Wie soll man mit der AfD umgehen?

Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg wird die Frage immer dringender: Wie sollen Demokraten mit der AfD umgehen? Deren Wahlerfolge versetzen die etablierte politische Klasse in Schockstarre, wie es scheint. Eine Partei, deren Protagonisten lügen, wenn es ihnen opportun erscheint, die gegen hilfesuchende Flüchtlinge agitiert und bei jeder sich bietenden Gelegenheit Menschen mit rassistischen Sprüchen aufhetzt, hat keinen Platz im demokratischen Prozess. Auch nicht dadurch, dass sie – vermeintlich – demokratisch gewählt wurde, denn diese Wählerstimmen hat sie ihren Lügen und ihrer Hetze zu verdanken. Im besten Fall profitiert sie von Protestwählern. Antworten und Lösungen hat sie nicht anzubieten, und ihre „Arbeit“ im Bundestag hat bereits deutlich gezeigt, dass sie das Parlament lediglich als Plattform für weitere Lügen und Hetze begreift und nicht als Ort, wo ein Wettstreit über Positionen und Ideen ausgetragen wird. Kritisiert man ihre Positionen als das, was sie sind, etwa rassistisch, wird man der politischen Korrektheit geziehen oder als Gutmensch beschimpft, der anderen den Mund verbieten will.

SteinmeierMit solchen Verrannten kann man nichr diskutieren. Umso mehr erstaunt, dass AfD-Protagonisten immer wieder in Talkshows oder Sommerinterviews im TV zu sehen sind und mehr noch: dass ihnen dort nicht anständig Kontra gegeben wird. Sie erhalten ein Forum, und es gelingt ihnen oft genug, sich als ehrenwert oder auch bürgerlich darzustellen. Doch diese Partei ist nicht bürgerlich, sondern in großen Teilen rechtsextrem. Das sieht auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier so. Er hat dem Spiegel ein Interview gegeben. Darin sagt er laut dpa, dass Bürgertum, Rechtsstaat und individuelle Freiheitsrechte zusammengehören. Nach diesem Verständnis diene der Staat dem Menschen, garantiere Menschen- und Bürgerrechte, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz und Freiheit von Diskriminierung. „Wer sich in dieser Tradition sieht, der kann nicht gleichzeitig einem ausgrenzenden, autoritären oder gar völkischen Denken huldigen. Das ist das Gegenteil von bürgerlich: Es ist antibürgerlich.“ FR-Kommentator Stephan Hebel pflichtet ihm bei: Die AfD befindet sich mehrheitlich jenseits der Grenzen des Bürgerlichen. Hebel schreibt:

„‚Bürgerlich‘ sind große Teile der AfD im Sinne des französischen Bourgeois, also des Besitzbürgers, den sie oft gegen soziale Reformansprüche verteidigen. Im Sinne des Citoyen aber, des verantwortlichen und die Freiheit der anderen achtenden Gesellschaftsbürgers, sind sie es nicht. Steinmeier hat recht.“

Wie also soll man mit solchen Leuten umgehen, die in unseren Parlamenten sitzen?

Balken 4

Der Mitmensch hat bei der AfD keinen Platz

In der Tat sind sowohl das ZDF als auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den im Grundgesetz verankerten rechtsstaatlichen Werten verpflichtet. Im Wertekanon unserer Verfassung hat die Hetze etwa gegen ausländische Mitmenschen ganz und gar keinen Platz. Die vom ZDF gezogene Konsequenz aus der Kritik an seinen Wahlsendungen ist jedoch zu kritisieren. Denn die AfD hat mit den Prinzipien unseres Grundgesetzes ganz und gar nichts zu tun, sondern polemisiert und betreibt Demagogie gegen Minderheiten. Die AfD hat einen rassistischen, antisemitischen und unsolidarischen Inhalt in ihren Äußerungen. Es liegt auf der Hand, dass die AfD gegen die Werte des Grundgesetzes wie das Verfassungsgebot, wonach die Bundesrepublik ein demokratischer und sozialer Bundesstaat ist, tagtäglich in übelster Weise verstößt. In der Tat, die AfD befindet sich im Sinne des französischen Bourgeois und will die Ellenbogengesellschaft in der Bundesrepublik noch verschärfen. Der geachtete Mitmensch im Sinne des Citoyen hat jedoch bei der AfD und ihren Funktionären keinen Platz. Und der liberale Rechtsstaat muss sich zur Wehr setzen, wenn er die ewig gleichen Phrasen der AfD und ihrer Mitläufer registriert. Wer also für eine unsoziale, ungerechte und unsolidarische Gesellschaft ist, ist bei der AfD richtig, jedoch Menschen, die mehr Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität wollen, müssen sich von der AfD angewidert abwenden. In diesem Zusammenhang muss man darauf hinweisen, dass es geradezu unerträglich ist, wie leider auch Teile des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens geradezu fahrlässig insbesondere bei ihren Talkshows mit der notwendigen Kritik an der AfD umgehen und ihrer Pflicht zur Kontrolle und Entlarvung der AfD als Nazipartei nicht nachkommen.

Manfred Kirsch, Neuwied

Kümmerer und Politiker, wacht endlich auf!

Wahlen in Sachsen und Brandenburg. Mit einem „blauen“ AfD-Auge davongekommen? Unsere Parteipolitiker sollten sich deutlich sichtbar kümmern. Lassen sie sich auch zwischen den Wahlen vor Ort sehen? Kümmern sie sich? Die FR vom 2. September 2019 gibt ein Beispiel: unsere Bahnhöfe; „Protz in Metropolen, Ruinen auf dem Land“. Hier regelt nichts der Markt. Marode Straßen, Infrastruktur, Schulen, Krankenhäuser: hier regelt nichts der Markt usw. Wo sind in diesen Fällen die Kümmerer? Noch gibt es Regionalzeitungen, wenigstens im Inneren mit Lokalseiten, Leserbriefen. Hier kann sich die Politik darüber informieren, wo der Schuh drückt, daraus Schlüsse ziehen, handeln und die Ergebnisse kommunizieren. Und wenn diese lokale Information versiegt, dann schwimmt die Mehrheit in ihrer jeweiligen Meinungsblase in den a-sozialen Netzwerken. Kein gegenseitiger Austausch, keine Diskussionen um eine Lösung. So kann Demokratie nicht funktionieren. – Kümmerer aufwachen!

Reinhard Schemionek, Wustrow

Bildungspolitisch verschuldetes Informationsdefizit

Es ist schon erstaunlich, dass in Deutschland an einem 1. September, dem Tag des Überfalls auf Polen, dem Beginn des mörderischen Zweiten Weltkrieges durch Deutschland, an dem auch noch öffentliche Gedenkfeiern stattfinden, ein solcher Wahlsieg in Deutschland erreicht wird. Ein solches Wahlergebnis für die AfD erinnert an die Wahlabende zu Beginn der 1930er Jahre, einer Zeit, in der sich das Ende der Weimarer Republik, der ersten deutschen Demokratie, anbahnte. Bei Politikern wie Herrn Gauland, der die Zeit des Holocaust zu „einem Vogelschiss in der Geschichte“ relativiert, Herrn Höcke, der das Holocaust-Denkmal zum „Denkmal der Schande“ degradiert, und Frau Weidel, die vor allem männliche Flüchtlinge pauschal regelrecht kriminalisiert, darf bei ihren Äußerungen in jüngster Vergangenheit erlaubt sein, wenn sich ein bitterer Beigeschmack einmischt. Alternative zu einer Unzufriedenheit, welche im Übrigen ein internationales Problem ist, kann nicht sein, einer national-reaktionären Politik den Weg zu bereiten. Ursache für ein solches Wahlverhalten ist auch ein bildungspolitisch verschuldetes Informationsdefizit. Viele Wähler sollten sich einmal erinnern, welche Folgen ein solches national-reaktionäres System, das von Gauland und Höcke relativiert wird, mit sich bringt. Ein solcher Staat bringt auch eine erhebliche Beeinträchtigung der demokratischen Grundrechte für die eigenen Bürger mit sich.

Georg Dovermann, Bonn

Es wäre deutlich mehr Gelassenheit wünschenswert

In Ihrem Beitrag zu den Wahlerfolgen der AfD formulierten Sie: „Nur schlecht gelaunte ‚alte weiße Männer‘ wählen die AfD? Das stimmt so nicht ganz“. Nein, das stimmt so überhaupt nicht: Auf den ersten Rängen landete die AfD bei den Jungwählern (gleichauf bzw. nur knapp hinter den Grünen). Der Schwerpunkt der AfD-Wählerschaft aus der Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen, vor allem mit gutem Einkommen, mit mittlerem Bildungsabschluss, überproportional viele Selbständige. Unter den Grünen-Wählern als deklarierte AfD-Antipoden sind überproportional Angestellte des Öffentlichen Dienstes und Beamte, viele mit höheren Einkommen vertreten, vor allem mit Abitur und Hochschulabschluss.
Die AfD punktet also bei den produktiven Bevölkerungsschichten, die Grünen im Verwaltungsapparat. Da ensteht der Eindruck: Die Produzierenden müssen einen Teil ihrer Arbeitskraft für die Alimentierung eines Verwaltungsapparates bereitstellen, der sie zunehmend mit Vorschriften gängelt und von ihnen eine Lebenseinstellung verlangt, die sie so nicht teilen. Dieser verständliche Widerwillen ist vor dem Hintergrund der DDR-Geschichte natürlich im Osten ausgeprägter.
Viele dieser Wähler werden schlichtweg nicht dem Lebensstil des liberalen Mainstreams folgen wollen. Wie möchten die administrativen Hohepriester ihre alleinseligmachenden Vorgaben gegen diese bemerkenswert großen Anteile der produktiven Bevölkerung und der „unteren“ Ebene der Exekutive durchsetzen? Was, wenn letztere sich im Stillen verweigern?
Ausgrenzung von AfD-Wählern in Blockwartmanier durch die Medien, das ständige Versichern liberaler Haltung durch Schauspieler, Musiker etc. in Talkshows (als hätten die fachlich mehr beizutragen als der benachbarte Kioskbetreiber) werden jedenfalls der AfD nicht schaden, eher im Gegenteil. Ebenso gehen psychologisierende Erklärungen mit Angsthaltungen völlig daneben, so könnte man auch Klimarettern begegnen (statt sich vor Waldsterben und Wetterextremen zu ängstigen sollte man die positiven Seiten sehen … bestes Schwimmbadwetter … Weinbau in Schweden … und ansonsten halt anpassen!).
Man kann sich nicht einerseits auf den Rechtsstaat berufen und andererseits Parteien, denen ein Widerspruch zu verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht nachgewiesen ist, mit staatlichen Mitteln bekämpfen oder ihre Wähler als außerhalb der Gesellschaft stehend diffamieren („Dunkeldeutschland“, „gehört nicht zu uns …“, „geht doch rüber …“ – das kannte ich früher aus ganz anderer Ecke). Damit man also nicht selbst die Spaltung der Gesellschaft hervorruft, die man der AfD vorwirft, wäre doch deutlich mehr Gelassenheit zu wünschen. Man wird auch mit ihnen leben.

