Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 371: Ab in den Garten!

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Es könnte sein, dass Sie heute Seiten von mir kennenlernen, die Sie nicht erwartet hätten. Nun denn, so wollen wir uns also ein wenig näher bekannt machen. Im Brotjob bin ich Zeitungsredakteur (Forum-Redaktion der Frankfurter Rundschau), ich bin Autor mehrerer Romane (zuletzt: „McWeir – Virenkrieg V„, demnächst „Der Osiris-Punkt„). Das ist nicht neu, das erfahren Sie jederzeit, falls Sie auf die Idee kommen, eine Suchmaschine mit meinem Namen zu befrachten. Ebenfalls kein Geheimnis ist, dass ich mit meinem Mann in Offenbach lebe, in einem Haus aus dem Jahr 1890. Aber jetzt kommt was Neues: Dieses Haus hat einen Garten. Und der kriegt es nun mit mir zu tun.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 371
Samstag, 13. März 2021

Ab in den Garten!

Garten gesamt 20210227 2So sieht der zurzeit aus. Ein Trauerspiel, nicht wahr? Aber keine Sorge, das wird schon wieder. Gleich unten gibt es ein Bild von seinem Zustand im Juni 2018. Zu diesem Zustand eingehegter Wildnis möchte ich wieder kommen. Aber ein bisschen anders als früher.

Was Sie auf diesem Bild übrigens außerdem noch sehen können, ist ganz typisch für Offenbach: Es gibt reihenweise Innenhöfe. Die sind sogar schon Gegenstand eines Foto-Kunstprojekts gewesen. Was es in Offenbach nicht reihenweise gibt, sind Gärten. Jedenfalls nicht in den Innenhöfen. Die sind meist asphaltiert und dienen als Parkplätze. Unserer ist ein bisschen anders. Auf diesem winzgen Stück Land in der Offenbacher Innenstadt leben – mit der Unterstützung der beiden Hausbewohner – vier Dutzend Sperlinge, zwei Kohlmeisen-Paare und ein Rotkehlchen. Derzeit. Im vergangenen Jahr hat hier auch ein Gartenrotschwanz-Pärchen drei Kleine aufgezogen, es gab Blaumeisen, und die Amseln hatten drei Bruten nacheinander. Im Feuerdorn (hinten links) gibt es mehrere Nester, weitere in Sanddorn und Rhododenron (nicht im Bild zu sehen, links angesiedelt). Ganz schön viel Gewusel auf so wenig Platz, der auf diesem Bild tatsächlich richtig öde aussieht.

Hier rechts sieht das ganz anders aus, nicht wahr? Mein Mann und ich nennen das „unsere grüne Hölle“. Da gibt es viel zu sehen, wenn man morgens auf der Terrasse frühstückt. Es summt und brummt im Kräutergarten mit Oregano, Majoran, Thymian, Minze, Melisse. Pimpernelle, Ysop und Lavendel (links vorn), es riecht gut, und man kann komplett vergessen, dass man mitten in einer deutschen Großstadt lebt.

Was ich nicht vergessen kann, ist Homeoffice! Arbeit zu Hause, jetzt schon ein Jahr lang. Wer kann das wollen? Es ist leider nicht zu ändern und hat ebenso leider viele Nachteile. Zwar kann ich meinen Arbeitstag frei nach meinen Bedürfnissen gestalten, abgesehen von den Deadlines, welche die Zeitungsproduktion vorgibt. Trotzdem sitzt man viel vor dem Monitor und bewegt sich zu wenig. Das zwingt einen zu einer gewissen Kreativität – jedenfalls dann, wenn man sich nicht gehenlassen möchte.

