75 Jahre Frankfurter Rundschau – Ihr Beitrag

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Am 1. August 1945 erschien die erste Ausgabe der Frankfurter Rundschau. Die FR ist damit die dritte Zeitung, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland erschien. Im Jahr 2020 wird sie also 75 Jahre alt. Einen Teil dieser Zeit begleitete sie mein Leben, so wie sie – ich unterstelle das mal – Ihr Leben begleitet hat und auch immer noch begleitet. Ich hatte sie während meines Studiums in Freiburg in den 1980er Jahren abonniert und in den 90er Jahren Glossen für sie geschrieben, so wie auch für die taz und die Stuttgarter Zeitung.

NusseckenHier rechts ist ein Scan von einer Satire zum Thema Nussecken von mir zu sehen, die an Pfingsten 1998 in der FR erschien. Draufklicken und lesen!

Im Jahr 2001 wurde mein Mann Redakteur im Sport-Ressort bei der FR, und wir zogen von Freiburg nach Frankfurt. Ich hatte vor allem Schreiben im Kopf, meine Romane. 1999 war „Genetics“ erschienen, und ich arbeitete als Co-Autor von Charles Dickens an dem Roman „Der Fall Edwin Drood“, der 2003 erschienen ist. Aber ich musste auch Geld verdienen, und so begann ich, in der Redaktion der FR als Springer auszuhelfen – zuerst in den Sekretariaten (von 2003 bis 2004 war ich Sekretär der Nachrichtenredaktion), später in der Leserkommunikation, bis mir im Mai 2007 der damalige Chefredakteur Uwe Vorkötter die Leserbriefseiten anvertraute. Damit war ich als Quereinsteiger endgültig in der Redaktion angekommen, nachdem ich seit September 2005 bereits dieses Blog betreut habe. 15 Jahre wird das FR-Blog nun alt! Es hat mehrere Veränderungen erfahren und viele hitzige Diskussionen erlebt, von denen etliche für mich unangenehm verliefen, etwa die um die Formatumstellung der FR am 31. Mai 2007. Das war etwas, was viele Leserinnen und Leser überhaupt nicht mochten. Aus Sicht der Zeitungsmacher war die Umstellung ein Versuch, eine Antwort zu geben auf die sich ändernden Ansprüche der Leserinnen und Leser, auf den Strukturwandel in der Medienlandschaft, der bis heute anhält. Ich denke nicht gern an diese Zeiten zurück, weil ich damals viel auszuhalten hatte und teilweise persönlich für etwas angegriffen wurde, für das ich nicht verantwortlich war, das ich aber zu vertreten und zu erklären hatte; das war der Job. Er ist mir nicht immer gut gelungen, ich weiß. Es war nicht einfach. Aber: So was verbindet.

Dann die Insolvenz Ende 2012. Die FR erhielt Massen von Mails, in denen Leserinnen und Leser ihre Bereitschaft kundtaten, Genossenschaftsanteile zu kaufen, falls die FR nach dem Vorbild der taz in eine Genossenschaft überführt werden könnte. Diese Monate habe ich – natürlich – in schlimmer Erinnerung. Mein Mann und ich hatten ein Haus gekauft. Würden wir es verlieren? Abgesehen von den Jobs? Nun, es ging dann weiter, zuerst mit der FAZ, dann mit der Ippen-Gruppe. Seit 19 Jahren arbeite ich inzwischen für die FR.

Leseprobe Magazin 20190917Meine Ziele als Autor habe ich stets weiter verfolgt, nicht nur mit der Bloggerei, sondern auch mit den Romanen. Zuletzt erschien der Thriller „Incubus – Virenkrieg III“ – rechts ein Screenshot vom FR-Magazin vom 17. September 2019 mit einer Leseprobe. In Kürze kommt „Evan – Virenkrieg IV“ heraus. Mein Hauptziel im Leben war immer die Schreiberei. Vielleicht schaffe ich damit irgendwann noch den Durchbruch, während sich die Medienlandschaft in den kommenden Jahren selbstverständlich weiter verändern wird. Mein Job bei der FR ist für mich dennoch mehr als nur ein Brotjob, der mir das Schreiben ermöglicht. Er ist kreativ, jeden Tag neu, und er ist anspruchsvoll. Die Arbeit mit Ihrer Meinung und Ihrem Leserin- und Leserbrief ist mir ein Anliegen. Ich verhelfe Ihrer Meinung im Blatt zur Geltung, zeige sie der Redaktion und bringe sie hier im FR-Blog heraus.

pdf einer Leseprobe

Das ist also die Innensicht. Ich bin der FR eng verbunden – als Autor, freier Mitarbeiter und nun auch als Redakteur. Nicht nur, weil ich für diese Zeitung arbeite, sondern weil die Haltung dieser Redaktion und dieser Zeitung meiner eigenen weitgehend entspricht und weil es Dinge gibt, für die ich mich zusammen mit der Redaktion in diesem Sinn einsetzen kann.

Aber was wäre die FR ohne ihre Leserinnen und Leser? Nachdem ich meine Verbundenheit und meine Motive in aller Kürze geschildert habe, sind nun Sie an der Reihe. Machen Sie mich und andere Leserinnen und Leser mit Ihrer Sicht, mit Ihren Erfahrungen und Erlebnissen mit der FR bekannt! Diese Zeitung hat viele langjährige Abonnentinnen und Abonnenten, die ihr gewogen sind. Was ist das, was Sie mit der FR verbindet? Was haben Sie mit dieser Zeitung erlebt? Was schätzen Sie an ihr, worüber ärgern Sie sich?