Heinz Braun, Bad Homburg

21 Kommentare

  1. Ralf Rath sagt:

    Insofern Gewerkschaftsmitglieder überproportional oft AfD wählen, findet bereits heute eine Aushöhlung dessen statt, was gemeinhin als Tarifautonomie gilt. Kann die soziale Einheit aus Lohn und Leistung nicht mehr frei ermittelt werden, kommt das einem Stich ins Herz der hiesigen Volkswirtschaft gleich. Nicht allein die Demokratie als vielmehr die Ökonomie insgesamt sieht sich dadurch existenziell gefährdet. Vor allem der verfassungsrechtlich umfassend geschützte Spielraum unternehmerischer Initiative erfährt eine Verengung, die unzulässiger nicht sein könnte. Wie die anderen im Parlament vertretenen Parteien damit umgehen, ist demnach nicht die vorrangige Frage. Eher muss es darum gehen, Antworten darauf zu geben, dass der von der AfD dadurch angestrebte „Systemwechsel“ unmittelbar den politischen Bankrott der Bundesrepublik Deutschland nach sich zieht.

  2. Manfred Schmidt sagt:

    Nun gibt es hier den Thread, wie mit der AfD umzugehen sei. Verwundert bin ich dabei, dass es bis heute, 24.09. Nur einen Kommentar (von Herrn Rath) gibt, also 5 Tage nach Implementierung des Threads keine weiteren Stellungnahmen.
    Auch mich beunruhigen die Zahlen der Zustimmung zur AfD in der jüngeren Vergangenheit, besonders auch ausgedrückt bei den letzten Landtagswahlen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
    Ich wünschte mir weit weniger davon und frage mich aber auch, woher kommt dieser Zulauf.
    Im einleitenden Text gibt es u.a. einen Link auf einen Artikel in der FR, geschrieben von Daniel Dillmann. Hierin schreibt der Autor sinngemäß, die AfD-Frontfrau Alice Weidel würde lügen, wenn sie die Ausländerkriminalität in Deutschland immer wieder hervorhebe.
    Dies deshalb, da ja die deutsche Kriminalstatistik Jahr für Jahr einen Rückgang an kriminellen Vergehen ausweist. Der entsprechende Link wird mitgeliefert. Diese Feststellung ist richtig, aber nur ein Teil der zu beschreibenden Fakten. Ein wesentlicher Teil der Wahrheit ist nämlich, wie hoch der Anteil krimineller Taten ist, gemessen an der jeweiligen Anzahl der Ausländergruppe im Land.
    Und da gibt es signifikante Unterschiede, auch wenn man Vergehen gegen das Ausländergesetz herausrechnet, die Deutsche ja nicht begehen können.
    Auf der Website Tichys Einblick (ich höre schon den Aufschrei), gibt es eine detaillierte Statistik über dieses Thema, wonach im Durchschnitt die Kriminalität der in Deutschland lebenden ausländischen Menschen 3,5 x höher ist, als die der Deutschen im Lande,
    natürlich bemessen am Anteil der Bevölkerung. Die Statistik schlüsselt sogar nach einzelnen Ländern auf und lässt Nationen, deren Quotient an kriminellen Vergehen geringer ist als der der Deutschen, nicht aus. Die gibt es nämlich auch, diese Menschen kommen meist aus dem fernöstlichen Teil der Welt.
    Sollten die hier gelieferten Zahlen der Wahrheit entsprechen, dann nehmen das die Menschen im Land doch wahr und u.a. daraus bezieht die Zustimmung zur AfD ihre Nahrung. Stimmen diese Zahlen nicht, dann ist es die Pflicht der entsprechenden Behörden, zu liefern, um z.B. Tichys Zahlen zu widerlegen. Ich begebe mich mal auf die Suche nach solchen Zahlen.
    In einem weiteren Link in Daniel Dillmanns Artikel wird die Neigung der Deutschen zum Populismus mit rund 30% angegeben. Man kann dem meiner Meinung nach nicht widersprechen.
    Stellt man nun aber die beiden gelieferten Statistiken nebeneinander, bemisst ihre Aussagekraft und zieht daraus seine Erkenntnisse, ist es nicht verwunderlich, wenn viele das Gefühl haben, sie werden nicht umfänglich informiert….

    Und wie gehen „wir“ jetzt damit um?

  3. Manfred Schmidt sagt:

    Zu dem Beitrag von Heinz Braun ein paar Worte,die auch das Wählerpotenzial der AfD betreffen, das angeblich mehrheitlich von „schlecht gelaunten alten Männern“ gestellt wird, was er fundiert bestreitet. Seine Bemerkungen dazu sind zu überdenken, auch wenn er wohl bei seiner Stellungnahme zur Klimasituation vermutlich in den Satiremodus wechselte.
    Zu unserem Bekanntenkreis zählt ein Ehepaar, aus Bayern stammend. Er ehemals Arzt, sie u.a. künstlerisch tätig. Er 1998 unbedingt für die Abwahl Kohls, -er müsste durch Schröder ersetzt werden, wie geschehen-, sie CSU-orientiert. So war auch ihr Wahlverhalten damals, auch einige Jahre später noch.
    Seit einiger Zeit sind nun beide der Meinung, dass die Leitmedien in Deutschland einem meinungsmäßigen Mainstream Raum geben, der eine Menge von dem unterschlägt, was zu berichten jedoch wichtig wäre. Das dafür geschaffene Wort ist hinlänglich bekannt, ich lass‘ es weg.
    Beide informieren sich fast ausschließlich auf den Webseiten von „politikverdruss“ und „politicalincorrect“ und machen keinen Hehl aus ihrer Wahlentscheidung für die AfD, das ist schon Hardcore…
    Ähnliche Beispiele könnte ich noch anführen, wobei es sich in keinem Fall um sogenannte Abgehängte handelt, sondern diese Leute durchaus dem gehobenen Mittelstand zuzurechnen sind.
    Alle diese Menschen begründen den Wandel ihrer politischen Präferenzen mit der Politik der letzten Jahre und dass eben diese Politik nicht richtig zugehört, Probleme bestritten oder kleingeredet habe. In fast allen Fällen wird die Wahlentscheidung mit „das ist unser Protest“ begründet.
    Nun stehen die Parteien, die die letzten Jahrzehnte die Politik bestimmten, vor den daraus entstandenen Problemen und müssen zusehen, wie sie Lösungen und Wege aus diesem Schlamassel finden.
    Bezüglich meines Versuchs, verlässliche Zahlen über die Kriminalität in Deutschland (Beitrag heute, 12h48) von anderer Quelle zu bekommen, eine interssante Tatsache: Die Bundeszentrale für politische Bildung bpb hat auf ihrer Webseite alle weiterführenden Links zu entsprechenden Statistiken abgeschaltet – Stand heute…

  4. Werner Engelmann sagt:

    Unter dem Aspekt der Menschlichkeit und der Verpflichtung auf demokratische Werte ist den Ausführungen von Bronski und dem Leserbrief von Manfred Kirsch wohl kaum etwas hinzuzufügen.
    Darüber hinaus bedarf es aber auch der politischen Analyse. Und dazu ist wiederum eine klare Einschätzung der Ursachen und Motive notwendig, welche dieser Entwicklung zugrunde liegen.

    Zwei gegensätzliche Haltungen würde ich als deutlich zu kurz gegriffen und kontraproduktiv einschätzen.
    Die erste entsteht aus bloß moralischem Entsetzen, welches die Motive rechtsradikalen Wahlverhaltens nicht erfasst. (Wobei ich mich dabei selbst nicht ausnehmen möchte.)
    Die zweite, noch schlimmere, entspringt dem naiven Glauben an rechtsradikale Selbstbeschreibungen, die „Vernachlässigt-Werden“ und „Protest“ als vorrangige Motive glauben machen will.
    Naiv erscheint dies deshalb, weil Verschleierung und Verharmlosung (gipfelnd in der Behauptung eines Gauland von der AfD als angeblich „bürgerlicher“ Partei) von jeher zu den Merkmalen rechtsradikalen Denkens gehört – „Hardcore-Nazis“, ehemals in Springerstiefeln, ausgenommen.
    Zu kurz greift dies deshalb, weil es vom (verständlichen) Wunsch des „Zurückgewinnens“ von abtrünnigen ehemaligen Wählern der präferierten eigenen Partei diktiert wird. Ohne aber selbst eine eigene durchdachte Strategie zu besitzen. Was dann zu Formen der Anbiederung an AfD-Positionen, wenn nicht gar zu deren Übernahme und letztlich zu deren Verstärkung führt, da insbesondere Menschen mit solcher Denke sich beim radikalen „Original“ allemal besser „aufgehoben“ fühlen.

