Internet, das ist in der Masse Mode, Musik und Comedy. Alternative Stimmen? Wo denn?

Was für ein Bohei um diesen Paragraphen 13, jetzt 17, des neuen Urheberrechts! Tausende haben demonstriert, jetzt hat das EU-Parlament endlich entschieden – und es hat richtig entschieden! Ich darf dazu mal was aus der Perspektive des Betroffenen sagen, denn ich bin einer von jenen Kreativen, die digitale Inhalte erzeugen und über das Internet vertreiben, so wie es übrigens auch die Frankfurter Rundschau und alle anderen Tageszeitungen sind. Bei mir sieht das so aus: Ich lade meine Romane – falls es Sie interessiert: im Mai erscheint wieder einer – über zwei Online-Distributoren hoch, die sie dann als Ebook platzieren: über Amazon und Feyir. Ich werbe für meine Romane auf meiner eigenen Webseite namens Ybersinn.de, und von dort lade ich regelmäßig Inhalte auf Facebook hoch, um diese Romane bekannt zu machen, denn ich mache das alles ohne großen Verlag in der Hinterhand, sondern allein mit unserem Ybersinn-Verlag.

Und jetzt kommt’s: Alle Inhalte, die ich auf meiner Webseite verbreite, produziere ich selbst. Auch die Bilder. Im Zweifelsfall benutze ich gemeinfreie Bilder, von denen es dank Wikicommons eine ordentliche Auswahl gibt, oder ich verzichte auf Bilder. Ohne Bilder ist natürlich immer schwierig, weil Bilder die Aufmerksamkeit anziehen. Doch ich benutze keine Inhalte und keine Bilder, an denen sonst jemand Urheberrrecht geltend machen könnte. Das gilt auch für die Inhalte, die ich auf meine Facebook-Autoren-Seite Lutz Büge hochlade: Ich benutze nur eigene, gemeinfreie Bilder und eigene Texte. Das geht gut, es funktioniert, und es gelingt mir, auf diese Weise Aufmerksamkeit für die Ergebnisse meiner Kreativität zu erzeugen. Auf bescheidenem Niveau, aber immerhin. Ich kann von mir sagen: Alles selbstgemacht!

Bei den Protesten um den Urheberrechts-Paragrafen 13, jetzt 17, geht es um etwas anderes: Es geht darum, dass sich eine große Community frei an Inhalten bedienen möchte, die andere geschaffen haben; und sie will das tun, um etwas eigenes daraus zu schaffen. Aber die Aktivisten und Protagonisten übersehen dabei etwas Wesentliches: Diese angebliche „Freiheit im Internet“ ist nicht ihre persönliche Freiheit. Wenn sie sich der Werke anderer bedienen, nutzen sie geistiges Eigentum anderer. Der Schutz geistigen Eigentums ist jedoch eine der Säulen unseres Kulturbetriebs. Dass die Chinesen und die Amerikaner das anders sehen – wen muss das interessieren? Müssen wir uns deren Perspektive zu eigen machen? Europa ist stets gut gefahren mit dem Schutz geistigen Eigentums, ja, dieses Eigentum ist sogar der Grund für den Erfolg Europas – kulturell und wirtschaftlich.

Dass Google, Youtube, Instagram und Facebook davon nicht viel halten, sollte uns nicht im Widerstand gegen das neue Urheberrecht beflügeln, sondern es sollte uns stutzig machen: Warum tun diese Internet-Giganten das? Weil ihnen unsere Freiheit so sehr am Herzen liegt? Ganz gewiss nicht, denn ansonsten bedienen sie sich bei der Nutzung unserer persönlichen Daten ziemlich freiherzig, obwohl die ihnen nicht gehören. Und um Stimmung zu machen, schüren sie die Angst vor den ominösen Upload-Filtern, welche die Youtuber arg behindern könnten. Aber, liebe GoogleFacebookInstagramisten – gemeint sind die Konzerne -: Der Lösungsweg könnte ein ganz anderer sein, den es bereits gibt, und zwar der über die Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort. Dazu müsstet Ihr, Google, Youtube und so weiter, allerdings von eurem hohen Ross heruntersteigen und Lizenzverträge abschließen. Dann könntet Ihr urheberrechliche geschützte Inhalte nutzen oder von Euren Usern nutzen lassen. Warum wollt Ihr das nicht?

Nun, das würde eure Umsätze schmälern. Den Urhebern der Inhalte, von denen ihr profitiert, würde es hingegen guttun. Und die Freiheit im Internet wäre davon ebenso wenig berührt wie aktuell die Meinungsfreiheit in einem Land wie Deutschland, das mit dem Konzept der Verwertungsgesellschaften beste Erfahrungen gemacht hat. Aber klar: Den Abzockern kann das nicht gefallen. Doch die, die da lautstark auf die Straße gegangen sind, bis hin zu Sascha Lobo gestern in den Tagesthemen, sollten sich mal Gedanken über ihr sonderbares Konzept von „Freiheit im Internet“ machen.

Die meisten Youtuber produzieren ihre Inhalte übrigens ebenfalls selbst. Sie werden von der nun beschlossenen Reform profitieren. Vielleicht begreifen sie ja irgendwann, dass sie sich von den Konzernen haben instrumentalisieren lassen.

