Der Schlaf der Vernunft

Es ist Weihnachten, und wie immer zu diesem Anlass bekomme ich Zuschriften, die das Weltgeschehen in einen Zusammenhang mit dem Datum bringen und zu Besinnung und Vernunft aufrufen. In diesem Jahr scheint dies noch wichtiger zu sein als sonst, denn 2017 war ein Jahr der schrillen Töne und der Kriege. Wir erleben eine humanitäre Katastrophe im Jemen, wo die Cholera wütet; das Land ist im Stellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und Iran, der sich auf seinem Territorium abspielt, faktisch zusammengebrochen. Auch in Syrien ist die Lage katastrophal. Der Krieg im Irak gegen den „Islamischen Staat“ scheint zwar beendet, dafür flammt der in Afghanistan wieder auf, nur mit anderen Vorzeichen: „Wir bauen keine Nationen mehr auf, wir töten Terroristen“, so die Ansage des US-Präsidenten Donald Trump, die Schlimmes erahnen lässt. Es ist den Islamisten zeitweise gelungen, Mali und den Norden Nigerias zu destabilisieren, und auch in Libyen ist die Lage längst nicht sicher.

Die Liste solcher Konflikte lässt sich beliebig verlängern: Südsudan, Myanmar, mit Einschränkungen auch Indonesion. Hinzu kommen alte Konflikte, die mehr oder weniger eingefroren sind, aber jederzeit wieder virulent werden können, allen voran der Nahost-Konflikt, in dem gerade kräftig gezündelt wurde, aber auch die Ost-Ukraine, Moldawien, Abchasien, Tschetschenien, Südossetien und Korea. Unschöne Aussichten bietet auch der Zustand der Europäischen Union, in der kulturelle und politische Unterschiede einen tiefen Graben zwischen West- und Osteuropäern offensichtlich machten. Großbritannien tritt aus. Der nächste Verlust könnte Katalonien sein.

Wo sind die Kräfte des Friedens, der Solidarität, der Besonnenheit? Diese Frage muss man immer wieder stellen, nicht nur an Weihnachten.

Balken 4Leserbriefe

Gertraud Barthel aus Gießen schreibt:

„Vor kurzem habe ich in einer Tageszeitung einen bemerkenswerten Leserbrief gefunden: Zunächst beklagt der Schreiber voller Mitleid und Empörung das Schicksal der vielen durch Abtreibung getöteten Embryonen, die an ihrem Tod gänzlich unschuldig seien, weil sie ja nichts getan hätten, um in eine solche Situation zu geraten. Niemand würde diesen armen Lebewesen helfen! Ganz anders sei das mit den Flüchtlingen, die übers Meer nach Europa zu kommen versuchten. Denen würde man helfen, obwohl sie ihre Situation selbst herbei geführt hätten, wohl wissend, was sie tun. Und hier wird deutlich, dass hinter der moralischen Attitüde und der angeblichen Menschenfreundlichkeit des Briefes etwas ganz Anderes, Hässlicheres steckt. Hinter scheinbar moralischem Verantwortungsbewusstsein verbirgt sich Rücksichtslosigkeit, hinter menschenfreundlichen Worten eine in Wahrheit menschenfeindliche Gesinnung, die sich auf religiöse Werte beruft. Innerhalb der letzten Jahre konnte man weltweit eine Zunahme von religiösem Fanatismus beobachten, nicht nur im Islam, sondern in allen Weltreligionen (einschließlich des Buddhismus, den Viele bis jetzt für die einzige wirklich friedliche Religion hielten), und auch im Christentum. In allen Ländern, wo eine solche Entwicklung vom Staat gefördert und benutzt wird, ist sie mit rassistischen, fremdenfeindlichen Ideen und einem Abbau demokratischer Rechte verbunden. In Polen wurde zwar ein völliges Verbot der Abtreibung gerade noch ab gewendet, aber die Informationsmöglichkeiten für Hilfe suchende Frauen wurden so drastisch ein geschränkt, dass die Auswirkungen fast einem Verbot gleichkommen. Gleichzeitig weigert sich Polen, seiner Verpflichtung zur Aufnahme einer geringen Zahl von Flüchtlingen nachzukommen, gleichzeitig wird die Pressefreiheit eingeschränkt , werden Kunst und Wissenschaft unter staatliche Vormundschaft gestellt. Ähnliches geschieht in Ungarn. Dort glauben viele Menschen tatsächlich, Ungarn sei dazu ausersehen, Europa zu retten mit Hilfe des heiligen Stefan und der Jungfrau Maria, wie mir erzählt wurde. Und man trifft auf junge Frauen, die allen Ernstes erklären, sie würden nie einen Ausländer heiraten, denn sie fühlten sich verpflichtet, „Ungarn Kinder zu schenken“. Wenn ich solche makabren Äußerungen höre, erinnere ich mich an das Jahr 1956, und wie ich damals die tapferen Ungarn und ihren Aufstand bewundert habe. Heute frage ich mich, wie weit dieses Volk noch sinken wird! Religiöse Inhalte entziehen sich einem rationalen Diskurs, und deshalb ist weltanschauliche Neutralität unverzichtbar für das Funktionieren einer Demokratie. Und deshalb war es auch durchaus begrüßenswert, dass die öffentliche Bedeutung der Religion und die religiöse Orientierung im demokratischen Europa während einer langen Periode kontinuierlich abgenommen haben. Jetzt aber erleben wir einen dramatischen Rollback der Irrationalität, Religion gepaart mit Nationalismus, und es bewahrheitet sich die Aussage von Francisco Goya: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Gerade hat Präsident Trump seinen evangelikalen Anhängern zuliebe eine symbolische Entscheidung von großer Tragweite getroffen. Mit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels hat er wie mit einem Brandbeschleuniger die Unruhe in dieser gefährdeten Region angeheizt, und das auch noch vor dem Weihnachtsfest, zu dem sich unzählige Anhänger dreier verfeindeter Religionen dort versammeln werden. FRIEDE AUF ERDEN – gerade zu Weihnachten wird es immer wieder deutlich, wie weit wir von diesem schönen christlichen Ideal entfernt sind, und wie sehr gerade Christen dazu beitragen, dass es weiterhin unerreichbar bleibt!“

Dietmut Thilenius aus Bad Soden:

„Vielen Dank, dass Sie den auf Lesbos festsitzenden, auch im zweiten Winter unter Planen „hausenden“ Flüchtlingen aus Afghanistan und Syrien eine Stimme geben. Die Normalbevölkerung Griechenlands ist wirtschaftlich zu sehr  ausgeblutet, um sie ausreichend versorgen zu können.
Alte Deutsche, die die Not von Flucht und Vertreibung selbst in ihrer Jugendzeit erlebt haben, sollten beispielsweise den Bundesaußenminister anschreiben. Weihnachten feiern und Weggucken, das passt nicht zusammen. Es gibt viele Hilfsbereite in unserem Land. Wer kann hier koordinierte Hilfe organisisieren?“

Ralf-Michael Lübbers aus Marienhafe:

„Eine selektive Solidarität kann es nach meiner Auffassung nicht geben“, meint Kanzlerin Angela Merkel auf dem EU-Gipfel zur Migrationspolitik. Da spricht sie wahre Worte. Bleibt zu hoffen, dass sie sie ernst meint. Denn die Situation ist dramatisch: Kriege werden geführt – auch mit in Deutschland hergestellten Waffen. Dies muss ein Ende haben. Solidarität braucht es nicht mit der Waffenindustrie, sondern mit von Waffen bedrohten Menschen.
Der auch in Deutschland zunehmende Treibhausgasausstoß verursacht mit Dürren und Überschwemmungen hungernde und verhungernde Menschen. Solidarität braucht es nicht mit der zerstörerischen Fossilwirtschaft, sondern mit den Menschen, die unter ihr leiden. Die Fossilwirtschaft muss gestoppt und an ihrer Stelle ressourcenschonende Technik eingesetzt werden.
Milliarden Menschen verdienen mit ihrer Hände Arbeit kaum genug zum Überleben, und das nur, damit Reiche noch reicher werden. Solidarität benötigen nicht die maßlos Reichen, sondern die Sklaven. Neoliberales Denken und Handeln zerstört die Solidarität unter den Menschen (siehe „Die große Spaltung“ gleiche Ausgabe der FR, Seite 12). Sie macht die Reichen immer reicher und mächtiger zuungusten aller anderen. Diese Politik muss aufhören. Wir brauchen wieder sozial und ökologisch geregelte Marktwirtschaft und wir brauchen Demokratie. Jede einzelne Stimme zählt gleich viel, nicht jeder Dollar.
Wenn Angela Merkel dies gemeint hat mit der selektiven Solidarität, die es nicht geben dürfe, dann gebe ich ihr recht. Und dann wünsche ich ihr einen Koalitionspartner SPD, der darunter dasselbe versteht. Und wenn ich jetzt in der Ausgabe vom 18.12.17 auf Seite 8 lese, was Sigmar Gabriel zum Besten gibt: Über Leitkultur und Heimat müsse in der SPD wieder diskutiert werden und Umweltschutz und Klimaschutz seien den Mitgliedern der SPD manchmal wichtiger gewesen als der Erhalt unserer Industriearbeitsplätze, dann kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte!
Menschen begeben sich auf die Flucht vor Gewalt und Hunger und Armut. Ich habe sie in Fleisch und Blut erlebt auf meinem kürzlichen Einsatz auf der „Sea Watch 3“ vor der libyschen Küste. Ich erlebe sie täglich in meiner Arztpraxis in Marienhafe. Kurz bevor ich losflog, versuchte sich einer meiner somalischen Patienten zu strangulieren, weil er abgeschoben werden soll. Heute war er in meiner Praxis. Ihm droht nach seinem Selbstmordversuch weiterhin die Abschiebung.
Die Gier mancher Leute in unserem Land hat Menschen in die Flucht gejagt. Wir haben sie in die Flucht gejagt. Wir jagen sie jeden Tag wieder aufs neue in die Flucht. Diese selektive Solidarität muss aufhören! Sofort! Danke, Frau Kanzlerin! Wenn Sie es so gemeint haben. Fangen Sie damit an, dass Sie die Drittstaatenregelung beenden. Grund: „Wieder ein Winter auf Lesbos“, Seite 6 der heutigen FR. Das weitere siehe oben: kein Waffenverkauf aus Profitgier. Ökosoziale Marktwirtschaft statt Neoliberalismus.“

Tillmann Elliesen aus Frankfurt widerspricht teilweise:

„Laut dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR kommen mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit unter seinem Mandat aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan. Die Menschen, die von dort fliehen, haben ganz andere Sorgen als die Erderwärmung. In allen drei Ländern herrscht Krieg – das ist die wahre Fluchtursache Nummer eins.
An zweiter Stelle dürfte die Politik despotischer oder zumindest unfähiger Regierungen in vielen Staaten folgen, die das Leben ihrer Bürger zur Hölle machen. Engagement für mehr Klimaschutz ist nötig und wichtig. Aber solches Engagement wird nicht glaubwürdiger, wenn auf populistische Weise die globale Flüchtlingskrise benutzt wird, um die Lage möglichst dramatisch darzustellen.“

92 Kommentare

  1. JaM sagt:

    @ Gertraud Barthel
    „Religiöse Inhalte entziehen sich einem rationalen Diskurs.“
    Seit Jahrhunderten diskutieren Theologen und Laien durchaus auch mit rationalen Argumenten innerhalb und zwischen den Religionen über religiöse Inhalte und die Konsequenzen für das Leben des Einzelnen und die Gesellschaft. An diesem Diskurs beteiligen sich auch Menschen ohne religiöse Weltanschauung. Nicht die Religion, sondern ein bestimmter Umgang mit ihr „gebiert Ungeheuer“.

  2. Brigitte Ernst sagt:

    @ Gertraud Bathel

    Religionen entstehen in den Köpfen von Menschen, und in den so genannten heiligen Schriften sind entsprechend kluge und dumme, friedliche und kriegerische Inhalte zu finden. Ein kluger Spruch aus dem Matthäusevangelium lautet: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“
    Auch wenn der Glaube an das Übernatürliche, nicht rational Fassbare eine große Gefahr birgt,
    ohne zu hinterfragen schädliche Inhalte zu übernehmen, gibt es auch Gläubige, die (mit kleinen Einschränkungen) die Menschenrechte verteidigen.

  3. Ralf Rath sagt:

    Eingangs des Threads hat sich ein äußerst sinnentstellender Schreibfehler mit verhängnisvollen Folgen für die gesamte Debatte hier im FR-Blog eingeschlichen. Der Satz „… ist den Islamisten zeitweise gelungen, Mali und den Norden Nigerias zu stabilisieren …“ müsste berichtigt lauten: „… ist den Islamisten zeitweise gelungen, Mali und den Norden Nigerias zu destabilisieren …“.

  4. Bronski sagt:

    Danke für den Hinweis. Das ist natürlich richtig. Der Fehler wurde korrigiert.
    Gruß, Bronski

  5. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Moin zusammen, frohe Weihnachten für diejenigen, die es sich und mir wünschen,

    Frau Bathel schreibt sehr richtig:

    „Innerhalb der letzten Jahre konnte man weltweit eine Zunahme von religiösem Fanatismus beobachten,…“

    Religion schützt nicht vor nekrophiler Menschenfeindlichkeit. Nicht-Religion allerdings auch nicht. Menschenfeinde gibt es in allen gesellschaftlichen Gruppen, auch unter den Atheisten [ich denke da an Stalin, Pol Pot, Mao, war Hitler (fomal) Christ?]

    Wichtig scheint mir, daß wir (die menschliche Gesellschaft) es irgendwie schaffen, biophiles Denken und Handeln zu fördern. (Die Begriffe Biophilie und Nekrophilie stammen von meinem Lieblingsautor Erich Fromm aus dem Buch „Anatomie der menschlichen Destruktivität“.) Was nutzt dem Menschen und dem Leben (wobei ich „Leben“ auf alle Lebewesen beziehe und auch auf die Lebendigkeit, das Auskosten des Lebens)?

    Wir brauchen sicherlich global ein Recht eines jeden einzelnen Menschen (und auch der anderen Tiere) auf Leben, gesunde Luft, gesundes Essen, gesundes Wasser, ausreichende medizinische Versorgung, ein gutes Dach über dem Kopf, Würde, Freiheit (ohne die Rechte anderer zu verletzen). Und jede Instititution, die dagegen verstieße, sei sie religiös oder nicht religiös, müßte so wirksam sanktioniert werden, daß sie ihre menschenfeindlichen Ziele nicht erreichen kann.

    Ist das demokratisch? Es wären Grundrechte, die auch mit demokratischen Mehrheiten nicht angetastet werden dürften.

  6. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Tlilmann Elliesen widerspricht meiner Argumentation zu einem Zeitpunkt, als er meinen Leserbrief noch gar nicht kannte:

    „Laut dem UN-Flüchtlingskommissariat UNHCR kommen mehr als die Hälfte der Flüchtlinge weltweit unter seinem Mandat aus nur drei Ländern: Syrien, Afghanistan und Südsudan. Die Menschen, die von dort fliehen, haben ganz andere Sorgen als die Erderwärmung. In allen drei Ländern herrscht Krieg – das ist die wahre Fluchtursache Nummer eins.“

    Man braucht ein bißchen Geld, um sich Flucht leisten zu können. Nicht mal dieses bißchen Geld haben jene, die noch nicht mal genug zum täglichen Essen haben. In dem Buch „Der Hunger“ fragt der Autor Martin Caparros eine Frau aus einem Hungergebiet, wenn sie sich alles wünschen könnte, was das wäre? Eine zweite Kuh, antwortet diese. Sie könne sich alles wünschen (der Autor dachte vielleicht an Porsche, Yachten, Goldschmuck, einen echten van Gogh). Eine zweite Kuh, damit ich vielleicht jeden Tag Milch für meine Familie habe. …

    Es gibt Menschen, denen geht es so schlecht, daß sie noch nicht mal fliehen können! Es geht nicht nur um Syrien, Afghanistan und Sudan. Es geht darum, was man tun kann, daß es allen Menschen gut geht.

