FR-Leserforum vom 28. Oktober bis 2. November

Alle Leserbriefe der Woche im Überblick und im Detail. Scrollen und lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihren Leserbrief gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier von oben nach unten:

  • eine Übersicht nach Erscheinungstagen mit den Namen der Autorinnen und Autoren und ihren Themen. Über die rot eingefärbten Links (Seite eins, Seite zwei) können Sie pdf-Dokumente von den Leserforum-Zeitungsseiten aufrufen, wo diese Leserbriefe erschienen sind. Die Links hinter den Namen führen zu den Leserbriefen, die auch hier im FR-Blog veröffentlicht wurden
  • zweitens alle Leserbriefe der Leserforen-Seiten in ihren ungekürzten Fassungen (im Anschluss an die Übersicht)
  • und ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie Ihre Beiträge zur Diskussion beisteuern können. Alle Themen, die unten angeschnitten werden, können diskutiert werden. Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, mit dem Sie anzeigen, welches Thema Sie ansprechen.

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Balken 4Leserforum vom 28. Oktober
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Friedrich Gehring, Jochen Fretz, Roswitha Ristau und Joachim  Bohndorf äußern sich zur Initiative von Annegret Kramp-Karrenbauer für eine Sicherheitszone in Nordsyrien. Die Leserbriefe wurden, beginnend mit dem von Friedrich Gehring, als Kommentare in der Debatte über die Invasion veröffentlicht.
Thomas Ewald-Wehner plädiert für das Drei-Liter-Auto. Siehe unten. Der Leserbrief wurde nachträglich auch zur Einleitung der Debatte über die Frage veröffentlicht: „Was macht SUVs so reizvoll?
Klaus Philipp Mertens kritisiert das Vorgehen der Polizei auf der Frankfurter Buchmesse im Fall von Auseinandersetzungen mit dem Verleger Kubitschek. Siehe unten.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Bernd Bremen und Gerhard Kern kritisieren Übungen der Bundeswehr für den Atomwaffeneinsatz. Siehe unten.

Seite drei mit Leserbriefen zu regionalen Themen von:

Karl-Heinz Peil, Gabriele Franz und Wolfgang Guhr sind nicht verwundert über die Kontamination des Bodens im Bereich der Baustelle von Terminal 3 am Frankfurter Flughafen. Siehe unten.
Helga Dieter wirft dem Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker (CDU) Methoden des Obrigkeitsstaates vor. Ihr Leserinbrief findet sich in der Anmoderation der Antisemitismusdebatte.
Hans Schinke
kritisiert die Genehmigungspraxis am Frankfurter Flughafen für Nachtflüge, siehe unten.
Stefan Ziegler
sieht nur einen einzigen Weg, wie man der Vermehrung der Nilgänse in Frankfurt Herr werden könnte: die Bejagung. Siehe unten.

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Leserforum vom 29. Oktober
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Sabine Reif, Otto Schneider, Alfred Kastner und Fritz Brehm schicken ihre Einschätzungen zum Vorschlag einer Schutzzone in Nordsyrien. Die Leserbriefe wurden als Kommentare in der betreffenden Blog-Diskussion veröffentlicht.
Gerhard Kühn
denkt über den Bedeutungswandel des Automobils nach. Siehe unten.
Brigitte Heinzmann
und Wolfgang Wurtz kritisieren die jüngsten Bauerndemos. Siehe unten.
Bärbel Neuwirth kommentiert den Tod von Marieke Vervoort, der Sterbehilfe gestattet worden war. Siehe unten.
Beate Reichert mag keine Pick-Up-Artisten. Siehe unten.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Carolin Mergardt schlägt ein Mittel gegen Mobbing in der Schule vor. Siehe unten.
Heinrich Dieckmann freut sich über einen Beitrag in der FR zum Thema Fernstudium, das er für nicht ausreichend gewürdigt hält. Siehe unten.
Hartmut Rencker berichtet, warum das mit den Stickoxiden ein solches Problem ist. Siehe unten.

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Leserforum vom 30. Oktober
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Klaus P. Jaworek, Siegfried Kowallek und Herbert van Hüllen kommentieren den Ausgang der Thüringen-Wahl. Ihre Leserbriefe wurden als Kommentare im entsprechenden Thread veröffentlicht.
Carsten Dietrich Brink schreibt zur Frage: Was macht SUVs so reizvoll? Sein Leserbrief wurde in der Einleitung zur Debatte über dieses Thema platziert.
Rosemarie Ukrow kennt einen Halloween-Ersatz. Siehe unten.
Renate Hoch-Ohnesorg und Petra Brixel geben Antworten auf die Frage der FR: Was darf Widerstand? Siehe unten.
Jeffrey Myers kommentiert Donald Trumps Ankündigung, auch in Colorado eine Mauer zu bauen. Siehe unten.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Fedor Weiser kritisiert aus Fan-Sicht die Entscheidung der Eintracht Frankfurt, den ehemaligen Nationalspieler Andreas Möller als Leiter des neuen Leistungszentrums einzusetzen. Siehe unten.
Rasmus Ph. Helt fordert die SPD auf, endlich zu Potte zu kommen. Siehe unten.
Hermann Roth
kritisiert die einseitige Sicht auf die wirtschaftlichen Chancen der Digitalisierung und vermisst eine breite Debatte. Die kann unten folgen.

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Leserforum vom 31. Oktober
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Martin Hallinger und Otfried Schrot kritisieren die deutsche Nahost- und Syrienpolitik. Ihre Leserbriefe wurden als Kommentare in der Blogdebatte zu diesem Thema platziert.
Alex Stolzenwaldt macht darauf aufmerksam, dass die Lehrpläne von Schulen (insbesondere in Hessen) der Digitalisierung weit hinterherlaufen. Siehe unten.
Sigurd Schmidt meint, die neue EU-Kommission müsse recht bald einen EU-Konvent einberufen, um die Modalitäten für ein Europa der vielen Geschwindigkeiten zu besprechen. Siehe unten.
Kyra Hillesheimer beklagt die Situation für RollstuhlfahrerInnen im öffentlichen Raum: In Frankfurt funktionieren viele Aufzüge nicht. Siehe unten.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Rainer Stockmann klagt über das Chaos bei der elektronischen Gesundheitskarte. Siehe unten.
Reinhard Matthies macht wachsende Brutatlität aus, nicht nur auf dem Fußballfeld, wo kürzlich ein Schiedsrichter niedergeschlagen wurde. Siehe unten.
Joachim Reinhardt glaubt nicht, dass man den „rechten Bodensatz“ mit Argumenten erreichen kann. Siehe unten.

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Leserforum vom 1. November
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Jürgen Eiselt, Irene u. Walter Hillgärtner, Harald Blumhoff und Johannes Laubrock äußern sich zum Klimapaket der Bundesregierung und haben Vorschläge, was darüber hinaus getan werden könnte. Ihre Leserbriefe finden sich in der Einleitung zur Debatte über das Klimapaket: „Wir tauschen die wertvolle Natur gegen nahezu wertloses Geld ein„.
Zum Thema SUV äußern sich Hans-Karl Ortmann und ein weiterer Leser, der anonym bleiben wollte. Die beiden Leserbriefe finden sich in der Einleitung zur SUV-Debatte „Was macht SUV so reizvoll?

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Roland Klose basht Angela Merkel, Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas, die kurz nach Verabschiedung des Klimapakets mit verschiedenen Flugzeugen der Flugbereitschaft in die USA geflogen sind. Der Leserbrief findet sich in der Einleitung zur Debatte über das Klimapaket: „Wir tauschen die wertvolle Natur gegen nahezu wertloses Geld ein„.
Volker Knuth setzt sich kritisch mit dem Aus für Ölheizungen auseinander. Auch dieser Leserbrief findet sich in der Einleitung zur Debatte über das Klimapaket: „Wir tauschen die wertvolle Natur gegen nahezu wertloses Geld ein„.

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Leserforum vom 2. November
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Jörg Bilke und Manfred Stibaner geben Stimmungsbilder aus der Zeit um 1968 in der Serie „Mein 1968“. Ihre Beiträge sind solo hier im FR-Blog erschienen: „Die Studentenbewegung und mein innerer Vorbehalt“ und „Kritik sollte zulässig sein, dachte ich naiverweise„.
Alfred Bein kritisiert die Eröffnung eines Prozesses gegen ein kurdisches Folteropfer in Berlin. Siehe unten.
Georg Dovermann
findet die Sommerzeit unnatürlich. Siehe unten.
Manfred Kirsch
verteidigt die politische Korrektheit. Siehe unten.
Stefan Vollmershausen
lobt die Auszeichnung des äthiopischen Präsidenten mit dem Friedensnobelpreis. Siehe unten.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Wilfried Skupnik lobt den FR-Kolumnisten Michael Herl. Siehe unten.
Joachim Lang
lobt das FR-Leserforum und seine Autoren. Siehe unten.
Rolf Vogel
und Wilma Fischer schütteln die Köpfe über Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Siehe ganz unten.

fr-debatteDeutsche Ingenieurskunst

Zu: „SUV machen Klima-Fortschritte zunichte“, FR-Wirtschaft vom 22. Oktober

Der Anti-SUV-Protest kommt als städtischer Protest daher: „Dieses Auto gehört nicht in die Stadt!“ – Aber aufs Land? – 2,5 Tonnen Autogewicht wollen bewegt sein … Die Fehlleitung (endlicher) Ressourcen ist offensichtlich, die CO2-Bilanz desaströs.
Klima-Fortschritte könnten schnell realisiert werden – ohne eine Diskriminierung von SUV-Fahrer*innen: Tempo 120 auf den Autobahnen, Landstraße 80und innerörtlich 30 km/h; so forderte es jüngst auch die Linke/Hessen. Besonders der ÖPNV ist durch neue/zusätzliche, attraktive und preisgünstige Beförderungsangebote gefordert und stellt diese zeitnah zur Verfügung.
Ab dem 1.1.2021: Zulassung der Neu-PKW auf deutschen Strasse nur noch als Drei-Liter-Autos (drei Liter Spritverbrauch auf 100 km/h Fahrleistung). Verwunderlich, warum diese alte Forderung nicht gestellt wird. – Die deutsche Autoindustrie hätte eine einjährige Umstellungszeit und könnte sich durch smarte, intelligente, formschöne PKW profilieren Die so oft gepriesene deutsche Ingenieurskunst ist gefordert. Die deutsche Autoindustrie produziert die Drei-Liter-Autos so, dass eine 95-prozentige Wiederverwertung der PKW-Bauteile möglich ist und schafft in Deutschland die entsprechende Recycling-Industrie in Form einer „Kreislaufwirtschaft“. Der VW-Autogigant könnte an den Lupo anknüpfen!? Die Arbeitsplätze in der exportorientierten deutschen Automobil-Industrie wären absehbar gesichert.
Beim sozialökologischen Umbau sind auch die IG-Metall und die Eisenbahner-Verkehrsgewerkschaft etc. jetzt hart gefordert; es gibt bei unseren DGB-Gewerkschaften erkennbar Bereitschaft und politisches Wollen, eine klimafreundliche Wende bei der Erbringung von Leistungen mitzubewirken!“

