede “ ist, sehen wir nun in Frankreich.
Stellen sie sich ihr eigenes lebhaftes Kind, das voller Bewegungsdrang ist in 25 oder 30 facher Ausfertigung vor. Oder denken sie mal ,sie hätten statt der/des unsicheren und daher mürrischen, frechen Pubertierenden, der/die entweder gar keine Antwort oder nur Widerworte gibt 20 von der Sorte .
Dann wissen sie , was eine Lehrerin, ein Lehrer leistet.
Außerdem sind da noch die Eltern, von denen mindestens die Hälfte glaubt ein hochbegabten Kind zu haben und der Meinung sind,es läge nur an den Lehrern/Lehrerinnen, dass das nicht erkannt würde.
Ich bin nicht unvoreingenommen.
Mein Vater, mein Mann, mein ältester Sohn und meine Schwiegertochter waren bzw.sind Lehrer- und zwar sehr engagierte und aufopferungsvolle Lehrer.
Gewiss gibt es auch unter den Lehrern schwarze Schafe – aber gibt es die nicht in jedem Beruf?
Meiner Meinung nach ist es jetzt an der Zeit, eine Lanze für die LehrerInnen zu brechen.

Christa Kreß, Gelnhausen

fr-debatteKaum Raum zum Reichen der Hand

Peter Rutkowskis Kommentar stellt das „grausige Verbrechen“ an dem Pariser Lehrer Samuel Paty als Tat eines Einzelnen dar. Die „Strukturen, aus denen heraus der Täter handelte“ seien „etwas anderes“. Statt diese Strukturen zu benennen, was Aufgabe eines Journalisten wäre, ermahnt er uns an die „Pflicht… unseren muslimischen Mitmenschen die Hand zu reichen und den Raum zu geben, damit sie sich von Angst, Verunsicherung, Orientierungslosigkeit und Hass freimachen“. Das ist richtig, aber angesichts des bestialischen Mordes unter „Allahu-akbar“-Rufen zynisch. Die Pflicht, sehr verehrter Herr Rutkowski, müsste sich im vorliegenden Falle an einen anderen Adressaten richten: Wer schon das Gespräch über Mohammed-Karikaturen verweigert, dem bleibt zum Handreichen in unserer Zivilgesellschaft kaum noch Raum.

Rainer Siegle, Tübingen

fr-debatte

66 Kommentare

  1. Anna Hartl sagt:

    Wenn Glaube zur Identität wird, ist eine Karikatur Mohammeds nicht nur ein gefühlter Angriff auf diesen, sondern auch auf die eigene Identität. Da ist kein Raum zu sehen, was Karikaturisten an anderen Gedankengängen anzustoßen beabsichtigten. Da ist nur vermeintliches Wissen über die Lehren die vorgebetet werden. So und nicht anders hat der Gläubige zu denken und zu Handeln.
    Wem, frage ich mich, soll ich da die Hand reichen!

  2. @ Susanne Roether

    Sollte dieses Szenario auch nur in Teilen einmal Realität werden, hätten die Demokraten versagt. In Deutschland beispielsweise dadurch, dass sie die AfD in den demokratischen Diskurs eingebunden haben. Diese Partei ist zwar nach demokratischen Regeln in Parlamente gewählt worden, doch dieser demokratische Akt hat sie nicht zu Demokraten gemacht. Siehe die Reichstagswahl vom März 1933. Die NSDAP ist damals geblieben, was sie seit ihrer Gründung war. Und sie verstand die erlangte relative Mehrheit als die Bestätigung ihres Wegs in den totalitären Staat. Fazit: Gegen faschistische (rechtspopulistische) Parteien hilft nur das permanente Nein – im Bundestag, in den Landtagen und Städteparlamenten, im Alltag.

    Neben der AfD und ihren Tarnorganisationen (Pegida, neurechte Publizistik etc.) existiert eine weitere weltanschauliche Gruppe, deren demokratisches Bekenntnis Anlass zu erheblichen Zweifeln gibt. Es ist der fundamentalistische Zweig des Islam. Seine Wurzeln liegen in reaktionären Staaten wie Saudi-Arabien und Iran, außerdem in den Gebieten des immer noch aktiven Islamischen Staats auf den Territorien von Irak und Syrien. Eine besondere Rolle spielt die Türkei unter Erdogan, wobei in den ländlichen Regionen Anatoliens immer ein sehr konservatives bis orthodox-fundamentalistisches Islamverständnis anzutreffen war. Die Türken stellen seit vierzig Jahren das größte Einwandererkontingent in Deutschland. Die verfehlte Integrationspolitik des Staats, die sich auch in einer unangebrachten Toleranz gegenüber anti-emanzipativen religiösen Vorschriften äußert, und eine Integrationsunwilligkeit seitens der Zuwanderer selbst haben zu Parallelgesellschaften geführt.

    Ich beobachte mit Sorge, wenn Mitbürger, die hier geboren wurden und teilweise auch deutsche Staatsbürger sind, dem Autokraten Erdogan zujubeln. Und ich habe kein Verständnis dafür, wenn in diesen Milieus Männer- und Frauenbilder propagiert werden, die in demokratischen Gesellschaften keinen Platz haben. So wenig die unhistorische Lesart einer christlichen Bibel als Rechtfertigung für katholischen und evangelischen Dogmatismus taugt, so wenig ist der Koran geeignet, die Lebens- und Glaubensvorstellungen aus dem Arabien des siebten Jahrhunderts auf die Welt des 21. zu übertragen.

    Genauso wie gegenüber Neonazis und Rechtspopulisten wird es auch gegenüber orthodoxen Muslimen nötig sein, deutlich nein zu sagen, wenn von dieser Seite Rechte reklamiert werden, die dieser nicht zustehen.

  3. Erdmann, Gerd-Rüdiger sagt:

    Zum Leserinbrief von Frau Susanne Roether.
    Frau Roether entwirft ein Szenario und kommt dann dazu zu sagen, dass das Kind das Lächerlichmachen von Christi etc. als persönliche Demütigung erleben wird. Dem ist zu widersprechen: Der Mörder an dem Lehrer war kein Kind und warum muss man eine Schmähung als persönliche Demütigung wahrnehmen? In dem Moment, in dem man etwas persönlich nimmt, wird üblicherweise Wut generiert, die letztlich destruktiv ist (Attentat). Für mich ist das eins der entscheidenden Probleme beim Verständnis solcher Phänomene: Da wird etwas persönlich genommen, was man nicht persönlich nehmen muss. Wenn jemand sagt, alle Deutschen sind Rassisten, bin ich als Individuum doch nur bedingt angesprochen. Wenn jemand sagt, sie sind ein Rassist, liegt der Fall schon anders. Das muss man aber gleichwohl immer noch nicht persönlich nehmen.

  4. Jürgen H.Winter sagt:

    Es ist das alte Problem. Religion. Wenn man das dann mit Nationalismus kombiniert ergibt sich eine explosive Mischung. Man muss sich vor Augen halten, dass die USA einen Vize Präsidenten, Herrn Pence, haben der als Creationist gilt, d.h. er glaubt, Gott habe den Planeten mit allem drum und dran vor 6000 Jahren erschaffen. Der Präsident selbst tut alles, um das Volk gegeneinander aufzustacheln, aufgerüstet ist dieses hochreligiöse Land auch , der Weg zum Bürgerkrieg ist nicht mehr weit. Man glaubt nicht dass so etwas möglich ist, aber es ist so. Es ist real. Es scheint keine Möglichkeit zu geben, diesen religiösen Irrsinn abzuschaffen, auch hierzulande hat die Religion, gleich welche, einen viel zu hohen Stellenwert. Gleichzeitig werden echte Bedrohungen ignoriert. Was ist das für eine Menschheit ?Man muss kein Pessimist sein, um nicht zu verzweifeln ob der hirnlosen Situation.

    Hallo Herr Mertens,
    es ist nicht nur der fundamentalistische Teil des Islam, der gefährlich ist, es ist das fundamentalistische in allen Religionen, das gefährlich ist. Menschen, die eine Geschichte glauben, heute sagt man wohl ein Narrativ, egal wie weit hergeholt, sind bereit dafür alles zu tun, alles, einschließlich Mord und Totschlag. Auch die Christen, die um ihren Glauben zu leben vor Jahren nach Amerika ausgewandert sind. Und was ist heute,Mord und Totschlag an der Tagesordnung mit besten Aussichten für die Zukunft. Die Rechtsgewirkten in unserem Land sind da noch vergleichsweise harmlos, in Polen und Ungarn sind sie schon weiter, aber die Gefahr für die Demokratie besteht, Nationalismus und Faschismus haben hier im Land schon einmal zur Explosion geführt. Die Denke dieser Leute ist genauso wenig nachzuvollziehen wie die der Religiösen. Dieser Teil fehlt bei der AFd noch, früher war das Blut und Boden, eine Ersatzreligion. Hirnloses Tun. Genau betrachtet, ist es fehlende Bildung, Dummheit und ein schlechtes Gedächtnis. Es ist nur 70 Jahre her ! Es lässt mich sprachlos.

  5. I. Werner sagt:

    @ Erdmann, Gerd-Rüdiger

    Ich glaube, ich verstehe Frau Susanne Roether ganz richtig. Sie sieht in den Karikaturen von Charlie Hebdo keine freiheitliche Satire, sondern eher einen Affront gegenüber Menschen muslimischen Glaubens oder zumindest mit einem muslimischen Hintergrund. Selbst wenn diese Muslime nicht streng religiös sind, fühlen sie sich dadurch doch ausgegrenzt und sogar angegriffen. Ja, und wie Frau Roether schreibt, auch zu recht verhöhnt. Nein, das rechtfertigt keine Morde, aber es löst vielleicht Hass aus? Ich finde das Frau Roether damit eine Diskussion auslösen könnte, wie weit Satire gehen darf. Satire war immer ein Mittel, gesellschaftliche Missstände aufs Korn zu nehmen, aber nicht, um Menschen an den Rand der Gesellschaft zu stellen. So viel Empathie sollte aus meiner Sicht Satire auch haben.

  6. hans sagt:

    Waren eigentlich die beiden Touristen die in Dresden abgestochen wurden auch Lehrer oder wie haben diese Leute andere verärgert? Für mich ist da die Frage nehmen wir das hin das solche Gefährder nicht nach Syrien abgeschoben werden können. In Frankreich ist das wohl noch viel schlimmer, aber auch dort wird man sich fragen müssen was man bereit ist zu akzeptieren. In Dresden hätte jeder von uns sein können.

