Die christlich-soziale Heimtücke des CSU-Ministers Schmidt

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheint ihren Laden nicht mehr im Griff zu haben. Ihr Kabinett. Da treffen Minister plötzlich weitreichende Entscheidungen, ohne sich mit ihr abzusprechen. Oder hatte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) das Go von der Kanzlerin, als er im Namen der Bundesrepublik in Brüssel für eine Verlängerung der Genehmigung für das Pflanzengift Glyphosat um weitere fünf Jahre stimmte? Das wäre sogar noch übler.

Gleich mal vorweg: Es heißt hier und da, die Verlängerung für Glyphosat wäre vermutlich sowieso gekommen, auch wenn Deutschland bei seiner bisherigen Linie geblieben wäre: Enthaltung. Ich bin mir da nicht so sicher, aber das kann ja vielleicht mal jemand aus dem Kreis der UserInnen hier ausrechnen. Für Entscheidungen dieser Art wird nach den komplizierten EU-Verträgen in Brüssel nicht nur eine Mehrheit von 55 Prozent der EU-Länder gebraucht, sondern die zustimmenden Länder müssen auch 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren. Deutschland als das bevölkerungsreichste EU-Land ist in dieser Hinsicht natürlich ein Schwergewicht, entsprechend gewichtig dürfte Christian Schmidts Stimme bei der Abstimmung gewesen sein. Die Zulassung für Glyphosat wäre am 15. Dezember abgelaufen. So erklärt sich vermutlich, warum seine Entscheidung ausgerechnet jetzt fiel, mitten in der schwierigen Regierungsbildung in Berlin.

Christian SchmidtChristian Schmidt hat die Bundesrepublik, also auch Sie und mich, für seine einsame Entscheidung in Geiselhaft genommen. Ich bin gegen den weiteren Einsatz von Glyphosat, und zwar aus einem einfachen Grund: In der EU, so wurde es im Zusammenhang mit den Protesten gegen TTIP und Ceta zumindest immer wieder behauptet, gilt das Vorsorgeprinzip. Im Gegensatz zu den USA, wo das Nachsorgeprinzip gilt. Dort, so die Erklärung, würden die Hersteller praktisch aus Eigeninteresse dafür sorgen, dass nur unschädliche Mittel in den Handel kommen, denn im US-Rechtssystem können Entschädigungen etwaiger Opfer enorm teuer werden. (Es sei denn, man ist ein einflussreicher Konzern und kann sich Staranwälte leisten, während so ein kleiner geschädigter US-Bürger schon eine Erin Brokovich braucht, um seine Interessen juristisch durchzusetzen.) Das Vorsorgeprinzip hingegen will Gefahren für Umwelt und Verbraucher vor dem Einsatz von Substanzen ausschließen. Nun gibt es aber Verdachtsmomente, die darauf hinzudeuten scheinen, dass Glyphosat gesundheitsschädlich, eventuell krebserregend ist. Wie passt es da mit dem Vorsorgeprinzip zusammen, dass ein solches Mittel jetzt für weitere fünf Jahre auf europäischen Äckern ausgebracht werden darf? Ich meine: Ein hinreichend begründeter Verdacht muss reichen, um einem Mittel wie Glyphosat die Zulassung zu entziehen. Hinreichend erscheint mir hier die Position der WHO zu diesem Pflanzengift. Der Hersteller Monsanto soll Forscher bezahlt haben, damit sie im Widerspruch zur WHO positiv über Glyphosat urteilen (ein umfangreicher und sehr spannender Bericht von Zeit-online).

