Bronskis Homeoffice – Tag 367: Vegane Brotaufstriche

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Sie haben es vielleicht mitbekommen: Ich war zwei Wochen außer Gefecht. So sagt man wohl. Also krank. Nichts Schlimmes, aber doch so durchschlagend, dass ich wirklich mal richtig komplett Abstand zum Job nehmen musste. Ich will mich nicht beschweren, aber vielleicht können Sie sich ja vorstellen, dass es nicht immer ganz einfach ist, unter Dauerbeschuss zu stehen. Und so stellt sich meine Arbeit leider vielfach dar. Damit meine ich nicht Sie und dieses Blog mit seinen zivilisierten Umgangsformen, sondern vielmehr die raue Online-Wildbahn, die es außerdem noch gibt und mit der ich auch zu tun habe. Warum hat die Welt eigentlich nicht auf die Orakelfische Cindy & Gert gehört, die schon im Frühjahr 2012 geraten haben, das Internet abzuschalten?

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 367
Dienstag, 9. März 2021

Vegane Brotaufstriche

SchönbergerEin Jahr Homeoffice! Mann, menno! Wer kann das wollen? Bei meinem Mann und mir hat das neuerdings dazu geführt, dass wir angefangen haben, selbst Brot zu backen und dann auch noch die dazugehörigen Aufstriche selbst zu fabrizieren. Irre, oder? Aber nachdem die Bäckerei Ködel hier bei uns gegenüber in Offenbach (die hieß wirklich so!) zugemacht hat, hat mich das sonstige Brotangebot in der näheren Umgebung und auf dem Wochenmarkt einfach nicht befriedigt. Doch was ist der Mann? Selbst!

Im FR7 vom 27.2., dem Wochenendmagazin der FR, gab die Sterneköchin Sybille Schönberger uns das nötige Rüstzeug an die Hand. (Rechts ein Ausschnitt, hier gibt’s die Seite noch mal als pdf.) Auf die Flohsamenschalen kann man getrost verzichten, und anstelle des Weinsteinbackpulvers darf es durchaus auch konventionelles Backpulver sein. Geschmacklich spielt das keine Rolle, und wir haben uns ja auch schon bisher damit nicht vergiftet. Und mit den übrigen Zutaten kann man spielen. Anstelle von Nüssen und Rosinen haben wir beim zweiten Backen, nachdem das erste Brot uns voll überzeugt hat, Sonnenblumenkerne genommen und das Mehl ein bisschen diversifiziert: Statt 500 Gramm Dinkel 630 waren es dann nur 350 Gramm, dazu 100 Gramm Emmer 1300 und 50 Gramm Sojamehl. Da kann man süchtig werden.

Im Lockdown und im Homeoffice ist es wichtig, sich Perspektiven zu geben. Was esse ich heute Abend? Das ist wirklich eine wichtige Frage, denn im Homeoffice bewegt man sich wenig, hat weniger körperlichen Ausgleich. Also ist die Entscheidung darüber, was man isst, nicht nur eine des Genusses, sondern auch der Funktion und der Gesundheit. Wenn das, was man da zu sich nimmt, dann auch noch schmeckt, ist eigentlich alles gut, nicht wahr?

Ich bin kein Veganer und werde auch ganz sicher keiner. Aber das heißt nicht, dass man nicht mal was Veganes gut finden kann. Das Brotrezept, siehe oben und rechts nebenan, ist wie selbstverständlich ganz vegan, denn es verzichtet komplett auf Zutaten, bei denen – in welcher Weise auch immer – Tiere einbezogen wurden. Bei dieser Gelegenheit will ich gestehen, dass ich niemals, wirklich niemals, angenommen hätte, ein Freund Roter Beete werden zu können. Aber das Rezept für den Rote-Beete-Aufstrich von Sybille Schönberger ist ebenso einfach wie der Hammer. Knoblauch muss nicht sein, wenn man es nicht mag, stattdessen ein Spritzer Zitronensaft – das ergibt eine wirklich deftige Mischung. Kleiner Tipp, falls Sie es probieren wollen: Rote Beete gibt es in der Gemüsetheke, aber auch als Konserve. Halten Sie sich etwas von dem Saft zurück, in dem die Rüben lagen, und geben Sie ihn beim Pürieren hinzu.