Balken 4Leserbriefe

Thomas Fix aus Frankfurt:

Die gesamte Diskussion ist an Heuchelei nicht zu überbieten: Der Kulturbetrieb ist spätestens seit Adornos Begriff als Industrie bekannt, und es ist mehr als normal, dass man die Kultur und ihre Erzeuger (Urheber) schützen will. Gerade Qualitätszeitungen leiden unter Aboschwünden und sind teilweise völlig kostenlos über Facebook zu lesen. Das gilt nicht nur für deutsche, sondern auch für ausländische Zeitungen. Zeitungen verursachen Kosten (Personal, Vertrieb, Druck etc.) wenn Millionen Menschen kostenlos im Netz lesen können, kaufen sie dann keine gedruckte Zeitung, warum auch?Ähnlich ist es mit Büchern, wenn kleine Verlage pleite gehen, weil ganze Buchreihen kostenlos im Netz zu finden sind und niemand dort mehr Bücher käuft, dann fehlt es an alternativen Stimmen und das gefährdet auf lange Frist unsere Demokratie. Und zu dem Thema der Blogger, Influencer und Youtuber, da müssen wir ehrlich sein und mit der Heuchelei aufhören. Die meisten Themen sind kapitalistisch und neoliberal besetzt, von Mode, Musik oder Comedy, nicht wirklich alternativ. Von echter Zensur kann also nie die Rede sein.
Es wäre doch spannend, ob Herr Rezo mal einen wirklich alternativen Bericht über die 89 jährige Holocaustüberlebende Claudia Andujar bringen würde, die sich im heute faschistischen Brasilien unter Lebensgefahr für den Erhalt des Regenwaldes einsetzt und für das Volk der Yamomami? Auch die Rundschau berichtet nicht über sie. Viele wichtige Themen fallen auch heute schon unter den Tisch. Oder wie geht es der Jugend in Gabun, einige Monate nach dem gescheiterten Putsch? Das wären dann ein paar alternative Themen für die Blogger, Influencer und Youtuber. Aber da gibt’s keine Follower und kein Geld dafür.“

Klaus Philipp Mertens aus Frankfurt:

Unabhängig davon, ob das EU-Parlament die Urheberrechtsreform gemäß dem Gesetzentwurf vollständig oder nur in Teilen akzeptiert, beunruhigen mich die Schlagworte der Protestierer, beispielsweise „Rettet das freie Internet“. Wie realitätsfern, wie ungebildet und wie korrumpiert muss man sein, um solche Fakes zu verbreiten?
Denn das Internet ist vor allem im Bereich der Portale (Youtube, Facebook, Google etc.) keineswegs frei, sondern von kommerziellen Interessen bestimmt. Das von den Betreibern bewusst inszenierte Umsonst-Gefühl soll verschleiern, dass auf anderen Wegen dauerhaft abkassiert wird – vor allem durch die Erhebung persönlicher Daten und deren Verkauf. Bezeichnenderweise wird denen, deren geistiges Eigentum ungefragt kopiert und ins Netz gestellt wird, kein Cent gezahlt.
Das Internet erinnert hinsichtlich Datenschutz und Urheberrecht an eine feudalistische Sklavenhaltergesellschaft. Die beschworene Freiheit ist ausschließlich die Freiheit der Profiteure.
Wer das verstehende Lesen nicht verlernt hat und sich regelmäßig über die Diskussionen zu den verschiedenen Aspekte des Netzes informiert (in analogen oder digitalen Medien), kennt längst die eigentlichen Fragestellungen über die Zukunft der digitalen Kommunikation. Um Informations- und Pressefreiheit, Datenschutz sowie das Urheberrecht zu sichern, bedarf es Strukturen wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk inklusive einer Gebührenordnung. Die Geschäftsmodelle der Internetgiganten würden dann nicht mehr tragfähig sein. Aber daran ginge die Welt nicht unter – ganz im Gegenteil.“

Stephan Spitzer aus Frankfurt:

„Auf der Anti-Urheberrechtsgesetz-Demo wird ein Plakat hochgehalten, auf dem der umstrittene Artikel 13 mit der Bücherverbrennung von 1933 gleichgesetzt wird. Auch wenn so ein Plakat ausschließlich die Idiotie seines Urhebers illustriert, sollte es doch bitte nicht zehntausendfach über eine seriöse Tageszeitung verbreitet werden.
Vielen Demonstranten, die „Freiheit“ schreien und sich gleichzeitig mit schützender Hand vor die monopolistische Machtkonzentration von Google (=Youtube), Facebook & Co stellen (die ihre Milliarden systematisch mit Urheberrechtsverletzungen erbeuten), sei empfohlen, sich das geplante Gesetz einmal richtig durchzulesen, um Panikmache von durchaus Kritikwürdigem unterscheiden zu können. Die pauschalen Parolen z.B. der Alles-muss-gratis-sein-Piratenpartei sind in dieser Hinsicht jedenfalls wenig hilfreich.“