Thomas Ewald-Wehner, Nidderau

fr-debatteEin Täter, der sich als Opfer geriert

Zu: „Streit um Pressefreiheit auf der Buchmesse“, FR-Regional vom 22. Oktober

Die alljährlich stattfindende Buchmesse wird von der Frankfurter Buchmesse GmbH, einem Wirtschaftsbetrieb des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, auf dem Gelände der Messe Frankfurt GmbH durchgeführt. Gesellschafter der letzteren sind zu 40 Prozent das Land Hessen und zu 60 Prozent die Stadt Frankfurt.
Hausherr der Buchmesse ist die Buchmesse GmbH. Aussteller, Fachbesucher und Privatbesucher erkennen deren Regelwerk bei der Anmietung von Ausstellungsfläche sowie bei Bestellung bzw. Kauf von Fachbesucher- und Besucherausweisen an. Pressevertreter müssen sich bei der Buchmesse akkreditieren lassen. Die Herstellung von Öffentlichkeit im Sinn der Pressefreiheit zählt zu den Leitlinien dieser Veranstaltung. Denn wo, wenn nicht dort, könnten Verlage, Buchhandel und Leser ihre freiheitliche Position besser deutlich machen?
Auch der Publizist und Verleger Götz Kubitschek (Antaios Verlag, Zeitschrift „Sezession“, „Institut für Staatspolitik“), welcher der „Neuen Rechten“ sowie den Sympathisanten der AfD zugerechnet wird, hat diese Geschäftsbedingungen formal akzeptiert. Aber ähnlich wie seine Freunde Björn Höcke und Alexander Gauland sucht er die Provokation, bis hin zur verbalen Gewaltandrohung. Bewusst geriert er sich bei jeder Gelegenheit als Opfer, obwohl er seit Jahren Täter ist, weil er die politische Landschaft mit einer rassistischen und völkischen Ideologie vergiftet. Diese steht im Widerspruch zu den Grundwerten der Verfassung.
Damit Kubitschek sein Spiel treiben kann, bedarf er der Unterstützung durch solche Vertreter von Behörden und Justiz, die über keine demokratische Kompetenz verfügen. Wenn Polizisten mit den Usancen des Presserechts offensichtlich nicht vertraut sind (wie der Vorfall auf der Buchmesse belegt) und sich von Hasspredigern wie Kubitschek instrumentalisieren lassen, fehlen ihnen wichtige Grundvoraussetzungen für die Ausübung des Polizeidienstes. Aber auch die Leitungsebene, also Polizeipräsident und Innenminister, erweist sich als fachlich und politisch ungeeignet. Denn sie toleriert Dummheit, Desinteresse und verfassungsfeindliches Verhalten ihrer Beamten.
Es ist höchste Zeit, dass das hessische Innenministerium und die hessische Polizei von Persönlichkeiten geleitet wird, die den Geist der Demokratie und des Rechtsstaats verinnerlicht haben und diesen auf allen Ebenen durchsetzen.

Klaus Philipp Mertens, Frankfurt

fr-debatteMit Atomwaffen verteidigt man nichts

Zu: „Bundeswehr trainiert Verteidigung mit Atomwaffen“, FR-Politik vom 19. Oktober

Hinter einer Kurzmeldung, fast schon zum Überlesen klein, versteckt sich die mehr als beunruhigende Nachricht, dass die Luftwaffe der Bundeswehr im Rahmen einer „geheimen“ NATO-Übung den Atomkrieg mit den in Büchel/Südeifel gelagerten US-Atombomben trainiert. Nachdem die NATO erst Anfang des Monats das für 2020 mit 37.000 beteiligten Soldaten geplante, größte Manöver seit 25 Jahren an den baltischen und polnischen Grenzen zu Russland angekündigt hat, darf man mit starrem Blick gen Osten spekulieren, gegen wen sich diese Atomkriegsübung richtet?
Derlei Kriegs-“Spiel“ als „Verteidigung“ zu bezeichnen, ist allerdings eine grobe Verballhornung der Bevölkerung. Mit Atomwaffen „verteidigt“ man nichts, sondern zerstört und vernichtet alles – selbst das eigene Leben! Die derzeit in einzelnen Militär- und Think tank-Kreisen vor allem in den USA aus den 80er Jahren wiederbelebten Gedankenspiele über die Führ- und Gewinnbarkeit eines „begrenzten“ Atomkriegs (selbstredend gegen Russland) sind unverantwortlich, moralisch und ethisch verwerflich und hochgefährlich.Hinzu kommt, dass die geprobte Verfügungsgewalt von deutschen Militärs über atomare Massenvernichtungsmittel gegen den Nichtverbreitungsvertrag verstößt, welcher jegliche Weitergabe von Atomwaffen explizit untersagt.
Diese sog. „nukleare Teilhabe“ ist für die Bundesregierung allerdings ein wesentlicher Grund, warum sie das einzig sinnvolle, nämlich den UN-Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 zu unterzeichnen und dem Bundestagsbeschluss von 2010 zu folgen, nämlich sämtliche Atomwaffen aus Deutschland zu verbannen, nicht folgen will.
Dessen ungeachtet schreitet der Ratifizierungsprozess jenes Atomwaffenverbotsvertrags voran. Momentan haben 79 Staaten unterzeichnet und davon 32 Staaten das parlamentarische Ratifizierungsverfahren abgeschlossen. Sobald das  in 50 Staaten der Fall ist, erlangt der UN-Vertrag völkerrechtliche Gültigkeit. Es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass dieser Prozess, ungeachtet des Boykotts aller NATO-Staaten, unaufhaltsam voranschreitet. Friedensbewegte Menschen sollten deshalb überall den Druck auf die eigenen Regierungen erhöhen, sich diesem Vernunftsweg nicht länger zu verweigern.

Bernd Bremen, Aachen

Was ist das für eine Politik?

Es sind nur drei Sätze, welche die FR am 19.10.2019 aus einer dpa-Meldung zitiert; aber die haben es in sich. Die Überschrift hierzu lautet: „Bundeswehr trainiert Verteidigung mit Atomwaffen“.
Frage: Was und wie kann in einem Spannungs- beziehungsweise Kriegsfall mit atomaren Waffen verteidigt werden? Die Nato versteht sich als Verteidigungsbündnis, aber hier, in diesem Manöver, soll nicht Verteidigung geübt werden, nein, hier wird für den (Erst-) Einsatz atomarer Waffen geübt. Laut Gutachten des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag aus dem Jahr 1996 handelt es sich bereits bei der Androhung des Einsatzes von Atomwaffen um einen Verstoß gegen das Völkerrecht im allgemeinen und gegen die Regelungen des humanitären Kriegsvölkerrechts im besonderen.
Was ist das für eine Politik, die es auch nur in Erwägung zieht, atomare Waffen, wo auch immer auf der Erde, einzusetzen? Wann endlich steigt die Bundesregierung aus diesem Horrorszenario aus und schließt sich dem Atomwaffenverbotsantrag an, für den sich im Juli 2017 122 Staaten ausgesprochen haben und den auch eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung befürwortet? Dann würden auch die in Büchel in der Eifel gelagerten US-amerikanischen Atombomben verschwinden, für deren Einsatz in der vorigen Woche geübt wurde.

Gerhard Kern, Hofheim

fr-debatteVerseuchung ist seit langem bekannt

Es fällt schwer zu glauben, dass die PFC-Belastung am Standort Terminal 3 so nicht vorhergesehen wurde. Dass viele Militärbasen mit PFC verseucht sind, ist seit langem bekannt. Es ist deshalb naheliegend, dass die US Airbase Rhein-Main als bis 2005 wichtigste Militärbasis außerhalb der USA („Gateway to Europe“) in besonderem Maße davon betroffen ist. An den neuen Standorten in Ramstein und Spangdahlem ist PFC seit langem ein Thema. Auf der US Airbase Ramstein wurden bereits 2003 die dortigen Trinkwasserbrunnen wegen PFC-Belastung geschlossen und durch eine externe Versorgung der Stadtwerke Kaiserslautern ersetzt. Seitdem wird dort über ein Pumpwerk eine dynamische Wasserscheide zu umliegenden Trinkwasser-Einzugegebieten hergestellt – als Ewigkeitslast. An der US Air Base Spangdahlem liegt die PFC-Belastung des Oberflächenwassers drastisch über den zulässigen Grenzwerten. Die dortige Verbandsgemeinde Wittlich-Land führt eine gerichtliche Auseinandersetzung mit der zuständigen Bundesanstalt für Immobilien wegen der nicht tragbaren Kosten für die Entfernung und Entsorgung von PFC-verseuchten Erdreich. Zudem können verseuchte Klärschlämme nicht auf Ackerflächen entsorgt werden. Auch bei einigen Bundeswehr-Fliegerhorsten sind PFC-Kontaminationen seit Jahren bekannt. PFC-Substanzen sind biologisch praktisch nicht abbaubar. Die angeblich anvisierte Zwischenlagerung über fünf bis zehn Jahre in der Gemarkung Mörfelden-Walldorf erinnert an den Umgang mit hoch radioaktiven Abfällen aus Atomkraftwerken. Dafür gibt es bis heute keine geeigneten Endlager, d.h. sogenannte Zwischenlagerungen von Ewigkeitslasten erfolgen dort bereits seit Jahrzehnten.
Das wirft die Frage auf: Wurde die hier bekannte PFC-Belastung nach 2005 bewusst klein gerechnet und nicht messtechnisch umfassend untersucht, weil notwendige Entsorgungsnachweise gegenüber dem RP das Genehmigungsverfahren für das Terminal 3 gefährdet hätten?

Karl-Heinz Peil, Frankfurt

Belastung ist höher als zunächst angenommen

Perfluorierte Chemikalien – PFC – sind für Menschen und Tiere toxisch und stehen im Verdacht Krebs zu verursachen. Im Körper reichern sich PFCs im Blut und im Organgewebe an und werden nur langsam ausgeschieden. Sie gelten in der Natur als nicht abbaubar und werden deshalb als langlebige organische Schadstoffe eingestuft. Das Inverkehrbringen und die Verwendung eines Teils der perfluorierten Chemikalien sind deshalb seit dem 27. Juni 2008 von der Europäischen Kommission verboten.
Dass auf dem Gelände des Flughafens Frankfurt Altlasten von PFCs existieren (wesentlich verursacht durch die Verwendung von Feuerlöschschäumen bei Übungen), insbesondere auch im Bereich der ehemaligen Rhein-Main-Airbase – dem Bauplatz für das neue Terminal 3- ist seit Jahren bekannt. Ebenso ist bekannt, dass die PFCs vom Boden in das Grundwasser übergehen. Im Norden des Flughafens wird deshalb versucht, den Grundwasserstrom in einer Sanierungsanlage von den PFCs zu reinigen.
Das Regierungspräsidium Darmstadt schrieb im August 2017: „Die im Boden nachgewiesenen Belastungen mit PFC im Bereich der ehemaligen US Air Base wurden im Rahmen von Baumaßnahmen und nach dem Abbruch der Gebäude im Rahmen der Geländenivellierung ausgehoben und beseitigt.“
Auch die trotz der angeblichen Bodensanierung weiter ansteigenden Konzentrationen von perfluorierten Chemikalien im Grundwasserstrom im Norden des Flughafengeländes und an einer Grundwassermessstelle in Schwanheim konnten das Regierungspräsidium nicht von dieser – wie sich jetzt herausstellt – Fehleinschätzung abhalten.
Die riesige Baugrube für das Terminal 3 wurde bereits 2017 ausgehoben. Trotz eines zwischen Fraport und dem Regierungspräsidium abgestimmten Monitoringkonzepts wird erst jetzt (2019!) festgestellt, dass die Belastungen mit PFC höher sind als angenommen.
Da drängen sich Fragen auf:
Wurde die riesige Menge des bisherigen Aushubs ausreichend beprobt und entsprechend der Schadstoffbelastung auf einer spezialisierten Deponie gelagert?
Was geschieht mit dem weiter anfallenden gesundheitsschädlichen Aushub bis zu der eventuellen Einrichtung eines Zwischenlagers?
Wer verantwortet die offensichtlich widersprüchlichen Aussagen?
Frau Rippegather, bitte recherchieren Sie weiter!

