Das war 2017, jetzt kommt 2018

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

das Jahr 2017 geht, das Jahr 2018 kommt. Ich ziehe Bilanz und möchte einen Ausblick auf die Planungen und Projekte des neuen Jahres geben.

Das Jahr 2017

Sie waren fleißig im Jahr 2017, und dafür bin ich Ihnen von Herzen dankbar. Mit Ihren Kommentaren und Streitbeiträgen haben Sie das FR-Blog zu einem ziemlich lebhaften Ort gemacht, wo engagiert und dennoch vertiefend diskutiert werden kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Es ging dabei keineswegs immer friedlich oder konsensual zu, doch es überwog das Interesse, sachorientiert zu diskutieren. Es gab auch dieses Jahr wieder ein paar Fälle, in denen ich Userinnen und User – 2017 waren tatsächlich auch Frauen dabei – dieser Seite verwiesen habe, weil sie nicht erkennen wollten oder konnten, was Austausch bedeutet. Das tut mir jedes Mal immer wieder leid, aber das ist der Preis dafür, die gute Gesprächsatmosphäre zu schützen, die hier im FR-Blog herrscht. Foren wie dieses sind selten im world wide web.

Ein paar Zahlen. Sie, liebe Userinnen und User, haben hier diskutiert – mit zusammen etwas mehr als 4200 Kommentaren im Jahr 2017 (Stand: 20.12.). Der langjährige Durchschnitt liegt bei 3744 Kommentaren. 2017 war also ein überdurchschnittlich lebhaftes Blog-Jahr. Kein Wunder, es gab viele große Themen, von Trump über den Dieselskandal bis zur Bundestagswahl. Ihre rund 4200 Kommentare gaben Sie in 170 Threads ab (Thread = Diskussionsstrang oder -faden), d.h. im FR-Blog wurde ungefähr alle zwei Tage eine neue Diskussion eröffnet (die „Link des Tages“-Threads nicht mitgerechnet).

Die meisten dieser Diskussionen gehören zur Kategorie „Schlagseite“, nämlich 89 im Jahr 2017 („Schlagseite“: großer kommentierender Einleitungstext von Bronski, anschließend Leserbriefe zum angerissenen Thema). Außerdem gab es 27 „Postfächer“, in denen Leserbriefe verschiedener AutorInnen zu verschiedenen Themen nachträglich veröffentlicht wurden, da sich im Print-Leserforum leider kein Platz gefunden hat. Hinzu kamen 27 „Gastbeiträge“. Dabei handelt es sich um Leserbriefe, die im Print-Leserforum nur stark gekürzt veröffentlicht werden konnten, weil sie einfach viel zu lang waren. Für das FR-Blog gibt es hingegen keine Platzbeschränkungen. Wir führten 23 „Debatten“, die von Ihnen direkt angestoßen wurden, indem Sie auf Leserbriefe, die im Print-Leserforum veröffentlicht worden waren, eine Replik oder Erwiderung geschickt haben; die Debatte über diesen Schlagabtausch lief dann hier im FR-Blog. Außerdem gab es im Jahr 2017 drei Blogtalks im FR-Blog. (Die Anführungszeichen bei „Schlagseite“ etc. deuten an, dass es sich dabei um Textkategorien handelt; diese Kategorien können über das Blog-Archiv angesteuert werden.)

Weiter so?

Ich finde, diese Bilanz kann sich sehen lassen. Unzufrieden bin ich nur mit unserer Online-Blattkritik. Hier müssen wir uns etwas einfallen lassen. Dieses Angebot wurde von Ihnen vorwiegend dazu genutzt, Fehlermeldungen durchzugeben, aber dazu wird die „Blattkritik“ eigentlich nicht gebraucht; das geht auch schlicht per Mail an mich. Zur vertiefenden Diskussion über die FR, also eine echte Blattkritik, wurde dieses Angebot kaum genutzt. Möglicherweise braucht die Blattkritik einen höheren Moderationsaufwand, vielleicht auch einen völlig anderen Ansatz. Haben Sie dazu eine Meinung? Sie sind eingeladen, diesen Thread für Vorschläge an die Redaktion zu nutzen.

„Ich sehe nicht, was wir anders machen sollen“, hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) unmittelbar nach der Bundestagswahl gesagt. Für das FR-Blog und mich möchte ich diesen Satz etwas modifizieren: Ich sehe nicht, was wir hier im FR-Blog grundsätzlich anders machen sollten. Ich würde gern mehr Blogtalks machen, aber die sind oft schwer zu organisieren. Und bei der Blattkritik hakt es, wie gesagt. Grundsätzlich aber finde ich: Weiter so.

Und was meinen Sie dazu?

Das Jahr 2018

Man darf nicht stehenbleiben. Es geht weiter, und auch das FR-Blog wird sich weiterentwickeln. Für das Jahr 2018 nehme ich mir vor, eine Form von Blattkritik auszuprobieren, die eine echte Debatte über die Inhalte der Frankfurter Rundschau bedeutet. Ich habe auch schon eine Idee, aber ich wäre dennoch gespannt zu hören, was Sie sich wünschen oder vorstellen würden. Ich möchte auch mehr Blogtalks führen, denn ich liebe dieses lebhafte Format, obwohl es viel Arbeit bedeutet. Grundsätzlich wird es hier im FR-Blog aber nach bewährtem Muster weitergehen, indem wir über die großen Themen der Zeit diskutieren.

