FR-Forum vom 12. Oktober bis 17. Oktober

Alle Briefe von Leserinnen und Lesern dieser Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihre Zuschrift gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Leserforum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Leserbriefe des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Leserbriefen, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden normalerweise die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht. Aktuell konnte dieser Servive wegen Krankheit leider nicht geboten werden. Bronski bittet um Verständnis und Nachsicht!

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Forum vom 12. Oktober
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Zuschriften von

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Forum vom 13. Oktober
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Zuschriften von

Seite zwei

Leserbrief von Klaus Philipp Mertens zu 75 Jahre FR (Auszug aus einem Blog-Kommentar, den er selbst gepostet hat).

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Forum vom 14. Oktober
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Zuschriftenvon

Nachteile als Kassenpatient

Grippe: „AOK zahlt Impfungen für alle“, FR-Wirtschaft vom 5. Oktober

Eigentlich wollte ich meine Meinung dazu nicht mehr schreiben, aber nunmehr als Betroffener, habe ich mich provozieren lassen: Gestern Vormittag, 10:30 Uhr, Anruf in der Praxis: „Ich hätte gern einen Termin für die Grippeschutzimpfung.“ „Sind Sie Kassen- oder Privatpatient?“ „Ich bin Kassenpatient.“ – „Wir haben keinen Impfstoff mehr, deshalb kann ich ihnen keinen Termin geben, bitte rufen Sie am Ende des Monats nochmals an.“
Auf meine Nachfrage, was sie mir gesagt hätte, dass ich Privatpatient sei? Dann würden Sie von uns ein Privatrezept bekommen und sie könnten versuchen, den Impfstoff in einer Apotheke zu bekommen.
Anruf bei meiner Krankenkasse mit der Beschwerde, dass ich mich als sogenannter „Kassenpatient“ diskriminiert erlebe. Die freundliche, verständige und kompetente Sachbearbeiterin gab mir die Zusicherung, dass die Kasse (Barmer), die Kosten übernimmt.
Ich hatte Glück, in der dritten aufgesuchten Apotheke, erwischte ich die letzte Impfstoffdosis. Nach insgesamt rund zwei Stunden war ich vorbeugend geimpft. Da ich mein „Glücksprivileg“ nicht isolieren will, gebe ich es hier weiter. Ich bleibe jedoch bei meiner Forderung, dass es im Bereich Gesundheit keine Zweiklasseneinteilung geben darf, die eine einseitige Privilegierung beinhaltet. Sind wir nicht vor dem Gesetz alle gleich? Der Bereich Gesundheit fällt in den verpflichtenden Teil der hoheitlichen Aufgabe des Staates, deshalb geht diese Aufforderung an den Gesundheits- minister. Die Dringlichkeit wird offensichtlich, wenn der Verteilungskampf um den zu erwartenden Anticorona-Impfstoff losgeht.

Rudolf Dohnal, Frankfurt

Eine Frage unserer Zeit

Zu: „Frackinggas birgt hohe Risiken“, FR-Wirtschaft vom 12. Oktober

Wieso sollte in Deutschland Frackinggas verkauft werden dürfen, wenn in Deutschland Fracking verboten ist?

Fritz Brehm, Frankfurt

Unter dem Schleier des Schweigens

Rechte Gesinnung in Behörden: “ Verfassungsschützer unter Verdacht“ , FR-Politik vom 2. Oktober

Angesichts der Aufklärung und Beschwichtigung stellen sich (nicht nur) mir diese Fragen: Welche rassistischen/rechten, undemokratischen, (strukturell) Gewalt-verherrlichenden und entsprechend rabiaten/rücksichtslosen, von gruppenbezogener Menschenablehnung getragene Haltungen, Praktiken, Strukturen und darunter evtl. auch weitere Netzwerke befinden sich noch unter einem Schleier der Verschleierung, des Schweigens, des „Übersehens“ und ggf. der zumindest partiellen Begünstigung in den Sicherheitsbehörden?
Diese Frage, das wissen wir heute, betrifft neben der Polizei auch andere Behörden. Konkret: Wieviele Chatgruppen arbeiten noch im Verborgenen? Was ist die Logik hinter diesen Umtrieben? In welche Gefahr begibt sich ein/e mutige/r Beamt*in/…e, die vor der Entscheidung steht, eine solche Chatgruppe,… aufzudecken? In welches Risiko begibt sich, wer aus einer derartigen Gruppe austreten will? Wieviele Beamt*innen trauen sich nicht, dort auszutreten? Wieviele Beamt*innen sind durch die Verbreitung rechter Propaganda über solche Kanäle selbst von Demokrat*innen zu Rechten geworden? Hängt eine diskriminierende (Kontroll-)Praxis mit derartigen von rechter Ideologie propagierten Haltungen zusammen?

