FR-Forum vom 18. bis 23. Januar

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Forum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Zuschriften des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Zuschriften, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

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Forum vom 18. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Renate Kucharczyk, Klaus Kleineberg und Miriam Farhat zur Situation an Schulen und Universitäten in der Pandemie (veröffentlicht ab hier), von Carmen Horstmann zur Impfbereitschaft des pflegenden Personals (veröffentlicht hier), außerdem von Reinhold Richter zum Thema Homeoffice und von Jutta Maria Roth zum Aufruf von Abgeordneten, Flüchtlingen zu helfen (beide gleich hier, siehe unten).

Seite zwei

Zuschriften mit regionalem Bezug von Eckhart Lampert zum Impfstart und den beschwerlichen Wegen für ältere Menschen, um zur Impfung zu kommen (veröffentlicht hier), von Johannes Kasper zu Äußerungen des Chefs des Frankfurter Gesundheitsamts u.a. zu Infektionen an Schulen (veröffentlicht hier), außerdem von Jürgen Antes zum Babylieferservice Marke Adebar, von Ursula Langer zur Verkehrswende, Ute Dollberger zu den Finanzen der Stadt Frankfurt und von Dieter Obst zur Besetzung der Stelle der hessischen Vertriebenenbeauftragten (alle gleich hier, siehe unten).

Vieles wird sich ändern

Homeoffice: „Wenn das Büro zur No-Go-Area wird“, FR-Tagesthema v. 12. Januar

Das Thema Homeoffice ist weder bei Arbeits-, Steuer- oder Familienrechtlern, noch bei Virologen richtig angesiedelt. Das Thema gehört auf eine höhere Ebene, da erkennbar ein gesellschaftlich globaler Paradigmenwechsel durch Corona in Gang gesetzt wurde. Schnell wird der richtige und verantwortungsvolle Umgang mit dem Thema zum Standortvorteil für effizientes Arbeiten (und stressfreieres Leben) . Vieles wird sich verändern. Allein, dass Arbeit nach Leistung und nicht mehr nach Anwesenheit beurteilt wird, wird unvollstellbare Diskussionen in Gang setzen. Wertkonservative Vorgesetzte, leidenschaftslose Mitarbeiter:innen, allzu kontakfreudige Beschäftigte, frontalunterrichtende Teamleiter:innen – es wird der Gesellschaft schwer fallen, diese von einer neuen Arbeitswelt zu überzeugen. Und die Auswirkungen auf den Immobilienmarkt, die Auslastung der Infrastrukturen, Schulen, Kinderbetreuungen und Freizeitaktivitäten sind zu diskutieren. Leben in der Provinz, Entlastung der bislang so begehrten Großstädte beim Thema Wohnen, aber auch Umstrukturierung der Kaufmeilen – alles neu zu überdenken. Und das möglichst unter Einbeziehung aller Aspekte. Wie gesagt, keine Aufgabe nur für eine/n Fachmann/Fachfrau.

Reinhold Richter, Obertshausen

fr-debatteEine gute Botschaft

Erwiderung auf „Erbarmen mit der Welt“, FR-Forum vom 9. Januar

Der Appell der Bundestagsabgeordneten hat, soweit ich informiert bin, auf Entscheidungsebene  noch keinen Widerhall gefunden. Einen solchen Appell hätte ich mir auch von den beiden christlichen Kirchen gewünscht.

Ich hatte ab Oktober diesbezüglich an meine ev. Gemeinde, an die Kirchenkreisleitung, an den Präses der Rheinischen Landeskirche sowie an den EKD-Ratsvorsitzenden geschrieben , jedoch keinerlei Antwort erhalten. Ein solcher Appell wäre eine gute Weihnachtsbotschaft gewesen“.

Jutta-Maria Roth, Königswinter

fr-debatteDer Umwelt verschrieben

Zu „Rauscher“: „Aushilfsjonb“, FR-Regional vom 11. Januar

Da irrt sich aber Frau Rauscher gewaltig („Aushilfsjob“, 11.1.). Meister Adebar hat den Baby-Liefer-Service schon längst eingestellt, benötigt also auch keine Aushilfe mehr. Die Vögel haben sich neuerdings vielmehr der Umwelt verschrieben und helfen dem Schornsteinfeger mit ihren Messfühlern bei der Überprüfung der Emissionswerte aus den Kaminen, wie das Foto aus der Nachbarschaft zeigt.

Jürgen Antes, Frankfurt
(auch Foto)

fr-debatteSo geht es nicht weiter mit dem Verkehr

Erwiderung auf „Ohne Umbau bleibt alles wie es ist“, FR-Forum vom 9.1.

Es ist eine Mär, die immer noch in den Köpfen drin ist, dass nur der Autoverkehr den großen Umsatz in der Innenstadt bringt. Radfahrende und Fußgänger/innen gehen nachgewiesen häufiger in die Stadt und lassen dort genauso viel Geld wie die Menschen, die mit dem Auto anreisen. Die Waschmaschine oder Stereoanlagen kann geschickt werden, sie kann offline in der Innenstadt gekauft werden und die jeweiligen Geschäfte haben in der Regel ein System, zur Anlieferung.
Das bedeutet, dass das Argument, dass die Stadt für den Umsatz autogerecht bleiben muss nicht mehr gilt. Wir brauchen dazu viele Gesprächskreise, Diskussionsforen zum Thema zur Gestaltung einer lebenswerten Stadt. Neben den Gesprächen gehören auch praktische Versuche, damit sich Bürger und Bürgerinnen sowie Anwohnende vorstellen können, wie schön es ist wenn der Platz den zur Zeit das Auto einnimmt, anders genutzt wird. Ideen liefern uns andere Städte, z.B. in Frankreich, wo viele Plätze im Quartier ein Aufenthaltsort für die Nachbarschaft snd. Wir müssen den Mut haben und sagen, so geht es nicht mehr weiter, wir wollen uns wieder draußen aufenthalten ohne immer das Gefühl zu haben über einen Parkplatz zu gehen.

Ursula Langer, Wiesbaden

fr-debatteWir könnten die Ausgaben verschieben

Frankfurt muss sparen: „Es wird massive Einschnitte geben“, FR vom 13. Januar

150 Millionen sollen eingespart werde, aus einem Topf für Neubauten von einer Milliarde. Nach meiner, vielleicht naiven, Meinung, könnte man die gesamte Milliarde erstmal einsparen. Erstmal – soll heißen: Ausgaben verschieben um ein bis zwei Jahre. 900! Millionen für den Neubau der Städtischen Bühnen, 45 Millionen für die katholische Schule, ca. 48-52 Millionen für die Sanierung des Zoo-Gesellschaftshauses, davon 14 Mio’s für den Bau eines neuen Kinder- und Jugendtheaters. Des wievielten? Das Geld könnte denen zufließen, die derzeit versuchen finanziell zu überleben: den Künstlern der Städtischen Bühnen usw., den Gastronomen, denen die aus dem Arbeitslosengeldraster fallen, weil selbstständig, etc. Bin ich zu naiv? Trotzdem, Neubauten bringen kein Brot auf die Teller jener, denen es gerade unverschuldet schlecht geht. Es wäre doch an der Zeit, dass Frankfurter Politiker aller Couleur sich zusammen tun, und als ein Vorbild für andere Städte und Landkreise zuerst an die tägliche Not ihre Bürger denken. Theater spielen lässt sich vorläufig, wenn es wieder los geht, auch in den alten Häusern.

Ute Dollberger, Frankfurt

fr-debatteWofür diese Besetzung?

Zu: „Vertriebenenbeauftragte steigt auf“, FR-Regional vom 11. Januar

Generationen von Herren werden sich noch mit den finanziellen Folgen der „Coronapandemie“ zu beschäftigen haben. All dies scheint Innenmister Peter Beuth (CDU) nicht zu stören. Eine „altgediente Parteisoldatin“, Frau Margarethe Ziegler-Raschdorf, soll als Landes-Vertriebenenbeauftragte nunmehr nach B6 (rund 7600 Euro pro Monat) vermutlich pensionswirksam besoldet werden. Erschwerend kommt hinzu, dass sie über einen Stab von mehreren Personen (Büroleiter und vier Mitarbeiterinnen) verfügen soll. Es stellt sich die Frage, für was? Ein Insider berichtete, dass „hier eigentlich nicht mehr viel zu bewegen sei.“ Es bleibt zu hoffen, dass hier Kraft Amtes „Der Hessische Rechnungshof“ und „Der Bund der Steuerzahler“ initiativ werden und diese „Selbstbedienungsmentalität“ rechtzeitig vor der Kommunalwahl an den Pranger stellen.

Dieter Obst, Wiesbaden

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Forum vom 19. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Hinrich Eylers, der von seinen Versuchen berichtet, sich für die Corona-Impfung anzumelden (veröffentlicht hier), von Nikolaus Jöckel und Dieter Hartwig zur Frage, ob Noch-Präsident Trump in seinem Recht auf freie Meinungsäußerung beschnitten wurde, da Twitter, Facebook und andere seine Accounts gesperrt haben (veröffentlicht ab hier), außerdem von Hanne Strack zur Handball-WM in Ägypten, von Thomas Ewald-Wehner zur Wiederhebung der Vermögenssteuer und von Petra Brixel zur gendergerechten Sprache (alle drei gleich hier, siehe unten).

Alle sind gleich, manche sind gleicher

Handball-WM: „Einspielen ‚mit einer Tasse Tee in der Hand‘“, FR-Sport vom 15. Januar

Ich bin kein Sportmuffel, halte Handball für eine tolle Sportart, und doch sitze ich (fast) sprachlos vor den Bildern und Berichten rund um die Handball-WM. Solidarität und Fairplay hielt ich bisher für zentrale Begriffe im Sportgeschehen. Unserer Jugend werden sie eingetrichtert und schmackhaft gemacht durch Sportgrößen mit Vorbildfunktion. Wie müssen Jugendliche diese WM-Bilder empfinden, während sie selbst, sich an die (sinnvollen) Corona-Maßnahmen haltend, zu Hause mit den „Alten“ oder Freund:in sitzen und „Mensch ärgere dich nicht“ spielen?
Sie halten sich an Kontaktsperren, Abstandsvorgaben, ertragen die verschiedensten Schulregelungen geduldig, verzichten auf ihren Sport und das Austoben in der Gemeinschaft. Währenddessen tummeln sich die großen Vorbilder im abgeschotteten Luxushotel, beschweren sich über dortige Gegebenheiten, kein Hygieneabstand im Speisesaal zu anderen Mitessern. Hallo, fragt da vielleicht jemand nach dem Abstand vor den diversen Toren? Mokieren sich darüber, dass der eigene mitgebrachte Koch nicht an die ägyptischen Töpfe darf, und berufen sich darauf, dass bisher noch kein positiver Fall innerhalb der „Turnier-Blase“ aufgetreten sei.
Beim Handball der Großen wird geschwitzt, geatmet, gehustet, klar doch! Unsere Kinder dürfen in der Schule, findet diese mal statt, noch nicht mal singen! Geht’s noch absurder? Oder zeigt sich, dass Solidarität und Fairplay aufhören, wenn es ans finanziell Eingemachte geht? Leider eines von vielen Beispielen der Halbherzigkeiten und der Schlupflöcher, die diesem Virus geboten werden: Alle sind gleich, manche gleicher.

Hanne Strack, Rüsselsheim

fr-debatteWo bleibt die Strategie zur Umsetzung der Steuer?

Gastbeitrag: „Staatsverschuldung und Vermögensabgabe“, FR-Meinung vom 14. Januar

„Die Erhebung einer „Vermögensabgabe“ und folgend die Wiedererhebung der Vermögensteuer ist dringend geboten. Auch den Begründungen der Alternativwirtschaftswissenschaftler folge ich. – Was mir schon bei den in der FR von Linken-Politikerin Katja Kipping vorgetragenen Aspekten einer einmaligen Vermögensabgabe fehlt, ist eine beherzte Umsetzungsstrategie! – Die wirklich Reichen „ein Prozent“ in unserem Lande lassen sich doch nicht einmalig – mir nichts / dir nichts – 310 Milliarden Euro nehmen. Dann soll die wiedererhobene Vermögensteuer sie jährlich mit ca. 20 Milliarden Euro belasten … Die wirklich Begünstigten werden einer solchen – dem sozialstaatlichen Leistungsfähigkeitsprinzip folgenden – Besteuerung mit gewaltigem Druck und allen (medialen) Mitteln entgegentreten: Arbeitsplatzabbau, Kapitalflucht, „Neid-Debatten“, überbordende Bürokratie, übermäßige Besteuerung etc. – Vermögensabgabe und folgend Vermögensteuer wäre die Wende hin zu einer sozial gerechteren Besteuerung und das Ende des „neoliberalen Projektes“.
Wie soll das auch unter den Bedingungen von „Corona“ ins Werk gesetzt werden, in denen Versammlungen, Demonstrationen und andere Formen demokratischer Willensäußerungen allenfalls nur „rudimentär“ stattfinden können? – Die Parlaments-Linke ist „politisch-entschleunigt“ und macht ihre Hausaufgaben nicht. – Wo ist der Gesetzesentwurf für das zu schaffende Bundesgesetz „Vermögensabgabe“? – Auch das „Vermögensteuergesetz“ muss auf die Höhe der Zeit gebracht werden: Das „Vermögenssteuer-Änderungsgesetz“ ist in Euro, mit erheblich erhöhten persönlichen Freibeträgen und anderen notwendigen Aktualisierungen als Entwurf der Öffentlichkeit vorzulegen! Der ehemalige hessische SPD-Politiker Schäfer-Gümbel und seinerzeitige SPD-Co-Vorsitzende schlug für die verfassungskonform zu gestaltende Vermögensart „Grundvermögen“ – auch aus Steuervereinfachungsgründen – die Übernahme der Gesetzesregelungen für Zwecke der Erbschaftsteuer und Schenkungen vor.
Für das Großprojekt „Vermögensabgabe“ und „wiedererhobene Vermögensteuer“ müssen SPD und Partei Die Linke (Grüne!?) einen gemeinsamen Weg finden und Gewerkschaften, Sozialverbände und Kirchen mit ins Boot nehmen. Darunter ist „es“ wohl nicht zu machen und eine sozialstaatlich orientierte Steuerpolitik folgend nicht zu erreichen. – Noch fehlt eine politische Dynamik, die diese hochpolitische Initiative befördern hilft. – Wer nicht möchte, dass die Krise von den Nichtbegünstigten getragen wird, die die „Zeche“ zu bezahlen haben, wird noch einige gedankliche Arbeit leisten müssen und sich eine politische Mobilisierungsstrategie überlegen müssen.“

Thomas Ewald-Wehner, Nidderau

fr-debatteBleiben Sie sich treu!

