75 Jahre Frankfurter Rundschau – Ihr Beitrag

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Am 1. August 1945 erschien die erste Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Die FR ist damit die dritte Zeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erschien. Im Jahr 2020 wird sie also 75 Jahre alt. Einen Teil dieser Zeit begleitete sie mein Leben, so wie sie – ich unterstelle das mal – Ihr Leben begleitet hat und auch immer noch begleitet. Ich hatte sie während meines Studiums in Freiburg in den 1980er Jahren abonniert und in den 90er Jahren Glossen für sie geschrieben, so wie auch für die taz und die Stuttgarter Zeitung.

NusseckenHier rechts ist ein Scan von einer Satire zum Thema Nussecken von mir zu sehen, die an Pfingsten 1998 in der FR erschien. Draufklicken und lesen!

Im Jahr 2001 wurde mein Mann Redakteur im Sport-Ressort bei der FR, und wir zogen von Freiburg nach Frankfurt. Ich hatte vor allem Schreiben im Kopf, meine Romane. 1999 war „Genetics“ erschienen, und ich arbeitete als Co-Autor von Charles Dickens an dem Roman „Der Fall Edwin Drood“, der 2003 erschienen ist. Aber ich musste auch Geld verdienen, und so begann ich, in der Redaktion der FR als Springer auszuhelfen – zuerst in den Sekretariaten (von 2003 bis 2004 war ich Sekretär der Nachrichtenredaktion), später in der Leserkommunikation, bis mir im Mai 2007 der damalige Chefredakteur Uwe Vorkötter die Leserbriefseiten anvertraute. Damit war ich als Quereinsteiger endgültig in der Redaktion angekommen, nachdem ich seit September 2005 bereits dieses Blog betreut habe. 15 Jahre wird das FR-Blog nun alt! Es hat mehrere Veränderungen erfahren und viele hitzige Diskussionen erlebt, von denen etliche für mich unangenehm verliefen, etwa die um die Formatumstellung der FR am 31. Mai 2007. Das war etwas, was viele Leserinnen und Leser überhaupt nicht mochten. Aus Sicht der Zeitungsmacher war die Umstellung ein Versuch, eine Antwort zu geben auf die sich ändernden Ansprüche der Leserinnen und Leser, auf den Strukturwandel in der Medienlandschaft, der bis heute anhält. Ich denke nicht gern an diese Zeiten zurück, weil ich damals viel auszuhalten hatte und teilweise persönlich für etwas angegriffen wurde, für das ich nicht verantwortlich war, das ich aber zu vertreten und zu erklären hatte; das war der Job. Er ist mir nicht immer gut gelungen, ich weiß. Es war nicht einfach. Aber: So was verbindet.

Dann die Insolvenz Ende 2012. Die FR erhielt Massen von Mails, in denen Leserinnen und Leser ihre Bereitschaft kundtaten, Genossenschaftsanteile zu kaufen, falls die FR nach dem Vorbild der taz in eine Genossenschaft überführt werden könnte. Diese Monate habe ich – natürlich – in schlimmer Erinnerung. Mein Mann und ich hatten ein Haus gekauft. Würden wir es verlieren? Abgesehen von den Jobs? Nun, es ging dann weiter, zuerst mit der FAZ, dann mit der Ippen-Gruppe. Seit 19 Jahren arbeite ich inzwischen für die FR.

Leseprobe Magazin 20190917Meine Ziele als Autor habe ich stets weiter verfolgt, nicht nur mit der Bloggerei, sondern auch mit den Romanen. Zuletzt erschien der Thriller „Incubus – Virenkrieg III“ – rechts ein Screenshot vom FR-Magazin vom 17. September 2019 mit einer Leseprobe. In Kürze kommt „Evan – Virenkrieg IV“ heraus. Mein Hauptziel im Leben war immer die Schreiberei. Vielleicht schaffe ich damit irgendwann noch den Durchbruch, während sich die Medienlandschaft in den kommenden Jahren selbstverständlich weiter verändern wird. Mein Job bei der FR ist für mich dennoch mehr als nur ein Brotjob, der mir das Schreiben ermöglicht. Er ist kreativ, jeden Tag neu, und er ist anspruchsvoll. Die Arbeit mit Ihrer Meinung und Ihrem Leserin- und Leserbrief ist mir ein Anliegen. Ich verhelfe Ihrer Meinung im Blatt zur Geltung, zeige sie der Redaktion und bringe sie hier im FR-Blog heraus.

pdf einer Leseprobe

Das ist also die Innensicht. Ich bin der FR eng verbunden – als Autor, freier Mitarbeiter und nun auch als Redakteur. Nicht nur, weil ich für diese Zeitung arbeite, sondern weil die Haltung dieser Redaktion und dieser Zeitung meiner eigenen weitgehend entspricht und weil es Dinge gibt, für die ich mich zusammen mit der Redaktion in diesem Sinn einsetzen kann.