Bernhard Trautvetter, Essen

Fragwürdiger Beitrag unserer Richter

Nach der Ermordung Walter Lübckes, den Mordanschlägen von Halle und Hanau wurde allüberall in der Republik der entschlossene Kampf gegen rechtenTerror und Gewalt beschworen. Wie „entschlossen “ deutsche Gerichte diesen Kampf führen, zeigen wieder einmal vier richterliche Beschlüsse aus den vergangenen Wochen :
FR, 10.9.: „NSU-Helfer Carsten S. darf Gefängnis verlassen“. Seine Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Er war wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig gesprochen worden.
FR, 15.9.: „Bewährungsstrafe für Rechtsextremist“ u.a. wegen Verleumdung, Volksverhetzung, Beleidigung. Die Bewährung wurde ausgesprochen vom Amtsgericht Halle (!).
FR, 1.10.2020: „Neonazi Horst Mahler soll freikommen“. Das brandenburgische Justizministerium: „Wir machen die übliche Entlassungsvorbereitung“.
FR, 2.10.: „Gericht hebt Haftbefehl gegen Markus H. auf“. Das Oberlandesgericht Frankfurt sieht keinen hinreichenden Grund für eine Fortdauer der Untersuchungshaft des Neonazis und Internet-Waffenhändlers, der engsten Kontakt mit dem mutmaßlichen Mörder Walter Lübckes pflegte und ihm Schießunterricht erteilt hatte. Richter, die in diesen Zeiten so urteilen, dürften kaum einen nennenswerten Beitrag zum “ entschlossenen Kampf “ gegen den Rechtsextremismus leisten, ebenso wenig wie die rechtsextremen Polizisten, Verfassungsschützer und Bundeswehrangehörigen, die in immer größer werdender Zahl ans Licht der Öffentlichkeit kommen. Der Schoß, aus dem der Nationalsozialismus kroch, gewinnt wieder an Fruchtbarkeit, und die Betroffenheitsreden, die nach den Hanauer Morden zuhauf gehalten wurden, sind zu Schall und Rauch verpufft.

Manfred Wagner, Hanau

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Forum vom 15. Oktober
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Zuschriften von

Reden wir über unsere Vermehrung!