Zu: „Weibliche Person, die etwas gemietet hat“, FR-Feuilleton vom 8.1.

Liebe Frankfurter Rundschau, es gibt keine Zeitung, die so tolle Glossen hat wie Sie, das ist unübertroffen. Wobei man manchmal nicht weiß, ob es eine bewusste Glosse ist oder eine Meinung, die so fein geschrieben wird, dass sie einer Glosse nahekommt.
Ein anderes Thema gelingt aber noch nicht: das gendergerechte Schreiben. Vor einigen Monaten haben Sie kundgetan, dass Sie nun nicht mehr Leser, auch nicht mehr Leser und Leserinnen, auch nicht mehr Leser*innen schreiben, sondern Leser:innen, mit Doppelpunkt in der Mitte, wo sich alle wiederfinden können. Wenn ich mir seitdem Ihre Ausgaben ansehe, so erscheint die Umsetzung aber rudimentär. Da geht alles durcheinander, jede Version wird benutzt. Natürlich kann (oder doch?) man/frau/divers nicht in den Artikeln von Gastbeiträgen oder in Interviews verbessern. Aber in eigenen Beiträgen sollte das zumindest der Fall sein. Wenn Sie nach wie vor die männliche Form benutzen, dann stört mich das sehr, unabhängig von Ihrem hohen Anspruch. Es gehört nun zum Stil der FR, dass gendergerecht mit Doppelpunkt geschrieben wird. Ansonsten werden Sie sich nicht treu. Das wäre schade.

Petra Brixel, Stuttgart

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Forum vom 20. Januar
An diesem Tag ist kein Forum erschienen
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Forum vom 21. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Swen Fromelius, Maximilian Ilg und Manfred Kirsch zur Wahl Armin Laschets zum neuen CDU-Parteivorsitzenden (veröffentlicht hier), außerdem von Heinrich Hörtdörfer, Wolf Göhring und Ulrich J. Heinz zum Otto von Bismarck und der Gründung des Deutschen Reichs vor 150 Jahren, von Siegfried Kowallek zu Neuwahlen in Thüringen und von Christa Rosenberger zu einem FR-Bericht über eine Fisch-Tierärztin (alle gleich hier, siehe unten).

Bis hin zur „natürlichen“ Rheingrenze

Bismarck: „Der konservative Rowdy“, FR-Feuilleton vom 13,. Januar

Man kann ja Herrn von Sternburg in den allermeisten seiner Aussagen nur zustimmen. Was für mich allerdings herausfällt ist der Begriff „Raub Elsass-Lothringens.
Es ist ja zunächst einmal so, dass Frankreich diesen Krieg schon längst irgendwie in der politischen Diskussion hatte und ihn dann auch erklärte. Die Kriegsziele waren zwar je mach politischen Lager etwas unterschiedlich, gingen aber grundsätzlich bis zur Herstellung – der aus französischer Sicht „natürlichen“ Rheingrenze. Es sollte auch nicht vergessen werden, dass bis zur Grossmannssucht von Wilhelm II seit Ende des 30-jährigen Krieges in dieser Ecke Europas Frankreich der permanente Aggressor war. Es musste allerdings nie „einen Preis“ für seine kontinuierlichen Niederlagen zahlen. Man kann deshalb mit dem gleichen „Recht“ sagen, dass Frankreich Elsass Lothringen vom „Heiligen Römischen Reich“ geraubt hat. Auf jeden Fall lebte Süddeutschland über diese mehr als 200 Jahre Geschichte in einer Art permanenter Angst vor französischer Aggression und Zerstörungswut. Bismarck hat die Annektion dieses Landstrichs zu Recht genau damit begründet. Vielleicht hat der Autor einfach auch vergessen, dass Landau und Philippsburg oder Saarlouis französische Festungen waren.
Nachbemerkung: Bismarck annektierten nicht das ganze Elsass. Die Festung Belfort, die zum Elsass gehörte, blieb französisch und wurde dann bis heute zu einem eigenen Department.

Heinrich Hörtdörfer, Heidelberg

Bismarck war ein Wegbereiter für die Nazis

Bismarck war schlimmer als nur ein „konservativer Rowdy“. Er war ideologischer und praktischer Wegbereiter der Nazis.
Bismarck war Anti-Demokrat, indem er 1848 den Versuch zu einer bürgerlichen Demokratie zusammenschießen ließ.
Bismarck war Anti-Semit, indem er sich weigerte, Juden zu Staatsämtern in einem christlichen Staat zuzulassen. Mit dieser Haltung lieferte er den Nazis die Blaupause zum Rauswurf jüdischer Beamter aus dem Staatsddienst.
Bismarck war Faschist, indem er Wilhelm II vorwarf, der notwendigen „blutigen“ Auseinandersetzung mit der Sozialdemokratie aus dem Weg zu gehen. Die Freikorps besorgten zunächst 1918/19 diese vom Kaiser „vernachlässigte“ Aufgabe. Hitler und seine Ahänger vollendeten sie mit dem Verbot zunächst der KPD, dann der Gewerkschaften und schließlich der SPD und der mörderischen Jagd auf ihre Mitglieder und der Errichtung der KZs.

Wolf Göhring, Bonn

Die „Grande Nation“ steigerte sich in Revanchismus

Der „konservative Rowdy“ dürfte den „Raub von Elsaß-Lothringen“ geschichtlich wahrhaftiger gesehen haben als seine bundesdeutschen Verurteiler. Wer raubte ursprünglich Wem?
„Vom Dreißigjährigen Krieg bis zu Napoleon war Deutschland ein Raum gewesen, in den Nachbarmächte ziemlich beliebig einmarschieren konnten. Und schon vom 16.Jahrhundert an hat Frankreich…seine Grenzen stetig …nach Osten verschoben“, hieß es treffend am 9.in der NZZ, Seite 45. Die Rücknahme des Elsaß und Teilen Lothringens 1871, die beim Wiener Kongreß 1815 an nachbarlichem Machtanspruch scheiterte, in das entstehende zweite Deutsche Reich hätte die ‚grande nation‘ verstehen können als Korrektur monarchischer Agression, wenn sie denn sich bereits als ‚republicaine‘ gefestigt hätte; statt sich dann in Revanchismus zu steigern. Die inzwischen bewirkte Assimilation der Eroberten setzte die Agression nur fort.

Ulrich J.Heinz, Marburg

fr-debatteGut für die innere Einheit

Zu: „Neuwahl in Thüringen auf der Kippe“, FR-Politik vom 13. Januar

Der vor knapp einem Jahr vereinbarte Stabilitätsmechanismus, um im Thüringer Landtag Mehrheiten zu ermöglichen, funktioniert ja dank des sachlich-pragmatischen Umgangs miteinander besser als von manchen erwartet. Insofern wäre der Verzicht auf die vorzeitige Neuwahl durch Auflösung des Landtags kein Nachteil für das Bundesland. Es gäbe aber noch einen weiteren Vorteil, fände die Neuwahl nicht vor der Bundestagswahl statt. Die Möglichkeiten für eine stabile Regierungsmehrheit würden sich erhöhen. Was vor der Wahl des nächsten Bundestags undenkbar ist, könnte bei einem vertrackten Wahlergebnis in Thüringen Wirklichkeit werden: eine Linken/CDU-Koalition. Daniel Günther, der CDU-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, brachte bereits im vorletzten Jahr eine Kooperation zwischen Linken und Christdemokraten über die kommunale Ebene hinaus ins Gespräch. Die innere Einheit brächte dieser Regierungsbildungsjoker gewiss voran.

Siegfried Kowallek, Neuwied

fr-debatteBeleidigte Fische

Zu: „Zeigt her eure Schuppen“, FR-Panorama vom 14. Januar

Die gut geschriebene Reportage in der FR über eine Fischtierärztin war ungewöhnlich und ungemein interessant zu lesen. Was hat mich dennoch daran massiv gestört? Mit keinem Wort war von der Gefühlslage der Patienten, in diesem Fall Fischen, die Rede. Es ging vorrangig um Untersuchungsmethoden, Lebensmittelgesetze und bakterielle Erkrankungen.
Ob die nach einer neuen Studie „hochkomplexen“ Tiere Ängste, Schmerzen oder Stress empfinden, war dem Text nicht zu entnehmen. Lange Zeit waren selbst Wissenschaftler der Ansicht, dass die stummen Geschöpfe weder Freude noch Schmerz kennen. Heute weiß man, dass Fische schmerzempfindlich und ängstlich sein können, dass sie um verstorbene Geschlechtsgenossen und Genossinnen trauern und dass sie gern ihre Zeit mit Freunden verbringen. So berichteten zum Beispiel (sensible) Koi-Besitzer, wie sehr die Fische das Streicheln durch Menschenhände genießen und wie sie sich „beleidigt“ in eine Ecke zurückziehen, wenn der eine dem anderen vorgezogen wird.

Christa Rosenberger, Sulzbach

fr-debatte

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Forum vom 22. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Michaela Mieth und Wolfgang Unger zu „Privilegien“ für Geimpfte (veröffentlicht ab hier), Peter Scheuermann mit einer „Impfstory“ (veröffentlicht hier), Peter Fröhlich und Sieglinde Haustein zum Thema Schule und Schulabschluss in der Pandemie (veröffentlicht ab hier), von Uschi Böss-Walter zum Thema Bekämpfung von Fluchtursachen (veröffentlicht hier), außerdem von Alfred Bein zu Bodo Ramelows Eingeständnis eines Fehlers (gleich hier, siehe unten).

Wenn das nur gutgeht!

Ramelow: „Aufrecht gen Canossa“, FR-Politik vom 11. Januar

So geht’s aber nicht, Herr Ramelow! Da stellt sich der Oberlinke und Thüringer Ministerpräsident einfach hin und gibt zu, dass er unrecht hatte, also einen Fehler gemacht hat, so ganz öffentlich. Das gehört sich einfach nicht! Durch sein verstörendes Verhalten hat er die ganze deutsche Polit-Nomenklatura gelink(s)t. Der will wohl neue politische Verhaltensregeln einführen? Wenn das mal gut geht und er nicht von seinen „Kollegen“ deshalb gemobbt wird!

Alfred Bein, Neu-Isenburg

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Forum vom 23. Januar
Leserforum 2 20190916Seite eins

Zuschriften von Martin Gülzow, Hans Schinke, Harald Fiedler und Ulrich Winter zum Thema Corona-Überbrückungshilfen (veröffentlicht hier und ab hier), Martin Langlitz mit einer „Impfstory“ (veröffentlicht hier), außerdem von Ellen Unterberg und Richard Hartmann zur Frage, ob der Paragraph 218 abgeschafft werden sollte (gleich hier, siehe unten).

Ungeliebte Kondome

§ 218: „150 Jahre Kriminalisierung sind genug!“ , FR-Politik vom 9. Januar

Darüber spricht niemand: Für viel schlimmer als Abtreibungen halte ich die vorsätzliche Schädigung und Körperverletzung des ungeborenen Kindes im Mutterleib durch Rauchen und Alkoholkonsum der „Eltern“ (ausdrücklich nicht nur der Mutter) sowie durch Umweltgifte; und wenn die Kinder geboren sind, dass sie verhungern oder erfrieren oder missbraucht werden. Die Männer sollten sich endlich mal an die Kondome gewöhnen, unabhängig von Tradition und Religion, damit könnte viel Leid verhindert werden.

Ellen Unterberg, Frankfurt

Selbstverantwortung für die Sexualität

Das ungeborene Leben muss nicht geschützt werden? Das ist der logische Schluss, wenn man der Position von Pro Familia und dem Interview in der FR folgt. Es gehe nur um das absolute Selbstbestimmungsrecht der Frau, vom werdenden Leben ist gar nicht die Rede (etwas anders als im Kommentar von Frau Herzberg). Zwei Argumente müssen sensibel bedacht werde: Es gibt einen Konflikt zwischen dem Lebensentwurf der Frau und dem Leben des ungeborenen Kindes. Da stehen keine absolute Positionen gegenüber. Und es muss verstärkt die Verantwortung für die gelebte Sexualität betont werden. Dazu gehört ausdrücklich auch der Schutz der Frauen gegen Missbrauch. Die Selbstverantwortung für die Sexualität und damit für die Unversehrtheit des Leibes muss neu kultiviert werden.

Richard Hartmann, Fulda

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39 Kommentare

  1. @ Bleiben Sie sich treu. Zuschrift von Petra Brixel, Stuttgart

    Die deutsche Sprache ist nicht nur die Sprache Deutschlands, sondern auch die Österreichs und eines großen Teils der Schweiz. Folglich basierte die Rechtschreibreform von 1996 auf dem Votum einer internationalen Sprachkommission, die aus Mitgliedern der erwähnten Länder Bestand. Auch deutschsprachige Minderheiten in Belgien oder Dänemark orientieren sich an diesen Beschlüssen. Allein deswegen stören mich Sprachimperialismus und Sexualisierung der Sprache, die Gender-Vertreter in militanter Weise an den Tag legen.