    Ich halte die dieser Scheinstrategie zugrunde liegende Behauptung von der „Protestwahl“, zumindest nach den Wahlen in Brandenburg und Sachsen, für falsch.
    Die in Medien ausreichend übermittelte und kommentierte, eindeutig rechtsradikale Orientierung insbesondere des brandenburgischen AfD-Spitzenkandidaten Kalbitz lässt keinen Zweifel mehr zu, dass jeder, der bei der AfD sein Kreuz machte, diese kannte und zumindest billigend in Kauf nahm.
    Es ist demnach von einem etwa dem AfD-Ergebnis entsprechenden Bodensatz in der Bevölkerung auszugehen, der erkennbar neofaschistische Orientierungen denen demokratischer „Altparteien“ zumindest vorzieht, wenn nicht deren Ideologie teilt.
    Noch viel mehr wird dies freilich für Thüringen mit AfD-Spitzenkandidat Höcke gelten.

    Symptomatisch für eine solche Verschleierungsstrategie auch in der CDU ist etwa eine Einschätzung von Friedrich Merz, die – perspektivisch- auf eine „bürgerliche“ Koalition mit der AfD im Sinne Gaulands hindeutet:
    https://www.fr.de/politik/merz-ueber-afd-ueberlaeufer-nur-zu-einem-kleinen-teil-unangenehme-rechte-typen-zr-13038274.html.
    Was dabei zu erwarten wäre, machen etwa folgende Artikel deutlich:
    https://www.fr.de/politik/ex-afd-mann-packt-aus-afd-weist-zunehmend-nationalsozialistische-strukturen-auf-zr-13038955.html
    https://www.fr.de/politik/afd-lehrerpranger-datenschuetzer-schreitet-ein-partei-kuendigt-widerstand-an-zr-13000660.html

    Solchen verhängnisvollen „Strategien“ im Sinne der Beschwichtigung und letztlich Anpassung an rechtsradikale Tendenzen wäre eine glaubhafte Abgrenzung entgegenzusetzen, welche zugleich berechtigte Besorgnisse und Ängste nicht verdrängt und Perspektiven aufweist. Die also Menschen im Blick hat, welche dem rechtsradikalen Dunstkreis noch nicht zuzurechnen sind, die aber für simple Vereinfachungen empfänglich sein könnten.

    Als notwendig und beispielhaft in diesem Sinn halte ich Aufklärung über Hintergründe und Verflechtungen rechtsnationalistischer Kreise, wie etwa Katja Thorwarth sie liefert. Dass sie dabei in ein Wespennetz sticht, belegen aggressive Kommentare bekannter Rechtsausleger:
    https://www.fr.de/meinung/afd-heimattreue-netzwerke-tiefbraun-rechtsextremen-sumpf-13027630.html

    Noch wichtiger freilich, von Rechtsradikalen nicht weiter Themen setzen zu lassen, sondern diese selbst zu setzen, wie dies von Fridays-for-future in fast vorbildlicher Weise geschieht. Und auf diese Weise auch die Selbstentlarvung, selbst bei einer Alice Weidel, zu befördern:
    https://www.fr.de/politik/rechte-hetze-alice-weidel-nennt-klima-demos-beaengstigend-13046887.html

  5. Werner Engelmann sagt:

    @ Manfred Schmidt, 24. September 2019 um 12:48

    „Auf der Website Tichys Einblick (ich höre schon den Aufschrei), gibt es eine detaillierte Statistik über dieses Thema, wonach im Durchschnitt die Kriminalität der in Deutschland lebenden ausländischen Menschen 3,5 x höher ist, als die der Deutschen im Lande.“

    Lieber Herr Schmidt,
    natürlich ist zu Recherchen bei Manipulatoren vom Schlage eines Tichy nichts zu sagen – vorausgesetzt, man ist sich deren Methoden bewusst. Dazu also 4 Punkte:

    (1) Tichys Manipulationsmethode:
    Ich habe diese am Beispiel des Video-„Beitrags“ auf Youtube zum Fall „Hasi“ von Chemnitz einmal analysiert: https://www.youtube.com/watch?v=2VDfnW_L0dY
    Falls Sie Zugang dazu haben, können Sie das selbst überprüfen. Ich tue mir das nicht mehr an, zumal nun für die Freischaltung des Tons ein Abonnement bei seinem angeblichen „Durchblick“ verlangt wird.

    Hier in Kürze die Charakterisierung von Tichys Methode:
    – Das Ereignis wird gezielt aus dem Zusammenhang gerissen und stattdessen spekulativ ein neuer Zusammenhang konstruiert.
    (Hier: Attacke auf 2 fremdländisch aussehende Personen, Video bricht abrupt ab. Es wird nach keinen Zeugen gefragt, statt dessen eine Behauptung, die durch nichts belegt wird:
    „aus Angst vor Aggressionen, die sofort zurück kamen von den Gegendemonstranten“)
    – Das Ereignis wird mit späteren oder Reaktionen andernorts vermischt und letztere als deren Ursache deklariert. Zugleich werden verallgemeinernd Feindbilder eingeführt und ihnen die Schuld zugeschoben.
    (Hier: „Wir kennen das ja von verschiedenen Veranstaltungen, dass, wer filmt, sofort von Antifa-Schlägern sofort niedergeprügelt wird.“)
    – Zur weiteren Emotionalisierung wird die „Opfer“masche nach AfD-Drehbuch mobilisiert.
    (Hier, bezogen auf Maaßen: „Man merkt hier, dass selbst hohe Beamte gezwungen werden, nur noch regierungskonforme Positionen zu vertreten.“)
    – Zur Steigerung des „Entsetzens“ bisweilen das „erschrockene“ Gesicht des „Gesprächspartners“ – in Wirklichkeit reiner Stichwortgeber für Tichys Monolog – eingeblendet und ein „Dialog“ vorgetäuscht.

    (2) AfD-Strategien:
    Es liegt auf der Hand, dass die Wirkung (und manche Wahlerfolge der AfD) zum großen Teil auf der genannten Strategie aus dem Handbuch für Demagogen beruhen. Zumal potentielle AfD-Wähler emotional eine Disposition mitbringen, welche ausschließlich auf vermeintliche „Belege“ für eigene – immer verallgemeinernde – Vorurteile aus ist und rationales Hinterfragen von vornherein verhindert.
    Ebenso ist die Funktion der permanenten Weidelschen Interventionen in Sachen „Kriminalität von Ausländern“ völlig eindeutig: Die Ängste am Kochen zu halten, auf denen die gesamte AfD-Strategie aufbaut, und die für sie höchst missliche Klimadebatte zu beenden, bei der all ihre Inkompetenz und Borniertheit bis zur Wirklichkeitsverweigerung erkennbar wird.

    (3) Problematik von Statistiken:
    Jede Statistik ist eine Abstraktion, die aus einer Vielzahl von Einzelfällen auf Wahrscheinlichkeiten schließt, je nach Erkenntnisinteresse Bezüge zu einem willkürlich gesetzten Referenzrahmen setzt, die bei den konkreten Einzelfällen keineswegs vorhanden sein müssen. Sinnvoll etwa zur Vorbeugung bei Gefahrenabwehr durch Sicherungsmaßnahmen, völlig ungeeignet als „Beleg“ im juristischen Zusammenhang, gefährlich bis demagogisch in nationalen Zusammenhängen.
    Bei letzteren wird „Nation“ im psychologischen Sinn als eine vermeintliche Einheit begriffen, die sich angeblich stringent im Verhalten einzelner Individuen niederschlage. Eine Methode, die jegliche wissenschaftliche Methode auf den Kopf stellt. Man kann zwar aus einer Vielzahl von einzelnen Elementen Gemeinsamkeiten abstrahieren, darf aber niemals deduktiv von den Abstraktionen stringent auf die einzelnen Elemente schließen.
    Das ist schlicht unseriös und eröffnet Vorurteilen Tür und Tor. Darum geht es wohl einem Tichy. Sein „Erkenntnisinteresse“ liegt erkennbar darin, nationalistischen Vorurteilen (also im Sinne seiner Ideologie) den Anschein von „Objektivität“ zu verleihen, während in Wahrheit seine eigenen Vorurteile in der Auswahl des Bezugsrahmens („Nationalität“) bereit eingespeist sind.
    In Bezug auf „Kriminalität“ bedeutet ein solches Verfahren darüber hinaus ein Außerkraftsetzen des Rechtsstaatsprinzips. Denn unser Rechtsstaat beruht darauf, dass Schuld INDIVIDUELL nachgewiesen werden muss, und jegliches rechtsstaatliche Verfahren forscht nach individuellen Motiven und Lebenszusammenhängen.

    (4) Fazit:
    Es ist also alles andere als Zufall, dass eine Weidel, ein Sarrazin oder ein Tichy statistische Abstraktionen benutzen, um scheinbar „logische“, willkürlich gesetzte Zusammenhänge zu konstruieren, um Vorurteile und Ängste zu schüren (wie unter (1) aufgezeigt).
    Eine seriöse Diskussion über Asylfragen und Integrationsprobleme lässt sich auf einer solchen willkürlichen Abstraktionsebene also gar nicht führen. Weshalb es wenig sinnvoll erscheint, solchen – vermeintlich „objektiven“ – Statistiken nachzugehen.

    Der falsche Ansatz lässt sich nur durch Nachfragen bez. der jeweils einzelnen Fälle, insbesondere der jeweiligen besonderen Umstände, widerlegen.
    Bestenfalls lassen sich gewisse Erkenntnisse für die Integrationsproblematik gewinnen, wenn – ausgehend von konkreten Einzelfällen – Einflüsse bestimmter Lebensumstände (soziale Situation, psychologische Situation wie Traumata oder Außenseiterdasein, familiäre Situation, religiöse Überzeugungen) präzise benannt werden.
    Nur auf einer solchen individuellen Ebene, im ganz konkreten, illusionsfreien Engagement lassen sich Erfolge der Integration – und damit auch prophylaktisch der Verbrechensbekämpfung – erzielen.
    (Bei letzterem beziehe ich mich auf konkrete eigene Erfahrungen, die wir mit Menschen aus einer Vielzahl von Nationen zusammengearbeitet und mit mehreren von ihnen auch längere Zeit zusammen gelebt haben.)

