FR-Forum vom 1. bis 6. Februar

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

Balken 4
Forum vom 1. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Rosemarie Mika und Herbert G. Just zu 16 Jahren Angela Merkel (veröffentlicht ab hier), Volker Harms-Ziegler zu Impfen für die olympischen Spiele (veröffentlicht hier), außerdem von Ernst Neubronner und Norbert Fabian zur Gründung des Deutschen Reichs 1871 und von  Brigitte Heinzmann zu Dieter Nuhr und der Frage, was witzig ist (alle drei gleich hier, siehe unten).

Viele linke Politiker wollten den Nationalstaat

Die Sozialdemokraten und die großdeutsche Republik: „Die andere Reichsgründung“, FR-Feuilleton vom 28. Januar

Gerd Koenen erinnert in seinem Aufsatz über die Reichsgründung von 1870/71 an die Aussage von August Bebel, dem Führer der Sozialdemokratie, Bismarck habe mit der Kaiserkrönung in Versailles und dem „feudalen Huldigungsakt der Duodez-Fürsten“ kein wirkliches Deutsches Reich gegründet, sondern ein bloßes „Großpreußen“. Tatsächlich gibt es viele Beispiele dafür, dass linke Politiker, die immer wieder als „Reichsfeinde“ geächtet wurden, in stärkerem Ausmaß dem Gedanken des Nationalstaats verbunden waren als die Konservativen.Das begann bereits in der Paulskirchenversammlung von 1848, als das erste deutsche Parlament unter der Führung der „radikalen Demokraten“, die man als Vorläufer der Sozialdemokraten bezeichnen könnte, gegen den Vertrag von Malmö stimmte, bei dem Preußen den Plan aufgab, Schleswig in den Deutschen Bund aufzunehmen.
100 Jahre später wiederholte sich eine solche Schuldzuweisung: Als Adenauer 1949 dem Gedanken der Westbindung der jungen Bundesrepublik den Vorzug vor den Bemühungen um einen gesamtdeutschen Staat gab, nannte ihn Kurt Schumacher, dem man keinerlei Sympathie mit den ostdeutschen Kommunisten nachsagen konnte, den „Kanzler der Alliierten“. Und wenige Jahre später bemühte sich erfolglos der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann, der ursprüngluch der CDU angehörte und nach einem Dissens mit Adenauer bezeichnenderweise die „Gesamtdeutsche Volkspartei“ gründete, ehe er in die SPD eintrat, wenigsten das Angebot Stalins von 1952 zu prüfen. Dieser hatte der jungen Bundesrepublik zugesagt, bei Aufgabe der Westbindung einer Wiedervereinigung zuzustimmen. Vielleicht haben erst die Worte von Willy Brandt im November 1989 „Nun wächst zusammen, was zusammengehört“ zu der Erkenntnis beigetragen, wie falsch es wäre, Sozialdemokraten als „vaterlandslose Gesellen“ zu bezeichnen.

Ernst Neubronner, Bad Homburg

Sozialdemokratie an den Grenzen des Möglichen

Wenn Gerd Koenen in seinem Beitrag eingangs ein Zitat von Friedrich Engels anführt, in dem dieser das deutsch-preußische Reich als „durchaus revolutionäre Schöpfung“ bezeichnet, übernimmt er einen soweit recht fragwürdigen Revolutionsbegriff. Nicht jeder Staatsstreich und auch nicht jeder politisch-gesellschaftliche Umbruch ist eine Revolution. Von der neuzeitlichen Freiheits- und Emanzipationsgeschichte her ist der Revolutionsbegriff mit qualitativem demokratischen Wandel zu verbinden. Das Deutsche Kaiserreich blieb jedoch bis 1890 ein „bonapartistisches Diktatorialregime“ und nachfolgend unter Kaiser Wilhelm II. zudem eine. „autoritäre Polykratie“. Zu Recht spricht Hans-Ulrich Wehler von zeitwidrig-monarchischem „Semiabsolutismus“ und autokratischem „Scheinkonstitutionalismus“. Solange der Reichskanzler und die Reichsregierung nicht vom Parlament gewählt, sondern allein vom Kaiser ernannt wurde, kann von einer parlamentarischen Monarchie keine Rede sein. Überdies hatte das dominante Preußen mit seinem undemokratischen Drei-Klassen-Wahlrecht im Bundesrat ein echtes Vetorecht. Beim Kaiser und seinem Reichskanzler, der durchweg in Personalunion zugleich preußischer Ministerpräsidenten war, lag allein die Entscheidung über Krieg und Frieden. Dies führte 1914 mit zum 1. Weltkrieg und mündete 1917 dann in einer de facto Militärdiktatur General Ludendorffs. Bis zur demokratisch-sozialen Revolution von 1918/19 stieß somit auch die von Koenen angeführte zivilisatorische Rolle der deutschen Sozialdemokratie an Grenzen ihrer Möglichkeiten.

Norbert Fabian, Duisburg

fr-debatteHinten anstellen!

Zu: „Impfen vor Tokio?“, FR-Sport vom 28. Januar

Die von dem Präsidenten des Tischtennisweltverbands Thomas Weickert geforderte Impfung von Olympiateilnehmern bis Ende Mai ist trotz des auf Spiegel online angegebenen Zusatzes „nach den Risikogruppen“ eine klare Aufforderung zur Bevorzugung einer Personengruppe ohne medizinische Begründung. Die Forderung von Herrn Weickert passt genau zu den Forderungen der großen Akteure im Sport – DFB, DFL und Olympisches Komitee – nach bevorzugter Behandlung der Sportler unter Vernachlässigung der Pandemie. Krönung dieser Haltung sind die Handball-WM in Ägypten, die gegen Bedenken von Aktiven durchgedrückt wurde, und der bereits vor ein oder zwei Wochen von Thomas Bach von IOC gestartete Versuch, vorgezogene Impfungen von Olympiateilnehmern zugesichert zu bekommen.
Vor dem Hintergrund dieser Bestrebungen hat sich Frau Freitag vom Sportausschuss des Bundestags mit dem Zitat „Wunsch trifft auf Wirklichkeit“ noch viel zu höflich ausgedrückt. Das mindeste zu solchen Vorstößen wäre seitens der Politik eine klare Ansage an die Sportverbände, dass die Sonderwünsche von Sportverbänden in Zeiten der Pandemie für alle Bundesbürger eine Zumutung sind und die Verbandsvertreter sich mit ihren Wünschen am Ende der Schlange anstellen dürfen. An der Stelle ist sicherlich nicht nur nach meiner Meinung der bezahlte Sport in Zeiten der Pandemie einzusortieren.

Volker Harms-Ziegler, Frankfurt

fr-debatteHumorbefreite „Satire“

Zu: „Der Witz steht unter Verdacht“, FR-Feuilleton vom 25. Januar

Ich finde die Überschrift etwas irreführend. Mein Eindruck ist nicht, dass Witz generell an Wert oder Ansehen verloren hat, ein gutes Beispiel dafür ist der meist hervorragend treffende Bilderwitz, wie wir ihn in der FR genießen können. Natürlich verändert auch Witz und Satire sich mit der Gesellschaft, jedoch muss man sehen, wo es aufhört, witzig zu sein. Auch wenn sich z.b. eine Frau Eckhardt oder ein Herr Nuhr als Satiriker verstehen, ist aus meiner Sicht bei beiden die Grenze zum geschmacklosen Populismus überschritten. Ich halte das angesichts der zu beobachtenden erstarkenden extremistischen Strömung in unserer Gesellschaft sogar für gefährlich, da sich ebendiese ohne weiteres durch diese Form der humorbefreiten „Satire“ bestärkt fühlen kann.

Brigitte Heinzmann, Frankfurt

Balken 4Forum vom 2. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Janine Aranda, Monika Gärtner-Engel und Uli Barth zu Problemen, die durch die Pandemie entstehen (veröffentlicht ab hier), Ilona Horn zum deutsch-russischen Verhältnis (veröffentlicht hier), außerdem Manfred Heinzmann zu einem erweiterten Auschwitz-Gedenken und Carlo Graf mit Kritik am hessischen Landtag, der das Führen der Reichskriegsflagge nicht verboten hat (beide gleich hier, siehe unten).

Der Tag, an dem Leningrad befreit wurde

Gastbeitrag: „Was bedeutet mir der 27. Januar?“, FR-Meinung vom 26. Januar

Völlig zu Recht weist der Gesellschaftswissenschaftler Frank Nonnenmacher im Zusammenhang mit dem 27. Januar und der Befreiung aus dem Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee auf weitere Verfolgtengruppen wie Sinti und Roma, Homosexuelle, sogenannte „Asoziale“ und Berufsverbrecher“ hin und auf die beschämend späte Anerkennung durch den Deutschen Bundestag dieser damaligen KZ-Häftlinge als Opfer des Nationalsozialismus.
Zum Datum des 27. Januar gehört aber noch ein anderes Ereignis, das der Historiker Dr. Daniel Niemetz als „eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der Wehrmacht“ (MDR 06.10.2016) bezeichnete, nämlich die Leningrader Blockade als Teil des „rassistischen Vernichtungskrieges“ gegen die Sowjetunion. Auf persönliche Anordnung von Hitler hatte die Heeresgruppe Nord der Wehrmacht die 2,5 Millionen Einwohner des heutigen St. Petersburg vom 8. September 1941 bis 27. Januar 1944 eingeschlossen. In dieser 872 Tage dauernden Blockade starben etwa eine Million Menschen. Niemetz dazu: „Ziel dieser NS-Strategie … ist es unter anderem, die Wehrmacht ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung aus den besetzten Gebieten zu versorgen und die Einwohner gleichzeitig durch Hunger zu vernichten … Vor allem Kinder, Alte und Kranke werden Opfer des Hungertodes. Die Menschen kippen einfach auf den Straßen um oder sterben in ihren Wohnungen. Der Tod wird zur Normalität.“ Leningrad wird am 27. Januar 1944 durch die Rote Armee befreit.
In der ersten Reihe der Abgeordneten des Deutschen Bundestages sitzt dann ein Alexander Gauland (AfD), der angesichts dieser Verbrechen ungestraft verbreiten darf: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Was für ein Land!
Dieses Kriegsverbrechen der Wehrmacht sollte wegen seiner Monstrosität im Rahmen des jährlichen Holocaust-Gedenktages und der Gedenkstunde im Bundestag eine angemessene Berücksichtigung finden. Das könnte dazu beitragen, dass die damaligen Ereignisse in Leningrad zu einer weiteren Verbreitung in der deutschen Presse- und Medienlandschaft führen.