    Nun ist es aber auch noch so, daß die Ursache für den Arabischen Frühling und damit auch den Krieg in zum Beispiel Syrien Hunger gewesen ist. Die Leute hatten nicht genug zu essen, deshalb ist der Protest in den arabischen Ländern explodiert. Und das hat unter anderem und in der Zukunft zunehmend mit dem Klimawandel zu tun. Harald Weltzer schreibt in seinem Buch „Klimakriege“: „Klimawandel führt zu Klimakriegen. … Die Konflikte des 21. Jahrhunderts drehen sich vor allem um Resourcenfragen (und Klassen- und Glaubensfragen).“

    Hunger hat allerdings momentan hauptsächlich etwas mit ungerechter Verteilung zu tun. Es gibt noch genügend Lebensmittel, aber nicht jeder bekommt genug, und manchmal essen nicht Menschen die Lebensmittel, sondern Autos, was besonders pervers ist.

    Herr Elliesen schreibt weiterhin:

    „An zweiter Stelle dürfte die Politik despotischer oder zumindest unfähiger Regierungen in vielen Staaten folgen, die das Leben ihrer Bürger zur Hölle machen.“

    Da gebe ich Ihnen so recht! Ich wundere mich auch, warum Despoten und unfähige Regierungen in der Europäische Union derart unfair mit Afrikanern und Asiaten umgehen und uns allen das Leben zur Hölle machen…

    Die meinten Sie doch, oder?

  7. Brigitte Ernst sagt:

    Lieber Bronski,
    ich weiß nicht, ob dieser Beitrag besser zum Thread „Darf man Israel nicht mehr kritisieren“ oder hierher passt. Entscheiden Sie.

    Der Artikel „Sinfonie der Religionen“ auf Seite 46 der FR Weihnachtsausgabe erinnerte mich an Erzählungen meiner Mutter, Jahrgang 1911, die in ihrer Heimatstadt Breisach am Rhein mit ihren jüdischen Schulfreundinnen ebenfalls solche gegeseitigen Einladungen zu den religösen Festen erlebte.
    Bei dieser Gelegenheit kramte ich das alte Fotoalbum aus der Schulzeit meiner Mutter heraus und fand sie mit zwei Schwestern, mit denen sie eng befreundet war, und deren Cousin im Alter zwischen ca. 12 und 17 Jahren.
    Meine Mutter war viele Jahre davon ausgegangen, dass die ganze Familie ihrer Freundinnen in Auschwitz ermordet worden sei. Erst kurz vor ihrem Tod im Jahr 2000 las sie in einem Artikel der Badischen Zeitung, dass es der Schwester ihrer Klassenkameradin und dem Cousin gelungen war, rechtzeitig in die USA zu immigrieren und Auschwitz zu entgehen.
    Ich fand die Namen der Mädchen und des Cousins auf der Website des Holocaust Museums in Washington und entdeckte auf diesem Weg einen Mann, den ich für den Sohn des Cousins halte. Er hat ein interreligiöses Zentrum in Atlanta, Georgia, gegründet, dessen Website ich kontaktierte, um zu erfahren, ob der Sohn Interesse an den Fotos seines Vaters und seiner beiden Tanten hat. Mal sehen, was draus wird.
    Auf jeden Fall eine angemessene Weihnachtsbeschäftigung, wie ich finde.
    Deshalb besten Dank an die FR für diesen Artikel!

  8. Ralf Rath sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    Meine kürzlich hier veröffentlichte Rede davon, dass der FR-Blog gleichsam ein Gesundbrunnen ist, schließt bereits kategorial aus, davon trunken zu werden, wie es schon Jacques Lacan anhand seines Aufsatzes mit dem Titel „Das Drängen des Buchstabens im Unbewußten“ ausdrücklich kritisierte. Sie müssen sich für das Schreiben Ihrer Kommentare also aus einer anderen Quelle bedient haben. Anders ist Ihre geradezu lauthals in aller Öffentlichkeit verkündete Empörung in solch einem Kontext nicht erklärbar. Sollten Sie tatsächlich Arzt sein, wissen Sie, was damit auf dem Spiel steht.

  9. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @Ralf Rath

    Ich verstehe überhaupt nicht, was Sie meinen. Hab ich was verpaßt? Gesundbrunnen? Jacques Lacan? Was soll ich (als Arzt) wissen, was auf dem Spiel steht? Hä?

  10. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Eine Sache möchte ich gerne diskutieren, die ich in meinem Leserbrief kurz angerissen habe. Gibt es eine gemeinsame Ursache für den „Schlaf der Vernunft“, für die vielen aktuellen Krisen? Für die vielen Flüchtlinge? Für den gegenseitigen Hass der Religionen? Für…

    Das scheint mir eine wichtige Frage zu sein (sorry für mein Selbstlob), denn wenn es viele Ursachen gibt, muß man mit verschiedensten Methoden viele Ursachen bekämpfen. Damit droht eine Verzettelung. Kann man die vielen „Symptome“ auf eine gemeinsame oder wenige gemeinsame Ursachen zurückführen, so kann man sich auf wenige dafür umso schlagkräftigere Strategien beschränken. Wenn man denn die Probleme überhaupt für bekämpfenswert hält.

    Ich will das an einem hoffentlich einsichtigen Beispiel erläutern.

    Ich bin 1964 in der Bundesrepublik Deutschland geboren worden und kenne die sogenannte D“D“R nur von wenigen Reisen, von der bunten Seite der Mauer her und aus dem Fernsehen, mnesty international und der Zeitschrift „stern“ vielleicht, die ich damals gelesen habe. Trotzdem will ich mir ein Urteil über diesen Staat und dieses System erlauben, als Außenstehender, hoffentlich nicht als Besser-Wessie. In der D“D“R hat vieles nicht funktioniert. Die Menschenrechte wurden mit Füßen getreten (Grenztote, keine Pressefreiheit, keine Reisefreiheit, keine Meinungsfreiheit, Todesstrafe (vor dem Fall der Mauer abgeschafft). Alle außer den Funktionären waren deutlich ärmer als wir im Westen. Die Autos waren schlecht (Honi fuhr allerdings ein größeres Auto als meine Eltern). Die Luft war schlecht. Der Grund für diese ganzen „Symptome“ war ein Systemfehler, nämlich eine Diktatur (die „Diktatur des Proletariats“). Als diese Diktatur fiel (Gorbi sei Dank!), wurde vieles besser. Quasi automatisch.

    Gibt es jetzt möglicherweise eine ganz wesentliche Ursache für die in den Leserbriefen genannten Probleme? Also fanatische Religionen, Kriege, Klimakatastrophe, Armut, Hunger?

    Ich denke, die von der ehemals für Propaganda und Agitation bei der FDJ zuständige jetzige Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es treffend ausgedrückt: Selektive Solidarität.

    Wenn ich es richtig verstanden habe, findet die Kanzlerin Polen (bzw. die aktuelle polinische Regierung) und Ungarn (bzw. die akutelle ungarische Regierung) und Tschechien und die Slowakei…nein, nicht ganz Tschechien und nicht die ganze Slowakei, sondern die jeweiligen aktuellen Regierungen dort) oje, ein elaborierter Satz, das mochten meine Deutschlehrerinnen nie…also die Kanzlerin findet einige Länder unsolidarisch, die Flüchtlinge und insbesondere muslimische Flüchtlingen nicht aufnehmen wollen.

    Und diese selektive Solidarität ist in der Tat ein wichtiges und vielleicht das wichtigste Problem. Man muß den Begriff nur etwas weiter fassen.

    Selektiv solidarisch ist der Neoliberalimus, also das System freie Marktwirtschaft. Eine überhaupt nicht soziale und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigende Marktwirtschaft macht die 0,1% Superreichen immer reicher und alle anderen immer ärmer. Es geht nicht um den Mittelstand, es geht nicht um die Millionäre, es geht allein um die Milliardäre. Mathe ist nicht so mein Ding, trotzdem lassen Sie mich oberlehrerhaft erklären, daß eine Milliarde tausend Millionen sind. 1.000.000.000. Zum Beispiel Euro oder Dollar. Dieser Amazon-Mensch hat 100.000.000.000 (hundert Milliarden). Eine einzelne Person besitzt so viel.

    Mit diesem Geld können sich die Milliardäre Yachten kaufen, die viel Energie verbrauchen, wir hatten in Aurich mal einen Marktschreier, nicht ein Kilo Apfelsinen, nicht zwei, nicht drei, nein vier für 5 Euro, und das umgerechnet in Yachten und Rolls Royce und Villen und… Und dann spendieren diese Leute Geld an politische Parteien und an Politiker und an Regierungen und fordern dafür selektive Solidarität der Politiker mit ihrer Klasse. Nämlich, daß sie Gesetze in ihrem Sinne schreiben, auf das sie noch reicher und reicher und reicher werden.

    Damit zerstören sie die Demokratie, die auf one man one vote und nicht one dollar one vote beruht.

    Sie zerstören schlicht die Biosphäre. Also alles Leben auf der Welt bis auf vielleicht das der Kakerlaken, die sollen sehr widerstandsfähig sein. Früher sind Dörfer und Städte zerstört worden, es hat Genozide gegeben, jetzt geht es um den ganzen Planeten.

    Das Problem sind jetzt gar nicht mal die Milliardäre als Menschen. Sondern daß das undemokratische System Neoliberalismus Milliardären erlaubt, so viel Geld zu scheffeln, und auf der anderen Seite gibt es dann Menschen, die -wenn sie alles haben könnten- sich eine zweite Kuh wünschen, damit die Familie vielleicht jeden Tag etwas Milch hat.

    Ich habe nichts gegen Milliardäre als Menschen. Ich kenne einen, der ist ein armer Schlof. Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.

    Das System Neoliberalismus ist so menschenverachtend und zerstörerisch wie es die Planwirtschaft in den Ostblockstaaten war. Damals faßten sich die meisten politisch Interessierten in Westdeutschland an den Kopf, was für bescheuerte Entscheidungen Honi und Co getroffen haben. Und heute fasse ich mir an den Kopf, daß ein Mann, der Schwarzgeld über die Grenzen trug, über Jahrzehnte Finanzminister ist und sich nach Aufforderung so vehement halbherzig für das Stopfen von Steuerschlupflöchern ausspricht.

    Ich denke, daß ist der Punkt, an den man ansezten muß: Wie stürzt man ein System, daß durch seine einseitige Ausrichtung auf die Interessen der Reichen zunehmend ein würdiges Leben für die weit überwiegende Mehrheit der Menschen verunmöglicht? Wie ersetzen wir den Neoliberalismus durch die ökosoziale Marktwirtschaft? Wie verhindern wir, daß Lobbyisten intransparent und undemokratisch Regierungen manipulieren können.

    Soziale Marktwirtschaft ist nichts neu erfundenes, was sich erst noch bewähren muß. Ich erinnere nur an Willy Brandt und (mit Einschränkungen) an Helmut Schmidt. Warum fällt mir der Name gerd schröder nicht ein? Hat wohl Gründe.

    Wahrscheinlich reicht es aus, wenn wir alle aktive Mitglieder bei attac und bei tranparency international werden. Ich muß jetzt endlich mal bei tranparency eintreten. Habe ich letztes Jahr schon gesagt.

    Naomi Klein hat in ihrem neuesten Buch „Gegen Trump“ übrigens geschrieben (Herr Büge/“Bronski“, ich versuche jetzt mal indirekte Rede, um Ihnen die Arbeit zu erleichtern;-) Text ist auf Seite 319)…wir lebten in einer Zeit mehrfacher, sich überschneidender Krisen, und weil alle dringend seien, könnten wir uns es nicht leisten, sie nacheinander zu beheben. Was wir bräuchten, wären integrierte Lösungen.

  11. Manfred Schmidt sagt:

    @Ralf-Michael Lübbers
    Ich greife mal die Tatsache heraus, dass „dieser Amazon-Mensch“ 1Milliarde und wahrscheinlich sogar mehr Dollar besitzt. Dann stelle ich mir die Frage, wie konnte es dazu kommen.
    Es kam wohl dazu, dass dieser Mensch eine gute Geschäftsidee hatte, sie verwirklichte und (wieviel?) Milliarden Menschen die angebotene Dienstleistung aus dieser Geschäftsidee nutzen. Das spülte wohl diese enorme Summe auf seine Konten. Ähnlich erging es den Menschen die z.B. mit Microsoft oder Apple die Menschheit beglück(t)en. Die Namen dieser Menschen sind uns alle bekannt. Gleichzeitig entsteht bei denen, die oftmals sich solche Summen nicht vorstellen können ein Gefühl, dass diese Entwicklung pervers ist (sei).
    Hat die Anhäufung solcher Vermögen wirklich dazu geführt, dass es nur ein Traum der zitierten afrikanischen Frau ist, eine 2. Kuh zu besitzen?
    Ich wünschte, sie hätte jede Menge Kühe um ihr Leben besser gestalten zu können, ich wünsche ebenfalls, dass die Bewohner der meisten Länder Afrikas ihren Lebensunterhalt sichern können, dass sie entsprechende Bildungsangebote bekommen, dass entsprechende Strukturen geschaffen werden usw. usw.
    Was verhindert, dass die Verhältnisse anders sind?
    Die Gründe dafür sind in der Regel schnell verortet, die Industrienationen müssen in Sack und Asche gehen und permanent bestätigen „wir sind die Schuldigen“.

    Aber was wird getan um den rasanten Bevölkerungswachstum Afrikas zu bremsen bzw. zu stoppen? Was ist mit denen, die sich für Afrikas Eliten halten und wenn sie politisch Handelnde sind, wie sieht dieses Handeln aus?

    Was ist z.B. aus dem ANC nach Nelson Mandela unter Zuma geworden?
    Was aus Rhodesien das Mugabe in Simbabwe verwandelte (ich will es nicht in eine englische Kolonie zurückverwandeln)?
    Was z.B. aus Kenia, aus Senegal, um auch Westafrika mit einzubeziehen?
    Wie konnten sich in Afrika so viele „Eliten“ bilden, die sich nur die Taschen vollstopfen und denen die Lage ihrer Menschen dort offensichtlich egal ist und die überleben mit der Hoffnng und der Tatsache, die mannigfaltigen Hilfslieferungen und Spenden werden’s schon richten?

  12. Wenn jemand behauptet, dass es für alle Probleme dieser Welt eine Ursache gibt, er diese Ursache kennt und auch die Lösung der Probleme, dann ist das ein …

    Ich suche nach einem passenden Ausdruck. Es tut mir leid, aber bei Sätzen wie „An allem ist XYZ schuld.“ fällt mir nur Populist ein.

