Fr-Leserforum vom 6. bis 11. Juli

Alle Leserbriefe der Woche im Überblick nach ihren Erscheinungstagen und: Offene Diskussion! Lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihren Leserbrief gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier:

  • eine Liste der Erscheinungstage einer Woche;
  • pdf-Dokumente von den Leserforum-Zeitungsseiten (klicken Sie dazu bitte auf das „eins“ bzw. „zwei“ von „Seite eins“);
  • alle Leserbriefe des jeweiligen Erscheinungstags, die keiner hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet werden können;
  • Links zu jenen Leserbriefen, die einer hier im Blog laufenden Diskussion zugeordnet wurden;
  • ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie mitdiskutieren können.

Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, um anzuzeigen, welches Thema Sie ansprechen. Es gelten die Blog-Regeln – mit einer Ausnahme: Für die offenen Diskussionen ist der Teil der Regel Nr. 4 ausgesetzt, der sagt: Bleiben Sie beim Thema. Hier kann bunt diskutiert werden. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Im FR-Blog werden immer die ungekürzten Originalversionen Ihrer Zuschriften veröffentlicht.

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Leserforum vom 6. Juli
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Leserbriefe von Laura Merz, Stefan Vollmershausen, Albert Henkel, Alexandra Mohr und Manfred Christmann zum Konjunkturpaket der Bundesregierung (veröffentlicht hier), Peter Dreßler zum Thema Lufthansa (veröffentlicht hier), außerdem Klaus Philipp Mertens zu Kaufhof-Karstadt (gleich hier, siehe unten).

 

Wie die Eigner sich selbst enteigneten

Kaufhof-Karstadt: „Kampf um Arbeitsplätze“, FR-Regional vom 2. Juli

die Krise der Warenhäuser geht auf unternehmerische Fehlentscheidungen zurück, die bereits in den 1980er Jahren getroffen und später nie korrigiert wurden. Damals gab es noch kein Internet für Privatpersonen und erst recht keine Online-Versandhändler. Für die Ursachen des Übels sind die kurzsichtigen Profitinteressen der Aktionäre und die inneren Strukturen der Häuser verantwortlich.
1980 hatte der Mischkonzern Metro, ein Selbstbedienungsgroßhandel für Einzelhändler unterschiedlicher Warengruppen, 24,9 Prozent der Anteile an der Kaufhof AG erworben. Das bedeutete massive Unvereinbarkeiten hinsichtlich der Zielgruppen (Einzelhändler contra Endkunden). Diese ließen sich auch durch das gemeinsame wirtschaftliche Ziel, nämlich eine höchstprofitable Kapitalverwertung, nicht neutralisieren. Im Gegenteil: Erträge der einen Gruppe führten zu Renditeproblemen bei den anderen. Sechzehn Jahre später wurde die Diversifikation auf die Spitze getrieben durch die Verschmelzung der „Metro Cash & Carry“ mit der „Kaufhof Holding“. Ab diesem Zeitpunkt standen den Fachabteilungen der Warenhäuser namhafte Vertriebskonkurrenten aus der eigenen Kapitalfamilie gegenüber: Primus Sportwelt, Pelikan oder Media-Saturn. Karl Marx hätte möglicherweise diagnostiziert, dass sich die Enteigner nunmehr selbst enteigneten und sich der Kapitalismus selbst zerstörte. Letzteres wäre zu begrüßen, stünden nicht Tausende Einzelhandelskaufleute arbeitslos auf der Straße. Genau das ist angesichts der Schließung von aktuell 68 Kaufhof- und Karstadt-Filialen konkret zu befürchten.
Diese Entwicklung war absehbar, aber sowohl die Politik als auch die Gewerkschaften erwiesen sich als blind. Das gilt insbesondere für die damaligen Gewerkschaften HBV und DAG, die als kapitalhörige „Lahmärsche“ verschrien waren. Sie hatten es bereits seit den späteren 1960er Jahren hingenommen, dass die Angestellten von Kaufhof und Karstadt durch das so genannte Harzburger Führungsmodell weitgehend fachlich entmündigt wurden; ein Modell, das von dem Juristen und ehemaligen SS-Oberführer Reinhard Höhn entwickelt worden war. Statt der proklamierten Delegation von Verantwortung wurden lediglich Routineentscheidungen auf den Ebenen von Verkäufern, Erstverkäufern, Substituten und Abteilungsleitern getroffen. Faktisch war „Harzburg“ nichts anderes als eine autoritär-bürokratische Hierarchie. Weder die Warenkunde noch die Verkaufserfahrung der Mitarbeiter an der Basis genossen einen besonderen Stellenwert. Die Geschäftsführer der Filialen und die Zentraleinkäufer in Köln (Kaufhof) und Essen (Karstadt) erließen Direktiven im Sinn der Kapitaleigner und setzten diese nach unten durch.
Diese selbstheraufbeschworene Krise der Warenhäuser war einer der Faktoren, die dem Online-Handel zum Durchbruch verholfen haben, aber sie hat diesen Wandel nicht allein ausgelöst. Das ehemalige Kaufhof-Prinzip „Tausendfach alles unter einem Dach“ könnte auch heute noch erfolgreich sein. Vielleicht betritt demnächst ein chinesischer, taiwanesischer oder südkoreanischer Milliardär die Bühne und zeigt deutschen Managern, dass sie längst aus der Zeit gefallen sind.

