Bronskis Homeoffice Tag 322: Es wird nicht langweilig

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Eigentlich sollten wir alle mal ein bisschen aufatmen dürfen. Das wäre wirklich schön, oder? „Normalität“! So war’s jedenfalls erhofft, als wir in den zweiten Lockdown gestartet sind. Aber wir stecken noch mitten in der zweiten Welle. Die Infektionszahlen entwickeln sich langsam zurück, aber es gibt neue Sorgen: Mutationen des Erregers sind aufgetaucht, die ansteckender sind als die ersten Varianten. Darum wurde der Lockdown verschärft. Mehr als zwei Millionen Opfer hat das Virus weltweit bisher gefordert, bei uns in Deutschland mehr als 50.000. Viele Intensivstationen arbeiten an der Belastungsgrenze, es werden weitere Menschen sterben. Außerdem wurde der Impfstart … ja, was? Verbockt? Es ist nicht genug Impfstoff da – just in jenem Land, in dem dieser Impfstoff entwickelt wurde.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 322
Samstag, 23. Januar 2021

Es wird nicht langweilig

Ich bin mir nicht sicher: Sollte ich vielleicht sogar froh darüber sein, dass ich mit zu den letzten gehören werde, die geimpft werden? Ich bin 56 Jahre alt und ohne Vorerkrankungen, also keiner von den „vulnerablen“ Menschen, und auch das Risiko hält sich für mich in Grenzen. Froh könnte ich deswegen sein, weil dann, wenn ich dran bin, schon viele Erfahrungen mit dem Impfstoff gemacht worden sein werden. Dann wird man schon recht gut sehen können, ob es Probleme mit Langzeitfolgen der Impfung gibt und, wenn ja, wie häufig. Dann wird man vermutlich wissen, ob man andere Menschen anstecken kann, obwohl man geimpft ist und selbst nicht erkranken kann. Und nicht zuletzt werden sich bis dahin die Arbeitsabläufe rund um die Impfungen eingespielt haben.

Von all dem kann derzeit noch keine Rede sein. Vor allem direkt nach dem Impfstart am 12. Januar – von diesem Tag an konnten sich in Hessen Angehörige der Risikogruppen telefonisch und/oder online um einen Impftermin bemühen – zeigte sich schnell, wo es überall hakte. Es gab einen veritablen – und vorhersehbaren – Ansturm auf die Kontaktstellen. Ich habe mehrere Berichte von FR-Leserinnen und -Leser darüber bekommen, die ich unter der Überschrift

Impfstories: Mit Opa kann man das ja machen!

hier im FR-Blog aufgemacht habe. Außerdem erschienen diese Berichte auch im Forum der gedruckten FR. Einfach mal draufklicken, um zu den Berichten zu gelangen! Und wenn Sie wollen, steuern Sie auch selbst Ihre eigenen Erfahrungen mit Ihren  Versuchen bei, einen Impftermin zu bekommen.

Nun sitze ich schon fast elf Monate im Homeoffice. Es wird nicht einfacher. Manches hat sich eingespielt, einiges wird sich jedoch wohl nie ändern. Immerhin brachte mir kürzlich ein dienstbarer Geist die Post aus meinem Eingangsfach in der Redaktion mit. Das gibt mir Gelegenheit, Ihnen mal meinen Arbeitsplatz im Homeoffice zu zeigen, zusammen mit der Post. Die ist glücklicherweise nicht ganz so umfangreich, wie ich es nach den Klagen aus der Redaktion erwartet hatte. Vielleicht erinnern Sie sich – in meinem vorigen Tagebucheintrag hatte ich darüber geschrieben.

Foto: Lutz „Bronski“ Büge

Das gibt mir Gelegenheit, mich bei FR-Leser Jürgen Neubert aus Friedrichsdorf zu bedanken. In der Post befand sich ein Notizbuch mit geprägtem Einband, Lesezeichenband, Gummiverschluss samt Kugelschreiber, beiliegend ein schriftlicher Dank für meine Hilfe. Dieses Geschenk ist natürlich sehr viel wertvoller als das bisschen an Hilfe, die ich geleistet habe.

