John F. Kennedy – Tod eines Spielverderbers

Es wird Zeit, dass ich hier mal wieder etwas Eigenes einbringe. Ich möchte das tun in Form einer Lese-Empfehlung in einer Sache, in der es bisher keine abschließende Erkenntnis gibt und deren Bedeutung dennoch wohl kaum zu unterschätzen ist: das Attentat auf John F. Kennedy vor relativ genau 50 Jahren. Das FR-Blog ist ja immer ein bisschen langsamer als andere Blogs und Foren, und wer diese Langsamkeit für sich entdeckt hat, wird sie in unserer schnelllebigen Zeit vielleicht auch zu schätzen gelernt haben. Dieser Artikel geht zurück auf einen Text, den ich woanders veröffentlicht habe.

John F. Kennedy – Tod eines Spielverderbers

Es ist jetzt etwa vier Wochen her, dass ich angesichts einer ZDF-Zeitgeschichte-Sendung – sie nannte sich „ZDF.zeit – so ungefähr aus allen Wolken fiel. Vom ZDF sind wir ja durchaus einiges gewohnt, doch das Attentat auf den 35. Präsidenten der USA, John F. Kennedy, allein dem hinlänglich bekannten Lee H. Oswald in die Schuhe zu schieben, ohne auch nur eines der Momente zu erwähnen, die an dieser sogenannten „Einzeltäter-Theorie“ Zweifel aufkommen lassen, das hat mich erschüttert. Kennedy wurde als schwacher Präsident dargestellt, weil er krank war und unzählige Frauenaffären hatte. Mag ja sein, dass das von menschlicher Schwäche zeugt, aber dass er einen Atomkrieg verhindert hat, war dieser Sendung keine Erwähnung wert. Offenbar hat die Programmdirektion des ZDF noch immer nicht begriffen, dass sie ihren Sender mit derlei Sendungen der Lächerlichkeit preisgibt. Vor zwanzig Jahren hätten die so etwas vielleicht noch bringen können. Heute nicht mehr. Die ZDF-History-Redaktion scheint von Altvorderen dominiert zu sein.

Zum Glück braucht man das ZDF nicht, um sich auf den Stand der Dinge zu bringen. Es gab andere, deutlich ausgewogenere Sendungen zum Thema auf 3sat, Arte und sogar – das war sogar die beste – auf Vox; der Privatsender brachte einen vierstündigen Themenschwerpunkt und ließ (wie auch 3sat und Arte) keinen Zweifel daran, dass der Attentats-Hergang bis heute nicht eindeutig geklärt ist. Es gibt ein aktuelles Buch zum Thema, das ich Ihnen empfehlen möchte:

Mathias Bröckers: JFK – Staatsstreich in Amerika

Die Theorie vom Staatsstreich ist nicht neu. Sie taucht schon in Oliver Stones Film „JFK“ von 1991 auf. Bröckers‘ eigentliches Verdienst ist es denn auch nicht, die ganze Geschichte noch einmal so zu erzählen, dass man möglichst viele Zweifel an der offiziellen Version bekommt. Um diese Zweifel zu säen, braucht er nicht viel, denn die offizielle Version von Harvey als Einzeltäter ist wirklich dünn. Dass Bröckers keine Beweise für seine Theorie hat, was er tunlichst mit zahlreichen Konjunktiven zudeckt, ist ihm schwerlich anzulasten. Indizien aber, die hat er genug. Bröckers eigentliches Verdienst ist es, das Attentat in einen klaren zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen, der dann auch geradezu haarsträubend verdeutlicht, wie sehr das Attentat unsere Welt verändert hat. Denn danach hat für ein ganzes Weilchen kein US-Präsident mehr nennenswert gegen die CIA und den militärisch-industriellen Komplex aufgemuckt. Jimmy Carter hat’s versucht, Bill Clinton versuchte dann, die CIA in einem Wust von Bürokratie zu ersticken, doch George W. Bush hat den Geheimdienst da wieder rausgepellt. Tatsache ist: Kennedys Nachfolger hat relativ zeitnah auf den Vietnam-Krieg hingearbeitet, der dann zum großen Trauma der USA wurde – und an dem sich der militärisch-industrielle Komplex eine goldene Nase verdient hat. Heutzutage versteht sich das Pentagon geradezu als eine Art Auftragsvermittler für die US-Rüstungsindustrie.

