Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 145: Der Dunning-Kruger-Effekt

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

Ich formuliere jetzt direkt so, wie es mir von der Zunge tropfen würde: Diese Typen, Männer wie Frauen, die da in Berlin demonstriert haben, die haben den Schuss nicht gehört. Wir stecken mittendrin in einer Pandemie, die bereits in wenigen Jahren vermutlich als historisch gelten und mit Pandemien wie der Spanischen Grippe (1918-20, geschätzt 50 Millionen Todesopfer) verglichen werden wird. Doch in Berlin gehen rund 20.000 Menschen auf die Straße, fordern ihre Freiheitsrechte ein und missachten provozierend das Recht auf körperliche Unversehrtheit anderer Menschen, indem sie die Auflagen in die Tonne treten, die ihrer Demo gemacht wurden. In diesen Zeiten sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, Abstand zu halten und Maske zu tragen. Von diesen 20.000 jedoch behauptet ein (schwer abschätzbarer) Teil: Sars-CoV-2 existiere nicht, sondern sei eine Erfindung der Regierung, um die Freiheitsrechte einschränken zu können. Wahlweise wird auch Bill Gates verantwortlich gemacht, der angeblich durchimpfen lassen und den Menschen dabei einen Chip unter die Haut pflanzen will. Für andere ist Sars-CoV-2 eine Biowaffe, die willentlich aus einem Gentechlabor freigelassen wurde, und für wieder andere ist es nur eine harmlose Grippe. Für die letzteren sind all die Sicherheitsmaßnahmen demnach überflüssig und richten nur sinnlosen Schaden an, unter anderem in der Wirtschaft. Und die bisherigen Opfer sind nicht an, sondern mit dem Virus gestorben und wären ohnehin bald tot.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 145
Dienstag, 4. August 2020
Der Dunning-Kruger-Effekt

Was treibt diese Menschen an, sich derart zu entblöden? Sind sie dumm? Das wäre die einfachste Erklärung. Und ernüchternd. Denn dann könnten diese Menschen nichts dafür, und man kann nichts machen. Aufklärung und Information wären folgenlos. Doch offenkundig haben sich diese Menschen durchaus „informiert“ – oder sich zumindest etwas angelesen. Und das hat sie offenbar so überzeugt, dass sie nicht mehr davon lassen wollen, was auch immer an Argumenten und Fakten gegen ihre Position angeführt wird. Sie sind also nicht dumm. Es gibt einen anderen Begriff dafür, was sie sind: inkompetent. Sie sind einer kognitiven Verzerrung erlegen, die auch als Dunning-Kruger-Effekt bezeichnet wird.

CoronademoWarum überschätzen Menschen ihr Wissen und Können? „Wenn jemand inkompetent ist, dann kann er nicht wissen, dass er inkompetent ist“, sagt David Dunning, Professor für Psychologie, derzeit University of Michigan (zitiert nach Wikipedia, siehe auch den dortigen Artikel über den Dunning-Kruger-Effekt). Ihm und seinem Kollegen Justin Kruger, Doktor der Sozialpsychologie, ist 1999 während der Arbeit an einer Studie aufgefallen, dass Unwissenheit bei den Probanden oft zu mehr Selbstvertrauen führt als Wissen. Was ja im Grunde nachvollziehbar ist, denn mit einem umfangreichen Wissen geht meist die Erkenntnis einher, dass die Welt komplex ist. Wer wenig weiß, kann es sich mit seinen Einschätzungen leichter machen. Dieses Phänomen ist keineswegs neu. Man kennt es schon von deutschen Stammtischen. Solche Menschen halten sich anderen gegenüber für überlegen, selbst wenn diese Anderen objektiv kompetenter und gebildeter sind.

Das klingt zunächst deprimierend, denn auch in Fällen des Dunning-Kruger-Effekts steht man erstmal ratlos da. Ich erlebe es täglich in der Kommunikation mit Menschen, die in ihren Mails die FR als Teil des „Regierungs-Mainstream“ diffamieren: Man hat das Gefühl, gegen eine Wand anzureden. Argumente verfangen nicht, nicht einmal das allereinfachste, das ich immer wieder bringe: Wenn man eine Situation nicht richtig einschätzen kann, ist es auf jeden Fall vernünftig, vorsichtig zu sein. Also: Abstand halten, Maske tragen! Das zieht aber natürlich nicht bei Leuten, die ganz sicher wissen, dass es Sars-CoV-2 gar nicht gibt oder dass es nur wie eine einfache Grippe ist. Doch es gibt womöglich einen Weg zur Abhilfe. Er hat einen einfachen Namen, ist aber alles andere als komfortabel: Selbstzweifel.

Die Fähigkeit zum Selbstzweifel – ich formuliere das bewusst positiv – ist ein Ausdruck von Intelligenz. Und nun kommt eine gute Nachricht: Menschen, die dem Dunning-Kruger-Effekt erlegen sind, die sind nicht automatisch nicht intelligent. Dunning und Kruger haben nämlich auch beobachtet, dass weniger kompetente Menschen sich durch Bildung, Information und konstruktive, freundlich vorgetragene Kritik vom Dunning-Kruger-Effekt freimachen konnten. Das heißt nicht, dass sie sich von da an nicht mehr selbst überschätzt hätten. Ein bisschen Selbstüberschätzung ist uns allen zueigen. Sie ist sogar nützlich, denn sie hilft uns, auch schwierige Aufgaben zu schultern. Aber wenn jemand begreift, dass er Wissenslücken hat, kann das den Effekt haben, dass er sich besser informieren, dass er lernen will. Der Dunning-Kruger-Effekt hingegen ist Ausweis dafür, dass jemand schon alles zu wissen glaubt. Analog zu den berüchtigten jungen deutschen Männern, die ihre Künste am Steuer höher einschätzen als die aller anderen Verkehrsteilnehmer. Dieselben jungen Männer verursachen aber statistisch gesehen deutlich mehr Verkehrsunfälle als andere Gruppen. Ebenfalls ein signifikanter Fall von fehlerhafter Selbsteinschätzung.

Doch wie kann man Selbstzweifel säen im Zeitalter der Filterblasen? Die sind ein Phänomen, das wunderbar mit dem Dunning-Kruger-Effekt korrespondiert und ihn verstärkt, denn Filterblasen schließen Teile der Realität aus. Fakten, Objektivität, Informationen, Einschätzungen – das ist ein schwieriges Feld. Du willst es Dir einfacher machen, denn das Leben ist schon schwer genug? Du findest also eine Seite im Netz, auf der behauptet wird, dass Sars-CoV-2 eigentlich gar nicht existiere. Das spiegelt Deine Wahrnehmung wider, denn Du hast bisher keinen Infektionsfall in Deiner Umgebung erlebt. Alle Welt redet davon, aber in Deiner Welt passiert das nicht. Daraus folgt: Es kann nicht passieren, weil es nicht existiert. Das ist natürlich Unsinn, denn Sars-CoV-2 existiert nachgewiesenermaßen, aber bleiben wir mal auf diesem Level, auf dem Fakten ausgeblendet werden, weil sie nicht passen. Du hast also eine „Erkenntnis“ gewonnen. Damit gehörst Du einer Gruppe an, die den Betrug durchschaut hat. Von nun an sucht der Algorithmus Nachrichten für Dich aus, die Dich interessieren. Du verfügst jetzt über das Wissen einer Elite, das Dich über den „Mainstream“ erhebt, und bist von nun an in der Lage, „Herrschaftswissen“ zu entlarven. Du bist „kritische Elite“. Dass Du Unsinn redest, wenn Du so was verbreitest, interessiert Dich kaum noch, denn Du hast Deine Gruppe im Rücken, die Dich bestärkt, und ihr Applaus ist Dir wichtiger als faktenbasierte Einordnung. Kritisches Denken spielt dabei schon lange keine Rolle mehr, auch wenn Du das Gegenteil glaubst.

Dieses Phänomen ist wirklich frappierend, finden Sie nicht? Wie können Menschen, auch gebildete, auf so etwas hereinfallen? Weil sie keine Lust auf eine komplexe Wirklichkeit haben? Dieser Hang zu einfachen Lösungen wäre verständlich im Fall von Menschen, die überfordert sind. Vielleicht ist genau das der Schlüssel: Sars-CoV-2 ist zu kompliziert für viele von uns. Das müssten wir wohl mal zugeben. Aber die seriösen Experten sagen eben genau dies: Sars-CoV-2 ist kompliziert, wir verstehen es noch nicht richtig. Die unseriösen Experten hingegen sagen: Wir können es genau einschätzen. Solch sicheres Wissen ist natürlich viel anziehender als die Ungenauigkeit des faktenbasierten Wissensstandes, einfach weil es Gewissheit suggeriert. Dem schließt man sich gern an. Eine spezielle Form der Obrigkeitshörigkeit.

Wir leben angeblich in einer Informationsgesellschaft, aber viele von uns sind schlecht informiert, weil sie sich nur selektiv informieren. Sie lesen am liebsten das, was sie in ihren Auffassungen bestätigt. Stichwort Filterblase. Vielleicht ist das ein Ausdruck von Überforderung. Darin liegt eine große Gefahr für die Demokratie. Wenn Wählerinnen und Wähler sich nicht mehr unabhängig informieren, sind sie nicht in der Lage, mündige Entscheidungen zu treffen – auch wenn sie das glauben. In Wirklichkeit sind sie manipuliert und oft auch aufgehetzt. Ein Mittel dagegen: Bildung und Information. Und: Widerspruch! Aber das kostet Kraft.

Übrigens: Ich wurde durch einen Artikel im National Geographic, dessen Abonnent ich bin, auf den Dunning-Kruger-Effekt aufmerksam. Daraufhin habe ich selbst zu recherchieren begonnen. Eines steht außer Zweifel: Lesen bildet. Vor allem dann, wenn man durch eine Zeitschrift, die von einer unabhängigen Redaktion gemacht wird, mit dem Unerwarteten konfrontiert wird. In Filterblasen hingegen findet man nur das Erwartbare. Aber bevor das hier – der Text ist ohnehin viel zu lang geworden – in ein Plädoyer pro Tageszeitung ausartet, sage ich schlicht:

Naoned!