  7. Ferdinand Müller sagt:

    Im Zusammenhang mit dem Mord an einem Lehrer in Paris stellen sich mir verschiedene Fragen.
    Gibt es für uns noch Grenzen einer verantwortlichen Meinungsfreiheit oder dürfen wir über alles und jeden karikieren und verunglimpfen? Gibt es noch rechtliche, moralische oder ethische Grenzen im Umgang mit Meinungen in unserer freiheitlichen Grundordnung. Wir wissen genau, dass wir mit Mohammed Karikaturen anders denkende gläubige Menschen weltweit verletzten und beleidigen. Wieviel Provokation liegt in unserem Verhalten, dass wir uns auf die freie Meinungsäußerung berufend andere Glaubensrichtungen in ihren Inhalten verunglimpfen Müssen wir unsere hochnäsige Besserwisserei und Aufgeklärtheit jedem überstülpen. Befördern wir durch solch fundamentale Verunglimpfungen nicht Wut und Hass bei Muslimen?
    Wir könnten großzügig die fundamentalen Grundsätze anderer respektieren. Das bedeutet noch lange nicht, dass wir Migranten, die bei uns leben wollen, nicht verpflichten unsere Regeln, Rechte und Pflichten einzuhalten und zu leben; die Vermummung zum Beispiel, ist nicht in jedem Fall bei uns zu akzeptieren. Aber ich sehe deutliche Abstufungen im Akzeptieren von zu respektierenden Glaubensfreiheiten. Verhöhnen wir im Verlachen und Geringschätzen unseres eigenen christlichen Glaubens nicht auch schon die Religionsfreiheit und verlieren den Respekt vor anderen.
    Wie weit sind wir verkommen, dass wir den Medien zugestehen brutalste Details über den Mordanschlag in Paris wiederholte Male zu berichten und vielleicht demnächst auch noch zu bebildern nur um die Pressefreiheit zu demonstrieren und die Informationspflicht zu erfüllen? Wem dient das, der begründeten Informationspflicht oder einer Sensationsberichterstattung die so gerne mit Grausen wahrgenommen wird und hohe Einschaltquoten garantiert. Wer schützt die Privatsphäre von Opfern? Was bewirkt diese Darstellung über Brutalitäten anderes als Hass gegenüber Muslimen und anders denkenden zu produzieren. Die Spaltung der Gesellschaft wird damit weiter betrieben. Aber wir haben uns an Darstellungen von Mord und Totschlag möglichst drastisch und unappetitlich in fast jedem Krimi im Fernsehen gewöhnt, dass wir jeden Respekt und Anstand zu verlieren drohen. Ich bitte die Medien sorgfältig und verantwortlich zu berichten.
    Lobend sei erwähnt, dass der Bericht der FR vom 19.10.2020 sorgfältig und behutsam die Geschehnisse darstellt.

  8. Brigitte Fink sagt:

    Nicht jede Äußerung ist eine schützenswerte Meinung. Hatespeech, Mobbing, Lügen, dümmliche Satire, krasses Negativ-Imaging verstoßen gegen Artikel 1 unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“
    Seit jeher haben Menschen verschiedenster Religionen ihre Glaubensgemeinschaft als geistige Heimat erfahren, die ihnen Orientierung und Zusammenhalt vermittelt. (Ja, diese menschengemachten Gemeinschaften haben auch Gewalt nach innen und nach außen entwickelt – Gott sei´s geklagt.)
    Wer aber glaubt, er müsse nur den Religionsstifter lächerlich machen und könne ihn dadurch aus den Herzen der Gläubigen vertreiben, könne in das entstehende Vakuum dann alles hineinfüllen, was er unter „Fortschritt“, „Aufklärung“ oder „Demokratie“ versteht, der hat weder etwas von der menschlichen Natur verstanden noch von Demokratie. Er ist naiv und übergriffig.
    Bindungslosigkeit, Orientierungslosigkeit und Heimatlosigkeit sind die Folgen. Sie drücken sich z.B. in einer überbordenden Aggressivität und Destruktivität von jungen Moslems in den Vorstädten von Paris aus. Dem französischen Staat fällt in seiner Hilflosigkeit nichts Besseres ein, als Gegengewalt, „die Härte des Gesetzes“ einzusetzen, nachdem er jahrzehntelang die Augen zugedrückt hat und seinen Fürsorgepflichten nicht nachgekommen ist.
    Der dänische Zeichner Lars Refn, der 2005 an der Aktion der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ beteiligt war, die zwölf Karikaturen unter dem Titel „Das Gesicht Mohammeds“ veröffentlichte, hat dazugelernt: „Das Ganze war ein ziemlich dummes Projekt, eine nutzlose Provokation“. Schon damals hat er dem Aufruf, den Propheten zu zeichnen, widerstanden. Sein Versuch, die Provokation durch Selbstironie zu entschärfen, wurde nicht verstanden. Im Rückblick sagt Refn: „Es käme einem Terrorakt gleich, die Zeichnungen erneut zu zeigen“. „Wenn radikale Islamisten uns bedrohen, sollten wir sie angehen, nicht die Mehrheit der Muslime“.

  9. Jürgen Malyssek sagt:

    Charlie Hebdos Mohammed-Karikaturen stellen Menschen muslimischen Glaubens nicht an den Rand der Gesellschaft. Es ist Spott. Das darf Satire.
    Das gibt es ebenso über Menschen und Situationen christlichen Glaubens.
    Der grausame Mord am Lehrer in Paris ist ein Zeichen für Fanatismus und Wahn in der Religion. Das gibt es nicht nur bei Muslimen.
    Gefährliche Sekten und Fundmentalisten richten schon immer menschliche Katastrophen, Blutbäder und Verfolgung an. Ich denke u.a. da auch an den Ku-Klux-Clan in Amerika, den es immer noch ganz offiziell gibt. Aber das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Elend menschlichen Wahns und Machttriebes. Das alles geht weit über die Theman von Meinungs- und Glaubensfreiheit hinaus.
    Da hat auch Jürgen H. Winter oben Entsprechendes dazu gesagt.

  10. @ Jürgen H. Winter

    Ja, Dogmatiker gibt es in sämtlichen Religionen, aber auch in politischen Weltanschauungen. Vielfach sind sie miteinander verknüpft. Zu nennen sind die Evangelikalen in den USA und Teile der Republikaner. Für die Evangelische Kirche im Kaiserreich war das preußische Staatswesen die irdische Erfüllung der göttlich verheißenen Ordnung (der Theologe Adolf von Harnack verfasste den Kriegsaufruf von Wilhelm II zum Ersten Weltkrieg). Im Deutschland der 1950er Jahre gingen Katholische Kirche und CDU eine unheilige Allianz ein (mit bis heute untilgbaren Spuren). In den so genannten Gottesstaaten wie Saudi-Arabien und Iran fließen unreflektierter Glaube und Politik völlig ineinander, was Auswirkungen auf den gesamten arabischen Raum hat.

    Als die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ die dänischen Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, empfanden das Millionen von Muslimen als Affront. Sie konnten und wollten nicht verstehen, dass diese Zeichnungen zugespitzte Darstellungen der tatsächlichen Verhältnisse in der muslimischen Welt bzw. in den islamischen Parallelgesellschaften des Westens waren. Ja, dass sie, die Gläubigen, von ihren religiösen und politischen Führern seit Jahrzehnten belogen und um ihr Leben betrogen werden. Man kann den Aufschrei durchaus in jenem Sinn verstehen, wie ihn Karl Marx beschrieb: „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist“ (in: „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, 1844). Doch billigen kann man ihn nicht. Und man kann und darf sich nicht auf die korrumpierte Ethik von Menschen einlassen, die von ihresgleichen bewusst dumm gehalten werden.

    Der religiösen Verdummung lässt sich nur durch die Vermittlung von Wissen entgegentreten. Vor allem im Religionsunterricht der allgemeinbildenden Schulen, der zu einem wissenschaftlichen Fach werden müsste und sich ausschließlich der Religionsgeschichte und der historisch-kritischen Erforschung „heiliger“ Schriften widmen sollte.

  11. hans sagt:

    Der französische Präsident scheint schon weiter zu sein als dieses Forum. Die Frage ist doch was ziehen wir für Konsequenzen aus den Morden von Frankreich und Dresden. Natürlich kann man beklagen das es einige 1000 religiöse Eiferer im Land gibt. Ob das aber hilft zu verhindern dass dieses Thema in ein paar Monaten wieder hier zu erörtern ist wage ich zu bezweifeln. Ich bin der Meinung das der polizeibekannte gewalttätige Mörder in Dresden( von dem in Frankreich weiß ich das nicht) schon lange außer Landes hätte sein müssen.

  12. Jürgen H.Winter sagt:

    @ Ferdinand Müller
    Hallo Herr Müller,
    sie sagen, ich zitiere :…müssen wir unsere hochnäsige Besserwisserei und Aufgeklärtheit jedem überstülpen…. nun, ich glaube nicht, dass wenn man die Wahrheit sagt, man sich sagen lassen muss, es handle sich um hochnäsige Besserwisserei . Nach Karl Popper ist etwas so lange wahr, bis jemand kommt und das Gegenteil beweist. Bis jetzt hat mir noch niemand die Existenz eines Gottes bewiesen. Wenn ich also sage, dass es keinen Gott gibt, so ist das wohl die Wahrheit und keine Besserwisserei. Natürlich ist es jedem unbenommen, zu glauben, was er/sie will, nur muss er/sie damit rechnen, dass es Menschen gibt, die das anders sehen. Meist steckt übrigens die Intoleranz auf Seiten der Gläubigen, heißt es doch immer „Tod den Ungläubigen.“ Es ist dies ein weites Feld und ich möchte es dabei belassen.

  13. Anna Hartl sagt:

    I.Werner sagt, dass Satire ein Mittel war, um gesellschaftliche Missstände aufs Korn zu nehmen.

    Ist es etwa kein Missstand, wenn im Namen des Glaubens Abschottung und Parallelwelten gelebt werden? Wenn in Europa Menschen leben, die es als ihr Recht betrachten, einen anderen Menschen wegen der Thematisierung einer Karikatur abzuschlachten?

    Ja, es mag sich manchmal wie Besserwisserei anhören, aber vielleicht haben wir auch etwas gelernt aus Zeiten, in denen die Kirche in Europa ähnliche Macht über Menschen hatte. Als Kriege als heilig bezeichnet wurden und das Töten von Ungläubigen eine gute Tat war. Nicht umsonst wird diese Zeit als dunkel bezeichnet.

    Glaube, Machtmissbrauch und die Ausbeutung in der Instrumentalisierung der Gläubigen gehen wohl häufiger Hand in Hand.

    Ich kann die Sehnsucht an etwas zu glauben, an ein höheres Wesen nachvollziehen. Bis zu einem gewissen Punkt verstehe ich auch die Sinnstiftung. Was ich nicht verstehe ist die totale Unterwerfung und damit die Gefahr, bis in den letzten Gedankengang manipulierbar zu sein.

    Warum muss ich den Rest der Welt an meinem Glauben teilhaben lassen und daraus resultierend die Vorgaben, das dürft ihr und das nicht?
    Ist es nicht eine einfache Sache zwischen mir und Gott, falls ich an dessen Existenz glaube?
    Wie war das mit den Sanftmütigen?

  14. hans sagt:

    Es gibt doch tatsächlich einen Punkt bei dem ich sage da hat die CDU/CSU recht. Wer sich durch entsprechende Straftaten den Status Gefährder erarbeitet hat sollte umgehend das Land verlassen egal wohin.
    https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/nach-messerattacke-in-dresden-seehofer-fordert-pr%C3%BCfung-von-abschiebestopp-nach-syrien/ar-BB1ajURm?ocid=msedgntp

  15. hans sagt:

    zu @ Anna Hartl
    Ihr Beitrag und ihre Fragen sind sicher berechtigt, aber wie verhindert man damit das es in D. oder auch in der EU zu solchen Fällen kommt oder zumindest zu weniger Fällen. Die Fragen sind nämlich immer die gleichen die alle paar Monate gestellt werden. Es braucht Lösungsvorschläge.