    Bei Ideologen wie einem Tichy, die Integration nicht nur nicht fördern, sondern (so Gauland) gezielt verhindern wollen, um ihr ideologisches Süppchen zu kochen, wird man da freilich vergeblich suchen.
    Ich lasse mich aber sehr gerne (wenn dies anders wäre) eines „Besseren“ belehren.

    P.S.: Ich bitte Sie – falls Sie an einer Fortsetzung interessiert sind – nachzuforschen, ob bzw. welche validen Zusammenhänge sich in den von ihnen genannten Statistiken erkennen lassen (etwa in Bezug auf „arabische Familienclans“ oder die genannten sozialen und psychologischen Bezüge).

  6. Manfred Schmidt sagt:

    Lieber Herr Engelmann,
    im Moment sind meine Besuche hier im Blog etwas sparsam, es gibt für mich eine Menge andere Dinge zu tun in Haus und Garten und dies zu erledigen lasse ich mir nicht nehmen🙂. Und aus diesem Grund hier ein ebenso sparsamer Beitrag.
    Leider bin ich im Moment auch nicht Abonnent der FR -und dies nach 60 Jahren- , aber das hängt auch mit der Umstellung der FR-App zum 1. August 2019 zusammen; die an diesem Tag von der FR eingeführte neue App will mit meinem iPad aus dem Jahre 2012 nicht kooperieren.
    Ich mach’s kurz und liefere einfach einen Link und der ist nicht von Herrn Tichy in’s Internet gestellt. Über die Seriosität des diesen Link publizierenden Verlags erlaube ich mir kein Urteil, er war mir bisher nicht bekannt. Die Aussage der hier angeführten Statistik ist
    jedoch eindeutig.
    https://splitter1.wordpress.com/2017/07/07/auslaenderkriminalitaet-in-deutschland/#2

  7. Bronski sagt:

    @ Manfred Schmidt

    Ihr Kommentar erfordert eine Stellungnahme der Blog-Moderation, die obskure Links normalerweise ablehnt. Ich lasse diesen stehen, um das Problem, das damit verbunden ist, am Beispiel zu dokumentieren.

    „Über die Seriosität des diesen Link publizierenden Verlags erlaube ich mir kein Urteil …“

    Das sollten Sie aber, denn hier geht es um Medienkompetenz und darum, welchen Quellen im Netz man vertraut. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob man ein Blog betreiben darf, ohne im Impressum die vollständige Adresse eines presserechtlich Verantwortlichen zu hinterlegen, denke aber, dass das nicht erlaubt ist. Im Impressum von „Splitter1“, der verlinkten Webseite, wird lediglich ein Link zum Ronald-Henss-Verlag gegeben. Erst dort erhält man die erforderlichen Angaben, jedoch keine Informationen zur Person des Autors. Der Verlag publiziert gern Weihnachtsgeschichten. Laut seines Autorenprofils bei e-stories ist Ronald Henss „Privatdozent der Psychologie an der Universität des Saarlandes“ mit den Forschungsschwerpunkten „physische Attraktivität, Persönlichkeitspsychologie, psychologische Aspekte des Haares“ und gibt an, „zahlreiche wissenschaftliche Publikationen“ geschrieben zu haben. Auf „Splitter1“ finden sich Artikel von ihm, die sich mit der Frage beschäftigen, warum deutsche Männer so sehr auf blonde Frauen stehen. Es gibt ein psychologisches Fachbuch von einem Ronald Henss aus dem Jahr 1998 des Titels „Gesicht und Persönlichkeitseindruck“. Ronald Henss‘ Autorenprofil bei Amazon listet elf Buchtitel von ihm oder mit seiner Beteiligung. Über die Person ist gleichwohl kaum etwas in Erfahrung zu bringen. Das ist ein sonderbarer Autor, der so im Hintergrund bleibt. Normalerweise versuchen Autoren doch, für sich zu werben, oder? Zu guter Letzt hilft ein Blick auf die Blogroll von „Splitter1“, um ein vorläufiges, aber klares Urteil zu fällen: Da findet sich der Herr Tichy, die „Achse des Guten“ und andere Blogs, alle weitgehend Vertreter desselben Gedankenguts. Dann können Sie, lieber Herr Schmidt, auch gleich weiter mit Tichy argumentieren. Der ist wahrscheinlich seriöser einzustufen als dieser Ronald Henss.

    Ich möchte Ihnen nahelegen, sich statt mit solchen fragwürdigen Auslegungen mit der Original-Kriminalstatistik zu beschäftigen, wenn Sie Quellen wie der FR nicht vertrauen. Die Kriminalstatistik des Jahres 2018 finden Sie hier zum Download. Schwerpunkt ist Kriminalität im Kontext von Zuwanderung.

    Gesamt-Zahlen für 2017:
    Tatverdächtige insgesamt: 1.974.805
    darunter nichtdeutsche Tatverdächtige: 599.357 (30,4%)
    darunter tatverdächtige Zuwanderer: 167.268 (8,47%)

    Zahlen für 2018:
    Tatverdächtige insgesamt: 1.931.079
    darunter nichtdeutsche Tatverdächtige: 589.200 (30,5%)
    darunter tatverdächtige Zuwanderer: 165.769 (8,58 %)

    Dazu das BKA: „Die absolute Zahl der Straftaten mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer stieg im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht an, wohingegen die Zahl der im Jahr 2018 registrierten tatverdächtigen Zuwanderer etwas zurückging. Für diese gegenläufige Entwicklung ist eine Zunahme der Mehrfachtatverdächtigen innerhalb der Gruppe der tatverdächtigen Zuwanderer verantwortlich.“

    Zur weiteren Einordnung empfehle ich die FR-Artikel: „Immer mehr Vergewaltigungen?„, „Angst vor Kriminalität steigt – Zahl der Straftaten sinkt“ und „Weniger Straftaten und bessere Aufklärungsquote in Hessen„.

    Dahinter – an Tichys Argumentation wird das ganz deutlich – steht ein generelles Problem: Warum legen manche „Aufklärer“ den Fokus derart auf „Ausländerkriminalität“? Gewiss nicht, um die Gründe für eine etwaige Zunahme zu analysieren und abzustellen. Dann müsste man wahrscheinlich konstatieren, dass es unter anderem an den Ankerzentren liegen könnte, wo die oft jungen Männer lange unter unwürdigen Bedingungen zusammengepfercht werden. Der Verdacht steht im Raum, dass es diesen „Aufklärern“ darum geht, Ausländern generell das Etikett „kriminell“ anzuheften, als wäre Kriminalität quasi ein Charaktermerkmal von Ausländern, so wie es in dem Begriff „Ausländerkriminalität“ bereits anklingt. Das ist das Gegenteil von Aufklärung. Werner Engelmann hat das bereits richtig einsortiert: Das ist Manipulation.

    Zurück zur Frage: Wie gehen wir mit der AfD um? Denn solche Manipulation ist natürlich in deren Sinn. Es geht also darum, das Problem zu verzerren, es größer zu machen, als es wirklich ist. Deutschen Frauen drohen Vergewaltigungen vorwiegend durch Ausländer? Nein, die meisten Vergewaltigungsdelikte passieren weiterhin innerhalb der heimischen vier Wände. Ausländer sind Messerstecher? Es gibt solche. Vor einer Weile wollte die Saar-AfD herausfinden, was die häufigsten Vornamen jener Messertäter sind, die man im Saarland hatte identifizieren können. Sie lauten Michael, Daniel und Andreas. Dazu passt, dass eine Studie kürzlich attestierte, die AfD schüre systematisch Furcht vor Zuwanderern und verzerre darum die Kriminalstatistik.

    Wie geht man mit Leuten um, die es mit Fakten nicht so genau nehmen?

  8. Manfred Schmidt sagt:

    Hallo Herr Büge lieber Bronski,
    nun verbeißen wir uns in die unterschiedlichsten Kriminalstatistiken.
    Es gibt eine ganze Menge Informationen über dieses Thema, ohne Zweifel. Ich registrierte in dem von mir gelieferten Link die aufgezeigte Statistik, mit der Möglichkeit, dass sie ggf. nicht seriös sein könnte, bei dem was sie aussagt. Der Verlag und der Autor (nochmals) waren mir vorher nicht bekannt. Der von Ihnen eingestellte Link der das Downladen einer PDF-File ermöglicht, war mir ebenfalls bekannt und befindet sich seit einiger Zeit in meiner „Bibliothek“. Anmerken möchte ich, dass ich bereits in einem früheren Kommentar äußerte, gerne Belegen entgegenzusehen, durch die sich diese Zahlen auch als falsch herausstellen.
    Nun habe ich einen weiteren Link geliefert, eingestellt von der ARD unter tagesschau.de, in dem genau dieses Thema abgehandelt wird. Es sind Auszüge aus der Kriminal Statistik der Polizei PKS.