75 Jahre Frankfurter Rundschau! Ich möchte Sie einladen, von Ihrer Zeit mit der FR zu erzählen. Wenn genug Beiträge zusammenkommen, starten wir nach „Mein 1968“ eine neue Serie mit Ihren Zuschriften. Es würde mich sehr freuen, wenn das gelänge! Greifen Sie also zum Stift oder zur Tastatur! Mailen Sie auf den bekannten Wegen – die Kontaktdaten stehen täglich im Print-Leserforum im Kasten unter der Bronski-Grafik, ebenso die Postanschrift. Sie können natürlich auch gleich hier unten die Kommentarfunktion des FR-Blogs benutzen. Wenn Sie nicht wissen, wie das geht – hier gibt es eine einfache Einführung. Draufklicken!

Ich freue mich auf Ihre Zuschriften!

Ihr Lutz „Bronski“ Büge

Dieser Text wurde erstmals am 3. März 2020 hier im FR-Blog veröffentlicht und jetzt erneuert.

Update: Die Jubiläumsseiten des Leserforums

Leserforum 20200108Hier auch als pdf-Dokument.

 

 

 

 

 

 

 

 

16 Kommentare

  1. Stefan Vollmershausen sagt:

    Liebe Rundschau, lieber Bronski,

    Es gab auch Zeiten ohne Internet, ich persönlich bin nicht vor 2004 online gewesen. Bis dahin gab es für mich kein Internet, aber wie wurde sich offline informiert ?
    TV gibt es ja schon etwas länger ( ich muss gestehen, in schwarzweiß bei uns im Fernsehen, das WM Finale 1966,als Bube gesehen zu haben ) man informierte sich über Fernsehen und weil ich aus einem geordneten Haushalt stamme, hatten wir auch eine tageszeitung abonniert. Nein, nicht die FR, mein Vater las die FAZ und ich mit. Als ich alter wurde, lebte ich in Frankfurt. In Sachsenhausen am wendelsplatz standen am Freitag Zeitungsverkäufer der FR, die die Abendausgabe mit den anzeigen für Wohnungen und stellen zusätzlich hatte. Die freitags Abendausgabe der FR
    war Pflicht, wenn etwas gesucht wurde, aber auch das Aktuelle, denn der Politik teil war dabei. So kam ich in den achtziger Jahren mit der FR in Kontakt. Mit dem Anzeigenteil suchte und fand ich in der Stadt eine Wohnung, nicht nur eine.
    Ich gestehe auch schon für die FR gearbeitet zu haben, ausgerechnet 1989!
    Ich war zeitungsaustrager während der Wende, vier Uhr morgens bis sieben Uhr jeden Tag, auch Samstag.
    Es blieb jeden Tag eine Zeitung übrig vom zustellen, die ich dann tagsüber las. 1989 , es war sehr interessant.1990, ich hatte noch einen weiteren job bei den städtischen Bühnen. Dort wurde auch die FR gelesen, wegen den Bühnen Kritiken. Kurz und gut, man kam vor dreißig Jahren nicht um die FR herum, in Frankfurt zu mindestens.
    Ich kam später nach Dreieich im Landkreis Offenbach. Dort war die FR nicht mehr so angesagt.
    Es war um die Jahrtausendwende, von kommunal über Kreistag und auch im Landtag alles komplett CDU – man konnte durchregieren.
    Damals geriet die Rundschau in Schieflage, Roland Koch war sogar bereit ein Darlehen zu gewahren., zur Rettung.
    Seit der Jahrtausendwende bin ich in meinem Exil im Kreis Offenbach, zum Abonnenten geworden, der es sehr bedauern wurde, wenn aufgrund der mangelnden Anzeigen und Auflagen, die das Internet mit sich bringt, diese tageszeitung eingestellt werden wurde.

  2. Peter Boettel sagt:

    Lieber Lutz „Bronski“ Büge,

    als die FR erstmalig erschien, war ich noch nicht geboren. Und es dauerte danach noch viele Jahre, bis ich in der Eifel von der FR erfahren konnte. Jedoch das Titelblatt der Erstausgabe sowie späterer Ausgaben habe ich noch anlässlich eines Jubiläums in meinem Fundus. In einer Ausgabe des Jahres 1994 fiel mir dabei auf, dass sich damals noch die SPD gegen eine Maut ausgesprochen hatte. Wie sich die Zeiten ändern?

    Aber in der Studenten-WG in Saarbrücken, wo ich Mitte der siebziger Jahre lebte, hatten wir die FR abonniert, nachdem ich sie bereits vorher im AStA der Uni kennen und schätzen lernte.

    Besonders der damalige Chefredakteur und leider zu früh verstorbene Karl Herrmann Flach, Mitverfasser der Freiburger Thesen der FDP und Wegbereiter für die sozial-liberale Koalition unter Willy Brandt, ist mir in angenehmer Erinnerung. Er würde sich im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Partei geworden ist. Vermutlich hätte er ihr bereits wie viele andere 1982 nach dem Verrat an Helmut Schmidt den Rücken gekehrt.

    Nach dem Einstieg ins Berufsleben habe ich seit ca. 1978 bis heute die FR abonniert. Sie ist seitdem immer noch für mich eine der wenigen lesbaren Zeitungen, auch wenn ich nicht mit allen Beiträgen einverstanden bin. Besonders schätze ich die Kommentare von Stephan Hebel.

    Bekanntlich sende ich gelegentlich einen Leserbrief, wobei meine ersten Leserbriefe leider nie veröffentlicht wurden; erst ab ca. 2010 konnte ich hierbei Erfolge verbuchen. Natürlich ist mir der Blogtalk mit Ihnen im Jahre 2017 über mein Buch „Ist Europa gescheitert?“ in besonderer Erinnerung. Leider hatte ich für das Buch den falschen Verlag erwischt, musste mit einem relativ hohen Betrag in Vorlage treten und schloss das Ganze erfolglos ab. Es war halt mal ein Versuch, ein Buch zu schreiben und gleichzeitig eine Lehre, es nicht wieder zu tun.

