Eine Insektenoase in der Innenstadtwüste (13)

Was tun für Insekten? FR-Blogger Bronski baut seinen Garten um und berichtet darüber hier im FR-Blog. Kräuter, heimische Blühpflanzen, Totholz – man braucht nicht viel Platz. Heute Teil 13 der Serie: Da blüht jetzt was

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Es geht voran. Mein Garten kommt jetzt in die Puschen (Puschen? Dazu ein paar Anmerkungen hier). Und zugleich tauchen mehr Insekten auf, die vorher hier nicht zu sehen waren. Hummeln, Fliegen, Käfer – es summt und brummt. Dass unser Garten als Innenstadtoase tatsächlich Station für Tiere ist, wurde uns dieser Tage bewusst, als wir Fernsehen wollten. Draußen, jenseits der offenen Terrassentür, machten die Spatzen einen solchen Lärm, dass wir die Lautstärke hochdrehen mussten, um zu verstehen, was Michaela May und Edgar Selge da reden. Den Spatzen folgen die Meisen und die Gartenrotschwänze, und die Amseln haben sowieso schon ihr erstes Junges großgezogen. Ich hab’s nur nicht geschafft, den Jungvogel zu fotografieren. Nun, wie ich unsere Amseln kenne, schaffen die dasselbe Kunststück dieses Jahr noch zweimal. Ansonsten gilt:

Da blüht jetzt was

Hier gibt’s mal gleich was aufs Auge: Der erste der Fingerhüte hat zu blühen begonnen. Der Fingerhut ist seit Jahren in meinem Garten heimisch, er sät sich selbst aus und darf das normalerweise auch unwidersprochen. Aber in diesem Jahr hat mein Gestaltungswille den Jungpflanzen einen halbschattigen Platz zugewiesen. Immerhin ist der Fingerhut eine Waldpflanze. Ich habe also mehrere Fingerhüte aus allen Teilen des Gartens umgesetzt und zu einer Gruppe versammelt. Sonderbarerweise ist ausgerechnet jene Jungpflanze, die mir als am wenigsten entwickelt aufgefallen war, nun beim Blühen die erste. Als ob die anderen, älteren Pflanzen sich nicht so gut auf die neuen Bedingungen nach dem Umpflanzen haben einstellen können.

Auch die Glockenblumen beginnen jetzt mit den Öffnungszeiten für die Insekten. Da zeigt sich auch gleich, dass in unserer Luft noch sehr viel mehr unterwegs ist als nur Honigbienen. Ich weise auf das Tier hin, das sich hier mal kurz auf dem Blütenblatt ausruht. Ich wage keine Artbestimmung. Aber gleichzeitig ist am Blütengrund dieses hübschen Kelches noch ein anderes Insekt am Werk. Man sieht es besser, wenn man aufs Bild klickt und dann vergrößert (STRG und Mausrad). Es sind eben nicht nur die großen Summer und Brummer, die von den Blüten und Pflanzen in einem möglichst vielfältigen Garten profitieren. Viele kleinere schlüpfen unter unserem Aufmerksamkeitsradar durch. Es ist, als gäbe es sie nicht, aber sie sind sehr wohl da.

Um das noch mal zu betonen: Das sind keine Agentur- oder Profibilder, sondern Fotos die ich selbst im eigenen Garten gemacht habe. Ich bin allenfalls Amateurfotograf, aber mit ruhiger Hand, der richtigen Programmwahl und einem Gefühl für Licht und Perspektive gelingt manchmal das eine oder andere gute Bild mit meiner Olympus Pocketkamera, die mittlerweile mehr als zehn Jahre auf dem Buckel hat. Doch obwohl sie so alt ist, glaube ich, dass ich ihre Möglichkeiten noch gar nicht völlig ausgereizt habe.

Hier kommt gleich noch so ein wunderbares Bild, das mit dieser Kamera am 8. Juni 2021 entstanden ist:

Eine Hummel (ich wage wiederum keine Artbestimmung) senkt ihren Saugrüssel tief in die Blüte des Pracht-Storchschnabels* (siehe Update unten), die von innen/unten fast zu leuchten scheint. Die Hummeln sind ganz wild auf diese Blüten und lassen andere dafür links liegen.

Zum Schluss gibt’s noch was zum Staunen. Zu den Pflanzen, die mein Mann und ich im Zuge des Gartenumbaus umgesiedelt haben, zählt auch die Zwergiris, eine Schwertlilie. Für Insekten nicht weiter interessant, aber auf jeden Fall ein Hingucker – wenn man denn hinguckt. Es lohnt sich. Im Hintergrund die blau-violette Borretsch-Wolke, davor die Blüte der Iris, die sagenhaft kompliziert wirkt, gerade wenn man genau hinschaut. Was mag sich die Natur wohl gedacht haben, als sie diese Blüte konstruiert hat? (Vorausgesetzt, sie denkt. Die Natur.)

Weiter geht’s in einer Woche an dieser Stelle.

Naoned!

Ihr Bronski

 

Update 15. Juni

In einer früheren Version des Textes hatte ich geschrieben, dass es sich um Borretsch handle. Auf Ihre Einwände hin (siehe die Kommentare unten) habe ich das überprüft und korrigiert.

Teil 12 / Teil 14

Rechte an allen Bildern: Lutz „Bronski“ Büge
Startseite des Gartenprojekts

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Worldometer  +++ SafetyDetectives

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5 Kommentare

  1. John sagt:

    Das auf den Bild ist aber Storchschnabel (kein Borretsch)

  2. Irene Noske sagt:

    Hallo, die von Ihnen abgebildeten Blüten sind nicht vom Borretsch sondern vom Storchenschnabel.
    Viele Grüße
    Irene Noske

  3. Irene Noske sagt:

    Hallo, die Blüten sind vom Storchenschnabel nicht vom Borretsch.
    Viele Grüße
    Irene Noske

  4. Bettina Snowdon sagt:

    Lieber Bronski, sicher, dass das Borretsch ist? Ich keinesfalls, sieht mir eindeutig nach einer Malve aus.
    Die Blätter würde ich lieber nicht in meinen Salat tun.
    Gartengruß
    Bettina Snowdon

  5. Bronski sagt:

    Hallo zusammen,
    vielen Dank für Ihr Feedback und die Korrekturhinweise. Sie haben natürlich recht. Ich habe mich vertan. Vermutlich weil mir neulich noch eine Freundin ein Bild von solchen Blüten aus ihrem Garten sandte und dazu schrieb, dass auch der Borretsch jetzt blühe. Daraufhin habe ich die Art nicht mehr überprüft.
    Nun, macht ja nichts. In den Texten hier im FR-Blog ist der Fehler inzwischen korrigiert (natürlich mit Transparenzhinweis), und für das Print-Forum werde ich natürlich am Dienstag ein „Sorry“ schreiben. Dabei geht mir allerdings der Gedanke im Kopf herum, ob ich nicht künftig öfter mal Fehler in meinen Texten platzieren sollte, die Sie dann finden können. Denn so ärgerlich der Fehler auch ist – andererseits ist es schön zu erfahren, dass meine Texte tatsächlich gelesen werden.