  13. JaM sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers
    Ich bezweifle, dass sich die komplexen Probleme unserer Welt nur auf eine Ursache zurückführen lassen, die zumal noch mit einem Schlagwort wie „Neoliberalismus“ beschrieben wird. So ist zum Beispiel am deutschen Sozialsystem vieles kritikwürdig, „neoliberal“ ist es aber nicht. Für die Neoliberalen unter den US-Republikanern ist es der reine Sozialismus, für die Linken unter den US-Demokraten das Vorbild schlecht hin. Und auch das deutsche Wirtschaftssystem ist zwar von dem Ideal einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft noch weit entfernt, aber in Vergleich zu den von Ihnen idealisierten 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht weniger sozial und deutlich mehr ökologisch ausgerichtet.
    Ich bin weit davon entfernt, die von Ihnen genannten Probleme – fanatische Religionen, Kriege, Klimakatastrophe, Armut, Hunger – zu übersehen, teile aber nicht Ihre apokalyptische Sicht der Weltentwicklung. Was Armut und Hunger betrifft, hat es zumindest im ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts beeindruckende Erfolge vor allem in Asien, aber auch in Afrika gegeben. Ebenfalls die Säuglingssterblichkeit, Lebenserwartung und der Bildungsstand der Mädchen (ein für die positive Entwicklung von Gesellschaften entscheidender Faktor) haben sich zum Teil deutlich verbessert. Selbst der religiös motivierte Terrorismus hat wahrscheinlich nur in unserer Wahrnehmung zugenommen, weil er inzwischen auch uns trifft. Dem steht aber auch ein wachsendes Bemühen aus allen Religionen um gegenseitigen Respekt und Verständnis gegenüber – vermutlich haben sich noch nie so viele Menschen ernsthaft im interreligiösen und interkulturellen Dialog engagiert wie in der Gegenwart. Und noch nie hat es eine so umfassende weltweite Kooperation wie beim Klimaschutz gegeben – was nicht heißt, dass man mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden sein kann.

  14. Manfred Schmidt sagt:

    @Ralf-Michael Lübbers(2.)
    In Ihrem Leserbrief, der oben vor den Kommentaren abgedruckt ist, schreiben Sie von zunehmenden Treibhausgasausstoß in Deutschland.
    Dazu sage ich nur, entweder sind Sie falsch informiert, oder das Umweltbundesamt veröffentlicht falsche Statistiken.
    Zum Nachprüfen deshalb hier der Link des angesprochenen Amtes über diese Emissionen seit 1990.
    https://www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionen-in-deutschland#textpart-1

    Über die annähernd zuverlässigen Vermögensverhältnisse des Herrn Jeff Bezos weiß ich inzwischen auch Bescheid, das nur um vorzubeugen….

  15. Anna Hartl sagt:

    @Ralf Michael Lübbers

    Die Ursache – besser gesagt der Verursacher – ist der Mensch und auch die Lösung.

    Wenn man die Überlegungen von Freud heranzieht, ist es der von ihm benannte Todestrieb oder auch Todessehnsucht und die damit einhergehende Zerstörung, die sich in jedem Menschen einen Kampf liefert mit dem Willen zu leben.

    Wir sind die Ursache und die Lösung.

    JaM hat geschrieben, dass es Erfolge und Fortschritt in diversen Bereichen gegeben hat und gibt. Stimmt. Leider gibt es auch gewaltige Rückschritte bzw. keine Veränderung.
    Der Terror durch den IS, die weiter voranschreitende Klimaveränderung, die Leugnung des Klimawandels durch Trump und der Austritt aus dem Klimaabkommen, die immer weiter wachsende Weltbevölkerung usw.
    Wenn ich sehe wie für die kleinsten Wege das Auto benutzt wird ohne auch nur eine Sekunde über den ‚Dreckausstoss“ dieses Teils nachzudenken, die absolute Gleichgültigkeit den Folgen gegenüber, um nur ein Beispiel aus dem Alltag zu nennen, sehe ich, wenn der Mensch nicht erkennt, warum er handelt wie er handelt, und dann erst Viertel nach 12, oder trotz Wissen und Erkenntnis weiter macht wie bisher, in keinster Weise eine rosige Zukunft für die kommenden Generationen.

    Die Probleme fallen nicht vom Himmel, wir erschaffen sie.

  16. Herr Lübbers hat ein Problem mit Milliardären.
    Schauen wir uns mal das Vermögen so eines Milliardärs an, z. B. J. Bezos.
    Der größte Teil seines Vermögens ist das Amazon Aktienpaket. Amazon hat zurzeit einen Wert von 563 Mrd. Dollar. Da J. Bezos 16.37% der Aktien hält, beträgt sein Vermögen aus diesem Paket ca. 90 Mrd. Dollar.
    Amazon macht bei einem Umsatz von 136 Mrd. Dollar 1.8% Gewinn. Das ist mickrig. Für die nächsten 12 Monate wird keine Dividendenausschüttung erwartet. Man könnte Amazon also als eine schlechte Kapitalanlage betrachten. In den letzten 5 Jahren hat sich aber der Aktienkurs verfünffacht. Der größte Teil des Vermögens ist also nicht durch den Gewinn des Unternehmens entstanden, sondern nur durch die Steigerung des Aktienkurses.
    Herr Lübbers meint, dass wenn einer reich wird, dafür andere arm werden müssen. Armut und Reichtum sei ein Nullsummenspiel. Das ist aber falsch, wie man nicht nur am Beispiel oben zeigen kann. Durch den Anstieg des Aktienkurses ist niemand arm geworden.
    In meinen Augen ist das Vermögen des Herrn Bezos nicht das Problem, sondern die mögliche Monopolstellung und das Geschäftsgebaren von Amazon.
    Herr Lübbers verweist immer wieder auf die guten Zeiten der Kanzlerschaft von Willy Brandt. Als W. Brandt zurücktrat, war Herr Lübbers 10 Jahre alt.

  17. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich bin der Ansicht, dass die Armut vieler Menschen durchaus mit dem obszönen Reichtum eines Herrn Bezos und Konsorten zu tun hat.
    Zuerst muss man doch fragen, wie er seine Firma so groß gemacht hat. Dass er dafür seine Angestellten ausbeutet, sie zu inakzeptablen Bedingungen beschäftigt, sollte ja wohl bekannt sein. Zudem bedient er sich Ausliefererfirmen, deren Fahrer zeitlich überlastete sind und so wenig verdienen, dass sie kaum eine Familie ernähren können. Wenn sie überhaupt Angestellte sind und nicht Scheinselbständige, die noch ärmer dran sind, weil sie nicht einmal Zuschüsse für ihre Kranken- und Sozialversicherung erhalten.
    Und wann Herr Lübbers geboren wurde, spielt wirklich keine Rolle, denn es ist Tatsache, dass es Zeiten gab, in denen Leute, die Pakete ausfuhren oder -trugen, Beamte der Deutschen Bundespost waren mit einem festen Arbeitsverhältnis, einem akzeptablen Verdienst, zumutbaren Arbeitsbedingungen und einer guten sozialen Absicherung.

    Ein weiterer Faktor für den Aufstieg von Firmen wie Amazon ist die Tatsache, dass sie in den Ländern, in denen sie ihre Gewinne machen, kaum oder gar keine Steuern zahlen. Das bedeutet, dass der kleine Steuerzahler für die Infrastruktur aufkommen muss, die solche Firmen nutzen. Das bedeutet dann auch, dass nicht genug Geld da ist, um Hartz-IV-Empfänger angemessen zu alimentieren, Kitaplätze zu schaffen und gut ausgestattete Schulen zu unterhalten. Wobei man natürlich vermuten kann, dass mehr Kitaplätze und bessere Schulen gar nicht im Interesse von Amazon sein können, weil ihnen, wenn mehr Kinder eine bessere Ausbildung erhielten, die Arbeitskräfte für ihre prekären Beschäftigungsverhältnisse verloren gingen.
    Ob man dieses System nun neoliberal oder sonstwie nennt, ist auch völlig nebensächlich, die Nachteile für einfache Arbeitnehmer sind unübersehbar.

    Selbst wenn es stimmt, dass der Wert der Aktien sich nicht auf den realen Gewinn des Unternehmens stützt, umso schlimmer. Denn dann können wir, wenn das auch auf die Aktien anderer Unternehmen zutrifft, damit rechnen, dass diese Aktienblase früher oder später platzt und die globale Wirtschaft mit in den Abgrund reißt. Und das sicher nicht zum Schaden eines Herrn Bezos, der seine Schäfchen längst irgendwo anders ins Trockene gebracht hat, sondern eines Heers von Kleinanlegern, die plötzlich ihre mühsam ersparten Rücklagen fürs Alter los sind.

    Diese ungerechten Bedingungen schaffen sich aber nicht Herr Bezos und Co. allein, sondern sie gehen auf das Konto unfähiger oder unwilliger Politiker, die es nicht hinbekommen, die großen Unternehmen zur Steuerkasse zu bitten sowie Steuern auf Vermögen und Aktiergewinne zu erheben.

  18. @Brigitte Ernst
    Das, was Sie zu Recht kritisieren, meinte ich mit Geschäftsgebaren.
    Amazon machte letzes Jahr 2.4 Mrd. Gewinn. Nehmen wir mal 50% Steuer und 10% des Umsatzes in Deutschland, dann erhielte der deutsche Staat 120 Millionen Steuern.
    „Diese ungerechten Bedingungen schaffen sich aber nicht Herr Bezos und Co. allein, sondern sie gehen auf das Konto unfähiger oder unwilliger Politiker, die es nicht hinbekommen, die großen Unternehmen zur Steuerkasse zu bitten sowie Steuern auf Vermögen und Aktiergewinne zu erheben.
    Glauben Sie, dass die Arbeitsbedingungen bei Amazon besser werden, wenn Amazon diese Steuern zahlt?
    Wie soll eine Aktiengewinnsteuer funktionieren?
    Wenn die Aktienkurse steigen, muss man am Ende des Jahres einen Teil der Aktien verkaufen, um die entsprechende Steuer zu zahlen? Was passiert, wenn dann die Aktienkurse fallen? Kriegt man dann seine Steuer zurück?
    Bitte erläutern Sie Ihr Modell.

  19. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Herr Manfred Schmidt schreibt:

    „Über die annähernd zuverlässigen Vermögensverhältnisse des Herrn Jeff Bezos weiß ich inzwischen auch Bescheid, das nur um vorzubeugen….“

    Lesen Sie die Printausgabe der Frankfurter Rundschau? Mal in die heutige Ausgabe schauen, Seite 12, Kolumne von Klaus Staek, zweiter Satz.

    Herr Flessner schreibt:

    „Herr Lübbers hat ein Problem mit Milliardären.“

    Woran merken Sie das?

  20. hans sagt:

    Frau Brigitte Ernst sie haben natürlich recht. Geld entsteht immer und ausschließlich aus Krediten, also Schulden. Das bedeutet, es kann kein Vermögen existieren, dem nicht Schulden gegenüber stehen, wenn Geld immer Schulden sind. Ich stelle dazu einen Link ein, den wohl niemand in Verdacht hat, aus einem linken Kampfblatt zu sein.
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/geldschoepfung-wie-kommt-geld-in-die-welt-11637825.html

  21. @hans
    Das Vermögen von J. Bezos wurde erzeugt durch die Steigerung des Aktienkurses von Amazon. Aktien kommen in Ihren Link gar nicht vor. Wo ist der Zusammmenhang?

  22. hans sagt:

    Wie man in dem von mir eingestelltem Link lesen kann, kann jede Sparkasse Geld aus dem Nichts erschaffen. Wenn sie 100 Euro zur EZB gibt kann sie dafür einen Kredit für 10000Euro vergeben. Die Sparkasse muss dafür wenigstens noch 100 Euro aufbringen, die EZB geht noch weiter. Sie nimmt selbst auch wertlose Anleihen als Sicherheit. So erschafft die EZB derzeit wenn ich mich recht erinnere 40 Milliarden Euro jeden Monat schon seit Jahren und es war die meisten Monate noch viel mehr. Wo ist dieses Geld. Ich zumindest habe davon keinen Euro bekommen. Es geht an die Finanzmärkte und sorgt dafür das der Aktienkurs von z.B. Amazon steigt. Jetzt könnte man sagen das es den kleinen Mann nicht stören muss wenn die EZB Geld verschenkt. Das ist natürlich Unsinn. Es kann natürlich nicht egal sein wie die Geldmenge verteilt ist. Das hat Einfluss ob die Wirtschaft funktioniert oder nicht. Geld will verzinst werden. Um so mehr Geld vorhanden ist um so größer ist der Anteil am erwirtschafteten Sozialprodukt der dafür aufgewendet werden muss. Deshalb sinkt seit Jahren die Lohnquote und damit der Lebensstandart der Lohnempfänger. Das Ganze hat seinen Anfang genommen mit dem Wegfall des konkurrierenden Systems im Osten. Der Kapitalismus hat systembedingt immer die Tendenz von Unten nach Oben umzuverteilen. Deshalb hat man auch so etwas wie das Kartellamt erschaffen. Den Rest müsste der Staat leisten indem er das Kapital stärker besteuert.
    Übrigens die Energiewende hat bisher nicht mehr gekostet als die EZB in 5 Monaten verschenkt. daran kann man sehen das die Finanzierung der Energiewende eigentlich das kleinste Problem ist wenn man will.

  23. Manfrd Schmidt sagt:

    Hallo Herr Lübbers,
    Ich las die Printausgabe der FR und auch den Artikel von Klaus Staeck.
    Er kommt ziemlich schnell auf den Punkt. Zum einen ist es die Möglichkeit der Minimierung von zu zahlenden Steuern. Leider kann man es nicht als Steuerhinterziehung bezeichnen, es ist nicht kriminell sondern tricky, ermöglicht durch die unterschiedlichen Steuersätze, die innerhalb, aber auch außerhalb der EU angeboten werden. Bekanntermaßen eine Holding zu etablieren genügt dazu meist schon (ist ebenfalls tricky). Hier setze ich meine Hoffnung in das, was Margarethe Vestergaard hoffentlich noch bewirken kann…
    Es wird mit Sicherheit nicht leicht für die Dame.

    Und darin liegt das Problem innerhalb der EU. Es gibt bekanntlich Staaten mit signifikant unterschiedlichen Steuersätzen. Ich erinnere mich noch genau, dass EU-kritische Stimmen recht früh darauf aufmerksam machten, dass dadurch Verwerfungen und Konflikte nicht ausbleiben werden (besonders durch Einführung des Euros), genau auch wie durch unterschiedliche Sozial- und Rentensysteme.
    Hätte „die Politik“ warten sollen bis gleiche Verhältnisse geschaffen sind?
    Dann würde die EU heute noch nicht realisiert sein, denn eine „Einmischung in innere Angelegenheiten“ hätten sich mit Sicherheit die meisten infrage kommenden Länder verbeten (sie haben’s ja auch tatsächlich). Deshalb habe ich ein Problem damit, dass es „unfähige“ Politiker sein sollen, denen man die Ursache für die Verhältnisse in die Schuhe schiebt, es waren diese Startbedingungen in den Ländern. Aus idealistischen und politischen Gründen wurden die Risiken ausgeklammert – dies muss man jedoch nicht gut finden.
    Aber Ihren Schuldzuweisungen kann ich micht nicht anschließen, dazu sind die Gründe zu komplex.
    Möglicherweise kommt es jetzt innerhalb der EU zu einer Annäherungsphase der Verhältnisse auf Grund des öffentlichen und politischen Drucks, zu hoffen wär’s.

