Liebe Leserinnen, liebe Leser, das Jahr 2025 neigt sich seinem Ende zu, und 2026 steht am Start, mit allen Ungewissheiten. Schon 2025 hat viele von uns irritiert bis verwirrt, weil die gewohnte Ordnung zur Disposition gestellt wurde. Dies wird im kommenden Jahr wohl kaum anders.
Um so wichtiger ist es, dass man sich einbringt, mitredet und auf die Dinge diese Weise mitgestaltet. Denn es stimmt nicht, dass sich die Macht der einzelnen Menschen darauf beschränke, alle paar Jahre mal irgendwo ein Kreuzchen zu machen. Jede und jeder von uns hat in unserer Demokratie vielfältige Möglichkeiten mitzugestalten – in Gruppen und Runden jeder Art, in Kirchen wie in Parteien, in NGOs, auf Demonstrationen und natürlich auch publizistisch in Gestalt von vielfältigen Redebeiträgen. Niemand ist gezwungen, das gestalterische Feld denen zu überlassen, die laut schreien und aggressiv auftreten.
In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihre zahlreichen, engagierten Zuschriften für das FR-Forum und Beiträge im FR-Blog. Viele waren von nachdenklichem Charakter und wunderbare Beispiele dafür, dass die Äußerung von Meinung auch in einem Duktus erfolgen kann, der Austausch ermöglicht. Ich lade Sie gern dazu ein, im kommenden Jahr genauso weiterzumachen. Melden Sie sich, bringen Sie sich ein. Ihnen allen wünscht die Forum-Redaktion friedliche, fröhliche Feiertage. Kommen Sie gesund ins nächste Jahr. Ihr
Lutz „Bronski“ Büge
Nun lassen Sie uns einen Blick nach vorn werfen. Was wird das Jahr 2026 bringen? Ich werfe mal drei Themen in den Ring und würde mich freuen, dazu Ihre Meinung zu hören:
2026 wird das Jahr …
- … der permanenten Regierungskrise in Deutschland, aus einem einfachen Grund: Kanzler Friedrich Merz (CDU) ist kein Integrator, sondern ein Polarisierer. Er kann Kanzler nicht.
- … der fortgesetzten Diskussion über die israelische Politik und Antisemitismus. Es geht gleich weiter mit dem Eurovision Song Contest in Wien: Israel darf antreten; mehrere Länder haben daraufhin ihre Teilnahme zurückgezogen, darunter Spanien (die spanische Rundfunkanstalt RTVE gehört zu den „Big Four“, die den ESC maßgeblich bezahlen).
- … der Entscheidung, wohin die USA sich entwickeln. In den Midterm-Wahlen (November) könnte Präsident Donald Trump eine Niederlage einfahren. Wird er sie akzeptieren, oder wird er die Macht ergreifen und die USA zur Diktatur machen?
Und nun kommen noch Zuschriften zum Ukraine-Krieg bzw. den Versuchen, eine friedliche Lösung zu verhandeln. Ich bin skeptisch. Auch dieses Thema wird uns 2026 weiter beschäftigen.
Die Europäer verharren in ihren Illusionen
Andreas Schwarzkopf schrieb („Bestenfalls ergebnislos“ v. 2.12.), der Preis für ein Ende der Kampfhandlungen sei „für die Ukraine immer noch zu hoch.“ Was er leider verschweigt, ist die Tatsache, dass der Preis für die Ukraine seit Kriegsbeginn immer höher geworden ist und sich daran vermutlich dank der europäischen Politik auch nichts ändern wird, die darin besteht, mehr Waffen zu liefern und Sanktionen zu verschärfen, aber keinen eigenen substanziellen Fahrplan zum Frieden vorzulegen, der auch russische Sicherheitsinteressen berücksichtigt. Wir sehen ein Totalversagen europäischer und ukrainischer Diplomatie, die sich nicht mit Realitäten auseinandersetzt, sondern in Illusionen über eine Wende des Kriegsgeschehens verharrt. Die ist nicht absehbar, und wenn überhaupt, dann nur unter Inkaufnahme weiterer Zerstörung und zehntausender weiterer Toter auf beiden Seiten. Es kommt also weder zu einem Waffenstillstand geschweige denn zu einem Friedensschluss, da man seinerseits auf „Maximalforderungen“ bestanden hat, vor allem einem möglichen Nato-Beitritt der Ukraine, wo doch jeder weiß, dass dies für Moskau unannehmbar ist. Immer im Hintergrund Ihrer Berichterstattung steht das Narrativ von der freiheitlichen Ukraine, die Demokratie und Freiheit „des Westens“ verteidigen würde. Leider war die Ukraine bereits vor Kriegsbeginn nahezu genauso korrupt wie das russische Regime. Im Krieg ist das naturgemäß nicht besser geworden. Ein Präsident mit Ehrgefühl würde zurücktreten, wenn sich die Korruption bis in sein Vorzimmer ausgebreitet hat. Ich würde mir diesbezüglich eine ausgewogenere Berichterstattung der FR wünschen.
