FR-Forum vom 26. bis 31. Juli

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

Balken 4
Forum vom 26. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins
Seite drei (regionale Themen)

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Die priorisierten Älteren sind verkohlt worden

Corona: „Der Nächste, bitte!“ und Erwiderungen auf „Piksen über Kreuz“,  FR-Politik vom 7. Juli und FR-Forum vom 8. Juli

Zur Empfehlung der Ständigen Impfkommission, nach Erstimpfung mit AstraZeneca in allen Altersgruppen die 2.Impfung mit einem mRNA-Impfstoff durchzuführen, ist im FR-Forum fast alles gesagt worden. Die Älteren, denen ursprünglich einmal Priorität beim Impfen eingeräumt werden sollte, wurden in der Impfkampagne von der Politik als Manövriermasse benutzt, wenn nicht sogar ausgenutzt, um den bestellten, aber von niemanden mehr gewollten AstraZeneca-Impfstoff loszuwerden. Werbewirksam ließen sich Bundespräsident und Bundeskanzlerin mit AstraZeneca impfen. Klaglos folgten die Älteren.
Erst spät merkten sie, dass durch Impfung mit AstraZeneca die Priorisierung ad absurdum geführt wurde. Auf einmal waren Menschen, die keiner Priorisierungsgruppe angehörten, schneller durchgeimpft als die meisten Alten, die 12 Wochen auf die 2. Spritze warten mussten. Damit nicht genug. Die Älteren durften sich nicht nur hinten anstellen, sie wurden auch noch „verkohlt“. Anders ist die Aussage von Gesundheitsminister Spahn, auch er sein durch die neuerliche Empfehlung der Impfkommission überrascht worden, nicht zu werten. Wie kann es sein, dass unsere Kanzlerin, die als 1.Impfung AstraZeneca bekommen hatte, die 2. Impfung mit Moderna, einem mRNA-Impfstoff erhalten hat. Und dies etliche Tage vor der Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Mir wurde dieser Wunsch bei meiner 2. Impfung im Impfzentrum versagt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt? Ich glaube nicht. Von unserem Bundespräsidenten ist nicht bekannt, ob und ggfs. mit welchem Impfstoff er die 2. Spritze erhalten hat. Es würde mich nicht überraschen, wenn es kein AstraZeneca war bzw. sein wird.

Manfred Ligner, Frankfurt

Eine versteckte Impfpflicht

In den letzten Tagen ist immer wieder Bericht davon,dass die Antigen-Schnelltest nicht mehr kostenfrei sein sollen.Politiker unterschiedlicher Partei stellen diese Forderung in den Raum.Es ist eine unüberlegte These und für mich eine versteckte Impfpflicht!!Da muß es andere Teststrategien geben.Es kann die unterschiedlichsten Gründe haben,warum sich jemand nicht impfen lässt.Ich habe nach überstandener Coronainfektion eine hohe Anzahl von Antikörper im Blut,die sich kaum verringert haben nach 6 Monaten,und ich werde mich nicht impfen lassen.Das heißt aber nicht,dass ich ein Impfgegner bin,sondern es braucht eine differenzierte Betrachtung.
Würde man die Tests kostenpflichtig machen, wäre das ein Novum im Gesundheitswesen. Der nächste Schritt könnte sein, Raucher oder übergewichtige Menschen an den Kosten von Folgekrankheiten zu beteiligen oder oder oder.

Helmi Wiesenbach, Frankfurt

Schlecht organisierte Impfzentren

In letzter Zeit häufen sich die Berichte über das sogenannte Impfschwänzen. Nicht abgesagte Termine und die damit möglicherweise einhergehende Verschwendung des wertvollen Covid-19-Impfstoffes sind zu Recht zu beklagen.
Unsere Erfahrungen zu diesem Thema sind folgende: Meine Frau und ich haben uns gleich zu Beginn beim Impfzentrum Wiesbaden registriert – und lange nichts gehört. Da wir beide zu einer Risikogruppe gehören, haben wir uns, kurz nachdem auch die Hausärzte in das Impfprogramm einbezogen wurden, auch bei unserem Hausarzt angemeldet. Wenige Tage nachdem wir bei unserem Hausarzt einen Impftermin erhielten, bekamen wir auch vom Impfzentrum einen Termin. Diesen haben wir natürlich unverzüglich per Mail abgesagt, erhielten hierzu auch eine Bestätigung. Gleichwohl erhielten wir nach Ablauf des anberaumten (aber von uns abgesagten) Termins vom Impfzentrum eine Mail mit dem Hinweis, wir hätten unseren Termin ohne Angabe von Gründen nicht wahrgenommen. Dies haben wir dann in einer Antwortmail richtig gestellt. Auch Freunde von uns erhielten nach Ablauf des Impftermins eine derartige Mail vom Impfzentrum, obwohl auch sie den Termin abgesagt hatten.
„Impfschwänzen“? Möglicherweise erklären sich somit zumindest einige der nicht wahrgenommenen Termine.