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/pks-kriminalitaet-zuwanderung-105~_origin-7aab1f2c-aaf6-44ee-bd2c-7921fd364891.html

    Hier fehlen leider die Details wie sie in dem von mir gelieferten Link des Verlags aus dem Saarland aufgezeigt werden, aber unter dem Punkt mit der Überschrift
    „In welchem Verhältnis stehen diese Straftaten zur Gesamtzahl der Delikte“
    zieht die PKS das Fazit, dass eben doch Zuwanderer eine höhere Kriminalitätsrate aufweisen. Man muss schon selbst die Seite aufrufen und sich nach unten scrollen um den Artikel zu finden. Ein Einkopieren des Wortlauts erlauben die Blogregeln bekanntermaßen nicht.
    Und jetzt zurück zum Umgang mit der AfD, wobei sich diese Frage ja auch erst stellte, als diese Partei bei Wahlen so erfolgreich wurde.
    Ich mach’s mal plakativ aus Sicht der zur AfD Geschwenkten und entsprechenden Gesprächen;
    und das sind die bei diesen Gelegenheiten immer wieder genannten Gründe. Es sind die Kopftücher und die darin gesehene Botschaft, es sind die entstandenen Parallelgesellschaften mit den zum Teil entstandenen No-go-Aereas, es sind die kriminellen Clans die mit einer Chuzpe bei verschiedensten Gelegenheiten auftreten und die nahezu ein Jahrzehnt schalten und walten konnten ohne behelligt zu werden. Es sind Vorkommnisse wie an Silvester 2015 in Köln. Kopfschüttelnd erinnere ich mich noch, als danach argumentiert wurde, es sei zu wenig Polizei vor Ort gewesen und die Stadt Köln bzw. der Innenminister von NRW eine Mitschuld an dem Ereignis trügen. Ich sage kopfschüttelnd deshalb, weil niemand auf den Gedanken kam, dass es zu viele Besucher mit schlechtem Benehmen und krimineller Energie gewesen sein könnten -dies eine frühere Aussage von mir-. Das wäre der Wahrheit wesentlich näher gekommen.
    Und nun lassen sich viele Leute in Deutschland nicht mehr von Höcke, Kalbitz u.a. abschrecken und wählen die AfD, Hauptsache Protest gegen die gegenwärtige Politik. Wer weiter bohrt, der bekommt eine Menge weiterer Gründe genannt, da können wir uns ganz sicher sein.

  9. Werner Engelmann sagt:

    @ Bronski, Manfred Schmidt

    Dank an Bronski für die Klarstellungen und die Links.
    Im Rahmen des Themas zum „Umgang mit der AfD“ ist es freilich auch wichtig, Methoden von ideologischen „Zuträgern“ mit dem Anspruch der „Objektivität“ wie Tichy zu analysieren und aufzuzeigen.
    Hierbei erscheint das von Herrn Schmidt verlinkte Dokument zu „Ausländerkriminalität“ für eine exemplarische Analyse durchaus hilfreich. Dies auch, um sich von Verallgemeinerungen (etwa „Deutsche sind genauso kriminell“ oder „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“) abzugrenzen.
    Erlaube mir, lieber Bronski, daher bitte eine solche exemplarische Analyse.

    Dazu erscheint ein Beispiel zu korrektem Umgang mit Statistiken im Vergleich zu manipulativem hilfreich.
    Dies am Beispiel von Material von Amnesty International, das ich selbst im Rahmen einer mehrstündigen Diskussion mit Schülern über „Todesstrafe“ verwandt habe.

    (1) Gebrauch von Statistiken bei Amnesty International am Beispiel der Wiedereinführung der Todesstrafe in mehreren Staaten der USA:

    Die Hauptarbeit von Amnesty liegt in gezielten Interventionen bei Fällen von Menschenrechtsverletzungen weltweit. Sie wenden sich an Regierungen, welche die Menschenrechtscharta unterzeichnet haben, zugleich aber Menschenrechtsverletzungen mehr oder weniger massiv zulassen.
    Solche Interventionen beruhen grundsätzlich auf skrupulösen Nachforschungen zum jeweiligen individuellen Sachverhalt. Die Benutzung von Statistiken im Rahmen von individuellen Fällen (analog etwa zu Prüfverfahren bei Asylanträgen) verbietet sich daher schon von der Sache her.
    Dies – wie die AfD (besonders Weidel) immer wieder versucht – zur Grundlage individueller Entscheidungen (etwa zum Asylstatus) zu machen, ist daher schon grundsätzlich manipulativ.

    Beispiel Kampagne zur Todesstrafe in den USA:
    Eine solche Diskussion ist natürlich viel breiter angelegt, betrifft z.B. auch prinzipielle ethische Fragen („Menschenwürde“, Grausamkeit), „Gerechtigkeit“ vs. „Racheprinzip“, Verdacht des Rassismus bei Todesurteilen usw.

    Der Einsatz der nachfolgend genannten Statistik (aus: Canadian statistical) bezieht sich ausschließlich auf das tragende „Argument“ bei der Wiedereinführung der Todesstrafe, der vermeintlichen „Abschreckung“ gegen Kriminalität.
    Mit der Statistik über die „Tötungsraten“ in Staaten der USA, ihrer Entwicklung und Vergleichszahlen zu anderen Staaten lässt sich diese Behauptung als eindeutig falsch widerlegen.
    Voraussetzung dafür ist der Bezug auf einen klar definierten (also vergleichbaren) Sachverhalt: Tötung (Mord oder Totschlag).

    Die Statistik über Tötungen in Staaten der USA (hier von 2010) weist einen deutlichen Unterschied zwischen Staaten ohne Todesstrafe (im Schnitt 3,15 Tötungen auf 100.000 Bewohner) gegenüber Staaten mit Todesstrafe (im Schnitt 4,5 Tötungen/100.000) auf, mit erheblichen Überschreitungen in einzelnen Staaten mit massiv praktizierter Todesstrafe, so Louisiana (11,8 Tötungen auf 100.000).
    Erhärtet wird dies durch Vergleichszahlen zu Staaten, wo die Todesstrafe schon länger abgeschafft wurde (etwa Frankreich: 0,8/100.000) oder welche die Entwicklung nach Abschaffung aufzeigen. So etwa Kanada: Die Tötungsrate ist nach der Abschaffung 1976 von 3,09 (1975) auf 1,9 (2002) gesunken.
    Ein solcher Umgang mit Statistik im Rahmen einer präzisen Fragestellung lässt den eindeutigen Schluss zu, dass die behauptete „abschreckende“ Wirkung gegen „Kriminalität“ (ganz allgemein) falsch ist und ganz andere Faktoren in Betracht zu ziehen sind. Etwa der in den USA (im Unterschied zu Kanada) grassierende Waffenwahn.

    (2) Manipulativer Umgang mit „Statistik“ bei Tichy (hier: Jochen Renz) zur „Ausländerkriminalität in Deutschland“.

    Die Manipulation lässt sich in vielfacher Weise erkennen, im Folgenden stichwortartig zusammengefasst:
    (a) Schon die Ausdrucksweise bei der Formulierung des eigenen Erkenntnisinteresses macht deutlich, dass es um alles andere als um objektives Erfassen von Fakten geht: „Darin entlarvt der Autor die immer wieder zu hörende Behauptung „Ausländer sind nicht krimineller als Deutsche“ als das, was sie ist: politisch motivierte Lügen-Propaganda.“
    (b) Diese ausschließlich propagandistische Funktion findet sich auch in den vermeintlichen „Kernaussagen“ dieser „Statistik“ in geradezu unfassbarer Verallgemeinerung wieder:
    „Schwarzafrikaner sind sehr viel krimineller als Deutsche.“ „Moslems sind viel krimineller als Deutsche.“ – „Ostasiaten sind weniger kriminell als Deutsche.“
    (c) Die massiven Vorurteile gehen schon in die höchst verallgemeinernden Kriterien und die Auswahl ein: „Renz untersuchte für verschiedene Nationen den Anteil der Tatverdächtigen“.
    – „Tatverdächtige“ werden von vornherein mit „Kriminellen“ gleichgesetzt.
    – Das ausgesprochen breite Feld von „Kriminalität“ wird in keiner Weise eingegrenzt oder auf präzise Delikte bezogen, was überhaupt erst einen Vergleich ermöglichen würde.
    (d) Der einlinige Bezug von „Kriminalität“ auf „Nationalität“ wird in keiner Weise ausgewiesen. Mögliche wirkliche Bezüge, wie etwa zu Flüchtlingsstatus und dem entsprechenden Lebensumständen, zu anderen Lebenszusammenhängen, etwa von Einwanderern, oder alle sozialen Kriterien, werden gezielt bei Seite geschoben und verschleiert.
    – So werden „Japan“ und „Guinea-Bissau“ gegenüber gestellt, wobei es sich bei Japanern mit Sicherheit nicht um Asylbewerber, bei Guinea-Bissau mit großer Sicherheit nur um solche handelt.
    – In keiner Weise ist erkennbar, wer verallgemeinernd in die Kategorie „Ausländer“ eingeordnet wird (Japaner auch?).
    – Bei dem Extremwert für Guinea-Bissau mit einem ausgesprochen kleinen Korpus wird zusätzlich ein vermeintlich schlüssiger Bezug zur Religion hergestellt und von der kleinen Gruppe der unter besonderen Bedingungen in Deutschland Lebenden in rassistischer Weise auf die Menschen insgesamt geschlussfolgert: „Weit mehr als die Hälfte der Guinea-Bissauesen sind als Kriminelle verdächtig.“
    Der im Vergleich zu anderen winzige Korpus hindert den Autor nicht daran, seine verallgemeinernden rassistischen und islamophoben „Kernaussagen“ auf eben dieses kleine Detail zu stützen (siehe b).
    (e) Freilich darf der (vermeintliche) K.O.-Schlag gegen Menschen nicht fehlen, die solch manipulative „Beweisführung“ anfechten: „Für politisch korrekte Gemüter mögen diese Aussagen ein Skandal sein – moralische Entrüstung ändert aber nichts an den empirischen Tatsachen, die aus offiziellen amtlichen Statistiken abgeleitet wurden.“

    Fazit:
    Das vorliegende Dokument kann in hohem Maße als manipulativ und charakteristisch für „Beweisführung“ in AfD-Kreisen bzw. Propagandisten in deren Diensten angesehen werden.
    Der zweifelsfrei zugrundeliegende Zweck, die Bevölkerung gegen „Ausländer“ insgesamt aufzuhetzen (getarnt als Unterscheidung zwischen „guten“ und „bösen“ Ausländern) und so die Asylpraxis im Sinne gezielter Verhinderung von Integration zu verändern, ist freilich nur vage angedeutet. Das versteht sich für versierte Demagogen vom Schlage etwa eines Tichy von selbst. Es gilt ja, das – in allen Videos zur Schau getragene – Image des „seriösen“, „reflektierten“ Journalisten aufrecht zu erhalten.
    Das von der AfD anvisierte „Volk“ versteht es sowieso in der von ihr gemeinten „richtigen“ Weise. Und zudem steht da in den eigenen Reihen eine ausreichende Zahl von Provokateuren und Einpeitschern zur Verfügung, die dafür sorgen.