Gabriele Franz, Kelkheim

Hingucker für die ganze Welt

Wie hoch wird ein Hügel aus einem Aushub von 6.6 Hektar und 14 Meter Tiefe ? Und wohin mit der giftigen Erde ? Die Antwort ist ungewiss. Mein Vorschlag: Fraport schafft mit dem Aushub eine Cheops-Pyramide, nur etwas kleiner, aber mit einer weißen Abdeckung, wie Cheops mal aussah.
Die Cheopspyramide ist 230 x 230 Meter und war 147 Meter hoch. Die Fraport Pyramide aus dem Aushub wäre 163 x 163 Meter bei einer Höhe von 104 Meter. Das wäre ein Hingucker für die ganze Welt.

Wolfgang Guhr, Gründau

Gänzlich ungestraft

Fluglärm: „Nachtruhe seltener gestört“, FR-Regional vom 8. Oktober

Die FR meldet auf ihrer Lokalseite 76 Starts und Landungen im September in der Zeit zwischen 23 und 24 Uhr. 76 Mal durfte die Fraport AG mit ihrem Geschäftsmodell erneut völlig legal und gänzlich ungestraft das grundgesetzlich verbriefte Recht der Bürger der Bundesrepublik Deutschland auf körperliche Unversehrtheit mit Füßen treten. Bis zum 31. August starteten und landeten in der gesetzlichen Nacht von 22 bis 6 Uhr sage und schreibe 24 144 Maschinen, davon 194 sogar noch in der nachtschlafenden Zeit von 23.30 bis 24 Uhr.
Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass es eigentlich gar kein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen gibt, sondern lediglich nächtliche Betriebsbeschränkungen. Dennoch wird Fraportchef Schulte nicht müde zu betonen: „Es gibt weltweit kein Luftfahrt-Drehkreuz dieser Größenordnung, das solch ein hartes Nachtflugverbot hat“. Der Fake-News-Virus hat sich ganz offensichtlich jetzt auch in den Vorstandsetagen des Flughafenbetreibers eingenistet.

Hans Schinke, Offenbach

fr-debatteJagd auf Nilgänse

Zu: „Nilgänse vertreiben andere Arten nicht“, FR-Regional vom 15. Oktober

Wieder ein Bericht um die eingewanderte Art Nilgans zu schützen. Wenn Herr Weirich das Verdrängen und Bekämpfen anderer Arten nicht bestätigen kann, dann sind Nilgänse ganz friedlich und keine Bedrohung für einheimische Arten. Ich persönlich habe aber schon mehrmals aggressives Verhalten gegen andere Wasservogelarten erlebt. Dieses Verhalten beschreibt Herr Weirich ja nur gegenüber der eigenen Art. Dem ist nicht so. Andere Arten werden massiv bedrängt, dero Nachwuchs wird getötet. Durch die mehrmalige Brutanlage wird der Bestand immer weiter in die Höhe getrieben. Ja, irgendwann ist ein Höchststand erreicht, dann tritt aber eine Abwanderung ein, um andere Teiche, Seen und Gewässer zu besiedeln und dort den Verdrängungsakt von neuem zu vollziehen.
Zur Anzahl der Brutgelege kann ich durch meine Erfahrungen sagen, dass zwei Gelege die Mindestanzahl sind, die Regel sind drei. Ändern sich die Lebensbedingungen zu ihren Ungunsten, wandern die Tiere ab und verlagern das Problem Nilgans in andere Bereiche. Um Nilgänse erfolgreich und dauerhaft zu vergrämen, ist eine dauerhafte Bejagung erfolgreich. Alle anderen mir bekannten Maßnahmen führten bisher zu keinem ausreichenden Erfolg.

Stefan Ziegler, Frankfurt

fr-debatteBöses Erwachen

Proteste aus der Landwirtschaft: „Bauer Willi und die Wut“, FR-Wirtschaft vom 23. Oktober

Leben ist Veränderung, Veränderung macht Angst. Und wer davor die Augen verschließt, sei es aus Angst oder weil es eben einfacher ist, wacht irgendwann auf und hat Schwierigkeiten. Da helfen dann hoffentlich keine Proteste, sondern nur anpacken, hinschauen, nachholen, was versäumt wurde. Die Landwirtschaft muss sich verändern, sonst geht sie mit uns allen drauf.

Brigitte Heinzmann, Frankfurt

Schamlose Demo gegen harmlose Gesetze

Ich finde, die Bauern sollen sich schämen. Anstatt aus Anstand schon lange dafür gesorgt zu haben, dass keine Gülle mehr unser Trinkwasser versaut und anstatt freiwillig z.B. einen Randstreifen auf ihren Feldern ungedüngt und ungespritzt zu lassen, damit ein paar Mohnblumen und Kornblumen gedeihen können, um den Bienen und anderen Insekten eine Überlebenschance zu geben, demonstrieren sie mit Macht, verführt von ihren Verbandsfunktionären, gegen die wenigen harmlosen Gesetze, welche ihnen genau dieses nun spät genug zur Aufgabe machen wollen.

Wolfgang Wurtz, Oldenburg

fr-debatteIn Eigenregie bis zuletzt

Sterbehilfe: „Ein letztes Glas Sekt“, FR-Panorama vom 24. Oktober

Welch eine tröstliche lebensbejahende (ja!) liebevolle Vorstellung: bis zur letzten Minute Regie über sein Leben führen zu dürfen, wie es die Sportlerin Marieke Vervoort – in Belgien – konnte. Sie hatte die Erlaubnis zur Sterbehilfe bereits vor elf Jahre genehmigt bekommen. Das Wissen, ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu können, gab ihr „ein Stück Ruhe und Würde“! Wie wunderschön. Ja, es ist eine schöne Vorstellung so eine Unterstützung für eine schwere Zeit zu bekommen. Wovor haben deutsche Politiker Angst? Warum gönnt man uns diese Würde nicht? Warum nötigt man die, die sich dieses Recht aber nun mal nicht nehmen lassen wollen, zu brutalen, oft asozialen Todesarten (Hochhaus/Bahn/qualvolle Vergiftungen)? Das soll humaner sein?

Bärbel Neuwirth, Hanau

fr-debatteSexistischer Sport

Zu: „Abgedroschen“, FR 7 vom 19. Oktober

Sorry, liebe „Pick-Up-Artisten“. Ich kann in Euch keine Jäger, Helden o.ä. sehen, sondern nur arme Würstchen, die es nötig haben, ein so schönes Spiel wie das Flirten zu einem sexistischen Sport zu machen.

Beate Reichert, Wetter

fr-debatteEin Stück Selbstständigkeit

Zu: „„Die Zeit selbst fing zu fahren an“, FR-Feuilleton vom 18. Oktober

„Auto-Biografie“, eine sehr gelungene Wortschöpfung von Christian Thomas- nur mittels Bindestrich! Was mich beim Lesen dieser selektiven Entdeckungsreise ins Werk von Peter Kurzeck sofort ansprang, war die starke Poetisierung des Gegenstandes Auto. Und der Kontrast, der sich zur heutigen Sicht der Dinge herstellt. Ich war erfreut und zugleich erschrocken.
Welche Rolle haben die verschiedenen Fahrzeuge im eigenen Leben gespielt? Alle werden sie durch die Lektüre wieder lebendig: Der gebrauchte 2CV, der schon neue VW Käfer, der Ford Taunus, der R4, der R16 ….. Die Erinnerung wird durch die Namen geleitet. Gerüche und Geräusche, Gefühle und Geschehnisse sind wieder da. Mein Bauch erinnert sich sehr gern daran. Mein Kopf sucht eine Begründung: Das Auto war erster Besitz nach Jahren studentischer Einschränkungen. Mit dem Auto gewann man ein Stück Selbstständigkeit – auch in Liebesdingen. Eltern und Vermieter duldeten Zweisamkeit nicht.
Die Neugier der nicht ans Reisen gewöhnten Generation war enorm. Es gab so vieles zu entdecken: neue Landschaften, Städte, fremde Sprachen, Menschen, Kulturen. Dass im Zuge der eigenen Etablierung die Fahrzeuge teurer und prestigeträchtiger wurden, sei nicht verschwiegen.
Diese durchaus positive Erinnerung kontrastiert stark mit dem zeitgeistigen Befund: Das Auto ist eine Plage! Nicht das einzelne Auto, es ist die Masse! Die Masse der Autos verbraucht zu viel Platz, zu viele Ressourcen, erzeugt zu viele Abgase. Fazit: Gottseidank wachsen neue Generationen heran, die neue Dinge emotional „besetzen“. Und die wehmütige Erinnerung stirbt mit den Alten.

