Eine Gesellschaft ohne jegliche Empathie

Demokratie lebt von Debatte, Verständigung und Kompromiss. Das sollte eigentlich Konsens sein. Doch dieser Konsens scheint zu bröckeln. Nicht nur an den gesellschaftlichen Rändern, links wie rechts, zerren totalitäre Zentrifugalkräfte daran, sondern auch das, was gern diffus als „Mitte“ bezeichnet wird, fühlt sich von der Politik der Regierenden nicht mehr zufriedenstellend vertreten. Das zeigte sich beispielsweise an der Zusammensetzung der Berliner Demo der Corona-Skeptiker und -Kritiker. Hier soll daher nicht die Rede sein von der Aktion von Republikhassern, die mit Fahnen des Kaiserreichs die Stufen vor dem Reichstagsgebäude eroberten. Auch nicht – oder nur am Rande – von der Instinktlosigkeit und Geschichtsvergessenheit jener Menschen aus der „Mitte“, die kein Problem damit zu haben scheinen, gemeinsam mit den Rechtsextremen zu demonstrieren und sie so aufzuwerten. Hier soll vor allem die Rede sein, warum der demokratische Konsens bröckelt und wie man diese Zerfallserscheinungen vielleicht aufhalten kann: nämlich durch Dialog.

Wir alle haben das Wort
Screenshot aus der FR vom 17. September. Pdf eins und zwei

So machte FR-Leitartikler Stephan Hebel den Menschen im Land ein Angebot: Unter der Überschrift „Wir alle haben das Wort“ (online: „Sind Sie unzufrieden mit den Medien? Dann kommen Sie zum Dialog mit der FR„) lädt er zum Gespräch. Er wirbt in seinem Essay zunächst dafür, die Arbeit von Tageszeitungen realistisch zu betrachten: Es geschehen Fehler, und es gibt immer wieder Unzulänglichkeiten, die nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass Zeitungen von Menschen gemacht werden. Objektivität ist immer relativ. Zeitungen machen keineswegs immer alles richtig. Auch mir unterlaufen Fehler bei der Arbeit. Zugleich stehe ich mit meiner Arbeit dafür ein, dass Fehler, die in der FR passieren, öffentlich korrigiert werden („Sorry“). Journalisten haben – wie alle Menschen – Haltungen und Positionen und vertreten keineswegs den Anspruch, die Wahrheit abzubilden (was ist das überhaupt?), wohl aber über die Wirklichkeit zu berichten. Und dabei kann es passieren, dass sie diese Wirklichkeit anders zeigen, als andere Zeitgenossen sie wahrnehmen.

Der bisher gängige Weg, in solchen Fällen eine Verständigung zu erreichen, ist die Diskussion. Das wird allerdings immer schwieriger, zumal sich jene Zeitgenossen stetig zu vermehren scheinen, die nicht auf Verständigung aus sind, sondern aufs Rechtbehalten. Sie wollen nicht auf die Perspektive der Zeitungen oder Sender einsteigen, die sie als „Systemmedien“ verunglimpfen, sondern sie wollen, dass die Medien ihre Perspektive ändern und die Dinge so darstellen, wie diese Zeitgenossen sie sehen. Das eigene Weltbild ist „wahr“, und alle, die es anders sehen, sind Lügner und/oder Teil eines „unterdrückenden Komplotts der Mächtigen“, wie Hebel schreibt. Unterschiedliche Sichtweisen und Einschätzungen sind bei einer solchen Herangehensweise von vornherein unmöglich. Man ist im Besitz der alleinigen Wahrheit.

