Die Frankfurter Rundschau lebt!

Die Frankfurter Rundschau lebt! Mit diesem Satz wandte sich der Geschäftsführer der neuen Frankfurter Rundschau GmbH, Hans Homrighausen, heute, am 1. März, auf der Titelseite der FR an Sie, liebe Leserinnen und Leser. Denn dass die FR lebt und auch weiter leben wird, ist keineswegs selbstverständlich: In einer Art Herzschlagfinale entschied sich die Zukunft der FR erst am gestrigen Donnerstag, dem letzten Tag, für den ihr Erscheinen gesichert war. Am 13. November 2012 hatte die Geschäftsführung der Druck und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH, in der die FR früher erschien, Insolvenz anmelden müssen. Das bedeutete eine monatelange emotionale Achterbahnfahrt für alle Beschäftigten, auch für mich – siehe mein Post „In eigener Sache“ vom 22. Februar. Doch während Ihr Bronski vorerst weitermachen kann, haben viele, viele ehemalige Beschäftigte der FR in Druckerei, Verlag und Redaktion ihren Job verloren und mussten in eine Transfergesellschaft wechseln.

„Der Übergang in die neue Gesellschaft wird erkauft mit schmerzhaften Opfern“, schrieb Homrighausen in seinem Wort an die Leserinnen und Leser. Doch es wäre „fatal, wenn dem Land eine derart einzigartige publizistische Stimme wie die FR verloren gegangen wäre.“ Der frühere Herausgeber und Chefredakteur Karl Gerold habe einst in seinem Testament festgelegt, wie „seine“ FR zu sein habe: „Eine unabhängige, politisch engagierte, links-liberale Tageszeitung, verpflichtet dem Geist des Grundgesetzes und den Menschenrechten und ständig eintretend für das unbedingte Prinzip der Demokratie und für die soziale Gerechtigkeit“, schreibt Homrighausen. „Daran hat sich nichts geändert und wird sich nichts ändern. Die Rundschau wird eine Zeitung mit regionalem Fundament und einer starken, besonderen politischen Ausprägung bleiben.“

Aus ersten Leserreaktionen, die mich inzwischen erreicht haben, spricht unter anderem eine gewisse Ungläubigkeit darüber, dass ausgerechnet die konservative FAZ, die von Vielen traditionell als ideologischer Konkurrent der FR gesehen wird, die FR gekauft habe. Ebenso können manche Leserinnen und Leser kaum glauben, dass die inhaltliche und politische Unabhängigkeit der FR gewährleistet sein soll. Dazu sagte FAZ-Geschäftsführer Tobias Trevisan auf einer Pressekonferenz gestern im Frankfurter Presseclub: „Es ist nicht die Absicht der Gesellschafter, auf das politische Profil Einfluss zu nehmen.“ Auch in einer ersten Pressemitteilung hatte Trevisan die Unabhängigkeit der FR-Redaktion betont: Die Karl-Gerold-Stiftung, die mit 10 Prozent der Gesellschafteranteile weiterhin FR-Gesellschafterin ist, garantiert mit ihrer Stiftungsverfassung auch die Ausrichtung der Frankfurter Rundschau als unabhängige, linksliberale Tageszeitung. Die übrigen 90 Prozent verteilen sich wie folgt: 55 Prozent gehören der Frankfurter Societät GmbH, deren Geschäftsführer Homrighausen ebenfalls ist, und 35 Prozent gehören der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ´GmbH.

Arnd Festerling will nur für eine Übergangszeit FR-Chefredakteur bleiben, danach aber weiter für die FR arbeiten, zusammen mit derzeit 28 Redakteurinnen und Redakteuren, den Journalistinnen und Journalisten des Pressediensts Frankfurt sowie einer Reihe von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Insgesamt sind derzeit etwa 100 Personen für die FR tätig. Es sollen wieder mehr werden: In der Pressemitteilung der beiden Geschäftsführer ist vom „Aufbau einer eigenständigen überregionalen Redaktion“ die Rede. Bis Ende Mai liefert die DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin wie auch bisher schon den überregionalen Teil der FR.

„Warum glauben wir, dass wir diese so oft totgesagte Rundschau erhalten können?“, fragt Hans Homrighausen an die Leserinnen und Leser gerichtet in seinem Text auf der heutigen Titelseite. „Warum haben wir sie übernommen? Vor allem weil wir an die Zukunft der Zeitung glauben. Wir sind davon überzeugt, dass wir gemeinsam am heimischen Markt wirtschaftliche Vorteile haben, die allen beteiligten Unternehmen Nutzen bringen. Die Konzentration unserer Kräfte wird es ermöglichen, dass die FR sehr schnell auf einer gesunden ökonomischen Basis arbeiten kann.“

Dennoch könnte es sein, dass nicht alles so bleibt, wie es ist: Die neuen Gesellschafter nehmen offenbar das Tabloid-Format unter die Lupe. Homrighausen schließt nicht aus, dass die FR wieder ihr altes, größeres Format bekommt: „Wir werden versuchen zu klären, was die richtige Einschätzung ist – es gibt zwei Lager.“

***

Nun sollen einige erste Leserreaktionen folgen. Edmund Dörrhöfer aus Flörsheim ist inzwischen ein Freund des Tabloid-Formats:

