Mehr Rücksicht im Verkehr wäre ein guter erster Schritt

Der Verkehr der Zukunft wird hoffentlich ganz anders aussehen als das, was wir heute täglich auf Frankfurter Straßen besichtigen können. Es wird deutlich weniger Motoren geben, die ihre Energie aus der Verbrennung fossiler Stoffe beziehen, und deutlich mehr Elektromotoren. In Sachen Luftreinhaltung sind das gute Nachrichten, doch andere drängende Probleme wie zum Beispiel der Parkraummangel und die Staus werden davon nicht gelöst. Doch ein Vehikel könnte – auch in seiner e-mobilen Variante – durchaus helfen, die Probleme der Zukunft zu lösen, obwohl es schon fast aus der Antike der Industriegesellschaft stammt: das Fahrrad. Leider räumt die Verkehrspolitik konventionellen Zuschnitts, der auch die Stadt Frankfurt immer noch überwiegend folgt, dem Fahrrad keinen Vorrang ein. Im Gegenteil: Viele Radwege in Frankfurt sind in einem Zustand, der sie eigentlich unbefahrbar macht, schmal, kleinteilig, unsicher, von der Oberflächenbeschaffenheit gar nicht erst zu sprechen. Außerdem werden sie zugeparkt, Mülltonnen stehen darauf herum, anliefernde Lkws benutzen sie zum Kurzzeitparken. Kein Wunder, dass die Radler auf die Gehwege ausweichen (müssen). Kein Wunder, dass es Zoff mit Fußgängern gibt. Doch im Grunde geben die Radler den Druck, den sie auf der Straße erleben, oft nur einfach an die noch wehrloseren (auch wenn man „wehrlos“ eigentlich nicht steigern kann) Fußgänger weiter. Ursache für das alles ist der Vorrang fürs Auto.

Frankfurt soll zur Fahrradstadt werden. Die Leute vom „Radentscheid Frankfurt“ haben alles in Gang gesetzt, um ein Bürgerbegehren anzustrengen. Um ihre sieben Forderungen zu erfüllen – unter anderem breitere Radwege, Fahrradtrassen, weitere Abstellplätze, sichere Kreuzungen – müsse die Stadt Frankfurt 13 Millionen Euro im Jahr aufbringen, haben sie ausgerechnet. Das Geld sei im Haushalt aus dem Bereich „Straßenunterhalt und -bau“, der rund 227 Millionen Euro pro Jahr umfasst, zu entnehmen, schreibt FR-Autor Florian Leclerc in seinem Artikel „Erfolg für Radentscheid Frankfurt„, und er kommentiert:

„Für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, für den Erhalt des Straßennetzes gibt die Stadt jedes Jahr zu Recht Millionen aus. Auch für den Radverkehr sollte es endlich einen festgelegten Jahres-Etat geben. Derzeit wird der Ausbau des Radverkehrs nur ‚mitgemacht‘. Weder das Verkehrsdezernat noch das Straßenbauamt können sagen, wie viel jedes Jahr dafür ausgegeben wird. … Die Politik kann Frankfurt zu einer richtigen Fahrradstadt machen. Die Unterstützung aus der Bevölkerung hat sie.“

Davon bin auch ich überzeugt, denn so kann es nicht weitergehen. Es reicht nicht, die Radfahrer auf enge Straßen abseits der Hauptverkehrsadern verlagern zu wollen, wo sie auch gegen die Einbahnstraße fahren dürfen. Das macht den Konflikt mit den Autofahrern nur noch mehr zu Auge-in-Auge-Situationen, bei denen Radler zwangsläufig den Kürzeren ziehen. Wir brauchen einen grundlegenden Wandel: Einem Auto, das nur eine Person transportiert, müssen die Straßen- und Städteplaner endlich denselben Rang zuerkennen wie einem Fahrrad, das nur eine Person transportiert. Also den gleichen Rang. Das heißt, dass der Platz für die Radler den Straßen abgezwackt werden muss, nicht den Gehwegen. Und da, wo es nicht anders geht, brauchen wir eine Kultur des Respekts. Damit können die Straßenplaner gleich anfangen, indem sie dem Fahrrad als hochwertigem, modernem und zugleich umweltfreundlichem Fahrzeug denselben Rang einräumen wie dem Auto.