Es ist also so etwas wie eine neue Religiösität, die da um sich greift. Da ist viel Glauben im Spiel und wenig Wissen, viel Echo aus den Filterblasen und wenig Bereitschaft, aufeinander zuzugehen. Sind auf einer solchen Basis überhaupt ernsthafte Gespräche möglich? Müsste man sich nicht zuerst darüber verständigen, was überhaupt „wahr“ ist, um eine Basis für Gespräche zu schaffen? Der Hebel-Essay hat eine Reihe von Zuschriften ausgelöst, die mich skeptisch machen. Mehrere Autorinnen und Autoren behaupten darin zum Beispiel weiterhin steif und fest, die Corona-Demo in Berlin am 1. August hätte Hunderttausende Demonstranten gezählt, mehr als eine Million; die Polizei hat die Zahl jedoch auf 38.000 geschätzt. Offenbar besteht hier ein Bedürfnis dieser Autoren und Autorinnen, die Veranstaltung, auf der sie waren, künstlich zu vergrößern und damit auch ihre Bedeutung zu erhöhen.

Wie soll man mit solchen Menschen diskutieren, wenn schon über Basics keine Verständigung zu erzielen ist? Oder mit solchen Menschen, die nicht verstehen, dass Wissenschaft niemals mehr liefern kann als einen gegenwärtigen Kenntnisstand, keinesfalls aber eine unumstößlich und engültig wahre Wahrheit? Und dass die Maßnahmen, die auf dieser Grundlage von der Politik getroffen werden, möglicherweise ebenso unzulänglich sind wie jener vorübergehende Kenntnisstand selbst? Dass Politik in dieser Situation also dazu verdammt ist, Fehler zu machen, jedoch in der Hoffnung, trotzdem das Bestmögliche zu unternehmen, um größeren Schaden abzuwenden? Dass solche Politik also das Gute und Richtige will, obwohl sie auf dem Weg dahin vielleicht Fehler macht?

Dieses absolut Wahre und Richtige, das es nicht geben kann, das diese Zeitgenossen aber zu kennen glauben – es trägt totalitäre Züge. Und jene, die so etwas vertreten und die versuchen, ihre Standpunkte und Einschätzungen durchzudrücken, haben den demokratischen Konsens verlassen. So ist es also wohl doch irgendwie konsequent und passend, wenn solche Menschen gemeinsam mit den Rechtsextremen demonstrieren. Mit solchen Leuten diskutieren? Die Erfahrung zeigt, dass das kaum möglich ist. Stephan Hebel kommt zu einem anderen Ergebnis als ich, aber seinem Text ist eine gewisse Skepsis durchaus anzumerken. Wir treffen uns wieder, wenn er schreibt – und ich unterschreibe das -: „Ganz sicher sind Zeitungen nicht dazu da, der Verachtung von Rechtsstaat und Demokratie eine Plattform zu bieten.“

fr-debatte

Eine Gesellschaft ohne jegliche Empathie

Die Protest-Märsche gegen die Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie erschrecken mich zutiefst. Ich zweifle am Verstand von diesen Personen aus unserer Gesellschaft. Einer Gesellschaft, die es aber auf der anderen Seite allerdings ohne jeden Protest hinnimmt, dass eine extrem hohe Kinderarmut das Land überzieht, dass große Anteile der älteren Generation in Altersarmut lebt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung nur überlebt, weil es Tafeln gibt, dass die Infrastruktur einer reichen Nation, wie der unseren, zum Schämen ist, dass es nur einen begrenzt funktionierenden öffentlichen Nahverkehr gibt, dass dem Klimaschutz nur lächerlich geringe Aufmerksamkeit geschenkt wird, dass ihr Krankenversicherungs-System gescheitert ist, dass ihr Rentenversicherungs-System ein Skandal ist, dass Ihre Altenpfleger, ihre Krankenschwestern mit Hungerlöhnen abgespeist,, dass ihr Steuersystem eine Verhöhnung des redlich arbeitenden „kleinen Mannes“ ist dass den Konzernen, die die Umwelt mit Kohleverbrennung ruinieren, Milliarden an Entschädigungen zugeschustert wird, dass ihre Top-Fußballer zweistellige Millionengehälter beziehen, dass die Vorstände von staatlichen Unternehmen, von Monopolgesellschaften wie Bahn und Post, ebenfalls zweistellige Millionengehälter einsacken, die den Top-Moderatoren und –Entertainern der öffentlich rechtlichen Medien Millionenvergütungen überweist, die nicht vor Scham errötet, wenn eine einzelne Person (Frau Kladden) jährlich rund eine Milliarde Euro überwiesen bekommt (aus Erträgen, die zig-tausend Arbeiter erwirtschaftet haben). Eine Gesellschaft, die dafür aber zu tausenden auf die Straße geht um gegen die Eingriffe in ihre „persönliche Freiheit“ zu protestieren, weil sie in Zeiten einer Epidemie einen Mundschutz tragen muss, eine solche Gesellschaft ist schlicht und ergreifend ohne jeden Verstand, ohne jegliche Empathie.