Punkt 1: Schmidt hat das Vorsorgeprinzip und damit das Gemeinwohl verletzt

Das ist für sich genommen schon ein Skandal, wenn auch ein erwartbarer, da Landwirtschaftsminister ja immer irgendwie die Lobby der Agrarindustrie sind. Das schreibt zumindest FR-Autor Thorsten Knuf in seinem Kommentar. De facto haben sie sich wohl immer so verhalten; aber das dürfte eigentlich nicht so sein. Keinesfalls dann, wenn die Geschäftsordnung der Regierung vorsieht, dass Entscheidungen, die innerhalb der Regierungskoalition strittig sind, bei Abstimmungen außen – wie jetzt in Brüssel – zur Enthaltung zu führen haben. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Christian Schmidt hat sich darüber hinweggesetzt und seine Entscheidung als sachbezogen bezeichnet. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die gegen die weitere Zulassung war und ihm dies kurz zuvor noch einmal telefonisch bestätigt hat, ist stinkesauer, und zwar zu recht. Auch Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) hat Schmidt darauf noch einmal hingewiesen.

Punkt 2: Schmidt hat Vertrauen vernichtet

Solch Vertrauen ist angeblich die Grundlage von Regierungskoalitionen. Das haben wir gerade erst am Beispiel der „Jamaika“-Verhandlungen gelernt, bei denen sich dieses wichtige Vertrauen nicht eingestellt hat, worauf sie geplatzt sind. Auch in der großen Koalition zwischen CDU/CSU und SPD war es angekratzt, da bestimmte SPD-Anliegen wie die Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit behindert und nicht umgesetzt worden waren, obwohl sie im Koalitionsvertrag standen. Auch die FDP hatte schon zwischen 2009 und 2013 gelernt, dass CDU/CSU nicht gerade der allerverlässlichste Koalitionspartner sind, denn ihr wichtigstes Anliegen, eine große Steuerreform, war auf der Strecke geblieben, gescheitert nicht zuletzt an Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Was soll die SPD jetzt für Schlüsse aus dem Glyphosat-Skandal ziehen? Gerade hat sie sich nach dem Scheitern von „Jamaika“ vom Bundespräsidenten davon überzeugen lassen, wenigstens mal mit den Konservativen zu reden. Fortsetzung der großen Koalition, Minderheitsregierung – irgendeine Art von Zusammenarbeit zwischen den bisherigen Koalitionären schien schon in der Luft zu liegen, so dass Neuwahlen wenigsten vorerst unnötig werden. Doch nun hat der CSU-Mann Schmidt drastisch gezeigt, was ihm an koalitionären Verabredungen liegt: offenbar gar nichts. Und Horst Seehofer, bayrischer Ministerpräsident, CSU-Vorsitzender und spätestens seit Herbst 2015 selbstberufener Merkel-Piesacker, hat vorher gewusst, dass Schmidt die zu beschädigen beabsichtigte. Schmidts Coup wurde im Landwirtschaftsministerium angeblich schon seit Juli 2017 vorbereitet.

Die CSU ist also kein verlässlicher Koalitionspartner. Klarer kann man das nicht zu erkennen geben. Und Merkel selbst? Hätte sie Schmidt gestoppt, wenn sie von seinem Vorhaben erfahren hätte? Sie persönlich befürwortete die Weiter-Zulassung von Glyphosat durchaus. Oder hat sie ihn bewusst nicht gestoppt, weil sie das leidige Thema so für die nächste Legislaturperiode loswerden konnte? Was bedeuten müsste, dass sie ebenfalls eingeweiht war, so wie Seehofer. Dann hätte auch sie die Vereinbarung mit der SPD gebrochen und wäre damit als Regierungschefin einer CDU/CSU-SPD-Regierung nicht mehr tragbar. So oder so:

Punkt 3: Schmidt hat Merkel schwer beschädigt

Beide Möglichkeiten – sie hat es gewusst/sie hat es nicht gewusst – beschädigen Merkel. Sehr gut möglich, dass Seehofer dies billigend in Kauf genommen hat. Derselbe Seehofer, der sich kürzlich nach dem Platzen der „Jamaika“-Gespräche noch öffentlich bei Merkel bedankt hat. Er ist eben trotzdem immer noch der Seehofer, der Merkel auf einem CSU-Parteitag wie ein Schulmädchen hat aussehen lassen. Wollte dieser Seehofer Merkel vielleicht bewusst beschädigen? Weil demnächst seine Zeit als bayrischer Ministerpräsident enden wird? Wenn er abtritt, soll sie auch abtreten? In München fetzen sich gerade die Konkurrenten Seehofer und Herrmann um die Seehofer-Nachfolge als Regierungschefs.

