Am Schneideweg

In Sachen Beschneidung erreicht mich eine Polemik des FR-Lesers und Satirikers Helge Nyncke aus Mühlheim am Main.

Am Schneideweg

Justitia ist blind. Eine Schande! Denn der Blick in die tränenverschleierten Augen der in der Ausübung ihres gesamten religiösen Lebens nunmehr zwangsweise verhinderten Mitbürger jüdischen Glaubens könnte selbst einen Stein erweichen. Und die Konfrontation mit dem blassen Entsetzen in den Gesichtern der ebenso ihrer Grundrechte entleibten muslimischen Brüder im Geiste nicht minder. Und die hiesigen, etwas weniger schneidefreudigen Kleinkinderbewässerer christlichen Glaubens starren kaum weniger angstvoll auf die zunehmende Erosion ihrer Glaubensgrundlagen und beäugen die Hüterin des Rechts mit vorwurfsvollen Argusaugen. Vom hilflos fragenden Blick der von allen guten Glaubensgeistern verlassenen, an intimster Stelle ihres Körpers und am ungeschützesten Refugium ihrer Psyche verstümmelten Buben mal großzügig abgesehen. Denn was zählt schon das individuelle Leid gegenüber dem kollektiven Beleidigtsein?

Ich finde ja, man hätte Katie Holmes die Scheidung vom Scientology-Guru Tom Cruise nicht gestatten sollen, war diese doch vor allem damit begründet, ihre gemeinsame Tochter vor den Gehirnwäsche-Übergriffen der amerikanischen Sekten-Kirche zu schützen. Dabei ist der Psycho-Terror dieser Science-Fiction-Gläubigen doch ein fester Bestandteil ihrer Glaubensgrundlage, also gute Tradition und eine wohl durchdachte Eingliederungsmaßnahme in die bestehende Gemeinschaft der Scientologen. Komisch, dass die sich noch nicht wehklagend an die Regierung und die Justiz ihres Landes gewandt haben, um diesem Kindesentzug die rechtliche Grundlage zu verweigern. Wäre doch bestimmt kein großer Umstand, einfach mal eben die Gesetze zu ändern durch eine Sonderregelung, die es Scientologen erlaubt, den Nachwuchs auch ihrer vom einzig wahren Glauben abgefallenen Jünger uneingeschränkt weiterhin im Würgegriff ihrer persönlichkeitszerstörenden Brainwashmethoden zu indoktrinieren. Wo ist das Problem? Scientology hat sich selbst zur Religion erklärt, so wie alle anderen Religionen auch und sollte folglich auch den selben Schutz vor staatlicher Intoleranz genießen wie all die Anderen.

Tierschützer! Wenn ich das schon höre!