Gerhard Kühn, Darmstadt

fr-debatteAchtsam gegen Mobbing

Mobbing: „Psychische Probleme bei Schülern“., FR-Wissen vom 12. Oktober

Mobbing war, ist und wird vermutlich stets ein ernsthaftes Problem in Schulen sein, sofern man weiterhin konsequent Themen wie Persönlichkeitsentwicklung aus pädagogisch- psychologischer wie auch aus soziologischer Sicht, damit einhergehende mögliche Schwierigkeiten und Herausforderungen sowie Gefahren als Erziehungsanforderung allein dem Elternhaus zuschreibt.
Es ist längst überfällig, das Lehrpersonal flächendeckend adäquat im Bereich der Prävention zu Schulen, damit diese entsprechende Verfahren in einer konsequenten Regelmäßigkeit im Unterricht einsetzen, so dass die SchülerInnen insbesondere im Bereich Selbstreflexion befähigt werden. Denn auch komplett ausgebildetes Fachpersonal mit abgeschlossenem Referendariat hat diesbezüglich diese Themen nur angeschnitten!
Ein hervorragendes Tool dafür ist: Achtsamkeit.
Neben den durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegten positiven Wirkungen auf das Immunsystem und das Gehirn, was schon für sich genommen einen großen Benefit darstellt, ist Achtsamkeit in Form von Meditation und als ganzheitliche Grundhaltung die Königsdisziplin der Selbstwahrnehmung, -erkenntnis, -fürsorge und damit eine gute Basis für Selbstregulation. Das wirkt sich , insbesondere durch Anwendung der Metta-Meditation ebenso positiv auf die Selbstsicht und-wirksamkeit wie auch auf die Sicht und den Umgang mit Dritten, z.B. Freunde, Eltern und Klassenkameraden aus und stellt folglich eine solide Mobbing-Prävention war. Selbstverständlich soll das die explizite Thematisierung über Lektüre oder Sachliteratur im Deutsch-, Politik- und Wirtschafts, Ethik-, Religionsunterricht nicht ersetzen. Letzteres findet aber immer nur exemplarisch statt, sodass eine nachhaltige Implementierung nicht unbedingt gewährleistet ist. Dazu bedarf es ganzheitlichen Ansatzes. Dazu sollte dies in regelmäßigen, über Jahre hinweg, sinnvoll aufeinander aufbauenden, wiederholten Übungen im Unterricht angewendet werden. Damit wären die S. Dann auch besser auf die turbulente Zeit der Pubertät , in der sie mitunter anstrengende, tiefgreifende Veränderungen, oft auch unbewusst, durchleben, vorbereitet.
Zwei Voraussetzungen sollten dabei in jedem Fall berücksichtigt werden: das Lehrpersonal muss selbst regelmäßig Achtsamkeit- Techniken anwenden und muss die Wirksamkeit sowie potentielle Gefahren in all ihren Bekannten Facetten kennen und bei der Umsetzung berücksichtigen.
Dies könnte durch regelmäßige Schulungen für das gesamte Kollegium, etwa an pädagogischen Tagen oder sonstigen Fortbildungsveranstaltungen, auch unter Erweiterung der Schulung hinsichtlich gewaltfreier Kommunikation gewährleistet werden. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, direkt in die Lehrerausbildung zu integrieren!
Zeit ist stets das zentrale Argument gegen Achtsamkeit, sei es bei Schülern, die in der Zeit ja z.B. digital nicht sofort reaktionsbereit sind, aber auch bei Lehrern, Eltern usw. Wägt man allerdings ab, wie viel Zeit und Geld es kostet, Depressionen, die sich oft auch erst im Erwachsenenalter zeigen, auch wenn generell bei Kindern- und Jugendlichen ein Anstieg dieser Erkrankung zu manifestieren ist, und/oder Mobbing zu bekämpfen, dann fallen für Letzere wohl deutlich höher aus!
Letztendlich könnte das auch ein entscheidender Schritt in Richtung- fürsorglicher Umgang mit unserer Natur sein, wofür es allerhöchste Zeit ist! Nur mit Innovation, Verboten und Anreizen ist das kaum zu stemmen. Selbstbeschränkung im Sinne des Suffizienzprinzips ist als Baustein zum Klimaschutz obligatorisch, und dies tut mit einer achtsamen Grundhaltung gleich viel weniger weh! Deswegen: Achtsamkeit in der Schule – auf geht’s!

Carolin Mergardt, Frankfurt

fr-debatteBedeutsam für Weiterbildung

Fern-Hochschulen: „Eine unbemerkte Avantgarde“, FR-Meinung vom 25.10.

Mit großer Freude, ja Überraschung, habe ich den Gastbeitrag zum Fernstudium gelesen. Auch in der Rundschau kommt dieses Thema nie vor. Dabei kommt den Fernunterricht/-studium bereits seit Mitte des 19. Jahrhundert für die Weiterbildung Berufstätiger große Bedeutung zu. Zu den Pionieren in Deutschland gehörten zum Beispiel Gustav Langenscheidt, Simon Müller und Robert Hochfeld. Ziel war es, „breite Schichten der Bevölkerung an die Volksbildung heranzuführen“. Inhaltlich standen zunächst technische Fächer und Sprachen im Vordergrund. Die erste Fernhochschule wurde bereits 1921 gegründet. In der Weimarer Republik besuchten bereits über 100 000 Teilnehmer (überwiegend männlich) Fernkurse. Seitdem hat sich der Fernunterricht/das Fernstudium (mit Unterbrechung im Dritten Rech) stetig entwickelt. Aktuell dürften über 500 000 Teilnehmer/Innen eine Weiterbildung per Fernunterricht/-studium besuchen. Das Buch „Geschichte des Fernunterrichts“ 2017 im Bertelsmann Verlag erschienen, zeichnet die Entwicklung dieses „unbemerkten“ Weiterbildungsbereichs nach.

Heinrich Dieckmann, Darmstadt

fr-debatteTräger Stickstoff

Zu: „Zwei Drittel aller Diesel fallen durch“, FR-Wirtschaft vom 19. Oktober

Stickoxide beim Diesel sind das Ergebnis der Leistungsoptimierung durch Aufladung. Alte leistungsschwache Saugdiesel waren trotz gelegentlicher Rußwolken verbrennungstechnisch weitaus sauberer, allerdings noch ohne Abgasnachbehandlung. Alles erinnert an Goethes Zauberlehrling, der die von ihm gerufenen Geister nicht mehr los wurde.
Luftstickstoff ist ein träger Geselle, der mit nichts freiwillig reagieren mag, deshalb auch der hohe Anteil in der Atmosphäre. Nur unter extremen Bedingungen lässt sich Luftstickstoff in eine Verbindung prügeln, besonders reichlich bei hohen Verbrennungstemperaturen, hohem Druck und großem Luftüberschuss, also vor allem in Dieselmotoren und weitaus schlimmer und ungestraft in Flugzeugtriebwerken. Schlüssel der NOx-Problematik ist der Luftüberschuss. Denn anders als beim Ottomotor mit einer exakten Mischung aus Luft und Treibstoff wird beim Dieselmotor und bei Triebwerken aus verbrennungstechnischen Gründen weitaus mehr Luft in den Brennraum gepresst als zur Verbrennung notwendig ist . So wird besonders viel Luftstickstoff einem Milieu ausgesetzt, in dem es zu der unerwünschten Bildung von Stickoxiden kommt. Also runter mit Luftüberschuss und Leistung und schon ist das Problem weg, wenn auch mit Mehrverbrauch.
Über die Gefährlichkeit von Stickoxiden lässt sich trefflich streiten. Am Arbeitplatz ist das Fünfundzwanzigfache der Grenzwerte im Verkehr zugelassen. Im Gegensatz zur Arbeit gibt es Verkehr rund um die Uhr, letztlich aber nur wenige Stunden mit Hochbelastung. Die Zwangsverbindung Stickoxid ist instabil und zerfällt von selbst, wenn auch unter Freisetzung von Freien Radikalen, also atomarem Sauerstoff O1, der sich sofort ein Geschwisterchen des gleichen Schicksals krallt und zum Molekül O2 verbindet, also dem Luftsauerstoff. In der Eile des Massengeschäft greift sich das O1 anstatt eines ebenfalls verwaisten Leidensgefährten auch mal ein biologisches Molekül. Genau das kommt auch im normalen Stoffwechsel vor und die Natur hat Abwehrmechanismen erfunden, wenn auch nicht für die menschgemachte Überflutung. Also weniger mit dem Stadtpanzer zum Bäcker fahren, weniger zum Christmas-Shopping nach Neu York fliegen, weniger eingeflogene Lebensmittel kaufen und schon ist die Welt halbwegs heil.
Übrigens: Der völlig deplatzierte Innenstadtflugplatz Fraport verbläst jeden Tag im Nahbereich 1 Million Liter Kerosin zu einem sich absenkenden Giftcocktail mit hohem Anteil an Stickoxiden und Ultrafeinstaub. Aber das ist eine heilige Kuh.

Hartmut Rencker, Mainz

fr-debatteAuf leisen Sohlen mit der Rübenfratze

Zu: „Halloween? Hannover? Hunger!“, FR-Panorama vom 25. Oktober

Auf Seite 40 Ausgabe ist das nette Foto der kürbisfressenden Erdmännchen. Immer wieder höre und lese ich, so auch hier, von der eingeführten Tradition des amerikanischen Hallloweens. Zurecht als „bekloppt“ benannt. Allerdings muss ich hier eine Geschichte aus meiner Kindheit erzählen, die das ganze Trara vielleicht in ein etwas anderes Licht rückt: Mein Elternhaus war in Wetzlar, mein Opa war Nebenerwerbslandwirt in Philippstein, nahe bei Braunfels, also am Rande des östlichen Nordtaunus. Immer in den Ferien durfte ich dorthin fahren, was ich mit großer Freude wahrgenommen habe. Für mich war das wie Büllerbü. Ein Abenteuer fand in den Herbstferien statt: nach dem Ende der Rübenernte (Futterrüben für die Schweine) haben die Kinder sich die größten Rüben ausgesucht, ausgehöhlt, mit einem Gesicht versehen, dann auf einen Stecken gesteckt und an einem Abend in den Herbstferien sind wir mit leisen Sohlen durch die Straßen. Bei jedem Fenster was wir erreichen konnten, haben wir dann die Rübenfratze hineingehalten und hofften möglichst viele -kleine Kinder und die Erwachsenen- zu erschrecken. Für alle, Kinder und Erwachsene ein gruseliges und lustiges Erlebnis. Ich habe dies erleben dürfen in den Jahren zwischen 1955 bis ca. 1964. Dies hatte nicht den Namen Helloween, sondern es war einfach nur ein Brauchtum welches die Kinder unter sich weiter gereicht haben. Was daraus geworden ist? Ich weiß es nicht. Ich finde es nur schade, dass solche heimatlichen und jahreszeitlich bedingten Bräuche von diesen konsumbestimmten Festen völlig überlagert und dann (vielleicht) vergessen werden.

Rosemarie Ukrow, Darmstadt

fr-debatteNicht mal ein Tempolimit

Zu: „Was darf Widerstand?“, FR-Titel vom 25. Oktober

Ehrlich gesagt müsste die Frage eher lauten: „Was muss Widerstand?“ Beinah täglich können wir lesen und hören, dass es für den Planeten fünf nach zwölf ist, dass die Klima-Katastrophe praktisch nicht mehr aufzuhalten ist. Und was passiert? Nichts! Den jungen Menschen wird ihre Zukunft gestohlen und unsere Regierung kriegt nicht mal ein Tempolimit zustande, geschweige denn einen kostenlosen Nahverkehr. Man lobt sich für Blödsinn wie das Verbot von Trinkhalmen. Dass die Jungen an der Arroganz der Alten langsam verzweifeln, wundert mich nicht.