Gert Gätke, Weilrod

fr-debatteSalzburger Festspiele ja – links-alternative Subkultur nein!

Nachdem ich kürzlich wieder eine Diskussionsrunde zum Corona-Thema im Fernsehen sah (mit den Experten Herrn Lauterbach und Herrn Schmidt-Chanasit) erhielt ich nicht nur neue Erkenntnisse, sondern wurde mir auch deutlich, dass Bundesregierung und Landesregierungen keineswegs einen so „guten Job machen“, wie häufig dargestellt wird. Neu war für mich zu erfahren, dass viele positiv Getestete gar nicht ansteckend sind, was mit der Art des in Deutschland gängigen Tests zu tun hat. Der ist nämlich sehr genau, sehr langsam und übrigens auch teuer. Die Genauigkeit führt dazu, so die Experten, dass winzigste Mengen vom Virus festgestellt werden, diese Viruslast aber für eine Ansteckung gar nicht reicht. Und durch die Langsamkeit entsteht das Problem, dass z.B. Menschen mit Krankheitssymptomen zwischenzeitlich gar nicht mehr ansteckend sind, wie man herausgefunden hat, und dementsprechend auch die Kontaktpersonen oft nicht mehr ansteckend sind, diese aber vorher schon möglicherweise andere angesteckt haben. Aber: es gibt mittlerweile Schnell-Tests, auch in Deutschland, die z. B. in Großbritannien mittlerweile verwendet werden, bei denen schon nach ca. 70 Minuten das Ergebnis vorliegt, die nur ca. 5 Euro kosten und einfach umzusetzen sind. Sie sind allerdings ungenauer, d h. kleine Virenlasten werden nicht immer erfasst, was aber letztlich nicht so wichtig ist – so weiterhin beide Experten, da ja bei geringer Virenlast ohnehin keine Ansteckung zu erwarten ist. Im Klartext: Schulen könnten sicherer sein, in Kultur und Sport wäre wieder viel mehr möglich mit Hilfe dieser Schnelltests und kluger Konzepte. Dass diese Möglichkeiten von der regierenden Politik bislang ignoriert werden, finde ich als Kulturschaffender sehr ärgerlich – ebenso, dass offenbar eine unzureichende Information der Öffentlichkeit in Bezug auf die Hintergründe der Infizierten-Zahlen erfolgt.
Eine andere Unzulänglichkeit sind die undifferenzierten Vorgaben der hessischen Landesregierung bei Veranstaltungen. Mir als freier Theaterautor und Regisseur wurde kürzlich mitgeteilt, dass bei Theateraufführungen nicht nur bei Gesang, sondern auch bei „exzessiven Sprechen“ (was immer das genau sein mag) ein Abstand von sechs Metern zum Publikum einzuhalten sei, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden. Nun gibt es mehrere wissenschaftliche Versuche, bei denen Wissenschaftler zu der Empfehlung kommen, dass drei MeterAbstand ausreichend sind (selbst bei Chören) – was offenbar dem hessisschen Sozialministerium nicht bekannt ist. Bei der Aerosol-Problematik spielt der Abstand sowieso keine entscheidende Rolle, die spielt in allererster Linie die Durchlüftung. Und so wird es bei dieser Regelung völlig außer Acht gelassen, dass z.B. der Theatersaal meiner geplanten Aufführungen eine moderne Lüftungsanlage hat, die für einen Luftaustausch sorgt und somit der Aerosolproblematik entgegenwirkt. Aber bei der Kultur gelten sowieso die strengsten Auflagen, so dass man den Eindruck haben kann, dass zumindest ein Teil der regierenden Politik klammheimlich froh darüber ist, den unliebsamen Teil der „Kultur von unten“ mit Corona-Hilfe „loszuwerden“ – nach dem Motto: Salzburger Festspiele ja – links-alternative Subkultur nein!
Aber nochmal zurück zu den Experten und der gerade diskutierten Schulöffnung: Labore verfügen, so der Experte Schmidt-Chanasit, zumeist über Luftfilter, deren Einbau ca. 500 Euro kostet. Wieso wird so etwas nicht in Klassenräumen eingebaut, deren Fenster nicht gut zu lüften sind, wenn doch bekannt ist, dass der wirksamste Schutz gegen die Aerosolproblematik frische Luft ist? Wieso werden nicht die oben beschriebenen Schnelltests eingeführt? Findet eigentlich keine ausreichende Kommunikation zwischen Wissenschaft und Regierungen statt, wieso werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse nicht oder viel zu langsam und undifferenziert in politische Maßnahmen umgesetzt? Die Auswirkungen der Maßnahmen sind gravierend – mangelnde schulische Bildung, katastrophale soziale Auswirkungen bezüglich alter Menschen und Kindern, Zerstörung von Teilen der Kultur, um nur einiges zu nennen – von wegen „die Regierung macht einen guten Job“…