Manfred Heinzmann, Mörfelden-Walldorf

fr-debatteZusammen mit der AfD

Landtag: „Reichsflagge wird nicht verboten“, FR-Regional vom 22. Januar

Was holt der Nazi in Hessen aus dem Schrank, wenn’s zur Demo geht? Die Reichskriegsflagge. Warum tut er das? Weil Flaggen mit dem Hakenkreuz strafrechtlich verfolgt werden, aber nicht die Reichskriegsflagge ohne Hakenkreuz. Nicht in Hessen, wohl aber in anderen Bundesländern wie Bremen und Rheinland-Pfalz. Das jedenfalls haben die Landtagsfraktionen von CDU, Grünen und AfD so beschlossen und einen Verbotsantrag der SPD abgelehnt. Sie sind damit auch der Begründung eines Abgeordneten der Grünen, Lukas Schauder, gefolgt. Unter anderem fragte er, ob ein Verbot das geeignete Mittel sei. Wer gegen Symbole vorgehen wolle, die von Nazis verwendet würden, müsse dann auch germanische Runen oder das Zeigen des Buchstabens Q verbieten, der von den rechtsextremen Verschwörungsideologen „QAnon“ genutzt wird.
Nun sollte man aber, wenn man nicht allzu geschichtsvergessen ist, daran erinnern, über welchen Schlachtfeldern die Reichskriegsflagge ohne Hakenkreuz geweht hat. Sedan und Verdun, Deutsch-Südwestafrika usw. Also überall dort, wo die Armeen des Deutschen Reichs ihre „Arbeit“ verrichtet haben. Seien es die Millionen von Kriegstoten des Ersten Weltkriegs, sei es der Völkermord an den Herero und Nama und die Unterdrückung in weiteren deutschen Kolonien. Alles geschehen unter der Reichskriegsflagge. Blut und Eisen, Tot und Verwüstung. Was dagegen ist unter der Flagge „QAnon“ Vergleichbares zu verzeichnen? Sie steht für eine Verschwörungstheorie mit rechtsextremen Hintergrund, wonach eine einflussreiche, weltweit agierende, satanistische Elite Kinder entführe und ermorde, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen.
Wo also frage ich, sind die Parallelen zwischen der Reichskriegsflagge und dem Zeichen Q? Ohne die Gefährlichkeit von QAnon leugnen zu wollen: Es gibt keine Parallelen. Und wenn doch, dann nur im Bemühen des grünen Abgeordneten Lukas Schauder, einen Zusammenhang herzustellen, um einen notwendigen Beschluss des Landtags für ein Verbot zu verhindern. Das ist angewandter Geschichtsrevisionimus. Und ich frage mich, was schlimmer ist: der Redebeitrag des Landes- und Kreistagspolitkers Schauder oder die widerspruchslose Aktzeptanz der zustimmenden Fraktionen.

Carlo Graf, Hattersheim

Balken 4
Forum vom 3. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Peter Hartwig, Gerd-Ulrich Franz und Eugen Rautenberg zum Thema „Schule in der Pandemie“ (veröffentlicht ab hier), Stephan Steinhoff und Detlef Kaiser zur bemerkenswerten Inaktivität des deutschen Rechtsstaats in den Missbrauchsfällen der katholischen Kirche (veröffentlicht hier), Peter Gentner zur Schutzwirkung von FFP2-Masken (veröffentlicht hier) und Siegfried Kowallek zum Thema Sterbehilfe (gleich hier, siehe unten).

Angemessene Beratung

Sterbehilfe: „Am Ende zählt der freie Wille“, FR-Meinung vom 30. Januar

Zunächst stimme ich Karin Dalka voll und ganz zu, dass Leben nicht zum Zwang werden darf und dass sich niemand rechtfertigen muss, der sein Grundrecht auf einen selbstbestimmten Tod wahrnehmen will. Die Freiheit zum Suizid zu kritisieren, ist in einer modernen und tendenziell säkularen Gesellschaft nämlich letztlich nicht zielführend. Gleichwohl sympathisiere ich mit dem alternativen Entwurf der Grünen-Abgeordneten Renate Künast und Katja Keul. Keul betont, eine Beratungspflicht sei angemessen und verhältnismäßig. Die Gegenposition etwa des Vereins Sterbehilfe, durch den staatlichen Beratungszwang würden Sterbewillige einem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt, der mit ihrem Grundrecht auf selbstbestimmte Lebensbeendigung unvereinbar sei, geht mit ihrer doch fast schon nihilistisch anmutenden Tendenz zu weit. Zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts gehört schließlich auch, dass es ausdrücklich als legitimes Anliegen akzeptiert wird, dass verhindert werden soll, dass sich assistierter Suizid als „normale“ Form der Lebensbeendigung durchsetzt. Insofern ignoriert der Ansatz des Bundesverfassungsgerichts letztlich nicht völlig die christliche Sicht der Dinge. Dessen Entscheidung berücksichtigt ja durchaus die potenziellen Gefahren beim Bekenntnis zur Freiheit und zur Selbstbestimmung des Einzelnen. Das Recht auf selbstbestimmtes Sterben durch den Beratungsaspekt quasi abzumildern, verhindert somit zum einen, dass sich mittelfristig ein durch Nützlichkeitserwägungen im Hinblick auf den einzelnen Menschen bedingter sozialer Druck zur Suizidoption einschleicht, und zum anderen kann damit auch aus christlicher Sicht mit dem Ansatz des Bundesverfassungsgerichts leichter konstruktiv umgegangen werden. So müssen beispielsweise Schwerkranke im schlimmsten Fall nicht mehr Hilfe im Ausland suchen oder gar zu anderen Mitteln greifen.

Siegfried Kowallek, Neuwied

Balken 4
Forum vom 4. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften mit (nicht nur) regionalem Bezug von Sigrid Weber und Udo Ferries zu den Plänen, unter Frankfurt einen Fernbahntunnel zu bauen, Carsten Dietrich Brink zum Schlamassel um die Hessen-Wahlsoftware, Helge Nyncke zu einer Broschüre der Religionen, die Offenbacher Schulen verteilt werden soll, Hans-Peter Engel zum Fall Keleta, Reinhold Richter zu Sozialwohnungen direkt neben der Autobahn und Renate Paul zum Holocaustgedenken (alle gleich hier, siehe unten).

Wer garantiert, dass die Pläne eingehalten werden?

Infrastrukturprojekt in Frankfurt: „Fernbahntunnel begrüßt“, FR-Regional vom 21. Januar

Jeder weiß es natürlich: Es gibt keine Großprojekte der öffentlichen Hand, bei denen der Zeit- und Kostenrahmen eingehalten wurde. Beispiele in jüngster Zeit gibt es zur Genüge. Da werden die Kosten absichtlich klein gerechnet, damit das Projekt erst mal genehmigt wird und man mit der Planung und dem Bau beginnen kann. Wenn dann erst mal genügend Geld versenkt wurde, lässt es sich auch nicht mehr stoppen, dann muss zu Ende gebaut werden, egal ob es sinnvoll ist, oder nicht.
Wir haben es beim Hauptstadt-Flughafen Berlin-Brandenburg gesehen und – noch besser vergleichbar: bei Stuttgart 21, ebenfalls ein Fernbahntunnel unter der Stadt, der gegen den erbitterten Widerstand eines Teils der Bevölkerung durchgesetzt wurde.
Seit 1985 (seit 35 Jahren!) wurde geplant. Die Kosten wurden anfangs auf 4,893 Mrd. DM geschätzt, ca. 2,5 Md. EUR.
2006 steigen die Kosten schon auf 2,8 Mrd., dann bereits Euro, also verdoppelt. Dennoch wird 2010 mit dem Bau begonnen.  2016 schätzt der Bundesrechnungshof die Kosten auf voraussichtlich ca. 10 Mrd. Euro. Verantwortlich und haftbar für das Desaster ist natürlich (wie immer) niemand. Inzwischen wurde der Eröffnungstermin auf das Jahr 2025 verschoben. Die kosten haben sich bisher bereits vervierfacht und bis heute fährt noch kein Zug.
Ein derartiges Desaster ist auch für ein gleichartiges Projekt in Frankfurt abzusehen.
Heute heißt es: Der Tunnel soll ca. 3,5 Mrd. Euro kosten und könnte 2036 fertig sein. Wirklich? Wer möchte garantieren, dass hier der Zeit- und Kostenrahmen eingehalten werden wird und wir nicht Jahrzehnte mit einer offenen Großbaustelle durch die gesamte Innenstadt leben müssen und mit unkalkulierbaren finanziellen Risiken?
Es sollten auch noch Alternativen zum Fernbahntunnel geprüft werden.