„In dem Artikel „Die FR bleibt linksliberal“ vom 01.03.2013 wird über mögliche Veränderungen spekuliert. So steht das Tabloid-Format auf dem Prüfstand. Anfangs war ich eher entsetzt über das neue Format. Mittlerweile bin ich aber begeistert, und hasse es Zeitungen im „großen Format“ lesen zu müssen.
Das Internet bringt viele neue Möglichkeiten hervor. Eine (zu) wenig genutzte Möglichkeit ist die Befragung der Käufer. Auf diese kommt es ja bei jedem Geschäft an. Deshalb meine Bitte: Prüfen Sie alle angedachten Veränderungen mit Hilfe Ihrer Leser (läßt sich im Internet leicht und kostengünstig durchführen) auf Akzeptanz. Durch unzureichend bedachte Änderungen mit dann evtl. 10 Prozent Leserverlust ist der FR nicht geholfen.“

Heinz Wiederhold aus Frankfurt:

„Ich bin sehr froh dass die FR weiter existiert und drücke allen Mitarbeitern die Daumen für einen sicheren Arbeitsplatz und den leider entlassenen Kollegen einen baldigen neuen Job. Ich hoffe dass der links liberale Mantel im bisherigen Umfalng und Inhalt erhalten bleibt und auch noch im Regional- und Lokalteil bemerkbar bleibt. Die Möglichkeiten unter dem Dach der FAZ und die Nachbarschaft zur FNP führen hoffentlich auch zu einer Verbesserung des in den letzten Jahren arg geschrumpften Lokalteils und insbesondere des Regional- und Fussballsports und vielen Randsportarten. Da bieten sich Zusammenarbeit und Zukäufe an. Toi, toi, toi!“

Dieter Preuß aus Möhnesee:

„Die bisherigen und hoffentlich auch künftigen Leser und Leserinnen der neuen Frankfurter Rundschau sollten sich freuen dürfen: Der Schwerpunkt des redaktionellen Programms wird erklärtermaßen weiterhin im regionalen und lokalen Bereich liegen. Die Frankfurter Stadtredaktion und die für Hessen zuständigen Mitarbeiter der FR überzeugen seit Jahrzehnten mit einer herverragenden journalistischen Leistung. Informativ, kritisch und unterhaltend konnte sich diese Arbeit in starker Konkurrenz zu den entsprechenden Bereichen der Frankfurter Allgemeinenen Zeitung und der Frankfurter Neue Presse mit ihren umfänglichen Regionalausgaben behaupten. Das wird wohl auch in Zukunft zur täglichen Dienstleitung gegenüber den Lesern und gleichzeitig zur Herausforderung der Kollegen Mitbewerber im gemeinsamen Haus in der Frankenallee so bleiben. Dass die FR nach dem erklärten Willen und Bekunden ihrer neuen Herren zudem auch als einzige überregionale linksliberale Tageszeitung gestärkt werden sol, tut der deutschen Zeitungslandschaft gut. Die Rückkehr zur früheren Inhaltsqualität wie zu Zeiten von Karl Gerold , Karl-Herrmann Flach und Werner Holzer wäre eine ermutigende Perspektive. Auf dass das Sterbeglöckchen für die WR endgültig zu läuten aufhört!“

Thomas Mueller aus Frankfurt:

„Bleiben Sie bitte beim Tabloid Format, das ist ein wichtiger Grund für uns, Ihre Zeitung zu kaufen.“

Dr. Kerstin Breithaupt-Grögler aus Frankfurt:

„Oh ja bitte, ein neues, das alte Format! Damit wir endlich wieder Zeitung lesen können ohne die Arme zu verbiegen, die Hälfte des Artikels auf dem unter den Tisch gerutschten anderen Buch zu suchen, und die Zeitung irgendwo im Nirwana teilen müssen, um sie zu zweit zu lesen. Bitte, bitte, macht das wieder besser!“

Theo Pritz aus Neu Isenburg:

„Als Abonnent der FR im 45. Jahr habe ich die größten Zweifel an der Aussage „Die FR bleibt linksliberal“. Nach meiner Auffassung hätte ein Fragezeichen angefügt werden müssen. Die zweite Aussage: „Es ist nicht die Absicht der Gesellschafter auf das politische Profil Einfluss zu nehmen“, kann nur derjenige glauben und annehmen, der in seinem Berufsleben, gleich in welcher Branche, noch nie eine Fusion, bzw. Übernahme miterlebt hat. Nur langjährige Leser der FR wissen, dass die Zulieferung der Mantelseiten von der DuMont-Redaktionsgemeinschaft in Berlin, und hier ganz besonders die Meinungsseiten mit den Kommentaren, von einigen Ausnahmen abgesehen, sich auf das politische Profil ausgewirkt haben. Da konnte stellenweise schon nicht mehr von linksliberalem Profil gesprochen werden. Das Tabloid-Format soll auch unter die Lupe genommen werden, was soviel bedeutet, dass es verschwindet. Aber wen wundert dies? Die Societät und die FAZ sind ja nun alles andere als vorwärts gerichtet. Zunächst werde ich Abonnent bleiben, sollten jedoch die befürchteten Auswirkungen der Übernahme eintreten, werde ich schweren Herzens das Abo kündigen. Fazit: Wir brauchen keinen politischen Meinungs-Einheitsbrei, weder für die Rhein-Main Region, noch bundesweit.“

Mechthild Kock aus Stade:

„Liebe Redaktion, jetzt, wo die Zukunft der FR erst mal geklärt ist, ist es mir ein dringendes Bedürfnis, Ihnen allen für Ihre bisherige Arbeit zu danken. Die FR war bisher treue Begleiterin meines Alltags – nicht nur als Lektüre auf dem Frühstückstisch, sondern auch in Gesprächen und beim Nachdenken über Politik und Gesellschaft. Es schmerzt mich sehr, dass so viele Menschen aus der FR-Mannschaft jetzt vor einer höchst unklaren Zukunft stehen. Ich wünsche allen, die anderswo Arbeit suchen müssen, viel Glück dabei. Ich fürchte, unter neuer Herausgeberschaft wird sich das Blatt wohl deutlich ändern. So vermisse ich schon heute, was voraussichtlich verschwinden wird: Hoch geschätzte Berichte und Reportagen, bissige und amüsante Kommentierungen, und und und. So vieles war eine Bereicherung meines Lebens, auch wenn ich mitunter über das eine oder andere auch geärgert habe. Ich fürchte, die „neue“ FR wird sich ändern – so, dass ich dann vielleicht keine Lust mehr auf das Blatt habe. Doch was soll ich dann lesen? Es gab in der FR immer wieder Themen, die nirgendwo sonst aufgegriffen wurden. Wo kommen sie dann noch vor? In irgendwelchen spätnachts ausgestrahlten Fernsehmagazinen? Wer weiß? Ich bin skeptisch. Also: Ihnen allen noch einmal ein ganz dickes Dankeschön! Ich drücke die Daumen für Ihre persönliche Zukunft! Und beim künftigen Blatt gucke ich ganz genau hin. Versprochen.“

Esther Böhlcke aus Hannover:

„Liebe FR, jetzt ist es also soweit….was auch immer. Nach der Hängepartie, ob überhaupt etwas weitergeht, jetzt die Nachricht, dass die FAZ die FR übernimmt. Mich gruselt.
Als Leserin und Abonnentin möchte ich wissen, wie lange die FR noch in der bisherigen Form erscheint.
Was mich stört in der bisherigen Berichterstattung zu diesem Thema ist, dass bis jetzt keine inhaltlichen Vorstellungen für die Zukunft uns LeserInnen vorgestellt wurden. Keine Ahnung, vielleicht dürfen Sie als Redakteure ja nicht. Als Abonnentin find ichs auch wichtig, denn ich möchte auch rechtzeitig kündigen können.
Ich finde weiterhin den „Niedergang“ der FR schade. Irgendwie war die Zeitung für mich kein Produkt im kapitalistischen Verwertungsprozesses, sondern tatsächlich eher eine Einrichtung des kritischen Journalismus. Hoffentlich finden alle Mitarbeiter, ob technisch, Vertrieb oder Redaktion ein adäquates Auskommen.“

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24 Kommentare zu “Die Frankfurter Rundschau lebt!

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin Abonnent der FR und lese gerade die heutige (01.03.) Ausgabe.
    Zum Artikel auf der Seite F1 würde ich Ihnen gerne meine Meinung mitteilen bzw. Sie bitten das bisherige Tabloid Format beizubehalten! Aus meiner Sicht ist dies in der Praxis deutlich besser zu handhaben.

    Ich weiß nicht ob es in der beschriebenen Klärung vorgesehen ist, aber es wäre wünschenswert wenn die Meinung der Leser ebenfalls berücksichtigt wird.

  2. Schön, daß die Fr weiter erscheint! Wie es inhaltlich sein wird, kann man in Ruhe abwarten – ich vertraue auf das Versprechen einer linksliberalen Orientierung wie bisher. Mit Sorge habe ich gelesen, daß das Fortführen des Tabloid-Formats überdacht wird – das erschreckt mich! Die viel bessere Handhabung ist doch überzeugend: ich möchte nicht wieder mit dem großen Format kämpfen müssen. Eine guten Inhalt kann man doch in jedem Format unterbringen; außerdem ist das Tabloid-Format doch ein Alleinstellungsmerkmal! Solte man das wirklich aufgeben? Ich meine: nein und nochmals nein!

  3. Für die FAZ bzw. den Sozietäts-Verlag und seine Druckerei kommt es ja v.a. darauf an, eine Marktbereinigung bei den Großdruckereien durchzführen, und mit der Stillegung der FR-Druckerei in Neu-Isenburg einen Konkurrenten auszuschalten und die Auslastung der eigenen Druckerei zu sichern. Dazu hält sich die Sozietätsdruckerei einen kleinen Redaktionsstamm der FR als Feigenblatt, hinter dem die eigenen wirtschaftlichen Interessen verborgen bleiben sollen. Und damit dies Versteckspiel auch funktioniert, wird jeder Beitrag in ihren Leserkommentaren unterdrückt, der auf diesen wirtschaftlichen Zusammenhang verweist. Zensur macht sich selbst lächerlich. Ich gehe mal davon aus, daß das Diktat des Sozietätsverlages ab heute auch bei der FR wirkt, so daß dieser Leserbrief von der FR-Restredaktion genauso unterdrückt wird wie Online-Kommentare bei der FAZ. GEhen Sie auch mal davon aus, daß die Sozietätsdruckerei in ein paar Jahren das Feigenblatt FR nicht mehr braucht und diesen Zeitungstitel endgültig untergehen läßt oder in ihre FNP-Riege eingliedert.