Nein, das wird hier und jetzt kein Kochblog. Nebenan haben wir harte politische Diskussionen. Aber im Tagebuch darf man mal ein bisschen persönlich werden. Nun interessiert mich aber auch, wie Sie es halten. Haben Sie interessante Rezepte für Brotaufstriche? Ich lerne gern dazu. Schreiben Sie auf, was Sie machen.

Hier noch einer: Vegetarische Sahne, das klingt unschön, ist aber möglich, wenn man dabei berücksichtigt, dass das Zeug nicht nach Sahne schmecken kann, sondern natürlich nur nach dem, aus dem es gemacht ist. Das kann Vieles sein, zum Beispiel Hafer. Der ist sowieso ein komplett unterschätztes Getreide. Das Rezept für Hafersahne geht so: 100 Gramm Haferflocken werden in 200 Milliliter Wasser püriert und dürfen hinterher fünf Minuten quellen. Dann weiter pürieren und weitere 400 Milliliter Wasser, außerdem etwas Salz und einen bis zwei Esslöffel Sonnenblumenöl hinzugeben. Wieder fünf Minuten stehen lassen. Dann seiht man das Ergebnis durch ein engmaschiges Küchensieb. Unterm Strich hat man eine vegetarische „Sahne“, die vielseitig einsetzbar ist, zum Beispiel zum Andicken von Soßen. Ersetzt auch die klassische Mehlschwitze und hat mich als Soße einer Pilzpfanne mit Goldköpfchen, Limonen- und Austern-Seitlingen sowie mit Buchenpilzen davon überzeugt, dass es nicht immer tierische Sahne sein muss. Ich werde Hafersahne heute in Kombination mit Gulasch einsetzen. Das Fleisch hole ich mir wie gewohnt vom Kaiser auf dem Offenbacher Wochenmarkt.

Naoned!

Ihr Bronski

***

Worldometer  +++ SafetyDetectives

Balken 4Weiter zu Tag „Mal schau’n“
Zurück zur Übersicht

12 Kommentare

  1. Reinhold Hinzmann sagt:

    ich habe viele Jahre unser Brot selbst gebacken.
    Nach anfänglichen Misserfolgen hatte das folgende Rezept dann einen vollen Erfolg.
    In einer Getreidemühle habe ich fein gemahlenes Vollkornmehl gekauft.
    Die Körner habe ich immer erst kurz vor dem Backen mahlen lassen.
    Jeweils ein Drittel Weizen, Gerste und Dinkel habe ich dann mit Hefe, Wasser und Kräutersalz zu einem nicht mehr klebrigen Teig mit den Händen zusammengeknetet. Meistens habe ich noch Sonnenblumen-Kerne dazu gemischt.
    Für eine Kastenform habe ich ca. 900 g Getreide zu Teig verarbeitet.

    Diesen habe ich dann für 25 Minuten bei Maximaltemperatur = ca. 240 Grad und danach noch für weitere 90 Minuten bei ca. 180 Grad gebacken.
    In meinem Herd hatten drei Kastenformen Platz, so dass ich einen Brotvorrat für etwa eine Woche hatte. Darum habe ich zwei Brote eingefroren.
    Viel Spass beim Backen.

  2. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Moin lieber „Bronski“,

    „Ich bin kein Veganer und werde auch ganz sicher keiner“, schreiben Sie.

    Was macht Sie da so sicher?

    Ich esse seit über 30 Jahren keine Tiere und werde auch in Zukunft sicher keine Tiere essen.

    Was macht mich da so sicher?

    Mein Egoismus: Tiere zu essen ist ungesund. Viele Krankheiten und vorzeitige Todesfälle lassen sich vermeiden, wenn man keine Tiere ißt. „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts“, hat Schopenhauer gesagt. Exakt. Da das nicht krank sein laut einem anderen Spruch „das Schweigen der Organe“ ist, bedeutet gesund zu sein nicht unbedingt, eine gute Lebensqualität zu haben; aber krank zu sein behindert den Lebensgenuß. Tot zu sein behindert wahrscheinlich die Lebensqualität maximal.

    Damit wären wir beim zweiten Punkt: Mitgefühl für die Tiere. Nach meiner Überzeugung darf man nur in Notwehr töten. Diese Notwehr liegt nicht vor, wenn Tiere für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden. Eine laktovegetabile Ernährung ist völlig unkomliziert und gesund. Eine vegane Ernährung mit Substitution von Vitamin B 12 funktioniert wahrscheinlich auch (ich selbst bin Laktovegetarier). Töten Sie Ihre Tiere selbst, die Sie und Ihr Mann essen? Falls Sie töten lassen, schauen Sie mal in das Buch „Tiere essen“ von Froer. Der beschreibt darin ungeschminkt, wie das Schlachten so abläuft.