Sigrid Weber, Frankfurt

Es gab schon mal Konzepte für „Frankfurt 21“

Bahntunnel in Frankfurt weckt Hoffnungen? Bei mir weckt er eher Befürchtungen. Das hatten wir doch alles schon mal. In den 1980er und 1990er Jahren ist schon einmal diskutiert worden, den Hauptbahnhof zu einem Durchgangsbahnhof umzubauen. Das Konzept „Frankfurt 21“ wurde 2001 glücklicherweise ad acta gelegt. Aber dann wurde 2018 die Idee des Fernbahntunnels wiederbelebt und in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen. Als Kosten werden derzeit über 3 Milliarden Euro veranschlagt. Ich darf daran erinnern, dass für Stuttgart 21 einst 2,5 Milliarden Euro Baukosten vorgesehen waren. Inzwischen geht man dort von 10 Milliarden Euro aus. Welchen Nutzen soll der Fernbahntunnel in Frankfurt bringen? Die Reisezeit soll sich verkürzen, je nach Strecke zwischen eineinhalb Minuten bis zu elf Minuten. Das mag für diejenigen gelten, die bereits im Zug sitzen und weiterfahren. Für die Fahrgäste, die in Frankfurt ein- oder aussteigen, dürfte die Zeitersparnis durch die Reise in den tiefen Keller oder aus ihm heraus gegen Null gehen oder gar zunehmen. Und was soll das überhaupt? Hat nicht gerade die Corona-Epidemie gezeigt, dass es durchaus auch etwas weniger hektisch geht und dass dies nicht einmal eine Verschlechterung der Lebensqualität bedeutet? Spielen denn diese wenigen Minuten bei der notorischen Verspätung der Deutschen Bahn eine Rolle, und wäre es nicht sinnvoller die Milliarden dafür zu verwenden, dass Züge pünktlicher werden? Und ist Reisen vielleicht sowieso nicht ein bisschen mehr, als nur möglichst schnell von A nach B zu kommen? Vor gut 30 Jahren, als diese Pläne schon einmal virulent waren, hieß es in einer Veröffentlichung der Bundesbahndirektion Frankfurt am Main (!) ganz unaufgeregt: „Ist es vorstellbar, daß diese Kopfstation zu einer Durchgangsstation werden könnte? Das, was dieser Bahnhof schon immer war, ein Ankomm- und Abfahrtsbahnhof soll zu einer Zwischenstation degradiert werden? (…) Es wäre schade, denn das Gefühl des Ankommens in dieser Stadt verkörpert dieser Bahnhof mit seinen weitspannenden, den Reisenden empfangenden Hallen. Hier kommt man wirklich noch an. Der Zug endet hier – am Prellbock. Er braucht seine Zeit, bis er wieder betriebsfertig die Weiterfahrt antreten kann. Der Fahrgast wird nicht einfach nur ausgeladen, wie an diesen vielen anonymen Zwischenstationen mit ihren vereinheitlichten Normdächern. Zweiminutenaufenthalt, Tür auf, Tür zu, und der Reisende steht alleingelassen auf dem zugigen Bahnsteig. Hier ist das anders! Der Zug verharrt und begleitet den Reisenden gleichsam am Bahnsteig entlang zum Ausgang. Der Zug nimmt Abschied und entläßt seinen Gefährten in einer wohltuenden, beruhigenden Weise, so als wolle er ihm den Übergang in eine fremde Welt erleichtern.“ Bleibt zu hoffen, dass bei der Bahn auch heute wieder Vernunft einkehrt und ein weiteres Tunnelfiasko verhindert wird.

Udo Fedderies, Frankfurt

fr-debatteWas für eine politische Schlamperei!

Kommunalwahl: „Software für Hessenwahl fehlerhaft“, FR-Regional vom 27. Januar

Was da zu lesen steht, kann ich nur kommentieren mit: „Das darf doch nicht wahr sein!“ Seit acht Jahren bin ich im Ruhestand, davor arbeitete ich in der IT-Firmenlogistik. Damals schon wurde zu jedem elektronisch bearbeiteten Rechnungsbeleg (Invoice) ein revisionssicheres Zertifikat durch eine staatlich zertifizierte Firma verlangt. Und dann lese ich diese politische Schlamperei!
Gerade diejenigen, die ihr politisch unermüdliches Mundwerk nicht stillstehen lassen, wenn sie „Digitalisierung“ rufen können, zeigen sich meilenweit entfernt vom Hier und Heute. Ich muss mutmaßen, dass man sich in internen Zirkeln irgendein Bastelsystem hat aufschwätzen lassen, ohne die Risiken beurteilen zu können. Wir haben in Deutschland weltweit tätige Software-Unternehmen, die schon vor acht Jahren die Mängel, die jetzt in der Wahl-Software ermittelt wurden, in ihrer Datenbehandlung vermieden haben, weil eben das Finanzamt schon damals Zertifizierung und Revisionssicherheit durchgesetzt hatte.
Guten morgen liebe Politik, wünsche gut geschlafen zu haben!

Carsten Dietrich Brink, Gauting

fr-debatteHallelujah statt Aufklärung, wir machen eine Rolle rückwärts

Zu: „Orte des Glaubens erlebbar machen“, FR-Regional vom 23. Januar

Die Vermittlung von Bildung für unsere Kinder ist eine wichtige Sache, man kann damit nicht früh genug beginnen, zum Beispiel schon in der Grundschule. Dazu gibt es staatliche Institutionen und Strukturen, die dafür sorgen sollen, dass diese Aufgabe gewissenhaft unter Wahrung festgelegter gesellschaftlicher Übereinkünfte und Richtlinien erfolgt. Deshalb gibt es zum Beispiel Bildungspläne und Schulbuchkommissionen.
Aber was soll man nun davon halten, dass jetzt in Offenbach ein neues Buch eben an jenen Kontrollinstanzen vorbei in die Grundschulen geschleust werden soll unter dem vielsagenden Titel „Orte des Glaubens – Grundschulen im interreligiösen Dialog“?! Da sind also drei führende Weltanschauungsorganisationen mit- und untereinander (und nicht etwa mit den Kindern) im Dialog, die einen stetig schrumpfenden bekenntnisgebundenen Bevölkerungsanteil von inzwischen unter zwei Dritteln repräsentieren, von dem sich nach aktuellen Umfragen nur noch ein Anteil von weit unter 50 Prozent (je nach befragter Altersgruppe) überhaupt noch mit den dort vermittelten Inhalten identifiziert. Inhalte, die sich seit hunderten von Jahren nicht mehr substanziell verändert haben und an denen Aufklärung und Wissenschaft nahezu spurlos vorübergegangen sind.
Und dieses Buch, das selbstverständlich nicht auf Ausgewogenheit und Information auch über alle anderen zeitgemäßen Formen von Weltanschauung und Welterklärung angelegt ist (zum Beispiel mit Hinweisen zu wissenschaftlichen, künstlerischen, philosophischen oder religionsfreien oder gar -kritischen Informationen in der Stadtbücherei, in Buchhandlungen oder im Internet – quasi „Orte des Wissens“), wird nun als „Beitrag zur kulturellen Bildung“ angepriesen und soll „interreligiöse Kenntnisse und Kompetenzen fördern“ und erreichen, „dass viele Kinder quirlig ihre Gemeinden erkunden“. Klar, dass dieser billige und leicht durchschaubare Marketing-Coup eines vom Aussterben bedrohten Unternehmenszweigs von den zuständigen staatlichen Gremien wie der Schulbuchkommission und den kulturellen Trägern der Stadt entschieden zurückgewiesen und auch seitens der Schuldirektor:innen und Kulturverantwortlichen für die Klassenzimmer selbstverständlich nicht zugelassen wird.
Wie bitte?? Das Gegenteil ist der Fall?!? Dieses einseitige Pamphlet wird sogar noch bezuschusst?!! Mit 24000 Euro von der Sparkassen-Kulturstiftung und dem städtischen Kulturmanagement und dem Haus der Stadtgeschichte? Und wird mit dem Segen durch ehemalige und gegenwärtige Bürgermeister auch noch öffentlich angepriesen? Und „die Zusammenarbeit mit den Gemeinden soll jetzt erst so richtig losgehen“?!?! Na dann prost Mahlzeit! Willkommen in der Rolle rückwärts. Halleluja statt Aufklärung. Super!
Kein Wunder, dass diese Idee die zuständigen religiösen Gemeinden „toll finden“. Ich finde sie gesellschaftlich eine Zumutung, politisch ein Armutszeugnis und persönlich eine Frechheit.

Helge Nyncke, Mühlheim a.M.

fr-debatteDas schreit zum Himmel

E. Keleta: „Verwechslung mit Folgen“, FR-Regional vom 19. Januar

Dieser Bericht von Stefan Simon hat mich sehr verärgert. Die Art und Weise wie oftmals mit Menschen mit Fluchthintergrund umgegangen wird, habe ich oft in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit mit Flüchtlingen erlebt. Es schreit zum Himmel, wie sich Innenminister Peter Beuth (CDU) verhält. Ich empfinde es arrogant und unfähig, nicht auf eine Anfrage der FR zu reagieren, und wünsche Herrn Keleta, dass er trotz aller Widrigkeiten weiter an sich glaubt.

Hans-Peter Engel, Frankfurt

fr-debatteWohnungen als Lärmschutz?