Jochen Stürznickel, Köln
Die Alternative wäre noch mehr Tote
Die Alternative wäre noch mehr ToteIm Kommentar zu den Verhandlungen des 28-Punkte-Plans hieß es, die Europäer sollten hoffen, dass Putin die Gespräche ohne Ergebnisse beende. Ist ein Weiterführen des Krieges, des täglichen gegenseitigen Abschlachtens wirklich wünschenswert, nur weil ein Kompromissfrieden „zulasten der Ukraine und Deutschlands“ ginge? Der 28-Punkte-Plan wurde in fast allen Medien als unannehmbare Kapitulation dargestellt. Dass er die Souveränität der Ukraine festschreibt, wurde nicht positiv gesehen. Stattdessen wurde bemängelt, dass die Armee der Ukraine nur dreimal so viele Soldaten wie die Bundeswehr umfassen und die Ukraine nicht der Nato beitreten dürfe. Man kann es nicht mehr hören: Ein Friedensschluss mit Gebietsabtretungen, an deren Rückeroberung niemand im Ernst glaubt, würde den Aggressor belohnen, der dann weitermachen würde und schließlich bei uns stünde. Was ist die Alternative? Weitere Zehntausende von toten und verstümmelten Soldaten auf beiden Seiten? Nichts dürfe über die Köpfe der Ukrainer hinweg entschieden werden, heißt es immer wieder. Aber „wir“ halten diese Köpfe der Ukrainer gerne „für die Freiheit Europas“ hin. Über 300000 Ukrainer sind offiziell fahnenflüchtig oder desertiert. Die jungen Männer, die noch ausreisen dürfen, fliehen in Scharen. Die Zahlen der Gefallenen und Verstümmelten werden auf beiden Seiten geheim gehalten. Es sind sicher über 200000 Kriegsopfer. Lieber ein ungerechter Frieden als ein unendlicher Krieg. Geschichte ist mit einem auch ungerechten Friedensschluss nicht beendet, sondern wird fortgeschrieben. Aber unzählige Menschenleben werden beendet, mit jedem Tag weiteren Krieges.
Martin Singe, Bonn
Jesus hat auf die Kraft der Gewaltlosigkeit gesetzt
Nach Meinung der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, macht die neue Denkschrift der EKD einen „Reality-Check“. Sie gebe keine Meinung vor und zeige lediglich „Dilemmata und Argumente, die Menschen zur Gewissensbildung brauchen“. Nein, Frau Präses, die Denkschrift befürwortet klipp und klar „den Einsatz von militärischer Gegengewalt“, und sie befürwortet sogar „das Dasein von Atomwaffen“, um damit angeblich „einen Frieden in Freiheit zu sichern“. Diese Festschreibung muss vom Leser zumindest als Orientierungshilfe der evangelischen Kirche verstanden werden. Die Denkschrift selbst orientiert sich jedoch nicht an dem, was im Neuen Testament über das Tun und Sagen des Jesus von Nazareth übermittelt wird. Dieser Jesus schließt sich nicht der Gruppe der Zeloten an, welche die römische Besatzungsmacht mit Gewalt aus dem Land treiben will, sondern er setzt allein auf die Kraft der Gewaltlosigkeit, die letztlich zu tatsächlicher Sicherheit und echtem Frieden führt. Ihr Dilemma, Frau Heinrich, ist, dass sie sich weniger an der Friedensbotschaft Jesu, sondern mehr an der staatlichen Forderung nach Kriegstüchtigkeit ausrichten. Wohin führen Sie die Kirche?
Gerhard Kern, Hofheim
Pazifismus ist keine Lösung in einer gewalttätigen Welt
Die Ausgabe der FR vom 17.12 enthält gleich drei Leserbriefe (siehe oben) zum Ukraine-Krieg und zur EKD-Friedensdenkschrift, die meinen entschiedenen Widerspruch provozieren! Wenn etwa Jochen Stürznickel aus Köln die altbekannte Leier von den zu berücksichtigenden russischen Sicherheitsinteressen auftischt. Dabei geht es beim völkerrechtswidrigen Angriffskrieg Russlands ausschließlich um Putins Machtinteressen! Es dient doch nicht der Sicherheit Russlands und seiner Bevölkerung, wenn Hunderttausende junger Russen in diesem Krieg verletzt oder sogar getötet werden oder außer Landes fliehen! Gleiches gilt für die Schäden und Kosten, die der Krieg in bzw. für Russland verursacht. Stichworte: Sanktionen, Kriegswirtschaft u.a. Von den langfristigen Folgen, z.B. dem Verlust von Absatzmärkten, ganz zu schweigen!
