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Ein sattsam bekanntes Trauerspiel
Die ‚Rede‘ – das Gerede – des angeblich stärksten Mannes der derzeitigen Welt in Sachen Militär in Davos am 21.1.2026 war formal und inhaltlich eine Katastrophe, ein Schandfleck der (noch existierenden) Menschheit. Findet sich denn niemand in den weiten USA, der diesem ‚Trumpeltier‘ eine ablesbare Rede unterschieben kann (oder ist dies das Mehrheitsniveau der 250 Jahre alten USA)? Inhaltlich war es meiner Schätzung nach ein gemauscheltes Sammelsurium von 40% Fakes, 40% Phantasien eines unheilbaren Narzissten und Nestbeschmutzers (v.a. gegenüber Expräsident Biden), 10 % historische Hinweise und 10% Grönland-Politik zwischen Kaufangebot und verklausulierter Enteignung. Mir taten diejenigen Anwesenden leid, die dieses sattsam bekannte Trauerspiel über sich ergehen lassen mussten. Diese entgrenzte Art von einfältiger Selbstdarstellung und ohne Begründungen vorgetragener Kriitik z.B. an uns Europäern im Blick auf Klimaschutz ist, um mit Sabrina Hoffmanns Leitartikel zu schreiben (FR 21.1.2026, 16), „Regierungsprogramm der Vereinigten Staaten von Amerika“.
Und was machen wir Europäer diesem arrogant auftretenden und deklarierenden Märchenerzähler (Es war einmal ein von Gott gesandter Erretter in Washington…) und seiner verschwörerischen Crew gegenüber? Bis jetzt wird gebuckelt, alles für komplex gehalten. Man darf den Weltleader mit dem psychischen Apparat eines renitenten Fünfjährigen ja nicht provozieren – warum und wie lange noch diese Schonzeit? Die EU ist doch stark, hat ökonomische Mittel zum Paroli, ist die drittstärkste Wirtschaftsnation, hat eine aufklärerische Kultur und humanistische Werte. Ärgerlich ist nur, dass Trumps Normalität vorspielenden Ausfälle bei uns das politische und kulturelle Banausentum (etwa seitens der AfD) anfeuern und zur Gefahr für unser demokratisches Zusammenleben werden können.
Fazit: Wir, die EU, die Schweiz, alle Vernünftigen sollen mit Trump wie mit einem Erwachsenen umgehen, auch konfrontativ auf die Gefahr hin, dass er sich bockig stellt und im Extremfall mit seinem Lieblingsspielzeug der Zölle um sich wirft. Wenn wir auch dies aushalten, könnte unser Verhalten ein Stück Therapie an Trump und seinen Teilen der USA bewirken.
Uwe Gerber, Schopfheim
Dank ans Kabarett für das geistige Überleben
Grönland ins Blickfeld der Welt zu holen, ist nicht verkehrt, gerade wegen des Klimawandels. Dass es aber ausgerechnet jemand tut, der den Klimawandel leugnet, und die Insel auch gleich haben will, ist zum Himmelschreien und spottet jeder Logik. Aber mit Logik kann man dem „Mango-Mussolini“ leider nicht beikommen. Den Beinamen habe ich aus irgendeiner Kabarettnummer aufgeschnappt. Dank dem Kabarett fürs geistige Überleben.
Merve Hölter, Frankfurt
Unsere Souveränität beginnt nicht in Brüssel
Donald Trump zeigt der Welt erneut, wie schnell wirtschaftliche Abhängigkeiten zu politischer Erpressung werden können. Wer nicht spurt, wird mit Zöllen, Sanktionen oder Druck bestraft. Europa ist davon besonders betroffen – und gleichzeitig selbst schuld. Denn unsere digitale Infrastruktur liegt zu großen Teilen in den Händen amerikanischer Konzerne wie Google, Microsoft, Amazon, Apple und Meta. Wir kommunizieren, arbeiten, speichern und verwalten über Systeme, die wir nicht kontrollieren. Gleichzeitig fließen jedes Jahr Milliarden aus Europa in diese Firmen – während ihre riesigen Gewinne hier kaum oder gar nicht versteuert werden. Wer so handelt, macht sich freiwillig abhängig und politisch erpressbar. Es wird Zeit, dass wir damit anfangen, das zu ändern – nicht nur Regierungen, sondern wir selbst. Jeder kann heute beginnen: andere Suchmaschinen nutzen, andere Mailanbieter, andere Cloud-Dienste, andere Messenger. Europäische und nicht-amerikanische Alternativen existieren längst. Digitale Souveränität beginnt nicht in Brüssel. Sie beginnt bei jedem Einzelnen von uns. Ich beobachte die Entwicklung – und werde diesen Diensten notfalls den Rücken kehren“
Roland Willaert, Berlin
Der Herr der Ausnahmeeinfälle
Kommentare zur „Politik“ des D. Trump haben wie dessen „Politik“ eine unterschiedlich lange Halbwertzeit. Um es kurz zu fassen: Trump liebt seine ständigen Ausnahmeeinfälle, wird aber nie einen Einnahmeausfall akzeptieren. Und er ist der oberste Spezialist für den Umgang mit Regeln. Die beiden ihm am wichtigsten. Die Regeln gelten. Für die andern. Leider ist er damit nicht allein.
Gerhard Müller, Offenbach
Warm anziehen und irgendwie durchhalten
Damit‘s einigermaßen übersichtlich bleibt, verkürze ich die Weltlage auf eine Bipolarität. Wir haben auf der einen Seite diesen US-Immobilientrampel, amoralisch und apolitisch. Auf der anderen Seite haben wir eine EU, kraft ihrer selbst politisch wirkungslos, da handlungsunfähig.
Blicken wir etwas tiefer, sieht es folgendermaßen aus: Transatlantisch haben wir es mit einer genuin kommerziellen Kitschzivilisation zu tun, welche der Masse gegenüber der Klasse immer den Vorzug gegeben hat (s.a. Russland). Vereinzelte Glanzleistungen im Technischen haben nichts mit einer Leistungsfähigkeit dieser Zivilisation sui generis zu tun.
Cisatlantisch haben wir es vor allem im Deutschland-Europa mit einer obsessiv agierenden Wertekultur zu tun, welche die Härten von Realitäten glaubt mit der Milde von Ausgewogenheitsexzessen überwinden zu können – mit der Folge, dass man neben den Realitäten steht und damit neben sich selbst.
Was ist zu tun? Ich weiß es nicht. Ich vermute, dass es ohne Paradigmendisruption nicht geht. Wer soll eine solche veranlassen? Ich weiß es nicht. Ich vermute, dass die Realitäten es auf ihre eigene Weise regeln werden. Was das heißt? Ich weiß es: Warm anziehen und irgendwie durchhalten. Die Ukraine macht es vor.
Benno Weiß, Unterammergau
Zwei Flugzeugträger und eine McDonalds-Filiale
Der minimalinvasive Eingriff von Donald Trump in Venezuela muss im Vergleich zu der von Vladimir Putins blutiger Operation in der Ukraine als humanitäre Handlung eingestuft werden. Zur Sicherung der Rohstoffe pickt man den Staatschef aus dem System und übernimmt die gesamte – einigermaßen intakte – Infrastruktur statt alles nieder zu walzen, um an die Rohstoffe zu kommen. In Grönland dürfte dies noch einfacher werden. Einfach zwei Flugzeugträger vor der Küste platzieren, in Nuuk eine McDonalds Filiale eröffnen, an der Ostküste ein paar Raketenabschussstellungen Richtung Russland montieren (womit man die Europäer mundtot macht) und die Flaggen austauschen.