21 Kommentare

  1. Frank van der Hoek sagt:

    Artikel 13 fördert Monopolismus,meine Herren.Große Plattformen werden Filter einführen,es wird dennoch einige Klagen geben,da solche Filter nicht perfekt sein können,aber im Großen und ganzen wird es die Roesen nicht interessieren.Kleine Plattformen können sich weder Klagen noch Filter leisten und müssen schließen.Internet-Startups werden zur Kasse gebeten,sobald sie zu groß/alt werdenHerzlichen Glückwunsch,Sie haben das Monopol noch stärker gemacht.Übrigens:Wer hier für die Beschränkung von Freiheit schreit,sollte sich nicht wundern,wenn historische Parallelen gezogen werden 🙂

  2. ths sagt:

    Eigentlich schade, dass jetzt bei der Diskussion auch noch nachgetreten wird.
    Die Reform hat drei Teile, die das Internet, so wie wir es kennen, kaputt machen werden:

    1. Art. 11(neu 15) Leistungsschutzrecht
    Die Pflicht zur Lizensierung und der damit zu leistende Aufwand für die Suche nach den Lizenzinhabern. Was passiert bei verwaisten Werken?
    Das LSR ist schon in Deutschland gescheitert. In Spanien hat sich Google News komplett zurückgezogen, und der Traffic ist massiv eingebrochen. Zahlungen? Nicht vorhanden.
    Ich glaube eher, dass Dienste sich zurückziehen und mit Geoblocking bestimmte Länder aussperren werden.

    2. Art. 12(neu 16) Ausschüttung
    Die Wiedereinführung der Verlegerbeteiligung an Einnahmen z.B. der VG Wort, die BGH und EuGH 2015 und 2016 verboten haben.

    3. Art. 13(neu 17) Upload
    Die Haftungsverschiebung und das „upload monitoring“, was bei der Masse an zu prüfenden Inhalten zwangsläufig zu Filtern und Overblocking führen wird.

    Besonders überraschend finde ich, dass die eigentlichen Urheber auch dafür sind, obwohl Journalistenverbände wie die Freischreiber sich dagegen ausgesprochen habe.

  3. Brigitte Ernst sagt:

    @ Frank van der Hoek

    „Wer hier für die Beschränkung von Freiheit schreit, sollte sich nicht wundern, wenn historische Parallelen gezogen werden.“

    Wer hier schreit, sind doch eher die Demonstranten auf der Straße.
    Und wenn Freiheit bedeutet, das Eigentum anderer zu klauen, ist das ein merkwürdiger Begriff von Freiheit.
    Wie ich das verstanden habe, wollen doch diejenigen, die sich gegen das Gesetz wenden, selbst mit ihren Produkten Geld verdienen, sprechen dieses Recht anderen aber ab. Das ist unlogisch.

    Und was die angeblichen historischen Parallelen anbetrifft: Wer zwischen diesem Gesetz und den Bücherverbrennungen der Nazis Parallelen sieht, entlarvt sich selbst als Dummkopf. Insofern haben Sie recht: Wer wundert sich heute noch über menschliche Blödheit?

    @ ths

    Sie haben ausführlich dargelegt, was Sie kritisieren. Nun würde es mich interessieren, welche Wege Sie sehen, wie man den massenhaften Diebstahl geistigen Eigentums im Netz verhindern kann und in Zukunft gewährleistet, dass das Urheberrecht durchgesetzt wird.

  4. Frank van der Hoek sagt:

    Noch einmal für jeden,der meint,Artikel 13-Widerstand käme von großen amerikanischen Datenfirmen oder sei von diesen gewollt gesteuert worden:Erstens nutzt diesen Firmen Art.13 am meisten(hierzu obiger Kommentar). und zweitens war erkennbar,dass auch Großfirmen-Kritiker(u.a. Edward Snowden!!!) gegen den Artikel sind.Der Nutzer muss weniger,nicht mehr Repressalien fürchten,wenn er eine Urheberrechtsverltzung begeht,da die Plattform schuld ist.In dieser Hinsicht ist Artikel 13 zu vergleichen mit einem (hypothetischen) Gesetz zu vergleichen,dass Staaten für Kriminalität ihrer Bürger verantwortlich macht.Jeder kann sich denken, zu was so etwas führt..Übrigens,Herr Mertens,darf und kann auf YouTube,Facebook,Google,jeder Posten,was er will.Dass Youtuber nur das machen,was den Fans gefällt und womit sie somit am meisten Geld verdienen,ist selbsterklärend. Ich würde auch gerne erklärt bekommen,was eine Plattform,auf der Youtuber teilweise Millionen verdienen,mit Sklavenhaltung verdienen.Aber natürlich,wie weltfremd,ungebildet und korrumpiert muss man sein,um Freiheit zu wollen.Ist ja absurd.Am Ende will der Pöbel noch mitbestimmen..Herr Fix,auch im Internet gilt auch ohne Art.13 Urheberrecht und geklaute Inhalte werden meist gelöscht.Dass das bei so massiven Datenmengen nicht perfekt sein kann,sollte offensichtlich sein.
    Bitte informieren Sie sich doch nächstes Mal.So folgen Sie leider dem Kurs von Voss und Konsorten und diffamieren und beleidigen Gegner,statt wirklich etwas zu sagen zu haben.Dankeschön.