Willi Schmidt, Ebsdorfergrund

fr-debatteMaske tragen und Irrsinn ablegen!

In all den Untergangsszenarien auf Grund der Coronapandemie, des Klimawandels, des zunehmenden Rassismus‘ und Rechtsextremismus‘ gibt es auch eine gute Nachricht. Am Horizont aller Ängste und Befürchtungen taucht ein Hoffnungsschimmer auf. Die Leugner und Verharmloser, die Verschwörungsmythologen, Ausländerfeinde, Nationalisten und Nazis haben aufgerufen zu Großdemonstrationen ohne Masken, ohne Sicherheitsabstand und mit den Slogans: Wir sind die 2. Welle; coronafrei-fremdherrschaftsfrei; geil, Deutschland wird wieder braun; ab fünfuhrfünfundvierzig wird zurück gespuckt;usw… 25000 Tausend Demonstranten werden kommendes Wochenende allein in Berlin erwartet. Von der AFD über die Identitären bis hin zur NPD, alle ohne Masken und ohne Sicherheitsabstand. Quasi die Reihen fest geschlossen, mit ruhig festem Schritt, Kam’raden, die das Schicksal hat getroffen, ziehn im Geiste mit. Geister zwar, aber furchtlos und mit offenem Visier. Die gute Nachricht also: Nach der Darwinschen Evolutionstheorie, nach der die Art den Überlebenskampf gewinnt, die sich am besten den Bedingungen der Umwelt anzupassen versteht, während die Lebewesen, die nicht anpassungsbereit sind, auf Dauer dem Untergang geweiht sind. Natürliche Auslese eben. Klingt hart, ist es auch. Das kann sich allerdings über Jahrtausende hinziehen. Nicht so aber in Zeiten von Covid-19. Da geht das sehr schnell, innerhalb weniger Tage, mindestens aber innerhalb einer Generation. Dass Corona auch seine guten Seiten hat, sagen ja nicht nur Umweltschützer.
Jetzt mal ohne Zynismus: Besser für alle, die da mitmarschieren: Maske tragen und Irrsinn ablegen, Abstand halten mindestens einmeterfünfzig, zu Nazis doppelt so viel und mehr!