Ferdinand Georgen und Ulla Magney, Wiesbaden

Nur Massenimpfungen können helfen

Offensichtlich ist in den mehr oder weniger ausreichend geimpften reichen Ländern immer noch nicht klar, dass ihr Geimpftstein letztlich für die Katz ist, solange noch grössere Menschenmassen in den ärmeren Ländern ungeimpft sind. Es geht nicht bloss um die Gefahr der Ansteckung. In diesen Ländern findet das Coronavirus ideale Bedingungen, neue Varianten zu entwickeln, um auch in den reicheren Ländern sich ungehinderter verbreiten zu können. Nur Massenimpfungen dort können dem einen Riegel vorschieben. Die trügerische Gewissheit eines Schutzes nach der 2. Impfung wird durch neue Varianten schnell zerstört. Nach meinem Eindruck hat das Coronavirus ziemliche Stärken bei der Übertragbarkeit und auch bei der Entwicklung neuer Varianten; seine Schwäche wird wahrscheinlich die relativ leichte medizinische Bekämpfbarkeit sein, vorausgesetzt, es hat keine Möglichkeiten, im Umfeld wirksame Gegenvarianten zu entwickeln.

Henriette Weimer, Frankfurt

fr-debatteZwangsweise Mitglied

Kirchenaustritte: „Die Pause in der Pandemie war kurz“. FR-Politik v. 15.7.

Das stimmt nicht, was Bedford-Strohm sagt. Die Mehrzahl der Kirchenmitglieder sind Zwangsmitglieder. Schon als Säuglinge werden sie durch eine „Taufe“ in diese religiösen Vereine gezwungen und müssen dann später erkennen; wofür ihnen Zwangsmitgliedsbeitrag mit Hilfe des Staats vom Lohn einbehalten wird; unter Aufwand aus diesem Verein austreten, in welchen sie eigentlich nie eingetreten waren. Oder gibt es schon für Säuglinge Mitglieder-Anträge?
Hier muss es strukturelle Reformen geben! Und diese Mitgliedschaft darf nicht automatisch mit einem Beitragseinzug durch den Staat verbunden sein! Ich will Mitglied im Schützenverein werden und der Staat zieht von meinem Lohn den Beitrag ein. Wo gibts denn so was?

Emil Jacob, Poppenhausen

fr-debatteDeutsche Hysterie

Zu: “ Initiative begrüßt Verzicht auf Schwarzfahrer‘ “ , FR-Politik vom 10.7.

Geliebte FR, ich schwanke zwischen Ärger und Belustigung über die auch in Deutschland ausgebrochene Hysterie bezüglich historischer Begriffe wie „Schwarzfahrer“ – ich habe dieses Wort nie mit einer Hautfarbe in Verbindung gebracht, selbst wenn ich mal als Jugendlicher schwarzgefahren bin (verjährt!).
Zur Entspannung empfehle ich den wunderbaren, Oscar-prämierten Kurzfilm gleichen Namens (gibt’s bei Youtube). Bringt die Sache auf den Punkt und ist wirkungsvoller als jede oberflächliche anti-rassistische Aufregung. Mit bunten Grüßen!

Ludolf Kolsdorf, Mönchengladbach

fr-debatteBenachteiligte Kinder

Leserbrief zum FR-Artikel „Lorz lockert Maskenpflicht“, 16. Juni 2021)

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz kündigt in seiner Regierungserklärung im Hessischen Landtag endlich neue Maßnahmen beim Aufholen pandemiebedingter Lernrückstände an. Und nicht nur einseitig mit Blick auf die Hauptfächer Deutsch und Mathematik in Schulen, um das Leistungsvermögen der Kinder und Jugendlichen wieder voll zum Einsatz zu bringen.
Seit Monaten haben wir aus der Sicht der Sportvereine auf Phänomene wie Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte im außerschulischen Bereich und deren Bedeutung für das Aufwachsen in der Kindheit hingewiesen. Als Sportpädagoge plädiere ich für einen erweiterten Bildungsbegriff, der Brücken zwischen sportlichen und schulischen Maßnahmen herstellt. „Bewegtes Aufwachsen“ ist während und nach der Corona-Zeit stärker in den Vordergrund zu rücken.
Um den Schweizer Kinderpsychologen Jean Piaget zu zitieren: „Wer nicht rückwärts gehen kann, dem fällt auch das Rückwärts-Zählen schwer. Wer leicht das Gleichgewicht verliert, findet auch nie seine seelische Balance, wer seine Kreisbewegung nicht begreift, kann sich auch den anderen im Kreis nicht anschließen.“
Das vom Kultusminister propagierte Motto „Löwenstark – der Bildungskick “ soll ein Netzwerk von zahlreichen Kooperationspartnern wie Stiftungen, Sportvereinen und Verbänden geknüpft werden. Unser Fußballverein SG Bornheim Grün-Weiß e.V. hat sich bereits seit Anfang der 90er Jahre mit den Folgen der sozialen Herkunft von „Gastarbeiterkindern“ auseinandergesetzt. Auf die Frage „Können wir Lücken in den Biografien von sozial benachteiligten Kindern schließen?“ wurde u.a. mit Hausaufgabenhilfen auf dem Sportplatz und individueller Beratung der Eltern in Kooperation mit Fachkräften geantwortet.
Die integrative Kraft des Kinderfußballs gilt es in der Corona-Pandemie zu nutzen Wir bieten den Familien, Kindern und Jugendlichen vielfältige soziale Projekte an:
Das Kinder- und Familienzentrum – das erste „Haus“ dieser Art in der Bundesrepublik – fördert mit konkreten Lösungswegen wie Ferienbetreuung, Hausaufgabenhilfen, Mittagstisch für Grundschulkindern mit und ohne Migrationsgeschichte, Elterncafè sowie einem Familiennetzwerk für Mütter mit Säuglingen und Kleinkindern das gesunde „Bewegte Aufwachsen“ auf dem Sportplatz und im Stadtteil an. Und dies in enger Kooperation mit benachbarten Kindertagesstätten und Grundschulen, der Familienbildungsstätte, Kinderbibliothek und ortsansässigen Kleinunternehmen. Engagierte ehrenamtliche Juniortrainer, Eltern und Großeltern trainieren und begleiten zahlreiche Kindermannschaften. Partner wie die Stiftung „CHILDREN for the better world“, Verbände wie „Sportjugend Hessen“, das Sportamt Frankfurt wie das Frankfurter Bildungs- und Sozialdezernat fördern das „Aufholen pandemiebedingter Lernlücken“. Noch ein Hinweis zur geplanten Deutschförderung von Seiten des hessischen Kultusministeriums: Am Beispiel der Pilotstudie „Alltagsintegrierte Sprachförderung auf dem Sportplatz und im Stadtteil“ in Kooperation mit dem Frankfurter Dezernat für Integration und Bildung hat unser Fußballverein bundesweit Neuland betreten. Die Überschriften aus einer Pressekonferenz zur Pilotstudie
dokumentieren dieses soziale Experiment der Sprachbildung mit den Überschriften „Spielerisch Deutsch lernen“ (FAZ), „Sprachförderung auf dem Sportplatz“ (FR) und „Deutsch lernen vor dem Tor“(NFP).
Wir laden gerne die Mitglieder der geplanten neuen Stabsstelle des Kultusministeriums ein, um aus dieser innovativen und kreativen Bildungspraxis Ideen für landesweite Maßnahmen zum „Aufholen nach Corona“ zu entwickeln.