  5. Frank van der Hoek sagt:

    @Brigitte Ernst Sie tun ja gerade so,als ob das ganze Internet und alle Plattformen und User nur nach der Pränisse handeln würden,Inhalte zu klauen. Das Gegenteil ist der Fall.Beispiel YouTube:Seit mehreren Jahre gibt es das Content ID System,das Diebstahl verhindern soll.Es funktioniert noch nicht perfekt,zeigt aber,dass Urheberrecht auch im Internet funktioniert und Plattformen durchaus daran interessiert sind,Diebstahl zu verhindern.
    Die allermeisten Demos haben ruhig und Zivil stattgefunden,während Gegner diffamiert und beleidigt wurden.Bei der Rede der Abgeordneten der Piraten würde von Gegnern hereingerufen wie in der Grundschule.Der Vergleich von Art.13 mit 1933 ist sicherlich etwas übertrieben,aber stimmig.Ein wirkliches Argument gegen diesen Vergleich außer „Sie sind dumm und desinformiert“ lässt auf sich warten.

  6. Frank van der Hoek sagt:

    Ich spreche übrigens niemanden ab,mit ihren Produkten Geld verdienen zu wollen:Wie gesagt,das Urheberrecht funktioniert auch ohne die Reform.Wer seine Inhalte nicht im Internet sehen möchte,soll sie eben nicht ins Internet stellen.Wenn YouTube so unfair und schlimm ist,wie Sie behaupten,warum haben dann viele Künstler ihr Lied auf YouTube zur Verfügung gestellt?Irgendetwas kann da nicht stimmen.

  7. Frank van der Hoek sagt:

    Herr Fix entlarvt seine Unwissenheit übrigens selbst,indem er fordert,Rezo solle einen Bericht zum Regenwald/Holicaustüberlebenden machen.Verstehen Sie mich nicht falsch,es ist ein interessantes Thema und ja,es sollte darüber berichtet werden.Aber Rezo ist ein Musikkanal.Er berichtet darüber nicht,weil es nicht das Thema seines Kanals is.Weil er weiß,dass er,da er Musikexperte und kein Geschichtswissenschaftler oder Südamerikaner ist,nichts beizutragen hat-eine Haltung,and der Sie sich,Herr Fix,durchaus einmal orientieren könnten.
    Wenn nicht,freue ich mich auf Ihren Leserbrief an die Zeitschrift 11 FREUNDE,in dem sie die Frage stellen,warum sie nicht über Handball berichten.

  8. Das Problem, oder jedenfalls eines von vielen, ist doch dass ein großer Teil der Leute in diesem Land keine Ahnung haben, worum es geht. Das Geschrei der Leute auf der Straße ist auch nicht sehr förderlich und trägt zum Erkenntnisgewinn kaum bei. Aus meiner Sicht, und ich gehöre zu denen die keine Ahnung haben, läuft das ganze doch darauf hinaus, dass die großen, also Facebook und co. ein Monopol haben auf was auch immer auf den Nutzer losgelassen wird. Das ganze System ist, mit Verlaub ,Mist. Planlos wie fast alles , was der moderne Mensch so tut.

  9. Brigitte Ernst sagt:

    @ Frank van der Hook

    Wenn der Klau geistigen Eigentums so selten wäre, wie Sie es darstellen, würde das Thema nicht so hohe Wellen schlagen. Dann müsste sich auch niemand vor der Reform des Urheberrechts fürchten.

    Das Problem des von Ihnen genannten Content ID System ist laut Wikipedia folgendes:
    „Only uploaders who meet specific criteria can use Content ID. These criteria makes the use of Content ID without the aid of a major backer difficult, de facto limiting its usage to big corporations.“
    Also nur begrenzt nutzbar und wenig hilfreich für die geprellten Produzenten.

    Die Unterschiede zwischen der Reform des Urheberrechts und den Bücherverbrennungen der Nazis will ich Ihnen gerne erklären, auch wenn ich eigentlich davon ausgehe, dass sie jedem halbwegs gebildeten Deutschen klar sein müssten.

    1. Was ist Zensur?
    Das Verbot, Inhalte zu veröffentlichen, die einer Obrigkeit nicht genehm sind, meist weil sie diese kritisieren und damit deren Macht bedrohen.
    Bei den Bücherverbrennungen traf dies zu, nicht aber beim Urheberrecht, dem es nicht um inhaltliche Zensur geht, sondern um die Frage, wer Eigentümer(in) des zu veröffentlichenden Textes/Videos/Musikstücks ist.

    2. Wen treffen Veröffentlichungsverbote?
    Bei den Nazis politisch Missliebige und rassisch Verfolgte.
    Beim Urhebergesetz nur diejenigen, die sich des geistigen Eigentums anderer bemächtigen, also deren Rechte missachten.

    3. Was ist das Ziel?
    Bei den Nazis: Anprangern, Einschüchtern und Abwürgen politischer Gegner sowie Ausgrenzung und Verfolgung von Angehörigen bestimmter diskriminierter Minderheiten.
    Beim neuen Gesetz: Durchsetzung von Rechten bestimmter Menschen gegen Übergriffe auf ihr Eigentum.