    Zurück zu Amazon: Wenn nun die Leute der Meinung sind, dass das Gebaren dieses Unternehmens zu kritisieren ist, dann sollten sie eben ihr Kaufverhalten daran ausrichten.
    Ich zum Beispiel kaufe dort nicht, habe dort noch nicht mal ein account, ich weiß noch, wie ein Buchladen von innen aussieht. Anderes, was es dort noch so gibt, möchte ich vor’m Kauf als „Hardware“ begutachten können, z.B. Baumarkt und Fachgeschäft ermöglichen das.
    Von Alexa habe ich schon gehört, wusste aber nicht, dass es ein Kind von Amazon ist. Computerophob bin ich deshalb aber nicht, im Gegenteil.
    Was Klaus Staeck richtig sieht ist, dass Amazon so wie sich’s präsentiert, erst durch seine Kunden möglich gemacht wird (in ähnlichem Zusammenhang wird das auch mal mit „wir sind der Stau“ formuliert). Deshalb habe ich ein Problem mit expliziten Schuldzuweisungen, wie Sie von Ihnen gekommen sind.
    Wer für so wenig Geld seine Bestellung zur Haustür gebracht haben will, muss sich z.B. nicht über die prekäre Situation der (sebstständigen) Paketzusteller mokieren. Hier wäre Mindestlohn ein Thema, aber wie garantiert man ein Mindesteinkommen bei Selbstständigen? Amazon müsste Fahrzeuge und auch entsprechend bezahlte Ausfahrer vorhalten, die Lösung mit den „Selbstständigen“ ist somit ebenfalls tricky.
    Wie viele, die zu den Geringverdienern zählen, kaufen eigentlich bei Amazon?

    Nebenbei, Facebook und Instagram müssen ebenfalls ohne mich auskommen, ich sehe darin für mich keinen Gewinn, diesen „Datenkraken“ aus dem Weg zu gehen hat für mich Vorrang.
    Klaus Staecks Einlassung findet hier auch meine Zustimmung, ich bin da ganz bei ihm.
    Dass Amazon hier stellvertretend für weitere globale Steuerminimierer steht,
    wird vorausgesetzt.

  24. Brigitte Ernst sagt:

    Eine Steuer auf Aktienerträge sowie auf Kapitalerträge wird ja bereits erhoben, sie dürfte sich allerdings nicht auf 25% beschränken, sondern müsste, bei einem erhöhten Freibetrag, wie er bis vor einigen Jahren galt, dem individuellen Einkommensteuersatz angepasst werden.
    Darüber hinaus plädiere ich für die Wiedereinführung des Spitzensteuersatzes, wie er unter Kanzler Kohl galt, sowie die Einführung der Tobinsteuer, einer Besteuerung von kurzfristigen internationalen Devisenspekulationen.

    Was ich in meinem letzten Beitrag noch vergessen habe, wäre die Wiedereinführung der Arbeitsgesetze, wie sie unter Kohl galten. All das zusammen könnte schon einen Gerechtigkeitsausgleich bewirken und die Gefahren von Spekulationen eindämmen.

  25. @Brigitte Ernst
    Amazon zahlt keine zurZeit keine Dividende (was Sie Aktienertrag nennen). Es fallen dafür also keine Steuern an.
    Der Spitzensteuersatz betrifft die Einkommensteuer, aber durch die Erhöhung des Aktienkurses wird kein Einkommen generiert.
    Die Tobinsteuer ist eine Sondersteuer auf Devisentransaktionen. Sie ist bei J. Bezos Aktien auch nicht anwendbar. Alle Ihre Vorschläge laufen bei J. Bezos Aktienvermögen ins Leere.
    Das Problem bei Amazon ist nicht das Vermögen von J. Bezos oder die Politiker, sondern die Kunden.

  26. Barbara Eilers sagt:

    Ich hörte gerade, dass China die Besteuerung ausländischer Unternehmen rückwirkend zum 01.01.2017 unter bestimmten Bedingungen aussetzen will -aus Angst davor, dass viele Unternehmen abwandern könnten, nachdem Donald Trump seine „geniale“ Steuerreform durchgesetzt hat. AUch hier hörte ich bereits das Drängen aus Unternehmen erfänden, doch jetzt dringend das Steuersystem zu verändern – damit hiesige Unternehmen nicht benachteiligt werden in Zukunft! so funktioniert das! Die ständige Erpressung unserer Politiker besteht in der Drohung mit der Abwanderung von Arbeitsplätzen . die Macht besonders auch großer Unternehmen Druck auf politische Entscheider auszuüben – mit Hilfe einflussreichen Lobbyisten – ist in den letzten Jahren enorm gewachsen.

  27. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Herr Flessner schreibt:

    „Wenn jemand (Anmerkung: Er meint mich) behauptet, dass es für alle Probleme dieser Welt eine Ursache gibt, er diese Ursache kennt und auch die Lösung der Probleme, dann ist das ein …

    Ich suche nach einem passenden Ausdruck. Es tut mir leid, aber bei Sätzen wie „An allem ist XYZ schuld.“ fällt mir nur Populist ein.“

    Ich habe geschrieben:

    …“ wenn es viele Ursachen gibt, muß man mit verschiedensten Methoden viele Ursachen bekämpfen. Damit droht eine Verzettelung. Kann man die vielen „Symptome“ auf eine gemeinsame oder wenige gemeinsame Ursachen zurückführen, so kann man sich auf wenige dafür umso schlagkräftigere Strategien beschränken.“

    Ich halte es nicht für zielführend, uns über mögliche Charaktereigenschaften von Teilnehmern dieses Blogs auseinanderzusetzen. Es sollte hier um den um den Austausch von Argumenten gehen.

    Herr X schreibt so und so, deshalb ist er ein dies und das. Was soll das?

    Herr Flessner schreibt:

    „Herr Lübbers hat ein Problem mit Milliardären.“

    Ich schreibe:

    „Das Problem sind jetzt gar nicht mal die Milliardäre als Menschen. Sondern daß das undemokratische System Neoliberalismus Milliardären erlaubt, so viel Geld zu scheffeln, und auf der anderen Seite gibt es dann Menschen, die -wenn sie alles haben könnten- sich eine zweite Kuh wünschen, damit die Familie vielleicht jeden Tag etwas Milch hat.

    Ich habe nichts gegen Milliardäre als Menschen. Ich kenne einen, der ist ein armer Schlof. Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

    Morgen schreibe ich noch ein bißchen was zum Neoliberalismus, wenn ich Zeit habe.

    Noch kurz zum CO2-Ausstoß. Meines Wissens ist der in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen. Der entscheidende Punkt ist aber bei dieser Erbsenzählerei: Er ist nicht ausreichend gefallen. Obwohl er bei geeigneter Politik hätte fallen können. Und vor allem hätte fallen müssen.

    Nachti!

  28. hans sagt:

    Wenn das hier so alles liest und dagegen hält was man so von Jamaika gehört hat oder was ein Herr Gabriel vor sich hin geschwafelt hat, dann sollte man die Erwartungen an eine neue Regierung besser nicht so hoch schrauben. Wenn Jamaika kommt wird es eher wie in den USA in die falsche Richtung gehen. Wenn man den Soli abschafft ist nicht mehr viel da um noch anderes zu machen. Das Geschwafel von Gabriel hat wieder gezeigt wo das Problem der SPD liegt. Ob diese Partei ein Grundsatzprogram schreiben kann oder nicht hängt nicht davon ab ob sie an der Regierung ist oder in der Opposition. Es hängt davon ab ob die Partei sich auf gemeinsame Ziele verständigen kann. Das scheint derzeit nicht der Fall zu sein. Die Grünen bei Jamaika weg und dafür Gabriel dazu und es würde endlich die Industriepolitik in D. gemacht die gut für das Land ist. Nur nicht für die Menschen die darin leben wenn sie keine Arbeitgeber sind. Das Thema Klima ist eh eine Erfindung der Chinesen haben wir gelernt.
    Übrigens Herr Lübbers, der Co2 Ausstoß soll derzeit ungefähr 23% unter dem Wert von 1990 sein. Ziel war 30% bis 2020. Die derzeitige Zahl ist in erster Linie durch den Zusammenbruch der DDR Industrie erreicht worden. Allerdings muss man zugeben ohne den Atomausstieg wäre die Zahl besser. Ich bin aber der Meinung das der Atomausstieg wichtiger ist. In Frankreich laufen noch jede Menge uralt AKW. Sie haben kein Geld zur Seite gelegt um sie zu Entsorgen und auch kein Geld um neue zu bauen. Das bedeutet sie laufen weiter bis uns so ein Schrotthaufen um die Ohren fliegt. Dann sollte in D. der Ausstieg hoffentlich Geschichte sein und Ostwind herrschen.

  29. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Wir sprechen hier doch nicht von dem Individuum J. Bezos allein, sondern von allen Bezos dieser Welt und dem System, dass ihren Reichtum und ihre Ausbeutungsmethoden möglich macht.
    Und wenn es um Steuern geht, dann doch auch die, die sie von Rechts wegen an alle Staaten zahlen müssten, in denen sie Gewinne machen. Dann wären das nach ihrer Gewinnberechnung für Bezos eben insgesamt 1,2 Milliarden. Das ausgeweitet auf Starbucks und all die Steuervermeider der Welt, da käme für die Menscheit schon einiges zusammen. Die Staaten müssten nur aufhören, miteinander zu konkurrieren, und sich stattdessen zum Kampf gegen solche Drückeberger zusammenschließen (Utopie, ich weiß ja).
    Dass es in der Hand der Kunden liegt, ist richtig, aber Amazon bietet Möglichkeiten z.B. zum Versand von Weihnachtsgeschenken an die in der Welt verstreute Verwandschaft, da ist es für mich kaum möglich, darauf zu verzichten. Wenn’s nur um das deutschsprachige Buch für mich allein ginge, wäre das kein Problem.

  30. @Brigitte Ernst
    Die Welt ist sehr kompliziert und wir verstehen alle im Grunde nicht, wie sie funktioniert. Das ist natürlich sehr unbefriedigend und macht Versuche die Welt zu erklären sehr attraktiv bis hin zur Weltformel, die uns erklärt «was die Welt im Innersten zusammenhält».
    Da kommen dann die «Vereinfacher» und bieten uns eine Ursache für alle Probleme an.
    Bei dem einen sind es die Milliardäre, bei anderen die Lobbyisten, der Neoliberalismus, der Klimawandel, die Religionen, Trump, die Chinesen oder die Flüchtlinge.
    Am Beispiel von Amazon wollte ich zeigen, dass Aussagen wie:
    «Wenn jemand reich wird, wird ein anderer arm.» «Vermögen entsteht durch Gewinne und Steuervermeidung.» zu einfach sind, um die Welt zu beschreiben und das mit so simplen Konzepten wie Enteignen der Milliardäre nicht viel gewonnen ist.
    Der von Ihnen angesprochene Steuerwettbewerb ist natürlich langfristig für niemanden gut.
    Aber er wird von den Bevölkerungen der entsprechenden Länder (z.B. Irland und Schweiz) unterstützt. Viele Schweizer betrachteten den Angriff auf das Schweizer Bankgeheimnis als einen Angriff auf die direkte Demokratie in der Schweiz.
    Unternehmen wollen nicht mehr Steuern zahlen als ihre Konkurrenten. Bevölkerungen wollen weniger zahlen als ihre Nachbarn. Alles nicht so einfach.
    Es gibt keine einfachen Lösungen für die Welt. Es gibt nur langes Bohren dicker Bretter. Leider ist das nicht sehr attraktiv.
    Ich habe noch nie bei Amazon gekauft, aber soviel ich weiß, arbeitet Amazon mit Logistikanbietern zusammen. Einer dieser Anbieter ist DHL. Hinter DHL verbirgt sich die Deutsche Post, mit der wir früher unsere Weihnachtsgeschenke verschickt haben.

  31. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Auch wenn das alles noch so kompliziert ist, irgendwo muss man doch mit der Veränderung anfangen. Und warum dann nicht bei den Steuern? Und bei der Verbesserung der Rechte und der Absicherung der einfachen Arbeitnehmer? Man kann sich natürlich auch mit der Misere abfinden und gar nichts tun. Mein Leben würde das nicht verschlechtern und ich müsste mich eigentlich nicht aufregen.
    Vielleicht sollte ich einfach nur das Bisschen Leben, das mit noch bleibt, genießen und nicht weiter als Weltverbesserin dilettieren.

    Zur DHL: Völlig richtig, das ist die Nachfolgerin des Paketdienstes der Deutschen Bundespost, mit der bei Privatisierungen üblichen Verschlechterung der Situation für die einfachen Arbeitnehmer und dem gehörigen Einkommenszuwachs für die Chefs. Weil die natürlich viel mehr Verantwortung tragen und viel mehr leisten – und, nicht zu vergessen, ein viel höheres Risiko tragen als die Chefs der früheren Bundespost (Achtung, Ironie!).
    Ich habe das vor einiger Zeit am Beispiel der Deutschen Bundesbahn recherchiert und schon mal hier im Blog veröffentlicht. Deren Chef wurde nach einer Besoldungsstufe entlohnt, die heute bei 160 000 Euro jährlich liegt. Der Chef der Deutschen Bahn bekommt heute mehr als das Zehnfache – und ist damit im Vergleich zu anderen Bossen noch ein armer Schlucker – während die Angestellten heute schlechter gestellt sind als die Beamten damals. Ein anschauliches Beispiel für die Umverteilung von unten nach oben.

  32. hans sagt:

    Es entsteht immer der Eindruck das alles zu teuer ist und der Sozialstaat unbezahlbar. Dem ist definitiv nicht so. Geld ist das wenigste an dem es mangelt.
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/banken-und-sparkassen-horten-milliarden-in-tresoren-wegen-strafzins-a-1185548.html

  33. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Habe in einem Buch etwas gelesen, was perfekt in wenigen Worten meine Sicht der Hauptproblematik der noch einigermaßen demokratischen Welt beschreibt. (Naomi Klein, „Gegen Trump“, Seite 245.)

    Lieber Herr Büge/“Bronski“, ich möchte diese brillianten Sätze nicht durch handwerkliche Fehler kaputt machen und zitiere direkt. Bitte um Entschuldigung!

    „Europa, Australien und Nordamerika errichten immer aufwendigere (privatisierte) Grenzfestungen, um sich von Menschen abzuschotten, die in dem Versuch, dem Tod zu entrinnen, fliehen, nicht selten aufgrund von Kräften, die in erster Linie von eben diesen befestigten Ländern entfesselt wurden-sei es durch Handelsabkommen, die den Menschen ihre Lebensgrundlage rauben, durch Kriege oder durch aufgrund des Klimawandels verschärfte Katastrophen.

    Man ringt die Hände wegen der „Migrantenkrise“-doch nicht annähernd im selben Maße über die Krisen, die die Menschen zunehmend zur Migration zwingen.“

    Okay. Man kann erfolgreich Bücher schreiben mit verschachtelten elaborierten Sätzen…

  34. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Ich will nochmal in eigenen Worten beschreiben, warum mir das Thema Neoliberalismus so wichtig ist.

    Neoliberalismus ist vielleicht nicht das einzige Problem, das wir haben. Aber es ist in meinen Augen eine sehr wesentliche Ursache für viele der oben in den Leserbriefen beschriebenen Probleme. Ohne soziale und ökologische Marktwirtschaft wird sich dieser Planet unrettbar aufheizen. Und schon vorher werden viele Menschen unter unwürdigen Bedingungen vegetieren müssen.

    Freie Marktwirtschaft bedeutet, daß es nicht darauf ankommt, für die Konsumenten nützliche Produkte und Dienstleistungen zu generieren, sondern ausschließlich darum, für die Anbieter von was auch immer möglichst viel Profit auszusaugen. Das ist das Prinzip dieser Wirtschaftsform.

    Freie Marktwirtschaft hat sich nicht bewährt. Das zeigt die Geschichte. Die Diktatur des Proletariats hat sich auch nicht bewährt. Auch das zeigt die Geschichte. Echte (!) soziale Marktwirtschaft hat allen genutzt. Auch das hat die Geschichte gezeigt. Jetzt braucht es so dringend wie nur was eine ökosoziale Marktwirtschaft.