Harald Seehausen, SG Bornheim Grün-Weiß e.V., Frankfurt

fr-debatteDie Zukunft der Kinder

Zu: „Mehr Stress für Grundschulkinder“, FR-Regional vom 14. Juli

Die wegen Unterschreitung der Mindestjahrgangsbreite geplante Auflösung von 29 Grundschulklassen in Hessen ist ein bürokratischer Akt, der sich lediglich an Zahlen und nicht an Kindern orientiert. Pädagogisch ist diese Maßnahme völlig kontraproduktiv. Mit dieser politischen Entscheidung des Hessischen Kultusministeriums werden zudem die betroffenen Schulen gezwungen, gegen alle Vernunft und Erfahrung zu handeln.
Gerade Grundschulkinder haben unter dem coronabedingten Ausfall des Präsenzunterrichts besonders leiden müssen. Umso mehr sind sie jetzt auf verlässliche Beziehungen und stabile Strukturen angewiesen. In der Grundschule entscheidet sich, ob ein Kind Freude am Lernen entwickelt und sich darauf einlassen kann, neue Aufgaben mit Selbstvertrauen anzugehen. In den sozialen Beziehungen zu den Lehrkräften und dem Klassenverband werden Rücksichtnahme und das Einhalten von Regeln eingeübt.
Die Schließung von Klassen und die damit einhergehende Umverteilung der Kinder verstärkt ihre durch den Ausfall des Präsenzunterrichts entstandene Verunsicherung und gefährdet massiv den schulischen und sozialen Erfolg der Kinder
Im Hessischen Kultusministerium hat man die Ergebnisse der unzähligen Studien, die sich mit der Auswirkungen der Pandemie auf Kinder beschäftigen, offensichtlich nicht zur Kenntnis genommen. Als pensionierte Lehrerin kann ich diese Leistung nicht „Löwenstark“ (Förderprogramm für Grundschulkinder) nennen, sondern muss sie mit der Note „mangelhaft“ bewerten.

Gabriele Telgenbüscher, Frankfurt

Die Gesellschaft hat gelernt, die Schulbehörden nicht

Zu große Schulklassen werden seit Jahrzehnten beklagt. Und es ist ja ein derber Missstand: Während in der Erwachsenenbildung Gruppen unter 16 Personen gehalten werden, und bei Überschreiten dieser Grenze die Leitung doppelt besetzt wird – während es also klare Qualitätsmaßstäbe gibt, bleibt Schule systematisch unter diesem Maßstab. Nun hat Corona die Erfahrung gebracht, dass im Online- und im Wechsel-Unterricht kleinere Gruppen richtig gut beschult werden können. Aber des Bildungsministers oberster Leitsatz ist die Rückkehr zu einer Normalität, die eigentlich noch nie normal sondern im Hinblick auf die Klassenstärke fast immer nur schlecht war. Und jetzt treibt der Minister gemeinsam mit den Schulämtern die Sache auf die Spitze: Zusammenlegung von Klassen, um einer Norm zu genügen, die niemand je wollte außer den Schulbehörden selbst.
In allen gesellschaftlichen Bereichern wurde in den letzten eineinhalb Jahren extrem viel Neues gelernt, neue Vorgehensweisen, neue Orientierungen, neue Verbindlichkeit in den Arbeitsbeziehungen. Auch innerhalb vieler Schulen wurde das energisch und engagiert voran gebracht, von vielen einzelnen Lehrkräften, Eltern, Schüler*innen.
Schulpolitik und Schulbehörden aber setzen ihr Gewicht dafür ein, dass sich nichts zum Guten weiterentwickelt. Sie wollen keine Entwicklung.
Sie wollen den schlechten Zustand. Es ist ein Trauerspiel.