    4. Welche Folgen ergeben sich?
    Bei den Nazis wurden Texte wegen ihres Inhalts verboten und durch die Verbrennung symbolisch vom Erdboden getilgt. Die Produzenten mussten mit drakonischen Strafen rechnen, bekamen Berufsverbot oder wurden gar ins Gefängnis oder in Straflager gesteckt.
    Das Urheberrecht dagegen zerstört kein eigenständig geschaffenes Produkt. Es verbietet nur die Verbreiteung von Produkten anderer ohne deren Zustimmung. Und die einzigen Konsequenzen aus Verstößen ist die gerechte Entlohnung der Produzenten/Eigentümer.

    Fazit: Die Bücherverbrennungen verletzten das Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung.
    Das Urheberrecht wahrt das Recht auf geistiges Eigentum und folgt dem Prinzip, dass jedem nur die Freiheiten zustehen, die nicht gegen die Freiheiten eines anderen verstoßen.

    Auch wenn meine Argmente keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sollten sie genügen, um den Vergleich zwischen den Bücherverbrennugen der Nazis und dem neuen Urheberrecht als an den Haaren herbeigezogen zu entlarven.

  10. Frank van der Hoek sagt:

    @Brigitte Ernst Bei so vielen Nutzern,wie Sie YouTube hat,werden immer einige Diebe dabei sein. Zu behaupten,diese Plattformen hätten darauf aufgebaut,ist jedoch Quatsch.Das ist,als wollten Sie Staaten verantwortlich machen,wenn irgendwo in ihnen ein Diebstahl begangen wird.Natürlich ist Diebstahl ein Problem,aber es wird auch etwas dagegen getan.Dass das nicht perfekt ist,ist selbstverständlich. Ich gehe davon aus,dass Sie ein Gesetz,das Deutschland verpflichten würde,für nicht aufgeklärte Diebstähle einen Ersatz aus der Staatskasse zu zahlen,recht sinnlos fänden-immerhin ist der Staat nicht schuld und kann es nie vollständig verhindern.Genau das tut jedoch Art.13.Der hilft übrigens Urhebern NICHT,weil die kleinen Plattformen schließen und die großen filtern müssen-d.h. weniger Auswahl und vielleicht werden die Werke sogar gar nicht zum Hochladen zugelassen.Was ich mit dem Vergleich MEINTE war folgendes:
    Artikel 13 wird dafür sorgen,dass viele Inhalte vernichtet werden,weil die Plattfform,auf der sie stehen,plötzlich weg ist.Das weiß ich,das wisssen Sie und das weiß auch Herr Voss.Die Bücherverbrennungen haben ebenfalls Inhalte vernichtet und dafür gesorgt,dass die Plattformen(Buchlädem) weniger werden und mehr „filtern“,potenziell auch vollkommen Harmloses.Sicherlich mit einer anderen Intention und sicherlich ist der Vergleich übertrieben,deshalb würde ich ihn auch nicht ziehen,aber ich kann ihn verstehen.Was ich nicht verstehen kann,ist die Diffamierung von Demonstranten als Mob/gekauft/Bots etc. vonseiten der CDU und Leute,die Kritikern vorwerfen,sie wollten unbestraften Diebstahl.Nein,das wollen wir eben nicht.Wir wollen,dass das Urheberrecht so bleibt.Weil jetzt schon jeder dagegen klagen kann,dass seine Arbeit verwendet wird.Und weil jeder,der denkt,Artikel 13 verhindere Diebstahl oder würde Urhebern IRGENDETWAS nutzen,eben nichts verstanden hat.

  11. Frank van der Hoek sagt:

    Das Content ID System wird übrigens regelmäßig von großen Youtuber und nicht nur von Firmen genutzt.Der Grund,warum man eine Agentur/Management hinter sich haben muss,ist,dass man beweisen muss,dass das Video tatsächlich das eigene geistige Eigentum ist.Das ist im Internet natürlich recht kompliziert.Natürlich ist Content ID nicht perfekt.Es ist aber das beste,was wir haben.Und obwohl es relativ gemäßigt ist,führt es jetzt schon zu Overblocking teilweise.Wenn es mit einem härteren Filter ersetzt wird,wird das Problem schlimmer,nicht besser.

  12. Brigitte Ernst sagt:

    @ Frank van der Hoek

    Ich gehöre nicht zu denjenigen, die Demonstranten für oder gegen das neue Urheberrecht verunglimpfen. So etwas sollte man grundsätzlich unterlassen. Man darf aber sicherlich absurde Vergleiche als solche kennzeichnen.

    Und da fällt mir schon der nächste Fehler auf. Sie vergleichen Internetplattformen mit Staaten,die nicht für Verbrechen haften, die von dritten auf ihrem Territorium begangen werden. Dieser Vergleicht hinkt ebenfalls gewaltig.
    Staaten profitieren in der Regel nicht von den Verbrechen, die innerhalb ihrer Grenzen begangen werden. Deswegen wäre eine Internetplattform, die für eine Gegenleistung, in welcher Form auch immer, Raum für Veröffentlichungen im Netz zur Verfügung stellt, eher mit dem Vermieter einer Verkaufsfläche zu vergleichen, der gegen Provision seinen Raum zur Verfügung stellt. Und der tritt auch in Mithaftung, wenn sich das verkaufte Gut als Hehlerware herausstellt.