Neu wird „Mein 1968“ sein. FR-Leserinnen und -Leser berichten, wie sie diese Zeit des Umbruchs erlebt haben. So wie zuvor beim Projekt „Ankunft nach Flucht “ , das viele Leserinnen und Leser sehr mitgenommen hat, wie ich aus Ihren Zuschriften weiß. Über „Mein 1968“ informiere ich demnächst gesondert. Es liegen schon ein paar Zuschriften vor, die ich veröffentlichen werde, ähnlich wie wir das seinerzeit beim „Ankunft-nach-Flucht“-Projekt gehandhabt haben: Die Beiträge werden groß im Print-Leserforum von Samstags-Ausgaben der FR veröffentlicht. Die ungekürzten Zeitzeugenberichte wird es aber, wie auch damals schon, nur hier im FR-Blog geben.

Darüber hinaus …

… möchte ich Ihnen jetzt noch ein paar Sachen erzählen, die abseits der FR passieren werden – mein 2018. Sie wissen ja: Hinter dem Spitznamen Bronski verbirgt sich Lutz Büge, und der ist einerseits FR-Redakteur und verantwortet des FR-Leserforum und das FR-Blog. Er ist aber auch Autor von 12 veröffentlichten Romanen und betreibt die teils satirische Webseite Ybersinn.de. Wenn Sie im Lauf der vergangenen Jahre gelegentlich hier im FR-Blog den „Link des Tages“ angeklickt haben, sind Sie schon auf dieser Webseite gewesen. Ohne Schaden, aber hoffentlich mit einem Kichern.

Virenkrieg Cover 001Virenkrieg 2 SkyllaIm Jahr 2017 erschien mein Roman „Skylla – Virenkrieg II“, die Fortsetzung von „Virenkrieg – Erstes Buch“. (Hier gibt es Leseproben im pdf-Format von „Virenkrieg“ und „Skylla„.)Der Romanzyklus ist auf fünf Teile angelegt. Teil 3 „Incubus – Virenkrieg III“ ist (mit Einschränkungen) fertig, ich arbeite zurzeit an „Evan – Virenkrieg IV“ und möchte den letzten Teil „McWeir – Virenkrieg V“ geschrieben haben, bevor Teil 3 im Jahr 2019 erscheint. Das heißt: 2018 wird kein neuer Roman von mir erscheinen, aber 2019 soll es dann schnell gehen. Mehr dazu erfahren Sie, wenn Sie möchten, auf Ybersinn.de.

Der „Link des Tages“ ist im FR-Blog zu einem Teil der täglichen Erscheinung geworden. Allerdings wird es 2018 auf Ybersinn.de eine neue Serie mit Frankreich-Fotos geben, die nicht mehr täglich erscheint, sondern dreimal pro Woche: „Blicke / vues 2018“. Auch sie wird wieder zweisprachig laufen, auf deutsch und französisch. Übersetzerin ist weiterhin Edith Matejka aus Limoges.

Außerdem läuft 2018 auf Ybersinn.de der satirische Online-Krimi „Der Fall Chimpagnon“ aus meiner Feder, wie man so schön sagt, obwohl heute sicher niemand mehr mit der Feder schreibt. Es geht um die Winzertochter Jeanne Chimpagnon, die am 9. Juni 2011 von einem südfranzösischen Campingplatz verschwunden ist. Jetzt, fast sieben Jahre später, übernehmen Laurence Descoureaux und Serge Solivéres vom Dezernat für ungelöste Altfälle in Malemort-sur-Corréze. Die Geschichte spielt zum größten Teil in Frankreich. Wenn Sie wollen, können Sie zum Ermittlungsteam stoßen. Es gibt was zu gewinnen. Und damit soll es an dieser Stelle genug sein. Mehr über diesen Krimi auf – ich wiederhole mich – Ybersinn.de.

Update: Soeben ist auf Ybersinn.de eine Übersicht über meine dortigen Aktivitäten im Jahr 2018 erschienen: → hier.

Weihnachten 2017 FBFazit

2018 wird ganz gewiss kein ruhiges Jahr. Ich werde mich nicht zurücklehnen und die Dinge laufen lassen. Ich werde mein großes literarisches Projekt, den „Virenkrieg“-Zyklus, vorantreiben und hoffentlich abschließen, und ich werde dafür sorgen, dass hier im FR-Blog auch weiterhin eine Atmosphäre herrscht, in der wir „gut und gerne“ diskutieren – vielleicht ja über das Ende der Kanzlerinschaft von Angela Merkel hinaus? Und es wird ein paar Neuerungen geben. Vielleicht auf Ihren Vorschlag hin?

Ich wünsche Ihnen allen ein friedliches, erholsames Weihnachtsfest und einen guten Rutsch hinüber nach 2018. Bleiben Sie gesund und munter. Wir lesen uns!

Ihr

Lutz „Bronski“ Büge

40 Kommentare

  1. Ralf Rath sagt:

    Neben dem sachbezogenen Austausch zu einer bestimmten Frage bietet der Blog der Frankfurter Rundschau für mich vor allem eine sprachliche Orientierung für die Kommunikation mit mir selbst, worauf nicht zuletzt der Soziologe Hans Paul Bahrdt in seiner kleinen Grammatik des Alltagslebens hinweist. In Zeiten, in denen zunehmend eine mitunter extrem schizophrenogene Kommunikation vorherrscht, die einer gefühlten Wahrheit einen weitaus höheren Stellenwert einräumt als längst unabweisbar gewonnenen Erkenntnissen, ist solch eine Möglichkeit nicht zu unterschätzen, um buchstäblich heil aus der Sache herauszukommen. Zu hoffen ist daher, dass auch kommendes Jahr der Gesundbrunnen nicht versiegt.

  2. Peter Boettel sagt:

    Lieber Lutz „bronski“ Büge,
    auch Ihnen ein schönes besinnliches Weihnachtsfest sowie ein gutes Neues Jahr mit vielen neuen Ideen und Beiträgen.

  3. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Bronski,

    Sie waren wie immer schier unermüdlich bei der Lektüre und Veröffentlichung der Leserbriefe und Blogbeiträge. Wann schlafen Sie eigentlich mal?
    Für dieses Engagement und die Geduld, die Sie dabei bewiesen haben, meinen herzlichsten Dank.