    Auch mein Beitrag „Mein 1968“ wurde veröffentlicht, und ich freute mich, auch den meines früheren Klassenkameraden Klaus-Peter Meeth sowie einiger anderer Bekannter lesen zu können.

    Natürlich bedeutete die Insolvenz für mich einen großen Schock, wobei mich die Übernahme durch die FAZ nachdenklich stimmte. Aber es ging.

    So hoffe ich, die FR noch viele Jahre lesen zu können und wünsche der Zeitung viele weitere Jahre, auf jeden Fall eine Beibehaltung ihrer linksliberalen Ausrichtung, vielleicht etwas linker, sowie den Mitarbeiter*innen einen sicheren Arbeitsplatz und gute Recherchen.

    In diesem Sinne ein Glück Auf!

    Peter Boettel, Göppingen

  3. Manfred Kirsch sagt:

    Ähnlich wie mein Freund Peter Boettel war auch ich nicht geboren, als die FR erstmals erschien. Wir schrieben das Jahr 1968, ich war dreizehn Jahre alt, als Martin Luther King am 4. April ermordet wurde. Am Gründonnerstag jenes Jahres, als Rudi Dutschke von einem Attentäter in Berlin angeschossen wurde, und am darauffolgenden Osterfest versuchte ich, durch das Lesen verschiedener Zeitungen meinen politischen Standort zu finden. Die Kommentare und Leitartikel in der FR, unter anderem von dem unvergessenen Herausgeber und Chefredakteur Karl Gerold und dem stellvertretenden Chefredakteur, dem großen Liberalen Karl-Hermann Flach, überzeugten mich damals durch ihre gesellschaftskritischen Inhalte, so dass ich damals meine Mutter, meine Oma und meinen Opa bat, neben unserer Regionalzeitung auch die FR zu abonnieren. Die FR wurde seitdem zu einer meiner Hauptinformationsquellen, die für eine linke Weltanschauung standen. So war mein erster SPD-Eintritt am 12. Oktober 1970 begleitet von der Lektüre der fundierten meinungsbildenden Artikel in der FR. In der Juso-Zeit und nachdem ich auch 1975 meinen ersten Leserbrief in der FR hatte, war die FR, die während der Fraktionskämpfe bei den Jungsozialisten zwischen Reformsozialisten, Antirevisionisten und Stamokaps jusointern auch als Zentralorgan der Reformsozialisten bezeichnet wurde, sozusagen das wichtigste Informations- und Meinungsbildungsorgan. Nachdem ich im Bezirk Rheinland/Hessen-Nassau und im Landesverband Rheinland-Pfalz der Jusos in die jeweiligen Vorstände gewählt war und ich für das nördliche Rheinland-Pfalz die Informations- und Pressearbeit verantwortete, versuchte ich mich damit, auch Pressemitteilungen in der FR zu platzieren, was mir 1975 auch erstmals gelang. Während dieser Zeit hatte auch mein Juso-Freund Siegfried Kowallek immer mehr Spaß daran gefunden, sich mit Zuschriften an der Debatte unter FR-Lesern zu beteiligen. Gemeinsam solidarisierten wir uns in einer Zuschrift mit den Jungsozialisten in Stade, die in Bedrängnis geraten waren. Nachdem ich 1994 wegen des Asylkompromisses die SPD verlassen hatte, betätigte ich mich die ganze Zeit sehr stark als Leserbriefautor, was heute immer noch der Fall ist. Noch etwas zum Schmunzeln zum Schluss: Ich bin ja Anfang 2018 wieder Mitglied der SPD geworden. Die Initialzündung dazu war ein mich überzeugender Kommentar von Stephan Hebel, der politisch engagierten Zeitgenossen riet, wieder in die SPD einzutreten, um die große Koalition zu verhindern. Die FR steht heute wieder als singuläre Zeitung da, die auf der Basis eines linken und sozialen Liberalismus die unkontrollierte Macht in den Chefetagen und die Auswüchse der kapitalistischen Wirtschaftsordnung im Blick hat. Die Presselandschaft dieser Republik wäre viel ärmer, gäbe es nicht das Blatt mit dem grünen Balken aus Frankfurt am Main. Ich jedenfalls wollte es nicht missen.

  4. Peter Boettel sagt:

    Nochmals meinen Glückwunsch an die FR für 75 Jahre und in der Hoffnung auf mindestens weitere 75 Jahre.

    Den Beitrag über die Nussecken finde ich interessant, weil Nussecken zu meinen Lieblings-Gebäck-Stücken gehören. Als Kind hat mein Vater mir oft welche mitgebracht. Und es scheint auch ein Lieblingsgebäck für Leute aus Trier wie Gildo Horn zu sein, da ich auch in Trier geboren bin.

    Alles Gute für die FR und für Sie, Lutz „Bronski“ Büge.

  5. Peter Boettel sagt:

    Nachtrag:

    Ein Wunsch an die FR: Vor zwei Tagen las ich, dass in Deutschland der Film des griechischen Regisseurs Costa Gavras über die Austeritätspolitik in Griechenland in Deutschland nicht gezeigt wird und sogar versucht wurde, die Produktion dieses Films zu verhindern.

    Ich wäre der FR als linksliberaler Zeitung dankbar, wenn sie hierüber einen Beitrag bringen könnte.

  6. Jürgen Malyssek sagt:

    Schon zum 70sten habe ich der Rundschau geschrieben und ihr gratuliert. Schließlich sind wir gleichaltrig. Gut, die FR ist ein Monat älter als ich. Das gebietet entsprechende Achtung und Ehrfurcht.

