FR-Leserforum vom 23. bis 28. September

Alle Leserbriefe der Woche im Überblick und im Detail. Scrollen und lesen Sie in Ruhe oder suchen Sie Ihren Leserbrief gezielt mit der Tastenkombination STRG und F sowie dem Namen als Suchbegriff. Sie finden hier von oben nach unten:

  • eine Übersicht nach Erscheinungstagen mit den Namen der Autorinnen und Autoren und ihren Themen. Über die rot eingefärbten Links (Seite eins, Seite zwei) können Sie pdf-Dokumente von den Leserforum-Zeitungsseiten aufrufen, wo diese Leserbriefe erschienen sind. Die Links hinter den Namen führen zu den Leserbriefen, die auch hier im FR-Blog veröffentlicht wurden
  • zweitens alle Leserbriefe der Leserforen-Seiten in ihren ungekürzten Fassungen (im Anschluss an die Übersicht)
  • und ganz unten das Kommentarfeld, über das Sie Ihre Beiträge zur Diskussion beisteuern können. Alle Themen, die unten angeschnitten werden, können diskutiert werden. Bitte stellen Sie ein Stichwort an den Anfang Ihres Kommentars, mit dem Sie anzeigen, welches Thema Sie ansprechen.

Es gelten die Blog-Regeln. Es ist keine Registrierung o.Ä. notwendig.

Balken 4Leserforum vom 23. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Rudolf und Irene Knapp, Volker Harms-Ziegler und Hans Schinke zur IAA, siehe die Kommentare in der dazugehörigen Diskussion
Peter Scheuermann zu Klimafragen, Kommentar in der Klimadiskussion
Rüdiger Voerste und Kai Hartmann schreiben zum Thema Verkehr und Radwege, siehe auch unten

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Helmut Lindner hält E-Autos für unwirtschaftlich, siehe auch unten
Herbert Kugelmann reagiert auf den „Brief an den Vater“ von FR-Chefredakteur Thomas Kaspar

Seite drei mit Leserbriefen zu regionalen Themen von:

Peter Reiter und Gerhard Schwartz zu den Plänen, unter Frankfurt einen Fernbahntunnel zu bauen. Die Leserbriefe eröffnen eine eigene Diskussion: „Der Hang der Bahn zu teuren Großprojekten
Margot Neubauer schreibt zur Mainkai-Sperrung, siehe auch unten
Gerd Hautsch kommentiert die Wohnungsnot, siehe auch unten
Hans-Karl Ortmann zu den Plänen, die Frankfurter Paulskirche zu sanieren, siehe auch unten
Juta Germscheid plädiert für mehr Qualität im Städtebau, siehe auch unten

Leserforum vom 24. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Heidrun Wilker-Wirk, Michael Hanft, Saral Arkar, Wolfgang von Fabeck, Thomas Metzger, Helge Nyncke, Doris Heck und Herbert Terhag zum globalen Streik fürs Klima. Die Leserbriefe wurden in dieser Reihenfolge als Kommentare in der Debatte „Welchen Beitrag kann ich zum Klimaschutz leisten?„, beginnend mit dem Leserinbrief von Heidrun Wilker-Wirk

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Heinrich Stadler zur Bedeutung von Blockchain-Technologie für den Klimawandel, siehe auch unten
Thomas Fix zu Alexander von Humboldt, siehe auch unten

.

Leserforum vom 25. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Harald Lange, Günter Dillenburger, Wilfried Rombach, Dieter Murmann, Werner Leucht, Helga Tempel, Helmut Deckert und Gerhard Schäfer zum globalen Streik fürs Klima und zu den beiden Ausgaben der FR vom 20. und 21. September. Die Leserbriefe wurden in dieser Reihenfolge als Kommentare in der Debatte „Welchen Beitrag kann ich zum Klimaschutz leisten?„, beginnend mit dem von Harald Lange.

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Christian Karsten zu Privatisierungstendenzen im Gesundheitswesen, siehe auch unten
Achim Körner zum Hasskommentar-Urteil des Berliner Landgerichts in Sachen Renate Künast; der Leserbrief wurde zunächst hier unten veröffentlicht, am 26. September aber übernommen in den Kommentar „Werden wir aggressiver?“ im Rahmen von „Bronskis Woche“

Leserforum vom 26. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Bernd Hänsgen, der nichts mit dem Thema Klimastreik zu tun haben will und sich mit dem anonymen Autor solidarisiert, auf den Thomas Kaspar mit einem Brief an seinen Vater reagiert hatte. Der Leserbrief wurde als Kommentar in der Debatte über diesen Brief veröffentlicht.
Jürgen Malyssek kritisiert das System der Tafeln in Deutschland, nachdem die FR kürzlich in Essen vorbeigeschaut hatte, siehe auch unten
Hans-Peter Werner widerspricht Leser Helmut Lindner („Was soll der Quatsch?“, siehe unten), der ein ungünstiges Urteil über die Energiebilanz von Elektroautos gezogen hat. Zur Erwiderung: siehe auch unten

Leserforum vom 27. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Rasmus Ph. Helt, Sarah Holze, Gerhard Bruckmann, Claus Reis, Hartmut Willibald Rencker, Vinko Dundo, Rudolf Stein und Hans Oette zum Thema Klimastreik und Maßnahmenpaket des Klimakabinetts der Bundesregierung; diese Leserbriefe wurden in dieser Reihenfolge als Kommentare in der Diskussion „Welchen  Beitrag kann ich zum Klimaschutz leisten?“ veröffentlicht, beginnend mit Rasmus Ph. Helt