Renate Hoch-Ohnesorg, Horgau

Diese Frage wird weder diskutiert noch beantwortet

Die Überschrift  und das darüber zu sehende Foto von angeketteten DemonstrantInnen ist irreführend. Denn auf den folgenden zwei Seiten wird ja gerade diese Frage weder diskutiert noch beantwortet, sondern es geht in den Artikeln nur um den Unterschied zwischen „Rebellion Extinction“ und „Fridays for Future“ und auch, wie wirksam diese Bewegungen sind. Das ist zwar ganz nett zu lesen, aber das Thema ist verfehlt, denn: Hat das etwas mit der zum Lesen verlockenden Überschrift zu tun? Mitnichten. Deshalb bitte ich die FR, sich wirklich ernsthaft mit diesem Thema von der Diskrepanz zwischen Gesetzgebung (in der Widerstand nur in engstem Rahmen erlaubt ist) und Moral (Rettung des Klimas) zu befassen. So aber war die Überschrift ein Lockangebot, das nur schale Ware präsentierte.

Petra Brixel, Stuttgart

fr-debatteEine Mauer in Kansas

Zu: „US-Republikaner stürmen Anhörung “, FR-Politik vom 25.10.

Eine weitere Mauer braucht man sicherlich nicht, weder im US-Bundesstaat Colorado noch in meinem Heimat-Bundesstaat Kansas. „Schutz“ wünscht man sich in Kansas vor allem dann, wenn ein Tornado aufzieht. Welche „Vorteile“ die Kansaner von einer neuen Mauer hätten (sie sollen die „benefits“ vom neuen Mauerbau erhalten, so US-PräsidentTrump), sind leider nicht gleich zu erkennen. Die Entfernung übrigens zwischen Kansas City und Mexiko-Stadt beträgt etwa 2500 Kilometer.
Eigentlich wurde erst vor Kurzem eine neue Mauer in Kansas City errichtet, und zwar eine interaktive „Walking Wall“ (Kunstinstallation, Nelson-Atkins Museum of Art). Sie bringt Menschen zusammen, fördert Bewegung für Leib und Seele und schafft große Freude. In Sachen Mauerbau dürfte das wohl reichen. Im Übrigen: Über die letzte kleine Einwanderungswelle aus Mexiko nach Kansas in den 1990ern haben sich die meisten Einheimischen gefreut, zumal diese Einwanderer – rund 5000 Plautdietsch-sprechende Mennoniten aus Mexiko – dringend benötigte Arbeitskräfte mitbrachten.

Jeffrey Myers, Frankfurt

fr-debatteEin hoher Preis für die Fans

Eintracht Frankfurt: „Andy wird dem Verein guttun“, FR-Sport vom 7. Oktober

In der aktuellen Debatte darüber, ob die Besetzung von A. Möller als Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums (NLZ) eine kluge Entscheidung ist, werden den Gegnern dümmliche Motive unterstellt, dass sie sich bei ihrem Meinungsbild etwa von Sprüchen leiten ließen, die Möller in einem nicht-allgemeingültigen Zusammenhang von sich gab. Weiter wurden die Möller-Gegner abgebürstet, weil sie eine Entscheidung beeinflussen wollten, für die nicht sie, sondern die hierfür verantwortlichen Gremien – bzw. Personen – zuständig sind.
Diese „Argumente“ treffen in keiner Weise den Kern. Andreas Möller war ein wunderbarer Spieler. Mit ihm – und u.a. dank ihm – hat es die Eintracht Anfang der 1990er Jahre letztmalig beinahe geschafft, Deutscher Meister zu werden. Er war ein „Frankfurter Bub“ und wurde zum Hoffnungsträger. Als er Vereinstreue versprach und noch im gleichen Jahr erstmals wechselte, war der Weg zum Bild als „Verräter“ kurz. Nur wenig später, in der gleichen Dekade der 90er Jahre, wäre die Eintracht dann beinahe in die Insolvenz gegangen. Die Octagon-Millionen waren rasch verbraucht, ein Abstieg in den Amateurbereich drohte, der Verein stand vor einem Scherbenhaufen. Diese Epoche hat sich für viele Fans wie eine Erfahrung unter dem Brennglas fixiert. Als neuer Hoffnungsträger und einzig sicherer Pfand wurde daraufhin die gute Nachwuchsarbeit der SGE identifiziert, aus der immer wieder neue Talente kamen. So entstand – als nachhaltiges Konzept – die Idee, den maroden Riederwald zu sanieren. Am Ende war es sicher Wolfgang Steubing, der finanziell den entscheidenden Anteil übernommen hatte, aber seine Bereitschaft wurde maßgeblich durch die ungezählten Fans unterstützt, die sich – aus ihrem Ersparten – mit vierstelligen Beträgen am neuen Riederwald beteiligten. Ihre Namen sind dort verewigt.
Heute ist es sicher nützlich, wenn das NLZ demnächst zu den Profis ins Stadion wechselt. Dennoch bleibt es die Geschichte, die Anstrengung seinerzeit, sich für Krisenzeiten zu rüsten, indem man gemeinsam den Markenkern der Eintracht sichert.
Es hätte sich kein Widerstand geregt, wenn ein Fachmann ohne Vereinsbezug (bspw. M. Pezzaiuoli) NLZ-Leiter geworden wäre und Möller darauf beschränkt geblieben wäre, sich in dem wertvoll-neuen Umfeld der ehemaligen Spieler getummelt hätte, die heute als Vereinsrepräsentanten auftreten. Der Spieler A. Möller ist aber stets dorthin gewechselt, wo er für sich den größten Vorteil sah. Identifikation mit einem Verein spielte für ihn keine Rolle, er vollzog selbst einen Wechsel von Dortmund nach Schalke. Diese Haltung ist legitim, sie passt aber nicht zu einem Vorsteher des Markenkern-Hortes.
Es ist diese Geschichte, die viele SGE-Fans hoffen ließ, Peter Fischer und Axel Hellmann könnten Fredi Bobic – der sie nicht kennen konnte – zu einer Kurskorrektur im Falle Möller veranlassen. Ich bin überzeugt, dass sie es versucht haben, denn Bobics Erklärung, dass ihn die Ansichten der Fans nicht interessieren würden, war m. E. nicht an die Fans adressiert. Warum hätte er denen noch sein Desinteresse erklären sollen? Er brachte zum Ausdruck, dass nicht die Fans, sondern Hellmann und Fischer für ihn entscheidend sind. Und mit seiner Erklärung, wer gegen Möller sei, der sei auch gegen ihn, hat er gegenüber den beiden öffentlichen Druck aufgebaut. Nachdem dann die Anstellung Möllers nicht einfach mitgeteilt wurde, sondern man die Öffentlichkeit auch auf das Abstimmungsergebnis von Verein und AG hinwies („einstimmig“), hatten Hellmann und Fischer diesem Druck offensichtlich nachgegeben.
Die SGE-Fans haben Fredi Bobics klugem Management enorm viel zu verdanken. Dass er in der Personalie Möller nicht auf die Bedenken der ortsverbundenen Kollegen gehört hat, stellt allerdings einen hohen Preis dar.
Die Identifikation der SGE-Fans, die bedingungslose Unterstützung der Mannschaft, war in den letzten 30 Jahren m. E. nie größer als zur Zeit. Und dieser Support trägt die Mannschaft. Eine Identifikation wächst vielschichtig und ist stets störungsanfällig. Es ist ein Irrtum, das ausgeprägte Maß an Identifikation allein auf die aktuellen sportlichen Erfolge zurückzuführen.
Kein Eintrachtfan kann sich wünschen, dass – wegen Möller – die erfolgreiche Arbeit von Fredi Bobic irgendwie beschädigt wird. Und in der Struktur müssen Personalentscheidungen natürlich die Aufgabe des Vorstands sein, dabei gehört es aber zu einem umsichtigen Management, Vorbehalte der Basis – wenn diese ein gewisses Maß an Massivität besitzen – in seine Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Nachdem die kritischen Fans bei der Entscheidungsfindung pro Möller aber kein Gehör fanden, erscheint es mir in der weiteren Aufarbeitung wichtig, dass deren Motive nicht nur als dümmlich und anmaßend denunziert, sondern zurecht wertschätzend wahrgenommen werden.

Fedor Weiser, Gießen

fr-debatteSechs Monate Nabelschau

SPD-Vorsitz: „Blamage vermieden“, FR-Meinung vom 28. Oktober

Die Analyse von Andreas Niesmann führt noch nicht weit genug. Zum einen bleibt das eigentlich Beunruhigende beim SPD-Mitgliedervotum, dass die gegenwärtige Parteispitze den Prozess wie in einem Paralleluniversum als großen Erfolg bewertet, obwohl eine sechsmonatige Selbstbeschäftigung als Außenerscheinungsbild gerade in Zeiten einer tiefen Akzeptanzkrise schlicht eine Katastrophe ist. Zum anderen dürfte das magere Ergebnis für Olaf Scholz nicht nur auf dessen Präferenz für die große Koalition als mögliches Sprungbrett für eine spätere Kanzlerkandidatur beruhen, sondern ebenfalls auf der extrem dünnen Programmatik insbesondere bei den großen Zukunftsaufgaben, die schon bei ihm in Hamburg erkennbar war, als mit der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung zwei urbane Megatrends leider ziemlich verschlafen wurden. Deshalb muss vor allem bei den Inhalten vom nächsten SPD-Vorstand wesentlich mehr kommen, wobei es bereits ein erster guter Schritt wäre, zum Beispiel bei der Digitalsteuer nicht mehr auf Zeit zu spielen, sondern endlich ein konkretes Konzept vorzulegen, deren Einnahmen man im Übrigen auch dazu verwenden könnte, den unabhängigen Journalismus in Deutschland zu stärken!

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

fr-debatteDer ausgebremste Fortschritt

Digitalisierung: „Vom Musterschüler zum Entwicklungsland“, FR-Thema vom 9.10.