    Letztlich tragen diese zu einer kulturellen Spaltung bei. Ein typisches Beispiel dafür ist der in Vorbereitung befindliche Online-Duden. 12.000 Artikeln über Personen- und Berufsbezeichnungen soll jeweils ein zweiter, nämlich weiblicher, hinzugefügt werden. Da diese Erweiterung den Umfang um ein Drittel erhöht, wird sie nicht für die Druckausgabe übernommen. Ab 2022 wird es somit einen digitalen DUDEN für die Gender-Ideologen geben und einen gedruckten für Ästheten und denen, die investigativ lesen und schreiben. Allerdings wird die weltanschauliche Variante keine Sternchen oder Doppelpunkte enthalten.

    Nach meiner Erfahrung scheitert die Verständlichkeit von Texten extrem selten an mangelnder Konkretion von männlich und weiblich. Die Ursachen dafür sind eindeutig Wort- bzw. Spracharmut der Schreiber und Sprecher. Nicht zu unterschätzen ist die Absicht, durch sprachliche Verschleierung Leser und Zuhörer über tatsächlich verfolgte Ziele täuschen zu wollen. In einer Zeit, in der die Manipulation der Menschen durch unzulässige Vereinfachung komplexer Zusammenhänge bedrohlich zugenommen hat (man denke an Rechtspopulisten, Verschwörungsideologen oder Corona-Leugner), unterstützt eine vermeintlich gerechte Sprache die vorhandene Ungerechtigkeit. Wer formale Sprachkosmetik betreibt, setzt sich dem Vorwurf aus, Inhaltliches und damit Wesentliches nicht zur Sprache bringen zu wollen.

    Das Beispiel der „Bibel in gerechter Sprache“ zeigte vor 20 Jahren, dass eine Loslösung von den Ergebnissen historisch-kritischer Texterforschung zu religiösem Fundamentalismus führte und in dessen Folge zu einer weiteren Bedeutungslosigkeit der (evangelischen) Kirche. Ich hoffe, dass die FR nicht ein ähnliches Schicksal ereilen wird.

  2. Anja sagt:

    Ich teile die Meinung von Frau Brixel: Liebe FR, lasst Euch nicht davon abbringen. Petra Gerster von ZDF-heute hat der taz ein Interview gegeben, das ich genau richtig finde:

    https://taz.de/ZDF-Moderatorin-uebers-Gendern/!5741686/

    Da sagte sie unter anderem: „Sprache ist ja etwas Lebendiges. Sie verändert sich mit der Gesellschaft.“ Also müssen sich Veränderungen in der Gesellschaft auch in der Sprache niederschlagen. Das generische Maskulinum hat als Bollwerk dagegen bisher gut funktioniert, aber jetzt hat es ausgedient, und das ist gut. Wir müssen uns alle mehr Gedanken darüber machen, was wir mit Sprache machen und wen wir meinen oder auch nur mitmeinen. Also: Frauen nicht nur mitdenken oder mitmeinen, sondern auch nennen. So schwer ist das gar nicht.

  3. Martin Gülzow sagt:

    Wann beschließen wir die richtigen Corona-Maßnahmen?
    Nochmal Verlängerung des „Lock Downs“, der keiner ist, Appelle und Bitten an die Wirtschaft, mehr Home-Office zu ermöglichen und Symbol-Aktionen zu der Art der Schutzmasken, die wir nun benutzen sollen.
    Sind das alles vernünftige Maßnahmen, um – besonders angesichts der neuen Virus-Mutanten aus England – die Infektionszahlen wirklich runter zu drücken – oder lenken wir uns nur mit Alibi-Maßnahmen ab?
    Die Kultur und privaten Kontakte der Menschen miteinander werden abgewürgt – und die Wirtschaft läuft weiter zur Freude der Großaktionäre, die in der Krise von steigenden Börsenkursen profitieren?
    Warum wird die mit viel Aufwand und Kosten eingeführte Corona-Warn-App nicht weiterentwickelt, so dass wenigsten Datum und Uhrzeit eines „Risiko-Kontaktes“ angezeigt werden – damit ließen sich viel effizienter als bisher Infektionsketten aufdecken und unterbrechen. (Das kann dann natürlich bedeuten, dass ein relevantes Infektionsgeschehen in Betrieben oder in Schulen sichtbar würde).
    Und was ist mit den Corona Antigen-Schnelltests, die seit Oktober letzten Jahres zugelassen sind?
    Eine Freigabe des Apotheken-Verkaufs für Normalbürger (oder das unbürokratische Anbieten der Tests zum Beispiel in kommunaler zum Selbstkostenpreis) würde sofort dazu beitragen, infizierte Personen schnell zu erkennen und zu isolieren und damit weitere Corona-Infektionen unterbinden. Aber das würde gleichzeitig den Markt für die vielen zum Teil unseriösen privaten Testcenter, die mit den Schnelltests enorme Gewinne einfahren, austrocknen.
    Mein Fazit: es gäbe durchaus sinnvolle – zum Teil technische – Maßnahmen, um die Corona-Pandemie sinnvoll zu bekämpfen. Diese müssten nur von den politisch Verantwortlichen in Land und Bund umgesetzt werden – ohne ideologische Scheuklappen.

    Martin Gülzow
    63225 Langen

  4. Michaela Mieth sagt:

    Spätestens wenn alle Impfwilligen geimpft sind, sollte dieser Bevölkerungsgruppe die Möglichkeit gegeben werden, wieder in Restaurants, Kinos etc. zu gehen. Das wäre nicht nur ein Anreiz für die Impfung, sondern würde auch der Wirtschaft helfen. Wieso soll ich mich sonst impfen lassen, wenn ich danach genauso eingesperrt bleibe wie zuvor, nur weil wir evtl. durch die Zahl der Impfunwilligen das Virus nicht in den Griff bekommen? Hier sollten sich die Politiker einmal Gedanken machen, wer vor wem geschützt werden soll.
    Jeden Tag wird an die Bevölkerung appelliert, sich impfen zu lassen – aber solange man außer eventuellen Nebenwirkungen nichts zu erwarten hat, wird die Impfbereitschaft gerade bei den jüngeren demnächst vielleicht eher ab- statt zunehmen.

  5. Walter Unger sagt:

    Außenminister Maas bekommt Klassenkeile. Hatte er doch gewagt darüber nachzudenken, ob gegen das Coronavirus Geimpfte noch denselben Beschränkungen unterliegen müssten wie Nicht-Geimpfte.
    Dabei hat er nur etwas gesagt, das eigentlich selbstverständlich sein sollte. Selbstverständlich und „normal“ ist, dass sich mehr als eine Person mit mehr als fünf Personen aus verschiedenen Haushalten treffen darf. Dass man sich auch nach 19 Uhr in der Stadt und sogar weiter als 15 km vom Wohnort aufhalten darf. Dass man ins Museum oder Kino gehen kann. Dass man in andere Länder fahren oder fliegen kann ohne bei der Rückkehr 14 Tage die Wohnung nicht verlassen zu dürfen. Alles das sind keine „Privilegien“, sondern grundrechtlich geschützte Verhaltensweisen.
    Dass viele dieser Dinge wegen der Corona-Pandemie verboten sind (was man in den einschlägigen Verordnungen schamhaft als „Einschränkung“ bezeichnet), ist deshalb gerechtfertigt, weil nur so eine Ausbreitung der Pandemie gebremst werden kann. Die Verbote schützen also den Einzelnen vor Ansteckung und die Allgemeinheit vor einer Verbreitung des Virus.
    Wenn und sobald wissenschaftlich feststeht, dass Geimpfte sich nicht mehr anstecken und auch das Virus nicht verbreiten können, entfällt die Rechtfertigung für die Einschränkungen des Grundrechts der allgemeinen Handlungsfreiheit und anderer Grundrechte. Der Geimpfte bekommt damit kein Privileg. Vielmehr hat er einen Anspruch darauf, vom Staat nicht länger an der Ausübung der Grundrechte gehindert zu werden.
    Warum diese Aussage von Herrn Maas der Impfkampagne einen schweren Schaden zufügt, wie die Stiftung Patientenschutz meint, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil: Wenn es bekannt und bekannt gemacht wird, dass die Verbote für Geimpfte nicht (mehr) gelten, wird das jeden vernünftigen Menschen überzeugen, sich impfen zu lassen, anstatt weiterhin weitreichenden Verboten zu unterliegen. Und anderes als Frau Kokoska in ihrem Kommentar schreibt, ist Heiko Maas mit seiner Äußerung nicht „im falschen Film“. Seine Aussage erschüttert nicht „das Vertrauen der Menschen in die Politik“, sondern macht deutlich, dass die Verbote zwar im Augenblick notwendig sind, dass die Impfung aber „Licht am Ende des Tunnels“ verspricht. Wer lieber mit den Einschränkungen lebt als sich impfen zu lassen, sollte zu eigenen Schutz und dem seiner Mitmenschen auch die Konsequenzen tragen.

  6. Hans Schinke sagt:

    Corona ist derzeit ein gewaltiger Stresstest für unsere Gesellschaft und ein Prüfstein für die Belastbarkeit und Stabilität der Wirtschaft. Statt den erarbeiteten gesellschaftlichen Reichtum leistungsgerecht zu verteilen oder für eine schrittweise Reduzierung der Arbeitszeit zu verwenden, wurde ein viele Milliarden Umsatz schwerer Konsum-, Freizeit- und Unterhaltungsmarkt geschaffen. Corona deckt jetzt schonungslos die immanenten Risiken dieses kapitalistischen Geschäftsmodells auf, entweicht doch die heiße Luft aus der künstlich aufgeblasenen Nachfrage derzeit schneller als man denken kann. Auf Flugreisen und Kreuzfahrten kann man verzichten. Besprechungen und Kongresse sind inzwischen digital möglich. Auch in unserer schönen Heimat kann man sich mit den Kindern erholen. Shoppen muss nicht sein. Die Schränke sind ohnehin zu voll. Um Wirtschaft und Gesellschaft für die kommenden Herausforderungen krisenfest zu machen, muss sich erstens unsere Art zu wirtschaften grundsätzlich ändern. Zweitens muss der Konsum-, Freizeit- und Unterhaltungsbereich schrumpfen, leben wir doch schon seit langem ohnehin über unsere Verhältnisse. Und nicht zuletzt müssen sich Vermögende, wie vom DIW vorgeschlagen, mit einer einmaligen Abgabe an der Tilgung der Coronaschulden beteiligen. Schließlich haben insbesondere sie davon profitiert, dass der Staat als „Gesamtkapitalist“ den Laden mit seinen Milliardenschulden am Laufen gehalten hat, während die kleinen Gewerbetreibenden ins wirtschaftliche Nichts abgestürzt sind.

  7. Harald Fiedler sagt:

    Mehr Unterstützung für Betriebe die durch Corona in Schwierigkeiten geraten ist wichtig, auch wegen der Arbeitsplätze. Warum das aber alles aus Steuergeldern gezahlt werden soll ist nicht einleuchtend. Gesetzlich muss ein Solidarfond eingerichtet werden in den die Profiteure der Pandemie, wie Amazon, Lidl, Rewe, Aldi usw. einzahlen. Aus diesem Topf sind dann die Zahlungen an gefährdete Unternehmen zu zahlen. Die Berechnungsgrundlage ließe sich einfach gestalten. Das was diese Unternehmen im Vergleich zum Vorjahresmonat mehr verdient haben fließt in den Solidarfond. Warum greifen die Medien und insbesondere die täglichen Talkrunden in ARD und ZDF das nicht auf?

  8. Ulrich Winter sagt:

    Eine Vereinfachung beim Zugang zu Corona-Hilfen für notleidende Unternehmen will Peter Altmaier – wer fände das nicht gut? Leider sind dem Wirtschaftsminister die Monatsnamen durcheinander geraten: Die Novemberhilfen im Januar noch nicht voll ausgezahlt, die Dezemberhilfen konnte man ab 23.12. beantragen, ab Ende Januar soll regulär gezahlt werden. Vielleicht stimmt das Timing bei der Überbrückungshilfe III, bereits Ende Oktober angekündigt, ab Januar sollten zumindest Abschlagszahlungen fließen? Nein, da gibt es heute noch nicht einmal Antragsformulare, nach dem Handelsblatt könnte es März bis zur Auszahlung dieser Hilfe werden. Kleinbetriebe, die am 16.12. schließen mussten, könnten doch anteilig Dezemberhilfe beantragen? Ein Blick auf die Homepage des BMWI: Das geht nur über die fiktive Überbrückungshilfe III. Ein Grund fürs Chaos sind Verzögerungen bei der Programmierung der notwendigen Softwarelösung für jeweils verschiedene Hilfsprogramme. Den Programmierern kann man keinen Vorwurf machen, wenn sie jetzt auf Altmeiers neue Nachbesserungen warten, anstatt das Programm Ü III fertigstellen zu können. Leidtragende sind besonders viele kleine Soloselbständige, die ihre Geschäftsmiete nicht zahlen können, vor dem Rauswurf stehen und übergangsweise ALG II beantragen müssen. Bleibt zu hoffen, dass die FR diesen Skandal intensiv zum Top-Thema macht und Hintergründe aufdeckt.

  9. hans sagt:

    Man sollte Hilfen daran festmachen ob sie zukunftsfähig sind und Arbeitsplätze retten. Die Hilfe für unschuldig in Not geratene Menschen heißt schon viel zu lange Hartz 4. Das kann man reformieren und verbessern. Das sollte schon lange gemacht werden, aber es braucht keine neuen Formen der Hilfe außer es werden Arbeitsplätze gerettet. Wie soll man diese auch gegenüber Menschen begründen die die letzten 10 Jahre unschuldig in Harz 4 gelandet sind.

  10. Hartmut Seifert sagt:

    Wer Mobbing-Opfer ist, für den ist es eine wahre Freude, nicht zur Schule zu müßen. „Kitas“ braucht es nicht, denn daß beide Elternteile arbeiten ist ohnehin Quatsch. Das trug nur weiter zur Senkung der Geburtenrate bei.