  16. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Mertens,
    Danke für ihren Beitrag. Die Ähnlichkeiten zwischen Islam und Christentum sowie der daraus resultierenden Politik sind offensichtlich. Vor gar nicht langer Zeit wurden auch hier noch Kanonen gesegnet.
    Ihr Hinweis, dass durch die Vermittlung von Wissen der religiösen Verdummung entgegengewirkt werden kann trifft den Punkt, zielt jedoch gleichzeitig auf das Problem. Samuel Paty, der französische Lehrer, tat gerade das, wollte an Hand der Karikaturen erklären, wie mit dem Problem umzugehen sei. Wie soll man gegen diese religiöse Wand angehen ? Gibt es überhaupt Möglichkeiten zu diesen Leuten durchzudringen ? Ich bezweifele das. Verständnis und Nachsicht scheint mir jedenfalls nicht der richtige Weg zu sein, da bin eher bei Hans. In mehreren Fällen war hier die Polizei schon an den Tätern dran, konnte aber nicht tätig werden, da die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Dies gilt es zu ändern, um sofort bei Bekanntwerden etwaiger möglicher Straftaten eingeschritten werden kann. Natürlich wird das zu einigen Härten führen, aber wie sonst will man mit dieser Problematik fertig werden ?

  17. Manfred Backhaus sagt:

    Noch sind wir alle geschockt von dem brutalen Verbrechen eines Islamisten an einem Lehrer in Frankreich, da erfahren wir, dass ein 20jähriger Flüchtling aus Syrien unter dem Verdacht festgenommen wurde, in Dresden heimtückisch zwei Touristen niedergestochen zu haben, wovon einer an den Verletzungen gestorben ist. Wir erfahren, dass der 20jährige polizeibekannt war, wegen mehrerer staatsgefährdender Taten 3 Jahre Jugendhaft abgesessen hatte, als islamistischer Gefährder galt und kurz nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis mit dem Messer gemordet hat. Weiterhin erfahren wir, dass dieser Mensch sich radikalisierte und dem Djihad verpflichtet war, also „Ungläubige“ töten wollte. Allerdings, so hören wir erstaunt weiter, eine Abschiebung dieses und anderer islamistischer Gefährder (immerhin ca. 600) in ihre Herkunftsländer könnte nicht stattfinden, da ja in Syrien oder Afghanistan Krieg herrsche. Ja, gehts denn noch? Zu uns kommen Menschen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan gerade weil sie vor diesen Djihadisten und islamistischen Terrorgruppen wie dem IS oder den Taliban geflohen sind und wir müssen ihnen sagen, dass wir diese Mörderbanden nicht dahin (zum
    Teufel) schicken können, wo sie herkommen! Wenn dieser 20jährige syrische Dummkopf unbedingt Djihad machen will, um schnell ins Paradies zu kommen, dann soll er das gerne in Syrien tun. Wir sollten ihn und die
    600 anderen Gefährder nicht aufhalten, um unseres und des unserer syrischen Geflüchteten Friedens willen. Hier müssen die Politik und die Gerichte sich anderes einfallen lassen als die bisherige Regelung, dass in Krisengebiete nicht abgeschoben werden darf.

  18. Anna Hartl sagt:

    @hans
    Stimmt, die Fragen sind immer die gleichen.

    Selbst wenn es möglich ist, die sog. Gefährder „abzuschieben“, es wird immer wieder Menschen geben, die sich zum Töten bereit finden.
    Wie denken Sie, dass man das ändern kann!?

    Durch Bildung, Aufklärung, Integration die Macht der Religion brechen?

    Wirklich tragende Veränderung braucht auch die Unterstützung der Imame und der Gläubigen, den Weg der Gewalt als nicht gangbaren zu bezeichnen.
    Keine Religion hat das Recht, Leben zu nehmen.

    Was ich mir wünsche ist, dass die Gläubigen endlich die Verantwortung für ihren Hass übernehmen. Die „kurze Zündschnur“ sobald es um den Glauben geht ist ein Automatismus, der für Denken keinen Raum mehr lässt und im schlimmsten Fall in völliger Verblendung zur Tötung eines Menschen führt.
    Hier wird Glaube – völlig irrational, da die Existenz irgendeines Gottes nicht bewiesen ist – über das Recht zu leben und anderer Meinung zu sein gestellt.

  19. hans sagt:

    zu @ Anna Hartl
    Durch Bildung, Aufklärung, Integration die Macht der Religion brechen?
    Ja das kann man auch versuchen. Wir können ja das Eine tun ohne das Andere zu lassen. Bildung ist eigentlich immer eine Lösung wenn jemand bereit ist sich bilden zu lassen. Nur wenn er das nicht ist kann die Antwort nicht sein dann kann er hier auch unschuldige Menschen ermorden. Das ist ja nicht das Erste mal das solche Täter mehr als Polizei bekannt sind. Wenn man die möglichen Täter in der Anzahl reduziert wird das mit Sicherheit die Anzahl der Opfer nicht erhöhen. Wenn jemand aus Syrien hierher kommt und kämpfen will soll er nach Hause gehen.

  20. Erdmann, Gerd-Rüdiger sagt:

    Zum Leserbrief von Frau Marlies Hanfland-Hilt (FR vom 24./25.10.2020)
    Frau Hanfland-Hilt fragt sich, warum Männer (anders als Frau Merkel) oft zum Schaden ihrer Völker handeln, obwohl sie doch von Frauen erzogen wurden. Ich wage einen Erklärungsversuch: Das Ganze beginnt mit dem Wechsel vom Matriarchat zum Patriarchat (s. Bachofen, Theweleit) und nimmt richtig Fahrt auf mit der Entstehung der christlichen Religion resp. dem der katholischen Kirche. Eva verführt Adam. Sie verlieren die Unschuld und werden aus dem Paradies vertrieben. Wer ist „Schuld“? Die Frau, sie hat Adam verführt. Um sich vor der Frau, das ist des Fleisches Lust, die Sünde, zu schützen, gibt es das Zölibat und die Sexualität wird eingehegt, auf Vermehrung in der Ehe reduziert. Das weibliche Geschlecht wird als verderblich angesehen (s. Hexenverfolgung) bzw. minderwertig (Herrmann). In diesem Kanon werden Frauen gross, sind irgendwann selbst von ihrer Minderwertigkeit überzeugt, wobei es eine Rettung gibt – einen Sohn gebären (Freud). Dieser wird zwar von Frauen erzogen, die oben skizzierte Message wird gleichwohl transportiert.

  21. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Frau Hartl,
    Um zu sehen, was Religion im hier und heute anrichtet muss man doch nur unser Christentum ansehen, allen voran die kath. Kirche, mit dem Papst vorneweg. Hier wird doch die Frau zum Menschen zweiter Klasse, sie darf alles Mögliche nicht. Das ist Mittelalter ! Überhaupt kommt man in diesem Religionsdschungel mit Logik nicht weiter, es ist sinnlos.Solange also die Religionen in unserm Leben einen solchen Stellenwert haben, wo soll da Besserung eintreten. Und wir im Westen glauben ja, wir hätten das alles hinter uns. Allein was hier an TV Sendezeit verschwendet wird, heute abend beim HR : 17 neue Ritter gekürt, ja Ritter und Damen, an die 10 Minuten dauerte der Spuk, mit lustigen weißen Umhängen, mit roten Emblemen und so, das ganze erinnerte an diesen Verein in USA, mit den merkwürdigen Hüten.Zum Ritter geschlagen wurden sie von einem Kardinal, man glaubt es nicht, ach, was reg ich mich auf.

  22. Anna Hartl sagt:

    Hallo Herr Winter,
    die Ritter sind mir vor Jahren in Sachsenhausen begegnet, als sie in voller Rüstung mit dem roten Kreuz der Templer in die Deutschordenskirche eingezogen sind. Mein Sohn war begeistert, ich dachte an Zeitsprung oder ähnliches.
    Wurden die Damen auch zu Damen gekürt?

  23. Erdmann, Gerd-Rüdiger sagt:

    Zu Jürgen H. Winter,
    ich stimme Ihnen zu. Die Rolle der christlichen Religionen wird zu wenig beachtet. Selbst die Männer im antiken Griechenland waren da weiter (s. Foucault). Problematisch scheint mir an Bildung resp. Aufklärung, dass diese dem Bedürfnis des Menschen (ich unterstelle ein solches) zu glauben, nichts anbieten, ihn „alleine“ lassen, woraufhin der Mensch sich etwas zum glauben sucht und das Ganze geht weiter.

  24. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Frau Hartl,
    bis dato wusste ich auch nichts von Rittern in der Kirche, vermutlich geht das zurück auf den Deutschritterorden oder ähnliches.Egal, es ist ein Anachronismus, wie die ganze Kirche. Ja, unter den Rittern waren auch einige Frauen, die den Titel Damen bekamen. Frauen in der Kirche können eben auch keine Ritter werden, hätte mich auch gewundert.Ich war in den 90ern mal in Sanaa im Yemen, auf dem Markt, reines Mittelalter, mit kleinen Fehlern (Schusswaffen), da hätten die Leute hingepasst, mit ihrer Verkleidung. Wie kann jemand so etwas ernst nehmen ??

    Hall Herr Erdmann,
    sie haben wohl Recht, über die Sonne, Planeten und Mathematik wussten die alten Griechen eine ganze Menge, andererseits sind sie wohl auch Schuld am Monotheismus, der dann später in Form diverser Religionen um sich griff, das ganze Wissen auslöschte und die Erde wieder in den Mittelpunkt des Geschehens rückte. So mächtig sind Religionen. Letztlich sind es aber Menschen, die sich der Religionen bedienen, denn mangels Göttern müssen es wohl Menschen sein, die Religionen erfinden, aus welchen Gründen auch immer.
    Das eigentliche Problem, dass der Mensch hat und vermutlich bis ans Ende der Zeiten haben wird, ist doch, salopp gesagt, was mache ich hier eigentlich, was soll das ganze und Atome und das Universum, das ist mir alles zu viel. Dieses „Loch“ im Denken muss wohl mit irgendetwas gefüllt werden und weil Menschen nun mal so sind wie sie sind gibt es Religionen, die per se ja sehr gut sind, vom Anspruch her, nur in der Praxis eben nicht. Warum das so ist kann bei Darwin lesen. Zum Thema gibt es mehr Literatur, als man in einem Leben lesen kann, Antworten, logische, gibt es nicht. Vermutlich ist das Teil der schwarzen Materie (Scherz).