Dieser Skandal hätte nicht sein müssen. So was wollen wir vielleicht bei „House of Cards“ sehen, aber nicht an der Führungsspitze unseres Landes. Aber es ist geschehen. Warten wir mal ab, ob Merkel sich retten kann. Die Lust der SPD, in eine neue große Koalition einzutreten, wird von diesem Verhalten des CSU-Ministers, das Ausdruck einer politischen Unkultur ist, jedenfalls ganz sicher nicht gefördert. Ob wir Christian Schmidt nach dem Ende seiner Ministerlaufbahn wohl irgendwann in einer Führungsposition beim Bayer-Konzern erleben werden?

Balken 4Leserbriefe

Hans D. Baumann aus Niestetal meint:

„Nach diesem unsäglichen Alleingang des CSU-Ministers – sicherlich einer sachgerechten Entscheidung, sofern es um die Wahrung von Konzerninteressen geht – haben SPD und Grüne nur noch eine Möglichkeit, sich „staatstragend“ zu verhalten: Ein gemeinsames und abgestimmtes Koalitionsangebot an die CDU unter ausdrücklichem Ausschluss der vertragsbrüchigen CSU, für die, ganz christlich-sozial, die Gesundheit der Bevölkerung offenkundig zweitrangig ist. Andernfalls wüsste ich als bald Siebzigjähriger nicht mehr, welcher Partei ich bei der nächsten Wahl noch meine Stimme geben könnte. Ich habe schon lange keine solche Wut mehr empfunden wie nach dieser Nachricht über die heimtückische Glyphosat-Zustimmung.“

Armin Höfling aus Bielefeld:

„Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: die Union hofiert im Interesse des eigenen Machterhalts die SPD. Die ziert sich zwar etwas, lässt sich aber nach Steinmeiers Intervention auf Gespräche ein. – Und dann gibt’s von der CSU „eins in die Fresse“!
Anders kann man den Glyphosat-Affront nicht bezeichnen. Auch wenn man sich in Bayern lachend auf die Schenkel klatscht für diesen u.a. auch als Rachetritt für die „Ehe für alle“ zu bezeichnenden „Schachzug. Zum anderen offenbart die CSU – wie in anderen Politikfeldern auch (Maut, ÖPP im Autobahnbetrieb, Dieselgate, …) dass sie Lobby- und Machtinteressen immer mehr im Auge hat, als das Gemeinwohl.
Als ob die Agro-Chemie nicht schon längst Alternativen für die Herbizid-Keule in der Schublade hätte! Hier geht es nur um die möglichst lange Ausbeutung eines früheren Investments. So geschehen auch bei der Kernenergie, die uns ohne Fukushima und Merkels „pragmatischen“ Regierungsstil noch lange mit „billigem“ Strom versorgt hätte. Überdies: warum eigentlich nur fünf Jahre Zulassung? – Wenn das Zeug so sicher ist, kann man doch auch 10 oder 20 Jahre veranschlagen.
Jedenfalls tut sich hier ein Vorgeschmack für die nächste Legislaturperiode auf. Der SPD wird es nicht gelingen, ihre ureigenen Kernprojekte (Verbesserung der Alterssicherung, Bürgerversicherung, Steuerentlastung für Geringverdiener, ….) programmnah durchzubringen. Und sie wird die og. Schwachsinnsprojekte der CSU nicht zu verhindern wissen.
Fazit: drum prüfe wer sich ewig (12 Jahre Groko sind wohl eine politische Ewigkeit) bindet, …. . Schauerma, wer sich letztlich durchsetzt: die unionsnahen Seeheimer mit denen, die sich im Regierungsleben „zum Wohle des Volkes“ trefflich eingerichtet haben oder die Realisten und JUSO’s. Letztere haben kapiert, dass man mit einer weiteren GroKo die SPD in den endgültigen Ruin treibt.
Warum die Angst vor einer Minderheitsregierung? Die angebliche Instabilität tragen die GroKo-Befürworter als Axiom-Monstranz in jedem Interview vor sich her. Als ob wir das nicht aushalten würden. Liebe SPD, erinnert Euch an Willy Brandt: „Mehr Demokratie wagen!“Dann wird die SPD auch für mich wieder wählbar!“