Aber was wäre die FR ohne ihre Leserinnen und Leser? Nachdem ich meine Verbundenheit und meine Motive in aller Kürze geschildert habe, sind nun Sie an der Reihe. Machen Sie mich und andere Leserinnen und Leser mit Ihrer Sicht, mit Ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit der FR bekannt! Diese Zeitung hat viele langjährige Abonnentinnen und Abonnenten, die ihr gewogen sind. Was ist das, was Sie mit der FR verbindet? Was haben Sie mit dieser Zeitung erlebt? Was schätzen Sie an ihr, worüber ärgern Sie sich?

75 Jahre Frankfurter Rundschau! Ich möchte Sie einladen, von Ihrer Zeit mit der FR zu erzählen. Wenn genug Beiträge zusammenkommen, starten wir nach „Mein 1968“ eine neue Serie mit Ihren Zuschriften. Es würde mich sehr freuen, wenn das gelänge! Greifen Sie also zum Stift oder zur Tastatur! Mailen Sie auf den bekannten Wegen – die Kontaktdaten stehen täglich im Print-Leserforum im Kasten unter der Bronski-Grafik, ebenso die Postanschrift. Sie können natürlich auch gleich hier unten die Kommentarfunktion des FR-Blogs benutzen. Wenn Sie nicht wissen, wie das geht – hier gibt es eine einfache Einführung. Draufklicken!

Ich freue mich auf Ihre Zuschriften!

Ihr Lutz „Bronski“ Büge

3 Kommentare

  1. Stefan Vollmershausen sagt:

    Liebe Rundschau, lieber Bronski,

    Es gab auch Zeiten ohne Internet, ich persönlich bin nicht vor 2004 online gewesen. Bis dahin gab es für mich kein Internet, aber wie wurde sich offline informiert ?
    TV gibt es ja schon etwas länger ( ich muss gestehen, in schwarzweiß bei uns im Fernsehen, das WM Finale 1966,als Bube gesehen zu haben ) man informierte sich über Fernsehen und weil ich aus einem geordneten Haushalt stamme, hatten wir auch eine tageszeitung abonniert. Nein, nicht die FR, mein Vater las die FAZ und ich mit. Als ich alter wurde, lebte ich in Frankfurt. In Sachsenhausen am wendelsplatz standen am Freitag Zeitungsverkäufer der FR, die die Abendausgabe mit den anzeigen für Wohnungen und stellen zusätzlich hatte. Die freitags Abendausgabe der FR
    war Pflicht, wenn etwas gesucht wurde, aber auch das Aktuelle, denn der Politik teil war dabei. So kam ich in den achtziger Jahren mit der FR in Kontakt. Mit dem Anzeigenteil suchte und fand ich in der Stadt eine Wohnung, nicht nur eine.
    Ich gestehe auch schon für die FR gearbeitet zu haben, ausgerechnet 1989!
    Ich war zeitungsaustrager während der Wende, vier Uhr morgens bis sieben Uhr jeden Tag, auch Samstag.
    Es blieb jeden Tag eine Zeitung übrig vom zustellen, die ich dann tagsüber las. 1989 , es war sehr interessant.1990, ich hatte noch einen weiteren job bei den städtischen Bühnen. Dort wurde auch die FR gelesen, wegen den Bühnen Kritiken. Kurz und gut, man kam vor dreißig Jahren nicht um die FR herum, in Frankfurt zu mindestens.
    Ich kam später nach Dreieich im Landkreis Offenbach. Dort war die FR nicht mehr so angesagt.
    Es war um die Jahrtausendwende, von kommunal über Kreistag und auch im Landtag alles komplett CDU – man konnte durchregieren.
    Damals geriet die Rundschau in Schieflage, Roland Koch war sogar bereit ein Darlehen zu gewahren., zur Rettung.
    Seit der Jahrtausendwende bin ich in meinem Exil im Kreis Offenbach, zum Abonnenten geworden, der es sehr bedauern wurde, wenn aufgrund der mangelnden Anzeigen und Auflagen, die das Internet mit sich bringt, diese tageszeitung eingestellt werden wurde.

  2. Peter Boettel sagt:

    Lieber Lutz „Bronski“ Büge,

    als die FR erstmalig erschien, war ich noch nicht geboren. Und es dauerte danach noch viele Jahre, bis ich in der Eifel von der FR erfahren konnte. Jedoch das Titelblatt der Erstausgabe sowie späterer Ausgaben habe ich noch anlässlich eines Jubiläums in meinem Fundus. In einer Ausgabe des Jahres 1994 fiel mir dabei auf, dass sich damals noch die SPD gegen eine Maut ausgesprochen hatte. Wie sich die Zeiten ändern?

    Aber in der Studenten-WG in Saarbrücken, wo ich Mitte der siebziger Jahre lebte, hatten wir die FR abonniert, nachdem ich sie bereits vorher im AStA der Uni kennen und schätzen lernte.

    Besonders der damalige Chefredakteur und leider zu früh verstorbene Karl Herrmann Flach, Mitverfasser der Freiburger Thesen der FDP und Wegbereiter für die sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt, ist mir in angenehmer Erinnerung. Er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Partei geworden ist. Vermutlich hätte er ihr bereits wie viele andere 1982 nach dem Verrat an Helmut Schmidt den Rücken gekehrt.