    Zu einem der wesentlichen Momente im „Umgang mit der AfD“ gehört wohl auch, solche pseudo“objektiven“ Strategien von AfD-Zuträgern und intentionale Verschachtelungen mit demagogischen Zielen der Partei zu entlarven.

  10. Manfred Schmidt sagt:

    Lieber Herr Engelmann,
    den Link den Sie in Ihren Beitrag stellten, habe ich mir angeschaut. Leider wird das Video, dessen Inhalt und somit das Geschehen um das es geht, nicht gezeigt. Lediglich sehe ich 2 Herren, sich betont sachlich gebend, wie sie dieses Geschehen beschreiben.
    Ich vermutete zunächst einmal, beide sind AfD-Leute. Mittlerweile weiß ich, der linke gentleman ist Roland Tichy.
    Leider kann ich beim von Ihnen eingestellten Link lediglich das Gespräch der Beiden hören, das besprochene Video wird nicht gezeigt. Was beide sprachen, erscheint mir unverfänglich. Ganz unten habe ich einen Link platziert, in dem ein Artikel in der ZEIT die Wandlung Roland Tichys vom Liberalkonservativen zu dem was er heute ist, aufzeigt. Ja, das ist eine Wandlung und deshalb stelle ich immer wieder, so wie auch jetzt als Parallel-Beispiel, jedoch in größerem Bogen dazu die Frage, woher kommt z.B. in Schweden und Dänemark das Aufkommen rechtsnationaler Parteien die sich auch entsprechende Namen geben? Da haben ebenfalls Wandlungen -im Großen- stattgefunden.
    Länder, traditionell freigeistig und mit einer jahrzehntelangen sozialdemokratischen Tradition. Die Antwort ist einfach, spricht man mit den Leuten dort. Die Vorbehalte sind die gleichen, wie sie viele in Deutschland haben, wenn sie zur AfD geschwenkt sind und sie resultieren aus dem, was in erster Linie die Zuwanderung aus muslimischen Ländern mit sich bringt. Diese „Nebengeräusche“ beschrieb ich bereits im vorherigen Beitrag von heute,14:45h. Und diese „Nebengeräusche“ tragen nichts zur viel propagierten „offenen Gesellschaft“ bei.

    Zurück zu Ihrem Link, ich erinnere mich dass vor einiger Zeit im Fernsehen ein Video zu sehen war, das man immer wieder als Beleg für stattgefundene Hetzjagden heranzog. Es war damals die Zeit, als Maaßen seines Postens enthoben wurde. Dass es immer nur dieses eine Video war, machte mich schon nachdenklich. Es war die Szene, bei der ein etwas dicklicher, offensichtlich rechts Gesinnter unter lauten Worten versuchte, einen jungen Mann zu verfolgen, im Hintergrund ein großer Platz. Es gelang ihm nicht und er musste abbrechen, Ende des Videos.
    Es war die Zeit der damals zahlreichen Konfrontationen auf den Straßen in ostdeutschen Städten und unter den Teilnehmern der rechten Gruppierungen dort befanden sich viele, „denen man nicht im Dunklen“ begegnen möchte, so man zu den weniger Mutigen zählt.
    Aber, ob man es wahrhaben will oder nicht, dass die AfD so wie sie sich heute darbietet diesen Zulauf hat, hat mit der Migrationspolitik zu tun, sie bringt zuviel mit, was auch für mich ungewünschte Begleiterscheinungen sind. Man muss einfach nur die Leute fragen. Diese Leute empfinden Tichy nicht als manipulativ wie Sie es sehen sondern als einen, der ausspricht, was auszusprechen notwendig ist.
    Ich selbst bin für die offene Gesellschaft und lebe sogar in einer, mit multilingualen Anforderungen und ich genieße dies.
    Jemals zur AfD überzulaufen, von dieser Gefahr bin ich weit entfernt, da mein Misstrauen diesen Leuten gegenüber viel zu groß ist, da müssen keine Zweifel aufkommen.
    Und zum Schluss hier der Link zum Artikel der ZEIT.
    https://www.zeit.de/2017/06/roland-tichy-tichys-einblick-meinungsportal-einwanderungspolitik

  11. Manfred Schmidt sagt:

    Lieber Herr Engelmann,
    Recht haben Sie, wenn Sie feststellen, dass Tatverdächtige noch keine
    Straftäter sind. Das sind sie erst, nach einem Schuldspruch durch ein Gericht.
    Nun bemühte ich mich um neue Zahlenquellen.

    Hier die Kernaussagen:
    Die Daten über die Bevölkerungszahlen sind vom Stand 31.12.2016.
    Die Zahlen der Kriminalstatistik sind vom Jahr 2017.
    Beide Zahlengruppen stehen also in zeitnahem Zusammenhang.

    Bevölkerungsanteil Deutschland West 70.000.000
    Davon ist der Ausländeranteil bei……. 8.099.000 = 11,57%

    Bevölkerungsanteil Deutschland Ost.. 13.000.000
    Davon ist der Ausländeranteil bei……. 1.122.000 = 8.63%

    Gesamtbevölkerungszahl insgesamt. 83.000.000
    Anteil der Ausländer lm Land gesamt… 9.221.000. = 11,11%

    Anteil deutscher Straftäter West mit Urteil = 64,52 %
    Anteil ausländ… Straftäter West mit Urteil = 35,48 %

    Anteil deutscher Straftäter Ost. mit Urteil = 83,72 %
    Anteil ausländ… Straftäter. Ost. mit Urteil = 16,28 %

    Und hier die Links:

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1358/umfrage/entwicklung-der-gesamtbevoelkerung-deutschlands/

    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/223/umfrage/verurteilte-straftaeter-nach-nationalitaet/

    Inzwischen gehen heute andere Statistiken von einem Gesamtausländeranteil von rund 12,50% aus, von mir allerdings nicht berücksichtigt.

    Bevölkerungsanteil Deutschland Ost.. 13.000.000

    Ausländeranteil West

  12. Bronski sagt:

    @ Manfred Schmidt

    Wir haben diese Debatte nun schon so oft geführt. Sie wollen sie wirklich noch einmal führen, von Anfang an? Oder vielleicht wollen Sie mit diesem Artikel aus der FR aus dem Jahr 2016 zufrieden sein, der gut zeigt, wie alt und sinnlos die Debatte über die Frage ist, ob Ausländer krimineller sind als Deutsche? Der Text „Die sind nicht von hier, die waren’s“ setzt sich mit diesem Mythos auseinander. Er ist im Rahmen der FR-Serie „Die Mythen der Rechten“ erschienen.

    Wir wollen gerecht bleiben. Ihre Zahlen, Herr Schmidt, sind viel zu global, um daraus eine allgemein gültige Aussage wie „Ausländer sind krimineller als Deutsche“ zu extrahieren. Man könnte auch sagen: Ihre Rechnung ist ein Beispiel dafür, wie man mit Statistik lügen kann, aber der Wille dahinter ist leicht zu erkennen. Um eine allgemein gültige Aussage zu treffen, müssen sie die Basis definieren, von der ausgehend Sie urteilen. Folgende Aufgaben habe ich daher für Sie:

    – Rechnen Sie die Straftaten heraus, die von Deutschen nicht begangen werden können! Also z.B. solche nach dem Ausländerrecht, das nur für Ausländer gilt, oder nach dem Asylrecht. Denn in der PKS 2017, auf die Sie sich beziehen, wurden erstmals Flüchtlinge, politisch Verfolgte und ihre Straftaten mitgezählt, so dass sich diese Statistik nur bedingt mit der von 2016 vergleichen lässt.
    – Differenzieren Sie nach einzelnen Kriminalitätsfeldern! Der Anstieg bei den tatverdächtigen Ausländern in der PKS 2018, die ich oben eingebracht habe, wird von der Polizei unter anderem damit erklärt, dass es eine Häufung von mehrfach Tatverdächtigen gibt, also: weniger Tatverdächtige, trotzdem mehr Taten. Das betrifft vor allem das Feld der Drogenkriminalität. Diese Differenzierung ist deswegen nötig, weil Kriminalität ja nicht aus dem Nichts erscheint. Es gibt Lebensumfelder, die Kriminalität begünstigen.
    – Differenzieren Sie also nach sozialen Verhältnissen! Lebensumfelder von Ausländern in Deutschland sind anders als die von Deutschen, etwa weil Ausländer häufig in Ankerzentren festgehalten werden, während ihre Verfahren laufen.
    – Differenzieren Sie nach Struktur der Zielgruppe! Was ist mit Alter und Geschlecht? Unter Ausländern in Deutschland sind junge Männer überrepräsentiert im Vergleich zur deutschen Bevölkerung. Trotzdem stellen Sie beide Menschengruppen einander eins zu eins gegenüber. Eigentlich dürften Sie nur die Männer der betreffenden Altersgruppen miteinander vergleichen, wenn Sie allgemein gültige Aussagen treffen wollen.
    – Berücksichtigen Sie außerdem den „Pfeiffer-Effekt“. Christian Pfeiffer, früherer Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, hat die These aufgestellt, dass von Ausländern verübte mutmaßliche Straftaten häufiger zur Anzeige gebracht werden als solche, die von „deutsch aussehenden“ Menschen verübt werden. Der „Pfeiffer-Effekt“ wäre demnach Ausdruck eines latenten Rassismus‘ derer, die anzeigen. Er ist – natürlich – umstritten und bisher nichts als Theorie, verdeutlicht aber trotzdem, dass es Effekte geben kann, welche eine Polizeistatistik und ihre Wahrnehmung verzerren.