***

Worldometer  +++ SafetyDetectives

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55 Kommentare

  1. hans sagt:

    Mir begegnet immer öfter als Hauptargument der Coronaleugner die Frage. Willst du jetzt Jahre lang mit Maske durch die Gegend laufen, das kann doch so nicht weiter gehen. Die Antwort darauf ist ja klar. Wir müssen das machen bis es mehr medizinische Möglichkeiten gibt. Darauf kommt dann die Antwort Du willst dich doch wohl nicht impfen lassen. Wenn wirklich ein Impfstoff nächstes Jahr auf den Markt kommt kann es nicht ausreichend getestet sein, so etwas dauert 10 Jahre. Wenn das noch von studiertem medizinischem Personal so vertreten wird, wird es dann halt schwierig zu argumentieren. Mich würde interessieren wieviel Prozent der Bevölkerung so denken. Ich befürchte es sind sehr viele.

  2. Bronski sagt:

    Zu Ihrer Info: Das medizinische Personal, von dem Sie sprechen, hans, mag studiert sein, aber es ist kaum auf dem Stand der Forschung. Klassische Impfstoffe bestehen in der Regel aus abgetöten Viren oder Teilen davon, die in einer Lösung gespritzt werden, die auch Konservierungsstoffe und Adjuvantien, also Zusatzstoffe, enthält. China und Russland haben auf dieser Basis schon jetzt Impfstoffe entwickelt, sozusagen im Schnellverfahren. Was das ergibt, werden wir sehen. Dieses Verfahren dauert unter den strengen Bedingungen in Deutschland tatsächlich viele Jahre bis zur Zulassung eines Impfstoffs.
    Die Impfstoffe, auf die jetzt so sehnlichst gewartet wird, sind aber komplett anderen Typs: RNA-Impfstoffe. Sie bestehen aus einem Stück Virengenom, das für ein bestimmtes, für das Virus typisches Protein der Virenhülle codiert. Dieses Protein wird dann von den Zellen des Geimpften produziert und anschließend ins Blut freigesetzt. Das körpereigene Immunsystem erkennt das Virenprotein als fremd und bekämpft es, ohne dass ein komplettes Virus zugegen wäre. Von nun an sollte das Immunsystem in der Lage sein, auch komplette Viren zu bekämpfen.
    Diese Impfstoffe stellen eine neue Generation in der Impfgeschichte dar und dürften bis zum nächsten Jahr ausreichend getestet sein. Nach allem, was mir darüber bekannt ist, dürften Nebenwirkungen ausgeschlossen sein. Die Frage bleibt trotzdem, wie lange sich das Immunsystem merkt, wie es auf Sars-CoV-2 reagieren soll. Offenbar ist es bei diesem Virus erstaunlich vergesslich, wie der Fall des ersten deutschen Infizierten zeigt, der schon sechs Monate nach der überstandenen Infektion keine Antikörper mehr im Blut hatte. Über die Langzeitwirkung solcher Impfstoffe ist daher jetzt noch keine Aussage möglich. Aber die bisherigen Erfahrungen mit Impfstoffen gelten bei diesen neuen Verfahren nicht mehr.

  3. Jürgen Malyssek sagt:

    Lieber Bronski,

    danke für Ihren Exkurs über diese schreckliche Verblödung, die soundsoviele Menschen in Massen auf die Straße treibt, um zu demonstrieren, dass es diese Pandemie gar nicht gibt.
    Sie sprechen dagegen an: Kritisches Denken, Lob des Zweifels, Leben im Widerspruch.
    Jedenfalls kommt mir spontan Adorno in den Sinn:
    „Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen.
    Es gibt kein richtiges Leben im falschen“. (Minima Moralia)

    Oder: „Es bedarf des Absurden, um dem objektiven Wahnsinn nicht zu erliegen“.

    Und: „Wer denkt, setzt Widerstand“:

    Soviel Trost steckt in diesen Worten und es hilft dem Propaganda-Müll der Zeit zu widerstehen.

    Sarkastisch: Die Menschenmasse oben (Bild) hat ihr körpereigenes Immunsystem, dem Wissen und Verstand nichts anhaben kann.
    Das war jetzt richtig böse …

  4. hans sagt:

    Man kann das Verhalten von zu vielen begründen wie man will gut oder schlecht das ist letztlich erstmal egal. Man kann und muss natürlich dagegen anreden, argumentieren und versuchen zu überzeugen, aber wenn ich mir ansehe wie gut die Industriestatten in Asien durch die Pandemie kommen muss ich sagen das wohl aller gute Wille vielleicht nicht reicht. Japan hat 90% weniger Coronatote erlebt als D., Süd Korea ist noch drastischer von China gar nicht zu reden. Wirtschaftlich läuft es da auch besser. Da werden nicht die Soloselbstständigen platt gemacht zum Beispiel. Deshalb sollten wir auch nicht sehenden Auges in die zweite Welle rennen sondern dafür sorgen das die Regeln eingehalten werden. Wenn es nicht anders geht dann mit deutlich mehr staatlichen Druck. Da meine ich z.B. sogar als erstes das viel besser überwacht werden muss das Leute die in Quarantäne geschickt werden das auch einhalten. Da einmal am Tag auf dem Handy anrufen ist nach meiner Meinung ein bisschen dünn. Wenn jemand erwischt wird sollten die Sanktionen schon so sein das er oder sie es nicht noch einmal macht. Das gilt auch für die anderen Regel. Das wird wohl der Grund sein warum es Länder gibt bei denen es besser läuft.

  5. Axel Raue sagt:

    So, Ihr seid also die zweite Welle. Spontan fiel mir dazu ein: „Die zweite Welle muss man brechen.“ Aber das könntet Ihr missverstehen. Ich habe Respekt vor dem menschlichen Leben. Das unterscheidet mich wesentlich von Euch. Formulieren wir also meinen Gedanken in einer Sprache, die eher zu Euch passt: Die zweite Welle ist zum Kotzen!

  6. Paul R. Woods sagt:

    Sozialgesetzbuch 5, § 52 Absatz 1: „Haben sich Versicherte eine Krankheit vorsätzlich (…) oder durch vorsätzliches Vergehen zugezogen, kann die Krankenkasse sie an den Kosten der Leistungen in angemessener Höhe beteiligen und das Krankengeld ganz oder teilweise für die Dauer dieser Krankheit versagen und zurückfordern.“
    Personen, die die Coronabeschränkungen absichtlich nicht beachten, sollten unter Berufung auf die oben angeführte Rechtsvorschrift zur Kasse gebeten werden.
    Als Beispiele des Verstoßes gegen die Beschränkungen sind Reisen in Risikogebiete und die Beteiligung an Veranstaltungen wie Partys und Demonstrationen anzusehen, bei denen durch das Nichttragen von Gesichtsmasken und Ignorieren von Mindestabständen durch andere eine erheblich Gefährdung der eigenen Gesundheit herbeigeführt wird. Krankenversicherungen obliegt hier eine besondere Verpflichtung zur Kostenminderung vor, was durch Ermittlungsverfahren, wie sie auch bei Unfällen durchgeführt werden, gewährleistet werden könnte.

  7. Harald Reinemer sagt:

    Die Angaben zur Teilnehmerzahl der jüngsten Anti-Corona-Demo in Berlin differieren naturgemäß nach Sichtweise (Angaben der Veranstalter und der Polizei), unterscheiden sich hier aber um mehr als den Faktor 50. Dies allein macht schon deutlich, wie ausgeprägt der Realitätsverlust der Demonstranten offenbar ist. Vielleicht möchte man der Welt und sich ja beweisen, dass die Deutschen doch echte Revolutionäre sind, und nicht nur dann, wenn die Behörden es erlauben, wie oft behauptet und gespottet wird. Da ist so eine Pandemie mit ihren völlig unverhältnismäßigen und nicht nachvollziehbaren Beschränkungen doch ein willkommener Anlass. Nur wenige kluge und mutige Köpfe durchschauen offenbar das hinterhältige Spiel, das da gespielt wird und nur dazu dient unsere Grund- und Freiheitsrechte langfristig und grundsätzlich zu beschneiden. Die mehr als ½ Million Toten weltweit, deutlich mehr als bei einer Grippe-Epidemie, spielen dabei keine Rolle. Alles nur Lügenpresse. Mit diesem Schlachtruf kann man alle Fakten problemlos für nichtig erklären und sich dabei wie ein echter Revolutionär fühlen. Leider verwechselt man hier aber Revolution mit Verblendung und kindischem Aufbegehren gegen Autoritäten und macht sich dabei sogar gemein mit Leuten, die mit freiheitlicher Demokratie absolut nichts zu tun haben. Ich frage mich – und das sollten alle, die an solchen Demos teilnehmen, besser auch tun –: Wer von Euch würde auch noch auf die Straße gehen, wenn es wirklich darum ginge, unsere Freiheit zu verteidigen , so wie z.B. aktuell in Hongkong?

  8. Sonja Biesdorf sagt:

    Herr Altmaier analysiert den Anstieg der Fallzahlen durch das Fehlverhalten einer sehr kleinen Zahl von Menschen. Was heißt „sehr klein“? Herr Altmaier fährt sicherlich nicht U-Bahn und Bus, geht bestimmt nicht in ein Einkaufzentraum, und zum Essen geht er wahrscheinlich nicht in ein Restaurant, wo „normale“ Bundesbürger hingehen. Von Freiluftpartys, Demos etc. ganz zu schweigen. Andernfalls könnte ich mir nicht erklären, was er mit einer „sehr kleinen“ Zahl von Menschen meint.
    Betrachtet man z. B. das Foto in der FR vom 29. Juli mit den Leuten, die den Aufbau des neuen Goetheturms verfolgen, fragt man sich: Ist das sehr klein? Die Leute (von Hunderten war die Rede) stehen dicht an dicht, Mundschutz ist nicht oft zu sehen. Abstand? Fehlanzeige!
    Im SEV der U2 setzt sich ein junger Mann vor mich, den Mund-Nasenschutz unterm Kinn. Ich bitte ihn höflich, die Maske aufzusetzen. Wird ignoriert! Weitere fünf Personen im Bus tragen keinen Mundschutz, bzw. er hängt unter der Nase oder dem Kinn.
    Bei der Einkehr in einem Gartenlokal in Nieder-Eschbach wird eine Stammkundin, die lautstark von ihrer Rückkehr aus dem Urlaub berichtet, von der Wirtin umarmt. Unsere Daten werden nicht abgefragt. Dass das Service-Personal den Mund- und Nasenschutz meist nicht ordnungsgemäß trägt, ist beinahe schon unerheblich und kann man fast verstehen bei 30 Grad und mehr.
    Im Nordwestzentrum´besteht grundsätzlich Maskenpflicht. Entweder können die Leute nicht lesen oder übersehen arrogant und/oder dumm die entsprechenden großen Hinweistafeln. Mindestens 20 Prozent laufen ohne bzw. ohne korrekt angelegten Mund-Nasenschutz rum. Berücksichtigen muss man, dass im Gehen auch gegessen wird.
    Auf schriftliche Nachfrage wegen der Maskenpflicht antwortet mir die Verwaltung des NWZ, die Gesundheit der Kunden und Mitarbeiter habe eine hohe Priorität! Das Tragen von Mundschutzmasken sei im Center Pflicht, weswegen das Sicherheitspersonal entsprechend angewiesen sei, die Einhaltung dieser Regel zu kontrollieren. Man geben sich Mühe, alle Menschen zu sensibilisieren, dass die Masken nicht nur in den Geschäften getragen werden müssen, sondern in der gesamten Mall. Aber leider sieht man niemanden, der kontrolliert und die Besucher auf die Regel hinweist.
    Wenn wieder weitere Einschränkungen von Nöten sind oder gar ein Lockdown angeordnet werden würde, wäre das Geschrei groß. Von daher sollten Geschäftsinhaber in ihrem eigenen Interesse und der ÖPNV von ihrem Hausrecht Gebrauch machen, um die Sicherheit aller zu erhöhen. Wir sind bisher ganz gut durch die Krise gekommen und sollten das Erreichte auf keinen Fall aufs Spiel setzen.