Wohnungsbau: „Leben an der Autobahn“, FR-Regional vom 23. Januar

Fast 1000 neue Wohnungen in Frankfurts Herzen und davon auch noch ein Drittel im geförderten Wohnungsbau ist zunächst mal eine sehr gute Nachricht. Auf den zweiten Blick fragt man sich schon: Sozialwohnungen als Autobahnlärmschutz für die priviligierten Wohnungen im Kernbereich? Wenn das hier ohne Einhausung funktioniert, warum dann nicht auch in Bornheim? Schul- und Kitabau nur geplant, aber nicht gebaut? Sollte nicht nach dem Baulandbeschluss auch das genossenschaftliche Wohnen eine Chance bekommen? Braucht man wirklich noch weitere Hotels?

Reinhold Richter, Obertshausen

fr-debatteWer den Nazis nicht passte

Zu: „Mindestens einmal in die Gedenkstätte“, FR-regional vom 21. Januar

Ihr obiger Beitrag vom heutigen Tage veranlasst mich, noch einmal auf meine Zuschrift an die FR vom 29.3.2020 zurückzukommen. Es ist richtig, dass die Schüler die offiziellen Gedenkstätten besuchen sollen. Jedoch sind dies meistens solche, die den Holocaust betreffen. Dabei gibt es noch eine Reihe anderer Orte, an denen der Nationalsozialismus seine Schandtaten verübte. Wie ich in meiner obigen Zuschrift ausführte, verstarb mein Onkel in Weilburg. Er wurde dort am 22.April 1944 eingeliefert und verstarb dort 2 Tage später am 24.April 1944 an Altersschwäche. Nach meinem Wissen hatte er einen Schlaganfall, saß im Rollstuhl und gehörte somit zu den „unnützen Essern“. So wie ihm erging es vielen die krank, behindert oder sonst nicht in das Idealbild der Nazis passten. Vielleicht sollte man bei der Behandlung diesen Themas darauf hinweisen, dass es nicht nur den Antisemitismus, Rassismus oder Antijudaismus betraf, sondern den Nachbarn oder einen Verwandten, der krank oder behindert war und seinen Lebensunterhalt dadurch nicht bestreiten konnte. Vielleicht verstehen die Schüler besser, wenn es sich auch um ganz normales alltägliches Leben der Mitmenschen handelte, die nicht in das „Idealbild“ der Herrschenden passten.

Renate Paul, Frankfurt

Balken 4
Forum vom 5. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Hermann Ahles, Dieter Obst, Konrad Mohrmann, Ernst Hettche und Nikolaus Jöckel zur Bilanz der Kanzlerin Merkel einerseits und zu Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) andererseits (veröffentlicht ab hier), von Michael Schulte zum Leben auf dem Land, Gerhard Müller zu Lionel Messi, der den FC Barcelona ruinieren könnte, von Jürgen Malyssek und Doris Schuchardt zu Dieter Nuhr und der Frage: Ist das Satire? (Diese vier gleich hier, siehe unten.)

Zustimmendes Blöken, Quaken und Zirpen

Tücken des Landlebens: „Riechen und riechen lassen“, FR-Panorama vom 22. Januar

Der Artikel beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass Menschen aus der Stadt aufs Land fliehen, in der Annahme dort ein ruhigeres und gesünderes Leben führen zu können – und sich dann über die Besonderheiten des Landlebens wie Zikadengesänge, Hundegebell und Gerüche von Misthaufen beklagen. Ein Abgeordneter einer französischen Region, erbost ob solche Borniertheit, erarbeitete nun eine Gesetzesinitiative, die von der Nationalversammlung begrüßt und unterstützt wird. Diese Initiative erstellt eine Liste mit Sinneseindrücken des Landes, vom Mist- und Güllegeruch bis zum Iiichaaahh des Esels und Kikeriki des Hahns, die als Teil der regionalen ländlichen Identität gegen gerichtliche Klagen geschützt sind. Soweit die Franzosen. Mir kamen gleich etliche Beispiele aus unserm Städtchen, allein aus den letzten Wochen, in den Sinn:
Ein Freund bekommt von der Stadtverwaltung wegen des Kikerikis seines Hahns ein Bußgeld von 100 Euro aufgebrummt.
Mein Schrebergarten wird mir gekündigt, weil ich Kräuter und Blumen in ihrer Vielfalt und Buntheit samt den dazugehörigen Kröten, Fröschen, Molchen, Eidechsen und Insekten sich frei entfalten lasse. Wildkräuter, das heißt solche, die sich selbst ausgesät haben, sind einigen Nachbarn ein Gräuel. Diese Blumen und Kräuter werden in der Gartenanlage nicht geduldet. Denn gegen die besonderen, kleinkarierten Ordnungsprinzipien einiger deutscher Kleingärtner sind internationale Biodiversitäts-Konferenzen machtlos.
Ein weiteres Beispiel: der Biber erregt die Gemüter so sehr, dass er trotz Naturschutzes ständigen Anfeindungen ausgesetzt ist: Wenn schon Renaturierung der Flussläufe, dann soll das durch Maschinen geschehen und nicht durch das Dammbautalent einer Biberfamilie.
„Wilder Luchs reißt Reh und Schaf“ titelt die Offenbach-Post neben dem Foto eines Luchses aus dem Auheimer Wildpark (Offenbach-Post 22.Januar 2021, Titelseite). Panikmache vor dem „Wilden“ zielt offenbar auf eine geneigte Leserschaft.
Es würde mich freuen, wenn die ein oder andere Partei eine ähnliche Initiative wie der französische Abgeordnete ins Leben rufen würde, um ländliche Identität vor bürokratischen Vorschriften und einigen wenigen erbsenzählenden BürgerInnen zu schützen. Ich bin sicher, dass, wie in Frankreich, auch in deutschen Landen „zustimmendes Muhen, Blöken, Quaken und Zirpen“ (Frankfurter Rundschau) ertönen würde.
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass unsere blaue Fähre wieder fahren und die Verantwortlichen Politiker vom Wähler abgestraft werden sollten!

Michael Schulte, Mühlheim a.M.

fr-debatteZum Palast reicht’s noch nicht

Zu: „Messi macht Barca arm“, FR-Sport vom 1. Februar

So ist das: Die Armut des einen, in diesem Fall eines Fußballvereins, ermöglicht den Reichtum eines anderen, in diesem Fall ein, man sehe und staune, eines Fußballspielers. Jemandem der, überbezahlt, seinem Hobby nachgeht. Vielleicht kann er nichts anderes als Fußball spielen. Seine Nützlichkeit für den Rest der Weltbevölkerung halte ich für sehr übersichtlich.
Das schreibe ich nicht wegen eines möglichen Neides. Im Grunde tut er mir leid. Für einen Palast à la Putin (oder dessen Strohmann) reicht es noch nicht. Dafür muss er noch einige Kilometer über den Platz laufen. Sicher hat er sich längst von dem vielen Geld einen Zufallsgenerator (sowas gibt’s) bauen lassen. Dieser wählt ihm dann aus, mit welchem seiner sicher 25 Luxusautos er zu fahren hat. Vor lauter Geldzählen kommt er nicht dazu, selbst das Auto auszuwählen. Sein Arbeitgeber, der Fußballverein, wenn das überhaupt noch nur ein Fußballverein ist, tut mir nicht leid.

Gerhard Müller, Offenbach

fr-debatteKritik an den Kritikern

Zu: „Satire wird nicht für das Sofa gemacht“, FR-Feuilleton vom 29. Januar

In einer dieser übernervösen, angstbesessenen Zeiten, da einerseits nahezu jedes öffentlich geäußerte Wort auf die berühmte Goldwaage gelegt wird und andererseits der Internet-Shitstorm in einer kaum noch zu überbietenden Hysterie und Fäkalsprache über Politiker, Promis und Zeitberichterstatter herfällt, da sollten wir die Satire mit ‚besonnener‘ Leidenschaft hochleben lassen!
Die Satire, die nicht mit scharfen Worten spart, wo es aber klar ist, wer Freund und Feind ist. Eben nicht die Satire eines Dieter Nuhr, der lieber die Gesellschaftskritiker aufs Korn nimmt, als sich die Machtvollen vorzuknöpfen.
Harry Nutt (danke!), mit Blick zurück auf Tucholsky, nennt zurecht „Die Anstalt“ mit Max Uthoff und Claus von Wagner als geeignetes Erbe dieses Satirikers, Aufklärers und Pessimisten von anhaltender Aktualität. Auch Jan Böhmermann, wenn auch bei mir nicht an vorderen Plätzen nominiert, so doch auch in seiner ganz speziellen Art.
Blickt man außerdem aktuell auf diese schon fast paranoiden Vorstellungen und Auftritte der „Querdenker“, nebst einer diffusen Anhängerschaft, dann kann Satire möglicherweise politisch mehr bewirken als die x-te Gegendemonstration.
Satire darf auch wehtun. Sonst sind für den schonenden Bedarf eines empfindsamen Publikums andere Kunstgattungen zuständig, wie die Comedy oder die Groteske.
Der vor bald 20 Jahren verstorbene scharfsinnige satirische Fachmann und Frankfurter Kabarettist Matthias Beltz sollte an dieser Stelle in der Ahnengalerie unbedingt genannt werden. Wer einmal aus einer Live-Vorstellung dieses Künstlers wieder auf die Straße trat, der brauchte Minuten, um sich wieder einigermaßen aus der Irritation und dem „harten Stoff“ zu lösen.
Die letzten Worte gehören dem Freigeist Kurt Tucholsky: „Man muß draußen stehen, man darf nicht dazu gehören“.