Es ist ein faszinierendes Szenario, das Bröckers da ausbreitet — das Szenario eines Komplotts. Doch kein Komplott und kein Mord ohne Motiv. Bröckers liefert gleich vier Motive, denn Kennedy ist dem militärischen Establishment viermal schwer auf die Füße getreten:

  1. als er sich und die USA nicht vor den Karren der CIA und der Exilkubaner spannen ließ und keine Luftunterstützung zur Invasion nach Kuba schickte (Schweinebucht-Desaster);
  2. als er im Nervenkrieg der Kuba-Krise entgegen dem Statement der Mehrheit seines Beraterstabes auf Deeskalation setzte statt auf atomare Vernichtung;
  3. als er die Einstellung der oberirdischen Atombombentests anordnete;
  4. als er in Sachen Vietnam Rückzug anordnete; kaum sechs Wochen vor seinem Tod befahl er den Abzug von 1000 Militärberatern. Sein gesamter Beraterstab hingegen befürwortete ein militärisches Eingreifen in Vietnam.

Außerdem wagte er es auch noch, eigene geheime diplomatische Kanäle zu Chruschtschow und Castro aufzubauen, Generäle in seinem Beraterstab auszutauschen und wegen des Schweinebucht-Desasters den CIA-Direktor zu entlassen — Allen Welsh Dulles, der eine hochinteressante Gestalt der amerikanischen Politik jener Zeit ist. An dieser Stelle der Ermittlungen macht Bröckers leider nicht weiter. Hier aber wird es eigentlich erst interessant, denn dieser Allen Welsh Dulles ist eine wirklich schillernde Figur; er hat u.a. dazu beigetragen, in den 30er Jahren wirtschaftliche Beziehungen der USA zu Nazi-Deutschland zu stärken, soll KZ-„Ärzte“ vor der Verfolgung durch das Nürnberger Kriegsverbrechertribunal in Sicherheit gebracht haben und ist als erster CIA-Direktor verantwortlich für das geheime „MK-Ultra“-Programm des Geheimdiensts, in dem Methoden der psychischen Konditionierung erforscht wurden, wobei auch Folter eingesetzt wurde. Doch Bröckers möchte sich auf das Attentat an sich konzentrieren. Es sei ihm verziehen.

Also: Wer noch einmal so richtig Zweifel daran bekommen möchte, dass Lee Harvey Oswald mit einem Gewehr, das technisch dazu überhaupt nicht imstande war, drei Schüsse in nicht einmal sieben Sekunden abfeuerte, und dass er sein Ziel zweimal aus knapp 100 Metern Entfernung traf, obwohl er wegen eines Laubbaums keine freie Sicht auf die Präsidentenlimousine hatte, und dass die erste der beiden Trefferkugeln, die berühmte “magische Kugel” (Flugbahn siehe Grafik rechts, Urheber: bradipus), insgesamt sieben Verletzungen bei Kennedy und dem vor ihm sitzenden Gouverneur verursachte, ferner dass Oswald dieses ballistische Wunder vollbrachte, während er aus dem Fenster eines Schulbuchlagers schoss und sich nach Zeugenaussagen gleichzeitig einige Stockwerke tiefer an einem Getränkeautomaten aufhielt und ein Sandwich aß – wer das also mal so richtig aufgedröselt bekommen möchte, dem sei „JFK – Staatsstreich in Amerika“ empfohlen.

Wie spannend wäre es gewesen, einen Oswald-Prozess zu verfolgen, in dessen Verlauf dem Attentäter dieser Mord hätte nachgewiesen werden müssen! Doch leider gab es niemals juristische Aufklärung, weil Oswald zwei Tage später von einem Mafia-Gangster erschossen wurde. Ob dieser zweite Mord wohl jemandem besonders genutzt hat? Vom ersten Mord ganz zu schweigen.