    Nach meiner Erinnerung lese ich die Rundschau seit Mitte der 1970er (mit Beginn eines etwas späten Studiums). Vorher war ich hauptsächlich SPIEGEL-Leser (Augstein-Zeiten). Damals gab es für mich nur die SPD als Parteienorientierung.

    Eine wichtige medienpolitische Rolle spielte die FR in den 1970ern in der Gast- und „Fremd“arbeiter-Debatte. Es war die HochZeit der Rekrutierung ausländischer Arbeiter nach Deutschland. Die Rundschau war die einzige Tageszeitung, die sich – aus meiner Sicht – fair und differenziert, aber auch parteiich an der Thematik dran blieb. Damit war sie wichtig als Beitrag für die gesellschaftliche Stimmung im Lande, die in großen Teilen der Bevölkerung alles andere als Willkommenszeichen gegenüber den Gastarbeitern setzte.
    Der Liberale Karl-Hermann Flach war damals ein Begriff in unseren Kreisen. Sehr geschätzt.

    Da war vor einigen Jahren noch die große Existenz-Krise der FR. Ich meine, dass man der FAZ sehr danken muss, dass sie mit zur Rettung beigetragen hat!
    Im Leserforum bin ich gefühlt seit 2010. Ich habe dort einiges gelernt (Bronski!). Die Debatten im Blog waren manchmal anstrengend. Oft aber auch sehr konstruktiv und in freundschaftlicher Atmosphäre.

    Inzwischen ist mir, neben dem politischen Teil, das Feuilleton sehr wichtig geworden. Neben dem ständigen tagtäglichen Kampf um das Richtige in der Politik, den alltäglichen Wahnsinn in der Welt, gibt einem das Feuilleton viele Möglichkeiten, das Tempo zu drosseln und nachzudenken. Ganz wichtig!
    Dann sag‘ ich auch mal: Glück auf!

  7. Mein Leben mit der „Frankfurter Rundschau“ begann während der Tage nach dem 11. September 1973, also nach dem Putsch gegen Chiles Präsident Salvador Allende.

    Meine Freundin und ich verbrachten damals einen Urlaub in Hirschhorn am Neckar. Die erste Station unserer täglichen Wanderung war der Zeitungskiosk, wo wir eine FAZ und eine FR erstanden. Bereits bei der Rast auf den Höhen des Odenwalds oder am Ufer des Flusses begannen wir, uns in den Blättern über das Geschehen in Deutschland und der Welt zu informieren. Am späten Nachmittag folgte in der Pension die intensive Beschäftigung mit den Berichten und Kommentaren. Die Nachrichten des HR ergänzten unsere Meinungsbildung. Bei der Lektüre der Zeitungen stellten wir eine merkwürdige Diskrepanz zwischen FAZ und FR fest.

    Die FAZ rechtfertigte den Putsch in Chile als notwendiges Eingreifen verantwortungsvoller Militärs unter Führung General Pinochets. Sie begründete ihre Sicht damit, dass es um die Verhinderung eines Abgleitens in eine linke Diktatur gegangen wäre. Das rücksichtslose Vorgehen der Putschisten gegen die gewählte Regierung und die Zivilbevölkerung wurde entweder beschönigt oder blieb unerwähnt. Genauso wie die Beteiligung des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes. Die FR hingegen erfüllte ihre journalistische Pflicht. Sie berichtete ungeschminkt alles, was von eigenen Korrespondenten und Nachrichtenagenturen über die Lage zu erfahren war.

    Ich war an eine Äußerung des Schriftstellers und Publizisten Erik Reger („Union der festen Hand“) erinnert: Journalisten und Schriftsteller müssten sich entscheiden, ob sie an der Seite der Herrscher oder der Beherrschten stünden. Für uns war klar: Die FR stand an der Seite der Beherrschten, die für ihre Befreiung kämpften, und sie würde künftig unsere Zeitung sein. Zunächst kauften wir sie täglich am Kiosk, ab Januar 1979 abonnierten wir sie. Und wir beziehen sie bis heute, mittlerweile in der Kombination Print plus ePaper.

    Die Leidenschaft für die FR war und ist jedoch nicht immer ungetrübt. So empfanden wir den Rückzug der SPD-eigenen „Deutschen Druck- und Verlagsgesellschaft“ 2006 als eine Katastrophe. Ausgerechnet die Partei, die lange „unsere Partei“ war und dringend einer intellektuellen Auffrischung sowie der verstärkten Anbindung an linksliberale Schichten bedurfte, zeigte sich den Herausforderungen der Zeit gegenüber nicht gewachsen. Die 15 Prozent, die sie aktuell in der Wählergunst genießt, haben neben Schröders Agenda-Fiasko auch ihre Ursache in einer fahrlässigen Vernachlässigung von Bildung, Kultur und Medien.

    Ein weiterer Tiefschlag war die Formatänderung im April 2007. Wenn weniger Platz zur Verfügung steht (mutmaßlich, um Papier- und Druckkosten zu sparen), muss dieser für den so genannten Weizen genutzt werden (unter Beiseitelassen der Spreu). Insbesondere hätten alte FR-Tugenden, nämlich investigative Recherche und eindeutige Kommentierung, das Blatt dominieren sollen. Und ich verstehe „dominieren“ als Alleinstellungsmerkmal. Die pointierten Leitartikel von Stephan Hebel und Gastkommentare von Katja Thorwarth, Michael Herl, Harry Nutt, Manfred Niekisch und Klaus Staeck reichen hierzu nicht aus. Anderen Redakteuren (Frauen und Männern) merkt man sogar die Angst vor der eigenen Courage an. Und die „Gastwirtschaft“ erweckt den Eindruck, als sei ihr ein ungesunder Pluralismus verordnet worden. Während beispielsweise die Beiträge von Günther Moewes neue Aspekte eröffnen, fällt Interessenvertretern wie Sarna Röser (Junge Unternehmer) nichts anderes ein, als ihre beschränkten Wahrnehmungen ständig wiederzukäuen. Da stellt sich die Frage nach den Zielgruppen, die eine Tageszeitung erreichen möchte.