Das größte Umdenken muss jedoch bei den Autofahrern einsetzen. Es gibt immer wieder Situationen, in denen sie ihr Gefährt wie eine Waffe einsetzen und sich mit dem Recht des Stärkeren durchsetzen, obwohl sie im Unrecht sind. Der Anteil von Radfahrern am Frankfurter Stadtverkehr könnte viel größer sein, wenn für mehr Sicherheit gesorgt wäre. Auch in den Köpfen mancher Autofahrer muss dafür noch eine Menge getan werden.

Balken 4Leserbriefe

Joanna Jost aus Frankfurt meint:

„Natürlich ist es absolut wünschenswert und auch notwendig, dass eine Stadt wie Frankfurt endlich für Radfahrer sicher und gut nutzbar ist. Seit Jahren finde ich hierzu Artikel in der FR, die Entwicklung zur fahrradfreundlichen Stadt geht nur sehr langsam voran.
Überaus schlimm finde ich jedoch das rücksichtslose Verhalten aller Verkehrsteilnehmer ‚gegeneinander‘. Die Situation wäre auch ohne Maßnahmen sofort entspannter. So, wie sich alle Verkehrsteilnehmer zurzeit verhalten kann man sich als RadfahrerIn auch auf Radfahrerstreifen und -wegen nicht sicher fühlen. Überholen z.B. haarscharf am Radfahrer vorbei bringt Autofahrern nur wenige Minuten oder sogar nur Sekunden. Die Geduld aufzubringen, erst dann zu überholen, wenn es sicher ist, ist für viele Autofahrer offenbar zu viel verlangt.
RadfahrerInnen untereinander sind ebenfalls oft äußerst unfreundlich. Fahren auf Fahrradwegen oder -streifen entgegen der Fahrtrichtung; Überholen langsamerer RadfahrerInnen auf engstem Raum; kein Blick für Kinder oder unsichere FahrerInnen und rüdester Ton oder beleidigende Kommentare, wenn sie darauf angesprochen werden. Selten schafft es mal jemand, sich zu entschuldigen. Der/die Stärkere gegen die vermeintlich Schwächeren, z. B. RadfahrerInnen gegen FußgängerInnen – rüdes Verhalten überall.
Ich wünsche mir von der FR bei der Berichterstattung zur Fahrradpolitik häufiger auch Appelle zur gegenseitigen Rücksichtnahme. Vielleicht werden eines Tages meine Spaziergänge mit Hund entlang Nidda oder Main wieder entspannter und ich muss nicht mehr ständig mindestens 100 m vor und hinter mir im Blick behalten.“

Wilfried Panzer aus Frankfurt:

„Beim Besuch der Ausstellung ‚Fahr Rad!‘ im Deutschen Architekturmuseum ist mir als erstes aufgefallen, dass bei den meisten Radinfrastruktur-Projekten in den vorgestellten Städten die Radspuren in Rot/Orange bzw. in Hellgrün gestrichen sind. Sehr auffallend, sofort ins Auge springend. Und wer mal in einer von diesen Städten war, kann sicher bestätigen, dass es nicht nur auf Luftbildern wie in der Ausstellung sondern auch den Verkehrsteilnehmern auf der Straße auffällt. Die eingefärbten Flächen sind Radfahrerland, da hat sonst niemand etwas zu suchen.
Warum gibt es das bei uns in Frankfurt nicht? Zumindest nicht flächendeckend in der ganzen Stadt. Die vielen, zum Teil recht positiven neuen Radbereiche sind in der Regel nur mit dem Radsymbol, das in Abständen auf die Fahrbahn gemalt ist, gekennzeichnet. Das ist schon mal besser als nichts, insbesondere in den Einbahnstrassen für Radgegenverkehr aber nicht besonders auffallend.
Sind es Kostengründe, die gegen eine auffällige Bemalung oder Einfärbung der Radspuren spricht? Oder andere Argumente? Ich persönlich würde micht freuen, wenn Frankfurt die Sicherheit der Radfahrer durch auffällige Radspuren, die in jedem Fall auch von nicht Ortskundigen aus dem Auto wahrgenommen werden, steigert. Sogar Fussgänger sollten es merken, dass etwas nicht stimmt, wenn sie auf einer grünen oder orangefarbenen Spur spazieren gehen.“