    In Summe kommt Pfeiffers Nachfolger beim KFN im FR-Artikel zu folgendem Urteil: „Migranten sind nicht gravierend auffälliger als einheimische Deutsche, geringfügig jedoch schon. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass sie sich in ihrer Sozialstruktur und in ihrer demografischen Struktur von einheimischen Deutschen unterscheiden. Migranten sind jünger und auch eher männlich. Und wir wissen, dass gerade junge Männer die Hauptgruppe bei den Delinquenten sind, auch unter Deutschen.“ Wenn man solche und andere Effekte berücksichtige, seien die Kriminalitätswerte „identisch“.

    Um nun den Bogen zurück zur AfD zu bekommen, wirft das die Frage auf: Warum berücksichtigen deren Protagonisten solche Fragen nicht, obwohl doch klar ist, dass Lebensumfelder Verhalten beeinflussen? Weil die AfD-Aktivisten ein anderes Menschenbilder pflegen (wollen), das gern alles vermeidet, was nach Differenzierung, also nach Verkomplizierung riecht? Denn je tiefer man in die Materie eindringt, desto schwerer wird es, einfache Urteile zu fällen und zu halten wie das von den überdurchschnittlich häufig straffälligen Ausländern. Wenn man einmal versprochen hat, einfache Lösungen zu liefern, kann man dem Wahlvolk natürlich nicht plötzlich mit ernsthaften Versuchen kommen, sich der Realität anzunähern. Also müsste die AfD stetig mit dieser Realität konfrontiert werden.

  13. Manfred Schmidt sagt:

    Nun ja, lieber Herr Büge, ich muss diese Debatte nicht führen, es fing aber doch damit an, dass ich die Gründe aufzeigen wollte, die dazu führen, dass vermehrt jetzt die AfD gewählt wird. Und dazu zählt eben auch als Grund die Kriminalitätsrate von Ausländern. Die erste von mir gelieferte Statistik dazu wurde als „tichyverseucht“ eingestuft, also konnte die dort gelieferte Feststellung, der Faktor der Kriminalität von Ausländern sei das 31/2fache von der der deutschen Straftäter nie und nimmer richtig sein.
    Also gut, neue Datenquellen mussten her und ich fand im Netz statista ohne Bezug zu Tichy oder andere rechtsverdächtige Datenlieferanten.
    Wenn man den Ausländeranteil in Westdeutschland mit 11,57% erkennt, der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe an den Straftaten mit 35,48% (nicht Tatverdächtige, Verurteilte) dann sind wir aber schon in der Nähe dieses Faktors.
    Bei den Daten aus dem Osten beträgt das Verhältnis dann mit 8,63% zu 16,28% bei nahezu dem 2fachen, liefert somit ein positiveres Ergebnis als im Westen.
    Ihre Botschaft ist angekommen und damit soll’s auch meinerseits genug sein.

  14. Bronski sagt:

    @ Manfred Schmidt

    „Und dazu zählt eben auch als Grund die Kriminalitätsrate von Ausländern.“

    Nein, dazu zählt allenfalls die verzerrte Darstellung der Kriminalitätsrate von Ausländern. Wenn sich die AfD wirklich Sorgen über Vergewaltigungen machen würde, dann ist sie dazu eingeladen, sich Gedanken über die Situation von Frauen zu machen, die zwischen heimischen Wänden ihren deutschen Männern ausgeliefert sind.

    „… der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe an den Straftaten …“

    Bitte differenzieren Sie nach Straftaten. Wenn Sie genau hinsehen, werden Sie erkennen, dass das Ergebnis keineswegs „in der Nähe dieses Faktors“ liegt.

    Den „Pfeiffer-Effekt“ scheint die AfD schon recht gut zu beherrschen. Es ist ihr gelungen, vielen Deutschen die Angst einzupflanzen, dass jeder fremdländisch aussehende Mann unter 30 ein potenzieller Messerstecher ist. Sie bedient damit einen latenten Rassismus vieler Deutscher, indem sie deren Ängste instrumentalisiert.

  15. Werner Engelmann sagt:

    @ Bronski

    Danke für die Erläuterungen, die ausführlicher sind als ich es vermocht hätte. Ich meine aber, dass ich mit der Analyse der versimplifizierenden bzw. verfälschenden Methode von Tichy (bw. Jochen Renz) zum insgesamt gleichen Ergebnis komme.

    Meines Erachtens sind, auf das Thema bezogen, die wichtigsten Kernsätze:
    – „Es ist ihr (der AfD) gelungen, vielen Deutschen die Angst einzupflanzen, dass jeder fremdländisch aussehende Mann unter 30 ein potenzieller Messerstecher ist. Sie bedient damit einen latenten Rassismus vieler Deutscher, indem sie deren Ängste instrumentalisiert.“
    – „Wenn man einmal versprochen hat, einfache Lösungen zu liefern, kann man dem Wahlvolk natürlich nicht plötzlich mit ernsthaften Versuchen kommen, sich der Realität anzunähern. Also müsste die AfD stetig mit dieser Realität konfrontiert werden.“

    Aus dem Vorstehenden wird deutlich, dass die AfD zweigleisig vorgeht:
    Einerseits (1) produziert und verstärkt sie persönliche Ängste, also eine Disposition für Rassismus (und dazu ist der Verweis auf Kriminalität besonders geeignet). Andererseits (2) bietet sie vermeintliche, extrem vereinfachende „Lösungen“ an, verstärkt Misstrauen und Revolte gegen „die Politik“, die solche prinzipiell nicht bieten kann.
    Beide Ansätze schaukeln sich gegenseitig auf, verstärken also einander in dialektischer Weise derart, dass nicht nur die Bevölkerung zunehmend gespalten wird, sondern aufgestauter Hass auch zur Entladung in Gewaltaktionen – vorzugsweise gegen Fremde, Minderheiten und Funktionsträger – tendiert.

    Diese Methode ist erkennbar aus dem Lehrbuch für Demagogen entnommen. (Schon die Antonius-Rede aus Shakespeares „Julius Caesar“ ist hierfür ein klassisches Beispiel.)
    Die AfD ist demnach mit Fug und Recht als eine undemokratische Partei zu bezeichnen, die nur der Form nach vorgibt, „demokratisch“ legitimiert zu sein, indem sie „Demokratie“ auf ein rein formales Verfahren (Wahl) reduziert, ihren inhaltlichen Kern, so Gewaltenteilung und demokratische „Werte“, insbesondere Verpflichtung auf Menschenrechte Zug um Zug zu eliminieren sucht.

    Zur Frage des Umgangs mit der AfD:
    Sich (wie Herr Schmidt vorschlägt) auf eine Diskussion über – von der AfD vorgefilterte, verallgemeinernde bzw. verfälschte – „Fakten“ einzulassen, bedeutet schon, in ihre Falle zu tappen. Über Ursachen von Wahlverhalten liefert dies keinerlei Erkenntnisse.
    Aus dem gleichen Grund erscheint, sich auf rationale Überzeugung zu beschränken, reichlich hilflos, weil dies die Disposition von Menschen vernachlässigt, die gar nicht „überzeugt“ werden wollen. (Vgl. W.F.Haug: „Der hilflose Antifaschismus“)

    Erfolgversprechend kann nur sein, den genannten dialektischen Prozess als solchen anzuvisieren und zu unterbinden.
    Das heißt, dass Entlarvung (wie hier der Manipulationsmethode) wichtig ist, aber nur ein Element sein kann. Sie ist zu ergänzen durch die (vielleicht noch wichtigere) Mobilisierung von Abwehrkräften, sowohl bezüglich der Verteidigung demokratischer Essentials und Wertenormen, als auch mit rechtsstaatlichen Mitteln der Strafverfolgung.
    Dazu gehört selbstverständlich auch das Aufzeigen wirklicher Probleme und Gefahren. In dieser Hinsicht erscheint z.B. Fridays-for-Future in Hinblick auf ökologische Gefahren als ein hoffnungsvoller Ansatz.

  16. Manfred Schmidt sagt:

    Also klinke ich mich doch noch mal ein.
    Ich möchte dabei bleiben, was die Leute wahrnehmen und was das für Auswirkungen auf ihr Wahlverhalten hat. Wir diskutieren hier über Wahrnehmungen der Menschen im Zusammenhang der AfD-Wahlerfolge und Sie versuchen zu vermitteln, diese Wahrnehmungen bildeten nicht die Realität ab.

    In diesem Bereich sehe ich vorgefilterte und verfälschte Fakten keineswegs, Herr Engelmann.
    Damit, dass viele nicht mehr überzeugt werden wollen, haben Sie sicher Recht, sie zu überzeugen bedarf jedoch einer anderen Herangehensweise der Politik an die Probleme, nämlich eine, die der Realität mehr Raum gibt und nicht nur bagatellisiert und aus Beschwichtigungen besteht. Und das genau begründet das Wahlverhalten.
    Sie würden sich wundern, wie viele „vernünftige“ Menschen dies inzwischen ebenso sehen, ich habe mir im September anlässlich eines Besuchs in Frankfurt die Augen gerieben.
    Und nur eine ehrlichere Herangehensweise kann die Argumente der AfD entkräften und damit einhergehend auch ihre Zustimmungswerte bei Wahlen senken. Das ist der Kausalzusammenhang, den anzuerkennen „die Politik“ sich aber widersetzt.
    Wahrscheinlich wurde für Diskussionen die eine Entwicklung wie diese hier nehmen, der Satz geprägt „wenn Hitler sagte, 2+2 = 4, muss das noch lange nicht falsch sein, nur weil Hitler es sagte“.