Lieber Herr Neubert, ich freue mich sehr und danke Ihnen herzlich. Aber woher wussten Sie nur, dass ich solche Notizbücher seit vielen Jahren als Gedankenfänger nutze? Es gibt eine ganze Reihe davon in meinem kleinen Privatarchiv, die mit Ideen und Skizzen vollgeschrieben sind. Sei es, dass ich irgendeinen Eindruck von unterwegs festzuhalten galt, sei es, dass mir bei der Lektüre eines Romans etwas ein- oder aufgefallen wäre, was mir prickelnd vorkam. Es ist auch schon vorgekommen, dass mir auf einer Radtour plötzlich eine Idee für einen meiner eigenen Romane durch den Kopf schoss. Daher habe ich praktisch immer ein Notizbuch bei mir.

001 TeaserDas ist auch fotografisch dokumentiert – hier mit einem Bild von mir aus dem Jahr 1991. Dazu gibt es, wenn Sie wollen, einen kleinen Begleittext auf meiner Webseite Ybersinn.de. Das Foto war das erste meiner autobiografischen Bilderserie „Blicke 2020“.

Foto: Thomas Vögele

Außerdem möchte ich FR-Leserin Ursula Eisenberg danken. In der Redaktionspost waren zwei Gedichtbände von ihr, erschienen im Jahr 2020: „Wo Menschen wohnen“ und „Coronaalltag“. Ursula Eisenberg hat mir über viele Jahre hinweg immer wieder Gedichte gemailt. Eines davon, das auch das erste in „Coronaalltag“ ist, habe ich im FR-Blog im April 2020 veröffentlicht: Vom Virus. (Sie müssen ein bisschen nach unten scrollen.) Auch von anderen Autorinnen und Autoren gab es im FR-Blog Gedichte, zuletzt im Dezember 2020 unter der Überschrift Heute, Kinder, wird’s nichts geben. Da war Frau Eisenberg allerdings nicht dabei. Ich habe vor, sie demnächst zu einem Blogtalk einzuladen, um über ihre Gedichte zu sprechen.

Cover Wohnungslose Menschen 2Es wird also nie langweilig im Homeoffice. Die Themen liegen auf der Straße. Buchstäblich. Sehen Sie es mir nach, wenn ich nicht alles aufgreifen kann, denn ich bin nur ein einzelner Mensch mit begrenzten Ressourcen.

Das wird mich allerdings nicht davon abhalten, einen weiteren Blogtalk über das links abgebildete Buch zu machen. Jürgen Malyssek, den Sie als Leserbriefautor des FR-Forums und als Kommentator im FR-Blog kennen, hat es zusammen mit Klaus Störch von der Caritas geschrieben. Genauer gesagt handelt es sich um die zweite Auflage, eine Aktualisierung der ersten Auflage aus dem Jahr 2009. Da drängen sich viele Fragen auf, auch im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie: Wie schlägt die sich im Leben von wohnungslosen Menschen nieder?

Aber jetzt ist erst einmal Wochenende. Und diesmal habe ich mir etwas Besonderes gegönnt. Wegen der vielen Arbeit – auch an meinen eigenen Romanen – bin ich lange nicht mehr dazu gekommen, selbst mal wieder was zu lesen. Da war es fast eine Art Grenzerfahrung, als ich neulich den Roman „Insel“ des Isländers Ragnar Jónasson in die Finger bekam. Ich las ihn an einem einzigen Nachmittag. Das hat mir gezeigt: Ich muss auch wieder viel mehr lesen. Nur für mich, nur zum Spaß. Darum habe ich mir „Leviathan erwacht“ bestellt, den ersten Roman der Reihe „The Expanse“. Diese Romanserie ist bereits teilweise verfilmt – als TV-Serie vom Sender SyFy, ab der vierten Staffel übernahm Amazon die weitere Produktion. „The Expanse“ gilt als eine der besten Serien der vergangenen Jahre. Die FR brachte im April 2019 unter der Überschrift „Massig Raum“ eine kurze Besprechung (pdf-Dokument), ich verlinke zur Orientierung auch auf zwei Rezensionen auf Zeit.de und Neues-Deutschland.de. Das heißt dann also, dass ich heute einen schnuckeligen Lesenachmittag vor mit habe. Also latsche ich jetzt mal los, um mir das Buch zu holen.

Naoned!

Ihr Bronski

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