    Eltern überfordert? Man hat eben die Erziehung an den Staat delegiert, das muß sich wieder ändern. Früher war es, neben den Eltern, besonders der Klerus, der diese Aufgabe übernahm, was auch weitaus besser war, da 1) das Seelenheil vom Glauben abhängt 2) dieser, d.i. Christus, zur Demut, zu Anstand, Disziplin, Keuschheit usw. usf. anleitete.

    In den USA gehören die „homeschooler“ zu den gebildetesten Kindern, auch Latein und Griechisch wird dort zum Teil gelehrt. Niemand braucht „Karottenkönige“ und ähnlich Verkommenes.

  11. Hartmut Seifert sagt:

    Zu meiner ersten Bemerkung — berufstätige Frauen — siehe z. B. F. Roger Devlins Arbeiten, z. B. „Sexual Utopia in Power“, übersetzt als „Sex – Macht – Utopie“. Frauen, die arbeiten, drücken nicht nur die Löhne, sondern enden alleine, da diese von Natur aus hypergam sind, sie also „nach oben heiraten“: nur ist das kaum noch möglich, wenn man als Mann zum Teil weniger verdient (auch wenn Männer weiterhin im Durchschnitt mehr verdienen, da deren Ausbildungen besser sind und diese weniger Geld ausgeben).

  12. Rasmus Ph. Helt sagt:

    Der Kompromiss von Bund und Ländern führt noch nicht weit genug, auch wenn es richtig erscheint, am Ende einen sehr pragmatischen Weg zu wählen und nicht auf eine leere Symbolpolitik wie etwa der Marke Markus Söder zu setzen, wo häufig mehr die persönliche Inszenierung als bayerischer „Corona-Cowboy“ als die wirkliche Effiziens der Maßnahmen im Mittelpunkt steht. Schließlich wurde mit einer besseren Ausstattung der Gesundheitsämter wie zum Beispiel durch eine großflächige Einstellung von computeraffinen studentischen Aushilfen für die Nachverfolgung von Infektionsketten einer der wichtigsten Punkte überhaupt zur Bekämpfung der Corona-Pandemie vom von Helge Braun geleiteten Kanzleramt komplett vergessen. Deshalb bedarf es hier dringend einer besseren politischen Selbstreflexion, zumal ebenfalls die SPD trotz der Notwendigkeit von mehr Homeoffice keine geringe Gefahr läuft, sich ausgerechnet im Jahr einer Bundestagswahl als eher arbeitnehmerfeindlich darzustellen, wenn sie das Ziel vor allem über gefühlte bürokratische „Schikanen“ im Büro und nicht positive Anreize oder einen Rechtsanspruch erreichen will!

  13. Winfried Kallabis sagt:

    Im Leitartikel vom 16.1. spricht Steven Geyer genau da aus, was ich schon seit geraumer Zeit denke: Während immer schärfere Einschränkungen des Privatlebens und der Bewegungsfreiheit- beschlossen werden, ist das Verhalten der Politik gegenüber großen Teilen der „Wirtschaft“ frappierend kulant! Kindern und Jugendlichen werden gerade wieder Bildungschancen und Entwicklungsmöglichkeiten genommen – durch mehr oder weniger stark eingeschränkten Schulbetrieb.
    Doch wo sind schärfere Maßnahmen für die Mitarbeiter in Betrieben und Büros, welches Ordnungsamt kontrolliert dort die Einhaltung bestehender Regelungen? Wie man liest, war die Anzahl der im Homeoffice Arbeitenden im ersten Lockdown doppelt so hoch wie aktuell. Die Bundeskanzlerin beließ es zuletzt bei einem Appell, großzügige Homeoffice-Möglichkeiten zu schaffen! Wie so oft: Keine zwingenden Auflagen für die „Wirtschaft“, aber weitere Pflichten und Verbote für das Privatleben!
    Leittragend sind – neben den kinderbetreuenden, überlasteten Eltern – schon wieder die Jüngeren, denn sie haben keine Lobby. Es geht für die Kinder gar nicht primär darum, Englisch oder Mathe zu lernen. Es geht darum, Sozialverhalten einzuüben, Freunde zu treffen und Regeln zu praktizieren oder mal zu übertreten, erst recht, weil Sportveranstaltungen und andere Aktivitäten nicht stattfinden.
    Voraussetzungen für einen geregelten Schulbetrieb hätten längst geschaffen werden können (wie beispielsweise alle Klassenräume mit Lüftern auszustatten). Auch müssen endlich verbindliche Regeln her, bis zu welcher Inzidenz und für welche Altersgruppen Präzedenzunterricht, Wechselunterricht oder Homeschooling stattfindet usw. Leider ist es so: Kinder und Eltern haben keine Lobby! Doch sie haben einen Anspruch, dass sie mindestens genauso ernst genommen werden wie die „Wirtschaft“.

  14. Peter Boettel sagt:

    Es wirkt schon abenteuerlich, wenn „Navalny-Minister“ Maas inmitten zahlreicher Forderungen von Politikern, Ärzten, Verbandsfunktionären etc. meint, ebenfalls eine Idee im Rahmen der Corona-Pandemie äußern zu müssen. Wie Tanja Kokoska im Kommentar „Im falschen Film“ in der FR vom
    18.01.2021 zu Recht die Frage stellt, ob das Thema „Impfflicht“ zu den Kernkompetenzen des Außenministers gehört, muss man annehmen, dass Maas etwa Langeweile hat, wenn er sich in der Bild-Zeitung in die vielen selbsternannten Corona-Experten einreiht.
    Dass sein Vorschlag, Geimpften in Lokalen und andernorts den Zutritt zu gewähren, zur Spaltung der Gesellschaft beitragen könnte, liegt auf der Hand. Abgesehen davon würde es den Gastwirten wenig helfen, lediglich über 80-Jährige im Lokal zu bewirten, da der Aufand hierzu in keinem vertretbaren Verhältnis zum gewünschten Erfolg stünde. Auch besteht die Frage, ob und auf welcher Rechtsgrundlage die Gastwirte die Impfpässe ihrer Gäste kontrollieren müssten. Ebenso ist bisher keineswegs nachgewiesen, ob Geimpfte tatsächlich immun sind, und damit eine Ansteckungsgefahr verringert oder ausgeschlossen wird. Daher ist der Aussage in dem Kommentar, dass „solche „Debatten“ das Vertrauen der Menschen in die Glaubwürdigkeit von Politik erschüttern, vorbehaltlos zuzustimmen.
    Wenn Maas meint, sich zur Impfflicht sowie unablässig zum immer noch ungeklärten Einzelfall Navalny äußern zu müssen, sollte er sich doch – gerade aufgrund seiner Aufgabe als Chefdiplomat der Regierung – endlich zur katastrophalen Lage im Flüchtlingslager Kara Tepé auf Lesbos äußern, wo der Tod Tausender Menschen durch Verhungern, Erfrieren, Suizide, Rattenbisse, Tetanus etc. billigend in Kauf genommen wird, während die dort regierende Schwesterpartei der „C„DU lieber zusätzliche Milliarden für die Aufrüstung und damit den Tod weiterer Menschen ausgibt als den Menschen in Kara Tepé zu helfen. Aber bekanntlich bevorzugt Maas auch bei uns lieber die Verwendung von Steuergeldern zur Bewaffnung von Drohnen als zur Rettung von Menschenleben.

  15. Anita + F.W. Osterloh sagt:

    Das Thema Corona-Impfung und/oder -Beschaffung nimmt, aus lauter Aktionismus mancher Politiker, immer unkoordiniertere Züge an, mit der dazuführende Verunsicherung der Bevölkerung.
    Einige der Beteiligten sollten sich die Geschichte mit dem Ei des Kolumbus vergegenwärtigen. Dann würden Sie mehr Verständnis aufbringen, warum man nicht die richtigen Mengen Impfstoff bei den richtigen Erzeuger geordert werden konnten. Eine gesetzliche Impfpflicht zu empfehlen ist nicht nur kompletter Humbug, da nicht gesetzlich durchsetzbar, sondern sorgt für unnötige Unruhe bei den Impfverweigerer, was zur Folge hat, dass auf „Sturheit“ geschaltet wird. Man erreicht genau das Gegenteil des gewünschten Effekts und liefert Munition für die Rattenfängerparteien.
    Erstaunlich ist, dass gerade die erfreulich schnelle Entwicklung der verschiedenen Vakzine als Hauptargument für deren Ablehnung dient. Man befürchtet genetische Veränderungen, obwohl angesehene Wissenschaftler diese Möglichkeit komplett ausschließen.
    Auf der anderen Seite, haben viele Leute, die eine Impfung verweigern, keine Bedenken Medikamente zu nehmen, deren Beipackzettel auf mögliche, teilweise schreckliche Nebenwirkungen aufmerksam machen. Da stellt sich die Frage, warum man überhaupt vor eine Impfung Angst hat?
    Das Gebot der Stunde ist auf die Dinge zu harren, die kommen werden und hoffen, dass die anlaufende Impfkampagne uns von der schrecklichen Plage befreit.

  16. Martin Thurau sagt:

    Wie könnte man das Corona-Pandemiegeschehen einem kleinen Kind werklären? Vielleich so: pass auf, da sitzt so ein Weihnachtsmann oder Nikolaus da oben und beobachtet die Menschheit. Und als er das das bitterböse Treiben und die Sünden der Menschen nicht mehr mitansehen konnte, sagte er zu seinem Knecht: „es reicht, schick ihnen das Virus.“
    Und immer wenn Querdenker und solche, die es offenkundig werden wollen, die Wörter „Zeit nach Corona“, „Wirtschaft wieder auf das Niveau von vor Corona bringen“ und „weiter so“ in den Mund nehmen, stellt dieser Weihnachtsmann das fest wie ein strenger Lateinlehrer und sagt: „ah, sieh mal da, da will jemand wieder seine Hausaufgaben nicht machen! Knecht, lass die Muttation raus.“
    Gewiss ein sarkastisches Gedankenmodell, aber das Treiben der Menschheit legt es zumindest mir nahe. Und so verwerflich erscheint es mir nicht unter dem Aspekt, dass meine Frau, mein Hund und ich gern die nächsten entsetzlichen Klimakatastrophensommer überleben würden, die durch Corona-Ignoranten bis in die höchsten Reihen, denen TUI und Lufthansa wichtiger sind als Fahrradwege, wohl mehr angefeuert werden als durch diejenigen, die bereit wären, aus Corona zu lernen.

  17. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Martin Thurau

    Kann mit Ihrem Sarkasmus durchaus was anfangen.
    Hartes Brot, die Lernfähigkeit des Menschen und insbesondere im verwöhnten Westen, wo bereits das Tragen der Schutzmaske unter Freiheitsberaubung fällt.

  18. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek, 25. Januar 2021 um 13:39

    Auf diesem Wege, lieber Herr Malyssek, erst mal einen schönen Gruß an Sie und alte Blog-Kempen (und -Kempinnen).

    Es freut mich zu lesen, dass Bronski einen Blogtalk zu Ihrem Buch „Wohnungslose Menschen“ angekündigt hat und ich habe auch fest vor, mich da wieder zu beteiligen. Zufällig bin ich bei der Recherche bei altem – und gutem – Meinungsaustausch aus den Jahren 2016 und 2017 gelandet und habe mich daran auch gern wieder erinnert.
    Gegenwärtig bin ich vorwiegend anderweitig beschäftigt bzw. präsent, viel auch im FR-Forum zur aktuellen Politik (wo man mich ja schon eine Zeitlang herausgeworfen hatte).

    Die aktuellen Diskussionen, so die zu Corona, habe ich nur sporadisch verfolgt. Im Wesentlichen teile ich da Ihre Position. Mit der Zeit gehen mir diese Diskussionen aber auf den Geist.
    So sind wir hier in Frankreich schon seit vielen Wochen mit scharfen Ausgangsbeschränkungen (ab 18 h) konfrontiert und haben das auch überstanden. Und eine Kusine, die regelmäßig ehrenamtlich in einem Altersheim aushilft, berichtet häufiger von dem traurigen Sterben, mit dem sie da konfrontiert ist.
    Da kann ich so manche Aufregung in Deutschland nicht mehr recht nachvollziehen.

    Dann also bis demnächst!
    Werner

  19. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Lieber Herr Engelmann,

    das freut mich sehr, mal wieder von Ihnen zu hören und ich hoffe, dass es Ihnen soweit gut geht, höre auch heraus, dass Sie in dieser allgemein schwierigen Lage doch zurecht kommen.

    Ja, wir hatten seinerzeit guten Meinungsaustausch und konnten dadurch voneinander lernen, auch bei Unterschiedlichkeiten. Da denkt man gerne dran.

    Die Corona-Zeit ist sicher keine leichte Zeit, aber für alle die, die das Virus hart und lebensgefährlich getroffen hat, die wissen, was existenzielles Leid heißt!

    Wir anderen, die wir bisher davon gekommen sind, sollten etwas bescheidener werden mit unseren Ansprüchen und Erwartungen. Vor allem – siehe aktuelle Diskussionen – nicht systematisch Politik und Regierungen anmachen, bei jedem Fehler, jeder Verspätung, jeder Einschränkung. Mann, ist das leicht! Keiner hat sich diese Pandemie ausgesucht, auch wenn sie größer gedacht, viel mit unserer Lebensweise zu tun hat.
    Aber jetzt ist Notlage, weltweit. Und da muss alles für Rettung versucht werden.
    Seit nun fast einem Jahr müssen Politik, Wissenschaft und Bevölkerung eine sich weltweit ausgebreitete Pandemie zu überwinden versuchen. Was nichts anderes heißt, dass nichts so ist wie bisher und das in vielfach einschränkender Weise. Wie auch anders?

    Solange wir besonders hier in der westlichen Welt (mit dem vielen Wohlstand)uns nicht die Mühe machen, über den eigenen Gartenzaun zu schauen, wird das nix mit dem Lernen aus der Krise.