Klaus Philipp Mertens, Frankfurt

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Leserforum vom 7. Juli
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Leserbriefe von Roland Hoede, Oskar Voigt und Helmut Lind zu einem Verkehrskonzept der IHK Frankfurt (veröffentlicht hier), Laura Mestre Vives zur Öffnung von Schulen und Kitas (veröffentlicht hier) und Friedrich Gehring zu den Stuttgarter Gewaltexzessen (veröffentlicht hier).

 

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Leserforum vom 8. Juli
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Leserbriefe von Heinrich Adams, Ralf Michael Lübbers, Reiner Wild und Wolf Göhring zum Tönnies-Skandal (veröffentlicht ab hier), Bertram Münzer und Elke Weyrach zur Corona-App (veröffentlicht ab hier), Rainer Boos und Ilse Lüdke mit Erwiderungen auf den Leserbrief von Alfred Kastner, der Saskia Esken (SPD) im Zusammenhang mit Gewalt gegen die Polizei scharf angegriffen hatte (veröffentlicht ab hier).

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Leserforum vom 9. Juli
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Leserbriefe von Siegfried Kowallek und Gerd-Rüdiger Erdmann zu Plänen, die Wehrpflicht wieder einzuführen (veröffentlicht hier), Henny Ludwig zum Konjunkturpaket der Bundesregierung (veröffentlicht hier), Fritz Brehm zu US-Präsident Trump (veröffentlicht hier), außerdem Joachim Bohndorf und Jürgen Wunder zum DFB-Pokalfinale (gleich hier, siehe unten).

Es gibt Anregenderes als ein Bayern-Spiel

Zu: Favoritensiege beim DFB-Pokal, FR-Sport vom 6. Juli

Das DFB-Pokalendspiel bot nichts als die Verlängerung der Bundesliga-Meisterschafts-Einöde. Dass Bayern München den Entscheid gewinnen würde, war von vornherein abzusehen, brauchte also nur noch bestätigt zu werden. Spätestens nach der 2:0-Führung des sündhaft teuren Münchner Söldnerkaders aus Nicht-Bayern hätte man das TV-Gekicke in der Dorffußballplatz-Atmosphäre abschalten und sich anregenderen Dingen widmen sollen.
Schließlich noch ein Ausblick in die Zukunft; wer wird 2021 Deutscher Meister, wer DFB-Pokalsieger? Natürlich Bayern München, wer hat sonst so viel Geld. Der deutsche Profifußball, spannend wie nie!

Joachim Bohndorf, Bensheim

Abschreckende Langweilernummern

Der FCB ist das Größte, Beste und Schönste – mindestens im deutschen Fußball. Die anderen sind Kaninchen, die auf die schöne Schlange FCB starren. Und zack – gefressen.
Die 17 Mitbewerber aus der ersten Fußball-Bundesliga sollten konsequenter sein: Hinten reinstellen, es dem FCB einfach schwer machen, Tore zu schießen, um mit relativ wenig Kraft halbwegs glimpflich davonzukommen, um dann in den verbleibenden Spielen reell und sportlich zu fighten.
Die Bayernspiele wären dann die Langweilernummern, die sie jetzt schon sind, nur abschreckender.

Jürgen Wunder, Hamburg

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Leserforum vom 10. Juli
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Leserbriefe von Peter Gentner, Petra Knauer, Christa Kreß und Klaus P. Jaworek zur Debatte über die Maskenpflicht (veröffentlicht hier), Matthias Rabbe und Gudrune Fries zum Mindestlohn (veröffentlicht hier), außerdem Dieter Murmann und Jutta-Maria Roth zum Kohlesausstieg (gleich hier, siehe unten) sowie Reinhard Matthies zur Reisewarnung bezüglich Türkei (ebenfalls hier, siehe unten).