Mein Mann und ich sind daher in der Küche kreativ geworden. Haben sogar angefangen, selbst Brot zu backen und außerdem die dazugehörigen Aufstriche zu fabrizieren. Irre, oder? Nachdem Bäckerei Ködel gegenüber hier in Offenbach zugemacht hat, wollte uns das Brotangebot in der näheren Umgebung und auf dem Wochenmarkt einfach nicht befriedigen. Doch was ist der Mann? Selbst! Darum wird jetzt schonunsglos gebacken. Darüber habe ich kürzlich schon im Homeoffice-Tagebuch geschrieben. Das Angebot gilt: Wenn Sie Rezepte haben – her damit! Reden wir übers Backen, Kochen und über gesundes Leben in Zeiten der Pandemie.

Demnächst wird noch mehr passieren: Der Garten wird massivst meine sorgende Hand zu spüren bekommen! Das darf er durchaus als Drohung verstehen! Wie sonst soll man sich in diesen Zeiten austoben, für Ausgleich sorgen? Den Anfang machen wir mit dem Kompost. Frische Nährstoffe für ausgelaugte Böden, hergestellt aus Küchenabfällen und Gartenschnitt, die mit Hilfe von Regenwürmern und allerlei Mikroben über Monate hinweg in Mutterboden verwandelt wurden. Ein altbewährtes Verfahren, das viel Müll sparen hilft, aber trotzdem immer seltener praktiziert wird. Es ist nun mal leider auch mit Arbeit verbunden. Dieser neue Mutterboden muss demnächst untergegraben werden. Dann soll er Erdbeeren nähren, so ist es geplant.

Überhaupt, das Ökologische. Natürlich würde ich gern die Welt retten, wenn ich das könnte. Ich finde es aber auch schön, wenn es in meinem Garten einfach summt und brummt und zwitschert. Denn das bedeutet, dass hier gelebt wird. Und genau das ist mein Ziel in diesem Jahr: Dieser kleine Offenbacher Innenstadtgarten, es sind vielleicht hundert Quadratmeter, soll im Jahr 2021 so gestaltet werden, dass er möglichst vielen Tieren eine Heimat bietet. Mit dem Gartenumbau wollen wir Insekten anlocken und nähren – und damit auch Kleinvögel. Insbesondere die Blaumeise kann Hilfe brauchen.

Die Frühblüher sind schon da, wie hier links zu sehen ist: Krokusse, die zwischen unverwüstlichen Yuccas wachsen. Das Bild rechts stammt wiederum aus dem Jahr 2018, aber Lavendel wird auch künftig einen Platz im Garten haben, denn Bienen und Insekten sind total scharf auf diesen intensiven Nektarspender. Ebenso mögen sie die oben schon erwähnten Kräuter. Solche Nektarquellen haben wir über Jahre bei uns gepflegt. Schönes Resultat: Für drei Jahre hatten wir ein Wildhummelnest unter dem Pampagras. Es hat sich nicht gehalten; vermutlich gab es trotz unserer Bemühungen ganz einfach nicht genug Nahrung für die Insekten. Das soll nun anders werden, aber der Erfolg ist keineswegs programmiert. Der Fokus ist klar: Wir wollen nektarintensive Blumen pflanzen. Kornblume und Ringelblume sind bereits gesät. Weiteres wird folgen, von der Waldrebe bis zum Apotheker-Baldrian.

Der BUND gibt viele Tipps, welche Blütenpflanzen und Kräuter gut sind für Insekten. Für unseren Garten gibt es dabei allerdings ein Problem: Weil er ein Innenstadtgarten ist, bekommt er nur in Teilen richtig Licht. Eine Hälfte wird von umstehenden Häusern abgeschirmt und beschattet. In dieser Hälfte kann ich also nur Pflanzen setzen, denen relativ wenig Licht ausreicht. Ich hab da schon so meine Ideen – aber vielleicht haben Sie ja auch den einen oder anderen Gedanken, den Sie hier beisteuern wollen? Nur zu!

Naoned!