Susanne Roether aus Frankfurt:

„Stück für Stück kommt heraus, wie raffiniert der Minister Schmidt seinen Coup eingefädelt hat. Es ist undenkbar, dass er sich nicht auch bei der Kanzlerin rückversichert hat. Und sei es indirekt, mit Andeutungen. Da gibt es sicher viele Möglichkeiten.
Das bedeutet aber, die eigentliche Verantwortung liegt bei Frau Merkel, deren offiziell ehrlichem Charakter wohl nur wenige eine solche Perfidie zugetraut hätten.
Die Absprache mit dem Koalitionspartner landet im Müll, damit man der deutschen Agrarlobby ein Geschenk machen kann – zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher und zu Lasten der Umwelt, aus der jetzt schon 75 Prozent der Insekten verschwunden sind, was direkt unsere Nahrungsgrundlage und die kommender Generationen bedroht.
Wenn die SPD sich jetzt wieder von Steinmeier an den Koalitionstisch zerren lässt, ohne ein Verbot von Glyphosat in Deutschland zur Koalitionsbedingung zu machen, ist ihr wirklich nicht mehr zu helfen.“

Weitere Leserbriefe folgen an dieser Stelle als Updates

29 Kommentare

  1. «Es heißt hier und da, die Verlängerung für Glyphosat wäre vermutlich sowieso gekommen, auch wenn Deutschland bei seiner bisherigen Linie geblieben wäre: Enthaltung. Ich bin mir da nicht so sicher, aber das kann ja vielleicht mal jemand aus dem Kreis der UserInnen hier ausrechnen.“
    Die Zulassung wird am Ende formell von der EU-Kommission erteilt. Die Abstimmung fand in einem EU-Ausschuss statt. Wenn es in dem Ausschuss zu keiner Einigung gekommen wäre, hätte die EU-Kommission sich nicht auf eine Abstimmung berufen können und hätte die Entscheidung selber fällen müssen. Es war der EU-Kommission natürlich lieber, dass der Ausschuss die Entscheidung fällt, um nicht den ganzen „shit storm“ abzubekommen.
    Die Ablehnung wird mit dem Vorsorgeprinzip begründet.
    Gehört nicht auch zum Vorsorgeprinzip, zu untersuchen, was bei einem Verbot passiert? Ob es dann nicht vielleicht sogar schlimmer wird?

  2. Anna Hartl sagt:

    Ja, Herr Schmidt hat dem vielleicht letzten zarten Pflaenzchen auch Vertrauen genannt, den Rest gegeben. Sein Alleingang war schon ungeheuerlich dreist. Die Art der Reaktion von Frau Merkel ist zwar nicht neu, aber in der augenblicklichen Situation einfach nur dumm. Sie steht mit dem Rücken zur Wand, obwohl sie auch das nicht sieht, bzw. nicht an sich herankommen lässt und denkt mit ihrer Antwort wäre alles erledigt.
    Ich hoffe nur sehr, dass die SPD, die Grünen und wir Bürger das so nicht hinnehmen.

  3. Werner Engelmann sagt:

    Nun sollen freilich weitreichende Entscheidungen nicht aus dem Affekt getroffen werden. Wut, auch wenn sie mehr als berechtigt ist, ist ein schlechter Berater. Doch sie kann helfen, einen Schlusspunkt zu setzen, der schon längst überfällig ist, und einen Neuanfang zu wagen.