Wilfried Kerntke, Offenbach

fr-debatteDer Staat muss neutral sein

Islamunterricht: „Nötigung durch die Hintertür“, FR-Regional vom 22.7.

Der Glaube an eine monotheistische Religionslehre oder eine Religion überhaupt ist nach unserer Rechts- und Verfassungsordnung eine ganz persönliche Entscheidung. Es ist daher eine primäre Aufgabe des Staates, junge Menschen im Rahmen seines Bildungsauftrags über alle Formen eines religiösen Glaubens , für welche Glaubenslehre man sich einmal entscheidet, zu informieren. Das bedeutet: Ein staatlicher Religionsunterricht, der nur eine Religion behandelt, verstößt gegen das Neutralitätsgebot des Staates und somit gegen unsere Verfassung.
Der staatliche Religionsunterricht muss und kann nur ein erkenntnisorientierter Unterricht sein, der die Schüler nicht auf eine Religion festschreibt. Das mag den Religionsgemeinschaften (Kirchen) überlassen bleiben. Bleibt zu dem noch die einseitige Indoktrination der jungen Menschen durch das Elternhaus im Rahmen des elterlichen Erziehungsrechts. Von Freiheit kann hier natürlich noch keine Rede sein. Umso wichtiger ist es, dass die älteren Schüler (z.B. ab 14 J.) auch andere religiöse Glaubenslehren kennenlernen. Ansonsten ist das Recht, den Glauben frei wählen zu können, Makulatur.

Uwe Thoms, Frankfurt

fr-debatteMittelalter in originaler Gestalt

Schum-Stätten in Speyer, Worms und Mainz: „Eine Wiege des Judentums in Europa“, FR-regional vom 19. Juli

Als gebürtige Wormser haben wir den Artikel mit Interesse und Freude gelesen. Natürlich wünschen wir sehr, dass die Schumstädte in das Weltkulturerbe aufgenommen werden. Was die Zahl der jüdischen Kultstätten anbelangt, hat Worms im Gegensatz zu Speyer (Mikwe) und Mainz (Friedhof) auch noch die Synagoge, die als die älteste in Deutschland gilt. Zwar war sie von den Nazis abgebrannt und teilweise geprengt worden, und die Bomben der Aliierten macheten die Zerstörung komplett. Dank des Einsatzes des früheren Stadtarchivars Dr. Illert und des Kunstwissenhistorikers Prof. Otto Böcher, konnte die Synagoge originalgetreu wiederaufgebaut und 1961 eingeweiht werden. Hinter der Synagoge liegt die erhaltene Mikwe. Eine weiterere herausgehobene Besonderheit jüdischen Erbes in Worms ist der Erhalt der Judengasse, in der sich bis zum 19. Jahrhundert das jüdische Leben abspielte. Glücklicher Weise sind noch einige der alten Wohnhäuser stehen gebieben. Somit ist der ganze mittelalterliche Lebensraum der jüdischen Menschen noch in seiner originalen Gestalt zu besichtigen, unseres Wissens einmalig in Deutschland. Den wertvollsten Schatz bildet aber der alte jüdische Friedhof, der älteste in Europa. Auf ihm ruhen zahlreiche namhafte Rabbiner. Er genießt in der Judenheit großes Ansehen und hat den Beinamen „Heiliger Sand“. Weniger bekannt, aber dennoch sehenswert ist auch der neue jüdische Friedhof, der an den Städischen Friedhof „Hochheimer Höhe“ angrenzt. Es handelt sich um eine geschlossene Jugendstilanlage. Im Gengensatz zur Synagoge wurden beide Friedhöfe von den Nazis nicht geschändet. Wer sich die Denkmäler jüdischen Erbes in Speyer, Mainz und Worms ansieht, wird bestätigen, dass die Schumstädte würdig sind, in das Weltkulturerbe aufgenommen zu werden.