Wenn Martin Singe aus Bonn lieber für einen ungerechten Frieden plädiert, weil er glaubt, dadurch einen unendlichen Krieg verhindern zu können, dann widerspreche ich ihm ebenfalls vehement. Denn ein ungerechter Friede wird den Aggressor Putin in seiner Auffassung bestärken, dass sich mit einer brutalen Kriegsführung geopolitischen Ziele erreichen lassen. Mein Ansatz, der mich schon Ende der 60er-Jahre veranlasst hat, den Wehrdienst nicht zu verweigern, sondern abzuleisten, zielt darauf ab, einen Krieg erst gar nicht beginnen zu lassen, durch Verhandlungen, wo es einen Partner gibt, der ernsthaft verhandeln will, gleichzeitig aber auch durch eine glaubwürdige Abschreckung, die einem potentiellen Aggressor signalisiert, dass sich ein Krieg für ihn nicht lohnen wird! Der Kalte Krieg hat gezeigt, dass Abschreckung funktioniert! Der Angriffskrieg Russlands dagegen ist ein Beleg dafür, dass der Verzicht auf Atomwaffen (durch deren Abgabe an Russland) und eine militärisch schwache Position die Ukraine nicht sicherer gemacht, sondern im Gegenteil Putin zum Angriffskrieg ermutigt haben!
Erschreckend naiv und brandgefährlich zugleich, wenn Gerhard Kern aus Hofheim glaubt, dass allein die Kraft der Gewaltlosigkeit letztlich zu tatsächlicher Sicherheit und echtem Frieden führe!
Der EKD danke ich für ihre aktuelle Denkschrift, die von Frieden nur als ‚gerechtem Frieden‘ spricht und auch klar benennt, dass Pazifismus nicht die Lösung ist für die gewaltsame Welt, in der wir gerade leben.
Erwin Beck, Remshalden
Europa steckt in einer Moralinblase
Trump kapert mal eben so einen Öltanker eines Landes, das sicherlich keine Bedrohung für die USA darstellt, und die Europäer haben Bedenken, eingefrorenes russisches Geld zu verwenden, um Putin daran zu hindern, ein Land und deren Bewohner zu kapern. Inklusive aller damit verbundenen unmenschlichen Kriegsfolgen. Die Europäer leben weiterhin in einer Blase der Moralisten und Bedenkenträger, die aufgrund ihrer historischen humanistischen Idealen glauben, die Welt hätte einen Fortschritt erfahren, wenn es um die Sinnhaftigkeit von Frieden, Demokratie und Achtung der Menschenrechte geht. Europa ist auf dem Weg unterzugehen, wie bereits auf ihrem Territorium die Kultur der Griechen, das römische Reich und die industrielle Überlegenheit des 19. Jahrhunderts. Wir wollen keine Wehrpflicht, lassen die russische Schattenflotte uneingeschränkt durch die Ostsee schippern und lassen russische Drohnen über Infrastrukturen kreisen. An einem nicht mehr allzu fernen Tag wird Putin an der Tür der EU-Versammlung klopfen und den verdutzten, heiß diskutierenden Europäern mitteilen, dass sie sich keine weiteren Gedanken machen müssen, da er jetzt das Ganze gerade übernommen hat.