Jürgen Malyssek, Wiesbaden

Mit Gespür für Zwischen- und Untertöne

Es ist lobenswert, dass sich Ihr Autor mit Kurt Tucholsky und dessen Sicht der Dinge auf Satire auseinandergesetzt hat. Leider reicht das nicht ganz, um Satire heute zu bewerten.
Dass dazu eine gewisse Intelligenz und das entsprechende Sprachverständnis gehört, ist selbstverständlich, es braucht aber auch ein Gespür für die Zwischen-und Untertöne. Wer glaubt, Satire drücke das aus, was geäußert wird, hat das Genre nicht verstanden. Oft – meistens – ist das Gegenteil der Fall. Glaubt Herr Hebel wirklich, Greta Thunberg beherrsche nach Meinung von Dieter Nuhr das Weltgeschehen? Ich kenne den Mann nicht, bin aber sicher, dass er so blöd nicht ist. Ich will jetzt nicht dagen, im Gegensatz zu wem. Leute, kommt doch mal runter von Eurem moralinsauren Wissen um Eure Mitmenschen und deren Tun! Seid doch mal locker und nehmt Satire nicht wörtlich sondern nichtwörtlich!

Doris Schuchardt, Iserlohn

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Forum vom 6. Februar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Alfred Harnischfeger zur Bildungssituation in der Pandemie (veröffentlicht hier), Viola Schneider und Manfred Kirsch zu Überlegungen, die AfD insgesamt durch den Verfassungsschutz beobachten zu lassen, von Annette Kreilos zu Michi Herls Kolumne und den Enkeltrick, außerdem von Gabriele Schreib zu einer FR-Reportage über Corona auf dem Dorf (alle vier gleich hier, siehe unten).

Es gibt wohl keine Gründe für die Überwachung

Die AfD und der Verfassungsschutz: „Zeichen gegen Rechts“, FR-Meinung vom 1. Februar

Alles in allem eine Farce. Dieses Verhalten – noch dazu in einem Wahljahr – ist absolut undemokratisch und durchschaubar. Hoffentlich erkennen das viele Bürger und tragen dem bei der Wahl Rechnung. Herr Maaßen hat es damals nach seiner Entlassung ja schon gesagt, dass es einen gewissen Druck von Seiten der Politik gab, die AfD zu beobachten. Angeblich gab es bis dahin ja noch keine handfesten Tatsachen, warum man die AfD beobachten lassen sollte.
Mittlerweile habe ich selbst das Gefühl, dass es nur noch polittaktische Gründe hat, die einzige, wahre Opposition mundtot zu machen. Jörg Meuthen arbeitet seit langer Zeit daran, die“ Rechtsaußen“ aus der Partei zu entfernen. Das BfV hält sich deswegen zurück, weil es,sehr wahrscheinlich, keine handfesten Gründe gibt, die vor dem BVG Bestand haben werden. Leuten, die für sich in Anspruch nehmen, über alle Maßen moralisch richtig zu handeln, sollte man den Wind aus den Segeln nehmen.

Viola Schneider, Kassel

Wir brauchen das Engagement der Zivilgesellschaft

Bascha Mika beleuchtet in ihrem Leitartikel sehr gründlich die Argumente, die zum einen für eine Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz sprechen und auf der anderen Seite die Notwendigkeit des antifaschistischen Engagements der Zivilgesellschaft. Es sei darauf hingewiesen, dass nach einer Feststellung der Amadeu Antonio Stiftung Stand Januar 2021 aktuell 208 Todesopfer rechtsextremer Gewalt zu beklagen sind. Das bedeutet, dass hierzulande die offene Gewalt, der rechte Terror immer mehr um sich greift. Die Verbindungen der AfD zu rechtsterroristischen Gruppen sind eindeutig und belegbar. Allein deshalb ist es richtig und notwendig, die Überwachung der AfD durch den Verfassungsschutz zu praktizieren. Wir brauchen, um Zeichen gegen Rechts zu setzen beides: die Überwachung durch den Verfassungsschutz und gleichzeitig das Engagement der Zivilgesellschaft. Vor allen Dingen muss sich in dieser Republik ein Bewusstsein für die kriminellen, verbrecherischen Aktionen der Rechten, und dazu gehören nun mal auch die AfD-Kreise in ganz hervorgehobener Rolle, bilden. Immer noch ist es so, dass die Mehrheit der Bevölkerung immer noch nicht begriffen hat, welche Gefahr für diese Demokratie durch die AfD-Unterstützerinnen und Unterstützer ausgeht. Von Seiten der AfD wird an die niedrigsten Instinkte in der Bevölkerung appelliert. Und viele, allzu viele lassen sich davon beeinflussen. Es bleibt zu hoffen, dass das Bundesverfassungsgericht, die Justiz als dritte Gewalt im Staate, eine verschärfte Überwachung der AfD für rechtens erklärt, denn es muss wirklich so sein, dass sich an die Einsicht gehalten wird, dass Faschismus keine Meinung sondern ein Verbrechen ist.

Manfred Kirsch, Neuwied

fr-debatteMassiv unter Druck gesetzt und manipuliert

Zu: „Alt werden und weise sein“, FR-Meinung vom 26. Januar

Oft genug ärgere ich mich über Herrn Herrl selbstgerechten Kolumnen! Es ist so leicht, mal eben über die Dummheit der anderen (Gruppen) zu pöbeln. Bevor er sich über die angebliche Dummheit von Menschen, die auf den Enkeltrick reinfallen, in dieser verletzenden und überheblichen Art mokiert, sollte er sich genauer informieren – z.B. bei der Polizei, die mit dieser Masche immer wieder zu tun hat. Da wird in massiver Weise und höchst professionell unter Druck gesetzt und manipuliert, mit Ängsten gearbeitet und jedes kleine Zögern ausgenutzt. Und die darauf reinfallen, sind nicht automatisch doofe Leser der yellow press oder leichtgläubige AFD-Wähler. Der Zusammenhang wird ja nahegelegt.
Mit der gleichen Verve könnte er sagen, alte Menschen, die sich mit Internet, Facebook u.ä. nicht beschäftigen wollen, seien unmoderne und verstockte Fortschrittsleugner. Und nur weil Herr Herl das gerade „gesund“ findet, ist die Argumentation noch lange nicht logisch.

Annette Kreilos, Osnabrück

fr-debatteAngenehme Einsamkeit

Zu: „Die reine Leere“, FR-Magazin vom, 3. Februar

Wie schön, ein Corona-Stimmungsbild aus dem Dorf! Jetzt weiß ich, was mir die ganze Zeit gefehlt hat. Seit nunmehr fast 50 Jahren lebe ich auf dem Dorf, 15 Kilometer von Kiel entfernt. Zu Besuch kommt hier kaum noch jemand, der einzige tägliche Kontakt ist der Briefträger. Ich lauere ihm regelrecht auf.
Skype, WhatsApp, Zoom und Festnetztelefon, dazu zwei Zeitungen, KN und FR, sind meine Fenster zur Welt, der Fernseher garantiert mir Nachrichten, Dokus, Analysen und ab und zu mal eine Schmonzette. Um das Ganze wenigstens mal kurz zu vergessen.
Aber verglichen mit all denen, die um ihre Existenz kämpfen, geht es mir großartig: Die Rente kommt pünktlich und meine drei erwachsenen Kinder haben ebenfalls ihr Auskommen. So gesehen: Es geht mir gut auf meinem Dorf. Und wenn es mal gar nicht mehr geht: Mit einem 1000-m-Fußweg bin ich am Meer. Da ist die Einsamkeit sogar angenehm.

Gabriele Schreib, Strande

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11 Kommentare

  1. Paul Pfeffer sagt:

    Häusliche Gewalt – Wider die Einäugigkeit!

    heute (2.2.21) ging es in der FR wieder um häusliche Gewalt. Ich stelle bei der Formulierung „Gewalt beginnt nicht mit dem ersten Schlag“ und der Behandlung des Themas einen (leichten) Lerneffekt gegenüber früheren Darstellungen fest. Da hieß es einfach nur plump „Gewalt ist männlich“. Der neue Titel ist schon mal ein Fortschritt.

    In der Tat ist es so, dass Gewalt nicht mit dem ersten Schlag beginnt, sie hat meist eine lange und verwickelte Vorgeschichte. Jeder Mensch mit Beziehungserfahrung weiß das, Ehrlichkeit vorausgesetzt.

    Die Interviews mit Frau Hedayati und Herrn Hafner zeigen zwar andeutungsweise, wie komplex das Thema ist, verfallen aber dann doch wieder in die Einäugigkeit, die schon damals beklagt habe: Frauen sind die Opfer, Männer die Täter. Das ist eine Pauschalisierung, die nicht so stehen beliben kann.

    Zurzeit sind wieder einmal die Themen „Femizide“, „häusliche Gewalt“ bzw. „Gewalt gegen Frauen“ stark in den Medien präsent (die „Frankfurter Rundschau“ spielt hier eine Vorreiterrolle). Als Mann und langjähriger Abonnent dieser Zeitung gewinne ich den Eindruck, dass Deutschland ein Land der Schläger, Vergewaltiger und Frauenmörder ist. Tenor: Gewalt ist männlich. Schon bei der MeToo-Debatte entstand bei mir dieser Eindruck der pauschalen Bezichtigung. Obwohl ich selber nicht direkt betroffen bin, ärgert mich die systematische Einäugigkeit aus feministischem Blickwinkel, und es macht mich betroffen, dass ich in eine Art moralischen Dauer-Schwitzkasten genommen werden soll, weil ich ein Mann bin.
    Die feministischen Opfererzählungen lassen in der Regel soziale Faktoren außer Betracht. Dabei zeigen Untersuchungen eindeutig, dass häusliche Gewalt zwar in allen sozialen Schichten vorkommt, aber sehr viel häufiger in den unteren Sozialschichten als in höheren und auch häufger in migrantischen Familien als in nichtmigrantischen. Es wird so getan, als ob ein Problem, das deutlich vom Sozialstatus und vom kulturellen Hintergrund der Menschen abhängt, ein Problem des Geschlechterverhältnisses wäre.
    Es unterliegt keinem Zweifel, dass es unter Männern aller sozialen Schichten und Herkünfte Sadisten und Brutalos gibt, die ihre Partnerinnen grundlos verprügeln. Es mag auch sein, dass es mehr oder weniger pathologische Sado-Maso-Beziehungen gibt, bei denen Gewalt entgleist, oder dass Paare trotz Gewalt zusammenbleiben, weil es unentrinnbare emotionale oder finanzielle Abhängigkeitsverhältnisse gibt. Ich stelle aber die These auf, dass es sich dabei um Minderheiten handelt. Die meisten Fälle von „ganz normaler Gewalt“ in Beziehungen sind bei näherem Hinsehen wesentlich komplexer.