Weltbevölkerung: „Null Hunger in weiter Ferne“, FR-Wirtschaft vom 13. Oktober

„Wir werden mehr“ titeln Sie auf Seite 1 der Rundschau vom 19.8.2020. Ihnen ist bekannt, das dies stark untertrieben ist! Die Überschrift auf Seite 1 hätten lauten sollen: „Wir werden viel, viel mehr!“
Auch wenn es erfreulich ist, dass in einzelnen afrikanischen Ländern die Geburtenraten allmählich nach unten gehen, aber dennoch ist wird sich die Bevölkerung dort in den nächsten 30 Jahren auf 2,5 Milliarden verdoppeln – und bis 2100 sollen es 4,0 Milliarden sein! In 10 Jahren werden 8,5 Milliarden Menschen (heute 7,8 Milliarden) auf dem Planeten leben, 2050 knapp 10 Milliarden und zum Ende des Jahrhunderts – bevor es dann endlich allmählich nach unten gehen soll – gar 11 Milliarden! Das sind nackte, abstrakte Zahlen und Prognosen… Wenn diese Zahlen aber sehr bald schon beginnen Wirklichkeit zu werden, dann wird diese Welt kaum wieder zu erkennen und – für sehr lange Zeit – unumkehrbar der Planet der Menschen, nur noch des Menschen (!) – und seiner Haus- und Kuscheltiere sein!!
Alle irgendwie nutzbare Flächen auf der Erde, auf dem Wasser und in der Luft werden genutzt werden müssen um Nahrung und Energie für eine wachsende und nahezu unersättliche Menschheit herzustellen. Und wehe (!) es treten Missernten, Naturkatastrophen, Pandemien, oder gewaltsame Konflikte auf, es wären sofort so viel mehr Menschen als heute davon betroffen!
Eine Welt mit erheblich mehr Menschen, das können wir uns schönreden, wie wir wollen, die wird unweigerlich – für die allermeisten Menschen – instabiler, schmutziger, lauter, unsicherer, artenärmer, enger, gewaltsamer und ärmer sein, als es heute bereits für viele ist! Kein einziges der immensen Probleme, die sich die Menschheit bis heute selbst geschaffen hat, wird mit viel mehr Menschen auf dem Planten einfacher zu lösen sein, das Gegenteil ist der Fall!
Alle großen wilden Tiere (Elefant, Nashorn, Leopard, Giraffe, Löwe, Tiger, Gorilla, Orang-Utan, Schimpansen und unzählige andere große und kleine Tier- und Pflanzenarten) werden ausgestorben sein bis 2050/2100, oder nur noch in Zoos, oder winzigen eingezäunten Parks existieren! Es wird kein Platz mehr für große Tiere und Reservate da sein, wenn immer mehr Menschen Essen, Arbeit, Wohnung, Bildung, Mobilität, Gesundheit und Vergnügen benötigen und verlangen!
Vor dem Hintergrund der bedrohlichen Aussichten für die schon nahe Zukunft – gerade auch durch das starke Bevölkerungswachstum – kann ich es nicht verstehen, warum dieses Thema nicht auf alle nationalen und internationalen Tagesordnungen gesetzt wird? Es muss ein Ausgleich zwischen Nord und Süd angestrebt werden, der den armen Ländern mit dem stärksten Bevölkerungswachstum attraktive wirtschaftliche Perspektiven eröffnet, wenn das Bevölkerungswachstum rasch und dauerhaft abnimmt! Mir ist bewusst, dass dieses Thema als „Nord-Süd-Dialog“ sehr heikel ist, aber was ist denn die Alternative für die gesamte Welt, die Menschheit? Wenn wir in einer Welt, die nun mal so ist, wie sie ist, wirklich 9, 10 und 11 Milliarden Menschen werden und nichts ernsthaft versucht haben, um das zu verlangsamen und zu stoppen, dann werden wir die Quittung der Ökosysteme dieses (noch immer) wunderschönen Planten für dessen Verschandelung (Zerstörung, das schaffen wir nicht!) bekommen! Der bisher absehbare Klimawandel, die Pandemien, die Umweltkrisen die wir bisher kennen, die sozialen und gewaltsamen Konflikte, die wir hatten, all das wird nur ein laues Lüftchen gegen das gewesen sein, was in solch einer Welt noch kommen kann!
Wollen wir Menschen das, weil wir zu feige waren über unsere Vermehrung zu reden, konstruktiv darüber zu streiten und zu Lösungen zu kommen?!

Frank Albohn, Frankfurt

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Forum vom 16. Oktober
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Zuschriften

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Forum vom 17. Oktober
Leserforum 2 20190916Seite eins, Seite zwei

Zuschriften zum Thema Gendern von Gunda Norwig, Marc Schneider, Birgit Kindler, Merve Hölter, Herbert Päge, Annette Kröhler, Hildegard Weidemann, Rainer Jaxt, Samuel Ernst, Wolfgang Hahn, Sabine Görlitz und Sigita Urdze (alle veröffentlicht im Thread „Es geht um Gerechtigkeit“).

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9 Kommentare

  1. Kurt N. Hambüchen sagt:

    Leserbrief Klaus Vernie 15.10.2019 „Wer zu viel zahlt“

    Da hat sich mal wieder einer aufgemacht, der versammelten Leserschaft seine schmale Weltsicht zu erklären die da lautet: jeder der Wirtschaftswissenschaft studiert sollte doch bitte schön was vernünftiges leisten, ist aber per Definition zu blöd dazu und überhaupt nur auf das schnelle Geld aus.