    Die unverfrorene Aktion der CSU, die an Hinterhältigkeit nicht zu übertreffen ist, bedeutet, dass sie es als „sachgerecht“ (Schmidt) ansieht, Partnern nach Belieben die Pistole an die Brust zu setzen. In diesem Fall sowohl Frau Merkel wie der SPD.
    Nach überlieferten diplomatischen Gepflogenheiten ein Casus belli.
    In Bayern freilich (ich selbst da 10 Jahre gelebt), insbesondere in CSU-Kreisen ist solche „Hinterfötzigkeit“ ein Zeichen von Schlauheit, das „I bin I“, Überlegenheit demonstriert.
    Dies entspricht dem als selbstverständlich empfundenen „Anrecht“, von der Staatskanzlei aus das Geschehen in Berlin fernzusteuern. (Weshalb wohl strebt ein Söder, Intrigant ersten Ranges, eben dieses Amt an?) Im Selbstverständnis der CSU dahingehend verankert, der eigentliche Nabel der Welt zu sein.

    Die „Nordlichter“ – Angela Merkel zuvörderst – haben sich immer alle Extrawürste gefallen lassen: von Bayern-Ferienplan über „Bayernplan“, Mitreden in Elefantenrunden zu Wahlen, an denen sie gar nicht beteiligt war, „Obergrenzen“erpressung usw. bis zu diesem „Coup“.
    Diese letzte vergiftete Extrawurst ist freilich eine zuviel. Wer die schluckt, der hat sich selbst aufgegeben.

    Ich schließe mich daher der Auffassung im Leserbrief von Hans D. Baumann an:
    „Ein gemeinsames und abgestimmtes Koalitionsangebot (von SPD und Grünen) an die CDU unter ausdrücklichem Ausschluss der vertragsbrüchigen CSU“. Das hieße: „Kenia“ minus CSU.
    Nur ist die Beteiligung der Grünen rechnerisch nicht nötig.
    Von 709 Sitzen im Bundestag entfallen auf: Union: 246, SPD: 153
    Da die CSU-Mandate nicht getrennt aufgeführt werden, müssen diese getrennt ausgezählt werden. Das wären 40. Verbleiben also 359 von 709 Mandate für eine CDU-SPD-Regierung. Das reicht.
    Natürlich würde die CSU schäumen. Die Bevölkerung würde aber nach meinem Eindruck einem solchen Vorgehen Verständnis entgegen bringen als einer angemessenen Reaktion. Und die SPD könnte nur gewinnen als Zeichen, dass sie beim Fußball sehr wohl mitreden kann. Aber nicht in der Form, als Pausenclown und Tretmaxe zu dienen.
    Der Ball läge wieder bei Merkel.

  4. Carl Westerwick sagt:

    Nach dem angeblichen Alleingang des Bundeslandwirtschaftsministers bezüglich des weiteren Glyphosateinsatzes und angesichts des Gezerres und Taktierens um eine Regierungsbildung hätte ich folgenden Lösungsvorschlag: Die Ministerien werden künftig nicht mehr von Parteikadern sondern von kompetenten Vertretern großer Konzerne geführt. Das Landwirtschaftsministerium z.B. von Bayer/Monsanto, das Verteidigungsministerium von Krauss-Maffei bzw. Heckler und Koch, das Umweltressort von Volkswagen, das Verkehrsministerium von Daimler, das Gesundheitsministerium von Sanofi-Aventis. Auch für alle übrigen Ressorts werden sich interessierte Konzerne finden, die gerne diesbezüglich Verantwortung übernehmen und die bereit sind die Bürger der Republik in eine glänzende Zukunft zu führen.

  5. r. schemionek sagt:

    müssen wir damit rechnen, dass unserem geschäftsführenden landwirtschaftsminister schmidt demnächst von bayer-monsanto (glyphosat) ein beratervertrag angeboten wird?

  6. Peter Boettel sagt:

    @ Carl Westerwick:

    Vermutlich werden die Ministerien heute schon von den von Ihnen genannten Konzernen geführt; aber um den Schein zu wahren, werden die entsprechenden Politiker als Statisten an die Spitze dieser Ministerien gesetzt.

    Je nachdem, wie sie dann die Interessen ihrer Hinterleute vertreten, erhalten sie nach dem Ausscheiden eine entsprechend dotierte Stelle im Unternehmen.

    Die ersten Kandidaten sind Monsantoschmidt, Flintenuschi und Mautbrindt.