    Jährlich werden laut Kriminalstatistik viele Frauen Opfer ihrer Partner, viel weniger Männer fallen ihren Partnerinnen zum Opfer. Das ist unter dem Strich eine schreckliche Bilanz, aber nur die Spitze des Eisbergs häuslicher Gewalt. Statistisch belegte männliche Gewalt gegen Frauen wird von einer bestimmten Fraktion des Feminismus dankbar aufgegriffen als Munition im Kampf gegen „das Patriarchat“ oder gar gegen „toxische Männlichkeit“. Frauen würden gemordet, „weil sie Frauen sind“. Die Täter werden pathologisiert, Männer pauschal in Haftung genommen. Fragen nach den tiefer liegenden sozialen und psychischen Ursachen für diese Gewalt werden ausgeblendet. In meinen Augen ist das eine falsche und einseitige Sichtweise, die in den Medien immer wieder kolportiert wird und leider unwidersprochen bleibt.
    Ausgeblendet bleibt weibliche Gewalt gegen Männer. Tatsächlich geht körperliche Gewalt in der Partnerschaft nämlich in etwa gleichem Ausmaß von beiden Geschlechtern aus – sogar mit einem leichten Übergewicht bei den Frauen. Das belegen mannigfache Untersuchungen in kriminologischen, soziologischen, psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften aus aller Welt. Diese Studien werden aber in der Öffentlichkeit ignoriert oder nur am Rande wahrgenommen. Es dominieren die feministische Opfererzählungen: Gewalt ist männlich. Wenn Frauen schlagen, wehren sie sich nur gegen die bösen Männer. Weibliche Gewalt – die Frau als Täterin – ist immer noch ein großes Dunkelfeld und Tabuthema. Hier eine Auswahl von Links dazu:
    https://www.bmfsfj.de/blob/84590/a3184b9f324b6ccc05bdfc83ac03951e/studie-gewalt-maenner-langfassung-data.pdf
    https://www.aerzteblatt.de/archiv/186686/Haeusliche-Gewalt-gegen-Maenner-Unbeachtet-und-tabuisiert
    https://www.apotheken-umschau.de/Coronavirus/Habe-so-viele-Ohrfeigen-bekommen—Haeusliche-Gewalt-gegen-Maenner-558737.html

    Die ganz „normale“ häusliche Gewalt

    Ich stelle in der Folge einige Thesen zum Thema häusliche Gewalt auf. Dabei nehme ich bewusst die männliche Perspektive ein und richte den Fokus auf das Vorfeld von Gewalthandlungen. Ich stelle mir folgende Fragen:
    Was sind die Besonderheiten weiblicher Gewalt?
    Was geht in den Köpfen der Männer vor, bevor sie zuschlagen?
    Welchen Anteil haben die Frauen an der Gewalt, die gegen sie ausgeübt wird?

    1. Bei einem Kapitalverbrechen als Beziehungstat (Mord, Totschlag), aber auch in weniger dramatischen Fällen (Körperverletzung) gibt es (fast) immer eine Vorgeschichte, die aber in der Kriminalstatistik nicht auftaucht. Vorausgegangen ist oft eine Aushöhlung und Verschlechterung der Beziehung, an der nicht immer nur die Männer schuld sind. Wenn dann Frauen ihre Männer im offenen Konflikt verbal unter Dauerbeschuss setzen, wird es gefährlich. Männer schlagen oft aus purer Hilflosigkeit zu, weil sie nicht wissen, wie sie absurdes, übergriffiges oder demütigendes Verhalten von Frauen beenden können.
    Wenn Frauen ihre Partner aus dem Weg räumen, tun sie es seltener spektakulär und gewalttätig. Die weibliche Variante ist die psychische und physische Vergiftung, im Extremfall der Giftmord. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch.

    2. Wenn weibliche Gewalt handgreiflich wird – und das wird sie laut den Untersuchungen häufiger als männliche! – ist sie meist nicht so folgenreich wie die Gewalt von Männern. Frauenschläge sind in der Regel nicht so heftig, auch wenn sie in zerstörerischer Absicht geführt werden. Auch Kratzen, Beißen, Treten etc. sind, was die körperlichen Folgen betrifft, meist relativ harmlos. Viele betroffene Männer verschweigen diese weibliche Gewalt aus Scham, es passt nicht zum traditionellen Männerbild, von einer Frau misshandelt zu werden. Bei vielen Männern greift auch eine Beißhemmung gegen Frauen, sie lassen sich schlagen, schlagen aber nicht zurück.
    Gefährlich wird es, wenn Frauen zu Gegenständen greifen und zuschlagen. Dann sind meist gravierende Verletzungen die Folge. Die Ergebnisse der aktuellen Gewaltforschung zeigen, dass häusliche Gewalt – wie könnte es anders sein! – oft in Form einer wechselseitigen Eskalation erfolgt. Nach den einschlägigen Studien geht Gewalt von beiden Geschlechtern etwa gleich oft aus, was aber von den Medien nicht zur Kenntnis genommen wird. Dort dominiert immer noch das Bild vom prügelnden Mann.

    3. Weibliche Gewalt ist oft psychische Gewalt und hinterlässt in den meisten Fällen keine körperlichen Spuren. Kommt es zu Auseinandersetzungen, werden Männer mit Worten infantilisiert, verunglimpft, gedemütigt, erniedrigt, gequält, zermürbt und abgewertet. Ständiges Entwerten („Idiot“, „Arschloch“, „Schlappschwanz“, „Weichei“, „Versager“, „emotionaler Krüppel“ usw.), Dauervorwürfe, Sticheln, Hänseln, Hetzen, Mobben, Nörgeln, Tyrannisieren, Kontrollieren und Bohren können Männer in den Wahnsinn treiben, vor allem solche Männer, die verbal unterlegen sind und sich mit Worten nicht angemessen wehren können. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Ton. Die meisten Männer ertragen den weiblichen Nörgel- und Vorwurfston sehr schlecht.
    Es ist für eine Frau ziemlich leicht, einem Mann mit Worten das Leben zur Hölle zu machen. Sie kann sich dabei meist auf ihre verbale Überlegenheit verlassen oder auf ihre Fähigkeit, sich problemlos außerhalb der Logik zu bewegen. Loriot hat solche absurden Dialoge in satirischer Absicht aufgezeichnet. Was bei ihm komisch wirkt, ist im Beziehungsalltag eine Quälerei.

    4. Ein zentrales Motiv für Männer, ihre Partnerinnen zu misshandeln, ist die Drohung verlassen zu werden bei gleichzeitiger Unfähigkeit, in der Partnerschaft über Probleme zu reden. Diese ausgesprochene oder unausgesprochene Drohung ist für manche Männer eine derart schwere narzisstische Kränkung, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen, als um sich zu schlagen. Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Feststellung.
    Ähnliches gilt für das Gefühl vieler Männer, in der Beziehung überfordert zu sein, den Erwartungen und Ansprüchen ihrer Frauen nicht zu genügen. Das höhlt auf Dauer das männliche Selbstbewusstsein aus, vor allem dann, wenn die Frauen diese Botschaft ständig verbal und nichtverbal aussenden. Männer ohne oder mit angekratztem Selbstbewusstsein schlagen eher zu, wenn sie in Bedrängnis geraten.

    6. Ein klassisches Motiv für Beziehungsstaten ist die Eifersucht und die Kontrollsucht. Wenn die Partner sich gegenseitig als ihren Besitz betrachten, ist die Lunte schon gelegt. Dann kann bei tatsächlichem oder auch nur vermutetem Fremdgehen die Bombe platzen. Auch hier ist wieder Verlustangst im Spiel, die narzisstische Kränkung, die bei Männern Auslöser von Aggressionen und Rachegefühlen ist. Ich vermute, dass eifersüchtige Frauen ebenfalls wilde Rachefantasien haben, sie aber anders ausleben als Männer.

    7. Viele Frauen sind Meisterinnen der emotionalen Erpressung. Das Grundmuster ist der gute alte Liebesentzug: „Wenn du nicht tust, was ich will, liebe ich dich nicht mehr“. In die gleiche Kategorie gehört das habituelle Jammern, das demonstrative Leiden, die chronische Unzufriedenheit: „Du bist schuld, dass ich so unglücklich bin“ bis hin zur Drohung mit Selbstmord „Wenn du mich verlässt, bringe ich mich um“.
    Aber auch die Selbstbezichtigung und Selbstabwertung ist eine Art von emotionaler Erpressung: „Ja ja, ich bin immer an allem schuld“. Mit den verschiedenen Varianten emotionaler Erpressung können Frauen Männer auf die Dauer bis zur Weißglut treiben.
    Chronische Unzufriedenheit kann die Ursache für einen mehr oder weniger subtilen psychischen Terror sein, den Frauen als Mütter gegenüber ihren Kindern oder als Ehefrauen gegenüber ihren Männern ausüben. Diese Frauen erscheinen natürlich nicht in der Kriminalstatistik, dafür aber umso häufiger in der Literatur und in den Erzählungen von Betroffenen.