    Lieber Herr Vernie, ich bin der Meinung jeder blamiert sich so gut er kann und in Ihrem Fall ist das besonders gut gelungen. Nicht nur, dass Sie den Artikel vielleicht gelesen haben aber Sie outen sich auch als jemand der offensichtlich nicht im Absatz verstanden hat um was es geht. Mangelt es da an was? Allerdings erdreisten Sie sich, die beteiligten Personen und darüber hinaus einen großen anonymen Leserkreis zu diskreditieren. Typisches Eigentor.

    Fast noch mehr ärgert mich allerdings, dass die FR dieses Pamphlet (vllt. weil es sich der Schreiber so sehr wünscht) auch noch veröffentlich und nicht wegen grobem Unfug in die Rundablage (auch die virtuelle) befördert.

  2. @ Editorial von Karin Dalka / FR vom 17.10.20

    Sehr geehrte Frau Dalka,

    Sprache lebt, aber dieser Veränderungsprozess muss aus sich heraus erfolgen, er muss in genuiner Weise veränderten Tatsachen (jedoch nicht weltanschaulichen Ideologien) gerecht werden. Das Erzwingen so genannter „gendergerechter“ Formen mittels nichtsprechbarem Doppelpunkt, Sternchen oder eingefügtem i beraubt die Sprache ihrer wesentlichen Funktion. Nämlich das, was sich überhaupt (aus-) sagen lässt, klar zu sagen (Siehe Ludwig Wittgenstein: „Tractatus logico-philosophicus“, 1921).

    Vielmehr erinnert mich das „Gendern“ an die Manipulation von Begriffen, also der Umwertung humaner Werte, im NS-Staat. Dolf Sternberger, Gerhard Storz und Wilhelm E. Süskind haben in ihren zwischen 1945 und 1948 erschienenen Zeitschriftenaufsätzen („Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“, die 1957 auch als Buch vorlagen, das anschließend mehrere Neuauflagen erlebte) auf die Verrassung, Militarisierung und soziale Degradierung der Nationalsozialisten durch das Instrument Sprache hingewiesen. Victor Klemperer hat in seiner Analyse „LTI – Lingua Tertii Imperii“ (1957 erschienen) aus dem Blickwinkel des rassistisch Verfolgten diesen rasch um sich greifenden Vergiftungsprozess beschrieben.

    Gerecht wird Sprache durch ihre Wirkung, nämlich durch die Entlarvung von Ungerechtigkeit, was die Forderung nach Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit einschließt. Deswegen hätte ich es für wichtiger gehalten, wenn die Chefredaktion den Sprachgebrauch der FR hinsichtlich von Begriffen untersucht, die im Dritten Reich entweder neu geschaffen oder missbräuchlich verwendet wurden. Ich denke an Ausrichtung, durchführen, Einsatz, Frauenarbeit, gleichschalten, Kulturschaffende, Lager, querschießen, Sektor, stählern, Strafexpedition, Staatsakt oder untragbar. Sternberger, Storz und Süskind mutmaßten in ihrem „Wörterbuch“, dass eben dieses auch das Wörterbuch der geltenden deutschen Sprache geblieben sei.

    Neben einer unbelasteten Sprache lege ich auch Wert auf eine investigative Berichterstattung. Als ich Ihr Editorial las, wurde bekannt, dass in Frankfurt die Sieben-Tage-Inzidenz bei Corona auf 91,8 Infektionen bezogen auf 100.000 Einwohner angestiegen ist. Trotzdem wird ein „Herbstmarkt“ auf dem Römerberg aufrechterhalten, trotzdem gibt es Vorstellungen im Schauspielhaus, obwohl dessen Klimaanlage gemäß einem Gutachten Schrott ist. Oder ist das Gutachten Schrott und dient lediglich den Eigeninteressen der Immobilienspekulanten, die auf den Neubau der Theaterdoppelanlage setzen? Solche und ähnliche Vorgänge müssten doch Anlässe für eine kritische Berichterstattung sein. Warum muss ich darauf so oft vergeblich warten?