    Und dann ein wichtiger dritter Punkt: Mitgefühl mit dem Leben. Das massenhafte Essen von Tieren ist der wichtigste Grund für die Klimaerhitzung. Und die Klimaerhitzung bedroht das gesamte Leben auf der Erde.

    Ein vierter emotionaler Grund: Alles, was ich esse, schmeckt mir. Ich esse allerdings keine Tiere. Essen kann schmecken, ohne das man dafür Tiere unter folterähnlichen Bedingungen halten und töten muß. Ich hätte ein wahnsinnig schlechtes Gewissen, wenn ich ein Tier äße. Das würde mir den möglichen Wohlgeschmack von getöteten Tieren total vermiesen.

  3. Bronski sagt:

    Lieber Ralf-Michael Lübbers,

    die Frage, warum ich so sicher bin, dass ich niemals zum Veganer werde, ist ganz einfach zu beantworten: weil ich Fleisch mag. Das wird sich ganz sicher nicht ändern. In diesem einen Punkt sind wir uns also einig: Alles, was ich esse, schmeckt mir. Das gilt sogar für manche veganen Brotaufstriche, was eine überraschende Erfahrung für mich war, denn jedesmal, wenn ich mir im Bio-Laden die Zusammensetzung von Brotaufstrichen in Dosen – auch aus hochwertiger Öko-Produktion – angesehen habe, bin ich zurückgezuckt angesichts der oft sehr hohen Fettanteile. Das soll gesund sein? Aber beim Selbstmachen hat man’s ja in der Hand. Der Fettanteil kann dabei klar reduziert werden, und: Ja, das schmeckt super!

    Beim Thema Fleischkonsum kommen wir trotzdem nicht zusammen, Sie und ich. Ich habe viele Vorbehalte gegen ihn:

    – Fleisch ist im Durschnitt viel zu billig, sein Wert spiegelt sich nicht im Preis wieder (das gilt vielfach auch für Milch und andere tierische Produkte);

    – wir Deutschen essen viel zu Fleisch. Das ist nicht nur eine Belastung fürs Klima, sondern auch für die individuelle Gesundheit. Die Folge dieses Missbrauchs sind häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das heißt aber nicht, dass alles, was nicht Fleisch ist, gesund ist. Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen beispielsweise enthalten zu viel Purine, was für Gichtpatienten schmzerhaft werden kann. Außerdem muss man bei fleischloser Ernährung vermehrt darauf achten, dass man sich ausreichend mit Aminosäuren (Bestandteil von Proteinen) versorgt, was bei fleichhaltiger Ernährung kein Problem ist. Und man will ja nicht jeden Tag Buchweizengrütze essen, nicht wahr? Aber Buchweizen ist ein tolles „Pseudo-Getreide“, das alle essenziellen Aminosäuren enthält. Ich bin jederzeit offen für leckere Rezepte mit Buchweizen. Jedenfalls: Zwei- bis dreimal Fleisch/fisch pro Woche im Hauptgericht genügen völlig. So halte ich es;

    – ein großer Teil des Fleischs, das über die Kassen unseres Landes gezogen wird, wird unter moralisch und ethisch fragwürdigen bis sittenwidrigen Bedingungen hergestellt. Das kann man übrigens auch schmecken. Der Hähnchenschenkel vom Discounter, also aus industrieller Massentierhaltung, schmeckt grässlich im Vergleich zu dem vom freilaufenden Huhn (zertifiziert). Man könnte sagen: Das ist schmeckbares Tier-Leid. Das esse ich nicht.