  25. hans sagt:

    Es ist eigentlich alles wie immer wenn Islamisten einen Mord begehen. Wir haben eine Diskussion über Religionen mit dem Hinweis das es auch christliche Fanatiker gibt. Das hilft bestimmt die nächsten Morde zu vermeiden? Ich denke eher nein. Die Frage die zu lösen ist, ist wie gehen wir damit um das knapp 1000 Menschen in D. rumlaufen, man nennt sie Gefährder, von denen man weiß das sie jederzeit auf die Idee kommen können andere Menschen körperlich anzugreifen. Heute konnte man einen Kommentar in der FR lesen in dem Frau Sabine Hamacher Abschiebung als Absurde Härte bezeichnet hat aber noch nicht mal im Ansatz eine andere Lösung aufzeigt. Das es hart sein wird für Menschen die abgeschoben werden mag sein, für Menschen die angegriffen oder gar ermordet werden ist das auch hart. Da stellt sich dann die Frage was wollen wir akzeptieren.

  26. Peter Arnold sagt:

    Sehr geehrte Frau Roether, was wollen Sie uns mit Ihrem Leserinbrief vom 21.10.20 eigentlich sagen? Dass Samuel Paty an seiner Ermordung selbst schuld ist, weil er sie provoziert hat? Dass wir Verständnis für die verletzten religiösen Gefühle seines Mörders aufbringen müssen? Dass die laizistische Doktrin kein „Ausweis von Aufgeklärtheit … sondern ein „Dominanz-Diskurs“ ist, der „sich bestens mit der Vorenthaltung gleicher Rechte für alle vereinbaren lässt“?
    Letzteres verstehe, wer will, verehrte Frau Roether, aber ich will Ihnen zugute halten, dass sie die Karikaturen, um die es hier geht, nie gesehen haben. Das können Sie nicht, den sonst wären Sie nie auf Ihre – offen gesagt ekligen – Beispiele verfallen, mit denen Sie versuchen, einen Vergleich zu ziehen. Der hinkt, Sie werden es bestimmt auch noch von anderer Seite hören, ganz gewaltig.
    Jeder, der seine Heimat verlässt und Zuflucht in einem fremden Land suchen muss, ist dem dortigen ordre public, das heißt den geltenden Bestimmungen und Regeln, unterworfen. Es versteht sich von selbst, dass er diese nicht aus den Angeln heben und durch die seines Heimatlandes ersetzt haben kann. Der Schwanz wackelt hier nicht mit dem Hund, sondern es ist umgekehrt. Zum ordre public zählt in Frankreich wie bei uns, nicht nur die Religions-, sondern auch die Meinungsfreiheit. Und zu der zählt auch die Satire. Jedwede Religion, auch eine christlichen, muss sich gefallen lassen, angegriffen und ins Lächerliche gezogen zu werden. In welchen Grenzen das zulässig ist, bestimmt wiederum der ordre public. Und das Recht der freien Meinungsäußerung gestattet in Frankreich – wie auch bei uns – ausdrücklich den satirischen Umgang mit Religion. Das mag Ihnen zuwider sein, aber sogar die Kirchen haben sich inzwischen damit abgefunden. Nehmen Sie zum Beispiel die Juden: Die haben sich überall auf der Welt in den sie aufnehmenden Staaten klaglos den dort geltenden Regeln gefügt, obwohl ihr Glaube dort vielfach bis heute den hässlichsten Anfeindungen ausgesetzt ist. Aber sie haben das nicht zum Anlass genommen, Andersgläubigen den Kopf abzuschneiden. Nein Frau Roether, Sie verteidigen etwas, das nicht zu verteidigen ist: Intoleranz.

  27. Werner Engelmann sagt:

    Ich stimme Peter Arnold (zumindest im 1. Teil) in seinem Erschrecken über den Leserbrief von Susanne Roether völlig zu.
    Als besserwisserisch zu qualifizieren wäre der, von wenig Kenntnis geprägte, behauptete kausale Zusammenhang von „berühmter laizistischer Doktrin“ und einem „Dominanz-Diskurs, der sich bestens mit dem Vorenthalten gleicher Rechte für alle Bürger vereinbaren lässt“.
    Sie scheint noch nicht einmal das Grundprinzip von „laïcité“ verstanden zu haben: Dieses strebt die konsequente Umsetzung von „égalité“ an und gewährleistet im öffentlichen Raum ein hohes Maß an Meinungsfreiheit“, indem es religiöse Bekenntnisse und Praktiken dem privaten Raum zuweist und so die Möglichkeiten religiöser Bevormundung einschränkt.

    Schlimmer freilich ist das völlig verquere „Gedankenexperiment“ von „Überlegenheit des Islam über Christen- und Judentum“ und behaupteter „persönlicher Demütigung, als auftrumpfender Diskriminierung“. Indem Frau Roether diese Absicht erkennbar dem Opfer unterschiebt, betreibt sie im Prinzip eine Täter-Opfer-Umkehr.

    Um nicht in diesen gravierenden Fehler zu verfallen, ist es nützlich, sich über den realen Samuel Paty zu informieren. Einem in vielfacher Hinsicht vorbildlichen Lehrer, der sich ALLEN Schülerinnen und Schülern verpflichtet wusste und ihnen die Werte der Republik auf lebendige Weise zu vermitteln verstand.
    Die französische Wochenzeitschrift „Le Point“ zitiert in ihrer letzten Ausgabe (22.10.20) viele Schüleraussagen, die von hoher Wertschätzung zeugen. Gelobt wird vor allem seine offene Art, durch lebendige Darstellung zu aktiver Beteiligung und selbständigem Denken zu ermuntern. Ebenso seine Sensibilität, die er gerade auch in diesem Zusammenhang bewies, als er Grenzen der Toleranz auslotete. Indem er muslimischen Schülern freistellte, die bildlichen Darstellungen anzuschauen oder nicht.
    So wird auch von einem längeren Kesseltreiben doktrinärer islamistischer Väter berichtet, um die Besprechung Darwinscher Evolutionstheorie zu verhindern. Und im genannten Fall wurde die Freistellung der Schüler zu einer „Ausweisung“ und zu einer gezielten „antiislamischen Diskriminierung“ verdreht, um Schüler gegen ihn aufzuhetzen.
    In Wahrheit war es sein Mut, zu Toleranz und zu selbständigem Denken zu erziehen, durch den M. Paty den Hass der Menschenrechtsverächter auf sich zog.

    Alles auf die Frage der „Mohammed“-Karikaturen zu konzentrieren, bedeutet, der islamistischen Verkehrungstaktik auf den Leim zu gehen, die alles und jedes auf „Religion“ zurückführt, um die tatsächlichen patriarchalen Zwänge zu verschleiern bzw. zu rechtfertigen.
    Wer an Métrostationen das Wort „fraternité“ übermalt sieht, der müsste eigentlich begreifen, dass es primär nicht um „religiöse Empfindungen“ geht, sondern um abgrundtiefen Hass auf die Werte der Republik. Insbesondere sind es Mitmenschlichkeit und Toleranz, die Menschenrechtsverächtern im Wege stehen. Und Religion dient hier lediglich als Instrument zum Aufhetzen der Menschen.

    Wie Erdogan diese grausame Tat benutzt, um gegen Frankreich als laizistischem Staat zu hetzen, wie er die Karte der – tatsächlichen oder eingebildeten – „Islamophobie“ ausspielt, um von der eigenen wirtschaftlichen Katastrophe und imperialistischen Abenteuern abzulenken, erleben wir ja gerade.
    Dass er dabei in Le Pen eine treue Gehilfin bei der Strategie des gegenseitigen Aufschaukelns von Hass findet, steht auf einem anderen Blatt.

  28. I. Werner sagt:

    Die Frage ist doch, was wir tun können, um solche furchtbaren Reaktionen zu verhindern. Dazu finde ich diesen Beitrag im Tagesspiegel sehr nachdenkenswert:
    https://www.tagesspiegel.de/politik/radikalisierte-muslime-in-deutschland-fuer-sie-ist-der-moerder-aus-frankreich-ein-idol/26288138.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

    Mit polizeilichen Maßnahmen, permanenten Überwachungen werden wir nicht zu Lösungen kommen. Wir können weder Anschläge wie in Halle auf die Synagoge verhindern, noch den Mord an Walter Lübke. Auch diese sich selbst ermutigenden Sprüche wie „Wir lassen uns von diesem braunen Sumpf nicht einschüchtern“ oder ähnlich tapfere Sprüche nach islamistischen Gräueltaten, helfen nicht. Was aus meiner Sicht wirklich hilft, jungen Menschen eine Perspektive zu geben, sie in Ausbildungsprogramme einzubinden, sie auch im Sport zu fördern etc. und vor allem jede Gettobildung zu vermeiden.

  29. Jürgen Malyssek sagt:

    Danke, lieber Herr Engelmann, für die Ergänzungen zur Lehrerperson Samuel Paty. Sie sind da gut informiert.
    Die Tat selbst lässt mich schaudern.
    Die klaren Worte Macrons, die ich im Fernsehen mitbekommen habe, empfinde ich als sehr wichtig und treffend. Dieser fanatische Islamismus ist eine weitere Tragödie mehr in einer sich immmer irrationaler zeigenden Welt. Es fällt mir immer schwerer noch auf Lösungen zu hoffen. Unhaltbar was sich ein Erdogan als Staatschef an Attacken gegenüber Präsident Macron leistet. Maas‘ Erklärung war nicht gerade spektakulär, aber immerhin gab es sie prompt.
    Wie dem radikalen Islamismus in einem modernen Europa wirkungsvoll zu begegnen ist? Ich bin da ziemlich ratlos.

  30. Anna Hartl sagt:

    Zeit Online hat einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema von Murat Kayman veröffentlicht.

  31. hans sagt:

    zu @ I. Werner
    Schön das sie sich den Fragen zuwenden auf die es jetzt wirklich ankommt. Bildung und Perspektive ist sicher eine Möglichkeit die genutzt , vielleicht auch mehr, werden sollte. Wenn ich mich recht erinnere war der Mörder aus Dresden aber gerade 3 Jahre in solchen Programen. Was machen wir mit Menschen die man so nicht einbinden kann. Eigentlich würde ich annehmen das so etwas bei allen staatlich bekannten Gefährdern probiert worden ist. Es ist ja ein jahrelanger Prozess bis man so etwas wird.

  32. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Ich bin da ziemlich ratlos.
    Das hätte ich vor ein paar Monaten wohl auch noch geschrieben. Inzwischen wird mir aber klar dass das keine Antwort ist. Wir müssen uns dem Problem stellen und eine Antwort geben. In dem Link den I. Werner dankenswerterweise eingestellt hat kann man gut sehen wie und warum die Zahlen solcher gewaltbereiten Menschen ansteigen. Ich habe im Fernsehen die Tage die Aussage von einem Polizeisprecher gehört das man um 1000 Gefährder im Griff behalten zu können 20000 Polizisten braucht. Das nenne ich dann absurd. Da kann man leicht ausrechnen bis wann die Polizei nichts anderes mehr macht. Die Leute unter Aufsicht zu stellen ist nichts anderes als Unsinn den man vorschlägt weil man keine andere Lösung hat die gefällt.