Sehr lesenswert: Mathias Bröckers: “JFK — Staatsstreich in Amerika”. Westend Verlag Frankfurt 2013. Hardcover. 288 Seiten. 19,99 Euro. Als E-Book 15,99 Euro

15 Kommentare

  1. Karl Müller sagt:

    Das Buch ist sehr zu empfehlen, auch sei auf die vorhergehende Lektüre des Untersuchungsberichtes, den „Warren-Report“ verwiesen; Man fühlt sich durch die darin enthaltene, selektive Sachverhaltswürdigung sehr unangenehm an das laufende NSU-Verfahren erinnert.

    Genauso wie bei den ex-post Erklärungen zur „Magischen Kugel“ im Internet und die Ignoranz gegenüber dem Filmbeweis das der Geschädigte durch mindestens 1 Geschoss von vorn rechts in Höhe des Jochbeins getroffen wurde; welches am Hinterkopf sichtbar wieder austrat. Und damit mehr oder weniger deutlich über 90° zur angeblich einzigen Schussrichtung verlief.

    KM

  2. Frank Wohlgemuth sagt:

    @Bronski
    „Bröckers eigentliches Verdienst ist es, das Attentat in einen klaren zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen, der dann auch geradezu haarsträubend verdeutlicht, wie sehr das Attentat unsere Welt verändert hat.“

    Ich finde es gut, dass Sie diesen Punkt so herausheben. Dieses Geflecht aus direkten und indirekten Beziehungen der Beteiligten mit gleichlaufenden, konkurrierenden und gegensätzlichen Motiven, das sie so lapidar mit „Kontext“ zusammenfassen, ist in der Tat immer das Interessanteste an derartigen Aufarbeitungen. Leider wird dann zu oft versucht, aus der Beantwortung der rückblickenden Frage, wem denn ein Tatbestand genutzt habe, auf die „eigentlichen Täter“ zu schließen, was von der Logik her grundsätzlich unzulässig ist, aber was dann normalerweise das Herzstück der üblichen Verschwörungstheorie ausmacht.

    Deshalb möchte ich mich da nur auf folgende Hinweise beschränken: Das „cui bono“ kann helfen, die Suche nach harten Indizien zu fokussieren, bis man sie gefunden hat – oder eben nichts gefunden hat. Die Antwort auf die Frage, wem etwas genutzt habe, ist aber selbst nie ein Indiz, solange wir nicht vorhaben, alle Erben wegen Mordes an ihren Erblassern vor Gericht zu stellen.

    Auch vor einer zweiten Sache möchte ich warnen, ohne dass ich vorhabe, mich in den Kennedy-Mord einzulesen: Eine physikalische Darstellung, die uns plausibel erscheint, muss deshalb nicht richtig sein. Oft ist es gerade die Plausibilität einer zu einfachen falschen Darstellung, die hindert, die komplexe richtige zu suchen. Das habe ich jetzt aus eigener Erfahrung als Naturwissenschaftler formuliert. Da kann es durchaus passieren, dass ein scheinbar plausibler Unsinn Jahrzehnte durch die Veröffentlichungen geistert und immer wieder als Wahrheit abgeschrieben wird, bis jemand mal aus Versehen mit der Nase drauffällt. Diese Warnung gilt sowohl für die offiziellen Untersuchungsberichte als auch für die Verschwörungstheorien – es geht nämlich auch andersherum, dass jemand versucht, die komplizierte Version durch eine einfache und in seinen Augen plausiblere Version zu ersetzen, ohne wirklich Ahnung vom Thema zu haben. Der wird dann durch den Applaus der anderen Ahnungslosen bestätigt und wundert sich über die Ignoranz der Fachleute.

    Das war jetzt mein Fazit aus einer sehr zähen Diskussion um den Einsturz der Twin Towers, der normalerweise mit dem Kürzel 9/11 gehandelt wird. Wir müssen einfach lernen, mit Wahrheiten zu leben, die fraglich sind, ohne zu schnell der Versuchung zu erliegen, die gerade fragliche Wahrheit durch eine andere fragliche zu ersetzen. Das sollte übrigens auch die Haltung eines Naturwissenschaftlers sein.