    Diese Debatte ist moralisch und ethisch aufgeladen, und das tut ihr nicht gut. Ich ziehe sie mal ein bisschen runter. Vor einer Weile hatte ich eine Auseinandersetzung mit einem Leser, der sich darüber beschwerte, dass Tiere als „Nutztiere“ bezeichnet würden, obwohl sie empfindende Lebewesen sind. Ich habe ihm geantwortet: Tiere, die vom Menschen domestiziert und durch die Geschichte seiner Zivilisation mit ihm verbunden sind, kann man mit Fug und Recht als „Nutztiere“ bezeichnen. Der Mensch nutzt ihre Fähigkeiten seit Jahrtausenden als Eier-, Milch-, Wolle-, Daunen-, Honig- und Fleischquelle – aber durchaus auch für die Security, wie man heutzutage sagen würde, und sogar als Lebensbegleiter und Freund, so wie ich bis vor einem Jahr meine beiden Nymphensittiche. Dabei sind im Lauf der Jahrtausende „Nutztiersorten“ entstanden, die es ohne den Willen des Menschen nicht gegeben hätte. Sie sind den Bedürfnissen des Menschen angepasst, sie dienen ihm bis in den Tod. Zuletzt mit ihrem Fleisch.

    Damit ich nicht missverstanden werde: Das ist kein Plädoyer für rücksichtslose Ausbeutung, sondern eines für so etwas wie „Zurück zu den Wurzeln“, das den Dingen, auch dem Fleisch, den Wert beimisst, der ihnen gebührt. Wenn das Tier, dessen Fleisch ich esse, in diesem Sinne wachsen und leben durfte, dann darf ich diesen Wert schätzen, indem ich Teile vom Tier zu mir nehme. Dafür zahle ich dann natürlich einen Preis, der über dem marktüblichen liegt. Aber zwei- bis dreimal pro Woche leiste ich mir das. Das ist für mich völlig in Ordnung. Ich habe auch schon daran gedacht, eine Rinder-Patenschaft zu übernehmen, durch die ich weiß, dass die Ergebnisse unterm Strich von einem bestimmten Rind stammen, das ich sehen und kennenlernen konnte und von dem ich weiß, dass es vorwiegend ein Leben auf der Weide geführt hat.

  4. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Lieber „Bronski“,

    praktischerweise spüre ich keinen Appetit auf Tiere. Lediglich den Geruch von gegrillten Fleischwürsten empfinde ich als lecker. Deswegen ist es für mich kein Opfer, keine Tiere zu essen. Wenn ich dreimal täglich sieben Tage die Woche Palak Paneer essen und dazu Mango Lassi (wie auch immer man das schreibt) trinken kann, bin ich genusstechnisch der glücklichste Mensch. 

    Der Autor Jonathan Safran Froer ißt sehr gerne Tiere. Er mag den Geschmack von Fleisch. Darin ähnelt er Ihnen und unterscheidet sich von mir. Ihm fällt es schwer, auf Fleisch zu verzichten. Obwohl er -subjektiv und objektiv wohl begründet- sich die meiste Zeit zusammen reißt, gelingt es ihm ganz selten nicht, seine Gier oder seinen Appetit auf Fleisch ausreichend zu zügeln. Er ärgert sich dann schon vorher, währenddessen und danach, extra ein für ihn getötetes Tier zu konsumieren. So beschreibt er es in seinem Buch „Tiere essen“.

    Sie haben Recht: Man kann sich ungesund vegetarisch ernähren („Pudding-Vegetarier“); eine nicht durchdachte vegane Ernährung ohne Vitamin B 12-Ersatz macht sogar schwer krank. Und es gibt Faktoren, die sich noch stärker auf die Gesundheit auswirken als die Ernährung. Vor allem Rauchen.  Aber eine ausgewogene (lakto-)vegetarische Ernährung ist gesünder als eine omnivore Kost.

    „Tiere, die vom Menschen domestiziert und durch die Geschichte seiner Zivilisation mit ihm verbunden sind, kann man mit Fug und Recht als „Nutztiere“ bezeichnen“, schreiben Sie.

    Das sehe ich ganz anders. Jedes Tier ist ein Individuum und sollte über sich selbst bestimmen können. Nur im Notfall sollte man Nutzen aus ihm ziehen dürfen. (Die Frage ist dann natürlich, was ist ein Notfall.)

  5. Bronski sagt:

    Lieber Herr Lübbers,

    dieser indische Käse lässt mich weitgehend kalt. Und für Ihren Mango Lassi nehmen Sie hoffentlich keine Flugmangos. Das ist nämlich etwas, was mich an den Mythen vieler Veganer wirklich grundlegend stört: Man will ja so gesund leben und tritt dafür ein, dass kein Tier zu Schaden kommt, aber die Ökobilanz ist oft verheerend. Viele Veganer glauben, dass sie sich und der Welt was Gutes tun, indem sie z.B. auf Honig verzichten – an dessen Produktion bekanntlich Bienen, also Tiere, beteiligt sind, weshalb Honig für Veganer ein No-Go ist – und greifen stattdessen auf Agavendicksaft zurück. Die Crux bei der Sache: Die riesigen Monokulturen, in denen die Agaven in Mexiko angebaut werden, sind ökologisch so verheerend wie hierzulande die endlosen Maisfelder. Die Ökobilanz rutscht endgültig ins Minus, wenn dieser Irrsinns-Zuckerersatz auch noch per Luftfracht importiert wird.