    Bereits bei den Jamaika-Verhandlungen saßen schon Lobbyisten mit am Verhandlungstisch.

  7. @W. Engelmann
    Die CSU hat 46 Sitze (alle bayrischen Wahlkreise), die CDU 200 und die SPD 153.
    CDU + SPD reicht also nicht für eine Mehrheit.

  8. Robert Maxeiner sagt:

    Es reicht! Diese Partei schadet Deutschland. Die CSU betreibt reine Lobbypolitik für Bayern, genauer gesagt, was sie dafür hält. Dieser spezielle Kontrakt einer gemeinsamen Fraktion mit der CDU erweist sich zunehmend als undemokratisch. Die CSU soll zukünftig auf Bundesebene antreten oder in Bayern bleiben. Und Herr Schmidt findet bestimmt eine gut dotierte Anstellung bei Monsanto. Die haben genug Geld, und für die setzt er sich ja auch ein, da muss er den Steuerzahlern nicht mehr auf der Tasche liegen. Womöglich läßt sich Bayern ja von einem Freistaat in einen Konzern verwandeln, da kann man sich das Geld für teure Landtagswahlen sparen.

  9. Es ist alles noch perfider als P. Boettel, C. Westerwick, R. Maxeiner und r. schemionek sich vorstellen können. Hinter dem Glyphosat-Verbot stecken Monsanto / Bayer. Das Patent für Glyphosat ist in den meisten Ländern schon abgelaufen. Es wird bereits in großen Mengen in China produziert. Mit Glyphosat ist bald kein Geld mehr zu verdienen. Wenn Glyphosat verboten ist, müssen die Bauern auf andere, patent-geschützte Präparate von Bayer zurückgreifen, mit denen noch gut Geld verdient werden kann. Das gefällt natürlich den Bauern nicht. Minister Schmidt bekommt also keinen Job bei Bayer, sondern bei der Landwirtschaftskammer.

  10. Jürgen Beudt sagt:

    Da sitzt man hier auf Jamaika, schaut sich die Politik in Deutschland mal aus der Ferne an.
    Und dann ein offensichtlich außer Rand und Band geratener Minister der wohl eher seine Zukunft in der Industrie vorbereitet.
    Dann wird auf Jamaika über Korruption geredet.

  11. Wenn Herr Flessner schreibt , dass Glyphosat bereits überall zu haben ist sitzt Monsanto immer noch am längeren Hebel , sind sie es doch , die entsprechendes Saatgut liefern können , denn mit normalem Saatgut kommt man bei Glyphosat nicht weit . Das wäre auch eine Erklärung für die Tatsache , dass Bayer unbedingt Monsanto kaufen will . Müsste Schmidt also doch zu Bayer/Monsanto gehen .

  12. hans sagt:

    Ich bin gespannt wie sich das Wirken von Herr Schmidt bei Wahlumfragen auswirkt. In einem so großen Bundesland wie Bayern muss es doch ein paar Menschen geben bei denen man nicht sagen muss Herr lasse Hirn regnen.

  13. @Jürgen H. Winter
    Das glyphosat-resistente Saatgut kann man in Deutschland gar nicht kaufen (verboten wegen Gentechnik). Monsanto hat in Bayern auch kein Wahlrecht in Gegensatz zu den Bauern. Also wohl doch Landwirtschaftkammer oder Bauernverband.

  14. I. Werner sagt:

    Nun möchte ich aber doch wissen, wie Glyphosat sich auf nicht von Monsantos geliefertes Saatgut auswirkt. Wenn man in Deutschland glyphosat-resistentes Saatgut gar nicht verwenden darf, weil es genmanipuliert ist, wieso vernichtet dieses Mittel dennoch auch hier nur das nicht erwünschte Kraut und nicht den Wuchs der erwünschten Pflanzen? Ich frage hier ganz naiv und unwissend und hätte gerne darauf eine fundierte Antwort der Wissenden.