Seite zwei mit Leserbriefen von:

Wilma Fischer, Stefan Otto und Paul R. Woods zum miesen Timing: Kanzlerin und CDU-Vorsitzende sind mit 30 Minuten Abstand, aber in verschiedenen Regierungsflugzeugen in die USA geflogen, siehe auch unten

Leserforum vom 28. September
Leserforum 2 20190916Seite eins mit Leserbriefen von:

Carmen Horstmann und Ute Steinke äußern sich zur Verteuerung von Heimplätzen für SeniorInnen,
siehe auch unten
Jörg Gogoll und Jacqueline Walter kommentieren einen FR-Text zu den psychologischen Ursachen der Leugnung von Klimawandel,
siehe auch unten

 

fr-debatteWir brauchen Radwege, die diesen Namen verdienen

Zu: „Fixierung auf Auto nicht mehr zeitgemäß“, FR-Regional vom 17. September

Fahrradfahren hält fit, schont die Umwelt, macht Spaß – wenn es auch sicher und auf geeigneten Radwegen statt findet. An den Radwegen ist noch vieles zu bemängeln. Oft sind die zu schmal, unsicher an Kreuzungen, besonders wenn Ein- und Ausfahrten zu Autobahn oder Schnellstraßen die PKW verleiten, die Radfahrer zu übersehen oder sogar zu nötigen. So zum Beispiel an der Ludwig-Landmann-Straße, die ja eigentlich Teil einer Fahrrad-Schnellverbindung Bad Homburg – Oberursel – Frankfurt sein sollte.
Die Budgets zum Ausbau sind im Vergleich zu Mitteln für den allgemeinen Straßenbau sehr knapp. Da ist noch sehr vieles zu tun. Unverständlich ist, dass Geld eingesetzt wird, um überflüssige Doppelbeschilderungen vorzunehmen. Gibt es da Zuständigkeiten, die nicht koordiniert sind? Werkeln da Stadt Frankfurt und Regionalpark nebenher?
Das Geld wäre besser investiert, wenn Spurführungen an den gefährlichen Kreuzungen endlich einmal sicher und Rad- und fußgängergerecht ausgebaut werden könnten. Es geht besser, wie die Kreuzungen am Industriehof/Ludwig-Landmann-Straße zeigen. Dort werden die Radfahrer nicht erst von den Fahrspuren weggeführt und damit für die Autofahrer auch manchmal hinter Grünanlagen versteckt, sondern deutlich sichtbar über die abbiegenden Fahrspuren geführt.
Gibt es auch hier wieder fehlende Abstimmungen oder Nicht-Handeln durch unklare Zuständigkeiten? Wer möchte ein Schulkind auf diesen Weg schicken? Wie kann es für Kinder dann selbstverständlich werden, mit dem Rad zu fahren? Es wäre zu wünschen, dass gute Planungen selbstverständlich werden und auch zügig umgesetzt werden. Ob dazu die Beträge ausreichen, die lautstark angekündigt werden?
Es ist zu wünschen, dass bald Radwege und Radschnellwege realisiert sind, die den Namen auch verdienen. Sicher und bequem sollten sie sein. Auch die eigenen Kinder sollte man ohne Sorgen auf diese Wege schicken können, damit der SUV in der Garage bleiben kann.

Rüdiger Voerste, Steinbach

fr-debatteVorrang für den Autoverkehr

Zu: „Wunsch nach weniger Autos in der Stadt “, FR-Regional vom 4. September

Verkehrsdezernent Oesterling ist seit drei Jahren im Amt und kann immer noch kein Konzept vorlegen, sondern setzt auf Einzelmaßnahmen. Das nenne ich frech: Was hat er in seiner bisherigen Amtszeit eigentlich gemacht? Wer sich das Foto der Berliner Straße anschaut, muss erkennen, dass dem Autoverkehr 90 Prozent der verfügbaren Fläche zusteht. Alle anderen werden an den Rand gedrängt. Und wenn Herr Oesterling Einzelmaßnahmen vorzieht, soll er an dieser Kreuzung nach links schauen. Die Busspur zwischen Alter Brücke und Rechneigraben wurde wegmarkiert. Also stehen auch die Busse mit im Autostau.
Wann wird der Verkehrsdezernent endlich seine Arbeit beginnen und Konzepte für die nächsten zwei, fünf und zehn Jahre vorlegen? Wir müssen wohl leider noch warten – oder hoffen auf einen kompetenten Nachfolger (m/w/d).

Kai Hartmann, Frankfurt

fr-debatteWas soll der Quatsch?

Zu: „Gegenwind für die Elektropioniere“, FR-Tagesthema vom 18. September

Ich habe soeben die beiden Artikel auf Seite 2 und 3 der FR von heute (18.9.) gelesen, und stimme mit den Kritikern der sog. „E-Mobilität“ überein. Schon wenn man nur die Zahl der Energieumwandlungen und den sich daraus ergebenden Wirkungsgrad betrachtet, gerät man ins Grübeln: Finden beim „Verbrenner“ nur zwei Umwandlungen zwischen den drei beteiligten Energieformen – chemisch zu thermisch zu kinetisch, also dem Antrieb – statt, so sind es beim E-Auto, das mit ausschließlich regenerativ erzeugtem Strom betrieben wird, bereits vier:  Rotation (Wind) oder Strahlungsenergie (Sonne) wird in elektrische verwandelt; diese wird aus dem Stromnetz bezogen, damit wird der Akku geladen (chemische Energie); während der Fahrt wird er wieder entladen (Umwandlung in elektrisch), und im Elektromotor wird letztendlich aus der elektrischen Energie kinetische. Beim Aufladen des Akkus mit Kohlestrom oder beim Plug-In-Betrieb ist das Ganze noch schlechter. Es ergeben sich insgesamt sechs Umwandlungen bei sieben Energieformen! Das ist die reine Energieverschwendung, denn jeder zusätzliche Energieumwandlung setzt den Wirkungsgrad herab. Der Gesamtwirkungsgrad – immer geringer als 100 Prozent – ist das Produkt seiner Teilwirkungsgrade. Das bedeutet aber, mit jeder weiteren Energieumwandlung wird der (Gesamt-) Wirkungsgrad immer schlechter, insbesondere, wenn thermische Energie mit im Spiel ist. Was also soll der Quatsch?