    Erholen Sie sich unterm Weihnachtsbaum oder sonstwo, und rutschen Sie fröhlich ins neue Jahr. Sie haben’s verdient!
    In der Hoffnung auf weitere gute Zusammenarbeit grüßt

    Brigitte Ernst

  4. Jürgen Malyssek sagt:

    Lieber Bronski,

    auch von dieser Stelle aus vielen Dank für den hiesigen Service und den langen Atem. Schöne Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

    Jürgen Malyssek

  5. hans sagt:

    Ich möchte mich meinen Vorschreibern anschließen und wünsche allen die hier lesen, schreiben oder moderieren Frohe Weihnachten und alles Gute für das neue Jahr.

  6. Anna Hartl sagt:

    Lieber Bronski, wünsche liebevolle Weihnachten und einen glücklichen Übergang in das nächste Jahr.
    Vielen Dank für die viele Arbeit, die Sie sich mit den Schreibenden machen und Ihren Einsatz für die Regeln.
    Außerdem danke ich sehr für den Link des Tages!
    Es gibt eben neben dem „krachenden“ Weltgeschehen auch noch was zu Lachen.

    Wünsche allen Lesern und Schreibern ein fröhliches Weihnachtsfest und ein Glück bringendes neues Jahr.

  7. […] dem Blog der Frankfurter Rundschau, für dessen Inhalte ich verantwortlich bin, habe ich bereits Bilanz gezogen. Dasselbe will ich nun auch für mich als Autor und Ybersinn-Blogger tun, denn im Ybersinn steckt […]

  8. Bronski sagt:

    Update für alle, die es interessiert: Soeben ist auf Ybersinn.de eine Übersicht über meine dortigen Aktivitäten im Jahr 2018 erschienen: → hier.

  9. Gerhard Sturm sagt:

    Einen guten Rutsch ins Jahr 2018 wünsche ich allen Mitarbeitern der FR, Leserbriefschreibern und Bloggern. Möge Ihnen allen im nächsten Jahr das Wort „Beschissen“ nur im Zusammenhang mit dem Wetter in den Sinn kommen!

  10. Werner Engelmann sagt:

    Lieber Lutz,
    grundsätzlich teile ich Deine Einschätzung, könnte auch nicht sagen, was von Deiner Seite anders gemacht werden könnte. Wiewohl ich mir unter einer fruchtbaren Diskussion oft etwas anderes vorstelle. Zu selten werden Anregungen, Denkansätze (die ja nicht immer gleich druckreif daher kommen müssen) aufgegriffen, aus anderen Blickwinkeln untersucht. Sofern das der Fall ist, bleibt es zu oft bei einem Zweierdialog (was ja auch Annäherungen und evt. auch Ergebnisse befördern kann – ich denke da z.B. an den Thread über die SPD). Ärgerlich dagegen ist, wenn ein oft ziemlich unwichtiger Nebenaspekt aus dem Zusammenhang gerissen und auseinandergenommen wird (manchmal mit Spitzen unterlegt), Kernaussagen dagegen ignoriert werden. Da vergeht einem die Lust zu weiterer Kommunikation, die ja doch ein so wichtiges Grundelement demokratischen Lebens darstellt.
    Ich selbst sehe eher schwierige Zeiten auf uns zu kommen, mit zunehmender Tendenz, mit den Wölfen zu heulen. In der so ein Blog, wie Du ihn anbietest, eine wichtige Funktion hat und zu verteidigen ist.
    Ähnliches zeigt sich in den Foren zu den FR-Nachrichten, wo schon verschiedentliche Versuche der Unterwanderung von rechts außen erkennbar waren, die zum Glück bisher immer abgewehrt werden konnten.
    Ich wünsche Dir im neuen Jahr viel Mut und Kraft, auf dem eingeschlagenen Weg fortzuschreiten, auch viel Glück bei Deinem Romanprojekt. Und ich hoffe, dass Du uns noch längere Zeit erhalten bleibst.

  11. Klaus Philipp Mertens sagt:

    Lieber Lutz BRONSKI Büge,

    Sie fragen „Weiter so?“. Ja, unbedingt, aber im umfassenden Sinn des Worts. Damit meine ich, immer wieder im Blog neue Akzente (vor allem jenseits des Mainstreams) zu setzen, aber auch das Erreichte von Zeit zu Zeit um einer noch besseren Lösung willen infrage zu stellen.

    Denn aus meiner Perspektive gerät manches Thema in Gefahr, zerredet zu werden. Dabei kann die Präzisierung einer zum Ausdruck gebrachten Meinung sich als notwendig erweisen, allein, um sie vor offensichtlichen Fehleinschätzungen zu bewahren. Doch wenn ein Blog-Beitrag von lediglich zwei, drei hyperaktiven Teilnehmern „bearbeitet“ wird, gerät das, was Wichtig ist, sehr rasch in den Hintergrund und verhindert neue Einsichten.

    Vermisst habe ich im Blog eine Auseinandersetzung mit der Zukunft des Frankfurter Theaters. Denn was dort an Unzumutbarkeiten von Politikern öffentlich geäußert wird, lässt für den künftigen Stellenwert von Kultur nichts Gutes vermuten. Und das nicht nur in Frankfurt, sondern in allen deutschen Großstädten. Ich habe wirklich den Eindruck, dass Literatur, Theater und bildende Kunst in die Hände von kommerziellen Event-Managern gefallen sind, die um den Beifall von ahnungslosen Politikern buhlen und denen das Publikum völlig egal ist.