    Wir haben seit einiger Zeit ein kleines Haus an der Oder umgeben von einem Grundstück, das völlig überwuchert war mit wildem Kraut jeder Art. Den Ratschlag von Ortsansässigen , alles mit einem Unkrautvernichtungsmittel zu beseitigen. haben wir nicht befolgt. Aber für ein sehr schnell wucherndes Bäumchen, das sich zwischen den Steinplatten direkt am Haus hinauf hangeln wollte und damit die Platten heben und auch an die Fundamente des Hauses wollte (absägen half nicht, es wuchs wieder empor), habe ich Roundup hineingeträufelt. Sehr erfolgreich. Aber es hindert nicht den Löwenzahn, dort aus den Spalten zu blühen. Wie also wirkt Glyphosat?

  15. Peter Boettel sagt:

    Auf jeden Fall beklagen sich inzwischen US-Farmer, dass das Unkraut schon gegen Glyphosat resistent ist und sich „Super-Unkraut“ gebildet hat. Aber diese Meldung scheint noch nicht bis nach Bayern oder auch Böhmenkirch (Herkunft des CDU-MdB Färber, der sich ebenfalls für Glyphosat stark gemacht hat) vorgedrungen zu sein.

  16. JaM sagt:

    @ I. Werner
    Ohne Fachmann zu sein, kann ich Ihnen folgende Hinweise geben: Glyphosat ist laut Wikipedia ein „Breitband- bzw. Totalherbizid“ welches über jegliche grüne Pflanzenteile aufgenommen wird. Es wirke „nicht-selektiv gegen Pflanzen, dies bedeutet, dass alle damit behandelten Pflanzen absterben“ (Ausnahme: entsprechend gentechnisch veränderte Pflanzen). „Da Glyphosat über alle grünen Pflanzenteile einschließlich der Blätter aufgenommen wird, wird es im konventionellen Pflanzenbau eingesetzt, bevor die eigentliche Feldfrucht gesät wird. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch oft schon viele der Unkräuter aufgegangen, d. h. sie haben grüne Pflanzenteile, die von der Glyphosatanwendung getroffen werden können. Üblich ist auch eine Sprühanwendung unmittelbar nach der Saat. Schnell und oberflächlich keimende Unkräuter werden dadurch getroffen, während die tiefer eingesäten Kulturpflanzen verschont bleiben.“

    Roundup wird vom Hersteller ausdrücklich auch zur Bekämpfung von Löwenzahn empfohlen (siehe https://www.roundup-garten.de/unkraut/lowenzahn-bekampfen). Warum es bei Ihnen nicht gewirkt hat, weiß ich nicht. Vielleicht haben Sie vorher die Blätter herausgerissen, sodass das Mittel von der Pflanze nicht ausreichend absorbiert wurde?

  17. @I. Werner
    Die Pflanzen nehmen Glyphosat über die grünen Pflanzenteile auf. Von dort wandert es zu den Wurzeln und jungen Trieben. Es blockiert den Stoffwechselprozess und die Pflanze stirbt ab.
    Glyphosat wird in der Regel in Deutschland genutzt, um die Äcker vor der Aussaat der Nutzpflanzen von Unkraut freizumachen.
    Auf die grünenden Nutzpflanzen darf man natürlich kein Glyphosat mehr spritzen.

  18. I. Werner sagt:

    @JaM /Henning Flessner
    Vielen Dank für die Auskunft, ich hab´s jetzt verstanden. Gegen Löwenzahn habe ich nichts, den lasse ich gewähren. Es ist doch schön, wenn im Frühling die Wiese voller gelber Blüten ist und ich bin beruhigt, dass das Pflanzengift offenbar keine Langzeitwirkung hat.
    Aufgefallen ist mir in diesem verregnetem Sommer, dass es deutlich weniger Hummeln und Bienen gab, auch die Wespen waren nicht sonderlich aktiv, aber dafür gab es um so mehr Stechmücken.

    Zurück zum Thema: das Abstimmungsverhalten von Herrn Schmidt in Brüssel war aus meiner Sicht ganz offensichtlich ein Affront gegen die Umweltministerin der SPD. Ich hoffe sehr, dass bei einer Regierungsbildung, egal wie sie zustande kommen wird, kein Schmidt, kein Dobrindt und kein Hermann einen Ministerposten in der Bundesregierung bekommt.