    Ich betrachte Lust auf Fleisch nicht als Ausdruck von Gier oder gar – ich steigere Ihren Gedanken – als Mordlust. Wir Menschen sind Teil der Biosphäre dieses Planeten. Wenn man uns so zuschaut, könnte man auf den Gedanken kommen, dass die meisten von uns sich dieser Wurzeln nicht bewusst sind. Wir sehen uns nicht mehr als Opfer, das gegessen werden könnten. Das passt überhaupt nicht zu unserem Selbstverständnis. Zu Zeiten, als es bei uns noch Wölfe gab, lag der Gedanke noch näher. Jetzt kehrt er bei manchen so langsam zurück, und sie entwickeln irrationale Ängste. Deswegen sind Bilder wie die aus dem Film „Krieg der Welten“ von Steven Spielberg, in dem Menschen von Marsianern quasi geschält werden, um dann als Dünger für das marsianische Terraforming ausgebracht zu werden, wirklich schockierend. Oder der Gedanke, dass menschliche Körper nach ihrem Tod wiederverwertet werden, wie er sich aktuell z.B. in der TV-Serie „The Expanse“ findet. Metaphorisch gesprochen tut das Coronavirus Sars-CoV-2 aber nichts anderes mit unseren Körpern. Es bedient sich unserer Ressourcen, um sich fortzupflanzen. Das ist der ewige Zyklus des Lebens, der vor uns Menschen nicht Halt macht. Das ist keine Frage von Gewissen, Moral, Ethik, Gier oder Mordlust, sondern von Appetit.

    Gleich neben meinem Schreibtisch, an dem ich seit einem Jahr im Homeoffice arbeite, steht ein Aquarium. Darin befinden sich derzeit außer einem halben Dutzend Panzerwelsen und einigen Zebra-Buntbarschen noch eine Handvoll Schwertträger. Beide Spezies, die Buntbarsche wie die Schwertträger, bekommen regelmäßig Nachwuchs. Die Barsche kümmern sich um den ihren und betreiben Brutpflege, die Schwertträger gebären lebende Junge, deren erster Reflex sein muss, sich in Sicherheit zu bringen, weil die eigenen Eltern sofort Appetit auf sie entwickeln. Von diesen Geburten – jedesmal bis zu 20 Jungfische – überlebt in der Regel kein einziges Tier.

    „Jedes Tier ist ein Individuum und sollte über sich selbst bestimmen können“, schreiben Sie.

    Wie denn? Das schaffen ja nicht mal wir Menschen.

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Zum Thema Fleisch oder vegetarisch/vegan habe ich wenig beizutragen. Aber Ihre letzten beiden Sätze hier, die gefallen mir!

  7. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @ Jürgen Mallysek und „Bronski“:

    Ich merke schon: Allein unter Fleischessern… 😉

    @ Bronski:

    „Das ist nämlich etwas, was mich an den Mythen vieler Veganer wirklich grundlegend stört: Man will ja so gesund leben und tritt dafür ein, dass kein Tier zu Schaden kommt, aber die Ökobilanz ist oft verheerend“.

    Die Ökobilanz hängt von vielen Faktoren ab. Flugreise, Auto, Gebäudeheizung als Beispiele. Laut Jonathan Safran Froer hat die Massentierhaltung einen Anteil von über 50 % an den Treibhausgasemissionen. Sie plädieren aus Klimaschutzgründen für weniger Fleisch essen. Ich plädiere aus Klima- und Tierschutzgründen für keine Tiere essen. Wobei ich mich damit nicht als moralisch höher stehend empfinde (!) als Sie. Es macht mir ein so schlechtes Gewissen, Tiere zu essen, daß ich es nicht kann. Und naja, wenn ich es könnte, würde ich es nicht wollen…

    Sie sind Biologe. Sie beobachten genau: Fressen und gefressen werden kommt in der Natur vor. Also muß es ok sein, zu fressen oder gefressen zu werden. „Der ewige Zyklus des Lebens“. Corona frißt uns auf, so wie es früher die Wölfe getan haben.