    Bei Serien wie denen zur Frauenemanzipation, zur Klimakatastrophe oder zur Corona-Seuche wünsche ich mir klarere Aussagen. Vieles erscheint mir als endloser Befindlichkeitsjournalismus, der auch noch dem letzten Begriffsstutzigen Raum gewährt. Die Serie „Die Welt nach Corona“ bedient sich sogar einer Fehldeutung. Denn mutmaßlich wird es eine Welt nach Corona nicht geben, weil das Virus in der Welt ist. Aber es könnte ein sicheres Leben trotz Corona geben, wenn hier und heute mit der Veränderung der Welt begonnen würde.

    Erfreulich sind die Entwicklung des Leserforums und des FR-Blogs. Während Leserbriefe für manche Gazetten lediglich Alibicharakter haben, scheinen sie bei der FR mittlerweile eine echte Größe zu sein und über die Funktion der Leser-Blatt-Bindung hinauszugehen. Nach meinem Eindruck ist hier (wenn auch nicht ausschließlich) Raum für unkonventionelle Sichtweisen. Da sich bekanntlich eine Leserschaft durch Leser vermehrt, insbesondere durch solche, die sich in Zuschriften aus ihrem Kreis wiedererkennen und Zeichen setzen wollen, könnte es um die Zukunft der FR gut bestellt sein.
    Leider war ich am Tag ihres ersten Erscheinens, am 1. August 1945, noch nicht auf der Welt. Und bei ihrem 150. Jubiläum werde ich es aller Voraussicht nach nicht mehr sein. Aber die Zeit dazwischen hat sich gelohnt.

  8. Erdmann, Gerd-Rüdiger sagt:

    Sehr geehrter Herr Büge,

    nach der Ankündigung habe ich darüber nachgedacht, seit wann ich die FR lese. Seit über 40 Jahren. Ein Morgen ohne FR ist irgendwie gebraucht. Erfreulich der klare Aufbau: Politik, Wirtschaft, Sport und immer ein umfangreiches Feuilleton. Sehr gut auch die langen Dokumentationen. Herrlich die Druckfehler und die falschen Seitenangaben, das gibt es nur bei der FR. Ein bissl Sorge macht/e mir der kürzliche Eigentümerwechsel. Aber es scheint ja gut zu gehen. Manchmal sind mir die Artikel/ Interviews zu „kurzgespatzt“, da wird nicht genug kritisch hinterfragt. Erinnert manchmal an Hofberichterstattung. Aber dafür gibt es ja zur Ergänzung und Korrektur die Leserbriefe, die ich mit als erstes morgens lese.
    Also. Herzlichen Glückwunsch und „weiter so“

  9. Werner Engelmann sagt:

    75 Jahre FR – das ist in der Tat ein Anlass zur Rückschau, aber auch zu Fragen nach weiteren Perspektiven. Der FR in Punkto Alter gerade mal eine Nasenlänge voraus, kann ich das durchaus bestätigen.

    Mehr als zwei Drittel dieser langen Zeit war die FR auch meine stete Begleiterin.
    Auch, wenn es nicht das erste war, das in mein Bewusstsein drang, so sei doch an die bedeutsame historische Rolle der FR beim Zustandekommen des 1. Auschwitz-Prozesses 1963-65 erinnert. Der beeindruckende Film über Fritz Bauer gibt davon beredtes Zeugnis ab.

    Wie für Peter Boettel und Manfred Kirsch, war auch für mich die Begegnung mit dem FR-Redakteur Karl-Hermann Flach der erste, vielleicht entscheidende Fixpunkt. Und ich teilte damals mit ihm nicht nur seine Überzeugungen, sondern auch seine Partei.
    Seine „Freiburger Thesen“, so „Liberalismus nimmt Partei für Menschenwürde durch Selbstbestimmung“ blieben für mich bis heute lebensbestimmendes Motto.

    Der von Peter Boettel angesprochene „Verrat“ an liberalen Prinzipien durch Hans-Dietrich Genscher war aber nicht erst beim Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 erkennbar. Für mich war das bereits 1972 deutlich, mit dem Einreiseverbot an den marxistischen Ökonomen Ernest Mandel. Ich verließ in dessen Folge aus Protest die FDP.
    Über die weitere Entwicklung dieser Partei, von der Rechtfertigung der Berufsverbote durch den „liberalen“ Innenminister Genscher mit dem Slogan „Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit“ bis heute braucht nicht mehr diskutiert zu werden.

    Als weiterer Fixpunkt sei – nach zahlreichen Leserbriefen über viele Jahre hinweg – die (geistige) Begegnung mit Lutz Büge und dem Bronski-Blog genannt. Insbesondere die mutigen Blogtalks zur – höchst umstrittenen – Beschneidungsproblematik, die ihn als nicht nur als aufgeschlossenen, souveränen, sondern auch höchst sensiblen Moderator erwiesen, der menschliche Probleme zu erkennen und zu respektieren weiß.

    Nicht erst die Beiträge zu den Dokumentationen „Mein 1968“ eröffneten die Möglichkeit fruchtbarer Dialoge – bei durchaus unterschiedlichen Voreinstellungen – auf der Grundlage gegenseitigen Respekts, so mit Jürgen Malyssek.