    Dies habe ich vorher zur Erklärung geschrieben:

    Marktwirtschaft gibt es in 2 Varianten. Es gibt sie einerseits möglichst frei von Regeln. Und auf der anderen Seite gibt es sie durch Regeln mehr oder weniger sinnvoll eingehegt.
    Eine von Regeln befreite Marktwirtschaft, wie sie Milton Fridman gefordert hat, läßt jene reicher und mächtiger werden, die bereits reich und mächtig sind. Sie können frei bestimmen, wer wieviel für ihre Produkte und Dienstleistungen zahlen muß. Dabei orientieren sie sich am eigenen Wohl und nicht am Wohl der Konsumenten. Diese Superreichen können Politiker kaufen, die dann in ihrem Sinne handeln müssen und nicht im Sinne der Konsumenten.
    Milton Fridman hat sein Wirtschftskonzept zum ersten Mal in Chile ausprobiert in Zusammenarbeit mit dem damaligen Diktator Augusto Pinochet. Das ist ein Politiker gewesen, der ihm nicht genehme Menschen aus Hubschraubern ins Meer fallen ließ. Und auch sonst viel folterte. Danach wendete Herr Fridman diese Methode der freien Marktwirtschaft in anderen Militärdiktaturen an. Später begeisterte er die erzkonservativen demokratische Staatsoberhäupter Ronald Reagan und Margret Thatcher für seine Ideen. Er und seine Anhänger zwangen weiteren Staaten sein System auf, die irgendwie in Schwierigkeiten gerieten und Geld brauchten. Zum Beispiel Armutsländer in Afrika und Asien. Ein jüngeres Beispiel dafür in Europa ist Griechenland.
    Freie Marktwirtschaft schadet fast allen. Und nutzt nur sehr wenigen. Diesen wenigen aber nutzt es exorbitant.
    Das andere Extrem ist die Planwirtschaft, wo möglichst alle wirtschaftlichen Tätigkeiten möglichst zentral von einigen wenigen Mächtigen festgelegt wird. Auch sie funktioniert nicht, weil man die individuellen Bedürfnisse der Menschen nicht zentral festlegen kann.
    Also muß es ein Ding dazwischen geben, das besser funktioniert. Vor allen Dingen muß es einen sozialen Ausgleich geben, damit die Reichen nicht zu reich und die Armen nicht zu arm werden. Unserer endlicher Planet Erde darf nicht ausgeplündert und überlastet werden. Wir dürfen nicht nur an uns, sondern müssen auch an die nachfolgenden Generationen denken. Und bei politischen Entscheidungen muß die Stimme jedes einzelnen zählen und nicht sein Besitz. Damit man gute politische Entscheidnungen treffen kann, braucht man Zugang zu „wahren“ Informationen, also Informationen, die nicht manipuliert sind. Frankfurter Rundschau für alle! 🙂

  35. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Ein bißchen was Metakommunikatives:

    Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler. Trotzdem äußere ich mich zu Politik und Wirtschaft. Weil mir einige Dinge in Politik und Wirtschaft gar nicht gefallen. Ja, ich finde manchmal schlimm, was so passiert.

    Da ich einen zeitaufwendigen Beruf ausübe und Familie habe und abgesehen vom Mailen noch andere Hobbys, recherchiere ich nicht bis ins Letzte, wenn ich einen Leserbrief schreibe oder mich im FRBlog äußere. Ich verlasse mich da einfach auf mein Gedächtnis, was ich in der FR oder in Sachbüchern mal gelesen oder was ich persönlich erfahren habe. Und ich tippe im Blog relativ schnell blind und mit 10 Fingern in den PC, ohne die Rechtschreibung nochmal zu kontrollieren.

    Ich wünsche mir für 2018, daß wir uns sachlich über Argumente austauschen.

    Jemanden als Person fertig machen zu wollen, indem man auf Geburtsdaten oder Rechtschreibfehler hinweist, ist vielleicht in der DKP oder KPD mangels sonstiger Argumentationskraft üblich gewesen. Hier gehört das nicht hin.

    Willy Brandt ist übrigens in den 90er Jahren gestorben (könnte jetzt recherchieren, wann genau), hat 1989 noch eine Rede gehalten, an die ich mich erinnere, hat Wahlergebnisse kommentiert, die ich mit Interesse verfolgt habe. 1990 war ich 26 Jahre alt und schon erwachsen.

    Frohes Neues Jahr,

    hoffentlich verschwenden wir es nicht mit sinnlosen oder schädlichen politischen Entscheidungen. Wir haben keine Zeit dafür!

  36. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Hinter dem Wort „Griechenland“ noch folgende Sätze einfügen:

    Und er überzeugte, und das ist dramatisch und hinterhältig, Führer sozialdemokrtischer und grüner Parteien von seinem Konzept. Toni Blair und gerhard schröder seien genannt, joschka fischer et al. Das war der Durchbruch seiner asozialen und unökologischen Methode. Unter diesem Coup haben linke Parteien und insbesondere die SPD noch heute zu leiden. Sie sind noch nicht geheilt.

  37. hans sagt:

    In einer Demokratie ist der Wähler gefordert das zu Regeln nicht die Regierung. Die Regierung macht was der Wähler, in der Masse, will. Wenn er aber nichts will dann macht sie was sie will.

  38. @Ralf-Michael Lübbers
    Was meinen Sie eigentlich mit Neoliberalismus? In der Volkswirtschaft war das mal eine Bezeichnung für eine Richtung, die die Grundlage der sozialen Marktwirtschaft ist. Inzwischen bezeichnet sich kein Volkswirtschaftler mehr als neoliberal.
    Sie meinen aber vermutlich den politischen Kampfbegriff «Neoliberalismus». Kampfbegriffe eignen sich aber nicht besonders gut für sachliche Diskussionen.
    Aus Ihrem Beitrag ist erkenntlich, dass Sie ein Leser von Naomi Klein sind. Frau Klein ist aber mMn nicht unbedingt für eine differenzierte Analyse bekannt, sondern eher als Vereinfacherin.
    An allem ist Milton Friedman schuld. Wenn die Welt doch nur so einfach wäre.
    Schauen wir doch einfach mal in Wikipedia nach, was M. Friedman so wollte und ob das bei uns umgesetzt wurde.
    Er war für die Freigabe von Cannabis. Fehlanzeige.
    Er forderte die Abschaffung der Wehrpflicht in Friedenszeiten. Haben wir gemacht.
    Er forderte die Einführung von Bildungsgutscheinen. Fehlanzeige.
    Er forderte die Abschaffung der «Sozialbürokratie» und Einführung einer negativen Einkommenssteuer, was etwa einem bedingungslosen Grundeinkommen entspricht. Fehlanzeige.
    Er forderte eine 100%ige Mindestreserve. Damit können die Banken kein Geld mehr schöpfen. Das aber z. B. auch vom ökologischem Steuerreformer und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger gefordert wird. Fehlanzeige.
    Er wünschte sich einen schlanken Staat mit einer Staatsquote von höchsten 10%. Unsere Staatsquote liegt bei 44%. Fehlanzeige.
    Ich bin kein Anhänger M. Friedmans. Aber zu behaupten, dass seine Ideen umgesetzt wurden und für alles Unglück dieser Welt verantwortlich sind, halte ich für eine falsche Simplifizierung. Simplifizieren ist ein typisches Argumentationsschema von Populisten.
    Dass Sie die Ära Brandt zurückwünschen, kann ich mir nur dadurch erklären, dass Sie zu jung waren, um sie bewusst zu erleben. 1970 gab Deutschland 12.4% des BIP für die Sozialversicherung aus, heute sind es 19%. Ich möchte nicht zurück.

  39. hans sagt:

    Ich kann jetzt nicht sagen ob ich die Ära Brandt mir zurück wünschen würde. Die Lohnquote von damals würde ich ungeprüft nehmen. Sie war sicher ca 10% höher als heute. Mit der Lohnquote heute hätten wir einige Probleme weniger.

  40. Jürgen Malyssek sagt:

    @ Henning Flessner / Ralf-Michael Lübbers

    „Neoliberalismus bezeichnet die Neubelebung wirtschaftsliberaler Ideologien seit Mitte des 20. Jahrhunderts. N. fordert eine freiheitliche, marktwirtschaftliche Wirtschaftsordnung mit entsprechenden Gestaltungsmerkmalen wie privates Eigentum an den Produktionsmitteln, freie Preisbildung, Wettbewerbs- und Gewerbefreiheit; staatliche Eingriffe in die Wirtschaft werden jedoch nicht völlig abgelehnt, sondern auf ein Minimum beschränkt.“
    Ich habe diese Definition mal in einer meiner Schriften gehabt (wikipedea?).
    Egal – Friedman hin, Friedman her: Das ist eine sehr dezente Beschreibung des Neoliberalismus, aber noch gut verständlich
    Ich kann mit dem „schlanken Staat“ (die Lieblingsideologie der FDP) leider aus meinen Erfahrungen mit der Armutsentwicklung in unserem reichen Land nicht viel anfangen.
    Aber anscheinend ist die allgemeine Wahrnehmung für diese Wirklichkeit nicht sehr ausgeprägt.

    Es ist nicht alles eine Simplifizierung und ein Argumentsschema von Populisten, wenn mann die ökonomischen und sozialen Entwicklungen in Deutschland unter die Überschrift und den Folgen des Neoliberalismus (System) stellt.

    Und es ist – bei einer gewissen Verkürzung – auch kein „Kampfbegriff“, entsachlicht nicht die Diskussion, nur wenn mal die wirtschaftswissenschaftliche Expertensprache etwas kürzer kommt.
    Das mag mir hier auch als verkürzt und unsachlich vorgeworfen werden, wenn ich behaupte, dass das recht lange existierende gesellschaftliche Gut ‚Soziale Marktwirtschaft‘ schon lange im Sterben liegt.
    Für bestimmte Bevölkerungsschichten mag dieser Zustand überhaupt nicht erkennbar und akzeptiert sein.
    So ist das aber leider mit der Wahrnehmung der Wirklichkeiten der verschiedenen Lebenswelten und menschlichen Schicksalen im Lande.

  41. Brigitte Ernst sagt:

    @ Jürgen Malyssek

    Danke, Sie sind mir mit Ihrer Definition des Begriffs „Neoliberalismus“ zuvorgekommen. Diese Ideologie ist gerade nicht mit der sozialen Marktwirtschaft gleichzusetzen, sondern führt von ihr weg.
    Merkmale dieses neoliberalen Ideologie waren z.B. die sogenannte Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, weniger euphemistisch ausgedrückt die Aufweichungen des Arbeitsrechts: Reduzierung des Kündigungsschutzes, Verlängerung der Arbeitszeit, Ausbau der befristeten Beschäftigungsverhältnisse, Sonderregelungen für Leiharbeit und nicht zuletzt die Verkürzung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.

  42. „Neoliberalismus ist die Bezeichnung einer breiten und heterogenen theoretischen Strömung, zu der die Freiburger Schule (Ordoliberalismus) und die Chicagoer Schule, aber auch Vertreter der Österreichischen Schule wie Friedrich August von Hayek gerechnet werden, obwohl die Abgrenzung der einzelnen Schulen und die Zuordnung einzelner Personen strittig ist. Neben der wirtschaftsgeschichtlichen Bedeutung gibt es neuere Begriffsverwendungen von Neoliberalismus als politisches Konzept, Entwicklungsmodell, Ideologie und akademisches Paradigma sowie als politisches Schlagwort bzw. „Kampfbegriff“ oder „politisches Schimpfwort“. Neoliberalismus erscheint heute als wesensmäßig umstrittener Begriff (Essentially Contested Concept).“ (aus Wikipedia).
    Für mich ist ein bedingungsloses Grundeinkommen und Abschaffung der Wehrpflicht Neoliberalismus.
    Das zeigt, wohin man kommt, wenn Begriffe nicht sauber definiert sind.

  43. hans sagt:

    Das Problem ist das die allermeisten erst merken das sich der Kündigungsschutz geändert hat wenn sie betroffen sind. Große Teile der Politik haben gemerkt das sie mit schönen Sonntagsreden ihre Wähler ruhig stellen können wenn sie in kleinen Schritten das Gegenteil machen von dem was sie sagen. Man kann dem Wähler nicht abnehmen das er sich informieren muss bevor er/sie zur Wahlurne geht. Das ist übrigens der Hauptgrund warum ich für direkte Demokratie bin in der Hoffnung das man so ein Umdenken einleiten kann sonst haben wir hier auch bald auch österreichische Verhältnisse. Auch wenn mal eine Abstimmung schief geht.

  44. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Ich dachte doch, dass ich für die Negativentwicklung weg von der sozialen Marktwirtschaft, die Michael Lübbers anspricht, einige inhaltliche Beispiele genannt hätte. Ob man das jetzt Neoliberalismus, Deregulierung oder sonstwie nennt, ist für mich ziemlich nebensächlich. Auf die Konsequenzen für den kleinen Mann/die kleine Frau kommt es doch an: Verlängerung der Arbeitszeit, Sinken des Realeinkommens, Prekarisierung der Arbeit.
    Kann es sein, dass Sie nicht in die Zeit von Willy Brandt zurückwollen, weil Sie als auf Managerebene Arbeitender von der Entwicklung der letzten 20 Jahre eher profitiert haben?

  45. @Brigitte Ernst
    Ich will nicht in die Ära Brandt zurück, weil ich den Mindestlohn nicht abschaffen will, das Kindergeld nicht reduzieren will, die Elternzeit nicht abschaffen will, die Frauenquote nicht abschaffen will, etc., etc.,etc..

  46. @Bronski
    Prosit Neujahr!

  47. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner

    Sie haben recht, man sollte vor lauter Meckern die vielen Fortschritte, die es in den letzten 40 Jahren gegeben hat, nicht aus den Augen verlieren.
    Ich werde es mir zu Herzen nehmen.
    Auf ein gutes neues Jahr!

  48. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Bißchen wenig Zeit. Neues Quartal…

    Mich widert diese Politik an, die zuläßt, daß man sie kaufen kann. Damit sie den Interessen derer dient, die sie gekauft haben. Damit die noch mehr Geld haben ,um noch mehr Politiker kaufen zu können, um noch mehr Geld zu bekommen.

    Lobbyismus. Korruption. Demokratieverächter.

    Mich widert diese Wirtschaft an, die nur noch produziert, was Geld bringt für die, die schon unendlich viel davon haben, und sich nicht im geringsten dafür interessiert, was Nutzen bringt für die übrigen Menschen.

    NEOLIBERALISMUS.

    „Der Neoliberalismus ist…eine Theorie…, die davon ausgeht, dass man den Wohlstand der Menschen optimal fördert, indem man…Fähigkeiten freisetzt…innerhalb eines… Rahmens, dessen Kennzeichen gesicherte private Eigentumsrechte, freie Märkte und freier Handel sind.“ (Aus dem Buch „Kleine Geschichte des Neoliberalismus“)

    Ich will diese Politik nicht! Ich will nicht freie Märkte. Denn freie Märkte dienen ausschließlich den Interessen der Mächtigen und Reichen. Sie machen sie noch mächtiger und reicher.

    Ich will nicht, daß die Menschen „der Wirtschaft“ dienen. Sondern…raten Sie mal…

    Ich will Umverteilung von oben nach unten so lange, bis alle würdevoll leben können. Jeder einzelne Mensch, der unnötig leidet, ist ein Mensch zu viel. Der Kuchen, den es zu verteilen gibt, ist nicht unendlich groß. Denn dieser Kuchen wird auf dieser endlichen Kugel namens Erde gebacken. Deshalb ist es oft so, daß der eine nur viel haben kann, wenn er dem anderen was wegnimmt.