  3. Bronski sagt:

    @ Frank Wohlgemuth

    Natürlich kann die Wahrheit komplizierter sein als zunächst gedacht. Wahrscheinlich ist sie das sogar regelmäßig. Nebenan haben wir zwei Diskussionen – Energiewende, Banken -, in denen mir das der Fall zu sein scheint: Die Materie ist zu komplex, um mit einfachen Wahrheiten erfasst werden zu können. Im Fall JFK scheint es jedoch so zu sein, dass die einfachen Lösungen von Anfang an zugunsten der komplizierten vernachlässigt wurden und dass nach dem „cui bono“ nie gefragt wurde, zumindest nicht von Seiten der ermittelnden Behörden. Die Frage nach dem Motiv ist in der Kriminalistik normalerweise eine der ersten Fragen, die von Ermittlern aufgeworfen werden. Die möglichen Antworten führen in Richtungen, in die ermittelt wird, und es muss sich erweisen, ob diese Spuren richtig oder falsch sind – falls sich überhaupt Beweise oder zumindest Indizien finden lassen, die ein weiteres Ermitteln in diese Richtungen rechtfertigen. Immer unterstellt natürlich, dass ein Verbrechen vorliegt. Der Vergleich mit den Erblassern geht daher fehl, solange die eines natürlichen Todes sterben. Kriminalisten bleibt in der Regel gar nichts anderes übrig, als einen Fall vom Ende her aufzudröseln und ihn dann irgendwann, wenn die Ermittlungen das zulassen, auf die Beine zu stellen. Es kann daher von der Logik her gar nicht grundsätzlich unzulässig sein, so an einen Fall heranzugehen. Nur – und da haben Sie recht – sollte es dann auch irgendwann Beweise geben, die zur Klärung des Falles beitragen. Die können im Fall JFK allerdings nicht beigebracht werden, und daran sind die Kritiker völlig unschuldig. Die Johnson-Regierung hat entsprechende zeithistorische Dokumente, die zur Aufklärung beitragen könnten, aus Gründen der nationalen Sicherheit bist 2039 wegschließen lassen. (Inzwischen wurde diese Frist auf 2017 herabgesetzt.) Bleibt also nur, die Spekulationen am Leben zu erhalten, was vielen Autoren ein gutes Auskommen sichert. Insofern können alle zufrieden sein. Bis auf die Wahrheit.
    Ja, man muss sich immer vor Augen halten, dass es sich letztlich um Spekulationen handelt, egal wie plausibel sie klingen.

  4. Henning Flessner sagt:

    „Wir müssen einfach lernen, mit Wahrheiten zu leben, die fraglich sind, ohne zu schnell der Versuchung zu erliegen, die gerade fragliche Wahrheit durch eine andere fragliche zu ersetzen.“
    Das ist wahrscheinlich der Grund für Verschwörungstheorien, von denen es nach meinem subjektiven Eindruck immer mehr gibt.

    Der Mensch hat ein Problem damit, wenn er Dinge nicht erklären kann. Ungewissheit ist schwer zu ertragen. In der Vergangenheit musste dann ein Gott dafür herhalten und man nannte es Wunder. Noch früher waren es die Sterne. Der Zuspruch zu den Religionen hat nachgelassen, aber die Unerträglichkeit der Ungewissheit nicht. Übernimmt die Verschwörungstheorie die Funktion der Religion?

  5. maiillimi sagt:

    @ 4:
    Ich finde die von Bronski zitierten Fakten aus Bröckers Werk und seine eigenen Schlüsse bzw. Fragen einleuchtend und „handfest“. Man kann natürlich viel spekulieren, vieles unter „Verschwörungstheorie“ ablegen… und damit basta. Mir ist das zu bequem. Die Diskussion um das frühe „Ende“ von JFK, aber auch die um 9/11 geben (mir) genügend Anlass, weitere Fragen zu stellen und nicht einfach mit (fraglichen) Wahrheiten zu leben. Der Stoff zu weitern Fragen geht nicht aus…Wieviel wurde in den letzten Jahrzehnten unter den Tisch gekehrt. Ich denke an die vielen Staaststreiche in der Dritten Welt, bei denen die uns bekannte Grossmacht die Weichen gestellt hat… Meist bewiesene – wenn auch nicht der breiten Öffentlichkeit vermittelte – Fakten. Oder sind das Verschwörungstheorien?
    Dass die Verschwörungstheorie die Funktion der Religion übernehmen soll, halte ich für absurd. Mir ist jedenfalls niemand bekannt, der diesen Gesinnungswandel vollzogen hat. Vom Gottvertrauen auf Verschwörungstheorie umsteigen? Ich kenne keine Beispiele.