    8. Frauen können ihre schärfste Waffe, die sexuelle Kälte, in Auseinandersetzungen einsetzen (bis hin zur Totalverweigerung) und damit bei Männern ein existenzielles Gefühl von Abhängigkeit und eine hilflose Wut auslösen. Manche Männer gehen dann nicht einfach in den Puff oder reagieren mit Flucht (in den Sport, in den Alkohol, in die Depression, in den Hobbykeller, in die Kneipe …), sondern mit Gewalt.
    Vergewaltigung in der Ehe ist inzwischen (zu Recht!) ein Straftatbestand, Verweigerung in der Ehe ist keiner, im Gegenteil, Verweigerung ist das „gute Recht“ der Frauen gegenüber ihren triebgesteuerten Männern. Für mich ist das angesichts der unterschiedlich gelagerten Sexualität von Männern und Frauen eine psychische und rechtliche Schieflage. Lösen lässt sich das Problem eigentlich nur durch Trennung. Wenn sich ein Paar eine Trennung aber weder emotional noch finanziell leisten kann, bleiben Gleichgültigkeit und Entfremdung … oder Gewalt.

    Fazit

    Ich habe diese Thesen bewusst kurz gehalten. Zu jedem Punkt könnte man ein Buch schreiben. Die Punkte erheben weder Anspruch auf Wissenschaftlichkeit noch auf Vollständigkeit. Sie basieren auf Recherche und Beziehungserfahrungen, meinen eigenen und denen anderer Männer, von denen ich weiß. Ich will keineswegs darauf hinaus, dass Frauen selber schuld sind, wenn ihnen Gewalt von Männern widerfährt. Das wäre genau so falsch wie die einseitige Schuldzuweisung an die Männer. Ich denke aber, dass das zurzeit verbreitete „Narrativ“, Frauen seien die Opfer und Männer die Täter, beklagenswert unvollständig ist und dass die Situation wesentlich komplexer ist, als die nackten statistischen Zahlen zu „beweisen“ scheinen. Unterhalb der Strafbarkeitsschwelle und auf spezifische Art wird sehr viel mehr Gewalt von Frauen gegen Männer ausgeübt, als in der Öffentlichkeit bekannt wird. Ein Problem ist, dass diese Art von Gewalt schwer nachweisbar und juristisch kaum greifbar ist. Jeder Mensch mit Beziehungserfahrung kennt aber solche Situationen.
    Es ärgert mich dann umso mehr, wenn bestimmte Frauen sich unter Hinweis auf die Kriminalstatistik aufs hohe moralische Ross setzen, auf Männer herabschauen, sie pathologisieren, pauschal herabwürdigen und die Frauen ebenso pauschal als reine und unschuldige Opfer darstellen. Es ärgert mich auch, wenn von mir geschätzte Medien wie die „Frankfurter Rundschau“ sich zum Sprachrohr dieser Einäugigkeit machen.
    Ich verstehe meine Thesen über häusliche Gewalt als Denkanstoß und Gesprächsangebot. Das Ziel ist, dass die ganze Wahrheit in den Blick genommen wird und dass Männer und Frauen miteinander über dieses schwierige Thema reden, nicht bloß übereinander.

  2. Erdmann, Gerd-Rüdiger sagt:

    zu Siegfried Kowallek Sterbehilfe
    wie so oft fehlt mir auch bei diesem Thema der Blick über die Grenzen: Wie wird diese problematische Situation in anderen Ländern angegangen? Ich glaube gelesen zu haben, dass in den Niederlanden zwei Ärzte unabhängig von einander zu einem entsprechenden Ergebnis kommen müssen. Warum, wie so oft in Deutschland, eine (Beratungs-) Pflicht?

  3. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Paul Pfeffer

    Es ist gut, dass Sie beim Thema „Häusliche Gewalt“ die Einseitigkeit der Betrachtung, nämlich die Fokusierung auf die männliche Gewalt, ansprechen!

    Ohne es hier im Text zu wiederholen, betrachte ich Ihr Fazit als richtig und gelungen.
    Da ist viel moralischer Ballast in diesem Thema.

    Bücher gab es und gibt es einige, zumindest was die Annäherung an die Beschäftigung mit dieser Einäugigkeit der Machtverhältnisse der Geschlechter:

    – David D. Gilmore: Mythos Mann (Artemis & Winkler 1991)
    – Claudia Heyne: Täterinnen. Offene und vesteckte Aggression von Frauen (Kreuz 1993)
    – Karin Jäckel: Der gebrauchte Mann. Der Mann nach der Trennung (dtv 1997)
    – Laurie Penny: Unsagbare Dinge (Edition Nautilus 2. Aufl. 2015)
    – Volker Elis Pilgrim: Muttersöhne (claassen, 1. Aufl. 1986)
    Wilhelm Johnen: Dei Angst des Mannes vo der starken Frau (Fischer. Erstpublikation 1992)

    Sie werden die und andere bestimmt kennen.
    Meine Ausgaben sind etwas älterer Natur, aber das macht nichts.

    „Das Ziel ist, dass die ganze Wahrheit in den Blick genommen wird und dass Männer und Frauen miteinanander über dieses schwirige Thema reden, nicht bloß übereinander.“

    Das sehe ich genau so.

  4. Werner Engelmann sagt:

    Hinweis:
    Der Beitrag wurde beim letzten Kopieren zum großen Teil gelöscht. Daher hier noch einmal:

    @ Jürgen Malyssek, Kritik an den Kritikern
    @ Brigitte Heinzmann, Humorbefreite „Satire“

    Zunächst, lieber Herr Malyssek die Bestätigung, dass Ihre Sendung gut angekommen ist und ich mit der Lektüre begonnen habe. Dafür nochmal meinen herzlichen Dank.

    Zum Thema „Satire“:

    „Blickt man außerdem aktuell auf diese schon fast paranoiden Vorstellungen und Auftritte der „Querdenker“, nebst einer diffusen Anhängerschaft, dann kann Satire möglicherweise politisch mehr bewirken als die x-te Gegendemonstration.“

    Ich stimme Ihnen zu.
    Die Furcht bestimmter Machthaber (Erdogan z. B.) vor solchem Ausdruck freien Denkens bestätigt dies.
    Doch, darauf weist Frau Heinzmann zu Recht hin, auch dieses Mittel kann missbraucht werden:
    „Auch wenn sich z.B. eine Frau Eckhardt oder ein Herr Nuhr als Satiriker verstehen, ist aus meiner Sicht bei beiden die Grenze zum geschmacklosen Populismus überschritten.“

    Es ist also wichtig, Möglichkeiten und Grenzen der Satire näher zu bestimmen, auch wenn eine exakte Definition kaum möglich erscheint.

    Wikipedia etwa versucht es mit der landläufigen Beschreibung der „Stilmittel“:
    „Typische Stilmittel der Satire sind die Übertreibung als Überhöhung oder die Untertreibung als bewusste Bagatellisierung bis ins Lächerliche oder Absurde.“
    Hier macht man aber den gleichen Fehler wie „rechte“ Interpreten: Man verlagert die wesentlichen Merkmale in die Person des Satirikers hinein und entschärft so ihre Aussagekraft und Wirksamkeit.
    Das Phänomen der unfreiwilligen (Selbst-)Satire, mit dem wir ja zunehmend zu tun haben, widerlegt diese „Definition“:
    Wie sollten denn die unsäglichen Ergüsse eines Trump etwa noch „übertrieben“, „ins Lächerliche“ gesteigert werden? Sind die doch per se schon die verkörperte Lächerlichkeit.

    „Satire“, das sei zunächst festgehalten, ist eine Erscheinungsform der Wirklichkeit selbst. Dieser Aspekt der Wirklichkeit wird vom Satiriker lediglich aufgezeigt, nicht irgendwie künstlich durch Übersteigerung geschaffen.
    Das ist auch der Irrtum selbsternannter „Satiriker“ wie Dieter Nuhr, mit dem Ergebnis des „geschmacklosen Populismus“, wie Frau Heinzmann richtig hervorhebt.
    Dass er dabei den „Geschmack“ rechts „denkender“ Bevölkerungskreise trifft, ist allerdings nicht entscheidend. Denn es gibt keine „linke“ oder „rechte“ Satire, sondern nur gute und schlechte.

    Nach meiner Einschätzung kann man das Wesen von Satire wie folgt beschreiben:
    Satire deckt hinter falschem Schein das wirkliche Sein auf. Ihre Mittel sind die des harten Kontrastes, durch den das wirkliche Sein holzschnittartig hervortritt.

    Diese Beschreibung umfasst auch das (von Linken gepflegte) Verständnis von Satire als „Waffe der Ohnmächtigen gegen die Mächtigen“, die sich mit einigem Recht auf Tucholsky berufen kann.
    Doch es gibt dafür auch historische Beispiele: Etwa „jüdische Witze“, die man auch als Überlebensstrategie unter schrecklichen Zeitumständen begreifen kann.
    Demgegenüber zeigt der „rheinische Karneval“ im 3. Reich, mit der systematischen Verhöhnung von Juden, die widerwärtigen Aspekte einer „humorbefreiten Satire“ auf.
    Dies kann auch als Warnsignal für Perversionen wie Verschwörungs-„Theorien“, etwa von Quer-„Denkern“ angesehen werden.