Der Beitrag von Imre Grimm über das „digitale Entwicklungsland“ Deutschland ist ein gutes Beispiel für eine rein an wirtschaftlichen Interessen orientierte Sicht auf Modernisierungsprozesse, die alle gesellschaftlichen Bereiche umfassen und uns alle betreffen. Ähnlich wie die Wirtschaftspartei FDP vor der letzten Bundestagswahl plakatierte („Digital first – Bedenken second“), sieht der Autor den sogenannten digitalen Umbau als alternativlosen Prozess, der den BürgerInnen nur Vorteile bringt. Alle kritischen Einwände werden mit Begriffen und Formulierungen wie „irrationale Ängste“, „Deutschland wird abgehängt“, „Verlierer“ oder „hysterisch“ völlig diskreditiert. Eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Sinnhaftigkeit von digitalen Anwendungen und über mögliche Folgen technischer Entwicklungen auf unser Zusammenleben, unsere Demokratie, unsere Gesundheit und unsere Umwelt soll möglichst nicht stattfinden. Mir ist durchaus bewusst, dass technische Entwicklungen in der Regel weder „gut“ noch „böse“ sind, sondern dass es vielmehr auf die konkrete Anwendung von Technik ankommt. Es wäre deshalb zu diskutieren, ob bestimmte digitale Anwendungen grundsätzliche Verbesserungen bringen, ob enorme Kosten einen geringen Nutzen rechtfertigen, ob Zwangsdigitalisierung unsere Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten zunehmend einschränkt, ob sogenannte „Start-ups“ überhaupt sinnvolle Produkte entwickeln, ob der digitale Überwachungsstaat und die Manipulation im „Netz“ unsere Demokratie aushöhlt oder wie sich unsere sozialen Beziehungen durch „soziale Netzwerke“ verändern. Stattdessen entwirft der Autor das dramatische Szenario eines „abgehängten“, technikfeindlichen und rückständigen Landes, dessen Fortschritt durch eine unaufgeklärte und hysterisch reagierende Bevölkerung ausgebremst wird. Diese Dramatisierung wird durch häufig wiederholte stereotype Bilder verstärkt, wie das beliebte Narrativ vom Lehrer, der vom zehnjährigen Grundschüler das Tablet erklärt bekommt oder wie die Geschichte vom chronisch Kranken, der einen Tag lang damit beschäftigt ist, sein Medikament zu erhalten. Natürlich darf bei diesen Erzählungen niemals die Erwähnung der vorbildlichen Digitalisierung Chinas (15 Milliarden Euro für KI in einer einzigen Stadt!) fehlen, einer schrecklichen Diktatur und eines perfektionierten digitalen Überwachungsstaates. Dass die digitale Alltagsrealität durchaus auch anders aussehen kann, musste ich bereits häufiger erleben. Auf konkrete Anfragen an Firmen oder Behörden per Email, kommen oft nur computergenerierte Standardantworten, die auf das eigentliche Problem nicht wirklich eingehen. Menschliche Ansprechpartner zur Klärung sind leider inzwischen wegrationalisiert. Dies ist nur ein kleines Beispiel für eine große Reihe fragwürdiger Veränderungen, die wir im Alltag erfahren. Wer Digitalisierung ohne Berücksichtigung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen eines entfesselten Kapitalismus oder des Staatskapitalismus chinesischer Prägung diskutiert, kann natürlich die Gefahren unkritischer Digitalisierungsprozesse nicht wirklich erkennen. Wer bedauert, dass „man hierzulande noch hadert, das Öl des 21. Jahrhunderts (Daten) zu sammeln“, blendet die Bedrohung der Demokratie durch dieses massenhafte Datensammeln völlig aus und findet eine Gesellschaft ohne Privatheit und mit permanenter Überwachung und Bewertung anscheinend nicht weiter schlimm. Es wäre gut und auch der Relevanz des Themas angemessen, wenn die FR im Sinne eines aufklärerischen und kritischen Diskurses, den „BedenkenträgerInnen“ ähnlich viel Raum für kritische Fragen und Statements zu diesem Thema geben könnte.

Hermann Roth, Frankfurt

fr-debatteDie Jugendlichen werden alleingelassen

Zu: „Das vernetzte Ich“, FR-Tagesthema vom 16. Oktober

In den Äußerungen vieler Medienkritiker taucht immer wieder das Stereotyp des abhängigen, blassen und pickeligen Jugendlichen auf, der im Kapuzenpulli vor dem Monitor sitzt.
Dass das schon seit langem so nicht zutrifft und in die Welt der Legenden gehört, hat der Artikel von Thomas Kaspar sehr schön gezeigt. Der Umgang der Jugendlichen mit den digitalen Geräten des Alltags ist für sie vollkommen selbstverständlich. Angesicht dieser Situation ist eine Digitale Bildung nötig, die sowohl die kritische Nutzung der Geräte als auch das Wissen um die technischen Grundlagen vermittelt.
Hier sollten eigentlich die Eltern eine hervorragende Rolle spielen. Aber: Wenn bereits im Elternhaus Geräte wie Cortana oder Alexa aufgestellt werden, Mütter lieber mit dem Smartphone hantieren als mit ihrem dreijährigen Sohn zu spielen oder Väter ihre Kinder stundenlang mit einem Tablet ruhigstellen, muss man sich nicht wundern, wenn Kinder und Jugendliche den Wert der Privatsphäre nicht kennen und ständig unkonzentriert sind.
Diese Mängel in der häuslichen Erziehung kann die Schule nicht auffangen. Sie kann aber Wissen über die sozialen und technischen Grundlagen vermitteln und damit die Basis für selbstbewusste und kritische Entscheidungen treffen.
Hier aber versagt die hessische Kultusbürokratie: Die vom Kultusminister propagierte Medienbildung ist auf dem Stand der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts, die neuen technologischen Entwicklungen spielen darin so gut wie keine Rolle. Ein spezieller Unterricht in Informatik kann in der Sekundarstufe I gar nicht stattfinden, weil es kein Kerncurriculum (Früher: Lehrplan) Informatik gibt.
„Die Digitalisierung mag einem nicht gefallen. Diese Lebensweise lässt sich aber nicht zurückdrängen, verhindern oder gar zurück zum Analogen ändern“ (Kaspar). So lange dies nicht in die Köpfe der verantwortlichen Kultuspolitiker dringt, werden die Kinder und Jugendliche mit den neuen Technologien alleingelassen.

Axel Stolzenwaldt, Königstein

fr-debatte Von der Leyen muss einen europäischen Konvent einberufen

EU-Kommission: „Es ist einfach, die EU mit Jauche zu übergießen“, FR v. 29.10.

Natürlich ist es verdienstvoll, wenn sich Ursula von der Leyen bei der Besetzung der Posten der Kommissionsmitglieder um eine Geschlechterparität bemüht, diese dann aber auch strikt an Qualifikationsansprüchen ausrichtet. Dennoch muss das Hauptanliegen für die Amtszeit von der Leyens sein, den Zusammenhalt der EU von bald „nur“ noch 27 Staaten zu festigen. Die EU-Kommission kommt in Abstimmung mit dem EU-Ministerrat nicht darum herum, einen Konvent einzuberufen, auf dem das Europa unterschiedlicher Geschwindigkeiten zu erörtern ist. Diejenigen EU-Staaten, die auf bestimmten Gebieten wie z.B. der Aufnahme von Flüchtlingen eigene Vorstellungen pflegen und damit aus der gebotenen EU-Solidarität ausscheren, müssen sich zu ihrer Politik auch statutenrechtlich bekennen. Es muss möglich sein, verschiedene Integrationsgeschwindigkeiten zu vereinbaren, zumal ja auch schon bisher Möglichkeiten für ein „0pt-out“ für einzelne Integrationsfelder bestanden.

Sigurd Schmidt, Bad Homburg

fr-debatte Viele Aufzüge kaputt

Barrierefreiheit „Gemeinsam Hürden abbauen“, FR-Regional vom 26.10.

Ich bin Rollstuhlfahrerin und bin meist öffentlich unterwegs, da ich kein Auto besitze. Ich muss sehr oft mit dem Zustand klar kommen, dass die Aufzüge in Frankfurt nicht gehen. Aber das, was ich heute erlebt habe, ist unzumutbar. Ich wollte in die Stadt mit der S-Bahn und U-Bahn fahren, aus Rödelheim kommend: An der S-Bahn-Station Rödelheim ging ein Aufzug nicht (öfters defekt). Ich fuhr bis zur Station Hauptwache, stieg aus und musste feststellen, dass auch dieser Aufzug kaputt ist. Dieser Aufzug ist seit mehreren Wochen kaputt mit einem Hinweis, dass er aufgrund von Reparaturarbeiten nicht geht. Heute hing ein Zettel dran: Aufzug ist defekt. Ich fuhr die Rolltreppe noch in die B-Ebene, dann in den Aufzug hoch auf die Straße, der allerdings unerträglich nach Urin stank und sehr verunreinigt war. Mir bleibt nichts anderes übrig, als einen Aufzug zu nehmen und bin dem Gestank auch noch näher, als ein Fußgänger. Grauslig! (Ich wollte zu dm einkaufen, da ging der Aufzug aber leider auch nicht.) Ich drehte um und fuhr mit diesem ekelhaften Aufzug wieder in die B-Ebene, auf dem Weg zur U7 Richtung Enkheim. Der Aufzug zur U7 war ebenfalls defekt. Daraufhin fuhr ich an die Rolltreppe, um jemanden anzusprechen, mich beim Herunterfahren zur U-Bahnstation zu unterstützen. Ich fahre jahrelang die Rolltreppe runter, lass mich aber gerne beim Herunterfahren durch eine stehende Person hinter mir absichern, für Notfälle. Zwei Sicherheitsbeamte des VGF kamen und durften mir nicht helfen. Meine Geduld war schon am stinkenden Aufzug zu Ende, ich war den Tränen nahe. Und ich habe die Schnauze voll als Rollstuhlfahrerin öffentlich unterwegs zu sein.

Kyra Hillesheimer, Frankfurt

fr-debatte Wovon Orwell nicht geträumt hat

Gesundheitskarte: „Heilloses Chaos“, FR-Panorama vom 18. Oktober

Es ist wohl gut anderthalb Jahre her, dass Dr. Hontschik über die elektronische Gesundheitskarte berichtete. Damals waren erst lächerliche zwei Milliarden in dieses wundervolle Projekt versenkt worden, allerdings im Vergleich zu anderen Meisterwerken wie Stuttgart 21 ohne jegliches sichtbare weitere Voranschreiten in den Abgrund. Und jetzt wird in der gleichen FR-Ausgabe von einem Leser auch noch an der elektronischen Patientenakte herumgemäkelt, dabei kann doch erst in Verbindung damit die Karte ihre volle Wirkung entfalten.
Dass „elektronische Patientenakte“ und „burnout“ bei mehr als der Hälfte der amerikanischen Ärzte – wie bei vielen bahnbrechenden Errungenschaften ist Amerika wohl auch hier unser Vorreiter – synonym sind, weil sie angeblich kaum noch Zeit finden, mit ihren Patienten zu reden, kann gar nicht hoch genug gewertschätzt werden. Schreibkräfte werden eingespart, so dass mehr Geld für die wichtige Apparatemedizin übrigbleibt. Und Patienten werden es sich in Zukunft dreimal überlegen, ihrem Arzt was zu erzählen, wenn sie vermuten dürfen, dass Interessierte wie z.B. Arbeitgeber auf ihre Angaben Zugriff erlangen können. Auf diese Weise lassen sich die Gespräche mit z.B. Psychiatern und Psychotherapeuten drastisch verkürzen – sehr ökonomisch.
Es wäre schon skandalös, wenn die Patienten all ihre wichtigen Gesundheitsdaten auf dem eigenen Smartphone hätten und nur von Ihnen gewählten Behandlern Zugriff gewährten. Dies ist bei der elektronischen Gesundheitskarte nach aktuellem Stand nicht der Fall. Gut so! Endlich ist jetzt mal einer wie Herr Spahn da und treibt dieses in den Augen von Ignoranten längst überholte Projekt forsch voran.
Indem er bereits jetzt schon das Gehalt von Ärzten, die sich noch um so etwas Überholtes wie die ärztliche Schweigepflicht sorgen, um 1,5 Prozent kürzt. Die Helferin eines solchen 70-jährigen Hausarztes – es findet sich unter den derzeitigen Arbeitsbedingungen angeblich kein Nachfolger – erzählte mir, demnächst würden es wohl 2,5 Prozent sein und dann würde ihr Chef aufgeben und sie ihren Arbeitsplatz verlieren. Auch hier sind die ökonomischen Vorteile – eine Praxis weniger, entsprechend weniger Ausgaben – unübersehbar.
Dass es mit der ärztlichen Schweigepflicht bei konsequenter Fortsetzung seines Lieblingsprojekts bald nicht mehr lange gut gehen kann, ist natürlich auch Herrn Spahn klar. Der kürzlich aufgedeckte mögliche freie Zugriff auf Gesundheitsdaten von 13 Millionen Patienten wurde von ihm mit einer flapsigen Bemerkung kommentiert. Das ist wirklich faszinierend, er lässt sich durch solche Petitessen genauso wenig beeindrucken wie andere forsche Minister mit populären Projekten, man denke nur an Herrn Scheuer.
Bedenklich stimmt lediglich, dass unser Gesundheitsminister nicht so recht über den Tellerrand hinausschaut. Die Krankenkassen machen es doch zum Teil schon vor: Rabatte für Kunden (merke: Kunden! Nicht etwa Patienten!), die ihnen Zugriff auf die Daten ihrer Smartwatches gewähren. Das sollte natürlich als nächstes zur Pflicht werden, gefördert durch entsprechende Sanktionen.
Vorbild sollte uns hier China sein mit seinem geplanten Punktesystem. In Verbindung mit der vollkommenen Transparenz jedes Einzelnen eröffnen sich hier ganz neue Möglichkeiten und natürlich Märkte, von denen Orwell und Huxley nur hätten träumen können.