  9. Peter Boettel sagt:

    „…offenkundig haben sich diese Menschen durchaus „informiert“ – oder sich zumindest etwas angelesen.“ heißt es oben im Beitrag. Die Frage ist: Was haben sie gelesen? Bei wem haben sie sich informiert? Von wem werden dumme Geschichten erzählt?

    Ein Mitbewohner aus dem Haus hat sich gewundert, dass man im Supermarkt Maske tragen muss, obwohl schon eine Weile bekannt war, dass in den Läden und anderswo Maskenpflicht besteht. Sein Sohn meinte vor wenigen Tagen, die große Pandemie sei doch vorbei, nachdem die Zahlen in Deutschland bereits wieder deutlich gestiegen waren. Aber diese Leute lesen keine Zeitung, sehen und hören vermutlich keine Nachrichten, stieren aber permanent aufs Handy.

    Wenn solche Leute in Berlin gemeinsam mit „Querdenkern“, AfD’lern, Reichsbürgern etc. für Grundrechte demonstrieren, die sie sonst abschaffen wollen, ist die Bezeichnung „Covidioten“ noch harmlos.

    Ich frage, wo derzeit überhaupt Rechte eingeschränkt werden, wenn ich, was ich ohnehin aus verschiedenen Gründen befürworte, abstand halten muss, oder Maske trage, was in Asien seit Jahren normal ist.

    In der Tat ist das Geschrei gerade bei denen, die neue Wellen verursachen, am größten, wenn es tatsächlich wieder zu Einschränkungen kommt.

    Auch wenn ich mich wiederhole, unsere großen Klassiker hatten Recht, wenn sie bezüglich verschiedener Etappen in der Geschichte das Lumpenproletariat beschrieben haben.

  10. hans sagt:

    zu @ Axel Raue
    Die zweite Welle ist zum Kotzen!
    Ich stimme ihnen 100% zu. Das sehe ich auch so. Deshalb nehme ich an sie sind auch dafür das die Coronaregel durchgesetzt werden.

  11. Informationen, welche die komplexe Wirklichkeit wiedergeben, müssen objektiv sein und sich einer exakten Sprache bedienen. Werden diese Anforderungen nicht erfüllt und stehen Nebensächlichkeit und Unwahrheit im Vordergrund eines seichten Unterhaltungsjournalismus (wie zum Beispiel in populären Primitiv-Medien), werden Nachrichten bewusst umfunktioniert zum Instrument einer Gegenaufklärung (Fake News).

    Die so genannte Neue Rechte praktiziert das seit über zwanzig Jahren. So heißt eine ihrer Publikationen „Junge Freiheit“. Eigentlich wären Bezeichnungen wie „Alte Vorurteile“ oder „Alte Rache“ angebrachter. Wer nach Ansicht dieser Milieus zum Kreis der „linken Anti-Patrioten“ und „Volksfeinde“ zählt, erhält häufig Droh- und Hassbriefe, deren anonyme Absender sich „Widerstand Weiße Rose“ oder „Komitee Dietrich Bonhoeffer“ nennen. Sie bedienen sich der Namen ihrer ermordeten Todfeinde. Diese Strategie der Umdeutung von Werten im Sinn einer veränderten Deutungshoheit ist nicht neu. George Orwell hat sie in seinem Roman „1984“ als die Hauptziele eines (fiktiven) autoritären Staats beschrieben: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke.

    Die Plakate, welche auf der Demonstration der Corona-Leugner am 1. August in Berlin gezeigt wurden (die Organisatoren nannten ihn den „Tag der Freiheit“), waren in einer ähnlich manipulativen Sprache abgefasst:
    „Früher nannten sie mich Hexe. Jetzt nennen sie mich Verschwörungstheoretiker.“
    „AHA Regeln der FREIHEIT: Aufwachen, Hinterfragen, Absetzen der Maske & der Regierung“
    „Meine Gesundheit – Meine Entscheidung“
    „Querdenken“
    „Denkpflicht statt Maskenpflicht“
    „CORONA – Schluss mit den Lügen! Schluss mit den Einschränkungen!“

    Ich habe es längst aufgegeben, mit Neo-Nazis zu diskutieren. Denn diese sind an einem Streitgespräch nicht interessiert und erst recht nicht zu Einsicht und Umkehr zu bewegen. Vielmehr dient ihnen ein Dialog nur als Alibi, das ihre angeblich demokratische Gesinnung belegen soll. Und seit dem März dieses Jahres lasse ich mich auch nicht mit den widerwärtigen Corona-Leugnern ein. Denn sie maßen sich an, über mein Recht auf Gesundheit und Leben mitbestimmen zu wollen. Viel mehr gebe ich ihnen zu verstehen, dass ich sie für kriminelle Dreckskerle und Drecksweiber halte. Ihnen gegenüber pluralistische Spielregeln einzuhalten hieße, einer menschenverachtenden Dummheit Raum zu geben.

    Deswegen sollten sich die Qualitätsmedien einer Sprache bedienen, die den Tatsachen gerecht wird. Statt „Social Media“ wäre „Kommerzmedien mit zweifelhaften Inhalten“ angemessen. Und statt „Corona-Demonstration“ erscheint mir „Auflauf von Verbreitern des Corona-Virus“ als der adäquatere Ausdruck.

  12. Peter Boettel sagt:

    @ Klaus Philipp Mertens

    Ihr Vorschlag, die Demos der Covioten als „Auflauf von Verbreitern des Corona-Virus“ zu bezeichnen, trifft voll zu.

    Wenn die Plakate mit der Aufschrift „Meine Gesundheit – Meine Entscheidung“ mitführen, beweisen diese, dass ihnen die Gesundheit der Mitmenschen egal ist. Damit machen sie sich auch wegen grob fahrlässiger Körperverletzung strafbar.

  13. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Mertens,
    gegen Dummheit ist kein Kraut gewachsen, dieser Spruch bewahrheitet sich immer wieder. Was denken diese Demonstranten eigentlich, denken sie überhaupt ? Wahrscheinlich nicht, sie sind trotzdem nur die Folge der unsäglichen Entwicklung in den Nachkriegsjahren, als man die Täter des 3. Reiches agieren ließ als sei nichts geschehen. Nur so lässt sich erklären, wie die Aufarbeitung der NSU Fälle zur Katastrophe wurden. Auch heute wieder, in Berlin, wurden 2 Staatsanwälte abberufen und durch die Generalstaatsanwältin ersetzt, da die Bearbeitung vieler krimineller Vorgänge gegen linke Politiker und Aktivisten gegen rechts einfach nicht vorwärts gingen. Ich glaube, es war Brecht, der sagte : Er ist fruchtbar noch , der Schoß…. Die Tausende, die da demonstrieren, wieviel Dummheit kommt da zusammen ? Es entsteht wirklich der Eindruck, als sei dieser rechte Bodensatz durch nichts zu bremsen, auch das agieren in den social media, die Angriffe auf unbescholtene Bürger, ohne dass anscheinend der Versuch gemacht wird, der Täter habhaft zu werden, auf den verschiedensten Gebieten überall das gleiche Bild – es ist beängstigend. Natürlich ist es genau das, was bezweckt wird und damit darf man diese Leute nicht durchlassen. Andererseits besteht Hoffnung, wenn ich mir den Spaltpilz in der AfD ansehe, die Corona Situation kann da sehr hilfreich werden, denn viele Bürger merken nun, dass der Hintergrund dieser Partei nur darin besteht, rechts zu sein und evtl. je nach Lage, dagegen. Eine Entwicklung, die es auch früher schon gab, in der NPD, bei den Republikanern usw. die auch alle an Zersetzung litten. Glücklicherweise gibt es da keine geeignete Führungsperson, hoffe ich jedenfalls. Hinsichtlich der Demo kann man nur hoffen, dass einige Teilnehmer lernen, dass man an einem Virus auch dann leiden kann, wenn man ihn als nicht existent bezeichnet. Hochmut kommt vor dem Fall.

  14. Jürgen Malyssek sagt:

    Das, was heute abend in ZDF-Kontraste zum Thema zu sehen und zu hören war, das kann einen schon fertig machen.
    Es ist zu hoffen, dass es doch nur einen Bruchteil der Gesamtbevölkerung ausmacht.
    Nichtsdestotrotz kann es schließlich die viele Arbeit und vielen Anstrengungen der letzten Monate kaputtmachen.

  15. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Was soll man eigentlich von dem Buch „Corona Fehlalarm? von Karina Reiss und Sucharit Bhakdi
    (Goldegg Verlag 2020) halten?
    Im „der Freitag“ dieser Woche war eine längere Rezension von René Schlott. Es scheint ein verkaufsrenner zu sein.
    Die Autoren kritisieren vor allem die Virologen und die Institute (Schlott).
    Die Leserschaft scheint sich nur in den s-Medien zu bewegen. Kaum oder gar nicht in den hier benannten „seriösen“ Medien.

  16. Bronski sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    Ich möchte Sie auf mein Homeoffice-Tagebuch vom 11. Juli hinweisen. Da ordne ich Bhakdi und seine Thesen ein.