  6. Karl Müller sagt:

    @ 5

    Schon aus kriminaltechnischer und pathologischer Sicht läßt sich da ein dickes Buch mit dem Fall und den Problemen füllen.

    Hier ließe sich, zumindest besser als beim „cui bono“ eine klare Grenze zwischen überprüfbaren Befunden, den technischen Möglichkeiten und wietergehenden Spekulationen ziehen.

    Schon wer einmal versucht hat mit einem Modell der Tatwaffe auf eine stationäre Scheibe zu schießen, bekommt eine Vorstellung von den Schwierigkeiten denen sich der Schütze im Lagerhaus gegenübergesehen hat.

    KM

  7. […] wurde das Buch besprochen, sowie im Deutschlandradio,  in der Kölnischen Rundschau, derFrankfurter Rundschau,  und im Blog von Stefan Schaer. Mein Lieblings-Finanzjournalist Max Keiser hat dankenswerter […]

  8. Frank Wohlgemuth sagt:

    @ Bronski #3
    „Kriminalisten bleibt in der Regel gar nichts anderes übrig, als einen Fall vom Ende her aufzudröseln und ihn dann irgendwann, wenn die Ermittlungen das zulassen, auf die Beine zu stellen. Es kann daher von der Logik her gar nicht grundsätzlich unzulässig sein, so an einen Fall heranzugehen.“ (Bronski)
    Ich habe ach nicht geschrieben, dass das unzulässig sei, sondern im Gegenteil dass das cui bono Anlass sein kann und soll, bei den Nutznießern entsprechend Belegen für die Tat zu suchen. Was aber unzulässig ist und bleibt, ist vom Vorteil direkt auf den Täter zu schließen. Aber da sind wir uns anscheinend auch einig: „Nur – und da haben Sie recht – sollte es dann auch irgendwann Beweise geben, die zur Klärung des Falles beitragen.“ (Bronski)

    Die bei Broeckers verlinkte Dikussion zeigte das übrigens sehr gut: Es gibt ausgesprochen dicke Fragezeichen an der bisherigen Version, es gibt anscheinend Manipulationen an den Beweismitteln und es gibt immer noch geheimgehaltene Informationen – aber es gibt noch keinen neuen Täter. Entsprechend wurde ja auch geäußert, dass wir es nie herausbekommen werden, wer der Täter war. Und das alleine sollte eigentlich schon politische Sprengkraft besitzen.

  9. silver price sagt:

    Rund 50 Jahre ist es nun schon her, dass John F. Kennedy spektakulär auf offener Straße in Dallas erschossen wurde. An der offiziellen Version, dass der Einzeltäter Oswald diesen Mord beging, wurde immer schon gezweifelt. Die Regierung der USA setzte eine Untersuchungskommission ein, die nur eine Aufgabe hatte: Die Version vom Einzeltäter zu stützen. Diese Einzeltäterversion ist immer noch die offizielle Version, gilt andererseits offiziell aber auch als widerlegt.Cui bono?War es J. Edgar Hoover, der JFK „ganz offiziell“ riet, im offenen PKW durch Dallas zu fahren?

  10. Karl Müller sagt:

    @ 9#,

    Dass das militärische Establishment der USA Kenndy nicht wohl gesonnen war, läßt sich schon am den den Vorbereitungen inherenten Scheitern der Schweinebuchtinvasion erahnen.

    Selten wurde eine amphibische Landung so lieb- und sorglos vorbereitet. Es könnte von Schlendrian und Ahnungslosigkeit zeugen, wären da nicht die geradezu detailversessenen und gründlich systematischen Erfahrungen mit Landungsoperationen aus dem Pazifikfeldzug vorhanden.

    Auch sonstige Aufklärungsergebnisse in der Planungsphase blieben weit hinter den eigentliche Möglichkeiten. Von den fragwürdigen Vorbereitungen mit den „Exilkubanern“ ganz abgesehen.