    Schon der Blogtalk „Gerechtigkeit und Selbstgerechtigkeit in Online-Debatten“ von Oktober 2014 und die Vorbereitung dazu (u.a. an Material der – nicht nur von mir geschätzten – Katja Thorwarth und im Vergleich mit zahlreichen FAZ-Artikeln) schafften in mir ein neues Bewusstsein von Gefährdungen nicht nur für einen demokratischen Journalismus durch Hetzparolen von der „Lügenpresse“, sondern für die Demokratie insgesamt:
    Aus den Hassbotschaften in Online-Debatten, erwachsen aus bloßem Ergötzen an der Provokation (wie ein User freimütig gestand) ist mittlerweile professionell-geschichtsvergessene nationalistische Agitation, mit unverschleiertem xenophobem und rassistischem Unterton, in Bundestag und sämtlichen Landtagen geworden. Von „Volksvertretern“, die, in unseliger Tradition, sich selbst mit „dem Volk“ gleichsetzen.

    Für mich waren die Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Blogtalk, die augenfällige Hilflosigkeit der FAZ-Redaktion angesichts einer Welle zunehmend aggressiver Leser-„Meinungen“ Veranlassung, an der Abwehr solcher erkennbarer Entwicklungen auch im FR-Forum mitzuwirken.
    Freilich hatte – wie schon von Klaus-Philipp Mertens ausgeführt – die Insolvenz der FR und ihre „Rettung“ durch die Ippen-Gruppe nicht nur Konsequenzen im „Format“, sondern auch inhaltlicher Art.
    So sehr der Einschätzung der Aufrechterhaltung eines beachtlichen Niveaus durch viele Redakteure und Redakteurinnen zuzustimmen ist – es wäre fahrlässig, Tendenzen zu verschweigen, die Fragen nach dem Weg aufwerfen.
    Offenheit und Transparenz nicht nur zu fordern, sie auch selbst zu praktizieren, Kritik zu ertragen und sich ihr zu stellen, das war für liberale Wegbereiter dieser verdienst- und traditionsrechen Zeitung vom Niveau eines Karl Gerold oder Karl-Hermann Flach eine pure Selbstverständlichkeit. Sie verkörperten auch in ihrem Tun eine selbstbewusste, kämpferische Liberalität.

    Das zu Recht gelobte Leserforum unter Bronskis Regie verkörpert aber nur eine Tendenz, die ich für das FR-Forum so nicht bestätigen kann.
    Wenn Kritik von Usern nicht ertragen wird, wenn u.a. die Einforderung der genannten Prinzipien zum dauerhaften Ausschluss eines Users führt, der dieser Zeitung seit vielen Jahrzehnten mit Herz und Seele verbunden ist, dann offenbart dies nicht nur einen bedenklichen Mangel an Souveränität. Es veranlasst auch zu sorgenvollen Blicken in die Zukunft.
    Dies im Detail auszuführen, ist hier freilich weder der richtige Ort noch der entsprechende Anlass.

    Was für eine traditionsreiche Partei wie die SPD gilt, trifft auch auf eine traditionsreiche Zeitung wie die FR zu: Sie sind beide mehr als nur die bloße Summe ihrer Mitglieder.
    Und was vielen – zu Recht – von der Partei enttäuschten Kritikern ins Stammbuch zu schreiben ist, gilt auch in diesem Fall: Auch schmerzlichste Erfahrungen dürfen den Blick auf das Ganze, auf eine lange, traditionsreiche Geschichte nicht verstellen und nicht zu einem Pauschalurteil führen.
    Widersprüche sind auch hier zu ertragen, wenn möglich, auszutragen – im Hinblick auf gemeinsame Werte und Ziele in einer demokratischen Gesellschaft.

    In diesem Sinne wünsche ich zum 75. Geburtstag allen FR-Mitarbeitern ein segensreiches Schaffen in schwieriger Zeit und der FR noch viele fruchtbare Jahre einer demokratischen Streitkultur.

  10. hans sagt:

    Ich möchte mich den Glückwünschen zu 75 Jahren Frankfurter Rundschau anschließen. Dieses Jubiläum ist ein guter Grund hier ein eigenes Thema auf zu machen und ich habe mich auch gefragt seit wann ich zu den Lesern der FR gehöre. Ich denke seit ca 1985. In den ersten Jahren haben ein Arbeitskollege und ich abwechselnd die Zeitung am Morgen bei einen Kiosk gekauft. Als ich dann den Arbeitsplatz gewechselt habe ist das Abo gekommen das ich bis heute habe. Die letzten Jahre habe ich erst gemerkt das ich auch recht früh beim Blog dabei war. Das war Zufall und eigentlich Roland Koch zu verdanken. Er hat als Ministerpräsident damit Wahlkampf gemacht das in Hessen die Lichter ausgehen wenn in Groß Krotzenburg nicht das Kohlekraftwerk einen Block 6 bekommt und das AKW Biblis abgeschaltet wird. Ich wollte damals wissen ob das stimmt. So bin ich auf den FR Blog gestoßen. Die Frage ist inzwischen ja abschließend beantwortet, aber es ist immer noch offen ob Roland Koch Trump mäßig damals gelogen hat oder ob er einfach keine Ahnung hatte. Die Frage wird wohl nie beantwortet werden.
    Trotzdem wünsche ich der FR und ihren Mitarbeitern alles Gute und noch möglichst viele spannende Jahre