Auch die muslimischen Schafschächter sollten uneingeschränkt ihre Messer schwingen dürfen, finde ich. Ist doch schließlich ein streng nach religiösen Regeln ausgerichtetes Ritual, also Tradition, also als Glaubensgrundlagenbestandteil vor dem arroganten Zugriff dieser eingebildeten Tierschützer gefälligst zu schützen. Tierschützer! Wenn ich das schon höre. Wenn sich deren Forderungen durchsetzen würden, dann wäre fleischliches Leben ernährungstechnisch in Deutschland praktisch unmöglich. Unschuldige Metzgerkinder würden ihres gesamten kulturellen Hintergrundes beraubt. Das wäre fast so schlimm wie damals, als von staatlichen Möchtegern-Besserwissern, diesen selbst ernannten Kinderschützern die elterliche Gewalt gegenüber Kindern eingeschränkt wurde. Können Sie sich diese hilflosen Abgründe vorstellen, wenn sich plötzlich das aufsässige Kind und der bestrafungsverhinderte Papa mit dem Gürtel in der Hand gesetzesstarr gegenüber standen, und er nicht zuschlagen durfte? Schon seine Frau kam ein paar Jahre früher in den zweifelhaften Genuss, nicht mehr regelmäßig von ihrem Göttergatten nach Strich und Faden vermöbelt werden zu dürfen. Und was ist die Folge? Überall steigende Scheidungsraten, verwahrloste, alkoholvereinsamte Ex-Eheprügler, orientierungslose Jugendliche, feilchenlose Ex-Ehefrauen, die nun allesamt nicht mehr wissen, wo es lang geht. Nicht mal in den Kirchen, Kinderheimen oder gemeindenahen Hinterzimmern darf nun mehr ungestraft gefummelt und gevögelt werden, bloß weil ein paar Menschenrechtler sich daran störten, dass dabei ein angebliches Machtgefälle zwischen Abhängigen und Missbrauchenden bestehe. Ja und? Das war doch schon immer so. Überall auf der Welt wurden über Jahrhunderte Kinder und Frauen verprügelt, missbraucht und wie Vieh behandelt, Sklaven in Ketten gelegt, Schwarze aufgeknüpft oder fremde Völker ausgerottet. Alles im Namen guter alter Traditionen und als fester Bestandteil der jeweiligen Gesellschaft. Wenn man das alles damals verboten hätte, dann gäbe es heute keine Sklaverei, keinen Rassenhass, keine Hexenjagden und keine totgeprügelten Kinder mehr. Unsere Gemeinschaft wäre völlig verarmt an traditionellen Werten. Furchtbar!

Werte haben Wurzeln, und diese Wurzeln lassen sich nun mal nicht einfach heraus reißen und durch völlig neue Wertsetzlinge ersetzen. Und Werte brauchen Mehrheiten, die diese auch akzeptieren. Diese unerträgliche Arroganz wichtigtuerischer Einzeltäter, die der ganzen Welt vorschreiben wollen, dass ab sofort eine völlig neue Zeit angebrochen sei, ist überhaupt die größte Bedrohung traditioneller gesellschaftlicher Werte. Man stelle sich mal vor, die Weltgemeinschaft hätte sich von solchen humanistischen Spinnern und abgedrehten Wissenschaftlern wie Martin Luther King, Mahatma Gandhi, Galileo Galilei, Nikolaus Kopernikus, Giordano Bruno, Charles Darwin, John Lennon oder Alice Schwarzer in ihren rabenschwarzen Traditionsnachttopf pinkeln lassen. Undenkbar! Wir müssten heute so tun, als sei die Erde eine Kugel statt einer Scheibe und als drehe sie sich um die Sonne anstatt umgekehrt. Wir müssten Krieg und Todesstrafe als etwas Schlimmes verurteilen, wir müssten so etwas Lächerliches wie die Evolutionstheorie und wissenschaftliche Forschung akzeptieren und wir sollten, welche Zumutung, Neger und Frauen als vollwertige Menschen betrachten. Absurd! Und das alles nur, weil ein paar durchgeknallte Spinner die guten alten Traditionen in Frage stellen wollten. Am Ende wäre womöglich noch das römische Reich untergegangen oder das heilige Kaiser- und Königtum ausgestorben. Leibeigentum, Ausbeutung, Rechtlosigkeit und adlige Willkür, das ganze schöne traditionelle höfisch-aristokratische Leben wäre praktisch unmöglich geworden. Ja wo kämen wir denn da hin?