Helmut Lindner, Idstein

fr-debatteDann fangen wir doch gleich an mit der Qualität im Städtebau

Zu: „Für lebenswertes Wohnen und mehr Grün in Frankfurt“ FR vom  10.9.

Ab wann sollen die neuen städtischen Leitlinien denn zum Tragen kommen? Sollten nicht bereits angelaufene Projekte wie die Nachverdichtung in der Platensiedlung in Ginnheim jetzt schnell daraufhin überprüft werden? Zum Beispiel: An vier Stellen sollen Wohngebäude über die öffentliche Straße überbaut werden. Abstände zwischen den Gebäuden werden mit dem 6stöckigen Torhäusern, die direkt an die bestehenden Gebäude anschließen, jedenfalls nicht eingehalten. Der erhaltenswerte Baumbestand, an die 50 große Bäume, ist bereits teilweise verschwunden, die meisten Bäume werden am Ende der Nachverdichtung zum Opfer gefallen sein. Angesichts von Klimawandel und Aufhitzung der Städte eigentlich in diesem Umfang ein Unding! Warten wir mal ab, wie es mit der „Vegetationstrageschicht“ auf den Tiefgaragen aussieht. Wenn mehr Qualität im Städtebau Zielsetzung ist, warum nicht gleich damit anfangen?!
Jetzt, seit einem Jahr mitten in der Bauphase, sind viele Wohnungen von Rissen im den Mauen durchzogen, die Mieter*innen leben in einer Großbaustelle, halten extremen Lärm, Dreck und Behinderungen aus – Warten wir ab, wie es weiter geht.

Jutta Germscheid, Frankfurt

fr-debatteFreier Blick auf die Stadt

Zu: „Autos sollen auf Mainkai“, FR-Regional vom 13. September

Ich kann schon gut verstehen, dass die Sachsenhäuser Bürgerschaft erbost ist,dass sie jetzt mit Verkehrslärm und -dreck belästigt werden, den vor der Sperrung die Anwohner des Mainkais ertragen mußten.
Dass Autofahrer soo schnell nicht umdenken, und das Auto eben weniger benutzen (auch die Sachsenhäuser!) ist traurig. Aber auch die werden umdenken müssen, wenn Fahrverbote kommen.
Dass die CDU und die IHK immer nur ein weiter so predigen, zeigt nur dass sie angesichts der Lärm- und Schmutzemmissionen (Abrieb der Reifen, etc.), wundert mich nicht. Ich erinnere mich nicht mehr, wie die Reaktionen auf die Sperrung der Hauptwache waren, aber sicher wurde damals auch der Teufel der Geschäftseinbußen an die Wand gemalt. Siehe auch die Sperrung der unteren Oederwegs.
Auch ich kannte den Mainkai natürlich nur mit entsetzlichem Verkehr, und damit dem Blick auf das Auto vor mir. Die Tage jetzt war ich mit dem Fahrrad dort, und hatte einen freien Blick auf die Häuser, die Stadt – ich war begeistert! Es war fast wie bei den autofreien Sonntagen – erinnert sich da noch jemand?
Dass jetzt allerdings auch der Sachsenhäuser Grüne Reinhard Klapproth fordert, dass die Sperrung zurückgenommen werden muß, schlägt dem Faß den Boden aus. Die Grüne Umweltministerin Hinz droht mit Fahrverboten, wenn die Stadt die Vorgaben nicht einhält, der vormalige Verkehrsdezernent Stefan Maier hat nichts gegen Dreck, Lärm, etc. getan. Die Umweltdezernentin hält sich vornehm zurück – und die Grünen fahren auf Bundesebene Werte ein, solange sie nicht liefern müssen?

Margot Neubauer, Frankfurt

fr-debatteWohnungen bauen? Ja bitte, aber nicht bei uns!

Zu: „Mietentscheid will Druck noch erhöhen“, FR-Regional vom 17. September.