Emmi und Dieter Becker, Frankfurt

fr-debatteSpaßkultur hält Einzug

Eintraacht: „Ständchen für die neue Straße“, FR-Regional vom 6. Juli

Straßenbenennungen waren bislang eine eher ernstzunehmende hoheitliche Angelegenheit. Immerhin sollen sie Rettungskräfte unzweideutig schnell zu einem Einsatzort leiten um möglicherweise Leben zu retten oder Sachschäden zu verhindern. Viele Städte haben deshalb Leitfäden und Richtlinien erlassen, um unsachliches Ansinnen aus den unterschiedlichsten Quellen zu kanalisieren. Aber was hilft das alles, wenn es um Fußball geht? Hier zählen andere Kriterien wie Emotion, Herzblut, Tradition und Fankultur. Hier „vernünftige“ Argumente vorzutragen ist genauso zwecklos, wie während eines Fußballspiels anzumerken, dass die jeweilige gegnerische Mannschaft auch nur den Hauch einer Daseinsberechtigung hätte. Welcher Politiker hätte hier den Mut gehabt, Bedenken anzumelden? Und dies auch noch während einer Kommunalwahl. Man könnte ja glauben, der Name „Im Herzen von Europa“ wäre die Bezeichnung für einen realen Ort, ähnlich der Straße „Am Hauptbahnhof“ oder hätte eine historische Gegebenheit als Benennungsgrund – so bislang die Prüfkriterien der Leitlinien für abzuleitenden Namen von Straßen. Jetzt scheinen neue Zeiten zu beginnen und die Spaßkultur hält Einzug. Straßennamen wie „Zur dritten Liga“, „Zum Rekordmeister“, „Im Tabellenkeller“ oder „Auf der Gewinnerstraße“ scheinen möglich. Ein eingehender Notruf „ich liege im Herzen von Europa“ könnte Rettungskräfte mit offenbacher Migrationshintergrund irritieren. Es wird hoffentlich alles gut gehen, aber bitte keine ähnlichen Benennungsmaßnahmen mehr. Es kann auch gut möglich sein, dass solche Aktionen genau das Gegenteil von dem hervorrufen, was man geglaubt hat, erreichen zu wollen. Aus zunächst originell und fantasievoll wird plötzlich lächerlich und peinlich, was wiederum zum Fußball passt: Schnell kann der gutgemeinte Abwehrversuch zum Eigentor werden.

Reinhold Richter, Frankfurt

fr-debatteDas Weltbild des Privatiers

Zu: „Magistrat steht vor Umbau“, FR-Regional vom 16. Juli

Kein Jubel über die Abwahl einiger Politiker im Frankfurter Magistrat? Im Falle des Ex-Kämmerers Uwe Becker wohl doch. Wer versucht, unter missbräuchlicher Ausnutzung seiner administrativen Möglichkeiten Meinungsäußerungen zu unterbinden, die nicht seinem Weltbild entsprechen, gehört nicht in ein öffentliches Amt. Frankfurt brauche keinen „Stadt-Stalinisten“, war seinerzeit als polemische Kritik zu hören. Das mag satirisch-überspitzt sein; im Unterschied zum historischen Übeltäter waren Beckers „Säuberungsversuche“ nicht lebens-, sondern allenfalls existenzbedrohend (z.B. für den Club Voltaire). Es war allerdings falsch, mit dem Zensur-Fetischisten über sein Weltbild zu diskutieren statt über sein Demokratieverständnis. Das ist jetzt endlich per Votum nachgeholt worden. Herr Becker kann fürderhin gern sein Weltbild als Privatier im Rahmen demokratischer Spielregeln ans Publikum kommunizieren.

Rolf Oesterlein, Nieder-Olm

Balken 4
Forum vom 27. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Balken 4
Forum vom 28. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins
Seite zwei

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Balken 4
Forum vom 29. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Ganze 15 Cent

Hessen: „Jedes fünfte Kind ist arm“, FR-Regional vom 17. Juli

2010 betrugen die Vermögen der zehn Reichsten der Welt 342 Milliarden US-Dollar. 2021 waren es bereits 1136 Milliarden, ein Zuwachs von 233 Prozent. 2010 besaßen die 2189 Milliardäre der Welt zusammen vier Billionen US-Dollar, im April 2020 waren es acht Billionen und Ende 2020 gar 10,2 Billionen, in acht Monaten eine Zunahme von 28 Prozent. So rasant geht’s beim Mindestlohn natürlich nicht zu. Bis Mitte 2022 wird der nämlich lediglich um 1,10 Euro erhöht und zwar in vier (!) Schritten, und die erste dieser vier „Erhöhungen“ beträgt volle 15 Cent.

Fritz Brehm, Frankfurt

fr-debatteGeht die Aura der Erinnerungsorte verloren?

„Dark Tourism“: „Gänsehaut inklusive“, FR 7 vom 10. Juli

Ich darf meinem Erstaunen Ausdruck verleihen. Wer kreiert solche Begriffe wie „Dark Tourisme“? Nie wäre ich als geborener Mitteleuropäer mit Interesse an (europäischer) Geschichte auf die Idee gekommen, dass ein Besuch in Pompeji dark tourisme sei. Gilt dies auch für Troja, die Pyramiden oder Taj Mahal? Wenn ich die Soldatengräber in der Normandie besuche, senke ich den Kopf vor Trauer, Demut und Entsetzen über die vielen Opfer. Ich bin aber auch entsetzt über die Touristen, die sich vor die Gräberreigen stellen und mittels Selfie-Stange ein Foto von sich machen. Kein Voyeurismus? Herr Steinecke spricht von „dissonanten Sehenswürdigkeiten…, die nicht zum Standardprogramm gehören“. Wieviele Busse waren da in der Normandie? Keine Standardziele? Dabei spricht er selbst von Auschwitz-Birkenau als „Besuchermagnet“ mit 2,2, Mio. Besuchern jährlich. Geht es noch? Der Jude Walter Benjamin befürchtete, dass selbst die Toten nicht sicher seien. Er meinte zwar die Opfer der Nazis, an eine kapitalistische Vermarktungsmöglichkeit der Toten durch die Tourismusindustrie hat er nicht gedacht, denken können. Ein Begriff Benjamins ist vielleicht ganz hilfreich zu verstehen, was Steinecke mit der Funktionsänderung der Erinnerungsorte meint. Der Begriff der Aura. Geht die Aura verloren? Wenn ich, Jahrgang 1958, in der Normandie stehe, dann denke ich daran, dass die Menschen, die da begraben sind, dazu beigetragen haben, dass ich diese Zeilen schreiben kann. Und bei aller Trauer etc. erfüllt mich auch Dankbarkeit und Ehrfurcht. Vielleicht können jüngere Generationen damit leichter umgehen, es sei ihnen gegönnt, aber vielleicht ist es auch zu locker. Steinecke kommt noch auf den Unterscheid in der Art der Inszenierung zwischen den USA etc. und Deutschland zu sprechen. Dort würde auf „emotionale Überwältigung“ gesetzt, hier eher auf sachliche Information. Ich kehre nochmal in die Normandie zurück: Ist es wichtig zu wissen, um wieviel Uhr der Angriff begann oder wieviele Soldaten anlandeten? Irgendwo schon. Aber eigentlich war es meine emotionale Reaktion, die mir zu schaffen machte. Erleichtert eine sachliche Information vielleicht die Abwehr des Eigentlichen? Dann wäre sie kontraproduktiv. Ist deshalb der andere Ansatz nicht evtl. der bessere? Wenn man mal das Jüdische Museum in Berlin besucht und die Schaukästen anschaut, in denen wenige persönliche Gegenstände liegen, so ist dies emotional ergreifender als wenn mir jemand „dröge“ Fakten präsentiert. Es geht um Bildung im Sinne der bildenden Kunst (also eine, die mich verändert) und nicht um Bildung im Sinne der Akkumulation von Wissen.