    Ich will Marktwirtschaft, die durch sinnvolle Regeln den Planeten am Leben erhält und Menschen würdig leben läßt.

  49. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Frau Ernst schreibt:

    „Sie haben recht, man sollte vor lauter Meckern die vielen Fortschritte, die es in den letzten 40 Jahren gegeben hat, nicht aus den Augen verlieren.“

    Es gibt Forschritte. Es gibt aber nicht genug Fortschritte. Und es gibt gewaltige Rückschritte. Diese Gefahren können unseren Planeten zerstören. Wir als Menschen sind zum ersten Mal in unserer Geschichte in der Lage, unseren Planteten zu zerstören. Atombomben. Atomkraftwerke. Steigender Treibhausausstoß. …

    Entscheidend ist nicht, wie die Welt ist, sondern wie sie sein könnte, wenn man sie „richtig“ behandelte. Wir, die wir Einfluß haben, sollten diesen gut nutzen. „Wer Gutes tun kann und nicht tut, der sündigt“, habe ich mal gelesen.

  50. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Das habe ich eben als Leserbrief an Herrn Büge/“Bronski“ geschickt…

    Moin lieber Herr Büge/“Bronski“, (Anmerkung für Sea Watch: Ich war von
    Mitte November bis Mitte Dezember als Arzt auf der Sea Watch 3)

    25 Menschen sind kürzlich wieder im Mittelmeer ertrunken, berichtet Sea
    Watch laut Frankfurter Rundschau vom 8.1.18. Und das Jahr hat erst
    angefangen.

    Wo bleibt der Aufschrei über das, was nahezu pausenlos an dieser
    tödlichsten Grenze der Welt geschieht? Man stelle sich vor, eines Tages
    wären an der ehemaligen DDR-Grenze (dem „Todesstreifen“) 25 Flüchtlinge
    erschossen worden. Und das passierte dann immer und immer wieder. Alle
    wären zu Recht empört über diese Honeckers und Mielkes.

    Wie verkommen ist es, auf unschuldige Menschen zu schießen! Nicht
    weniger verwerflich ist es aber, Menschen in Seenot ertrinken zu lassen!
    Oder in der Sahara verdursten. Oder auf dem eigenen Acker verhungern.

    Kleines Update: Die Verhandler der großen Koalition sehen sich
    unpäßlich, die sowieso nicht ausreichenden und unambitionierten
    bundesdeutschen Klimaschutzziele für 2020 zu erreichen. Kindergarten.
    Dadurch wird es weltweit mehr Dürre und Überschwemmung und Krieg geben.
    Und ausgerechnet jene Politiker, die am heftigsten die finanziellen
    Interessen der Kohlekraftwerksbesitzer schützen, werden am größten
    maulen, wenn die Verlierer dieser Politik berechtigterweise Schutz bei
    uns suchen.

    Doch kein Kindergarten. Was für eine widerliche Heuchelei!

  51. Barbara Eilers sagt:

    @ Herrn Lübbers: ich unterschreibe!!
    Und jetzt wieder GroKo. Da geht scheint es keinWeg dran vorbei. Adieu Minderheitsregierung. Weiter so Export-und Kohleland! Weiter so mit der Sanktionspolitik und Hartz IV. Weiter so gemeinsam im Boot mit Dobrindt und seiner konservativen Wende.
    Keine schönen Aussichten. Da kann auch das Elterngeld und das erhöhte Kindergeld für Besserverdienende nicht hinweg trösten. Davon haben diejenigen, die es am Nötigsten hätten nämlich mal wieder gar nix.

  52. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    War gestern bei einem attac-Treffen. Unter anderem sollte ich über meinen Einsatz bei Sea Watch berichten (man soll sein Licht nicht unter den Scheffel stellen…).

    Überraschenderweise waren 2 Flüchtlinge anwesend. Einer berichtete, wie er teilweise zu Fuß bis nach Libyen lief. Dort sei er zusammen mit 300 anderen Leuten in einem Gebäude untergebracht gewesen. Sie hätten nicht auf die Straße gedurft, weil sie dann festgenommen worden wären. Im Gefägnis würde man gefoltert. Aber auch in dem zivilen Gebäude sei es unerträglich gewesen. Heiß. Man habe sich nicht waschen können. Es habe einen Eimer für die Notdurft gegeben, für alle. Und dieser Eimer stand ungeschützt in einem Raum, in dem sich die anderen Personen befanden. „Lieber auf dem Mittelmeer sterben als in Libyen“, sagte dieser Flüchtling. Im überfüllten Schlauchboot nach Italien. Sterben oder überleben. Unterwegs von einem Schiff gerettet. Überlebt. Glücklich!

    Ich fragte den zweiten Flüchtling, wie es bei ihm gewesen sei. Kontingent-Flüchtling aus Syrien, er sei mit dem Flugzeug gekommen. Oh, das ist ja bequem, dachte ich (ich sprachs nicht aus). Dann berichtete er, seine Tante und Familie mit Kindern sei später auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland ertrunken. 5 seiner Verwandten sind ertrunken. Ich war geschockt, weil ich mit dieser Wendung nicht gerechnet habe.

    So sieht`s aus. Ich finde, da kann man mal meckern! Und fordern, daß es besser laufe! Nicht nur für „uns geht`s ja gut“. Sondern für alle!

    Technisch möglich ist das. Nur und ausschließlich die falsche Politik verhindert dies! Und dazu mein zweiter Kommentar…

  53. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Schon wieder ich…Ich bin heute in Mecker-Stimmung…

    Ist die Welt gut, so, wie sie ist? Man kann das so sehen. Und fordern, das alles so bleibe, wie es ist.

    Wenn eigentlich genug für alle da ist, für ein erfülltes Menschenleben, aber einige Dreck einatmen müssen, Dreck trinken müssen, kaum zu essen haben, manchmal nichts zu essen haben, immer zu wenig, immer schlecht, nein, nicht einige, sondern viele, wenn viele von Gewehrkugeln getroffen oder von Bomben zersplittert werden, einfach weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind, wenn unsere Generation dafür sorgt, das die nachfolgenden Generationen und alles Leben auf dieser Welt in nächster Zukunft nicht mehr leben kann, und das nur, damit einige wenige tausend? ununununfaßbar reich sind…mir fehlen die Worte,

    dann muß man gucken, was sind die Ursachen, und wie kann man sie beseitigen. So sehe ich das als Mensch.

    Und nochmal meine (!) Ausgangsthese: So wie Lungenkrebs hauptsächlich durch Rauchen verursacht wird und durch Rauchen und ganz nebensächlich durch Radon und (lt. Herold: Innere Medizin nach dem Gegenstandskatalog) 32 weitere nebensächliche Ursachen), und so wie wenn man Lungenkrebs verhindern will man die Tabaksteuer heraufsetzen muß ins Astronomische und fertig, so ist eine alles überragende Ursache für unerträgliche Armut und unerträglichen Reichtum …bitte hinsetzen und durchatmen, vielleicht lieber nicht weiterlesen…

    die NEOLIBERALE Ideologie.

    It`s neoliberalism, stupid! Die Ideologie, daß Marktwirtschaft möglichst „frei“ sein sollte und am Ende ganz frei (totalitär!) ist der entscheidende Faktor dafür, daß es so vielen so schlecht geht. Vermeidbar schlecht.

    Freie Marktwirtschaft (als Endziel des Neoliberalismus) macht Reiche kontunuierlich reicher und politisch mächtiger und dadurch noch reicher und noch mächtiger. Er zerstört die Demokratie, weil nicht mehr jede einzelne Stimme zählt, sondern jeder einzelne Dollar oder Euro. Er befördert Rechtspopulismus und -extremismus (sehr schön nachzulesen im Buch „Der neue Bürgerkrieg/Das offene Europa und seine Feinde“ von Ulrike Gue´rot).

    An dieser zentralen Schraube neoliberale Ideologie muß man drehen, wenn man die Welt besser machen will. Man kann weiterhin Müll trennen, öffentliche Verkehrsmittel benutzen, mal für die Welthungerhilfe spenden, blahblahblupp alles wichtig und richtig. Aber die neoliberale Ideologie muß entlarvt werden als Ideologie ausschließlich zum Nutzen der Reichen und Mächtigen. Sie muß raus aus den Programmen von SPD und Grünen. Und hat auch bei der Volkspartei CDU eigentlich nichts zu suchen (sach ich mal als NichT-CDU-Wähler).

    Das ist der alles entscheidende Punkt! Wie beim Rauchen und Lungenkrebs. In den 80er Jahren, als ich mit dem Medizinstudium anfing, gab es mal eine Diskussion über Formaldehyd in Spanplatten. Formaldehyd erzeugt Krebs. Keine Frage. Ein Bekannter meiner Eltern, Raucher, schmiß alle Spanplatten-Möbel aus seiner Wohnung. Ein Jahrzehnt später erschoss er sich. Lungenkrebs. In meiner Berufslaufbahn habe ich bisher eine Patientin erlebt mit Lungenkrebs, die nicht geraucht hat und nicht zwangsberaucht wurde (nach eigenen Angaben). Alle anderen Lungenkrebspatienten, die ich kennengelernt habe, waren Raucher oder Ex-Raucher. Rauchen ist nicht die einzige, aber die alles entscheidende Ursache für Lungenkrebs (lt. Lehrbuch allerdings nur für 90% der Lungenkrebsfälle verantwortlich). Wer sein Lungenkrebsrisiko verringern will kann Spanplatten entsorgen, darf aber vor allem nicht rauchen. Und genauso einfach (jetzt kommt das Donnerwetter von Herrn Flessner, ich höre es schon vom Ammerland nach Ostfriesland herüberkrachend) genauso einfach ist die Scheiße sorry aus der Welt zu kriegen. It`s neoliberalism stupid!

    Medizin kann kompliziert sein. Woran man sich als Allgemeinmediziner und überhaupt als Arzt orientieren kann, ist: Das Häufige ist häufig, das Seltene ist selten. So ist es auch im außermedizinischem Leben: Drehe ich an einer zentralen Schraube, kann ich viel erreichen. Drehe ich an allem möglichen, nur nicht an der zentralen Schraube, erreiche ich nullkommanix!

    Wenn jemand den Zustand dieser Welt nicht gut findet und eine andere Idee oder 100 oder 1000 andere Ideen hat, wie man es ändert, der kann das ja mal schreiben:-)

    Sorry, etwas lang geworden. Aber hier ist das ja erlaubt! 🙂

  54. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Kleine Frage, Herr Büge/“Bronski“, kein Leserbrief, hat mit das (?) Blog nichts zu tun:

    Inwiefern spielt das Kopftuch in der Kolumne von Herrn Harry Nutt eine Rolle („Das Rettende wächst -langsam“), gestrige FR, Seite 10? Die über 90 jährige Mutter mußte mit einer schwerwiegenden Diagnose warten, bis der Arzt sie behandelte. Das ist kritisierenswert. Eine junge Dame, die in Ohnmacht gefallen war, ist sofort behandelt worden. Schlaganfälle und Herzinfarkte gibt es auch bei jungen Patienten. Mein jüngster Herzinfarktpatient ist 25 Jahre alt. Ob die junge Dame nun ein Kopftuch trug oder nicht, ist doch in diesem Zusammenhang völlig egal.

    Ich habe übrigens eine tolle kopftuchtragende Azubi in meiner Praxis. Sehr freundlich. Interessiert. Mitfühlend. Übersetzt hervorragend arabisch (soweit ich das beurteilen kann, …ich kann`s eigentlich nicht beurteilen…

  55. @Ralf-Michael Lübbers
    Ich will Sie nicht enttäuschen.
    „und so wie wenn man Lungenkrebs verhindern will man die Tabaksteuer heraufsetzen muß ins Astronomische“
    Man muss das Rauchen nur verbieten, dann gibt es kaum noch Lungenkrebs. Seit wir das Heroin verboten haben, gibt es ja auch keine Drogentoten mehr.

  56. werner.h sagt:

    Die Einzelschicksale berühren uns, aber die Massen erschrecken uns. Eine ausweglose Situation, an der sich nichts ändern wird.

  57. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Ihre Idee ist es, Armut zu verbieten, richtig, Herr Flessner? Heroin verboten, keine Herointoten (deshalb habe ich noch keinen Herointoten gesehen…). Tabak verbieten, keine Tabaktoten. Armut verbieten, keine Armut. Und das Beste: Der Tod muß abgeschafft werden. Diese Schweinerei muß aufhören. Tod verbieten.

    Ok, ich wäre da jetzt nicht so drauf gekommen erstmal. Sie sind ja ein richtiger Querdenker:-)

    Vielleicht haben Sie ja noch weitere Ideen:-) Ähm, Ideen für eine bessere Welt. Oder?

  58. Brigitte Ernst sagt:

    Ich dachte, Herr Flessner hätte seinen Beitrag vom 13.01., 16:02, ironisch gemeint.

  59. hans sagt:

    Zum Thema Sondierung und GroKo fällt mir etwas, was auch die Berichterstattung in der FR betrifft, besonders auf. Es wurde z.B. kritisiert das es der SPD nicht gelungen ist eine Verlängerung des Arbeitslosengeld 1 durchzusetzten. Vor einem Jahr als die Schulzbegeisterung ihren Höhepunkt erreicht hatte habe ich diese Forderung kritisiert weil ich sie als nicht vorrangig angesehen habe. Damals habe ich als vorrangig angesehen das man das Schonvermögen erhöht und das man mehr in die Qualifizierung von Arbeitslosen investieren muss. Beides steht in dem Sondierungspapier. Das Thema Schonvermögen meine ich sogar 2 mal gelesen zu haben. Dieses Thema kommt in der Berichterstattung der FR soweit ich es gelesen habe gar nicht vor. Für mich sind das die zwei wesentlichen Punkte die in dem Thema Arbeit und Soziales zu behandeln sind und auch behandelt werden. Näheres muss dann der Koalitionsvertrag regeln. Glaubt denn irgend jemand einen Arbeitslosen würde es interessieren ob es eine Bürgerversicherung gibt? Besonders älteren Arbeitslosen ist es wichtig wie es weiter geht und da sind Weiterbildung und Schonvermögen die zentralen Punkte auf die es ankommt. Ob das dann wirklich nicht erwähnenswert ist in der FR das dazu bei der Sondierung zumindest Überschriften genannt wurden?

  60. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Frau Ernst:

    „Ich dachte, Herr Flessner hätte seinen Beitrag vom 13.01., 16:02, ironisch gemeint.“

    Ich auch. Vielleicht war er aber nicht ironisch gemeint. Deshalb meine Frage an Herrn Flessner:

    „Vielleicht haben Sie ja noch weitere Ideen:-) Ähm, Ideen für eine bessere Welt. Oder?“

    An alle:

    Warum schreiben wir hier eigentlich? Um uns unsere Zeit zu vertreiben? Dafür ist mir meine Zeit zu knapp. Ich finde manches nicht ok und hoffe, daß dieses Forum und die veröffentlichten Leserbriefe dazu beitragen können, Probleme zu erkennen und zu beseitigen. (Das allein reicht natürlich nicht. Wir müssen auch Müll trennen.) …Das war ironisch. Meine ursprüngliche Antwort an Herrn Flessner übrigens auch.

  61. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Zu hans:

    „Zum Thema Sondierung und GroKo fällt mir etwas…auf,…“

    Die wichtigen Fragen sind meines Erachtens: Gibt es unter der GroKo Umverteilung von unten nach oben oder von oben nach unten und wieviel? Kann dieser Planet weiterexistieren (ausreichender Klimaschutz ja oder nein). Wie gehen wir mit Nicht-Deutschen um (human oder mörderisch)?