    Ebenso hat sich eine andere hochpolitische Frage im Blog faktisch nicht ereignet. Nämlich die nach Immobilienspekulation und Gentrifizierung. Die bewegt nicht nur das Rhein-Main-Gebiet, vor allem Frankfurt, sondern nach meinen Informationen mittlerweile auch Offenbach, das nur wenige Kilometer östlich meiner Haustür liegt. Als ich zwischen 20 und 30 war, galt Offenbach unter Linken als die Hauptstadt des Sozialismus (Sitz des Sozialistisches Büros etc.). Heute kann man dort nur noch eine Bilanz über das Versagen vor allem sozialdemokratischer Politik in Sachen gesunder Infrastruktur (Bildung, Wohnen, Verkehr etc.) erstellen. Was im selben Maße auch für Frankfurt gilt und ebenfalls für meine Heimat, das Ruhrgebiet und mutmaßlich für weitere Regionen. Kurzum: Diese Misere drängt geradezu danach, im Blog permanent aufgegriffen zu werden.

    Ich wünschen Ihnen alles Gute im Neuen Jahr, nicht zuletzt jede Menge an kreativer Phantasie – im Blog, im Leserforum und als Autor von Romanen.

  12. JaM sagt:

    Lieber Bronski, Ihnen und den Blog-Teilnehmern wünsche ich ein gutes neues Jahr!

  13. Jürgen Malyssek sagt:

    Lieber BRONSKI,

    wenn ich hier ein paar Themenbereiche nenne, die ich auch für das neue Jahr für wichtig erachte, betrachtet zu wissen, so ist da bestimmt keine große Überraschung dabei.

    Dennoch: Ziemlich vorne steht bei mir die immer weiter zunehmende Macht der großen Wirtschafts- und Aktienkonzerne, die Übermacht des Internets und das Verschwinden des Sozialen durch die grenzenlose Digitalkultur.
    Damit einhergehend die erschreckende Anpassungsbereitschaft des Konsumenten Mensch an die hypermodernen Veränderungen der Lebenswelten. Die unaufhörliche Zunahme von Spektakeln, Mega-Events, für die die antike Version „Brot und Spiele“ nur noch ein lächlicher Ausdruck ist.
    Die Verarmungstendenzen (die vielen Gesichter der Armut)in vielen Teilen der Bevölkerung, verbunden Vereinsamung, Verelendung, Angst und Haltlosigkeit.

    Gerne weise ich auch noch einmal auf das Buch von Ulrich Brand und Markus Wissen hin: „IMPERIALE LEBENSWEISE. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus“. Unsere westliche Lebensweise auf dem Prüfstand.

    Außerdem schließe ich mich dem oben genannten Punkt von Klaus-Philipp Mertens an: Die hochpolitische Frage der Immobilienspekulation und Gentrifizierung, die in allen mir bekannten Städten eine erschreckende Dimension angenommen hat und die die Werte des Gemeinwohls, des Gemeinwesens zerstört. Wohnen ist zum Luxusartikel und großen Lebensunsicherheits-Faktor geworden.

    Dann bleibt noch die Entwicklung der Arbeitsgesellschaft, wo ich mich frage, wie die zukünftigen Generationen wohl damit fertig werden?

    Kritisch-nachdenklich-positiv: 50 Jahre 1968!

    Alles Gute für 2018!

  14. Manfred Schmidt sagt:

    In der Hoffnung, dass Sie lieber Bronski (das kommt mir immer schwer über die Tastatur) und alle anderen Mitblogger einen guten Start in’s neue Jahr hatten, wünsche ich Ihnen und ihnen, dass sich eben dieses 2018 am Ende in positiv empfundenem Licht gesehen werden kann, allen Meinungsunterschieden zum Trotz….😊

  15. Manfred Schmidt sagt:

    Es gibt halt keinen Radiergummi für einen abgeschickten Kmmter, hab’s an anderer Stelle schon erwähnt.. Nochmals 😊.

  16. Bronski sagt:

    @ all

    Vielen Dank für Ihr freundliches Feedback, die guten Wünsche und auch für die Kritik, die natürlich einiges an Nachdenken nach sich gezogen hat. Ich bin zurzeit sehr krank, daher möchte in an dieser Stelle nur kurz Stellung nehmen.

    Es gilt weiterhin: Das FR-Blog ist das Blog der Leserinnen und Leser der FR. Die Diskussionen, die hier laufen sollen, werden von Ihren Zuschriften angestoßen. Ich bemühe mich, dabei die Essenz der Themen der Zeit wahrzunehmen und entsprechend aufzugreifen. Das gelingt vielleicht nicht immer. Dann möchte ich Sie bitten zu bedenken, dass hierin ein einzelner Mensch auch mal an seine Grenzen stoßen kann. Mehr als vier neue Diskussionen pro Woche geht nicht. In der Regel sind es drei, zurzeit keine.

    Zu den regionalen Themen, hier insbesondere

    @ Klaus Philipp Mertens

    Die Erfahrung sagt, dass regionale Themen hier im FR-Blog nicht gut laufen. Es gibt Ausnahmen (unser Blogtalk zu Limburg, mein Zoff mit Frau Ernst zum Verhältnis von Fußgängern und Radfahrern), aber da steckt jeweils ein besonderes Engagement dahinter. So habe ich das Thema Fluglärm im Jahr 2017 in fünf Threads (Postfach mitgezählt) angeboten. Es war für die Menschen, die dieses Blog nutzen, so interesssant, dass sie insgesamt fünf Kommentare dazu geschrieben haben. Beim Thema Wohnungsbau waren es fünf Diskussionsangebote und zwei Kommentare, die dieses Angebot angenommen haben. Dass die Themen Immobilienspekulation und Gentrifizierung faktisch nicht angesprochen worden seien, stimmt nicht. Ich verweise u.a. auf den Gastbeitrag „Die Arroganz der Großstadt„, der diese Themen anspricht, so dass es möglich gewesen wäre, sie zu diskutieren, so wie auch bei den anderen Beiträgen zum Wohnungsbau in Frankfurt. Die Städtischen Bühnen fehlen in dieser regionalen Sammlung noch, das stimmt. Ich mache bei nächster Gelegenheit mal einen Versuch.