Rüdiger Erdmann, Pattensen

Balken 4
Forum vom 30. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins

Einige dieser Zuschriften folgen gleich hier, siehe unten. Die anderen wurden laufenden Diskussionen im FR-Blog zugeordnet und dort als Kommentare veröffentlicht. Bitte folgen Sie den Links, die im pdf-Dokument angegeben sind.

Der soziale Aspekt ist den meisten wurscht

Impfpflicht: “ Pflicht und Freiheit“ , FR-Meinung vom 27. Juli

Gerade hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie in einer Pressemitteilung davor gewarnt, dass das schleppende Impftempo mit zunehmender Gefahr für chronisch (Herz-) Kranke einhergeht. Seit Wochen stagniert die Quote der vollständig Geimpften bei knapp 50 Prozent, Impfmüdigkeit macht sich breit. War zu Beginn der Maßnahmen mit holprigem Start schnell von Impfdesaster die Rede, gab es sogar Impfdrängler, haben wir mittlerweile offenbar die gegenteilige Situation.
Man muss sich dabei nur in Erinnerung rufen, dass vor etwa einem Jahr noch kaum jemand für möglich gehalten hätte, dass es schon bald wirksame Stoffe geben würde. Mittlerweile gibt es mehr Vakzine, als verbraucht werden, und es droht sogar das Szenario, dass, auch wegen bürokratischer Hemmnisse, Unmengen davon verfallen und weggeworfen werden, während anderswo dringender Bedarf herrscht. Das kann man kaum glauben, ist aber im Prinzip nicht neu. So verhält es sich ja auch mit Nahrungsmitteln schon seit Jahren.
Hier zeigt sich erneut eine schon Dekadenz zu nennende Eigenschaft der Wohlstandsgesellschaften. Allen Ernstes überlegt man sogar, ob man die Menschen nicht mit Boni in Form von Bargeld zum impfen bewegen sollte. Geht’s noch? Es gibt mittlerweile extrem niedrigschwellige Angebote, man muss nur seinen Allerwertesten dahin bewegen. Selbst das scheint einigen aber kaum zumutbar. Das ist so ähnlich wie die alltägliche Vermüllung der Zeil (s. entsprechender FR-Artikel), die nur deswegen zustande kommt,weil ein Großteil der Besucher es anscheinend für unzumutbar hält die wenigen Meter zum nächsten Mülleimer zu gehen und die leergegessene Pizzaschachtel stattdessen einfach liegen lässt.
Abgesehen von Impfverweigerern,denen man auch mit noch soviel Aufklärung nicht beikommen wird, geht es lediglich darum ein kostenloses Impfangebot anzunehmen, wobei es sich ja nicht wie z.B. bei einer Tetanus-Impfung, um eine rein individuelle Entscheidung handelt. Aber gerade darin liegt das Problem. Der soziale Aspekt dabei ist den meisten völlig wurscht. Die Lösung kann nur sein, Geimpften mehr Rechte zuzugestehen und Impfverweigerer damit indirekt zu sanktionieren. Nur mit Einsicht und Appellen erreicht man einen großen Teil unserer Gesellschaft eben leider nicht. Es ist nur zu befürchten, dass kurz vor den Wahlen kein Politiker potentiellen Wählern weh tun will und unliebsame aber notwendige Maßnahmen deswegen umschifft werden. Das ist die eine Seite. Die andere aber m.E. sehr viel schwerer wiegende, ist die sich in dieser Misere zeigende Grundhaltung, eines zunehmenden Egoismus und Fehlen sozialen Verantwortungsgefühls.