So ein Geschiss um ein Bisschen Vorhaut

Und nun dieses unsägliche Beschneidungs-Urteil. So ein Geschiss um so ein Bisschen Vorhaut. Also ehrlich. Als könne ein unfreiwilliger und unwiderruflicher Eingriff am intimsten Teil der Intimsphäre unfreiwillige und unwiderrufliche Folgen für den so Verschnippelten haben. Ist doch völlig unlogisch. Da bildet sich in der kleinen Karnevalshochburg Köln ein lächerliches Landgericht ein, es könne plötzlich der ganzen Welt vorschreiben, die Menschenrechte zu beachten. Typisch deutsche Arroganz. Am deutschen Wesen soll die Welt genesen, das hatten wir doch schon mal. Und was ist dabei heraus gekommen? Eben! Da regt sich dann, neben allen anderen Schwanzeinziehern, auch der zuständige Bischof (Für die Menschenrechte, insbesondere beim Thema Sexualität, ist immer ein Bischof zuständig!) mit allem Nachdruck darüber auf, dass hier ja wohl nicht wirklich gründlich darüber nachgedacht worden sei, was bei einer solch brisanten Güterabwägung alles in die jeweilige Waagschale gehöre. Wenn also auf der einen Seite die bedeutungsschweren Jahrhunderte religiöser Riten und Traditionen die Gewichtigkeit der Argumente unterstreichen, dann seien ja wohl ein paar Dutzend Jährchen Aufklärung dagegen kein ernsthafter Einwand. Und was bedeuten schon die paar dünnen Seiten Menschenrechtserklärung, Kinder- und Frauenrechte gegenüber dem vieltausendfachen Übergewicht von Bibel, Koran und Thora zusammen? Gar nichts!

Aber diese notorischen Weltverbesserer lamentieren, eine gesunde gesellschaftliche Entwicklung verlange ein ständiges Nachjustizieren der Waagschalen. Eine faire Abwägung der Argumente erfordere eine neutral geeichte Waage, bei der beide Schalen sich in leerem Zustand genau in der Waagerechten befinden müssten. Wie beim Metzger. Hallo? Wo gibt´s denn so was? In unserer religionsgesellschaftlichen Einheitswaage gibt es keine leeren Waagschalen, keine Eichung, keine neutrale Balance, keine faire Interessenabwägung. Wo Religion drauf steht, ist immer schon einseitig das Gewicht verschoben, die bleierne Tradition fest verankert und alles, was Recht ist, vorbestimmt. Das ist ja gerade das Schöne. Man ist nicht diesem ständigen verunsichernden Zwang zum Abwiegen und Vergleichen von Argumenten und Gegengewichten ausgesetzt, sondern kann sich darauf verlassen, dass das, was immer Recht und Wahrheit war, auch immer Recht und Wahrheit bleiben wird. Egal, was dieser so genannte Fortschritt dagegen einzuwenden hat. Nur so, in einem klar geregelten Übereinander ist ein geregeltes Miteinander in unserer Gesellschaft möglich. Und uneingeschränktes religiöses Leben ist überhaupt nur dort denkbar, wo eben das gesellschaftliche Leben in Schranken gehalten wird. Wie beim Bahnübergang – der kollektive Zugverkehr hat immer Vorfahrt gegenüber dem individuellen PKW-Verkehr. So einfach ist das.

Unbeschnittene gehören eben nicht zur Gemeinschaft – basta!

Und an diesem Schneideweg gilt eben: Wer zur Gemeinschaft gehören will oder gehören wollen soll, der muss sich eben in seinen Persönlichkeitsrechten und dafür symbolisch an seinem intimsten Körperteil beschneiden lassen. Umgekehrt: Wer sich gegen diese Beschneidung ausspricht, der gehört eben nicht zur Gemeinschaft. Basta. Und andere als die religiösen Gemeinschaften sind in dem Sinne ja gar keine Gemeinschaften, weil ihnen das alles entscheidende Bindeglied in Form eines nach der Verstümmelung verbundenen Gliedes fehlt. Ergo verdient so eine Art von nicht durch sichtbare physische und unsichtbare psychische Opfer verbundenen Verbindung also keine weitere Beachtung, egal auf welche abstrusen Werte wie Menschenrechte oder dergleichen sie sich beruft. Im Wettbewerb der Religiösen gegen die Ungläubigen haben also solche Pseudo-Gemeinschaften nicht den Hauch einer Chance. Und das ist auch gut so. Denn das Grundgesetz aller Glaubensgemeinschaften ist und bleibt:

§1 Die Religion hat immer Recht.

§2 Sollte die Religion einmal nicht Recht haben, tritt §1 in Kraft. Halleluja!