Bodo Giertz aus Köln:

„Ich glaube nicht, dass das Konzept einer Fahrradstadt für irgendeine Großstadt zielführend ist. Was wir brauchen, sind ganzheitliche Konzepte. Nicht für jeden ist das Fahrrad eine Alternative bzw. das Fahrrad ist nur eine Alternative.
Sie fordern breitere, sicherere Fahrradwege. Die lassen sich meistens nur auf Kosten einer schmaleren Straße verwirklichen. Wenn ich dann mit einem Elektroroller diese Wege und Spuren auch benutzen darf, bin ich dafür. Wenn ist das aber nicht darf, sondern die STVO mich genauso einordnet wie eine Limousine mit Verbrennungsmotor und ich an der Blechlawine hinten anstellen soll, bin ich entschieden dagegen.
Auch in Ihrem Kommentar lese ich dagegen wieder einmal nur etwas von Autos und Fahrrädern. Es gibt auch auch noch andere Individual-Verkehrsmittel! Motorisierte Zweiräder (vorzugsweise mit E-Antrieb) wären für viele Autofahrer eher eine Alternative als ein Velo. Aber wenn diese Fahrzeugkategorie in der aktuellen Diskussion und Planung ignoriert wird, blockiert man diesen Weg.“

Otto Gebhardt aus Frankfurt:

„Es ist äußerst erfreulich, dass das Votum aus dem Bürgerbegehren „Radentscheid Frankfurt“ breite Zustimmung bei einigen der Fraktionen im Römer findet. Einige der Bedenken aus SPD und CDU lassen sich durchaus ausräumen. Die SPD bezweifelt, ob in der Innenstadt bis zu 2,30 Meter breite Fahrradtrassen möglich sind. Zunächst, es sollen keine Trassen sondern Radwege sein. Und, soweit ich das einschätze, sind die Straßen doch sicherlich breiter als 2,30 Meter.
Für die CDU ist der Radverkehr „Teil eines urbanen Verkehrssystems“ und beim Ausbau der Radverkehrs wolle sie Rücksicht auf den fließenden Straßenverkehr, den Wirtschaftsverkehr sowie den Nahverkehr nehmen. Dann ist der Radverkehr die wirklich sinnvollste Mobilitätsform: Er fließt zumeist mehr wie der (oft) stehende Autoverkehr, Wirtschaftsverkehr lässt sich in immer mehr Wirtschaftsbereichen z. B. mit einem Lastenrad bewerkstelligen und der Nahverkehr (Bus, Tram, Taxi) bekommt mehr Raum wenn weniger Autos auf der Straße sind. Ein Auto, zumeist mit einer Person besetzt, nimmt deutlich mehr Raum in Anspruch als ein mit einer Person besetztes Fahrrad!“

Anna Hartl aus Frankfurt:

