Eine Oase in der Innenstadtwüste (2)

Was tun für Insekten? FR-Blogger Bronski baut seinen Garten um und berichtet darüber hier im FR-Blog. Kräuter, heimische Blühpflanzen, Totholz – man braucht nicht viel Platz. Heute Teil 2 der Serie: Von Muskelkater und dem Geruch von Erde.

Balken 4Als ich noch klein war, fand ich Gartenarbeit doof. Meine Eltern hatten 1972 in der Nähe von Eutin/Ostholstein ein Einfamilienhaus gebaut (schönen Gruß an Herrn Hofreiter!), zu dem ein Garten gehörte. War schon toll mit den frischen Erdbeeren und Himbeeren und Möhren und Radieschen. Ach nein, die Radieschen mochte ich nicht. Die waren mir zu scharf. Radieschen wie diese habe ich niemals wieder irgendwo gegessen. Mein Vater wandte einen alten Gärtnertrick an: Er grub Pferdemist unter. Das machte nicht nur die Radieschen scharf, sondern auch die Zwiebeln und den Lauch. Aber solche Gärtnertricks haben einen Haken: Sie machen Arbeit. Ich für mein Teil war jedenfalls mehr daran interessiert, Abenteuergeschichten zu lesen und zu schreiben.

Daran hat sich eigentlich wenig geändert. Ich finde Gartenarbeit immer noch doof. Einerseits. Andererseits sagt mir heute niemand mehr, wie Beete angelegt zu sein haben und wie man eine Schnur spannt, um dann in die Furche darunter Sämereien fallen zu lassen, die anschließend in Reih und Glied keimen, man könnte auch sagen: schnurgerade. Ordnung ist das halbe Leben? Nicht in unserer Brummsummoase für Insekten und Kleinvögel. Da wird Gartenarbeit zur kreativen Angelegenheit. Trotzdem kommt man leider um ein paar grundlegende Dinge nicht herum.

Von Muskelkater und dem Geruch von Erde

Dinge wie Umgraben. Als Mensch, der vorwiegend sitzend arbeitet, erfährst Du dadurch schnell, dass Du Muskeln an Stellen hast, wo Du dies nie erwartet hättest. Ja, der Mensch hat etwa 650 verschiedene Muskeln, und manche von denen können richtig sauer werden, wenn man plötzlich Aktivitäten von ihnen verlangt, die sie nicht gewohnt sind. Trotzdem war diese Arbeit nötig, denn in diesem Garten ist zuletzt vor zehn Jahren umgegraben worden. Entsprechend verdichtet war der Boden – einer der Gründe für das viele Moos im Garten. Künftig, das habe ich mir fest vorgenommen, werden die oberen Erdschichten zwischen den Pflanzen regelmäßig aufgelockert. Dafür gibt es etwa den Vertikutierer. Es geht aber auch mit einer Hacke, wobei auch gleich Kraut, das man an dieser oder jener Stelle nicht haben möchte, entfernt werden kann.

StrubeWährend man so am Umgraben ist, macht man natürlich Pläne. Was kommt hierhin, was dorthin? Wie bereits berichtet: Dies und das habe ich schon eingekauft. Und dann kam auch noch Post: FR-Leserin Christina Strube aus Frankfurt schickte mir auf meine Kolumne vom 13.3. im FR-Forum zwei kleine Päckchen mit Samen vom Acker- bzw. Feldrittersporn und Wunderblume (Mirabilis).

Liebe Frau Strube, vielen Dank! Wilder Rittersporn ist eine ideale Nährpflanze für Insekten und bekommt auf jeden Fall einen Platz in unserer Brummersummeroase mitten in der Innenstadtwüste Offenbach. Das Foto, das Frau Strube beigelegt hat, zeigt gut, dass diese Pflanze in lichten Gruppen blüht, und zwar den ganzen Sommer über von Mai bis August, wenn der Boden, in dem sie wurzelt, nicht zu fett ist. Der wilde Rittersporn wird etwa einen Meter hoch und ist damit eher was für den Hintergrund in der geplanten Insektenweide. Ich könnte mir vorstellen, Kornblume und Ringelblume davor zu setzen, vom Betrachter auf der Terrasse aus gesehen. Dazwischen könnte auch noch was Rotes und Gelbes

Dank auch an FR-Leserin Waltraud Söhnel, die mir die Säckelblume (Ceanothus) als Insektenweide ans Herz gelegt hat. Liebe Frau Söhnel, ich habe ein Exemplar bestellt. Erstmal nur eines, denn dieser Kleinbusch kann ja wohl recht raumgreifend werden. Und wenn es etwas in meinem Garten nicht zu Genüge gibt, dann ist es Platz. Aber wenn die Säckelblume sich gut einfügt, kommt vielleicht noch eine zweite dazu. Das ist ja das Schöne an so einem Garten, wenn einem keiner was befiehlt: Das Ganze ist ein Lernprozess. Man probiert dies, man probiert das, wechselt auch mal was aus und versucht was anderes.

Es gibt noch etwas anderes in diesem Garten, an dem Mangel herrscht: Nistmöglichkeiten für Kleinvögel. In den vergangenen Jahren wurde bei uns zwar fleißig gebrütet, und es war immer ein herrlicher Anblick, wenn die gerade flügge werdenden Amseljungen bettelnd den Elternvögeln hinterhersprangen. Noch hübscher waren die drei Gartenrotschwänze, die 2020 in unserem Garten großgezogen wurden. Aber da ist noch Luft nach oben. Insbesondere was Meisen betrifft, vor allem Blaumeisen. Unter denen grassierte 2020 in Deutschland eine tödliche Krankheit, eine vom Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöste Lungenentzündung (hier zu einem Bericht vom NABU). Offenkundig ist der Bestand dieses hübschen Kleinvogels dadurch deutlich dezimiert worden.

Also haben mein Mann und zwei Nistkästen aufgehängt, speziell für Kleinvögel wie Blaumeisen. Mal sehen, ob wir sie damit locken können. Natürlich müssen auch noch weitere Rahmenbedingungen stimmen. Denn unser Garten soll nicht nur insekten-, sondern auch kleinvogelfreundlich sein. Der abgebildete Nistkasten hängt in einem Feuerdorn zwei Meter über dem Totholzstapel, der soeben langsam zu wachsen beginnt. Dicht verästelte und stachlige Büsche wie Feuerdorn – man nennt sie „sparrig“ – sind ideal für Kleinvögel. Darum auch wird die Pflanzung eines Schwarzdorns (Schlehe) anvisiert. Dieser Strauch blüht nicht nur schön und ist im Frühjahr eine Insektenweide, sondern er trägt im Herbst Früchte, die von Vögeln sehr geschätzt werden.

Das wär’s für heute. Bis nächsten Samstag! Bronski sagt wie immer:

Naoned!

Teil 1 / Teil 3

Rechte an allen Bildern: Lutz „Bronski“ Büge

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