Es wäre dringend geboten, dass die Stadt das Bürgerbegehren Mietentscheid unterstützt. Die Wohnungsnot in der wachsenden Stadt ist längst unerträglich geworden und erfordert wirksame Maßnahmen.
Umso empörender finde ich zwei Beiträge, die im gestrigen Lokalteil (F 4 und F 20) zu lesen waren: „Menschenkette für grüne Lunge“ (gegen das neue Stadtquartier am Wasserpark) und „Menschenkette gegen Josef-Stadt“ (gegen den geplanten Stadtteil im Nordwesten). Es ist unfassbar: Egal wo und wie ein Vorschlag für zusätzliche Wohnbebauung auftaucht, sofort bildet sich dagegen eine lautstarke und kampfbereite Interessengruppe. Selbstverständlich wird anerkannt, dass mehr Wohnungen gebaut werden müssen – aber bitte immer woanders, nicht bei uns! Im Fall der Grundstücke am Wasserpark waren die betroffenen Gärten größtenteils ungenutzt und verwahrlost gewesen. Erst als die Bauplanungen bekannt wurden, sah man plötzlich Frankfurts „grüne Lunge“ (der Name ist ein Witz) bedroht. Auch der Boule-Platz wurde erst danach angelegt. Im Nordwesten geht es um die Verteidigung von „Heimat und Boden“ – eine fast schon obszöne Wortwahl. Leider scheint es gelungen zu sein, Leute von „Fridays für Future“ für den Kampf gegen Wohnbebauung einzuspannen. Das ändert aber nichts daran, dass hier egoistische und unsoziale Interessen gegen den Großteil der Stadtbevölkerung vertreten werden.
Übrigens sollten Sie auch in der FR-Redaktion darüber diskutieren, ob es derartige Aktionen wert sind, immer wieder so großflächig und mit kaum versteckter Sympathie präsentiert zu werden.

Gert Hautsch, Frankfurt

fr-debatteSinn- und Vorbild der Demokratie

Paulskirchen-Sanierung: „Umstrittener Bau“, FR-Regional vom 9. September

Der Bau sei zu nüchtern! – das ist erst mal das Gegenteil von berauscht, besoffen oder ohne Essen; und soll deshalb um ca. 160 Jahre zurück restauriert werden; insofern ist schon die Wortwahl recht daneben. Dann: er sei zu nachkriegsschlicht! Sollte Schlichtheit uns und unsere Demokratie nicht gerade jetzt mahnen, in unserem derzeit recht opulenten, über alle Maße ausufernden, üppigen Dasein?
Transparenz, Klarheit, natürliches Licht, Eindeutigkeit, Erkennbarkeit, – das ist doch, was gerade heute der Politik und unserem Leben gut täte, ohne Einbauten für geheime Ecken und Hinterzimmer. Das ist nicht „schlicht“, das strahlt und macht den Gehalt, die Aussage der Paulskirche aus: genau der Raum, das Bild, was unsere Großväter und Väter nach der Nazi-Diktatur angestrebt haben, keine rückwärts gewandte (AfD-)Restau-ration alter Zeiten, sondern Vorbild und Raum für unsere demokratische Zukunft.
Der Paulskirchenraum ist politisches Mahnmal. Er lebt von den Menschen darin. Die sind das Wichtigste, Elementare, nicht irgendwelche Zierrate und Einbauten der Vergangen-heit. Damals gingen sie zerstritten und im Endeffekt erfolglos auseinander. Nunmehr, seit 75 Jahren, steht und wirkt dieser Raum für Sinn- und Vorbild der Politik, der Demokratie, geschützt durch ein klares wunderschönes Dach mit Licht von oben. Übrigens: wie beim Bundestagsgebäude. Jeder steht im Licht und wirft keinen Schatten auf seinen Nachbarn.
Kaum besser kann Architektur uns zur Politik, zum Zusammenhalten mahnen, in diesem bis in die nicht vorhandenen Winkel einsehbaren Rundbau und saubere Demokratie repräsentieren, Schwarz, Kahn und Co. haben das nach dem Krieg sehr stark geplant. Wollen wir diesen Raum erhalten und fortsetzen, – er ist so gerade heute politisch hochaktuell!

Hans-Karl Ortmann, Hofheim

fr-debatteDer letzte Universalgelehrte

Humboldt: „Der Traum von einer Sache“, FR-Feuilleton vom 14. September

Jedes Land hat eine Persönlichkeit, die Großes geleistet hat und international gefeiert wird; für Deutschland möchte ich da Alexander von Humboldt reklamieren, den für mich bedeutensten und größten Deutschen, der je gelebt hat, noch vor Goethe, Marx oder Kohl. Schon der Vorname, wohl in Anlehnung an Alexander den Großen, den Welteneroberer, lässt unseren Alexander zum Weltenerforscher machen. Er baut auf einer Reihe deutscher Forschungsreisender, Abenteuerer, Gelehrter und Kosmopoliten auf, deren Höhepunkt er darstellt: Behaim, Hans Staden, Georg Forster und Carsten Niebuhr. Fast könnte man sich dazu hinreisen lassen und sagen: Humboldt war eine Jahrtausendgestalt, Menschen wie er werden heute nicht mehr geboren. Auch war er- nicht nur in Deutschland- der letzte Universalgelehrte der Geschichte. Seine Bedeutung ist so groß, dass man darüber einen eigenen Kosmos schreiben müsste: Seine Entdeckungen und Erforschungen reichen interstrukturell in alle wissenschaftlichen Gattungen seiner Zeit, teilweise bis heute, von Medizin bis Theologie, von Philosophie bis Naturwissenschaften. Es gibt keinen Deutschen der Geschichte, nach dem mehr Orte innerhalb und außerhalb des Planeten benannt sind, der selbst in den Armenvierteln Lateinmarikas bekannt ist, manche nennen ihn den zweiten Entdecker Amerikas. Und er war immer wieder für Überraschungen gut, niemand, der in Konventionen gefangen war; so verband ihn zeitlebens eine tiefe Freundschaft mit dem Reisegefährten und Franzosen Aime Bonpland, in einer Zeit, wo Deutschland und Frankreich längst noch keine guten Freunde waren, er entdeckte Magellan und dessen Bedeutung für die Menschheit wieder, Werbungsversuchen der Freimaurer entzog er sich zeitlebens und seine heute nachgewiesene Homosexualität gab ihm die Zeit, Liberalität und Emotionalität sich auf Fremdes und Fernes einzulassen. Humboldts Werke erklären die Natur so, wie sie war und ist, sie sind die beste Grundlage, Kinder und Jugendlichen die Welt, die Natur und die Naturwissenschaften zu erklären. Würde man Humboldts Werke in der Schule anwenden, viele hätten ein anderes, besseres Verständnis dieser Welt, denn das reicht für ein ganzes Leben und auch für das Klima und den Naturschutz anstelle trockener Theorie und Formeln. Mit Humboldt hätte ich Physik, Biologie und Chemie auch verstanden! So bleibt mir das Studium der „Humboldtologie“ nur autodidatktisch lebenslang anzueignen und einfach nur zu staunen und sich zu freuen, über die Schönheit dieser Welt!