Rainer Stockmann, Dreieich

fr-debatteImmer brutaler

Zu: „Faustschlag gegen Schiedsrichter“, FR-Sport vom 29.10.

Leider liest man derartige Nachrichten immer öfter. Nun ist zu erfahren, dass die Sportgerichtsbarkeit eine Höchststrafe von 36 Monaten Sperre vorsieht. Angesichts sich immer wiederholender Taten und immer brutaler Gewalttätigkeiten ist das weder abschreckend noch angemessen. Solche üblen Schläger und gewissenlosen Zeitgenossen gehören von jedwedem Sportbetrieb lebenslang ausgeschlossen. Sie dürften in keinem deutschen Sportverband mehr Sport treiben. Sollen sie doch durch den Park laufen oder sich auf der Alster ein Ruderboot mieten. Wer will schon mit oder schlimmer noch gegen solche Typen Sport treiben ?
Und auch die entsprechenden Vereine sind stärker in die Pflicht zu nehmen, mindestens im Wiederholungsfalle ( egal, ob Spieler, Trainer, Funktionäre oder- besonders ätzend- Eltern) : Ausschluss vom Spielbetrieb ! Nur so lernen es dieses Leute, sich einigermaßen anständig zu benehmen, können doch auch häufige verbale Entgleisungen nur schwer geahndet werden.
Ich ziehe meinen Hut vor der Aktion der Berliner Fußballschiedsrichter und wünsche mir mal einen bundesweiten Streik aller Schiedsrichter und dabei die besondere Unterstützung der Profis.

Reinhard Matthies, Pinneberg

fr-debatteMan kann Böcke nicht durch feines Argumentieren zu Gärtnern machen

Meinungsfreiheit: „Tolerant und wehrhaft“, FR-Meinung vom 25. Oktober

Sicherlich kann man diese Frage „pur“ stellen, ohne die Gründen und Ursachen der Radikalisierung zu benennen. So ist Markus Decker zuzustimmen, wenn er es nicht für vertretbar hält, de Maizière und Lucke am Reden zu hindern. Allerdings fände ich es zum Beispiel nur zu angebracht, solange vor dem Hörsaal zum Boykott der Vorlesung von Lucke aufzurufen, bis er sich einer öffentlichen Diskussion zu seiner Bodensatz-Äußerung stellt und sich davon glaubwürdig und öffentlich distanziert. Zur Erinnerung: Er hatte vor Migration gewarnt, da Migranten lebenslang den sozialen Bodensatz unseres Landes zuzurechnen sein würden. Diese Lügenpolemik heizt die Stimmung an und spaltet die Gesellschaft, ist mit verantwortlich an Gewalttaten gegen Ausländer und Humanisten unter Deutschen.
Decker hat – wahrscheinlich unfreiwillig doppeldeutig – auch darauf hingewiesen, „dass man nahezu alles sagen und schreiben (kann), ohne dass es Konsequenzen hätte“. Eben: Marcuse hat das mal repressive Toleranz genannt.
In der FR gibt es viele argumentativ starke Kommentare, wie zuletzt (nur ein Beispiel) von Viktor Funk „Europas Tote“, die aber immer wieder in einem Appell an die zuständigen PolitikerInnen enden, als wären die nur etwas begriffsstutzig und würden nicht mit voller Absicht „Europas Grenzen sichern“ – mit Klarsicht auf die tödlichen Konsequenzen für so viele Menschen.
Arnold Schwarzenegger äußerte neulich in einem Interview (FR 24.10.), Politiker würden normalerweise nur ihren Job beschützen. Nicht anderes. Und das tut man am besten, wenn man auf die Karten „nationales Identifikationsmuster“ und „profitstarke Wirtschaft“ setzt. Das eine bringt Stimmen, das andere ein sehr gutes Aus- (oder Ein-)kommen. Für Klima und Menschlichkeit sieht es dann duster aus.
Und es gibt eben Menschen, die mit den Jahren zu der Einsicht gekommen sind, man kann Böcke nicht durch feines Argumentieren zu Gärtnern machen, sondern nur durch Druck. Die Wirtschaft hat das schon immer begriffen und setzt Abermillionen für Lobbyarbeit ein, um Politikern sehr erfolgreich den Weg zu weisen. Für die einfachen Leute aber bleibt eben nur die Straße und der Regelverstoß als Sand im Getriebe unmenschlicher Politik.
Eine Demokratie, die diesen Namen wirklich zu Recht trägt, wäre so strukturiert, dass solche Umwege nicht fruchtbar bzw. nicht nötig wären. Schaffen wir die Grundlage für die Wirksamkeit des feines Argumentierens – gegen die Durchsetzung von Machtinteressen.

Joachim Reinhardt, Hüttenberg

fr-debatteZwielichtige Entscheidung

Prozess gegen kurdisches Folteropfer beginnt – FR vom 25.10.2019

Gefälligkeitsjustiz oder vorauseilender Gehorsam? Wie es scheint, ist bei dieser Anklageerhebung wegen Terrorismus des Berliner Kammergerichts die Voraussetzung („Achtung der Menschenwürde“) des verfolgenden Staates, ausgerechnet der Türkei, doch wohl offensichtlich unbestreitbar nicht gegeben.
Wenn ich micht richtig an meinen Sozialkundeunterricht vor fünfundfünfzig Jahren erinnere, ist in dieser unserer Demokratie die Gewaltenteilung in Legislative, Exekutive und Judikative die Grundlage des Funktionierens. Eigentlich gibt es nach meinem Dafürhalten ja mittlerweile schon eine vierte „Gewalt,“ aber dazu komme ich noch.
Die Entscheidung des Gerichtes, die Klage zuzulassen wundert mich in keinster Weise, denn es gibt unendlich viele zwielichtige Entscheidungen von Behörden, Institutionen und vor allem aus der Politik, die mich an unserer Rechtssicherheit zweifeln lassen; von Gerechtigkeit gar nicht zu reden. Hier nur eine kleine Aufzählung aus jüngerer Vergangenheit in Stichworten, da ich nicht davon ausgehe, dass die FR eine komplette Ausgabe mit meinem Leserbrief füllt: Frankfurter Polizeiwache als Nazinest, Berliner Richter bestrafen übelste Beleidigungen gegen Grüne Politikerin nicht, Kraftfahrtbundesamt,  Dobrindt und der Diesel, Bouffier und NSU, Al`Wazir und lächerliche Lärmobergrenzen, Schwesig – Nesté, Glyphosat Lebensmittelampel und Gülleverordnung, Merkel „schafft das“ 2016, die katholische Kirche und die Strafverfolgung der Kinderschänder unter Beihilfe unserer Justiz, die Entscheidungen der Groko zur Erreichung der Klimaziele und last but not least Scheuer und die Maut. Ganz ehrlich würden Sie von all denen einen Gebrauchtwagen kaufen?
Ich traue allen öffentlichen Institutionen, Ämtern, Behörden und Politikern nur bis zu einer ganz bestimmten Stufe: Der Pförtner bei der Stadtverwaltung unseres schönen Neu-Iseburg
verrät mir die Uhrzeit – aber nur, wenn ich eine Funkarmbanduhr am Handgelenk habe!
Noch kurz zu meiner „Vierten Gewalt:“ AKK ist den Anforderungen, die das Amt des Bundeskanzelers stellt, nicht gewachsen. Sie macht mit zunehmender Beschleunigung
Sempukku auf Raten und schaft das bei gleichbleibendem Einsatz rechtzeitig bis zum Beginn der diesjährigen Fastnachtssaison. Zur Freude der Götter spielt der Teufel Schlmai
und „Blackrock“ wird unser nächster Bundeskanzler. Wir alle leben dann in Gothham-Country. Happy new years…

Alfred Bein, Neu-Isenburg

fr-debatteIm Osten ist es immer früher

Zur Zeitumstellung am vergangenen Sonntag

In der Schule hat man einmal gehört, daß sich beim täglichen Sonnenumlauf von 360° um die Erde in 24 Stunden zwangsweise die Uhr alle 15° der Längengrade, Meridiane genannt,  um eine Stunde stellt. Da die Sonne im Osten aufgeht, ist es dort also immer früher. Begonnen wird mit der täglichen Zeitenrechnung beim Null – Meridian, der durch die Sternwarte in Greewich in England verläuft. Von dort aus rechnet man jeweils 7,5° in Ost- und in Westrichtung und es werden alle 15° die Uhren vor- oder zurückgestellt. Von dieser Richtung wird es in Ost-Richtung später, da dort die Sonne bereits aufgegangen ist und ihren Lauf genommen hat und in West-Richtung, wo die Sonne dann später aufgeht, wird die Uhr zurückgestellt, ist es also früher.  Jahrzehnte lang hatte man keinerlei Probleme, die Zeit entsprechend zu stellen bis die EU den Einfall hatte, wegen einer angeblichen Stromerparnis, die Sommerzeit einzuführen und im Frühling die Uhr eine Stunde vorzustellen, um die Abende länger zu gestalten, aber der Natur in die Hände zu pfuschen. Mit der vermeintlichen Sommerzeit  ist der Sonnenumlauf nicht korrekt. Mit dem Argument, man habe nun Probleme, den korrekten natürlichen astronomischen Zeitzustand wieder herzustellen, beweist die EU lediglich wieder einmal, welche mangelnde Bewegungsfähigkeit die dortige Verwaltung und die Eurokraten haben.   Diejenigen, die das Argument ins Feld führen und der Meinung sind, sie müßten mit einer Zeitumstellung in einigen Ländern einen späteren  Sonnenauf oder -untergang stattfinden lassen zu müssen, müssen sich fragen lassen, was diese Länder vor der Zeit der Uhr-umstellung getan haben; dort bestand ein solches Problem nicht. Die Länge eines Tages hat nicht die Zeitverschiebung durch den Menschen zur Ursache sondern eine Tageslänge hängt von der Jahreszeit , vom Stand der Sonne über einem Breitengrad, nördlicher oder südlicher Breite ab. Je weiter die Sonne auf nördlicher Breite steht, umso höher steht sie mittags, umso mehr haben wir Nord-Sommer und umso länger sind die Tage. Im Winter ist es genau umgekehrt; die Sonne steht weit über südlicher Breite und erreicht kaum eine Höhe bei uns in der nördlichen Hemisphäre. Von daher sind dann im Winter nur kurze Tage zu erwarten. Die Zeitumstellung hat hier keinerlei Einfluß auf die Tageslängen sondern verschiebt lediglich den Sonnenauf und -untergang.
Die Kritik an der Zeitumstellung ist von daher durchaus berechtigt und der Nutzen darf durchaus in Frage gestellt werden.  Diejenigen, die der Meinung sind, die langen Sommerabende seien ihrer Laune und ihrem Wohlbehagen zuträglich, sollten sich im Klaren darüber sein, daß sie sich einem erheblichen Teil von Morgenmenschen gegenübersehen und ebenso muß man berücksichtigen, daß es für Kinder und jungen Menschen recht schwer ist, bei abendlicher Hitze und zu langem Sonnenlicht den benötigten Einschlafpunkt zu finden und damit auf ihr benötigtes Schlafpotenzial zu kommen.  Der regelrechte Schlafentzug, den sich Kindern und Jugendlichen durch die zu langen Abende  und durch die abendliche Hitze gegenüber sehen, wird sich  langfristig  durch Konzentrations- und Entwicklungsstörungen bemerkbar machen.

