Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 42

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Zum Glück lässt der Zustrom an Leserbriefen jetzt ein bisschen nach. Übers Wochenende – also von Freitag nach Feierabend an bis Sonntagnachmittag, an dem ich vorsorglich mal nach den Mails geschaut habe, um nicht erschlagen zu werden – waren 204 Mails hereingekommen. Womit habe ich also den Rest des Sonntags verbracht (jedenfalls bis zum Abendessen, das bei uns immer parallel zur Tagesschau genommen wird)? Und dann der Ärger bei „Anne Will“ mit den Herren Laschet und Lindner. Haben Sie’s gesehen? Falls nicht – auf FR.de wurde quasi synchron über die Sendung berichtet. Diese Talkshows scheinen derzeit einen richtigen Lauf zu haben, die Einschaltquoten sind in Zeiten der Pandemie stark gestiegen.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 42
Montag, 27. April 2020

Wir tragen also jetzt alle Mundschutz. Ich auch. Sie sind in Hessen angeordnet für die Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln und für Einkäufe in Geschäften und Supermärkten – in Offenbach auch auf dem Wochenmarkt. Wie der Zufall es wollte, hatte ich ein paar Einkäufe zu tätigen und bin daher also nach der Arbeit in die Stadt gegangen. Oliver Welke (heute-Show) hätte seinen Spaß gehabt. Die Menschen sind ausgesprochen kreativ bei der Ausgestaltung der Tragepflicht. Manche bedecken damit nur den Mund, als wäre die Nase nichts mit ihrem Atmungssystem zu tun. Andere schieben sie unters Kinn, wenn sie auf der Straße oder in der Fußgängerzone unterwegs sind, als gäbe es dort keine Kontaminationsgefahr. Mein Mann hat sogar jemanden gesehen, der die Maske auf der Stirn trug.

Es muss sich wohl erst noch herumsprechen, dass das mit dem Schutz durch solche Masken eine ambivalente Angelegenheit ist und dass man sich darum kümmern muss, die Masken nicht zu sehr zu kontaminieren. Denn sie sind Bazillenfänger. Natürlich sammeln sich die Keime vor allem in den Teilen der Maske, durch die der Luftstrom angesaugt und wieder ausgeatmet wird. Daher müssen die Masken sorgfältig desinfiziert werden. Man kann aber auch unfreiwillig und unbewusst Keime mit den Händen bzw. den Fingern auf die Masken übertragen, z.B. wenn man in einem Geschäft etwas angefasst hat oder Wechselgeld entgegen genommen hat und sich dann mit denselben Fingern die Maske zurechtzuppelt, damit sie richtig sitzt. Dann hat man die Keime an den Rändern der Maske.

Einen Vorteil hat die Maske aber ganz gewiss: Man fingert sich nicht im Gesicht herum, während man sie trägt. Und das gilt ja als einer der Infektionswege für Sars-CoV-2. Der Mensch fasst sich durchschnittlich bis zu dreimal pro Minute ins Gesicht, meist unbewusst. Es stellt einen Kraftaufwand dar, diese unwillkürlichen Bewegungen unter Kontrolle zu bringen. Das nervt, etwa dann, wenn es im Gesicht juckt und man sich kratzen will. Aber was erzähle ich Ihnen da – das wissen Sie vermutlich längst alles.

Ich habe meine Maske strikt nach der Regel getragen, hab sie aufgesetzt, bevor ich ein Geschäft betreten habe, und mich dabei wie ein Bankräuber gefühlt, der sich hastig vermummt. Das ist nichts, woran ich mich gewöhnen möchte. Aber es wird wohl nichts anderes übrig bleiben.

Naoned!

Worldometer  +++ SafetyDetectives

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Ein Kommentar

  1. Anna Hartl sagt:

    Die Fahrt mit der U-Bahn gestern hat ein ziemlich schräges Bild geboten. Bis auf drei Männer alle mit Mundschutz. In der Bahn Richtung Innenstadt – wie ein Spiegelbild – der gleiche Anblick.
    Bei mir führt das leider zu mehr Griffen ins Gesicht, da mir unter der Maske zu warm wird und ich das Gefühl bekomme, weniger Luft einzuatmen. Hoffentlich hält diese Maskenpflicht nicht so lange an!