    Mit Ihrer Ankündigung „Wir haben uns entschieden: Das generische Maskulinum wird in der FR kein Standard mehr sein“ verhelfen Sie mir zu einer Erkenntnis, die ich während der bislang 41 Jahre als FR-Abonnent offensichtlich verdrängt habe. Denn anscheinend gehöre ich längst zu einer Minderheit, deren Ansprüche an sprachliche und inhaltliche Qualität auch für die FR nachrangig geworden sind.
    Vielleicht sollte ich mir Gedanken machen über die (Mit-) Gründung einer Initiative namens „Neue Frankfurter Rundschau“ – nach dem Vorbild der „Neuen Rheinischen Zeitung – Organ der Demokratie“ von 1848/49.

    Freundlicher Gruß

  3. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Klaus Philipp Mertens
    @ all

    Lieber Herr Mertens,

    an anderer Stelle im frblog habe ich mich zu „Gendern wie?“ und zu den sprachliche Kapriolen geäußert. Das wiederhole ich jetzt nicht.
    Aber ich wollte Ihnen insoweit gerne rückmelden, dass ich Ihre Einwürfe hier gut nachvollziehen kann. Dieser jetzt aufgekommene sprachliche Veränderungszwang, das Bekenntnis zu einer Sprache der Gerechtigkeit (wobei die Bedeutung Gerechtigkeit nicht in Frage gestellt werden soll), das kann desweiteren zu einer chronischen Zensur des Sprachlichen in Wort und Schrift führen. Ich ahne jedenfalls so etwas. Würde man sich doch eher weiter mit der Vielfalt der deutschen Sprache beschäftigen und zum Beispiel diese furchtbaren Anglizismen mal aus dem Gebrauch ziehen (Home- ….., Hot-Spot, Lockdown u.v.a.m.). Das hat auch die englische Sprache nicht verdient, dass man sie so verhunzt.

    Ansonsten bleibt es im Wesentlichen dabei: Sprache entwickelt und verändert sich auch ohne direkte Eingriffe. Was man nicht mehr so sagt, wird auch nicht mehr so geschrieben …

  4. Cornelia Hartlaub-Klein sagt:

    @ editorial vom 17.10.2020

    Ich habe die Diskussion zum „Gendern“ im Blog und in den Kommentaren verfolgt und nicht den Eindruck gewonnen, dass die Mehrheit der Beiträge dies positiv bewertet. Im Gegenteil gab es sehr unterschiedliche und ausführliche Argumente dagegen (danke dafür, in der Zeitung selbst kommen Gegenpositionen schon lange nicht mehr vor).

    Nun ist die Entscheidung der FR Chefredaktion unter Berufung auf „die klare Mehrheit“ (-hochbegeistert und erfreut-) gefallen, und das „gendern“ wird zum neuen Standard. In Großbritanien entscheidet die Verwendung des Queen`s English, wer gebildet, wer ungebildet ist, wer zur Ober-, wer zur Unterschicht gehört. Die FR will nun über das „Gendern“ darüber entscheiden, wer gerecht, wer ungerecht ist, und vom ungerechten ist es dann nicht weit zum „ewig Gestrigen“ und von dort zum Rechten.

    So stellt sich mir die Frage, ob ich -als „Genderverweigerin“ in die Kategorie der Ungerechten gedrängt- trotzdem die FR weiter lesen, weiter abonieren soll. Wenn es nur um die Sprache ginge, würden über 50 Jahre Rundschau-Treue, der Lokalteil, die Artikel von mir geschätzten Autorinnen und Autoren, mich von so einer Frage abhalten. Aber seit einiger Zeit kommt, parallel zur Sprachbereinigung, hinzu, dass ich immer weniger Zeit mit dem FR Lesen aufwende, immer mehr davon im Internet verbringen muß, um mich mit Nachrichten und Hintergrundinformationen zu versorgen.