„Jede Straße ohne Fahrradweg in Frankfurt ist grundsätzlich lebensgefährlich für Radfahrer. Ich bewege mich seit 30 Jahren fast täglich mit dem Rad in dieser Stadt und fühle mich auch täglich mehr und mehr gefährdet.
Es vergeht kein Tag an dem ich nicht „fast touchiert“ werde. Gestern Morgen überholt mich der erste mit einem Abstand von ca. 30 cm, der nachfolgende Autofahrer kam noch näher und hat mich fast gestreift. Was bitte wird in der Fahrschule gelehrt?
Die Krönung war aber eine Autofahrerin die mich auf dem Radweg fahrend zur Vollbremsung zwang, indem sie vor mir auf den Radweg fuhr und anhielt. Ein dümmliches Lächeln und Entschuldigung war die Antwort auf meine Frage, was das soll. Nur, sie blieb stehen und das machte mich vollends fassungslos. Alle Radler die nach mir kamen, mussten auf die Straße ausweichen. Da ist doch wirklich die Frage gestattet: werden Führerscheine verlost? Wäre es angebracht, vor dem Gewinnen eines Führerscheins noch einen Intelligenztest einzufordern?
Ich frage mich jeden Tag, ob jeder Idiot das Recht auf Autofahren erhält. Angeblich ist sowohl das Überholen ohne Sicherheitsabstand als auch das Parken auf dem Radweg eine Straftat. Soll ich eine Strichliste führen und wohin bringt mich das? Nicht eines dieser täglichen Vergehen wird geahndet. Ob auch nur ein Autofahrer meine Gesten die ich ihm nachsende wenn es mich Mal wieder fast erwischt hat versteht? Gibt es überhaupt ein Bewusstsein dafür, wie nahe Autofahrer kommen? Eine “ falsche“ Bewegung von mir und ich werde angefahren. Geht’s noch?
Vom Parken auf dem Radweg ganz zu schweigen. Die Bockenheimer ist ein Paradebeispiel dafür. Letzte Woche standen gleich drei parkende Autos hintereinander auf dem Radweg. Was ist das? Blödheit? Dreistigkeit? Kein Bewusstsein davon wie gefährdet ein Radfahrer ist, wenn er immer wieder durch parkende Autos dazu gezwungen wird, auf die Straße auszuweichen! Nach dem Motto, alles Recht liegt auf Seiten der Umweltverschmutzer!?“

Brigitte Ernst aus Frankfurt:

„Zu Beginn seines Kommentars zeigt Florian Leclerc, dass er wenig Ahnung von der Straßenverkehrsordnung hat. Die Frage, wer seinen achtjährigen Sohn auf der Friedberger Landstraße radeln lasse, erübrigt sich nämlich, weil besagter Sohn ohnehin bis zur Vollendung des zehnten Lebensjahres mit seinem Rad den Bürgersteig benutzen darf.
Unbestreitbar hat der Kommentator recht damit, dass die Zahl der Radfahrer in Frankfurt wächst und dass die Infrastruktur dafür nicht ausreicht, Aber das als Ausrede dafür zu nehmen, dass so viele Menschen verkehrswidrig auf den Gehwegen radeln, ist eine Verzerrung der Wirklichkeit.
Wer den Fahrradverkehr genau beobachtet, stellt vielmehr fest, dass Radler überall, auch in Bereichen, in denen gute, breite Radwege vorhanden sind, z.B. an der Bockenheimer Warte, trotzdem die Gehwege benutzen, weil sie auf dem Radweg vielleicht mal einen etwas weiteren Bogen fahren müssten, von einem Umweg ganz zu schweigen.
Radfahrer fahren überall, und das z.T. in rücksichtsloser Geschwindigkeit, auf Gehwegen, Bahnsteigen, durch die engsten Durchgänge und auf den schmalsten Parkwegen, einfach, weil sie es können, weil ihr Gefährt schmal und wendig ist und sie sich damit überall hindurchdrängen können. Und weil es nur die Wenigsten von ihnen über sich bringen, auch mal anzuhalten, abzusteigen, wenn es eng wird und sie die Sicherheit von Fußgängern gefährden.
Und das ist für mich das Traurige. Viele Radfahrer, die doch am eigenen Leib die Erfahrung machen, wie es sich anfühlt, wenn PKW und Lastwagen mit hoher Geschwindigkeit viel zu dicht an ihnen vorbeifahren, gehen selbst genauso rücksichtslos mit Fußgängern, den schwächsten Verkehrsteilnehmern, um. In Zentimeterabstand wird an den Passanten vorbeigebrettert, die es im Idealfall schaffen, durch einen Sprung zur Seite dem Zusammenstoß mit einer harten Lenkstange zu entgehen. Oft genug leider auch nicht.
Ich verfolge den Hype um die Fahrradstadt Frankfurt mit sehr gemischten Gefühlen. Eine Ausweitung des Fahrradwegnetzes befürworte ich, aber bitte auf Kosten des motorisierten Verkehrs und nicht ständig, indem der sichere Bewegungsraum von Fußgängern eingeschränkt wird.
Fahrradstadt Frankfurt, schön und gut. Aber bitte nicht, wenn sie gleichbedeutend ist mit einer Fußgängerhölle Frankfurt.“