    Es ist schön und gut, dass jeder klagen kann, dessen Eigentum widerrechtlich genutzt wird. Er muss es aber erst mal merken und dann im Falle der Klage finanziell in Vorleistung treten. Da sind es wieder die armen Schlucker ohne Finanzpolster, die hinten runterfallen.

    Und was die Vernichtung der Produkte angeht: Ich gehe doch davon aus, dass jeder Produzent/jede Produzentin sein/ihr Produkt auf seinem/ihrem Computer oder einem anderen Medium gespeichert hat. Wenn es keine Plagiate enthält, kann er/sie es jederzeit woanders im Netz wieder hochladen. Das ist, im Gegensatz zu den verbrannten Büchern, deren Veröffentlichung nach der Verbrennung verboten waren, erlaubt.

  13. Frank van der Hoek sagt:

    @Brigitte Ernst Was denken Sie denn,was Internetplattformen von Contentdiebstahl haben?Nichts!Youtube hat von sich selbst schon ein System entwickelt,das Diebstahl verhindern soll.Hätten sie das getan,wenn sie von Diebstahl profitieren würden?Nein.Ihr Beispiel ist auch unpassend.Auf YouTube verkauft niemand etwas. Der Eigentümer einer Verkaufsfläche wird strafbar,weil es seine Pflicht ist,zu sehen,was verkauft wird.Plattformen,auf denen pro Minute mehrere Stunden Videomaterial hochgeladen wird,können diese Pflicht nicht erfüllen.
    Würden Sie den Direktor einer großen Kunstgalerie verhaften,weil er auf Plagiate hereingefallen ist?Oder ist der,der die Plagiate anfertigt,schuld?
    Würden Sie dem Direktor vorwerfen,er hätte absichtlich von Plagiaten profitiert oder wolle diese in seiner Galerie?
    Würden Sie Kritikern der Verhaftung vorwerfen,Sie unterstützten Plagiateure oder Kunstdiebe?
    Würden Sie sagen,Kritiker wären Kunstbanausen und Diebe und wollten selbst nur plagiarisieren?
    Nein,oder?
    Ich sehe in Art.13 eine gefährliche Verallgemeinerung.
    Es ist so,wie zu sagen,Diebstähle wären in D ein großes Problem,daher ist der Staat schuld und die Bürger kennen keine Moral und kein Eigentum.

    Dass nur Leute mit Geld klagen können und dass die Urheber den Verstoß vor der Klage erst einmal bemerken müssen,wird Art.13 kaum ändern.Da es unmöglich ist,mit jedem Urheber eine Lizenzvereinbarung zu schaffen oder jedes Werk im Internet in einen Filter zu implementieren,wird der Artikel Diebstahl des Contents Privater kaum verhindern.

    Übrigens:Computer haben einen begrenzten Speicher und manche Künstler werden alte Werke wohl nicht mehr gespeichert haben(vor allem Ersteller von Videos werden wohl kaum alle alte Videos auf der Festplatte haben).Außerdem zerstört der Artikel die Arbeit von Programmieren,Grafikern und Bertreibern,wenn er Plattformen löscht.

  14. Brigitte Ernst sagt:

    @ Frank van den Hoek

    Ich gebe zu, ich bin auf diesem Gebiet keine Expertin und sicher nicht in der Lage, mit Ihnen Feinheiten zu diskutieren. Das müssten diejenigen tun, die für das neue Urheberrecht eintreten und dafür auch demonstriert haben. Leider scheint die Guppe der persönlich Betroffenen außer Bronski hier nicht vertreten zu sein.

    In einem kann ich Ihnen aber widersprechen: Muss ich als alte Frau Ihnen sagen, dass es außer der Festplatte des Computers so etwas wie externe Festplatten, Sticks und sogar Clouds gibt, auf denen man Inhalte speichern kann? Also das Speicherproblem und damit das Problem des möglichen Verschwindens von Contents ist ja wohl zu vernachlässigen. Mit das erste, das einem in Computerkursen eingeschärft wird, ist das gewissenhafte Abspeichern wichtiger Inhalte.

  15. Frank van der Hoek sagt:

    @Brigitte Ernst Die Gruppe der persönlich Betroffenen,also Urheber,war zum Großteil GEGEN Art.13 .Viele Youtuber,Musiker usw.,die wirklich Ahnung haben,haben sich dagegen ausgesprochen,genau wie führende Datenschutzinstitute.Die Politiker haben ihre eigenen Experten ignoriert und stattdessen lieber das Lovbyistengeld der GEMA,vom Axel-Springer-Verlag etc. eingestrichen.Was ich immer noch nicht verstehen kann:Ständig wird sich beschwert,die europäische Udee würde untergehen,die Bürger trauten Europa nicht mehr und so weiter.Und dann zeigt man einer ganzen Generation,dass Politiker für Geld auch mal gerne Millionen Gegenstimmen ignorieren und beleidigen diese auch noch.Großartige Strategie! Das Vertrauen der Jungen in Europa wird hier so leichtfertig verspielt,dass ich mich fast schon frage,ob das Absicht ist.Profiteure sind nationalistische,eurokritische und Alternative Parteien,und ich weigere mich zu glauben,dass die Politiker das nicht wissen.