  33. Einige der Mohammed-Karikaturen kann man durchaus als rassistisch bezeichnen. Hinzu kommt: Muslime sind in F (genauso wie in D) eine Minderheit, noch dazu eine in vielen Bereichen diskriminierte und nicht gleichgestellte. Gute Satire richtet sich nicht gegen Minderheiten, sondern gegen die Obrigkeit.
    In F neigt man staatlicherseits zu ausgeprägten Gewaltexzessen, das kommt vielleicht auch aus der 150-jährigen Zeit des Kolonialismus. Das alles rechtfertigt die Tat nicht, aber auch nicht das Erschießen des Täters, das ist ein Teil der vielzitierten „westlichen Werte“.

  34. Jacqueline Walter sagt:

    Vielen Dank für Ihre excellente Antwort an Frau Roether.Bei ihrem Brief fühlte ich mich nicht wohl und wollte antworten:Sie haben es viel deutlicher formuliert als ich : Danke!
    Ich würde auch noch die Frage stellen: warum gibt es nie solche Schwierigkeiten mit den Andersglaubenden ? Nicht nur die Juden, sondern auch die Buddhisten, die Shintoisten, die Animisten usw, nehmen die Regel des Landes an, wo sie leben..nur nicht die Moslem…
    Sie ist weit weg die Zeit der Andalusischen und Bagdader Kalifen , wo im Mittelalter Künstler und Naturwissenschaftler zusammen forschten, egal ob Juden, Christen oder Moslem.. ( Avicenna, Omar Khayyam,…)

  35. Werner Engelmann sagt:

    Danke, lieber Herr Malyssek, für die Bestätigung.
    Als Antwort ein Hinweis auf den Wochenbrief von Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung:
    „Je suis Samuel. Gegen den brodelnden Islamismus und gegen den Hass“

    Hier die für mich beeindruckendsten Sätze:
    Paty war selbst ein Vorbild für Respekt und Sensibilität – wie sie im Verhältnis zwischen dem französischen Präsidenten Macron und dem türkischen Präsidenten Erdoğan ganz und gar nicht herrschen. Paty versuchte, das Bild einer Gesellschaft zu zeichnen, in der Religionsfreiheit und Meinungs- und Pressefreiheit gleichermaßen ihren Rang haben. (…)
    Aber das alles wusste sein Mörder nicht in seiner Verblendung. Er war nicht sein Schüler. Vielleicht wäre er nicht zum Mörder geworden, wenn er Lehrer wie Samuel Paty gehabt hätte. Er wusste nicht einmal, wie der Mann aussah, dem sein Hass galt. (…)
    Welchen Rückhalt brauchen mutige Lehrerinnen und Lehrer, Redaktionen und einzelne Journalisten, um sich keine Verbotsschere in den Kopf zu setzen? (…)
    Die Ermordung des Lehrers war und ist ein Anschlag auf die Grundlagen des Zusammenlebens der Menschen. (…)
    Das Gefährliche am Hass ist, dass er das Morden für eine tapfere Tat hält. Und das besonders Gefährliche am Hass ist, dass er ansteckend ist. Hass hat Verführungskraft. Wer vom Hass getroffen wird, kann von ihm infiziert werden. (…)
    Der Journalist Antoine Leiris, dessen Frau beim Terroranschlag von Paris getötet wurde, richtete einen bewegenden offenen Brief an die Mörder: „Nein, meinen Hass bekommt ihr nicht!““

  36. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Wenn ich sage, dass ich ratlos bin, dann meine ich, wie überhaupt dieser extreme gewalttätige Islamismus überwunden werden kann? Eine Lösung wäre schön. Man müsse was tun …
    Die Dimensionen der Gewalt und des Hasses gehen weit über die Krux in Frankreich hinaus. Und Polizei und schärfere Überwachung, ja, aber das ist nur Handwerk. Dem islamistischen Extremismus und Terrorismus gehen lange Geschichten voraus, die sehr tief liegen dürften. Ich denke da etwa an kulturelle Kränkungen, auch an alte Provokationen und Einmischungen des Westens (in Frankreich der Algerien-Konflikt).
    Also, was soll man tun? Das kriegen wir hier im Forum nicht gebacken.

  37. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Wenn ich das so lese, was Sie aus dem Wochenbrief von Heribert Prantl zitieren, dann wird klar, wie wichtig eine kulturelle Bildung für die Menschen ist und in Ländern, wo Krieg und Zerstörung das Leben bestimmen, das alles kaputt geht, was menschliches Zusammenleben ausmachen sollte. Wenn dann noch Religion als Lebensersatz herhalten muss, wird es immer gefährlich bleiben. Deswegen missachte ich Religion und Glauben nicht, aber wenn es zum Politikum mutiert, dann ist stopp!
    Ich stelle mir das jetzt in Frankreich sehr sehr schwer vor, nach den vielen Terroranschlägen und das auf Kultur und Schule. Da bedarf es jetzt einer starken, souveränen politischen Führung. Deshalb fand die die Ansprache von Macron sehr sehr wichtig, soweit ich sie medial mitgekriegt habe. Danke nochmals, Herr Engelmann!

    Ach übrigens, an den offenen Brief von Leiris erinnere ich mich: Beeindruckend, diese Haltung!

  38. Religiösem und ideologischem Exremismus und Terrorismus kann man viel Boden entziehen, wenn die Minderheiten nicht mehr diskriminiert und gesellschaftlich und ökonomisch weitgehend gleichgestellt und anerkannt werden. Das ist natürlich schwerer als nur mit mehr Polizei, härteren Gesetzen und mehr oder weniger verstecktem Rassismus zu reagieren. Es erfordert Geld, gute Schulen, billige Arbeitskräfte und vieles andere. Und vor allem kostet es Zeit und stellt sich gegen einen Teil der Mehrheitsgesellschaft die dafür kein Verständnis haben will.

  39. hans sagt:

    zu @ Mario Gesiarz
    Wie kommen sie darauf das die Mehrheitsgesellschaft das nicht will? Wenn die beiden Mörder in Paris und Dresden nicht gemordet hätten sondern arbeiten gingen hätte wahrscheinlich niemand aus der Mehrheitsgesellschaft was dagegen gehabt. Das haben sie aber nicht gemacht, leider. Jetzt hat halt immer noch kein Beitrag hier aufgezeigt was man mit Menschen machen soll die nicht bereit sind sich zu integrieren auch da leider. Ich möchte Verhältnisse wie in Frankreich sie offensichtlich normal sind nicht haben. In meinem Arbeitsleben habe ich in 5 Firmen mit sehr hohem Ausländeranteil gearbeitet. Gerade diese Menschen haben in ihrer klaren Mehrheit nach meiner Erfahrung noch eine deutlich eindeutigere Meinung als ich sie hier vertrete. Es gibt keinen Grund in D. oder auch in der EU Religionskriege zu dulden.

  40. I. Werner sagt:

    Das traurige ist, dass man bestimmte Probleme in Deutschland politisch nicht erkannt hat oder nicht sehen wollte. Die verschiedenen Kulturvereine der Türkei, die grauen Wölfe, die salafistischen Bewegungen wurden sehr lange Zeit als Folklore wahr genommen, so waren sie ja auch getarnt. Und das nicht von den „grün-rot-versifften Kulturbereicherern Proklamierer“, sondern von der CDU. So durften Folkloregruppen bei Richard von Weizsäcker auftreten und ihn mit ihren schönen Tänzen beglücken. Im Visier waren immer eher die Kurden und ihre PKK, die damals sicher auch eher stalinistische Tendenzen hatte.

    Wie es Salafisten gelang, Einfluss auf auch intelligente Menschen zu gelangen, das können uns wohl nur kluge, und ich betone kluge, Psychologen erklären.
    Wir hatten in unserer Freizeitgruppe einen Jugendlichen, der sehr begabt war. Eine Klasse an der Hauptschule übersprungen, schnell deutsch gelernt, nach der Schule sofort eine Ausbildungsstelle bekommen, ein kleiner Überflieger und dabei ein wirklich liebenswerter, freundlicher Mensch. Ein paar Jahre später traf ich ihn auf der Straße, es freute mich, ihn wieder zu sehen und streckte ihm meine Hand entgegen. Er lächelte verlegen und sagte mir, er dürfe mir seine Hand nicht reichen, er würde aber mal in meinen Laden kommen, um mir das zu erklären. Er kam leider nicht. Stattdessen konnte ich ihn auf einem Bild sehen, wo auf einer Demonstration der Tod von Salman Rushdie gefordert wurde. Es hat mich entsetzt. Was ist mit diesem lieben und klugen Jungen passiert? Er hat nach seiner beruflichen Ausbildung ein Studium zum Elektroingenieur über die Fachhochschule abgeschlossen. An mangelnder Bildung hat es ihm nicht gefehlt. Ich frage mich, was ist in ihm da passiert? Was hat er sich da ersehnt? Welches Gemeinschaftsgefühl? Später kam er wieder zu mir, gab mir wieder die Hand und sagte, er war auf einem Irrweg.

    Tja, hier bleibt nur ein großes Fragezeichen

  41. zu @ hans
    Da haben wir uns missverstanden. Ich bezog mich auf den Teil der Mehrheitsgesellschaft, die latent Ausländerfeindlich ist.
    Zugegeben, meine Antwort bezieht sich auf eine Zukunft. Was man direkt machen kann? Nach den bestehenden Gesetzen bestrafen. Verhindern wird man es nie ganz können.

  42. Robert Maxeiner sagt:

    Bei einer Reform handelt es sich um eine planvolle Umgestaltung bestehender Verhältnisse. Was ist also der neue Plan der EU in der Flüchtlingspolitik? Sie möchte schnell und rigoros Menschen dahin zurückschicken, wo ihr Elend begonnen hat, mitverursacht durch Waffenlieferungen aus eben jenen EU-Staaten. Diese unmenschliche Abschiebepolitik nennen sie verschleiernd „Rückführung“. Um diese möglichst gründlich durchführen zu können, planen sie einen „Mechanismus für verpflichtende Solidarität“. Geht’s noch zynischer? Dies ist alles andere als eine Solidarität, hier agiert ein zerstrittener Haufen von unmenschlichen und geizigen Gesell*innen. Bestehende Gesetze, welche Geflüchteten Schutz gewähren, werden so immer weiter ausgehöhlt. Die innenpolitischen Folgen kündigen sich bereits an: Der AfD ist es noch nicht unmenschlich genug. Diese Politik ist radikal – radikal in ihrer Unmenschlichkeit. Und sie wird so wesentlich zur Verrohung der Gesellschaft beitragen. Und hinterher werden sich alle scheinheilig wundern, wie es dazu kommen konnte.

  43. Jürgen H.Winter sagt:

    @ all
    Das Problem, wie mit Extremisten, religiösen, nationalen und anderen umzugehen ist, scheint mir unlösbar, wenn man nicht zu ganz rigiden Mitteln greifen will, die dann wiederum neue Terroristen hervorrufen. Wesentlich ist doch vor allem, die Grundübel zu bekämpfen, die Ausschließlichkeit aller Religionen wie auch die Nationalitätsfrage. Das sind die beiden Hauptakteure, da sie direkt auf die Emotionsbefindlichkeit der Betreffenden Menschen Einfluss ausüben. Wie das funktioniert kann man sich in Fussballarenen ansehen.