    Meine Philosophie ist Biophilie. Mich treibt mein ganzes Leben um: Wie kann man Leid vermindern? Menschliches Leid. Und auch das Leid von anderen Tieren.

    Wenn Sie etwas essen könnten, was exakt genau so schmeckt, wie das Fleisch von Tieren, aber von Pflanzen stammt (idealerweise Früchte, „Fruktaner“), würden Sie trotzdem weiter Tiere essen?

    Ich bin mit schlechtem Gewissen kein Veganer (Stichwort Küken schreddern, Milchkühe schlachten). Mich stört an der veganen Ernährung, daß man künstliche Vitamine zu sich nehmen muß, zumindest Vitamin B12.

    Flugmangos? Puh, Glück gehabt. Meine Mangos können nicht fliegen 🙂 Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Mango.

    „Das ist der ewige Zyklus des Lebens, der vor uns Menschen nicht Halt macht. Das ist keine Frage von Gewissen, Moral, Ethik, Gier oder Mordlust, sondern von Appetit.“

    Der Tod muß abgeschafft werden! Diese Schweinerei muß aufhören! (Stand mal in der Frankfurter Rundschau.) In diesem Sinne… 🙂

  8. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    „Allein unter Fleischessern“

    Muss es etwas relativieren: Es gibt bei mir eigentlich nur drei Fleischessen, die mir wirklich gut schmecken: Rindsroulade, Wiener Schnitzel und gute Frikadellen. Alles andere ist nebensächlich.
    Am liebsten esse ich Suppengerichte mit dem ganzen Gemüsezeugs und Maggi!
    Also, Herr Lübbers, Sie sehen, ich bin kein großes Raubtier.

  9. Bronski sagt:

    Lieber Herr Lübbers,

    so ist das mit der Vielfalt der Lebensstile. Man entwickelt den eigenen Stil, der zu einem passt und mit dem man sich wohlfühlt, und das sollte dann auch für alle anderen in Ordnung sein, es sei denn man richtet mit der individuellen Lebensweise irgendeinen Schaden an, der wiederum andere betrifft. Einen Lebensstil zum Beispiel, der exzessive Flugreisen zum Wohlfühlen braucht, kann ich nicht gutheißen. Es gibt solche Fälle in meinem familiären Umkreis. Ich argumentiere dagegen an, so wie Sie gegen Fleischkonsum argumentieren. Der Schaden, den das persönliche Vergnügen „Fliegen“ der Allgemeinheit zufügt, ist in meinen Augen zu groß. Ich muss allerdings feststellen und letztlich auch akzeptieren, dass Fliegen und das persönliche Vergnügen, die Lust darauf, für diese Menschen so wichtig sind, dass dagegen mit keinem Argument anzukommen ist.
    Als gelegentlicher Fleischesser habe ich es leichter, Ihren Argumenten zu begegnen, denn der Mensch ist von Natur aus ein Allesfresser, und mehr noch: Die Entstehung des menschlichen Gehirns im Lauf der Evolution wäre undenkbar gewesen ohne eine verbesserte Proteinzufuhr durch Fleisch. Das ist gekoppelt an die Entwicklung des aufrechten Gangs, der die Volumenzunahme des Gehirns erst ermöglicht hat. Zugleich haben die Frühmenschen ihre Fähigkeiten als Jäger ständig weiterentwickelt, was wiederum den aufrechten Gang zu einem Selektionsfaktor gemacht hat: Je geschickter und schneller sich die Frühmenschen auf zwei Beinen bewegten, desto erfolgreicher waren sie als Jäger und schufen damit die Voraussetzungen, die erst den Homo sapiens hervorbrachten. Ich kann daher mit Fug und Recht argumentieren, dass Fleisch zu essen grundsätzlich etwas völlig Natürliches ist.