  11. Petra Hansen sagt:

    Dienstag Abend vor dem Rundschau Haus – und eine begehrte Tageszeitung
    Als Landei kam ich 1988 nach Frankfurt um zu studieren. Erste Anlaufstation war in der Neuen Mensa das Schwarze Brett. Mit hängenden Schultern, weil erfolglos, zum nächsten Wasserhäuschen. Frage: wisst Ihr ein Zimmer oder Wohnung? Dann der heiße Tipp, der mir für die nächsten 6 Jahre ein Dach über dem Kopf bescherte: gehe am Dienstag Abend vor das Rundschau Haus und kaufe Dir dort die Mittwochszeitung. Getan, FR gekauft, schlau die Anzeigen von unten gelesen, erstes in Frage kommendes Angebot Nummer angerufen – und weil ich die erste Anruferin war (natürlich aus einer Telefonzelle), hatte ich mein Zimmer gefunden und bekommen. Da war klar, diese Zeitung muss ich abonnieren. Doch auch die WG auf dem Stockwerk gegenüber fand gefallen an dem Abo – bis ich herausfand, wer mir immer wieder die FR aus dem Eingangsbereich klaute. 6 Jahre später zog ich in den Hausener Weg – kurz vor der U-Bahn-Station. Der Briefkasten war klein und die FR schaute raus. Nachdem wochenlang die FR wohl von einem Pendler mitgenommen wurde, erbarmte sich die Hausbesitzerin, größere Briefkästen anbringen zu lassen. Sollte der Mensch das jetzt lesen, dann folgendes: gut, dass er oder sie nie meinen Zorn zu spüren bekommen hat. Wer ein Abo hat weiß, die Vorfreude ist groß, beim Kaffee die FR zu durchblättern – bitte selbst abonnieren. Ausgewogener Journalismus, gut zu lesen, super Format, interessante Themenauswahl, mal tiefer, mal oberflächlicher, aber immer informativ. Ja, und manchmal passt einem eine Schlussfolgerung auch nicht – aber dann könnte man ja einen Leserbrief oder in den Blog schreiben …. Herzlichen Glückwunsch liebes Team

  12. Renate Rölle sagt:

    Seit ich Bilder gucken und lesen kann, begleitet mich die Frankfurter Rundschau, die meine Eltern im Abo hatten.
    Auch ich werde dieses Jahr 75 Jahre alt.
    Ich erinnere mich an die Kinderseite in der FR, an die Fortsetzungsromane, auf die meine Mutter jeden Tag sehnsüchtig wartete. Mein Vater und auch ich waren bzw sind Fans der Frankfurter Eintracht und wir haben immer montags die Spielberichte verschlungen. Später erfreute ich mich an den genialen Zeichnungen. Leider habe ich den Künstlernamen vergessen. Dann kamen die vielen Sonderausgaben, zum Beispiel zur Wiedervereinigung (die für den Schulunterricht hervorragend war) oder zu den Grundgesetzen (die für unsere Mitbürger aus aller Herren Länder sehr informativ und gut verständlich waren).
    Als ich 1965 einen eigenen Hausstand gründete und wir nach Maintal zogen, war es für meinen Mann und mich selbstverständlich, daß auch wir nun die FR bezogen, obwohl mein Mann aus einer Neue Presse Familie kam.
    Die FR ist ein fester Bestandteil meines Lebens. Da ich nun Rentnerin bin kann ich die Zeitung in vollen Zügen genießen. Ich schätze die Beiträge sehr. Sie sind verständlich geschrieben und gut recherchiert. Sie zwingen mir keine Meinung auf und sind informativ und interessant. Ich betone immer wieder, daß ich FR Leserin bin. Auch in der Krise habe ich weiterhin zu meiner Zeitung gestanden, auch wenn sie nun etwas dünner ist. Selbst in unsere Urlaube haben wir sie uns nachschicken lassen um immer informiert zu sein. Mein Sohn liest die FR nun on-line.
    Liebe Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der FR, die im Vordergrund stehenden und die für uns Leser unbekannten, erhalten Sie uns und Ihnen diese demokratische, emphatische Zeitung. Liebe Leser der FR, bleiben sie dieser Zeitung auch weiterhin treu!
    Herzlichen Glückwunsch!

  13. Gabriele Schreib M.A. sagt:

    Auf 75 Jahre komme ich nun wirklich nicht, das will ich gar nicht behaupten. Aber 50 sind es sicher. Die Frankfurter Rundschau entdecke ich 1970 mit zwanzig Jahren für mich. 1970 ist ein sehr wichtiges Jahr für mich. Die Beatles trennen sich, die Zeit der Livebands endet und es beginnt die Disco-Ära. Ich kaufe mir ein erstes Auto, einen R 4, mache Abitur, fange an, Politologie zu studieren, ziehe zu Hause aus, heirate, kaufe mir eine alte Kate, baue sie aus und ziehe ein in mein neues, eigenes Leben.

    Was passt da besser, als eine eigene Zeitung? Bei mir zu Hause lesen Mutter, Tante und Großmutter das Ostpreußenblatt und die Kieler Nachrichten. Beides keine besonders liberalen Produkte. Die FR kaufe ich ab und zu, sie gefällt mir immer besser und schließlich abonniere ich sie. Den politischen Aufbruch in ein liberaleres Land, die endende Nachkriegszeit, die immer wichtiger werdende Frauenbewegung, die sozial-liberale Denke, das alles gefällt mir sehr gut.

    Studium, Heirat, Examen, Scheidung, Volontariat, unterschiedliche Arbeitsstellen, Familiengründung mit neuem Partner und drei Kindern, Emanzipation, älter werden, alle meine sich lebenslang verändernden Themen finde ich in der FR immer wieder beleuchtet, durchdacht, hinterfragt und oft auch beantwortet.

    Seitdem sind locker mal eben 50 Jahre vergangen. Tochter, Sohn und Tochter sind aus dem Haus, haben alle studiert und arbeiten zufrieden. Die FR ist mir auch heute noch ein täglicher wichtiger Begleiter. Sehr oft finde ich meine Gedanken wieder, sehr oft orientiere ich meine Gedanken aber auch neu nach der Lektüre eines Beitrags.