    Beispiel: die Ausgabe vom 17.10.: Es gibt, angesehen von den Corona Nachrichten, noch nicht einmal eine volle Seite Innenpolitik. Eine Seite Europa, 3 Seiten US Wahlkampf, eine Seite Internationales. So wenig Nachrichten aus einer Welt, in der es überall brennt, soziale und politische Kämpfe toben, Klima-, Hunger-, Armutskatastrophen… Stattdessen werde ich eingelullt mit 2 Seiten „Lektion Mut“ über ein Mädchen aus wohlhabender Familie (und hat sich..den nächsten Traum erfüllt. Sie haben eine Hochseejacht gekauft…), im Wirtschaftsteil 1 Seite über einen cleveren Jungunternehmer und 3 Seiten „gerechte Sprache“. Statt einer Tageszeitung bekomme ich ein Magazin irgendwo zwischen „Missy-light“ und „Bunter Illustrierter“ vorgesetzt.

    Ich habe mich deswegen dafür entschieden mir eine andere Tageszeitung zu suchen.

  5. Jürgen H.Winter sagt:

    Die Inbrunst, mit der in der FR das Thema „gendern“ verfolgt wird, lässt mich „lost“( Neues Jugendwort) zurück. Die Sprache wird ihren Weg schon machen, da habe ich keine Sorge, was ich davon halte, habe ich vor einiger Zeit schon gesagt
    Hallo Herr Malyssek, tut mir leid, ich habe diesen Anglizismus nicht erfunden, aber in der heutigen Gesellschaft , in der diese neuen Wörter täglich neu erfunden werden, so eine Art Deutsch-Cockney, mit Unmengen häufig unverständlicher Abkürzungen gehören diese Wörter wohl auch zur Umgangssprache. Es ist übrigens im Englischen genau so, die Sprache der 60er Jahre wirkt heute so antik wie für uns das Deutsch der Goethe Zeit….

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    Hallo Herr Winter,

    da mache ich mir nichts vor, dass mein Appell contra Anglizismus irgend etwas bewegen könnte. Die sprachliche Oberflächlichkeit und Bequemlichkeit wird weiter ihren Lauf nehmen.

    Warum sagt man nicht ‚Krisenherd‘ oder ‚Krisenpunkt‘ statt Hotspot? Ja, die neuen Wörter und Abkürzungen gehören inzwischen zur Umgangssprache. Sie wachsen in der Krisenzeit noch schneller.

    Der brandneue Duden hat ‚Hotspot‘ auch schon aufgenommen. Allerdings steht H. da für Schmelzregion im Erdmantel (geol.) und für Einwahlpunkt für Internetzugang.

    Und ‚Lockdown‘ ist ebenfalls aufgenommen: Ausgangssperre, Abriegelung. Ich habe also schlechte Karten. Im Englisch-Wörterbuch findet sich kein lockdown, nur lockout (Aussperrung).
    Man mache sich seinen eigenen Reim.
    Deutsch ist übrigens meine Arbeitssprache, nicht meine Muttersprache. Das Arbeiten mit ihr ist und bleibt spannend.
    Als ein älterer Zeitgenosse habe ich natürlich wenig Chance, irgend jemand von meiner Sichtweise zu überzeugen – und tröste mich vorläufig mit ‚Let it be‘ von den Beatles.

    Zu „Gendern“ fällt mir nichts mehr ein.

  7. Klaus Vernie sagt:

    @ Kurt N. Hambüchen vom 15.10.2020
    Sehr geehrter Herr Hambüchen,
    wie ich soeben gesehen habe, habe ich Sie mit meinem zugegebener Weise leicht zugespitzten Leserbrief vom 15.10. zur den aktuellen (aber auch vielen vorherigen)Wirtschafts“nobel“preisen verletzt. Das war nicht meine Absicht. Deshalb würde ich gerne das Forum nutzen, um zu erläutern, warum ich diese Ansichten zu den Wirtschaftswissenschaften habe, was in einem Leserbrief, der ja kurz und prägnant sein solle, naturgemäß etwas schwerfällt.