    Unterm Strich scheint das FR-Blog trotz aller Versuche, eine regionale Ebene einzuziehen, von den UserInnen vor allem als Forum für überregionale Themen wahrgenommen zu werden.

  17. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Bronski

    Meine besten Genesungswünsche!

  18. Anne Rumpf sagt:

    Lieber Bronski, allerbeste und -schnellste Genesung wünsche ich Ihnen! Und ein gutes neues Jahr für alle natürlich auch.
    Ich habe im letzten Jahr einige Male versucht, mit zu diskutieren, fand das aber sehr unbefriedigend. Nicht wegen Ihnen, Sie machen ihren Job echt gut;-), sondern wegen der Diskussionsformen.
    Für mich erscheint es so, als ob hier im Blog eine Menge EinzelkämpferInnen unterwegs sind, denen es weniger um den Austausch mit anderen geht, sondern eher um das Ausbreiten der eigenen Gedankengänge.
    Daher wünsche ich mir fürs neue Jahr:
    – Kurze Beiträge! Ich möchte im Blog keine Artikel oder Abhandlungen lesen. Dafür gibt es andere Medien.
    – Wohlwollen den anderen Schreibenden gegenüber! Bei einigen Diskussionen ist es fast tragisch, zu lesen, wie Menschen aneinander vorbeischreiben, rechthaben, nachkarten, gekränkt sind….der Antisemitismus-Thread ist ein gutes Beispiel dafür.
    – Dialog statt baden im eigenen Gedankensaft: nachfragen, nachhaken, Gedanken von anderen aufgreifen und weiterdenken.
    So, das waren drei Wünsche. Im Märchen lässt sich sowas ja meist erfüllen…

  19. Ralf Rath sagt:

    Nachdem Bronski gestern am Nachmittag verlauten ließ, dass er zurzeit sehr krank ist, irritiert mich schon, wie überaus massiv das Desinteresse angesichts der Notwendigkeit hier im FR-Blog ist, endlich aufzuklären, was nicht zuletzt die Pathologie seiner Arbeitssituation ausmacht. Immerhin ist keiner davor gefeit, im Laufe des eigenen Lebens gesundheitliche Einschränkungen gewärtigen zu müssen. Unterkomplexe Ansätze, die sich lediglich darauf beschränken, die biologische Funktionalität wiederherzustellen, könnten dabei kontraproduktiver nicht sein, weil der Mensch von Natur aus stets ein soziales Wesen ist. Ohne eine notwendige Einsichtnahme in die bestehenden Verhältnisse vonseiten der Philosophie und Soziologie als arbeitsteilig nicht getrennte Disziplinen, wie Oskar Negt am 23.02.2017 um 13:56 Uhr in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau zu bedenken gibt, rückt die Genesung auch von Bronski somit in unerreichbare Ferne.

  20. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Bronski,
    dennoch wünsche ich Ihnen, dass Sie genesen mögen, bevor es uns gelungen sein wird, die komplexen Zusammenhänge zwischen Philosophie, Soziologie und der biologischen Funktionalität des Menschen ausreichend ergründet zu haben.

  21. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf Rath

    Mir erschließt es sich jetzt nicht ganz, wieso wir hier im Blog über die „Pathologie der Arbeitssituation“ von Bronski debattieren sollten. Erstens kann ich das nicht beurteilen und zweitens weiß ich nicht, wieso Sie von „überaus massivem Desinteresse“ sprechen?
    Das das hier alles viel Arbeit ist zu moderieren, steht außer Zweifel. Aber mehr kann ich so jetzt auch nicht sagen.
    Vielleicht liege ich ja ganz schief und übersehe etwas? Aber mich überrascht der an sich richtige Gedanke trotzdem an dieser Stelle.

  22. Anna Hartl sagt:

    @Ralf Rath
    Verstehe nicht, von welcher Notwendigkeit zur Aufklärung Sie sprechen.

    Dies ist das Netz, also ein sehr öffentlicher Raum, in dem Menschen ihre Gedanken zu den gegebenen Themen mitteilen. Es ist kein privater Austausch, der zwischen 2 Menschen stattfindet und hoffentlich auch dort bleibt.

    Ich sehe die Schizophrenie, dass man einander teilweise sehr vertiefende Gedankengänge mitteilt, einander aber bis auf Ausnahmen nicht kennt.

    Also von welchem Desinteresse sprechen Sie?

    Die Öffentlichkeit dieses Blogs und die Tatsache, dass ich Lutz Buege nicht persönlich kenne zeigt mir jedenfalls Grenzen auf.

    Ansonsten würde ich ihn fragen, was fehlt dir und kann ich dir eine Suppe vorbeibringen?

    Wie gesagt, verstehe nicht, was Sie sagen wollen.

    Wo ich ihnen folgen kann ist bei den Unterkomplexen Ansätzen. Leider ist eine ganzheitliche Sicht auf die Befindlichkeit eines Menschen nicht die Stärke unserer Mediziner kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.