Kein Verständnis für diese unethische Politik

Kohleausstieg: „Ein historischer Tag“ und „Schwacher Ausstieg“, FR-Wirtschaft vom 4. Juli und -Meinung vom 3. Juli

Ein schwarzer Freitag für die Politik in Deutschland! Kurz vor der Sommerpause wurden im Bundestag und Bundesrat noch schnell einige Beschlüsse gefasst, die mir – und sicherlich nicht nur mir – die Zornesröte ins Gesicht treiben.
Der Bundestag hat mit dem Kohleausstiegsgesetz etwas beschlossen, das weit hinter den wissenschaftlich belegten Anforderungen zurückbleibt. Das Gesetz hat das nur wenig ambitionierten Konzept der Kohlekommission noch verwässert. Das neue Kohlekraftwerk in Datteln ging, entgegen der Empfehlungen, ans Netz. Der Ausstieg erfolgt nicht kontinuierlich, dauert zu lange und widerspricht den in Paris vereinbarten Klimazielen. Zusätzlich erhalten die Energiekonzerne noch Milliarden geschenkt. Wir verurteilen Brasiliens Präsident Bolsonaro für die klimapolitisch nicht akzeptable Zerstörung des Regenwaldes, wollen aber, anders als viele andere europäische Länder, nicht schneller auf die Kohle als Klimakiller verzichten.
Während die Bundesregierung dieses Gesetz mit Mehrheit gegen alle Bedenken verabschiedet hat, waren die Politiker nicht bereit über eine neue Wahlordnung abzustimmen. Seit der neuen Wahlordnung von 2013 ist bekannt, dass der Bundestag immer weiter aufgebläht wird. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 598 haben wir aktuell 709 Abgeordnete und damit das weltweit größte, frei gewählte Parlament. Schon seit Jahren wird darüber verhandelt und gestritten, wie das ständige Anwachsen des Parlaments (2021 wahrscheinlich fast 800 Abgeordnete) verhindert werden kann. Die Regierungsparteien weigern sich, vernünftige Konzepte zu erarbeiten, da sie Profiteure der bestehenden Regelung sind. Speziell die CSU verweigert sich dem Vorhaben und zeigt, dass es den Akteuren nur um Machterhalt und Posten geht. Dieses Trauerspiel verstärkt das ohnehin traurige Bild, dass unsere Regierung abgibt, und verstärkt die latente Politikverdrossenheit.
Im Bundesrat wurde am „schwarzen Freitag“ über die gesetzeswidrige Ständerhaltung für Muttersauen entschieden. Die in vielen Zuchtbetrieben praktizierte, tierquälerische Haltungsform wurde vor fünf Jahren höchstrichterlichen verboten. Doch nun wurde auf Betreiben der Lobby (Tönnies und Co. lässt grüßen) die Quälerei für weiter acht!! Jahre genehmigt. Mir fehlt jedes Verständnis für Politiker, die eine solche, gegen alle ethischen und moralischen Prinzipien verstossende Entscheidung auf Kosten von Lebewesen treffen.
Einer solchen Politik, ohne Rücksicht auf Mensch, Tier und Umwelt fehlt jede moralische Rechtfertigung und Unterstützung in der Bevölkerung. Ich merke, dass ich eine immer größere Abneigung um nicht zu sagen Wut gegen die etablierten Politiker*innen wie z.B. Frau Klöckner empfinde, die sich, wenn es dem Profit der Konzerne dient, gnadenlos über jedes ethische Tabu hinwegsetzt.

Dieter Murmann, Dietzenbach

Das Defizit wurde auch mit Kernkraft ausgeglichen

Der Autor kritisiert m.E. zu Recht den schwachen Ausstieg der BRD aus der Kohleverstromung. Als Vorbild nennt er als Beispiel England und schreibt:‚Die Briten durften gerade eine monatelange Rekordzeit ganz ohne Kohlestrom im Netz genießen….‘
Die Frage ist, ob dieser Genuss ganz unproblematisch ist. Denn das Defizit muss ja ausgeglichen werden, es sei denn, der Energiebedarf hätte sich verringert. Immerhin sind noch 15 Nuklearreaktoren in Betrieb, deren letzte erst 2030 abgeschaltet werden sollen.