  4. In eigener Sache von Chefredakteur Arnd Festerling in der Print-Ausgabe vom 02.03.2013:

    Ich zitiere:“ Es hat sich gelohnt. Für uns alle. Es geht weiter mit der FR. In der Satzung und den Arbeitsverträgen steht: Die FR ist eine linksliberale Zeitung. Das wollen wir alle so, Sie, die die Rundschau lesen, wir, die sie machen und die neuen Besitzer, die es in die Verträge schreiben.“

    Ich persönlich habe von 1998 bis 2004 als Drucker im Druckzentrum Neu-Isenburg gearbeitet. Seit Schulzeiten lese ich die Zeitung und hatte dann das Glück, für diese Zeitung arbeiten zu dürfen. Dies tat ich mit großer Identifikation und Stolz. Genauso wie alle anderen, die für dieses Haus arbeiten und gearbeitet haben. Deshalb fühle ich mit allen Kollegen und Kolleginnen im Druckhaus und der Weiterverarbeitung.

    Als wäre die Insolvenz und die nun ausgesprochenen Kündigungen nicht schmerzvoll genug, bekommen alle Mitarbeiter mit der Aussage des CHEFREDAKTEURS „Es hat sich gelohnt. Für uns alle. Es geht weiter mit der FR.“ noch eine volle Breitseite verpasst.

    Ich empfinde diese Aussage als eine Demütigung erster Klasse. Über 400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen verlieren ihren Job und wissen nicht wie es weitergeht und der Herr Chefredakteur beweist mit diesem Artikel den Zusammenhalt im Verlag (Achtung: Sarkasmus). Toll. Aber er hat ja auch seinen Job behalten. Traurig. Aber Journalisten sind nun mal ein eigenes Völkchen. SIE machen ja eine Zeitung alleine. Nicht falsch verstehen. Journalisten erstellen den Inhalt der Zeitung und füllen diese mit Leben. Aber ohne das Druckhaus würde auch keine Zeitung erscheinen. Die Artikel müssen ja schließlich gedruckt werden. Leider hat Herr Festerling diese Mitarbeiter nicht erwähnt bzw. unterschlagen im Produktionsprozess.

    An alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: Ich fühle aus dem fernen Bremen auch nach 9 Jahren des Abschieds immer noch mit Euch und wünsche für die Zukunft alles, alles Gute. Kopf hoch.

  5. Wirklich gruselig, das mit der FAZ, die gern den Abbau sozialer Leistungen fordert und dergleichen. Das kann eigentlich nichts Ernsthaftes sein; dahinter werden Erwägungen stecken, die sich nicht mit unseren Interessen als Leser/innen decken. Ich warte das sehr sehr skeptisch ab. Die jetzt schon Leidtragenden haben mein Mitgefühl. Die Gesellschaftsordnung, die Ihnen das jetzt abverlangt, erfährt in der FAZ die allerhöchste Anbetung.
    Auf der anderen Seite könnte man freudig erwarten, dass die Rechtschreibung besser wird und dass wieder ein richtiges Format kommt und man die Zeitung in der Familie wieder sinnvoll teilen kann. Und vielleicht wird der Promiquatsch auf den letzten Seiten endlich abgeschafft. Aber das natürlich nur am Rande.

  6. Jahrzehntelang lesen wir die Rundschau täglich mit großem Interesse und Vergnügen. Wir hoffen, dass der linksliberale Kurs gemäß den Ankündigungen beibehalten wird. Des weiteren wäre es wünschenswert, dass das Zeitungsformat in der Tableau-Form beibehalten wird. Denn auch hinter einer Zeitung in diesem Format kann ein kluger Kopf stecken.

  7. Ich freue mich sehr, dass die FR weiter erscheint und ihre bisherige linksliberale Ausrichtung beibehält. Den kritischer Jounalismus ist gerade in der heutigen Zeit wichtig, um Spotslights auf die die Gesellschaft bewegenden Themen zu richten. Aber bitte behalten Sie das praktische Tabloid Format bei!!! Ihre Sitznachbarn in Bahn, Flugzeug und Cafe werden Ihnen dankbar sein, beim Umblättern nicht immer eine „gewischt“ zu bekommen.

  8. Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit großer Freude habe ich auf der ersten Seite der gestrigen Wochenendausgabe erfahren, daß die FR mit allen ihren Mitarbeitern gerettet ist und sich an der Orientierung der Zeitung nichts ändert. Bloß nicht FAZ – der habe ich vor Jahren schon mal geschrieben, daß sie journalistisch das ökologische Schlußlicht bildet und ich daher die FR lese, bei der man auf jeder Seite die Sorge um Erde und Menschen spürt. Von der FAZ finde ich es allerdings rühmlich, daß sie die FR übernimmt und sie dennoch beläßt wie sie ist.
    Aber es bleibt die schmerzende Unruhe, wie es mit den Beschäftigten der Druckerei weitergeht, über die Sie eine Woche vorher so erschütternd berichtet haben. Man kann den Bericht nicht einfach verdrängen, am wenigsten, wenn man Kinder im Alter der Betroffenen hat. Man wird wohl kaum mehr etwas davon hören. Oder habe ich irgendwelche entsprechenden Nachrichten übersehen?