Karl-Heinz Wagner, Hanau

fr-debatte

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13 Kommentare zu “Eine Gesellschaft ohne jegliche Empathie

  1. (…)

    Der Kommentar wurde in die offene Diskussion verschoben und findet sich jetzt hier.
    Bitte beachten Sie, dass die meisten Diskussionen hier im FR-Blog themengebunden sind. Kommentare, die sich nicht zu diesem Thema äußern – hier: Corona-Demos, Dialog, Diskussionsprozess in der Gesellschaft – müssen daher entfernt werden. Sie sind aber trotzdem willkommen – in den offenen Diskussionen, die Sie immer in der linken Blogspalte finden, beginnend mit Überschriften wie „FR-Leserforum vom …“
    Vielen Dank für Ihr Verständnis.
    Bronski

  2. Die zentrale Frage dieser Tage ist: Was läuft in Deutschland anders als in den Corona-Hochburgen England, Frankreich oder Spanien? Die Freiheitsliebe der Briten, darin sucht Boris Johnson die Ursache für die immens hohen Infektionszahlen in seinem Lande. In Frankreich vielleicht die Küsschen-Rituale, auf die kaum ein Franzose zu verzichten schafft. Oder etwa die gewohnten Familienfeiern in großem Stil so mancher Südländer, aber auch das dortige starre Festhalten an mikrobiologisch riskanten religiösen Ritualen? Ist man im Land der Dichter und Denker besser dran, dafür aber auf Kosten der individuellen Frei heit?
    Auch wir lieben unsere Freiheit. Aber es gibt noch eine andere Form der Freiheit, die gerade in diesen Zeiten lebenserhaltend wirkt, nämlich die Freiheit sich bewusst für etwas zu entscheiden. Für ein vernunftbestimmtes Handeln mit Mundschutz und Distanz, für einen Verzicht auf unkontrollierten Alkoholkonsum, Begrüßungsküsschen und große Feiern. Nur durch ein konsequent umsichtiges behutsames Miteinander-Umgehen können wir uns hoffentlich gerade unsere Freiheit bewahren, nämlich frei zu bleiben von diesem unberechenbaren Virus …

  3. (…)

    Kommentar an dieser Stelle gelöscht und in die offene Diskussion verschoben (neuer Ort: hier). „Eine Gesellschaft ohne jegliche Empathie“ ist eine themengebundene Diskussion.
    Vielen Dank für Ihre Verständnis.
    Bronski