  23. Ralf Rath sagt:

    Zunächst gilt es festzuhalten, dass ein Mangel an klarer sozialer Struktur nachweislich pathogenen Einfluss auf die weitere Lebensgeschichte hat (Spitzer, M.: Geist im Netz, Heidelberg, 1996, S. 330). Angesichts der allfälligen Irrlichterei, die schon Goethe seinerzeit kritisierte (siehe die Ballade vom „Erlkönig“), nimmt es also nicht wunder, wenn mehr über kurz als lang, eine schwere Erkrankung oder gar der frühe Tod eintritt, solange die in Rede stehenden Relativierungen Dritter nicht erkannt sind. Um jene als solche entlarven zu können, bedarf es laut Negt den arbeitsteilig nicht getrennten Disziplinen der Philosophie und Soziologie. Ansonsten steht zu befürchten, dass Ärzte völlig blind und orientierungslos das Versprechen auf Heilung dem Einzelnen gegenüber schuldig bleiben müssen. Die Untersuchungen erfolgen demnach ausschließlich im so genannten „Einzahlbereich“, worauf Adorno in seiner letzten Vorlesung vom Sommersemester 1968 ausdrücklich abstellte. Ob gesundheitliche Einschränkungen irreversibel sind, hängt somit wesentlich davon ab, ob die sozialen Gründe, die Adorno vor bald fünfzig Jahren auf vielfältige Weise diskutiert, begriffen worden sind oder nicht. Das heißt nicht, dass Bronski keinerlei Aussichten auf Genesung besitzt. Allerdings ist der mehrdimensionale Prozess der Rekonvaleszenz überaus voraussetzungsvoll.

  24. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf Rath

    Trotzdem: Das sind ja nun keine neuen Erkenntnisse, dass kranke Systeme krank machen. Deshalb muss ich nicht die Khoryphäen aus Literatur, Philospie und Soziologie herbeizitieren. Ist alles richtig, was die Größen sagen. Aber an dieser Stelle ist mir der „Sprung“ zu weit.

  25. Ralf Rath sagt:

    @Jürgen Malyssek
    Mir kurzerhand zu unterstellen, ich veranstalte lediglich einen Budenzauber, liegt zweifelsohne außerhalb den Grenzen einer humanen Normalität (Spaemann, 2001: 9). Die Frage lautet in Wirklichkeit also eher, weshalb Sie weit über das Ziel hinausschießen und dadurch meine Einlassung angesichts der schweren Erkrankung von Bronski völlig beliebig relativieren.

  26. Bronski sagt:

    @ all

    Ich schlage vor, dass Sie die Debatte über meine Erkrankung jetzt einstellen. Danke.

    Gruß, Bronski

  27. Barbara Eilers sagt:

    @ Anne Rumpf: Ich stimme Ihnen zu! Auch ich steige dann jeweils nach einer Weile aus -wenn ich endlose Abhandlungen lesen soll, wenn Teilnehmer (meist Männer) verlangen, dass ich – um überhaupt mitreden zu dürfen – erst mal diverse Studien lesen soll, ansonsten mein Beitrag abqualifiziert wird und wenn es langweilige und redundante Dialoge gibt, die sich über längere Strecken hinziehen. Andererseits freut mich, dass -wahrscheinlich dank IQhnen, Bronski, kein Hass und kein Gift in den Blogs zu finden sind! Dafür vielen Dank!
    Ich wünsche Ihnen gute Besserung!

  28. Ralf Rath sagt:

    Offen gestanden, allmählich wird es mir zunehmend unmöglich, mich hier im FR-Blog zu äußern. Für manchen kommentierenden Leser rede ich wie der Blinde von der Farbe. Andere wiederum belustigen sich an meinem Schreibstil. Dann gibt es welche, die es bereits anmaßend finden, einschlägige Literatur jeweils zu zitieren. Bedenkt man, dass ich wegen einer Schwerbehinderung ohnehin nicht imstande bin, mehr als vier oder fünf zusammenhängende Sätze zu schreiben, sind die Anforderungen zumindest für mich inzwischen unerfüllbar.

  29. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf Rath

    Es tut mir leid zu hören, dass Sie wegen Ihrer Schwerbehinderung in Ihren Schreibmöglichkeiten so eingeschränkt sind. Wir können ja nicht voneinander wissen, wie es jeweils dem anderen Gegenüber im Lebensalltag geht.
    Wichtig ist es mir Ihnen zu sagen, dass ich es nicht belustigend fand, was Sie geschrieben haben und es auch nicht als einen „Budenzauber“ betrachtet habe. Nur diesen Sprung, diese Konnotation von Bronskis Erkrankung zur sozialen (pathologischen) Strukturanalyse, das war mir einfach an dieser Stelle zu hoch gehängt. Nicht mehr und nicht weniger.
    Vielleicht passt jetzt zu sagen: Nichts für ungut, Herr Rath!

  30. Ralf Rath sagt:

    @Jürgen Malyssek
    Das, was ich am 7. Januar um 10:12h online gestellt habe, buchstabiert die inhärente Logik der natürlichen Gegebenheit menschlicher Arbeitskraft. Es handelt sich also um das Allermindeste, das es zu berücksichtigen gilt, falls auf dieser Grundlage der Anspruch erhoben wird, sich solch einem Gegenstand zu nähern. Von einem „zu hoch hängen“, kann daher keine Rede sein. Vielmehr ist mein damaliger Kommentar ein äußerst niedrigschwelliges Angebot, damit die Debatte fortgesetzt werden kann.

  31. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf Rath

    Ich verstehe im Grunde, was Sie meinen. Nur dachte und denke ich, dass diese Debatte auch nicht hier bei „Was wird 2018?“ richtig passt. Ich zweifle auch nicht so sehr an den von Ihnen genannten Quellengrundlagen für eine dergestaltige Debatte.
    Menschliche Arbeitskraft – Krankheit – Umfeld – Systeme, das bräuchte einen anderen Platz, einen anderen Aufhänger als hier aufgerollt. Zumal Bronski selbst den Wunsch äußerte die Debatte einzustellen.