    Nochmals, Herr Engelmann wandte ein, in der ersten Statistik ginge es nur um Tatverdächtige, das ist unbestritten, so sagte es auch Tichy.
    Somit musste ich neue Statistiken präsentieren aus „unverdächtiger“ Quelle, in die nur die Zahlen der durch ein Gericht verurteilten Straftäter Eingang fanden. Das Ergebnis war nur leicht verändert…
    Ich schreibe das als Wiederholung, um den Anknüpfungspunkt deutlich zu machen.
    Dann brachten Sie, lieber Herr Büge, die Erkenntnisse des Kriminologen Christian Pfeiffer ein.
    Darüber kann man nachdenken, dies hat aber keinen Einfluss auf die Zahlen der Statistik…
    Denn wenn man sich schon über die mögliche Frustration junger Männer, die als Flüchtling in Deutschland angekommen sind Gedanken macht, dann sollte man ihnen aber gleichzeitig auch abverlangen können, sich in die Lage des Gastlandes zu versetzen und dass sie entsprechend bewerten können, welche Leistungen bezüglich Unterkünften und Versorgung notwendig sind, bei einer solchen Zahl an Schutzsuchenden. Und wer von ihnen dazu in der Lage ist, der wird seinen Frustrationspegel gerechterweise ziemlich weit nach unten drücken müssen, mit der damit verbundenen Erwartung des Gastlandes, die Zahlen in der Kriminalstatitik eben nicht in dieser Form nach oben zu treiben. Wer das nicht kann, hat eine Erwartungshaltung, die sich aus Träumereien nährt.

    Das Frustrationspotenzial im Osten ist hoch, daraus resultiert das Konfrontationspotenzial und dies wiederum findet seinen Niederschlag in den Ergebnissen der AfD.
    Junge Flexible und die mit einer „Arsch hoch Mentalität“ sind größtenteils abgewandert, andere sind geblieben und reiben sich die Augen wenn sie sehen, was unten stehender Link präsentiert. Sollen wir denen den ggf. daraus entstehenden Frust auch zugutehalten und ihr Verhalten erklären?
    Zum Schluss noch, ich gebe Herrn Engelmann darin Recht, wenn er anführt, dass wenn die AfD politische Macht bekäme, die hart rechts Angesiedelten in der Partei bestrebt sein werden, das Land derart zu verändern, wie es sich einst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts präsentierte. Und ob es danach nochmals möglich ist dieses Rad noch einmal zurückzudrehen?

    http://www.spiegel.tv/videos/1279861-ein-mann-zwei-ehefrauen-sechs-kinder

    Die hier Gezeigten haben offensichtlich keinen Frust…

  17. I. Werner sagt:

    Wie könnte man mir der AfD reden? Oder besser, wie könnte man mit Menschen reden, welche die AfD wählen. Dazu finde ich diesen Ansatz der ehemaligen Politikerin der sächsischen Grünen recht viel versprechend: https://www.zeit.de/2016/41/antje-hermenau-die-gruenen-afd-doebeln.

  18. Ralf Rath sagt:

    Nachdem heute der Gewerkschaftstag der IG Metall begann, bleibt abzuwarten, ob es den dortigen Delegierten gelingt, bis kommenden Samstag eine Haltung einzunehmen, die sich kritisch mit der AfD und dem Wahlverhalten von Teilen der eigenen Mitgliedschaft auseinandersetzt. Immerhin steht die historische Errungenschaft der Einheitsgewerkschaft auf dem Spiel; wobei jene auf der Erkenntnis der Einheit alles Sozialen fußt und nicht, wie manche zeitgenössischen Kommentatoren verbreiten, in der Überwindung der Richtungsgewerkschaften während der Weimarer Republik ihren Grund hat. Der Leiter des nordrhein-westfälischen Bezirks, Giesler, jedenfalls meint im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ gestern, dass aller Voraussicht nach in dieser Frage „die Stimmung hochkochen“ wird.

  19. Klaus Philipp Mertens sagt:

    nach Einschätzung von Heinz Braun punktet die AfD bei den „produktiven Bevölkerungsschichten“. Sollte das zutreffen, hätte sie eine Gemeinsamkeit mit pädophilen Männern, deren Anteil wissenschaftlichen Erhebungen zufolge 15 Prozent der männlichen Bevölkerung quer durch die arbeitenden Schichten umfasst. Wobei zwischen verborgener und ausgelebter Neigung nicht unterschieden wird (was auch für die Wähler der AfD gelten dürfte). Kurzum: Reine Empirie ist kein Instrument zur Beurteilung des Rechtsradikalismus. Denn aus der Tatsache des Vorhandenseins und der schichtenspezifischen Akzeptanz der AfD allein lässt sich weder Qualität noch Legitimität ableiten.
    Vielmehr zählen Äußerungen und Taten. Letztere kann man bei der Führung dieser Partei anhand diverser veröffentlichter Beispiele überprüfen. Gauland, Weidel, Storch oder Meuthen (um nur einige zu nennen) folgen unisono einem autoritären und undemokratischen Leitbild. Höcke oder Kalbitz (auch wieder als typische Beispiele) weisen zudem die charakteristischen Eigenschaften des Faschismus auf (Betonung von Rasse, Volk, Standesgesellschaft). Eigentlich dürfte das bereits ausreichen, um jede Form von Gelassenheit hinter sich zu lassen und Stellung zu beziehen. Denn an den Parametern der Demokratie gemessen gehört diese Partei auf den Kehrichthaufen der Geschichte. Und mit ihr kann man weder reden noch diskutieren. Wer spricht schon mit Thersites? Oder mit Adolf Hitler?
    Aber auch bei den Mitläufern und denen, die sich insgeheim an schlechten Witzen über Minderheiten erfreuen, lässt sich Beängstigendes diagnostizieren. So schreibt mir seit drei Jahren ein AfD-Sympathisant (teilweise auf Papier mit dem Briefkopf der Partei) solche Freundlichkeiten: „KPD-Freund, Hasser, Hetzer, Bolschewisten-Poussierer, Heuchler, Lügner, Patriotenbesudler, Verfassungsfeind, National- und Hochverräter, Freund von Mördern und Drecks-Kommunisten, Demokratiefeind, Rotnazi.“ Und er kündigt mir für den Fall des endgültigen Siegs meinen Tod auf der Guillotine an. Angesichts solcher Prophezeiungen kann ich mir Gelassenheit nicht erlauben, da hilft nur Widerstand und Ausgrenzung.

  20. Hallo Herr Mertens,
    Gelassenheit wäre wohl auch die falsche Strategie. Das Problem, eigentlich auf allen Gebieten, ist die Untätigkeit der Regierenden, Dies lässt ein Riesenloch in den Köpfen der Menschen, denen es ja im Prinzip so gut geht wie noch nie, die aber Angst haben vor allem möglichen und denen jede Anleitung fehlt, wie es denn weitergehen soll, es fehlt die Geschichte in den Köpfen, als Leitlinie. Im Gegensatz dazu gibt es bei der AfD zwar völlig bescheuerte Aussagen und Zukunftsszenarien, die aber die alten archaischen Wirkmechanismen ansprechen, alles Fremde raus, die DM muss her usw. Da man aber gar nichts umsetzen muss, kann man diese billigen Falschlösungen ungehindert rausblasen. Und da gibt es eben genügend Schwachsinn in der Welt, die dem folgen, es ist weltweit dasselbe. Populismus, Nationalismus, Dummheit. Diskutieren kann man mit diesen Leuten nicht, es ist sinnlos. Unsere Regierenden sind gefragt ein Gegenmodell aufzubauen, wie die anstehenden Probleme zu lösen wären, aber da liegt es im Argen, eine Regierung, die den Rat der Wissenschaft in den Wind schlägt und lieber gar nichts tut und die Unsicherheit auf allen Gebieten vergrößert, ist der wirkliche Grund für das erstarken der AfD. So wie die Dinge im Moment sind ist es hoffnungslos. Die Volksparteien als Büttel der Neoliberalen Wirtschaft, die keinen Plan hat, wie sie mit den Problemen fertig werden soll. Stromautos, die mit Kohlestrom fahren sind eben doppelt schlecht, eine Landwirtschaft, die Böden und Umwelt vergiftet, ein Flugverkehr, der um 3 Euro verteuert werden soll und und und, wo bleibt da so etwas wie ein Plan, dem der Bürger folgen kann, für den es sich einzusetzen lohnt, nichts zu sehen.Das sind die wahren Gründe für so etwas komplett dummes und eminent gefährliches wie die AfD.
    Kommt hinzu die Schizophrenie im Umgang mit Flüchtlingen, es sollen jedes Jahr 20 Mio dazu kommen, 70 Mio gibt es schon, manche sterben im Mittelmeer, die Helfer werden bestraft, die unmenschlichen Lager werden finanziert, was wird man tun, wenn Millionen vor der Grenze stehen? Diese Litanei kann man endlos fortführen. Mit Versprechungen a la „blühende Landschaften“ wie Kohl seinerzeit ist das nicht zu machen, es war damals schon falsch und gefährlich, wie man heute sieht. Der Neokapitalistische Raubzug , genannt Treuhand, hätte nie stattfinden dürfen. Auch das ein Samenkorn für die AfD.Es lässt einen mut- und hilflos zurück.

  21. Joachim Klüver sagt:

    Den Leserbrief von Herrn Dirk Alpermann aus Guntersblum möchte ich ungern so stehen lassen. Interessanter Vergleich. Einen Lieferanten der einen mit Diesel betriebenen Lieferwagen einsetzt, gleichzusetzen mit einem Förderer einer rechtspopulistischen Partei, mit starken Rechtsextremisten-Anteilen. Im Übrigen, Sätze die mit „Ich blah“ anfangen und dann zu „aber möh“ übergehen, verneinen den ersten Teil.
    Eine Auslistung ist keine Hysterie, sondern ein alltäglicher Vorgang. In diesem Fall wurde ein Lieferant ausgetauscht, weil der Unternehmer eine Haltung hat. Fängt beides zwar mit dem Buchstaben H an, auch hier scheint der Unterschied offensichtlich.
    Ihre geforderte Mündigkeit des Bürgers, wurde hier voll erfüllt, in diesem Fall vom Ladenbesitzer. Außerdem damit die mündigen Kunden am Regal die Entscheidung treffen könnte, ob sie die AFD unterstützen möchten, müsste die Ware mit einem AfD-Logo gekennzeichnet werden. Ein bisschen zu viel verlangt, oder zu kurz gedacht.
    Ich freue ich mich persönlich über jeden Mitbürger mit Haltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um Spam zu vermeiden, füllen Sie bitte das Captchafeld aus. * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.