  44. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Maxeiner,
    Sie vergaßen, dass sich unsere Regierung einen Ethikrat hält, ich frage mich immer, was da so thematisiert wird. Sollte man vielleicht in Zynikrat umtaufen ?

  45. hans sagt:

    zu @ Robert Maxeiner
    Ich denke das man das Flüchtlingsthema und das Mörderthema oder Religionskrieg nicht in einen Topf werfen sollte. Das führt mit Sicherheit nicht weiter. Die gewaltbereiten Ausländer in D. sind relativ wenige Menschen. Sie mit den vielen die hier leben zu vermischen ist das was diese Leute auch erreichen wollen.

  46. Anna Hartl sagt:

    Herr Kazcynski hat nach anhaltenden Protesten in Polen dazu aufgerufen, Bürgerwehren zu bilden, um die katholischen Kirchen zu schützen.
    Die Macht, die dort dem christlichen Glauben eingeräumt wird ist tiefstes Mittelalter.
    Da wird mir wirklich schlecht.

  47. Stefan Briem sagt:

    Entschuldigung, hans, aber waren Sie nicht derjenige, der hier schnellere und rigorosere Abschiebungen gefordert hat? Also waren Sie es auch, der das Flüchtlingsthema mit dem Terrorthema verkoppelt hat.
    Herr Maxeiner kritisiert die geplante Abschiebungspraxis. Ich tue das auch. Es ist immer noch so, dass wir in einem Rechtsstaat leben, und es gilt: Ein jeder hat als unschuldig zu gelten, bis ihm das Gegenteil nachgewiesen wurde. Das gilt auch für künftige Terroristen. Solange die keine Straftat begangen haben, können Sie denen gar nichts außer sie im Auge zu behalten. Wenn Sie anfangen, Leute zu bestrafen, weil sie Straftaten begehen könnten, ist der Rechtsstaat vermutlich bald am Ende. Das können Sie nicht wollen.

  48. hans sagt:

    zu @ Stefan Briem
    Sie sind also der Meinung wenn man die Abschiebung von Mördern und Gewalttätern fordert würde das automatisch für alle Ausländer gelten. Wie kommen sie denn darauf? Eine Person die als Gefährder eingestuft wird, wie der Mörder von Dresden hat schon eine Karriere als verurteilter Gewaltverbrecher hinter sich. Diese Leute sollten nicht mit Massen von Polizisten dann letztlich erfolglos überwacht werden sondern abgeschoben. Das gilt für jeden der nachweislich meint hier Religionskriege veranstalten zu wollen. Was anderes habe ich nie geschrieben.

  49. Stefan Briem sagt:

    „Sie sind also der Meinung wenn man die Abschiebung von Mördern und Gewalttätern fordert würde das automatisch für alle Ausländer gelten.“
    Nicht für alle Ausländer, sondern für alle aufgenommenen Flüchtlinge, denn die nehmen Sie implizit unter Generalverdacht, weil Sie ins gleiche rechte Horn tuten wie Weidel und Gauland. Na ja, Ihr Gedanke war, dass Sie diese Leute wegen ihres Gefährder-Status abschieben lassen wollen. Offenbar ist Ihnen nicht klar, dass Sie damit der rechten Logik Tür und Tor öffnen.
    „Eine Person die als Gefährder eingestuft wird, wie der Mörder von Dresden hat schon eine Karriere als verurteilter Gewaltverbrecher hinter sich.“
    Und deswegen dürfen Sie über deren Leben entscheiden und darüber, ob sie abgeschoben werden dürfen? Möglicherweise in den sicheren Tod? Was maßen Sie sich da an? Wo bleibt da z.B. Paragraph 1 des Grundgesetzes? Das gilt bekanntlich für alle Menschen, nicht nur für Deutsche.
    Natürlich ist es wohlfeil, so was derzeit zu fordern. So ein Abgeschobener, der ist ja auch gleichzeitig ein abgeschobenes Problem. Richtig? Quatsch. Das Problem bleibt. Mit der Abschiebung ändert sich gar nichts, denn es tauchen garantiert andere Typen auf, und der Islamismus wird möglicherweise sogar noch gefördert. Fazit: Selbst wenn abgeschoben würde, ändert das nichts am Problem. Das ist ähnlich wie in den USA, wo es die Todesstrafe gibt. Und trotzdem gibt es weiter Verbrechen.

  50. hans sagt:

    zu @ Stefan Briem
    Komisch das bei ihnen nie die Opfer vorkommen. Halten wir mal fest was in Dresden geschehen ist. Es war ein Gewaltverbrechen an dem 3 Leute beteiligt waren. Ein Täter und 2 Opfer. Das Ergebnis ist das einer der Beteiligten jetzt Tod ist einer schwer verletzt und einer in Untersuchungshaft vielleicht sitzt. Dem Täter ist leicht zuzutrauen das er das gleich wieder macht wenn er die Gelegenheit dazu hat. Es hat ihn auch niemand dazu gezwungen diese Tat zu begehen. Mir unterstellen sie jetzt ich maße mir irgendwas an? Der Täter hat sich was angemaßt nicht ich. Er hat ein Leben beendet und ein zweites wahrscheinlich für immer verändert weil er Religionskrieg führen will. Das sie alle Flüchtlinge mit solchen Menschen in einen Topf werfen maßen sie sich an und habe ich in keinem meiner Beiträge gemacht. Damit betreiben sie das Spiel der AFD und drücken sich davor eine Aussage zu machen wie ein aufziehender Religionskrieg verhindert werden kann. Wenn man die Krieger im Land lässt und es immer mehr werden schadet das keinem mehr als den Ausländern die friedlich hier leben.

  51. Werner Engelmann sagt:

    @all

    Mehrfach ist unsere Hilflosigkeit angesichts dieses Terrors zum Ausdruck gebracht worden, am eindrucksvollsten von I.Werner (28. Oktober 2020 um 2:42).
    Das ist wohl der Komplexität der Materie geschuldet, bei der sich tiefgehende Ängste vor Veränderung, vor „Überfremdung“ und Verlust der „Identität“, religiöse bzw. ideologische Überzeugungen (die bis zu Wahnvorstellungen gehen können ), und skrupellose Machtpolitik von Diktatoren und religiösen Gurus (vor allem in der islamischen Welt) scheinbar unentwirrbar ineinander verschränkt haben.

    Ich möchte versuchen (angelehnt an einige Artikel der liberalen französischen Wochenzeitung „Le Point“), dies wenigstens etwas zu entwirren und aufzuzeigen, warum gerade Frankreich ins Fadenkreuz des Terrorismus geraten ist.
    In Kurzform bin ich darauf bereits bei dem lesenswerten Kommentar von Frank Nordhausen eingegangen.
    (https://www.fr.de/politik/recep-tayyip-erdogan-charlie-hebdo-karikaturen-frankreich-tuerkei-konfrontation-macron-90083552.html)

    Zunächst einmal ist (1) streng zwischen Islam als Religion und Islamismus als politischer Instrumentalisierung einiger Koranverse für Terrorismus zu unterscheiden, ebenso zwischen gläubigen Muslimen und Muslimas einerseits, selbsternannten Hasspropheten andererseits. Und (2) auf der politischen Ebene zwischen Religion, patriarchalen Prinzipien und Flüchtlings- bzw. Einwanderungspolitik.

    Zu (2): Diese Vermengung und Instrumentalisierung zu politischen Zwecken, vor allem bei rechten Gruppierungen und Parteien, angetrieben durch die verführerische Suche nach vermeintlich einfacher „Lösungen“, trägt – im Gegensatz zu den Behauptungen – zur Verschärfung des Konflikts bei. So etwa trifft die Forderung nach einer rigorosen Abschottungs- und Abschiebepolitik einer Marine Le Pen nicht nur Millionen völlig Unbeteiligter. Sie schafft auch millionenfach Feinde einer liberalen, offenen demokratischen Gesellschaft, indem sie diese in Arme skrupelloser Demagogen und Scharlatane vom Stil eines Erdogan treibt.
    Aber auch ein „linker“ Diskurs, der jede Kritik als „Islamophobie“ diskreditiert, fällt auf die perfide Strategie von Islamisten herein, die mitnichten „den Islam“ repräsentieren, sondern sich dieses nur anmaßen. Durch falsche Akzeptanz und „Toleranz“ fällt man auch den Muslimen in den Rücken, die (wie etwa Seyran Ates) durch Aufbau eines demokratiekonformen europäischen Islam die Radikalisierung zu stoppen versuchen.

    Zu (1): Mit dieser verallgemeinernde Zuspitzung auf eine vermeintlich ausschließlich religiöse Frage bedienen vorwiegend rechte Gruppierungen den von Islamisten angeheizten Diskurs. Dennoch verweist dies richtig auf ein fatales Problem „des“ Islam. Die oft gestellte Frage, warum gerade Muslime für solchen Terrorismus anfällig sind, ist hier wohl berechtigt.
    Der Imam der „Grande Mosquée de Paris“ – selbst eine der am meisten von Islamisten gefährdeten Personen – weist auf den Grund dafür hin: Es gibt keine Institution (vergleichbar etwa dem Papst), die zu bestimmen hätte, was als „islamisch“ zu gelten habe und was nicht. Muslim ist, wer sich zu einem solchen erklärt. Und es gibt keinerlei Handhabe für ihn, Hasspropheten oder Selbstmordattentäter als „den Geboten des Islam zuwiderlaufend“ etwa zu „exkommunizieren“.
    Dies erst ermöglicht es Hasspredigern, sich als die alleinigen Vertreter des „wahren“ Islam aufzuspielen. Die Faszination, die sie vor allem auf Jüngere ausüben, ist mit faschistischen Bewegungen durchaus vergleichbar: Eigene Ohnmachts- und Minderwertigkeitsgefühle werden durch das Gefühl, nicht nur die alleinige „Wahrheit“ zu vertreten, sondern auch Richter spielen zu können und Herr über das Leben anderer zu sein, in Macht- und Triumphgefühle verwandelt.
    Das „Märtyrer“-Ideal, das Islamisten aus dem Koran herauslesen zu können glauben, gibt dem Ganzen einen religiösen Anstrich – ein Gedanke, der freilich zu bestimmten Zeiten auch Christen nicht ganz fern war. Mit Religion, wie sie von aufgeklärten religiösen Menschen heute vertreten wird, hat das allerdings nicht mehr viel zu tun.
    Erst eine solche, psychologisch zu deutende Perversion macht es möglich, dass skrupellose Machthaber und religiöse „Führer“ scheinreligiöse „Gefühle“ zur Massenindoktrination und – auch hier wieder durchaus analog zum Faschismus – zum Machterhalt nutzen.