Thomas Fix, Frankfurt

fr-debatteQualität wird immer an Standards gemessen

Gesundheitswesen: „Privatisierung ist ein falscher Weg“, FR-Regional vom 11. September

Der Kritik von Edgar Pinkowski an der Kommerzialisierung des Gesundheitswesens kann man als Arzt nur zustimmen. Seine Ausführungen über die Gewährung einer angemessenen Versorgungsqualität haben mich als ehemaligen Krankenhauschirurgen ausgesprochen verärgert. Dabei vertritt er einseitig den Standpunkt des Kassenarztes. Das ist inakzeptabel, da er als Kammerpräsident die gesamte Ärzteschaft repräsentiert und daher zur Neutralität verpflichtet ist. Mit nicht belegten saloppen Bemerkungen qualifiziert er Kollegen aus kleineren Krankenhäusern ab. Medizinische Zentren und Tageskliniken sind nichts Neues. Dass im ambulanten Bereich, gemeint ist der kassenärztliche Bereich, eine höhere Qualität geboten werde als im Krankenhaus, ist der blanke Unsinn. Die Unterscheidung nach Facharztstandard und Facharztstatus ist als Qualitätsmerkmal unsinnig, da Qualität immer an zu erfüllenden Standards gemessen wird, der Status des Facharztes bedeutet lediglich, dass man bestimmte Kriterien erfüllt, um sich Facharzt zu nennen und sagt nichts über die Behandlungsqualität aus. Die Versorgung durch einen Facharzt im kassenärztlichen Bereich ist auch nur temporär gewährleistet, nämlich tagsüber montags bis freitags, Feiertage und Brückentage ausgenommen. Zu anderen Zeiten erfolgt die Versorgung fachübergreifend über den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. Da kann es dann vorkommen, dass man bei einem orthopädischen Problem an einen Internisten gerät. Das haben die Patienten auch gemerkt und suchen im Notfall lieber gleich das Krankenhaus auf, um vom Facharztstandard zu profitieren. Ich habe mein gemeinnütziges Krankenhaus an meinem Wohnort nicht mit der Faust in der Tasche verlassen, sondern bin ihm im inzwischen vierten Jahr meines Rentnerdaseins immer noch freundschaftlich verbunden.

Christian Karsten, Andernach

fr-debatteAus dem Hinterhalt des Internets

Zu: „Empörung über Urteil zu Hass-Posts“, FR-Politik vom 20. September

Renate Künast muss es sich in der Quasi-Öffentlichkeit von Facebook gefallen lassen, als „Sondermüll“ bezeichnet zu werden. Und auch „Wurde diese Dame vielleicht als Kind ein wenig viel gef… und hat dabei etwas von ihrem Verstand eingebüßt“ darf man über sie sagen – das Recht auf freie Meinungsäußerung halt. Das wurde so vom Landgericht Berlin festgestellt. So weit, so schlecht. Meine Frage an das Hohe Gericht: Gilt das Urteil nur für Zurufe aus dem Hinterhalt des Internets? Oder dürfte ich Frau Künast nun auch, sagen wir mal, in der Schlange im Supermarkt ein „Stück Scheiße“ nennen, nachdem ich ihr zuvor ungefragt ein Gespräch aufgedrückt habe? Rausschmeißen dürfte mich der Supermarktbesitzer dann doch nicht, oder? Es ist ja meine Meinungsfreiheit innerhalb einer sachbezogenen Diskussion und eine öffentliche Person wie Renate Künast muss sich das nun mal anhören. Und was mich richtig neugierig macht: Wenn z.B. „Drecksfotze“ sich, so die Berliner Richter, haarscharf an der Grenze des von Renate Künast noch Hinnehmbaren bewegt, welche Ausdrücke gehen dann nicht mehr? Vielleicht sammelt man mal Vorschläge an den Berliner Schulen – mir persönlich fehlt die Fantasie.
Das mit der unantastbaren Würde des Menschen und so weiter scheint in der Rechtsprechung wohl doch nicht so einfach zu sein. Aber es gibt auch simplere Zusammenhänge vor Gericht: Wenn Frau Künast sich nicht erhoben hätte, als die Richterinnen und Richter eintraten, hätte sie wegen dieses unhöflichen und respektlosen Verhaltens ein Ordnungsgeld riskiert.