Das sollte sich die deutsche Strafjustiz einmal ganz gründlich hinter die Ohren schreiben! Und der deutsche Gesetzeshüter muss nun schleunigst dafür sorgen, dass in den Fällen, wo das Kirchenrecht dem Menschenrecht widerspricht, nicht etwa die ehrwürdige Tradition, sondern gefälligst das entsprechende Menschenrecht geändert und den religiösen Vorschriften untergeordnet wird. Denn von deutschem Boden darf nie wieder ein Sieg ausgehen. Schon gar nicht einer der Vernunft!

***

Helge Nyncke ist Illustrator und Autor zahlreicher Bücher für Kinder und Erwachsene und als kreativer Präsentator satirischer Texte auf Lesebühnen und im Internet unterwegs. Helge Nyncke bei Wikipedia. Nyncke hat auch die Illustrationen für das religionskritische Kinderbuch „Wo bitte geht geht’s zu Gott? fragt das kleine Ferkel“ beigesteuert, das 2007/8 indiziert werden sollte. Hier dazu auch Wikipedia.

7 Kommentare

  1. Stiller sagt:

    „um so ein Bisschen Vorhaut.“

    Aber nicht doch! Es wird geschnitten!

    http://www.duden.de/suchen/dudenonline/bi%C3%9Fchen

  2. schnippsel sagt:

    Ach Helge, wie ich Sie beneide! Was Sie als „kreativer Präsentator satirischer Texte“ von sich geben, fällt offenbar unter die „Freiheit der Kunst“. Ich hingegen durfte in diesem Blog noch nicht einmal Demagogen Demagogen nennen oder den Vorwurf der „Religionsfeindlichkeit“ mit „Selbstbestimmungsfeindlichkeit“ zurückspiegeln!

  3. zirkumi sagt:

    Es gibt nur ein einziges Menschenrecht: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn sich ALLE daran halten würden, gäbe es weder Syrien noch die Juden noch die Muslime und der ganze Blödsinn überall auf dieser idiotischen Welt hätte ein Ende…

  4. Werner Engelmann sagt:

    Persönlich halte ich diese Satire für sehr gut und – gemäß dem Motto von Tucholsky, dass Satire alles darf – auch mit ihren Überzeichnungen für legitim.
    Was sie bewirkt, ist eine ganz andere Frage. Schließlich gibt es ja bezüglich der Reaktionen auf satirische Behandlung von Themen, die in irgendeiner Weise mit Religion zu tun haben, höchst bedenkliche Vorbilder – nicht nur die Mohammed-Karikaturen.
    Bis dato scheint ja die Front der Beschneidungsbefürworter, die nicht müde wird, jedem kritischen Wort mit drastischen Vergleichen und Vorwürfen der „Intoleranz, Religionsfeindlichkeit oder Ignoranz“ zu begegnen, die Strategie der Nichtbeachtung eingeschlagen zu haben.
    Dies als Tolerierung zu bewerten, scheint mir allerdings etwas voreilig zu sein. Wie sich im (leider abgeschlossenen) Nachbarblog „Verletzung der körperlichen Unversehrtheit“, aber auch bei allen anderen Verlautbarungen herausgestellt hat, herrscht bezüglich zweier Punkte eisiges Schweigen:
    – der Hinweise auf Beispiele historischer Veränderung uralter Traditionen und Riten und der Anfrage auf entsprechende Möglichkeiten
    – und der Anregungen, unter Achtung religiöser Überzeugungen die Verbundenheit mit der eigenen Religion auf andere, symbolische Weise zum Ausdruck zu bringen, welche das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit respektiert.
    Eine Debatte darüber scheinen die Befürworter der Beschneidung zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser – verständlicher Weise, denn der Widerspruch zu Erfordernissen der unteilbaren Menschenrechte ließe sich dann nicht mehr mit verharmlosenden Hinweisen verschleiern.
    Dieses eisige Schweigen bestätigt die Vermutung von Stiller in # 185 des Nachbarblogs, dass es nicht primär um vermeintliche Unveränderbarkeit uralter Riten geht, sondern dass die Hinzufügung des Traumas selbst als unabdingbar für das eigene Verständnis von Religion erscheint, weil nur dieses eine feste, im Unbewussten verankerte Bindung an die Religion gewährleistet, welche für rationale Formen der Bewusstwerdung und damit eigene Willensäußerungen fast unzugänglich sind.
    Dies aber erscheint als wesentliches Merkmal eines fundamentalistischen Verständnisses von Religion.
    Vorrangiges Ziel einer Satire ist das Aufzeigen von Widersprüchen in der Realität durch holzschnittartige Gegenüberstellung. In dieser Hinsicht halte ich diese Satire auch für angemessen.