    Nach dem Einstieg ins Berufsleben habe ich seit ca. 1978 bis heute die FR abonniert. Sie ist seitdem immer noch für mich eine der wenigen lesbaren Zeitungen, auch wenn ich nicht mit allen Beiträgen einverstanden bin. Besonders schätze ich die Kommentare von Stephan Hebel.

    Bekanntlich sende ich gelegentlich einen Leserbrief, wobei meine ersten Leserbriefe leider nie veröffentlicht wurden; erst ab ca. 2010 konnte ich hierbei Erfolge verbuchen. Natürlich ist mir der Blogtalk mit Ihnen im Jahre 2017 über mein Buch „Ist Europa gescheitert?“ in besonderer Erinnerung. Leider hatte ich für das Buch den falschen Verlag erwischt, musste mit einem relativ hohen Betrag in Vorlage treten und schloss das Ganze erfolglos ab. Es war halt mal ein Versuch, ein Buch zu schreiben und gleichzeitig eine Lehre, es nicht wieder zu tun.

    Auch mein Beitrag „Mein 1968“ wurde veröffentlicht, und ich freute mich, auch den meines früheren Klassenkameraden Klaus-Peter Meeth sowie einiger anderer Bekannter lesen zu können.

    Natürlich bedeutete die Insolvenz für mich einen großen Schock, wobei mich die Übernahme durch die FAZ nachdenklich stimmte. Aber es ging.

    So hoffe ich, die FR noch viele Jahre lesen zu können und wünsche der Zeitung viele weitere Jahre, auf jeden Fall eine Beibehaltung ihrer linksliberalen Ausrichtung, vielleicht etwas linker, sowie den Mitarbeiter*innen einen sicheren Arbeitsplatz und gute Recherchen.

    In diesem Sinne ein Glück Auf!

    Peter Boettel, Göppingen

  3. Manfred Kirsch sagt:

    Ähnlich wie mein Freund Peter Boettel war auch ich nicht geboren, als die FR erstmals erschien. Wir schrieben das Jahr 1968, ich war dreizehn Jahre alt, als Martin Luther King am 4. April ermordet wurde. Am Gründonnerstag jenes Jahres, als Rudi Dutschke von einem Attentäter in Berlin angeschossen wurde, und am darauffolgenden Osterfest versuchte ich, durch das Lesen verschiedener Zeitungen meinen politischen Standort zu finden. Die Kommentare und Leitartikel in der FR, unter anderem von dem unvergessenen Herausgeber und Chefredakteur Karl Gerold und dem stellvertretenden Chefredakteur, dem großen Liberalen Karl-Hermann Flach, überzeugten mich damals durch ihre gesellschaftskritischen Inhalte, so dass ich damals meine Mutter, meine Oma und meinen Opa bat, neben unserer Regionalzeitung auch die FR zu abonnieren. Die FR wurde seitdem zu einer meiner Hauptinformationsquellen, die für eine linke Weltanschauung standen. So war mein erster SPD-Eintritt am 12. Oktober 1970 begleitet von der Lektüre der fundierten meinungsbildenden Artikel in der FR. In der Juso-Zeit und nachdem ich auch 1975 meinen ersten Leserbrief in der FR hatte, war die FR, die während der Fraktionskämpfe bei den Jungsozialisten zwischen Reformsozialisten, Antirevisionisten und Stamokaps jusointern auch als Zentralorgan der Reformsozialisten bezeichnet wurde, sozusagen das wichtigste Informations- und Meinungsbildungsorgan. Nachdem ich im Bezirk Rheinland/Hessen-Nassau und im Landesverband Rheinland-Pfalz der Jusos in die jeweiligen Vorstände gewählt war und ich für das nördliche Rheinland-Pfalz die Informations- und Pressearbeit verantwortete, versuchte ich mich damit, auch Pressemitteilungen in der FR zu platzieren, was mir 1975 auch erstmals gelang. Während dieser Zeit hatte auch mein Juso-Freund Siegfried Kowallek immer mehr Spaß daran gefunden, sich mit Zuschriften an der Debatte unter FR-Lesern zu beteiligen. Gemeinsam solidarisierten wir uns in einer Zuschrift mit den Jungsozialisten in Stade, die in Bedrängnis geraten waren. Nachdem ich 1994 wegen des Asylkompromisses die SPD verlassen hatte, betätigte ich mich die ganze Zeit sehr stark als Leserbriefautor, was heute immer noch der Fall ist. Noch etwas zum Schmunzeln zum Schluss: Ich bin ja Anfang 2018 wieder Mitglied der SPD geworden. Die Initialzündung dazu war ein mich überzeugender Kommentar von Stephan Hebel, der politisch engagierten Zeitgenossen riet, wieder in die SPD einzutreten, um die große Koalition zu verhindern. Die FR steht heute wieder als singuläre Zeitung da, die auf der Basis eines linken und sozialen Liberalismus die unkontrollierte Macht in den Chefetagen und die Auswüchse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung im Blick hat. Die Presselandschaft dieser Republik wäre viel ärmer, gäbe es nicht das Blatt mit dem grünen Balken aus Frankfurt am Main. Ich jedenfalls wollte es nicht missen.