Achim Körner, Frankfurt

fr-debatteUnwürdiges Nebeneinander von Überfluss und Mangel

Essener Tafel: „Der Aufreger“, FR-Magazin vom 18. September

Um es vorab klar zu sagen: Ich war und bin gegen die Tafeln. Nicht gegen die ehrenamtlichen Mitarbeiter, aber gegen diese ärmliche Lösung von Armenhilfe. Über 200 Tafeln gibt es seit über 20 Jahren in deutschen Städten!
Jetzt wird am Beispiel der Essener Tafel die ganze Absurdität dieser nicht-staatlichen Armenfürsorge, die den Charakter eines mittelalterlichen Bettler- und Almosenwesens aufweist, offengelegt. Die Essener Tafel fühlt sich überfordert, zieht Konsequenzen, die zwar verständlich, aber nicht richtig sind. Der Orkan der Empörung geht trotzdem in die falsche Richtung. Hier hat seit Jahren der Staat versagt. Durch das sich verbreitende ehrenamtliche Hilfesystem, als eine Form der Mildtätigkeit und Barmherzigkeit, wurden die sozialstaatlichen Aufgaben der Hilfe  öffentlich immer mehr in den Bedeutungshintergrund gedrängt. Die Tafeln stehen – neben den Armenspeisungen oder Kleiderkammern – als das schlechte Gewissen der Wohlstandsgesellschaft mit ihrem unwürdigen Nebeneinander von Überfluss und Mangel. Soziale Bedürftigkeit wird auf Notversorgung reduziert.
Jetzt stehen die Tafeln unter Druck. Das und einiges mehr haben wir der Schröder’schen Politik seit den Hartz-Gesetzen zu verdanken. Nadja Erb sagt klipp und klar: „Die Tafeln müssen weg!“ Dass die Politik das Verhalten der Essener Tafel kritisiert, ist wieder mal ein Zeichen dafür, dass sie nichts verstanden hat und immer noch glaubt oder glauben machen will, einen wirklich funktionierenden Sozialstaat zu haben. Die SPD sollte ganz die Klappe halten und sich kräftig an die eigene Nase fassen. Wer sonst hat sich denn schuldig an der Armutsentwicklung in Deutschland gemacht?“

Jürgen Malyssek, Wiesbaden

fr-debatteSchmutziges Erdöl

Erwiderung auf „Was soll der Quatsch?“, Leserforum vom 23.9.

Ich muss Herrn Lindner widersprechen. Der Vergleich über die Erzeugung, die Speicherung und den Verbrauch der elektrischen Antriebsenergie ist leider schief. Herr Lindner vergisst, die Vorstufen zur Energiegewinnung und zur Speicherung der fossilen Brennstoffe zu erwähnen. Das sind die energieintensive und die Umwelt verschmutzende Gewinnung von z.B. Erdöl zur Förderung und Umwandlung in Fahrzeugkraftstoffe. Zudem müssen diese Stoffe gelagert und später Energie verbrauchend zum Endverbraucher transportiert werden. Ich bin nicht sicher, ob die Energiebilanz fossiler Kraftstoffe besser ist als die elektrischer Antriebe oder Antriebe auf Basis von Wasserstoff.

Hans-Peter Werner, Geisenheim

fr-debatteDas klimaschädlichste Verkehrsmittel

Zu: „Merkel und AKK fliegen in zwei Maschinen in die USA“, FR.de vom 23.9., und „Mieses Timing“, FR-Meinung vom 23.9.

Nach Verabschiedung des Klimagipfels fliegen Merkel und Kramp-Karrenbauer mit nur 23 Minuten Unterschied in die USA. Wo bliebt hier der Gedanke an Klimaschutz und auch die Kosten für diese Flüge?
Fünf Kabinettsmitglieder haben diese Woche Termine in den USA, fast alle fliegen für sich allein, nur die Umweltministerin nimmt eine Linienmaschine. Das richtige Signal nach dem mühsam erreichten Klimapaket?
Wenige Tage nach der Verabschiedung des Klimapakets reisen vier Mitglieder der Bundes-regierung in drei Flugzeugen der Luftwaffe an die US-Ostküste. Kanzlerin Angela Merkel reiste am Sonntag zusammen mit Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zum UN-Klimagipfel in New York, der am Montag beginnt. Sie nimmt anschließend an der UN-Generalversammlung teil.
Ebenfalls am Sonntagnachmittag hob eine kleinere Maschine mit Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihrer Delegation Richtung Washington ab. Die CDU-Chefin trifft erstmals ihren US-Ministerkollegen Mark Esper. Am Dienstag bringt die Flugbereitschaft dann auch noch Außenminister Heiko Maas (SPD) nach New York, was schon länger geplant ist. Er nimmt bis Freitag an der UN-Generalversammlung teil und löst dort sozusagen die Kanzlerin ab.
Ursprünglich hatte Kramp-Karrenbauer mit ihrer Delegation in der Kanzler-Maschine mitfliegen sollen. Hier hätte sie aber ihre Delegation verringern müssen. Der Airbus A340 sollte erst in New York zwischenlanden und dann weiter nach Washington fliegen. Da Kramp-Karrenbauer schon am Montagabend nach Deutschland zurückfliegt, wollte sie zurück eine normale Linienmaschine nehmen.
Dabei ist Fliegen das klimaschädlichste Verkehrsmittel. Wer in einem normalen Passagier-flugzeug von Frankfurt am Main nach New York fliegt, verursacht nach Berechnungen des Umweltbundesamtes dabei den gleichen CO2-Ausstoß wie bei 21.900 Kilometer Fahrt mit dem Auto.

Wilma Fischer, Eschborn

Muss denn stets alles so dramatisiert werden?