  9. Ich freue mich, dass die FR erhalten bleibt und auch ihr „linksliberal“ (was ist das eigentlich heute noch?) erhalten bleibt.
    An das Tabloidformat habe ich mich inzwischen gewöhnt und finde es praktisch und gut.
    Die Zeitung lässt sich so schön aufteilen. So sitze ich mit meiner Frau oft über einer Stunde am Frühstückstisch.
    Die Sonntagsausgabe der FAZ beziehe ich seit zwei Jahren auch. Ihr Format eignet sich besser zum einwickeln von frischem Salat.

  10. Die FR lebt. Gut! 28 Redakteure werden übernommen. Weitere 100 Angestellte sind beim Pressedienst Frankfurt beschäftigt. Wen beliefert dieser PDF noch oder schreiben die dort Angestellten ausschließlich für die FR? Sie erhalten einen anderen (niedrigeren)Tarif? Einen ausgegliederten Bilderdienst gibt es ja schon seit langem (der, wie schon debattiert, nicht immer passende Lösungen zum Text gestaltet).
    Des weiteren gibt es noch Autoren und freie Mitarbeiter. Welchen Status hat ein Autor und wie unterscheidet er sich vom freien Mitarbeiter. Gastkolumnisten gibt es ja auch noch.

    So richtig zum Jubilieren ist die Lösung aus meiner Sicht nicht. Wer bestimmt Neueinstellungen? Der Geschäftsführer? Warum will Arnd Festerling nicht mehr Chefredakteur sein? Und zu guter Letzt: Wer übernimmt die Druckerei? Sie wird doch nicht verschrottet? Werden die Einzelteile verkauft? Wenn ja, an wen?

    Nein, ich bin nicht wirklich glücklich mit dieser Lösung. Geistige Unabhängigkeit ist zugesichert, aber wie weit geht die wirklich? Nehmen wir an, die FR deckt was ganz Fieses über einen großen Anzeigenkunden auf …… Es ist nicht so ganz einfach mit der intellektuellen Redlichkeit, wenn die Existenz auf dem Spiel steht. Und sicher gibt es viele Gründe, warum man das eine oder andere unterlässt, um das WICHTIGE zu retten.

    Gut, höre ich auf, den Teufel an die Wand zu malen. Ich bin halt wirklich in ernster Sorge um die Pressevielfalt.

  11. @ I. Werner

    Auch bei uns ist niemand uneingeschränkt glücklich mit dieser „Lösung“, denn sie hat viele Arbeitsplätze gekostet. Um diesen Preis gibt es die FR weiterhin. Wir können das leider nicht ändern. Der Käufer wollte das Druckhaus nicht. Am Ende war die FAZ bzw. die Societät alleiniger Bieter um die FR. Das Druckhaus durchläuft nun das Insolvenzverfahren. Ich kann Ihnen nicht sagen, was damit werden wird. Ebenso wenig kann ich Ihnen viele Ihrer weiteren Fragen zu diesem Zeitpunkt schon beantworten. Die neuen Strukturen müssen sich erst bilden. Daran wird zurzeit natürlich gearbeitet

    Zurzeit wird die FR von rund 100 Personen gemacht – Festangestellte, PDF-Leute und freie Mitarbeiter sowie freie Autoren zusammengenommen. Mit dem PDF arbeiten wir schon seit vielen Jahren zusammen. Das ist also quasi der personelle Sockel, über den wir zurzeit verfügen. Ein freier Autor schreibt für uns, beispielsweise auf Bestellung, kann aber auch Texte und Themen von sich aus anbieten. Ein freier Mitarbeiter kann jede Art redaktioneller Arbeit machen, zum Beispiel Redigat oder Spätdienste.

    Was Ihre Sorge um die Pressevielfalt betrifft: Die Ausrichtung der FR wird sich nicht ändern. Ausschlaggebend ist das Redaktionsstatut der Karl-Gerold-Stiftung. Das ist vertraglich festgeklopft.

  12. Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit Schrecken lasen wir, dass Sie darüber nachdenken, das Tabloid-Format wieder abzuschaffen. Das wäre jammerschade. Ist es doch mit diesem Format möglich, zu zweit am Frühstückstisch die Zeitung zu lesen. Es ist sogar möglich, sich in schlaflosen Morgenstunden mit der FR bequem im Bett zu vergnügen. Diese enormen Vorteile anderen Zeitungen gegenüber wollen sie uns Lesern wieder nehmen? Das kann nicht sein. Wenn der Grund sein sollte, dass Sie die Leserzahlen erhöhen möchten, dann wäre es sinnvoller, nicht so unpolitische Titelaufmacher wie den über David Bowie zu bringen und dem Lokalteil mehr Beachtung zu schenken. Das sind unseres Erachtens die Gründe gewesen, weshalb etliche Abonnenten der Rundschau den Rücken kehrten – und beinahe wir auch. Nun freuen wir uns, dass der Lokalteil etwas zugenommen hat und bleibe der FR treu.