  32. Ralf Rath sagt:

    @Jürgen Malyssek
    Ausgehend von den rund eine Dekade zurückliegenden Verhältnissen des Jahres 2005 kursieren unter Medizinern seit längerem Hochrechnungen für das Jahr 2020, die bei unveränderter Morbiditäts- und Mortalitätsrate davon sprechen, dass allein im Zuge der nicht zuletzt im Internet betriebenen Irrlichterei voraussichtlich 40.000 Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in die statistische Kohorte der zusätzlichen und insofern vermeidbaren Toten einrücken (Spitzer, M., 2005: 6). Will man wissen, was hiesig im Jahr 2018 sein wird, kommt keiner um solche Extrapolationen herum. Ohne den Willen von Bronski zu missachten, bleibt somit angezeigt, sich notwendig darüber zu verständigen, dass wenigstens der FR-Blog nicht mit aller Gewalt dem bislang ungebrochen sich vollziehenden Trend auch noch Vorschub leistet.

  33. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Ralf Rath

    Wie gesagt, habe ich Ihr Anliegen verstanden und auch Ihren Vorschlag der Herangehensweise, nämlich von dem, was wir bereits wissen (können) und was daraus für die Zukunft zu schließen ist.

    Eine Debatte des Themas hier wird von den Anstössen der FR-Leserschaft abhängig sein.
    Im Moment haben wir beide einen einsamen Dialog.

    Vielleicht können Sie mit der folgenden Passage aus dem Buch des Sozialpsychologen Elliot Aronson (Ausgebrannt, Vom Überdruß zur Selbstentfaltung, 1983) was anfangen – es geht u.a. um die Herausforderungen und die Vielfältigkeit im Beruf und im privaten Lebensbereich -:
    „Wenn der Mensch die ganze Spanne seiner Interessen und Fähigkeiten zum Ausdruck bringen kann, sinkt die Gefährdung durch Ausbrennen und Überdruß. Wie Bertrand Russell sagte: ‚Spannen Sie Ihre Interessen so weit wie möglich und reagieren Sie auf die Dinge und Menschen, die Sie interessieren, freundlich, soweit das möglich ist.'“
    Das wäre das Gegenteil von krankmachenden Arbeitsbedingungen, denen eine Vielzahl von Menschen heute (auch durch hire & fire oder durch den Verlust von Kompetenzen durch eine immer schneller werdende Industrie 4.0 usw.) ausgeliefert sind. Da kann von Selbstentfaltung oder Berufung nicht mehr die Rede sein. Ein weites Feld …
    Ich glaube auch nicht, dass Bronski gegen die Behandlung dieses Thema etwas hat. Nur muss man mal schauen, ob es noch ein „Publikum“ findet?

  34. Anne Rumpf sagt:

    @Ralf Rath:
    Sprache kann ein- und ausladen. Beiträge wie Ihre hier im Blog, die gespickt sind mit Fachausdrücken, Fremdwörten und Verweisen auf Wissenschaftler (samt Quellenangabe) grenzen sich anderen LeserInnen und SchreiberInnen gegenüber ab. Einerseits reagieren Sie sehr sensibel auf vermeindliche Kritik an Ihren Beiträgen, andererseits sind Sie sich der Wirkung Ihrer Wortwahl auf andere hier im Blog anscheinend gar nicht bewusst.

    Der von Ihnen so geschätzte und vielzitierte Manfred Spitzer wird mittlerweile heftig kritisiert, seine Aufsätze und düsteren Prophezeihungen über die Auswirkungen der digitalen Revolution sind zum Teil pseudowissenschaftlich und methodisch nicht sauber aufgebaut.
    Wenn Sie Herrn Spitzer wirklich so ernst nehmen und hoch schätzen, dann frage ich mich, warum Sie sich überhaupt noch in der Welt des Internet bewegen, gehört sie doch seiner Meinung nach zu den „No-go-Aereas“ der wahren Intellektuellen.

  35. Barbara Eilers sagt:

    Ich möchte mal zurückkommen zu Bronskis Vorschlag, was die FR anders machen könnte in Zukunft bzw soll sie so bleiben und auch die von ihm verantwortete Leserbrief-und Blogabteilung:
    1. ich finde das so, wie es ist, schon sehr vorbildlich -wenn ich so in andere Zeitungen schaue. Nicht umsonst sind wir nach einigen Jahren bei der Süddeutschen wieder zurück zur FR gekommen. Im Grunde bin ich ihr treu seit meiner Studienzeit. Nicht mal die TAZ hat mich lange halten können. Was ich mir dennoch wünschen würde wäre noch ein bisschen mehr kritische Distanz zum Mainstream bei einigen Themen, z.B. das Putinsche Russland und den Ukrainekonflikt sowie der Rolle des „Westens“ in Syrien.
    In den Blogs wiederhole ich noch mal meine Auffassung, auch hier sollten nicht ellenlange Abhandlungen erlaubt sein. Zwiegespräche sollten begrenzt sein. Gerne dürfen links und Literatur genannt werden! Mehr Eingehen auf Argumente der VorrednerInnen wäre auch schön.Soweit erst mal.

  36. Wolfgang Fladung sagt:

    Ein Thema, welches mich seit geraumer Zeit beschäftigt, verbunden mit Asylsuchenden, Migranten und/oder Zuwanderern, ist eine Frage, deren Stellen mich vielleicht leicht in die Nähe der AfD rückt. Aber ich stelle sie trotzdem: Müßte, aus welchem Land er auch immer und aus welchen Gründen auch immer er hier in D. eine neue Heimat sucht (und vielleicht auch findet) auch in sich gehen, und fragen: Mit welchen kulturellen und zivilisatorischen Standards bin ich aufgewachsen, und vertraut, und habe mir diese angeeignet? Und passen diese auch in diese neue Heimat D.? Ich denke dabei zuvörderst an das Verhältnis Mann/Frau, auch an Teile der #MeToo-Debatte, aber auch Fragen hinsichtlich Korruption und Patronage.