    Man erfährt von anderen v.a. armen Ländern, dass die Pandemie dort teils katastrophale Auswirkungen hat, auf Leben der Menschen und auf wirtschaftliche Lage.
    Das haben wir hier nicht, wo der große Geldsack ausgepackt werden konnte. Und dann wird weiter gejammert und jedem Fehler bis ins Essgefach nachgelaufen. Bestimmte Presseorgane verbreiten Angst und Schrecken, schüren die schon großen Unsicherheiten und begünstigen solche schrecklichen Gruppen wie die „Querdenker“ sich breit zu machen, u.a.m.

    Und wie Sie, Herr Engelmann, berichten, diese Konfrontation mit dem täglichen Sterben von Menschen, für alle diejenigen, die diese harte Arbeit in Heimen und Kliniken machen!
    Dann so manche Aufregung hier in deutschen Landen, die ich auch nicht wirklich nachvollziehen kann. Anders ausgedrückt: Es ermüdet mich und ich kann da auch sauer werden.

    Dann sage ich also auch bis demnächst. Und bleiben Sie tapfer und gesund!

    Und, wenn Sie Interesse an unserem Buch haben, melden Sie sich bitte.

    Jürgen M.

    Habe paar mal geklickt, ohne dass es klappte mit der Verschickung??? Sorry! Keine Ahnung.

  20. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek, 26. Januar 2021 um 1:01

    Danke, lieber Herr Malyssek, für die prompte Antwort.
    Was Ihre Ausführungen angeht, kann ich mich kurz fassen: Ich stimme in allen Punkten mit Ihnen überein. Besonders gilt das für die Nörgelei in einem Moment, wo Zusammenstehen erforderlich ist.
    Um einen Satz herauszugreifen:
    „Aber jetzt ist Notlage, weltweit. Und da muss alles für Rettung versucht werden.“
    Mir fällt da das schöne Hölderlin-Wort ein: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

    Gelegenheit auch, sich an Menschen zu erinnern, die noch ganz anderen Gefahren bzw. Notsituationen gegenüber gestanden haben. In meinem konkreten Fall etwa meine Mutter, mit 7 Kindern vor dem Nichts. (Mein Vater war 1946 von Tschechen hingerichtet worden. Gegenwärtig betreibe ich Recherchen zu den höchst dubiosen Umständen, wobei die Verblendung gegenseitigen nationalistischen Hasses wieder konkret greifbar wird.)

    Kurz zu unseren eigenen Erfahrungen unter Corona-Bedingungen:
    Unsere Aktivitäten im Rahmen des von uns gegründeten Flüchtlingshilfevereins „Liens 52“ mussten natürlich, was die Öffentlichkeitsarbeit angeht (insbesondere die regelmäßigen Französisch-Kurse), erheblich reduziert bzw. eingestellt werden. Sie haben sich andererseits nach Hause verlagert.
    Nachdem die 6-köpfige albanische Familie, die wir zuerst untergebracht hatten, im Dez. 2019 eine Wohnung gefunden hat, leben wir seit über einem Jahr mit der 2. albanischen Familie (auch 4 Kinder, alles Jungen) in einer Art Halb-Quarantäne zusammen. Meine Frau betrieb im Frühjahr ganz (und jetzt halb) „Homeschooling“. Sicher nicht ganz unproblematisch, seit der Schulunterricht wieder begonnen hat, während Corona auch unsere Gegend (Haute-Marne) wieder voll im Griff hat.
    Sicher bremsen wir die Neigung zu Einladungen und halten uns dann auch fern – ob das aber langfristig ausreicht? Bisher ging es, Gott sei Dank, gut.

    Gelegenheit auch zu zukunftsorientierten Überlegungen und Maßnahmen. So etwa dem Gedanken (da mir die Arbeiten vor allem auf dem Grundstück und im Garten zu viel werden), das Haus (das Platz für 2 größere Familien bietet) in das Flüchtlingsprojekt zu integrieren. Dazu, wenn wir nach Berlin zurückgekehrt sind, ein Refugium für uns zu schaffen: auf dem großen Speicher, neben der Theaterbühne („Théâtre Porte Ouverte“), die ich schon vor 2 Jahren zum Zweck des Flüchtlingstheaters eingerichtet hatte.
    Ausreichend Beschäftigung in einer Art „freiwilligen Quarantäne“ und damit kein Grund zum Klagen.
    Und man denke an unglaublich vielfältigen Kontaktmöglichkeiten per Internet, die es früher gar nicht gab! Grund genug, auch unter Bedingungen äußerer Einschränkung dankbar zu sein für die immer noch privilegierte Situation. – Aber das brauche ich Ihnen sicher nicht zu erzählen.

    Zu Ihrem Buch:
    Natürlich bin ich interessiert. Ich habe auch bei den Verlagen recherchiert bez. der Bedingungen für Lieferung ins Ausland: Beck und Hugendubel wären da am besten. Amazon kommt für mich nicht in Frage. Geben Sie mir bitte Bescheid betr. anderer Möglichkeiten für eine schnelle Lieferung.
    Vor allem: Wann soll der Blogtalk starten?

    Beste Wünsche insbesondere betr. die Gesundheit auch für Sie und Ihre Familie!
    Bis demnächst
    Werner

  21. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Lieber Herr Engelmann: Noch kurze Worte – ich werde mich inhaltlich nochmal melden:

    Das schöne Hölderlin-Wort, das hatte ich garnicht im Sinne. Aber es muss wohl hier mitgespielt haben.

    Was Sie in Corona-Zeiten über Ihre Aktivitäten zus. mit Ihrer Frau (Flüchtlings-Familie!) und derzeitiger Alltagsbewältigung schreiben, das beeindruckt mit wirklich sehr.

    Und zum Buch: Sie brauchen nicht weiter zu übernehmen. Ich schicke Ihnen ein Expl. via Post.

    Eine Bitte an Bronski (Danke schon mal!): Meine Mail-Adresse an Sie weitergeben und Sie teilen mir Ihre Post-Adresse mit und dann reagiere ich sofort.

    Blogtalk wann? Das weiß ich jetzt nicht.

    Alles Gute auch für Sie und Ihre Familie!

    Bis demnächst
    Jürgen

  22. Ernst Niemeier sagt:

    Ich kann die Begeisterung von Petra Brixel für die vermeintlich gendergerechte Doppelpunkt-Schreibweise nicht verstehen, denn es stimmt einfach nicht, dass sich in dieser Schreibweise alle wiederfinden. In Aussagen, die in der Dativ-Form ausgedrückt werden müssen, werden wir Männer ausgeschlossen. Wir werden nicht angesprochen. Man könnte auch sagen, wir werden diskriminiert. Außerdem verstößt diese Schreibweise gegen die grammatikalische Logik. Wäre es nicht doch besser, Leserinnen und Lesern zu schreiben?

  23. Barbara Lang sagt:

    Zum Thema Schwangerschaftsabbruch

    Der Kommentar vom 16.1.21 zu Paragraph 219a trifft voll und ganz ins Schwarze!! Warum werden Frauen selbst im Jahre 2021 noch immer mit diesen vorsintflutlichen Einstellungen traktiert?!? Und warum wird uns Frauen kein eigenständiger, verantwortungsvoller Umgang mit dem Paragraphen 218 zugetraut!?! Es ist höchste Zeit, dass sich Deutschland an Neuseeland und Argentinien orientiert und sowohl 218 als auch 219a komplett auf dem Gesetzbuch streicht! Der Kompromiss zu 219a ist eine Schande!!! Seit meinem 17. Lebensjahr (1972!!!) treibt mich dieser Paragraph bereits um, Ich hoffe, ich werde die Abschaffung noch erleben!!

  24. Bronski sagt:

    @ Werner Engelmann

    Willkommen zurück nach langer Zeit!

    @ Jürgen Malyssek

    Ich hatte in meinem jüngsten Homeoffice-Tagebucheintrag geschrieben, dass ich plane, einen Blogtalk mit Ihnen zu machen über Ihr Buch „Wohnungslose Menschen“. Die Planung ist bisher noch nicht konkret, aber ich würde das gern im Februar machen, und zwar mit Ihnen und Klaus Störch, mit dem Sie das Buch geschrieben haben. Ich melde mich bei Ihnen – und natürlich wird das alles dann auch rechtzeitig hier im Blog angekündigt.

  25. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen Malyssek 27. Januar 2021 um 1:13

    Vielen Dank für das Angebot, das ich natürlich gerne annehme!
    Um das Problem der Koordinaten abzukürzen: Meine Website (Google/Bing: Name + FR-Kommentare, Kontakt, Impressum)
    Gruß
    Werner

  26. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Lieber Bronski, Ihren Homeoffice-Tagebucheintrag habe ich leider verpasst. Sorry!

    Das mit Monat Februar ist in Ordnung. Klaus Störch werde ich anschließend informieren.
    Ich freue mich jedenfalls darauf und sage auch hier schon herzlichen Dank für Ihr Interesse und Ihren Einsatz!

    Zu den wohnungslosen und an der unteren Skala der Gesellschaft stehenden Menschen gibt es hinsichtlich Lebenssituation, Schicksal, Tragik, aber auch Überlebensstrategien, viel zu sagen. Klaus Störch und ich sind ein langjähriges Gespann in diesem Sektor.

    Beste Grüße

  27. Bronski sagt:

    Der Tagebucheintrag steht noch hier auf der Startseite.

  28. Werner Engelmann sagt:

    @ Anja, 19. Januar 2021 um 17:28
    @ Ernst Niemeier, 27. Januar 2021 um 9:08

    Zum taz-Interview von Petra Gerster betr. „Gendern“ – Petra Brixel: „Bleiben Sie sich treu!“

    Liebe Anja,

    einem Satz von Ihnen würde ich voll zustimmen:
    „Wir müssen uns alle mehr Gedanken darüber machen, was wir mit Sprache machen und wen wir meinen oder auch nur mitmeinen.“
    Auch stimme ich dem Eindruck zu, dass im Zuge der Diskussion durchaus AUCH ein neues Bewusstsein für Befindlichkeiten anderer entstanden ist, das positiv genutzt werden KÖNNTE. Für das, was daraus von der „Gendern“-Bewegung gemacht wird, sowie ihre „Vorschläge“ gilt das aber ganz und gar nicht.

    Sich solche – kritischen – Gedanken zu machen ist aber auch angebracht, wenn etwa die Leserbriefschreiberin Petra Brixel, deren Meinung Sie teilen, ihr Plädoyer für radikales Gendern mit dem Aufruf verbindet: „Bleiben Sie sich treu!“

    Welche Vorstellung von „Treue“ steckt da dahinter? „Treue“ zu wem? Zu welchem Zweck? Mit welchen Folgen?
    Als einer, der nun mal der viel gescholtenen Gruppe „alter Männer“ angehört, stellen sich bei einem solch vagen Umgang mit einem zentralen Begriff auch ganz andere, beunruhigende Bilder ein: von Studenten etwa, auf dem Opernplatz in Berlin, tief überzeugt von ihrer „großen“ historischen Mission. Und die, „getreu“ dieser „Mission“, Schriften von Heinrich und Thomas Mann, Erich Kästner, Sigmund Freud, von Tucholsky und Ossietzky und anderen den Flammen übergeben.
    Die blieben sich auch „treu“ – in beängstigendem Übermaß sogar.

    Es versteht sich von selbst, dass diese Assoziation keinen Vergleich beinhaltet. Wohl aber ist dies als Hinweis zu verstehen, dass „sich Gedanken machen“ vorbehaltlos zu erfolgen hat, dass dabei auch der eigene Denkansatz zu hinterfragen ist.

    Was zuerst die Erkenntnis beinhaltet, dass eine derart komplexe Problematik nicht mit ein paar Worten abzuhandeln ist. Und dass sich vor allem Verallgemeinerungen und Geschlechterkampf-Attitüden verbieten.
    Und dann eine Reflexion darüber, was eigentlich eine „Sprachgemeinschaft“ ausmacht: Diese wird nach Duden von der „Gesamtheit aller muttersprachlichen Sprecher einer Sprache“ gebildet. Was auch bedeutet, dass keiner einzelnen Gruppe das Recht zukommt, die gemeinsame Sprache nach ihren eigenen Bedürfnissen zurecht zu modeln – und seien diese noch so legitim und nachvollziehbar. Das von „Gendern“-Ideologen wie Anatol Stefanowitsch zu dem Zweck beschworene „Recht auf Sichtbarkeit“ gibt es nicht.

    Im Folgenden sei versucht, einige wesentliche Probleme aus dem Blickwinkel der Sprachgemeinschaft insgesamt aufzuzeigen.

    Teil 1: Zu problematischen Äußerungen im Interview mit Petra Gerster
    (https://taz.de/ZDF-Moderatorin-uebers-Gendern/!5741686/)

    (a) „Sprache ist ja etwas Lebendiges. Sie verändert sich mit der Gesellschaft.“

    Eine sicher richtige, im Grunde triviale Äußerung.
    Im Kontext einer Rechtfertigung für „Gendern“ ist damit aber auch ein Moment (1) der Unterstellung und (2) der Verschleierung verbunden. Sie suggeriert (völlig zu Unrecht), dass, wer dieses Konzept kritisiert, überhaupt gegen Veränderung sei. Und sie möchte glauben machen, dass „Gendern“ ein Ausdruck von natürlicher Lebendigkeit von Sprache sei.
    Das ist grundlegend falsch. Es ist mit einem willkürlichen und massiven Eingriff in das grammatische System verbunden, wozu es, zumindest im Deutschen, in dieser Form keine historische Parallele gibt. Nicht einmal die Nazis, welche bei der propagandistischen Uminterpretation von Bedeutungen und ganzer literarischer Werke (sogar dem „Faust“) zu ihren Zwecken nicht zimperlich waren, haben das grammatische System angetastet.