  13. Das Wichtigste scheint mir zu sein, dass die FR in ihrer unabhängigen Berichterstattung und Kommentarfunktion, vor allem gegenüber der FAZ erhalten bleibt. Wenn ich mir bei Faz.net anschaue, was die FAZ-Gemeinde inhaltlich und argumentativ zu bieten hat, graut mir vor einem möglichen Anpassungsprozess. Obwohl mir die Blogregeln und vor allem die Dokumentation durchaus vorbildlich erscheinen und zur Übernahme für die FR zu empfehlen wären (z.B. auch die Verpflichtung zu Klarnamen).
    Dass das m.E. durchaus bewährte Tabloid-Format ohne Begründung „auf den Prüfstand gestellt“ wird, kann ich nicht nachvollziehen. Ich könnte das bestenfalls verstehen, wenn damit eine kostengünstigere Produktion verbunden wäre. Ich halte es als Leser für unzumutbar, dass man mindestens 3 Plätze belegen muss, um sich z.B. durch die „Zeit“ durchzuarbeiten. Auch da ich gewohnt bin, Dokumente aus der FR zu verschiedenen Themen aufzubewahren, schätze ich die Praktikabilität dieses Formats. Ich bitte dieses unbedingt beizubehalten.
    Mit freundlichen Grüßen
    Werner Engelmann

  14. Natürlich bin ich sehr froh, dass die FR weiterbesteht. Allerdings hoffe ich sehr, dass die mir äusserst wichtigen Beiträge zum kritischen Konsum, zu Energie und Ökologie, etc. nicht einer politischen Umstrukturierung zum Opfer fallen. Ausserdem sind mir die Artikel und Kolumnen von Stephan Börnecke, Jörg Schindler, Mely Kiyak u.v.a. wichtig ….
    Und auch ganz wichtig ist mir das Format!!! Bitte bloss nicht zurück zum unhandlichen Grossformat.

    Beste Grüsse
    Birgit Vey, Heidelberg

  15. Warum wohl manche Zeitgenossinnen die FR abonniert haben – anscheinend nur des Druckformats wegen. Die Diskrepanz zwischen Verpackung und Inhalt wird da mal wieder deutlich, oder an die Adresse von DDVG und Dumont: If you can’t make it good, make it look good. Bei einem E-Paper ist das Druckformat irrelevant, zudem erspart es einen am Folgetag veralteten raschelnden Papierberg und schwarze Hände am Fryhstyxtisch.

  16. Ich kann dem Kommentar von Christof Scherl nur zustimmen, in jeder Hinsicht und vor allem was das Format betrifft, sowohl in der Tat-und Leideform. mfg Gerda Reul

  17. Als langjähriger Abonnent bin ich nach längerem Bangen froh, dass die Frankfurter Rundschau weiterhin erscheint und hoffe, dass sie ihre linksliberale Richtung angesichts der weiter zunehmenden Pressekonzentration in neoliberaler Tendenz nicht aufgibt. Nach den ersten Tagen seit der Übernahme durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung bin ich diesbezüglich trotz anfänglicher Bedenken zuversichtlich; insbesondere den Kommentaren von Bettina Vestring mit dem Titel „Röslers schöne Welt“ oder von Joachim Wille zu Stuttgart 21 („Mit Volldampf ins S21-Debakel“) in der Ausgabe vom 7. März stimme ich vorbehaltlos zu und kann Sie nur ermutigen, mit klaren Worten weiterhin den Auftrag eines kritischen Journalismus zu erfüllen.
    Das schon vor Jahren eingeführte Tabloid-Format hat sich meines Erachtens bewährt, jedoch vermisse ich die in früheren Zeiten erschienenen Dokumentationsseiten, die wesentlich informativer waren als die Interviews mit Predigern der neoliberalen Schule à la Hans-Werner Sinn oder des realitätsfernen Ministers Rösler. Auch anstelle der kruden Auslassungen von Götz Aly würde ich mir eine Rückkehr von Friedhelm Hengsbach, Heiner Flassbeck oder Georg Fülbert als Kommentatoren wünschen.

  18. Auch ich bin froh, dass die FR weiter erscheint und hoffentlich die linksliberale Tendenz nicht aufgibt. Mein großer Wunsch an die Redaktion: Bleiben Sie weiterhin investigativ an Fällen wie den geschassten Finanzbeamten u.ä.
    Wie Herr Boettel auch, vermisse ich die Dokumentationsseiten – doch hin und wieder findet sich ja im Magazin umfangreichere Information.
    Liebe FR, bleibt bitte auch beim Tabloidformat, es ist soviel angenehmer zu handhaben als die handtuchgroßen Blätter, das wünschen auch meine mitlesenden Familienmitglieder.

  19. Hallo, Herr Bronski,

    unter Bezugnahme auf meinen Beitrag # 13 möchte ich den Vorschlag präzisieren, was von der Kommentarfunktion bei Faz.net übernommen werden könnte. Dort erlaubt mir die Suchfunktion, durch Eingabe des Namens des Foristen, vollständig auf eigene frühere Beiträge zu anderen Themen oder die anderer Foristen zurückzugreifen. Ich benutze diese Funktion nicht nur, um mich an frühere Argumentationen zu erinnern, sondern auch, um mir vor einer Replik ein Bild vom Gegenüber zu machen. Das hilft, Missverständnisse zu vermeiden, die aufgrund notwendiger Verkürzung leicht aufkommen, indem man bestmmte Äußerungen anders interpretiert, als sie gemeint waren.
    Hier im Blog finde ich beim Eintippen meines Namens in der Suchfunktion lediglich Hinweise auf ältere Threads, die aber auch nicht vollständig sind.
    Wäre es sehr aufwendig, eine solche auf die Namen bzw. Pseudonyme der Blogger bezogene Suchfunktion mit einem entsprechenden Programm einzurichten?
    Ich empfände das als sehr hilfreich und im Sinne einer sachbezogenen Diskussion. So habe ich z.B. mit Gewinn eine frühere Diskussion mit Abraham wieder gelesen, die mir im Zuge der recht emotional aufgeladenen Beschneidungsdiskussion längst aus dem Gedächtnis entschwunden war.