    Wegen der lokalen Berichte habe ich seit ein paar Jahren auch die Kieler Nachrichten abonniert. Was die beiden Zeitungen unterscheidet, ist klar. Nur die FR bietet mir in diesem schwierigen Jahr 2020 Denkanstöße, Korrektur, Anregung und Lebenshilfe mit der schon bald nach Corona-Ausbruch ins Leben gerufenen Serie „Die Welt nach Corona“ – Danke dafür und danke für die Begleitung durch ein langes, spannendes Leben.

  14. Dietmar Schöckel sagt:

    Nach meinem Abitur und Wehrdienst habe ich 1976 mein Studium der Volkswirtschaft und Soziologie in Köln begonnen. Wie ich zur FR gekommen bin, das weiß ich nicht mehr; aber seit dieser Zeit bin ich der FR treu geblieben mit Abo-Gutscheinkärtchen damals und Zustellabo heute in München.

    Und nun „meine Geschichte mit der FR“.

    Nach Abschluss des Studiums war ich Anfang 1982 auf Job-Suche, wollte an sich in Köln bleiben, aber der Arbeitsmarkt war schwierig, und so bewarb ich mich auf eine Anzeige eines Personaldienstleisters mit Sitz in Düsseldorf (!) der einen Personalassistenten für ein Unternehmen in Paderborn suchte.

    Nach Ostwestfalen, ins damals benannte „schwarze Paderborn“ wollte ich ja überhaupt nicht hin. Also fuhr ich relativ entspannt zum Bewerbergespräch nach Düsseldorf, mit meiner FR,
    und legte diese auch demonstrativ auf den Tisch. Ich wusste ja um den Ruf der Zeitung
    – kritisch gewerkschaftlich orientiert und linksliberal – und bei Arbeitgebervertretern durchaus mit Skepsis betrachtet.

    Und dann kam es so, wie ich es fast erwartet hatte. Am Ende des Interviews fragte mich mein Gesprächspartner, und ab Sommer 1982 dann Chef:
    „Sagen Sie, gibt es in Köln keine Zeitung?“
    „Doch,“ antwortete ich, „den Kölner Stadtanzeiger zum Beispiel“
    „Ja, und warum lesen Sie nicht den, sondern die Frankfurter Rundschau?“
    „Ach, einmal, weil die FR umfassender ist, sie zudem eine flotte Schreibe hat und meiner politischen Einstellung entspricht!“, war meine prompte und ehrliche Antwort.
    „Ja, als Student habe ich sie auch mal gelesen, aber man ja schon über gewisse Ansichten und Äußerungen diskutieren,“ kam als Entgegnung.
    „Klar, das kann man natürlich…“ war meine Erwiderung und damit das Thema im Interview beendet.

    Trotz dieses für eine Bewerbergespräch grenzwertigen „Auftritts“ wurde ich zu einem zweiten Gespräch mit dem Personalvorstand des besagten Unternehmens eingeladen und wurde dann tatsächlich eingestellt.

    Ich bin dann doch nach Paderborn zu dem Unternehmen und „diesem Chef“ gegangen,
    auch weil, ich annahm, man kennt auf Arbeitgeberseite meine Einstellung und man scheint diese zu akzeptieren. Ich bin nicht enttäuscht worden und habe diesen Schritt nie bereut!
    Dank auch der Frankfurter Rundschau!

  15. Juliane Schätze sagt:

    Liebe Frankfurter Rundschau, lieber Bronski,

    Die Frankfurter Rundschau feiert heute ihren 75. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!
    Auch mein Geburtstag fällt auf diesen Tag, der 75. wird es aber erst im nächsten Jahr.
    Ich wohnte noch in Cottbus als ich mich entschied ins Altbundesgebiet umzuziehen. Die FR half mir dabei in Hessen, zuerst in Altenstadt, dann in Frankfurt Arbeit und Wohnung zu finden. Obwohl es ursprünglich der Stellen- und Wohnungsmarkt waren, die mich interessierten, fielen mir die sehr gut recherchierten Beiträge, Hintergrundinformationen und das Feuilleton auf. Damals wurden noch Romane in Fortsetzungen gedruckt, z.B. „Schindlers Liste“, 1994. Ich habe mehrere Romane ausgeschnitten und gesammelt. Seit 1993 bin ich Abonnentin der FR. Trotz mancher schwerwiegender Einschnitte und Umstellungen (neues Format mit weniger Platz, Eigentümerwechsel und vieles mehr), die die FR durchlitten und überlebt hat oder gerade deshalb bin ich der FR treu geblieben und werde das auch weiterhin tun.

  16. Marina Hellmig sagt:

    Als ich noch ein Kind war, las mein Opa meiner Oma aus der Zeitung vor, während sie Hausarbeit machte oder kochte. Da war eine wunderbare Stimmung im Raum, die mich sehr geprägt hat. In meinem Elternhaus gab es keine Tageszeitung. Als ich verheiratet war, fand mein Ehemann, dass wir eine Tageszeitung abonnieren sollten. Allerdings konnten wir uns nicht einigen, welche. Also abonnierte ich die Frankfurter Rundschau und er die FAZ. Die sich daraus ergebenden Diskussionen muss ich wohl nicht näher beschreiben. Sie waren teils ärgerlich, aber auch anregend, informativ und aufklärend. Die Ehe scheiterte und ich zog weg aus Frankfurt. Nicht ohne meine FR. Die begleitet mich bis heute. Meinen zweiten Ehemann habe ich unter Mithilfe der FR kennengelernt. Dank der gut recherchierten und verständlich aufbereiteten Beiträge fühle ich mich stets gut informiert. In schwierigen Fällen bestens aufgeklärt, meine Fragen beantwortet. Die Zeitung morgens in Händen zu halten gehört einfach zu einem guten Frühstück dazu. Ich hoffe, dass es die gedruckte Ausgabe noch lange gibt.

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