    Schonvermögen, Qualifizierung, Arbeitslosengeld 1, Bürgerversicherung … sind alles Teilaspekte dieser Problematik. Entscheidend ist, was (ich zitiere Helmut Kohl) hinten raus kommt.

    Bürgerversicherung OHNE Beitragsbemessungsgrenze ist meines Erachtens ein ganz wichtiger Schritt, wie es mein Kollege Dr. Pommer in seinem veröffentlichten Leserbrief gut beschrieben hat.

  62. Brigitte Ernst sagt:

    Und wie gehen Nicht-Deutsche mit uns um (human oder mörderisch)?

  63. Anna Hartl sagt:

    @Ralf-Michael Luebbers
    Ihre Frage warum wir hier schreiben finde ich gut.
    Weil uns was auf der Seele brennt!?

    Habe mich dies vor kurzem auch gefragt.
    Ob damit allerdings etwas bewirkt wird ausserhalb des Kreises der Schreibenden, weiss ich nicht.

    Für mich spricht aus Ihren Worten eine große Betroffenheit.

    Ich frage mich nur, wann wir zur Weltpolizei wurden. Deutschland bzw. seine Bewohner werden die Probleme dieser Welt nicht alleine lösen können und wir müssen es auch nicht.
    Wir bekommen ja noch nicht Mal die eigenen gebacken.

    Das heißt nicht Nichtstun, für mich hoehlt der stete Tropfen den Stein.

    Fühle mich nur manchmal von all dem „was nicht läuft“ überfordert.

  64. hans sagt:

    zu @ Ralf-Michael Lübbers
    Man sollte einen Sondierungsvertrag zwischen CDU und SPD nicht mit zu großen Erwartungen überfrachten. Das sie als Arzt die Schwerpunkte anders setzen würden als ein Arbeitsloser sollte auch kaum verwundern. Ich glaube wir sind sogar einer Meinung sind wenn ich die Frage stelle auf wen mehr Rücksicht genommen werden sollte. Das was sie erwarten sollte nach meiner Meinung in dem Parteiprogramm der SPD stehen und auch klar such kommuniziert werden.
    Bei der Sondierungsvereinbarung ist schon als erstes zu begrüßen das die wenn auch kleinen Schritte in die richtige Richtung gehen. Wenn Jamaika gekommen wäre könnte man das so wohl nicht sagen. Man muss aber erst einmal den Koalitionsvertrag abwarten. Besonders beim Thema Energiewende gibt es zwar Ansätze aber diese müssen noch ausformuliert werden.

  65. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @Anna Hartl:

    „Ich frage mich nur, wann wir zur Weltpolizei wurden. Deutschland bzw. seine Bewohner werden die Probleme dieser Welt nicht alleine lösen können und wir müssen es auch nicht.
    Wir bekommen ja noch nicht Mal die eigenen gebacken.“

    @Brigitte Ernst:

    „Und wie gehen Nicht-Deutsche mit uns um (human oder mörderisch)?“

    Wenn ich einen nationalistischen Ton in die Debatte eingeführt habe, war das das Gegenteil von dem, was ich sagen wollte, quasi mir wesensfremd.

    Mir ist es emotional und vom Verstand her sowas von egal, welcher Nation jemand angehört. Wie gut man mit jemandem zurecht kommt, hängt sicher am wenigsten von der Nationalität ab. War vor kurzem auf der Sea Watch 3 vor der libyschen Küste. Das 22köpfige Personal stammte aus 6 Nationen (einer war Franzose und Kanadier, den zähle ich als 2 Nationen). Dazu dann noch die Flüchtlinge aus Schwarz-Afrika und dem Nahen Osten. Daß ich eine Person deshalb gerne mochte, weil sie einer bestimmten Nation angehörte, kann ich nicht sagen. Da spielen eher Interessen und Persönlichkeitseigenschaften eine Rolle.

    Am deutschen Wesen soll die Welt nicht genesen. Sea Watch beispielsweise ist zwar eine deutsche Organsisation, wenn aber nur Deutsche auf dem Schiff gewesen wären, hätten wir keinen Kapitän, keinen Maschinisten, nur einen Schiffingenieur statt zweien gehabt, und wir wären im Hafen von Malta verreckt.

    „Wie sollen wir (Deutsche) mit Nicht-Deutschen umgehen“, war sicher eine unglückliche Formulierung. Eigentlich wollte ich sagen, wie sollen Menschen mit Menschen umgehen. Ich wollte den Begriff „Flüchtling“ bzw. „Geflüchteter“ verallgemeinern zu, idiotischerweise zu deutsch bzw. nicht-deutsch. Vergessen Sie`s! Bullshit.

    Natürlich erwarte ich von Nicht-Deutschen, daß sie sich genauso humanitär und nicht-mörderisch verhalten wie…oje, hoffentlich nicht so, wie „wir“ Deutschen. Die Deutschen. Der Deutsche an und für sich. Das Deutschsein. D-Tümelei…Die Menschen in den Industrieländern, zu denen Deutschland gehört, sind leider durch ihren grenzenlosen Hyperkonsum nicht die Lösung sondern viel mehr eine Ursache für die Probleme dieser Welt. Warum sind wir das? Weil wir in Deutschland geboren wurden? Durch die Macht der Geographie? Durch deutschen Mutterboden?

    Die Leute, die hier aufwachsen (meine in Beirut geborene und seit dem 6. Lebensmonat (?) in Deutschland lebende Auszubildende beispielsweise) werden stark durch die hiesige Kultur bzw. wohl richtiger Kulturenbeeinflußt. Und die reicht von Frankfurter Rundschau bis Bildzeitung, von Panorama bis Deutschland sucht den Superstar, von Anti-Fußball bis Schwimmen, von peergroup bis peergroup. Es interessieren sich mehr Jugendliche für adidas als für No Logo (so meine Beobachtung).

    Unser Lebensstil ist nicht nachhaltig. Wir (die Menschen in den Indutrieländern) leben auf Kosten der Menschen in den Armutsländern. Wärt ihr nicht bitter arm, wären wir nicht (verhältnismäßig) reich. Unsere billige Jeans ist euer fehlender Lohn. Unser SUV ist euer fehlend Brot. (Ich hasse SUV und fahre so was nicht, sondern Bus und Rad und VW Polo.)

    Sie haben recht: Wir bekommen nicht mal unsere eigenen Probleme gebacken.

    Aber das sollten wir!

    Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?

    Das leitet zur zweiten Frage über…

  66. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    „warum wir hier schreiben“

    Ich gebe zu, daß ich ganz gerne lese und ganz gerne schreibe. Und wenn ein Leserbrief veröffentlich wird, fühle ich mich gebauchpinselt. Und das FR Blog macht mit anderen Sichtweisen bekannt. Wobei ich mich manchmal wundere, ob einige Schreiber versehentlich auf die FR weitergeleitet werden, obwohl sie eigentlich FAZ eingegeben haben…

    Aaaber:

    Wenn ich nicht erkältet wäre, würde ich jetzt ne Runde schwimmen. Zwei Sekunden in die Sauna gehen und so was von rausfliegen (montags ist Damen-Sauna). Und mich doch wieder ans Schreiben setzen. Weil:

    Es müßte nicht so vielen Menschen so schlecht gehen, wenn wir eine vernünftige Politik machen würden. Eine, die sich daran orientiert, was wirklich nützlich ist für die Menschen. Die nicht fürdert, was den Menschen schadet. Die sich auch an den Interessen der anderen Lebewesen orientiert.

    Ich weiß, das klingt totalitär. …Muß ich später beenden…Schwiegermutter hat Geburtstag.

  67. Brigitte Ernst sagt:

    @ Ralf-Michael Lübbers

    Erst einmal meine Hochachtung für Ihre Arbeit auf der Sea Watch 3!

    Was unser Selbstbild als Deutsche angeht, so fällt mir auf, dass Sie unsere Bevölkerung offenbar sehr negativ sehen. Das ist durchaus ein Charakteristikum unserer Mentalität. Wir, zumindest meine Generation, sind mit dem Bewusstsein aufgewachsen, zum Tätervolk zu gehören, das große Schuld auf sich geladen hat und deshalb – positiv ausgedrückt – eine besondere Verantwortung trägt oder – negativ ausgedrückt – sich fortan in Sack und Asche zu kleiden habe. Immer noch, nach fast 75 Jahren, müssen wir uns unserer Vergangenheit stellen und Wiedergutmachung leisten. Und wir tun es, mehr als viele andere Völker, deren Vorfahren großes Leid über die Menschheit gebracht haben. Sollte man das nicht auch anerkennen?
    Diese Selbstverpflichtung spielte sicher bei dem, was man Willkommenskultur nennt, eine wichtige Rolle und hat dazu geführt, dass wir neben Schweden im Verhältnis zu unserer Bevölkerungsgröße mehr Flüchtende aufgenommen haben als alle anderen europäischen Länder. Kann man das nicht auch mal anerkennen, bevor man immer mehr Zuwanderung fordert, obwohl wir die Anforderungen, die die bisher Angekommenen an uns stellen, doch offensichtlich noch nicht verkraftet haben?

    Dass bei uns eine besondere Deutschtümelei herrscht, kann ich nicht finden. In Frankreich und den USA wehen die Fähnchen bei allen möglichen Events, und die Nationalhymne wird, mit Hand auf dem Herzen, bei jeder Gelegenheit andächtig geschmettert. Nur in Deutschland ist das verpönt und wird mit brauner Verirrung gleichgesetzt. Ich finde, da wird mit zweierlei Maß gemessen.

    Was Sie von Ihren Erfahrungen mit den Vertretern der verschiedenen Nationen auf der Sea Watch erzählen, kann ich nachvollziehen. In solchen Zusammenhängen findet sich ja auch eine besondere Auswahl von Zeitgenossen zusammen, nämlich solche, denen humanitäre Hilfe wichtig ist, sonst würden sie diese Arbeit nicht leisten.
    Auch mir ist es bei der Beurteilung eines Menschen nicht wichtig, welche Hautfarbe er hat. Es kann aber durchaus von Bedeutung sein, in welchem Kulturkreis er sozialisiert wurde und was für eine Einstellung er demzufolge zu den Menschenrechten hat. Und da steht für mich als Frau die Auffassung vom Miteinander der Geschlechter im Vordergrund. Und leider finde ich da bei einem nicht unerheblichen Anteil unserer bisherigen Zuwanderer – auch schon aus früheren Zeiten – erhebliche Defizite. Man kann es Vorurteil nennen, ich nenne es logische Schlussfolgerung, dass Männer aus Ländern, in denen die Frauenrechte mit Füßen getreten werden, dieses Geschlechterbild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht automatisch an unserer Grenze ablegen, sondern in unser Land importieren – was sich bisher ja auch gezeigt hat. Ist es da zu verurteilen, wenn ich mich nicht unbedingt über jeden (vor allem männlichen) Zuwanderer freue, der uns „geschenkt wird“ (Göring-Eckhardt-Sprech), sondern dass es mir lieber wäre, wenn wir uns bei der Aufnahme auf solche beschränken würden, deren Leben tatsächlich bedroht ist?

    So, das reicht für heute. Zur Ausbeutung der Drittweltländer durch Europa und Nordamerika ein anderes Mal.

  68. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Zu Frau Ernst:

    „Was unser Selbstbild als Deutsche angeht, so fällt mir auf, dass Sie unsere Bevölkerung offenbar sehr negativ sehen.“

    Nein. Ich habe beim Schreiben gar nicht an den Holocaust gedacht. Für mich spielt die Nation/Nationalität schlicht keine Rolle. Es kommt darauf an, wie die jetzt lebenden Menschen handeln. Ob sie sich solidarisch verhalten oder unsolidarisch. Ob sie Probleme lösen oder Probleme schaffen.

    Die Menschen in den Industrieländern sind darauf sozialisiert, bedenkenlos zu viel zu konsumieren auf Kosten der Menschen in den armen Ländern. Und auf Kosten der Natur. Das ist mörderisch.

    Waffen werden verkauft, nicht um Frieden zu schaffen, sondern um viel Geld damit zu verdienen. Produkte werden konsumiert, die völlig sinnlos sind oder den Konsumenten sogar schaden. Und produziert werden sie mittels Ausbeutung von Menschen und Umwelt in den Armutsländern, aber auch bei uns zu Hause.

    „Zur Ausbeutung der Drittweltländer durch Europa und Nordamerika ein anderes Mal.“ Gerne!

    Sie schreiben:

    „Auch mir ist es bei der Beurteilung eines Menschen nicht wichtig, welche Hautfarbe er hat. Es kann aber durchaus von Bedeutung sein, in welchem Kulturkreis er sozialisiert wurde und was für eine Einstellung er demzufolge zu den Menschenrechten hat.“

    Da gebe ich Ihnen recht. Es ist nur so, daß man nicht verallgemeinern kann. Die Kultur (oder die einzelnen Kulturen in einem Gebiet) fördert humane oder inhumane Einstellungen und Verhaltensweisen. Nicht jeder von Hitler oder Stalin oder Pol Pot und Konsorten indoktrinierte Mensch ist aber zu einem Verächter menschlichen Lebens geworden. Man hat schlicht Glück, wenn man in einer menschenfreundlichen Umgebung aufwachsen darf. Und Glück, wenn die Gene oder was auch immer verhindern, daß man in einer menschenfeindlichen Umgebung menschenfreundlich bleibt.

    Wenn ein nach Deutschland geflüchteter Mensch in Deutschland in Deutschland Verbrechen begeht, gehört er bestraft. Mit genau der gleichen Strafe, die ein Deutscher bei so einem Verbrechen zu erwarten hat. (Sofern die Strafe dem Verbrechen angemessen ist. Die Todesstrafe ist nie einem Verbrechen angemessen.)

    Sie schreiben:

    „Man kann es Vorurteil nennen, ich nenne es logische Schlussfolgerung, dass Männer aus Ländern, in denen die Frauenrechte mit Füßen getreten werden, dieses Geschlechterbild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht automatisch an unserer Grenze ablegen, sondern in unser Land importieren…“

    Stimmt. Da gibt es noch viel zu tun. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. 50% Frauenquote in allen Bereichen (hat was Zwanghaftes, würde ich selbst so ausdrücklich nicht fordern). War das vor der Französischen Revolution oder kurz danach, daß Frauen in der Bundesrepublik Deutschland nicht mehr den Ehemann fragen brauchten, wenn sie arbeiten gehen wollten? Die Bundesrepublik war danach, glaube ich.

    Ich will Ihnen mal was zu muslimischen Gewalttätern erzählen. Gestern starb die Frau, die eines meiner Lieblingslieder sang (den Klang und die Stimme mag ich sehr), die Band heiß so ähnlich wie cranberry, das Lied handelt von Zombies, es stammt aus dem Jahre 1995 und ist -wie ich gestern in der Tagesschau erfahren habe- eine Kritik an die mörderischen Konflikte in Nordirland. 1995 war nach dem Fall der Mauer. Und nach den Hexenverbrennungen. Achso, das hat jetzt mit muslimischen Gewalttätern nichts zu tun. Anderes Beispiel: Meine Mutter sagte mir mal, man muß vorsichtig mit Katholiken umgehen, weil alle Katholiken incl. meiner verstorbenen Patentante falsch sind. Alle! Nee, das hat jetzt auch nichts mit muslimischen Gewalttätern zu tun. Ähm. Die meisten Opfer muslimischer Gewalt sind Goldfische.

    Zu Hause habe ich ein Buch, was ich Ihnen empfehlen kann zum Thema Vorurteile. Schreibe ich Ihnen demnächst…

    Der Kernsatz in meinen Ausführungen ist: Verbrechen gehören angemessen bestraft, unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, Religion, sexuellen Vorlieben.