  17. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Malyssek, hallo bronski,
    den Artikel im Freitag und den Wikipedia Eintrag über Sucharit Bhakdi habe ich gelesen. Aus meiner Sicht schwer zu sagen, wo die Wahrheit liegt. Sie haben Recht, Bronski, wenn sie sagen, es ist zu wenig über das Virus bekannt, um eine solch steile These aufzustellen. Andererseits, hat B. durchaus Argumente dafür, die durch die folgenschweren Entwicklungen vor allem wirtschaftlicher Art Ernst genommen werden können. Mein Sachstand und meine Froschperspektive machen es mir unmöglich, mir eine Meinung zu bilden. Das Buch und die Tatsache dass es ohne Werbung zum Kassenschlager geworden ist erklären bis zu einem gewissen Grad, die Unzufriedenheit der Bürger nicht nur in diesem Land. In jedem Fall eine schwierige Abwägung. Die Zukunft wird zeigen, wo es lang geht.

  18. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Danke Ihnen schon mal für den Hinweis. Ich schaue mir das morgen noch in Ruhe an.

  19. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Jürgen H. Winter und Bronski

    Ich frage mich natürlich, was ist da mit diesen Fachleuten, Wissenschaftlern eigentlich los?
    Sind das Ressentiments oder nicht zugängliche Lehrwelten? Renegaten, wie in jedem Wissenschaftsfeld?

    Dass es gerade jetzt so gut ankommt, ist weniger rätselhaft, meine ich. Allgemeine Unzufriedenheit bestimmt und die Suche nach Bestätigung und Erleichterung.

  20. hans sagt:

    zu @ Jürgen H.Winter
    Was wirklich der richtige Weg durch die Pandemie ist kann man nur schwer sagen. Ich kann aber nicht verstehen das man der App so von vorne herein keine Chance gibt. Die 17 Millionen die sie bisher herunter geladen haben sind zu wenig um wirklich erfolgreich zu sein. Das was man vielleicht gewinnen könnte ist gegenüber dem Aufwand den man dafür betreiben muss extrem viel.

  21. Anna Hartl sagt:

    In der Zeit gibt es heute ein Essay von Bernd Ulrich, das die Demo in Berlin aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
    Mir ging schon seit Tagen die Frage durch den Kopf, wo der gemeinsame Nenner in dieser Gemengeanlage der Demonstranten ist.
    Bernd Ulrich zeigt da eine Seite auf, mit der ich was anfangen kann.
    Der Wunsch nach Normalität und die Angst, diese Normalität aus Zeiten vor Corona nie mehr zu erleben ist verständlich.
    Dieser Virus ist eine Zäsur, die alle betrifft.
    Dem Virus ist es egal, ob man sein Vorhandensein anzweifelt oder nicht.
    Wir alle müssen lernen mit dieser Tatsache und den daraus resultierenden Veränderungen zu leben.
    Das eigentliche Thema ist Angst.
    Es ist nur nicht zielführend, die Tatsachen zu leugnen und daraus die Angst vor was auch immer zu konstruieren.

  22. Wenn ein Wissenschaftler wie Sucharit Bhakdi gezwungen ist, seine Thesen auf You Tube zu verbreiten, scheint er zu den seriösen Publikationsforen seines Fachs keinen Zugang mehr zu haben. Da hilft auch das Scheinargument nicht, eine möglichst breite Öffentlichkeit erreichen zu wollen. So diente sein auf diesem Medium im März verbreiteter offener Brief an die Bundeskanzlerin ausschließlich der Stimmungsmache. Denn Nichtfachleute (die Physikerin Angela Merkel eingeschlossen) können die von Bhakdi vorgetragenen Thesen gar nicht beurteilen. Einer dieser Nichtfachleute, die der Virologe kontaktiert hat, ist Ken Jebsen, der als Verschwörungsideologe und Rassist gilt und einen Rattenschwanz Gleichgesinnter hinter sich herzieht. Es hat den Anschein, dass dieses unwissenschaftliche Vorgehen einer bestimmten Methode folgt. Denn Bhadis Verständnis von Covid-19 ist geprägt von der unzulässigen Vermengung von Fakten und Spekulationen.

    Der Goldegg-Verlag, dem ein „Goldegg-Training“ und ein „Goldegg-Consulting“ angeschlossen sind, vermarktet u.a. Meinungen zu medizinischen Themen, die in den Lektoraten von seriösen Sachbuch- und Wissenschaftsverlagen im Papierkorb landeten („Mental gegen Krebs“, „Gesundgevögelt in 12 Wochen“, „Es lebe die Unvernunft“ usw.).

    Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass der Historiker René Schlott, aus dessen Veröffentlichungen man – ähnlich wie bei Götz Aly – eine unkritische Nähe zu autoritären Staatsstrukturen herauslesen kann, das Buch „Corona-Fehlalarm?“ positiv rezensiert. Und dies typischerweise in „der Freitag“, bei dessen Lektüre ich zunehmend den Eindruck habe, dass das Blatt direkt aus der Giftküche des „KDW“ (= Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand), stammt. Dort wurden die Hygiene-Demos initiiert und verfassungsfeindliche Gruppen wie „Widerstand 2020“ scheinen dort offene Türen zu finden. All das lässt sich möglicherweise nur dann ertragen, falls man sich vorher 12 Wochen gesundgevögelt hat.

  23. hans sagt:

    https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/corona-virus-in-offenbach-kontrollen-fuers-groessere-wohl-16895358.html
    Ich denke dass das klar richtig ist. Es wäre völlig idiotisch einfach in eine derzeit unnötige zweite Welle zu rennen.

  24. Bronski sagt:

    @ Anna Hartl

    Ich habe das „Zeit“-Essay „Agenten unserer Angst“ von Bernd Ulrich über die Demo in Berlin hier für alle verlinkt, die es interessiert.

  25. Anna Hartl sagt:

    @Bronski
    Danke! Wenn ich Mal Muße habe, sehe ich mir an, wie das von diesem kleinen Gerät funktioniert.

  26. Peter Boettel sagt:

    @ Anna Hartl

    „Der Wunsch nach Normalität und die Angst, diese Normalität aus Zeiten vor Corona nie mehr zu erleben ist verständlich.“ haben Sie geschrieben. Ich glaube auch nicht, dass diese „Normalität“ nochmals zurückkehren wird. Zum einen werden wir lernen müssen, auch künftig mehr auf Abstand zu halten und möglicherweise auch die Maskenpflicht beizubehalten. Nur dieser veränderte Zustand wird sich nicht durch Demos oder Zuwiderhandlungen verhindern lassen. Vielmehr kann die Ignoranz der Covioten noch eher zu verstärkten Maßnahmen wie im Frühjahr führen, wenn diese andere anstecken.

    Denn „Dem Virus ist es egal, ob man sein Vorhandensein anzweifelt oder nicht.“ Der Virus wird sich in der Tat nicht von AfD’lern, Querdenkern oder Verschwörungstheoretikern verhindern lassen, sondern nur durch Achtsamkeit, Vermeidung wilder Partys und übertriebener Umarmungssucht. So trifft auch der Satz „Wir alle müssen lernen mit dieser Tatsache und den daraus resultierenden Veränderungen zu leben.“ voll zu.

    „Es ist nur nicht zielführend, die Tatsachen zu leugnen und daraus die Angst vor was auch immer zu konstruieren.“ Im Gegenteil, das Problem wird damit nicht behoben, sondern verschlimmert.

    Und wenn diejenigen plötzlich die Grundrechte einfordern, die sie sonst beseitigen wollen, gegen staatliche Willkür schimpfen, werden sie diese hervorproduzieren, wenn sie einfache Rücksichtsregelungen gegenüber ihren Mitmenschen nicht einhalten. Ist das etwa sogar das Ziel dieser Leute?

  27. hans sagt:

    zu @ Anna Hartl
    Ich denke es wird nicht gelingen das Virus auszurotten. Das Ziel kann nur sein das Virus einzudämmen bis wir Möglichkeiten haben die ausreichend sind um zu verhindern dass das Gesundheitssystem zusammen bricht. Es gibt ja die hoffentlich berechtigte Hoffnung das wir diesen Zustand vielleicht schon Anfang 2021 erreichen. Deshalb kann ich auch nicht verstehen warum man der App keine Chance gibt. Es wäre vielleicht die einfachste Methode dieses Ziel zu erreichen weil es gelingen könnte die Kontaktunterbrechungen so früh hin zu bekommen das es gelingt das Virus einzudämmen. Als nächstes werden sich die medizinischen Möglichkeiten weiter verbessern. Egal ob es Impfungen sind, Akutmedikamente oder Behandlungsstrategien die man mit der Zeit erarbeitet. Das wird aber nicht dazu führen das niemand mehr an dem Virus stirbt sondern nur dazu das die Hygieneregel reduziert oder abgeschafft werden können. Um da mal eine Zahl zu nennen , vor einigen Jahren sind 25000 Menschen an der Grippe gestorben ohne dass das Gesundheitssystem kollabiert ist. Wenn man das bei dem Virus ohne Kontaktbeschränkungen hin bekommt wird man es laufen lassen. Ich denke so in etwa wird es ausgehen da sollte man sich nichts vormachen

  28. Bronski sagt:

    @ hans

    „Vor einigen Jahren sind 25.000 Menschen an der Grippe gestorben ohne dass das Gesundheitssystem kollabiert ist“

    Sie meinen die Grippewelle 2017/18. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass es sich bei der Zahl, die Sie nennen, lediglich um einen Schätzwert handelt, den das RKI selbst kritisch sieht, obwohl es ihn rausgegeben hat. Es gibt dazu keine konkreten Daten. Richtig ist, dass es in der Tat eine auffällige Übersterblichkeit gegeben hat. Damit ist eine Sterblichkeitsrate gemeint, die die erwartbaren Werte übertrifft. Es geht um Statistik, das Thema ist kompliziert. (Siehe Übersterblichkeit, Wikipedia.) Ähnliche Werte für Übersterblichkeit sind auch während der Corona-Pandemie zu beobachten. Richtig ist, dass das Gesundheitssystem damals nicht kollabiert ist. Trotzdem ist auch dieser Vergleich von Sars-CoV-2 mit einer Grippewelle möglicherweise irreführend, weil die Voraussetzungen andere sind. Mit Grippeviren hatte wohl jede und jeder schon mal Kontakt, so dass es – überstandene Infektionen und Impfungen zusammengenommen – eine gewisse Herdenimmunität in der Bevölkerung gibt. Wie sich das bei Sars-CoV-2 verhält, wissen wir noch nicht. Coronaviren zirkulieren immerzu und verursachen in der Regel nur harmlose Erkältungen. Sars-CoV-2 ist allerdings deutlich gefährlicher als diese Erkältungsviren. Es gibt jetzt einige neue Erkenntnisse über sogenannte Kreuzimmunitäten, durch die Menschen, die gegen Grippe geimpft wurden, auch einen gewissen Schutz gegen Sars-CoV-2 mitbekommen haben. Wie und warum, ist noch unklar. Es deutet sich aber an, dass es in Teilen der Bevölkerung bereits eine Art Herdenimmunität gegen Sars-CoV-2 gibt. Das könnte erklären, warum die Infektion in etwa 80 Prozent der Fälle praktisch ohne Symptome abläuft. Zugleich kann es aber in den Fällen schwerer Verläufe so viele Komplikationen geben, dass mir die Idee, man könne das Virus einfach laufen lassen, unverantwortlich vorkommt. Wir werden sehen. Es kann durchaus sein, dass wir einfach keine andere Wahl haben, z.B. wegen der wirtschaftlichen Schäden.