8 Kommentare

  1. Ralf Rath sagt:

    Meine wöchentlichen Einkäufe erledigte ich meist am Freitagnachmittag zu Fuß mit einem Trolley, in dem ich die Sachen anschließend verstauen kann. Die von Frau Ernst in ihrem Leserbrief geschilderten Erfahrungen kann ich dabei nur bestätigen. Ganze Familien nutzen mit ihren Fahrrädern inzwischen den Gehweg; wobei nicht selten die halbwüchsigen Söhne debil grinsend hinter ihren sich bedankenden Vätern, die laut klingelnd den Weg frei machen, herfahren. Zwar wohne ich nur in einer ländlich geprägten Kleinstadt und nicht in einer Metropole wie Frankfurt am Main. Die Verhältnisse unterscheiden sich aber offenkundig nicht mehr und gleichen sich zunehmend an.

  2. Anna Hartl sagt:

    Ja, andere Radler die mit einem „Affenzahn“ an mir vorbeiheizen kenne ich auch. Häufiger jedoch sind die Fußgänger auf dem Radweg anzutreffen. Alles was Räder hat, Trolleys, Koffer, Kinderwagen lassen sich auf einer glatten Oberfläche „verständlicherweise“ besser schieben oder ziehen. Kleine Kinder auf Laufrädern, Mal mit, vorzugsweise aber gegen die Fahrtrichtung. Logischerweise auch die Damen, die auf Grund ihres Schuhwerkes auf dem Fussgängerweg nicht laufen können. Ja ganze Gruppen tummeln sich da mit schönster Selbstverständlichkeit. Kann ja Mal vorkommen. Unflaetige Beschimpfungen wenn ich es wage zu klingeln kommen auch immer wieder vor.
    Ich sehe es ein, jeder hat eine gute Begründung, weshalb er als Nichtradler auf dem Radweg unterwegs ist! Wie kann ich nur klingeln!?
    Der Kleine schläft besser, wenn es nicht so rüttelt. Der andere Kleine will nun Mal da fahren, wo die Großen fahren, auch entgegen der Fahrtrichtung. Ein Verständnis dafür, wie gefährdet dadurch alle sind, wenn es zu einer Kollision kommt, Fehlanzeige.
    Fakt ist, dass weder Autofahrer noch Fussgänger den Radweg als solchen akzeptieren.
    Vielleicht schreien die Fahrradfahrer nicht laut genug rum? Und die Fussgänger geben sich als Unschuldsengel?
    Fein, so wird das was mit dem Miteinander.
    Am Besten wird sein, wir überlassen den Umweltverschmutzern das Feld. Alle Radler fahren künftig Auto! Da es für sie keinen Platz gibt. Auf der Straße hochgradig gefährdet, auf dem Radweg beschimpft. Toll, macht riesigen Spaß! Mich kotzt es jedenfalls an, täglich auch noch das Recht auf dem Radweg erkämpfen zu müssen und auf der Straße Freiwild zu sein.

  3. Brigitte Ernst sagt:

    @ Anna Hartl

    Tja, so ärgern wir uns ständig über die anderen, während wie selbst unfehlbar sind.

    Um die Radwege frei von Fußgängern zu halten, müsste man sie besser (signalrot) markieren, denn der Unterschied zwischen blassrosa und grauem Verbundprlaster ist oft schwer auszumachen.
    Überhaupt müssten Rad-, Fußwege und Fahrbahn viel besser voneinander getrennt werden, dann kämen sich deren Nutzer nicht so leicht ins Gehege.

    Was mich verwundert: Wo gibt es in Frankfurt Radwege mit einem glatteren Untergrund, als ihn der Fußweg daneben hat? Wenn es diese rumpeligen Fußwege gibt, wird es Zeit, ihnen einen glatteren Boden zu verpassen, auf dem Trolleys, Kinderwagen und Kleinkinder genauso gut fahren können wie auf dem Radweg. Und ganz nebenbei: Fußgängern wird laut Staßenverkehrsordnung offiziell zugemutet, sich Ihre Fußwege mit Radlern bis 10 Jahre zu teilen. Aber Radler wollen unbehelligt von radelnden Kindern freie Fahrt haben?