    Diese Terrorstrategie islamistischer Potentaten von Saudi-Arabien, dem Iran bis Pakistan – an dessen Spitze sich nun ein Erdogan zu setzen versucht, ist aber auch ein Zeichen der Schwäche: Es ist eine panische Reaktion auf den „arabischen Frühling“ 2011, der einen selbstbewussten und sich selbst emanzipierenden Islam als durchaus denkbar erwiesen hat, der sich an westlichen Demokratien orientiert und mit deren Werten vereinbar ist. Der den Machthabern ihre Legitimation und ihre Basis entzieht und von diesen daher gefürchtet wird wie vom Teufel das Weihwasser.
    Terror nach außen zu tragen ist natürlich auch eine Strategie, die eigenen Schwächen und Probleme zu übertünchen. An Erdogan, der nicht, wie andere Potentaten dieser Region mit sprudelndem Öl gesegnet ist und der dabei ist, sein Land ökonomisch in den Abgrund zu stürzen, ist dies besonders gut erkennbar.

    Frankreich ist nicht nur das Land mit den meisten Muslimen in Europa. Aufgrund seiner laizistischen Verfassung brauchen Muslime sich hier nicht in eher feindlicher Konkurrenz zu christlichen Gemeinschaften zu fühlen. Und – so auch der Hinweis in „Le Point“ – die mit Abstand große Mehrheit der Muslime ist kaum oder nur oberflächlich praktizierend. Insofern sind die Bedingungen für die Entwicklung eines europäischen, mit demokratischen Werten vereinbaren Islam eher günstiger als in anderen Ländern. Und sie haben mit dem Imam der „Grande Mosquée de Paris“ einen bedeutenden Förderer.
    Dies prädestiniert Frankreich als Hauptfeind für salafistische Hetzer und Potentaten. Und ebenso deutlich ist, dass der Terror auch dem Imam von Paris gilt, der für Islamisten nicht anders als Christen als „Ungläubiger“ gilt.

    Aus dem Vorgenannten ergeben sich auch Hinweise für eine notwendige Gegenstrategie: So, dass der französische Staat für sein Territorium die Klärungen vorzunehmen hat, zu denen eine diffuse Religionsgemeinschaft wie „der Islam“ sich nicht in der Lage zeigt. Etwa, dass das „Religionsprivileg“ – und somit die Toleranz des laizistischen Staates – nur denen zukommen kann, die ihrerseits Toleranz üben und die Gesetze des Staates respektieren.
    In diese wohl richtige Richtung zielen die Maßnahmen von Präsident Macron, etwa die Schließung von Moscheen, die zur Ausbildungsstätte für islamistische Terroristen verkommen sind, oder die Nichtanerkennung von Imamen, die von fremden Potentaten geschickt wurden.
    Dazu folgender Hinweis aus „Le Point“ (29.10.2020):
    In Frankreich sind z.Zt. 250 von der „Religionsbehörde“ Erdogans entsandte Imame tätig (in Deutschland sind es 850!). Darüber hinaus wurden die Moschee in Lyon von Saudi-Arabien, die in Evry von Marokko, die „Grande Mosquée“ in Paris von Algerien gebaut. (Dazu ist der Ausverkauf, u.a. von kulturellen Einrichtungen an arabische Milliardäre – so etwa PSG Paris an Katar – bekannt).

    Lediglich die einseitige Zuspitzung auf die Frage der Berechtigung von Mohamed-Karikaturen – die nicht nur von Muslimen als problematisch angesehen werden – erscheint mir wenig hilfreich.
    Die Bedeutung von Meinungsfreiheit, Toleranz und demokratischen Werten lässt sich auch in anderer Weise aufzeigen, die von einer überwältigenden Mehrheit getragen wird und nicht scheinreligiöse Konflikte provoziert.
    Denn vor allem ist eines klar: Ein erfolgreicher Abwehrkampf gegen pseudoreligiös begründeten Terrorismus ist nur denkbar durch ein geschlossenes Zusammenstehen aller demokratischen Kräfte, unter Einschluss der Muslime.

  52. hans sagt:

    Natürlich darf man nicht die Religionskrieger mit allen Ausländern oder Flüchtlingen in einen Topf werfen. Ich denke das hat Werner Engelmann auch klar dargelegt. Außerdem lobt fast jeder die Maßnahmen des französischen Präsidenten. Dazu gehört halt auch das er sich festlegt was mit den Religionskriegern passieren soll.

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/frankreich-will-231-mutmassliche-islamisten-abschieben-17010060.html

  53. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Danke für die Ausführungen! Die klaren Worte von Präsident Macron zu Meinungsfreiheit und den demokratischen Werten Frankreichs und die Verteidigung dieser, das rettet nicht vor weiteren Terroranschlägen. Aber es ist eminent wichtig, was er jetzt tut und somit präsent ist.

  54. Werner Engelmann sagt:

    @ hans, 1. November 2020 um 22:21
    Die Maßnahmen von Macron sollten durchaus differenziert gesehen werden.
    So richtig die Schließung von Ausbildungszentren des Terrors ist: Die breite Abschiebung von des Islamismus „Verdächtigen“ erscheint, besonders in der völlig vagen Fassung, als bloße populistische Maßnahme, die einer Marine Le Pen entgegen kommt und ihr das Wasser abgraben soll.
    Abschiebung auf Verdacht hin ist nach rechtsstaatlichen Kriterien nur möglich für Asylbewerber, welche die französische Staatsbürgerschaft noch gar nicht besitzen. Eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft ohne rechtskräftigen Beweis ist gar nicht möglich.
    Zudem ist die Abschiebung von wirklichen Straftätern kontraproduktiv: Dies ist keine Bestrafung, sondern Beförderung der Mörder, die in ihrem „Heimatland“ als Märtyrer gefeiert werden und zudem durch viele andere potentielle Selbstmordattentäter ersetzt werden können.
    So etwa im Fall des sog. „Ehrenmordes“ Sürücü, wie folgender Artikel belegt: https://www.dw.com/de/mordfall-s%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC-bis-heute-keine-reue/a-39047911.

    Eine effektive Abwehr ist nur möglich, wenn Straftätern ohne Ausnahme hier (bzw. in Frankreich) der Prozess gemacht wird.
    Dies freilich erfordert wieder eine Schärfung der Kriterien für Strafbarkeit. Etwa, dass einen Mörder als „Märtyrer“ im Internet zu feiern als Straftatbestand definiert wird, der unter „Volksverhetzung“ fällt, und dass das Strafmaß entsprechend festgelegt wird.
    Es sei daran erinnert, dass etwa Nazipropaganda keineswegs überall, wie in Deutschland, als „Volksverhetzung“ definiert wird, vielmehr – z.B. in den USA unter „Meinungsfreiheit“ läuft.

    Dazu ein Beispiel zu den Konsequenzen, das ich im Internet entdeckt und der FR zur möglichen Recherche gemeldet habe:
    Von einem Trump-Fan wurde das bekannte Hitlerwort an die „deutsche Jugend“, „Zäh wie Leder…“) inhaltsgleich, aber mit nicht exakt mit den gleichen Worten verbreitet. Es stellte sich heraus, dass der Betreffende das Original nicht einmal kannte. Meine Recherche ergab, dass auf einer Plattform – mit Hilfe eines „Meisters“ – der (sonst nicht zugängliche) Originalton heruntergeladen werden kann. So ist es also möglich, dass hierzulande sehr gut bekannte Zitate, als „Trump-Version“ nur leicht verfremdet, wieder zurückkommen können.
    Was das bedeutet, brauche ich hier nicht länger zu erklären.

  55. hans sagt:

    zu @ Werner Engelmann
    Eine effektive Abwehr ist nur möglich, wenn Straftätern ohne Ausnahme hier (bzw. in Frankreich) der Prozess gemacht wird.
    Meinen sie wirklich wenn der 20 jährige Religionskämpfer von Dresden jetzt für 20-25 Jahre wahrscheinlich zu mehr oder weniger vielen Gleichgesinnten ins Gefängnis in D. geht wird irgendwas besser? Ich halte da eine Abschiebung für alle beteiligten für die bessere Lösung. Allerdings kommt sie zu spät. Sie hätte vor dem Überfall erfolgen sollen auf Grund der Straftaten die der junge Mann vorher begangen hat. Ein Verdacht reicht da natürlich nicht.
    Hier in Frankfurt war ja wieder einiges los in den Nächten am Wochenende. Mehrere 100 Jugendliche haben die Polizei angegriffen . Einpaar hat man auch festgenommen. Bis auf einen hat man inzwischen alle frei gelassen. Polizeibekannt waren wohl auch einige. Sorry glaubt denn wirklich jemand so würde man das Thema lösen können? Das muss wie immer ein geben und nehmen sein. Das man sich einfach mal erlauben kann Polizei, Feuerwehr oder Krankenwagen anzugreifen ist ein Witz. Das sind auch Menschen.

  56. Jürgen Malyssek sagt:

    Hallo, Herr Engelmann

    Was ich in Kürze zur Situation in Frankreich und zur Bedeutung der Ansprachen von Präsident Macron gesagt habe, mag mir inzwischen wieder etwas naiv-idealistisch vorkommen.

    Ich habe gerade einen Essay von Nils Minkmar, dessen Schreibkünste ich aus anderen gesellschaftspolitischen Zusammenhängen ganz gut kenne. Dieser Essay lässt den sozialen und seelischen Zustand der französischen Gesellschaft ganz gut nachvollziehen. Jedenfalls ist er bei mir so angekommen.

    Nils Minkmar, Islamismus, Corona, Politikverdruss, FRANKREICH AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS:
    https://www.spiegel.de/kultur/islamismus-corona-und-andere-katastrophen:

    Auch bedrückend zu lesen.

  57. Werner Engelmann sagt:

    @ hans

    Ach, wenn das mal mit dem Abschieben so einfach wäre, wie vor allem von ganz rechts behauptet wird! Wo man ja als „Patrioten“ angeblich voll hinter den „Werten“ der Republik steht, aber nichtsdestotrotz munter rechtswidrige Maßnahmen fordert.
    Meines Wissens gab es über den Attentäter Samuel Paty (seit dem Tschetschenien-Krieg, also seit etwa 10 Jahren in Frankreich) keine Erkenntnisse. Auch der Vater will nichts von der Radikalisierung bemerkt haben.
    Und der Attentäter von Nizza war erst wenige Tage zuvor, nach Ausweisung aus Italien, eingereist – übrigens ohne Asyl zu beantragen. Ob hier das Warnsystem innerhalb der EU versagt hat, entzieht sich meiner Kenntnis.
    Angenommen, es wäre sinnvoll (was ich bezweifle): Wie also wollten Sie das bewerkstelligen? – Die Anerkennung der Menschenrechtserklärung oder der Flüchtlingskonvention widerrufen? Das rechtsstaatliche Rechtssystem abschaffen?
    Le Pen hätte damit vermutlich keine Probleme (so es ihr nützlich wäre) – insbesondere, da dies den Austritt aus der EU bedeuten würde. Die würde vermutlich mit dem letzteren anfangen und das andere danach folgen lassen. Erst dann könnten die geforderten und verheißenen Abschiebungen (vermutlich mit gleichzeitigem Zusammenbruch der französischen Justiz) folgen.

    Sie können ja nach ein paar Monaten nachfragen: Sie werden sehen: Nichts als heiße Luft!