    (b) „Um das Thema tobt ein ideologischer Kampf, der vornehmlich von – wie ich vermute – älteren Männern geführt wird.“

    Dies ist eine höchst problematische Form der Verschleierung mit dem Mittel der Personifikation, vergleichbar mit der „Verschleierungsform“ Passiv:
    Dieser „Kampf“ „tobt“ nicht, denn er ist keine Person. Er wird vielmehr bewusst von Menschen (hier z.B. von Luise Pusch) initiiert, inszeniert und z.T. von Gegnern (hier: „ältere Männer“, zum Feindbild erklärt) aufgegriffen, angeheizt und auf die Spitze getrieben.
    Solche Ausdrucksweisen bilden die Grundlage von Manipulation, lassen keine Differenzierung, keine selbstkritische Betrachtung zu. Sie haben also in einem kritischen Journalismus nichts zu suchen, dessen Anspruch Klarheit sein muss. Und dazu gehört, Ross und Reiter zu nennen.
    Noch mehr gilt das für die folgende Spekulation über diese „älteren Männer“, die von „Angst“ getrieben seien (…), „etwas von dieser Macht an Frauen und ‚andere Minderheiten‘ abgeben zu müssen“. Auf eine solche Ebene von Geschlechterkampfrhetorik begibt sich nur, wem rationale Argumente für den eigenen Standpunkt fehlen.
    Es sollte zu denken geben, dass solche Formen verschleierten Sprechens und aggressiver Unterstellung bevorzugt von nationalistischen Kreisen, so zur Diffamierung von Fremden oder Minderheiten, verwandt wird. Man denke auch an die verschleierte Aufforderung eines Donald Trump an seine „Fans“ zum Sturm aufs Kapitol oder an die Goebbels -Rede vom „totalen Krieg“: „Nun, Volk, steh auf und Sturm brich los!“

    (c) „Ich selbst hatte nie ein Problem mit dem generischen Maskulinum (…) Aber meine Großnichte, sie ist 20, fühlt sich dadurch diskriminiert.“

    Woher, fragt man sich, weiß denn Frau Gerster, dass ihr eigenes Gefühl Jahrzehnte lang getrogen habe, währenddessen ihre junge Nichte spontan die wirkliche Wahrheit „fühlt“? Mit welchem Recht schließt sie aus, dass dieses vage „Gefühl“ der Diskriminierung Ergebnis einer gezielten Beeinflussung – etwa einer gezielt verbreiteten Sexualisierung des Sprechens – sein könnte? Hat es in Deutschland nie Versuche gegeben, Jugendliche ideologisch zu beeinflussen und zu bestimmten politischen Zwecken zu missbrauchen?
    Und ist es zuvörderst die Aufgabe einer Sprache, „Gefühle“ einzelner Gruppen zu bedienen, sie durch „Sichtbarkeit“ zu befriedigen, und nicht, eine weitgehend reibungslose Kommunikation zwischen ALLEN Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft zu ermöglichen?

    Teil 2: Defizitäre Sprache oder sexualisierter Diskurs im Geschlechterkampf-Modus?

    Im Gegensatz zu ihren jetzigen Behauptungen entspricht der problemlose Umgang der früheren Petra Gerster mit dem „generischen Makulinum“ dem normalen Prozess des Spracherwerbs in der Auseinandersetzung mit der Umwelt.
    So berichtet auch eine Gastautorin der FR, Joane Studnik, – übereinstimmend mit psychologischen und linguistischen Forschungen zum Spracherwerb (Piaget, Wygotski) – von der spontanen Freude eines Mädchens über ihren Sieg über Jungen mit dem Ausruf: „Erster!“
    (https://www.fr.de/meinung/kolumnen/experimentieren-ohne-vorschriften-90174084.html
    Ein unverbildetes Kind hat keine Veranlassung, in eine – formal – maskuline Endung männlichen Sexus oder gar männliche Dominanz und weibliches Unterlegenheitsgefühl hinein zu interpretieren.
    Defizitäres Gefühl von „Weiblichkeit“ ist nicht in der Sprache enthalten. Sie ist das Ergebnis einer überspitzten Interpretation und einer Sexualisierung der Sprache, des Diskurses und dementsprechend der Wahrnehmung, welche von der „Gendern“-Bewegung betrieben wird.

    Dieser klassische Rückfall der in Deutschland gegenwärtig den Diskurs bestimmenden „feministischen Linguistik“ in – überholt geglaubte – Geschlechterkampfrhetorik ist keineswegs international anerkannt, sondern isolationistisch. Die hier betriebene „Viktimisierung“ der Frau wird vielmehr auch von Feministinnen, so von der französischen Philosophin und Frauenrechtlerin Élisabeth Badinter, scharf kritisiert: Das Konzept zur endgültigen Überwindung des Patriarchats ist die „Gleichheit der Geschlechter“ in der Realität.
    („L‘ un est l’autre“, 1986, deutsch: „Ich bin Du“; „Fausse Route“, 2003, deutsch: „Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer“, 2004)

    In extremer Form zeigt sich die Geschlechterkampf-Rhetorik bei der Mentorin der (deutschen) „feministischen Linguistik“, Luise Pusch: „Das Deutsche als Männersprache“ (Suhrkamp, 1991):
    Da ruft sie zu einer Großaktion „Rettet das Femininum“ auf: „Wie lässt es sich am besten retten, wiederbeleben und weithin verbreiten? Natürlich durch eine gezielte Allergie gegen das Maskulinum.“ (S.11)
    Das ist eine Kriegserklärung an das „generische Maskulinum“ und die deutsche Sprache überhaupt. Und das angesichts der Feststellung des Dudens: „Die deutsche Sprache ist mehrheitlich weiblich – ¬zumindest wenn es nach der mengenmäßigen Ver¬teilung der Artikel geht.“
    (Genusangabe-im-Rechtschreibduden https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-Verteilung-der-Artikel)

    Teil 3: Leistung des „generischen Maskulinums“ und Deutsch als Sprache der Philosophie

    Deutsch ist bekannt und anerkannt als „Sprache der Philosophie“.
    Das liegt an der Flexibilität des Wechsels zwischen den Wortarten, insbesondere der leichten und vielfältigen Möglichkeit der Substantivierung von Verben. So ist „das Sein“ in der griechischen Philosophie etwas anderes als „das Seiende“. Und Heidegger fügt dem die Substantivierung eines ganzen Satzes hinzu: das „In-der-Welt-Sein“.
    Man versuche, das ins Französische zu übersetzen, um die Leistung der deutschen Sprache zu verstehen!

    Das „generische Maskulinum“ ist Teil dieses leistungsstarken Systems.
    Es ermöglicht, zwei in der Bedeutung sehr verschiedene substantivische Formen etwa aus den Verben „studieren“ oder „forschen“ abzuleiten: Einerseits die „Verlaufsformen“ „Studierende“ und „Forschende“, die, in substantivischer Form, „das im Verb genannte Sein oder Geschehen als ablaufend, unvollendet“ ausdrücken.
    (Duden Grammatik, Band 4, 2.Ausgabe 1966, § 1175)
    Andererseits (geschlechtsneutrale) Funktionsbezeichnungen wie „Studenten“ und „Forscher“, die als Gruppe durch ihre TÄTIGKEIT von anderen abgegrenzt werden. In keiner Weise wird hier eine durch Geschlecht definierte Gruppe „gemeint“, „mitgemeint“ oder ausgeschlossen. Weil einerseits Verben gar kein „Geschlecht“ in dieser Bedeutung besitzen, und weil andererseits der KONTEXT deutlich macht, dass Funktionsgruppen und nicht konkrete Personen gemeint sind.
    Dass in einem ganz anderen Kontext die Endungen -en oder -er auch zur Bezeichnung von Maskulina auftauchen, ist hierbei genauso belanglos wie etwa die Tatsache, dass der feminine Artikel „die“ im Plural auch zur Bezeichnung von Maskulina und in mehreren weiteren Funktionen verwandt wird. Dies entspricht schlicht dem notwendigen Prinzip der Sprachökonomie.
    Bedeutungen werden von Sprechern wie Hörern aber prinzipiell aus konkreten Sprechakten in konkreten Kontexten erschlossen und nicht aus einem abstrakten grammatischen System, wie Dogmatiker glauben machen wollen. Ein Faktum, das zu den Grundkenntnissen der modernen (strukturalen) Linguistik gehört.

    Kurz auf den Punkt gebracht:
    „Studenten“ oder „Forscher“ sind keinesfalls immer „Studierende“ oder „Forschende“. Ihnen sei auch das menschliche Bedürfnis zugebilligt, gelegentlich auch „Schlafende“ sein zu dürfen. Noch weniger können sie durch die letzteren Begriffe mit völlig unterschiedlicher Bedeutung ersetzt und eliminiert werden.
    Noch absurder wird es, wenn „Gender“-Ideologen die Mär verbreiten, eine Studentin könne – da nur „mitgemeint“ – nicht von einem „Studentenwerk“ vertreten werden, wohl aber von einem Unsinnswort wie „Studierendenwerk“. Dies erweist einen erschreckenden Mangel an sprachlicher Sensibilität gerade von denen, die „Gendersensibilität“ auf ihre Fahnen geschrieben haben.
    Doch nicht nur sie: Selbst die „Deutsche Gesellschaft für Sprache“, die den übrigen „Gendern“-Konzepten äußerst kritisch gegenüber steht, hat gegen „Vermeidungs“-Strategien dieser Art nichts einzuwenden.
    (https://gfds.de/standpunkt-der-gfds-zu-einer-geschlechtergerechten-sprache/)
    Ein Indiz, in welchem Maße eine zunehmend dogmatisierte Diskussion selbst bei Menschen, die es besser wissen müssten, den Blick verengt und kritische Betrachtung verdrängt hat.
    Entsprechend sollte man sich das Ausmaß der am Kommunikationssystem derart angerichteten Schäden vor Augen zu halten:
    Handelt es sich hier doch nicht um einige Einzelfälle. Vielmehr wird hier der Eliminierung ALLER sinnvollen Funktionsbezeichnungen aus der deutschen Sprache das Wort geredet, um sie durch realitätsverfälschende Partizipialkonstruktionen zu ersetzen: Eine Vielzahl grundlegender sprachlicher Differenzierungen wird so plattgewalzt, mit der Folge der Trivialisierung des Verständnisses, neben dem philosophischen etwa auch im literarischen Bereich – so dieser Missbrauch sich denn durchsetzen sollte.
    Ein Kafka mag sich im Grabe herumdrehen: Künftige Schülergenerationen würden unter solchen Bedingungen nicht mehr begreifen können, dass der „Reisende“ Gregor Samsa in seiner Erzählung „Die Verwandlung“ nicht ein x-beliebiger „Vertreter“ ist. Dass er vielmehr die Rastlosigkeit eines Menschseins symbolisiert, das nie an einem Ziel ankommt.
    Wo die Begriffe fehlen oder eliminiert wurden, ist ein angemessenes, differenziertes Verständnis nicht mehr möglich.

    Teil 4: Das „generische Maskulinum“ als Mittel der Verhinderung von Diskriminierung

    Der wohl renommierteste gegenwärtige Sprachwissenschaftler, Prof. Peter Eisenberg, führt dazu aus:
    „Die (…) semantische Charakterisierung des generischen Maskulinums „Frauen sind mitgemeint“ ist inkorrekt. Frauen sind gar nicht gemeint, ebenso wenig wie Männer oder Geschlechtsidentitäten jenseits der binären Norm. Darin liegt gerade das Spezifische des generischen Maskulinums.“
    Und er betont:
    „Die hier vorgelegte Verteidigung des generischen Maskulinums richtet sich nicht gegen die Verwendung des Deutschen als geschlechtergerechte Sprache, sondern gegen seine Misshandlung und Manipulierung in vermeintlich guter Absicht. Denn gerade das generische Maskulinum ist eine in der Sprache tief verankerte, elegante und leistungsstarke Möglichkeit zur Vermeidung von Diskriminierung.“
    (https://www.tagesspiegel.de/wissen/debatte-um-den-gender-stern-finger-weg-vom-generischen-maskulinum/22881808.html)

    Und er schließt mit den Worten:
    „Wenn wir dafür sorgen, dass es in Zukunft mehr Dirigentinnen, Richterinnen, Pfarrerinnen und Filmemacherinnen gibt als jetzt, tun wir etwas für die Gleichstellung aller in der Gesellschaft. Das soziale Geschlecht vieler Personengruppen wird sich dann verändern, und falsch bewertete Assoziationstests werden überflüssig. Über einen Krieg gegen das generische Maskulinum erreichen wir das mit Sicherheit nicht.“
    Nichts anderes meint die französische Feministin Élisabeth Badinter mit „Gleichheit der Geschlechter“ in der Realität, die durch einen radikal sexualisierten Diskurs eher verhindert wird. Und dem ist auch nichts hinzuzufügen.

    Und so werde ich auch künftig das „Sichtbar-Machen“ nicht eingebildeter Bedürfnisse, sondern berechtigter Sorgen und Interessen, insbesondere von Jugendlichen, nach Kräften unterstützen. Und ich werde – soweit es uns ermöglicht ist – den weiten Weg nach Freiburg, dem Ort meiner Schulzeit, nehmen, um zusammen mit meiner älteren, 88jährigen Schwester und deren Freundin, mit „Fridays for Future“ und vielen jungen Menschen für deren lebenswerte Zukunft zu demonstrieren.

    Anhang:
    Da in einem solchen Kontext nur wenige Probleme exemplarisch aufgezeigt werden können, sei auch auf andere Artikel und Kommentare verwiesen:
    Zu Anatol Stefanowitsch (aggressive Diskursstrategie, Forderung, „Vorschriften zu erlassen“, Unterstellung von „Frauenfeindlichkeit“ u.a.:
    https://www.tagesspiegel.de/wissen/geschlechtergerechte-sprache-nuetzliche-sternchen-brauchen-keine-amtshilfe/22646438.html
    https://mmm.verdi.de/beruf/gendern-frage-von-macht-und-kreativitaet-59523
    Weitere differenziertere Analysen finden sich in Kommentaren unter:
    https://www.fr.de/meinung/kolumnen/experimentieren-ohne-vorschriften-90174084.html#idAnchComments
    https://www.fr.de/politik/duden-gender-neu-sprache-woerterbuch-geschlechter-gerechtigkeit-neutral-forschung-kritik-zr-90161181.html#idAnchComments.