  4. Europa – Meditation # 220 22-09-20

    Spieglein, Spieglein an der Wand…

    Wen sehen wir denn da, wenn wir jetzt wieder in den Spiegel schauen? Monatelang hatten wir den Spiegel verstört ob der Pandemie zugedeckt mit einem verdreckten Laken. Wer wollte sich denn da sehen – mit angstverzerrtem Gesicht, Zitterblick und Gliederzucken?
    Manch einer dachte in jenen Tagen und Wochen, die species habe sich auf ihre besseren Seiten besonnen: Man war sich einig, selbst alle Produktionsstätten der heiligen Kühe, sprich Automobile, lahm zu legen, Betriebe, Flughäfen, Kaufhäuser und und und. Wie in der Ölkrise: leere Autobahnen, leere Eisenbahnen, leere Schulen, leere Kitas, aber volle Intensivstationen in den Hospitälern. Ganz Europa eine einzige Solidargemeinschaft im Krieg gegen Corona.
    Zu Herzen gehende Klatschkonzerte auf den Balkonen in großen und kleinen Städten: Wir danken euch, ihr selbstlosen Helfer, was wären wir ohne euch!
    Ein lautes, kostenloses Danke Schön, das gleichzeitig an das Feiern davor erinnern sollte – was hatte man getanzt, gekifft, gezappelt, gejohlt nächtelang! Jetzt wenigstens auf dem Balkon krakelen!
    Sonst aber ging man in Sack und Asche, das Gesicht in Sorgenfalten und Angstgrimassen.
    Jetzt aber ist Schluss mit lahmen Grautönen und Heimarbeit! Wie konnte man sich nur so lange dazu verleiten lassen? Dafür soll es jetzt aber umso mehr wieder knallen, das lassen wir uns einfach nicht mehr nehmen, auf Teufel komm raus!
    Und wen sehen wir da im Spiegel?
    Den alten Bekannten, der nur um sich und seinen Spaß kreist, der keine Lust hat auf slow motion und so Zeug.
    So erscheint auch im Nachhinein die zeitweise Solidargemeinschaft in anderem Licht: Die Todesangst ließ die Menschen sich zusammen scharen, sich ducken, sich einsperren. Nicht das Mitleid war der Motor, sondern das Selbstmitleid, das sich keinen anderen Weg wusste, da heil durch zu kommen. Der Egoist im Büßerhemd?
    Und noch einmal lässt sich der hektische Feiermensch nicht in den lockdown treiben, das wäre doch gelacht! Der Tanz auf dem Virus-Vulkan hat nämlich ein ganz besonderes feeling: Angst-Lust bis zum Abwinken. Das lässt sich überhaupt nicht toppen, das ist reinste Lebensfreude auf des Messers Scheide. So ein Wahnsinns-Kitzel, wow!
    Und wen sehen wir also da im Spiegel?
    Die hässliche Fratze des Konsumterroristen, der so was zum Fundamentalisten in Sachen Rücksichtslosigkeit gedoped ist, dass auch dem letzten klar sein sollte: Da ist ein Sprung in der Platte des Egomanen. Der sogenannte Fortschritt der Menschheit entpuppt sich als total wertloser Eigennutz-Trip, der nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen mit ins Chaos zerren will, auf Teufel komm raus!

  5. 50 000 Schüler sind bislang in Quarantäne. Das nennt das RKI „einige Ausbrüche“! Will das RKI seine Glaubwürdigkeit noch mehr verspielen? Warum bauchpinselt das RKI die schlampige Verantwortungslosigkeit Tausender hochbezahlter Kultusministeriums-Bürokraten in ihrer Tatenlosigkeit, die Schulen vorzubereiten?

  6. Wer hat von unserer aktuellen „pandemiegeschädigten“ Politikerschaft überhaupt noch „irgendeine Tasse im Schrank“ stehen? Unser Leben wird nur noch von einem täglich veröffentlichten „Inzidenzwert“ bestimmt, der übrigens ganz willkürlich und sehr bewusst ziemlich weit unten (zwischen 35 und 50?) angesetzt worden ist. Die „Covid-19-bedingte Sterberate“ geht dagegen sehr stark gegen Null. Mit einem „positiven Bescheid“ in der Hand, da stirbt keiner mehr, und keiner landet damit gleich in der Intensivstation einer Klinik!
    Egal, wie lange dieser „politische Pandemie-Irrsinn“ so weitergehen wird: Land dürfte vorerst nicht n Sichtweite kommen! Wir werden uns wohl noch länger die Rest-Haare raufen müssen, könnten aber vielleicht doch noch eines Tages aus diesem „traumatischen Albtraum(a)“ wachgeküsst werden.

  7. Mir ist völlig unverständlich, weshalb während Coronazeiten Streiks der öffentlichen Verkehrsmittel möglich sind. Bei steigenden Infektionszahlen bundesweit nimmt man in Kauf, dass in überfüllten Bahnen die Infektionsgefahr deutlich steigt. Es gibt viele Beschränkungen, jedoch könnte man hier spezielle Streiks in der Pandemie verbieten!