    Aber es stimmt auf jeden Fall, dass ein exzessiver Fleischkonsum heute sogar schädlich ist und dass wir diese Massen eigentlich gar nicht benötigen. Das Tierleid könnte drastisch verringert werden, wenn die Menschen sich bewusster ernähren würden. Ob man dazu Fleischersatzprodukte braucht? Na gut, wenn’s hilft … Da würde mich die Ökobilanz natürlich trotzdem interessieren. Tatsächlich habe ich schon Sojaburger und vegetarisches „Hackfleisch“ ausprobiert. Das schmeckt durchaus, aber es ist doch etwas anderes als Fleisch. Eine vegetarische Ernährung, die ich möglicherweise annehmen würde, die würde keinesfalls auf tierische Produkte wie Eier und Käse komplett verzichten (vegan geht also nicht). Und sie müsste Geschmackssensationen wie ein Rindfleisch-Carpaccio mit gehobeltem Parmesam, Pinienkernen, Rucola, Balsamico und Pfeffer ermöglichen. Oder Austern direkt aus dem Meer mit zwei, drei Tropfen Zitronensaft. Oder kennen Sie Confit de Canard? Das ist eine südfranzösische Spezialität aus dem Perigord: Entenkeulen im eigenen Schmalz. Ein sagenhafter Eigengeschmack! Auch auf mein eigenes Gulasch (Bio-Fleisch) würde ich nur ungern verzichten. Aber auch hier lernt man nicht aus: Beim bisher letzten Mal habe ich das Schmorfleisch mit selbstgemachter Hafersahne angedickt. Ohne den Grundkurs in veganer Küche, den ich mir während meiner Krankheit angelesen habe, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dafür Hafersahne einzusetzen. Vielleicht sind Hopfen und Malz bei mir also noch nicht völlig verloren.

  10. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @ „Bronski“:

    „…kennen Sie Confit de Canard?“

    Nein. Das wird Sie überraschen, aber ich kenne das nicht. Confit de Canard würde misch bringen in un conflit, malheureusement. Vous comprenez?

    „Einen Lebensstil zum Beispiel, der exzessive Flugreisen zum Wohlfühlen braucht, kann ich nicht gutheißen.“

    Me too! Was mich am meisten an CORONA freut, sind die fehlenden Kondensstreifen am Himmel. Mein persönliches Klimaproblem ist Ski-Abfahrt…Und wohl gelegentlich Mango.

    „Die Entstehung des menschlichen Gehirns im Lauf der Evolution wäre undenkbar gewesen ohne eine verbesserte Proteinzufuhr durch Fleisch.“

    Muß wohl stimmen, das habe ich nämlich auch gelesen. In heutigen Nicht-Armuts-Ländern kann man sich aber problemlos ein großes und funktionstüchtiges Gehirn mit (lakto-)vegetabiler Kost …jetzt weiß ich nicht, wie ich diesen Satz beenden kann. Wo sind Nüsse?

    @ Jürgen Malyssek:

    „Am liebsten esse ich Suppengerichte mit dem ganzen Gemüsezeugs und Maggi!
    Also, Herr Lübbers, Sie sehen, ich bin kein großes Raubtier.“

    🙂 Willkommen bei Homo sapiens sapiens!

  11. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Heute ist jedenfalls Klimastreik!💪

  12. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Folgenden Leserbrief schicke ich gleich an „Bronski“:

    Moin lieber Herr Büge/“Bronski“,

    „Corona rettet die Klimabilanz“, heißt es in der Frankfurter Rundschau vom 17.3.21. Es kann nicht angehen, daß es einer so schrecklichen Pandemie bedarf, damit Deutschland (und die Welt) die (zu allem Überfluss unzureichenden) Klimaschutzziele einhält. 

    Was ist zu tun? Richtig ist, daß der Strom in Zukunft vollständiger aus regenerativen Quellen erzeugt werden sollte. Richtig ist, daß Gebäude schnellstens energetisch modernisiert werden sollten. Richtig ist, daß unnötiger Verkehr vermieden werden muß. Überhaupt sollte die Wirtschaft nur produzieren, was nützlich ist für die Menschen. Das alles ist richtig und wichtig und wohl bekannt. 

    Doch selbst, wenn tatsächlich all das umgestellt würde (wovon wir leider weit entfernt sind), reichte das nicht aus. Mehr als die Hälfte der Treibhausgasäquivalente sind sind Folge der Massentierhaltung. Das bedeutet, daß Klimaschutz und Tiere essen sich gegenseitig ausschließen. Jeder einzelne hat es in der Hand, seine persönliche Klimabilanz erheblichst aufzubessern, indem er Messer und Gabeln nicht in Tiere rammt. Und „die Politik“ hat die Aufgabe, den Menschen die realen Kosten aufzubürden, die mit unnötigem Konsum zusammen hängen.