  16. Brigitte Ernst sagt:

    @ Frank van den Hoek

    Ich nehme Ihre Darstellung zur Kenntnis.
    Es scheint aber auch andere Positionen zu geben, z.B. diejenige, die Bronski, ein selbst Betroffener, in seiner Einleitung vorträgt. Alles Humbug, was er schreibt?

  17. Frank van der Hoek sagt:

    @Brigitte Ernst Bronski tut leider,wie viele andere Befürworter,so,als gäbe es nicht schon Urheberrecht im Internet,als ob Künstlern von Plattformen kein Geld gezahlt würde,als ob Artikel 13 Plagiate und Diebstahl verhindert,als ob Internetgiganten von Diebstahl profitieren,als ob Menschen,die für Freiheit im Internet sind,sich nur an andere Leute Inhalten bereichern wollten,als ob Artikel 13 den Urhebern hilft,als ob es keine anderen Artikel in dieser Reform gäbe,die Urhebern sogar explizit schaden,als ob es keine Künstler gäbe,die gegen Artikel 13 sind(oder zumindest eine große Mehrheit,die dafür ist),als ob Gegner dieses Artikel Gegner von Urheberrecht wären,als ob Artikel 13 ohne Blocking und Filter (und selbst damit) überhaupt möglich wäre,als ob den Artikel nicht Dutzende Datenschutz-und Internetexperten abgelehnt hätten,als ob Artikel 13 Internetriesen und nicht -Zwergen schaden würde,als ob man gegen alles,wofür Google+Facebook sind,sein müsste, und als ob es in einer Demokratie,in die das Vertrauen schon gering genug ist,in Ordnung wäre,sich nicht nur gegen Millionen zu entscheiden,sondern Ihnen noch zu zeigen,wie egal diese ihnen sind und ihre Unfähigkeit und Unwillen,vernünftig zu diskutieren(ich meine die Politiker,nicht Sie),zeigen,indem sie Kritikercaufs Schlimmste diskreditieren und beleidigen.

  18. Frank van der Hoek sagt:

    Nur einmal so,@Bronski:Auch dies hier ist eine Plattform.Wenn ich hier in zwei Jahren Urhebergeschütztes poste,haben Sie eine Klage am Hals.Finden Sie das gerecht?(und nein,das ist keine Drohung)

  19. Bronski sagt:

    @ Frank van der Hoek

    Ich werde mich an dieser Diskussion nicht beteiligen können. Daher nur ganz kurz und nur einmal zu Ihrem Kommentar von 7:34 Uhr. Sie behaupten, ich würde so tun, „als ob Artikel 13 den Urhebern hilft“. Meine These ist, dass es den Urhebern helfen würde, die Vergütung und alles drumherum in die Hände von Verwertungsgesellschaften zu legen, mit denen die Plattformen dann abrechnen würden, nach dem Prinzip der seit Jahrzehnten gut funktionierenden Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort). Ob Artikel 13 den Urhebern hilft, kann ich nicht beurteilen. Trotzdem bin ich ein Verfechter eines strikten Urheberrechts und habe dafür gute Gründe, siehe oben.

    „Wenn ich hier in zwei Jahren Urhebergeschütztes poste, haben Sie eine Klage am Hals. Finden Sie das gerecht?“

    Ich verstehe Ihre Frage nicht. Sie meinen wahrscheinlich, dass ich in zwei Jahren eine Klage am Hals haben könnte, wenn Sie JETZT etwas urheberrechtlich Geschütztes posten, oder? Ja, das wäre gerecht, denn dann hätte ich meine Arbeit nicht gemacht. Ich achte selbstverständlich darauf, dass hier keine allzu langen Zitate aus urheberrechtlich geschützten Texten gepostet werden. Im FR-Blog gilt nämlich jetzt bereits das vergleichsweise strenge deutsche Urheberrecht. Verlinken ist urheberrechtlich unbedenklich und wird dies auch bleiben. Bilder und Videos können hier nicht hochgeladen werden außer von mir selbst, und für die Agenturbilder in meinen Anmoderationen hat die FR Honorar gezahlt, ich darf sie also verwenden.

  20. Frank van der Hoek sagt:

    Alle Urheber sollen sich also die Mühe machen,ihr Eigentum an eine Gesellschaft zu verkaufen.Eine Gesellschaft,die noch gar nicht existiert und wohl in der Flut aus Einreichungen regelrecht untergehen würde?Ich weiß,Sie diskutieren hier nicht mit(und das verstehe ich),aber das kann ich nicht so stehen lassen.Sie können Ihre Arveit hier auch gut erledigen.Plattformen,auch kleinere können dies faktisch nicht.Private Plattformbetreiber,die teilweise nicht einmal Geld verdienen,sind die Verlierer.Ihre Punkte für stärkeres Urheberrecht meine ich wiederlegt zu haben..Und:Was,wenn ich diesen Text hier unter einem Pseudonym schreiben würde,es als Frank van der Hoek an die Verwertungsgesellschaft verkaufe und Sie dann verklage?(und es gibt genug Idioten mit großem Hass auf bestimmte Plattformen,die dazu bereit wären).Sie und ich würden das nie tun.Aber es gibt sicherlich Menschen,die wegen auf die Plattform verschobenen Repressalien jetzt erst recht Urhebergeschütztes posten.