Ja, es sind dieselben Sorgen wie im jetzt zu Ende gehenden Jahr, die viele Menschen bewegen. Es sind die Sorgen um den Frieden weltweit sowie auch um die weltweite Gefahr des Demokratieabbaus. Während der Menschenverächter Donald Trump dabei ist, mit allen Mitteln, die er hat, den liberalen Demokratien das Wasser abzugraben und sich in der Bundesrepublik offen für die rechtsextreme AfD einzusetzen, tragen die Rechtspopulisten in Europa offen ihren Rassismus zur Schau und werden in der Bundesrepublik immer dreister und unverschämter. Es bestand noch nie in den vergangenen Jahrzehnten eine grössere Gefahr für die liberalen Demokratien auf dieser Welt. Meine Sorge ist, dass etwa bei den Landtagswahlen in Deutschland die organisierte Rechte so stark wird, dass aufrechte Demokraten resignieren und sich ins Privatleben zurückziehen, während die Rechtsextremisten triumphieren können. Doch das darf auf keinen Fall geschehen. Ich habe es schon oft gefordert und wiederhole das auch dieses Mal: Es muss endlich einen Schritt eines zuständigen Verfassungsorgans oder besser aller zuständigen (Bundesregierung, Bundestag, Bundesrat) zur Beantragung eines Verbotsverfahrens gegen die AfD geben. Wie lange will die wehrhafte Demokratie sich noch am Nasenring durch die Manege führen lassen von braunen Verbrechern, ihren Gefolgsleuten und Mitläufern? Diese Demokratie ist potenziell wehrhaft, aber offensichtlich keiner will sehen, dass es auf des Messers Schneide steht. Diese Demokratie muss sich wehren. Und man hat manchmal den Eindruck, dass sie zum Jagen getragen werden muss. Jeder Tag, an dem die Gruppierung AfD nicht mit einem entsprechenden Antrag konfrontiert ist, ist ein Tag zu viel. Ausserdem ist es notwendig, die soziale Ungleichheit zu beseitigen und endlich eine halbwegs gerechte Vermögensverteilung durchzusetzen. Ich glaube, ich hatte bei keinem Jahreswechsel so starke Sorgen über den Zustand der Demokratie hierzuzulande. Deshalb mein Appell an alle, die Verantwortung tragen: Nie wieder ist jetzt und Rettet die Demokratie! Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich als jetzt Siebzigjähriger im hohen Alter von diesen Sorgen übermannt werde und wirklich Angst um die Demokratie haben muss.
Was ist führ 2026 zu erwarten? Eine wahrhaft spannende Frage. Ich hoffe das die Wirtschaft getrieben von Schulden und Rüstung sich ein bisschen erholt damit die Menschen in Arbeit bleiben können. Gleichzeitig gibt es Ansätze das der Umwelt und Klimaschutz nicht komplett zum stehen kommt und das sind keine Gegensätze. Ich sage mal als Stichworte Kommunale Wärmeplanung und Stromspeicher. Politisch erwarte ich ein Scheitern der Regierung Merz. Er hat zu viele Gegner in der Union. Die Tage hat er als erster Unionskanzler nicht seinen Kandidaten bei der Konrad Adenauerstiftung durch bekommen als Vorsitzenden. Das wird auch im Bundestag so weiter gehen und die SPD wird das spätestens beim Thema Rente nicht mit gehen können. Das Thema AFD ist schwer zu sagen. Ich glaube immer noch nicht das deren Wähler alle Nazis sind. Das sind Protestwähler die gemerkt haben das es Leute gibt die man ganz schön ärgern kann. Ich hoffe das einige merken welch heißes Feuer das ist mit dem sie spielen. Ob in den USA nächstes Jahr noch demokratische Wahlen stattfinden ist eine offene Frage und wird man sehen. Ob die Ukraine standhalten kann ist eine wichtige Frage aber von hier nicht wirklich einschätzbar. Es sollte aber nicht an unserer Unterstützung scheitern.
Also vieles ist offen für nächstes Jahr und es ist zu erwarten das es nicht einfach wird trotzdem oder gerade deshalb wünsche ich allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2026
zu 2026 :
Ich mache mir Sorgen um die Freiheit des Westens und auch um unsere Freiheit. Großmachtinteressen verdrängen immer weiter das Völkerrecht – Regierungen werden immer weiter übergriffig wie bereits in den USA oder in Russland. Doppelte Moral wird zum Trendsetter, angeblich ist Grönland von nationalem Interesse der USA., Putin führt aber dieselben Argumente an wegen der Ukraine, auch dabei sei es das nationale Interesse Russlands. Nachdem in den USA die Armeeangehörigen einen Extra Scheck bekommen haben, fragt man sich weshalb erhält die US Army eine Extra Vergütung ?
Wahrscheinlich ist es eine Maßnahme um um die Loyalität der GI s zu buhlen oder bereits ein Vorschuss für mögliche uns noch unbekannten Aufgaben ? Die Soldaten der Army bei Laune zu halten das ist auch bei den beiden Großmächten Russland und USA zu beobachten
Das höchste Ziel aller Politik sei Frieden.