Vordergründig eine „gelungene“ Schlagzeile, die das oberflächliche Entsetzen in der Bevölkerung über das „die da Oben…“ nur so unterstützt. Und da war gerade auch der zelebrierte Klimagipfel mit seinen ohnehin äußerst moderaten Beschlüssen. Das ist eine durchaus zulässige Betrachtung der einen Seite der Medaille. Die andere Seite ist jedoch eine erheblich nüchternere: der Sicherheitsaspekt. Dieser ist nicht einmal in Richtung Terrorismus, als vielmehr einer vorbeugenden Katastrophe (Absturz) zu betrachten. Erinnern wir uns, als vor Jahren ein Flugzeug mit nahezu der gesamten polnischen Regierungselite abstürzte. In den DAX-Konzernen reisen Konzernvorstände ohnehin aus jenen Sicherheitsgründen getrennt. Ohne sich zum Regierungssprecher hiermit empfehlen zu wollen, bleibt konsequenterweise die Frage: Warum also auch nicht Mitglieder der Bundesregierung, unabhängig von der Leistungswillig- oder Leistungsfähigkeit einer solchen. Muss denn eigentlich stets alles so dramatisiert werden? Der Zeitgeist ist eben nicht immer ein guter.

Stefan Otto, Rodgau

Merkel ist CO2-Reduzierung anscheinend völlig egal

„Der Berg hat gekreißt und eine Maus geboren.“ Und die Maus wird ignoriert. Denn wie sonst könnte man das Verhalten der Bundeskanzlerin und ihrer Minister erklären, wenn es um Flüge an ein gemeinsames Ziel geht? Am Vorwurf der „Friday-for-Future“-Jugendlichen, dass „wenn die Klimakatastrophe eintritt, seid Ihr nicht mehr am Leben“ (alleine schon aus Altersgründen) scheint demnach etwas wahr zu sein. Denn Merkel und ihrem Anhang ist ja offensichtlich CO2-Reduzierung völlig egal.

Paul R. Woods, Neumagen-Dhron

fr-debatteSchlechte Erfahrungen mit privaten Rentenversicherungen

Zu: „Heimplatz wird immer teurer“, FR-Wirtschaft vom 24. September

In regelmäßigen Abständen wird über die Finanzierung von Heimplätzen berichtet. Aber mit welchen Konsequenzen? Die Eigenanteile steigen und ab 2020 soll auch der Elternunterhalt für Angehörige gedeckelt werden. Wessen Einkommen und Rente nicht ausreicht, wird vom Sozialamt unterstützt, dessen Ausgaben steigen werden, Steuer finanziert. Aber warum macht die PKV solche Erhebungen? Wittern sie schon wieder Gewinne mit privater Vorsorge? Schlechte Erfahrungen haben aber viele schon mit privaten Rentenversicherungen gemacht. Menschen mit Niedriglöhnen und Renten haben eh dafür kein Geld. Wer als Staat für kostenlose Kita und Kigaplätze Geld locker machen will, darf unsere Älteren nicht vernachlässigen.

Carmen Horstmann, Frankfurt

Leistungen werden jahrelang nicht angepasst

Vermutlich kann jeder nachvollziehen, dass die Löhne der MitarbeiterInnen in der Pflege, die Investitionskosten etc. jährlich steigen. Allerdings finde ich es weder logisch noch gerecht oder nachvollziehbar, dass die Leistungen der Pflegeversicherungen jahrelang nicht angepasst werden. Somit werden die Pflegebedürftigen bzw. ihre Kinder doppelt belastet.

Ute Steinke, Langenfeld

 

Politisches Handeln muss aktiv erkämpft werden

Klimawandel: „Wir alle brauchen eine Therapie“, FR-Politik vom 20. September

Die Autoren führen zur Erklärung, warum so viele Menschen vor den bedrohlichen Folgen des „menschengemachten Klimawandels die Augen verschließen“, die Evolutionstheorie und eine „Terror-Management-Theorie“ an. Problematisch daran erscheint mir, dass die eine biologisch, die andere psychologisch das Phänomen der Klimawandelleugnung, -ausblendung oder -verharmlosung behandelt, als wäre sie eine ahistorische, von gesellschaftlichen Bedingungen unabhängige, in der Natur des Menschen liegende anthropologische Konstante.
Freud und die ihm nachfolgenden kritischen PsychoanalytikerInnen hatten schon früh auf den Einfluss hingewiesen, den die kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen auf die Struktur der individuellen Psyche und ihren Umgang mit sich und der Welt ausüben. Gewisse Anpassungsmechanismen wurden von der kritischen Psychoanalyse als Übernahme gesellschaftlicher Normen ins Ich erkannt. So ist Beschweigen und Wegsehen zwar ein psychologischer Vorgang, aber auch eine Reaktion auf die Zwänge unserer real existierenden neoliberalen Gesellschaft. Sowohl den Mächtigen der Wirtschaft als auch den Ohnmächtigen der Lohnabhängigkeit dürfte der Klimawandel durchaus bewusst sein, aber beide unterliegen jeweils unterschiedlichen ökonomischen Bedingungen und Abhängigkeiten.
Der Satz: „Wir brauchen alle eine Psychotherapie“ suggeriert, dass auch sozial und politisch bedingte Konflikte allein durch psychotherapeutische Maßnahmen zu lösen seien. Der Mut zu politischem Handeln kann sicherlich durch Psychotherapie gefördert werden. Die Möglichkeit politischen Handelns muss gleichwohl aktiv erkämpft werden.

Dipl. Psych. Jörg Gogoll, Marburg

Unsere Beziehung zur Natur wird reanimiert

Zu dieser interessanten Erklärung sollte man vielleicht doch noch dazu sagen, dass ursprünglich die Menschen eine Beziehung zur Natur hatten, wie die Beispiele der Aborigines und der Nordamerika-Indianer es beweisen. Zum Überleben mussten sie ihre Umwelt schonen, wollten sie selber nicht verhungern und zugrunde gehen. Im Verlauf der Evolution hat das kollektive Leben diese Beziehung verdrängt. Sie ist aber noch da, atrophiert, im Menschen. Sie soll jetzt reanimiert werden!