Ihr Bronski

Rechte an den Bildern: Lutz „Bronski“ Büge

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7 Kommentare

  1. maat sagt:

    Hallo Bronski,

    Waldmeister sieht hübsch aus im Schattengarten, duftet herrlich und ist gut für Bienen. Dazwischen könntest du verschiedene Funkien setzen, Farn und Schattenglöckchen. Auch Bergenie kann ich sehr empfehlen, Golderdbeere und Vinca Minor.

    Du könntest auch vor den grünen Zaun einen Totholzzaun setzen. Ich habe so einen auch in meinem Garten. Ich finde, dass er sehr schön aussieht, außerdem ist er ein wertvoller Nistplatz für Rotkehlchen.

    Viele Grüße
    maat

  2. Bronski sagt:

    Liebe maat, es ist schön, nach langer Zeit mal wieder von Dir zu lesen!
    Ja, für den Schattenbereich habe ich Waldmeister, Bergenie und Golderdbeere vorgesehen. Außerdem sind Schaumblüte, Immergrün und Lungenkraut in der Wahl. Hinten rechts, wo jetzt noch Zaun zu sehen ist, will ich eine Schlehe und eine Kolkwitzie setzen, zwei dicht wachsende Büsche, ideal für Kleinvögel, außerdem Nektar- und Futterlieferanten. Totholz wäre trotzdem auch eine Option, vielleicht unmittelbar hintendran zum Nachbargrundstück hin.

  3. Bronski sagt:

    Heute waren mein Mann und ich im Gartencenter und haben mal die ersten 120 Euro gelatzt, die der Umbau kosten wird. Kräuter, Immergrün, Bergenie, Golderdbeere. Blaukissen, aber auch schon Herbstanemone und anderes mehr sind dabei, sogar schon Lavendula angustifolia, so dass wir bald mit dem Umgraben und Anlegen beginnen werden. Ich möchte aber warten, bis dieser blöde, kalte Wind nachlässt. Der pfeift hier ziemlich durch die Hinterhöfe …

    Was das Totholz betrifft: Ich habe drüber nachgedacht, und ich will damit was machen. Aber keinen ganzen Zaun. Das wird zu raumgreifend für unseren kleinen Garten. Stattdessen gibt es hinten links – siehe Fotos oben – unter dem Feuerdorn, hinter Himbeeren und Lorbeer, eine verschwiegene Ecke an den Wurzeln des Feuerdornstrauchs, die wir nutzen werden, um altes Holz aufzuschichten. Dafür haben wir viel Material aus dem Garten, aber ich denke, wir werden bei unseren kommenden Spaziergängen im Wald auch mal den einen oder anderen angerotteten Stock auflesen, um den Haufen damit zu „impfen“. Das ergibt immerhin ein Insektenhotel für allerlei Krabbelgetier. Wenn das Geschichte hoch genug wird, entsteht da vielleicht auch ein Brutort für die Rotkehlchen.

  4. maat sagt:

    Lieber Bronski,

    das hört sich doch prima an!
    Ich hatte letzten Herbst bei meiner Blumenzwiebel- Bestellung die Mengenangabe falsch interpretiert und schließlich 700 Blumenzwiebeln erworben, die meine Familie und ich mühsam einzeln vergraben haben. Den ganzen Winter konnte ich es kaum abwarten und jetzt Hurra, sie wachsen und blühen!
    Hast du schon mal über einen Gartenteich nachgedacht? So ein Teich ist auch sehr wertvoll für Tiere. Man muss nur darauf achten, dass es einen „Landeplatz“ gibt, also z.B. einen Stein im Wasser, denn sonst können die Vögel nicht daraus trinken. Unser Corona- Teich wurde sehr gut von der Tierwelt angenommen.
    Viele Grüße

    maat

  5. Waltraud Söhnel sagt:

    Hallo Bronski,

    ich habe Ihren Beitrag wegen der Gartenneugestaltung – insektenfreundlich – gelesen und kann vor allem Ceanothus, die Säckelblume empfehlen. Sie blüht in einem strahlenden Blau, ist ein richtiger Hingucker und in unserem Garten war sie immer umschwärmt von allen möglichen Insekten und bewundernden Gartennachbarn! Und dann natürlich auch der Sommerflieder, über den sich nicht nur Schmetterlinge freuen, sondern auch Hummeln und deren Freunde. An Kräutern würde ich Rosmarin, Ysop – blau und rosa blühend vor allem –, Borratsch, Gamander und Katzenminze anpflanzen.
    Also, viel Vergnügen beim Pflanzen und Anschauen und viele Grüße