    Spätestens seit den Sylvesternacht-Geschehnissen in Köln, aber auch anderswo, gibt es zunehmend Hinweise gerade auf junge Männer nord- und/oder schwarzafrikanischer Herkunft, welche mit dem, was sie hier erwarten, aber anders vorfinden, Probleme haben. Und da möchte ich vorher eine Erklärung dieser Menschen haben, das sie bereit sind, unsere Standards zu akzeptieren – ansonsten sie sich fragen müßten und fragen lassen müßten, ob sie hierher passen.

    Alles andere führt meiner Meinung nach nur dazu, das Parteien wie die AfD irgendwann in der Wählergunst die SPD überholen – die Grünen wurden ja bereits überholt.

  37. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Wolfgang Fladung

    a) sollte man sich von der AfD nicht auch noch diktieren lassen, wie über Deutschlands Kulturlandschaft nachzudenken sei, und
    b) sind bei allen offensichtlichen Integrationsproblemen von Zuwanderern und Flüchtlingen auch zeitliche Prozesse zu berücksichtigen, bis eine neue Normalität sich eingestellt haben kann, einschließlich der dilletantischen nebst fremdenfeindlichen Flüchtlingspolitik (siehe Gegurke der GroKo-Verhandlungen).
    Unsere „kulturellen und zivilisatorischen Standards“ sind doch nicht per se vorbildlich (siehe u.a. Abschottung, verquaste Heimatvorstellungen und eben auch korrupte Wirtschafts- und Auslandspolitik)
    Was soll eine Erklärung der geflüchteten und wurzellosen Menschen, unsere Standards zu akzeptieren und damit Zulassungs-Zeugnisse auszustellen?
    Man muss sich doch zunächst einmal überhaupt zurechtfinden in diesem Land der vielen Widersprüche.
    Ich finde auch im Lebensalltag hier andere Kulturen und Mentalitäten manchmal anstrengend und gewöhnungsbedürftig. Aber deshalb muss ich ja nicht schon wieder die Heimatkeule schwingen. Es gibt Deutsche, die sind mir bezüglich der genannten Eigenschaften oft viel fremder als der Fremde.

  38. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Barbara Eilers

    Die kritische Distanz zum Mainstream sehe ich schon bei der FR. Auch bei den meisten Korrespondenzen im Ausland sehe ich den kritischen Blick auf die jeweils laufenden Ereignisse.
    Man sollte unterstützend neben der Tageszeitung die Wochenzeitungen XYZ lesen …

    Mit den zu langen Abhandlungen haben Sie recht.
    Ich bemühe mich selbst um mehr Disziplin.
    Außerdem kann man auch eine eigene Meinung haben, ohne auf einen Rattenschwanz von Quellen hinzuweisen.

  39. Barbara Eilers sagt:

    @ Wolfgang Fladung. Sie äußern da eine weit verbreitete Ansicht: die Leute, die herkommen, sollten sich doch bitte schleunigst oder sogar noch vor Ankunft anpassen. Das könnte für Menschen gelten, die legal und mit Visum einreisen – weil sie z.B. einen Arbeitsplatz hier haben. Solche Möglichkeiten gibt es nur für HochverdienerInnen (ehemals die Greencard von Gerhard Schröder z.B.). Auf andere, die vor Hunger, Not und Krieg fliehen, passt das nicht. Ich empfehle da sehr die Untersuchung vom kriminologischen Institut Niedersachsens zu den Ursachen von Kriminalität bei den jungen Migranten. Familiennachzug wäre eine wunderbare Vorbeugung!Und Perspektiven auch für diejenigen, die keine Bleibeperspektive haben.
    @ Jürgen Malyssek:………… und die NchDenkSeiten und/oder telepolis…..

  40. Wolfgang Fladung sagt:

    @ Barbara Eilers: Danke zunächst für die Reaktion. Die von Ihnen erwähnte „weitverbreitete Ansicht“ ist für viele ein Grund, ihr Wahlkreuz bei der AfD zu machen. Ich sprach auch nicht von „schleunigst“, sondern von etwas Grundsätzlichem, eben von einem kulturellen Unterschied, eben einer Miswchung aus politisch-gesellschaftlichem Verständnis und religiöser Einstellung. Sie kennen den Begriff „säkular“? Ich habe doch nichts gegen eine Religionszugehörigkeit zum Islam, nur möchte ich, das diese Privatsache bleibt, und nicht von dieser behelligt werden. Bei uns läuten auch zu den Gottesdiensten keine Kirchenglocken mehr, es gehen keine verschleierten Frauen durch die Straßen und öffentlich wird nicht rk oder ev gepredigt, außer vielleicht beim Papst-Besuch.

    Ich habe Freunde und Bekannte, die – eigentlich tolerant und hilfsbereit eingestellt, Angst vor Überfremdung haben. Selbst mich befällt ein eigenartiges Gefühl in der Bahnhofsgegen von Limburg, ganz zu schweigen von OF. Da fühle ich mich fremd im eigenen Land.

    Hinzu kommen dann noch all die verbreiteten und von den rechtsnationalen bis in CSU und CDU hinein verbreiteten Vorurteile, von all den schönen Leistungen, von welchen Migranten profitieren. Sie haben sicherlich die Debatte mitbekommen, wie man Menschen ohne Papiere und Sprachkenntnisse einordnen kann, falls kein Dolmetscher bereit steht: Sprachautomaten?

    Daher auch mein Vorschlag: Helft den Migranten im eigenen Land, durch wirtschaftliche Unterstützung, Stabilisierung demokratischer Entwicklungen und vor allem: Stopp aller Waffenexporte, z.B. in den Jemen – gilt auch für die SPD in einer neuen GroKo!

    Und wer zuhause eine Chance hat bzw. sieht, benötigt keinen Familiennachzug, weil dieser auch Probleme nicht löst, sondern neue erzeugt.