    Das eben genannte „linke“ Verständnis ist aber nicht umfassend genug.
    Auch bei Tucholsky gibt es zahlreiche Satiren (etwa die über „Herrn Wendriner“), die Verhaltensweisen des „kleinen Mannes“ aufs Korn nehmen. Entscheidend dabei ist, dass das augenzwinkernde Verständnis für diese „kleinen und großen Schwächen“ nie verloren geht: Die Antwort „Alles“ auf die Frage „Was darf Satire?“ muss also in ihrem korrekten Kontext verstanden werden. Sie darf nicht, wie „humorbefreite“ Möchtegern-Satiriker es tun, absolut gesetzt werden.
    Das Postulat der Menschenrechte und § 1 GG gelten auch für Satiriker: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

    Es ist also zu kurz gegriffen, Dieter Nuhr deshalb anzugreifen, weil er auch FfF und Greta Thunberg als Sujet nimmt. Das darf er. Doch die Grenze des Erträglichen ist deutlich überschritten, wenn er diese in den Zusammenhang einer Assoziation mit dem „3. Weltkrieg“ stellt. Bösartige Unterstellungen sind auch der Satire verboten.

    Dies wären meines Erachtens wesentliche Kriterien, die an Produktionen anzusetzen wären, die den Namen „Satire“ für sich in Anspruch nehmen.

    Wer unter den gegenwärtigen „Comedians“ (wie die meisten Anglizismen eine Vulgarisierung der deutschen Begriffe „Kabarett und Satire“) den genannten Kriterien am ehesten entspricht, darüber kann man sicher streiten. Auch, wenn ich Kabarettisten vom Format eines Dieter Hildebrand schmerzlich vermisse, würde ich dies auch der „Anstalt“ am ehesten zubilligen. Die Machart von Jan Böhmermann entspricht nun nicht meinem Geschmack, aber man sollte sich gegenüber neuen Formen auch aufgeschlossen zeigen.

    Bliebe noch die Aufgabe, die genannten theoretischen Ausführungen am konkreten Beispiel zu überprüfen.
    Als wir uns neulich über „Gendern“ unterhielten, fiel mir auf, dass – meines Wissens – noch niemand versucht hat, sich dem Thema satirisch zu nähern. Dabei schreien die immer offensichtlicher werdenden Widersprüche, insbesondere zwischen Anspruch und Realisierung, geradezu danach.
    Ich habe daher begonnen, mich selbst daran zu versuchen, in Form eines satirischen „Gender-Kurses“ für Anfänger. Ich werde dies demnächst auf meiner Website veröffentlichen und ggf. (evt. in Auszügen oder als Fortsetzungsreihe) auch anderen Medien anbieten. Es aber gerade mal en passant zu streifen, erscheint mir nicht angemessen. Deshalb verzichte ich erst einmal darauf, die Thematik hier fortzusetzen. Gelegenheiten werden sich sicher noch ergeben.

    Ein Hinweis noch:
    Im „Freitag“ gab es dazu neulich einen sehr lesenswerten Artikel vom Sexualwissenschaftler Kurt Starke :
    https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/jenseits-von-geschlecht

  5. Jürgen Malyssek sagt:

    Lieber Herr Engelmann,

    gut, dass es mit der Postsendung geklappt hat. Lassen Sie sich Zeit, man muss das Buch auch nicht geradewegs von vorne nach hinten lesen. Es geht auch kapitelweise.

    Was das Thema Satire betrifft, so war dies für mich immer eine Lebensbegleitung. die Verwandschaft zum Schwarzen Humor ist mir auch wichtig zu erwähnen.
    So etwa seit den ganz alten Zeiten des Kabaratts der Münchener Lach- und Schießgesellschaft, des Düsseldorfer Kommödchen oder des schrägen Wolfgang Neuss.
    Zuletzt natürlich Georg Schramm!
    Matthias Beltz erwähnte ich auch.
    Es gab und gibt so viele gute Satiriker/ Kabarettisten, Henning Venske! Andreas Rebers! die Kölner Mitternachtsspitzen mit Jürgen Becker und Schmickler!!
    Ich weiß im Moment nicht, wie man den legendären Helmut Qualtinger einordnen sollte, aber er war großartig!
    Mathias Richling! Gerhard Polt! Und in Bayern sind immer wieder starke Leute, die dort förmich auch dem Boden wachsen.

    Im Laufe des Mitverfolgens der Szene, habe ich mich aber von Dieter Nuhr verabschiedet, ich will ihn einfach nicht mehr sehen und hören. Bei Frau (Lisa?) Eckhardt bin ich noch nicht klar. Sie hat sowas genial Bösartiges, was auf das tief Hintergründige hinweist.

    Der Hinweis bei Wikipedia auf das Absurde, ist unbedingt ein Aspekt, der zur Satire gehören sollte.
    Jan Böhmermann ist jetzt nicht meine Priorisierung. Aber seine Frische, die er reinbringt in die Szene, da kann ich immer mal und gerne dabei sein.
    Dennoch: Tucholsky bleibt der Ausgangspunkt.

    Ja, der Artikel von Kurt Starke in freitag, ist lesenswert. Fast schon überraschend für den freitag, mit dem ich immer mehr Bauchschmerzen kriege. Und in irgendeinem anderen Zusammenhang, beginne ich die Kommentare von Jakob Augstein nicht mehr zu verstehen!? Alle Corona-Texte von einer journalistischen Überheblichkeit gegenüber alles, was Staat zur Abwehr der Pandemie unternommen hat, so dass ich mir manchmal wie auf dem Marktplatz von „Querdenkern vorkam. Das so am Rande.

    Zur Gender-Sprache-Debatte hat mich inzwischen eine totale Müdigkeit gepackt. Ich bin sehr nahe bei Kurt Starke und ansonsten reiche ich zu diesem Thema meinen restlichen Urlaubsanspruch ein. Noch nicht mal nach Satire ist mir zumute.

    Alles Gute!

  6. Adolf und Ilse Wich sagt:

    Auch wir hatten unser Erlebnis mit Menschen, die sich ländlicher Gefilde erfreuen, sich dann aber von den Begleitumständen gestört fühlen. Der im Artikel erwähnte Hahn vor den französischen Gerichtschranken hat uns animiert, von folgender Begebenheit zu berichten: Urlaub an der türkischen Adria. Jeden Morgen in der Frühe weckte uns ein Hahnenschrei. Willkommener Anlass, sich noch einmal umzudrehen. Andere Hotelgäste fühlten sich gestört und es hagelte Beschwerden. Bald konnten wir beobachten, wie zwei Männer den Hahn aus dem Gehege nahmen und mit lachenden Gesichtern zur Küche brachten. Der Hahn schrie nicht mehr. Nach heimlicher Verschwörung mit anderen Gästen beschwerten wir uns darüber. Man versicherte uns, er wäre zu einem auswärtigen Platz gebracht worden und würde noch leben. Wir waren uns aber sicher, dass am nächsten Tag Hähnchenteile am Buffet lagen.

  7. Jürgen H.Winter sagt:

    @ all
    es gibt noch einen Aspekt, zum Thema Satire. Unser 1. Fernsehprogramm, das Gebührenträchtige. Das ist das Gegenteil von Satire. Da kommt ein Dieter Nuhr gerade Recht. Meiner Meinung nach der Hofnarr des Programms.Früher gab es einen Volker Pispers, der nannte die Dinge beim Namen, das war wohl nicht erwünscht, ab in den Orkus. Da ist doch jemand, der die Waldschützer veralbert, gar das Waldsterben in den Bereich der Fabel verbannt, genau richtig.
    Vor ein paar Tagen zu später Stunde, eine Sendung zum Thema grüner Strom. Na, dachte ich, zu später Stunde, vielleicht doch Kritik ? Es war Kritik, aber so was von Rumgeeier, bloß niemand wehtun, aber das ist schwierig, erklären sie doch mal jemand, weshalb man eine Firma gründen muss, wenn man nur etwas Sonne zu Strom machen will ! Und natürlich kein Wort über Absichten und Hintergründe. Irgendwo im Hintergrund waberten Kapitalgründe mit Beharrungseffekten, es war schon fast lustig, wie sehr man versuchte den Hund zu waschen aber ihn nicht nass zu machen. Das Gegenteil von Satire eben, und dafür ist Herr Nuhr da, hofnarr, wobei er aber mit dem Stromprogramm nichts zu tun hatte.Schöne neue Welt, wie soll das was werden ??

  8. Bronski sagt:

    @ Jürgen H. Winter

    „… das war wohl nicht erwünscht, ab in den Orkus …“

    Dazu folgende Information von Volker Pispers direkt:

    „Nach 33 Jahren auf der Bühne habe ich beschlossen, dass es Zeit für eine Auftrittspause ist. Und weil ich beim besten Willen nicht sagen kann, wie lange diese Pause dauern wird, ist sie zeitlich unbefristet.“

    Nachzulesen auf seiner Webseite.

  9. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Jürgen H. Winter
    @ all

    Ja, der Volker Pispers, der war auch gut. Wo ist er?
    Wenn man so mit dem Blödeln auch was anfangen kann, dann ist ein Sebastian Pufpaff keine schlechte Wahl: „Noch nicht Schicht!“
    Bei Dieter Nuhr versuche ich’s erst einmal über die Verdrängung.
    Insgesamt kann man für das deutsche Kabarett sagen: Es hat eine Mehrheit von Akteuren, die Tucholsky weiter in ehren halten!

  10. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Danke für die Info: Volker Pispers ist also noch da.