  6. Bronski sagt:

    @ maat

    Ja, wenn der Garten größer wäre, dann wäre ein Gartenteich drin. Ich habe tatsächlich darüber nachgedacht. In meiner Waschküche steht noch aus den Zeiten, als ich ein Korallenaquarium gepflegt habe, ein Kunststoffkübel, rund 400 Liter Fassungsvermögen und sogar tief genug, damit Fische darin überwintern könnten. Den könnte ich eingraben. Wäre schön für Schwertlilien.

    Ich habe mich aber fürs erste dagegen entschieden. Der Platz ist begrenzt, und das neue Konzept des Gartens setzt andere Akzente. Für die Vögel ist aber gesorgt. Im ersten Trockenheitssommer, also schon vor Jahren, haben wir ein Vogelbad angeschafft. Es ist oben im Bild auch zu sehen, hinten im Mittelgrund. Das wurde von den Kleinvögeln sofort angenommen, auch zum Trinken. Allerdings muss man die Schüssel gerade während großer Hitze täglich befüllen.

    Für diesen Sommer wird noch eine Insektentränke gebraucht, denn auch Bienen und Hummeln, die ja im Mittelpunkt des „Konzeptgartens“ stehen, müssen trinken. Diese Tränke stelle ich wohl besser in den Schatten. Eine flache Schüssel oder ein ausgedienter tiefer Teller genügt. Man tut ein paar Kieselsteine hinein, auf denen die Tiere landen und sich festhalten können, und füllt dann Wasser bis höchstens zur oberen Kante der Steinchen ein.

  7. Bronski sagt:

    @ Waltraud Söhnel

    Wir haben uns ja schon per Mail ausgetauscht, aber ich antworte Ihnen natürlich auch hier.

    Die Säckelblume hatte ich bisher nicht auf dem Radar. Danke, dass Sie mich darauf aufmerksam gemacht haben. Ich werde mal prüfen, ob sie was für meinen kleinen Innenstadtgarten ist. Könnte gut sein, dass es links zwischen Trompetenstrauch (orange blühend) und Geißblatt (rosa und cremefarben blühend) einen schönen Platz dafür gibt, hell und warm. Katzenminze ist eine tolle Pflanze, aber ganz ehrlich: Ich will keine Katzen anlocken. Wir haben hier in Offenbach ohnehin ein Problem mit verwilderten Stubentigern. Neulich lag vor meiner Kellertür ein großer Haufen Federn, ohne dazugehörigen Vogelkörper – wir haben also wohl einen Jäger im Terrain. Das lässt sich nicht ändern, aber fördern möchte ich die Tiere nicht, auch zum Schutz der Kleinvögel, die in unseren Innenhöfen leben.

    Es ist allerdings merkwürdig: Ich wohne hier seit 2010, und unser Garten war immer Teil von Katzenrevieren. Die Besitzer dieser Reviere haben gewechselt. Mal wurde einer überfahren, mal vertrieben. Vor fünf Jahren hat eine Katze hinten in unserem Garten unter dem Feuerdorn vier Junge großgezogen. Aber seit drei, vier Jahren ist mir keine Katze mehr hier unter die Augen gekommen. Vermutlich ist der aktuelle Inhaber des Reviers besonders vorsichtig und scheu, aber dass es ihn gibt, dafür haben wir ja nun den Beweis.