    Auf meiner Website werden (unter der Voraussetzung der Einhaltung von Urheberrechten und sachlicher Diskussionsebene) Aufsätze und Kommentare zu diesem Thema gesammelt. Die Veröffentlichung fremder Beiträge bedarf der ausdrücklichen Zustimmung bzw. Anmeldung über Kontaktformular. Zugang über Google/bing: Werner Engelmann + FR-Kommentare)

  29. Marina Hellmig sagt:

    Mich nervt die gendergerechte Schreibweise unendlich. Diese Landwirtdoppelpunktinnen oder Verbraucherdoppelpunktinnen gehen mir schrecklich auf den Keks. Ich lese manche Artikel gar nicht mehr, wenn ich die Wortungetüme zum wiederholten Mal sehe. In einem Beitrag (Wirtschaft: Keiner bezahlt uns das, FR 20.01.21) werden so 94(überflüssige) Zeichen verprasst. Viermal hatte die Autorin auch keine Lust mehr auf diese Tippturnübung und verzichtete völlig darauf. So musste der Betriebsleiter auf die weibliche Variante verzichten. Ehrlich gesagt, habe ich beim Lesen der Artikel bisher immer an Männlein und Weiblein gleichzeitig gedacht. Jetzt lese ich bloß :innen. Und denke dabei automatisch nur an Frauen. Wir wissen ja: Menschen lesen nicht Buchstabe für Buchstabe, sondern in Bildern. Ernst Niemeier hat recht: Männer kommen da nicht mehr vor.

  30. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Hat geklappt. Adresse gefunden. Und vom frz. Text sogar etwas verstanden.

    Sendung folgt in den nächsten Tagen.

    Beste Grüße
    Jürgen

  31. Jürgen Malyssek sagt:

    Zu dem TAZ-Interview mit Petra Gerster zum „Gendern“, das ich ehrlich gesagt nur in Ausschnitten augeschnappt habe, fällt mir in der Genderdebatte seit Jahren immer wieder dieser ideologische Einschlag auf und den ich auch aus den Worten von Petra Gerster heraushöre. Hinzu kommt heute in dieser elektrischen Zeit des Kritik an allen Begriffen, die im Verdacht der Diskrimierung oder gar rassistischen Äußerung stehen. Das hat sich dann in den „sozialen“ Netzwerken verviefacht und es gibt heute kaum noch ein geführtes Interview, das freigesprochen wird von solchen Vorwürfen oder Unterstellungen.

    Zur Genderdebatte habe ich mich in der Vergangenheit auch hier im Blog soweit mit meinem Grundvorwurf der ideologisch gefärbten Debatte geäußert und habe, weil auch „älterer Mann“ meine Klassenhiebe eingehandelt.

    Ich finde jedenfalls – und fleißiger kann man jedenfalls die Problematik dieser fast schon gewaltsamen Veränderungsdrucks auf die Sprache -, dass Werner Engelmann soviel Bedenkenswertes dazu ausgeführt hat, dass ich nur sagen kann, da steckt soviel an Nachdenkenswertem drin, dass auch eine Petra Gerster zur Selbstkritik drängen müsste.

    Hat also bei Frau Gerster jahrzehntelang ihr Gefühl sie betrogen beim Gebrauch des „generischen Maskulinums“? Dann hat es aber lange gedauert, bis sie auf dem richtigen Weg zur gendergerechten Sprache gefunden hat!

    Und wenn sich die 20-jährige Großnichte von Frau Gerster durch das generische Maskulinum diskrimiert fühlt, dann würde ich sie schon gerne fragen, warum? Woher hat sie das? Vielleicht doch eine Erblast aus der älteren Generation?

    Aber ich will damit nicht weitermachen, weil das, was Werner Engelmann oben ausgeführt hat viel wichtiger und gehaltvoller ist als mein Unmut gegen diese Gewalt, die an der deutschen Sprache verübt wird.
    Letztenendes ist es nur eine neues Auflackern des ewigen Geschlechterkampfes, der die Welt um keinen Deut besser macht.

  32. Jürgen H.Winter sagt:

    @ all
    Herr Engelmann hat das gründlich und überzeugend dargestellt, dafür vielen Dank.
    Haben sie schon einmal versucht, ein Buch mit :innen zu lesen ? Es geht nicht, was in Zeitungsartikeln gerade noch zu ertragen ist, ein ganzes Buch in dieser Form ist schlicht unlesbar.

  33. Werner Engelmann sagt:

    @ Marina Hellmig, 27. Januar 2021

    Ihr Genervtsein, Frau Helmig, kann ich freilich sehr gut nachvollziehen.
    Ihr Beitrag ist auch aus einem anderen Grund interessant. Treten doch die Akteure der „Gendern“-Bewegung mit der Behauptung auf, dass durch solche „Sichtbarkeit“ automatisch auch die Repräsentanz von Frauen in der Realität gefördert würde.
    Auf die Idee, dass genau das Gegenteil eintreten könnte, kommt man offenbar gar nicht.
    Und wenn Sie als Frau das so empfinden – wie groß sind dann wohl die Chancen, mit solchen Methoden die Machos unter uns auf den „Pfad der Tugend“ zu bringen?

    Der Hintergrund ist der, dass diese ganze Bewegung auf der These aufbaut, dass Sprache das Bewusstsein präge und somit die Realität beeinflusse. Diese „Sapir-Whorf-Hypothese“ ist aber in der Linguistik, zumindest in der allgemeinen Form, längst widerlegt. Bestenfall ist sekundär, zeitlich begrenzt eine gewisse Rückwirkung feststellbar. Primär ist immer noch die Prägung der – sich verändernden – Realität. Und in diesem Rahmen ist auch Sprachveränderung zu sehen.
    Dass man sich weigert, diesen Sachverhalt zu thematisieren (alle Hinweise darauf werden ignoriert) ist insofern verständlich, als mit diesem Eingeständnis der ganze Ansatz zusammenbrechen würde.

    Ein Beispiel für die Begrenztheit der Sprache ist in der Literaturgeschichte die „romantische Chiffre“. Auch die hatte eine Art beschwörende Funktion: „Romantisierung der Wirklichkeit“.
    Nicht nur schliff sich aber die „romantische Chiffre“ mit zunehmendem Gebrauch ab, mit Beginn der Industrialisierung wurde sie auch völlig unglaubwürdig. Und mit Heine schlug sie in das Gegenteil, den „Realismus“ um.

    Ein ähnlicher Prozess ist auch hier zu erwarten. Deshalb bin ich, was die Manie der „-innen“-Anhängsel betrifft, auch relativ gelassen. Das ist mit einer gewissen Technik noch zu ertragen. So habe ich mir angewöhnt, das einfach zu überlesen. Das funktioniert freilich nur, wenn der Rest noch einigermaßen korrekt ist. Bei „Ärzt:innen“ oder „Virolog:innen“ wird es schon schwieriger, und dann ärgert mich das auch.
    Als ich mir darüber einmal in der FR Luft verschaffte, kam der Vorwurf der „Halsstarrigkeit“ zurück und der „gute Rat“, mich doch gefälligst auf den „Kampf gegen die Barbarei“ zu konzentrieren. – Man nehme es gelassen!

    Eine andere Gefahr aber sehe ich als gravierender an. Dazu mehr in der Antwort an Jürgen Malyssek.

    @ Jürgen Malyssek, 28. Januar 2021 um 0:55

    Zunächst einmal danke für den Versand! Ich freue mich darauf und werde mich hoffentlich revanchieren können.

    Zur Kritik am Interview mit Petra Gerster:

    Ich habe das ja nicht deshalb ausgewählt, um ihr eins auszuwischen. Vielmehr deshalb, weil selbst bei solchen – vergleichsweise moderaten – Aussagen die Wirkung und Weiterverbreitung von ideologischen Ansätzen erkennbar wird.
    Hierin aber besteht die eigentliche Gefahr: Von einem bestimmten Maß der gesellschaftlichen Spaltung an, von zwei Seiten betriebener Hetze nach festgezurrten Feinbildern, verselbständigt sich die Entwicklung: Auf beiden Seiten verengt sich der Blickwinkel, der eigene Dogmatismus wird nicht mehr erkennbar. Und rationale Argumente dazwischen werden von zwei Seiten verhöhnt und wie zwischen zwei Mühlsteinen aufgerieben.

    Auf politischer Ebene kennen wir das ja von der Endzeit der Weimarer Republik, und im Gegen- und Miteinander von Islamismus und Rechtsradikalismus ist Gleiches zu beobachten.
    Und es ist nicht auszuschließen, dass der Rückfall in Geschlechterkampf-Rhetorik, in ein dichotomisches Schema von Mann gegen Frau (oder umgekehrt) und die Gleichsetzung mit einem Rechts-Links-Schema dieses Gegeneinander noch erheblich verschärft.
    Dass Gleichberechtigung, frauliche Belange (denen ich absolut positiv gegenüber stehe) dadurch befördert würden, halte ich für eine reine Illusion. Eher ist das Gegenteil der Fall.

    Als Beispiele für solche wechselseitige Verhärtung verlinke ich zwei Artikel:

    1) „Gerechte Sprache: Wir ‚gendern‘ nicht zum Spaß“ (Kofra, München):
    https://www.sueddeutsche.de/kolumne/gerechte-sprache-wir-gendern-nicht-zum-spass-1.3424324
    Hier fallen vor allem drei Dinge auf:
    a) Wiederholung der immer gleichen, obwohl widerlegten Stereotypen („weil das männliche (und weibliche) Generikum erwiesenerweise in der Praxis ausgrenzend ist“, „der Mann auch als sprachliches Maß aller Dinge“),
    b) Konstruktion geradezu aberwitziger „Zusammenhänge“ („knapp 250 Jahre nach Verurteilung der letzten ‚Hexe‘ in Deutschland“, “ nackte Frauen auf Werbeplakaten in Spitzenunterwäsche“),
    c) Unverblümtes Eingeständnis, dass es gar nicht um Sprache, sondern um gezielten Missbrauch von Sprache zu Zwecken der Macht geht („Peter Eisenberg hat – grammatikalisch gesehen – natürlich recht“, „Aber hier geht’s nicht um Grammatik, sondern um Macht“).

    2) „Genderwahn verwüstet die Sprache“:
    https://www.jesus.ch/themen/gesellschaft/ethik/sozialethik/316628-genderwahn_verwuestet_die_sprache.html
    Hier werden von verschiedenen dubiosen „christlichen“ Vereinen aus dem Zusammenhang gerissene Zitate des Linguisten Peter Eisenberg wieder gegeben und zu einem Pamphlet vermixt. (Manches wird ihm auch unterschoben. So etwa habe ich bei Peter Eisenberg nirgendwo den – hier als Zitat gekennzeichneten – Ausdruck „Genderwahn“ gelesen.)
    Wortgleich habe ich diesen Artikel unter mehreren Links (in Deutschland wie in der Schweiz) gefunden.

    Das sollte genügen als Hinweis, dass ein solcher, von zwei Seiten hochgeputschter „Geschlechterkampf“ in der Tat geeignet ist, aufrechten und aufgeschlossenen Demokraten Angst einzujagen.

    Ich füge noch die inhaltlich präzise Stellungnahme der Linguistin Ewa Trutkowski zu den gegenderten Definitionen im Online-Duden hinzu:
    https://www.welt.de/kultur/plus223755314/Woerterbuch-in-der-Kritik-Wie-der-Duden-heimlich-gegendert-wird.html
    (Mein eigenes Schreiben an die Duden-Redaktion ist über folgenden Link einzusehen:
    https://www.fr.de/hintergrund/online-duden-wertet-weibliche-formen-auf-90162387.html#idAnchComments)

  34. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Morgen geht’s zur Post. Keine Revanche, ich mache das sehr gerne!

    Noch zur Genderdebatte:

    Ich schaffe jetzt das ganze Pensum der guten Argumente oben nicht, aber ich kann aus vollem Herzen sagen, dass ich diese gnadenlose Verfolgung der Sprache manchmal kaum noch ertragen kann.
    Sicher verändert sich Sprache. Das passiert gerade jetzt in der Corona-Pandemie mit den haufenweisen Anglizismen. Obgleich ich vieles aus dem Englischen sehr mag (die kurzen Sprichwörter!), so bedauere ich sehr sogar, dass die passenden deutschen Begriffe für das, was die Welt bewegt, verloren gehen.
    Das hier nur als ein Nebenschauplatz, weil auch aktuell.

    Ich bleibe bei meinem Vorwurf, dass die neu entfachte Genderdebatte mit den akrobatischen Sprachkonstruktionen nichts anderes ist als der „altböse“ Geschlechterkampf in neuem Gewand.

    Es ist auch unbestreitbar, dass die Geschlechtergerechtigkeit sozial und politisch weiterhin in einer modernen westlichen Gesellschaft eine Aufgabe bleibt. Das geht aus meiner Sicht sogar so weit, dass auch im umgekehrten Sinne, nicht nur die Gleichheit der Frauen ein Thema ist, sondern auch die des Mannes auf einem ganz anderen Gebiet [aber das hier auch nur als Gedankenstrang].

    Gerne kann sich innerhalb der Sprache etwas ändern, wenn es der Sache dienlich ist. Aber nicht so desaströs, wie es zuletzt über uns eingebrochen ist und wie andere Kommentare hier auch (Marina Helmig, 27. Januar) zum Ausdruck bringen.

    Wenn ich so bedenke, mit welchen fatalen Entwicklungen und unaufhörlichen Zerstörungen bei Mensch und Natur wir in der Welt uns auseinandersetzen müssen, um überhaupt in Zukunft die Kurve zu kriegen, dann ist mir das hier platzeinnehmende Gender-Thema, und vor allem WIE es aufbereitet worden ist, sowas von daneben geraten. Auch in dieser teilweisen Verbissenheit und Rechthaberei.