    Vielleicht zwei Sachen vorweg:
    Erstens – und das ist mir durchaus ein wichtiges Anliegen – finde ich es eine Anmaßung/Frechheit, wenn die Schwedische Reichsbank einen „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften“ stiftet: das ist vor der schriftlich dokumentierten Abneigung von Herrn Nobel gegenüber den Wirtschaftswissenschaften genauso, als ob ein Rüstungsindustrieunternehmen einen „Bertha-von-Suttner-Gedächtnispreis für Massenvernichtungswaffen“ stiften würde. (Anm.: Es geht mir hier nicht um den Vergleich von Wirtschaftswissenschaften mit Massenvernichtungswaffen, sondern um den fehlenden Respekt der stiftenden Organisation gegenüber der grundsätzlichen Einstellung des Namensgebers.)

    Zweitens will ich nicht behaupten, dass man beim Studium der Volks- oder Betriebswirtschaft nichts Vernünftiges oder Sinnvolles lernen kann (viele Instrumente zur Analyse und Steuerung von Unternehmen nutze ich selber tagtäglich), aber was mich stört, ist der Anspruch und die Bedeutung, die die Wirtschaftswissenschaften für die Gesellschaft an sich in Anspruch nehmen.

    Und hier beginnt meine Kritik:

    Schauen wir uns den Klimawandel an: immer wieder wird das Primat der Nichtbeeinträchtigung der Wirtschaft als Bremse gegen die meisten Maßnahmen ins Feld geführt, und dass, obwohl der Klimawandel eine wissenschaftlich nachgewiesene Sache ist. Ich aber frage mich, was ist wichtiger: Das Überleben der Menschheit (und der gesamte Natur) oder eine weiterhin prosperierende Wirtschaft. Sie werden jetzt eventuell einwenden, dass das erstere nur mit dem zweiten möglich sei aber dazu komme ich später in meinem dritten Punkt.

    Damit sind wir bei einem zweiten Punkt: Die klassischen Natur- und Ingenieurwissenschaften haben ein einheitliches Verständnis der Abläufe und Gesetzmäßigkeiten auf makroskopischer Ebene und sind so in der Lage, zukünftige Ereignisse „vorherzusagen“ (also z.B. , was ein Stein macht, den ich loslasse; ob ein Flugzeug fliegt oder nicht; oder unter welchen Parametern eine Rakete einen Menschen zum Mond bringen kann – um nur ein paar Beispiele zu bringen). Es gibt zwar auf mikroskopischer Ebene durchaus widersprüchliche Theorien, diese stehen aber jeweils nicht im Widerspruch zu den übergeordneten Theorien. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern herrscht jedoch hingegen selbst bei den ganz fundamentalen Fragen Uneinigkeit (z.B. Keynes vs. „Chicago Boys“). In der Wirtschaftswoche (ich hoffe, ich irre mich jetzt nicht) habe ich sogar mal ein Interview gelesen, in dem sich eine Wirtschaftswissenschaftlerin über die Vielfalt der unterschiedlichen Schulen gefreut hat. Herr Hambüchen, mal ehrlich: Würden Sie in Flugzeug steigen, wenn es mehrere anerkannte(!) Ingenieursschulen gäbe, die vollkommen konträre Theorien hätten, warum und welcher Randbedingungen ein Flugzeug fliegt? Ich nicht! Aber bei vielen äußerst relevanten gesellschaftlich relevanten Fragen (z.B. Klimawandel, Umweltschutz, Zuwanderung, etc.) wird immer eingefordert, auch die wirtschaftlichen Auswirkungen zu berücksichtigen, obwohl es für deren Vorhersage keine allgemein anerkannte Theorie gibt. Mir ist jedenfalls noch keine (selbstgemachte) Wirtschaftskrise bekannt, die von Ökonomen vorhergesagt wurde.