    Kennen Sie die Adalbertstraße in Bockenheim? Haben Sie schon einmal gemessen, wie viel Platz da für Fußgänger neben dem Radweg und dem Mobiliar der zahlreichen Straßencafés bleibt?
    An der Ecke in Richtung Straßenbahn, wo sich die Kneipe Doctor Flotte befindet, wird der Fußweg so schmal, dass kaum eine Einzelperdon daraufpasst.

    Jetzt mal ein kleiner Selbsttest für Sie persönlich: Fahren Sie nie mit dem Rad auf Fußwegen? Über Zebrastreifen, die nur für Fußgänger vorgesehen sind? Halten Sie immer für Fußgänger an roten Ampeln und Zebrastreifen? Fahren Sie immer in gemäßigtem Tempo und mit genügend Abstand von Passanten durch Fußgängerzonen und auf sonstigen gemeinsam genutzten Wegen? Fahren Sie auf dem Radweg nie in die falsche Richtung?
    Wenn Sie sich selber immer regelkonform verhalten, haben Sie auch das Recht, sich über andere, die das nicht tun, zu beschweren.

  4. Anna Hartl sagt:

    @Brigitte Ernst
    Hallo Frau Ernst
    Rolle Ihren Beitrag von hinten auf. Wenn sich nur die zu einem Thema äußern würden, die perfekt in ihrem Handeln und Denken sind, hätten wir mehr Stille auf der Welt.
    Ich für meinen Teil bemühe mich sehr Rücksicht zu nehmen. Ja, auf dem Fußweg bin ich auch schon gefahren, wenn in einer Einbahnstraße, die ich in der gegenläufigen Richtung fahren darf, durch Autofahrer verstopft ist oder diese mit erhöhtem Tempo in einer engen Straße mich zum ausweichen zwingen. Ich halte sowohl für Fußgänger als auch die Vorfahrt missachtende Autofahrer und nein, in der falschen Fahrtrichtung auf dem Radweg bin ich nicht unterwegs, da ich genau weiß, wie eng das wird.
    Und gilt Ihr erster Satz auch für Sie?
    Ja, wir brauchen dringend eine farbliche Kennzeichnung für die Radwege. Diese sind zwar mit „aufgemahlten“ Rädern gekennzeichnet, doch die Abstände sind zu groß.
    Glatte Radwege gibt es rund ums Colosseum und in der Sonnemannstrasse. Die Fußgängerwege sind neu gemacht und durch die Steine leicht uneben, aber es ist kein Kopfsteinpflaster. Also für alle anderen Gefährte wie Trolleys und Kinderwagen geeignet.
    Nur geht’s darum gar nicht. Es ist schlicht und einfach die Akzeptanz des Radweges die oft nicht stattfindet. Keiner würde auf die Idee kommen, dies auf der Straße zu tun! Auf dem Radweg kann man es wohl machen!?
    Kleine Kinder auf Laufrädern ob gegen oder mit der Fahrtrichtung haben auf dem Radweg nichts verloren, da sie dort hochgradig gefährdet sind.
    Ich kenne zwar die Adalbertstraße in Bockenheim, habe aber kein Bild vom Fussweg. Bin zur Zeit in Kalbach unterwegs, da sind die Fußgängerwege so schmal, dass nicht mal 2 Fussgänger aneinander vorbeikommen und immer einer auf die Straße ausweichen muss. Ja, ich kenne auch die Fußgängerseite, frage Sie aber, weshalb Sie sich über die Radfahrer auf dem Fußweg aufregen, für die Fussgänger auf dem Radweg aber Erklärungen haben?

  5. Brigitte Ernst sagt:

    @ Anna Hartl

    Sie haben für die Übertretung der Verkehrsordnung durch Radfahrer (sie selbt eingeschlossen) ja auch Erklärungen und regen sich über die Fußgänger auf. Die meisten Leute sehen Probleme aus der eigenen Perspektive.

    Auch ich bin nicht unfehlbar, aber ich achte peinlichst darauf, nicht auf einem Radweg zu gehen, (es sei denn, ich muss ihn überqueren, und dann schaue ich dreimal nach rechts und links, auch wenn für den Radweg rot gilt).
    Das tue ich, weil ich akzeptiere, dass Radfahrer ein Recht auf ihre eigenen Wege haben, vor allem aber, weil ich nicht lebensmüde bin. Je älter ich werde, umso größer wird meine Angst vor Radfahrern. Denn ich empfinde meinen Körper als zunehmend verletzlicher und weniger wendig, deshalb habe ich Angst, nicht schnell genug ausweichen zu können.