  29. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Klaus-Philipp Mertens

    Danke für die Hinweise zum Goldegg-Verlag.
    Mit Sucharit Bhakdi hatte ich mich bislang nicht beschäftigt. Ken Jebsen ist ein Begriff. Manchmal habe ich den Gedanken, dass sich innerhalb der Syndikate von Verschwörungstheorektikern (-theologen)wirklich neue Wahrnehmungswelten etablieren, die für Gesamtgesellschaften wirklich gefährlich werden können, zumal es deutliche Trends gibt, die Welt auf den Kopf stellen zu wollen.

    Zum „der Freitag“ muss ich gestehen, dass ich in der letzten Zeit bei dem einen oder anderen Artikel ein mulmiges Gefühl bekommen habe. Das war nicht immer so. Von daher muss ich Ihnen, lieber Herr Mertens, mit Ihrer Kritik auch zustimmen. Weiß der Kuckuck, was da, auch beim „freitag“ los ist!?
    Wenn die „kritische“ Printpresse auch anfängt zu spinnen …

  30. hans sagt:

    zu @ Bronski
    Eigentlich sehe ich gar keinen Wiederspruch in ihrem Beitrag zu dem was ich geschrieben habe. Das was sich gerade an den Schulen abzeichnet, Schließung von 2 Schulen in MBV gestern, ist nicht über Jahre zukunftsfähig. Die wirtschaftlichen Schäden haben sie ja selbst angesprochen die sind auf Dauer auch nicht zukunftsfähig. Ich denke 2021 wird man einen Weg finden müssen wie das „laufen lassen“ dann konkret aussieht. Das wird sich an dem orientieren was das Gesundheitssystem dann leisten kann. Das wir es nicht schaffen da hin zu kommen will ich mir lieber nicht vorstellen.

  31. Das Thema Übersterblichkeit findet in der medizinischen Fachliteratur (einschließlich Dissertationen und Habilitationen) seit ca. 80 Jahren nur sehr wenig Resonanz. Zumindest lässt sich das aus der Bibliografie der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt a.M. / Leipzig schließen, die üblicherweise bei wissenschaftlichen Recherchen genutzt wird und die auch für mich seit 45 Jahren zum beruflichen Instrumentarium gehört.

    Die wenigen allgemeinen Untersuchungen gehen vorrangig auf die (vor allem kriegsbedingte) Übersterblichkeit der männlichen Bevölkerung zwischen 1885 bis 1967 ein. Erst 1970 veröffentlichte die Freie Universität Berlin eine Dissertation, welche die mögliche Beziehung zwischen einer Inversionswetterlage mit Luftverschmutzung und der Übersterblichkeit der Hong-Kong-Influenzaepidemie in Berlin von Dezember 1969 und Januar 1970 untersuchte.

    1993 erschien eine Dissertation über Übersterblichkeit, Todesursachen und Lebenszeitverkürzung bei Alkoholikern. Auch die Übersterblichkeit von Säuglingen bei nichtehelicher Schwangerschaft (Untersuchung zur Bedeutung des Faktors „Sozialstress“ für Säuglingssterblichkeit und Totgeburtenrate) ging 1998 in das Archiv medizinischer bzw. soziologischer Dissertationen ein. Ansonsten beschäftigten sich einige wenige Doktoranden mit der Übersterblichkeit bei den Diabetes-Typen 1 und 2.

    Die neueste Veröffentlichung ist das Bundesgesundheitsblatt vom 18.3.2019, das sich mit der Prävention der Risiken einschließlich Übersterblichkeit von älteren Menschen bei extremer Hitze auseinandersetzt.

    Die angebliche Übersterblichkeit bei der Influenza 2017/18 hat sich bis jetzt jedenfalls in der Literatur noch nicht niedergeschlagen, wird aber von manchen Corona-Leugnern (Wodarg, Bhakdi, Köhnlein, Schiffmann u.a.) als angebliche Richtgröße für die Bedeutung von Covid-19 genannt.

    Von einer gewissen Relevanz scheint das Thema für Lebensversicherungen zu sein. Das Buch „Prämienkalkulation in der Lebensversicherung“ erschien 2010 und freut sich offensichtlich einer dauerhaften Nachfrage. Ich habe jedoch nach der Lektüre des Inhaltsverzeichnisses den Eindruck gewonnen, dass es nicht um krankheitsspezifische statistische Erhebungen geht. Vielmehr orientiert man sich am Statistischen Jahrbuch der Bundesrepublik, das jedoch lediglich auf Schwankungen in der Sterblichkeitsquote hinweist, ohne dafür Ursachen nennen zu können.

    Lieber Herr Malyssek, beim „freitag“ ist mir mittlerweile der Geduldsfaden gerissen. Als ich ihn vor fünf Jahren abonnierte, war das noch eine ganz andere Zeitung…

  32. Anna Hartl sagt:

    @Bronski
    Kreuzimmunität wäre doch eine gute Meldung.
    Habe mich im März noch gegen Grippe impfen lassen, zum ersten Mal in meinem Leben. Hatte Panik, mich könnte beides erwischen. Sowohl der Grippevirus als auch Sars-CoV-2.

  33. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo Herr Mertens,
    ihr rigoroses Urteil über den Freitag erstaunt mich doch ein wenig. Mir fiel auf, dass in den letzten Monaten der Klimaschutz und auch die Umwelt einen größeren Anteil hatte, was ich sehr positiv finde. Es gibt nstürlich auch immer wieder Artikel, mit denen ich nichts anfangen kann, strotzend vor Fachkauderwelsch zum Beispiel. Andererseits bringt es auch nichts, in einer reinen Echokammer zu sitzen, nur um das was man sowieso denkt immer wieder bestätigt zu bekommen. Zwangsläufig gibt es dann so manche Kollisionen. Also, ihre Ablehnung kann ich so nicht nachvollziehen. Auch Beiträge von Stefan Hebel finden sich zunehmend häufig.
    Zum Sars-Cov 2 liest man die widersprüchlichsten Zahlen. Unser föderales System läuft Amok. Die Schulen überbieten sich in Unterschiedlichkeit. Ob ein Kind infiziert ist oder nicht kann man ohne Testung in vielen Fällen überhaupt nicht bemerken.Man kann ein Kind ja nicht bei der kleinsten Erkältung nach Hause schicken, im Kindergarten sowieso nicht. Im Kindergarten haben die Teilnehmer im Schnitt etwa 28 Infektionen im Jahr (Kinderarzt). Pausenlos testen geht also auch nicht, da lt. Herrn Lauterbach die Testmöglichkeiten schon bei den vielen Reisenden nicht ausreichen. Also wie soll es gehen.
    Wie Bronski im vorhergehenden schon bemerkt hat, wird man eine gewisse Zahl Infektionen hinnehmen müssen und einfach weiter abwarten, wie die Dinge sich entwickeln. Für die meisten Menschen ist die Seuche glücklicherweise halb so wild, schlimmeres wäre denkbar. Für die Alten und vorgeschädigten bleibt eben nur auf sich selbst aufzupassen. In den Heimen müsste es natürlich besser laufen, Situationen wie in den vergangenen Monaten gehen nun wirklich nicht.
    Zusammenfassend würde ich sagen, der Unbekannten und nicht Verstandenen sind noch so viele, dass man die weitere Entwicklung abwarten muss. Es gibt keine Sicherheit, schon was die Immunität angeht ist die Medizin kaum weiter gekommen und eine Impfung gegen andere Corona Varianten gibt es auch nicht.

  34. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Klaus-Philipp Mertens

    „der Freitag“: dann haben mich meine unguten Gefühle wohl nicht ganz getäuscht. Natürlich will ich keine bloße „Echokammer“, wie Jürgen H. Winter anmerkt. Aber sensibilisiert möchte ich schon auf die weitere Entwicklung dieser Wochenzeitung.

    Jetzt gilt es mal die Aufmerksamkeit, auf das, was um das Thema Reiserückkehrer-Infektionen passiert.

  35. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Der Anteil der Reiserückkehrer an den täglichen Neuinfektionen ist zwar von 15 auf 20% gestiegen und damit sicher auch ein Problem. Das ist aber genauso sicher nicht der Hauptgrund des starken Anstiegs. Die Hauptländer aus denen das Virus mit gebracht wird sind der Balkan und die Türkei. Flughafentestungen geben sicher schöne Fernsehbilder her aber das Virus kommt hauptsächlich mit dem Auto denke ich. Das macht die Sache aber nicht einfacher.

    https://www.airliners.de/anteil-reiserueckkehrer-covid-19-gesamtfaellen/56789

  36. @ Jürgen H. Winter

    Lieber Herr Winter,

    von einer Qualitätszeitung erwarte ich nicht, dass sie meine Sicht auf die Dinge bestätigt, nur weil ich zu jenen 80 Prozent an „altlinken“, „linken“ und „linksliberalen“ Abonnenten zähle, die sie allein aus wirtschaftlichen Gründen bedienen muss. Sondern dass sie mir die Vielfalt der Fakten spiegelt. Aber es müssen Fakten sein und keine unbelegbaren Mutmaßungen. Doch genau hier nehme ich einen Paradigmenwechsel wahr. Dieser äußert sich in der Bereitschaft, die Positionen der Corona-Leugner (insbesondere aus der Berliner KDW-Szene) ernst zu nehmen und mit diesen Leuten zu diskutieren. Eine solche Nachsicht kann ich einerseits vor dem Hintergrund der verifizierbaren Faktenlage und andererseits gegenüber der Rücksichtslosigkeit, die ich fast tagtäglich in Frankfurt erlebe, nicht akzeptieren.