    Um den Faden weiter zu spinnen: Drittens, was heißt eigentlich prosperierende Wirtschaft (wem auch immer die nutzt)? Mit dem Merkantilismus entstand die Auffassung, dass ein Handelsüberschuss ein Ausdruck der wirtschaftlichen Stärke einer Nation sei. Es hat ca. 200 Jahre gedauert, bis die Ökonomen weitestgehende Einigkeit erzielten, dass dieser Ansatz einen inhärenten Webfehler hat: Wenn auch nur eine Nation einen Handelsüberschuss hat, muss mindestens eine andere Nation ein Handelsbilanzdefizit aufweisen. M.a.W.: der einzig stabile Zustand ist, dass alle Nationen im zeitlichen Mittel eine ausgeglichene Handelsbilanz ausweisen, weil sonst die Nationen mit andauerndem Handelsbilanzdefizit Bankrott gehen und dann heißt es für alle (Schuldner und Gläubiger): Zurück auf Los. (Eine sarkastische Anmerkung kann ich mir jetzt leider nicht verkneifen: Zu dieser Erkenntnis werden zwei Grundrechenarten benötigt, Kenntnisse der höheren Mathematik sind nicht erforderlich!) Jetzt stellt sich aber die Frage: Wenn auf Länderebene eine ausgeglichene Handelsbilanz erstrebenswert ist, dann muss das doch auch für kleinere, ökonomische Entitäten gelten, z.B. für Unternehmen. Das würde aber heißen, dass nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen und Privatpersonen im zeitlichen Mittel keinen „Handelsüberschuss“, also Gewinn erzielen dürften. Jeglicher andauernde Gewinn muss zwingend zu Lasten anderer Unternehmen, Privatpersonen oder den Bürgern eines (anderen) Staates gehen (und führt damit zu deren Bankrott). Das ist aus meiner Sicht ein fundamentaler Widerspruch zu dem zentralen Paradigma der meisten Ökonomen, nämlich dass Gewinnoptimierung das A und O ist.

    Jetzt noch ein paar Worte zu der Arbeit der beiden Preisträger: Ich erinnere mich noch an die Frequenzauktionen für den Mobilfunk in Europa um die Jahrtausendwende, als alleine in Deutschland im August 2000 für die Frequenzen knapp 99,4 Mrd. DM (also ca. 50 Mrd. Euro) gezahlt wurden! Im Vereinigten Königreich sah es ähnlich aus. In den folgenden Versteigerungen (2010, 2015, 2019) wurden jeweils nur noch Erlöse im mittleren einstelligen Mrd. Euro-Bereich erzielt, weil nämlich die „Firmen […] Spieltheoretiker verpflichtet [haben und deshalb inzwischen] wissen […], wie sie eine Eskalation der Preise in der Auktion vermeiden können“, wie „Die Welt“ am 27.05.2015 unter dem Titel: „Frequenzauktion droht zum Mini-Geschäft zu werden“ berichtete.

    Also, was soll ich denn jetzt „glauben“? Die Preisträger haben angeblich dazu beigetragen, dass keine zu niedrigen Preise gezahlt werden, aber das konkrete Beispiel zeigt, dass die Auktionserlöse (unter Mitwirkung von anderen Wirtschaftswissenschaftlern!) drastisch zurückgegangen sind. Welche Theorie ist denn jetzt richtig, und warum wurde der eine Ansatz gewürdigt und der andere nicht (vielleicht wird er ja im nächsten Jahr gewürdigt – sorry, schon wieder Sarkasmus)?

    Ich hoffe, dass ich damit zumindest ansatzweise ausführen konnte, dass mein Leserbrief nicht vollständig unfundiert war.

    Lassen Sie uns das Thema doch einfach mal rational diskutieren – eine einfache Diskreditierung aller Ökonom*innen war definitiv nicht meine Absicht.
    Mit freundlichen Grüßen
    Klaus Vernie

  8. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Vernie,
    das haben sie sehr überzeugend dargestellt, kurz und knapp – Beifall. Dieses ewige Prae der Wirtschaft, das die Menschheit direkt in die Katastrophe führt, scheint aber niemand zu merken, auch wenn die Wissenschaft genau das sagt. Nicht zu begreifen !

  9. Stefan Horlacher sagt:

    Sehr geehrter Herr Brehm, Verkauf von Frackinggas in Deutschland, wo Fracking verboten ist. Oder: Verkauf von Textilien in Deutschland, wo die (Arbeits-) Bedingungen, unter denen sie produziert werden, in Deutschland verboten sind. Da gibt es doch sicherlich noch mehr Beispiele entsprechender Scheinheiligkeit.