    Ersetzen Sie das Wort „Goldfische“ durch das Wort „Muslime“.

  69. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Nochmal zu Anna Hartl:

    „Ihre Frage warum wir hier schreiben finde ich gut.“

    Ich auch, ehrlich gesagt 🙂

    Ich (!) will mit Leserbriefen und im FR-Blog auf Probleme aufmerksam machen, die ich für gravierend halte. Meine Hauptthemen sind Biophilie versus Nekrophilie, nämlich Klimaschutz, gegen Tabak, gegen Todesstrafe, gegen vermeidbare Armut.

    Ich gehe davon aus, daß es mehr Sinn macht, so etwas in einer guten überregionalen Zeitung zu schreiben, die man auch in einem kleinen österreichischen Skiurlaubsgebiet lesen kann, als die gleichen Themen bei augenblicklich Hagel in der Auricher Fußgängerzone auszubreiten.

    Aber das ist die Frage. Wieviele Menschen lesen solche Leserbriefe? Da gibt es ja diesen Spruch sinngemäß „gesagt ist nicht gehört, gehört ist nicht verstanden, verstanden ist nicht einverstanden, einverstanden ist nicht gemacht, gemacht ist nicht regelmäßig gemacht“ oder so ähnlich. Wieviele Menschen lesen Leserbriefe (ich selbst finde manchen Leserbrief von anderen 😉 besser als mancher professioneller Kommentar.

    Wie viele lesen den FRBlog. Ich kann mir nicht vorstellen, daß es ausschließlich Frau Ernst und Herr Flessner und hans usw. sind. Das wäre eine Frage an Herrn Büge/“Bronski“. Es gibt ja die stillen Leser, die die Mehrheit stellen.

    Naja, und man muß sich manchmal den Hintern doch naßregnen lassen. Normalerweise wäre ich am Wochenende in Berlin zur „Wir haben es satt“-Demo. Stattdessen geht`s privat nach Homburg. (Saar.)

  70. @Brigitte Ernst
    Ich habe mich manchmal gefragt, warum das Thema Klimawandel und Energiewende gerade in Deutschland so wichtig ist. Vielleicht hat es auch mit der deutschen Geschichte zu tun und zu mindestens diesmal wollen wir nicht schuld sein.

  71. Anna Hartl sagt:

    @Ralf Michael Luebbers,
    Sie sind ein Mann und können sich problemlos überall bewegen, auch in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung.
    Als Frau sieht das anders aus.
    Die Silvesternacht in Köln hat ihre Spuren bei mir hinterlassen. Fiel mir letzte Woche beim Radeln auf, als mich ein Mann anlaechelte der Syrer oder Afghane war und ich den Kopf abwandte.
    Für mich ist ein Lächeln eine freundliche Begrüßung im vorruebergehen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr und ob sich mein Gegenüber des letzteren bewusst ist frage ich mich.
    Insofern teile ich mit Frau Ernst eine gewisse Vorsicht gegenüber Männer aus Ländern, wo Frau ein weniger öffentliches Dasein lebt.
    Ich möchte mich nicht durch falsch verstandene Signale der Avancen eines Mannes erwehren müssen.

    Es wäre schön, wenn Sie dies nicht unter Vorurteile einordnen könnten.
    Betrachten Sie es doch Mal aus der Sicht der Frau.

    Und ja, kann mir auch mit „anderen“ Männern passieren, die Hürde der Verständigung ist dann aber nicht so hoch.

  72. @Anna Hartl
    „Sie sind ein Mann und können sich problemlos überall bewegen, auch in Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung.
    Als Frau sieht das anders aus.“
    In welchen Ländern haben Sie denn diese Erfahrungen gemacht?
    Ich war in 10 Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Ich hatte nie Bedenken Kolleginnen mitzunehmen und sie wurden auch immer höflich behandelt.

  73. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @Frau Ernst:

    Das Buch, was ich Ihnen empfehlen würde, heißt „Mythos Überfremdung/Eine Abrechnung“ von Doug Saunders, Blessing Verlag.

  74. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @Frau Hartl:

    Die junge Frau, die mir heute das Frühstücksbrötchen verkaufte, war vor einigen Jahren mal auf der Titelseite nicht nur der Ostfriesischen Nachrichten und des Norder Kurier, sondern der BILD-Zeitung.

    Wir waren im Zug auf dem Rückweg vom Sommerurlaub in Österreich nach Hause (wir lieben die Alpen). Auf dem Sitz vor mir hatte jemand die BILD-Zeitung liegen lassen. Kannst ja mal reingucken in die Schrottzeitung. „Junge Bäckereifachverkäuferin aus Marienhafe (kann auch Upgant Schott oder Osteel gewesen sein, wenn jemand recherchiert) erkannte Täter wieder, der das Kind bis zur Bewußtlosigkeit mißhandelte.“ So oder so ähnlich der Text.

    Man ist irgendwo zwischen den Bergen und deutschen Großstädten unterwegs aus dem Urlaub, und dann diese Nachricht: Gewaltverbrechen in dem kleinen Ort Marienhafe, wo ich meine Praxis habe. Nach dem Bahnhof Marienhafe kommt nur noch die Kleinstadt Norden und dann Norddeich Mole und dann die Nordsee, Norddeich Mole wird übrigens auch auf dem Kölner Hauptbahnhof angezeigt :-), Kind schwer verletzt im Koma, Bild der Bäckereiverkäuferin, die mir immer die Brötchen verkauft, angezogen. Und der junge Mann, der das schlimme Verbrechen begangen hat, war alteingesessener Ostfriese. Wahrscheinlich evangelisch-lutherisch, weil die meisten Leute hier evangelisch sind und die wenigsten reformiert und noch weniger muslimisch.

    Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das Kind ein Junge oder ein Mädchen war.

    Was bedeutet das jetzt? Von wem sollen sich die Frauen begleiten lassen? Doch nicht etwa von den evangelisch lutherischen Christen? Zu gefährlich. Höchstens von ihren Männern, so sie verheiratet sind. Das heißt: Die meisten Vergewaltigungen finden glaube ich in der Familie statt (investigative Blogger mögen das nachforschen). Auch keine gute Lösung. Hier in Ostfriesland können sich die Frauen wahrscheinlich am besten von den Muslimen schützen lassen. Die haben hier nämlich noch nichts Schlimmes verbrochen. Nee, auch der Mord in Emden war von einem Einheimischen begangen worden. Sie werden sich erinnern, war in der Tagesschau. Mordkommission Aurich.

  75. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Stehe ich kurz davor, zum muslimischen Glauben zu konvertieren? Konvertit gleich Terrorist. Halt! Keine Angst! Ich habe zwar mal überlegt, aus der Kirche auszutreten, Marin Luther war Antisemit, Hexenverfolgung, die Kirchen (katholisch wie evangelisch) haben den Nazis die Kirchenbücher überreicht, ohne die sie nicht gewußt hätten wer Jude ist und wer nicht,…viele Gründe

    Ein Mann braucht von mir eine Bescheinigung für seinen Anwalt. „Ich lieben Mann. In Pakistan verboten. Geschlagen.“ Klar, bekommt er die Bescheinigung. Schlimm, daß in Pakistan Männer keine Männer lieben dürfen und Frauen keine Frauen. Irgendwo in Afrika kann man dafür sogar zum Tode verurteilt werden. Und bei uns gilt Ehe für alle! 🙂 Seit…

    (2017.)

  76. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Henning Flessner:

    „Ich war in 10 Ländern mit überwiegend muslimischer Bevölkerung. Ich hatte nie Bedenken Kolleginnen mitzunehmen und sie wurden auch immer höflich behandelt.“

    Dafür liebe ich Sie jetzt! Platonisch. Man muß auch mal das Positive sehen!

    Wenn Sie jetzt noch meine Frage beantworten: „Vielleicht haben Sie ja noch weitere Ideen:-) Ähm, Ideen für eine bessere Welt. Oder?“

    Nee, wird trotzdem nichts werden mit uns. Wenn Sie nicht aussehen wie Nicole Kidman?! 😉

  77. Anna Hartl sagt:

    @Henning Flessner
    Was soll der Blödsinn, nur weil es ihren Kolleginnen nicht passiert ist, heißt das doch nicht, dass es nicht auch andere Erfahrungen gibt.
    Ich sprach von mir und meiner Erfahrung in Ägypten und der Türkei.
    Es ist mir nicht in Indien, Spanien, USA oder Griechenland passiert.
    Möchten Sie auch die Vorkommnisse in der Kölner Silvesternacht in irgendeiner Weise relativieren?

  78. Wenn man ermordet wird, dann höchst wahrscheinlich von der Person, die neben einem auf dem Sofa sitzt und einem dauernd die Erdnüsse wegnimmt, sagt die Kriminalstatistik.

  79. Anna Hartl sagt:

    @ Herr Luebbers
    Ich sprach von Vorsicht meinerseits und von Belästigung. Von Unsicherheit ob verstanden wird was ich auszudrücken versuche.
    Nicht von Mord oder Vergewaltigung.

    Was soll das hier werden; eine Verbruederung von ungleichen, die demselben Geschlecht angehören?

    Ich führe diese Diskussion nicht mehr. Die metoo Debatte hat in diesem Blog hat gezeigt, dass eine Verständigung zwischen den Geschlechtern vorsichtig ausgedrückt, schwierig ist. Punkt!

  80. @Anna Hartl
    Wer seine Erfahrungen verallgemeinert, muss damit rechnen mit Gegenbeispielen konfrontiert zu werden.

  81. Brigitte Ernst sagt:

    Ich bestreite ja gar nicht, dass es keine herkunftdeutschen Sexual- oder sonstigen Straftäter gibt. Mit denen haben wir schon genug Probleme. Da brauchen wir nicht noch zugereiste Verbrecher zusätzlich. Das ist ein einfaches Rechenexempel. Ohne Anis Amri wären noch 12 Europäer mehr am Leben, ohne den Täter von Freiburg eine Studentin mehr, ohne den Täter von Kandel eine Schülerin mehr usw. usw. Sind das Kollateralschäden der Zuwanderung, die man vernachlässigen kann?

  82. Anna Hartl sagt:

    @Herr Flessner
    Da können Sie sich ja auch an die eigene Nase fassen!

  83. @Brigitte Ernst
    Ich glaube, dass Sie sich jetzt verrannt haben.

  84. Brigitte Ernst sagt:

    @ Henning Flessner
    Argumente, bitte!

  85. @Brigitte Ernst
    Ihr Kommentar liest für mich so, als ob Sie gegen jede Aufnahme von Flüchtlingen sind, weil unter diesen ja auch ein Terrorist sein könnte. So wie Sie es geschrieben habe, würden Sie bei jedem AfDler Zustimmung erhalten.
    Ich habe Mühe mir vorstellen, dass Sie das so gemeint haben.

  86. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Oje…

  87. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    In dem Buch „Mythos Überfremdung“ heißt es im 3. Teil unter dem Titel Das hatten wir schon einmal:

    Die katholische Flut

    Ende der 40er war den USA das Buch von Paul Blanshard „American Freedom and Catholic Power“ auf der Bestseller-Liste. Zitat: „Blanshard schlug Alarm wegen einer Flut katholischer Einwanderer in die Vereinigten Staaten, die er als tiefe Bedrohung für Demokratie, Gleichheit und säkulare Werte bezeichnete. Diese Menschen kamen aus Ländern, die fast ausnahmslos totalitär regiert wurden, in religiösen Fragen fundamentalistisch auftraten und gegen Frauenrechte und Geburtenkontrolle waren. Katholiken waren Anhänger eines unveränderlichen, vom Klerus veränderten Dogmas, das eher eine politische Ideologie als ein Glaube war, „ein Überbleibsel eines mittelalterlichen Autoritarismus, für das es in einem demokratischen amerikanischen Umfeld keinen Platz gibt“. Blanshard behauptete, daß Katholiken nicht integriert werden könnten und auch nicht integriert würden: sie würden in amerikanischen Städten Parallelgesellschaften einrichten und die Durchsetzung ihrer Glaubensüberzeugungen in einem umfassenden Rahmen planen. Der Katholizismus sei im Kern ein „undemokratisches System unter ausländischer Kontrolle“. Die geburtenreichen katholischen Familien würden „die nicht katholischen Teile unserer Bevölkerung mit ihrem Geburtenüberschuß überflügeln“, um sich schließlich um die Präsidentschaft bemühen, um dann, mittels eines „katholischen Plans für Amerika“ ein göttliches Recht einzuführen, zu dem auch ein Zusatzartikel zur Verfassung zählen würde, der die Vereinigten Staaten zu einer katholischen Republik machen würden.²

    In einem anderen Kapitel schreibt er:

    Hätte ich vor 120 Jahren am gleichen Ort in London gelebt, dann hätte ich mit großer Unruhe beobachtet, wie die Bürgersteige der Holloway Road sich allmählich mit armen, seltsam bekleideten Männern und Frauen bevölkerten, deren Kopftücher ihr Gesicht verbargen. …nutzen mein Stadtviertel als Stützpunkt für die Planung einer Serie von Terroranschlägen, durch die Ende der 1880er Jahre mehr Menschen ums Leben kamen und größere politische Unruhen entstanden als durch die Anschläge der Dschihadisten im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. … Doch genau diese EINWANDERER IRISCH KATHOLISCHER HERKUNFT waren innerhalb von weniger als 2 Generationen ins kulturelle Leben meines Viertels eingegliedert worden.

    Anmerkung: Ich bin zufälligerweise evangelisch und habe nichts gegen Katholiken.

  88. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    @ Frau Ernst:

    „Da brauchen wir nicht noch zugereiste Verbrecher zusätzlich.“

    Mir krausen sich die Nackenhaare, wenn ich das von Ihnen lese. Sie sagen, daß keine (muslimischen männlichen) Flüchtlinge aufgenommen werden dürfen, weil sie Verbrecher sind.

    Wenn das kein Rassismus ist, weiß ich auch nicht…

  89. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    Frau Hartl:

    Wenn Sie das Pech hatten, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein und Sylvester in Köln von Männern angegrapscht worden zu sein oder Schlimmeres, tut mir das leid. Sie haben offensichtlich ein schlimmes Trauma erlebt. Ihre Angst vor muslimischen Männern ist aber pathologisch. Fremdenangst bezeichnet man als Xenophobie. Eine übertriebene Angst vor muslimischen Männern weiß ich nicht. Aber man kann das behandeln. Am besten wirkt bei Phobien Verhaltenstherapie und manchmal besonders eine Konfrontationstherapie (flooding).

    Stellen Sie sich vor, sie wären in einen Unfall verwickelt gewesen und trauten sich dann nicht mehr aus dem Haus. So etwas gibt es. Mindert die Lebensfreude erheblich. Diese Angst würden Sie wahrscheinlich auch als irrational empfinden und etwas dagegen machen…

    Viel Erfolg! 🙂

  90. Anna Hartl sagt:

    @Herr Luebbers
    Vielen Dank Herr Dr.
    Ich habe kein Trauma, fühle mich nur verunsichert.
    Lachen kann ich auch noch! Ihr Oje hat mich wieder aus der Rage gebracht.

  91. Ralf-Michael Lübbers sagt:

    🙂

  92. @Ralf-Michael Lübbers
    Bei Googeln zu dem Buch von Blanchard „American Freedom and Catholic Power“ bin ich noch auf Interessantes gestoßen. Die New York Times hatte es abgelehnt eine Werbung für das Buch zu drucken, aber Albert Einstein und Bertrand Russell haben es gelobt.

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