Jutta-Maria Roth, Königswinter

Tägliche Beleidigungen

Reisewarnung: „Zeigt Erdogan die Grenzen“, FR-Meinung vom 6. Juli

Ja, jetzt jammern sie, die Türken. Deutschland soll die Reisewarnung für die Türkei aufheben. Vielleicht erinnern wir uns noch an die Beleidigungen durch Erdogan, an die nahezu täglichen Beschimpfungen. Und: An die vielen Deutschen in den türkischen Gefängnissen!
Oder ein neuer Vertrag mit der Türkei hinsichtlich der Flüchtlinge. Besser geht es nicht: Reisewarnung weg, wenn die deutschen Gefangenen freigelassen werden, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen wird. Diese Sprache versteht die Türkei, so leid mir die Hoteliers und andere tun, aber sie können in Wahlen Erdogan in die Wüste schicken. Daher: Nutzt diese Chance, der Türkei einmal zu zeigen, dass wir auch Werkzeuge haben, die durchaus wehtun.

Reinhard Matthies, Pinneberg

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Leserforum vom 11. Juli
Leserforum 2 20190916Seite eins

Leserbriefe von Jürgen Malyssek, Peter Wolters und Peter Gebhard zu Sigmar Gabriels Beratertätigkeit für den Fleischbaron Tönnies (veröffentlicht ab hier), Susanne Alpers, Peter B. Sanden und Reinhard Joppe zum Rasse-Begriff im Grundgesetz (veröffentlicht hier und hier), Georg Dovermann zum Medikament Remdesivir (veröffentlicht hier) und Volker Schön zur Wehrpflicht-Diskussion (veröffentlicht hier).

Seite zwei

Leserbriefe von Rolf Lang, Juliane Schätze und Axel Stolzenwaldt zum Problem der hessischen Polizei mit Rechtsextremismus (veröffentlicht hier), außerdem Alexander von Oettingen über das Recht auf Löschung von Protokollen in Zeiten der DSGVO im Fall eines Stadtverordneten (gleich hier, siehe unten).

Ein Loch in der Wahrheit

Zu: „Das Recht, vergessen zu werden“, FR-Regional vom 27. Juni

Die europäische Datenschutzgrundverordnung soll den Bürger in der Demokratie schützen, aber doch nicht den Bürger vor der Demokratie. Es lag bislang außerhalb meines Vorstellungsvermögens, Datenschutz könne Zivilgesellschaft sabotieren.
Wenn das Beispiel Schule macht (ein früheres Mitglied der Friedberger Stadtverordnetenversammlung lässt seinen Namen aus allen Protokollen löschen, Anm. d. Red.), dürften bald alle, die Protokolle führen, ihr Geschäft einstellen. Nicht nur Parlamente, sondern auch Vereine, Kirchen, Gewerkschaften, Verbände innerhalb und außerhalb der Wirtschaft – sie alle sollen aus Datenschutzgründen verpflichtet werden können, Namen von Mitwirkenden zu löschen ? Wir bekämen dann eine Art Orwellsches „Wahrheitsloch“: Organisationen und Verwaltungen würden damit gezwungen, Teile ihrer Geschichte zu löschen, und mehr noch: das Prinzip des verantwortlichen Bürgers, ohne das unsere Demokratie nicht zu denken ist, würde aufgegeben.
Ich kann nur hoffen, dass bei derartigen Begehren die Verantwortlichen nicht klein beigeben, sondern sich einem derartigen Ansinnen widersetzen und dafür sorgen, dass die Gerichte hier Klarheit schaffen.

Alexander von Oettingen, Bad Homburg

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Ein Kommentar

  1. hans sagt:

    Zum Thema Kohleausstieg und dem Leserbrief von Jutta-Maria Roth
    bei einem gebe ich ihnen recht. In dem FR Artikel hätte man ruhig darauf eingehen können wie der Rückgang der Kohleverbrennung in England ausgeglichen worden ist, dann hätten sie den Leserbrief gar nicht schreiben müssen. Die Alternative wäre aber gewesen das selbst zu recherchieren. Es wäre weniger Arbeit als den Leserbrief zu schreiben. Sie brauchen keine Angst zu haben das der Kohlestrom durch AKW Strom ersetzt worden ist. In den letzten 3 Jahren ist die Erzeugung von AKW Strom in England auch deutlich zurück gegangen.
    https://www.energiefirmen.de/energie/erzeugung/strom-grossbritannien