    Mir ist bewusst, dass dieses Virus in der Welt ist und dass es bleiben wird. Also versuche ich, durch mein Verhalten dazu beizutragen, dass es zumindest „austrocknet“, sich deutlich seltener überträgt und dadurch besser beherrschbar wird. Und ich hoffe darauf, dass Achtsamkeit allgemein zum Vorbild wird.

    Dieses Interesse habe ich nicht nur als älterer Mensch (Jahrgang 1947), sondern die Jüngeren sollten es auch haben. Einer Auswertung der Barmer-Krankenkasse zufolge, die an diesem Wochenende veröffentlicht wurde, sind in den vergangenen Wochen besonders viele jüngere Menschen an Covid-19 erkrankt. Demnach stieg die Zahl der Corona-bedingten Krankschreibungen bei den Versicherten unter 39 Jahren zwischen dem 21. Juni und 18. Juli um 31 Prozent. Bei den Versicherten ab 40 Jahren sei der Anstieg mit gerade einmal einem Prozent deutlich geringer gewesen. Dabei gäbe es regionale Unterschiede. In Hessen sei die Anzahl der jüngeren Erkrankten um 19 Prozent gestiegen.

    Wir sollten uns auch durch die Mehrzahl der „milden“ Verläufe nicht täuschen lassen. Denn Langzeitfolgen lassen sich frühestens in 15 Jahren erkennen. Ich habe meine Kindheit in der Nachbarschaft einer der größten Kohlenzechen des Ruhrgebiets (mit Kokerei und Kohlenstaubkraftwerk) verbracht bzw. verbringen müssen. Fast sämtliche Jungen und Mädchen meiner Grundschulklasse litten an Bronchitis. Das Problem werde sich mit dem Älterwerden erledigen, beruhigten die Ärzte unsere Eltern. Tatsächlich erledigte es sich. Als sich mein Konfirmationsjahrgang 2012 nach 50 Jahren zum Wiedersehen traf, lebten bereits ein Drittel der Männer und ein Fünftel der Frauen nicht mehr, waren vor Erreichen des 65. Lebensjahrs verstorben. Dem Vernehmen nach an unheilbaren Erkrankungen der Atemwege sowie an dadurch bedingten Herz- und Kreislauferkrankungen.

    Wir, die wir die vom Menschen verursachten Fehlentwicklungen erleiden müssen, sollten uns deswegen kein X für ein U vormachen lassen.

  37. Noch ein Nachtrag: Bei meiner unersättlichen und investigativen Faktensammlung fielen mir heute diese Beiträge im Deutschlandfunk auf:

    Als wäre Vorsorge etwas für Feiglinge
    Kurzbesprechung von Reiss/Bhakdi: „Corona-Fehlalarm?“
    https://www.deutschlandfunkkultur.de/corona-fehlalarm-als-waere-vorsorge-etwas-fuer-feiglinge.1270.de.html?dram:article_id=481935

    Darf der Staat seine Bürger zur Gesundheit zwingen?
    Ein Streitgespräch zwischen dem Medizinhistoriker Robert Jütte
    und dem Zeithistoriker René Schlott.
    https://www.deutschlandfunk.de/robert-juette-vs-rene-schlott-darf-der-staat-seine-buerger.2927.de.html?dram:article_id=482012

  38. Jürgen H.Winter sagt:

    Hallo, lieber Herr Mertens,
    vielen Dank für links zum Deutschlandfunk. Sehr erhellend.
    Wenn ich in meinem Beitrag von Echokammer sprach, meinte ich mich selbst, nicht sie. Es liegt mir fern ihnen so etwas zu unterstellen. Im Gegenteil , ich bewundere ihre Faktensammlung und Kompetenz auf vielen Gebieten.
    Zum Thema Covid-sars-2 . Wenn diese Seuche so wäre wie sars-1, hochgradig tödlich, mit üblen symptomen, hätten wir eine völlig andere Situation. Jeder hätte Angst. So meinen eben Viele, alles halb so wild, sollen die Alten sehen, wie sie zurecht kommen. Kommt hinzu, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bürger dieses Landes, der Regierung nicht über den Weg traut, um es mal nett zu sagen. Dass das so ist, ist nicht zuletzt Schuld der Regierungen der vergangenen Jahrzehnte. Aktuelle Beispiel ist der Umgang mit der Klimakrise, dem Kohleausstiegsvertrag, der Umgang mit der SUV Problematik, die Rechtslastigkeit usw. Die Blüten die diese Denke treibt, mit Aluhüten und was weiß ich, spotten jeder Beschreibung. Wie wollen sie von diesen Leuten klare Gedanken erwarten ? Zwei meiner Söhne wohnen und arbeiten in Sachsen, da gehen die Uhren echt anders, da wird nicht diskutiert, da wird konstatiert. Fertig. Die Regierung lügt und Bill .Gates will die Welt beherrschen .Das keine Maske tragen und Abstandhalten, das es hier auch gibt, ist dort die Regel, da sind die mit Maske die Deppen.
    Als alter Mann (1938) muss ich selbst aufpassen, dass ich dem Virus aus dem Weg gehe, aber die breite Öffentlichkeit werden sie kaum überzeugen können. Das erklärt doch auch, das ein Buch wie das von Herrn Bhakdi solch einen Erfolg hat. Das ist das Problem. Trotzdem halte ich die Klimaerwärmung für das weitaus größere Problem, von der Biodiversitätskrise einmal abgesehen. Schon ein schöner Sommer wird das deutlich machen. In Sibirien wie auch in Kanada gab es in den Polargebieten Temperaturen über 20 Grad wärmer als normal. Das scheint auch keiner ernst zu nehmen. Bis es so weit ist, dann ist das Geschrei groß.

  39. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Klaus Philipp Mertens

    Danke für obige Hinweise aus Deutschlandfunk.
    Ich denke, es wird immer klarer, mit welch einer Sorte Wissenschaftler wir es bei den Corona-Kritikern zu tun haben.

  40. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    ich weiß natürlich nicht aus welchen Ländern die meisten infizierten Reiserückkehrer kommen. Aber die Touristen werden auf jedenfall eine große Rolle bei der weiteren Verbreitung des Virus haben
    Mir ist das Reisethema in der Ausnahmezeit viel zu bedeutend geworden. Es hätte nie zu dieser Ausbreitung der Reisemöglichkeiten und des Tourismus kommen dürfen. Man kann nicht alles gleichzeitig haben: High Life und Unversehrtheit, Urlaubsfreude und Schutz vor Ungemach.
    Ich kann mir aber vorstellen, dass es mit Auto sicherer ist, sich auf die Reise zu machen.

  41. Bronski sagt:

    @ Jürgen H. Winter

    „Wenn diese Seuche so wäre wie sars-1, hochgradig tödlich …“

    Es gibt, was die Letalitätsrate betrifft, möglicherweise keine großen Unterschiede zwischen diesen beiden Coronaviren Sars und Sars-CoV-2. Das RKI gibt die Letalitätsrate von Sars (aus den Jahren 2002 bis 2003) mit geschätzten elf Prozent insgesamt an (bei älteren Menschen bis zu 50 Prozent) und die für Sars-CoV-2 mit 10,5 Prozent, wobei wir allerdings für verschiedene Länder teilweise frappierend voneinander abweichende Zahlen haben. Ich vermute, dass das vor allem mit der Testpraxis zu tun hat und mit den vielen Problemen bei der Einordnung der Befunde, was sicher auch der Kürze der Zeit geschuldet ist. Mit Sars-CoV-2 haben wir nun seit etwa einem Dreivierteljahr zu tun. Sars liegt 17 Jahre zurück. Klar, dass es unterschiedliche Perspektiven auf diese beiden Pandemien gibt.
    Dass viele Menschen unangemessen auf die Pandemie reagieren, hat aus meiner Sicht vor allem mit schlechter naturwissenschaftlicher Bildung zu tun. Es gibt ja sogar Menschen, welche die Existenz von Viren generell anzweifeln, weil dafür angeblich noch nie ein Beweis erbracht worden ist. Wie soll man bei solchen Menschen ein Bewusstsein dafür hervorkitzeln, wie man sich in einer solchen Pandemie verhalten sollte? Aussichtslos! Außerdem haben diese Fehlreaktionen auch mit mangelnder Empathie zu tun. Diese Menschen begreifen nicht, dass sie in der Pandemie nicht nur für sich selbst Verantwortung tragen. Da spielen viele Faktoren hinein, m.E. unter anderem auch der, dass der Gedanke der Solidarität in unserem neoliberalen Wirtschaftssystem kräftig unter die Räder gekommen ist.

  42. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Warum wissen nicht von wo die meisten Reiserückkehrer kommen? Das können sie dem Link den ich eingestellt habe doch entnehmen? Genau so können sie dem Link entnehmen das die steigenden Fallzahlen in der Hauptsache aus D. zu verantworten sind und da muss man in erster Linie die Lösung suchen, oder sind sie der Meinung das der Link falsch ist?

  43. hans sagt:

    Ich denke es wird im Herbst einen neuen lookdown in D. geben weil H. Winter recht hat. Ein zu großer Teil der Bevölkerung ist nicht bereit die derzeitigen Einschränkungen zu akzeptieren. Das kann nur Unwissenheit als Grund haben sonst wäre das nicht so. Heute habe ich erfahren das mein Neffe der in Barcelona lebt für ein paar Wochen nach Frankreich gezogen ist weil er den befürchteten lookdown wie er ihn in der Stadt schon einmal für Wochen erlebt hat und wieder zu erwarten ist nicht nochmal erleben will. Diese Erfahrung fehlt in D.

  44. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Entschuldigung. Habe den Link nicht gelesen gehabt. Ist mir durchgerutscht. Mir geht es aber eher um das Problem der Reiserückkehrer als Ganzes gesehen.
    Angenommen, wir kriegen wieder die zweite Welle bzw. der Laden muss wieder dicht gemacht werden, was hat die Bedienung der Tourismusbranche und die große Freiheit denn dann gebracht? Nichts und nochmal nichts.
    Im Hunsrück würde man sagen: Rinn in die Kartoffel – raus aus die Kartoffel!
    Das ist doch alles ohne Augenmaß, was seit den Öffnungen so abläuft. Vor allem auch jetzt, wenn die Kinder wieder in die Schule gehen sollen – was wirklich einen großen Stellenwert hätte, wird mit den Reisen und Lockerunge kaputtgemacht. Wenn’s anders kommt, also glimpflich, dann ist das ein Riesendusel.