    KM

  11. BvG sagt:

    Ich denke, „silver price“ bringt es mit seinem Nickname schon auf den Punkt.
    Verschwörungstheorien sind immer auch Verklärungstheorien. Die ultimative „Verschwörung“ ist, wenn sich das „Opfer“ mit dem „Täter“ verschwört, um durch den eigenen Tod die eigenen Ziele zu verklären.

    Also: Kennedy hat das alles selbst geplant und übrig bleibt eine Madonna, die für alles Gute steht, inklusive einer Maria Magdalena, die ihr „I don’t know how to love him“ als Geburtstagslied bringt.

    Eine Menge Symptome eines kollektiven „Burnout“, dramaturgisch wiederzufinden in „Jesus Christ Superstar“ oder auch bei Wagner. Bleibt noch abzuwarten, ob das ganze bald als Musical erscheint. (ach je, gibt es ja schon…)

    Wäre schon mal ein Fortschritt, wenn man davon wegkäme, einzelne Personen als „Hoffnungsträger“ zu inszenieren. Sie könnten es sich dann leisten, menschlich zu bleiben.

  12. Werner Engelmann sagt:

    Ehrlich gesagt: Ich war skeptisch, was das Erkenntnisinteresse an einem Thema angeht, das in einem halben Jahrhundert mit gewaltigen kriminologischen Aufklärungsmöglichkeiten zu keiner Aufklärung gelangt ist. Die mehrfach angesprochene Beschäftigung mit Motiven von Verschwörungstheoretikern erscheint mir einigermaßen müßig. Und das Thema an sich erscheint zunächst nur noch für Historiker von Interesse.
    Anders jedoch, wenn man versucht, das Geschehen – und vor allem die fehlgeschlagene bzw. nicht gewollte Aufklärung – vor dem Hintergrund aktueller Skandale wie NSA- und NSU-Skandal zu beleuchten:
    Was bedeutet es aktuell, wenn – wie Bronski richtig ausführt – bei der Untersuchung eines weltbewegenden Ereignisses elementare Fragen jeder kriminologischen Untersuchung wie das „cui bono“ ausgeklammert werden? Allerdings: Auch wenn die Fragestellung richtig ist, Bronskis Ausführungen bleiben hier (notwendigerweise?) ziemlich vage:
    „… das Attentat in einen klaren zeitgeschichtlichen Kontext zu stellen, der dann auch geradezu haarsträubend verdeutlicht, wie sehr das Attentat unsere Welt verändert hat. Denn danach hat für ein ganzes Weilchen kein US-Präsident mehr nennenswert gegen die CIA und den militärisch-industriellen Komplex aufgemuckt.“ (Einführung)
    Man wüsste doch schon gerne mehr darüber, welches die Mechanismen sind, die eben dies bewirken, welcher Einfluss ihnen heute zukommt und welche Machtmittel dazu zur Verfügung stehen.
    Etwas polemisch zugespitzt: War die Ermordung des Präsidenten aus der Sicht der Attentäter in historischer Sicht ein Erfolg? – Offensichtlich ja!
    Was hat es zu bedeuten, wenn die unumstritten führende Weltnation (bzw. deren Machteliten) sich in lächerliche Diskussionen über „magische Kugeln“ verstrickt, die bestenfalls als Thema für romantische Opern à la „Freischütz“ taugen, einer irrationalen Faszination am Dämonischen dienen, nicht aber einer ernsthaften Diskussion unter vernunftbegabten Menschen? Dass sie geradezu unvorstellbare Mittel einsetzt, um Gesinnungsprofile von Milliarden von Menschen zu erstellen, um „Erkenntnisse“ über vorausgesagte – wiewohl nicht voraussagbare – Handlungsweisen zu erlangen, bei der Auswertung von Erkenntnissen bezüglich der Ermordung ihres eigenen demokratisch gewählten Präsidenten (wie auch der folgenden Morde: Robert Kennedy, Martin Luther-King) jedoch so jämmerlich versagt? Dass sie diese grotesken Unternehmungen startet, angeblich aus ausschließlichem Interesse am „Schutz“ ihrer Bürger, dass sie ihren demokratisch gewählten Präsidenten aber nicht schützen kann – will? Dass sie – was auf dasselbe hinausläuft – offensichtlich kein Interesse an der Aufklärung der Umstände besitzt, die zu seiner Ermordung führten? Dass sie es vorzieht, sich über Jahrzehnte vor aller Welt lächerlich zu machen, als der Wahrheit auf die Spur zu kommen?
    Was sagt es über die demokratische Verfasstheit und den Zustand dieses Landes aus?
    „Wer sich den Fehlern der Vergangenheit nicht stellt, ist gezwungen, sie zu wiederholen.“ Eine Erkenntnis, die hierzulande längst zum geflügelten Wort geworden ist, als etwas völlig Unbekanntes jenseits des Atlantiks?
    Unter dieser Sicht, mit solchen Fragen gewinnt das unaufgeklärte Geschehen an Aktualität und an Brisanz: Der Fluch der Untat wirkt so lange weiter, als seine Ursachen nicht erkannt sind. – Was also ist von einer „demokratischen Führungsnation“ zu erwarten, deren Handeln wie eine Verhöhnung des Kantschen Verständnisses von „Aufklärung“ erscheint? Und welches Licht wirft dies auf Vorgänge und Institutionen hierzulande, die, der „Aufklärung“ verpflichtet, (siehe NSU-Skandal) alles Erdenkliche tun, um eben diese zu verhindern?
    – Nur einige Gedanken an einem Tag, der (wie immerhin ein großer Teil der Menschheit glaubt) etwas mehr „Licht“ in das Dunkel der Welt zu bringen verspricht. Eine Hoffnung, die einem rationalen Verständnis von „Aufklärung“ nicht notwendigerweise entgegenstehen muss, wohl aber einem Verständnis widerspricht, das „Christlichkeit“ wie eine Monstranz vor sich herträgt, Aufklärung aber zu verhindern sucht.
    In diesem Sinne wünsche ich allen Mitdiskutanten noch einen schönen und besinnlichen Weihnachtstag.
    Werner Engelmann (Chalindrey/Frankreich, z.Zt. Berlin)