  20. Da ja auch im Print heute wiederholt Meinungen zur Beibehaltung des Tabloid-Formates abgedruckt wurden, möchte ich dazu auch nochmal vielleicht eine Mittelmeinung anbieten:

    Mich hat die FR damals mit der Umstellung auf Tabloid als „begeisterten“ Leser – auf Papier – emotional verloren. (Ich hab eher aus Solidarität und Lust am Lokalen noch ein Epaper-Abo, kaufe mir am Kiosk aber mittlerweile eher die SZ.) Nicht, weil ich es toll finde, mit unhandlichen Papierbögen zu hantieren. Sondern, weil die Artikel gefühlt kürzer, dünner geworden sind und mich die Flut an sinnlosen Symbolbildern nervt, die häufig 1/3 bis 1/2 der Seite einnehmen. Fotos gerne, Grafiken gerne; aber diese rein illustrativen Symbolfotos der Optik wegen, ärgern mich. Vor allem wenn dafür gefühlt die Artikel enden, nachdem gerade mal an der Oberfläche gestreift wurde.
    Ich fühle mich seitdem als aufmerksamer und kritischer Leser nicht mehr wirklich als Zielgruppe, die ich derzeit gefühlt irgendwo bei den „Welt Kompakt“-Lesern vermute, die ein paar leicht verdauliche Lesehäppchen gegen Langeweile in der U-Bahn wünschen. Und ich glaube auch, dass dieses Modell nicht dauerhaft zukunftsfähig ist, weil die U-Bahn-Langeweile-Häppchen genauso gut kostenlos von Mobilgeräten aller Art geliefert werden.

    Als mit dem Internet aufgewachsener Mensch, der heute noch Tageszeitung liest, ob gedruckt, auf dem Tablet oder im Netz, wünsche ich mir eine Ergänzung der ganzen „Infohäppchen“ die vom U-Bahn-Infoscreen bis zur Handy-App auf mich einprasseln, mit tiefen Hintergrunden, unerwarteten Reportagen, hochwertigem Journalismus. Bei den „großen Tageszeitungen“ (meint nicht nur das Format) gibt es derzeit leider nur noch FAZ und SZ. Aber daneben wäre noch Platz und ich würde mich freuen, wenn da irgendwann – vielleicht dann erst nach einem weiteren Eigentümerwechsel – mal wieder selbstbewusst die FR Platz nehmen würde.

    Also, kurzum: Gerne weiter das Papierformat beibehalten, aber wenn der Bildanteil um 1/3 reduziert würde -zugunsten weiter und etwas tiefer gehender Texte-, wäre die FR immer noch keine Bleiwüste, aber würde etwas weniger Häppchenjournalismus ausstrahlen.

  21. Mir ist wichtig, dass die FR als Institution und hörbare politische Stimme erhalten bleibt. Bei allem Mitgefühl für die Betroffenen: das ist mir wichtiger als die Arbeitsplätze (Frankfurt ist eine große reiche Stadt, in der kluge Menschen, die gut schreiben können, hoffentlich immer irgendwo gebraucht werden).

    Wenn für das wirtschaftliche Überleben nötig ist, dass man die technischen und logistischen Strukturen der FNP übernimmt (meinetwegen auch das Druckformat – es dürfte einen Haufen Geld sparen, beide Zeitungen durch dieselbe Maschine zu schicken), dann von mir aus.

    Wichtiger ist die inhaltliche Qualität, die in den DuMont-Jahren arg gelitten hat. Die Bebilderung ist teilweise absurd. Die Online-FR ist _unerträglich_ mit ihrem extrem aufdringlichen „Das könnte Sie auch interessieren!“-Spam und den extrem sinnlosen Fotostrecken, denen man ansieht, dass sie für eine Kölner Lokal-Boulevardzeitung gemacht sind.

    Das Gejammer über die böse böse FAZ kann ich nicht nachvollziehen. Un-selbständiger und gedemütigter als heute, mit der an die Berliner Zeitung verlorenen Politikredaktion, kann die FR doch gar nicht sein.

    Politisch ist die FAZ kein rechtes Kampfblatt (sie ist eben NICHT Springer), sondern „aufgeklärte Konservative“, die auch entgegengesetzte Meinungen respektieren. Ich zweifle manchmal, ob die FR (v.a. ihre Leser) dieselbe Größe und Toleranz besäßen. Die Blogs und Kolumnen dort zeigen eine Aufgeschlossenheit, die selten ist.

    Wirtschaftlich wäre es für FAZ/Societät vernünftiger gewesen, die FR sterben zu lassen. Wer sich fürs Regionale interessiert, hätte dann die FNP gekauft, und die eher politischen Leser wären eh unerreichbar gewesen.

    FR & FAZ sind eben nicht wirklich Konkurrenten, sondern eher inkompatible Gegenüber. Eine Übernahme durch die Süddeutsche wäre deshalb viel schlimmer gewesen: die hätten wirklich nur die (politisch gut kompatible) Abonnentenkartei gekauft und den FR-Kunden spätestens in zwei Jahren dann das Münchner Original aufgedrückt.