Georg Dovermann, Bonn

fr-debatteDas Unsagbare als Standard

Meinungsfreiheit: „Tolerant und wehrhaft“, FR-Meinung vom 25. Oktober

Markus Decker weist darauf hin, dass mit Hilfe des toxischen Codeworts „politische Korrektheit“ von Seiten der Rechtender Eindruck hervorgerufen werden soll, dass die Meinungsfreiheit hierzulande in Gefahr ist. Unabhängig davon, dass „political correctness“ schon allein deshalb notwendig ist, weil sie die ungeschriebenen Regeln des Austauschs von Diskussionsbeiträgen festlegt, in denen Demokraten ihre Meinungen austauschen können, soll sie auch davor bewahren, dass Hass, Hetze und Fäkalsprache, die in der Regel von rechts benutzt wird, in den politischen Debatten zur fragwürdigen Umgangssprache werden und das Unsagbare zum Standard wird. Doch die Meinungsfreiheit ist bedroht von rechts, weil inzwischen in dieser Gesellschaft von rechten Gewalttätern gegen Demokraten agiert wird und dies zur Gewohnheit zu werden droht. Ich bin heute froh, dass ich während meiner politischen Sozialisation Ende der 60er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine politische Grundbildung genossen haben, in der die Maxime, dass Freiheit und Demokratie für die Feinde von Freiheit und Demokratie keine Geltung haben können. Das heißt selbstverständlich Toleranz auf der einen Seite und andererseits Wehrhaftigkeit der Demokraten. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Minderheitenfeindlichkeit und rechte Gewalt an der Tagesordnung sind. Deshalb ist die Intoleranz gegenüber den Feinden der Toleranz eine Tugend, mit der man Demokratie schützen muss. Das wurde noch nie so deutlich wie in den vergangenen Jahren, in denen der rechte Mob, Antisemitismus wie jetzt in Halle wieder ihr hässliches Gesicht zeigen.

Manfred Kirsch, Neuwied

fr-debatteTreibstoff zur Wiederwahl

Friedensnobelpreis: „Ehre der Realität“, FR-Meinung vom 12. Oktober

Das Nobelpreiskomitee hat mit dem äthiopischen Präsidenten Ably Ahmed eine gute Wahl getroffen. Er hat zur Versöhnung beigetragen am Horn von Afrika. Aber wer stand noch zur Wahl? Vielleicht Greta Thunberg? Als die ersten Gesprächsrunden zwi-schen Nordkorea und den USA begannen, wurde auch mit einem Blick – der daran Beteiligten – auf den Nobelpreis geschielt. Das wäre der Treibstoff für die Kampagne zur Wiederwahl Trumps gewesen. Es ist gut, dass die Region am Horn von Afrika ausge-zeichnet wurde, eine arme Region mit Kriegen. Dagegen stand Nordkorea und ein Milliardär im Weißen Haus, der auf den Nobelpreis schielte, als ob er nicht schon vermögend und mächtig genug ist. Die Gespräche wie mit Kim Jong Un wurden einzig dazu benutzt, sich persönliche Vorteile zu verschaffen wie die Wiederwahl.

Stefan Vollmershausen, Dreieich

fr-debatteAus der Seele gesprochen

 

Die Leserbriefe, die ich bisher in meinem Leben geschrieben habe, lassen sich an einer Hand abzählen. Aber dieser muss sein! Lange hat mir nicht mehr ein Artikel so aus der Seele gesprochen wie die Kolumne von Michael Herl am 22. Oktober. Ich kann jeden Satz dick unterstreichen und ihm laut zustimmen. Und ich weiß wieder, warum ich seit mehr als 50 Jahren die FR lese. Danke!

Wilfried Skupnik, Rheinbach

fr-debatteTreffend formuliert

Eine Leserreaktion zum FR-Leserforum allgemein

Als kein Leserbrief-Schreiber möchte ich mich doch einmal bei den Herren Klaus Philipp Mertens, Jürgen Malyssek und Carsten Dietrich Brink bedanken, denn diese Leser schreiben „mir“ (unter vielen anderen) immer, was mir auf der Seele brennt. Ich selbst (Jahrgang 1940) könnte nicht so treffend formulieren.

Joachim Lang

fr-debatteDie heimlichen Treffen des Verkehrsministers

Pkw-Maut: „Scheuer in der Mangel“, FR-Wirtschaft vom 17. Oktober

Das Bundesverkehrsministerium wird „zwecks Entlastung“ von Herrn Bundesminister Scheuer 50 Ordner mit Unterlagen zur Verfügung stellt. Zu einzelnen, die Öffentlichkeit interessierende Treffen mit Vertretern der Betreiberseite der Maut fehle indessen angeblich die Dokumentation. Für eine redliche und ordnungsgemäße Verwaltung ist aber gerade (vorhandene!) Dokumentation ein „Lebenselexier“ . Dokumentation ist Grundvoraussetzung für jedwede funktionsfähige Verwaltung. Ich hatte mich beruflich über nahezu ein Jahrzehnt mit schwerwiegenden Wirtschaftsstraf- sachen zu befassen. Soweit Behörden  oder deren Mitarbeiter involviert waren, waren eine unzulängliche Aktenführung (z.B. fehlende Dokumentation) stets Indiz für schwerwiegende Missstände.   Nichts anderes gilt, wenn ein Ministerium oder gar der Minister selbst betroffen sind. Dieser Missstand bleibt den Hausspitzen in der Regel nicht verborgen.

Rolf Vogel, Richter a.D., Wiesbaden

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Verstoß gegen eine allgemeine Gepflogenheit

Was darf sich ein Bundesminister, z.B. unser Verkehrsminister Andreas Scheuer, eigentlich alles leisten? Wieviel Steuergelder darf er verschwenden, um endlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Nach meiner Meinung wäre es vielleicht sinnvoll, wenn auch die Bundesminister zur Verantwortung gezogen würden, wenn sie Steuergelder verschwenden und Verträge abschließen, welche dann später nicht eingehalten werden können. Ich bin der festen Meinung, wenn sie hierfür zur Verantwortung gezogen würden, und zwar so, dass es wehtut, würden viele Verträge nicht mehr so leichtfertig abgeschlossen und dies würde dem Bund viel Geld sparen. Dieses Geld wird doch dringend gebraucht, wie z.B. für Schulen, Straßen oder anderen sozialen Einrichtungen, wo ja kein Geld da ist. Uns wird doch immer gesagt, dass überall Geld fehlt.
Nun gerät Herr Scheuer weiter in die Kritik. Er soll den Bundestag belogen haben und Treffen mit der Industrie verheimlicht und die Korruption im eigenen Haus zu lasch bekämpft haben. Wie kann er etwas bekämpfen, was er selbst nicht einhält.
Mehrere Treffen (sieben) soll es zwischen Vertretern des Verkehrsministeriums und den Unternehmen CTS Eventim und Kapsch gegeben haben. Diese Gespräche sind nicht proto-kolliert worden, was gegen die allgemeine Gepflogenheit vorgenommen wurde. Und an mindestens drei Gesprächen war der Bundesverkehrsminister Scheuer und der Kanzleramts-chef Helge Braun (CDU) beteiligt. Warum wurden diese Treffen, trotz Nachfrage von Abge-ordneten, verschwiegen und sie sind auch nicht in den Akten dokumentiert. Hier kann es doch nur um Absprachen gegangen sein, die nicht bekannt werden sollen.
Ich kann dem voll zustimmen“Wer trickst und täuscht, muss Geheimgespräche führen und fertigt keine Protokolle an“. Aber das sollte auch geahndet werden und Herr Scheuer sollte damit nicht durchkommen. Ich dachte immer, Politiker sollten Vorbilder für und die Jugend sein, aber dies heute leider nicht mehr der Fall.
Es ist doch schon mal eine brisante Aussage: wenn der Bundesrechnungshof dem Ministerium von Herrn Scheuer vorwirft, bei der Umsetzung der Korruptionsbekämpfung zu schlampen und dass die Daten zur Korruptionsprävention teilweise fehlerhaft und überholt waren. Dies bedeutet für mich, dass man vieles verschleiern will und Korruptionfälle auf keinen Fall offenlegen will.
Es geht ja bei dem Ministerium nicht um wenig Geld, die durch die Maut verschwendet wurden, sondern aller Voraussicht um einen dreistelligen Millionenbetrag. Es ist für mich unvorstellbar, wie man solche Gelder ausgeben kann ohne dass es sicher ist, dass die Maut eingeführt wird. Zumal bekannt war, dass beim Europäischen Gerichtshof eine Klage gegen das Vorhaben anhängig war. Die Straßburger Richter erklärten die Maut dann für rechts-widrig. Aber das Urteil hat Herr Andreas Scheuer nicht abgewartet, sondern vorher schon Verträge mit „Toll Collect“ und „Infrastrukturabgabe“ abgeschlossen. Für mich hat das ganze ein „Geschmäckle“.
Und wenn es wirklich stimmt, was in Berlin gemunkelt wird, könnte Andreas Scheuer vorgeworfen werden einen Mitbewerber bevorzugt zu haben, das wäre dann Korruption. Fachliche Sauberkeit scheint für einen Andreas Scheuer nicht zu gelten. Er hat sich vehement geweigert die Unterlagen herauszugeben. Als er bereit war, die Unterlagen zu veröffentlichen und herauszugeben waren diese geschwärzt oder nicht vollständig. Hat er was zu verheimlichen?

Wilma Fischer, Eschborn

 

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