  13. Karl Müller sagt:

    Lieber Herr Engelmann,

    Könnten Sie freundlicherweise reklären, warum Sie den pathologischen Teil des Deliktes dermaßen ins Lächerliche ziehen?

    Was genau hat eine Diskussion der kriminaltechnischen Aspekte bitte mit „dämonisch“ zu tun?

    Füchte ich kann Ihnen da nicht ganz folgen und bitte um Aufklärung.

    KM

  14. runeB sagt:

    zu # 13 Karl Müller
    Die Kennedy-Ermordung ist nicht aufgeklärt worden. Die Frage nach dem „cui bono“ , wem nützt es (der Mord), ist nie ernsthaft gestellt worden.

    Stattdessen gab es seltsame Vermutungen, wie „magische Kugeln“, deshalb der Hinweis auf den „Freischütz“.

    Herr Engelmann hat sich gar nicht über den Mordfall Kennedy lustig gemacht, im Gegenteil.

    Kurz gesagt: Die Kriminaltechnik sowie die Suche nach dem Motiv und dem Täter bzw. ist nicht ernsthaft in Anspruch genommen bzw. aufgenommen worden, stattdessen haben die Geheimdienste ihre Chance erkannt, ihren Einfluss auszudehnen, um Millionen Unschuldiger auszuspähen.

    Lesen Sie bitte den Beitrag von Herrn Engelmann nochmals sorgfältig durch.

    Der Hinweis auf den ebenfalls ungeklärten Mord an Schwedens Staaatsminister (Ministerpräsident) Olov Palme sei gestattet. Auch in diesem Fall gibt es reichlich Verschwörungsvermutungen.

    Eine Aufklärung auch dieses Mordfalles steht noch aus, vermutlich für immer. Auch wurde die Frage „cui bono“ nie gestellt. Unterlagen, die den Fall hätten aufhellen können waren plötzlich verschwunden.
    Das macht sehr nachdenklich.

  15. Werner Engelmann sagt:

    @Karl Müller,runeB
    runeB hat alles richtig erklärt. Ich habe dem nichts hinzuzufügen.