Dr. Harald Reinemer, Bad Vilbel

Es gibt so einiges, was widersinnig ist

Da ich voll geimpft bin, habe ich vielleicht gut reden. Ich bin nach wie vor gegen eine Impfplicht, da dies ein Eingriff in den Körper ist. Allerdings lehne ich , wie auch immer geartete, sogenannte Impfanreize ab.
Der größte Anreiz ist die Verringerung der schweren Erkrankung, also der Eigenschutz.
Die Debatte, nicht geimpften Menschen bestimmte Teilnahmen zu verweigern , kommt zu einer Zeit, in der noch nicht einmal 50% der Impffähigen vollständig geimpft sind. Aber zu einem entsprechenden Zeitpunkt, wenn z.B. 75% geimpft sind, ließe sich durchaus darüber nachdenken. Dabei stellt sich aber auch die Frage: Was halten vollgeimpfte davon, mit nicht geimpften in einem Raum zu sein, da ja auch geimpfte Personen angesteckt werden können. Hier sing ggf. auch die Betreiber von Restaurants, Kinos, Bars etc. gefragt.
Staatlich verordnete Teilnahme- Verbote darf es m.E. nicht geben. Hier kann es der “ Markt“ regeln. Wenn die Kundschaft mit nichtgeimpften Personen nicht zusammen sein wollen, muss der Betreiber dies abwägen.
Widersinnig ist auf der einen Seite über ein Teilnahmeverbot zu diskutieren und gleichzeitig für zahlreiche öffentliche und private Bereiche die Testpflicht abzuschaffen, unabhängig davon, welche Aussagekraft die Schnelltests überhaupt haben.
Und: Es ist Wahlkampfzeit, da bringen sich die diversen Positionen in Stellung. Die Pandemie und der Umgang damit sollten allerdings kein Wahlkampfthema sein. Bei der Bundestagswahl geht es um andere Themen für die Zukunft.
Ich rate zur Zurückhaltung, um die laufenden Kampagnen nicht zu torpedieren.

Reinhard Matthies, Pinneberg

Warum soll die Gesellschaft die Konsequenzen tragen?

Auch wenn ich jedem seinen Urlaub gönne, auch denen die trotz der Umstände der vergangenen Jahre unbedingt ins Ausland reisten. Aber es kann nicht sein das die Konsequenzen die Gesellschaft tragen muss. Eine Testpflicht auf eigene Kosten muss der Urlauber/in berappen und nicht die Steuerzahler . Aber wie überwachen? Die Bundespolizei wäre mit der Überwachung überfordert. Mein Vorschlag: jeder Arbeitgeber verlangt vor Aufnahme der Tätigkeit. einen negativen PCR -Test. Desgleichen gilt auch für Betreuungseinrichtungen wie Schulen und Kitas usw.. Damit wird das Schließen von Bildungseinrichtungen , Einschränkungen im öffentlichen Leben und Schäden in der Wirtschaft vermieden.

Carmen Horstmann via FR-Blog

fr-debatteArmut ist eine große Gefahr

Zu: „Let’s talk about tax“, FR-Wirtschaft vom 23. Juli

In dem Beitrag wird sehr gut und einleuchtend auf die Gefahren für Zusammenhalt und Demokratie hingewiesen, „wenn sich Geld uand Macht in den Händen weniger ballen und Armut sich bis in die Mitte ausbreitet“. Die Gruppe von Millionären aus Deutschland und Österreich, die eine höhere Besteuerung von Vermögenden fordern (#TaxMeNow), haben vermutlich die Gefahren der weiteren Konzentration von Reichtum auf Kosten anderer, die ärmer werden, erkannt. Es ist erstaunlich, wie das kontinuierliche Streben nach Reichtum trotz aller Krisen und Katastrophen anhält und die Schere von Armut und Reichtum auf nationaler und globaler Ebene immer mehr auseinandergeht. Wann verstehen die Vermögenden, dass die soziale Gerechtigkeit, die Bekämpfung der Armut – auch durch Steuererhöhungen – in ihrem ureigenen Interesse liegt, weil die Armut auf globaler Ebene eine große Gefahr für den Frieden ist und auf nationaler Ebene nicht nur die Demokratie gefährdet, sondern auch den gesellschaftlichen Frieden und den Zusammenhalt.
Nicht nur die Vermögenden, sondern wir alle müssen verstehen, dass wir, insbesondere unsere Nachkommen, nur dann in Frieden und Sicherheit leben können, wenn der gesellschaftliche Zusammenhalt weiter besteht und wenn es hinsichtlich der globalen sozialen Gerechtigkeit Fortschritte gibt. Diese Ziele anzustreben ist für unsere Kinder und Enkelkinder viel wichtiger und effektiver als das, was sie erben werden. Die Verhinderung der weiteren Verarmung und ihre Bekämpfung ist also nicht nur ein Zeichen der „Nächstenliebe“ und Solidarität mit den Armen (besser: arm gemachten“), sondern auch eine Notwendigkeit im ureigenen Interesse der „gut betuchten“ und ihren Nachkommen.

Yousif S. Toma, Frankfurt

fr-debatteHängen wir am Tropf Russlands?