Jacqueline Walter, Sinzheim

2 Kommentare

  1. Ralf Rath sagt:

    zu: Der letzte Universalgelehrte

    Man muss den Überschwang von Thomas Fix angesichts der Humboldt’schen Erkenntnisleistungen nicht teilen. Viel zu sehr kämpfen Forscher gegenwärtig buchstäblich nur noch um das nackte Überleben. An seiner Frage allerdings, weshalb Menschen mit solch einer Befähigung heute nicht mehr geboren werden, ist durchaus etwas dran. Wenn es zutrifft, dass alles, was das menschliche Leben zusammenhält, geistiger Natur ist, wie Hegel anlässlich seiner Antrittsvorlesung in Berlin den Hörern zu verstehen gab, könnte es gesellschaftlich keine wichtigere Angelegenheit sein, zumindest regional die Bedingungen so zu verändern, damit sie einen Geist hervorbringen, der dazu imstande ist. Die einzigartige Fähigkeit zur Universalität, die Hermann Hesse in „Das Glasperlenspiel“ literarisch bespricht, als Ausdruck einer restrukturierten Region ist dabei vielleicht das höchste Glück, das die jeweils dort ansässige Bevölkerung jemals erfahren kann. Im Fokus stünde demnach nicht allein der geographische Begriff der Region. Vielmehr ginge es darum, Region als die Mesoebene zwischen der Makroebene der ökonomischen Verhältnisse und der Mikroebene privater Haushalte vor allem der Industriebetriebe aufzufassen. Tragen die Beziehungen dazwischen nichts aus, ergibt es keinerlei Sinn, eine Region, der es daran fehlt, materiell und ideell zu fördern. Enorme Summen öffentlicher Gelder ließen sich stattdessen einsparen bzw. könnten für wirklich zukunftsträchtige Vorhaben verwendet werden. Nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch im Westen der Republik ganze Landstriche endlich ihrem dadurch in Wirklichkeit keinesfalls blinden Schicksal zu überlassen, wäre insofern das Gebot der Stunde.

  2. Stefan Ziegler sagt:

    Erwiderung auf „Wohnungen bauen? Bitte, aber nicht bei uns!“, Leserforum vom 23. September

    Ich kann Herrn Hautsch nur recht gegeben, das viele Gegner der Bauprojekt in Frankfurt ihre eigenen Interessen (Verbaute Aussicht, unmittelbarer Zugang zu Grünanlagen) durch setzten wollen. Probleme ob unsere Kinder und Kindeskinder hier in ihrer Geburtsstadt bezahlbaren Wohnraum finden ist diesen Person vollkommen egal. Erst die Schwierigkeiten die sich daraus ergeben ( kein Nachwuchs für das Ehrenamtlichen Engagement und Ämter). Hier kommt dann das Argument das “ Boot ist voll und es darf keiner mehr rein“ , „Grenzen des Wachstums“ usw. . Das Ganze vor gebracht mit Schweizer oder Wiener Dialekt. Mit welcher Berechtigung wird hier Personen etwas verwehrt was man selbst in Anspruch genommen hat, freie Berufswahl und freie Wahl des Lebensortes. Rechte die in unserem Grundgesetz fest geschrieben sind. Ich bin geborener Frankfurter, ich könnte auch die Forderung aufstellen, das alle die hier mal nach Frankfurt gekommen sind um zu studieren und dann hier eine Arbeitsstelle gefunden haben und sich jetzt im Rentenalter befinden, wieder in ihrem Herkunftsort niederlassen sollen. Dann wäre hier das Boot nicht mehr voll und meine Kinder könnten hier eine Vernünftige Wohnung zu einem Vernünftigen Preis finden. Bei Problemfindungen sind diese Leute nicht beteiligt oder sogar wieder neue Gegner. Stärkung der Infrastruktur, Stärkung des ÖPNV’s, wenn man Menschen im Umland halten möchte und auch gegen Pendlerströme ist muss man Bus und Bahn ausbauen. Wie lange dauert schon der Ausbau der Nordmainischen S-Bahnstrecke ? Welche Diskussion erhebt sich um einen weiteren Tunnelausbau für Fernbahntrasse. So gibt es viele Projekt die für unsere zukünftige Gesellschaft wichtig sind Stromtrassenausbau, Windkraftanlagen etc. überall nur nicht vor meiner Haustür. Egoisten die den Anspruch haben nur sie verfügen über die alleinige Weisheit. Ich gebe ihnen noch ein Beispiel, das Gelände für den ins Auge gefassten nördlichen Stadtteil wird als wichtige ökologische Ressource ausgewiesen, das die Fläche durch industrielle Landwirtschaft genutzt wird fällt unter den Tisch. Dort gibt es keine Insekten mehr durch so hoch gelobte Landwirtschaft ist alles Tot. Die nun wieder angelegten Blühstreifen wurden von Landwirten doch nur angelegt, weil die Europäische Union dafür bezahlt. Alles was Geld bringt können wir tun. Egoismus pur. Ein Teil der Personen die an der Menschenkette teilnahmen wussten gar nicht wo das Areal liegt, geschweige denn wie man da hin kommt. Protest Tourismus in Reinkultur. Und ich freue mich das noch ein anderer die Verbale Nähe zwischen „Heimat und Boden“ und Blut und Boden“ sehr bedenkliche und erschreckend findet.