    Ich versuche es mal so pragmatisch als möglich auszudrücken: Entscheidend ist doch, dass wir alle, Männlein und Weiblein – und dann gibt es ja auch noch Zwischengeschlechtliche – alles tun, um auf Augenhöhe zu bleiben, mit uns im Lebensalltag auskommen, die Rollenprobleme erkennen und selbstverständlich daran arbeiten, beide Seiten. Und dass man sich auch mal verzeiht, wenn man sprachlich mal daneben lag.
    Das passiert doch.
    Auch Humor kann lebensrettend sein. Aber doch nicht so, wie ich es oben in der einen Überschrift lesen muss: „Genderwahn verwüstet die Sprache“ oder dass diese Sprachveränderungen zu neuen Machtfragen führen.

    Mir fällt gerade aus der Fußballwelt ein bedeutender Satz eines bedeutenden deutschen Trainers (auch alte Schule), nämlich Otto Rehagel ein, der sagte: „Die Wahrheit liegt auf dem Platz“, das heißt, so wie wir reell mit uns im Leben umgehen und zu guten Ergebnissen zu kommen versuchen, dass ist Realität. Wenn da das eine oder andere sprachliche sich spontan und auch geistreich entwickelt, gut so!

  35. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen H.Winter, 28. Januar 2021 um 14:56

    Genau zu dem Problem, wie wohl „gegenderte Literatur“ aussehen würde, habe ich mich auch schon etwas umgesehen und bereite für meine Website einen Beitrag dazu vor.
    Es könnte freilich sein, dass der etwas satirisch wird.

    Hier im Voraus als Kostprobe ein „gegenderter“ Faust (1. Teil, Szene „Nacht“, nach „Prolog im Himmel“):

    „Da steh ich nun, ich armer Tor,
    Und bin so klug als wie zuvor!
    Heiße Magister, heiße Doktor gar
    Und ziehe schon an die zehen Jahr
    Herauf, herab und quer und krumm
    Meine Schüler:innen an der Nase herum –
    Und sehe, dass wir nichts wissen können!
    Das will mir schier das Herz verbrennen.
    Zwar bin ich gescheiter als alle die Läff:innen,
    Doktor:innen, Magister:innen, Schreiber:innen und Pfäff:innen;
    Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
    fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –
    Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
    Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
    Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
    Die Menschen zu bessern und zu bekehren…“

    Na ja: Das mit „alle Freud entrissen“ könnte man in dem Fall vielleicht sogar nachvollziehen.

    Oder Tucholsky: Was darf die Satire`?

    „Wir sollten nicht so kleinlich sein. Wir alle – Volksschullehrer:innen und Kaufleute und Professor:innen und Redakteur:innen und Musiker:innen und Ärzt:innen und Beamt:innen und Frauen und Volksbeauftragte – wir alle haben Fehler und komische Seiten und kleine und große Schwächen. Und wir müssen nicht immer gleich aufbegehren („Schlächtermeister:innen, wahret eure heiligsten Güter!“), wenn einer/eine wirkliche einmal einen guten Witz über uns reißt. Boshaft kann er/sie sein, aber ehrlich soll er/sie sein. Das ist kein rechter Mann/keine rechte Frau und kein rechter Stand, der/die nicht einen ordentlichen Puff vertragen kann.“

  36. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Engelmann,
    Was zu beweisen war ! Wenn man sich Mühe gibt, ist es lustig, aber die Zukunft ist es nicht. Vorschlagen würde ich noch das Umschreiben der Bibel, des Koran, des Talmud und was da sonst noch so nach Verbesserung ruft – viel Feind, viel Ehr usw.
    Fazit : Es wird sich totlaufen denn ich glaube nicht, dass man Sprache mit dem Holzhammer verändern kann.
    Hallo Herr Malyssek,
    der altböse Geschlechterkampf ist so in etwa das dümmste, was Mensch machen kann. Da der Mensch noch eine sehr junge Art ist und die Erfindung des Bewusstseins praktisch erst gestern erfolgte, sind die Nebeneffekte noch deutlich überall zu sehen. Fraglich ist, ob Mensch damit zu Rande kommen wird Evolution ist eben ein langsamer Prozess, zumindest aus menschlicher Sicht.Wenn man sich den allgemeinen Zustand betrachtet, in dem die Welt sich befindet, hervorgerufen durch eben dieses Bewusstsein mit einer gewissen Denkfähigkeit, darf bezweifelt werden, ob es zu einem guten Ende kommen wird. Sich über das gendern in der Sprache aufzuregen ist da wohl nicht so zielführend, wenn es auch mit Nachdruck versucht wird. Wann wird der Mensch anfangen, über den Tellerrand zu schauen ? Es wird doch immer wieder neuer Blödsinn gemacht und wenn man sich betrachtet, was allein auf dem Gebiet Klima an guten Vorschlägen rumgeistert, kann einem himmelangst werden.

  37. Jürgen Malyssek sagt:

    Hallo Herr Winter,

    wir dürfen uns gegenseitig im Lebensalltag nicht ständig damit nerven, benachteiligt zu sein. Wenn Emanzipation und Gleichberechtigung gelingen soll, dann ist es auch eine Frage der Lebenspraxis, die aber sowohl über den Konflikt als über auch über die Akzeptan des Unterschieds eigentlich sehr spannend sein kann. Letztlich lernt man immer was dazu.
    Was das Über-den-Tellerrand-schauen betrifft, bleibe ich sehr zurückhaltend. Allerdings sehe ich gerade bei vielen jungen Menschen doch eine bemerkenswerte Horizonterweiterung. Dafür steht beispielhaft die Klimakatastrophe, vielleicht auch die Soziale Gerechtigkeit …

  38. Werner Engelmann sagt:

    @ Jürgen H.Winter , 30. Januar 2021 um 18:56
    @ Jürgen Malyssek, 28. Januar 2021 um 21:46

    Hallo, Herr Winter,

    „viel Feind, viel Ehr“:
    Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Zumindest gilt das für die, welche das „kulturrevolutionäre“ Sprach-Projekt angerührt haben. Einzelheiten dazu spare ich mir an dieser Stelle, würde zu weit führen.

    „Umschreiben der Bibel…“
    Sie bestätigen meinen Gedanken, dass hier wohl auch Satire gefragt ist. Deren Ausgabe ist ja, Widersprüche aufzuzeigen. Hier: zwischen dem Anspruch geschichtsmächtiger „Reformen“ und kleinkarierten, unausgegorenen Konzepten.

    „Es wird sich totlaufen…“
    Das entspricht auch meiner Einschätzung. Fragt sich nur: wann und was dann an Schäden zurückbleiben wird, nicht nur bez. der Sprache. Auch gesellschaftlich: Wo (freilich im Namen des „Guten“) gegeneinander zum Kulturkampf angetreten wird, der alle irgendwie betrifft, entsteht eine eigene Dynamik. Und was daraus wird, ist nicht absehbar.

    Hallo, Herr Malyssek,

    auch, wenn eine prompte Antwort bez. „Gendern“ nicht möglich war:
    Es tut einfach gut, sich tabufrei auszutauschen und zu versuchen, hinter bestimmten Zeitphänomenen stehenden Kräften auf die Spur zu kommen.
    Inhaltlich habe ich keinerlei Einwendungen. Wichtig erscheint mir vor allem, sich klar zu werden, dass es keineswegs nur um Probleme der Sprache geht. Auch wenn, um die Ideologiehaltigkeit und Folgen des Ansatzes aufzuzeigen, hier vereinzelt notwendig ist, ins Detail zu gehen.

    Vielleicht lässt sich anhand von Stichworten das eine oder andere noch etwas vertiefen bzw. eine perspektivische Sicht entwickeln:

    – „Recht“ an der Sprache:
    Das bedeutet Recht auf Partizipation, ohne äußere Zwänge und Einschränkungen des wertvollsten Instrumentariums einer Gemeinschaft für den wechselseitigen Austausch benutzen zu können.
    Es bedeutet nicht das „Recht“ einer Gruppe, über Regeln und Grundprinzipien der Sprache zu eigenen Zwecken zu verfügen und diesen anderen (mehr oder weniger) aufzuoktroyieren.
    Insbesondere enthält es nicht das „Recht“, Sprache als Mittel zur Durchsetzung eigener Machtbedürfnisse zu missbrauchen. (Vgl. dazu die verlinkte Stellungnahme von Kofra München („Wir ‚gendern‘ nicht zum Spaß“ ).

    – „Geschlechtergerechtigkeit sozial und politisch“:

    Ich meine, dass das schon längst verinnerlicht sein sollte, eigentlich keiner Diskussion mehr bedarf. So lächerliche generalisierende Vorwürfe wie „Frauenfeindlichkeit“ (z.B. von Anatol Stefanowitsch) diskreditieren sich eigentlich selbst. Und wo sie berechtigt sind, wird dadurch mit Sicherheit keine positive Veränderung bewirkt.

    Dazu als Nachtrag zu Ihrem letzten Post: Ich kann mich noch sehr gut an eine „ideologisch gefärbte Debatte“ erinnern, die sich im Kreis bewegte, weil das Klischee der „alten Männer“ (die natürlich Machos sein müssen) ständig herum spukte.

    „Gendergerechtigkeit“ enthält ja schon eine unzulässige Reduktion des Blickwinkels: Es geht um GERECHTIGKEIT schlechthin, in jeder gesellschaftlichen Hinsicht und vor allem in der Realität.
    Basis dafür sind die allgemeinen Menschenrechte, die „Frauenrechte“ selbstverständlich einschließen, deren Realisierung eine Frage der Auseinandersetzung in der Realität. Die Verschiebung auf eine sprachliche Ebene, also eine Metaebene, hat für mich den Geruch einer Ersatzbefriedigung. Was fehlende Bereitschaft oder Unvermögen signalisiert, sie in der Realität zu führen.
    Exkurs zu Marx: Der wusste, als Jude, wohl, warum er sich weigerte, die „Judenfrage“ von der Frage der „Emanzipation“ schlechthin abzutrennen.

    Ich stimme Ihnen völlig zu, dass diese Debatte zurückführt zu unseligem „Geschlechterkampf“. Sie ist in dem Sinne re-aktionär: Die Erwartung, durch sprachliche „Sichtbarkeit“ (d.h.: radikale Sexualisierung des Sprachgebrauchs) Frauenemanzipation zu bewirken ist ja reine Spekulation, durch nichts bewiesen.
    Auch das ist eine weitere (ideologische) Verengung des Blickwinkels, geeignet, bereits bestehende Errungenschaften zu gefährden, indem (aus propagandistischen Gründen) ein angeblicher Konflikt zwischen „links“ und „rechts“ konstruiert und die (nationalistische) Gegenseite zur Aktion ermuntert wird.
    Dass die diesen Konflikt mit Freuden aufgreift, ist verständlich. Hat sie doch in dem Fall (bezogen auf Verständnis von „Sprache“) die besseren Argumente. Und vor allem: So können sich Nationalisten – ein gefundenes Fressen! – als die „wahren“ Vertreter der Interessen „des „Volks“ profilieren: Die „Sichtbarkeit“ liegt auf ihrer Seite und nicht auf der von Frauen: je länger der Konflikt dauert, je „sichtbarer“ die Widersprüche eines unausgegorenen Konzepts werden, je größer der Widerstand dagegen wird, desto mehr.

    Kurz: Die Nationalisten sitzen am längeren Hebel, werden also mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem (auch von ihrer Seite geschürten) Konflikt mit intellektuellen Traumtänzern als Sieger hervorgehen. Und das, was dann realisiert wird, wird sicher nicht den Vorstellungen von weiblicher Emanzipation und weiblicher „Sichtbarkeit“ entsprechen.
    Und das – um ehrlich zu sein – macht mir Angst.
    Denn wer sich in Ländern wie etwa dem Iran umschaut, kann begreifen, dass Geschichte sehr wohl auch rückwärts laufen kann.
    (Nebenbei: Freunde von uns in Luxemburg sind Iraner, und da ihre Tochter drei Jahre lang unsere Wohnung in Berlin bewohnte, hatten wir bisweilen Gelegenheit, mit ihnen darüber zu diskutieren.)

    – „Humor“:
    Absolute Zustimmung!
    Ist sicher auch ein probates Mittel, gelegentlich über den eigenen geistigen „Tellerrand“ hinaus zu schauen.
    Dazu: Die Humorlosigkeit, ja Verbissenheit der „feministischen Linguistik“ (einer Luise Pusch im Besonderen) in der angemaßten Rolle als Sprach-„Revolutionäre“ ist schon bemerkenswert. Was sich auch im Vorwurf der angeblichen „Aufgeregtheit“ gegen jeden Einwand manifestiert.
    Ansonsten scheint Humorlosigkeit ein spezifisches Merkmal sehr rechts gewirkter Kreise zu sein. Das ist zumindest meine Beobachtung bei verschiedenen Kommentaren im FR-Forum.
    Und das lässt auch den Schluss zu, dass die Grenzen zwischen „rechts“ und „links“ nicht so eindeutig sind wie manche glauben.

    Dazu Ernst Jandl:
    „Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern. Werch ein Illtum!“

    Also, um das Wort von Rehagel (alias Otto, dem „Rehakles“) aufzugreifen:
    Gehen wir wieder zurück auf den Platz!

  39. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Werner Engelmann

    Danke ebenso. Es sollte in einer Debatte auch um
    eine Sowohl-als-auch gehen, nicht nur Rede-Gegenrede.
    Ich denke das obige Thema kann man erst einmal so stehen lassen.

    Den Otto „Rehakles“, den hatte ich nicht mehr auf dem Schirm.

    Hoffe, dass die Buchpost heil ankommt. Um sicher zu gehen läuft es als ‚Paket‘.

    A bientót! soll accent circonflecs sein