  8. Es läuft
    was schief
    Die Corona-Pandemie hat Deutschland ja ganz gut gemeistert, auch dank dem überwiegend vorsichtigen Umgang der Mehrheit der Menschen. Knapp 300 000 Infizierte, rund 9500 Verstorbene. Aber etwas kann in unserem Gesundheitssystem nicht stimmen: Es gibt jährlich ungefähr 300 000 Fälle von Blutvergiftung, daran sterben – je nach Statistik – ungefähr 80 000 Menschen!!! das fast Zehnfache der Corona-Pandemie! Was läuft da schief in unserem hochentwickelten Gesundheitssystem?

  9. Corona-Gebühr im Café Siesmayer: In der Branche der Physiotherapeuten „spendieren“ die Krankenkassen einen Hygienezuschlag von sage und schreibe 1,50 für eine Behandlungsserie (meist 6x). Dies ist absolut nicht kostendeckend und verhöhnt uns, die eigentlich systemimmanent sind und nie geschlossen hatten. Realistisch sind Hygienekosten pro Behandlung von ca. 2,50 Euro!

  10. Meinen Dank an die FR und Frau Marinic für Worte, die man leider in der Presse sehr vermisst. Kritik an den Coronamaßnahmen der Regierung wird von der Presse willfährig in die Kategorie „Spinner“ und „Rechtsextreme“ eingeordnet. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass es bei der Kritik nicht nur um die Frage der Rechtsstaatlichkeit geht, sondern auch um die Angemessenheit.
    Frau Marinic verweist auf die Belastung von Frauen durch die Schließung von Schulen und Kindergärten, erwähnen möchte ich auch die Benachteiligung von Kindern aus bildungsfernen Schichten, auch die vielen beruflichen Existenzen, die vor dem Aus stehen. Man muss Herrn Spahn und anderen Verantwortlichen zugestehen, dass im März die Bedrohung Covid 19 noch nicht abgeschätzt werden konnte und Regierung und Verwaltung auf eine Pandemie nicht vorbereitet waren. Überreaktionen sind verständlich. In der Folge konnten die Regierungsparteien dann beobachten, wie die Zustimmungswerte in der Bevölkerung rasant anstiegen und sie sahen sich in ihrer Politik bestätigt. Diese Politik, die die Gefahr von Corona betont und damit auch die Rettungsmaßnahmen rechtfertigt, halten sie weiterhin hoch, obwohl die Lage sich fundamental verändert hat. Doch darüber spricht leider niemand.
    Statistikportale wie Euromomo zeigen seit Wochen fast in keinem europäischen Land eine Übersterblichkeit (also mehr Tote als der Durchschnitt der Jahre). Zudem gibt es keine Berichte mehr von überlasteten Intensivstationen. Warum? Weil inzwischen mehr medizinisches Wissen über die Erkrankung hat und Behandlungsmöglichkeiten existiert, wie z.B. Blutverdünner gegen Thrombosen oder Cortison gegen überschießende Immunreaktionen. Mit anderen Worten: Corona hat seine Gefährlichkeit verloren.
    Sicher gibt es immer noch Tote, doch die liegen weit unter den Zahlen der Verkehrstoten. Wird deshalb der Autoverkehr verboten? Es ist an der Zeit, die Maßnahmen gegen die Ausbreitung zu überprüfen, bevor durch die Einschränkungen noch viele Menschen in den Ruin getrieben werden.

  11. @ Albert Henkel

    Es ist nicht in Ordnung andere schwere Krankheiten mit der Corona-Pandemie zu vergleichen. Das endet immer in der Verharmlosungsmasche oder in die Attacke gegen die Politik und die angebliche Beschneidung von Freiheitsrechten.
    Da ich selbst Betroffener von einer schweren Sepsis gewesen bin und inzwischen weiß wie tödlich gefährlich diese Erkrankung ist, möchte ich nicht diese Aufrechnung gegenüber der Zahl der Corona-Infizierten und Todesfällen machen und sie auch nicht als Argumente gegen die aktuellen Pandemie-Maßnahmen gelten lassen!