  45. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Ich denke nicht das der Staat das noch wirklich in der Hand hat. Die Politik wird ein Stück weit getrieben von den Erwartungen der Bürger. Was hätten sie denn machen sollen? Die Grenzen zu lassen? Die meisten sind eh mit dem Auto unterwegs. Wollen sie dann schon die Grenzen der Bundesländer schließen oder Städte? Das Ganze kann nur mit den Bürgern funktionieren und deren verantwortlichem Verhalten oder auch nicht. Da ist es relativ egal ob sie reisen oder nicht, wenn sie sich richtig verhalten würden ginge das alles. Es sieht aber so aus als ob ein zu großer Teil dazu nicht bereit ist, wahrscheinlich weil D. nicht die Erfahrung gemacht hat wie andere europäische Länder. Dann wird D. diese Erfahrung halt noch machen müssen wenn es nicht anders geht.

  46. @ Jürgen H. Winter

    Hallo Herr Winter,

    auch ich halte die verheerenden Eingriffe in die natürlichen Lebensgrundlagen, deren Echos die Klimakatastrophe und das Entstehen unkalkulierbarer Viren sind, für die größte, weil ursächliche Gefahr. Die Evolution hat uns gegen Corona & Co anscheinend nicht mit dem notwendigen (genetischen) Widerstandsinstrumentarium ausgestattet.
    Das gesamte Gefahrenpotential vermag ich nicht zu überschauen. Aber ich habe 1967, als ich mit der damals so benannten elektronischen Datenverarbeitung zu arbeiten begann, Artikel gesammelt, diese verschlagwortet und sie im Verlauf der späteren Jahre in eine Datenbank eingegeben. Ich bin lediglich ein Buchhalter, der regelmäßig aktuelle Schlagworte aufgreift, sie mit den bereits erfassten vergleicht und feststellen muss, dass es kaum etwas Neues unter der Sonne gibt. Denn die meisten Katastrophen kündigen sich früh an.

    Diese Phänomene einer globalen Entgleisung gehen einher mit einer galoppierenden Verblödung. In nahezu allen sozialen Schichten ist eine Infantilisierung unübersehbar. Ich beobachte diese im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der nach dem Wortlaut der Staatsverträge eigentlich ein Qualitätsmedium zu sein hat. Dort gibt es immer mehr „Social Media-Redakteure“ (männlich und weiblich). Sie sortieren den Müll der kommerziellen Netze und gestalten damit Nachrichten, die im Gewand von Events daherkommen. Deren Informationswert ist gleich null. Und da auch ein Sendetag nicht länger ist als 24 Stunden, bleiben relevante Nachrichten (nämlich die Aufklärung) außen vor. In diesen Niederungen gedeihen Verschwörungsideologien und völkische Phrasen besonders gut.

    Und es melden sich immer mehr Politiker zu Wort, die diesen Stuss für relevant halten und Gesprächsbereitschaft mit jenen signalisieren, um die jeder anständige Mensch einen großen Bogen schlagen sollte.
    Da sind die Grünen, die bis heute nicht kapiert haben, dass Ökologie ohne Überwindung des Kapitalismus nicht verwirklicht werden kann, auch wenn Robert Habeck und Annalena Baerbock dies mit rhetorischen Tricks verschleiern wollen. Oder die SPD, welche den Kausalzusammenhang zwischen Agendapolitik und dauerhaftem 15 Prozent-Umfragetief nicht wahrhaben will. Aber auch die Linke offenbart regelmäßig Zeichen von Bewusstseinsstörung. So warnt Co-Chefin Katja Kipping vor einer härteren Gangart bei der Ahndung von Verstößen gegen die Corona-Vorschriften: „Die Gefahr ist groß, dass von den Strafen nicht zuerst die Corona-Verharmloser betroffen sind, sondern beispielsweise die alleinerziehende Mutter, die mit Kind an der Hand zur Bahn gehetzt ist und aus dem Alltagsstress heraus ihre Maske zu Hause vergessen hat.“ Ist das die spezifisch sächsische Form von sozialistischer Revolution oder ist es lediglich Dummheit?

  47. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Ich stimme Ihnen hier insgesamt zu. Das ist ein Punkt, wo ich große Zweifel habe, dass die Bürger es schaffen, diese Verantwortung zu übernehmen. Wobei DIE BÜRGER jetzt erst einmal etwas pauschal daherkommt.
    Die „gute“ verwöhnte Zeit der letzten Jahrzehnte ist für Krisenbewältigung nicht zuträglich. An der Oberfläche zieht sich das durch alle Lebensbereiche der Menschen.
    Ich denke gerade dieser Punkt der Urlaubszeit zeigt ganz deutlich, dass die „kollektive“ Abspruchshaltung zu mächtig geworden ist und eigens dazu geführt hat, Dinge wie Freizeit, Feiern, Reisen, Shopping oder freie Fahrt für freie Bürger dem Grundgesetz quasi einzuverleiben. Ich denke oft an die Zeiten und Menschen, die über viele Jahre in tiefer Not leben mussten und besser mit Krisen umgangen sind als das, was wir in dieser spätmoderne erleben.
    Doch darf ich nicht unerwähnt lassen, dass es einen anderen Teil in der Bevölkerung gibt, die es schaffen, mit den vielen Einschränkungen und Verzichten zu leben. Und dabei nicht den Staat erpressen und beschimpfen. Es reicht nicht.

    Schließlich: Was Sie sagen, Ob reisen oder nicht, dass ist/wäre nicht das Problem, sondern wie und wo.

  48. Rolf W. sagt:

    Es ist immer wieder erstaunlich, dass diejenigen, die bei anderen so glasklar den Dunning-Kruger-Effekt diagnostizieren, nicht die geistige Flexibilität aufbringen, das eigene Verhalten unter diesem Gesichtspunkt zu beurteilen. Den weniger Bibelfesten empfehle ich die Lektüre von Matthäus 7:2 – 7:3, oder auch mal bei Lukas 18:11 nachzuschauen. Am einfachsten wäre es, die selbstformulierten Ansprüche zunächst einmal auf sich selbst anzuwenden.

    Also gemäß http://frblog.de/homeoffice-145/#comment-59068 einfach mal das in der eigenen Filterblase Absurde denken: „Könnte mein Gegenüber vielleicht doch recht haben?“ Oder könnte das Denken ausserhalb des Mainstreams ein durchaus berechtigter Widerstand gegen propagandistische Überwältigung(sversuche) sein?

    „Von der Mehrheit der Medien und großen Teilen der Bevölkerung wird die Tatsache, dass in Deutschland „nur“ knapp über 9.200 Covid-19-Todesfälle zu beklagen sind, den Lockdownmaßnahmen der Regierung zugutegehalten. Andere Erklärungen, etwa dass nicht allein ein Virus, sondern auch Faktoren wie die Kapazität und Qualität von Gesundheitssystemen und die sozioökonomischen Bedingungen einer Gesellschaft den Verlauf einer Pandemie bestimmen, werden hingegen kaum diskutiert. [1]“

    „Es geht ja nicht nur um die Beurteilung der Gefährlichkeit der Pandemie, sondern auch um die Abschätzung des tatsächlichen Nutzens der Maßnahmen für die Eindämmung der Pandemie; und nicht zuletzt geht es auch um die Beurteilung der durch die Maßnahmen möglicherweise verursachten Kollateralschäden – nicht nur für die Gesundheit, sondern auch für Gesellschaft, Demokratie, Kultur, Bildung und Wirtschaft.
    [2]“

    „Viele nun vorliegende Studien zeigen aber, dass die Infection Fatality Rate (IFR), der Anteil der Todesfälle an allen Corona-Infektionen, in einem Bereich von 0,1 bis 0,3 Prozent liegt, also dem einer normalen Grippe. In diesen Studien wurden repräsentative Zufallsstichproben von Bevölkerungsgruppen untersucht und die Infizierten durch serologische Antikörpertests identifiziert. [3]“

    „Mittlerweile haben wir verlässlichere Daten darüber, dass Corona nicht so gefährlich ist wie ursprünglich angenommen. [4]“

    „… hätte aus unserer Sicht Politik und Gesellschaft astronomische Fehlrechnungen – mit ihren noch nicht absehbaren Folgen – ersparen können. [5]“

    „Die Pandemie ist nicht vorüber, aber es gibt keinen Anlass mehr, das Handeln an fiktiven Horrorszenarien auszurichten. [6]“

    „Die Hypothese ist nun, dass im weltweiten Mittel jährlich ähnlich viele geschwächte Menschen eine Infektion der Atemwege erleiden, die dann zum Tod führt. Es ist nicht entscheidend, ob das eine Grippeinfektion ist oder ein Corona-Virus. [7]“

    „Die bisher erhobenen Daten belegen nicht, dass Covid-19 im Vergleich zu einer mittelschweren Grippe-Epidemie etwas Besonderes ist. Der Unterschied ist lediglich, dass mittelschwere Grippeepidemien bisher keine Wirtschaftskrisen und gesellschaftlichen Verwerfungen hervorgerufen haben. [8]“

    „Die Quarantäne ist hierbei eine autoritäre Entwicklung zur Selbstverteidigung des Systems. [9]“

    „… darf … nicht zu einer Unterstützung von autoritären Maßnahmen führen, die in der Härte immer konkreter werden müssen. [10]

    „Es ist nicht der Coronavirus, es sind nicht die Individuen, welche die Gefahr nicht ernst nehmen oder anerkennen, es sind auch nicht die Hamsterkäufer*innen, die chaotische Zustände hinterlassen und auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. [11]“

    Na, schon in Schnappatmung über diese „Covidioten“ verfallen? Darf man denen überhaupt eine Plattform geben? Und wenn die tatsächlich gegen die Maskenpflicht verstoßen: Sollte man da nicht endlich die Bundeswehr einsetzen, um diesem Spuk ein Ende zu machen – wozu haben wir schließlich die Notstandsgesetze?!