Nord Stream 2: „Pipeline-Deal enttäuscht“, FR-Politik vom 23. Juli

Scharf geißeln Gegner von Nord Stream 2 die Übereinkunft Merkels mit Biden zum Durchbruch für das Projekt. Ein geostrategisches Desaster, an dem Europas Sicherheitspolitik zerbrechen, die Ukraine den Launen Putins ausgeliefert und vor allem Deutschland der (Un-) Gnade russischer Gaslieferungen überantwortet wird. So ihre Befürchtung. Allerdings, im Ablehnungsfall der Pipeline durch die USA hätte sich wahrscheinlich die BRD nicht nur als gehorsamer Vasall der geostrategischen Interessen der USA erwiesen -sehr peinlich nach all den tönenden Reden unseres Außenministers -, sondern sich auch noch dem giftigen Angebot der USA beugen müssen, ersatzweise aus Schiefer gepresstes Öl zu importieren. Gleich viel, Hauptsache das hässliche Bild eines Deutschlands prägt sich ein, das am Tropf der Russen hängt, die nach Belieben und unter Bruch der Verträge das lebensnotwendige Infusionsgerät für Energie abzustellen bereit sind.
In dem bedrohlichen Schreckensbild der Gegner der Pipeline wiederholt man fast wörtlich, was Politiker Polens und der Ukraine in einer gemeinsamen Note zu  Nord Stream 2 gesagt haben, um den Preis beim Geschacher zu erhöhen. Ist auch gelungen. Als Ausgleichmaßnahmen u.a. auf dem Gebiet der Produktion soll künftig statt russischem Gas der neue Energieträger Wasserstoff transportiert werden. Für die notwendige Infrastruktur gibt die BRD eine Anschubfinanzierung aus Steuergeldern.
Bezahlen müssen Stromkunden übrigens auch den teuersten und gefährlichsten Strom aller Zeiten, viele Tausende übrigens mit ihrem Leben: den Strom aus Atommeilern. Aus der Sicht von Befürwortern ist er „überstürzt“, aus der Sicht von Umweltschützern viel zu spät auf Abschalten gestellt worden. In Tschernobyl dringen noch heute aus immer neuen Rissen im Betonmantel Strahlungen der Kettenrektion des Brennstoffs, im zerstörten Meiler Fukushimas müssen die hochbelasteten Wassermengen, da alle Tanks gefüllt sind, jetzt in das Meer geleitet werden. Was wäre geschehen, wenn bei den verheerenden Hochflutereignissen der letzten Tage ein Kernkraftwerk getroffen worden wäre? Wie in Fukushima. Ausgeschlossen, haben die Befürworter gesagt. Sie sind eines Besseren belehrt worden.

Jörg Sternberg, Hanau

 

Balken 4
Forum vom 31. Juli
An diesem Tag ist aus Krankheitsgründen kein FR-Forum erschienen.
Balken 4

5 Kommentare

  1. Moin Herr Herl,
    selten einen so guten umfassenden Artikel gelesen. Gratulation. Einschließlich der Humanistischen Utopie. Wenn man will kann man das sogar noch weiter spinnen. Ich denke (!) da an den Kapitalismus, die Erfindung der Kohle als Brennstoff, was auch immer. Niels Bohr soll gesagt haben wenn Leute meinten , sie hätten gedacht : Das ist kein Denken, das ist Logik. Auch was dran. Also, vielen Dank für den Artikel.

  2. Jürgen Malyssek sagt:

    Albert Einstein soll gesagt: „Wenn ich die Folgen geahnt hätte, wäre ich Uhrmacher geworden.“

    Beim Wachstum und Ressourcenverbrauch ist der Zenit des Aushaltbaren längst überschritten. Alle weiteren Lösungen werden die Probleme leider eher verschärfen. Eben durch das lineare Fortschrittsdenken.

  3. Carmen Horstmann sagt:

    Testpflicht für Reiserückkehrer
    Auch wenn ich jedem seinen Urlaub gönne, auch denen die trotz der Umstände der vergangenen Jahre unbedingt ins Ausland reisten. Aber es kann nicht sein das die Konsequenzen die Gesellschaft tragen muss. Eine Testpflicht auf eigene Kosten muss der Urlauber/in berappen und nicht die Steuerzahler . Aber wie überwachen? Die Bundespolizei wäre mit der Überwachung überfordert. Mein Vorschlag: jeder Arbeitgeber verlangt vor Aufnahme der Tätigkeit. einen negativen PCR -Test. Desgleichen gilt auch für Betreuungseinrichtungen wie Schulen und Kitas usw.. Damit wird das Schließen von Bildungseinrichtungen , Einschränkungen im öffentlichen Leben und Schäden in der Wirtschaft vermieden.

  4. @ all
    Kann mir mal irgend jemand erklären, wieso man einen Gerichtsentscheid braucht,um festzustellen, dass es ungesetzlich ist, wenn man von der Steuer Geld zurückfordert, dass man nie gezahlt hat ? Dass Leute da ein Problem haben, die gelegentlich eine Million auf ihrem Konto fanden, ohne zu wissen, wieso, aber sonst ? Die Welt ist ein Irrenhaus !

  5. Peter Boettel sagt:

    @ Jürgen H.Winter:

    Das ist genau so wie wenn Politiker Spendengelder oder andere Gelder erhalten haben und sich angeblich nicht erinnern können, so.z.B. anlässlich der Flick-Affäre oder in anderen Fällen.

    Wenn mir jemand 20.000 Euro (oder auch lediglich 1.000 Euro) schenken würde, würde ich dies vermutlich nie vergessen, obwohl ich mittlerweile aufgrund meines Alters manches leider vergesse.

    Aber in diesen Fällen werden alle Augen zugedrückt und mit den unsinnigsten Ausreden begründet (s. Fall Amthor, dem dessen Alter zugute gehalten wurde)