    Als Autofahrerin parke ich NIE auf einem Radweg und achte sehr aufmerksam auf Radler, zumal ich ja ständig damit rechnen muss, dass sie unvermittelt etwas Dummes und Gefährliches tun (eine rote Ampel überfahren, mir die Vorfahrt nehmen, unvermittelt auf die Straße wechseln etc.). Meinen Schulterblick beim Abbiegen führe ich zwei-,dreimal aus, weil ich mir der Gefahr des toten Winkels bewusst bin. Und beim Überholen eines Radlers achte ich genau auf genügend Abstand.
    Der einzige Unfall, den ich in 42jähriger Fahrpraxis verschuldet habe, war ein unaufmerksamer Fahrspurwechsel, der zu leichtem Blechschaden bei beiden involvierten Autos führte. Ansonsten habe ich ungefähr 5 Knöllchen wegen Falschparkens auf dem Kerbholz (drei davon wegen abgelaufener Parkuhr). Und einmal habe ich eine Strafe wegen einer Geschwindigkeitsübertretung bekommen, weil ich eine Geschwindigkeitsbegrenzung um ca. 9 km/h überschritten habe. Ich bin also nicht unbedingt ein Verkehrsrowdy.

  6. Anna Hartl sagt:

    @Brigitte Ernst
    Mich beschleicht der Verdacht, dass Sie auf dem Ross unterwegs sind.
    Wenn ich sage, dass ich mich sehr bemühe, dann meine ich das auch. Bin in einer Seitenstraße auf den Fussgängerweg ausgewichen, als ich sah, dass dort niemand unterwegs war und wenn, steige ich vom Rad. Weder bedränge ich Fussgänger noch bringe ich sie in Gefahr. Ich bremse sogar für Käfer! Deshalb nehme ich mir die Freiheit zu sagen, was hier sowohl auf dem Radweg, als auch auf der Straße alles abgeht und Sie haben sehr wohl in Abrede gestellt, dass die „Kleinsten“ auf dem Radweg eine Gefahr für sich und andere darstellen. Es gibt ja einen Grund, weshalb diese auf dem Fussgängerweg fahren dürfen.
    Auf die Beschreibung Ihres Verhaltens im Strassenverkehr „Radler die etwas dummes und gefährliches tun“ kann ich nur erwidern, dass es mir mit den Autofahrern und Fussgängern ähnlich geht. Sie scheinen eine der wenigen Ausnahmen zu sein.
    Ich kann nachvollziehen, dass Sie sich von Radlern gefährdet fühlen, mir geht es mit Autofahrern genauso. Können Sie das akzeptieren?

  7. Brigitte Ernst sagt:

    @ Anna Hartl

    Sie meinten sicher, dass ich mich mit meiner Selbstdarstellung aufs hohe Ross setze. Sie mögen recht haben, aber ich hatte auch mal das Bedürfnis nach ein bisschen Selbstbeweihräucherung ;-). Mit Vegetariertum kann ich nicht dienen, ich erklimme keine Soundsovieltausender mit dem Fahrrad, laufe keinen Marathon und führe nicht einmal preisgekrönte Theaterstücke mit Flüchtlingen auf. Und mein angefangenes Buch liegt noch immer unfertig in der Schublade – oder schmort eher im Computer. Aber ich bin eine vorbildliche Verkehrsteilnehmerin, das muss doch mal gesagt werden! Das Einzige, was ich mir bisweilen zuschulden kommen lasse, sind ein paar leise durch die Zähne hervorzischte Flüche wenn mich ein Autofahrer oder Radfahrer gar zu sehr nervt

    Fußgänger kommen mir auf Fußwegen seltener ins Gehege, doch als Autofahrerin bin ich vor deren möglichem Fehlverhalten auf der Hut. Da fehlt aber das Gefühl der direkten körperlichen Bedrohung, weil ich im Ernstfall ja die Stärkere bin.