2026. Mein Traum (dringlicher als in all den Jahren zuvor): Das höchste Ziel aller Politik sei Frieden. Sei ein gerechter Frieden, ein gesicherter, vertraglich besiegelter zwischen feindlichen Parteien. Kein Waffenstillstand, der ja mehr und mehr zum Platzhalter für Frieden wird. Krieg muss verhindert und dort, wo das nicht gelungen ist und gelingt, muss er beendet werden. Ob Waffen dieses Ziel erreichen, bezweifle ich angesichts der vieldokumentierten Situation in der Ukraine. Ich kann auch nicht erkennen, dass Sprachlosigkeit, Härte, Stärke und immer mehr Waffen in all den Jahren dort Wege zum Frieden oder auch nur zum Waffenstillstand geebnet hätten. Sie haben sie im Gegenteil verschüttet. Hier hat Europa eine Chance verspielt und nicht aus der eigenen Vergangenheit gelernt, als zwar Stärke gezeigt, aber auch Gesprächsbereitschaft gelebt wurde. Erst und ausgerechnet der erratische US-Präsident Trump musste das Schweigen brechen. Jetzt biedert sich Europa bei POTUS Trump an, um überhaupt mitsprechen zu dürfen. Und der zeigt kein echtes Interesse an Europas Wollen. Das ist nun wirklich eine Zeitenwende. Und nun? Europa will und muss sich emanzipieren. Geopolitisch und leider wohl auch militärisch. Europa begreift, dass die atlantische Brücke brüchig ist und muss zudem zusehen, wie sich ein großer Teil der restlichen Welt – z.B. die Brics-Staaten – auch nicht mehr sonderlich beeindrucken lässt. Was fällt Europa in dieser Situation ein? Massive Aufrüstung und Militarisierung! De facto und mental. In Politik und Medien. Ja, es herrscht Krieg in Europa. Aber muss d a s s sein?: Unbegrenzte Milliarden für Waffen. Ein Kanzler – ein Konservativer aus dem vorigen Jahrhundert – der will, das Deutschland wieder die größte konventionelle Armee Europas hat. Ein Verteidigungsminister, der der beliebteste Politiker im Lande ist. Die Wehrpflicht könnte zurückkommen und, glaubt man den dystopischen Prognosen aus Politik und Militär, zum Kriegsdienst werden. Beklatscht vor allem von denen, die es nicht betrifft – den Älteren. Dienst am Vaterland – bis hin zum möglichen Opfer des eigenen Lebens – ist nicht mehr undenkbar. Mich schaudert. Es muss andere Wege geben. Wege, die zum höchsten Ziel führen – zum Frieden. Notwendige militärische Stärke – auch ohne gleich ganze Jahrgänge zunächst nur junger Männer zu verpflichten – muss das Rückgrat stärken, dass man braucht, wenn man das Risiko eingeht, Gespräche zu führen. Das war im kalten Krieg so. Aber es wurden Gespräche geführt, Verträge geschlossen, Verträge gehalten. Es gab Vorhalte, es gab Misstrauen – 1972 gar ein konstruktives Votum gleichen Namens gegen den Friedensnobelpreisträger und damaligen Kanzler Willy Brandt. Wo sind heute Politiker dieses Formats, die es wagen, Tabus zu brechen und mit der anderen – auch feindlichen – Seite zu sprechen? Ich sehe niemanden und so gehe ich nicht wirklich zuversichtlich in das neue Jahr.
Bertram Münzer, Gütersloh
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
um über die Aussichten auf das neue Jahr zu reden, habe ich eine neue Diskussion aufgemacht, die ich Sie für dieses Thema zu nutzen bitte. Also: hier klicken, dann kommen Sie direkt dorthin. An dieser Stelle aber sind Grüße und Neujahrswünsche gut platziert. Haben Sie was vor im Jahr 2026? Welche Pläne haben Sie, welche Ziele setzen Sie sich?
Um von mir zu reden: Ich schreibe an einem neuen Roman, habe ein paar Ideen für meine Arbeit für die FR entwickelt und freue mich auf die nächste Reise mit meinem Camper. Mitte März geht es los.
Herrn Beck ist ebenso vehement zu widersprechen. Gewalt überall, weil Abschreckung überall versagt! Was nicht versagt, ist rationaler Pazifismus, der die Konflikte kommen sieht, dichte Friedens- und Abrüstungspolitik betreibt, um Krieg zu vermeiden. Wegen der beispielsweise provokanten (Helmut Schmidt) Nato-Osterweiterung (russlandfeindliche Machterweiterung) oder provokanten israelischen Siedlungen auf fremdem palästinensischem Land hat man Gewalt kommen sehen können. Die Netanjahus, Stoltenbergs etc. hätten Krieg vermeiden müssen! , hätten es können ! , haben es aber verantwortungslos nicht gewollt.
Man hat kommen sehen können, dass Russland die Natoerweiterung in der Ukraine brutal beenden würde, ein genauso verabscheuungswürdige Bluttat wie der Überfall der Hamas auf unschuldige Israelis.