  19. „Am Tag vor der Glyphosat-Entscheidung hatte ein SPD-Vertreter mit seiner Stimme den Weg dafür geöffnet, dass die Europäische Bankenaufsicht von London nach Paris zieht und nicht nach Frankfurt. Aus dem Kanzleramt hatte es die klare Weisung gegeben, ebendies nicht zu tun. Die Glyphosat-Entscheidung der EU könnte also eine Revanche in einem politischen Ränkespiel rund um die Neuformierung der deutschen Bundesregierung sein.“ (Quelle: Zeitung für kommunale Wirtschaft)

  20. Bronski sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich bitte um einen Link, um diese Quelle zu verifizieren. Wenn Sie keinen Link haben, schicken Sie mir bitte einen Scan von Ihrer Quelle.

  21. Bronski sagt:

    Bei der Abstimmung hat der Europastaatsminister Michael Roth (SPD) für Deutschland votiert. Die Entscheidung für Paris als Sitz der Bankenaufsicht fiel bei Stimmenpatt durch Losentscheid.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-11/eu-behoerde-bankenaufsicht-paris-frankfurt

  22. @Bronski
    In der entscheidenden Abstimmung stand Frankfurt gar nicht mehr zur Wahl.
    Es ging darum, dass Michael Roth für Dublin stimmen sollte und nicht für Paris. Wie er gestimmt hat, weiss man nicht, weil die Abstimmung geheim war und er sich nicht äussern will. Es deutet aber einiges daraufhin, dass er nicht für Dublin gestimmt hat. (behauptet der Spiegel)
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/eba-bankenaufsicht-suche-nach-der-deutschen-stimme-a-1180202.html

  23. Bronski sagt:

    Dann weiß Ihre „Zeitschrift für kommunale Wirtschaft“ offenbar mehr als der Spiegel, denn die Nachricht dort ist als Tatsachenbehauptung formuliert: „Am Tag vor der Glyphosat-Entscheidung hatte ein SPD-Vertreter mit seiner Stimme …“ Vor denen bleibt offenbar keine Abstimmung geheim.

  24. @Bronski
    bitte um Korrektur: „Dann weiß Ihre „Zeitschrift für kommunale Wirtschaft““ sollte heißen „Die von Ihnen zitierte „Zeitschrift für kommunale Wirtschaft““. Ich habe keine Anteile an der Zeitschrift und mache mir die Tatsachenbehauptungen dieser Zeitschrift nicht zu eigen. Ich habe das Zitat nur zur Diskussion stellen wollen.
    Ich muss aber zugeben, dass ich die Darstellung der ZfK und des Spiegels für einleuchtender halte, als einige hier geäusserten Verschwörungstheorien.

  25. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Die ZfK scheint mir den hier geäußerten Verschwörungstheorien eine weitere hinzuzufügen.

  26. @Brigitte Ernst
    Ich habe einen Leserbrief an die ZfK geschrieben und um Belege gebeten.
    Für das Revancefoul spricht, dass die SPD nach kurzer, pflichtgemässer Empörung das Thema schnell wieder hat fallenlassen.
    Die 13 Stimmen für Paris lassen sich nicht nur schwer anders erklären.
    Michael Roth weigert sich, sich zu seinem Abstimmungsverhalten äussern.
    Die „Börse am Sonntag“ schreibt, dass an in der CDU empört gewesen sei. (http://www.boerse-am-sonntag.de/aktien/aktie-der-woche/artikel/europaeische-bankenaufsicht-weg-warum-stimmte-der-spd-mann-roth-fuer-paris-8975.html)
    Einen Schwachpunkt hat diese Theorie natürlich auch: Monsanto fehlt.

  27. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Das Ganze klingt ein bisschen nach Klatschzeitung. Ich halte es für wahrscheinlicher, dass Schmidt schlicht die Wählerstimmen der Bauern für die CDU/CSU sichern wollte – und vielleicht irgendwann ein Pöstchen für sich.

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