    Als Fußgängerin fühle ich mich von Autos weniger bedroht als von Radfahrern. Sie fahren seltener auf Fußwegen, in Parks oder auf Bahnsteigen und als Lieferwagen in Fußgängerzonen nur sehr langsam. Sie halten (fast immer) an roten Ampeln – wenn auch manchmal etwas spät – und an Fußgängerüberwegen. Ab und zu finde ich ihr Parkverhalten rücksichtslos, wenn sie Fußgänger auf die Straße zwingen oder auf Radwegen parken. Oder sie rasen mir zu schnell durch Dreißigerzonen. Aber sie kommen mir selten so bedrohlich nah wie Radfahrer, weil ich ja nicht auf der Fahrbahn spazieren gehe.

    Radler dagegen sind überall, fahren kreuz und quer und sind deshalb schwerer einzuschätzen.

    Was mich in diesem Thread wundert, liebe Frau Hartl, ist ihr ungewohnt aufgebrachter Ton, während Sie doch sonst eher durch eine moderate Ausdrucksweise auffallen.
    Ich habe Ihnen nicht unterstellt, zu diesen Kampfradlern zu gehören, vor denen ich mich so fürchte. Deswegen dürften Sie sich doch von Kritik an Radfahrern nicht persönlich angegriffen fühlen.
    Ich habe auch nicht bestritten, dass Radler vielen Gefahren ausgesetzt sind. Nur manchmal beschleicht mich der Verdacht, dass nicht wenige die ohnehin vorhandenen Gefahren für die eigene Sicherheit durch eigenes riskantes Verhalten noch erhöhen.

    Was die Kinder auf dem Gehweg anbetrifft: diese sind dort natürlich weniger gefährdet als auf dem Radweg, sie bedeuten, je älter sie sind, aber unter Umständen auch eine zusätzliche Gefahr für Fußgänger. Mein Mann hatte mal eine unangenehme Begegnung mit drei neun- bis elfjährigen Radlerinnen auf dem Gehweg, die bei der Staatsanwaltschaft landete und uns viel Geld gekostet hat, weil die drei sich zu einer Falschaussage verabredeten. Traumatische Geschichte!
    Aber Horrorstorys von den je nach Blickwinkel als „die Bösen“ angesehenen „anderen“ können wir alle erzählen.

    Eigentlich habe ich mir vorgenommen, das Verkehrsgeschehen nur noch mit milder Gelassenheit zu beobachten. Nicht ärgern, sondern stumm ausweichen und sich dünne machen, heißt die Devise. Immer gelingt das leider nicht, manchmal steigt dann doch der Blutdruck.

  8. Anna Hartl sagt:

    @Brigitte Ernst
    Ich glaube Ihnen ja, dass Sie eine vorbildliche Verkehrsteilnehmerin sind. Großes Lob, derartiges fährt mit nicht so häufig über den Weg.

    Ja, ich bin angefressen, da ich es kommen sehe, dass mein Fahrrad in nicht allzu ferner Zukunft, alleine im Keller stehen muss und ich liebe es Rad zu fahren. Meine Nachbarn müssen zwei Mal hinschauen, wenn ich ohne unterwegs bin, ob ich es wirklich bin.

    Leider kann ich nicht mehr die Ruhe bewahren, da es einfach zu häufig passiert, dass mir Autofahrer zu nahe kommen. Wenn es denn wenigstens langsam vonstatten gehen würde, wäre mir schon geholfen. Aber nein, vor mir an der roten Ampel zu sein, mal kurz aufs Gas, ist der neue Outdoor-Sport.
    Hat auch mit der veränderten Breite der Fahrzeuge zu tun oder bilde ich mir das ein? Vielleicht beherrscht auch nicht jeder seinen SUV, bzw. kann aus der erhöhten Position nicht so gut einschätzen, wie nahe er kommt? Ich weiß es nicht. Nur jeden Tag das gleiche Theater zerrt an meinen Nerven.

    Übrigens, netter Rundumschlag!
    Aber trösten Sie sich, keiner ist perfekt, doch das wissen Sie ja.
    Also, wunderbar, dass Sie eine großartige Verkehrsteilnehmerin sind😃.