  22. Ich kann „mainwasser“ in seiner Wertung von FAZ (und der Toleranzfähigkeit in bestimmten politischen Quartieren) nur zustimmen.

    Aber auch Sebastian Holl hat etwas Bedenkenswertes gesagt, daß ich so nur unterstreichen kann. Es ist ein altes Thema, mancher wird mit den Augen rollen, aber es ist nunmal ärgerlich: die Bilder.

    Es ist klar, warum es die Bilder gibt… sie machen die Suppe dünner, und ihre Herstellung billiger. Ein Agenturfoto (wenn es nicht gerade eine völlig einmalige Sensation zeigt) oder gar eines der häufigen Stockfotos sind nun mal viel billiger zu haben als ein qualifizierter oder interessanter oder überhaupt für die Leser irgendwie relevanter Text, den Journalisten sich im Schweiße ihres Angesichts abringen müssen. Aber wie das immer so mit den dünneren Suppen ist, sie schmecken für gewöhnlich auch schlechter. Dies sollte ein Zeitungsverlag wissen. Ich räume allerdings ein, daß eine über der Zeitung schwebende Pleite ein schlechter Zeitpunkt ist, bei einer Zeitung Produktionsweisen einzufordern, die die Herstellung der Zeitung verteuern. Es ist wirklich die Frage, ob die verbesserte Qualität, die durch Verteuerung in der Herstellung erkauft wurde, tatsächlich von den Lesern in einem Umfang gewürdigt wird, sodaß am Ende ein Nettogewinn für die Macher herausschaut (etwa weil die Zahl der Abonnenten dann wieder steigt). Sicher wird es auch eine Durststrecke geben, bis sich herumgesprochen hat, daß sich das Bilderheftchen wieder seriösierte. Diese Durststrecke muß man auch erstmal überwinden können, und dazu ist die FR wohl momentan finanziell nicht gut aufgestellt, selbst wenn sie es wollte.

    Auch wenn das jetzt mit Zeitungen eher wenig zu tun hat… die Flut des belanglosen Bildes ist in DEM Bildmedium per se, dem Fernsehen nämlich, inzwischen für mich ziemlich unerträglich geworden. Jeder kennt es, aber niemandem scheint es aufzufallen… selbst Sendungen, die Sachthemen behandeln, zeigen in gefühlten 90% der Zeit Quatschbilder. Nehmen wir einmal eine (fiktive) Dokumentation über Finanzmärkte, von der ja jeder weiß, was sie zeigen wird: Da werden ganz viele Hochhäuser im Glas- und Stahl-Stil zu sehen sein, die Banken sein könnten… oder auch nicht. Dann wird man reichlich Szenen von Menschen sehen, die sich in Fußgängerzonen bewegen. Dann wird ein Straßenschild eingeblendet. Dann wieder eine Helikopteraufnahme einer Großstadtszenerie, könnte Frankfurt, London, oder New York sein, ist aber auch egal. Dann sieht man eine Menge gelber Taxis eine Straße herunterfahren, aha, also New York. Dann sieht man vielleicht eine Bankenschalterszene mit völlig unbekannten und unrelevanten Personen. Dann, juchu, ein paar Sätze von einer dargestellten Person (obwohl auch eigentlich ziemlich egal ist, wie der, der da was sagt, aussieht oder sich beim Sprechen gebärdet). Dann fängt alles wieder von vorne an, weitere Hochhäuser, Fußgängerzonen, Autos, Straßenschilder, blinkende Fassadenreklame usw. und dabei immer der Ton als eigentlicher Informationsträger. Im Grund könnte man das ganze als Hörspiel senden, ohne das ein Iota relevanter Information verlorengeht.

    Die Hersteller von Zeitungen und TV haben diese Flut der belanglosen Bilder eingeführt, weil man ihre Produkte so unkostenminimiert herstellen kann. Das Traurige aber ist, daß es so viele Konsumenten dieser Produkte zu geben scheint, die nicht aufmucken, sondern irgendwie so verinnerlicht haben, daß das eben die Art und Weise ist, wie man Zeitungen und TV-Sendungen heutzutage so macht, daß es ihnen noch nichtmal in den Sinn kommt, wie absurd das ist unter dem Gesichtspunkt der RELEVANTEN INFORMATIONSVERMITTLUNG, die in beiden Fällen, bei Zeitung und TV, im Mittelpunkt stehen sollte.

    So ist also ein Papstbild auf der Titelseite für eine Bevölkerung, die zu 100% weiß, wie der Papst aussieht, natürlich völlig überflüssig. Daß Bronski sich annäherungsweise in dieser Richtung kürzlich hier äußerte, läßt aber hoffen, daß die helleren Köpfe unter den Machern sich vielleicht doch mal zusammenschließen und ein Experiment „Weg mit der Bilderfüllselei“ anzuschieben versuchen, auch entgegen aller ökonomischen Zwänge.

  23. Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit, die Ausgabe der FR auf dem i-pad zu lesen: Gestaltung und Strukturierung sind super. Da verdient ihr wirklich Lob und Anerkennung. Demgegenüber kann die Printausgabe leider nicht so richtig mithalten, finde ich.
    Liebe Grüße maat

  24. Dem kann ich nur zustimmen. Und folgenden Hinweis hinzufügen: Auch für Geräte, die nicht von Apple sind, nämlich für Android-Geräte, gibt es dieses hervorragende Angebot.

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