    Das ist hochgradige Polemik und zeigt, dass man nur allzu gerne auf der Welle demokratiefeindlicher Umtriebe von Politik und Gesundheitswesen reitet. Anstatt froh zu sein, dass wir in Deutschland noch so glimpflich davon gekommen sind.
    Es ist bekannt, dass gerade bei der Sepsis noch vieles unerforscht ist und die Tödlichkeitsrate
    kein Argument sein kann, die schwer vergleichbaren Zahlen der Pandemie für einen Schlagabtausch zu wählen.

    Wenn sich heute soviele Systemkritiker in Zeiten von Corona zu Wort melden, dann darf man sich schon wundern, wo dieses Potenzial auf einmal herkommt, dass sich ansonsten sehr wohl in einem neoliberalen System gefühlt haben dürfte. Oder?

  12. @ „Es läuft was schief“ / Zuschrift von Albert Henkel, Wehrheim,
    sowie „Corona hat seine Gefährlichkeit verloren“ / Zuschrift von Dieter Jakob, Heidelberg, beide vom 1.10.20

    Es läuft was schief – nämlich in der ethischen Beurteilung von Infizierten und Toten sowie bei unangemessenen Vergleichen mit den Betroffenen anderer Erkrankungen.
    Die aktuell 300.000 Infizierten mit derzeit nicht feststellbaren Langzeitfolgen und bislang 9.500 Toten erwecken in dieser Risikobewertung den Eindruck, als wären sie so etwas wie ein natürlicher Ausschuss, quasi der Evolution geschuldet. Die Corona-Erkrankungen sind aber menschengemacht und wären zu einem großen Teil vermeidbar gewesen, nicht zuletzt in Alten- und Pflegeheimen. Doch unser Gesundheitssystem liegt im Wettbewerb mit wirtschaftlichen Interessensgruppen und wird zusätzlich von Ignoranten bedroht: Von der Luftverkehrswirtschaft über die Feierwütigen bis zu kommerziellen Heim- und Klinikbetreibern.

    Die Ursachen der erwähnten jährlich 300.000 Sepsis-Erkrankungen sind denen von Corona ähnlich. Viren spielen eine Rolle, daneben Bakterien, Pilze und Parasiten. Die zur Wahl stehenden Gegenmittel heißen rechtzeitige Diagnose (entspricht der unverzüglichen Testung bei Corona-Verdacht) und sofortige Therapie (die bei Corona noch weitgehend fehlt).
    Bei der Sepsis ist die Missachtung von Hygieneregeln in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eine offensichtliche Ursache, was wiederum auf eine Gemeinsamkeit mit Corona hindeutet.

    Es kann deswegen nicht darum gehen, die Kranken, Schwererkrankten und Toten zu vergleichen und eine Rankingliste zu erstellen. Vielmehr muss es um die grundsätzliche Vermeidung dieser Bedrohungen gehen.

    Im Übrigen zeugt ein Vergleich von Corona-Opfern mit den Toten im Straßenverkehr von einer eindimensionalen Betrachtungsweise. Verkehrsunfälle mit Körperverletzung unterliegen der Strafgerichtsbarkeit, sind also nominell verboten und werden geahndet. Unfälle mit Sachschäden müssen nach den Schadensersatzvorgaben des BGBs reguliert werden. Würden diese Verursacherregeln bei Corona angewandt, ließe sich die Pandemie möglicherweise erfolgreicher bekämpfen.

    Als nicht schlüssig erscheint mir angesichts einer Million Corona-Toter die Aussage, dass diese Krankheit ihre Gefährlichkeit verloren hätte.

  13. Pingback: Leserbriefe zu „Corona-Kritik schafft ‚seltsame Bettgenossen’”

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