  21. Bronski sagt:

    „Alle Urheber sollen sich also die Mühe machen,ihr Eigentum an eine Gesellschaft zu verkaufen.“

    Nein. Verwertungsgesellschaften übernehmen nicht das Urheberrecht, sondern sie achten darauf, wann und in welchem Umfang jemand an Ihr Urheberrecht rührt. Dafür muss man sie beauftragen. Beispiel: Jemand kopiert in einer herkömmlichen analogen Bibliothek seitenweise aus einem Buch, das Sie geschrieben haben. Das ist nicht verboten, aber dafür führt die Bibliothek eine Gebühr an die VG Wort ab, von der Sie dann einen bestimmten Betrag erhalten, den die VG ermittelt. Damit ist Ihr Anspruch auf Honorar abgegolten. Dieses Konzept funktioniert seit Jahrzehnten ganz ausgezeichnet. Es spricht nichts dagegen, es für die Anforderungen des neuen Urheberrechts weiterzuentwickeln. Und es spricht auch nichts dagegen, dass Plattformen zugleich als Verwertungsgesellschaften auftreten.

    „Ihre Punkte für stärkeres Urheberrecht meine ich wiederlegt zu haben.“

    Finde ich nicht. Vielmehr bauen Sie ein Angst-Szenario auf, obwohl Sie noch gar nicht wissen, was genau jetzt rechtlich passieren wird. Ich plädiere dafür, erst einmal abzuwarten, was der Gesetzgeber sich ausdenkt. Ich kann mir beispielsweise nicht vorstellen, dass er so strenge Regeln einführt, wie Ihnen dies offenbar vorschwebt. Kommentare in Diskussionsplattformen sind schon jetzt urheberrechtlich geschützt, genauso wie Leserbriefe. Diese Inhalte werden dem FR-Blog und der FR von Ihnen, den Userinnen und Usern bzw. Leserinnen zur Verfügung gestellt, und wir dürfen sie in Ihrem Namen veröffentlichen, weil das Ihrem Wunsch an gesellschaftlicher Teilhabe (mitreden) entspricht. Hätten Sie diesen Wunsch nicht, sich mitzuteilen, würden Sie sich an dieser Diskussion nicht beteiligen. Dieses Verhältnis von Plattform und User ist unter anderem im Presserecht geregelt. Auch nach der Veröffentlichung bleibt das Urheberrecht an Ihrem Kommentar bzw. Leserbrief bei Ihnen. Sie verbinden keine Gewinnerzielungsabsicht mit der Veröffentlichung Ihrer Kommentare. Daher wird es auch in der Weiterentwicklung des Urheberrechts, seiner nötigen Anpassung an digitale Zeiten, kein Recht geben, nachträglich ein Honorar einzuklagen. Ich bin zuversichtlich, dass der Gesetzgeber das so oder ähnlich regeln wird, denn sonst werden Diskussionen wie diese im Netz unmöglich. Vielleicht müssen Blogs wie das FR-Blog künftig von Ihnen die Erklärung einfordern, dass Sie Ihren Kommentar honorarfrei zur Verfügung stellen, aber darin sehe ich kein großes Problem. Das ist mit einem zusätzlichen Klick erledigt. Keinesfalls aber wird ein solcher Anspruch auf Honorar rückwirkend eingeführt werden.

    Und noch einen Punkt setze ich Ihrem Angstszenario entgegen, der in der ganzen Schauer-, Schreck- und Horrordebatte um die Uploadfilter bisher keine Chance hatte: Es ist jedem Kreativen und jedem Künstler schon jetzt möglich, seine Werke gemeinfrei zu stellen. Dann sind alle unklarheiten beseitigt. Das bedeutet, dass er auf jegliches Urheberrecht und damit auch auf Honorar verzichtet. Amazon fragt mich das jedesmal, wenn ich ein neues Ebook publiziere: Möchte ich meine Rechte daran wahrnehmen (d.h. das Ebook in den Einzelverkauf geben) oder möchte ich es gemeinfrei stellen? Wähle ich letztere Option, dann verdiene ich daran nichts, und jeder kann den Roman herunterladen. Ansonsten würden meine Romane erst in 70 Jahren (nach bisheriger Regelung) gemeinfrei werden.

    Der Punkt, der jetzt anders werden muss, ist folgender: Die Neuregelung wird erfordern, dass jemand, der seine Werke gemeinfrei stellen will, dies ausdrücklich erklären muss. Dann muss das Werk auf irgendeine Weise, die noch gefunden werden muss, als gemeinfrei gekennzeichnet werden. Es kann also weiter eine Gratis-Kultur im Netz geben – aber nur mit Erlaubnis. Wikicommons macht es vor; dort ist mit Lizenzen geregelt, was mit den Bildern und Videos geschehen darf, die dort zur Verbreitung eingestellt worden sind. Ich könnte mir vorstellen, dass der Gesetzgeber sich an diesem Konzept orientiert, aber wie das im Detail aussieht, werden wir abwarten müssen.