    Um es mit Dushan Wegner zu sagen: „Prüfe alles. Glaube wenig. Denke selbst.“

    Da andere Foristen sich offenbar gescheut haben, entsprechende Links anzugeben, damit sich andere selbst ein Bild machen können, hier sind sie:

    [1] – [5] https://taz.de/Streit-um-Corona-Politik/!5701892/
    [6] – [8] https://www.freitag.de/autoren/gunnar-jeschke/wie-gefaehrlich-ist-covid-19
    [9] – [11] https://www.freitag.de/autoren/elisanowak/eine-kapitalistische-pandemie

  49. Hans-Karl Ortmann sagt:

    „Ruhe ist die erste Bürgerpflicht!“ – das ist seit dem Kaiserreich, mit 12 +3-jähriger Unterbrechung vorbei, musste ich mal einem SPD-Stadtrat eintgegen schleudern. Selbstbestimmung und Freiheit sind sehr hohe, hehre Werte, – aber werden sie hier nicht zu einer billigen, falschen Ausrede missbraucht und verkommen? Auch der Vorwurf; „Angst und Politik“ – Ja, stimmt! – so war’s zu Zeiten der Nazis!
    Aber nicht mehr für die Vor- und 68er und zu Kiesinger-Zeiten. Sie haben ihre Selbstbe-stimmung verteidigt gegen die untergetauchten, verdeckten NS-Nachzügler in der Politik, mit dem Ruf: „Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren“.
    Das ist heute schon wieder erforderlich gegen AfD und Rechtsnationalen – die Demomanstrati-onen instrumentalisieren und dazu missbrauchen, hinter ihrer Fahne herzulaufen. Uns galt: eigene Freiheit, persönliche Selbstbestimmung. Jedoch galt und gilt auch „Das Leben leben, solange man keiner*m anderen auf die Füße tritt!“ Das gilt auch heute und zu Corona ganz besonders: Achtung des und Rücksicht auf den Nächsten: Dass niemand die Nebenfrau ansteckt oder von niemandem angesteckt wird. Selbstbestimmung: Ja! Solange man niemanden gefährdet, zu nahe kommt, nicht auf die Füße tritt. Es gibt die Kriminellen, die Masken tragen, um nicht bei ihrem Unwesen erkannt zu werden und solche Maskierte, die ihre Nachbarn und Mitstreiter schützen, nicht mit Korona gefährden wollen. Das zählt als bürgerliche Selbstbestimmung und Verantwortung
    Das Corona -Virus ist nicht von den „ach so bösen, falschen, unwissenden, lügenden“ Politikern“ erfunden. Corona hat laut Krankenhäusern und Wissenchschaft viele Leute, Nachbarn sogar, tot gemacht, meistens zwar wieder davon geheilt aber leider mit Folgen am Herz, auch im Kopf.
    Selbst Typen wie Trump, Bolsonaro, Johnson, Erdogan, Lukaschenko, das haben lernen müssen: Corona gibt’s wirklich, ist gefährlich und tötet. Wer möchte hinter deren Niveau zurück stehen?
    Wer bei Anti-Corona- Demos mit-„marschiert“, darf nicht andere´n auf die Füße treten, sondern muss An- und Abstand wahren; vor allem sich fragen, hinter welcher Fahne er/sie herläuft, wer die Demonstration anführt in dem Scham-Mäntelchen bürgerlicher Selbsbestimmung. Wird die nicht missbraucht, weil „was ganz anderes drinsteckt? Daran, an die 30er Jahre sei erinnert, gerade aus dieser historischen Erfahrung heraus.

  50. Hadi Geiser sagt:

    Die FR, die sich permanent als linksliberal und kritische Alternative inszeniert, hat sich bis auf die Knochen blamiert: Nahezu alle Shutdown-Kritker werden als „Corona-Leugner“ und nazi-affin diffamiert.
    Dabei ging es der großen Mehrheit der Demonstranten des 1. August keineswegs um Leugnung eines Virus. Es geht in Wahrheit um die rationale Einordnung von Covid-19, das in Europa – allen Panikmachern zum Trotz – einen milden Verlauf genommen hat (die Mortalitätszahlen sind eindeutig, man muß nur lesen können).
    Es geht also um Verhältnismäßigkeit. Kultur und Kleinunternehmen an die Wand zu fahren, Bürgerrechte zu beschädigen, Reisefreiheit zu sistieren und Menschen nachhaltig zu traumatisieren ist kein Pappenstiel. Die Herrschaft hat Blut geleckt (schön zu betrachten in Gestalt des Söder-Sheriffs) und nutzt die Angst als Generalprobe für künftige Zumutungen. Das ist die reale Gefahr, nicht ein paar verpeilte Aluthutträger. Merke: Demokratie stirbt nie am Stück. Aber in Scheiben.

  51. Hans-Georg Becker sagt:

    Für mich zeigt der Auftritt des Kabarettisten Schroeder bei der Corona-Demo in Stuttgart, wie tolerant und offen die „Qerdenker“ tatsächlich sind! Es handelt sich dabei eben gerade nicht um intolerante und tumbe Verschwörer oder Nazis, wie man das in den öffentliche rechtlichen Medien suggerieren will. Herr Schroeder wurde zwar ausgebuht, das ist aber doch wohl erlaubt, oder? Wenn man nicht nur den Ausschnitt sieht, die Herrn Schroeders Meinumgswiedergabe zeigt, sondern sich das ganze Bild verschafft, so stellt man auch fest, dass der Veranstalter, Herr Ballweg, sich ausdrücklich bei Herrn Schroeder für seinen Auftritt bedankt und seinen Mut gelobt hat. Ich finde, die öffentlich rechtlichen Sender und auch die FR sollten sich ein Beispiel an „Querdenken“ nehmen und ihrerseits den Mut aufbringen im Sinne der Hegelschen Dialektik, Meinungen zum alternativen Umgang mit Corona zuzulassen und zu veröffentlichen. Stattdessen berichten sie in Sachen Corona leider sehr einseitig und diffamieren alternativ Denkende.

  52. Jürgen Malyssek sagt:

    Auf einmal strotzt es in der Republik vor lauter „Querdenkern“ und alternativen Denkern und „Hegelianern. TOLL!

  53. hans sagt:

    zu @ Jürgen Malyssek
    Das wundert mich nicht. Es fehlt im Moment das die Regierung informiert wie es weiter gehen soll. Zum Bespiel ist es seltsam still um die App geworden. Nach meiner Meinung müsste man viel offensiver die Möglichkeiten aufzeigen die sich mit ihr verbinden. Das Virus macht keine Sommerpause.

  54. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Habe keine App, kann da nicht mitreden.
    Nur die steigenden Infektionszahlen, von denen man liest, die werden auch der Regierung Sorgen bereiten. Der ständig wachsende Testaufwand, das dürfte eine Heidenarbeit sein.
    Was haben die Grenzöffnungen und die Auslandsurlaube unter dem Strich gebracht?
    Nichts, außer mehr Belastungen und vor allem Sorgen um die Schulöffnungen.
    Das Virus hat wirklich keine Sommerpause gemacht.
    Wir „kämpfen“ gerade im Fußball-Amateurbereich mit den Hygienekonzepten und der Reise ins Ungewisse, neue Infektionen und Quarantänen eingeschlossen.
    Und auch hier geht es schon länger nicht mehr um Spaß an der Freude …

  55. Rolf W. sagt:

    @ Hadi Geiser http://frblog.de/homeoffice-145/#comment-59180
    @ Hans-Georg Becker http://frblog.de/homeoffice-145/#comment-59181 und andere

    Anlässlich des Interviews mit Florian Schröder im heutigen Morgenmagazin möchte ich auf Bronskis Anmoderation dieses Threads zurückkommen. Dabei weist Bronski zur Illustration des Dunning-Kruger-Effekts darauf hin, dass „ein (schwer abschätzbarer) Teil“ der Demonstranten gegen die staatlichen Anti-Corona-Zwangsmaßnahmen dem Spektrum der Verwirrten und Verirrten zuzuordnen sei.

    Im o.a. Schröder-Interview werden die Demoteilnehmer den „Alt-68ern, jungen Familien, Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten“ zugeordnet. Das hört sich schon wesentlich weniger dramatisch an. Unterstützung findet diese Sichtweise durch einen Bericht bei Heise-Telepolis unter https://www.heise.de/-4864936. Die Autorin Gaby Weber hat einige Interviews mit Teilnehmern der von „Querdenken 711“ organisierten Demo am 1. August geführt. Sie drückt mit ihrem Bericht die Hoffnung aus, die auch Florian Schröder ausdrücklich formuliert, die Bilder mögen dazu nutzen, die Diskussion zu versachlichen und sich wieder gegenseitig zuzuhören. Sie widmet sich der Mehrheit der Nicht-So-Schrillen und trifft dabei auf zwei Gruppen.

    1. Jene, die sich früher einmal dem grünen Spektrum zugehörig fühlten, als die Grünen noch eine Anti-System-Partei waren. Sie verstanden sich als Außerparlamentarische Opposition, die auf mehr direkte Demokratie hoffte. Heute, als politisch Heimatlose, suchen sie immer noch nach radikal demokratischen Lösungen. Sie sind links-offen und explizit nicht rechts.

    2. Die zweite Gruppe umfasst viele, die von realen Existenzängsten auf die Straße getrieben werden: Freiberufler, kleine Selbständige, Künstler, Arbeitslose. Also Leute, deren Konto nicht an jedem Monatsersten automatisch mit Geld befüllt wird. Sie fühlen sich bestenfalls nicht gehört, schlimmstenfalls sogar direkt belogen. Sie bezeichnen sich selbst als „unpolitisch“ und sind offen für die AfD oder für linke Vorschläge – falls diese denn mal kommen würden.

    Ein weiterer Artikel (von Peter Nowak) beschäftigt sich unter dem Titel „Mit Abstand und Maske allein wird die Bewegung nicht verschwinden“ mit derselben Demo. Auch Novak konstatiert, dass die Rechten zwar präsent waren und zumindest toleriert wurden. Aber sie stellten nach seinem Eindruck bei weitem nicht die Mehrheit der Demoteilnehmer und prägten auch nicht das Klima. Diese Mehrheit sah Links und Rechts nicht mehr als brauchbare Kategorien der eigenen (politischen) Einordnung an.

    In verschiedenen Aufrufen wurde die Stärkung des deutschen Mittelstands zu einen wichtigen Ziel erklärt. Andere Teilnehmer outeten sich als Handwerker, die durch die staatlichen Maßnahmen in Schwierigkeiten geraten sind. Auch Angehörige, die ihre Senioren in Pflege- oder Altenheimen in den letzten Monaten nicht besuchen konnten, drückten auf Schildern ihren Frust aus. Mehr dazu unter https://www.heise.de/-4861177

    Selbstverständlich muss man den Grundannahmen und Schlussfolgerungen der Autoren nicht folgen, aber wie Bronski schreibt: Ein Mittel gegen das Versinken in der eigenen Filterblase sind „Bildung und Information. Und: Widerspruch! Aber das kostet Kraft.“