Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 14

Leben und Arbeiten in Zeiten der Pandemie

In Krisenzeiten neigen Menschen mitunter dazu, nach Sündenböcken zu suchen. So auch im Fall der Sars.-CoV-2-Pandemie, die uns allen – davon gehe ich mal aus – schwer und schwerer zu schaffen macht. Das ist wohl einfach menschlich. Jetzt kursiert der Vorwurf in Richtung Politik, wir hätten vorbereitet sein können, wenn die Politik nur die Unterrichtung des Wissenschaftlichen Beirats des Bundestags ernst genommen hätten, in der schon vor vielen Jahren vor dem Szenario einer Pandemie gewarnt wurde, wie wir sie heute erleben. Ich habe zum Beispiel folgende Unterrichtung aus dem Jahr 2005 gefunden (Achtung: umfangreiches pdf-Dokument).  Auch hier im FR-Blog tauchte diese Kritik auf. Da wird behauptet, das Coronavirus hätte kein Unheil angerichtet, wenn das Ergebnis des Wissenschaftlichen Beirats beachtet worden wäre.

Bronskis Homeoffice-Tagebuch – Tag 14
Montag, 30. März 2020

Ich finde, man muss gerecht bleiben. Solche vorausschauende Politik sollte man eigentlich in vielerlei Hinsicht erwarten dürfen. Beispiel Klimawandel. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass er kommen wird, doch erst in dem Moment, in dem erste Folgen für alle spürbar werden (Hitzesommer, Dürre), macht ein Teil unserer Gesellschaft der Politik den nötigen Dampf unterm Hintern. Die agiert trotzdem nur halbherzig. Da kann man sich durchaus fragen, warum dieselben Politiker immer wieder gewählt werden. Wir haben wohl die Politiker, die wir verdienen, oder? Nun, in Zeiten der Pandemie, agieren sie immerhin beherzt als Krisenmanager, nachdem auch dem Letzten klargeworden ist, dass uns sonst viele Todesopfer und eine katastrophale Überlastung des Gesundheitssystems bevorstehen könnte.

Da zeigt sich, dass sich die Sünden der Vergangenheit rächen können. Viele Krankenhäuser waren nicht auf konsequenten Seuchenschutz eingestellt. Es fehlte sogar am einfachsten, dem Mundschutz. Hier hat die Gesundheitspolitik tatsächlich versagt, hier hätte sie tatsächlich Lehren aus den Unterrichtungen des Wissenschaftlichen Dienstes ziehen müssen, um auf die Pandemie vorbereitet zu sein. Es haben übrigens auch zahlreiche andere Wissenschaftler davor gewarnt, dass jederzeit ein ansteckendes Virus auftauchen, das sich mit dem globalen Verkehr, den sich die Menschheit leistet, explosionsartig verbreiten kann. Das war also keine Neuigkeit und ist zuletzt mit SARS und HIV tatsächlich bereits passiert.

Um das noch mal ganz klar zu sagen: Die Pandemie ist eine Naturkatastrophe. Es ist nur bedingt möglich, sich auf so etwas vorzubereiten. Vollständige Sicherheit gibt es nicht, weder vor Krankheitserregern noch vor Stürmen oder Überschwemmungen. Man darf sich also keinen Illusionen hingeben und falsche Hoffnungen wecken. So was wie Sars-CoV-2 wird sich wiederholen. Dann werden wir hoffentlich aus den Pannen gelernt haben, die jetzt passiert sind. Darüber hinaus müssen wir auch in anderen Hinsichten Konsequenzen aus der Pandemie ziehen. Nochmal das Beispiel: Klimawandel. Bereits jetzt breiten sich gefährliche Krankheitserreger  wie Denghuefieber oder Westnilfieber in unsere Richtung aus, weil die Überträger, z.B. der Tigermoskito, inzwischen bei uns bessere Lebensbedingungen vorfindet als früher – eine Folge von steigenden Temperaturen. Das wird sich nun nicht mehr verhindern lassen, aber wir müssen uns wappnen.

Worldometer  +++ SafetyDetectives

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5 Kommentare

  1. hans sagt:

    Guten Morgen aus der Quarantäne. Es sieht so aus derzeit als ob das Virus die Oberhand gewinnt. Seit gestern habe ich die Information das es meiner Mutter im Krankenhaus sehr schlecht geht und der Sterbeprozess wohl begonnen hat. Sie verweigert jede Medizin oder Nahrungsaufnahme u.s.w. und bekommt jetzt auch nur noch Schmerzmittel. Das wird nicht lange gut gehen. Gestern habe ich noch versucht zu ihr zu kommen. Das ist leider nicht möglich. Es ist schier unerträglich das sie den Weg alleine in einer Isolierstation gehen muss. Wie konnte es passieren dass das Kartenhaus das wir als Schutzwall gedacht hatten um sie herum so schnell zusammengebrochen ist. Meine Schwester ist inzwischen auch positiv getestet und hat hohes Fieber. Da muss man auch sehen wie es weiter geht. Mir selbst geht es besser seit gestern. Vorher hatte das Virus meinen Schwachpunkt gefunden. Mein Asthma war am Sonntag schon heftig. Meine Partnerin hat Symptome. Bei ihr ist es erst 3-4 Tage später losgegangen als bei mir. Ich werde wohl in 2 Tagen aus der Quarantäne kommen und das wohl auch gesund aber der Preis den wir zahlen müssen ist jetzt schon sehr hoch.

  2. Jürgen Malyssek sagt:

    @ hans

    Das tut mir sehr leid zu lesen. Das ist jetzt sehr schwer auszuhalten. Ich habe keine passenden Worte.

  3. Hallo Hans,
    das sind Neuigkeiten die man nicht braucht, was für eine fürchterliche Entwicklung. Es fehlen einem die Worte, sie tun mir so leid.

  4. Bronski sagt in der Einführung, dass gesagt wurde, mit der Vorsorge wie vom wissenschaftlichen Beirat gefordert, hätte die Pandemie verhindert werden können. Er hat recht, dass das so nicht stimmt. Man hätte aber durchaus besser vorbereitet sein können, was z.B. die Schutzmaterialien angeht. Es ist das gleiche Problem wie immer, eine Krise, die kommen kann wird ignoriert, da geht die kapitalistische Denke vor ( viel zu viele Krankenhäuser usw.). Wenn das Kind dann im Brunnen liegt ist die Überraschung groß. Das konnte man doch nicht wissen etc. Doch hätte man wissen müssen, nur der Zeitpunkt war noch offen. Bei der Klimakrise ist es ähnlich, aber da weiß man sogar mehr, nämlich dass es jetzt schon los geht, aber eher woanders, nicht hier. Aber man sollte da nicht zu sicher sein. Es ist das alte Spiel, die Krise, die da ist wird bekämpft, Krisen, die nur möglich sind, selbst wenn in überschaubarer Nähe, kann man ignorieren, da hat unser Kapitalismus auf jeden Fall Vorrang.Auch wenn es Bronski nicht gefällt, da hat der Höhlenmensch seine Hand im Spiel, wo bleibt da die Ratio ?

  5. Anna Hartl sagt:

    Hallo Hans,
    Das muss alles sehr, sehr schmerzhaft sein für Sie und Ihre Angehörigen. Die Mutter in dieser Situation nicht mehr sehen und begleiten zu dürfen, tut weh. Es tut mir leid.