  58. hans sagt:

    zu @ Werner Engelmann
    Es ist natürlich klar das man mit Abschiebung nicht jeden Anschlag verhindern kann, aber in D. haben wir ca 900 Gefährder rumlaufen. Soweit ich weiß haben der Mörder von Dresden und vom Breitscheidplatz auch dazu gehört. Ich gehe davon aus das man Gefährder nicht so einfach wird. Dazu muss man das eine oder andere getan haben. Womit solche Menschen noch ein Gastrecht verdienen werden auch sie mir nicht erklären können. Nach meiner Meinung gibt es drei Themenfelder bei denen Entscheidungen anstehen weil es so nicht weiter gehen kann. Das ist dieses hier, Gewalt gegen andere Menschen, das Einhalten der Coronaregeln und Umwelt und Klimaschutz. In allen 3 Bereichen ist das derzeitige Verhalten nicht zukunftsfähig.

  59. Axel Schneider sagt:

    So sehr Herrn Hebels Ausführungen zuzustimmen ist, in einem entscheidenden Punkt irrt er: die Mohammed – Karikaturen, die vor fünf Jahren zum Auslöser eines Massakers wurden, vor wenigen Tagen den Tod eines Lehrers verursachten und nun in Nizza Christen zum Verhängnis wurden, sind nicht nur eine fragwürdige Provokation, sondern erfüllen aus gutem Grund als unzulässige Überschreitung des Grundrechts auf freie Meinungsäußerung einen Straftatbestand, der gemäß §166 des Strafgesetzbuches – „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ – eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe zur Folge hat.
    Wenn man auf den religiösen Gefühlen anderer herumtrampelt, muss man sich nicht wundern, wenn man Hass erntet. „Die Freiheit eines jeden endet an der Nasenspitze seines Nächsten.“
    Genau aus diesem Grund hat der Gesetzgeber hier dem Recht auf freie Meinungsäußerung Grenzen gesetzt; er ist hier dem Grundgedanken des großen Vorkämpfers für religiöse Toleranz und Freiheit des Bekenntnisses gefolgt, der zu einer Zeit, als Frankreich noch eine Hochburg religiöser Intoleranz war, nicht nur den dort verfolgten Hugenotten Zuflucht bot, sondern auch äußerte, er wolle Heiden und Türken, die sein Land bevölkern wollten, Tempel und Moscheen bauen, sofern sie nur ehrliche Leute seien: Friedrich der II, König in Preußen, der hier zitiert sei:
    „Die Toleranz muss jedem Bürger die Freiheit lassen, zu glauben, was er will. Aber sie darf nicht so weit gehen, die Frechheit und Zügellosigkeit junger Hitzköpfe gutzuheißen, die das vom Volk verehrte dreist beschimpfen. Da ist meine Ansicht. Sie deckt sich mit dem, was zur Sicherung der Gedankenfreiheit und der öffentlichen Ruhe nötig ist – und das ist der erste Gesichtspunkt jeder Gesetzgebung.“
    Dem ist nichts hinzuzufügen.

  60. Siegfried Kowallek sagt:

    Beim Lesen von Stephan Hebels Frage, ob wir die Komplexität aushalten und im konkreten Fall als misslungen verwerfen, was wir zugleich aus sehr guten, prinzipiellen Gründen verteidigen, habe ich daran denken müssen, dass ich im Jahre 2015 nach dem Attentat auf die Charlie-Hebdo-Redaktion in einer Kirche in der Eifel auf einem Klezmer-Konzert war, vor dessen Beginn der dortige Pfarrer das Attentat ohne Wenn und Aber verurteilte und zugleich vehement erklärte, er sei nicht Charlie. Das war letztlich seine Möglichkeit, diese Komplexität auszuhalten. Als Nichtpfarrer würde ich mit dem Ergänzungsgegensatz zwischen dem liberalen Rechtsstaat und der Zuständigkeit der Religionen für Fragen der Moral argumentieren. Das von Emmanuel Macron so genannte „Recht auf Blasphemie“ muss gegen jede Form der Repression verteidigt werden, Meinungsfreiheit gilt auch für explizite Atheisten à la Charlie Hebdo, mit denen nach dem Attentat im Übrigen auch der damalige US-Präsident Barack Obama fremdelte. Einerseits. Andererseits kommt der moralische Aspekt zur Geltung, wenn etwa Kirchenführer in der arabischen Welt für Respekt für andere und den Verzicht auf die Beleidigung des religiösen Glaubens anderer eintreten. Dieser Ergänzungsgegensatz ist auch im Blick zu haben, wenn es beispielsweise um die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Freiheit zum Suizid in einer modernen und tendenziell säkularen Gesellschaft geht. Der religiöse Gegenpol müsste somit folgerichtig sein, dem leidenden Menschen die Möglichkeit zu eröffnen, durch erfahrene barmherzige Hilfe in Form von Schmerzlinderung, von Pflege, von Zuwendung von der legitimen Suizidoption Abstand nehmen zu können. Ergänzungsgegensatz bedeutet also Freiheit im liberalen Rechtsstaat bei zivilisierter, gewaltfreier Kritik am erlaubten, jedoch exzessiv anmutenden Gebrauch von ihr und beim Werben für moralische Aspekte aus religiöser Sicht, was als letztlich auch humanitäre Antithese zu begrüßen ist, wenn es empathisch und ohne Moralkeule erfolgt.

  61. Imtiaz Shaheen sagt:

    Erneut haben uns Nachrichten über die schrecklichen Morde durch Terroristen aus Frankreich erreicht und erschüttert. Solche Terroristen behaupten, derartige Taten für die Ehre des Islams und aus Liebe zum Propheten Muhammad zu begehen. Der Quran hingegen verurteilt, als die wichtigste Quelle des Islam, diese Menschen aufs Schärfste und setzt den Mord eines Menschen mit der Vernichtung der gesamten Menschheit gleich (5:33 und 6:152) und macht deutlich, dass es keinen Zwang im Glauben gibt (2:257). Dagegen wird den Muslimen geboten, auch Menschen, die aus Unwissenheit die Zeichen Gottes verleumden und verspotten, Frieden entgegenzubringen (25:64).
    Der Prophet Muhammad kehrte nach über acht Jahren im Exil mit einer Gefolgschaft von 10.000 Personen nach Mekka zurück und traf schließlich auf jene Menschen, die ihn verfolgt, gequält und viele seiner Liebsten getötet hatten. Gemäß der Aussage von Abraham Lincoln „Möchtest du den wahren Charakter eines Menschen prüfen, so gib ihm Macht“ hatte der Prophet, der im Quran als ‚Barmherzigkeit für alle Welten‘ beschrieben wird, nun die Gelegenheit dazu, sich zu rächen. Er ließ jedoch öffentlich verkünden: „Kein Tadel trifft euch heute“ und vergab allen.
    Imtiaz Shaheen, Imam, Frankfurt

  62. Anna Hartl sagt:

    @Imtiaz Shaheen
    „Dagegen wird den Muslimen geboten, auch Menschen,die aus Unwissenheit die Zeichen Gottes verleumden und verspotten, Frieden entgegen zu bringen“.

    Frage: aus Unwissenheit in Bezug auf was und hatten Sie je den Gedanken, dass das alles nur Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten sind? Ein Gott, in welcher Religionsform man auch immer daran glaubt, nicht existiert?

    Inzwischen ist der nächste Anschlag im Namen Gottes erfolgt. Kann man auch hier von Unwissenheit sprechen?

  63. Elke Fudickar sagt:

    Ich möchte mich in der Debatte über die Mohammed-Karikaturen zu Wort melden, zu der in der FR u.a. Stephan Hebel und Markus Tiedemann beachtenswerte Beiträge geliefert haben. Stein meines Anstoßes ist der Leserbrief von Axel Schneider in der heutigen Ausgabe. Mit der Formulierung „Die Mohammed-Karikaturen, die … vor wenigen Tagen den Tod eines Lehrers verursachten“ nimmt Herr Schneider eine geradezu groteske Verdrehung der Tatsachen vor: Ein Täter wird ausgeblendet und der bestialische Terrorakt zumindest scheinbar legitimiert, indem die Schuld dem Opfer, dem Lehrer, zugeschoben wird. Ich bezweifle, dass der Lehrer Samuel Paty das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung in unzulässiger Weise überschritten hat. Im Gegenteil: Er erfüllt den Bildungsauftrag der Schule, wenn er die Grenzen von Meinungsfreiheit und Toleranz in einer pluralistischen Gesellschaft an einem aktuellen Beispiel zur Diskussion stellt. Das Toleranzgebot fordert den Respekt vor dem Recht des Einzelnen auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit, d.h. auch das Erdulden von relevanten Lebensweisen, solange sie nicht die Rechte anderer beschneiden. Respekt und Toleranz bedeuten aber nicht, dass die Inhalte der jeweiligen Glaubensrichtung der Kritik – auch nicht übersteigerter satirischer Kritik – entzogen wären. Die Tötung des Andersdenkenden ist niemals gerechtfertigt

  64. Helmut Koch sagt:

    Die Taten in Frankreich sind auf das Schärfste zu verurteilen. Nicht hinnehmbar ist, dass Meinungsfreiheit zu Gotteslästerung missbraucht wird. Jede Religion, ob Judentum, Christentum, Islam sollten von allen Menschen, gleich welcher Religionszugehörigkeit, geachtet und toleriert werden. Die Herabsetzung und Verächtlichmachung hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Die Religionsausübung gehört zu den Menschenrechten.
    Auch darf Meinungsfreiheit nicht dazu benutzt werden, einzelne Berufsgruppen (z.B. Polizisten) auf übelste Weise herabzuwürdigen und zu diskreditieren. Hier sollte die Justitz einschreiten. Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut; aber sie darf nicht missbraucht werden!

  65. David Paenson sagt:

    Sehr geehrte Frau Cheema, ihre engagierte Arbeit gegen Rassismus schätze ich sehr. Umso mehr hat mich Ihr Gastbeitrag vom 2. November enttäuscht. Sie beziehen sich auf die Karikaturen in „Charlie Hebdo“, ohne sie überhaupt zu beschreiben! Wenn Sie das getan hätten, wäre deren rassistischer Charakter sofort jeder Leser:in ins Auge gesprungen. Denn sie sind eine Eins-zu-eins-Abbildung der die Juden verunglimpfenden Karikaturen aus dem Nazihetzblatt „Der Stürmer“.
    Sie setzen die berechtigte Empörung über diese rassistische Hetze – eine Empörung, die man ganz unabhängig von Gläubigkeit empfinden müsste – mit den Reaktionen der iranischen Autokraten auf die gleiche Ebene. Muslime in ihrer großen Mehrheit sind aber die ersten Opfer solcher Autokraten wie die Saudi-Arabiens und eben des Iran. Sie verdienen unsere Solidarität. Charlie Hebdo und leider auch Sie lassen daran mangeln.

  66. Winfried Beinsen sagt:

    Wo bleibt der Aufschrei der islamischen Welt, wo deren Verurteilung der hasserfüllten islamistischen Terroranschläge, wo ihr Aufruf für ein friedliches Miteinander aller Kulturen und Religionen auf unserer gemeinsamen Erde? Ich möchte nicht verzweifeln, ich möchte Hoffnung. Wir alle sind Geschöpfe Gottes, gleich, wie wir diesen nennen.