  5. maderholz sagt:

    Helge Nynckes Betrachtungsweise ist einfach köstlich!selbst seine größten Widersacher könnten ein klammheimliches Schmunseln nicht verbergen.

  6. schnippsel sagt:

    Jesus lebt! (Und Elvis sowieso)

    Was, das glauben Sie nicht? Und doch, es ist wahr: Jesus lebt – und zwar mitten unter uns! Die FR berichtete sogar darüber, war sich aber offenbar der wirklichen Tragweite ihrer eigenen Meldung nicht bewusst. Ja sie erniedrigte ihn sogar mit verleumderischen Überschriften! [1]

    Er wirkt jeden Tag, unermüdlich, in aller Öffentlichkeit. Er unterzeichnet seine Botschaften – Zitate aus Bibel und Psalmen – mit seinem Namen: „MfG Gott“, „Der wahre Gott“ oder schlicht „Euer Gott“. Die Schergen der Obrigkeit verhaften ihn und er gibt sich zu erkennen, indem er die Vernehmungsprotokolle mit seinem Namen unterschreibt der da lautet „Jesus“. Auf seine Heimstatt zeigt ein Schild mit der Aufschrift „Jesus Christus, Erlöser – Befreier im Fleische gekommen“.

    Sage also niemand, er habe es nicht gewusst! Ja, wahrlich, dieses Volkes Herz ist verstockt! Steht doch schon in der Bibel:

    „Darum rede ich zu euch durch Gleichnisse. Denn mit sehenden Augen sehet ihr nicht, und mit hörenden Ohren höret ihr nicht; denn ihr verstehet es nicht. Über euch wird die Weissagung Jesaja’s erfüllt, die da sagt: „Mit den Ohren werdet ihr hören, und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen, und werdet es nicht verstehen. Denn dieses Volkes Herz ist verstockt, und ihre Ohren hören übel, und ihre Augen schlummern, auf daß sie nicht dermaleinst mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, daß ich ihnen hülfe.“ Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.“ [2]

    Statt freudig Gottes Geschenke anzunehmen, verfolgen ihn die Verblendeten, indem sie ihm z.B. bis zu 30 Mal pro Woche Sachbeschädigung (in Höhe von monatlich ca. 20.000 Euro!) vorwerfen, ihn als „Schmierfinken“ diffamieren, ihn in die Klapsmühle einweisen oder ihm einen „Betreuer zur Seite stellen“ wollen und ihm seine Schreibutensilien entwenden.

    Dabei macht er doch nur das, was seit 2000 Jahren ein unverhandelbares Kernstück seiner Lehre ist: die „Verkündigung der Frohen Botschaft“! (Im Islam als „Dawa“ und „Djihad“ bekannt). Tausende Menschen haben immerhin dafür ihr Leben gelassen!

    Ich fasse es nicht: statt durch einen fraktionsübergreifenden Initiativantrag im Bundestag die „religiös oder traditionell begründete Sachbeschädigung“ straffrei zu stellen, erklärt man den Jesus von Wiesbaden als unzurechnungsfähig (vulgo: bekloppt)!

    Wenn jemand, der bei der Verkündigung von Gottes Wort Sachen beschädigt, für verrückt erklärt wird – umso wieviel mehr müsste dies für diejenigen gelten, die die körperliche Unversehrtheit wehrloser Schutzbefohlener im Kindesalter beschädigen?! [3]

    „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ [4]

    [1] „Jesus Christus“ als Schmierfink, FR vom 10.05.2011
    „Jesus Christus“ richtet großen Schaden an
    http://www.fr-online.de/wiesbaden/–8222-jesus–8220–richtet-grossen-schaden-an,1472860,16495422.html
    [2] umformuliert nach Matthäus 13, Lutherbibel 1912
    [3] Erinnert sei auch an die Diskussion (der politischen Linken) über die „Gewalt gegen Sachen“ und „Gewalt gegen Personen“
    [4] Lk 23,34 EU

  7. Friedrich Meinl sagt:

    Anfang der Woche,gelegentlich eines Besuch’s in München, ging ich in die Alte Pinakothek. Es sind 40 – 50 Jahre her, dass ich das letzte Mal dort war. Und jetzt stand ich vor einem Rembrandtgemälde, mit dem ich mich schon seinerzeit beschäftigt hatte, allerdings unter künstlerischem Aspekt. Rembrandt hat es „Der Engel verhindert die Opferung Isaaks“ genannt. http://de.wikipedia.org/wiki/Opferung_Isaaks

    Jetzt sah ich es anders als damals. Isaak liegt gefesselt am Boden. Abraham drückt ihm mit seiner Linken den Kopf in den Nacken, sodass der Hals überstreckt frei liegt. Seine Rechte ist auf dem Höhepunkt ihrer weit ausholenden Bewegung, um den furchtbaren Schnitt auszuführen. In diesem Augenblick greift der Engel ein. Er umklammert Abrahams Handgelenk, sodass sich die Hand öffnet und ihr das Messer entfällt. Eine Darstellung erschreckender Dramatik.
    Ich habe wohl eine halbe Stunde vor dem Bild gesessen und es auf mich wirken lassen. Mein Eindruck war: Das ist mehr als die Verhinderung der Opferung des Isaak, das ist das Ende der Opferung der Erstgeburt und ein früher Höhepunkt der Humanität, nämlich die Humanisierung der Opferung. Später und ähnlich auch bei Homer die Rettung der geopferten Iphigenie durch die Göttin Artemis. Goethe hat das Thema in seiner „Iphigenie auf Taurus“ aufgegriffen und bearbeitet. Religion, Humanität und Aufklärung sind keine unvereinbaren Gegensätze oder gar Widersprüche, sondern Versuche, Einigkeit, Frieden und Gerechtigkeit herzustellen, denn von Natur aus ist der Mensch gewalttätig, ungerecht und friedlos.
    Weitere Schritte der Humanisierung der Opferungen folgten im Laufe von Jahrhunderten und Jahrtausenden. Aber es wurde weiter geopfert und immer wieder auch Menschen. Neue,extrem inhumane und zahllose Opfer wurden gefordert; bemerkenswerter Weise auch von der aufgeklärten Gesellschaft im Namen moderner Ideologien. Mir stellte sich eine Frage nach der anderen. Ich will sie hier nicht weiter verfolgen und vertiefen. Ich will nur sagen, dass wir im Streit um die Beschneidung daran denken denken sollten, dass Religion frühe und hohe Verdienste um Humanität, Frieden und Gerechtigkeit aufzuweisen hat. Sie ist Versuch und Annäherung wie die Aufklärung auch. So gesehen, geht es langfristig um die Zusammenarbeit von Aufklärung und Religion. Deren Problem dabei ist aber, dass sie auf Dauer angelegt und in ganz anderer Art begründet ist, vermittelt und weiter gegeben wird als die Inhalte der Aufklärung. Ihr liegen Not, Angst, Hoffnung, Erfahrung und Phantasie zugrunde. Sie ist der Kunst näher verwandt als der Wissenschaft. GOTT wird wohl wieder einen Engel aussenden müssen, oder hat ihn schon ausgesandt, um den Bescheidern das Messer aus der Hand zu nehmen. Diesmal erscheint er eben in Gestalt von Aufklärung und Menschenrechten.